Illustrierte Länder- und Völkerkunde. Lacroma, eine Perle der dalmatinischen Küste. Blick auf die Insel Lacroma von der dalmatinischen Küste. Im Bo ch 'Ne dalmatinische Küstenstadt Ragusa. Illustrierte Länder- und Völkerkunde z. »I. Kund um die blaue fldris Lriest Ilstrien L Dalmatien Dontruegro korku Die itaiienisliie Küste Venedig Von Dr. Leo Lmollr Mit 311 Illustrutillnrn und einer tliartenkeilage Verlags buch Handlung „Styria" Gra^ und Wien 61792 Alle Rechte, besonders das der Übersetzung in fremde Sprachen, Vorbehalten. K. k. Nniversitäts-Buchdrackcrci „Styria", Graz. Vorwort. Wenn die Verlagsbuchhandlung „Styria" es unter¬ nahm, ihrer so rasch populär gewordenen Sammlung: „Illu¬ strierte Länder- und Völkerkunde" als neues Bändchen ein solches anzuschließen, das sich mit den Gestadeländern der schönen „blauen Adria" beschäftigt, so geschah dies wohl hauptsächlich in der Absicht, das große Publikum und vor allem die junge Lesewelt mit den Schönheiten der österreichischen Riviera und der Pracht der dalmatinischen Küstenlandschaften vertraut zu machen und den Strom der reiselustigen Mensch¬ heit in noch viel reichlicherem Maße, als dies bisher der Fall war, in diese landschaftlich Md historisch so interessanten Gegenden zu lenken. Wenn daher auch die Schilderung des „Sonnenlaudes" Dalmatien, wie es ein moderner Reisender genannt, im Vor¬ dergründe dieses Bändchens steht, so durften doch auch bei einer der Adria gewidmeten Beschreibung die anderen Küsten¬ gebiete, einschließlich der italienischen Gestadeländer, nicht völlig unberücksichtigt bleiben. - Heutigestags ist das Reisen weder so umständlich noch so kostspielig wie ehemals und der Adriafahrer wird sicher auch der liebreizenden Insel der Phäakeu, der Perle der jonischen Inseln, Korfn, einen Besuch abstatten. Daher wurde auch diese Insel, obwohl sie streng genommen nicht mehr dem Gebiete der Adria angehört, in unsere Schilderung ausgenommen. Mit einer kurzen Betrachtung über Venedig und seine große Vergangenheit findet unsere Darstellung, die zum Teil auf eigenen Eindrücken beruht, ihren Abschluß. VI k-L^ c reichischen Nizza. Südlich vom Qnarnero beginnt die Kette der kleinen Klippeninseln, Scoglien genannt, und treten die größeren Eilande mehr oder weniger nahe an die Küste Dalmatiens heran. Unsere Wanderung soll von Triest ihren Ausgang nehmen. Sie wird uns dann nachAqnileja führen, über dessen Trümmcr- stätte der Geist einer großen Vergangenheit richt. Wir werden hierauf Istriens Küste und Binnenland besuchen, den Quar- ncro durchsegeln, danil Dalmatien und seine Inselwelt kennen lernen und uns an der exotischen Pracht seiner Natur und dem Glanze seiner Geschichte erfreuen. Auch die Küste Albaniens und das korsiotische Eiland wollen wir betreten, hierauf an den Gcstadeländern Italiens landen, Apulien und die Marken besuchen, die Landschaften und Stätten aufsuchen wo im Zeit¬ alter der Renaissance die Kunst ihre herrlichste Blüte ent¬ faltete, wo Torquato Tasso dichtete und Raffaels Wiege stand und Römer und Karthager ihre Kräfte maßen. Mit dem Besuche Venedigs, das von seiner großen Vergangenheit träumt, wird unsere Rundfahrt ans der Adria zu Ende sein und voll der reichsten und bezauberndsten Eindrücke werden wir das Meer preisen, in dessen blauen Fluten sich so viel Glanz und Schönheit abspiegelt. lUIll Triest, das Emporium des österreichischen Handels. Von welcher Seite man auch immer sich der Stadt Triest nähern mag, ob zur See oder vom Lande, immer genießt man einen Anblick, der in seiner Lieblichkeit und Pracht kaum seinesgleichen findet. Am schönsten ist wohl der Blick, den man von der Höhe von Opöina aus hat, dort wo der Obelisk steht, den die dankbaren Triester zu Ehre« des Kaisers Franz errichteten, als die neue Straße über den Karst erbaut wurde. Am reizvollsten vielleicht ist der Rundblick am frühen Morgen, wenn die Sonne über den Karstrand der Uferböschungen cmporsteigt und ihr Gold auf die Gärten und Villen streut, die sich ans der Airhöhe hiuanzieheu. Noch liegt die Stadt in tiefen: Schatten, nur hie und da huscht der Glanz der Morgen¬ sonne über die Kuppeln und Türme ihrer Kirchen und die Firste ihrer Paläste hin. Das Meer liegt in mattem Perlmutter¬ schimmer vor uns und seine Wogcnbrnst scheint sich zu hebeu und zu seukcn. Die letzten schweren Atemzüge des Erwachenden. Bald aber flammt die Sonne empor und übergießt den Spiegel der Adria mit den wunderbarsten Farben und taucht die weiße Stadt und ihr grünes Ufergelände in eine Flut von Licht. Aber auch am Abend, wem: die Sonue ihren Purpur¬ mantel über das verdunkelnde Meer wirft, oder zur Nacht¬ zeit, wenn das Geflimmer der Sterne von dein Spiegel der Adria znrückgeworfen wird und unzählige Lichter ans der Tiefe anfblitzen, wenn die Hafendämme und Uferstrccken wie mit Lichtbändern eingesäumt sind und die elektrischen Lichter des neuen Hafens mit den grünen und roten Flammen der Signale sich mischen, ist der Anblick der Stadt und des Meeres von bezaubernder Schönheit. Mit welcher Begierde saugt der Blick des Beschauers au klareu Tagen alle Schönheiten der Stadt und ihrer Um¬ gebung von dem leuchtenden Schlosse Miramar im Norden bis zur sanftgeschweiften, grünumbnschten Bucht von Muggia im Süden in sich und kann sich nicht satt sehen an den wech¬ selnden Schönheiten, die sich dem trunkenen Auge darbieten. Lohnend ist auch die Fernsicht von der Höhe des Kastells. Hier gewinnt man einen noch deutlicheren Einblick in die räumliche Ausdehnung der Stadt und in das buntbewegte Leben und Treiben des neuen großen Hafens, wo ein Wald von Wimpeln und Masten uns entgegenschant und die Rauch¬ säulen mächtiger Dampfer in der Luft zerflattern. Das Getriebe des modernsten Handelsverkehres nmrauscht uns, wenn wir in die Stadt hinabsteigen und den neuen Hafenanlagen einen Besuch abstatten. Der neue Hafen wurde in den Jahren 1868 bis 1883 mit einem Kostenaufwande von rund öl Millionen Kronen erbaut. Aber auch diese Erweiterung der Hafenaulagen genügt nicht mehr, seit durch die Eröffnung der Tanern bahn Triests Handelsverkehr sich bedeutend gesteigert hat. Daher mußte abermals an eine Vergrößerung gedacht werden und ein hierauf bezügliches Projekt wurde im Jahre 1803 entworfen. Die Kosten für diese Hafcnbanten sind mit 86'/2 Millionen Kronen veran¬ schlagt. Bis jetzt ist erst ein Teil dieser neuesten Hafenerweiterung fertiggestellt. Es ist der Kaiser-Franz-Josef-Hafen, der im Anfang des Jahres 1010 dem Betriebe übergeben wurde. Nicht immer herrschte ein so reger Schiffsverkehr in dieser Metropole des Seehandels, die man auch nicht mit Unrecht das „Hamburg des Südens" genannt hat. Triest hat auch stille Tage gesehen, Tage der Not und der Trauer erlebt. Es blickt ans eine alte, ereignisschwere Geschichte zurück. Uber seiner ältesten Zeit ruht das Dunkel sagenhafter Überlieferung. Erst mir den: Auftreten der Römer beginnt für Triest, Ter geste, wie es die Römer hießen, wie für Panorama von Triest. 10 die meisten Städte an der Adria geschichtliches Leben. Doch war das römische Triest kein bedeutender Hafenplatz; Aqnileja hatte es längst überflügelt. Triest ist überhaupt kein natürlicher Handelshafen und konnte erst durch Kunst in einen solchen umgeschaffcn werden. Das haben die Römer wohl erkannt und haben Tergeste wahrscheinlich nur als militärische Beobachtnngsstation benutzt. Als das Christentum durch Hermagoras von Aqnileja auch iu Triest Wurzel gefaßt hatte und die Stürme der Völkerwanderung auch liber diese Stadt hinweggebraust waren, stand sie unter der Herrschaft von Bischöfen, deren Reihe Frugif er eröffnet. Unter den Blutzeugen der ersten christlichen Zeit ragen Justus, der Stadtpatron, und jener fromme Jüngling Servulus hervor, der in einer Höhle bei Triest sich verborgen hielt. Als Venedig erstarkte, war es mit der Bliite Triests vorbei und die schwerbedrängte Stadt suchte vor der Eifer¬ sucht der Dogenrepublik Schutz im Anschlüsse an Österreich. Am 30. September 1382 unterwarf sich Triest freiwillig der Herrschaft des Herzogs Leopold III. von Österreich ans dem Habsburgerstamme. Aber die Kriege mit Venedig und den iftrischen Küstenstädten, die sich durch Habsburgs Über¬ gewicht bedroht fühlten, hörten nicht auf und erst das acht¬ zehnte Jahrhundert lenkte die Geschichte Triests in festere Bahnen und gab seinem Handel einen neuen, kräftigeren Im¬ puls. Dies war eine Folge des kaiserlichen Patents vom 18. März 1719, durch das Kaiser Karl VI., der Vater Maria Theresias, Triest und Fiume zu Freihäfen erklärte. Drei Linienschiffe: „San Carlo", „Santa Elisabetta" und „San Michele" bildeten den Grundstock der österreichischen Flotte; aber die Hoffnungen, die sich an den Aufschwung des österreichischen Handels knüpften, erwiesen sich bald als trügerisch, ja, es blieb dem Kaiser nicht erspart, die schönen Schiffe der Republik Venedig zum Ankäufe anbietcn zu müssen. Doch Venedig lehnte stolz und schadenfroh ab und so ver¬ faulten die Schiffe, deren Bau man mit solcher Freude begrüßt hatte, im Triester Hafen. Der „San Carlo" versank infolge eines Lecks auf der Reede und über seinen Trümmern erhob sich der große Molo gleichen Namens. rL^kL^kL^kL^kL^kLÄ^^kL^k^5^kL^kL^KL^KL^kLÄ?kL»iKL^kL>rkL»? 11 Erst unter der großen Maria Theresia und ihrem edlen, wcitsthaucnden Sohne Josef II. erlebte der österreichische Handel und mit ihm Triest eine neue Blüte. Das kleine, engummauerte alte Triest mit seinen krummen und steilen Gäßchen dehnte sich aus; die Theresienstadt und Josefstadt wurden als neue Teile dem Stadtbilde hiuzngefügt; die „Neustadt" wuchs empor und der alte, enge Salinenkanal wurde zum „großen Kanal", „Oanal Arancks" erweitert. Schon dachte Josef II. an die Schaffung einer k. k. Kriegsmarine, die fortan die rot-weiß-rote Orlogflagge führen sollte, und eben dieser Kaiser träumte auch von der Anlegung einer österreichischen Kolonie im fernen Osten. Airs sein Geheiß wurde die Fregatte „Josef und Theresia" ausgerüstet und unter das Kommando des Holländers Wil¬ helm Bolts gestellt. Am 1. April 1778 lies die Fregatte wirklich eine der Nikobarischen Inseln an und nahm im Namen des Kaisers von ihr Besitz. Doch die österreichische Kolonisation war ein schöner Traum; nach wenigen Jahren schon ging alles wieder ver¬ loren. Und bis auf unsere Tage hat niemand den Gedanken des Kaisers Josef II. wieder aufgegriffen. Österreich-Ungarn besitzt bereits Dreadnoughts, die furchtbaren Schlachtschiffe der Neuzeit, aber es hat noch immer keine Kolonien, die seinem Handel reiche Quellen erschließen würden. Der erste österreichische Dreadnought „Viribus nnikis" wurde am 24. Juni 1!)1l auf der Werft des Stabilimento tccnico vom Stapel gelassen; der zweite mit dem glückverheißenden Namen „Tegetthoff" folgte ihm bereits am 21. März 1012. Sein Schiffskörper ist ganz aus Siemensstahl gebaut und hat 20.331 Tonnen Gewicht und 27.000 Pferdekräfte. Nach dem Tode Kaiser Josefs II. fenkte sich über Triest wieder der Schatten einer taten- und rühmlosen Zeit, die erst mit dem Ende der Napoleonischen Kriege abschloß. Wenige Jahre, 180!) —1813, kam Triest unter französische Herrschaft und die schwere Hand Napoleons unterdrückte jedes selb¬ ständige Stadtleben. Kaiser Ferdinand, der Sohn nnd Nachfolger des letzten deutschen nnd des ersten österreichischen Kaisers Franz, gab ihr wieder eine eigene Vertretung und 12 Kaiser Franz Josef I. verlieh Triest die Reichsunmittelbarkeit und das noch gegenwärtig in Kraft stehende Gcmcindestatut. Triest erlebte eine neue Blüte. Durch die Gründung des österreichisch-ungarischen Lloyd im Jahre 183l>, von dem wir noch sprechen werden, erhielt das Handelslebeu einen Aufschwung, der alle schüchternen Versuche der Ver¬ gangenheit weit überstrahlte, und seitdem die Schiencnstränge der Südbahn und der im Jahre IllOll fertiggestellten präch¬ tigen Tauern bahn die Stadt mit dem Innern der Mon¬ archie verbinden, dehnt das neue Triest sich gewaltig längs des Meeres aus. Das alte Triest, das Triest der Geschichte, mit seinen engen, winkligen Gassen liegt zu Füßen des Kastellberges und klimmt auf die Anhöhe hinauf. Wenn man beim Dome von Sankt Just steht, wo einst zu Römerzeiten ein heidnischer Tempel sich erhob, nimmt man erst wahr, welche gewaltige Ausdehnung der neue Stadtteil im Laufe der Zeiten genommen hat. In dem engen Raume zwischen dem Molo Ginseppino und Molo Santa Teresia drängten sich im Mittelalter die Galeeren und Handelsschiffe zusammen. Bekrönt wurde dieser Platz von der altehrwürdigen Basilika, deren Entstehen schon ins 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung fällt; im ö. Jahrhundert erhob sich knapp neben diesem Gotteshanse eine zweite Kirche, die den Namen des Schutzheiligen San Giusto trug. Aus diesen beiden Kirchen entstand im 14. Jahr¬ hundert der jetzige geräumige Dom, dessen fünfschiffiger, durch Säulen geteilter Jnnenranm manch kostbares Kleinod auf¬ weist, so die uralten Mosaiken auf Goldgrund in der Apsis eines Seitenschiffes, die Apostel und die heilige Jungfrau mit einem Chor von Engeln darstellend. Wahrhaft imposant ist die ungeheure Fensterrose über dem Hauptportal. Dem Dome gegenüber liegt ein Museum, das Altertümer aus Triest und Aquileja beherbergt. Es umschließt auch ein Denkmal, das der Erinnerung an den berühmten Altertumsforscher Winckcl- mann gewidmet ist, der in Triest am 8. Juli 1708 dem Mord¬ stahle eines feilen Bösewichtes zum Opfer fiel. Der Hanptplntz, der einst durch eine Mauer vom Hafen abgetrennt war und von dem jetzt der Fremde gewöhnlich seine Wanderung durch die Stadt antritt, ist die Piazza gründe. Hier erhebt sich im Hintergründe der städtische Palast, das Mnnizipalgebände, im prunkvollen Renaissancestil. Leider entspricht seiner vornehin schönen Front keine genügende Tiese, da das dahinterlicgende Hänsergewirr eine solche nicht gestattete. So wirkt das schöngegliederte Gebäude eher wie eiu Vorhang aus Stein, bestimmt, den dahinterliegcndcn Häuserkomplex in Schönheit zu verhüllen. Die eine Seite des alten Hafens, der zngeschüttet wurde, nimmt der Palast des Lloyd ein, gleichfalls ein Renaissancebau, der mit seinem edlen, freien Linienschwnnge einen stolzen und schönen An¬ blick gewährt und ins offene Meer hinausblickt. Wo einst die Mauer lief, die das Städtchen cinschnürte und vom Hafen abschloß, dehnt sich der Korso, die vor¬ nehmste und belebteste Straße Triests, ans. Hier herrscht gewöhnlich das bewegteste Leben und bunteste Getriebe. Da wogt besonders in den Abendstunden, wenn die Hitze des Sommers erträglicher Kühle weicht, die Flut der Spazier¬ gänger und jener schaulustigen Müßiggänger, an denen der Süden so reich ist. Manch eleganter Herr lehnt an einem der fast meterhohen Säulenstümpfe, die in Triest die Gang¬ steige abgrenzen, und betrachtet das vor seinen Angen vorüber¬ flutende Leben. Unter den Triestinerinnen der mittleren und niederen Stände sind die Sartorelle und die Sessolotte charak¬ teristische Typen. Jene sind die feineren Arbeiterinnen, Laden¬ mädchen, Näherinnen, Modistinnen. Sie tragen gewöhnlich keinen