Geschichte d e s Herzogthums Steiermark. —»—. Von weiland Stiftskapitular zu Admont, wirklichem Mitgliede der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien und k. k. ö. o. Professor an der Universität zu Gratz. Fünfter Th eil. Grätz, 1850. Bei Damian und Sorge. 2.. kt f PAUL PIR10H PET J A U. seiner kaiserkiHen ^aheil dem durchlauchtigsten Herrn Herrn Johann Baptist, Kaiserlichem Prinzen um- Erzherzoge von Oesterreich, königi. Prinzen von Ungarn und Döhmcn &(. &c.; Ritter des goldenen Vließes, Großkreuze des militärischen Marien-Theresien- und des kaiserlich-österreichischen Leopold-Ordens, Ritter des kaiserlich russischen St. Andreas-, St. Alexander- New sky-, des weißen Adler- und St. Annen-Ordens 1. Classe, des königlich preussischen schwarzen und rothen Adle r-Ordens; Großkreuze des königlich bayerischen Hausordens des h. Hubertus und des königlich würtembergischen Militär-Ver-dienst-Ordens; Ritter des königlich sächsischen Ordens der Rautenkrone und des gr oßherzoglich badenschen Ordens der Treue; Großkreuze des königlich niederländischen LLwen-Ordens, des großherzoglich hessenschen Ludwig-, des herzoglich sächsischen Ernestinischen Haus-Ordens und des königlich griechischen Ordens des Erlösers; k. k. General-Fe ldma rschall, Inhaber des Dragoner-Regimentes Nr. 1, dann Chef des Sappeur-Gre-n a di e r - B ataillon im kaiserlich russischen Genie-Corps und des königlich preussischen 16. Infanterie-Regimentes, fürstlichen Gönner der Steiermark, dem erhabenen Kenner ihrer Geschichte Vorwort. Die ersten Bogen des Manuscriptes zu dem vorliegenden V. Bande der Geschichte des Herzogthums Steiermark waren eben in die Druckerei gegeben, als der nunmehr verewigte Herr Verfasser von schwerer Krankheit befallen wurde, deren tödtlicher Verlauf der Wissenschaft einen nicht geringen Verlust zufügte. Wenige Tage vor seinem Tode beauftragte er, aus der tiefen Nacht, in welcher heftiges Delirium seinen sonst so hellen Geist gefangen hielt, erwachend, den Unterzeichneten mit der Herausgabe dieses Bandes, und übergab ihm die massenhaften Vorarbeiten für die Fortsetzung des begonnenen Werkes mit der dringlichen Bitte, die gewiß eben so werth- als mühevollen Früchte jahrelang fortgesetzten Sammeleifers nicht der Vergessenheit zu überliefern, sondern sie nach Kräften zu ordnen und zu publiziren. Diesem letzten Wunsche seines dahingeschiedenen Lehrers wird der Unterzeichnete zu genügen streben durch rasche Herausgabe des für dieses Geschichtswerk nachgelassenen Materials, das bei Beobachtung der möglichsten mit den Anforderungen an die Gediegenheit der Arbeit nur immer verträglichen Kürze jedenfalls noch 3 starke Bände liefern wird. Grätz am 25. März 1850. Engelbert Prangner. unter den Wabenbergischen Herzogen, und bis zum Eintritte der Fürsten aus dem Hause Habsburg vom Jahre 1192 bis 1283 nach Christi Geburt. Gesch. 6. Steiermark. — V. 566. 1 «MßMrtz. üWm, d«W£ : / ' " äiC 4iiii i r.uMfii:: irn. ■. ■' - ^ '< -. h. ■ - .1«SM li'h'ld’ .-*1 ,,! Sit; i ! ;v.r.- , ' - . ' 1 ■ > - ' i .V ■tl 1 - ,ii- m 1«! i .- Stele rmark unter den Babenbergischen Herzogen. J. 1192 — 1246 n. Ehr. Nachdem der letzte Traungauer, Herzog Ottokar 6uroi8“9|- Sfln0, VIII., am 8. Mai 1192 gestorben und die feierliche m Belehnung mit Steiermark auf dem Hoftage in Worms vollbracht war (24. Mai 1192), hatte Herzog Leopold der Tugendhafte einen allgemeinen Huldigungstag ausgeschrieben. Alle Hocheölen, alle herzoglichen Ministerialen, die Stände der Edeln und die angesehensten Freien waren in Grätz versammelt; und von Fremden umgaben den Herzog neben den österreichischen Getreuen und Ministerialen, Dietrich Graf von Wasserburg, Gero und Wilhelm Grafen von Heunburg, Albrecht von Weichselberg, Otto Landgraf von Steveningen, Konrad von Schaumberg, Wernher von Griesbach, Otto von Donncrsberg, Heinrich von Straßhofen u. v. a. ’). Da empfing er die Huldigung der Stände des Herzogthums, der Ministerialen und aller landesfürstlichen Vasallen und Dienstleute, hielt mit ihnen vereinten Rath für die Wohlfahrt des Landes, ertheilte und bestätigte alle bisherigen landesfürstlichen Lehen und bekräftigte auch die alten Handvestcn einzelner Ortschaften, vorzüglich der Stadt Grätz, mit neuen Diplomen Dann ließ er nach Sitte der Zeiten den vereinigten Wappenschild von Oesterreich und Steier an einem Sperre auf offenem Platze vorder Pfarrkirche zu St. Egyöen aufrichten und hielt unter freiem Himmel seine erste Mallstatt, oder das erste offene allgemeine Ge- 1) Von diesem Hostage und von der Huldigung erwähnen ausdrücklich die Urkunden: Dipl. Styr. I. 171 — 172. für Seckau; u. Monum. Boic. XXIX. II. p. 47 —48. für Gleink: „Ipso vero (Otakaro Duee Styriae) corpore exempto cum nobis omnia gubernanda provenissent, apud Graece ministerialium nostrorum magnum conventum convocavimus.“ — Cod. S. Pauli p. 80.: „cum curiam apud Grez celebrasset.“ — Ibidem: „Apud Grece magnum ministerialium nostrorum conventum convocavimus , illic de nostris rebus ac provinciae salute sanier,' c on sili o aliquid tractaturi.“ — Hantlial. I. 442. 2) Wartinger, Privilegien von Grätz. 4 Steiermark unter den Babenbergischen richt im Lande zu Steier '). Da trat der achtzigjährige Propst Wernher von Seckau mit dem Stiftsöechante Gerold bittend vor ihn und erhielt die Bestätigung aller Spenden, welche Herzog Ottokar VIII. in seinem Testamente mit der Villa Waltenöorf, mit Grund und Boden daselbst bis an die Pols hin, und mit der Judenburgeralpe dem Stifte gemacht hatte und die feierliche Ueber-nahme des Vogtenamtes * 2). Auch dem bajoarischen Stifte Formbach sicherte der Herzog in einer Urkunde den Besitz des Gutes zu Wartmanstätten zu, so wie es Herzog Ottokar in seinen letzten Lebenslagen demselben von allen Gerichts- und Vogteirechten befreit, geschenkt hatte, und ließ die Urkunde siegeln vor den Zeugen: Hartnid von Ort, Herrand von Wildon, Otto von Krems, Ottaker von Graze, Ulrich von Stubenberg, Rudoph von Stadeck, Erchinger von Landesere, Gerhard von Krumbach u. v. a. Der Abt von St. Paul im Lavantthale brachte zum Geschenke ein stattliches Streitroß, und der Herzog verhalf ihm wieder zum Besitze eines dem Stifte lange entfremdeten Gutes zu Zellnitz (Villam Zellnz) 3). *eMufse?« Nach diesem Landtage in Grätz eilte Herzog OrtÄurg' Leopold, begleitet von vielen Landesedlen, nach Stadt Steier, um auch dort Ottokar's letztwillige Anordnungen in Vollzug zu bringen und allen neuererbten Alloden und Hörigen Gericht und Recht zu thun. Als er dort dem Stifte Gleink für einige von Ottokar geschenkten Güter die Kirche in Dietach sammt Dotation und allen Rechten übergab und die Urkunde siegelte, umgaben ihn als Zeugen: Wernhard von Schön-berch, Hartnid von Ort, Wülfing von Kapfenberg, Herranö von Wildon, Gundaker von Steier, Hartnid von Owenstein, Rudolph von Stadeck, Otto und Ottokar von Graeze, Pillung von Pern-stein u. a. nt. 4). Um diese Zeit waren zwischen den Grafen Al- *) Chron. Admont. Zwettl. Reichersp. Vatzonis. Anno 1192, 2) Johanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. I. 171 — 172: „Quia post obitum divae memoriae dilecti cognati nostri, Ducis Otacheri, Ducatum Sty-riae administrandum suscepimus, nos in placito nostro Graece primum habito.“ 3D Cod. 8. Pauli, p. 80: „Palafridum 8. Marcis comparatum illi prae-sentavimus,“ 4) Monum. Boic. XXIX. II. 47—48: Acta sunt Iiaec anno Domini 1192. Indict. X Data apud Styriam. Non. April (?), Herzogen. Z. 1192 — 1246 n. Ehr. 5 bert von Bogen, und Napoto und Heinrich von Ortenburg blutige Fehden entbrannt, wobei gegenseitig die Alloöe in Kärnten und Salzburg verwüstet und die Hörigen erschlagen wurden. Diese Irrungen vermochte eine nach Lauffen berufene Versammlung von Fürsten und Edlen auf gütlichem Wege nicht zu beende» (I. 1191); der Krieg begann wieder so heftig, daß auch Herzog Leopold mit seinen Bewaffneten ausziehcn mußte. Seinen Waffen erlagen die Grafen von Ortenburg; und die Achterklärung des Grafen Alberts von Bogen und seines Schwagers, Britnislaus von Böhmen, am 6. Derember 1192 auf dem Fürstentage zu Regensburg nach dem strengen Urtheilspruche des Kaisers Heinrich VI. beruhigte die Länder wieder ')• Während dieser Ereignisse hatte sich zwischen @(rci1/^itol,l, dem Stifte Admont und dem Hochstifte Salzburg Sauvu^q uns uv-Streit über Rechte bei den Bauten auf Silber und auf andere Erze, so wie über das Bcrggericht, dessen Erträgnisse an Wehrgelöern, über die Rechte auf Frohngebühr von den gewonnenen Erzen an den Bergen Zezzen, Zozzen, Kosin und Rettin innerhalb der Pfarrgränzen von Guttaring in Kärnten, insbesondere über Spitzrecht, Garrenrecht, Hutschicht und über das Schmelzrecht entspannen. Die Ansprüche der Ad-montischen Leute auf diese Rechte ließ Erzbischof Adalbert Hl. auf einer großen Versammlung in Friesach untersuchen, vor den Pröpsten: Dompropst Berthold von Salzburg, Wernher von Berchtesgaden, Konrad von St. Zeno; und vor den Landesedlen: Siboto von Surberg, Otto von Königsberg, Otto von Goldeck, Otto und Eckhard von Leibnitz, Otto von Landsberg, Albert von Risberg, Liutolö von Eichheim, Marquarü von Vagir, Pabo von Jun (Jaun). Ludwig von Kapfenstein, Konrad von Zeizberg, Albero von Einöü, Albero von Schergenberg, Konrad von Riute, Otto von Tiefenbach u. v. a. Dem Stifte Abmont wurde das Recht zuerkannt, darauf der Schiedspruch zu Schrift gebracht und von dem Erzbischöfe auch noch die Bestätigung aller Zehenten zu Gam-nar und Obdach nach dem Inhalte der Prioilegienbriefe der Erzbischöfe Konrad I. und Eberhard I. beigefügt, die Urkunde in der ») Chron. Reichersberg. 1191. 1193, — Cliron. Altahens. anno 1193. — Chron. Mellicens. 1185. 6 Steiermark unter den Babenbergischen Versammlung abgelesen, jedoch erst auf der Veste zu Hallburg mit dem Siegel gefertigt '). »tiefefürmmont. Diesem Friedens- und Spendebriefe folgt im nächsten Jahre (6. Mai 1194) ein Gnadendiplom K. Heinrich's VI., worin dieser, wie sein großer Vater, dem Stifte Admont die Regalrechte auf Salze und jede Art Metalle, aus den eigenen stiftischen Alloden frei und ungehindert aufzuschließen und zu bearbeiten, mit kaiserlichem Jnsiegel bekräftigte 1 2). Weiters empfahl gleichzeitig dieser Kaiser auch dem Metropoliten zu Salzburg die kräftigste Beschützung des Stiftes Admont 3). Zu dieser Zeit erweiterte Admont seine Besitzungen und andere Rechte durch die großmüthigen Spenden der Edelfrau Diemut, Gemahlin des Stadthauptmannes von Salzburg Meingoz, des Siboto von Sur-berg und eines Rittermannes, Ulrich, mit zinsbaren Hörigen, mit zwei Höfen am Flusse Sur zu Weng, zu Lutir, Wanharöstein und zu Minzebruke .im Salzburgergebiete 4). Im Jahre 1192 lös'te das Stift St. Paul einige Lehengüter zu Hohenrain (in alta ripa) um 3, und ouf dem Remschnigg (Reinisnik) um 60 Silbermarken und ein stattliches Reitpferd wieder an sich von Reim-bert von Mureck 5j. »oueitsung Der 3« Laufe des Jahres 1194 ist die Karthäu-Karthause in @eij. sxxkipchx ju Seiz im Johannisthalk vollendet worden. Die feierliche Einweihung derselben vollbrachte Gottfried, der Patriarch von Aguileja, in Anwesenheit vieler Hocheölen geistlichen und weltlichen Standes, des Bischofs Poppo, Ortolph's, Ot-tvkar's und Leupold's von Gonowitz, Gerold's von Ribinz, Konrad's 1) Admcnterurkunde Z. 2: „Acta sunt haec in Castro nostro Hallburch, anno 1193. „Coram his omnibus praesens pagina Frisaci primum fuit recitata et eorum de consensu in Halburc sigillo nostro confirmata,“ — Saalbuch, III. 148 — 150. — Hansiz, II. 306 und corolar. p. 953. *) Archlvsurkunde Z. 1 : „privilegium monasterio Admontensi super aqua salaria et metallo invento vel inveniendo in praediis suis ratum habe-mus et praesenti pagina confirmamus.“ 3) Chron. noviss. S. Petri, p. 249. — Pez, Anecdot. VI. P. II. 4t. *) Saalbücher II. 268. IV. 233: „Testes accesserunt: Hartnit de Ruc-kerspurc, Ezil de Hengist.“ p. 299: „Sub tali conditione, ut videlicet anniversarius dies ejusdem matronae de redditibus ejusdem prae-dii perpetim agaturj ita ut congregationi pane meliori, piscibus et vino ilia die ministretur.“ p. 298» 5) Cod. S. Pauli, p. 78. 7 Herzogen. Z. 1192—1246 n. Chr. von der Mark u. v. a. Zugleich hatten Rudolph von Rasia und dessen Gemahlin Hiltrude dem heil. Johannes zu Sei; eine Spende von zwei Villen auf der Pettauer Ebene, nahe bei der Stadt Pettau selbst, Candin genannt, geopfert, und die anwesenden Edlen zu Zeugen ihrer frommen Gabe gebeten '). Herzog Leopold der Tugendhafte hatte für das 6,£e4^4eei:iru: Jahr 1195 abermals einen Zug nach Palästina im in Sinne. Im December 1194 begab er sich zu diesem Ende nach Grätz, wohin er feine Getreuen, die Ministerialen und alle Landesedeln, welche an dieser Fahrt Theil zu nehmen gedachten, beschieden hatte. Bereits war König Richard Läwenherz seit dem 2. Februar 1194 wieder auf freien Fuß gesetzt und nach England zurülkgekehrt. An seinem Geschicke einer langen und harten Kerkerhaft hatte ganz Europa Theil genommen. Eleonore, Richard's Mutter, brachte den lange widerstrebenden Papst, Cölestin m, dahin, daß er die unwürdige Behandlung eines Königs und Kreuzfahrers höchlich mißbilligte und unter Bannesörohung die Auslieferung der Geißeln und die Rückstellung aller Lösegelöer von dem Kaiser und dem Herzoge von Oesterreich forderte. Herzog Leopold weigerte sich dessen standhaft; ja, er schwur sogar allen Geißeln sicheren Tod, wenn nicht König Richard's Nichte, Eleonore von Bretagne, als die seinem Sohne Friedrich vertragmäßig verlobte Braut herausgegeben würde, (was auch am 24. December 1194 wirklich geschehen ist) 1 2). Dadurch war H. Leopold, ja alles Land Oesterreich und Steier verfallen dem päpstlichen Bannsiuche und Jnterdicte; welche jedoch, des päpstlichen Befehles ungeachtet, weder durch den Bischof Adelhard von Verona, noch durch den Salzburger Metropoliten, Aüelbert III., förmlich ausgesprochen und verkündiget worden sind 3). Indessen blieb un-widerrusen der von dem Oberhaupte der Christenheit ausgesprochene Kirchenfluch. Nun traf den edlen Herzog das Mißgeschick, daß er am St. Stephanstage in Grätz Turnierens pflegen wollte , beim Anbeginne des ritterlichen Kampfspieles aber auf eisigem Boden mit dem Pferde in schwerer Rüstung stürzte und sich einen 1) Dipl. Styr. II. 84 — 85. 2) Hanthal, I. 444 — 470. — Chron. Admont, anno 1104: „Coelcstinus Papa Liupoldum Ducem cum omni tena sub interdicto anathcmatis posuit.“ Hanthal. 1. 471 - 473. 8 Steiermark unter den Vabenbergischen Schenkel zersplitterte. Die Unkunde der herbeigerufenen Aerzte wußte weder für die unsäglichen Schmerzen Milderung, noch Rettung des wirklich bedrohten Lebens zu schaffen. Das zersplitterte Bein mußte abgenommen werden 1 2). In peinigender Angst, daß der Kirche Bannfluch auf ihm laste, fühlte der hohe Kranke seine letzte Stunde herannahen. Ulrich, Pfarrer zu Hartberg, stand am Krankenlager mit ermunterndem Trostworte der Religion. Der sterbende Herzog gab die Versicherung, alle englischen Geißeln so. gleich ledig zu lassen und die für König Richard's Loslassung erhaltenen Geldsummen wieder zu erstatten. Der Sohn, H. Friedrich, erhielt die gemessensten Aufträge dazu. Darauf sprach der Pfarrer Ulrich feierliche Lossprechung vom Kirchenbanne aus. Auf des alten Herzog's Wunsch war auch Erzbischof Adalbert Hl. (von Leibnitz wahrscheinlich) herbeigeeilt, erhielt dieselben Versicherungen und bestätigte die Banneslösung “). In den Armen seines Sohnes Friedrich und in das geweihte Kleid des Cisterzienseroröens gehüllt, gab hieraus Leopold mit beruhigtem Herzen am 31. December 1194 seinen Geist auf, und ward sogleich in das österreichische Stift Heil. Kreuz zur Grabesruhe gebracht 3 * *). Resch»sb°r"g' ü" r Die zuverlässige Reichersbergerchronik erzählt 6$«Ä!fun69.u' dieses traurige Begebniß mit folgender Darstellung: „In demselben Jahre 1195 ist der sehr mächtige »Fürst dieser Länder, Liupolü Herzog von Oesterreich, gestorben. Append. Chron. Otto». Frising. 1195: „Leopoldus Dux orientalis, nato apostemate in crure, ipsoque crure propter intoleraMlem dolorem prae-ciso, ingraveseente dolore vitani cnm dolore terminavit.“ 2) Bericht des Erzbischofs Adalbert III. an Papst Cölestin. — Hansiz II. — Coroll. p. 950 — 956. 3) Append. Chron. Otton. Frising. anno 1195. cap. 41. — Chron. Admont. 1194. — Anonym. Leob. et Chron. Zwetl. 1193. — Chron. Neo- burg. et Vatzonis 1193. — Chron. Mellicens. Austriac, et Bern. No- ric. 1195.— be! pez, I. — Chron. Garst. Cremif. Claustroneob. Oster-hov. Austriac, bei Rauch I. II., Ortilo bei Hanthal. I. 1195 p. 485. — In der Angabe des Todestages sind die Quellen verschieden. Necrol. Ad- mont: „Pridie Kal. Januar. Liupoldus ex Duce Monachus!“ — Es ist nicht unwahrscheinlich, daß H. Leopold einen großen Theil der englischen Lösegelder bereits zur Ausbesserung und Herstellung von Burgen und Städtemauern, besonders in Wien und Haimburg und zum Baue von Neustadt verwendet habe, wie dieses auch Ennenkl angibt; daß aber von diesem englischen Gelde unter anderen auch Friedberg in Steiermark gebaut und befestigt worden sey, ist Vermuthung späterer Schriftsteller: des Anonym. Leobiens., Pez. anno 1193. „De qua pecunia (Richardi regis) postea statim nova civitas et Friedberch sunt aedificatae et munitae et circnmvallatae ;‘i und Hasclbach's, Pez II. 712 und A. Caesar. Annal. Styr. II, p. 61 — 67. 