Sagen, Sitten und Gebräuche in Kram. (Ein Mahnwort zu deren systematischen Sammlung und Aufzeichnung ' durch den historischen Verein filr Krain.) Von P. v. Nadic s. „Es hieße Wasser in die Donau tragen," wollte ich hier des Weitläufigen von der hohen Bedeutung der Sagen, Sitten und Gebräuche eines Volkes, für dessen eigene, sowie für die Geschichte der Menschheit sprechen; sie ist allbekannt und überall gewürdigt. Und doch ist bei uns für diesen so hochwichtigen Wissenschaftszweig bisher so wenig geschehen. Es soll dies; Wörtchen wenig aber keinen Tadel enthalten für jene perio- dischen Schriften in unserem Lande, die im Laufe der Jahre auch Beiträge zur Sagen- und Sittenkunde der Heimat brachten, es soll vielmehr ein Mahnwort an den historischen Verein dar- stellen, der vor Allen berufen ist, systematisch eine Samm- lung und Aufzeichnung der Sagen, Sitten und Gebräuche zu veranstalten, die noch in unserem Volke gang und gäbe sind — denn die 11. Stunde ist bereits vorüber — um von dem theuren Erbe zu retten, was noch nicht von der Fluch des Kosmopolitismus hinweggespült worden! Der erste Beobachter und Aufzeichner der Eigenart unserer Nation in Sitte und Art ist unser „Valvasor," der aufgeklärte und vielgereiste Cavalier, der recht viel und innig mit dem Volke muß verkehrt haben, um solche Resultate von „Volks- naturforschung" zu liefern, wie er sie zu Stande gebracht. Nach ihm war es Linhart, der „Valuasors" Bilder vornahm, mit den Zuständen seiner Zeit (Ende des XVIII. Jahrh'.) verglich und nach solchem Vergleiche richtig stellte, an« gab. was sich seit 1689 verändert, was bereits ganz ver- schwunden war. In gleicher Absicht und Weise verglich Hac- quet (der Zeitgenosse Linhart's) dessen Beschreibung der füdwest- und östlichen Slaven: 1801 erschienen. ' Seit diesem ersten Jahre unseres eben in Betreff der Sagen und Sittenerforschung der Völker epochemachenden Jahr- hunderts geschah für diese Wissenschaft gerade in unserem lieben Lande systematisch durchaus nichts. Als 1819 ein Geschichtsforscher-Verein projec- tirt ward, da enthielt das Programm auch die Abtheilung Volks sagen und Volkslieder — der Verein kam aber bekanntlich nicht zu Stande! Das 1631 eröffnete National- museum nahm zwar — wie es in vielen Punkten das eben genannte Programm zu dem Seinigen machte — auch die Sammlung von Volkstrachten, von Abbildungen und Beschrei- bungen der landesüblichen Gebräuche bei Hochzeiten, Taufen, Begräbnissen u. s. w. in Betracht; doch die späteren Jahre ließen diese ersten Anläufe des Nationalmuseums: ein „Mu- seum der Nation" zu werden, nebst vielen andern von den Stiftern und ersten Ordnern gehegten Intentionen ver- l aufe n. Die polnischen Ereignisse der 30gcr Jahre brachten einen nach der „dßia I^iM^ana" — dem „weißen" Laibach — internirten Polenjüngling, den in der Blüte seiner Jahre in diesem Exil verstorbenen Emil Korytko, in unser Land. Mit hoher Begeisterung für das Slaventhum ging Korytko bald nach seiner Ankunft in Krain an die Sammlung der Volkslieder und an die Zusammenstellung eines ziemlich umfangreichen Trachtenbuches der Südflaven. Die Lieder erschienen als die bekannte Sammlung sMroänL pßsini) und in meisterhafter deutscher Uebertragung von Anastasius Grün; das Trachten- buch ist leider noch nicht vollständig veröffentlicht, einzelne Stücke sind in der „Oaruiolia," und meinem „Adelsberg uno seine Grotten" copirt. Doch für die Sagen, Sitten und Gebräuche ge- schah auch jetzt fast nichts — einzelnes brachten ,,^ovio6," „Illyrische Blätter" und „Oaruiolig.;" doch von einer syste- matischen Sammlung war keine Rede. In den 40er Jahren erstand der historische Verein für Krain, und obwohl nicht ausdrücklich eine solche Sammlung betonend, nahm er doch unter Costa's