Hut, nur wenn die Witterung kühler ist, schlingen sic einen Schleier um ihr sorgfältig frisiertes Haar, in dem meist eine leuchtende Blume steckt. Die Sessolotte sind die eigent¬ lichen Kinder des Volkes. Der Name rührt von Sessola (Schaufel) her und man bezeichnet damit Arbeiterinnen, die sich meist eines Schauselchens bedienen müssen, also im Drogen¬ geschäfte oder bei den verschiedenen Zweigen des Kaffeehandcls beschäftigt sind. Aber auch Schwammarbeiterinnen und Limonen- verkänscrinnen (Limoniere) werden so genannt. Sie sind nicht so fein wie die Sartorelle, aber auch sie wissen sich zu schmücken und selten fehlt die Blume im wohlgepflegten Haare. Sie sind munter und saugeslustig und ihr höchstes Vergnügen ist an 14 einem Sonn- oder Feiertage der Besuch eines der vielen Theater, die Triest besitzt. Sie pflegten und pflegen das Volks¬ lied, dessen Blüte in Triest freilich schon vorüber ist. Anch in dieser schönen und reichen Handelsstadt sind die Zeiten längst ernster geworden. Wer das moderne Triest, das Triest der Arbeit und rast¬ loser Schaffenstätigkeit, kennen lernen will, muß den Hafen, vor allem die neuen Hafenanlagcn besuchen und die Schiffs¬ werften und das Arsenal des Lloyd kennen lernen, wo der moderne Geist, der im Zeichen des Dampfes und der Elek¬ trizität steht, seine Triumphe feiert und seine Wunder entfaltet. Doch bevor wir dieser Welt der Arbeit, die vor allem im Dienste der Länder nnd Völker verbindenden Schiffahrt steht, unfern Besuch abstatten und die Fortschritte wahrnehmen, die Österreichs größte Handelsgesellschaft, der Lloyd, genommen hat, wollen wir noch rasch einige der schönsten Gebäude und Plätze in Augenschein nehmen, die das Hamburg des Südens uns darbietet. Der Korso, ans dem wir uns befanden, dnrchschneidct die Stadt fast genau in westöstlicher Richtung nnd trennt den südlich gelegenen alten Teil Triests von der nordwärts sich ausstreckenden neuen Stadt, die bis zum Bahnhofgebände nnd der großen Piazza della Stazione führt. Der Korso ver¬ bindet den Börsenplatz, wo die alte Börse nnd das prächtige Ter geste nm, in dem die neue Börse und Arbeitsränme für die Beamten und die Druckerei des Lloyd nntergebracht sind, stehen, und wo sich auf hoher Marmorsäule die Statue Kaiser Leopolds I. erhebt. Von den Plätzen seien noch der freund¬ liche Leipziger Platz mit seinen hübschen Anlagen, die Piazza delle Poste in der Theresienstadt mit dem imposanten Post¬ palaste und die Piazza d' Armi, der Wasfenplatz, hinter der großen Kaserne in der Franzensstadt genannt. Auch der Piazza Giuseppina müssen wir unfern Besuch abstatten, wenn anch nur, nm unsere grüßende Verehrung einem Denkmal zu be¬ zeugen, das sich seit dem Jahre 1875 hier erhebt. Es ist aus der Meisterhand des Dresdener Bildhauers I. Schilling hervorgegangen nnd stellt den Erzherzog Ferdinand Max dar, den der Traum der Kaiscrhcrrlichkcit übers Weltmeer r-LÄ? kiLÄ? klrO»? l^Ä? c^LA? t^n c-L^»? kiLÄ? lä^n l82 vollendete Pfarrkirche Santa Maria Maggiore, die im Volksmnnde noch immer Jesuitcnkirche heißt. Der Orden hat sie erbaut in der Pracht des ihm eigenen Stils. In der Nähe erhebt sich der edle gotische Ban des evangelischen Gotteshauses. Nicht weit davon ragt ein anderes charakterü l«> kiLL^k k-L-Ä? kL»? c-LliH c^§L? k-LliH k schimmernde Schloß, in dem einst ein österreichischer Erzherzog seinen Kaisertraum geträumt hatte, das leuchtende Miramar, als die äußerste Laudmarke im Nordwcsten. Schloß Miramar. Weuu mau uicht au eurem linden Frühlings- oder Herbsttage, wo das tiefblaue Azur des Himmels sich in der ruhigen Adria spiegelt und das Weiß und Grün der Villen und Gärten wie aus den Fluten des Meeres emporzu- tauchcu scheint, mit einem der zahlreichen kleinen Dampfer nach Miramar fahren will, so kann man von Barcola, das man mit der elektrischen Straßenbahn in zwanzig Minuten erreicht, auf dem bezaubernd scharren Strandwege, auf dem es immer von lustwandelnden Menschen wimmelt, zum Feen¬ schloß an der Adria gelangen. Demi es ist wirklich ein Fecn- schloß, dieser hellschimmernde Kaiserpalast, der uns schon aris der Ferne grüßt nnd sich wie eine Kulisse zwischen das Grün des Küstenrandes und das mit Silber überstreute Blau des Meeres schiebt. Wie schön ist das Schloß, wenn man sich ihm durch die Laubgänge des Parkes nähert, durch deren Baumkronen die Sonncnfunken zittern und aus deren Schatten rote oder blaue Blüten uns entgegenleuchten, während das Lied eines Vogels irr die Ferne zn verschweben scheint. Schweiger- Lerchcnfeld, der das Schloß am frühen Morgen besuchte, spricht ganz aus unserer Empfindung heraus, wenn er schreibt: „Vom Strande herauf flüstern die Wellen und im BchAen- gebüsch regt sich schlaftrunken ein "girrendes Tanbenpaar. Von Zeit zu Zeit schießt eine Möve vorüber. Dann neigen sich die taufeuchten Kronen, leise bewegt vom Windhauche, der von den Höhen des Karstes herabstreicht. Farbenprächtig glüht's in den Buchten, in denen die Purpnrnebel zerflattern. Jetzt schwimmt die Sonne -— ein Feuerball im dunstfreien Luftozean — und die tausend Blütenkelche schütteln den Morgentau ab, nm das ewige, belebende Licht einzuatmen..." Und jetzt stehen wir vor dem Schlosse, einem Qnaderban im normanischcn Stil. Trotzig nnd doch zugleich anmutig 2* 20 spiegelt er seinen wimpelgeschmückten Turm in den Fluten des Meeres. Eine Fülle von Erinnerungen, schmerzlichen und er¬ hebenden, senkt sich aus unsern sinnenden Geist. Sie gelten dem Erbauer des Schlosses und seine» Schicksalen. Wo jetzt Park und Schloß ihre Pracht entfalten, stand einst ein be¬ scheidenes Landhaus. Reben- und Wiesengelände und zum Teil auch nackter Felsboden umgaben es. Auf einer Fahrt nach Dnino an der istrischen Küste war Erzherzog Ferdi¬ nand Max, damals noch Oberkommandant der österreichischen Flotte, genötigt, vor dem heftigen Borasturm Schutz zu suchen und an der Punta di Grignano vor Anker zu gehen. Die Lage des Ortes gefiel seinem schonheitsknndigen Auge und bald erhob sich an der Stelle der schlichten Villa Dänen nach den Plänen des erlauchten Bauherrn das schöne, stolze Schloß, dem fortan der Erzherzog seine ganze Liebe und Sorgfalt znwendete. Schon am Weihnachtsabend des Jahres 1860 konnte Maximilian das neue Heim be¬ ziehen und sein freudiger Ausruf: „8i iniru il inai-s!" — „Man sieht das Meer!" blieb dem neuen Märchenpalaste als Name erhalten. Wem würde nicht eine Träne der Wehmut ins Auge treten, der diese Räume des Schlosses durchwandert, wo alles noch an denjenigen erinnert, der diese Pracht aus dem Nichts hervorgerufen und der hier so gern geweilt und geträumt und ins Meer hinausgeblickt hat, das ihm die ruhelose Sehn¬ sucht in seine Seele gesenkt hatte? Viele Zimmer sind noch ganz so, wie der Prinz sie verlassen hatte, als er dem lockenden Rufe übers Weltmeer folgte. So zum Beispiel das Arbeitskabinett des Erzherzogs, das eine getreue Nachahmung der Schiffskoje auf seiner geliebten „Novara" sein sollte, oder der Bibliothcksaal, an dessen Seitenportaleu die schönen Marmorbüsten der Dichterheroen aller Zeiten stehen: Homers, Dantes, Goethes und Shakespeares. Der sogenannte Thron¬ oder Festsaal enthält schöne Deckengemälde und Bilder be¬ rühmter Meister. Hier war es, wo der Erzherzog am 10. April l864 die Gesandtschaft aus Mexiko empfing, die ihm die Kaiserkrone anbot. In einem Gemache, das einst das Lieb- Miramar. lingszimmer der unglücklichen Kaiserin Charlotte war, steht der wunderbar zierliche Schreibtisch der Kaiserin, vor Zeiten Eigentum einer andern Fürstin, die das Unglück noch erschütternder traf, der Königin Maria Antoinette von Frankreich. Geht ein Zauber des Unheils von diesem in Gold blitzenden Rokokotischchen aus? Doch weg mit den Schatten der Vergangenheit, die so düster und blutig sind. Steigen wir auf den: Turm des Schlosses und überblicken wir noch einmal das Paradies, das sich uns zu Füßen ausbreitet. Weit, weit hinaus zieht das Meer seine stahlblauen Kreise bis dorthin, wo Firmamem und Ozean zusammcnsließen. Am abendlichen Himmel schweben weiße Wolkenflöckchen und aus dem Dunkel des Grüns grüßen Purpurblüten zu uns herauf. Uns aber werden die Eindrücke unvergeßlich sein, die Miramars Zauber auf uns ausgcübt. Nach dem lärmenden und dröhnenden Leben der Gegenwart, das uns in Triests Hafen umbrauste, die Romantik der Ge¬ schichte und die blühende Kraft der Natur! Istrianische Fahrten. Aqmleja. 2>u nördlichen Winkel der Adria gibt cs kann: einen Blick, der sich an überraschender Schönheit mit jenem messen kann, den man genießt, wenn man, von Nabrcsina nach Triest fahrend, zum erstenmal das Meer sieht und die Kalkklippen des Karstes voll dem dunklen Grün der Zypressen und den im Winde wehenden Kronen der Oliven abgelöst werden. Viel nüchterner und poesieärmer ist der Anblick, der sich dem Reisenden darbictet, der in entgegengesetzter Rich¬ tung von Nabresina nach Görz fährt. Die malerische Doppel¬ burg von Dnino gewährt dem Auge zum letztenmal einen kräftigeren Ruhepunkt, dann breitet sich in eintöniger Me¬ lancholie die Gestadclandschaft des Golfs von Monfal- cone vor dem Beschauer aus. Langsam schleicht der Timavo dem Meere zu, an dessen Ufern die graue Mythe hockt und uns uralte Sagen ,von Jason und "den Argonauten zu er¬ zählen weiß. Träge und unlustig wälzt der Fluß seine gelben Fluten gegen die Adria, als sei er wirklich schon altersmüde; einst zu den Zeiten Virgils rauschte und donnerte er, wie wir aus den Versen dieses Dichters erfahren: „Wo aus den Mündungen neun, bei lautem Ketöse des Berges Dieser zum Meer verbricht und die Fluten umbrauset mit Bran¬ dung." Ja, damals war es anders; damals war die ganze Gegend sorgsam bebautes und dicht bevölkertes Kulturland 24 und hier lag die stolze Nebenbuhlerin Roms, das reiche und mächtige Aq ui leja, wo Roms erster Kaiser geru geweilt und ivo ein Luxus des Lebens herrschte, der nur von der Weltstadt an der Tiber übertroffen wurde. Jetzt ist Aquilcja anderthalb Stunden vom Meere entfernt; das versumpfte Meeresufer hauchte Fieberlüfte aus und scheuchte die Menschen aus der Stadt, die einst mehr als hunderttausend Einwohner zählte und zweimal in der Geschichte eine wcltbeherrschendc Rolle gespielt hatte, nicht bloß als Handelszentrum des alten Roms, sondern auch als Sitz der Patriarchen, von wo das Licht des christlichen Glaubens über die Alpenländer aus¬ strahlte. Aber ans diesen beiden Glanzperioden Aqnilejas ist nicht allzuviel an Erinnerungen und Denkmälern in unsere Zeit herübergerettet worden. Zwar spendet das Erdreich ringsherum immer wieder Funde, die uns an die Glanzzeit der römischen Kaiser erinnern, aber was bedeuten alle die größeren und kleineren Schmncksachen, Münzen und Bild¬ werke, die in die Museen wandern, wenn man die heutige Öde mit der volkreichen Stadt vergleicht, in der einst Tausende betriebsamer Menschen dem Gewinn und Genuß nachjagtcn? Man fand hier das Ladenschild eines Verkäufers orienta¬ lischer Perlen, das die Aufschrift führte: „Zur Stadt Rom." In Aqnileja wurden die zierlichen Bcrnstcinarbeitcn fabriziert, die man in Rom so gern kaufte und so teuer bezahlte. Hier waren große Steinschleifereien und Glasfabriken. Alles wan¬ derte in das nach Neuem hungrige und nach Kostbarkeiten lüsterne Rom. Aber es blieb noch genug zurück, nm auch Aqnileja zu einer Stadt zu machen, wo ein beispielloser Luxus und eine wahrhaft weltstädtische Üppigkeit herrschten. Da brachen die Barbaren herein und der furchtbare Attila warf seine Brandfackel in die blühende Stadt und bald blieb nnr mehr ein Schutt- und Aschenhausen von ihr übrig. Aber noch einmal blühte Aqnilejas Ruhm auf, als das Christentum schon längst von der heidnischen Welt Besitz ergriffen und über Blut und Zerstörung den Regenbogen des Friedens gespannt hatte. Aqnileja wurde ein Patriarchat und der erste Kirchcnfürst, der diese Würde bekleidete, war jener kluge und voraussehende Paulinus, den selbst ein Karl der Große seiner Freundschaft würdigte nnd dem dieser mächtigste Herrscher des Abendlandes die Ordnung der kirch¬ lichen Verhältnisse in den südlichen Ländern des heutigen Österreichs übertrug. Die Patriarchen Aqnilejas waren nicht bloß die geistlichen Hirten ihrer Diözese, sie handhabten auch das weltliche Regiment. Doch der wachsenden Macht der Grafen von Görz und dem ltbcrmnte Venedigs waren sie nicht gewachsen. Im Jahre 1751 erlosch die Patriarchen¬ würde Aqnilejas, nachdem ihr Glanz schon lange vorher ver¬ blichen war. Es mutet den Wanderer wehmütig an, wenn er vor den zwei altersbraunen Säulen steht, die auf einem von der glühenden Sonne vergilbten Grasfleck emporragen, den ein¬ zigen Überresten des einst so stolzen und prunkvollen Patri¬ archenpalastes. Der Dom selbst mit seinem Glockenturm (Kampanile), von dem aus man die sumpfigen Niederungen des Jsonzo und die fruchtbare „Fiumicella" überblickt, ist wenig ansehnlich, wenngleich von ehrwürdigem Alter, denn sein Erbauer war der Patriarch Poppo nnd die Zeit seiner Errichtung fällt in die Jahre 1019—1042. Das Mittelschiff überragt nach altromanischer Bauart die beiden Seitenschiffe, die durch eine Doppelreihe von zehn mächtigen Säulen von diesem getrennt sind. Noch sieht man im höher gelegenen Chor des Hauptschiffes den Marmorsitz des Patriarchen und die hölzernen Stühle der Chorherren. Was für ein Leben muß einst vor dem Patriarchen¬ palaste und dem Dome geherrscht haben! Jetzt brennt die Sonne auf Unkraut und dürres Gras; und wo eilest durch die Römergasse die Kaiser Augustus, Hadrian, Trojan, voll ihren Leibwachen umgeben, einherschrittcn, biegen jetzt Schnitter und Schnitterinnen, voll der Feldarbeit heimkehrend, in die uralte Römcrstraße ein nnd wandeln den mächtigen Sarko¬ phagen zu, die ili der Nähe der beiden Sänken stehen. Vom Kampanile Aqnilejas ans sieht man einen andern Glockentnrm aus der Ferne herüberwinkcn. Es ist der Turm von G r a do, dem einstigen Kricgshafen der Römer, wo ihre M schweren Galeeren vor Anker lagen. Jetzt ist Grado ein Jnsel- städtchen, das aber zur günstigen Jahreszeit von sehr vielen Kurgästen besucht wird, denn sein sanft abfallender Strand und der weiche Sand seiner Dünen begünstigen die Seebäder die vielen Erholungsbedürftigen und vor allem zahllosen munteren Kinderscharen Erquickung und Kräftigung gewähren. Von Triest aus erreicht man Grado in zweistündiger See¬ fahrt. Grado war ebenfalls vorübergehend Sitz eines Patriarchen, als die Kirchen des Abend- und Morgenlandes miteinander im Zwiste lagen. Der uralte, aus dem 6. Jahrhundert stammende Dom ist noch immer eine Sehenswürdigkeit des Städtchens, besonders der Mosaikboden der Kirche ist durch seine prächtige Musterung und sein ehrwürdiges Alter ausge¬ zeichnet. Wie vieler Menschen, frommer und nnheiliger, Füße sind schon über diese Marmorfliesen dahingewandert! Auch Grado hat seine glänzende Geschichte und im Mittelalter war es eine mit Türmen und Mauern stark be¬ wehrte Stadt, in der die ersten Dogen Venedigs einen Palast besaßen. Die Inseln bei Grado waren noch zur Römcrzeit dicht bevölkert und mit allerlei Anstalten für den Schiffs¬ verkehr