9 Herzogen. J. 1192—1246 ti. Chr. "Denn eines Tages, als er die Zeit mit ritterlicher Uebung und »Turniren zubrachte, stürzte er aus göttlicher Zulassung mit dem „Pferde, brach sich den Fuß, und als dadurch der Schmerz zu-„nahiil und er an sein Ende gebracht wurde, hat er das Mönchs-»kleiö angelegt. Weil er aber vom Papste (Cölestin m. I. 1194) »mit dem Bannflüche belegt worden war, wegen des oben genann» »ten Königs von England, welchem er, nachdem er ihn auf der Wan-»derschaft gefangen genommen, eine unermeßliche Geldsumme »abgepreßt hatte, nämlich zwei Tausend Mark: fo sendete er eilends »imö ließ den Erzbischof Adalbert von Salzburg herbeirufen, auf »daß er einigermaßen, wenngleich spät, wieder gesühnt werden möchte. »Dieser Mann nahm den Reuevollen auf und sprach ihn vom Banne «los, unter der Bedingung jedoch, daß er die Geißeln des Königs „und das noch übrige Geld sogleich zurückstellen sollte. Was auch »geschehen ist. Und endete er also in größter Zerknirschung sein »Leben. Aus dieser Veranlassung sendete Erzbischof Adalbert Ab-»gevrdnete an den Papst mit folgendem Schreiben: »Da Liupold, weiland Herzog von Oesterreich, um Chri, »sti Geburt feierlich zu begehen, in die Gegenden seines Her-„zogthums Steiermark gekommen war: so ereignete es sich, »daß er am Tage des heiligen Stephanus sich mit anderen Edeln „auf das Feld begab, und üortj mit Uebung und ritterlichem „Spiele die Zeit zubrachte. Wie er nun so in vollem Vergnügen ..und nach menschlichem Wahne in der Fülle seines Glanzes war, »stürzte er plötzlich mit dem Pferde nieder und brach sich den »Fuß in Mitte des Schenkels solchergestalten, daß er sich nach-„her den Schenkel in der Mitte mit dem Fuße abnehmen lassen „mußte. Dadurch auf weiteres Leben verzweifelnd, berief er einen «der ansehnlicheren damals anwesenden Priester, nämlich den Pfar-„rer Ulrich von Hartberg, und offenbarte öffentlich in größter „Demuth und Herzenszerknirschung, daß er von Euch mit dem „Bannflüche belegt sei, verlangte die Lossprechung, den Genuß »der Wegzehrung und gelobte Besserung des Begangenen und »die erforderliche Genugthuung. Der Priester, sehenh, daß der „Leidende sich im letzten 'Augenblicke des Lebens befinde, willfuhr „seinen gerechten Forderungen, nachdem er jedoch früher den Eid-„schwur empfangen, daß der Herzog, wenn er die Gesundheit „wieder erlangen würde, ohne List und Trug sich dem apostoli-„schen Urtheile und Befehle stellen werde. Nachher aber, da wir „uns in derselben Nähe, ungefähr zwei Posten nur entfernt be- 10 Steiermark unter den Babenbergischen „fanden, berief er auch uns durch wiederholte Boten zu sich, und „in größter Zerknirschung und Gottesfurcht, und mit Thränen zu „unseren Füßen hat er sich zur Lossprechung von einem Bann-„fluche, durch dessen Bewußtsein er im Innern ungemein gefol-»tert wurde, und weil mit Eurer Heiligkeit selbst schleunig zu "verhandeln nicht gestattet war, unserer Macht, an Eurer Statt, „gänzlich unterworfen. In Anbetracht nun seiner Ergebenheit, und „um die schuldige Ehrerbietung gegen den römischen Stuhl zu be-„wahren, haben wir das vorzüglich erwählt, daß er uns auf die „Hand gelobend, was nach Uebung und Gewohnheit unseres Lan-»des sieben Eidschwüren gleichkommt, versprechen sollte, daß er, „wenn er am Leben erhalten werde, ohne alle List und Trug, in „Allem und Jedem, weswegen er von Euch mit dem Banne be. „legt zu werden verdient hat, gehorsam sich bezeigen, uud alles „Uebrige, so wie er es vor dem Priester allein beschworen hatte, er-»süllen sollte. Ueberöieß haben wir ihn auch in Eurem Namen „verpflichtet, daß er den König von England des Schwures ent-"laste, die Geißeln desselben Königs, welche er noch für 21.000 „Marken in seiner Haft habe, ledig lasse, und 4000 Marken, „welche er gestand, von dem Gelüe des Königs von England noch „im Besitze zu haben, zurückstelle, für die übrige Geldsumme aber, „welche er bereits verwendet hat, nach Eurem Belieben und Be-„fehle Genugthuung und Ersatz leiste. Alles dieses hat der Gott-«ergebene, wie ich gesagt habe, versprochen zu erfüllen, und hat „seinen zugleich anwesenden Sohn Friedrich als Schuldigen an „seiner Statt, wenn er sterben sollte, gestellet, welcher auch in „unsere Hand dieses Alles gelobt hat. Nachdem dieß ord-»nungsmäßig vollzogen war, haben wir ihn in Gewalt des all-„mächtigen Gottes und Eurer vom Banne losgesprochen, der "Gemeinschaft der Kirche wiedergegeben, indem wir ihn zugleich „mit dem Oele der Kranken salbten, und ihm den Genuß des „Fleisches und Blutes unseres Herrn ertheilten. Wie er aber „fühlte, daß er rettungslos verloren sei, auf daß er nicht in Ver-„zweiflung an das ewige Heil verfalle, haben wir ihm die Ver-„sicherung gegeben, daß wir Gott und Euch für seine Seele Re-„chenschaft geben wollten, und so haben wir uns von ihm entfernt „in höchster Verwunderung, wie des Bannfluches Ausspruch durch „Euch über einen so erhabenen Mann ergangen, vor Uns ver-„heimlicht worden, und uns weder durch einen Gesandten, noch „auch durch Euer Schreiben in der Zwischenzeit mitgetheilt worden Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. 11 „fey; und um die Wahrheit zu gestehen, als wir dieses zwar »durch das allgemeine Gerücht hörten, haben wir es dennoch, ohne »von Euch eine schriftliche Mittheilung zu erhalten, nicht glauben „können. Jedoch auf daß in einem so großen Geschäfte nichts Er-„foröerliches unterlassen werde, weil wir vernommen hatten, daß »auch dessen Sohn Friedrich sich zum Theile anders gesinnt, und „schwankend in seinem heiligen Versprechen bezeige: so haben mir «zur überfließenden Vorsicht unseren Abgeordneten mit dem Leich-»name in das Stift H. Kreuz in Oesterreich, wo er von dem »Bischöfe von Passau beigesetzt werden sollte, abgesendet, und wenn „nicht der Sohn durch größereVorsicht gebunden würde, die kirch-«liche Bestattung demselben verweigert, und das ganze Land un-»ter das Interdikt stellen lassen. Der Bischof von Passau hat „daher die in unserer Gegenwart von dem Sohne gegebene Zusage »wiederum erneuern lassen, und hat zwölf der Vordersten von „ganz Oesterreich durch eine gleiche Zusage verbunden, und sodann »den Leichnam kirchlich bestattet. Haben wir nun irgend eines des »Gebührenden etwa unterlassen: so wolle uns Eure Güte, da wir »in solcher Eile nichts Besseres zu thun wußten, verzeihen, und »waS wir noch darüber zu thun verpflichtet sind, uns befehlen, »und wir werden Gehorsam leisten I>« Darauf erhielt der Erzbischof folgende Antwort: »Cölestin, Bischof, Diener der Diener Gottes, dem ehrwür-»digen Bruder Adalbert, Erzbischof zu Salzburg, Gruß und apo-»stolischen Segen! Je größere Gewalt uns und dir von dem „Schöpfer Aller ist verliehen worden, und durch Anordnung des »Herrn je Mehreren wir vorgesetzt sind, welche aus unseren »Handlungen ein Beispiel nehmen: um so mehr müssen wir auch „besorgt sein, uns in dem übernommenen Verwaltungsamte so zu »bewähren, daß wir die uns untergebenen Völker durch Wort »und That zugleich unterweisen, und die uns anvertrauten Talente »verdoppeln und verdreifachen können. Denn nach dem Zeugnisse »der heiligen Schrift wird man kräftiger und ausdrücklich erinnert, »daß, da die Geschenke erhöht werden, auch die Rechenschaft über »dieselben wachse; demjenigen, welchem mehr zugetheilt wird, von „dem, lesen wir, sei auch mehr zu fordern. Uebrigens da deine »Person sowohl die erzbischöfliche Würde, als auch die Tiefe „der Wissenschaft vollendet auszeichnet, daß du in denselben ge- l) Citron. Reichersp. Anno 1195.. 12 Steiermark unter deu Babenbergischen „treu bewährt, über Vieles vom Herrn gesetzt zu werden ver-»dienft: so sollst du mit allen Kräften arbeiten, und die der "Kirche ergebenen Söhne, welche deiner Macht übergeben sind, --so beschützen und vertheidigen, daß du die Hartnäckigen und Wi-»derspenstigen gegen den apostolischen Stuhl und die kirchliche --Zucht kräftigst bekämpfest. Gar hoch empfehlen wir daher deiner „Brüderlichkeit, daß du dich beim Tode Leopolds, weiland Her-„zogs von Oesterreich, dessen Ende und Hartnäckigkeit die Ohren »aller dem christlichen Namen untergebenen Gläubigen beleidiget, »der Schuldigkeit deines oberhirtlichen Amtes auch so bewährt »hast; da du, um über seine Vergehungen Genugthuung zu lei-»sten, und die Geldsumme, welche er für die Loslassung des er-,,tauchten Königs von England schlechterweise empfangen hatte, "zurückzustellen, seinen Sohn, weil für das Leben des Vaters keine »Hoffnung mehr übrig war, mit den Höhergestellten seines Lan-»des, unter Verweigerung einer kirchlichen Bestattung zum Eiü-"schwure zwangest, für Alles Vorbesagte die vollste Genugthuung »zu leisten. Weil nun das, was von dir vernünftig vollbracht „worden ist, auch uns und den Brüdern vollkommen gefällig und »genehm ist, und wir dasselbe auf keinerlei Weise widerrufen werden „wollen: so befehlen wir dir durch den apostolischen Erlaß, daß "du den genannten Friedrich, seinen Sohn, seinen Eidschwur zu „halten, und wenn er Etwas von Jenem, worauf er gemäß des „Eiüschwures zu verzichten gehalten ist, zurückbehalten hat, nach-„drücklicher ermahnest und verhaltest, dasselbe ohne Minderung „zurückzustellen, und wenn es nöthig sein sollte, ihn auch durch „kirchliche Strafe,, ohne weitere Appellation, treibest. Gegeben im „Lateran, am 22. März, unseres Pontifikates im vierten Jahre.» Wie sehr der frühe und plötzliche Verlust deö Herzogs in seinen Ländern bedauert wurde, versichert Enncnkel: »Do wart er si ch erlei chen von Armen und vonNeichen geklayt also sere, daz solcher Klag nymere wert geschehen werleichen von Arm vnd von Reichen *)." Die Regierung von Oesterreich und Steicr ging sogleich aus seinen ältesten Sohn, Friedrich den Katholischen, über; welcher seinen jüngeren Bruder, Leopold den Erlauchten, mit der Verwaltung der Steiermark betraut hat, ohne daß dadurch eine förmliche Theilung der Länder beabsichtigt worden, oder wirklich Bei Rauch I. p. 295 — 296, 376. 13 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. geschehen ist; rote dann auch in keiner geschichtlichen Quelle sich eine Andeutung auf eine getrennte, und jedem der herzoglichen Brüder absonderlich ertheilte Belehnung vorfinöet Nachdem der Erzbischof Adalbert Hl. die An-gelegenheiten am Stifte zu Gurk in Ordnung ge- in Neustadt, bracht und an die Stelle des, wegen Altersschwäche und Kränklichkeit abgetretenen Bischofes Dietrich, den Propst Wern-Her von Klosterneuburg als bischöflichen Stellvertreter für Kärnten und Steier eingesetzt hatte: eilte er zu einer Synodal-Versammlung nach Neustadt, auf welcher vom zahlreichen Clerus aus Steiermark auch erschienen waren, die Pfarrer: Heinrich von St. Marein, Ulrich von Hartberg, Leupold von Bogau, Kashoch von Gradwein, Bernhard von St. Ruprecht an der Raab, Heinrich von Grätz, der Abt Pilgrim von St. Peter, der kaiserliche Kapellan Reinhard, und viele edle Herren: Gerold von Zürch, Wolf von Flatt-fe, Heinrich von Gebeneichen, Ulrich von Kalheim, Albert von Grimmenstein, Leupold Wurmbrand von Stuppach. Von den Verhandlungen auf dieser Synode wissen wir jedoch nur soviel, daß ungeachtet der Protestation des Pfarrers zu Neunkirchen die Kirche St. Margareten zu Kerchofen zur selbstständigen Pfarre erhoben worden ist; weil sie von der Mutterkirche in Neunkirchen zu weit entlegen war und bei zunehmender Bevölkerung für die geistlichen Bedürfnisse der Gläubigen von dort aus nicht mehr gehörig gesorgt werden konnte. Den Herzog Leupold finden wir in diesem ^ iH Jahre in Marburg, umgeben von Herrand von Marburg, Wildon, Wülfing von Kapfenberg, Ulrich von Ortenberg, Ortolf von Gonobitz, Heinrich Pfarrer von Wil- l) Treffend sagt die Chronik von Mölk, Pez I. 1195: „Liupoldus Dux Austriae et Styriae apud Graece moritur II. Kal. Januarii; pro quo fitius ejus primogenitus Austriae proponitur, et frater ejus Liupoldus Styriae s ubstituitur.“ Die andern Chroniken haben hierüber weniger genaue Ausdrücke: Chron. Vatz. P. I.: „cui (Leopoldo) filii sui videlicet Fridericus et Leupoldus in Ducatum utriusque regionis succedunt.“ — Chron. Cremif. et Lambaccns. ap. Rauch. I.: „Ducatum Austriae filio suo seniori Friderico potestative dedit, Ducatus vero Styriae fratri suo Liupoldo obedit!“ Diesen schrieb Ennenkl im Fürstenbuche nach. Rauch I. p. 395. — So führt auch Herzog Friedrich in Urkunden des Jahres 1196 den Titel: „Fridericus Dux Austriae et StyriaeLeopold aber heißt 1.1195 nur: „Leupoldus divina gratia Dux Styrensis !“ — Pez, cod. diplom. II. 49. — Dipl. Styr. II. 75. — Hanthal, I. 489—491. 14 Steiermark unter den Babenbergischen don u. v. a. Er fertigte eine Bestätigungsurkunde für das Karthäuserstift im Johannesthale zu Seitz über die Zehenten in den Billen Rachis, Weöoai und Rogotz, welche sein Vater demselben als Seelgeräthe geschenkt hatte *)- Auch das Stift Rein gelangte in diesem Jahre zu Besitzungen zu Rettenberg im oberen Mur-thale, zwischen Judenburg und Knittelfeld, und zu Ratenbach durch Rudolf von Rase, dessen Gemahlin Hiltrude, und durch Gertru-öis von Rase, Mutterschwester Ulrichs von Stubenberg; welcher jedoch diese Güter dem Stifte vorenthaltcn, und erst im Jahre 1222 dem Abte zu Rein eingeantwortet hatte * 2). Von den Jahren 1195 und 1196 berichten fast alle Chroniken nicht nur von Oesterreich, Steiermark und Kärnten, sondern auch von Ungarn und ganz Deutschland Wasserüberschwemmungen, Mißernten, Feuersbrünstc, Seuchen, Heuschrcckenzüge und dergleichen Plagen von Ländern, Menschen und Vieh; so daß Viele im Wahne jener Zeiten geneigt waren, diese Ereignisse als Strafe Gottes für die unwürdige Behandlung des Königs Richard Löwenhcrz anzu-schcn 3). Von Steiermark wissen wir jedoch in diesem und im folgenden Jahre 1196 nur von verderblichen Heuschreckenzügen, welche gleich Wolkenmassen von Osten her das Land in der unteren Mark und um Leibnitz vorzüglich durchzogen und verheert haben 4). Zu Ende des Jahres 1195 hatte der Erzbischof Adalbert Hl. eine Synode nach Lauffen ausgeschrieben, zu welcher sich bis 16. November eingefunden hatten 5) die Pröpste: Gundakcr, Dompropst in Salzburg, Wernher von BerchtcSgadcn, Siboto von Kiemfte, Perchtold von Gars, Heinrich von Werde, Arbo von Dipl. Styr. II. 75.: „Actum apud Marchburch Anno 1195.“ 2) Reinerurkunden vom Jahre 1195. 3) Hanthal. I. p. 473. 484-488. Chron. Claustroneoburg. 1195.: „Autumnali tempore qtioddam genus locustarum IV. pennas Habens venit ab exteris regionibus per Unga-riam et Marchiam et Carnioliam vastans in circuitu omnia." — Chron. Cremifan. bei.Rauch I. 1196.: „Apud Karinthiam — circa Libniz — turmae locustarum magnitudine similes passeribus apparuerunt.“ Auch das Chron. Lambac.: „Apud Karinthiam, in aliquibus finibus Libnizze." Tabulae Claustroneoburg. P. I.: »Es warm auch zu seinen zeyten Ha-berschreken, die hatten vier Flügel: die slugen durch Hungarn, durch die Steir March und durch Ärain, und verderbten daselbst alles, das da war. Und wen sy aufflugen, so war es so finster, als ob es neblig wer.« — Ortilo bei Hanthal. I. 484. s) Dalham. Concil. Salisb. p. 90—94. 15 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Reichersberg, Alban von Sowen, Elicho von Ranshofen, Pabo von Subrn, Äonrad, Dompropst von Freisingeu; die Aebte: Lui-pold von Buren, Pabo von All, Heinrich von Formbach, Heinrich, Erzdiakon von Gruscharn aus dem steirischen Ennsthale, Friedrich, Dechant zu Regensburg. Meister Richer, Domherr von Passau, Arnold, Domherr zuPassau; und sehr viele Edelherren. In dieser Versammlung wurde zwischen dem “9|auffen Erzbischöfe Adalbert HI. und dem Abte Jsenrik Ad,»°nt Wut , uralte Hauptpfarre von Admont em fett längerer Zeit schon verabre- St. Michel an der detcr Tauschvertrag endlich geschlossen und mit Urkunde und Sigill bekräftiget. Admont gab an das Hochstift zu Salzburg zurück das Spital zu Frisach in Kärnten, und empfing dafür die ungemein ausgedehnte, uralte Mutterpfarre St. Michel au der Licßing mit allen ihr untergeordneten Filialkirchen und allen anderen dazu gehörigen Rechten. Zn dieser für die alte Geschichte der obersteirischen Thäler der Palte und Ließing ungemein wichtigen Urkunde werden folgende Bestimmungen ausgesprochen : »Kund und zu wissen sei allen Christgläubigen, daß wir die »Kirche der H. Maria Magdalena und das Spitalhaus in Friesach, »welche aus den Spenden und Bestätigungen unserer Vorfahren »mit Freiheiten und Stiftungsgütern (Traditionibus) zu eigen war, »von dem ehrwürdigen Abte Jsenrik mit Zustimmung der ganzen »Stiftsgemeinde wieder erhalten und dieselbe der Gemeinde der »Chorherren in Frisach geschenkt, dafür aber die Pfarren zu Lie-»ßing und im Paltenthale mit vollständigen Rechten von Pfarr-»kirchen entgegen gegeben und diesen Tausch nachher auf der Ka-»piteloersammlung in Leibnitz in Anwesenheit der Prälaten und »unserer Ministerialen bestätiget haben. Zur vollständigen Vor-»sicht erachten wir es für nothwendig, alle Kirchen mit ihren Eigen-»namen zu bezeichnen; die Kirche St. Nikolaus zu Mutarn „(Mautern) auf dem Eigengrunde des Stiftes gelegen; die Kirche „St. Johanns des Täufers zu CH amern (Kammern); die Kirche »des H. Rupertus zu Trefiach (Trofaiach); die Kirche des „H.Egydius zuRentingesdorffNendisdorfim Ließingthale)') „die Kirche St. Georgen zu Chromat (Kraubat), welche fünf „Kirchen niemals den Rechten der Mutterkirche St. Michael ent- l) 3m Abmontischen Urbarbuche aus dem XHI. Jahrhundert. C. 578, 16 Steiermark unter den Babenbergischen »zogen waren. Die Kirche der H. Waldburgis aber, sowohl »vermöge uralter Gewohnheit als auch durch Privilegien von dem »Rechte der Mutterkirche gesetzlich befreit, haben die leiblichen »Brüder, Ulrich von Hartberg und Reimbert von Leibnitz, in de-»ren Besitz diese Kirche erb- und testamentSweise gekommen war, „in unserer und des Salzburgischen Hochstiftskapitels Gegenwart »mit demselben Rechte und mit all ihrem Stiftungsgute überge-»ben, wofür ihnen von Seite des Stiftes eine lebenslängliche Jah-»resrente von vier Marken zugesichert worden ist. Weiters zwei „Kirchen zu Leoben: St.Peter und St. Jakob auf dem Mode »des steirischen Herzogs gelegen und befreit von dem alten Rechte »der Pfarrkirche mit Ausnahme des Rechtes, Versammlungen zu „berufen (prater jus convocandi conventum); und woselbst auch »bisher die Markgrafen von Steier eigene Priester nach Gefallen „gehalten hatten. Der steiermärkische Herzog Ottokar (VIII.) aber »hat als wahrer Eigenthümer (ut verus dominus) dieselben zu »ewigemBesitze gegeben. Die Kapelle St. Salvators aber, welche „auf dem Eigengrunde des Stiftes Traunkirchen steht, wollen wir, »daß sie durch einen Priester des Abtes im Gottesdienste versehen »werde, und welche wir, bei der zweiten Einweihung mit unseren „Zehenten beschenkt, jedoch zur Unterwürfigkeit in allen pfarrlichen »Rechten der Mutterkirche St. Michael angewiesen haben. Die »Kirche St. Stephans bei Kraubat gehört zwar demGrunö-„rechte nach (jure fundi) dem Hospitale St. Maria im Cerwalöe »(Spital am Semmering), in Beziehung aber auf geistliche Rechte „bisher zur Mutterkirche Ließing.. Die Kirchen zu Göß und „Prileb (Proleb bei Leoben) bleiben in Bezug der Versammlung »der Christenheit (placito christianitatis), Büfsung der Vergebungen (in excessuum satisfactione) und in den Gottesurthei-„len mit (glühendem) Eisen und (siedendem) Wasser an die Mut- _ „terkirche Ließing gebunden, welcher sie auch vermöge uraltem und »kanonischen Rechte nicht ungehorsam sein dürfen. Die Pfarrsge-»ineinde von Tragöß (Tragossensis vero plebs) soll Taufe, Be-»gräbniß, Christenoersammlung, Lossprechung der Büßenden (pla-„citum christianitatis, absolutionem prenitentium), bei St. Ru-»pert in Trofaiach, so wie es bisher überliefert worden ist, ver-„langen. Die Seelsorge, setzen wir fest, soll ganz der Anordnung »des Abtes von Admont unterliegen. (In dispositione abbatis »curam animarum consistere decrevimus.) Ueberdieß ertheilen „wir ihm und allen durch die Thüre eingehenden Nachfolgern 17 Herzogen J. 1192—1246. n. Ehr. »dieses Vorrecht mit ewiger Bekräftigung, daß ganz allein nach »ihrem Willen und Gefallen auf den genannten Kirchen Priester »eingesetzt werden sollen; und damit diese unsere Festsetzung Nie-„manö in Zweifel ziehen möge, so befehlen wir in Gewalt, in der »wir, wiewohl an Kräften unvermögend, heroorragen, daß Nie-„manü für irgend eine Person, wie es zu geschehen pflegt, bei unseren Nachfolgern eine Bitte einzulegen wage; sondern die Be-»sorgung der genannten Kirchen (institutio jam dictarum eccle-„siarum) unerschüttert und ruhig der gänzlichen Anordnung des »Abtes zu verbleiben habe. Weiters erlaffen wir im Gefühle der »Gewiffenhaftigkeit und Gerechtigkeitsliebe dem Stifte Admont »gewisse Gebietsgränzen in Rastadt und im Pongauc, welche wir »bisher auf Einflüsterungen der Unserigen vorcnthalten haben; »und bestätigen wir wiederholt, nicht nur in diesen Gegenden, son-»dern auch auf ihren einzelnen Besitzungen im Lungaue, an der »Mur und zu Katsch alle Gränzcn, sowol in den alten, als in »den neu urbar gemachten Gründen, so wie es in den von unse-»ren Vorfahren darüber gegebenen Diplomen enthalten ist. Wir »bestätigen auch das Herrschaftsgnt, so Diemuüis, die Witwe des »salzburgischen Stadthauptmanncs Meingoz, zwei große Hofe zu „Wenge an der Sur mit Feld, Wald und Weide u. f. w. und »die zwei Güter zu Lntir und zu Wanhartestein, welche Sibotto «von Surberg dem Stifte Admont gegeben hat." Zu diesem Allen fügte nun der Erzbischof noch die Bestätigung des gesammten Fundationsgutes von Admont, von dessen Gründung bis aus dieses Jahr, Gerichtsimmunität, Mauth- und Zollfreiheit in allen salzburgischen Orten, Bogteifreiheit, die Regalienrechte auf Salze und alle Metalle auf den Stiftsgründen, das Eigenthum alles Territoriums, Berge und Wälder mit allen Hoheitsrechten auf Jagd und Fischfang des Zelgthales, Admontthales und der ganzen Herrschaft Gallenstein. Endlich wird auch noch beigefügt: «Wir bestätigen auch die beiden auf den Stiftsgründen gelegenen »Taufkirchen (ecclesias baptismales) auf dem Berge Zozzen (in «Kärnten bei Friesach) und zu Mukernau (St. Nikolaus