lnr Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. ZIedigirt von Franz Hermann von Hermannsthal. ^ 75. Freitag am t.5. Jänner 1841. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchenilich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Noaen. Der Greis des Blattes ist in Laibach gan>!ähr>« b, oalolähria !> n. Durch d,e t. l. Post »nler Onuvert mil lorcotreier Zusendung aanziäbria «, dalbiabria 4 >i. C.M., und n>>rd balbiaoria «orau«­ bezahlt. Alle t. k. Ponämlel »ebmen Vraiiumeratlon n». In Die beide« Brüder. Paramnlhic. ^« n Edens Goldgefflde, Den Blick voll Perlcnlhau, Da thront so sanft und milde Die schünsie Glitterfrau. »Kennt auch das Gluck die Thräne; »Du Frau, wie's keine Zieht? »Du Mutler zweier Sühne, »Von Neiden heiß geliebt!« Das ist's ja, was der Armen Das Herz im Busen bricht, D'rum bleicht sich zu,» Erbarmen Ih r schönes Angesicht. Denn beide Sohne wähnen Voll heißer Kindesbrunst, Nur Eine n darf sie krönen Mi t ihrer Mutlcrgunst. »Leb' wohl, mein Lieb, mein Leben! »Mich leidet's nimmermehr! »Den Sie g muß ich erstreben »Durch Thaten groß und hehr!« So rief nach düstrem Sinnen Der Eine, wüsten Blicks, Und eilte wild Von hinnen Zu Kämpfen des Geschicks. »Mich, Mutter, mußt du lieben!< Sprach nun der and'rc Sohn; »Nichts soll dies Glück mir lrüben, »Den Sieg erring' ich schon."-^ Doch »ls sie Veid e kehrten I n ihrer Heimat Schooß, Und beide stolz bewahrten Des Sieges glänzend Loos — Da sprach sie, «oll Entzücken I n ihrer Muttcrbrust, Mit freudetrunk'ne» Blicken Und süßer Himmelslust: »Nehmt diese Lorberkronen; »Hier «ilt es keine Wahl; »Euch beide will ich lohnen »Mit meiner Liebe Strahl.« Ä !, g u sl Sch i l l i n g. Laibaw pränumerirt man beim Verleger am Raa», Nr. lyu, »» ersten Vlocke. Die Stubenberge. Von Karl P renn er. (Fortsetzung.) Während Willfing und sein Kaiserin Italien, und selbst gegen die Griechen und Araber manchen harten, heis­sen Kampf für deutsche Ehre und Ruhm bestand, härmte sich Agnes zu Hause voll Sehnsucht nach der baldigen Rückkehr ihres Geliebren ab; gar oft sah sie von den Tollern ih­rer Burg in das Thal hinab, und in jedem vorüberziehen­den Rirter vermuthete sie ihren Wülfing. So drohten die festgesetzten sieben Jahre in den Strom der Zeiten zu verschwinden, und weder erschien Wülfin g noch langte eine Nachricht von ihm ein. I n dieser Zwischenzeit ret­tete Riedeler von Kuenring, Burgvogt zu Brück an der Mur, Otto's von Habs bürg Freund, diesem in einer mit dem benachbarten mächtigen Grafen von Pfann ­berg gehabten Fehde das Leben. Otto, dadurch dem Ritter Kuenring zum beson­deren Dank verpflichtet, glaubte seinem Freunde die Lebens­rettung nicht besser als mit der Hand seiner Schwester zu vergelten, um so mehr, als auch Kuenrin g schon lange ein feuriger, hingegen ob Wülfin g hintangesetzter Ver­ehrer der schonen Agnes war. Agnes widerstand lange dem zudringlichen Zureden ihres Bruders und der oft stürmisch ausbrechenden Liebe Kuen rings, und als selbst das bestimmte siebente Jahr verflossen war, suchte sie noch immer unter verschiedenen Vorwänden den nun immer dringender werdenden Bruder und Ritter Kuenrin g hin­zuhalten, bis sie nicht mehr widerstehen konnte. Ih r Ver­lobungtag wurde festgesetzt. Dieser für die getreue Agnes so traurige Tag er­schien, und mit demselben auch der von ihr so heiß und lang gewünschte Wülfing . I n voller Rüstung, mit ge­schlossenem Visier und verhülltem