versehen. Jetzt sind sie menschenleer und mit Röhricht und kärglichem Anwuchs bedeckt. Die Westküste Istriens und die Brionischen Inseln. Grado und Pir an o sind gewissermaßen die Eckpfeiler, die den Golf von Triest einschließen. Schön ist eine Küsten¬ fahrt an der Westseite der istrischen Halbinsel. Nicht durch die Großartigkeit der Landschafts- und Städtebildcr, die dem Auge begegnen, wohl aber durch die Lieblichkeit vieler Plätze nud durch das bunte und malerische Leben, das in seinen Hafenorten herrscht, wie nicht minder auch durch die Schleier einer großen Vergangenheit, die auf diesen Landschastsbildern ruhen und ihnen den Charakter ernster Größe verleihen. Da ist zunächst Capodistria, einst unter veneziani scher Herrschaft, wie schon der Name besagt, die Hauptstadt der Halbinsel, malerisch auf einem Inselchen gelegen, das Innerer Lasen von Pirano. MW ein Steindamm mit dem Festlande verbindet. Dann P i ra n o mit seinem altehrwürdigen Dome auf felsiger Höhe, von dessen Glockentnrm das Bronzcbild des heil. Georg herabgrüßt. Die Küstenhänge, die den Hafen umrahmen, prangen in grünem Schmuck von Oliven, Zypressen und Weinreben und in der Reede von Pirano umrauscht uns der Fittich der Geschichte. Hier fand am Himmclfahrtstage 1177 jene berühmte Seeschlacht statt, in der Venedigs Doge Zani die Geschwader der Genuesen und Pisaner und des mit ihnen verbündeten Kaisers Barbarossa vernichtete und den Sohn des deutschen Kaisers, Otto, gefangenuahm. Alljähr¬ lich wurde seither zur Erinnerung an diesen Sieg die Ver¬ mählung des Dogen mit dem Meere gefeiert. Nicht weit von Pirano in südwestlicher Richtung liegen die Salzgärten von Siccioli und unfern der Reede das besuchte Seebad Portorose, wo man Meer- und Sol¬ bäder gebraucht. Auf der Punta di Salvo re steht welt¬ abgeschieden und einsam einer der schönsten Leuchttürme Europas, dessen Licht dreizehn Seemeilen weit ins Meer hinausleuchtet und den von der furchtbaren Bora bedrohten Schiffen den Ort anzeigt, wo sic die schlitzende Bucht von Pirano aufnimmt. An dem alten Küstenstädtchen Cittanuov andern mittel¬ alterlichen Noventinm, vorüber fahren wir nach Parenzo, das sich auf schmaler Halbinsel hinlagert. Sehenswert ist fein Dom, der ans eine fast vierzchnhnndertjährige Geschichte zurück¬ blickt; denn sein Ban wurde unter Kaiser Justinian im Jahre 543 begonnen. Aber wie wenige Besucher kennen ihn und bewundern seine schönen Mosaiken, seinen Wandschmuck ans Perlenmuscheln und den sänlengetragencn Marmorbaldachin liber dem Hauptaltar. Parenzo träumt von einer Vergangen¬ heit, die doch nicht alt und ruhmreich genug ist, wie die Polas; daher stören auch so wenige Reisende diese Träume. Auch Rovigno, dem wir zunächst zustenern, hat einen alten Dom, ans bestem Glockenturm das kolossale Bronzebild der heil. Eufemia, der Schutzpatronin der Stadt, mit ihren Attributen, der Rebe und dem Palmzweig, angebracht ist. Freundliches Kulturland, die „Campagna di Rovigno", breitet r rlLÄ? l^n l^2H k^§>? c.00(> Menschen füllten bei solchen Anlässen das Innere des Theaters, über das sich, wenn die glühende Sonne des Sommerhimmcls niederbrannte, ein schattenspen¬ dendes Velarium spannte. Pola, Pietas Julia im Römermuude, war über¬ haupt im Altertum eiue große, reiche Stadt. Darauf deuten auch die vielen anderen Altertümer, die sich noch ans der römischen Zeit erhalten haben. Eines der schönsten ist wohl kLÄ? k? LiLÄ? r^L»? l^n k^Äk 81 der «och ziemlich gut konservierte Triumphbogen der Sergier, der zur Zeit des Kaisers Trajan in nächster Nähe der so¬ genannten korta aurata, des „vergoldeten Tores", der Mi¬ nerva errichtet worden war. Das Tor besteht nicht mehr, doch Pola. der Triumphbogen fesselt noch immer den Blick durch die feine Eleganz seiner Formen und die anmutige Ornamentik seiner Wände, in der sich Weinranken, Schwerter, Kampfschilde und zierliches Blattwerk zu einem harmonischen Ganzen verbinden. Die Sergier, Vater und Sohn, denen zu Ehren dies präch¬ tige Denkmal errichtet wurde, und zwar, wie die lateinische Inschrift: „LRvia kostbmrig, LorZii l?. 8ua b'sonnia" besagt, von der Witwe des L. Sergius, waren ein hochberühmtes Geschlecht Polas, das auch nach dem Untergänge Roms in dieser Seestadt eine bedeutende Rolle spielte. Das alte römische Forum, der heutige Hauptplatz Polas, muß überhaupt ein schöner und stattlicher Platz ge¬ wesen sein. Hier standen die beiden Tempel, von denen der eine der Roma und dem Augustus, der andere der Göttin Diana geweiht war. Dieser wurde schon früh dem Stadthause einverleibt und ist gegenwärtig fast unkenntlich. Eine kleine Sammlung von Altertümern ist heute in dem einstigen römi¬ schen Heiligtum nntergebracht. Selbst Kaiser liebten den Aufenthalt in dieser römischen Flottenstation, die mit ihrem grünen Hügelkranze, den ans den Bäumen hervorleuchtendeu Landhäusern und dem be¬ zaubernden Blick auf den Spiegel des Meeres von den reichen und vornehmen Römern gern ausgesucht wurde. Hier weilte Antonia, die Tochter des Mark Anton und der Oktavia, und jene andere Antonia, die Witwe des Germancnsiegers Drnsus, die Caligula später auf den Kaiserthron erhob. Hier genoß Vesp asi anus an der Seite der schönen istri- schen Freigelassenen Julia Cenis einen kurzen Traum idyllischen Glückes. Man sagt, daß diese schöne Jstrianerin es war, die das Amphitheater und auch ein kleineres Theater ans dem Monte Zaro erbauen ließ. Wir steigen diesen Hügel hinan. Das Theater ist verschwunden; ein anderes Denkmal begrüßt uns. - Das Altertum ist versunken. Polas Gegenwart und Zukunft blickt uns aus dem Denkmal entgegen. Es ist ein schönes Erzstandbild; ein moderner Seeheld steht auf dem Sockel, den vier, das Meer und den Sieg darstellende Figuren flan¬ kieren. Die Inschrift besagt: „Dem Vizeadmiral Wilhelm von Smoliš Nund um die blaue Adria. Das Amphitheater in Pola. 34 k k^2H k1 tv. »v »! , t'., > . t' X c'.. ,1 l^..,!" ^.. »cl'.-i. ^.-»c 5"..,r — »< i'. .11^.^, t ,! werken, ihren Palästen aus der venezianischen Glanzzeit wie eine stolze Witwe, die nur mehr ihren Erinnerungen lebt. Von ihrer llferhöhe blickt man nach Dalmatien hinüber, auf dem gleichfalls die Schatten einer großen Vergangenheit ruhen, das aber, wie es scheint, einer segenschweren Zukunft entgegenznreifen berufen ist. Bei diesem Lande, das man wohl auch das „Sonnen- land" Dalmatien genannt hat, soll nun unsere Schilderung längere Zeit verweilen. Bilder einer ruhmreichen Geschichte und wunderbarer, entzückender Naturschönhciten werden vor uns auftauchcn. Das Sonnenland Dalmatien. Kultur und Geschichte. Wir wollen unsere Fahrt nach Dalmatien von Fiume ans antreten. Fiume ist, wie wir wissen, eine ganz moderne Handelsstadt mit dem schönen Molo Adamich und großartigen Hafenanlagen. Die Schisse der ungarisch-kroatischen Handels¬ gesellschaft, kurzweg „IIuAaro-Oroata" genannt, sind mit allem Komfort der Gegenwart eingerichtet und teilen sich in den Verkehr mit Dalmatien mit den prächtigen Dampfern des Österreichischen Lloyd. Wir fahren an Veglia und Cherso vorbei, grüßen im Westen unsere an Reizen so reiche Riviera, mit dem Haupte des Moute Maggiore im Hiutergruude, im Osteu deu lieb¬ lichen Küstenstrich der kroatischen Riviera: den Königshafen Porto Ro, Cirkvenica, die Insel Salve und laufen in wenigen Stunden direkt in den Hafen von Zara ein, der Hauptstadt des Landes, das uns nun unsere Wunder er¬ schließen soll. Der Orient und der Okzident reichen sich hier die Hände, hört man sagen, doch ist das nicht so sehr in Dalmatien der Fall als vielmehr in seinem Hinterlande Bosnien und der Herzegowina. Wildgezackte, schwer wegsame Gebirge scheiden es von diesem Hinterlande und wenig Straßen führen vom Meer ins bosnisch-herzegowinische Land. Die Straße der Narenta blieb lange Zeit fast der einzige Verbindungsweg zwischen der schmalen dalmatinischen Küste und den Ländern des Ostens. Es gibt keinen dauernden Aufschwung Dalmatiens, als durch den Ausbau seiner Schienenwege. Bisher bestehen nur die Eisenbahnlinien S a r a j c v o— M e t k o viü und van Met- koviö nach Gravosa und Castelnnovo. Vor allem wichtig wäre aber der Anschluß an die bosnische Ostbahn und an die projektierte serbische Linie, die non Belgrad- Nisch ihren Ausgang nehmen soll. Eine andere für Nord- dalmntien ungemein wertvolle Trasse wäre die Linie Arzano- Bugojno, die Spalato, das uralte Handelszentrum an der Adria, mit dem Herzen Bosniens verknüpfen würde. Ein Traum, der aber für Dalmatien den Anbruch neuen Lebens bedeutet, wäre der Verwirklichung näher gerückt, nämlich der Anschluß Dalmatiens an die Bagdadbahn und ihre ans Mittelländische Meer führenden Zweige. Solange Venedig die Adria beherrschte, waren die Straßen von der dalmatinischen Küste über Bosnien nnd die Türkei die wichtigsten Handelswege nach dem Orient. Die Entdeckung Amerikas und die Eröffnung des Suezkanals hat das ganze Bild des Welthandels verändert, aber der Ausbau der dalmatinischen Eisenbahnen würde eine neue Blüte dieses Laudes herbeiführen und seine vortrefflichen Häsen aufs neue den Erzeugnissen des Ostens öffnen. Es würde eine Art rück¬ läufiger Bewegung des Handels von Osten nach Westen statt- findcn und auch die Neue Welt würde, umfassender und er¬ giebiger als dies bisher der Fall war, an dieser Bewegung teilnehmen. Dalmatien wird dann wieder, wie Sektionschef Riedl so überzeugend aussührtZ) „was es war, ein Tor nach dem Osten". Ich verweise an dieser Stcll-e auf den so hoch¬ interessanten Vortrag, den Ministerialrat Dr. Schindler am ö. März 1912 im Klub österreichischer Eisenbahnbeamter unter dem Titel „Die Liga der Freunde Dalmatiens" hielt und der alle Fragen in Erörterung zog, die sich mit dem so heißersehntcn Aufschwünge des schönen dalmatinischen Landes beschäftigen. Dalmatien selbst hat freilich wenig, was es an eigenen Erzeugnissen in den Handel bringen kann, wenig, aber doch >) Brückner, Dalmatien und das österreichische Küstenland, S. 219 u. f. 46 nicht so wenig, als man gemeiniglich annimmt. Viele denken sich Dalmatien als einen schmalen Küstcnstreifen, den wildes Stcingeklüst im Osten begrenzt und der eigentlich nur von Ruinen einer längst entschwundenen Vergangenheit angesüllt ist. Diese Meinung ist durchaus falsch. Zwar ist das Land keine Kornkammer und seine Berge sind langst entwaldet und die Versuche einer Aufforstung gelingen nur äußerst schwer, aber manche Gegenden Dalmatiens, wie zum Beispiel die Riviera dei Sette Castelli, das Val di Breuo bei Ragusa, die lachenden Gestade bei Castelnnovo in den Bocche, und einige seiner Inseln sind reich gesegnet. Der entzückende Blumenflor dieser Gegenden könnte ebenso wie der Südfrankreichs oder Nizzas eine ergiebige Einnahmsqnelle für die dortigen Bewohner werden. Schon findet die Fülle wilder Chrysanthemen, die manche Bergwände Dalmatiens mit ihrem schneeweißen Gehänge umkleiden, eine allerdings prosaische Verwertung als Insektenpulver, das euren nicht ganz unbedeutenden Handelsartikel abgibt. Auch der Obstbau könnte noch viel rationeller ausge¬ beutet werden. Dalmatien produziert die schönsten Kirschen, ferner Birnen, Pfirsiche, Mandeln und Feiger: von vorzüg¬ licher Güte. Wie wenig kommt davor: ins Ausland. „Bei ent¬ sprechender Bewirtschaftung könnten Tausende von Arbeitern, die heute nach Erwerb in die Fremde gehen, irr der Bebau¬ ung der heimatlichen Scholle reichlichen Erwerb finden."') Weltbekannt sind die dalmatinischen Weine, besonders der auf Brazza und Lissa gedeihende und der Muskateller von Almissa; sie konkurrieren mit den feinsten französischen Rotweinen. Ebenso berühmt ist der aus der dalmatinischen Weichsel (Marasca) gewonnene Likör, der Maraskino. Das Land erzeugt ferner ans seinen Olivenernten ziemlich viel Ol, das sich in manchen Strichen mit dem Ol der Provence an Feinheit messen darf. Der wilde Rosmarin, der mit seinem herben Duft viele Hänge und Mulden der dalmatinischen Berge erfüllt, liefert Essenzen, die im Handel gesucht werden. Die Aufzucht und Pflege der Bienen, die Dalmatiens ') Dalmatien von Prof. Ed. Brückner, S. 223. k-äl»? r910 verzehnfacht hat, aber es ist betrübend, hin- zusügen zu müssen, daß innerhalb derselben Zeitspanne sich die Anzahl der Unterkünfte nur verfünffacht hat. Mit der staatlichen Fürsorge soll also der Eifer von Privatunternehmungen Hand in Hand gehen. Es ist wahr, die Verhältnisse, welche auf kulturelle Hebung des Landes abzielen, liegen nicht einfach. Schon die Verschiedenheit der Nationalität der Bewohner macht die Verwaltung des Landes nicht leicht. Zwar überwiegt die slawische Sprache weitaus. Von 646.000 Bewohnern gehören 565.000 dem kroatischen und serbischen Sprachstamme und nur etwa 15.000, also ungefähr 2'^ Prozent, dem roma¬ nischen (italienischen) an. Aber die ganze Geschichte und Kultur des Landes ist so durchsetzt mit romanischen Elementen, daß diese gewiß der Berücksichtigung und Erhaltung würdig sind. Die Dichte der Bevölkerung beträgt nach der neuesten Volkszählung vom Jahre 1910 fünfzig Bewohner auf den Quadratkilonieter; sie hat sich in den letzten zehn Jahren nm vier Prozent gehoben. Der Rassentypus der Bevölkerung ist nicht so sehr- slawisch, als vielmehr, wenn man den Untersuchungen der Forscher Glauben schenken darf, uralt illyrisch. Die Gelehrten sprechen von einer di »arischen Rasse und wollen den hohen kräftigen Wuchs, das meist blonde oder branne Haar der Dalmatiner auf Rechnung dieser Blutmischung setzen. Die jetzigen Dalmatiner wären sonach die würdigen Nachkommen jener Dalmatiner, die schon zu Zeiten der römischen Kaiser die besten Soldaten und tüchtigsten Matrosen der römischen Kriegsflotte waren und die unter der Herrschaft Venedigs die hochgewachsenen stattlichen Leibgardisten der Dogen bildeten. Dies lenkt unfern Blick auf die Geschichte des Landes, die wir in Kürze streifen wollen, ehe wir als genießende Reisende seine Schönheiten im einzelnen ins Auge fassen. Die älteste Bevölkerung Dalmatiens, das gegenwärtig 646.000 Bewohner zählt, war unzweifelhaft illyrischen Ur¬ sprunges. Woher nnn der Name des Landes? Er taucht erst ums Jahr 180 v. Ehr. auf und rührt zweifellos von einem Orte Delminium her, dessen Lage nicht mehr eruierbar ist. Der griechische Geschichtschreiber Polybins nennt den illyrischen Volksstamm, der dort wohnte, Dal- mateis, welcher Name bei den Römern die Form Dalmatae erhielt. Die Illyrier waren ein rauhes und wildes Volk, zäh und hart wie die Felsen des Landes, das sie besiedelten; ihnen gesellten sich die Kelten zu, die bereits Ackerbau trieben und dem Volksbilde freundlichere Züge hinznfügten. Ailf diese Zeiten wilder Unabhängigkeit folgte die griechische Kolonisation, die aber nur den Süden des Landes ergriff. Der feine Grieche war dem barbarischen Illyrier, der größtenteils Seeraub trieb, nicht gewachsen. Erst der tapfere Römer zwang ihn ins Joch. Mit der römischen Herr¬ schaft änderte sich das Kultnrbild des Landes vollständig. Salona wurde der Mittelpunkt der römischen Besiedlung und der Kaiserpalast Diokletians (Lnloims xalatium — Spalato) ist der Glanz- und fast auch der Schlußpunkt