im Sau-»sale) mit allen ihren Rechten, nämlich mit Dotation, Schlüssel-»gewalt, und mit den dazu gehörigen Zehenten. Die Erstere hat, „von dem ehrwürdigen Bischof Roman I. zu Gurk auf Befehl „des Erzbischofes Eberhard I. eingeweiht, eben dieser selige Va-»ter dem genannten Stifte Admont mit dem Priefterrechte (cum „jure saeerdotali) so gegeben, daß die zwischen den beiden Bächen Gefch. v. ©teiertwf. — V. Bv 2 18 Steiermark unter den Babenbergischen »Gortzizt und Flattowe wohnenden Gemeinden Taufe, Begräbniß, „Lossprechung der Büßenden und alles übrige Gottesdienstliche »durch den von dem Abte in jener Kirche eingesetzten Priester »empfangen und derselben Kirche auch die Zehenten entrichten „sollen. Die andere Kirche (in der Mukernau) haben unsere Bor. »fahren zur Taufkirche erhoben (baptismalem esse instituerunt), »welche dann unter Erzbischof Konrad I. Gottfried von Wietin-»gen von dem Pfarr-Nechte ledig gemacht durch ein der Salz, »burgerkirche geschenktes Eisengut, aus daß er daselbst nach eige-»nem Gefallen einen Priester halten könne mit allem Zugehöre „und Nutzungen der Kirche. So ist diese Anordnung der Bor-„fahrer auf uns gekommen mit der Uebergabe des Gutes Mu-«kernau an das Stift Admont. Wir bestätigen dieses nun auch „diesem Stifte zu ewigem Rechte, daß nämlich das Fundationögut „(Dos) und die Zehenten vom Gute Gottfried's von Wietingen »ganz und auch die Zehenten zu Chrotse (Grötsch) sowol von „Weingärten, als von Feldern derselben Kirche geleistet iverden „sollen. Die Gemeinde auf dem Hügel zu Mukernau und zu »Chrotse (Grötsch) soll Taufe, Begräbniß und alle Gerechtigkeit „bei der Kirche St. Nikolaus empfangen, mit Ausnahme der Chri-»stcnheits-Versammlung und des Gottesgerichtes mittelst Eisen »und Wasser, welches den Pfarrern in Leibnitz zugehört; wobei „ihm jedoch ter Priester von Mukernau Hülfe zu leisten hat. Wir »achten es der Mühe werth, hier auch zu bemerken, wie daß einst »Reimbert, der Pfarrer zu Leibnitz, allem Streite, welchen er ge-»gen das Stift Admont wegen der Kapelle des St. Nikolaus in »Mukernau, welchen er in Folge der vom apostolischen Stuhle »erhaltenen Bullen an verschiedene Richter gebracht hat, nachdem »er die vom Erzbischöfe Eberhard I. ertheilte Urkunde eingesehen «und das Recht des Stiftes klar erkannt hat, in Gegenwart der »in unserem Kapitel zu Leibnitz anwesenden Prälaten gänzlich »entsagt und das benannte Stift im Besitze seines Rechtes wei-»ters unangefochten belassen hat. Für alle diese ertheilten Gnaden „nun bedingen wir uns kein anderes Entgelü, als daß das Fest „des heiligen Bischofes und Märtyrers Thomas (von Canterbury) „mit vollständigem Gottesdienste (pleno officio) in Admont bedangen und daß z» Ehren dieses heiligen Märtyrers und zum »Andenken an uns die Stiftsgemeinöe mit besserem Brote, Wein »und Fischen bedient, und daß aus gleiche Weise unser Sterbetag 19 Herzogen J. 1192—1246 n. Chr. »alle Jahre daselbst gefeiert werden wolle *)." Bei der feierlichen Uebergabe der Pfarre an der Ließing selbst waren als Zeugen anwesend; Ekharü der Propst von Maria Saal, der Erzdia-con Meinhalm von Völkermarkt, mehrere Priester und Diacone, die erzbischöflichen Kapläne mit dem Hofmarschall Wezilo, und viele Landeseöle: Wülfing von Kapfenberg, Ortolf von Leoben, Siboto von Augia, Wilhelm von Ließnich, Heinrich von Motniz, Percger von Raöstadt, Wolfram von Hapfaltisheim In Folge der oben schon angedeuteten kais. Weisung und eines päpstl. Auftrages an den Erzbischof Adalbert UI. hatte das Stift Admont um diese Zeit über Vorenthaltung von Zinsen und Zehenten aufseinen Eigengütern Beschwerden an Kaiser und Papst gebracht. Denn der Erzbischof erließ ein eigenes Rundschreiben an alle Priester und Pfarrer des Erzftiftes mit dem Befehle, alle pflichtschuldigen Gemeinden und Hörigen zur genauen Leistung der Zehenten und Roboten strenge zu verhalten 3). An die Pfarrhcrren in Pols, Weißkirchen (bei Judenburg), Kapellen und im Lungaue, gegen deren widerrechtliche Vorenthaltungen der Zehenten und anderen Rechtsverletzungen hatte der Erzbischof absonderliche Warnungsbriefe ergehen lassen 4). Am 8. März 1196 war Herzog Leopold 3u 6ci,og3s“^b w« einem allgemeinen Gerichts- und Hoftage nach Grätz gekommen. Ihn umgaben: Berenger, Abt zu St. für sitmont. Lambrecht, Bernhard, Propst zu Voran; die Edelherren : Herrand von Wildonie, Ulrich von Stubenberg, Ortolf von Gonowitz (Gumwitz), Otto von Kremse, Richer von March-burch, Konrad von Jun (Jeun), Otaker und Otto von Groze und Grace, Ortolf von Leoben, der Truchsäß Dietmar, der Hus-meister (economus) Adam u. v. a. Mit Brief und Sigille über- Archivsurkunde A. 16. — Saalbuch III. 134—143: „Actum in praesen-tia eapituli nostri apud Loufen celebrati. — Ego Adilbertus Archie-piscopus subscripsi.“ Die in dieser Urkunde angegebene Schenkung der Pfarre St. Lorenzen im Paltenthale ist nur als eine Bestätigung der schon im Jahre 1169 geschehenen und verbrieften Spende anzusehen. 2) Saalbuch IV. 288. Archivsurkunde XX. 45: „Dominus apostolicus literas nobis et per nos vobis dimisit, ac praecepta dedit, nt fratribus Admontensibus justns et plenarias dccimas a plebibus nobis commissis exqniratis. — Praecipi-mns“ etc. etc. 0) Urkunde XX. 47: „Dilectis in Christo fratribus plebauis D— de Wiz-zenkirchen, B- de Pelse, 8— de Capelia et N- de Longowe — I" 20 Steiermark unter den Babenbergischen nahm Herzog Leopold die Obervogtei über das Stift Admont, so wie seine Vorfahren, seit Herzog Heinrich Jasomirgott, ohne Lehen, Entgelt» oder andere Bezüge und Rechte, allein nur um Gottes Willen Zugleich gab er in einer zweiten Handfeste die feierliche Erklärung und Versicherung, daß keiner seiner Leute, welcher zugleich dem Stifte Admont verpflichtet wäre, auch keiner der demselben Stifte gehörigen Mannen, wenn sie sich auf irgend eine Weise gegen das Stift auflehnen und ihre Verbindlichkeiten und Pflichten gegen dasselbe zu erfüllen sich weigern würden, bei ihm oder bei seinen Ministerialen Zuflucht und Unterstützung finden, sondern vielmehr von ihm mit allem Nachdrucke zu ihrer Pflicht verhalten und bestraft werden sollten St, Lambrecht, Dem Stifte zu St. Lambrecht bestätigte der Bischof Ulrich von Gurk den Tausch, welchen der gurkische Ministerial Pertholü von Alback, und dessen Brüder Ulrich und Marquarü, mit demselben Stifte hinsichtlich der Güter im Hinterbüchel, gegen andere Besitzungen am Waldbach, Hub genannt, eingegangen hatten •'>). Am 2. November 1196 bestätigte der Erzbischof Adalbert III. dem Stifte St. Lambrecht die Kirche St. Margarethen im Pi-berthale mit allen anhangenden Rechten, so wie öieß Alles größ-tentheils schon aus den Spenden des Karantanerherzogs Heinrich II. an dasselbe gelangt war * 2 3 4). Dieses und das verflossene Jahr bezeichnen insbesondere noch die Todfälle zweier berühmter Männer des Landes, des dritten Abtes zu Rein, Wilhelm von Mureck, eines im Studium der heiligen Schrift ungemein eifrigen Mannes, und am 8. September 1196 des ersten Propstes Wernher von Seckau auS dem uralten Geschlechte der Edlen von der Gaul, eines hochgelehrten Herrn, welcher die Würde eines Propstes 56 Jahre getragen *) Urkunde M. 4: „Actum Grace Anno 1196. VIII. Idas Mareii. 2) urkunde M. 19. 3) Lambrechter Saalbuch: „Bona in Hintcrpuhel| sita — für — Bona in Torrente, qui vulgo Hub dicitur.“ 4) Saalbuch von St. Lambrecht: Anno 1196. IV. Non. Novembr. In mo-nastci'io 8. Lamberti in silva in comitatu Frisach ultra aquam Theo-dosiarn. •— Diffinitioncm Frisaci factam. — Testes: Offo de Teuen-pach. Gotfrid de Riclienburch. Herzogen J. 1192—1246 n. Ehr. 21 hatte. Ihm folgte Propst Gerold aus dem Stamme der Cdelher-ren von Eppenstein '). Den Tod des unüberwindlichen Saladin (zu SrfUij1,|”nb“^fce6 Damaskus 1193) hielt man im Abendlande allgemein H. Friedrich.—Lhm . . folgt der Bruder, H. für üen günstigsten Zeitpunkt, bei der UneimgEeit Leopoldd.Glorreiche. seiner Söhne die heilige Stadt Jerusalem den Ungläubigen wieder zu entreißen. Papst Cölestin 111. war daher eif-rigst bemüht, die abendländische Christenheit zu einem neuen Kreuzzuge zu entflammen. Nach den ersteren Vorbereitungen auf dem Hoftage zu Worms (1195) war derHerzog Friedrich von Oesterreich und Stcier für dieses Unternehmen hochbegeistert2). Er sammelte ein großes Heer in seinen Ländern, übertrug die Regierung von Oesterreich und Steier seinem Bruder Leopold stellvertretender Weise 3); zog im Sommer des Jahres 1197 durch Italien und langte am 22. September in Ptolomais, dem Schauplatze väterlichen Ruhmes an. Der plötzliche Tod Kaisers Heinrich VI. in einem Alter von 33 Jahren (am 28. September 1197) veruneinigte das Kreuzheer und trieb alle Fürsten schnell wieder nach Deutschland zurück. Auch Herzog Friedrich wollte wieder hcimkehren; er starb jedoch auf dem Wege, am 16. April 1198, in den Armen seines Freundes, des Bischofes Wolfkar von Pafsau 4). Don dieser Fahrt in das heilige Land erhielt er den Beinamen: „der Katholische." In die bisher stellvertretende Regierung von Oesterreich und Steier trat nun sein Bruder, Herzog Leopold der Glorreiche, nach Recht und Gesetz und unter Billigung des Kaisers (wenigstens für Steiermark als eröffnetes Reichslehen) als wirklicher Regent ein in dem blühenden Alter von zwei und zwanzig Jahre» (geboren 15. October 1176), trefflich gebildet von Meister Ulrich, einem Grafen von Bergen oder Dictheim, *) Caesar, Annal, II. 69. 71. -) Cliron. Admont. Zweitens. Claustroneoburg. Anno 1195. J) Ortilo Anno 1197: „Dux iter in Palaestinain per Apuliam maxima cum hominum multitudine ingressus vicariam fratri Austriae suae guber-nationem coinmisit.“ Append. Cliron. Otton. Prising, cap. 43. Anno 1195. — Cliron. Admont. Anno 1198: „Fridcricus D. A. in percgrinatione S. Crucis obiit et Ducatum Austriae fratri suo Styrensi Duel reliquit. — Zwettl. Mel-licens. Claustroneoburg. Anonym. Leob. Anno 1198. — Ortilo apud Hantlial. p. 1390: „Ibidem etiam animam posuit XVII. Kal. Maji po-stulans, ut in Austrian» reducto corpore in S. Cruce ad patron» ap-peneretur. — Prater fratrom ad tumulum conduxit V. Idus Octobris. — Hantlial. I. 493-497. — Arnold. Lnbec. Chron. V. 1-3.“ 22 Steiermark unter den Babenbergischen lange Zeit herzoglichem Protonotar und seit 1215 Bischof zu Passau '); ein Herr gleich groß als Mensch, Held, Staatsmann und Gesetzgeber 2). femSffimb sie“ Nach dem Tode Kaisers Heinrich VI. veran-fe7r,lT1ftct 6ct laßte seine Grausamkeit in Sicilien, sein offenbares p-pt. ~ut) 1 Streben, den Thron Kaiser Karl des Großen in seinem Hause erblich zu machen, und die Furcht der Deutschen vor dem Verluste ihrer Freiheit, eine zwiespältige Kaiserwahl zwischen seinem jüngsten Bruder, Philipp Herzog von Schwaben und Herzog Otto IV. von Braunschweig, Sohn Heinrich des Löwen. Eben war aus Papst Cölestin III. (8. Jänner 1198) Jnnocenz III., der Todfeind des Hohenstaufsischen Hauses, gefolgt; ein Mann, klug wie Alexander HL, unerschrocken und energisch wie Gregor VII., und voll des hierarchischen Hochmuths, Vormund und König aller Fürsten und Könige zu seyn. Ohne Erfolg jedoch war sein überlistiger Einfluß auf die Kaiserwahl für Otto von Braunschweig, und selbst der Bannfluch gegen Philipp von Schwaben. Es kam zur Entscheidung mit den Waffen; und der Papst mußte den Letzteren lossprechen und anerkennen. Schon am 30. Mai 1198 hatte Jnnocenz ein Schreiben an Herzog Friedrich (dessen Tod er damals noch nicht erfahren) erlassen mit der Drohung, wenn er die Lösegelder für K. Richard nicht sogleich herausgebe, der Salzburger Metropolit bereits den apostolischen Befehl in Händen habe, den Herzog mit dem Kirchenbanne und seine Länder mit dem Jnterdicte zu belegen 3). Herzog Leopold bewährte sich aber als treuer Anhänger Philipps. In allen entscheidenden Momen. ten, im August 1198, am 15. April 1199 in Nürnberg, am 29. September in Mainz, in Erfurt, bei der Belagerung der wider-spänstigen Stadt Mainz — war er mit Rath und That stets an Philipps Seite, weit überstrahlend alle anderen Fürsten an Hel-dcnsinn und Biederkeit 4). *) Chron. Admont. Mellicens. Claustroneob. Anno 1215. 2) Chron. Altahens. Anno 1197: „Mortuo in transmarinis partibus Fride-rico Leopolduä possedit utrumque Ducatum, homo pacificus et virtuosos. — Ennenkl im Fürstenbuche. — Rauch I. 297. — Hanthal. I 499 —510: »Daz wart dem prüder da gefeit, wart im von Herizen left. Zdoch worbe im fein Man vnd auch daz Erbe vetretan Steyr vnd auch Österreich.« 3) Epist. Innocentii III. p. 242. apud Baluz. 4) Chron. Admont. Anno 1205. — Schrötter II. 153—161. Herzogen J. 1192—1246 n. Chr. 23 Am 28. Februar 1197 mar Erzbischof Adal-bert III. in einer Kapiteloersainmlung auf seinem Entscheid»»!, w°gc» Schlosse zu Leibnitz, und umgeben von: Heinrich, Mukerna» imS-m. Pfarrer zu Leibnitz; Walther von Micheldorf, dem Hofkaplan; von den Eöelherren Offo von Teuffenbach, Herrand von Wildonie, Ottokar von Grätz, Ortolph von Gonowitz, Reim-bert von Mureck, Albert von Raminstein, Dietmar von Liechtenstein, Ulrich von Kalheim und dessen Bruder Konrad, Eckhart von Tanne, Heinrich von Gebninge, Gottfried von Kholmberg, Otto von Lansberg, Eckhard Hauptmann zu Leibnitz, Wolfgang von Gruninberg, Konrad von Stucheim, Bertholö und Stephan von Rohas (Rohitsch) u. v. a. Vor ihm war erschienen Friedrich von Pettau, sein Ministerial, um einen langwierigen Streit austragen zu lassen, nämlich seine Ansprüche auf das Gut Mukernau gegen das Stift Admont, welchem das gedachte Besitzthum vor mehr denn 40 Jahren schon der Eöelhcrr Gottfried von Wietingen geschenkt hatte. Nach den vorgelegten alten Briefen entschied der Metropolit für das Stift Admont, welches sich jedoch dazu verstehen mußte, die vermeintlichen Erbsansprüche des Pettauers mit 40 Marken Silbers abzufertigen. Ueber den Reliquien des H. Blasius entsagte nun Friedrich allen weiteren Forderungen, versprach für jenes Gut seinen Schirm, und gab mit dem Erzbischöfe Handveste und Sigill ewiger Entsagung '). Um diese Zeit ist auch noch ein anderer Streit S^mit^-rrand zwischen Herrand von Wildonie und dem Stifte Admont zur endlichen Entscheidung gebracht worden. Lange Zeit hindurch hatte Hcrrand von Wildon einen Theil der admontischen Waldung in Gamnar (bei Admontbüchel) im widerrechtlichen Besitze. Auf die wiederholten Klagen der Stiftsge-meinde wurde ein Tag nach Weißkirchen zur Ausgleichung anberaumt und dieselbe geschwornen Schiedsrichtern, Offo von Teuffenbach, Ulrich von Chustelwang und Otto von Graze übertragen. In Weißkirchen waren vom Stifte Admont erschienen: Rudiger der Sakristan, der Schaffner Eppo, der Priester Gun-üaker, die Brüder Otto, Gerung, und Engelbert der Vorgesetzte der Laienbrüder (Magister conversoruin). Auf Verlangen Her» 2tbm. Urk. P. P. 8. 11. — Saalbuch. HI. 143 -144: „Acta sunt haec in Castro nostro Lilmiz Anno 1197. II. Kal. Marcii. 24 Steiermark unter den Babenbergischen rand's wurden von seinen Leuten bejahrte und verständige Männer Richter, Gundaker und Dietmar der Maier (Schaffner, Dispensator) erwählt, mit welchen die Spruchmänner zu den streitigen Gränzpunkten hinaufgestiegen sind und folgende Gränzen für beide Theile festgesetzt haben: Aus dem nächsten Gipfel bei Obdach (Obdachek) geht der Scrakbach gerade herab bis in die Gradniz; von diesem aufwärts bis zum Gipfel, und die ganze Ge-birgshöhe bis in Predel (große Preülberg) nach Ablauf des Regenwassers gegen den Weg durch Gamnar sind dem Herrand die Gränzen festgesetzt; von der andern Seite, das ist die Lavantalpe, dem Stifte Admont. Hierauf trat das Stift Admont dem Herrand auf fein Verlangen die bezeichneten Gränztheile als Schenkung ab; in diesem Sinne ward die Handveste versaßt, mit Sigill gefertiget, und von folgenden Zeugen bestätigt: Engelschalk von Hohenberg, Rudolph von Lobming, Dietmar der Weiße (Albus), Reimboto von Mammindorf, Otto, der Vasall (Allies) Otto'S von Strechau, Wülfing und Hermann von Puchel, Richter von Ep-penstein und dessen Sohn Richker, Hartlieb, Vasall Offo's von Teuffenbach, Eberhard von Puech, Meinhard von Stadel, Rudolph von Praitenfurt, Pilgrim von Vischarn, Herwik von He-zendorf '). timftänbtoe^cfti. Auf Seckau tw der Chorherr Gewalt, einstim- Aöalbert III., und erhielten von ihm, 19. März 1197, einen ungemein ausgedehnten Bestätigungsbrief über ihr gesammtes Stiftswesen. In diesem Diplome erzählt der Metropolit umständlich den ganzen Hergang, die ersten Einrichtungen und Funüationsgüter von Seckau und die weitere Geschichte desselben, welche wir bereits erwähnt haben. Run fährt die Urkunde weiter fort: »Unter derselben Bedingung unbeschwerender Vogtei hat Mark-»graf Ottokar VII. diese Vogtschaft über Seckau geführt, und sein „Sohn, Ottokar VIII., bald nachher zur Herzogswürde erhoben, hat !) Itbm. Urk. P. 7. Zu Straßburg am 31. October 119? schloß Ekkard, der Bischof zu Gurk, mit dem Herzog Berthold von Maran einen Vertrag über die wechselseitigen Ehen und die Theilung der Kinder ihrer Dienstleute, besonderst qnos habet in Karinthia et Windisch - Graze et per totam Carnioliam. llmftänblicbei1 Beftä- Herzogen J. 1192—1246 n. Chr. 25 „dieselbe eben so gnädig gehalten, und dem Herzog Liupold von „Oesterreich und dessen Sohne Liupold hinterlassen. Nach dem „Tode des Erzbischofes Eberhard I. folgte Konrad der Jüngere, „unser Oheim, von Passau auf den Metropoliten. Stuhl in Salzburg übersetzt; welcher die beschwerlichsten Fehden gegen die Feinde „der Kirche geführt hat. Auf sein Ansuchen und aus seinen Befehl „ist im Stifte selbst der Hauptaltar durch Hartman Bischof zu „Brixen, und die Kapelle der H. Margareti) von Ulrich Bischof zu „Halberstadt geweiht worden. Dieser Erzbischof hat nach unerhört „angestrengten Kämpfen durch 4 Jahre und 14 Wochen sein Leben „beschlossen. Wir nun, sein Nachfolger, obwol auch wir nicht min-„üer drückende Verfolgungen zu ertragen hatten, haben doch für Kir-„chen und Stifte Sorge getragen, persönlich drei Altäre zu Ehren „des H. Kreuzes, St. Nikolaus und St. Margaret!) in Seckau ein-«geweiht, und durch Peter Bischof von Parentum zwei Altäre zum „H. Grabe und zu Ehren des H. Augustinus, durch Bischof Wolf-„ker von Passau die Kapelle St. Jakobs tin Armenspitale daselbst „einweihen lassen. Auf unsere Zulassung hat Poppo Bischof von „Stetin die Seckau'sche Kirche in Heinrichsdorf eingeweiht. Die „Kapelle Schönberg ist auf Bitten des Propstes Wernher und Offo's „(von Teuffenbach wahrscheinlich) durch dessen Mutterschwester „Gisila, sowie durch Herzog OttokarVIII. mit Grund und Boden „und mit der Fundation dem Stifte Seckau gegeben worden'). Bei „der Einweihung der Kapelle in Wctsin (Witschein) haben wir die „Hälfte der bischöflichen Zehenten von allen bis dahin urbaren „Gründen den auf dem Hofe daselbst weilenden Stiftbrüdern ge-„schenkt, und in Hinsicht der zukünftig urbar zu machenden Stel-»len haben wir in Beobachtung des Befehles des apostolischen „Herrn beschlossen und angeordnet, daß Fundationserträgniß und »Opfer auf allen vom Stifte weiter entfernten Kapellen zu Wetsin, „Hcinrichdorf und Chunenberg (Kumberg) die Pfarrer daselbst „genießen, die kleinen Kinder taufen, die Verstorbenen begraben, „in Schlüsselgewalt und auf den Höfen aber dem Stifte und öes-«sen Verwaltern keine Verletzung anthun, sondern nur das Recht „haben sollen, das Ihrige ein- und auszuführen und aufzubewah-„ren, so wie die Bauleute des Stiftes selbst. Zwei Theile der bi-„schöflichrn Zehenten in den Höfen zu Arbendorf und Struendorf !) Die Einweihung der Kirche in Schönberg wird in seckauischen Saalbüchern gesetzt auf den 8. October 1195, und ungefähr um dieselbe Zeit auch jene der Kapelle in Witschein. 