Wappenschilde kam Wül ­fin g als ein vorgeblicher reisender Ritter zum Verlobung­feste seiner Agnes auf ihre Burg zu Bäreneck, das Gast­recht benutzend, an; denn das Gerüche, daß Agnes ihre Verlobung mit dem Ritter von Kuenrin g gezwungen 23>8 feiere, war, als er in der Nähe seiner heimathlichen Burg angekommen, ebenfalls zu ihm gedrungen. Als er beim Anblicke seiner innigstgeliebten, abgehärmten Agnes sich nicht mehr zurückhalten konnte, wies er derselben die von ihr erhaltenen Liebesandenken, den Haarzopf und Ning vor, gab sich derselben und in der Folge auch den Uebrigen zu erkennen, und forderte die Hand der ihm früher anverlob­ten Braut. Bei dem heftigen Srreir, der sich nun zwi­schen den beiden Nebenbuhlern erhob und aus welchem sich eine blutige und langwierige Fehde zu entwickeln drohte, wurde beschlossen, daß zwischen den zwei Liebhabern den Besitz der Hand der schönen Agnes das Schwert, das ist ein Zweikampf, entscheiden solle. Tag und Ort wurde be­stimmt, und der Kampf auf Leben und Tod fand am i?. Mai 1002 auf jener weiten Bergebene Sratt, welche zwi­schen Bäreneck und Kapfenberg liegt, vom Mürzthal aus gesehen wird, und noch jetzt das Nennfeld heißt. Der Kampf geschah zu Pferde, und noch gegenwärtig dezeichnet ein Steinhaufen jene Stelle, wo Kuenring als ein trau­riges Opfer der Liebe von der Hand Stubenbergs fiel. Diese einsame Todesstätte Kuen rings wird nun noch höchstens von einem einzelnen, den Auer- und Schildhäh­nen, welche da ihren Tummelplatz haben, nachschleichenden Jäger besucht. Mehr als achthundert Jahre sind seit dieser Zeit Ver­stössen, und jenes silberne, einst vergoldete Gefäß, in wel­chem Wülfing die Haare seiner Agnes um dem Helm trug, besteht noch, und selbst den schönen blonden, noch zu schauenden Haarzopf konnten so viele Jahrhunderte nicht vertilgen. Wülfing's und seines Pferdes Rüstung sind ebenfalls noch zu sehen. Ein tiefer Schwerthieb, wahr­scheinlich von der Hand Kuenrings in dem Zweikampfe geführt, ist aufdem HelmeWülfings besonders bemerkbar. Was aber dieses romantisch-tragische Ereigniß in der Familie und bei der Nachwelt besonders im Andenken er­hält, ist der im Wappenschilde dieses Herrngeschlechtes an­gebrachte, mehr besprochene Haarzopf der schönen Agnes, welcher sich durch den Ring des umgekehrten stubenberg'­schcn Ankers windet. Unter Wülfing's Nachfolgern kommt in der erwähn­ten Stammtafel im Jahre 1100 Winter Herr v. Stu ­benberg — weiters Rueland Herr von Stubenberg — nach diesen Wülfin g l>. im Jahre 1120, und dessen Brüder Octokar 1130 und Burkhard 1134 vor. Wül­fing harte eine Herzogin von Kärnten, Margareth, zur Gemahlin. Im Jahre 1163 kommt Friedrich i. Herr von Stu­benberg, im Jahre 1200 Friedrich II. Herr von Stu ­benberg vor. Die Stammtafel nennt ihn: „Trukseß in steyr«. Er wurde von Ottokar il. dem letzten Traungaucr, der zugleich auch der erste Herzog in Stei­ermark gewesen, zum herzoglichen Obersterblandmundschenk gewählt, und mit diesem Erbamte nicht allein für seine Person, sondern auch für seine Erben und Nachfolger auf ewige Weltzeiten belehnt; denn Ottokar führte wegen seiner neuen HerzogZwürde größeren Glanz und auch Hofämter, und unter diesen Truchsesse, Marschälle, Kämmerer und Mundschenke ein. Seither ist auch bei dieser Familie das steirische Amt der Obersterblandmundschcnke fortan, und zwar gegenwärtig schon das ß-lO. Jahr, geblieben. Dieser Fried­rich hatte eine