Dienstag den 2. December 1828. D l I V r i e n. ^aibach den i. December. Am 27. v.M., Nachmittags um 2 Uhr, sind Se.k.k. Hoheit, der Erz-hsrzog Rainer, Vice-König in der Lombardie und Venedig, sammt Ihrer Durchlauchtigsten Gemahlinn in unseren Mauern eingetroffen. Höchst-dieselben nahmen am Schlage Ihres Wagens die Aufwartung aller Ciml. und Militär« Authoritäten an, und setzten nach Umspannung der Pferde die Reise sogleich weiter fort. Vorgestern, Abends um 6 Uhr, trafen Ihre f. k. Hoheiten dre Durchlauchtigsten Kinder des Erz« Herzogs, Vice-Kömges, mit sämmtlicher Suite hier cin, und nahmen Ihr Absieigquartier im Rasthöfe zum wilden Mann. Höchstdieselben haben schon am folgenden Tage^ früh um 6 Uhr, Hhre Reise weiter fortgesetzt. Trie st den 20. November. Der k. k. Geschäftsträger am brasilianischen Hofe, Baron Marschall, hat nut Bewilligung der k. k. Haus - Hof-nnd Staatskanzlei, den sich gegenwärtig in Rio« Janeiro aufhaltenden österreichischen Unterrhan und Handelsmann, Franz Sch einer, zum provisorischen General - Consul in Brasilien er« nannt. Sachrichten vom Kriegsschauplätze. Nachrichten ausBukurest vom 19. Novell'»-lsr zufolge waren seit2lnfan dieses Monads in der Gegend von Silistria heftige Stürme^von Schneegestöber und einer für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Kälte von acht bis neun Graden begleitet, eu^ ^reten. —Elementar-Ereignisse, welche, die Fortsetzung der dortigen Bclagerungs« Arbeiten unge-mem erschwerten, m beinahe unmöglich machten, und der Zufuhr von Lebensrnitteln für das Bsla« gerungs-Corps die größten Hindernisse in den Weg legten. Unter diesen Umständen soll beschlossen wsr-den seyn, die Belagerung von Silisiria in dieser so ungünstigen Jahreszeit aufzuheben, und das vor dieser Festung gestandene Corps soll bereits den Marsch auf dem rechten Donau-Ufer, wie man be« hauptet, nach H irsowa angetreten haben. — Der Feld marschall Graf von Wittgenstein, welcher sein Hauptquartier in der letztern Zeit zu Kalla-rasch, auf dem linken Donau-Ufer, unweit von Sili stria, aufgeschlagen hatte, ist von danach I assy aufgebrochen, wohin das russische Haupt« quartier, dem Vernehmen zufolge, verlegt, werden sollte. — GrafLangerou wurde unverzüglich in Bu kürest erwartet, durch welche Stadt der lZhef des russischen Generalsiabs, Generallieutenant Graf von Dicbitsch am 14. d. M. auf dem Ws« g,e nach I assy passlrt war. Aus O d essa wird vom 1^ November gemeldet, daß daselbst mehrere Schisse aus Varwa, einige in zwei, andere die viel früher ausgelau« fen waren., und mit heftigen Stürmen zu kämpfen hatten,, in zwanzig, Tagen eingelaufen waren. Hie-durch werden, die vor einiger Zeit in Iassy verbreiteten Gerüchte, daß Varna in der letzten Hälfte des Octobers wieder von den Türken beseht worden sei, am bün-digsisn widerleg/. (Oest- B.) Malta. De? Adrmral der k. russischen Flotte, Graf Heydsn,, hat, am Bord des 3iniensä)isses Azoff, am i3. October au al?s Befehlshaber und(Zcpitäne der neutralen Flaggen, welche sich gegenwärtig in den Gewässern der Levante bcttndcn . ein Umlaufs« M3 schreiben erlassen, worin er die Meldung thut, daß ,«r auf Befehl seines erhabenen Monarchen, die Dar« dNnellen in Blokadezustand erkläre. Die Schiffe aller neutralen Flaggen, welche mitLadungen nach Konstantinopel bestimmt sind, müßten sich, von dem Zeitpuncte an, wo die Blockade der Dardanellen äs tacta statt findet, einer Visitation unter» werfen. Mit Lebensmittel oder Kriegsmunition beladene Schisse würden unverzüglich conftscirt. Der Viceadmiral Ricord, segelte mit einer Es-c-adre schon am 23. October zur Blockade der Dar« dancllen^ ad. (O. ^icin.) D t a l i e