26 Steiermark unter den Babenbergischen „am Bache Weitz (Wides) haben wir ihnen geschenkt; die streiti-„gen Zehenten von einem Gute in Kobenz, woselbst Erzbischof „Eberhard I. den Altar St. Maria's eingeweiht hatte, erlassen wir „dem Stifte freiwillig. Den Zehenttausch zu Worlach, Huetsdorf „und Sachendorf, welcher wegen beschwerlicher Straßen durch den „erzbischöflichen Schaffner (Procurator) von jenem Erzbischöfe ist „geschlossen worden, billigen und bestätigen wir von Neuem und „für immer.« „Wir fügen auch noch bei, daß Keiner unserer Nachfolger, „Vize-Dome, Schaffner, Mautner von den Stiftsbrüüern aufSe-„ckau im Wein- oder anderen Handel Spanndienste oder andere „neue Forderungen verlange, außer drei Säume Weines oder „vier Pfunde Friesachergeldes (praeter tres samas vini sive qua-„tuor solides Frisacensis monetae), so wie es zur Zeit des Erzbischofs Eberhard I. angeordnet worden ist. Wir gebieten auch, „daß es Niemand wage, innerhalb öeS mit Mauer und Zaun um. „schlossenen Stiftsgebäuöeö und an ihren gleicherweise umzäunten „Maierhöfen weltliche Versammlungen zu halten, Feuer anzule-„gen, Raub und Diebstahl zu verüben, Menschen aufzugreisen oder „zu tödten, auf daß die Diener Gottes desto ungestörter Gott die-„nen können. Unseren Ministerialen geben wir die Freiheit, das „Chorherrenkleid auf Seckau zu nehmen, ihre Söhne und Töchter „daselbst zu opfern, von ihren Besitzungen dahin zu spenden, wenn „dadurch nur nicht zu sehr unser Metrvpolitenstift beeinträchtigt „wird. Wir ertheilen dem Stifte auch freies Begräbnißrecht mit „Gewähr gegen die Taufkirchen, wobei jedoch mit Bannfluch und „Interdict Belegte nicht einbegriffen sind. Die in euren Diplo-„men verzeichneten Anordnungen der Päpste Jnnocenz II. und „Alexander III., in Beziehung auf Beobachtung des Kanonikeror-„üens, der Daropserung von Knaben, der Vergelübdung Erwach-„sener, der einigen und gesetzmäßigen Wahl der Pröpste, der Ze-„henten von allen mit eigenen Händen, oder auf eigene Kosten „gemachten Neubrüchen, des Empfanges der Sacramente von dem „Diözesanbischofe, so lange dieser katholisch und dem römischen „Stuhle unterworfen seyn wird, der geheimen Feier kirchlichen Got-„tesdienstes, wenn ein allgemeiner Bannfluch auf dem Lande la-„stet, nehmen wir an und billigen sie. Die Dispensen, Schenkun. „gen und Anordnungen aller unserer vorgenannten Vorführer Kon-„rad I., Eberhard I., Konrad II. und Bischofs Roman von Gurk „(des erzbischöflichen Vikars) in Betreff des Standes von Seckau 27 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. «bestätigen wir. Ueberdies alles, was immer unser Blutsverwanü-„ter, Ottokar Herzog von Steter, in Beziehung auf Aufsindung «und Genuß von Salzquellen und Metallen auf den Eigengrün-«den des Stiftes Seckau gegeben und in Handveste schriftlich aus-«gesprochen hat, bestätigen auch wir in oberpriesterlicher Vollmacht. «Da es aber wirklich schwer fällt, Vieles gut und schnell zu verwirken, so haben wir die verschiedenen Spenden und Opfer oer-«schiedener Fürsten, Hochedlen und Getreuen unter den Schirm «des Kirchenbannes gestellt, und in einer anderen Handveste schrift-»lich aufgesührt '). Im folgenden Jahre 1198 fügte zu diesem Bestätigungsbriefe Erzbischof Adalbert III. noch die Schenkung einer ewigen Jahresrente von sieben Talenten von dem Salzwerke in Tuoal, und zwar dem Stifte Seckau 4, und dem Stifte Vorau 3 Talente, welche jederzeit am Vorabende des heil. Johannes des Täufers ausbezahlt werden sollten *j. Zu Ende des Jahres 1197 fühlte sich Wülfing von Kapfenberg in schwerer Krankheit dem Tode nahe. Er beschieü den Propst Gerold von Seckau und seinen Neffen Ulrich von Stubenberg auf sein Schloß Kapfenberg, und gab daselbst, 11. December 1197, dem Stifte Seckau Brief und Siegel über die Schenkung eines Hofes zu Lins mit allem Zugehöre, welchen Ulrich von Stubenberg, als Erbe, überantworten mußte * * 3). In diesem Jahre bestätigte Bischof Wolfker von Passau die Schenkung eines gcwiffen Jrmfried und seiner Gemahlin mit einem, demselben Hochstifte unterthänigen Hof in der Aue an das Stift zu Seckau 4). Die Zahl seiner Besitzungen und Renten ver- H. Leopold i.» Stifte mehrte das Stift Admont zu Ende dieses Jahrhun-derts ungemein. Im Laufe des Jahres 1197 war Herzog Leopold bei Bereisung üeS Landes auch nach Admont gekommen, begleitet von: Offo von Teuffenbach, Poppo von Pusen-bach, Otto von Puchbach, Ulrich von Chustelwang, Gerung von ') Johanneumsurkunde. — Dipl. Styr. I. 173—182. 5) Johanneumsurkunde. — Dipl. Styr. I. p. 182: „in Salina apud Tuval nostri juris ad septem talenta perpetualiter contulimus singulis annis acoipienda.“ 3) Johanneumsurkunde. — Dipl. Styr. I. 182—183. 4) Johanneumsurkunde. 28 Steiermark unter den Vabenbergischen Seckau, Stephan von Rohitsch, Ulrich Marschals von Hartberg, Wolfgang von Grauscharn u. v. a. In dieser Versammlung schenkte der landesfürstliche Küchenmeister (Magister coquinae), der alte Hiltigrim von Grauscharn (oder Steinach), mit Zustimmung seiner Söhne, Gottschalk und Ottokar, dem heil. Blasius ein von dem Stifte Seckau erkauftes Gut zu Luetscharn im Oberennsthale (apud Lonscha), und zwei Besitzungen zu Püchel und zu St. Peter, welche er aber vom Stifte Admont als erbliche Manneslehen für sich und seine Söhne wieder zurückempfing '). Auf seinem Todtenbette schenkte der Edle und Freie Konrad v. Wolfseck die Hälfte seiner Besitzungen zu Schladming dem Stifte, und ließ dieselben feierlich in Admont selbst durch den Freien Adalbero von Hausruck überantworten^). Später kam die ganze Herrschaftsbesitzung Konrad's durch Eberhard den Freien von Haus (im Oberennsthale), den Schwestersohn Heinrich's von Hausruck, an das Stift Admont. Die salzburgischen Ministerialen, die Brüder Adil-goz und Hartmann von St. Michael, schenkten ein Gut in der Sölk (ad Salich) * * 3 4). Die Edelherren und Brüder Konrad und Rudolph von Kindberg eine Besitzung, und Rudolph der Kastellan von Kindberg sein Lehengut bei Strechau im Paltcnthale zum Unterhalte der Spitalsarmen in Admont3) — in die Hände Heinrich's des Spitalmeisters; der Freie, Hartwich von Kammern im Ließingthale, opferte, als er in Admont das Klosterkleid nahm, all sein Gut in Kammern, eben so auch ein anderer freier Mann, Wolf-ger von Kammern 5), und ein gewisser Jsembert mit seiner Gemahlin Machtilde ihr Gut zu Reunach im Ließingthale 6). Don dem Priester und Salzburger-Ministerial Rapoto und von seinem *) Saalbuch IV. 299—300: „Acta sunt liaec voluntate atque consilio Liu-poldi junioris Styvensium Ducis in loco nostro Admont coram his te-stibus —." ") Ebendaselbst, 261-262. 3) Ebendaselbst, 262. 4) Ebendaselbst, 294: „Chonradus nobilis de Chindeberch et frater ejus Rudolfus tradiderunt ad sustentationem pauperum in jus hospitalis. — Actum apud Triwenstein prime, secundo apud Vischach his testibus: Kridericus de Ponihil, Ortarin de Widis, Engildic de Chindeberc, Hel-vvic de Casse. P. 296. 5) Ebendaselbst, 264. 285. 294: „coram his testibus : Adilbert de Liass-nich. Albero de Lonsarn. Hartrat de Mular. Snelle de Siginsdorf. Ruodwin de Chamere. Chonradus de Puoche. Trowinus de Chamere. Meginvvard de Dumirsdorf. Duringus de Zuohdal. 6) Ebendaselbst, 286-287. 29 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Bruder Rudolph von Hollneck, ebenfalls salzburgischem Dienstmann, erhielt Admont geschenkt auf den Reliquien des heil. Blasius, Erbgüter zu Hollneck, Weinberg und Güter zu Walchesöorf, die Kirchen St. Cgyden und St. Bartholomä zu Hollneck, und eine Besitzung zu Traföß (ad Travese). Rudolph bedingte sich dafür eine Grabstätte in Admont'). Durch einen Tauschvertrag für zwei Güter in Hitzenöorf (Hizinchdorf) mit einem Freien, Almarus, gelangte Admont zu zwei Besitzungen in Straßgang, welche Swiker von Gösting überantwortet hatte 1 2 3 *). Lampert, ein Höriger Gottfried's von Wietingen, opferte auf dem St. Nikolausaltare zu Mu-kernau einen Weingarten daselbst, und Ulrich von Mukernau gab ein Gut zu Straßgang a). Ein gewisser Pernold von Leibnitz schenkte zwei Weingärten zu Jahring^. Gerhard, ein Freier von Götzendorf (de Gezendorf im Pölsthale des Rottenmanner-Tau-ernö), brachte seinen aussätzigen Sohn im Hospitale St. Amand's in Admont in Versorgung, und gab Hofstatt und Acker in Götzen-üorf 5 6). Die admontischen Besitzungen in Oesterreich unter der Enns vermehrten sich durch Weinberge von Hartwik von Welm-nich, und zu Würflach durch Günther von Würflach u). Ein gewisser Engilschalk nahm das Mönchskleiü in Admont, und erhielt von seinem Herrn, Albert von Wieselburg, die Erlaubniß, alle seine Lehengüter zu Nietmarch, zu Steinarn und zu Gassenbrunn in der Pfarre Neumarkt dem Stifte zu schenken 7). Adelheid, die Witwe des ermordeten Volmars von Buchberg im Pongaue, gab als Seelgeräth desselben, und für ihre Tochter, Äloster-nonne in Admont, ihre Allode eben dort, welche Ulrich der Richter im Pongaue (praeco de pongowe) auf dem St. Blasien- 1) Saalbuch IV. 25.9. 260. 292: „Testes: Heinricus de Tanne. Pmno de Holneche. Fridericus de Pettowe. Lantfridus de Bppinsteine. Otto de Perneke. Henricus de Waltinpurch. Altmannus de Chamer. Rnpertns de Treboche.“ 2) Ebendaselbst, 287. Testes: Swikerus de Gestnich et ejus milites et servi. Henricus et Richkerns, villici de Strazkancli. 3) Ebendaselbst, 287. 258. '*) Ebendaselbst. 5) Ebendaselbst, 245: Gerhardus liber homo de Gezendorf (ilium suum leprosum in hospital! nostro procurari necessariis petens tradidit, — Testes: Pabo de Gezendorf. Eberhart et, Friderich de Pelse. 6) Ebendaselbst, 232. 301. 7) Ebendaselbst, 290. Testes: Arnoldus de Raminstein. Meinhard de Scho-nenberch. Chuno de Friberch Lienhart, de Friberch. Ulricas de Pu-cheim, Henricus de Rifenstein etc. 30 Steiermark unter Len Babenbergischen altare in Admont übergab. Zugleich opferte er sechzehn Leibeigene (mancipia proprietatis jure): Pcrchta mit drei Söhnen, Richild mit zwei Söhnen, Gotschalk mit drei Brüdern u. s. ro. ') Die Besitzungen in der Propstei zu Großkirchheim in Oberkärn-then erweiterten die daselbst angestellten Klosterbrüder durch Ankauf von Gebirgsstrecken auf der Chalmünzalpe 1 2). Die admonti-schen Güter zu Chapelle in Kärnthen schützte der Stiftsobervogt, Herzog Leopold gegen die widerrechtlichen Ansprüche Konrad's von Topelstein 3). Konrad von Prunnen, und Friedrich von Zozzen schenkten dem H. Blasius mehrere Leibeigene zu Friesach und auf dem Zozzenberge 4). Streich» ‘fiamvf Nach dem Tode Belas III. erhielt dessen erft-tom!f) Gurker Urkunde. Besch. S. Steiermark. — V. 356. 34 Steiermark unter den Babenbergischen Katsch war herabgestürzt und begrub unter seinen Trümmern alle Bewohner, und durch das ganze Lungau erbebte der Erdboden so gewaltig und lange Zeit hindurch, daß fast alle Bewohner ihre Häuser verließen und das ganze Jahr hindurch unter freiem Himmel in Hütten, aus Baumästen und Erde aufgerichtet, zubrachten '). ^Stenten®—Ik- Ä'N Laufe dieses Jahres hatte der Erzbischof künde f. Admont. Eberhard II. die erste Bereisung seines Metro-politansprengels unternommen. Auf einer großen Versammlung zu Gutaring in Kärnten waren bei ihm anwesend: Der neue Bischof von Gurk, Walther, Oheim des Erzbischofs, Meinhalm der Erzdiacon von Friesach, Heinrich Propst von Mariasaal, Ulrich Pfarrer zu Hartberg in Steier, Konrad von Truchsen, Bernhard Herzog in Kärnten, Wikard von Karlsberg, Friedrich von Pettau, Reimbert von Mureck, Heinrich von Leibnitz, Albert von Leibnitz, Eckhard von Tanne und Konrad von Pfarre. Dort siegelte er für den Abt Johann I. zu Admont (lange Zeit Prior daselbst, dann Abt zu Liburg) -) eine Vertragsurkunde, in welcher für ewige Zeiten festgesetzt war, daß alle weiblichen Hörigen des Salzburger Hochstiftes, welche bereits an Eigenleute des Stiftes Admont verheirathet seyen, oder sich verheirathen werden, auch alle salzburgischen, auf Stiftsgründen rücksäßigen Hörigen sammt ihren Kindern in das Recht und Eigenthum des Stifts übergehen sollten, und gleicherweise entgegen auch die Stiftshörigen in das Hochstiftsrecht. Auch die Ansitze beiderseitiger Hörigen sollen die sich Verheirathenöcn begleiten, so daß sie der Gerichtsbarkeit jener Kirche unterstehen sollten, in welche die Hei-rathenden übergehen i) * 3). . 3.1201. Am 28. August 1201 befand sich Herzog Leo- mont — schenkt dem pvld auf seiner Landesbereisung wieder im Stifte Kapelle St. Martin Admont mit dem Zeugen (xuer) Grafen von Pogen, an EniiGate.im mit den Edelherren (Nobiles) Ulrich von Tekindorf, i) Chron. Salzb. apud Pez. I. Anno 1201. — Saalb. v. Admont III. p. 35 Anno 1201: „Terrae motus magnus faetus est per dimidiam fere Noram, IV. Nonas Maji, ac deinceps frequenter adeo fortis, ut nonnul-las ecclesias subverteret et domos muratos, in qnibus longe lateque magna hoininum strages facta est, inter quae in Castro Wizenstein turris corruens hospitem downs, Hartrodum, ministerialem Ducis Sty-rensis, cum septem viris interemit. Sed et castrum Archiepiscopi Chacts dirutum fere omnes habitatores suos morti dedit.“ -) Obren. Admont. 1199. 3) Urkunde E. 1. — Saalbuch III. p. 163—163. — Hansiz II 315. 35 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Napoto u. Konrad Brüder von Rein, Walfun von Griesbach, Hart-nid von Ort, Herrand von Wilüon, Pillneg von Kirchheim, Gun-üaker und During Brüder von (Steter, Ulrich von Chinnowe, dem Mundschenk des Herzog's Albero von Grimmenstein, dein Truchseß Berchtold von Emirberg, Rudolph von Suinmaningen, dem Kämmerer, und Reinherr von Tann. AuS besonderer Zuneigung und Hochachtung schenkte da Herzog Leopold mit Brief und Si-gille dem Stifte die freie Kapelle St. Martin bei Eich am Salzaflusse im oöern Ennsthale, auf herzoglichem Allodialboden gelegen und von altersher schon von der Muttcrkirche Grvbming befreit, mit eigenen Rechten, mit Dotation, mit Kirchenschlüssel, mit Leibeigenen, Zehenten, Feldern, Wäldern und Weiden, gegen die Verbindlichkeit, daß vor den Altären St. Maria und St. Blasius für sein, seines Vaters, seiner Verwandten, und für das Seelenheil des H. Ottokar VIII. Tag und Nacht zwei ewige Lichter vom Erträgnisse jener Kapelle unterhalten werden sollen '). Csm folgenden Jahre 1202 bereiste Erzbischof Syn°dm m sri-sa-h Eberhard abermals seinen Erzsprengel in Kärnten Sei6nit-und Steiermark. Auf der Versammlung in Frie- cherte dem Stifte Ad. lach entschied er die Angelegenheiten des Stifts Ad- Jahring. mont, dessen Pfarre zu Jahring in den windischen Büheln vielfach angegriffen und demselben auch wirklich vorcnthalten worden war -). Ganz nach dem Inhalte der Privilegienbriefe seiner Vorfahren bestätigte er dem Stifte den ausschließenüen Besitz der Pfarrkirche mit all ihrem Funüationsgute zu Jahring, und dem Stiftsabte insbesondere das Recht, daselbst die Pfarrer zu bestellen, und dies vor den Zeugen: Walther, Bischof zu Gurk, und vor den salzburgischen Ministerialen Albert Graf von Wichsilburg, Friedrich von Pettau, Otto von Chunigesberg, Heinrich von Leibnitz, Ekharö von Tann, Konrad von Pfarre, den Kastellanen Konrad von Salzburg und Heinrich von Friesach, und seinem Mundschenk 3 * *) Urkunde Q. 65. — Saalbuch III. 226-227. Damals war in Gröbming der Pfarrer Rupert. — Saalbuch IV. 250: ,,Qnod nos pro sua rcligione pluvimum diligimus, liberam c|uamdam cap ul am S. Martini in Enstal apud Eich juxta fluvium Salzach in nostro dominieali situm et ex an-tiquo ab omni jure matricis ecclesiae Grcbnich exemtam cum omni jure suo, dote videlicet et clave ecclesiae, mancipiis et decimis ad eam pertinentibus etc.“ s) Urkunde A. 103. 36 Steiermark unter den Babenbergischen Marquard Hierauf ging der Erzbischof nach Leibnitz und hielt daselbst eine zahlreiche Versammlung von Clerus und Volk (in frequentia deri et populi); bestätigte, empfing und übergab dem Stifte zu Rein die Spende des Pfarrers Luitolü zu St. Veit im Vogaue, vermöge deren dieser 75 Marken und 200 Metzen Korn bestimmt hatte, damit von den Jahresrenten an drei Festtagen im Jahre die Kapitelherren daselbst an der Mittagstafel stattlicher be-wirthet werden mögen *). In diesem Jahre hatte auch Propst Bernhard 1. in Voran sein Leben beschlossen. Kurz vorher hatte Grathsau, von Trunne zugenannt, dem Stifte seine Erbvogtei über die Stiftsgüter in und bei der Villa Wenigzell verpfändet, wor-über der Vater Grathsau von Trunne mit Zustimmung seiner übrigen Söhne und einer Tochter eine Bestätigungsurkunde gesiegelt hat l * 3). Auf Propst Bernhard I. folgte Propst Leopold I. Im September des Jahres 1202 weihte, auf Befehl des Erzbischofs Eberhard II., Markus, Titularbischof von Berithos, den St. Mag-öalenenaltar in der Stiftskirche zu Vorau, und eine Pfarrkirche außerhalb des Stifts zu Ehren der heil. Dreifaltigkeit, des heil. Egydius und der heil. Agatha 4 * 6). «.«JÄtegt 2'u Frühjahre 1202 befand sich Herzog Leo-°ie kais. Belehmmq pold im Hoflager Kaisers Philipp II., treuergeben Steiermark. und Wider Papst Jnnocenz III., und empfing von ihm ,cmmtm"n* ?IN die feierliche Belehnung mit den Reichsfürstenthü-mern Oesterreich und Steier nach Ordnung und Gesetz deö römisch-deutschen Reichs. Seinen Rückweg nahm der Herzog durch die Steiermark, wo wir ihn am 2. Juni 1202 im Stifte Admont treffen, umgeben von ungemein vielen Landesedlen aus Steier und Oesterreich, welche ohne Zweifel mit ihm am kaiserl. Hoflager gewesen waren, mit Ulrich von Stubenberg, Herrand von l) Urkunde A. 103. — Saalbuch III. 103: „Pavochiam J arin gen cum omni jure suo salvo tarnen Episcopal! et Archidiaconali super Altäre S. Bla-sii contradimus. Curam etiam animarum ejusdein parochiae in tu a successorumque tuorum dispositione consistere decernimus. Totalster ipsam parocliiam praefato monasterio in perpetuum condonamus.“ -) Urkunde des Stiftes Rein. 3) Caesar, Anna). II. 469: „Nos Grathsau dictus de Trun — obligatio-nes juris Advocatiae super bonis Vorawiensis Bcclesiae in villa et juita villam Celle sitis, quo dilectus filius noster Grathsau Domno Wernhardo vener. Praeposito dictae ecclesiae praefatum jus advocatiae de nostro consensu et beneplacito obligavit.“ 6‘) Caesar II. 85—86. 37 Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. Wildon, Dietrich von Lichtenstein, Heinrich von Kapfenberg, Berthold (dapifer) Truchseß von Emmerberg, Gunöacher von Steier, Ortolph und Hartniö von Wolkenstorf, Gunöacher von Storchenberg, Albero von Polnheim, Albero Schenk (pincerna) von Greimstein, Ottokar von Slicnbach, Ulrich und Leutold von Peckau, Heinrich von Adelwang, Otto und Okacher von Wolkenstein, Walther von Fürstenfelü, Dietrich von Hohenstein u. v. a. Hier gab er zuerst dem Propste Hermann von Seckau Bestätigungsbrief und Sigill über alle Besitzungen und Rechte des Stifts, mit den Worten: »Leupolö durch Gunst göttlicher Güte Herzog «von Oesterreich und Steier allen Christgläubigen in Ewigkeit. „Nachdem wir durch die Anordnung göttlicher Vorsehung die Be-„herrschung des steirischen Fürstenthums erlangt und erhalten ha-»ben, so glauben wir einen Gott würdigen Dienst zu vollbringen, „wenn wir nach der Herrlichkeit unserer Erhöhung uns bestreben, „die kirchlichen Institute durch gottergebene Unterstützung und durch „den Schild unserer Beschirmung zu eriveitern. Dem zu folge, nach-»dem Herr Hermann, der ehrwürdige Propst der Seckauerkirche, „durch Unterbreitung seiner ächten Handvesten unserer Epcellenz „in das Gedächtniß zurückgerufen hat, wie Adelram von Waldek, „ein edler und freigeborner Herr, der vortreffliche Gründer seines „Stiftes, sein Schloß Starchenberg mit seiner nahegelegenen eigen* »thümlichen Billa Trabstetten, und zugleich alle seine edleren Ba-»sallen (militcs nobiliores) dem durchlauchtigsten seligen Markgra-„fen von Steier, Ottokar, mit der Bedingung übergeben, und allem "Ansprüche darauf entsagt hat, damit derselbe diese seine Stiftung -.mit allen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern ohne irgend ein "Entgelt» von Vogtrecht selbst in Person und nicht durch belehnte »Vögte beoogten und beschirmen soll, und deßwegen an unsere »fürstliche Güte, seitdem die Leitung des Fürstenthums an uns »gekommen ist, die nachdrückliche Bitte gestellt hat, daß wir alle »Gnaden, Schenkungen und Freiheiten, welche durch denselben »Markgrafen und durch seinen Sohn, den vortrefflichsten Herzog „Ottokar von Steier, unseren geliebten Oheim, gemacht und frei« »gebig ertheilt worden sind, in einer einzigen Handvefte eingeschlos-„sen durch die Freigebigkeit unserer Großmuth zu bestätigen uns „würdigen möchten; glauben wir, indem wir nun des oorgeöachten »Propstes vernünftige Bitte und die edle Großmuth des Stif-»ters mit gnädigen Augen ansehen, nach dem Rathe unserer Stände „(Procerum) seinem Verlangen offenen Eingang zu gestatten." 