Prinzessin von Carrar a zur Gemahlin. Ulrich Herr von Stubenberg unternahm mit dem Babenberger Leopold IL, Herzog von Steiermark und Oesterreich, einen Kreuzzug nach Palästina, und half Da­miette in Aegypten heldenmüthig erobern. (121?.) Nun erblicken wir den mächtigen und berühmten Wül­fing Hl. Herrn von Stubenberg (123?), welcher die Elisabeth Gräfin von Ortenburg zur Ehe hatte. Er wird in einem von Kaiser Friedrich II. (dem Hohenstau­fen, 123») an ihn ausgefertigten Privilegium mit dem schmei­chelhaften Titel «Unser Getreuer" beehrt. Von der Macht und dem Ansehen dieses Wülfin g giebt Folgendes hinlänglichen Beweis: Herzog Leopold ll. hatte zur Verherrlichung der Feier der Versöhnung des Herzogs von Kärnten mir dem Mark­grafen von Istrien zu Friesach ein großes Turnier ange^ ordnet, und dazu die mächtigen Großen seiner Erblande eingeladen. Hier erschien nun unser Wülfin g mir einem besondern Glänze und einem großen Gefolge von Rittern und Knappen, unter welchen 34 Ritter gezählr wurden, während doch andere Große weniger Gefolge harten. Der Herzog von Kärnren selbst hatte nur Z0 Nirrer, der Mark­graf Dietbold v. Nohburg nur 12, der Graf v. Heun­bürg 32, der Graf von Ortenburg, herzoglichen Stam­mes, nur acht Ritter im Gefolge. Auf diesem Turniere er­warb sich Wülfin g die Ehre des Tages, und besiegte un­ter anderen mannhaften Rittern auch den gleichmächtigcn Hadamar von Kuenrin g mit dessen Schar im Tiost und Puneis (Lanzenstechen und Scharfrcnnen zu Pferde). Doch erhielt die Familie Stubenberg unter diesem Wülfing, wie schon erzählt werden, zur Zeit Ottokars von Böh­men, einen gewaltigen Stoß. Johann von Stubenberg, Wülfings Nachfolger, war Vormund Leonhards von Lichtenstein. Unter die­sem Johann Stubenberg ist die von den Lichte «stei­nern in den ältesten Zeiten besessene Burg Frauenburg, an der Mur bei Unzmarkt in Obersteier, an den König Mathias von Ungarn, dann an die Rosen berge, von diesen an die Schwarzenberge, und von diesen an die Stubenberge gelangt, welche dieselbe im 1 «ten Jahrhun­derte in eben jenem Style wieder herstellten, in welchem die Ruinen noch jetzt zu sehen sind. (Fortsetzung folgt.) Tiroler - Fahrten. Von Eduard Silesius. (Fortsetzung.) Unvermerkt, im Anblicke des unsäglich-frischen naiven Naturlebens zu unseren Füßen untergegangen, hatten wir das Fußgestelle des Granitwalls im Hintergrunde erstie­ gen; beschwerliche, mitunter bedenkliche Stellen unserer Wanderung über die höheren, pfadlos immer steiler heran­ 299 wachsenden Partien zwangen uns, unsere Augen von der blühenden grünen Tiefe weg, mehr auf die nächsten Um­gebungen zu wenden. Ueberall scheinbar unersteigliches Felsengebirge in kolossalen Mauern emporgethürmt; durch jede der zahlreichen Seitenschluchten, den Brüchen in die­sem Riesenbollwerke der Natur, tobende Gebirgsbächlein, den unversiegbaren Brunnenstuben der Ferner entsprungen, herniederstürzend und die herrlichsten Wasserfalle bildend. Einer der Letztern, unter einer von der Natur gebildeten grandiosen Fclsenbrücke, die wir schauernd überschritten, des Berges unnahbaren Eingeweiden entrauschend, zog be­sonders unsere Aufmerksamkeit auf sich — und doch verhieß uns der Führer noch höhere Wunder von einem noch eine halbe Stunde höher gelegenen. Zwar begannen unsere Kräfte, noch mehr aber unsere Fußbekleidungen, den An­strengungen des über alle Beschreibung beschwerlichen Klet­terns nicht mehr recht gewachsen