der römischen *) Siehe den betreffenden Abschnitt von Professor Ober¬ hummer in dem Werke Dalmatien, herausgegeben von Professor Brückner, S. 107. ')2 Herrschaft. Denn nach dem stürmischen Vordringen der Hunnen und der mit ihnen stammverwandten Awaren kamen slawische Stämme ins Land, die noch auf der Stufe des Hirtenlebens standen und daher die bereits hochentwickelte römische Kultur zurückdräugteu. Die ungebrochene Jngend- krast dieses Volkes setzte sich nach und nach in den Besitz des ganzen Küstenstriches und der dahinter liegenden Lande. Die vorübergehende byzantinische Herrschaft hatte ebenso geringe Bedeutung wie die des großen Frankenkönigs Karls des Großen. Nur die Verschiedenheit der Christianisierung des Landes war eine Folge davon; sie ging von Rom und von Byzanz aus uud die Gründung des serbischen Kirchen¬ wesens und der sogenannten cyrillischen Schrift steht damit im Zusammenhänge. Die sprachlichen Unterschiede zwischen den Serben und Kroaten sind sehr gering; aber wer sich zur griechisch-orientalischen (orthodoxen) Kirche bekennt und sich der cyrillischen Schriftzeichen bedient, wird Serbe genannt. Noch jetzt beherbergt Dalmatien etwa 96.000 Angehörige der griechischen Kirche, während der überwiegende Teil der Be¬ völkerung sich zur römisch-katholischen Kirche bekennt. Von dem einschneidendsten Einflüsse auf Geschichte und Kultur Dalmatiens war die Herrschaft der erstarkenden Re¬ publik Venedig über dieses Land, die mit dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung ihren Anfang nimmt und mit anfangs wachsender, später immer mehr ermattender Stärke Dalmatien nahezu ein halbes Jahrtausend in ihrem Bann¬ kreise festhält. Ihr gegenüber bedeutete die vorübergehende Besitzergreifung des Landes durch die Könige Ungarns aus dem Stamme der Arpaden und Anjous wenig und im Jahre 1409 mußte König Sigismund, der auch römisch-deutscher Kaiser war, auf seine Besitzrechte völlig verzichten. Nicht die Waffen, sondern das Gold der Republik hatten das zustande gebracht. Hunderttausend Dnkatcu stossen in die Kassen des Ms geldbedürftigen, prunksüchtigen Herrschers. Wir haben in der Einleitung das Schicksal und Ende der venezianischen Herrschaft erzählt. Der Löwe von San Marco, einst so gewaltig und beutelustig, dessen steinernes Wappenschild uns in Dalmatien fast ans Schritt und Tritt 53 begegnet, wurde von dem korsischen Eroberer unterjocht. Und auch die kleine Republik Ragusa, die sich niemals der Herrschaft Venedigs gebeugt und ihre Selbständigkeit stets mit Mut uud Geschick verteidigt hatte, wurde durch einen Federstrich Napoleons aus der Welt geschafft. Der französische Marschall Marmont wurde Herzog von Ragusa. Auf dem Wiener Kongresse 1815 kam ganz Dalmatien an den österreichischen Kaiserstaat und nach langer Vernach¬ lässigung geht es unter dem Kaiser Franz Josef I. einer neuen, sich immer schöner entfaltenden Blüte entgegen. Arbe. Bevor wir die Hauptstadt dieses so malerischen nnd romantischen Landes betreten, wollen wir noch der Insel einen Besuch abstatten, die uns als das erste dalmatinische Eiland begrüßt, wenn wir die Fahrt von Fiume nach Zara antreten. Wir meinen Arbe, welches in seinem Hauptstädtchen gleichen Namens ein Juwel besitzt, das durch sein Alter nur schöner geworden ist. Seine Gäßchen weisen eine Menge heimlicher Reize auf und die verfallenen Höfe seiner Palazzi prangen im Frühling im Schmucke prachtvoller violetter nnd purpurner Blumen, die sich im Vereine mit grünen Schling¬ gewächsen um das in der Sonne leuchtende Grau der zer¬ bröckelnden Steine schmiegen. Arbe war im Mittelalter eine der wohlhabendsten Städte Dalmatiens. Jetzt zählt sie kaum tausend Einwohner, von denen viele, vielleicht die meisten die Welt noch in keinem andern Spiegel gesehen haben als in dem, den ihnen ihre heimische Insel und das ihnen vertrante Meer vorhält. Feldarbeit und Fischfang sind die ausschließliche Beschäftigung der Arbeser und Arbeserinnen, deren Stolz noch immer die Geschichte der adeligen Familien bildet, die einst auf diesem Eilande gewohnt haben. Unter diesen Familien war die der Nemira s eine der reichsten. Ihr Palazzo mit dem prächtigen, wappengeschmückten Portal gibt davon Kunde. Doch, wie sagt der Dichter? 54 „Neues Leben blüht aus den Ruinen." Aus dem Palazzo und dem schönen Terrassengarten wurde ein modernes Hotel und eine Wiener Gesellschaft beschäftigt sich mit dem Plane, der auch schon teilweise zur Ausführung gelangte, ein ele¬ gantes Seebad zu schaffen. Man kann sich in der Tat kaum einen schöneren Rahmen für ein solches denken als die herr¬ liche Umgebung des altertümlichen Städtchens. Arbe ist über¬ dies die waldreichste Insel Dalmatiens und ist durch sein Hochquellenwasser ausgezeichnet, das aus vielen Quellen ge¬ speist wird. Besonders der hohe Glockenturm der Kathedrale gewährt eine entzückende Aussicht. „Von seiner Spitze", sagt die Eng¬ länderin Holbach in ihrem reizenden Bilche über Dalmatien, „blickten oft angstvolle Augen über das Meer, in einer Zeit, wo jedes am Horizont anstauchende Segel Feuer und Schwert für das arme Arbe bedeuten konnte." Möge bald die Zeit kommen, wo die Augen der Bewohner voll Freude auf das bunte Leben und Treiben der Fremden schauen werden, die den stillen Domplatz, wo jetzt Schafe weiden, mit ungewohntem Lärm erfüllen werden. Die Kathedrale von Arbe hat ein schönes Reliqniar mit dem Schädel des heil. Christoph und seine mit dem Wappen der Nemira geschmückten Chorstühle sind Meisterwerke der venezianischen Schnitzkunst ans dem 15. Jahrhundert. Die Kirche Santa Justina besitzt ein schönes Altarbild von der Hand Tizians, es ist der Stolz der Arbesaner. Schön ist der Weg nach dem Kloster Santa Eufemia und entzückend der Ausblick, den man vom Gipfel der Tigna rossa, der höchsten Er¬ hebung der die Insel durchziehenden Bergkette, genießt. Man erblickt über Cherso hinüber den Monte Maggiore, man sieht gegen Norden die grüne Insel Veglia und gegen Osten den fjordartigen Morlakkenkanal, einst im Mittelalter der Tummel¬ platz der gefürchtetsteu Seeräuber. Diese wilden Zeiten sind wohl für immer vorbei. Möge die freundliche Insel, deren West- und Südseite in üppiger Vegetation prangt, bald als gernbesuchtes Seebad und klima¬ tischer Kurort einen neuen, reichgesegncten Aufschwung er¬ leben! Der Umfang unseres der Adria gewidmeten Büchleins gestattet es uns uicht, auch den anderen norddalmatinischcn Inseln und den unzähligen Klippcninselchen, den Scoglien, einen Besuch abzustatten. Wir lassen daher die langgestreckte Insel Pago, deren Länge fast <>0 Inn beträgt und die knapp an das dalmatinische Festland heranrückt, hinter uns, ebenso die Inseln Mele da, Ulbo und Salve und fahren direkt in die weite Bucht, die den Hafen von Zara bildet. Zara. Zara ist die Hauptstadt des Laubes Dalmatien. Nicht mit Unrecht. Denn uralt ist seine Geschichte und schon lange vor den Römern war es ein bedeutender Handelsplatz der Libnrner. Das römische Jadera — so hieß die Stadt, die sich heute in der slawischen Mundart Zadar nennt, — war der Sitz vieler reicher und vornehmer Römer, die seine herr¬ liche Riviera liebten und sich gern hier ansiedelten. Die Venezianer nannten diese Riviera Zaratina ihr (Unickino äi inaro, den Garten am Meere, und schmückten die Stadt mit prunkenden Gebäuden und hübschen Landsitzen. Die Wut der Kreuzfahrer, die der Doge Enrico Dandolo anführte, verwandelte Zara vor Beginn des vierten Kreuzzuges (1202) in einen Schutthaufen; doch, ent¬ blühte den Trümmern neues Leben. Heute weist Zara, das sich 56 am Ende der Halbinsel zwischen dem Meere und der ge¬ räumigen Hafenbucht hinstreckt, beim ersten Anblick einen modernen Eindruck aus. Die Riva uuova vor dem Hotel Bristol, wo an schönen Abenden eine bunte Menschenmenge hin- und herflutet, laßt uns zuweilen an großstädtische Kur¬ orte denken. Da Zara der Sitz des Statthalters, des Land¬ tages, der obersten Gerichtsbehörden und vieler Unterrichts- anstalten des Landes ist, so trifft unser Blick auf viele moderne, aber mich nüchtern gehaltene Gebäude. Doch das alte Zara ist nicht verschwunden, ebensowenig wie seine massigen, starken Festungsmauern, die aus den Zeiten der Venezianer stammen, ganz zerbröckelt und vermorscht sind. Die Riviera Zaratina aber, die das weiße Kleid des Winters gar nicht kennt, und wo zur Zeit, wenn uns im Norden eisige Stürme umtoben, aus dichtem Laub die Gold¬ orange winkt, sollte ebenso besucht sein, wie Nizzas liebliches Gestade. Das Treiben von Segeljachten und Motorbooten längs der Küste und zwischen den Inseln sollte viel lebhafter und rastloser sein als dies gegenwärtig noch der Fall ist. Wie viele vornehme Herren könnten hier der Jagd pflegen auf die zahllosen Schwärme von Wasservögcln, die in dieser Gegend ihr Winterquartier aufschlagen. Und diese Sonnen¬ untergänge an dem Zaratinischen Gestade! Artur Rößler sagt von ihnen: „Es gibt kein erhabcneres und prunkvolleres, an Farbenwundern reicheres Natursest." Wenn man an wetter- schönen Tagen ans dem Promenadenweg zur Bucht des so¬ genannten Krenzfahrertals wandelt, so wird man durch die Blumenpracht entzückt, die in geschützten Lagen sich entfaltet. Auch Phönix- und Kokospalmen gedeihen hier und tragen selbst Früchte. Viel zu wenig Fremde genießen diese Schönheiten und so viele andere, an denen Dalmatien überreich ist. Dalmatien ist eben erst das Land der Zukunft, wie es so lange das Land der Vergangenheit war. Von dieser künden Zaras Bauten auf Schritt und Tritt. Wenn wir durch die Porta Marina, auf der noch der Löwe Venedigs als Wappen prangt, in das alte Zara ein¬ treten, so gelangen wir durch enge Gäßchen auf die Piazza 5>8 del Duomo, zu der Kathedralkirche der Stadt, die der heiligen Anastasia geweiht ist und schon im frühen Mittelalter als eine der schönsten Kirchenbanten Dalmatiens gerühmt wurde. Sie war ursprünglich eine dreischiffigc Basilika mit grünen und weißen Marmorsäulen und wurde erst im 13. Jahrhundert in den heutigen romanischen Stil umge¬ wandelt. Hervorragend schön ist das in den edelsten Formen ausgeführte Ziborium, der Baldachin des Hochaltars, den ein Gemälde von Bomballi, das Martyrium der heil. Ana¬ stasia darstellend, schmückt; ebenso sehenswert sind die Chor¬ stühle im gotischen Stil, Meisterleistuugcu der venezianischen Kunst. Sehenswert sind außerdem die Unterkirche und die Kapelle, die in kostbarem Reliquiar die Gebeine der Kirchen¬ heiligen birgt. In der Schatzkammer funkelt und gleißt es von Schätzen, die frommer Glaube hieher gestiftet. Prächtig ist die Fassade mit der schönen Fensterrose über dem Rund¬ tor und den zierlichen Säulchen und Bogen. Schön ist auch der Glockenturm des Domes, ein Seiten¬ stück zu dem Kampauile Arbes. Sein Bau wurde zwar von dem venezianischen Erzbischof Baler essv nach dem Muster des Kampanile Venedigs begonnen, doch blieb er lange ein Torso; erst in unserer Zeit wurde er nach den Plänen des englischen Architekten Jackson zu Ende geführt — ein hoch¬ ragendes Wahrzeichen Zaras, das der Zaratiner schon von weitem mit Fremde begrüßt, wie der Wiener seinen Ste- phansturm. Zara hat noch einen andern schönen Glockenturm, der zum Kloster Santa Maria gehört und zum Andenken an den Einzug des Königs Koloman in die Stadt Zara er¬ richtet wurde (1H>). In der Stille dieses Klosters betrauerte die unglückliche Maria, die verstoßene Gemahlin dieses Königs, ihr düsteres Geschick. Durch einen gotischen Bogengang gelangt man vom Dome zur Kirche des heil. Donatus. Das heißt, sie ist lange keine Kirche mehr. Der Bischof Donatus soll sie im ü. Jahrhundert erbaut haben; sie war also eine der ältesten Kirchen Österreichs; schon in den Schriften des Kaisers Kon¬ stantin wird ihrer Erwähnung getan. Doch ihr Alter und k-LÄ»? k<2H k^>? r^§»? r<^»? k<2Ä? k9 ihre Heiligkeit schützten sie nicht vor Profanation. Im 18. Jahrhundert diente sie als militärisches Verpflegsmagazin und später wurden in dem schönen Rundbau, der an den Aachener Dom erinnert, Weinvorräte aufgestapelt. Jetzt ist San Donato das Museum Zaras. Viele kost¬ bare Funde aus vorrömischer, römischer und altchristlicher Zeit sind hier ausgestellt. Was für Schätze aus den verschiedensten Kultnrepochen sind hier angehäuft, die uns mit Ehrfurcht vor der Geschichte dieses merkwürdigen Landes erfüllen, über das die Wellen eines eigenartigen Kulturlebens hinüber- geflutct, bald dies, bald jenes hinzutragend oder hinwcg- spülend, wie es eben im Geiste der Zeiten lag. „Münzen, Inschriften, Schmuckstücke, Skulpturen, Reliefs und wertvolle Kunstwerke alter und neuer Zeit bilden den unschätzbaren Reichtum des Museums San Donato, das eine der wert¬ vollsten Kulturschatzkammern Österreichs ist." (M. Band.) Unter den anderen Kirchen Zaras ist noch die Basilika von S a n G ri s o g o n o zu nennen, durch die Reinheit ihrer romanischen Stilformen sehenswert; ferner die Kirche des Schutzheiligen der Stadt, des heil. Simeon mit ihrem pracht¬ vollen Silbcrsarkophag, der den Leib des Heiligen enthalten soll. Die Legende erzählt, daß Königin Elisabeth, die Gemahlin Ludwigs des Großen von Ungarn, die kostbare Reliquie der Kirche geschenkt, daß sie aber einen Finger von der Leiche getrennt und in ihrem Brusttuche verborgen haben soll. Aus Strafe dafür ward sie krank und voll Schrecken fügte sie den entwendeten Finger wieder an die Hand des Heiligen. Nach ihrer Genesung stiftete sie den prächtigen Sarkophag, auf dem der heil. Simeon und die Gestalten des ungarischen Königspaares in getriebenem Silber dargestellt sind. Viele Pilger wallen noch heute zu diesem Sarge und erflehen und erhoffen von demselben Genesung von ihren Leiden und Gebresten. Nicht weit vom erzbischöflichen Palais liegt die Piazza delle Erbe, der Gemüsemarkt Zaras. Hier herrscht in den Marktstnnden ein buntes, malerisches Getriebe. Hier kann man die pittoresken Trachten der Morlakken und Morlakkinnen bewundern, die roten Mützen und mit Gold und Silber be- 60 stickten Westen der Männer, die schönen Schürzen der mit Schmuck überladenen Frauen, deren braune, abgearbeitete Finger mit goldenen und silbernen Filigranringen über und über bedeckt sind. Sie machen keinen fröhlichen Eindruck diese Frauen mit ihrer tiefbraunen Hautfarbe, die der verwöhnten englischen Lady, die unser Dalmatien besuchte und lob¬ preisend schilderte, wie Indianerinnen des fernen Westens erschienen. Die Spuren unausgesetzter harter Arbeit und ihrer gedrückten Lebensstellung sind diesen Weibern aus dem rauhen dalmatinischen Berglande unauslöschlich aus¬ gedrückt. Dafür leuchten die Früchte, die hier anfgestapelt sind, im Glanze der Sonne in wunderbarer Farbenpracht, besonders die zur Zeit der Kirschenernte in riesigen Körben aufgehäuften weißen, zartroten und tiefdunkleu Früchte. Die englische Be¬ sucherin ivar davon entzückt; sie nennt den Kirschenmarkt Zaras - „eine Sinfonie in Rot". Auf der Piazza steht noch eine römische Säule, die viel¬ leicht zu einem Tempel gehört hatte. Die Venezianer benutzten sie als Schandpfahl, wie die Ketten beweisen, die noch von der Säule herabhängcn. Noch