38 Steiermark unter den Babenbergischen Hierauf folgt die Aufzählung aller Stiftsbesitzungen und Rechte, insbesondere auch Markt- und Mauthfreiheit und Burgfrieden (Heim-garten) auf allem Stiftsgrunde zwischen den Bächen Ließing und Graden (Grada videlicet et Liessnich) und das Regalrecht aus Salze und Metalle auf seckauischem Allodialboden Am 4. Juni 1202 erfolgte für Seckau ein zweites Diplom, worin er dieses Stift in seinen besonderen Schutz nimmt, alle gerichtlichen Eingriffe fremder Richter auf seckauische Güter und Hörige strenge verbietet, und insbesondere Besitz und Eigenthum des dem Stifte nahe gelegenen Mühlwaldes und eines, von Pabo und Engelschalk von Plaien gegebenen Gutes zu Hauzenbüchel bestätigt '). Das Stift Admont selbst beschenkte der Landesherzog bei dieser Anwesenheit mit drei besonderen Handvesten; er bestätigte das alte Vogtrecht des Stiftes, daß auf stiftischen, gegenwärtigen und zukünftigen Herrschaftsgütern Niemand irgend eine Vogteigewalt auszuüben habe, als nur der von demselben freigewählte Kastenvogt, nämlich der Landesherzog ; die Schirmvogtei über die aömontischen Güter zu Rastadt dem gestrengen Ritter Kuno von Werfen, jedoch ohne alle Anforderung oder Beschwerung stiftischer Güter und Hörigen; endlich ertheilte er dem Stifte Admont und dessen Leuten Befreiung von allem Marktrechte, so oft sie Kaufes oder Verkaufes wegen, oder auf Reisen kommen und gehen * 2 3). Bevor Abt Johann I. zu den Vätern einging, (3. Sept. 1202) 4) ward Folgendes noch im Stifte vollbracht: Die Vogtei über die admvntischen Besitzungen im oberen Murthale hatte Offo von Teuffenbach zur Zufriedenheit und ohne Beschwerde des Stifts oder seiner Leute geführt, und dann freiwillig heimgestellt. Hierauf wurde diese Vogtschaft mit einstimmigem Kapitelbeschluß dem Dietmar von Lichtenstein anvertraut, jedoch nicht erbswcise, auch ohne alles Entgelö, ohne allen, unter dem Titel »Vogtrecht" sonst gewöhnlichen Forderungen, vorzüglich *) Zohanneumsurkunde. — Dipl. Styr. 1. 183 — 187: „Datum apui Admun-diam, anno 1302. IV. Non'. Junii. — Ludewig, Reliq. IV. 214. 181.“ 2) Dipl. Styr. 5. 186 —187: „Data apud Admunt. II. Non. Junii anno 1203.“ 3) Archivsurkunde M. 3. 5. Z. 4. — Saalbuch 111.: „ Quod nos fratribus Admuntensibus, tarn ipsis, quam hominibus eovum to tum jus fori re-laxamus, ut nullas a vobis (offleialibus suis) angarias patiantur, quo-tios vel emendi vel vendendi causa vel itinerandi ipsurn forum adire necesse habuerint.“ 4) Neorol. Admont. C. 543—544. — Saalbuch III. p. 35. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 39 ohne Wehr- oder Strafgelder, Nachtherbergen, Spanndiensten u. ügl., allein nur gegen jährliche zwei und eine halbe Mark Silbers '1. Erzbischof Eberhard I. hatte der von ihm eingeweihten Kirche zu St. Gallen im Walde (1152) die Zehenten der Neubrüche daselbst, so wie der Salze (an der Salzstätte zu Weißenbach an der Enns bei St. Gallen) und der Erze geschenkt. Diese wurden durch die nachfolgenden Stistsäbte aber von jenem Gotteshause genommen und zu den Renten der Stiftsschaffnerei eingezo-gen. Abt Johann I. hob diese Verfügung wieder auf, und stellte der Kirche zu St. Gallen im Walde das ihr Zugehörige wieder zurück, um daraus die altgewohnliche, genügliche Bewirthung der Vorüberreisenden zu bestreiten 2). Herzog Leopold war bei der feierlichen Erhe- ^ ie^0^tü„M bung und Uebertragunq der irdischen Hülle der heil, die Kirche st. K„- negitnb am Leech in Kunegunde in Bamberg anwesend, und hatte den Matz. Entschluß gefaßt, zur Verehrung dieser heiligen Fürstin eine Kirche in Grätz zu erbauen. Er wählte dazu eine Anhöhe außerhalb seiner Burg, und soll selbst bei seiner Anwesenheit in Grätz den Grundstein dazu gelegt und den Aufbau begonnen haben 3). Urkunden von St. Lambrecht bewähren seine Anwesenheit in Grätz. Am 13. December schlichtete er eine Streitangelegenheit zwischen seinem Ministerial, Herranü von Wildon und Abt Berenger von St. Lambrecht. Herranü hielt die Wälder zwischen der Deigitsch und Graden im gewaltsamen Besitz, welche das Stift St. Lambrecht von ihm vergeblich herausforüerte. Nun entschied der Herzog selbst den Streit: Herrand mußte die unrechtmäßig besessenen Landstrecken wieder herausgeben; dafür gab ihm Abt Berenger an- ') Archivsurkunde IM. 17. Diese Urkunde wurde erst im Jahre 1228 umständlich verfaßt, und von dem Erzbischöfe Eberhard II. bestätigt. — Saalbuch III. p. 174 — 176. -) Saalbuch III. p. 191 — 192: „Quod ego Johannes — decimas tarn fru-gum, quam salinavum et fodinarum et quorumlibet proventuum eccle-siae S. Galli ab Episcopo Ebevhardo in solatium peregrinorum et trans-euntium eollatas, sed a praedecessoribus meis ad usus cellarii nostvi rcductas timore Dei eorreptus et pro remedio animae meae et prae-decessorum meorum, qui liane distinctionem fieri consenserunt, eccle-siae jam dictae ad beneficium hospitalitatjs indigentibus ibidem con-ferendum cum consensu fratrum nostrorum restitui.“ — Archivsurkunde M. 18. 23. 3) Caesar, Annal. II. 87. Im Jahre 1227 erscheint diese Kirche als schon lange fertig. Herzog Leopold hielt in derselben am 17. Februar 1227 Versammlung und Gericht. — Dipl. Styr. I. 202. 40 Steiermark unter den Babenbergischen deren Grund und Boden zwischen der kleinen Gößnitz und der Graden, das Gebirge Primansburg jedoch ausgenommen. Als Zeugen dessen standen zu Gericht: Rapoto von Falkenberg, Pilgrim von Schwarzenau, Hartnid von Ort, Ulrich von Stubenberg, Otto von Krems, Wigand von Klamm, Dietmar von Lichtenstein, Leupold von Leubenstein, Gunüaker von Steier, Cholo von Truch, sen, Hermann von Putten, Richer von Marchburg Hierauf ertheilte H. Leopold dem Stifte St. Lambrecht auf dem wieder erledigten Landtheile zwischen der Deigitfch und Graden alle Herr,-schaftlichcn Rechte des Landgerichtes, Marchdienstes und Vogtrechtes, todeswürdige Verbrecher und Diebe allein ausgenommen, welche gefänglich eingezogen, und gebunden den landesfürstlichen Gerichten ausgeliefcrt werden sollten. Auch auf den lambrechtifchen Neugeräuten in der Kainach und in der Mark überhaupt, wenn ein Höriger des Herzogs von lambrechtifchen Leuten verwundet wird, soll dem Beleidigten Genugthuung geschehen, aber der Ge-richrsbann doch dem Stifte verbleiben. Auch von dieser Handlung waren Zeugen: Hermann von Wilöon, Hartnid von Ort, Friedrich von Pettau, Ruger von Plankenwart, Ulrich von Stubenberg, Olro und Ottokar von Grätz, Ludwig und Marquard von Scha-lach, Starkhand von Krems, Reimar von Afflenz, Hartwik von Teuffenbach, Pilgrim von Spielberg, Otto von Lug, Friedrich und Heinrich von Kainach *). Am 1t. April 1202 war Rudolph von Rasta in das Karthäuserkloster Seitz im Johannesthale gekommen mit seinem Bruder Cholo von Rasta, Alrim von Weitenstein, Ulschalk, Bruder des Hospitals der heil. Maria zu Rasta, Gebhard, Sohn Konrads von Sunnenberg, Walther von Plankenstein, Gerold von Ribinitz (Rinbits), Konrad von Talein, Americh von Tvchendorf und Konrad von der March. In dieser Versammlung bestätigte er und ließ mit Brief und Sigill durch den Schreiber *) St. Lambrechter Saalbuch: „Super Herrandum ministerialem nostrum de Wildonia, quia violenter usurpasset sibi sylvam, quae sita est inter fluvium, qui dicitur Tewkwitz et alterum fluvium, qui dicitur Graeda. Praedium quod situm est inter rivum Goznize minorem et alterum ri-vum, qui dicitur Graden, solo monte, cui nomen est Primaspurch, excepto.“ 3) Sl. Lamb. Saalb.: „ln praedio a Herrando ministerial! nostro de Wil-donie coram nobis obtento inter fluvia Teukwik et Graden sito omnia jura ad nos spectantia, quae vulgo Lantgericht, Marchdienst, Voit-recht dicuntur libere tradidimuS, hoc salvo, si fur aut alter malefactor poena mortis pleotendus deprehensus fuerit praeconibus nostris cingulotenus tradatur judicandus.“ Herzogen. J. 1192—1246 n. Che. 41 Petrus befestigen die Spende von zwei Villen auf der Ebene an der Drau, Canöin (Heidin?) genannt, und nahe bei der Stadt Pettau gelegen (in confinibus civitatis Petoviae), welche er und seine Gemahlin Hiltrude vor mehreren Jahren schon der Kirche des heil. Johannes in Seitz gegeben hatten, mit Vorbehalt jedoch des lebenslänglichen Genusses für den überlebenden Theil 1). Nach Abt Johann I. erhielt den Krummstab ahn*E ^ in Admont der Kapitelpriester und Stiftsprior Ru- sitzungen diger 2). Am 6. Jänner 1203 bezeugte sich Erzbischof Eberhard II. abermals wohlthätig gegen dies Stift. In einer siegelgefertigten Urkunde bestätigte er zuerst Alles, was alle seine Vorfahren am Hochstifte zu Salzburg dem St. Blasienmün-ster in Admont gethan und geschenkt .haben. Sodann schenkte er dahin in volles Eigenthum und mit Gewalt habender Hand das Herrschaftsgut im Freilanöe mit dessen Umgränzung zwischen den Bächen Losnitz genannt, und von der Gegend, Stange geheißen, bi§ zu den Gränzen des bambergischen Besitzthums (im Lavant-thale), so wie dies ein Priester, Fruto genannt, von dem Erzbischöfe Adalbert III. in Besitz gehabt hat, mit allen Rechten, und was sonst noch zum Nutzen und Vvrtheile der Kirche und der Hörigen daselbst innerhalb der bezeichneten Gränzen erzielt werden kann. Auch gab er dem Stifte Admont die daselbst zu Ehren des heil. Leonhard gegründete Kirche mit allem Zugehöre, mit Funda-tionsgut und Zehenten, und mit der Unabhängigkeit von der Mutterkirche. Dagegen soll man im Stifte verpflichtet seyn, am Sterbetag des Erzbischofs und seines Vaters am 30. Sept. die Stiftsgemeinde mit besserem Brot, mit Wein und Fischen zu bewirthen und Arme mit einer Spende zu betheilen. Dazu wird noch ge« fügt die wiederholte Bestätigung der Pfarre Jaringen, Mauth- und Zollfreiheit des Stifts in allen salzburgischen Städten und Orten, das Altarlehen in der Kirche St. Martin's im Ennsthale, die Befreiung der admontischen Mühlen und Güter bei Rastaüt und am Fritzbache von allen Abgaben, und eine zinsfreie Hofstatt zu Pettau. Als Zeugen waren bei der Briefcssieglung anwesend: Ber-thold, Propst zu Speier, Heinrich, Erzüiaron zu Grauscharn im Ennsthale, Hartnid, Domherr zu Pettau, Meister Arnold, Mei- *) Dipl. Styr. II. 84 — 85. ") Saalbuch III. p. 35. — Pez II. 210. — Chron. Admont. 42 Steiermark unter ven Babenbergischen ster Simon, Konrad von Mülldorf, Liutolö von Gastein, Rudiger von Klamme u. o. a. '). Hierauf bereifte der Erzbischof seinen Metro- Stist-s G°ß. politansprengel und hielt zu Friesach, wohin auch Herzog Leopold gekommen war, eine ungemein zahlreiche Versammlung. Den Herzog und Erzbischof umgaben der Bischof Walther von Gurk, Abt Rudiger von Admont, der Abt von Viktring, der Propst Gerald von Seckau, Heinrich Domöechant von Gurk, Heinrich Archidiakon von Laoani, Heinrich Pfarrer zu Grätz, Sighard (Pfarrer) zu Hartberg, Daniel Hofkapellan des Herzogs, Herranü von Wildon, Hadmar von Kuenrieg, Otto von Haßlau, Marquarö von Himberg, Rudolph von Poltendorf, Wi-karö von Karlsberg, Dietmar von Lichtenstein, Heinrich von Leibnitz , Friedrich von Pettau, Otto von Königsberg, Ortolph von Montprcis (Montparis) u. v. a. Zn dieser Versammlung in der St. Bartholomäuskirche erschien Ottilie Abtißin von Göß mit vielen ihrer Ministerialen tragend die Handvesten ihres Stiftes, und erhob Klage wider Ulrich von Stubenberg, welcher unter dem Vorwände, mit der Vogtei ihres Nonnenstiftes vom Landesherzoge belehnt zu seyn, dasselbe hart bedrücke; es verhindere, ohne sein Mitthun weder Jemanden auf Pfarren des Nonncnstiftes einzusetzen, Beamte innerhalb und außerhalb des Klosters anzu-stelleu, Lehen zu ertheilen, ja selbst durch den Amman ihres Kapitels Hofverwaltungen zu bestellen, und andere Anordnungen mit Stiftsgütern zu treffen. Höchlich mißbilligten die Anwesenden solche Uebergriffe und Ulrich von Stubenberg mußte dagegen das feierlichste Gelöbniß aussprechen -). Bei dieser Gelegenheit be- L) Archivsurkunde 55. 3. 13. Dem genannten Priester Frutto hatte der Erzbischof Adalbert III. 40 Mansus Boden mit Gestrippe und Waldung in der Gegend des Schlosses Landsberg (in confinio castri Lonisberch, in loco, qui dicitui' Vril&nt silvas adhuc incultas). Auch hatte das Bisthum damals die Gegend Bluminau zwischen den beiden Bächen Losnitz bis auf die Alpen hinan (in loco, qui dicitui- Bluminove inter duos Losniz usque in alpes) vom Erzstiste zu Lehen, welche Gebirgsgegend spater auch an das Stift Admont geschenkt worden ist, wie die Urkunde vom Jahre 1207 zeigen wird» — Hansiz II. 316. — Saalbuch III. 156—158: Praedium in Frilande cum terminis suis, scilicet inter rivos, qui dicuntur Losniz, et ab eo loco, qui dicitui- Stange , usque ad terminos Babinber-gcnsis ecclesiae. — Ecclesiain quoque beat! Leonardi ibidem funda-tam cum omnibus attinentiis suis, dote videlicet et decimis, in ea li-bertate, qua exeinpta est a jure matricis ecclesiae. — Locum curtis in Bettowe, ita ut nullum inde solvant censum. 2) Dipl. Styr. I. p. 24 — 26 ; „Acta sunt haee Anno 1203 in Ecclesia 8. Bartliolomaei in Frisaco.“ — 43 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. stätigte auch der Aömonterabt Rudiger mit Brief, Abtei- und Ka-pitel-Sigille den Pachtvertrag seines Bvrgängers, Abtes Johann I., mit einigen Bürgern zu Friesach über eine aümontische Silbergrube am Zezzenberge gegen Abgabe des neunten Theiles vom jährlichen Erträgnisse 1 *). Bei seiner Heimkehr traf Abt Rudiger eine Bestätigungsbulle des gewaltigen Papstes Jnnorenz III. -). Am 29. November 1203 in Friesach bestätigte H. Leopold die Spende seines Ministerialen Leupolü von Levenstein an das Stift Viktringen mit Gütern in Oesterreich, Kärnten und im Mürzthale zu Por-seluch oder Parschlug 3). In diesem Jahre feierte Herzog Leopold seine Vermählung mit Theodora, Tochter des griechischen Kaisers Emanuel Comnenus oder Theoöorus Laskaris, einer Frau von wahrhaft königlichem Geiste 4). Bald darauf ward H. Leopold wieder ernstlich !,un4 in die ungarischen Angelegenheiten verwickelt. Papst m.fc» angelegen. Jnnorenz III. hatte die Befreiung des königlichen Bruders Andreas aus dem Kerker und dessen Wiedererhebnng zu der ihm gebührenden Würde vermittelt. Plötzlich starb König Emmerich (im Jahre 1204). Als Vormund des unmündigen Prinzen und Thronfolgers Ladislaus strebte Andreas diesem nach dem Leben. In banger Furcht flüchtete die Mutter, Konstantia, mit dem unmündigen Kinde, mit Krone und Schätzen nach Oesterreich und in den Schutz des biedern Herzogs Leopold. Dieses führte zum Kriege 5 6), und in Oesterreich und Steier wurden die Heeres-scharen ausgeboten. Die blutigste Schlacht stand bevor; als der plötzliche Tod des Kindes (1205) die Feindseligkeiten endete und den Frieden brachte. Die Prinzessin Witwe eilte hierauf nach Spanien heim und wurde bald darnach (I. 1209) Gemahlin des großen Kaisers Friedrich II. e). So war Herzog Leopold stets mit hochwichtige» Begebnissen in Anspruch genommen. Er hatte jetzt auch den einflußvollen Ge- x) Admonter Urkunde Z. 3. ") Admonter Urkunde A. 01. 3) Viktr. Urkunde. 4) Chron. Mellicens. Pez, I 1203. — Chron. Garst, apud Rauch. Anno 1203. — Schrötter, II. 269-270. Ortilo apud HanthaL p. 522 — 523. — Chron. Claustroneob. Anno 1204. — Chron. Admont. Anno 1205. 6) Schrötter, II. 255-259. 44 Steiermark unter den Vabenbergischen danken gefaßt, in Wien, im Stifte zu den Schotten, einen Bischofsitz zu gründen, und die Beneöictiner anderswo reichlich zu entschädigen. Er mußte jedoch diesen für Oesterreich so folgereichcn Plan an der hartnäckigsten Widersetzlichkeit Mangold's, Bischofs zu Passau, und an dein zu frühen Tode des K. Philipp II. scheitern sehen l). Im Jahre 1204 brachte Erzbischof Eberhard II. dem Stifte Admont eine Urkunde, in welcher die adelige Matrone Diemut, Witwe des Meingoz, Kastellans von Salzburg, dem heil. Blasius in Admont als Seelgeräth zwei Höfe zu Wange (entweder im Lungaue, oder St. Agatha in Weng beim Markte Zeiring) zur Zeit des Erzbischofs Adalbert III. geschenkt hatte, mit Vorbehalt des lebenslänglichen Genusses, jedoch gegen einen jährlichen Zins von 12 Pfennigen. Der Erzbischof nahm diese Schenkung in seinen besonderen Schutz, und siegelte die Urkunde vor vielen geistlichen und weltlichen Zeugen 2). folgt. Eben war H. Leopold mit seinen Heerscharen aus Deutsch, land von der Krönung Kaisers Philipp II. zurüikgekehrt 3 *), als ihm Abt Theodorich seine Huldigung bezeugte und eine herzogliche Gnade für das Stift empssng. Der Herzog schenkte nämlich dem Stifte zu Rein so viel Eisen am Erzberge in Eisenerz, als mittelst vier Blasbälgen erzielt werden kann. Diese Handlung und Urkunde ließ er bezeugen von: Ulrich von Stubenberg, Otto von Haslau, Otto von Graz, Ottokar von Graz, Otto von Krems, Otto von Stein, Rüdiger von Plankenwart u. v. a. *). Zu derselben Zeit schenkte auch Heinrich von Landsberg dem Stifte Rein zwölf Lehcngüter zu Ober- und Unter-Hemtschach bei Leibnitz 5). Den Karthäusern zu Seitz im Johannesthale bestätigte Ber-thold, Herzog von Dalmatien, Herzog in Istrien, mit Urkunde >) Hanthal. II. p. 528-532. — Schrötter, II. p. 278-290. -) Archivs urkunde 0. i. — Saalbuch III. p. 158-159. 3) Cliron. Admont. Anno 1205: „Liupoldus Austfiae Styviaeque magna-nimus Dux copiosam et electam militiam ducens et non minus inuni-ficc, quam magnifice agens.“ 4) Dipl. Styr. II. 17 — 18: „in fodina ferri nosti'i quantum ejus utilitatis provenire potest ex quatuor follibus.“ 5) Reiner Urkunde: „In villa Hemesach duodecim beneficia — Heinricus de Lonsperch.“ 3. 1205. Im Jahre 1205 war Konrad von Grodno, der Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 45 und Sigille (1205) die Schenkung seines Vaters, des Markgrafen Bertholö, von einer jährlichen Getreideschüttung in Windisch-grätz (in Windischingrätz), mauthfreien Bezug aller herzoglichen Verkäufe und Käufe, so wie zoll- und mauthfreien Durchzug im Markte Stein in Krain (in foro suo Stein) '). Am 10. November 1205 befand sich Erzbischof Eberhard II. auf seinem Schlosse zu Leibnitz/ und wie es scheint, in einer zahlreichen Kapiteloersammlung mit: Abt Ulrich von St. Paul, Propst Gerold von Scckau mit den Erz-üiakonen Meinhard und Heinrich, Heinrich Propst von Mariasaal, Eberhard von Neunkirchcn, Gerold von Murtze, Sigharö von Pi-schofesdorf, Ottokar von Vischach, und mit seinen Ministerialen: Otto von Königsberg, Otto von Leibnitz, Konrad von Jaun, Sig-fried von Velsberg u. v. a. Schon früher hatte Abt Berenger von St. Lambrecht den Erzbischof gebeten, einen ihm vorgestellten Priester als Pfarrer in Piber einzufetzen. Der Erzbischof, in der Meinung, Piber sey eine Patronatspfarre von Salzburg, weigerte sich dessen. Nun legte Abt Berenger die urkundlichen Beweise, daß Piber dem Stifte St. Lambrecht gehöre, vor; worauf Eberhard II. von seiner Ansicht abstand und die Bitte des Stiftsabtes erfüllte a). Als im Jahre 1206 Elisabeth von Gutenberg Rav. die Spende ihres Gemahles Liutold mit der Alpe t^ufniioftcc 5« Nezistal an das Stift Rein wiederholte, bestätigte Herzog Leopold die Handlung vor folgenden Zeugen: Wernharü von Schowenberch, Gottfried und Otto von Truchfen, Dietmar t von Ratcnstein, Otto von Grätz, Herrand von Wildon, Reim-bert von Mureck, Albero dem Mundschenk, Ottokar und seinen Söhnen Ottokar und Ulrich von Grätz, Wikard von Karlöberg, Wikarü von Waldstein, Erchinger von Landisere, Rudiger von Plankenwart u. v. a. a). Bald darauf scheint Herzog Leopold die untere Mark besucht zu haben. Denn er empfing persönlich l) Dipl. Styr. II. 87—88. 