zu sein; der gute Junge an unserer Spitze verhieß aber Wunder über Wunder vom obersten Falle und von der gefrornen Wand, — auch wußte er zwischen den gigantischen Schichten des Granitwalls über uns so geschickt pfadähnliche Zickzacks auszuwählen, daß wir ohne eben sichtbare Lebensgefahr uns forthelfen mochten. Auf den Kalkbergen ein so beherzter Kletterer, verspürte ich hier, zum ersten Male an Granitbergen mich versuchend, eine gewiße, mir anfangs unerklärliche Zag­haftigkeit; es war das Ungewohnte der Schichtenformation und des Gesteins unter meinen Füßen, was mich hier, so wie später noch, auf der Grimsel und auf dem Sidelhorne, nicht mit jenem beinahe unfehlbaren Tritte zuschreiten ließ, den ich amsteierischen Hochschwab, am österreichischen Krip­penstein, Schafs- und Schneebergc, am tirolischen Solstein und an unzähligen anderen Hochpuncten unserer Alpen bei mir erprobt hatte: so sehr ist der Mensch ein Sclave der Gewohnheit! Doch führt es schon die Natur des Gesteins mit sich, daß man vom Kalkgebirge auf den ungewohnten Granit — Zaghaftigkeit, umgekehrt aber — Verwegenheit mitbringt, die leicht zum Unglücke führen kann. Die brei­ten, nicht zu umgehenden Platten der Granitberge sind nämlich großencheils bemooset, und schon an sich so rauh, daß man auch bei ziemlich steiler Senkung noch immer fe­sten Fuß darauf fassen kann; wehe aber, wenn man sol­ches auf glatten Kalt- und Mamorplatten versuchen wollte! Hier würde der Fuß unfehlbar ausgleiten und Sturz auf Sturz erfolgen. Hier gilt es also, die ohnehin minder umfangreichen Fclsschichten zu umgehen und die Spitzen und Zacken zur Sicherheit für Fuß und Hände zu be­nutzen. Endlich war unser heutiges Reiseziel erreicht; hoch über uns zur Linken lag, über Trümmern von Berggeschie­ben, die gefrorne Wand, zur Rechten aber schoß der Ur­sprung des Durerbachcs, höher oben aus den Regionen des ewigen Schnees entsprungen, in kühnem Bogen von einer steilen Felswand. I m letzten kalten Sommer etwas wasserarm, muß diese Cascade, wenn das schmelzende Gletschereis ihre Urne schwellt, zu einer der sehenswerthe­sten in Tirol gehören. Von hier aus hätten wir noch eine Stunde zum Fuße des Gletschers auf dem mühsamsten Wege hinaufzuklettern gehabt; der sinkende Tag, die Er­schöpfung meines wunden Fußes bestimmten mich aber, diese letzte Wanderung zu unterlassen, welchem Entschluß« sich auch mein Reisegefährte anschloß. So kehrten wir denn seufzend — denn auf Fußreisen hält ja die Kraft selten mit der Begierde gleichen Schritt — nach Lahnersbach zurück. Viele Freude hatten wir auf dem Heimwege an dem gur­müthigen Landvolk«, an deren geselligen Gruppen wir bei anbrechender Abenddämmerung vorüberzogen. Am unver­geßlichsten bleibt mir aber der Anblick einer hochgewachsenen vollen und stämmigen Schönen, an lernigem Reize Her­mann's Schwestern in urdeutscher Vorzeit vergleichbar — so wie dieses Hochthal überhaupt unter seinen stämmigen Töchtern mehr Schönheiten birgt, als man im übrigen nörd­lichen Tirol findet.