eiue andere Säule aus römischer Zeit streckt ihren schlanken Schaft znm blauen Himmel Zaras empor. Sie hat dem Platze, auf dem sie steht, den Namen gegeben. Er heißt Piazza della Colonna und liegt in der Nähe der berühmten „oinguo poWi", der fünf Brnnnen, die einst Zisternen waren und jetzt durch eine Wasserleitung ge¬ speist werden. Wir gelangen zu ihnen durch die Porta Terraferma, durch die das umwallte Zara einst mit dem Festlande verbunden war. Das Festlandstor ist eine an¬ mutige Kuustschöpfung des Baumeisters Sanmicheli. Vor diesem Tor liegt der freundliche Giardiuo publieo und daran sich anschließend der große BlaLekovio-Park, der seinen Namen von dem ehemaligen Statthalter und Militär¬ kommandanten Karl v. BlaSekoviü hat, der im Jahre 1800 diesen Park begründete. Er prangt in der Fülle einer farben¬ leuchtenden Vegetation, wie sie nur die Gestadeländer der blauen Adria und des Mittelmeeres aufzuweisen haben. Von fern grüßt das Haupt des Velebit, den meist ein feiner 01 Nebelglanz umhüllt, wenn nicht schwarzes Gewölk eines drohenden Borasturmes auf seinen massigen Schultern ruht. „Er bewacht", nm mit einem Dalmatienreisenden der jüngsten Zeit zu sprechen, „wie ein treuer Wardein den ganzen Norden Dalmatiens." Ein schöner Promenadeweg führt von der Römersäule ans der Piazza della Colonna wieder ans Meer, ans ewig¬ schöne, über das an Hellen Sommertagen die Sonne die Finten ihres blendenden Lichtes streut und über dem nächtlicherweile vom tiesdunklen Himmel das Goldnetz der Sterne niederhängt. Schwer zu sagen, ob dem Tage oder der Nacht der Preis gebührt; aber die Stille der Nacht tut der Seele wohler, die müde von den Eindrücken ist, die sie am lauten, blen¬ denden Tage ausgenommen Hal. Im Norden von Zara, etwa 18 lrm entfernt, liegt Nona, eine versunkene Stadt, das Vineta Dalmatiens. Die Gegend ähnelt der römischen Campagna, in den salzigen Sümpfen brütet das Fieber. Einst aber muß es nicht so gewesen sein und das Anona der Römer mag eine stattliche Proviuzstadt gewesen sein. Viele Denkmäler wurden hier ge¬ funden, sie sind in den verschiedenen Museen des Landes anf- bewahrt; das meiste wurde nach San Donato geschafft. Wie viele schaulustige Menschen mögen einst in der Arena gesessen sein, deren Platz man noch zeigt. Jetzt brütet das Schweigen des Todes über der verödeten Stätte. Zur Zeit der kroatischen Könige war Nona (slawisch: Nin- Sitz eines Bischofs und Krönungsstadt. Das Kirchlein Santa Croce, eine der kleinsten Kathedralen der Welt, mag kaum für den König und sein nächstes Gefolge samt der Priester¬ schaft Raum geboten haben. Das alte Kirchlein zum Heiligen Kreuze ist dem Verfalle geweiht, wie das römische Anona und die Stadt der kroatischen Könige untergegangen ist. Doch weg mit diesen Bildern der Vergangenheit! Mag uns das Leben wieder grüßen! Die beiden langgestreckten Inseln Ugljan und Pas man begleiten die zaratinische Küste. Sic sind beide ziemlich fruchtbar und die fleißigen und wohlhabenden Bewohner dieser Eilande versehen Zara mit Gemüse. Man muß sie schätzen diese gesunden und wohl- 62 gebauten Insulanerinnen, die so emsig der Feld- und Garten¬ arbeit obliegen, mit ihren Körben zn Markte rudern und doch noch Zeit für die schwere Hausarbeit und die Pflege der meist sehr zahlreichen Kinder finden. Auf Ugljan liegt das alte Kastell San Michele, von dem berühmten Dogen Dandolo erbaut. Von der Höhe dieser Venezianer-Festung hat man eine herrliche Aussicht ans die Inseln rind auf Zara mit den im Hintergründe verdämmer- den Bergen, die selbst im Frühlinge noch ihr silbernes Schnee¬ kleid tragen. Auch von Zara aus ist der Anblick der alten Venezianer-Festung wunderbar, wenn die scheidende Sonne gewissermaßen eine Rosenwand abgibt, von der sich klar lind scharf die zackigen Formen der Feste abheben. Mali kann voll Zara aus zu Wasser und zu Laude viele hochinteressante Ausflüge machen. So zum Beispiel nach Novigrad (Neuschloß), das an jenem fast ganz umschlossenen Becken der Adria liegt, welches mail das Meer von Novigrad nennt. Hier erheben sich noch die Ruinen jenes viereckigen Turmes, in dem der Ban Ivan Harvat die Königinnen Elisabeth und Maria von Ungarn gefangen hielt (1385). In dieser Burg soll, wenn anders die Legende wahr erzählt, die unglückliche Elisabeth erdrosselt und von der Mauer in den Abgrund geworfen worden sein. Doch weiß eine mildere Fassung der Sage zu berichten, die Fürstin sei aus Gram gestorbeu und ihr Leichnam in der Kirche von San Grisogono in Zara zur Ruhe bestattet worden. Ein venezianischer Heer¬ führer eroberte zwei Jahre später Novigrad und befreite Maria, die Tochter der Königin Elisabeth. Maria reichte später dem Markgrafen S i g i s m n n d von Brandenburg die Hand, der König voll Ungarn und Deutscher Kaiser wurde. Das Meer von Novigrad war einstens wegen seiner Allstern berühmt. Jetzt ist der Thnufischfang die bedeutendste Erwerbsquelle der Bewohner. Er wird vom Eintritte des Frühlings bis anfangs Oktober betrieben und oft werden mehrere hundert Fische auf einmal gefangen, von denen jeder 15 bis 20 ÜA wiegt. Am Tage der Mutter Gottes vom Schnee (5. Oktober), wenn die Herbstnebel zu spinnen anfangen, hört der Failg ans. Lohnend ist ein Ausflug von Novigrad nach dem freund¬ lichen Markte Obrovazzo (Obrovac), der im Tale der unteren Zer magna liegt. Man fährt diesen Fluß hinaus und genießt malerische Blicke aus die hie und da mit Ruinen geschmückten Berge, die das Flußtal einengen. Von Obrovazzo führt die Bergstraße über den Velebit nach Kroatien Hin¬ tiber. Der höchste Grat dieses milden Gebirges bezeichnet zu¬ gleich die Landesgrcnze. Die schöne Bergstraße, deren Van im Jahre 1832 voll¬ endet wurde, ist, wie uns R. E. PetermaniA) berichtet, „mit so geringer Steigung angelegt (4^2- 5 o/„), daß sür die in der Luftlinie 7'3 bin lange Strecke Obrovazzo—Podprag (684 m Seehöhe) eine Entwicklung auf 14 bin und für die in der Luftlinie 3-7 bw lange Strecke Podprag — Mali—Halan (Seehöhe l045 in) eine Entwicklung auf 9 bin nötig wurde". Die Semmeringbahn hat dagegen von der Station Payerbach, die 494 in hoch liegt, bis zur Station Semmering in der Höhe von 898 in auf 21 bin nur einen Höhenunterschied von 104 in zu überwinden. Bei Podprag steht eine zum Andenken an Kaiser- Franz I. errichtete Kapelle. Hier grüßt uns bereits die alpine Flora. Wilder Thymian streut seinen herben Wohlgeruch in die Luft; zarte Heckenrosen hängen an Sträuchern und schöne blaue Glockenblumen wachsen am Wege. Hart und rauh ist das Leben der" armen Bergbewohner auf diesen Höhen, wo bei winterlicher Bora eine Temperatur von — 20" 0 nichts Seltenes ist. Aber wundervoll ist die Fernsicht, die man auf Dalmatiens Jnselflnr und seine Küsten- landschaft genießt. Die Talsurche der Zermagna und Zara werden sichtbar, von dem wir nun Abschied nehmen, nm uns dem Dampfer anzuvertrauen, der uns südwärts nach Seb enico führen soll. Sebenico. Nur vier Stunden dauert die Fahrt von Zara nach Sebenico. Sie ist entzückend durch den Wechsel der landschaft¬ lichen Bilder, welche die Küste und die uns begleitenden Inseln st Führer durch Dalmatien, S. 163. 6! darbietcn. Es gibt an dieser Küstenstreckc eine Menge kleiner Klippen S e o g li e n nemrt man sic —-, deren Farbenspiel im Sonnenlichte das Auge erfreut, die aber, weun Nebel¬ schleier sie umwallen, selbst dem wetterfesten Seemann Grauen cinflößen. Unser Blick wird zunächst gefesselt durch das auf einer kleinen Halbinsel gelegene Zaravecchia, das Bi ograd (Weiße Burg) der Kroaten. Einst war der Ort die Residenz der kroatischen Könige. Hier feierte der tapfere Ungarnkönig Koloman Hochzeit mit seiner Braut, der schönen Normanneu¬ prinzessin Bnsila, Tochter des Königs Roger I. von Sizilien. Zu diesem prächtigen Feste strömten so viele Gäste zusammen, daß die kleine Stadt nur wenigen Herberge bieten konnte. In weitem Umkreise erhoben sich Zelte und Hütten ans Laub und Zweigen und selbst vornehme Ritter und Edel¬ damen mußten mit solch bescheidener Unterkunft vorlieb nehmen. Zehn Jahre später wurde der ritterliche Koloman nach dem Erlöschen des kroatischen Königshauses zum Könige von Kroatien gewählt und nannte sich fortan: Lsx UnnAnrino, Oroatms st Oalmakias. Nichts erinnert im Dorfe Zaravecchia an die frohen Festtage von Biograd, nichts an die Zeiten, wo die stolzen Tempelherren auch in Dalmatien reich und angesehen waren. Ihre Burg am nahen Vranasec ist längst in Trümmer zer¬ fallen. Durch ein Gewirrs von Scoglien geht die Fahrt vor¬ wärts, bis ein enger Kanal uns anfnimmt. Er verbirgt und schützt den Hafen von Sebenico und' es ist daher begreiflich, daß die Venezianer hier eine starke Festung anlegten. Es ist das Fort San Niccolö, vom Baumeister Sanmicheli im Jahre 1546 erbaut; und so wichtig erschien diese Feste den venezianischen Herren, daß sic dem Befehlshaber bei Todes¬ strafe verboten, seinen Posten je zu verlassen. ' Die englische Besucherin Dalmatiens, Lady Maud Hol- bach hat recht, wenn sie schreibt: „Gelegentlich eines See¬ krieges würde Sebenico zweifellos die Basis und der Aus¬ gangspunkt aller navalen Operationen sein; von hier aus könnten die österreichischen Schlachtschiffe und Kreuzer plötzlich Siu olle, Nund um die blaue Adria. o Sebenico. hervorbrechen und über den Feind herfallen oder kühne Aus¬ fälle über die Adria wagen, immer mit dem geschützten Hafen im Hintergründe, wohin ihnen kein Feind folgen könnte ohne sichere Aussicht auf Vernichtung." Man hat Sebenieo (slawisch: Šibenik) nicht mit Unrecht mit Genna verglichen. Amphitheatralisch klettern seine Häuser die Anhöhen empor, die von drei Forts aus der Venezianer- zeit bekrönt werden. Von dem Fort San Giovanni hat man einen einzig schönen Ausblick auf die Stadt mit ihrem be¬ herrschenden Dome und dem Gewirre grauer, alter Häuser lind gewundener Gassen und auf das blaue Meer mit den: von Schiffen aller Art bunt belebten Hafen. Sebenieo ist ent¬ schieden eine der malerischesten Städte dieses Landes, das dem Auge des Künstlers eine berückende Fülle der reizendsten Motive darbietet. Fast noch reizender ist der Ausblick vom Fort Sant' Anna. M. Band schreibt darüber:*) „Das Fort liegt über der Alt¬ stadt von Sebenieo, ober dem stimmungsvollen Friedhöfe, dessen Kapelle und Grabdenkmäler zunächst ins Ange fall«:. Unter diesen liegt das Dächergewirre der Stadt, ans dem die schlanke Domtüppel hervorlugt, und vor demselben der blaue Spiegel der einem Binnensee gleichenden Bucht von Sebenieo. Im Osten liegt das Fort San Giovanni, zu dem das Grün der prangenden Gärten hinüberleitet; im Süden schimmert die Halbinsel Maddalena in einem träumerisch stillen Winkel der Bucht, vor uns im Westen der Kanal San Antonio, die Insel Zlarin mit ihrem Festungswerk, hinter dem das Meer in unendlicher Weite erschimmert. Im Nvrdwesten blicken die kleinen Inseln ans dem Meere empor und auf einem ferneren Hügel grüßt die Wallfahrtskirche Madonna del Carmine, während im Norden der kleine Kanal der Kerka in die Bucht von Sebenieo einmündet und den Wellen plätschernd von seiner Heimat in den Bergen Dal- mätiens erzählt." Es ist vollkommen zutreffend, wenn derselbe Schriftsteller hinznfügt: „Wer einmal nur zur Abendstunde dieses gigantische Bild erschaut, wessen Auge hier wonne- *) Dalmatien, S. 3l. ti 7 trunken iiber Land und Meer geschweift, der wird dieses unvergleichlich schöne Stück Natur nie und nimmer vergessen können und den Eindruck für alle Zeiten lebendig in sich bewahren." Den Dom Sebenicos hat ein gewiegter Kunstschriftsteller als „eine der edelsten, auffallendsten, einfachsten christlichen Kirchen und -- von einem rein architektonischen Gesichts¬ punkte aus betrachtet — die interessanteste aller dalmatinischen Kirchen" bezeichnet. Über hundert Jahre wurde an diesem Wunderwerke mittelalterlicher Baukunst gearbeitet und die Kosten seiner Herstellung sollen mehr als 80.000 Dukaten betragen haben. Im Jahre 1481 wurde der Grund zu diesem würdig schönen Kirchcnbau gelegt, aber erst löbv schritt er seiner Vollendung entgegen. Diese lange Zeitspanne erklärt auch die Verschiedenheit seiner Stilformeu. Zuerst in Gotik begonnen, wurde der Dom im Stil der feinen und zierlichen Venezianer Renaissance vollendet und die Kreuzung des Längs- und Querschiffes überkuppelt. Kein unedles Material, nieder Holz noch Ziegel, wurde bei diesem Bau verwendet; er ist durchaus nur aus Steii: und Marmor aufgcführt. Ganz eigenartig ist die Kon¬ struktion des Daches; sie besteht nnr ans Steinplatten; auch hier kam kein Holzsparren und kein Ziegelstück in Anwendung. Sehr schön ist das Hanptportal nut seinen monumentalen Zieraten; nicht minder schön ist das Seitentor mit den beiden steinernen Löwen und den Figuren des ersten Menschenpaares, die freilich an Feinheit der Ausführung hinter den Vlatt- ornamenten und den zierlichen, gewundenen Säulen zurück¬ stehen. Dem Domplatze gegenüber liegt ein alter venezianischer Palazzo mit einer malerischen Loggia. Einstens der Sitz eines Nobile, jetzt Kaffeehaus und Kasino, das von Fremden gern besucht wird. Auch Sebenico hat seine modernen Anlagen, seinen Stadt¬ park, der freilich noch jungen Datums ist. Er schmiegt sich an die mit Schlingpflanzen übersponnene ehemalige Stadt¬ mauer an. Hier erhebt sich, von einer Wand hochragender Opuntien sich abschattend, das Denkmal des dalmatinischen ö* Dichters und Gelehrten Nie colo Tommaseo. Er wurde mn 9. Oktober 1802 zu Sebeuico geboren und starb am 1. Mai 1874 in Florenz. Seinen Ruhm dankte er vor allem seinem Jugendwerke „Jskrize" (Funken). Wenn man in Scbenico weilt, so richtet jeder zweite, dritte Mensch an einen die Frage: „Waren Sie schon in Scardona? Haben Sie schon die Wassersälle der Kerka besucht?" Wer hätte nicht schon von ihrer Schönheit, von dem romantischen Zauber ihrer Umgebung gehört? Doch nicht bloß die Fülle ihrer Naturschönheiten macht diese Wasserfälle berühmt; sie werden dem Lande bald ungeahnte Quellen des Reichtums erschließen, wenn mau einmal darangeht, die Wasserkraft, die in ihnen aufgespeichert ist, auszunutzen. Schon jetzt spendet diese den Sebenicancrn das elektrische Licht und ermöglicht es selbst dem ärmsten Bürger das düstere Gelaß seines alten Steinbaues freundlich zu beleuchten. Wenn sich einmal die Technik dieser aufgesparten Natur- kräfte bemächtigt, wird Sebenicos Industrie einem neuen Aufschwünge entgegengehcn. Die K e r k a ist einer jener merkwürdigen Flüsse, wie sie das Karstland Dalmatien nicht selten hervorbringt. Sie treten plötzlich aus irgendeiner unterirdischen Höhle hervor, nach¬ dem sie schon lange unter der Erde einen Laus genommen, den keines Menschen Auge zu verfolgen imstande ist. Man muß nach Scardona fahren, nm den ersten oder, von der Höhe aus gerechnet, den achten Wasserfall der Kerka anzustaunen. Mit der Stcinwildnis, die man auf der Fahrt von Sebeuico nach Scardona zurückgelegt, kontrastiert um so lieblicher das frische Grün der Matten und Wciden- gebüsckse, durch die das Silber der Kerka tost und schäumt. Fast alle Reisenden reichen den Fällen der Kerka die Palme, wenn sie sie mit den