und Ullepitsch's Leitung Beiträge dieser Richtung in seine „Mittheilungen" auf. Doch auch in diesem Institute verliefen diese ersten „Quellen" im Sande. Klun'Z Verdienst ist es, 1854 nach Uebernahme der Ver- einsleitung einen Aufruf „zur Sammlung der Sitten und Sagen hauptsächlich der Türkenkriege" erlassen zu haben, aber der bloße Aufruf that's nicht. Deßgleichen fruchteten Dr. E. H. Costa's wiederholte Mahnrufe nichts, die er, gestützt auf die Autorität eines IacobGrimm unter Hinweisung auf die directen Wünsche des Altmeisters der Sitten- und Sagen- forschung in's Land gehen ließ. EZ waren dieß und würden auch erneuerte Versuche lauter Rufe in der Wüste bleiben, so lange nicht der historische Verein, dem, nebenbei be- merkt , eine ausgesprochene Trennung in Sectionen (wie ander- wärts) und eine Fusion mit dem Museum dringend noth thut, es als Hauptaufgabe seines Wirkens erklärt: dem Stu- dium des Volkes, seiner Sagen, Lieder, Sitten und Gebräucheseine vorzüglichsten Kräfte zu widmen. Wenn aber der historische Verei n diese seine eigent- liche Bestimmung erfaßt und deren Realisirung bewerkstelliget haben wird, dann wird er als schöne Frucht seines Wirkens der Wissenschaft einen hochwichtigen Beitrag, unserem Volke selbst aber eine unschätzbare Hauspostille in der Samm- lung von Sagen, Sitten und Gebräuchen in Krain bieten können. Und schließlich, wenn der historische Verein durch eine Proclamation obgedachter Programmsänderung aus der gegen- wärtigen trocken wissenschaftlichen, und daher exclusiven Stellung in die frische, lebensvolle Wechselwirkung mit dem Volke treten würde, so wäre, wir sind dessen gewiß, wie durch einen Zauber seine gegenwärtige, keineswegs rosige finanzielle Lage mit einem Male in eine günstige umgestaltet, denn heutzutage können nur diejenigen Bestrebungen auf eine volle nachhaltige Theilnahme des Volkes, auf seine thatkräftige materielle Unterstützung Zählen, die mit ihren Tendenzen mitten im Herzen des Volkes wurzeln und so sein Int er- j esse unmittelbar fesseln! Plinde Enten. Vielfach hat sich in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit' der ! Naturforscher der Frage zugewendet, inwiefern Veränderungen des Clima'Z, der Nahrung und Lebensweise, überhaupt der äußeren Einwirkungen geeignet oder im Stande seien, eine wesentliche und constante Veränderung in der Natur einer Thierart hervorzubringen. Es ist schwer, durch Erfahrungen diese Frage genügend zu beantworten; daher mag es sich rechtfertigen, auf eine hier ! einschlagende Thatsache aufmerksam zu machen, welche freilich schon vor langer Zeit beobachtet, aber bisher wenig beachtet ist. Der berühmte Naturforscher Arago theilt nun in Bezug auf den Eirknitzer See Folgendes mit: „Aus einigen der Oeffnungen, aus denen der See seinen Wasserzufluß erhält, kommen zuweilen mit den zuerst erschei- nenden Gewässern aus dem unterirdischen See Enten hervor. In dem Augenblicke, wo diese Enten, so zu sagen, auf die Oberfläche der Erde gelangen, können sie gut schwimmen, sie sind aber vollkommen blind und beinahe ganz nackt. In einiger Zeit erlangen sie die Sehkraft, aber erst nach zwei oder drei Wochen sind ihre Federn fo weit gewachsen, daß sie fliegen können." , . Diese Mittheilungen Arago'Z sind unter andern in einem Auszuge abgedruckt in den Memoiren des Marschalls Mar- mont, Vd. 3, S. 442 der 2. Ausgabe. Der Grund, weß- halb die Enten nicht sofort sehen können, wenn sie zuerst aus ihren unterirdischen Höhlen herauskommen, liegt einfach darin, daß eine Haut ihre Augen bedeckt, welche erst, nachdem sie einige Tage im Sonnenlichte gelebt haben, abspringt. Wir sehen hier nun also, wie ein Wasservogel ganz gegen seine sonstige Natur zeitweise in unterirdischen Höhlen lebt, und wie sich durch diesen