— Abendlicher Trägheit hingegeben, lag die mächtige Schönheit dicht am Eingange auf der Haus­stur einer der Hütten hingestreckt, und eine Gefährtin kämmte die Fülle ihres wunderherrlichen reichen Goldhaa­res, um welches sie wohl manche Stadtdame beneidet hätte. Es war eine jener Scenen unter Hunderten, bei welchen ich immer bedaure, daß ich kein Maler bin, daß ich solche Bilder nur im innern Guckkasten mit mir forttragen kann. Spät abends traten wir wieder in unser trauliches Wirths­haus ein, wo nebst einem erwünschten Mahle eines der lieblichsten Vocalconcerte unser harrte: unsere drei Wirths­töchter hatten nämlich gar melodische Discantstimmen, und Loisal, unser jugendlicher Führer nach dem Wasserfalle, einen gar schönen Tenor, und wußte überdies gar kunst­reich die Cither und das Hackbret zu schlagen. So wur­den denn die anmuthigsten Volkslieder, zum Theile selbst im Thale Dur, wie die Blumen auf den Alpen, hervorge­wachsen, gejodelt und gesungen. Vergebens suchten wir aber über Lewald's »Maria, die schöne Durerin", die be­kanntlich seinem anziehenden Buche über Tirol als Titel­lupfer voransteht, nähere Erkundigungen einzuziehen; ob man sie wirklich nicht kannte, was doch bei den Wirthsleu­ten im Hauptorte von Dur kaum glaublich schien, oder ob man nur zurückhielt, wurde mir nicht klar. War es etwa Maria oder Maidel, die jüngste Tochter vom Hause, die immer so schalkhaft lächelte, wenn von der schönen Du­renn die Rede war? Sie hatte wohl recht liebliche Züge, aber eben nicht viele Aehnlichkeit mit dem Porträt; auch war sie wohl zu jung, denn sie zählte angeblich (und die Duxerinen pflegen sich nicht, wie die Wienerinen, jünger zu machen) im Sommer 18^8 erst 18 Jahre, und war da­her zu Lewald's Zeit wohl noch ein Kind. (Beschluß folgt.) Neues. (Der Mann aus dem Monde.) In diesen Ta­gen stieg eine zwölf Fuß große, aus Nindsdarm gemachte und mit Wasserstoffgas gefüllte Figur, welche Gay Faw­kes, das Haupt der Pulverschwörung, darstellte, aus ei­nem Garten in London auf. Das Gespenst — denn man konnte es mit Recht so nennen — stieg anfänglich gerade in die Höhe, im Winde bewegten sich aber bald die Hände und Füße derselben, so, daß sie aussah wie eine Person, 30» die durch die Luft schreitet. Alle^ die diese Erscheinung sahen, erschracken gewaltig. Die Gestalt schritt so über ganz London hin, über die Themse, und wendete sich dann nach der Grafschaft Kent zu, soll aber im Meiningischen Niedergegangen sein. — (Zucker gegen Grünspan.) Die Herren Mar­cellin Duval und Orfila in Paris haben durch mehre Versuche bestätiget gefunden, daß der Zucker unter alle» bekannten Gegengiften des Grünspans das wirksamste sei. Glaubwürdigen Berichten zu Folge sind bereits mehre, durch Grünspan vergiftete Personen, in welchen das Gift seine Wirtungen, nämlich Erbrechen, Koliken u. s. w. be­reits begonnen hatte, durch Zuckerwasser oder festen Zucker gerettet worden. — (Mutter und Kind.) Man ließt in der „Kn^ue ös« trikuuüux" Folgendes: Die Zollbeamten an der Bar­ riere de Charonne in Paris bemerkten 14 Tage hinterein­ ander eine junge Frau, welche dreimal des Tags in einem Omnibus nach Paris hineinfuhr und auf ihren Knieen ein in einen Shawl eingewickeltes Kind hielt, dem sie von Zeit zu Zeit die Brust gab. Die Aufseher schöpfen Ver­ dacht und heißen die Mutter ins Bureau treten; sie nel> men dem Kinde seine Windeln ab. und finden, das; es nicht aus Fleisch und Bein, sondern aus Blech besteht, und statt des Blutes ungefähr 15 Litres Alkohol enthält. —­ (Todesahnung.) Zu Rogasen im posener Regie­ rungbezirke ereignete sich unlängst nachstehender merkwür­ dige Vorfall: Die noch rüstige und gesunde Jüdin, Ra­ chel Faß, 73 Jahre alt, kam zu einem dortigen Israeli­ ten, welcher der sogenannten Todtenzunft angehört, und die jüdischen Beerdigungen daselbst besorgt, mit der