berühmten Rheinfällen vergleichen. Wie viele Besucher würden diese eigenartigen und überwältigenden Fälle anstannen, wenn sie — nicht in Dalmatien wären! „Bald wie geschmolzenes Silber, bald in den Farben des Rcgcnbogens schimmernd, dann in Schanm zerstiebend, der an blendender Weiße den klaren Alpenschnee übertrifft, so springen und schäumen und glitzern die Wasser der Kerka 69 im goldigen Sonnenlichte, Tag für Tag, Jahr um Jahr in ihrem geschäftigen Laufe von den Bergen zum Meere." ? kk k-L^? l-^n / ') stimmungsvollen Düster wahrhaft erhebend. Unter der Kanzel ruht ein in der Landesgeschichte vielgerühmter kroatischer Fürst. „Nlaäsn Zndich Oroatornia 0Iipsu8" besagt die Inschrift der Grabplatte, „Der junge Lubiä, ein Schild der Kroaten!" Ist das Innere der Kathedrale, deren Steinwände der An¬ hauch der Zeiten dunkel gefärbt hat, in düstere Dämmerung getaucht, so ist dagegen die Seitenkapelle, die den Marmor¬ sarkophag des heil. Johannes Ursinus (Orsini), des ersten Bischofs von Traü, enthält, von Licht überflutet, das aus den Fenstern bricht. Zwischen diesen stehen in Nischen die schöngeschnitzten Standbilder der Apostel und die grün und schwarz kassettierte Decke macht einen freundlich-harmonischen Eindruck. Wohl wenige Fremde versäumen es, auch der Schatz¬ kammer des Domes einen Besuch abzustatteu. Sie birgt Schätze seltener und kostbarer Art; so einen wunderbar ge¬ schnitzten und eingelegten venezianischen Schrank aus dem 16. Jahrhundert, der schon zur Zeit seiner Herstellung >25 Dukaten gekostet haben soll. Was würde ein amerika¬ nischer Nabob heutzutage geben, um in seinen Besitz zu ge¬ langen? Ferner befindet sich im Domschatze ein reizendes Triptychon aus Elfenbein, eine Stola aus dem 15. Jahr¬ hundert, auf der Christus und die zwölf Apostel dargestellt stud, dann eine Bischofmütze aus rotem, mit Perlen über¬ sticktem Samt, die aus dem Kröuungsmantel gefertigt sein soll, den König Bela IV. einst den Traürinern geschenkt hatte, als er ans seiner Flucht vor den Mongolen in diesem Städtchen ein Asyl fand. Tritt man ans dem Innern des Domes, das uns mit heiligem Schauer erfüllt, wieder hinaus auf den freien Platz, so fällt unser Blick zunächst auf das alte Rathaus, über dessen Tor der Markuslöwe und das neue Wappen der Stadt Trau angebracht sind, und dann gegenüber auf die Loggia mit ihren sechs hübschen Säulen und ihrem bnuten Plafond mit den blauen Feldern zwischen dem dunkelbraunen Holzgebälk. Hier fanden zur Zeit der venezianischen Herrschaft die Gerichtsverhandlungen unter dem Vorsitze des Stadtgrafen /1 > statt. Noch haben sich die alten Statuten von Traü ans dem Jahre 1803 erhalten. Den städtischen Ärzten war es znm Beispiel bei Strafe von 25 lira picwolsst verboten, ohne Erlaubnis des Conte die Stadt zu verlassen. Den Ver¬ käuferinnen an der Loggia war es bei fünf Soldi untersagt, beim Feilhalten ihrer Waren zu spinnen. Dem Dienstboten, der seine Herrschaft bestohlen hatte, wurde die Nase ab- gcschuitten; auf Diebstahl überhaupt stand der Verlust eines oder auch beider Augen; überstieg der Wert des Entwen¬ deten 25 Lire, so wurde der Dieb „so lange gehangen, bis er starb". Es waren harte Zeiten, die des strengen Regimentes der venezianischen Signori. Doch sie sind längst vorüber¬ gerauscht. Menschenwerk und Menschensatzung sind vergänglich. Ewig gleich bleiben nur die tröstenden und erhebenden Freuden, die uns die Schönheiten der Natur gewähren. In verschwenderischem Reichtum können wir sie an jenem Strande Dalmatiens genießen, den man die „Riviera der Sieben Kastelle" nennt und dem wir nun unfern Besuch abstatten wollen. „Nirgends", sagt Baronin Dürings seid, „ist das durchweg malerische, aber fast immer schroffe Dalmatien so weich, so sanft wie an der Riviera der Sieben Kastelle." Und die englische Dalmatienrcisende, die wir schon hie und da als Zeugin anriefen, fügt hinzu: „In ganz Dalmatien gibt es wohl kaum ein zweites ebenso freundlich lächelndes Land¬ schaftsbild, wie dasjenige, welches sich dem Blicke längs des Gestades der Riviera dci Castelli zwischen Tran und Salona darbietet; es ist nicht zu verwundern, daß in den Zeiten des Mittelalters die Weingärten und Olivenhaine dieses früchtereichen Landes die Blicke der allerobernden Türken auf sich lenkten, ihrer nie schlummernden Habgier ein Ziel gaben, so daß der Bau dieser befestigten Schlösser, die diesen: Teile der 'Küste ihren Namen gegeben haben, zu einer dringenden Notwendigkeit wurde, um dem so reichgesegneten, so hei߬ begehrten Lande ein starker Schuh zu sein." U Die kleine idalmatinische) Lira galt etwa 20 Heller. Es waren ursprünglich 13 Burgen, welche die vene¬ zianischen Nobili an diesem paradiesischen Küstenstrcifen er¬ richtet hatten. Nur sieben von ihnen sind noch erhalten. Das westlichste ist das Kastell Stafileo, das östlichste das von Suourac. Dazwischen liegen Kastell Nu ovo, Kastell Vecchio, Kastell Vitturi mit einem schlanken, hohen Kampanile, Kastell Cambio mit einem massigen Rundturm und Kastell Ab bad essa. Und dazwischen welche Pracht der Vegetation, besonders im Frühling, der überhaupt die beste Jahreszeit ist, um Dal¬ matien zu bereisen! Welch entzückender Dust der Veilchen, die aus den Klippen hervorblühen! Welch buntes Gemisch von Distelblüten, Heckenrosen, Mohnkelchen, Geranien! Mächtig und ausgedehnt sind die Olivenwaldungen. Das Ol dieses Küstenstriches, besonders das von Stari kod Drogira (Kastell Vecchio) wird seiner Feinheit wegen nicht minder geschätzt als das der Provence. Auch die Gabe des Bacchus gedeiht hier neben der der Athene und erfreut sich verdienten Anwertes. Wie kommt es, daß diese dalmatinische Riviera mit ihrer Blütenpracht und dein Zauber des tiefblauen Meeres, an dem einst römische Cäsaren sich niederließen, um der Ruhe zu genießen, eigentlich noch so wenig gekannt und so wenig besucht wird, während der Strom der eleganten Welt die französische und italienische Riviera überflutet? Hoffentlich wird dies anders werden, wenn einmal der Schienenstrang Dalmatien, das Land der Vergangenheit, mit unseren Haupt¬ städten in Verbindung bringen wird. Dann werden auch an diesem verzauberten Strande Hotelpaläste sich erheben, Motorboote ans und ab fahren und die herrliche Straße sich mit Automobilen beleben. Dann wird auch das Gold der Fremden ins Land strömen, das zwar die Quelle vieler Laster, aber doch auch wieder der Ursprung neuer, wertvoller Güter ist. Wir können es uns nicht versagen, die Worte eines der neuesten Dalmatienrcisenden hieherznsehen, weil sie mit unserem Empfinden so ganz übereinstimmend) „Eigentlich U M. Band, Dalmatien, S. 46. ? 8 müßten wir tiefbetrübt sein und reuig an unsere Brust schlagen, daß dieses unser Stück Wunderland noch nicht in aller Welt bekannt ist und daß nicht der große Strom der Vergnügungsreisenden aller Lauder an diese Riviera zieht, wie an jene der Riviera di Ponente mit ihren mondainen Lnxnsorten Nizza, Monte Carlo, Mentone. Aber andererseits müssen wir uns wieder glücklich schätzen, dieses keusche, reine, säst noch unberührte Stück Natur zu besitzen und daran¬ gehen, alle jene dorthin zn Gaste zu laden, die reinen Herzens und Sinnes ausziehen, die Zauber des Südens frei von aller ilberkultnr und rauschendem Weltleben zu genießen." Von Suöurac zieht sich die Strandstraße zwischen dem Meere und der Eisenbahnlinie hin, die nach Spalato führt. Schon sehen wir in der malerischen Bucht von Salona auf einer Halbinsel, eng ans Meer geschmiegt, das Dörflein Vranjiä, das die Italiener Piccolo Venezia nannten; aber noch verbirgt der Rücken des Monte Marjan das kaiser¬ liche Spalato, während der Schienenweg an dem Trümmer- und Rninenselde von Salona vorüberführt. Nun taucht Spalato auf, eiugebettet im Palaste des Diokletiau und doch die lebensvollste Stadt des Landes, die wirtschaftliche Kapitale Dalmatiens, wie sie Petermann nennt. Spalato und Salona. Welch ein Wunder! Eine in einen Palast eingebaute Stadt! Wer hielte dies für möglich, für glaubhaft? Und doch ist es so. Der Palast des römischen Kaisers Diokletian hat eine ganze Stadt in seinen Schoß ausgenommen. Spalato, dessen Name jedenfalls von dem lateinischen Worte Palatium herrührt, hat sich in den Kaiserpalast eingebaut, eingebettet; allerdings nur ein Teil der Stadt, die Altstadt, aber doch wohnen von den 31.000 Einwohnern des Gemeindebezirkes ungefähr 3000 im Innern des ehemaligen Palastes, der gegen 400 größere und kleinere Gebäude enthält. ') Die Stadt Spalato hat nach der Volkszählung vom Jahre 19 >0 18.500 Einwohner. Spalato, Lafenpartie. 80 Von seiner Größe gibt dies eine deutliche Vorstellung. Hinter den Dimensionen dieses Riesenbaues muß das Kolos¬ seum von Rom zurückstehen. Mehr als 30.000 w? Boden bedeckte dieser Herrschersitz eines römischen Cäsaren. Nicht ein Träumer hat sich ihn hieher gebaut, um die Einsamkeit und die blaue Pracht des Meeres zu genießen, sondern ein eiserner Despot hat den Palast errichtet, ein Herrscher, der auch hier, am Strande der Adria, die Pracht des Orients und den Luxns der Kaiserherrlichkeit nicht missen wollte. Diokletian war ein geborener Dalmatiner, sein Vater trug noch die Kette des Sklaven. Als Sohu eines Frei¬ gelassenen erwarb er sich in einer Zeit, in der soldatische Tüchtigkeit alles erreichbar erscheinen ließ: Lorbeeren, Geld, Fürstcnrang und selbst einen Thron, das kaiserliche Diadem und glaubte durch ein neues System der Verwaltung das sterbende Römerreich retten zu können. Er nahm einen Mitkaiser an, der in Mailand residierte, während er selbst das kleinasiatische Nikomedia zu seiner Residenz erwählte. Voll hier erließ er jenes furchtbare Edikt, das die blutige Verfolgung aller Christen befahl. Doch der arme Nazarener war stärker als der mächtige Kaiser, der sich „Irwins", der Göttliche, nennen ließ. Im Jahre 305 n. Chr. legte Diokletian den Purpnr ab und streifte das kaiserliche Diadem vom Haupte. Als ein facher Privatmann fuhr er nach Salona in Dalmatien, das damals eine große und blühende römische Stadt war. In der Nähe dieser Stadt gedachte er sich am Strande des Meeres einen Palast zu bauen und dort, wie er selbst sagte, „seineil Kohl zu pflanzen". Warum gerade in Salona? Regte sich in dem Herzen dieses harten, eisernen Soldaten eine weiche Empfindung, die ihn mit unwiderstehlicher Macht nach der Heimat zog? War es iin Gegenteil Stolz, der Stolz eines Ballern, der er ja einmal war, was ihn bewog, gerade dort, wo er als Kind in sklavischer Niedrigkeit gelebt, den scheidenden Glanz kaiser¬ licher Pracht zu genießen? Wollte er Rom und Italien nahe sein und auf der Adria die römische Flotille kreuzen sehen, die ihn vielleicht wieder in die Kaiserstadt an der Tiber bringen sollte? 81 Wer weiß es, was in der Brust dieses gewaltigen Kriegsmannes vorging, als er schon von Nikomedia aus den Ban seines neuen Palastes leitete, der mit unglaublicher Schnelligkeit durch Tausende von Händen aus dem Erdboden gezaubert wurde: ein Werk monumentalster Größe, in dessen Innern später eine ganze Stadt Platz fand. Was für Beweggründe aber auch immer den Kaiser bei seiner Abdankung und seiner Übersiedlung nach Salona leiten mochten, er erlebte noch den Zusammenbruch aller seiner Pläne. Kaiser Konstantin erhob die Lehre Christi zur Staatsreligiou uud im Jahre n. Chr. soll sich Diokletian selbst den Tod gegeben haben, nachdem er fast elf Jahre den herrlichen Palast bei Salona bewohnt hatte. Die jetzige Domkirche war einst das Mausoleum, das dieser große Christcnhasscr zur Aufnahme seines Leichnams bestimmt hatte, und über dem Westtore dieses Palastes, das einst die Eiserne Pforte (Uoiüs. kksrrsa) hieß, finden sich die griechischen Jnitialicn für Jesus Christus. Der Palast Diokletians war in der Form des römischen Lagers erbaut, fast ganz rechtwinklig; die Tiefe betrug 260 m, die Breite an der Südseite 17!)^s m, an der Nordscite 175^/s m. Von Norden nach Süden sowie von Westen nach Osten durch¬ querten den Palast und durchziehen noch jetzt die Altstadt Spalatos Straßeuzüge und führten zu Toren, von denen das an der Nordseite gelegene das goldene (Uorka aursa) hieß. Durch dieses Tor hielt Diokletian jedesmal seinen prunkvollen Einzug, weuu er von Salona kam oder von einer Reise außerhalb des Landes zurückkehrte. Die vier Ecken der Umfassungsmauer flankierten Türme, die auch über den Toren angebracht waren, so daß der ganze Ban den Charakter einer gewaltigen Festung hatte, was bei den damaligen unruhigen Zeiten auch notwendig schien. Die dem Meere zugcwendete Seite war wohl die schönste; sie hatte einst offene Bogen mit 52 schönen dorischen Säulen, von denen aber nicht mehr alle vorhanden sind. Die Zwischen¬ räume sind jetzt ansgebaut. Überhaupt macht die ganze Fassade mit ihren darübcrgesetzten Stockwerken, den kleinen Vorbauten mit den Kaufläden, den Fenstern mit ihren grünen Jalousien, Sm olle, Rund um die blaue Adria. tz 62 die zwischen den Säulen hervorlugen, einen höchst malerischen, eigenartigen Eindruck, Die imponierende Majestät des alten Palastes ist nicht ganz verwischt, aber die vielgeschüftige, in vieler Beziehung kleinlichere Gegenwart hat ihr etwas An¬ heimelndes, säst möchten wir sagen, Alltägliches beigemischt. Der alte Palast reichte unmittelbar ins Meer hinab und durch das Seetor tonnte der Imperator auf seiner mit Purpur belegten und mit Gold verzierten Barke direkt ins Meer hinausfahren. Wie oft mochten die Blicke des alternden Herr¬ schers von dem offenen Bogengänge ans über die blauen Fluten des Meeres gleiten, die sich mit silbernem Schaume an den Mauern des Palastes brachen. Wie oft mochte er dort, in seine Purpurkissen zurückgelehnt, den frischen Anhauch des Meeres genießen. Durch das „Goldene Tor", dessen Schwelle heute tief unter dem Niveau der Straße liegt, gelangt man aus den Platz, wo sich die von Süd nach Nord und von Ost nach West führenden Hauptstraßen kreuzen. Hier war das Peristyl, die Vorhalle des eigentlichen Palastes. Es ist der heutige Dom platz. Noch ragen rechts und links einige Säulen empor und mahnen an die kaiserliche Pracht. Das Peristyl führte dann zum Vestibnlum und dieses in die südwärts gelegenen eigent¬ lichen Wohngemächer des Kaisers, die mit verschwenderischem Luxus ausgestattet waren. Links vom Peristyl erhob sich der oktogonale Bau, den man jetzt als das Mausoleum des Kaisers bezeichnet; mau hielt ihn früher für einen Jupitertempel. Er wurde zum Dome umgeschaffen, und wo sich einst der Portikus erhob, der zum Tempel führte, ragt jetzt der ungcmeiu zierliche Kampanile empor, Spalatos schönstes Wahrzeichen. Im Innern des Domes, das die Form einer Rotunde hat, streben acht mächtige Säulen aus rotem Granit empor, auf denen ebensoviel kleinere Säulen ans Porphyr und Granit sich erheben, die das Gesimse tragen. Über der Rundgalerie der oberen Säulen zieht sich ein Fries hin, dessen Bildwerke, noch aus heidnischer Zeit stammend, Jagdszenen darstellen und in zwei Medaillons die Porträte des Kaisers und seiner Gemahlin enthalten. Wunderbar schön und fein ist die Kanzel, Domplatz (Pcristyl des Diokletianischen Palastes) in Spalato. 