Freytag den 29. Jänner 1625. Wohlgemeinter Rath für alle Garten« und O bstba um besitzer, die Kohlgewächse und Obstbäume vor der Verheerung der Naupen zu bewahren. AHir haben leider erst wieder im vorigen Frühjahre und Sommer die traurige Überzeugung von den großen Verheerungen der Raupen gehabt, wo die in größte». Pracht und Fülle blühenden Obstbäume in weingen Ta» gen/«durch dieseS gefräßige Ungeziefer völlig entblit-tert, dem Auge nur kahle Gerippe darbothen, und"die Hoffnungen vieler Gartenbesitzer, wo nicht ganz v«V, nichteten, doch der Ausbildung des Obstes und mehrerer AohlManzen sehr viel schadeten. Es ist freylich eben so wenig eine angenehme Arbeit als geringe Muhe, die Bäume von den Eyern und Nestern dieser Insecte», zn befreyen, welcheS in den späcen Herbst? und in den Wintermonathen gesche« hen sollte, wo diese, da die Baume vom Laube ent» bloßl, leicht zu finden sind; hingegen wird Jeder, der sich die Entfernung dieses lästigen Ungeziefers angelegen seyn läßt, beym Anblick seiner in voller Blüthe und im frischen Grün prangenden Bäume sich für diese Mühe „ichr mir reichlich entschädigt sinden, sondern auch den Beyfall seiner Ortsbehörde und Nachbarn erwerben. Der hiesige löbl. Stadt-Magistrat ließ eS sich neuerlich wieder angelegen seyn, durch öffentliche Be< kanntmach,mg alle Garten > und Obstbaumbesitzer darauf aufmerksam zu machen, zu rechter Zeit noch Vorkehrungen zu treffen, um dieses Übel möglichst zu besei- seitigen, indem bey jetziger Zeit durch das Abraupen oder Vertilgung der an den Asten haftenden Eyer noch viel bezweckt werden konnte; nur darf man sich bey diesem Geschäft nicht etwa einfallen lassen, die Nester oder Eyer, oder gar die Raupen selbst, wie es manche zu thun pflegen, im Wasser vertilgen zu wollen, sondlcn man verbrenne oder zertrete jelbe sorgfältig.— mit einem Ge- mejflgeist betrieben , von sehr guten Folgen seyn lann, schützt es jedoch nicht vor der Vermehrung der Ringel« raupet." Diese tonnen erst im April und May, und zwav Morgens und Abends, wenn sie in Klumpen beysammen sitzen, am besten durch Schwefelrauch vertilgt lverdrii. ^ Da es nun Jedem, dem die Pflege der Gärten und Obnbäume obliegt, zur Pflicht gemacht wird , für die Ausrottung dieser schädlichen Inseeten Sorge zu tragen-/so mache ich hinsichtlich dessen folgenden Vorschlag/der, nach meiner mehrjährigen Erfahrung , — Sie werden das schon selbst ausfüllen. Gott weiß, wie ich mich manchmahl placken und schinden muß, um das arme Leben zu gewinnen, undScänerl*) will doch auchetwas haben. Wer Ihnen gesagt hat, daß ich faul würde, dem (ich bitte Sie herzlich, und ein Baron Lann das schon thun) dem versetzen Sie aus Liebe ein Paar tüchtige Watschen; ich wollte ja immer, immer fortarbeicen, dürfte ich nur immer solche Musik machen, wie ich will und kann, und >ro ich mir selbst etwas daraus mache. So habe ich vor drey Wochen eine Symphonie gemacht, und mit der morgenden Post schreibe ich schon wieder an Hofmeister, und biethe ihm drey Clavier-Quatuor an, wenn er Geld hat. O Gott! wäre ich ein großer Herr, so sprach'ich: Mozart schreibe du mir! aber was du willst, und so gut du kannst; eher kriegst du keinen Kreuzer von mir, bis du wässerig hast, hernach aber kauf' ich dir jedes Manuscvipt ab, und du sollst nicht damit umgehen wie ein Fratschelweib. O Goit! wie mich das .'llles zwischendurch traurig macht, und dann ') Constantia/ Mozart's Frau. wieder wild und grimmig'; wo dann Manches geschieht, was nicht geschehen soll. Sehen Sie, lieber guter FreuNd, so ist es, und nicht wie Ihnen dumme oder böse Lum« pen mögen gesagt haben. Doch dieses a c»5Ä 6l>l 6ia-^oic», und nun komme ich auf den alierschwersten Punct ^ in Ihrem Brief, und den ich lieber gar fallen ließ, weil mir die Feder für so was nicht zu Willen ist. Aber ich will es doch versuchen, und sollten Sie etwas zu lachen drinnen finden. Wie nähmlich meine Art ist beym Schreiben und Ausarbeiten von großen und derben Sachen. — Nähmlich ich kann darüber wahrlich l'icht mehr sagen, als das, dann ich weiß