TONHALLE 1)ER PHILH. GESELLSCHAFT ~G)(9~ WORTLAUT DER LIEDER o O O O o LIEDER-ABEND LULA (MYSZ) OME1NER CONCERT-AGENTUR OTTO FISCHER, LAIBACH. I. a) Der Tod und das Madchen. Voriiber, ach voriiber geh’, wilder Knochenmann, Ich bin noch jung, geh’, Lieber! und riihre mich nicht an. Gib deine Hand, du schon’ und zart’ Gebild, Bin Freund und komme nicht zu strafen. Sei guten Muths! ich bin nicht wild, Solist sanft in meinen Armen schlafen. Claudius. b) Die Sterne. Wie blitzen die Sterne so hell durch die Nacht! Bin oft schon dariiber vom Schlummer erwacht. Doch schelt’ ich die lieben Gebilde drum nicht, Sie iiben im stillen manch’ heilsame Pflicht. Sie wallen hoch oben in Engelsgestalt, Sie leuchten dem Pilger durch Haiden und Wald, Sie sGhweben als Boten der Liebe umher Und tragen oft Kiisse weit tiber das Meer. Sie blicken dem Dulder recht mild ins Gesicht Und saumen die Thranen mit silbernem Licht Und weisen von Grabern gar trostlich und hold — Uns hinter das Blaue mit Fingern von Gold. So sei denn gesegnet, du strahlige Schar! Und leuchte mir lange noch freundlich und klar. Und wenn ich einst liebe, seid hold dem Verein, Und euer Geflimmer lasst Segen uns sein. Leitner c) Im Haine. Sormenstrahlen durch die Tannen, Wie sie fallen, zieh’n von dannen Alle Schmerzen, und im Herzen Wohnet reiner Friede nur. Stilles Sausen lauer Liifte, Und im Brausen zarte Diifte, Die sich neigen aus allen Zweigen, Athmet aus die ganze Flur. Wenn nur immer dunkle Baume, Sonnenschimmer, griine Saume Uns umbllihten und umgliihten, Tilgend aller Qualen Špur! Bruchmann. d) Das Echo. Herzliebe gute Mutter, o grolle nicht mit mir; Du sahst den Hans mich kiissen, doch ich kann nichts dafiir; Ich will dir ailes sagen, doch babe nur Oeduld: Das Echo drauss’ am Hiigel, beim Biigel, das ist an allem schuld. Ich sass dort auf der Wiese, da hat er mich geseh’n, Doch blieb er ehrerbietig htibsch in der Ferne steh’n Und sprach: „Gern trat’ ich naher, niihmst du’s nicht iibel auf. Sag, bin ich dir willkommen?“ „Kommen!“ rief schnell das Echo drauf. Dies hort er und hat naher zu riicken mir gewagt, Er glaubte wohl, ich hatte dies ailes ihm gesagt. ..Erlaubst du“, sprach er zartlich, „dass ich als meine Braut Dich recht von Herzen ktisse?" — „Kiisse!“ schrie jetzt das Echo laut. Ist dir Hans, liebe Mutter, nicht recht zu meinem Mann, So sag’, dass ihm das Echo den bosen Streich gethan. Doch glaubst du, dass wir passen zu einem Ehepaar, Danil musst du ihn nicht kranken, magst denken, dass ich das Echo war! J. F. Castelii. II. Frauenliebe und Leben. 1 . Seit ich ihn gesehen, Glaub’ ich blind zu sein; Wo ich hin nur blicke, Seh’ ich ihn allein, Wie im wachen Traume Schwebt sein Bild mir vor, Taucht aus tiefstem Dunkel Heller nur empor. Er, der Herrlichste von allen, Wie so milde, wie so gut! Holde Lippen, klares Auge, Heller Sinn und fester Muth. So wie dort in blauer Tiefe Hell und herrlich jener Štern, Also er an meinem Himrnel Hell und herrlich, hoch und fern. Wandle, wandle deine Bahnen, Nur betrachten deinen Schein, Nur in Demnth ihn betrachten, Selig nur und traurig sein! Sonst ist licht- und farblos Alles um mich her, Nach der Schvvestern Spiele Nicht begehr’ ich mehr, ! Mochte lieber weinen Stili im Kammerlein: Seit ich ihn gesehen, Glaub’ ich blind zu sein. [ Hore nicht mein stilles Beten, Deinem Glticke nur geweiht; Darfst mich niedre Magd nicht kennen, Hoher Štern der Herrlichkeit! Nur die Wiirdigste von allen Soli begliicken deine Wahl, Und ich will die Hohe segnen, Segnen viele tausendmal. Will mich freuen dann und weinen, Selig, selig bin ich dann; Solite mir das Herz auch brechen, Brich, o Herz! was liegtdaran? 3 . Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben, Es hat ein Traum mich beriickt? Wie hatt’ er doch unter allen Mich Arme erhoht und begliickt? Mir war’s, er babe gesprochen: Ich bin auf ewig dein; Mir war’s, ich traume noch immer, Es kann ja nimmer so sein. O lass’ im Traum mich sterben, Gewieget an seiner Brust, Den seligsten Tod mich schliirfen In Thranen unendlicher Lust! 4 . Du Ring an raeinem Finger, Mein goldenes Ringelein, Ich drticke dich fromm an die Lippen, Dich fromm an das Herze mein. Ich hatt’ ihn ausgetraumet Der Kindheit friedlichen Traum, Ich fand allein mich verloren Im oden, unendlichen Railm. Du Ring an meinem Finger, Da hast du mich erst belehrt, Hast meinem Blick erschlossen Des Lebens unendlichen Wert. Ich werd’ ihm dienen, ihm leben, Ihm angehoren ganz, Hin selber mich geben und finden Verklart mich in seinem Glanz. Du Ring an meinem Finger, Mein goldenes Ringelein, Ich driicke dich fromm an die Lippen, Dich fromm an das Herze mein. Helft mir, ihr Schwestcrn, Freundlich mich schmiicken, Dient derGliicklichen heute, mir, Wiudet geschiiftig Mir um die Štirne Noch der bliihenden MyrtheZier. Als ich befriedigt, Freudigen Herzens Dem Geliebten im Arrne lag, Irnmer noch rief er, Sehnsucht im Herzen, Ungeduldig den heufgen Tag. Helft mir, ihr Schwestern, Helft mir verscheuchen Eine thorichte Bangigkeit, Dass ich mit klarem Ang’ ihn empfange, Ihn, die Quelle der Freudigkeit. Bist, mein Geliebter, Du mir erschienen, Gibst du, Sonne, mir deinen Schein ? Lass mich in Andacht, Lass mich in Demuth Mich verneigen dem Herren mein. Streuet ihm, Schwestern, Streuet ihm Blumen, Bringt ihm knospende Rosen dar. Aber euch, Schwestern, Grtiss ich mit Wehmuth, Freudig scheidend aus eurer Schar. 6 . Siisser Freund, du blickest Mich vermindert an, Kannst es nicht begreifen, Wie ich weinen kann; Lass der feuchten Perlen Ungewohnte Zier Freudenhell erzittern In den Wimpern mir. Wie so bang mein Busen, Wie so wonnevoll! Wiisst’ ich nur mit Worten, Wie ich’s sagen soli; Komra’ und birg’ dein Antlitz Hier an meiner Brust, Will ins Ohr dir fliistern Alle meine Lust. Weisst du nun die Thranen, Die ich weinen kann, Solist du nicht sie sehen, Du geliebter Mann; Bleib’ an meinem Herzen, Fiihle dessen Schlag, Dass ich test und fester Nur dich driicken mag. Hier an meinem Bette Hat die Wiege Raum, Wo sie stili verberge Meinen holden Traum; Kommen wird der Morgen, Wo der Traum erwacht Und daraus dein Bildnis Mir entgegenlacht. An meinem Herzen, an meiner Brust, Du meine Wonne, du meine Lust! Das Gllick ist die Liebe, die Lieb’ ist das Gltick, Ich hab’ es gesagt und nehnTs nicht zuriick. Hab’ iibergliicklich mich geschatzt, Bin iibergliicklich aber jetzt. Nur die da saugt, nur die da liebt Das Kind, dem sie die Nahrung gibt, Nur eine Mutter weiss allein, Was lieben heisst und glucklich sein. O wie bedaur’ ich doch den Mann, Der Muttergltick nicht fiihlen kann! Du schaust mich an und lachelst dazu, Du lieber, lieber Engel du! An meinem Herzen, an meiner Brust, Du meine Wonne, du meine Lust! 8 . Nun hast du mir den ersten Schmerz gethan, Der aber traf. Du schldfst, du kalter, unbarmherz’ger, Mann, Den Todesschlaf. Es blicket die Verlassene vor sich hin, Die Welt ist leer. Geliebet hab’ ich und gelebt, ich bin Nicht lebend mehr. Ich zieh’ mich in mein Inn’res stili zuriick, Der Schleier fallt, Da hab’ ich dich und mein vergang’nes Gliick, Du meine Welt! A. v. Cnamisso. m. a) Du meines Herzens Kronelein. Du meines Herzens Kronelein, Du bist von laufrem Golde, Wenn andere daneben sein, Dann bist du erst viel holde. Die andern thun so gern gescheit, Du bist gar sanft und stille; Dass jedes Herz sich dein erfreut, Dein Gliick ist’s, nicht dein Wille. Die andern suchen Lieb’ und Gunst Mit tausend falschen Worten, Du ohne Mund- und Augenkunst Bist wert an allen Orten. Du bist, als wie die Ros’ im Wald, Sie weiss nichts von ihrer Bliite, Doch jedem, der voriiberwallt, Erfreut sie das Gemiite. Feiix Dahn. b) AH’ mein’ Gedanken, mein Herz und mein Sinn. Ali’ mein’ Gedanken, mein Herz und mein Sinn, Da, wo die Liebste ist, wandern sie hin, Geh’n ihres Weges trotz Mauer und Thor, Da halt kein Riegel, kein Graben nicht vor, Geh’n wie die Vogelein hoch durch die Luft, Brauchen kein’ Briicken Liber Wasser und Kluft, Finden