84 die auf sechs schlanken Säulen ruht, deren Kapitelle Meister¬ werke der Schnitzerei sind. Das Ganze macht den Eindruck, als wäre es aller Erdenschwere entkleidet. Ebenso schön sind die Flügeltüren des Domes, die vom Spalatiner Bildhauer Buvina im Jahre 1214 verfertigt wurden und Szenen ans der Lebens- und Leidensgeschichte des Heilandes darstellen. Sie waren einst bemalt und vergoldet, aber sie scheinen durch die Restaurierung nichts von ihrer subtilen Zierlichkeit ver¬ loren zu haben. Vor dem Dome unter den Sänlenbogen ruht die oft abgebildete Sphinx aus rotem Granit. Einst war ihr rätsel¬ haftes Gesicht den Wassern des Nils zugekehrt. Diokletian ließ sie aus Ägypten hieher bringen und stellte sie samt ihrer, jetzt im Museum befindlichen kopflosen Kollegin vor den Ein¬ gang in seine Tempclgruft. Was könnten diese Fabelwesen erzählen, wenn ihr steinerner Mund nicht verschlossen wäre? Wenn das Mondlicht über die Steinfigur und den kleinen Platz, der so voll ist von Erinnerungen an eine fast zwei¬ tausendjährige Vergangenheit, seinen träumerischen Glanz aus¬ gießt, scheint alles in einen Zauber getaucht, den der Be¬ trachter kaum von sich abzuschütteln vermag. Es wird wohl wenige Plätze geben, ans denen der Gegensatz zwischen einer großen Vergangenheit, die noch aus den Steinen zu uns spricht, und der Gegenwart, die sich ans allen Ecken und Winkeln ins Leben drängt, auf den Fremden einen so unmittel¬ baren und tiefen Eindruck Hervorrufen muß, wie dies vor dem Dome in dem alten Diokletianischen Kaiserpalaste der Fall ist. Rechts vor dem einstigen Peristyl des Palastes lag der Jupitertempel, den man früher dem Heilgotte Äskulap zu¬ schrieb. Jetzt ist darin das Baptisterium, die Taufkapelle der Kirche, untergebracht. Das Innere ist noch genau so, wie es zur Zeit Diokletians ivar; es ist ein viereckiges Gebände mit einem Tonnengewölbe von 80 Kassetten als Decke; zu seinem schönen massiven Portal muß man ein paar Stufen hinan¬ steigen. Doch lange genug haben uns die Schauer der Vergangen¬ heit nmrauscht, besuchen wir jetzt einige Stätten, wo das Leben der modernen, sich kommerziell und industriell immer kräftiger entfaltenden Stadt Spalato pulsiert. Da ist zunächst der Herrenplatz, die Piazza dei Signori (slawisch: Go- spodski Trg) in der Neustadt, kuapp nebeu der Porta Ferrea des alteu Kaiserpalastes, auf dem besonders am Abend das bunteste Menschengewühl sich hin und her schiebt. Da ist ferner gegen die Riva zu der Marmontplatz, so genannt nach dem berühmten Marschall Napoleons, wo das Gebäude der Prokuratien sich erhebt, das dem in Venedig stehenden nachgebildet ist. Will man die Landleute aus der Umgebung in ihren malerischen Trachten beobachten, so mutz man einen der Markt¬ plätze der Stadt aufsucheu, entweder den Grünmarkt oder den Obstmarkt, der unter dem mächtigen venezianischen Turme, dem sogenannten Hrvojaturme, liegt. „Brennendes Gold sind die Orangen, leuchtendes Rot die Kirschen, saftiges Grün die frischen Gemüse! Und die Trachten der Leute, welche kaufen und verkaufen, sind nicht diejenigen des prosaischen 20. Jahrhunderts, sondern stammen aus jener Zeit, da der alte Turm oben eine dräuende Festung war, scharf bewacht von den Kriegern der großen Republik!" st Jedenfalls aber versäume man nicht, bevor man von Spalato Abschied nimmt, den Monte Marjan zu besteige», der seinen Fuß fast in die Stadt setzt und ohne Mühe zu erklimmen ist. Obwohl der Monte Marjan nicht mehr als 178 m See¬ höhe anfzuweisen hat, bietet er doch, am Ende der Halbinsel gelegen, auf der Spalato erbaut ist, eiueu entzückenden Rund¬ blick über Meer und Land dar. Es wird wenige Punkte der dalmatinischen Küste geben, die eine so lohnende und mühelos zu erreichende Aussicht gewähren. Schon der Blick vom Campo Santo, dem Friedhöfe Spalatos, an dem der Weg vorüber¬ führt, ist einzig schön. Süßer Wohlgernch strömt uns entgegen aus den Kelchen weißer Oleauderblüten, die sich hier in Fülle vorfinden. Ailanthen, Pinien und dunkle Zypressen vollenden den Pflanzenschmuck des Gottesackers. Wo die Gänge des Friedhofes sich kreuzen, erhebt sich ein von acht Säulen ge¬ st Hold ach, Dalmatien, S. 83. tragcncr Tempel, von wo man Meer und Gelände in köst¬ licher Fernsicht überschaut. Hier läßt sich's gut träumen, eine heilige Ruhe beherrscht die Landschaft, die meist unter einem tiefblauen, wolkenlosen Himmel ruht. So still und feierlich ist's ringsherum, daß uns fast schon das Aufspringen einer der hier zahlreich vorkommenden Gottesheuschrecken (Nantis roliZiosa) erschreckt. Auf der Höhe des Hügels, der sich Berg Marfan nennt, steht ein Kapellchen und etwas tiefer auf einer Plattform das Eremitenkirchlein von San Girolamo, vor dem eine riesige Pyramidenzypresse ansragt. Die Fclscnzellen der Mönche sind nicht mehr bewohnt. Von hier aus hat man eine präch¬ tige Fernsicht über das Meer. Selbst bis zu der fernen Insel Lissa vermag der Blick zu schweifen. Mit Recht wirft Petermann die Frage auf, „wann wohl auch hier geräusch¬ volles Saisonleben der stillen Mönchsbeschanlichkeit folgen wird, wie vor anderthalb Dezennien im Quarnero in der alten Abbazia San Giaeomo?" Niemand, der nach Spalato kommt, versäumt es, die Trümmerstätte von Salona zu besichtigen. Am besten be¬ reitet man sich hiezu durch einen Besuch vor, den man dem k. k. Archäologischen Museum in Spalato abstattct. Es harrt noch immer eines eigenen würdigen Heims und ist in einem bescheidenen Gebäude vor der Porta argcntea des alteu Kaiser¬ palastes uutcrgebracht. Was der euergische Wille und eiserne Sammelfleiß eines einzelnen zu leisten imstande ist, beweisen diese Sammlungen und die Ausgrabungen in Salona. Sie sind fast durchgehends das Ergebnis und die Frucht der rastlosen Bemühungen des Monsignore Bnliö, den man den Konservator Dalmatiens schlechtweg nennen möchte. Monsignore Bnliv hat sich eine Villa ans dem Felde seiner Tätigkeit erbaut. Es ist dies eiu reizendes Tnskulum in der Nähe des bloßgelcgtcn altchristlichen Friedhofes von Salona. Das Haus ist ganz aus den Fundstücken der Um¬ gebung erbaut und auch die Jnnenräume sind voll der wert¬ vollsten Denkmäler aus dem Altertum. So gibt es ein Zimmer, das vollständig im frühchristlichen Stil eingerichtet ist und Die Ruinen von Salona. 86 nur Gegenstände und Reliquien aus den ältesten Zeiten des Christentums enthält. Salona war, wie auch die Ausgrabungen der Mauer¬ überreste, Tempel, Thermen, des Theaters u. s. w. erwiesen haben, die größte römische Stadt Dalmatiens, Sitz des kaiser¬ lichen Legaten und sämtlicher Provinzialbehörden. Aber seine Geschichte reicht noch in viel ältere Zeiten zurück; ja manche wollen seinen Ursprung selbst bis ins trojanische Zeitalter verfolgen. Unter den römischen Kaisern blühte es, aber nach dem Tode des Theodosius, jeues großen Herrschers, der seine Spur unvergänglich der Welt eingeprägt hatte und der un¬ erwartet in Mailand starb (895 n. Chr.), begann der Verfall Salonas und der Einbruch der wilden Awaren gab es voll¬ ends dem Untergange preis (615 n. Chr.). Die Bewohner flüchteten hinter die Mauern des Dio- tletiauischen Kaiserpalastes und so entstand eine neue Stadt und Salona wurde zur Triimmerstätte, zum Pompeji Dal¬ matiens. Erst mit dem Besuche, den Kaiser Franz I. im Jahre 1818 Saloua abstattete, begannen die Ausgrabungen nnd bald darauf auch die Errichtung eines staatlichen Mu¬ seums in Spalato. Vielleicht das denkwürdigste Ergebnis dieser Nachforschungen war die Aufdeckung der altchristlichen Basilika und des christlichen Friedhofes, der die Grabstätten vieler Märtyrer birgt. Sein Alter reicht vielleicht schon in das l. Jahrhundert n. Chr. zurück. Fast alle Steinsärge weisen Löcher ans, die Goten und Awaren, lüstern nach den Schätzen der Toten, in die Sarkophage geschlagen haben. Doch wir müssen es uns versagen, auf diese großartigen Ergebnisse der Archäologie näher einzugehcn. Der Umfang unseres Merkchens legt uns gebieterisch Schranken auf. Nur soviel wollen wir nochmals bemerken, daß ein Besuch dieses ungeheuren Ruinenfeldes zu den dankenswertesten Reisezielen gehört, die der wißbegierige Fremde sich stecken mag. Uns aber ruft wieder das Meer ans seine blaue, spie¬ gelnde Fläche. Doch ehe wir Ragnsa, diese Perle Süd¬ dalmatiens, besuchen, wollen wir noch an einigen der schönen Inseln des mittcldalmatinischcn "Archipels landen. Auch sei noch der malerisch gelegenen Feste Klis (Clissa) oberhalb Salona Erwähnung getan, die zur Zeit der Türkcukriegc der umstritteuste Punkt Dalmatiens war; jetzt fuhrt über diese Stätte die schmalspurige Bahn, die Spalato mit Sinj verbindet. Die Inseln zwischen Spalato und Nagusa. Gegenüber von Spalato und Almissa, das sich ganz in einer von hohen Felswänden eingeschlossenen Bucht verbirgt und einst berüchtigt war durch die Korsaren, die hier hausten, liegen die Insel Brazza, die breiteste unter allen dalmatini¬ schen Inseln, und südlich davon Le sina, die längste, die ihren Namen (italienisch: Schusterahle) von ihrer Gestalt haben soll. Durch einen schmalen Kanal von Brazza getrennt, liegt das kleinere Eiland Solta, vielleicht die pflanzcnreichste Insel des dalmatinischen Archipels. Drei Dinge, die von Solta stammen, rühmen die dalmatinischen Feinschmecker, das Brot, den Rahm (Sahne) und den Honig. Kein anderer Honig soll den von Solta an Süßigkeit und Wohlgeschmack erreichen; dies kommt daher, weil er fast ausschließlich aus Rosmarin gewonnen wird, der auf der Insel üppig gedeiht. Schon im Altertum war der Honig von Olyntha (dies der griechische Name der Insel) weit und breit berühmt. Jetzt wird von den Inselbewohnern die Pflege des Weinbaues und die An¬ pflanzung der Chrysanthemen bevorzugt, ans denen das In¬ sektenpulver erzeugt wird. Reich au Wein und Ol ist auch Brazza (slawisch: Brav). Sie ist nicht nur die größte, sondern auch die volkreichste uud fruchtbarste aller dalmatiuischeu Inseln. Ganz in Grün ein¬ gebettet ist San Pietro (Lupetar), die an der Nordniest¬ küste der Insel gelegene Hauptstadt. Im Westen liegt Milna mit schönem Hafen und einem anmutigen Kirchlein, das ein zierlicher Kampanile überragt. Brazza ist berühmt durch seine feinen Weine, unter denen der von Vugava am geschätztesten ist. Mittelpunkt des Weinhandels ist B o l, an der Südküstc mit einem Dominikanerkloster, dessen Kirche ein schönes Altar¬ bild von Tintoretto besitzt. 00 Die Perle der dalmatinischen Inseln, was Lieblichkeit und Milde des Klimas gnbekangt, ist ohne Zweifel Lesina. Man hat es das dalmatinische Madeira genannt; es hat als Luftkurort entschieden noch eine große Zukunft. Eine reiche Vegetation entfaltet ihren Zauber, besonders in der Umgebung der Hauptstadt, die vorgelagerte Inselchen gegen widrige See¬ winde schützen. „Der Rosmarin erfüllt die Luft mit seinem aromatischen Duft, der Johannisbrot- und Mastixbanm be¬ decken die Abhänge der Hügelketten, hochwüchsige Palmen ragen zwischen anderen tropischen Gewächsen stolz in die Hohe, der Oleander, die Zitrone und der Lorbeerbaum bilden die Zierden der Gärten. Die Agaven mit ihren saftigen Stämmen nnd ihren üppigen Wunderblumen werden oft als Umfriedung von Grundstücken benutzt." Z Wahrhaftig, Lesina ist es wert, ein Luftkurort ersten Ranges zu werden, ein Asyl für alle, deren kranke Brust die schmeichelnd weichen Lüfte des Südens heilen sollen. Sein Winterklima ist zuweilen milder als das von Palermo nnd Neapel. Auch Lesina hat eure stürmische nnd wechselvolle Ge¬ schichte hinter sich. Der kroatische Name der Insel Hvar deutet auf die griechische Benennung Pharia. Auf die Griechen und Illyrier folgten wie fast überall in Dalmatien die Römer, arrf diese die Byzantiner rind dann Venedig, auf das viele Bauten Hinweisen, so die schöne, von Sanmicheli erbaute Loggia der Hauptstadt, die unmittelbar am Strande des Meeres aufragt. Ein modernes Gepräge drückt der Stadt das stattliche Kur- Hotel auf, das sich hinter der Loggia erhebt. Der massige Uhrturm zur Seite stammt aus alter Zeit. Im Hintergründe halten die Festungen Wacht, das Fort Spagnolo nnd Fort Napoleon, von wo aus man einen ent¬ zückeirden Blick auf die Stadt nnd das Meer genießt. Über¬ haupt gewährt die im Halbkreise um den Hafen herum ge¬ baute Stadt mit ihrer freien Piazza am Strande einen ungemein malerischen nnd überraschenden Anblick. Unter den Gebäuden ist nicht nur der gotische Palazzo Paladino nnd U Dalmatien in „Österreich-Ungarn in Wort nnd Bild", S. 40. Lesina. die Domkirche, sondern auch das Frauziskanerkloster sehens¬ wert, und zwar vor allem wegen des im Refektorium befind¬ lichen Bildes von Rosclli „Das letzte Abendmahl". Im Garte,: dieses Klosters steht ein an 300 Jahre alter Zypresseu- banm, dessen Äste nicht in die Höhe streben, sondern sich weit ausbrciten, so daß man in ihrem Schatten ans den steinernen Bänken unter dem Baume herrlich ruhen und träumen kann. Auch die anderen Städte dieser Insel, so das im Innern eines langen Fjords gelegene uralte Citta vecchia (Stari grad) sowie Verb ose a und Gelsa mit seinen Weinbergen und Olivenhainen, die besonders im Frühling das zarte Grün und Silbergran ihrer Blätter so lieblich mischen, sind sehens¬ wert. Das Kirchlein von Verbosca soll einen echten Paolo Veronese und einen Tizian in seinem Innern bergen. Nur kurz ist die Fahrt von Lesina nach Lissa, das im Altertun: Issa hieß und das die Engländer das „Malta der Adria" getauft haben. Denn sie waren einige Zeit nach einem Siege über eine französische Eskader in der napoleoni¬ schen Zeit Herren der Insel. An diesen Sieg der englischen Flotte erinnert noch der sogenannte englische Friedhof mit der einfachen Überschrift über dem Tore: „Hier ruhen die sterblichen Überreste britischer Seeleute, welche ihr Leben im Dienste ihres Königs und Vaterlandes ließen. LIO600IX." Und im Friedhöfe selbst erhebt sich eine Pyramide, der Er¬ innerung an die Tapferen gewidmet, welche in: Kampfe mit dem französischen Schlachtschiffe „Rivoli" ihren Wunden er¬ legen sind. Aber unseren Herzen teurer ist jener katholische Friedhof, den das zur Erinnerung an den herrlichen Seesieg Tegetthoffs errichtete Denkmal schmückt und ii: dessen geweihter Erde viele jener Braven ruhen, die damals - am 20. Jul: 186". erklären. Vom Berge Hum hat man einen hübschen Aus¬ blick auf die malerischen Scoglien, die Lagosta nmkränzen. Die Insel, deren betriebsame Bewohner hauptsächlich dem Weinbau uud dem Laugusteufauge obliege«, ist bei alle« Adriafahrern bekannt durch ihren Leuchtturm, dem ältesten Österreichs, der von beherrschender Höhe aus seine Strahlen 25 Seemeilen weit aussendet. Lagosta gehörte einst zum Machtbereiche der Republik Ragusa; und so mag von diesem kleinen Eilande aus unser Geist sich leichter in die stolze Vergangenheit und schöne Gegenwart Ragusas hinüberschwingen. Nagusa und Umgebung. Die einst so stolze und mächtige Republik Ragusa verdiente nicht das Schicksal, das ihr der Wermut des korsi¬ schen Eroberers bereitete. Sie teilte dieses Geschick übrigens mit noch viel größeren und bedeutenderen Staaten. Mit einem Federstriche erklärte Napoleon, die