Bitte, mit ihr nach Hause zu kommen. Dort angelangt, erklärte sie in Gegenwart mehrer Zeugen, daß sie sterben werde, übergab ihm ihre Barschaft mic der Anweisung, wie die­ selbe zu verwenden, und ordnete demnächst an, wie sie be­ erdiget zu werden wünsche. Auf dringendes Bitten und mehr aus Scherz nahm derselbe das Geld und die Schlüs­ sel zum Koffer mit sich nach Hause. Als er fort war, legte sich die Frau nieder, und starb etwa nach einer Stunde, muthmaßlich, wie der Arzt bescheinigt, an der Lungenläh­mung. — (Mache de Labourdonnais), der berühmteste Schachspieler Europa's, ist, erst 4? Jahre alt, unlängst in London an der Wassersucht gestorben. Er hatte sich einer großen Schachwecce halber nach London begeben. — November- und Decemberfeuilleton. Mit ­theilungen aus dem Tagcbuche eines Wie­ners. (Fortsetzung.) An Concerte» hatten wir bis zur Stunde die Hülle und Fülle, in der That hielt die jetzige Saison ihren Einzug mit Sang und Klang, ohne Zweifel wird sie, wie begonnen, auch enden, und nicht früher, als erst in dem Hosssana des Osterfestes »erhallen, d'rein sich wohl, wie mir eine freudige Hoffnung sagt, schon die ersten Frühlmgshumnen der vom Winterschlafe wiedererwachenden Natur mischen werde!?. Verdientes Aufsehen unter den debutirenden Loncertisten machte und macht diesen Äugenblick noch fort der Guitarrist I«I . Ncgondi. Man nennt ihn den Lißt der Guitarre; wahrhaftig eine rühmliche Parallele, wenn man die Natur jenes Undank- Sckallschwingnng zu verleihen, nicht reolisirt, so sehr sich auch ein junger Virtuose und SchülerNockle ts, Hr. Kuh n, Müde gab, durch eine D ö h ler'­sche Variation brillante die Tongewalt des neuen Instrumentes celatont zu machen. — In, k. t. Hofopcrnthealer begrüßte eine neue Oper das Licht der Oeffcntlichkeit; »Wlasta» ist ihr Name, Geiger der ihres Schöpfers, ei­nes wiener Tondichters. Gerne möchten wir ihr ein herzliches, jubelndes Willkommen zurufen, zumal sie eine deutsche Schöpfung, entsprungen den, heimischen Geisterboden, aber wir müssen die Freude mäßigen, die unerbitt­liche Kritik dämpft mit ihrem Veto unfern Enthussamus, und Bedauern tritt an die Stelle des Entzückens. Schade, daß dies vaterländische Kunst­product kein Firstern am musicalischen Himmel zu werden verspricht, lange seinen Urheber überdauernd. Es fehlt dem'Werte anOriginalität, dieser Ur­frobe des echten Kunstgenius. Ach! daß sie im Laufe der Zeilen so sparsam auftauchen, die goltcrfüttten, die Welt in Staunen setzenden Genien, ob­gleich es an Geistern und Talenten wimmelt! Man möchte beinahe über den Mangel an Geist beim Ueberfluße an Geistern in Klagen ausbrechen, so wie Saphi r über den Deffect an Menschheit bei,» Uebcrschwung nn Menschen. Wohl möglich daher, daß die kürzlich! Wiederaufführung von Mozarl's s!<,5> tau tritt« — eine Aufführung nach 2!> jährigem Ver> schwinden vom Repcrtoir — de», tief gefühlte» Bedürfnisse entsprungen, Herz und Seele wieder einmal an der ewige» Jugend eines genialen Mei­sterwerks zu laben; war man ober s, glücklich, mitzugcnießen, ruft mau: gewiß! gewiß! — Sieh da, wie tief ich mich in de» Zaubergcsildcn der Tonkunst ver­loren! Es ist hohe Zeit, auch muntern Erscheinungen die gebührende Auf­merksamkeit z» schenken, wenn sie auch nicht den «ollen harmonischen Accord in unseren, Innern anschlugen oder ganz andere Saiten, als die obigen, in unserer Seele berührten. So kann ich z. N . nicht umhin, des