das Stadtlein und finden das Haus, Finden ihr Fenster aus allen heraus Und klopfen und rufen: Mach’ auf, lass uns ein, Wir kommen vom Liebsten und griissen dich fein. Felix Dahn. c) Kleiner Haushalt. Einen Haushalt klein und fein Hab’ ich angestellt, Der soli mein Gast sein, Dem er wohlgefallt. Der Specht, der Holz mit dem Schnabel haut, Hat das Haus mir aufgebaut. Dass das Haus beworfen sei, Trug die Schwalbe Mortel bei; Und als Dach hat sich zuletzt Obendrauf ein Schwamm gesetzt. Drinnen die Kammern und die GemScher, Schrank und Facher flimmern und flammern; Alles hat mir unbezahlt Schmetterling mit Duft bemalt. O wie rustig in dem Haus Geht die Wirtschaft ein und aus. Wasserjungferchen, das flinke, Holt mir Wasser, das ich trinke. Biene rnuss mir Essen holen, Frage nicht, wo sie’s gestohlen. Schiisseln sind die Eichelnapf- chen Und die Kriige Tannenzkpfchen, Messer, Gabel — Rosendorn und Vogelschnabel. Storch im Haus ist Kinderwarter, Maulwurf Gartner Und Beschliesserin im Hauslein Ist das Mauslein. Aber die Grille Singt in der Stihe, Sie ist das Heimchen, ist immer daheim Und \veiss nichts als den einen Reim. Doch im ganzen Haus das beste Schlaft noch feste. In demWinkel, in dem Bettchen Zwischen zweien Rosenblattchen Schlaft das Schatzchen Tausend- schonchen, Ihm zu Fuss ein Kaiserkronchen. Hiiter ist Vergissmeinnicht, Der vom Bette wanket nicht. Gliihwurm mit dem Kerzen- schimmer Hellt das Zimmer. Die Wachtel wacht Die ganze Nacht, Und wenn der Tag beginnt Ruft sie: „Kind! wach’ auf ge- sclvvvind!“ Wenn die Liebe wachet auf, Geht das Leben raschen Lauf. In seid’nen Gewandern, Gewebt aus Sommerfaden, In flatternden Bandera, Von Sorgen unbeladen, Lustig aus dem engen Haus, Lustig auf die Flur hinaus. Schonen Wagen hab’ ich bestellt, Uns zu tragen durch die Welt. Vier Heupferdchen sollen ihn Als vier Apfelschimmel ?ieh’n; Sie sind wohl ein gut Gespann, Das mitRossen sich messen kann. Sie haben Fliigel, Sie leiden nicht Ziigel; Sie kennen alle Blumen der Au ! Und alleTranken von Thau genau. Es geht nicht im Schritt? Kind, kannst du mit? Es gefit im Trott, Nur zu mit Gott. Lass du sie uns tragen Nach ihrem Behagen, Und wenn sie uns werfen vom Wagen herab, So finden wir unter Blumen ein Grab. R. RUckert. IV. a) Im Kahne. Moven, Moven in weissen Flocken! Sonnenschein ! Enten stolzieren in gelben Socken schmuck und tein. Fahr’, fahr’ zum Fischerstrand, Ruhig ist es am Scherenrand; Rings die See liegt so stille — Wowowille. Lose, lose, mein Schatz, die dichte Lockenpracht, Dann lass uns tanzen die warme, lichte Juninacht. Wart’, wart’, zu Sancta Hans Gibt es Hochzeit mit lustigem Tanz, Geigen in Hiille und Fiille — Wowowille. b) Elfenlied. Bei Nacht im Dorf der Wachter rief: . Elfe! “ Ein ganz kieines Elfchen im Walde schiief, Wohl um die Elfe! Und meint, es rief ihm aus dem Thal Bei seinem Namen die Nachtigail, Oder Silpelit hatt’ ihm gerufen. Reibt sich der Elf’ die Augen aus, Begibt sich vor sein Schneckenhaus Und ist als wie ein trunken Mann, Sein Schlaflein war nicht voli gethan, Und humpelt also tippe tapp, Durchs Haselholz ins Thal hinab. Schlupft an der Mauer hin so dicht, Da sitzt der Gliihwurm Licht an Licht. Was sind das helle Fensterlein? Da drinn’ wird eine Hochzeit sein, Die Kleinen sitzen beim Mahle Und treiben’s in dem Saale. Da guck ich wohl ein wenig ’nein! Pfui, stosst den Kopf am harten Stein! Elfe, gelt, du hast genug? Guguk! E. Moricke. c) Mausfallen-Sprtichlein. Kleine Gaste, kleines Haus, Liebe Mausin oder Maus, Stelle dich nur kecklich ein Heute Nacht bei Mondenschein. Mach aber die Thiir fein hinter dir zu, Horst du? Dabei hiite dein Schwanzchen! Horst du? dein Schwtlnzchen! Nach Tische singen wir, nach Tische springen wir Und machen ein Tanzchen! Witt witt! meine alte Katze Tanzt wahrscheinlich mit, horst du? NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJI (17U (17UNICA 00000461456 NfiRODNfl IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA DS I 260 001