3) St. Lambrechter Saalbuch. 3) Dipl. Styr. II. 18—19. Die Urkunde in den Saalbüchern von Rein gibt folgende Umgränzung dieser Alpengegend: „Alpes, quae vocantur Necistal — cum omnibus attinentiis — a jugo montis Ysingor (Eisengor) sur-sum per juga Schwarzenekke, Varmbach, ipsasque alp es Necistae usque Prenta et per jugum Favryn, Stubinkhoubil usque Zerwante.“ 46 Steiermark unter den Babenbergischen im Karthäuserkloster zu Seitz für eben dasselbe aus der Hand Otachers von Gonobitz die Schenkung von zwei Gütern im Orte Oplottnitz ') vor dem ganzen Klosterkapitel und vor den Zeugen: Rudolph von Reebsach, Otto von Radisdorf, Ortolph von Plankenstein und Marquard von Boseth * 2). Wie das Stift Admont im Jahre 1203, eben so beglückte Papst Jnnocenz III. das Stift Lambrecht (21. März 1206) mit einer apostolischen Bulle, worin das gesammte Stiftswesen mit allen geistlichen und weltlichen Rechten nach dem Beispiele seiner Vorgänger, Paskal II., Hono-rius III., Eugenius III. und Alexander III. bestätiget und insonderheit die dem Stifte zugehörigen Kirchen und Pfarren genannt werden: die Kirche sammt Filialkloster Grazzlupa, die Kirchen zu Kaltenkirchen, Weißkirchen, Afflenz, St. Georgen, St. Marein im Mürzthale, zu Adriach, St. Anürä, St. Margareten, inJä-genburg u. s. w. 3). In Admont hatte Abt Rudiger bei dem Einsturze eines Felsens sein Leben verloren (18. Mai 1205) 4). Ihm folgte als Abt der seit 10 Jahren in Admont einheimische Priester Wolfram aus dem thüringischen Kloster Reinhardsbrunn. Da gegen erhielt das Stift Oßiach in Kärnten an dem admonti-schen Stiftspriester Gottfried aus einstimmiges Verlangen des Kapitels einen neuen Vorsteher 5). 4. *4»tbtafetifh Sin Sommer bereiste Herzog Leopold die Admont. otiere Steiermark und weilte auch im Stifte zu Admont. Am 14. August 1206 bestätigte er und besiegelte die Spende der Edelfrau Elisabeth von Guttenberg, welche in seiner Gegenwart durch die Hand ihres Vollstreckers, Ulrichs von Peckau, auf dem St. Blasienaltare opfern ließ eine Besitzung von fünf Mansus und einer Mühle zu Feistritz (wahrscheinlich bei Peckau) nach einem Vergleiche mit Wikard von Waldftein, welcher jene Besitzung im Psandbesitze gehabt hatte 6) und mit Gottschalk von Neitberg, welcher den Lehenbesitz derselben ansprach. *) Dipl. Styr. II. 86. 2) Actum est hoc in claustro praefatae ecclesiae (V allis S. Joannis) Anno 1206. 3) Saalbuch von St. Lambrecht. 4) Necrolog. C. 543. 544. — Saalbuch III. p. 35: „dum forte in iapi-dicina laborantibus interesset petra quadam in praeceps decurrente percussus et mortuus est.“ 5j Saalbuch III 35. — Chron. Admont. Anno 1206. o) Archivsurkunde A. 18. 123. - Saalbuch III. 229—230: „Actum anno 1206 in vigilia Assumptionis beatae Mariae apud Admunt.“ Herzogen. J. 1192—1246. n. Che. 47 Im Jahre 1207 hatten sich die Karthäuser zu te» Seitz an Herzog Leopold gewendet mit Beschwerde, |:ivt^'?lfcil/'|e^e wie ihr Stiftsgut allerorten widerrechtlich angegriffen und beeinträchtigt werde. Darauf ertheilte ihnen der Herzog folgenden Bestätigungsbrief: «Kund und zu wissen seye allen Christgläubigen jedes Alters, »daß ich Leupold, von Gottes Gnaden Herzog zu Oesterreich „und Steier, zu Lob und Ehre des Allmächtigen und Maria der „ewigen Jungfrau, seiner Gebärerinn, den Orden der Karthäuser-»einöde in der March unseres Gebietes, welcher durch unsere Vor-„fahrer, Markgrafen und Herzoge unter apostolischer Vollmacht "eingepflanzt worden ist, in Anbetracht frommer Ergebung verehre ..und wegen der Befeindung vieler Angreifenden, welche dieVoll-„strecker dieses Ordens an vielen Orten in ihren Besitzungen und „Gränzen beunruhigen, für nöthig erachtet haben, unter dem „Schirm unserer Macht zu begünstigen, und daß wir zur Erhöhung unseres Seelenheiles Alles, was unsere Vorführer dem „Hause des vorgenannten Ordens tin Johannesthale gegeben haben, »für gebilligt und unerschüttert zu halten beschlossen haben. Und „damit sie nun ruhiger und sicherer das Gegebene besitzen mögen; „so bestätigen wir die vor Alters schon (durch die Ministerialen „Ottakers unseres Vetters, Graf Heinrich, Otto, Wülfing, Cho-„lo, Heinrich, Ludwig, Offo, Dietmar von Grätz, Hartniü von „Wildon, Ortolph von Tales, Reimbert und vielen Anderen) fest-„gesetzten Gebietsgränzen, deren Lage folgende ist: Beim Ein-„gange in die Einöde vom Gipfel des Berges bis Meran, dann „über den Hügel oberhalb der Villa Gundramstorf, dann zur „Wasserfurth, Drau genannt, von dort bis zum Brücklein, wo „die Drau den Berg bespült; und so oberhalb bis zur Villa Zu-„chedole, die Ville selbst mit ihrem Zugehöre und fort bis zum „Grund und Boden des Liupold von Hohenek und die Ville Ror-„bach genannt, welche von Wülfing (von Kapfenberg) einem „Dienstmanne Ottakers eingetauscht worden ist, mit allem Zuge-„höre, und von dort über die Berghöhen, wie die Bäche und „Schneewässer gegen das Thal selbst hinablaufen, und so bis an „denjenigen Thurm, welcher neben dem Orte Betsach steht. Auf »daß nun aber der genannte Orden nicht irgend einen Mangel „erleide, so haben wir von unserem Eigenen noch hinzugefügt: „Vor der Stadt Pettau eine größere Ville, Britzlausdorf genannt, „welche zur Zeit Rudolplss von Rasia, in zwei Suppanien ge- 48 Steiermark unter den Babenbergischen »theilt gewesen; eine kleinere Ville, Preöensdorf; jenseits des Ba-"ches Pulzkau einige Neubrüche; in der Villa Rogot vier Man-„sus, welche von Richer (Dich er) von Thurn an unö gelangt sind, »und in einer Billa zu Nebau, jenseits der Drau einen Mansus „Grund zum Baue eines Weingartens. Und dieses Alles mit »allem Zugehöre, mit Weiden, Fischereien. Zehenten, nichts von „irgend einem Rechte uns Vorbehalten, haben wir den Karthäusern „zum freien und ruhigen Eigenthume übergeben vor den Zeugen: „Hartnid von Ort, Albert von Rohitsch, Ottaker von Gonowitz, „dessen Bruder Liutolü, dem Kellermeister (Magister cellarius) „Konrad, Wernher von Marchburg, Marquard von Bosetz Propst „zu Marburg und vielen anderen unserer Ministerialen ')." 3. 1207. 4. Leopold tn Linz. Bald darnach war Herzog Leopold in Linz mit Mangold Bischof zu Passau, Graf Lcupolü von Plain, Bernhard von Schaumberg, Rudolph von Kinüberg, Liutold von Peckau, Hartnid von Ort, Wulstng von Kapfenberg, Hartnid von Wilüon, Ulrich von Stubenberg, Dietmar von Lichtenstein u. v. a. Edelherren und Ministerialen auS Oesterreich, und gab dem Stifte zu Gleink einen ausgedehnten Schenkungs-brief, worin unter vielen Anderen auch Güter im obersteirischen Ennsthale zu Gumpenberg bei Haus gespendet wurden -). Dem Chorherrenstifte auf Seckau schenkte im Jahre 1207 Heinrich von Prank mit gewalthabender Hand unö ganz unö gar sein väterliches Erbgut in Prank als eigenes Seelgeräthe wie für die Ausnahme seiner zwei Schwestern Leutardis und Elisabeth in das Nonnenkloster zu Seckau, seiner selbst in die volle Bruderschaft, endlich auch für seine Grabstätte in Seckau. Er gab auch zwei Güter zu Nitzendorf, damit davon eine Kapelle zu Ehren der Apostel Peter und Paul zu Seckau erbaut und öokirt werde. Seine Schwester Perchta von Timmcnsdorf und ihre Angehörigen entschädigte er mit Alloden zu Strechwitz * * 3). Im Jahre 1207 zeigte sich Erzbischof Eberhard II. ungemein thätig für das Wohl der Stifte in seinem Sprengel. Dem Stifte zu Rein bestätigte Kirchliche Thätigkeit des Erzbischofs Eberhard ll. in Steiermark. Dipl. Styr. II. p. 76-78. 2) Kurz, Beitr. III. 324 — 327: „Praedia tredecim in Enstal juita Gum-penperge montem apud Hous.“ 3) Dipl. Styr. I. 187 — 188. 49 Herzogen, J. 1192—1246 n. Chr. er die Zehentfreiheit von allen Ncubrüchen, welche auf den Stists-gründen entweder durch die Hände der Stiftsbrüdcr oder auf deren Kosten gemacht werden. Bei seiner Anwesenheit im November zu Friesach zwang er durch Bannesdrohung den Ritter Ottokar von Slierbach von allen widerrechtlichen Ansprüchen auf das Stift Lambrechtische Besitzthum in Pisch sogleich abzustehen 9. Zwischen dem Stifte St. Lambrecht und dem Pfarrer Eberhard zu Vonstorf, erzbischöflichem Kapellan, war seit lange schon Streit wegen der Kapellen St. Egyöen zu Obdach und St. Andrä zu Baumkirchen, auf welche, als zu seiner Kirche gehörig, gedachter Pfarrer Ansprüche festhielt und dieselben sogar an den apostolischen Stuhl zur Entscheidung gebracht hatte. Als Schiedsrichter waren von Rom aus bezeichnet: Abt Gottfried von Ossiach und der Pfarrer von Görtschitz in Kärnten. Die streitenden Parteien erschienen vor Erzbischof Eberhard II. in Friesach, welcher am 21. November 1207 den Pfarrer Eberhard zur völligen Entsagung auf die genannten Kirchen und Pfarren anwies, dagegen aber den Stiftsabt von St. Lambrecht zur immerwährenden jährlichen Bezahlung von fünf Marken an die Pfarre und Kirche zu Vonstorf verbindlich machte. Endlich schenkte der Erzbischof die Zehenten der Kirche in Obdach dem Stifte St. Lambrecht selbst °). Das für die Topographie der Länder Salz-bürg, Oesterreich, Steier und Kärnten bei weitem Zehenten des @uf, _ „ _ „ _ tes Admont. merkwürdigste Diplom des Erzbischofs Eberhard II. von diesem Jahre ist die Bestätigungsurkunde aller admontischcn Zehenten, welche folgendermaßen lautet: »Eberhard von Gottes „Gnaden Erzbischof von Salzburg, des apostolischen Stuhles Le-»gat, dem ehrwürdigen Abte Wolfram von Admont und seinen Brü-»dern in Ewigkeit! Indem wir gemäß des von dem Urheber »alles Guten empfangenen Amtes kirchlicher Regierung svwol unter »gegenwärtigen als auch zukünftigen Söhnen unserer Kirche das »Gut des Friedens und der Ruhe zu befestigen uns bestreben, »so zweifeln wir nicht, daß dieses wirksamer vollbracht werde, 1 ) St. Lambr. Gaalbuch: „praedium quod dicitur Piscli.“ 2) St. Lamb. Saalb.: „Transactionem, quae inter monasterium S. Lamberti et capellanum nostrum Eberhardum plebanuin de Vonstorf super capellis in Obedacli (S. Egydii) et de Boumkirclie (S. Andreae). — Testes: Clmnradus plebanus S. Mariae in Lavant. Walcliinus de Fri-saco. Gotpoldus de Frisaco. Heinricus de Noestein. Clmnradus de .Tun. Waltherus de Micheldorf.“ Gosch. £>. &teimnurF. — V. 4 50 Steiermark unter den Babenbergischen „wenn wir bemüht scyn werden, einem Jeden die ihm gebührende »Gerechtigkeit zuzuwendcn. Dem Beispiele der Emsigkeit unserer „Vorfahren, welche das Stift Admont wegen seines religiösen „Geistes mit besonderer Liebe erhoben haben, rechtmäßig folgend, „halten wir cs für werth, auf eure gerechten Bitten zu hören, um „für euer Wohl und für eure zukünftige Nuhe zu sorgen, daß „wir nämlich die Schenkungen eurer Zehenten mit den ihnen zu-„kommenden Gränzen durch diese schriftliche Handveste für euch „und für euren Münster in Ewigkeit unter unseren Schutz zu bestschirmen nehmen, wir ihr dieselben von unseren Vorfahren, den „Erzbischöfen Konrad dem Aelteren, Eberhard I. heiligen Anüen-„kens, Konrad dem Jüngeren, und von dem ehrwürdigen Aöal-„bert III. in eigenen Handvestcn bestätigt, besessen habt. Und aus „daß ihr euch für die Zukunft durch überschwengliche Vorsicht „(Huth) nicht beschweren dürft: so bezeichnen wir hier die Namen „jener Zehente» mit ihren Gegenden und Umgränzungcn. Die „Zehenten im Lungaue mit folgenden Gränzen bezeichnet: Vom „bezeichncten Ahornbaum (ab arbove platano designata) ober „Frezen am Bache Seebach aufwärts, von Azzimannisdorf bis „Konskize und so bis Lasach; von dort bis Schwarzenbrunn und „von dort bis zur Mur. In der Breite von Judendorf jenseits „der Mur neben Turach auswärts gegen Lunnitz und so fort bis „zu den äußersten Gränzen Gratendorf, und von dort allerorten »gegen Goriach und Lessach, zu Lessach, zu Lusnitz, und von da „über Revenich hin, bis man wieder zurückkommt zu dem oben „bezeichncten Ahornbaum ober Frezen mit den Zehenten aller ge-„genwärtigen und zukünftigen Neubrüche. Die Alpe, Lunnitz ge-„nannt, anfangend vom bezeichnten Baume am Bache Lunnitz und „biö auf die höchsten Höhen reichend, und gleicherweise der Länge „und Breite nach bis zur Alpe, Enstalar genannt. Weiters eine „andere Lunniz vom Bache Wiztriach, die Hälfte der Alpe Kons-„kizc. Den Zehent zu Katsch, von Funstritz abwärts bis Mur-„brucke, und von dort bis zur Alpe aufwärts bis Jausdorf. Den „Zehent zu Preitenfurt. Den Zehent zu Walmerdorf mit seinem „Zugehöre. Zwei Huben zu Purch, und die Hälfte der Kirche. „Den Zehent zu Listach, von der Höhe Predigoi gegen Gooer-„niz und bis an die jenseitigen Gränzen Judinburch. Damit aber „über diese Gränzen später kein Zweifel entstehe, so glauben wir „selbe nach Einsicht der Handvestcn unserer Vorfahren also be-„zeichncn zu sollen: nämlich von den Gränzen Preitenfurt neben 51 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. »dem Abfall des FlussesMure von der Seite Eppenstein bis in Chien-«einöde und Predigoi, in drei Pfarren, Pols, Bonstorf und Chuen-»berg und Kapelle Weißkirchen bis auf die Piberalpc hinauf und an --die Gränzen der Pfarre Piber und von dort bis Lobnich, und vom »Bache Lobnich rückwärts Eppenstein in Feldern und Wäldern, durch »den ganzen Gemnarwalü, nämlich von Obedach bis in Predel „mit den Gränzen der Wasser und Gebirge zu den Gränzen der „Pfarre St. Maria Lavend, und von Predel jenseits des Flus-„ses Lavend bis Laoendeck, und von da bis Gravenwart und „Sröbern und bis zur Gränzscheidung beider Pfarren St. Ma-„ria Grazzlup und St. Maria Pols sollen euch und eurem Mün-„ster von allen urbaren und urbar zu machenden Gründen die „Zehenten geleistet werden. Den Zehent von der Brücke desPöls-„ssusses bei Gezindorf bis an die Gränzen Tiefenbach. Den Ze-„hcnt zu Chrawat von Chieneinööe auf beiden Seiten des Flusses „bis Rotilstein. Den sogenannten Borzehcnt vom Gaizarwalde „und Chiencinöüe. ^Den Zehent zu Kammern mit vollem Zuge-«höre. Zwei Huben zu Lufnitz mit allem Zugehöre den Zehent „und die Billa zu Jahringen mit dem Zehent. Zu Arnsdorf (in „der Ostmark) drei Weinberge und die Hälfte der Opfer jener »Kirche und den Getreid- und Weinzehent von den Ansitzen zwölf „Rücksäßigcr, den Zehent zu Michcldorf bei Friesach und zu „Krapfelde mit allem Zugehöre. Zu Scherzinberge auswärts durch „den ganzen Umfang des Tobersberges und von einem Gute auf „Toberscha und auf dem Berge Telchingen den ganzen Zehent «und gegen Rommenstcin hinab bis zur Bille Eich, und von Eich „an der Seite bis Gurke, zur Gränze des Herrschaftsgutes Chrum-„plowe mit den Zehenten von allen Neubrüchen. Alles was euch „iln Erzrechte auf dem Gute eurer Kirche auf Zozzcn unser 35or» „fahrer, Adalbert III., in seiner Handveste bestätigt hat, üieHälfte „nämlich von all dortigem Erzeugnisse, und von Allem, was da „genannt wird Garrenrecht, Spizrecht, Hutrecht, von Steuer „( „kirnowe und auf dem Hügel neben der Kirche und auf Rinte von «sechs Huben, und auf dem Gute Chrotfe von drei Huben. Den «Zehent zu Jahringen auf dem Gute des Stiftes. Den Zehent in „der ganzen Pfarre Jahringen. Im Admontthale die ganze Pfarre «von der Chvserowe und Klause des Dietmarsberges, eben so von «der Klause an der Palte und an der Enns bis zum nächsten Bäch-„lein Riute, und von dort zu beiden Seiten des Ennsflusses bis «zum Bache Fradnitz - mit allen alten und neuen Zehenten, welche «sowol bischöflichen als pfarrlichen Rechtes sind, mit der Kirche 53 Herzogen. J. 1192—1246 n> Chr. „des H. Gallus im neuen Walde, und mit den Zehenten aller „gegenwärtigen und zukünftigen Neubrüche in demselben Walde. „Auf daß nun das Eigenthum dieser Zehenten oder Besitzungen, „welche entweder durch die Freigebigkeit unserer Borfahrer, oder „durch unsere Spende Gott und dein H. Blasius gegeben worden „sind, allein euren Genüsse für alle zukünftigen Zeiten unerschüt-„fcrf und ungeinindert verbleiben möge, indem wir sie unter Got-„tes und unseren Schutz nehmen, belegen wir, in Vollmacht, in „welcher wir einmal unwürdig heroorragen, alle diejenigen mit »dem Kirchcnbanne, wenn sie sich nicht zum Besseren wenden wer-„dcn, welche gegen das in dieser Handveste Ungeordnete irgend „einen Angriff wagen ')•" Für die Stifte seines Metropvlitansprengels „. 3- m8- u Urkunden für die zu sorgen unterließ Erzbischof Eberhard II. keine ©tifte_ sein und Gelegenheit. Zuerst bestätigte er im Jahre 1208 dem Stifte Rein den Eigenthumsbesitz der Bille Strazille oder Straßengel, Reze und Judendorf, welche erst Herzog Ottokar aus der Spende seines Vaters, des Markgrafen Ottokar VII., vorenthalten, dem Stifte überantwortet hatte; wozu der Erzbischof noch die Erlaubniß fügte, in der Kapelle zu Straßengcl für die Stistsgemeinde gottesdienstliche Handlungen zu verrichten 2). Am 11. December 1208 fertigte er mit seinem Sigille einen umfassenden Bestätigungsbrief für öaS Chorherrenstift Seckau. Propst Gerold war zu diesem Zwecke nach Salzburg gekommen, legte dem Metropoliten seine Bitten und zugleich alle frühere» Handvesten und Schenkungsbriefe seines Stift-s vor. Der erzbischöfliche Bestätigungsbrief lautete nun ganz nach der Weise des großen Diplomes Adalbert III. (Jahr 1197) s), nur finden sich hier noch folgende spätere Schenkungen beigesetzt: „Aus der Spende Leu-pold's, Herzogs von Oesterreich und Steicr, den Müllwald und einen Antheil an der Eisengrube bei Leoben (im Erzberge Vor-dcrnberg's wahrscheinlich); aus der Schenkung Alberts von Ecken-feld die Bille Chotsamsdorf; aus der Spende Hartnid's von Ort die Villen Alramsdorf, Wagerin, Pueche und Mogelnik; aus der Schenkung der Gertrude und ihrer Tochter Mechtildis die Villen *) Admont. Archivsurkunde» XX. 2. 3. A. 2. — Saalbuch III. 151—156. Reiner Saalbuch: „Capella ccdat in usus pcrpetuas, et ut ibidem con-versis suis divina faciant.“ 3) Dipl. Styr. I. 173-182. 54 Steiermark unter Len Babenbergischen Wetschine, Sülze, Piesnich; aus öer Spende Reimbcrts von Mureck Staideromscdorf; von Albert von Eppensteiu Lcopoldsdors, Kappel, Krauwat; dessen Sohn Landfrid Gävernitz mit Zugehöre; aus der Spende Herrand's von Wildon Siginsdorf; durch Judith und ihren Sohn Albert von Romestein Hof und Hube zu Lcista und Alpe mit Zugehör; von Wülfing von Kapfenberg den Hof Stade; und durch viele andere Spenden Güter zu Bruk, Aich, Judendorf, Mochel, Rüßdorf, Feustritz, Mautarn, Pabenkorf, Thesenbach, Flatsach, Stattenberg, Forche, Heydorf, Erlach in der Au und Neudorf '). Anthca Die blutige Fehde in Deutschland um Äaifev- tcfcnfjciten tcstciit *-rcinc unö Reich zwischen Philipp II. und Otto von sch-il Reichs. Braunschweig war im Jahre 1207 durch einen Waffenstillstand einstweilen beruhigt worden. Am 21. Juni 1208 war Kaiser Philipp II. durch den von ihm betrogenen Pfalzgra-fen Otto von Wittelsbach ermordet worden. Run begann der Kampf neuerdings zwischen dem Hohenstauffen Friedrich von Sizilien, Sohn Kaisers Heinrich VI. und Otto IV. von Braunschweig. Erst auf Rath und Dringen des Papstes Jnnocenz III. schlug sich Herzog Leopold von Oesterreich und Steier zur Partei des Letzteren, der endlich allgemein als Kaiser anerkannt, auf dem Hoftage zu Würzburg (im Juni 1200) durch das eifrigste Bemühen Leopold's mit Beatrix der jüngeren Tochter des ermordeten Philipp's verlobt, und endlich auch in Rom) (5. Ort. 1209) feierlich gekrönt worden ift1 2). Im Todesjahre des Kaisers Philipp II. (1208) hatte Herzog Leopold von Oesterreich und Steier in einer ungemein zahlreichen und feierlichen Versammlung zu Klosterneuburg aus der Hand des Karthäuserpriors, Niklas von Seitz, das Kreuz unö die päpstlichen Ablaßbullen (Rom, 25. März 1208) zu einem Zuge nach Palästina voll heiligen Eifers empfangen 3), um das zu wagen, was von seinen erlauchten Vorvordern eine Frau (Ida) 1) Johanneumsurkunde. — Dipl. Styr. I. 189 - 190: „Acta sunt liaec Salzburgae. Anno 1208. III. Idus Decembris.