Eindrucks zu gedenken, den V a u er nfe ld's neuestes Lustspiel »Ernst und Humor« in mir hervorgebracht. Dem Titel nach sollte man füglich auf einen an­fänglich doppelten, dann aber durch den Contact des in Handlung und Charactercn zur Anschauung gebrachten Contrastes zu einem einheitlichen, eni­weder erhebenden und kräftigenden, oder versöhnenden, niildauflösenden Ein­druck schließen können; man täuscht sich indessen, wenn man mehr als ein bloßes, obgleich in der eractesten Ba u er» fe l d'schcn Manier gehaltenes Conversaiionsstück erwartet. Moderne Menschen, moderne Zustände, Ansich­ten und Empftndungwcise, weniger unter dem Gcsichtspnnete des Allge­mein-Menschlichen conccnlrirt, als dem funkelnagelneuesten socialen Gepräge «sssmilirt; das sind die Lebenselemente dieses Lustspiels; indessen dürfen wir nicht vergessen, daß dem Lustspicldichter weit weniger die Hände gebunden sind, als dem ernsten Dramatiker, und daß das Conversaiionsstück durch­ aus ein Kind der Jetztzeit ist. Gleichwohl wäre von Ernst und Humor eine liefere Auffassung jener beiden Begriffe zu erwarten gewesen. Wenn ich nicht irre, so hat es sich Na u e rn feld in diesem seinen Werte zur Auf­gabe gemacht, darzuthun, daß Fröhlichkeit und heiterer, harmloser Lebens­genuß die natürlichste und wahrste Scelenstimmung, von diesem Glücke aber nur ein schuldbewußtes Herz außgeschlossen sei, wie er es denn auch in dem Von der Gewissenspein, einen Menschen in, Duell getödtet zu haben, gefol­terten, crnsttraurigen Grafen zu veranschaulichen bemüht ist. Alle Achtung Vor dieser moralischen Intention des Dichters, denn fürwahr: »der Uebcl größtes ist die Schuld!«—Ein lieber, altbcfreundctcr Gast weilt seit gerau­mer Zeit in Wiens Mauern, Karl von Holtet, liebenswürdig als dra­matischer Dichter, interessant als darstellender Künstler. Holte i ist ein Dramaturge für das große Publicum, d. h. seine Muse strebt auf eine edle Popularität hin, ohne den ästhetischen Gesichtspunkt aus dem Auge zu verlieren. Ihr ist es darum zu thun, allgemein verständlich zu werden, und durch möglichste Natur- und Lebcnstreue Jedermanns Sympathie für sich zu gewinnen. Daher auch seine dram. Gemälde, glücklich die Mitte zwischen dem hehren Drama und dem Localstücke haltend, meistens Darstellungen eines ganzen Lebenscnclus, EntWickelungen eines ganzen Menschendaseins mit dessen bedeutungsvollen Phasen und Katastrophen. So, dünkt mich, müssen wenigstens seine beiden bisher zur Aufführung gebrachten Stücke: »Die Perlenschnur« und »die Wiener in Paris« aufgefaßt werden. — Nc­stron verdanken wir ein gelungenes, einem französischen Sujet nachgebilde­ baren Instrumentes erwägt. Als eines neuen Versuches, dem Pianofort«^ tes Localgemälde: »der Talisman«. Ich sage absichtlich Verdanken, den» durch veränderte Constrncüon, und zwar durch schlangenförmige Winduri unter der seit geraumer Zeit fluthenden Misere Von Localpiccen endlich et­der Saiten, eine neue Eigenthümlichleit abzugewinnen, erwähne ich einer was Gutes zu erhalten, muß wahrhaftig mit einem absonderlichen Danke, Concertprobc des Pesther Instrumentenbauers Schwab. Leider I)»t sich gleichsam »ls Wohlthat und medicinisches Reagens gcge» den Eckcl, a»cr« die Hoffnung dieses Mechanikers, dem Pianoforte durch jene besondere Span­konnt werden. nung des metallenen Tonvehikels erhöhte Kraft und längere Dauer der (Fortsetzung folgt.) Laibach. Druck und Verlag des Joseph Blasnik.