n. Rom, den ib. Nov. Am i3. d. Abends starb hier der Kardinal Giuseppe Spina. Neapel, den 9. Nov. Am 7. d. kam aus Rom 3er Kronprinz von Preußen unter dem Namen eines Grafen von Zollern in Neapel an, und stattete am ü. Ihren Majestäten zu Portici, und hier« «uf dem Prinzen von Salerno und seiner Gemahlinn in der Favorite einen Besuch ab. Tunnel« Gesellschaft hätten einen Plan des Architekten Geary gebilligt, mit dem Tunnel einen Platz zur Landung ron Passagieren u. s. w. aus Dampfbootcn, und Einschiffung von solchen in Dampfbooce, in Verbindung zu bringen, indem nämlich aus dem Tunnel, in der Mitte desselben ein Trichter oder Schacht, von 6a Fuß im Durchmesser, bis über den Stand des hohen Wassers aufgeführt würde, inwendig mit bequemen Treppen und obenauf emer bequemen Gallerie zum Landen. Die Dampfboote würden um den Trichter herum anlegen, und die Passagiere, indem sie den Trichter hinabstiegen, durch den Tunnel bequem und sicher auf das eine oder das andere Ufer der Themse an das Land kommen können. (Test. B.) Einige Journal wollen wissen, die-Generale Stubbs und Saldanha würden mit den gegenwärtig in England befindlichen portugiesischen Flücht* lingen sich nach Portugal einschiffen; sie sprechen auch von der Unterhandlung einer Adt besitzt, zuschreiten. Dieser Befehl wurde unverzüg« lich noch in demselben Nacht aufs strengste,vollzogen, und sein Ehasinedar, (Schatzmeister) tcr sich gewöhnlich hier.aufhält, Mryastet. Nbrigens ist, Nachrichten aus Seres vom 1. November zufolge, dav Vermögen des daselbst sich aufhaltenden Sohneö des I u ssu f f - P a scha von der gegen seinen Ba«r verhängten .Maßregel gänzlich ausgenommen, und mcht im Mmdcstcn angetastet worden. (Oest. B.) Triest, i5. Nov. Ein von Malta kommender Schiffer meldet, daß allem Ansehen nach die Blockade der Dardanellen durch die Russen nächstens beginnen werde. Von der, unter dcn Admirälen Heyden ,und Ricord bemahe vollständig zu Malta versammelten .russischen Se.cmacht waren bc-,reits zehn Schisse nach d.em Archipel abgesegelt, und man glaubte, daß ,ihn,en der Überrest b.Ud folgen werde. Bis zum 22,. October war übrigens, nach Versicherung eines von Ronstantinopel lommcn-den sardinischen Kaussahrers, noch tein russische Schift vor den Dardanellen erschienen. Nach allem, .was man auö den Fürstenthü« mern erfährt, beabsichtigen die Türken keinevwcgo einen Winterfeldzug; sie scheinen die Festungen und das befestigte Lager,bei Schumla besetzt halten, ihre übrige,« Tr.uppen aber in chre Heimath entlassen zu wollen. Nach Briefen aus Otranto waren die Botschaf, .tcr der drei.Mächte und der Graf Eapodistrias in Porös mit Unterhandlungen über die Begränzung des neuen Griechenlandes beschäftigt,^und man say in Kurzem einer Bekanntmachung über diesen wichtigen Gegenstand entgegen. Wenn man den An-gahcn dieser Briefe Glaubel; deimcsscn dürste. 10 3ao würdcn die Gränzendes neuen Staates selbstThes-falien umfassen. Der Eourrier de Smyrne schreibt von Ksnstantinopel vom n. October: „Es läßt sich nicht zweifeln, daß, wenn die Botschafter Frankreichs und Englands nach Konsiantinspel zurück gekehrt wären, die griechische Sache jetzt zu Ende gebracht seyn würde, wenigstens in Bezug auf die Grundlagen, auf denen das Daseyn Griechenlands beruhen muß. Dieß würde eine große Wohlthat für dieses Land und vorzüglich für Europa seyn, das durch diesen Zankapfel nicht mehr in beständige Unruhe versetzt wäre. Die Pforte glaubt aber, es widerstrebe, ihrer Würde und der Gerechtigkeit ihrer Sache Gesandte abzuschicken, um mitDeputirten eines Volkes, das sie bis jetzt nur als Rebellen betrachten kann, und mit den Gesandten einerMacht zu