Aufenthalt in der That die äußere Natur des Vogels ändert, indem er seine Federn und mit ihnen die Fähigkeit, zu fliegen, und indem er den Gebrauch des Augen- lichts verliert, beides wie durch Verwandlung erst wieder er- hält, wenn er längere Zeit auf die Erdoberfläche zurückkehrt. Die ganze Erscheinung hat so viel Auffallendes, daß man glauben möchte, Arago irre sich in feinen factischen Angaben; allein, auch die deutschen Berichterstatter bestätigen Arago's Mittheilungen. Wir wollen in dieser Beziehung nur auf den Artikel über den Cirknitzer See in der ersten Ausgabe von Pierer's Universal-Lexicon aufmerksam machen. Freilich ist nun die Umänderung der in die Höhlen des Karstgebirgcs versetzten Wasservögel keine dauernde: wir sehen nicht die Entstehung einer neuen Art, aber wir sehen wenig- stens, welche Modisicationcn der thierische Organismus durch Einwirkungen der Außenwelt erleiden kann. Es fragt sich nun, ob, wenn durch irgend ein Ereigniß die Zuflüsse des See's einmal verstopft würden, und daher die Abschließung der Wasservögel in den Höhlen eine dauernde würde, ob im Laufs der Zeit aus den federlosen und blinden Enten, welche sich nur unter sich fortpflanzen könnten, eine neue Thierart erstehen könnte. Die „Natur," der wir Vor- stehendes entnehcken, ist weit entfernt davon, dieß zuzugeben. Eine Shakespeare - Novelle. Die „Kölbel'sche Theaterchronil" bringt einen allerliebsten Nachtrag zur Shakespearefeicr in Form einer aus nur achtzehn Zeilen bestehenden Novelle. „Richard" war ein vermögender „Kaufmann von Venedig" und in der ganzen Stadt als „Othello" bekannt, der mehr als oft „Viel Lärm um Nichts" machte. „Julie", seine Gattin, liebte ihn über Alles, hatte „Liebes Leid" und „Liebes Lust" mit ihm getheilt, dennoch Herging kein Tag, wo nicht „der Sturm" im Hause tobte, und sie, endlich der ewigen Eifersüchteleien überdrüssig, beschloß, sich von ihm zu trennen. „Wie es Euch gefällt", rief er: „Heinrich", mir graut vor Dir, sprach sie schluchzend, denkst Du noch der schönen Tage unserer ersten Liebe, ach, es war ein „Sommernachtstraum." Nein, ein „Wintermärchen", ent- gegnete er mürrisch und sie ging, um nie wiederzukehren. Da beschloß er „die Zähmung der Widerspänstigen" und folgte ihr ins Haus der Eltern; diese aber ließen ihren „Cäsar" auf ihn los und riefen: Fort aus unseren Augen, nie erhaltet Ihr zu- rück, „was Ihr wollt!" Jetzt legte er sich auf's Bitten, beschwor ein paar Tanten, sich für ihn zu verwenden, diese lösten „die Comödie der Irrung" auf; er erhielt durch „die lustigen Wei- ber" seine Gattin zurück, besserte sich und Alles rief vergnügt: „Ende gut, Alles gut!" Das theuerste Elfenbein. Eine berühmte Ballettänzerin tanzte im Berliner Opern- haus einen Elfentanz. Ein Witzbold, der hörte, daß die Sylphide 4000 Thaler jährliche Gage erhielt, also für jedes Bein 2000 Thaler, meinte: „Das ist doch das theuerste Elfenbein, wel- ches ich kenne." Literatur. Die bis jetzt erschienenen 12 Hefte der illustrirten Zeitschrift „Fiir Haus und Familie" (Verlag von ZamarSti und Dittmarsch in Wien) entsprechen besonders mit Berücksichtigung des außerordentlich billigen Preises uon 25 Nkr. pr. Heft wirtlich allen Anforderungen. Unter den 24 Farbendruckbildcrn sind einzelne, besonders die Prächti- gen Stickmuster, sehr gelungen. Die Original-Novellen von Kessel, Stugau, Haaö, Reinhardt sind anziehend, die zeitgeschichtlichen Auf- sätze, namentlich die über Mexico, Schleswig-Holstein äußerst frei- sinnig, kurz es findet sich für den litr. Geschmack eines Jeden etwas darin. Auch für dic Damenwelt ist durch eine eigene Beilage mit den neuesten Mustern :c. gesorgt. Verantwortlicher Redacteur I. v. Meinmayv. — Druck und Verlag von Ign. v. Kleinmayr L5 F. Vamberg in Laibach.