“ Bon steirisch - salzburgi-schen Ministerialen waren damals als Zeugen anwesend: Konrad von Leibnitz, Heinrich von Hard und Ernst von Reichcnburg. 2) Baluz. in registr. de negot. imper. I. p. 175. — Arnold. Lubcc. VII. 15 — 20. — Otto S. Blasii apud Unstis. I. 227. 3) Llim». Mellicens. Zwettl. Anonym. Leob. Pez I. 1208. — Baluz. legist. de negot. imper. I. 175. — Hanthal. I 533 •— 534. Hier schloß der Herzog auch einen Vergleich mit dem Erzbischof Eberhard II. in Betreff der Theilung der Nachkommen Reimberts von Mureck, 31. März 1208. 55 Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. Z» ihrem Unglücke, Heinrich Jasomirgvtt ohne Ruhm und Nutzen, Leopold der Tugendhafte zum Verluste der Ruhe in der letzten Lebensstunde, und Friedrich der Katholische mit Einbuße seines jungen Lebens gewagt hatten! Für jetzt jedoch kam der Zug nach Palästina nicht zu Stande. Am 10. September 1209 finden wir ihn aus ^ ^ einer ungemein zahlreichen Versammlung non Lan- s.-mW in W«. . —„ , . bürg. Urkunde für descdlen m Marburg, umgeben von Wcrigand von @ci^. ■ Hoheneck, Gebhard von Seuneck (Sannek), Lcutvld von Peckau, Dietmar von Lichtenstein, Otto von Krems, Ulrich von Stubenberg, Cholo von Truchsen mit seinen Brüdern Gottfried und Otto, Friedrich von Pettau, Rcimbcrt von Mureck, Albert von Rohitsch, Cholo von Rase, dem Truchsäß Berthold von Emmcr-berg, dem Mundschenk Albert von Grimmcnstein, dem Marschull Rüdiger von Plankenwart, Eckhard von Leibnitz, Ottokar von Wolkenstein, Otto von Wasen, Gerard von Krumbach (Thalberg) und dessen Bruder Heinrich von Wildhausen, Heinrich dem Kämmerer von Tribuswinkel u. v. a. Herzog Leopold hatte sich aus Litten des Seizer Priors Nikolaus der bereits gänzlich wieder verfallenen Karthause in Gairach angenommen, und zum Beginne des Aufbaues einer neuen Kirche daselbst Befehle ertheilt'). Im Voraus gab und besiegelte er einen Bcstätigungs- und Spendebrief folgenden Inhaltes: „Zur Kunde aller Gegenwärtigen und Zu-„künstigrn soll gelangen, wie wir zu unserem und unserer Aeltern „Seelenheil das Haus des Karthäuseroröens. Gyrium zugenannt, „wieder hergesteüt haben, welches, nachdem cs vor Jahren von „dem ehrwürdigen Bischof Heinrich zu Gurk auferbaut (1174), „aber von dem besagten Orden durch die Nachfolger des genannten "Bischofes wieder hinweggenommen, und so fast gänzlich zerstört „und vernichtet worden ist, und das wir aus Gewissenspflicht zu „Ehren Jesu Christi, der heiligen Maria seiner Gebärerin und »des H. Johannes des Täufers durch Darreichung unserer hel-„fenden Hand zum Karthäuserorden wieder gebracht haben. Au-„ßerhalb der Gränzen des ihr früher gehörigen Besitzes geben „wir der Karthause zu Gairach noch die Villc der Weinberge „mit Namen Planinich, und wir weisen ihr in unserer Stadt Dipl. Styr. II. p. 138 : Ecclesiam, quam ibi in honorem Dei — pro-priis sumptibuB aedificavimus — tjeifit es tnt Jahre 1212. 56 Steiermark unter den Babenbergischen „Marburg eine jährliche Rente von fünf Marken Friesachergel-»dcs zu Fifchen an. Wir ertheilen hiermit auch allen unseren „Ministerialen die Freiheit, Schenkungen mit Gütern an dieses „Kloster zu machen. Die Schirmoogtei von Gayrach behalten wir „uns selbst vor etveitlto,Tilgen A'U 25. Mai 1209 ward aus dem Schlosse d-r^Mut. Thalberg zwischen dem Propste Liutolü von Voran und in Kradwein, und den Eüelherren Gerard und Heinrich vonKrum-bach offene Verhandlung gepflogen vor den Zeugen: Berthold von Emmerberg, Berthold von Stege, Meinhard von Vroberg, Ortols von Schrattenftein, Ulrich von Burchselüe (Birkselö) u. v. a. Die alte Kirche St. Jakob und die jüngere Kapelle St. Margarethe in Zelle (Wenigzell) waren Filialkirchen der Pfarre zu Voran, jedoch derselben seit lange schon entzogen, und vorzüglich die erstere von Gerard und Heinrich von Krummbach unter dem Titel des Grund, rechtes angesprochen und der Mutterkirche vorenthalten worden. Propst Leopold hatte jetzt endlich die genannten Eöelherren dahin gebracht, daß sie alö Opfer für ihr Seelenheil die Rechte der Borauer Mutterkirche anerkannten, und daß dem Vorauer Propste das ewige Recht verbleiben sollte, einen zu St. Jakob im eigenen Pfarrhause stets wohnenden Priester zu bestellen, welcher pflichtgemäß sowol hier, als auch in der Kapelle der H. Margarethe zu Wenigzell den Gottesdienst zu besorgen hätte ?). Die darüber verfaßte Urkunde ließ Propst Liutolü vom Lanöesherzoge und von dem Erzbischöfe Eberhard II. bestätigen und siegelsertigen. Ein ähnlicher Zwist dauerte schon Jahre lang zwischen dem Stifte Rein und dem Pfarrer Gregor in Gradwein um die St. Marienkapelle zu Straßengel, so daß Letzterer sogar nach Rom appcllirte. Die von Papst Jnnocenz III. bestellten Schiedsrichter waren Heinrich Erzpriester von Grauscharn, Walther von Neustadt und Ottokar von Fischach. Diese entschieden in einer feierlichen Ver- 1) Dipl. Styr. II. 136 — 138 : „Acta sunt haec in foro nostro March-1, urcli. Anno 1309. IV. Idns Septembris.“ — Ludewig, Reliq. IV. 185. 2) Caesar, Annal. Styr. II. 101 — 103 aus der Vorauer Chronik, und p. 480 der Urkunde selbst: „Quod Vorawiensis Praepositus in praedicta Capella 8. Jacobi sacerdotem jugiter ibi cum domo permanentem defeat ordinäre, qui tarn in ipsa, quam in alia capella 8. Marg&ritae in cella, praedictae Vorawiensis Ecclesia« fiiia, divina debeat celebrare.“ — „Capella 8. Jacobi, quae multo tempore a matrici ecclesia Vorawiensi fuit alienata.“ — Acta publice in Thalberg. Anno 1309. VIII. Kal. Junii. 57 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. sammlung vor den Pfarrern Heinrich von Grezc, Heinrich von Leibnitz, Albero von Leibnitz, Bernhard von Rabe, Berthold von Adriach, und Petrus von Polan (Pöllau) und vor den Edelherren: Ottokar von Greze, Rudiger von Plankenwart, Otto von Stein und Marquard Pruhaven den Streit folgendermassen: dem Pfarrer Gregor soll der Genuß der Kapelle mit ihren Opfern und Jahreszinsen lebenslänglich, so wie ein Gut in Borcnze und eine Hofstatt in Gradwein verbleiben; dagegen aber soll der Erzbischof die St. Marienkapelle zu Straßengel in einer Synodalversammlung vom Pfarrsrechte zu Graüwein für immer erledigt erklären. Das Stift Rein soll auch die stete Gefälligkeit haben, der Mühle des Pfarrers von dem auf den Stiftsgrünüen fließenden Wasser den nöthigen Antheil zukommen zu lassen '). Am l.Mai 1209 befand sich Erzbischof Eber-hard II. zu Friesach mit Walther, Bischof zu Gurk, sammlung in sue sach. Streit wegen Walther, Pfarrer zu Hove, Ruülger, Pfarrer zu der Kirche Schönberg Stulfelden, mit den Pfarrern Albert von Weißkir- "" chen, Rudiger von Pols, Friedrich von Jnöikhofen, Heinrich von Lind, Johann von Bonstorf, Hartnid von Rabenz. Da ließ er den Streit um die scckauische Kirche in Schönberg durch ein Gericht mehrerer Pfarrer, Walther von St. Michael in Hof, Rudiger zu Pols, Albert von Weißkirchen und Heinrich von Lind, unter dem Vorsitze Dietmar's, des Erzdiacons der untern Steiermark, dahin entscheiden, daß der Pfarrer Eberhard zu Vonstors allen Ansprüchen auf die seckauische Kapelle zu Schönberg feierlich entsagen mußte. Entscheidungs- und Bcstätigungsurkunde wurden gefertigt am 1. Mai 1209 1 2). Reben den schon genannten Geistlichen erscheinen dabei in der Urkunde als Zeugen: Johann, Priester von Judenburg; Berthold, Diacon von Kobentz; Hartnid, Priester von Kobentz; Heinrich, Kapellan des Erzdiacons. Um die Mitte üeö Jahres 1207 hatte Abt Wolfram zu Admont wegen anhaltender Gicht die abteiliche Würde niedergclegt, zu welcher nachher der ehemalige Stiftspriester, Gottfried II., seit dem Jahre 1205 als Abt zu Ossiach in Kärnten, berufen worden ist 3). 1) Reiner Urkunde. 2) Dipl. Styv. I. 190 — 191 : „Data Frisaci Kalendis Maji. Anno 1209.“ 3) Necrolog. C. 381 — 543. 544. - Saalbuch III. 35 — 36. — Cliron. Admont. Anno 1207. 58 Steiermark unter Len Babenbergischen Synode ^auf dem 21,11 14‘ Juni 1209 hatte der Erzbischof Eber, ^nontmidnnbe- &nrö n ouf seinem Schlöffe Werfen eine Kapitel. Versammlung gehalten, wobei anwesend waren: Albrecht der Dompropft, Engclmar der Domcustos, Rudiger der Spitalmeister, Heinrich der Domkämmerer, eilf Domkapitularprie-ster, zwei Domkapitular-Diacone, der Domdechant Albert, der Abt Simon von St. Peter, Konrad der Propst von Hofe, die Pfarrer Amilrich von St. Cyriak, Pilgrim von Rastat, Karl von Mallentein, die Ministerialen Friedrich von Pettau, Konrad Burggraf von Salzburg, Otto von Werfen, Albero von Moos u. v. a. In dieser Versammlung ließ der Erzbischof schreiben und siegeln einen allgemeinen Bestätigungsbrief über alle admontischen Besitzungen und Rechte, freien Aus- und Eingang auf allen Stiftsgütern, ungehinderte Verhcirathung salzburgischer Hörigen mit nb-montischen; wobei mit Kind und Ha.be das Weib in den Herrschaftsbesitz des Mannes übergehen solle. Weiters wird in diesem Diplome festgesetzt: »Unsere Hörigen, welche freiwillig gegen Jah-„reszins Grund und Boden der admontischen Herren (Domino-»l’urn Admontensium) bearbeiten, sollen fürderhin keine Forder-»ungen von unseren Verwaltern erleiden, und sollen diese einen »solchen Rücksässigen zu irgend einem Dienste geeignet halten, so »mögen sie ihn nach Recht der Hörigen (jure colonorum), je-»doch ohne Nachtheil des vorgenannten Munsters (zu Admont) „nehmen. Alle neuen und älteren Streitsachen über einen der vor-»genannten, oder über Gegenstände, welche Vurhupit genannt wer-»den, erlassen wir von nun an ganz und gar. Die Laiengerichte »sollen die Leute des Stiftes eben so wie die Unserigen zu fürch-»tcn und zu beobachten haben, mit Ausnahme der Diebe, welche »gebunden ausgeliefert werden sollen, in allem Uebrigen sollen die »Leute des Stiftes ihr eigenes Gericht haben ’)." — Auf Befehl des Papstes Jnnocenz III. mußten die Siebte von Ossiach und St. Paul die Beschwerden des Stiftes Viktring gegen den steiermärkischen Eüclherrn, Ritter Reimbert von Mureck, welcher diese», Stifte ein Haus in Völkermarkt weggenommen und dessen Mauthfreiheit zu Feistritz beeinträchtiget hatte, untersuchen und schlichten l) 2). l) Archivsurkunde A. 100. — Saalbuch III. 159—102: „Actum apud Wer-ven. Anno 1209. II. Idus Jnlii.“ ") Viktringer Urkunde. Herzogen. J. 1192—1246 n. <51;t. 59 Solcher Versicherungen und urkundlicher Hand- [cm vesten ungeachtet sind die Stifte von allen Seiten iici^tage, imc an Habe und Rechten angegriffen und verletzt wor- iwl»kea«*K*6 den. Schon seit längerer Zeit hatte sich GrafMein- "‘"t<5 'lfc"umt' hard von Abensberg der Schirmvogtei über die aömontischen Besitzungen zu Elsendorf bei Regensburg widerrechtlich unterwunöen, und dieselbe mit steten Bedrückungen des Stiftes und seiner Leute ausgeübt. Auf dem Hostage in Nürnberg erschien nun Abt Gottfried II. vor dem kaiserlichen Hofgerichtc mit Klage darüber. Die eben anwesenden beiden Neichssürsten Herzog Leopold von Oesterreich und Stcicr und Erzbischof Eberhard II. verneinten es, den Grafen Meinhard jemals mit einer Vogtei über jene Güter belehnt zu haben. Die Vogtci wurde hierauf dem Marschall Heinrich von Pappenheim anoertraut Dies Urtheil bestätigte dann der Kaiser mit Brief und Sigille. Sogar auch an Papst Jnnv-cenz III. hatte sich Herzog Leopold als aümvntischer Obcrvogt wegen fortgesetzter Anmaßung des Grasen Meinhard wenden müssen ; worauf der Papst dem Bischof von Regensburg die Be. schützung der aömontischen Güter in Baiern in einer eigenen Bulle (4. Juni 1211 — 1212) nachdrücklich empfahl -). Die Schenkung der Kirche der heil. Maria in I. 1210. Leoben, welche Konrad Gras von Plaien dem Stifte mönMutT®^' «m Admont im Jahre 1188 gegeben hatte, wurde ein tanjeni« Sčn’ Gegenstand jahrelangen Streites zwischen Admont und dem Nonnenstifte zu Goß, welche den Besitz dieser Kirche aus verschiedenen Gründen ansprachen. Beide Theile verglichen sich endlich im Jahre 1210 auf ein Schiedsgericht ehrenwerther Männer, des Propstes Gerold von Seckau, Wikpotv's des Priors zu Admont, Ulrichs von Stubenberg und Otto's von Krems, welcher zum Theile noch um das Urtheil zu finden, und als Zeugen der Handlung beistanden: die Admonter Capitularen Friedrich, ehedem Prior in Admont, nun Pfarrer zu St. Michael an der Licßing, Friedrich der Kämmerer, Heinrich der Rechtslehrcr (Le-gista), Wieland Kapitular; die Pfarrherren: Hartwik Pfarrer zu Kobcntz, Rudiger zu Mur bei Gösse (ad Gösse), Rudolf von Leoben, Wolfram von Trofaiach, Konrad von Cham, (Priester *) Monum. Boie. XXX. I. 470 471. =) Zwei Archivsmkunden M. 21. GO Steiermark unter den Babenbergischen und Vikaricn des Admonter Abtes); die Landesedlen Wigand von Leoben, Hcrwik von Kapfenberg, und die Gößerininisterialen Walrab und Halmrich. Ju diesem Gerichte ward der Besitz der Kirche St. Maria Waasen zu Leoben dem Nonnensiiftc Göß zu-gesprochen, dieses dagegen verpflichtet, der alten Muttcrkirche zu St. Michael an der Ließing und dem Stifte Admont eine Jahresrente von vier Marken aus Gütern zu Traboch, zu Podigor in Mur, zu Krottenöorf und zu Bealsdorf in der March (in Martina) zu versichern. Weiters solle die Kirche St. Maria Waasen bei ihrem ersten Gründungsrechte belassen werden, nämlich mit dem Rechte der Taufe und Bestattung aller Hörigen auf den Eigengütern des Gründers (fundatoris), des Grafen Koir-raö und seiner Enkel, der Herren von Glainch. (Procerum de Glainh), von welchen Gütern auch dieser Kirche die Zehenten geleistet werden. Eben das gleiche Recht in Hinsicht auf ihre und auf die gössischen Güter in demselben Thale solle hierfür die Kirche St. Maria Magdalena in Tragöß genießen; im übrigen aber dem Pfarr-Rechte der Mutterkirche unterworfen bleiben. Die ganze Verhandlung wurde dem Erzbischöfe Eberhard II. zur Wissenschaft vorgelegt, und dann förmlich verbrieft und siegelgesestigt ’). ,5 sco^oxt ju’staK» 3m Herbste des Jahres 1210 hatte sich Her- Hm. Urkunde für zog Leopold längere Zeit in Steiermark aufgehal-tiiswtiitaum. glin 24. Oktober 1210 finden wir ihn in dem auf römischen Trümmern erhobenen Orte Stallhofcn, umgeben von Herrand von Wildon, Illrich von Stubenberg, Dietmar von Lichtenstein, Otto von Krems, Hartnid von Ort, Rudiger von Plan-kcnwart, Ottokar und Otto von Greze. Hier stellte er dem Stifte Rein eine Bestätigungsurkunde aus über das Eigenthum der Alpe Gattenfeld (bei Hirscheck), oder alles Alpengebirges am Markbache, Rorbache, bis hinab in die Deigitsch, und auf die Höhen der Berge hinauf, so daß auch alle Abläufe des Berges Preül nach Rein gehören sollten. Dazu fügte er dann noch die Schenkung von vier Gütern bavarischen Maßes in der Bille Premstede Dipl. styr. I. 34-38. — Zwei Urkunden des admontifchen Abtes Gottfried U. und des Erzbischofs Eberhard II. — Abschriftsurkunde im Admonter Archive D. 309. — Johanneumsabschrift: „Actum apud Salzpuruh 1310.“ In eben diesem Jahre 1210 am 1. December empfahl auch Papst Jnnocenz III. den Schutz des Gößernonnenstifts dem Herzoge von Kärnten. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 61 (Premstätten) '). Von diesem Jahre melden die Chroniken ungeheure Regengüsse und allerorten furchtbar zerstörende Wasserflu-then der Bäche und Flüsse im Juni. August und December, und im folgenden Winter weit über alles Menschcngeöenken mächtige Schneemassen. Am 30. December war fast die ganze Stadt Steier überfluthet, und sehr viele Bewohner verloren ihr Leben in den Flukhen * 2); was auf lange anhaltende, schwere Regengüsse im obersteirischen Hochlande schließen läßt. Schon über sechzig Jahre besaß das Stift Rein bcn ein Salzwcrk zu Ahorn (oder Aussee) mit vollstän- S->izwerkend-sStis. 'tež Mein in AuSsee digem Eigcnthumsrechtc sammt Bcrgantheil und Gu- 4. scheib in tern. Zu Anfang des XIII. Jahrhunderts nahm jedoch der Salzgewinn an dieser Stätte so bedeutend ab, daß das Stift mit seinen Theilnehmcrn an demselben Berge neue Zubauten anlegen mußte, und dadurch reichliches Salzlager aufschloß. Durch dieses Beispiel, und durch den Rath seiner Leute ausge-muntert, ließ auch Herzog Leopold an seinem nahe gelegenen Berg-antheil einschlagen, fand gleicherweise reichliches Lager, -verkürzte aber dadurch den Salzgcwinn des Stiftes Rein, so daß darüber zwischen den Herzoglichen und den Stiftsleuten thätlicher Zank entstand, wobei die Letzteren unterlagen. Als Herzog Leopold im Juli des Jahres 1211 eben in Grätz anwesend war mit seinen Hofkapellänen: Ulrich, Heinrich, Liupold und Pitvolf, und mit den Ministerialen Herranü von Wilüon, Ulrich von Stubenberg, Otto von Greze, Otachcr und dessen Sohn Otacher von Greze, Hartniü von Ort, dem Mundschenk Albero, Rüdiger von Plan-kenwart, dem Truchsäß Berthold von Emmerberg, Diepolü von Leoben, Ephrin von Greze u. v. a., brachte der Abt zu Rein, Theodorich von Greißenegg, seine Beschwerden über die Salzhändel zu Ahorn, legte die alten Handvesten seines Rechtes vor und bat um Urtheil vom Herzoge. Dieser entschied : für alle Beschädigungen und Nachtheile sollen dem Stifte Nein für immer alle Jahre hundert Metzen Salzes in Ahorn gegeben werden; dieses Salz mag das Stift daselbst haben, wenn dasselbe will; von allem wei- *) Urkunde des Stiftes Rein: „quatuor mansus bavaricos in villa Prem-stede.“ — Dipl. Styr. II. 19. 2) Chi-on. Mcllicciiü. Pez I. und Clivon. Carstens. Rauch I. Anno 1210. 1211. 3) Eben am 15. Juni 1211 war dem Herzog Leopold der Sohn, Friedrich der Streitbare zugenannt, geboren worden. 68 Steiermärk unter den Vabenbergischen terem jährlichen Gewinne an derselben Salzstätte muß dem Stifte stets die zehente Mark, und zwar die Hälfte zu Michaelis, die andere Hälfte zu Georgi gezahlt werden; endlich hat das Stift im Besitze seiner Hufen, Weiden, und anhangcnden Rechte daselbst zu verbleiben '). Am 18. Juli mußten auf seinen Gerichtsspruch alle von Erchinger von Lanüisere dem Hospitale im Cere-walüc widerrechtlich entzogenen Gäter wieder zuräckgestellt werden \). I» diesem Jahre erhielt das Stift Rein auch den Bestätigungs-bricf Eberhard's II. über den mit Pfarrer Gregor zu Gradwein (I. 1209) geschlichteten Streit und die Befreiung der Kapelle auf Straßengel vom Rechte der Mutterkirche zu Gradwein, nachdem das Stift die von den Schiedsrichtern, den Erzdiakonen Heinrich von Grauscharn, Walther von Neustadt und Ottokar von Vischach festgesetzten Bedingungen angenommen hatte °).< G>oß?s.uzb,!jglsch- Sn einer zahlreich besuchten Synoüalversamm-NndlVn^Äs lang (unbekannt ob zu Leibnitz, Friesach, Salzburg oi)cl' in Oesterreich) ward zwischen Erzbi- "1» Güter und schof Eberhard II. und Herzog Leopold eine wich- 93f(icrcn. tige Streitigkeit entschieden, in welcher es sich um den Besitz der Burgen Bager und Haunsberg, um den Ersatz für Lehen Kuno's von Werfen, und um das Patronatsrecht der Pfarre Lanzenkirchcn, Hartberg, Grätz, Radkcrsburg, St. Marein, Waltersdorf und Ratsgoisburg handelte. Rath und Urtheil zu finden waren um den Erzbischof versammelt: der Karthäuserprior Nikolaus vom Johannesthale, die Aebte.Wernher von Heil. Kreuz, Otker von Lilienfeld, Gottfried von Admundc, Wezilo von Gott, weih, Hadmar von Garsten ; die Pröpste Otto von St. Florian, Heinrich von Mariasaal, Gerold von Seckau, Konrad Erzöiacon von Kärnten, Rudbert Erzdiakon von der March, die Pfarrer: Heinrich von Gräze, Rudiger von Stulfelüen, Heinrich der Pet-tauer, Hofkapellan des Herzogs von Oesterreich; die Edelherren: Liutold Graf von Plain, Hadmar von Kuenringen, Wikard von Seefeld, Marquarö von Hintberg, Rudolph vonPotendorf, Frie. drich von Pettau, und dessen Sahn Friedrich, Otto von Leibnitz, Otto von Königsberg, Ortolf von Montpreiß, Herranü vonWil- ') Reinerurkunde. — Dipl. Styr. II. 20-21. 