unterhandln, die den erbittertsten Krieg gegen sic füht und bedroht, nur unter den Mauern vonKon-siantinapel Frieden mit ih? schließen zu wollen. Bei den Erfolgen iht'er Armee, dem Enthusiasmus und der Hingebung ihres Volks sieht die Pforte die Vor. theile des Friedens dennoch sehr gut ein; sie würde ihn annehmen, wenn er ihr angeboten werden sollte; sie würde ihn anbieten, wenn sie glauben dürfte, es mit Ehren tbun zn können; so lange aber die gegen sie gebrauchten Formen von der Art sind, daß sie denken muß, man sei absichtlich so ungerecht gegen sie. und man sinde darin gerade ein Vergnügen, ihr Stoff zu Unzufriedenheit und Klage l zu geben, so wird sie ihre Rechte als unabhängige Regierung aufs Äußerste vertheidigen. Diese Vorstellung macht man sich jetzt hier ganz allgemein über die gegenwärtige Stimmung des Divans. Mg. Z>) Griechenland. Auf Eandia dauern die tumuliuarischcnAuf" tritte zwischen den Türken und Griechen noch immer fort. Letztere, werden nach dem Tode des tapferen Hadschi Michali von demBaron Rein eck angeführt. Die Türken erbittert über einige erhalte^ ne Schlappen) sielen am 25. August in der Stadt iHandia aile (Zhrisien ohne Unterschied an, und töd-teten sie. Das Gemetzel dauerte 2^ Stunden. Über 75c» Leichnamen zählte man in den Straßen der Stadt, ungerechnet jene, welche in's Meer oder in die Abzugskanäle geworfen wurden. Auf die Nachricht von dem schrecklichen Blutbade, erhoben sich alle in den freien Provinzen von Eandia befindlichen Griechen, und zogen unter dem Befehle des Baron Reineck vor die Festung Eandia, die sie nun belagern. Der Oberst Reineck hat sein Hauptquartier zu Zizife aufgeschlagen. Nachrichten aus Eorfu vom 10. d. M., zufolge, war das Eastell von More a erst am 3o. October (und nicht am 5., wie man nach dem Berichte des General Maison aus Nava-rin vom 11. October hätte glauben sollen) mittelst Capitulation von den französischen Truppen in Besitz genommen worden. Die aus 1200 Türken bestehende Besatzung sollte nach Smyrna über-scbifft werden. (Oest. Z.) ^erschievenes. Ein Schreiben aus Martinique spricht von neuen bardarischen Mißhandlungen von Sclave« durch ihre Herren. Einer derselben ist zu Todt ge> peitscht und seine Leiche verbrannt worden. Zwei andere, welche sich aus Verzweiflung selbst entleiben wollten, wurden auf dieselbe Art bestraft. Ein anderer mußte in einem Käfich, in den man ihn gesperrt hatte, verhungern, worauf man ihm nock den Kopf und die Beine abhieb. Die Gerechtigkeit ist gegen solche Frevel nicht eingeschritten, sie ver« mag es vielleicht nicht. Es ist kürzlich entschieden worden, daß Sclaven gegen ihre Herren nicht zeu« gen können. In der Bibel-F'ttevatur hat man zu London eine wichtige und interessante Entdeckung gemacht, welche sowohl die Aufmerksamkeit der Religionsfreunde, als der Literatoren aufsicb ziehen wird. Man hat nämlich das Buch Iasched aufgefunden, dessen Iosua Kap. 80, und SamuelKap. 1 erwa'M.'Dicse) alte Wcrkbrach-te Alcuin, der ausgezeichneteste Mann seines Zeitalters, von der Stadt Gaza in Persien mit ungeheuren Kosten an si'H; dort scheint es von der Periode an aufbewahrt gewesen zu seyn, wodieIudcn aus der babilonischen Gefangenschaft zurückkehrten. In Warschau erfolgte am 3. November die feierliche Grundsteinlegung zum Kopernikuö-Denkma l. Als der Präsident der Gesellschaft im Begriffe war, den ersten Mauerstein mit der zu diesem Behuf gefertigten silbernen Kelle zuzurichten, sprach er die Worte : „Möge dieses Denkmal allen Stürmen der künftigen Jahrhunderte, und selbst den physischen Erschütterungen der Wclt trotzen !" Nlvactcur: M. Lav. Meinrich. Verleger: Zgnaz AI. Vvler v. Aleinmavr,