selbst «-.icht mehr und kann auf weiter nichts kommen. Wenn ich recht für mich bin und guter Dinge, etwa auf Reisen im Wagen, oder nach guter Mahlzeit beym Spazieren, und in derNacht, wann ich nicht schlafen kann, da kommen mir die Gedanken stromweis und am besten. Woher und wie, das weiß ich nicht, kann auch nichts dazu. Dje mir nun gefallen, die bchalte ich im Kopf, und sumse sie auch wohl vor mich hin, wie mir Andere wenigstens gesagt haben. Halt' ich nun fest, so kommt mir bald Eins nach dem Andern bey, »vozu so ein Brocke,, zu brauchen wäre, um eine Pastete dar. aus zu machen nach Contrapunct, nach Klang der verschiedenen Instrumente :c. :c. Das erhitzt mir nun die Seele, wenn ich nähmlich nicht gestört werde; da wird es immer größer, und ich breite es immer weiter und heller aus, und das Ding wird im Kopf wahrlich fast fertig, und wenn es auch lang ist, so daß ich's hernach mit einem Blick, gleichsam wie ein schönes Bild oder einen hübschen Menschen, im Geist Übersehe, und es auch gar nicht nacheinander, wie es hernach kommen muß, in der Einbildung höre, sondern wie gleich alles zusammen. Das ist nun ein Schmaus! Alles das Finden und Machen geht in mir nun wie in einem schonen starken Traum vor. Ader das Überhören so aNes zusammen ist doch das Beste. Was nun so geworden ist, das vergesse ich nicht leicht wieder, und daö ist vielleicht oie beste Gabe, die mir unser Herr Gott geschenkt hat. Wenn ich hernach einmahl z»m Schreiben komme, so nehme ich aus dem Sack meines Gehirns, was vor-her, wie gesagt, hinein gesammelt ist. Darumkommt «s hernach auch ziemlich schnell aufs Papier, denn es lsi, wie gesagt, eigentlich schon fertig, und wird auch selten viel anders, als es vorher im Kopf gewesen ist. Darum kann ich miä) auch beym Schreiben stören lassen , und mag um mich herum Mancherley vorgehen, ich schreibe doch; kann auch dabey plaudern, nähmlich von Hühnern und Gänsen, oder von Gretel und Bärbel u. dgl. — Wie nun aber über dem Arbeiten meine Sachen überhaupt eben die Gestalt oder Manier annehmen, 5aß sie Mozartisch sind, und nicht in der Manier eines Andern, das wird halt eben so zugehen, wie daß meine Nase eben so groß und herausgebogen, daß üe Mozartisch und nicht wie bey andern Leuten geworden ist. Denn ich lege eS nicht auf die Besonderheit an, wüßte die meine auch nicht einmahl naher zu beschreiben; eö ist ja aber wohl bloß natürlich, daß die Leute, die wirklich ein Aufsehen haben, auch verschieden von einander aussehen, wie von außen, so von innen. Wenigstens weiß ich, daß ich mir das Eine so wenig als das Andere gegeben habe. Damit lassen Sie mich aus für immer und ?w,q, bester Freund, und glauben Sie ja nicht, dasi ich aus andern Ursachen abbreche, als weil ich nichls weirer ' weiß. Sie, ein Gelehrter, bilden sich nicht ein, wie sauer mir schon das geworden ist. Andern Leuten würde ich gar nicht geantwortet haben, sondern gedacht: ÜVIlit» 5l^li, bu5c!ii ()uillc, 15<5clie mnill^c: !^l:>vinA! In Dresden ist es mir nicht besonders gegangen. Sie glauben da, sie hätten noch alles Gute, weil sie r>or Zeiten Manches Gute gehabt haben. Ein Paar gute Leutchen abgerechnet, wußte man von nur kaum was, außer daß ich in Paris ui'.d London in der Kiodert^pp« Concert gespielt habe. Die Oper hab' ich nicht gehört, da der Hof im Sommer auf dem Lande ist. In der Kirche ließ mich N a u m a n n eine seiner Messen hören ; sie war schön, rein geführt und breit; aber wie ihr (^. spricht: „e bißle kühüg" etwa wie Hasse, aber ohne Hasscns Feuer und mit neuerer l^autilciiÄ. Ich h.,be den Herrn viel vorgespielt, aber warm konnt' ich ih>ien nicht machen, und außer n'>5clli >va5cl,i haben sie mir kein Wort gesagt. Sie bathen mich auch Orgel zu spielen. Es sind über die Maßen herrliche Instrumente da. Ich sagte, wie es wahr ist ' ich sey auf der Orgel wenig geübt, ging aber doch mil ihnen zur Kirche. Da zeigte es sich, daß sie einen andern fremden Künstler in ?ctw hatten, dessen Instrument aber die Org«l war, und der mich todt spielen sollte. Ich kannte ihn nicht