ragusäische Republik habe aufgehört zu existieren und erhob seinen Marschall Marmont zum Duo cks liaAnss. Entstanden aus einer Niederlassung armer griechischer Flüchtlinge von Epidanrus, die unter den Fittigen des römischen Adlers Schutz suchten, wußte Ragusa durch seine kluge Politik, die sich den Mächtigen dienstbar zeigte, ohne sich ihnen sklavisch zu unterwerfen, sein Ansehen und seine Macht zur See immer mehr zu stärken und selbst Venedig in Schach zu halten, so daß schließlich niemand mehr daran dachte, die Selbständigkeit dieses kleinen republikanischen Ge¬ meinwesens anzutasten. Seine größte Blüte fällt in das 15. Jahrhundert. Kaiser Karl V. und Oliver Cromwell achteten es; Papst und Sultan waren ihm gnädig. Die Republik stand unter einem Rektor, dem der Große und der Kleine Rat beigeordnet waren. Ein Senat, bestehend ans 45 Mitgliedern der edelsten Familien, leitete die Exekutive. Der Rektor wurde alle Monate neugewählt und war mehr der fürstliche Repräsentant als der Leiter des Staates. Er durfte den Umkreis seines Palastes niemals verlassen und trug W als Zeichen seiner Würde einen Mantel ans rotem Damast mit einer Binde von schwarzem Samt. Wie die byzantinischen Kaiser war er mit roten Strümpfen und Schuhen angetan und hatte eine mächtige Lockenperücke aufgesetzt, wie sie auch die Senatoren Ragusas tragen mußten. Noch ist der Rektorenpalast erhalten, ein würdiges Seiten¬ stück zu dem Dogenpalaste Venedigs und unter den Profan¬ bauten Ragusas wohl der schönste. Der Palast wurde schon im Jahre 1388 erbaut, aber mehrere Brände zerstörten ihn und erst am Ende des 15. Jahrhunderts erhielt er seine gegenwärtige Gestalt. Er ist das Werk des Florentiner Bau¬ meisters Michelozzo Michelozzi, eines Schülers Dona- tellos, dem der Dalmatiner Georgio Orsini, der Erbauer des Domes von Sebenico, zur Seite stand. Herrlich schön ist die ins Freie sich öffnende Loggia mit ihren schimmernden Säulen, deren wunderbar ausgeführte, voneinander ver¬ schiedene Kapitelle allein schon einer längeren Betrachtung würdig sind. Wir sehen sie förmlich vor uns, den Rektor und die Nobili Ragusas, wie sie in ihren Amtsroben und mit den großen Perücken auf den Steiubänken der Loggia sitzen und auf den sonnigen Platz hinausblickeu, wo sich das Volk in staunender Ehrfurcht drängt. Das Hauptportal mit seinen prächtigen Türklopfern führt in einen mit Arkaden geschmückten Hof, von dem eine schöne Freitreppe in die Räume des Rektors wie in die Säle des Großen und Kleinen Rates emporführt. Über der Pforte zum Kleinen Rate sieht man das Standbild der Justitia und dahinter die Figur eines Löwen. Noch ein anderes Gebäude, das uns au deu Reichtum und die Macht Ragusas als Handelsrepublik eriuuert, erhebt sich iu der Nähe des Rektorenpalastes. Es ist die Dogana, die. alte Münze und das spätere Zollhaus Ragusas, das im Jahre 1520 von Kaufleuten der Stadt erbaut worden sein soll. Im oberen Stockwerke fanden zur Zeit des Karnevals die Unterhaltungen der Btirger statt und auch gelehrte Aka¬ demien hatten hier ihren Sitz, denn Ragnsa verschmähte es nicht, nebst dem Handelsgotte Merkur auch die Musen in Smolle, Rund um dis blaue Adria. 98 c^r r-Lrr r-Lr pLir c-L>r seinen Mauern zu beherbergen. Das Denkmal des Dichters Ivan Gunduliö (1588—1638) auf der Poljana gibt da¬ von Zeugnis. Der alte Hafen der Stadt, der Porto Cassone, wo einst die Handelsschiffe Ragusas ein- und ausliefen, und wo im Angesichte Lacromas der englische König Richard Löwenherz Schiffbruch litt, genügt nicht mehr den Bedürfnissen der Neu¬ zeit und ihren großen Dampfern. Diese landen in der Bucht von Grav osa, die zwischen der Halbinsel Lapad und dem Festlande sich erstreckt. Gravosa liegt, ganz eingebettet im Grün der Gärten, paradiesisch schön. Schon vom Molo ans hat man einen ent¬ zückenden Ausblick auf die an Naturschönheiten so reiche Halb¬ insel Lapad. Die von uns schon einigemal zitierte englische Reisende sagt: „Ich hörte sagen, daß der römische Dichter, der in so süßen Lauten Sermione am Gardasee pries, hätte er Lapad gesehen, dieses der Lobeshymne seiner Leier für- würdiger erachtet hätte." Besonders den Anblick eines Sonnen¬ unterganges vom Gipfel des Monte Petka aus rühmt diese feinsinnige Reisende: „Die ganze Küste von Punta d'Ostro bis Stagno ist zu überblicken und Küste und Inseln, Meer und Klippen erscheinen nach einem klaren Tage wie von goldenen Lichtflutcn umwogt; wie die Sonne sich immer tiefer zum Horizonte neigt, wechselt die Beleuchtung und macht alle zarten Abstufungen des Regenbogens durch, wäh¬ rend die dunklen Pinien und Zypressen des Vorgebirges in scharfen Umrissen aus der leuchtenden Atmosphäre erstehen." Auch Lapad, das liebliche, garteureiche, ist noch nicht in Mode gebracht; hier fänden wohl Maler die reizendsten und entzückendsten Motive. Die Straße von Gravosa nach Ragnsa bietet gleichfalls eine Fülle der bezauberndsten landschaftlichen Szenerien. Besonders der Blick von Bella vista aus ent¬ rollt ein Panorama, das Herz und Sinn gefangenhält. „Uber uns der herrliche blaue Himmel, vor uns der steile Küsten¬ abhang mit seinen riesigen Agaven und Kakteen, unter uns das strahlende Meer, dessen Brandung wie ein leises, necki¬ sches Kosen an unser Ohr schlägt; im Norden das grüne Vorgebirge von Lapad, im Süden die ersten Gärten und das 99 Felsengestade von Ragusa, das wie eine träumerische Ahnung sich noch vor uns verborgen hält; hinter uns die kahle Felsenmauer des Monte Sergio mit seinen: stolzen Fort Imperiale . . . Wer wollte dieses Bild in Worte fassen, wer vermöchte die unsagbare Schönheit dieses Erdenwinkels würdig zu schildern?") Und ein anderer Schriftsteller, der verstorbene Schweiger- Lerchenfeld, der mit feinen klugen, für alles Schöne empfäng¬ lichen Augen ein gut Stück der Welt gesehen, schreibt über diesen Punkt der dalmatinischen Küste: „Mögen andere Italiens Uferlandschaften preisen oder von griechischen Gestaden träumen, wir erfüllen eine Pflicht, die gleichen Farben für die Ufer- szcnerie bei Gravosa (Bella vista) auf die Palette zu nehmen. Rio Rlloäus, Ino salta! Auch hier ist Neapel!" Der villenreiche Vorort Pile führt uns in die nächste Nähe der Stadt Ragusa. Auf beherrschender Höhe erhebt sich das Hotel Imperial, wohl eines der schönsten längs der dalmatinischen Küste, das mit seiner anmutigen Loggienfront und seinem üppigen Vorgarten sich ganz dem Charakter der Landschaft auschmiegt. Und schon nimmt uns der efenumgürtete, massige Tor¬ bogen der Porta Pile auf, über dem die Figur des heil. Blasius, des Schutzpatrons der Stadt, angebracht ist, und wir betreten den Stradone (slawisch: Placa), die Haupt¬ verkehrsader Ragusas, der die Stadt bis zum Ploöe-Tor von Nordwesten nach Südosten durchzieht. Unser Blick fällt zunächst auf den Monumentalen Rund¬ bau des Onufriobrnnnens, der ans dem Jahre 1497 stammt und aus dessen mit bizarren Maskerons geschmückten Wasserläufen Frauen und Mädchen in ihren malerischen Trachten in Knpserkesseln oder Tonkrügen das klare Wasser schöpfen, das ans einer alten Leitnng in den Brunnen fließt. Unfern davon steht die Franziskanerkirche, deren gotisches Portal berühmt ist. Noch berühmter ist der Kreuz- gang des Klosters mit seinen gekuppelten achteckigen Säulen und die alte Klostcrapotheke mit ihren kostbaren, seltenen Ge¬ st M. Band, a. a. O. S. 72. 100 faßen. Sie ist eine der ältesten Europas und stammt aus dem Jahre 1307. Wohl die berühmteste unter den Kirchen Ragnsas ist die Domkirche S a n t a M a ri a M a g g i o re; sie stammt aus dem Jahre 1713 und ist in edlem Barockstil gehalten. Sie soll au der Stelle der Kirche stehen, die der Überlieferung zufolge König Richard Löwenherz zum Danke für seine Ret¬ tung erbaut hat, und ist durch das Altarbild die „Himmel¬ fahrt Mariä" berühmt, das dem Tizian zugeschrieben wird. Der Dom enthält auch Bilder von Pordenone, Andrea del Sarto, Palma Vecchio und eine Madonna mit dem Kinde, die von Raffael herrühren soll. Auch der bischöfliche Thron ist bemerkenswert; er war einst der Sitz des Rektors und wurde aus dem Palaste hieher gebracht. Die Schatzkammer des Domes enthält viele Kostbarkeiten, so den Kopf des heil. Blasius in einer byzantinischen Goldkassette, ferner ein Becken und eine Kanne aus Silber, die mit Pflanzen und Tieren verziert sind, wie sie in der Umgebung Ragnsas vor¬ kommen. So lebendig ist die Darstellung, daß man die Tiere fast kriechen zu sehen glaubt. Diese prächtigen Stücke waren als Geschenk für den König Matthias Korvinns bestimmt; doch die Gesandtschaft, die Ragnsas Gaben dem Ungarn- könige überbringen sollte, kehrte mit ihren Schätzen zurück, als sie auf dem Wege vom plötzlichen Tode des Königs erfuhr. Die Kirche des heil. Blasius am Ende des Stradone ist ein schöner Bau aus der venezianischen Spätrenaissance. Vor ihr steht die Rolandstatne mit dem Flaggenmaste, von dem einst das Banner der ragusäischen Republik herabflatterte. Wie in den deutschen Hansastadten ist auch der Roland Ra- gusas das Wahrzeichen der Handelsfreiheit. Unfern von der Blasiuskirche ist eiu schauer Delphin- brünnen von Onofrio de la Cava. Er wird beständig von Tauben umflattert und man könnte sich auf den Marküsplatz von Venedig versetzt fühlen. Unterhalb des alten Glockenturmes, eines der charak¬ teristischesten Wahrzeichen Ragnsas, ist die Porta Ploöe. Tritt man aus ihr hinaus, so liegt links Kloster und Kirche der Kreuzgang im Dominikanerkloster in Ragusa. 102 Dominikaner. Die Kirche enthält schöne Bilder, die dem Pinsel Nikolaus' des Ragusaners, des größten Künstlers, den die Stadt hervorgebracht, ihr Entstehen verdanken. Aber ein noch größerer Schatz ist ein Bild der heil. Magdalena von Tizian. Es ist ein Votivgeschenk des Grasen Pozza, der auch auf dem Bilde in einer Ecke kniend dargestellt ist. Voll Poesie ist der Klostcrhof, um den rund herum ein Garten grünt und in dessen Mitte ein runder hübscher Brunnen, edelste venezianische Arbeit, steht. Ein Kreuzgang umzieht den Hof. Seine Säulen sind so zierlich und die Kapitelle so voll leichter Anmut, daß man in Verlegenheit gerät, welchem der beiden Kreuzgänge, dem der Franziskaner oder dem der Do¬ minikaner, man die Palme reichen soll. Im Hose des Domini¬ kanerklosters ist es lieblich zu weilen, besonders im Frühling, wenn der große Kirschbaum sein Blütendach über ein Blumen¬ beet ausbreitet und die Orangenbäume den berückenden Duft ihrer Blütenkelche ausstreuen. Überhaupt ist Ragusas fast subtropische Vegetation herr¬ lich. Will man noch einmal vor dem Scheiden einen Blick auf diese Königin der dalmatinischen Adria werfen, so steige man durch die Vorstadt Ploöe zu dem ehemaligen Kloster San Giacomo hinauf. Bei diesem Ausflnge wird man beides ge¬ nießen: die strotzende Üppigkeit einer südlichen Vegetation und den märchenschönen Rundblick auf die Stadt und das Meer. „Wie auf einer Schüssel weit im Meere ruhend, sehen wir die von Manern und Zinnen umgürtete Stadt auf dem blauen Spiegel der Adria liegen und wie ein Märchentraum steigen die Hellen Häuser und Türme Ragusas aus den Wogen, die tosend die Felsenklippen und die trotzigen Forts umschänmen." Nicht bloß das Ragusa der Lebenden, auch das der Toten, der Friedhof mit seinen schönen, schlanken Zypressen und seinen Marmorgrüften verdient Erwähnung. Die feier¬ liche Stille und Erhabenheit dieses Gottesackers soll den Land¬ schaftsmaler Schindler, dessen sinniges Denkmal im Wiener Stadtpark steht, zu feinem stimmungsvollen Gemälde begeistert haben. Wir wollen hier noch bemerken, daß der slawische Name der Stadt „Dubrovnik" von einem Eichenhain herrührt, Dalmatinische Nationaltrachten. den die ersten Ansiedler aus dem Bergrücken bei der heutigen Porta Pile angetrossen haben sollen. Auch die weitere Umgebung Ragusas bietet Anlaß zu hochinteressanten lohnenden Ausflügen. So gehört eine Wagen- sahrt zur Omblaquelle zu eurer der reizendsten Partien, die man sich denken karm. Der Fluß fließt bereits in ansehn¬ licher Stärke aus dem Felsen hervor und ist gleich nach seinem Ursprünge schiffbar. Man kamr von Gravosa aus auch mit einer Barkasse zur Quelle des durch seine malerische Umgebung so reizenden Flusses gelangen. Nicht minder inter¬ essant ist ein Ausflug ins Brenvtal. Die Brenoqnelle ist weit anziehender und romantischer als die Omblaquelle. Ist diese von ihrem Ursprünge an schiffbar, so ist jene durch ihre Kaskaden charakterisiert, die es ihr ermöglichten, arrf dem kurzen Laufe zwei Mühlen zu treiben und, in einzelne Arme geteilt, ein schönes Stück Land fruchtbar zu machen. Die Bewohner des anmutigen Tütchens, das man eigent¬ lich wegen seiner Kleinheit kaum ein solches nennen kann, sind wohlhabende, stattliche Lente und besonders die Mädchen aus dem schönen Brenotale genießen wegen ihrer malerischen Tracht und ihres zierlichen Wuchses unter den Dalmatinerinnen einen guten Ruf. Mit ihren hübschen Fächern, die sic fast immer in der Hand halten und anmutig zu gebrauchen wissen, erinnern sie sehr an die Mädchen von Venedig oder an die glutäugigen Spanierinnen. Hier wäre vielleicht der Ort, einige Worte über die Trachten des dalmatinischen Volkes im allgemeinen anzu¬ fügen. Sie erscheinen dem Fremden, der Dalmatien mit einem flüchtigen Besuche bedenkt, überaus mannigfaltig. Sie sind es vielleicht weniger durch die Verschiedenheiten in Schnitt und Form als durch den Wechsel der Farben und den reichen, echten und unechten Schmuck, den besonders die Dalmatinerin liebt. Das Hauptstück der weiblichen Tracht ist meist eine bis zur Wade reichende ärmellose längere Jacke (Haljina) ans weißer, blauer oder schwarzer Wolle, die vorn und unten mit roten Tnchstrcifen eingesäumt ist, doch werden auch kurze, bis zum Gürtel reichende, vorn offene Jäckchen getragen. Fast nie fehlt die Schürze, die ebenso wie die Wäsche mit den schönsten Stickereien versehen ist. Ebenso ist der Gürtel, an Dalmatinische Nationaltrachten. dem Schlüssel und Messer hängen, bei den reichen Frauen mit Silberknöpfen beschlagen und Messer und Kette aus schwerem Silber. I o ^LÄ? k-LrH r^»? l7^L»^ l^LH kLÄ? k>«//// 'o^ZZs >sZa/o I.ULL2 I cu^^°L TA/ZZM'^i > ,0L/l/?^^VZZ i-i »V b o o v/ l ^LZ L/zies//^ /'zz/? ZaAL-ut>Zr/^tr/^LZZt,^A L^z-z« ^sz/uXo ^7/^7-S Illustrierte knnäer-uncl Völkerkunde. bereits lind erickienen: I. Vie neuen keickslancle öztsr- reick-Ungnrn; Normen und dis Nerre- goioina. von Or. lieo Zmolle. Mit 40 Illuitrationen. Preis brolckiert K 1-40 — Mk. 1'20, gebunden li 2-10 — Mk. 180. ll. Im kancle 6sr aukgstisn6enZonns Japan und die Japaner, von Or. liieo Zmolle. Mit 37 Muitrationsn. Preis brolckiert N 1-50 Mk. 1-30, gebunden N 2-20 — Mk. 1»?0. 2u bseieben durck alle Kuckbandlungen oder direkt von der Verlcigsbuckkcin6lung Zti/riaSrcii Iweigniederlailung: ^?ien l, Oominikanerbaktei 4. Von Qr. kso Zmolls lind keiner bei uns erkbisnen: Nrinr Lugen von 5avoi/sn 6er kegrüncler cier SrotzmacbtitsIIung Öiterreicb- Ungarns. Cin klebens- und Leitbild. — Mit 23 Illuitrationen, kroicbiert X 1' — Mk. —'90, elegant gebunden X 1-b0 Mk. 1'40. 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