gleich, und er spielte sehr gut, aber oyne viel Originelles und Fantasie. Da legte ich's auf diesen, und nahm mich tüchtig zusammen. Hernach beschloß ich mit einer Doppelfuge, ganz streng und langsam gespielt, damit ich auskam, und sie mir auch genau durch alle Stim-, men folgen konnten. Da war's aus. Der Häßler aber (das war der Fremde, er hat-gute Sachen indes Hamburger Bach Manier geschroben) der war der treuherzigste von allen, obgleich ich's eigentlich ihm versetzt hatte. Er sprang vor Freuden herum, und wollte mich immer küssen. Dann lief; er sich's bey mir im Gasthaus wohl seyn ; die Andern debrecirten aber, als ich sie freundlich ball), »vorauf der muntere Haßler nichts sagte als: Tausendsapperment! Hier, bester Freund und Gönner, ist das Blatt bald voll, dic Flasche ihres Weins, die heute reichen muß, bald leer; ich habe aber seit dem Anhaltungsbrief um meine Frau beym Schwiegerpava kaum einen so ungeheuer langen Brief geschrieben. Nichts vor ungut! Ich muß im Reden und Schreiben bleiben wie ich bin, oder das Maul halten und die Feder wegwerfen. Mein letztes Wort soll seyn: Mein allerbester Freund!? M-halten Sie mich lieb. O Gott! könnte ich Ihnen doch nur einmahl eine Freude machen, wie Sie mir gemacht! Nun ich klinge mit mir selbst an : Vivat mein Guter, Treuer!--------------Amen. Hans Sachs. Der berühmte Nürnberger Meistersinger, Hans Sachs, dichtete und schrieb, ohne sein Schuster.Hand-lverk aufzugeben, eine solche Anzahl von mancherley Geistes- und Reim-Werken, daß außer ihm und dem Spanier Lope de Vega kein Sterblicher, so viel man weiß, einen ähnlichen Vorrath von eignen Versen zu Papiere gebracht hat. Hans SachK überließ feine ungezählten Gedichte und Traumereyen ihrem Schicksale, bis er endlich im vier und siebzigsten Jahre seines Lebens anfing, von seinem poetischen Verrathe ein Inventarium zumachen, und dasjenige, was ihm des AufbewahrenS werth schien, in eine Sammlung zu bringen. Da fand er denn, laut seinem eigenen Be-. richte, in vier und dreyßig Büchern oder Bänden, die «r mit eigner Hand vollgeschrieben, an Meistergesan« gen, die er selbst verfertigt hatte, nicht weniger, als viertausend und zweyhundert; ferner an Comodien und Tragödien, zweyhundert und acht; an Schwankens Fabeln und andern Gedichten mancherley Art, tausend ' und siebenhundert; außerdem noch in verschiedenen Scü« cken in Prosa und in Versen, geistlichen Liedern, Kriegs« ., liedern, Gassenhauern, verliebien oder Buhl,Liedern, '' wie er sie nannte, drey und siebenzig; zusammen sechs- > tausend und acht und vierzig Stück kleinere und gro« " ßere Producte seines Geistes oder Fleißes, die meisten ' in Versen verfäßt: Was er von diesem Verrathe, mit ^ Ausschluß des lyrischen Theils, für die Nachwelt och- ^ nen wollle, brachte er in fünf Bücher. Die erste ' Ausgabe dieser von Hans Sachs selbst geordneten Auswahl seiner Gedichte erschien in drey Foliobanden vom Jahre »556 bis i56i. Diese Sammlung wurde'' schon im Jahre 1570, mit vielen „euen Stücken ver- ^ mehrt, wieder aufgelegt. So sah HanS Sachz noch in seinem hohen Alter das Denkmahl seinesRuhms von 'dem demschen Publicum mit unbezweifelbarer Liebe be. günstige Als er über achtzig Jahre alt war, verließen ihn,'seine Sinne und seine Geisteskräfte; doch blieb er bis an seinen Tod seiner selbst mächtig. Er starb, als > Dichter bewundert, und als Mensch ehrwürdig, sim Jahre 15.76. ' ' Verschiedene Art zu serviren. Man servirt in Paris ^ la l>anca!3c>,, ^I'ünZIaiZ«; und ä Ia !-li58c. Bey ersterer Art legt die Wirthinn vor und der Domestik bringt jedem nahmhaft gemachten Gast seine Portion; ?l I'anglaize zerlegt die Wir» thinn, gibt aber dann die Schüssel herum; ?l I2 i-uszo werden dieSpcisen zerihellt aufgen-agen, lmd derDie-ner geht mit jeder Schüssel umher. So ist es auch mit dem Wein: Auf Französisch schickt man jedes einzelne Glas Wein ab; auf Englisch hat man mehrere Flaschen vor sich und bedient sich selbst; auf Russisch macht ein Domestik die Nunde und schenkt ein. Gedruckt bey Ignaz Aloys Edlen von Kleinmayr.