2) Hormayr, Archiv, 1827. S. 455, 3) Reinerurkunde. Herzogen. J. 1192 —1246 n. Ehr. 63 Von, und dessen Sohn Herrand, Ulrich von Stubenberg, Dietmar von Lichtenstein, und Reimbcrt von Murelk. Vor diesen Allen entsagte der Erzbischof dem Patronats- oder Collationsrechte der Pfarren Lanzentirchen, Hartberg, Graze, Naükersburg und Ma-rein, jedoch mit Vorbehalt der Diözesanrechte; und daß ihm bei den übrigen ohne alle Präsentation von Seite des Herzogs, oder dessen Nachsolger das Patronat zustehen solle. Dagegen begab sich der Herzog der Burgen Vager und Haunsberg, und aller Ansprüche auf Ersatz für die Lehen Kuno's von Werfen, und stellte dem Erzbischöfe auch die Vogtei über den Markt Leibnitz heim. Die Urkunde wurde mit beiderseitigen Jnnsiegeln bekräftiget ')• Ungeachtet Herzog Leopold schon im Jahre 1208 ^ 8t0^tb12ällf-e„n8 das heil. Kreuz feierlich empfangen, und für einen Zug nach Palästina eine apostolische Ablaßbulle er- Sranlrat^nd,®p:1' halten hatte, so konnte auch jetzt noch nicht solch ein Zug unternommen werden. Am 22. April 1212 befand er sich noch in der Stadt Enns. Dort berieth und gab er die Urkunde über die Stadtrechte dieses wichtigen Ortes, Sicherheit der Personen, des Eigenthums, der Ehre, des Handels und Wandels, der Erbfolge u. s. to., welche er siegelte in Gegenwart vieler Edlen aus Oesterreich und Steicr, die mit ihm zum Zuge nach Spanien sich cingefunden hatten, und von welchen die Urkunde namentlich nennt: Ulrich und Leutolö Brüder von Peckau, Herrand von Wildon, Friedrich von Stubenberg "). Von hier machte er sich auf, durch Deutschland nach dem südlichen Frankreich und vorzüglich nach Spanien zu ziehen (1212). Dort hatten endlich die Könige von Kastilien, Arragonien und Navarra (I. 1209) zu Mallen Friede geschlossen, und sich gegen die Almohaden vereinigt; nachdem Mohamed Annaser (I. 1203) Majorka erobert hatte, und (I. 1210) Kastilien von Neuem bedrohte. Herzog Leopold mit zahlreichen Rittern und Ministerialen aus Oesterreich und *) Original im k. k. g. Archive in Wien. — Hormayr, Archiv. 1826. S. 160. — Iuvavia, Abhandlung, p. 310. — Admont. Archivsurkunde >4. 104: „Cum quacstio moveretur ct controversia super — Castro Vuger et super Castro Hunspercli ac super jure patronatus ccclesiftrum subscri-ptarum, quae sunt in Ducatu Stiriae Lanzenkirchen, Puten, Hartpcrch, Graeze, Waltliersilorf, Ruckerspurch , Hierin, Rategoysperch — de communi consensu capital! nostri et de consilio fidelium nostrorum tarn clericorum quam laicorum — convenimus.“ 2) Franz Kurz, Oesterreich unter K. Ottokar re. II. p. 261. 64 Steiermark unter den Vabenbergischen Steier wollte ihnen gegen die furchtbaren Mauren Hülfe leisten"); er kam jedoch schon zu spät zur blutigen Schlacht bei Tolosa (19. Juli 1212), welche die Herrschaft der Christen in Spanien über die Almohaücn bis zu deren gänzlichen Vertilgung entschieden hatte. Nach einigem Aufenthalte bei König Peter von Arragonien kehrte Herzog Leopold wieder in seine Länder zurück. H Seo^oft ln Oti« Inzwischen hatte sich nach langwierigem Streite zischen ®tr0^ von Seckau (auf dem Schlosse zu Reinlbert v.^Mureck Friesach) gütlich verglichen mit dem Gurkerbischofc ,mb tem@tifu9ii.il. ÖQjj von den Silbrrerzgruben am Berge Dobirschach in Kärnten alle Zehenten, und von ihren dortigen Gütern alle Erträgniß stets zu gleichen Theilen getheilt werden, und daß sowol das Gurkerstift, als auch das Stift Seckau daselbst ihren eigenen Bergmeister und Grubenwächter halten sollten *). Einer der vorzüglicheren steiri'chcn Ministerialen, Reimbert von Mureck (Unus de Primoribus Ministerialium Styrensium), hatte mit Erlaubniß des Markgrafen Ottokar VII., und mit Zustimmung seiner Gemahlin Brigitta und des Sohnes Reimbert, dem Stifte Rein Neubruchgründe am Radelgebirge zu Radelach geschenkt. Nach seinem Tode erlaubten sich die murcckischcn Hofmaier daselbst solche Bedrückungen und Gewalt gegen das Stift Rein, in dessen Boden sie so viel Waldung Niederschlagen und ausrottcn ließen, daß bereits vier Billen darauf erhoben werden konnten, so daß der Abt Theodorich von Rein mit seiner Klage zum Herzoge Leopold, der eben von der Fuhrt nach Spanien heimgekommen war, eilte. Dieser entschied die Sache in seinem Gerichte in Grätz vor Herranö von Wildon, Ulrich von Stubenberg, Ottaker und dessen Sohn Ottaker von Grätze, Otto von Krems, Otto von Stein, Rudiger von Plankenwart, Pilgrim von Mureck, Leo von Mil-öon, Weikard von Waldstein — dahin: Weil Reimbert jene Waldgegend am Radelbergc wegen seines nahen Schlosses Arnfels nicht missen kann * * 3), so soll er dem Stifte Rein das Gut Flagotten-dors mit allem Zugehöre dafür geben, dieses aber wegen dieser *) Chron. Admont. Anno 1213 : „Liupohlus Dux Anstriac et Styriae cum magno exereitu ad terram S. Jacobi ad bcllandum Paganos transierat.“ — Chron. Claustroneob. Anno 1213: „cum magno comitatu.“ — Chron. Neoburg, bei Rauch. 1213. -) Iohanneumsurkundc. — Dipl. St.yr. I. 191—192. 3) Propter commodam vieinitatem eastri sui de Arnfelsc praedicto nemore carcre non posset. 65 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Waldgegend von aller weiteren Klage abstehen. Für die bereits zu vier Villen gediehenen Neubrüche zu Radelach solle dem Stifte eine Jahresrentc auf anderen Gütern Reimberts, auf einer Mühle zu Hazelsüorf, und im Mürzthale bis zu fünfzehn Marken des Jahres, gegeben und versichert werden ’). Die neue Kirche zu Gairach, deren Bau Her- § &03»oib2 h,' ®ni, zog Leopold im Jahre 1209 angeordnet hatte, ist ton‘@žira!$' im November dieses Jahres im Beiseyn des Herzogs selbst, von dem Bischöfe Eckbert von Bamberg feierlich ein-gcweiht worden. Auf Bitten dieses Oberhirten vermehrte H. Leopold das Fundationsgut dieser Karthause ansehnlich, und erweiterte vorzüglich die Heimgartsgränzen (Burgfrieden) in Gairach ungemein. Nach der Heimkehr (am 7. November 1212) zu Klosterneuburg ließ er den Brief darüber aufrichten und siegelfertigen durch seinen Kanzler Heinrich von Pettau. Diese Handveste, die eigentliche Stiftungsurkunde von Gairach, lautet, wie folgt: »Leopold von Gottes Gnaden Herzog zu Oesterreich und »Steier allen gegenwärtigen und zukünftigen Christgläubigen Gruß »im Herrn! Kund und zu wissen sey, daß wir unserem Kloster i» »Gairach am Tage der Einweihung jener Kirche, welche daselbst »zur Ehre Gottes, der heil. Maria, des heil. Johannes desTäu-»fers, des heil. Märtyrers Mauritius, Führers und Fürsten der «thebanischen Märtyrer, auf eigene Kosten von uns erbaut wurde, »mehrere besondere Gnaden bezeugt, und daß wir geruht haben, »mehrere früher schon bewiesene Gnaden zu bestätigen. Zuerst, auf „daß die Besitzungen, welche wir von Bischof und Kapitel des Gur-»ker Hochstiftes um 100 Marken Silbers Friesacher Gewichtes »erkauft haben, mit den Gränzen, welche wir in der Funüationö-»urkunde angezeichnet haben, vollkommen geschlossen seyen: so ge-»siel es unserer Beurtheilung, andere Punkte als Gränzen aus-„zuzeichnen, und als Kirchweihgabe aus Bitten Bischofes Eckbert «von Bamberg, welcher die Kirche geweiht hat, und unseres ge-»liebten Sohnes Friedrich und vieler unserer Adelichen und Mi-„nistcrialen, welche aus Oesterreich und? Steiermark zur Einwei-»hung mit Uns daselbst zusammengeströmt waren, über den Bach „Grassenich auf folgende Art auszuöehnen: ober der Villa Ga-»thronich ist die Hauptstraße (via publieu) gegen Mittag zu, neben *) ^Stist Reiner Urkunde. Aesch. 6. Steiermark. - v, M. 66 Steiermark unter den Babenbergischen »derselben ein Thal, welches in seiner Tiefe unfer (Sebiet (terrain) "von den Besitzungen des genannten Klosters scheidet bis zumWald-"bachc (torrentem) Lochomel, auf der linken Seite der genannte» „Heerstraße aber scheidet diese des Klosters Boden und unseren bis »zum Felsen, genannt Cruceranum; von welchem der Bach Gothronich »herabfließend die genannten Besitzungen scheidet von dem Boden »Ortolfs von Montpreis bis in die Grassenich, von dort erstreckt »sich die Grunze das Thal hindurch und ansteigend zum Berge »scheidet sie den Grund und Boden, welchen wir vom Gurker »Bischöfe erkauft haben, vom Boden des Herrn Ulrich von Mont-»preis, im Ablaufe davon aber endet sich die Begränzung am »Wege, welcher vom Schlöffe Montpreis ausgeht gegen Westen zu, »woselbst eben derselbe Weg die vom Gurker Bischose erkauften »Besitzungen scheidet von dem Besitzthume des Herrn Ulrich von „Montpreis bis an die Gränzen der Bille Paproch genannt, von »welcher Stelle vom Wege links abgehcnö (relicta via) sich die „Gränze rechts hinaufzieht über den Gipfel des Hügels bis auf die »Bergeshöhe, welche die Landbewohner daselbst Grätz nennen ; von »dort erstreckt sie sich bis zum Gipfel des Berges Sitikonich ge-„lmnnt; von dort zieht sie sich immer auf den Berghohen fort »(semper eundo per nionlium cacumina) bis zum äußersten Theil »des Berges Leicit genannt. Jenen Theil dieser Berge, der gegen »Norden schaut, geben wir mit den angränzenden Weiden dem ge-»nannten Kloster. Vom genannten Berge Leicit erstreckt sich die Grän-»;e fort an den Berg, Cremer genannt, von welchem wir den gegen »Grasaich schauenden Theil dem genannten Kloster zu Eigen tic-«stätigen. Dom Berge Cremen geht die Gränze fort in die Gras-»senich gegen Westen, von dort aufsteigcnd zwischen unserer Villa »Pogoritz genannt und der Villa Stygezeliz, welche wir mit deren »Gebiet dem Stifte gegeben haben, scheidend tm Aufsteigen die „Besitzungen unserer Villa, windisch: Berreth genannt, und die »Villa Graconitz, welche wir mit deren Heimgarten dem Kloster „geschenkt haben, bis hinauf auf den darüber hervorragenden Berg, »von welchem die Gränzen niedersteigen, scheidend unsere Besitzung „von . den Besitzungen der Villa Lihcowitz, jenseits welcher dem »Kloster mit Heimgarten geschenkten Villa eine Quelle ist, die am »Gränzsaume entspringt, und nachdem Abflüsse in den Walübach „Lochomel die Gränzen selbst schließt. Alles nun, was von diesen „Gränzen umschlossen wird, schenken wir zu ewigem unangreif-„barem Besitze Gott, der seligen Maria, dem h. Johannes dem 67 Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. »Täufer, dem Märtyrer Mauritius, dem Anführer und Fürsten »der Thebanischen Legion und den Dienern der Kirche von Gairach. »Außerhalb dieser Umgränzung schenken wir ihnen das Weingar-"tendorf (Villam vinearum) Plaminich, indem wir ihnen bestätigen „fünf Marken Friesachergelöes zum Fischkaufe, welche sie in unse-»rer Stadt Marburg am Michaelstage alle Jahre bezahlt erhalten »sollen. Wir wollen weiters, daß sie jährlich in unserem Amte zu »Leoben zehen Maßen Eisen empfangen sollen, wozu wir noch die »neue Schenkung von fünf Marken Pfennige in unserem Markte »Tyffer zum Salzkaufe fügen. Die Vogtei über Gairach behalten »wir uns und unseren Nachfolgern vor, allein und rein nur wegen »Gott, nicht aber wegen eines allfäüigen zeitlichen Vortheils, son-»dern damit wir die Diener Gottes und deren Colonen und Hörige „(familiam) vor ungerechten Bedrückungen Anderer beschirmen, und »wir setzen daher kräftigst fest, daß keiner unserer oder unserer »Nachfolger, Richter oder Amtmann, Gewalt haben solle, zu rich-„ten die Colonen und Hörige der Karthäuser zu Gairach, außer »von ihnen dazu gerufen. Wenn aber ein Freier oder Höriger »des Klosters angeklagt ist wegen Diebstahl, oder wegen was im-»mer für anderem Verbrechen (maleficio), so soll die Sache vor »den Amtleuten des Klosters untersucht werden; und wird der »Thäter gesetzlich überwiesen: so soll die Habe desselben gänzlich »dem Kloster verbleiben, der Thäter selbst aber, wenn er körper-»lichen Tod, oder Verstümmlung eines Gliedes verdient hat, mit »einer Haft umbunden, unserem Gerichte in Tyffer überlassen „werden. Kann derselbe jedoch nach den Rechten des Landes die »Verstümmlung mit Geld abthun: so soll die Lösegelöbestimmung »und Zahlung dem Kloster zugehören (ipsa redemptio), Wir setzen »auch fest, daß Niemand mit Jagen, Viehweiden oder Holzfällen die »Besitzesgränzen der umwohnenden Diener Gottes zu beunruhigen »wage. Und weil wir unseren Jägern von unserem eigenen Spei-„cher die Kosten zu zahlen pflegen, so verbieten wir denselben, das »Kloster, oder dessen Hörige, oder die Unserigen durch Gastsied-»lungrn (hospitamlo) zu beschweren. Diese Handlung unserer »Gott ergebenen Gesinnung befestigen wir mit unserem Sigille, »und wir waren beflissen, auch die Zeugen, welche anwesend waren, »und uns durch ihre Bitten bewogen haben, hier namentlich zu „unterzeichnen: Eckbert Bischof zu Bamberg, Friedrich unser Sohn, »Ulrich von Pettha, Albert von Raos, Leutold von Wilöon, „Friedrich von Pettavia, Otto von KunigSberg, Otto von Tra 68 Steiermark, unter den Babenbergischen "berg, Otto von Gratz (Windischgratz), Leopold von Gonowitz, »Hadmar von Kuenring, Starchand von Hynberg, Ruger Mar-«schall von Plankenwart. Dies ist geschehen im Jahre 1212 am «7. November; gegeben auf unserer Burg zu Niwenburg durch die „Hand unsers Notars, Heinrich des Pettauers (Peltoviensis) Schon am 13. April 1212 war ein Bestätigungsbrief des Papstes Jnnocenz UI. der Gairacher Äarthause ertheilt worden, und am 18. März 1214 auf Bitten der Karthäuser eine neue apostolische Bulle erflossen *). Herzog Leopold hatte den Kaiser Otto IV. schon im Jahre 1209 nicht zur Krönung nach Rom (5. October 1209) begleitet. Als dieser, durch fremdes Unglück nicht gewarnt, mit dem Papste Jnnocenz III. zerfiel, trennte sich auch Herzog Leopold gänzlich von seiner Parthei, und hielt zu Friedrich II. von Sicilien, welcher durch den Einfluß des energischen und staatsklugen Papstes in Frankfurt (6. December 1212) zum deutschen Könige ausgerufen, und am 2. Februar 1213 zu Aachen feierlich ist gekrönt worden; während der unüberlegte Krieg des Kaisers Otto IV. mit Frankreich sein Glück und seine Kraft ge. brachen (Jahr 1214) und ihn selbst bis zu seinem Tode (19. Mai 1218 auf der Harzburg) in rühmlose Ohnmacht geworfen hat a). H, 8eo|Vti* 2 3 *auf dem 3U Anfang des Jahres 1213 befand sich Her-5°9 ^kvpold großenteils am Hoflager des jungen Seih. Kaisers Friedrich II. Cr erscheint als Zeuge in vielen zu Regensburg ausgestellten Urkunden für Berchtesgaden, für das Schottenkloster St. Jacobs in Regensburg u. s. w. Er begleitete den jungen König auch bis Aachen. Später treffen wir ihn wieder in Steiermark, und zwar in Marburg, umgeben von seinen Ministerialen, Ulrich von Stubenberg, Otto von Krems, Ulrich von Marburg. Heinrich von Dorenberg, Otacher von Go-ti ob it) und dessen Bruder Liutold. Er bestätigte da theils die Spende theils den Verkauf von Lehengütern, welche Herr Thiemo von Elsnitz von den Herzogen von Steier besessen und nun in des Herzogs Gegenwart den Karthäusern zu Seitz im Johannesthale übergeben hatte. Einwilligung und Ansprüche seiner Nichte Els- *) Ludewig, Rcliq. IV. 186. — Johanneumsurkunde. — Dipl. Styr. II. 138 — 139. — Caesar, Anna). II. 106 — 107. -) Dipl. Styr. II. 156-157. 3) Godefrid. Colon. Anno 1211. - Cliron. Ursperg. p. 318 - Chron. Augustun. Annis 1212. 1213. Herzogen. J. 1192-1246 n. Chr. 69 bell) und deren Söhnen, vorzüglich seines Neffen Thiemo's, eines Priesters und damals Vikars in Sachsenberg, wurden von den Karthäusern mit Geld befriedigt; wobei als Zeugen in Ratigvis-berg anwesend waren: Marquard der Pfarrer von Ratigoisberg, Reinholü der Priester,"Hermann von Pvnikl, Konrad von Socko, die Ritter Poppo und Liutold, die herzoglichen Hofverwalter, Gebhard von Ratigoisberg und Rüdiger von Marburg (Officialese Ritter Siboto von Oplottnitz Hofrichter (curiae praeco) und dessen Bruder Seln, die Priester und Pfaxrer Friedrich von Sala, Bertholü von Obernburg, der Diakon Petrus und der Suüdiakon Arnold, die Edelherren Otacher und dessen Bruder Liutold von Gonobitz, Aüclschalk von Rabenberg und dessen Bruder Eberhard von Leuberg. Auf Befehl des Herzogs verfaßte das Diplom darüber sein Notar, der Pfarrer von Retz Von de» Stubenbergischeii Hörigen Ottokar 3ai8g^c^%cjU„ und Heinrich von Muosezehel hatte das Stift zu tigungsBuiie m P. Jimoccnj 1U. für Rein in der Ville Lcuzenstorf zwei Hube» bajvn- »-.s st. Rein, rischen Maßes nebst fünf Marken und 40 Pfennige Friesacher-gclües empfangen, und dafür eine Hube bajvarischen Maßes in der Ville Pacharn (bei Bruck an der Mur) mit dem vollen Eigenthumsrechte (cum omni libertate Dominii et proventus utilitate) gegeben. Ulrich von Stubenberg gab dazu seine Einwilligung; und als er am 30. Juli 1213 zu St. Stefan an der Brücke (bei Kaiseröbcrg) einen Hofrechtstag hielt, gab und siegelte er darüber dem Stifte Rein den Bcstätigungsbrief vor vielen Zeugen: Wülfing, Sohn Ulrichs von Stubenberg, Rudolph von Pikelbach, Grimald, Pfarrer zu St. Stephan, Rüdiger, Pfarrer zu Mürz, Herwik von Kapfenberg, Albero von Stratenöorf, Meingoz der Hofamtmann Ulrichs * 2). Am 26. December 1213 ertheilte Papst Jnnocenz HI. dem Stifte Rein, auf Bitten des Abtes Theodorich von Greißeneck, eine ausgedehnte Destätigungsbulle. Alles Gut, Recht und Wesen dieses Stiftes nimmt Jnnocenz in seinen, des heil. Apostel Petrus und des römischen Stuhles apostolischen Schutz. Alle Stistsbesitzungen werden namentlich bestätiget, das Herrschaftsgut Rein, der Hof in Grätz (Nova Grsezia), Stan-gersüorf, Lungwitz, Werndorf, Söding, Rakes, Gotzöaber, Grad- il Dipl. Styr. II. 78 —80: „Acta sunt liacc apud Marpurch in praesen- tia nostra et ministerialium nostrorum.“ 2) Urkunde von Rein. 70 Steiermark unter den Babenbergischen wein, Staöelhofen, Hergotz, BlaS, Schirnabel, Blutscharn, Ru-degersdorf, Grafenbach, Kallsdorf, Dualach, zwei Salzwerke in Aussee cAhorn). Für alle durch eigene Hände oder auf Stistsko-stcn erhobenen Neubrüche wird Zehentfreiheit erklärt. 'Das Stift hat das Recht, nach Belieben Clcriker und Laien in den Orden und in die Stiftsgemeinde aufzunehmen. Kein Stiftsmitglied darf ohne Zustimmung des Abtes das Stift verlassen, oder ohne Ge. leitsschreiben desselben irgendwo ausgenommen werden. Ohne Ka-pitclsbewilligung darf weder Allod noch Lehen vom Stifte Hindun-gegeben oder veräußert werden ')• Kein Stiftsmitglieö darf ohne Zustimmen des Abtes oder Kapitels (majoris capituli) Gelder aufnchmen, oder für Andere zu Bürgen stehen; im widrigen Falle die Stiftsgemeinde zu keinem Ersatz, oder zu keiner Zahlung verbunden ist. Alle Stiftsprofessen können in betreffenden Stiftsangelegenheiten und selbst bei Criminaloerhandlungen gültige Zeugenschaft leisten (ne jus vestnim defectu testium in aliquo va-leat deperire). Weder eine weltliche noch geistliche Obrigkeit soll Mitglieder des Stiftes Rein zwingen dürfen, zu Synodalversammlungen zu kommen; auch sollen sie hinsichtlich eigener Besitzungen und Sachen nicht vor weltlichen Gerichten zu erscheinen verhalten werden können. Niemand, kein Bischof soll, um Weihen zu rrtheilen, Streithändel zu erheben und zu schlichten, oder andere Versammlungen zu halten, dadurch dem Stifte zur Last fnU len dürfen. Kein Bischof darf die freie Abtenwahl stören, er soll den Abt auf Bitten des Stiftes weihen; weigert er sich dessen und auch des Uebrigen, was seines Amtes ist: so mag sich das Stift frei an einen anderen Bischof wenden. Alle Weihen und Sakramente hat das Stift von dem Sprengelsbischof zu empfangen; ist kein Bischof da, und der Sitz ledig, so mag das Stift dazu, jedoch ohne Beeinträchtigung des Sprengelsnachfolgers, einen benachbarten Bischof erkiesen. Das Stift darf auch von durchreisenden Bischöfen, welche jedoch mit dem apostolischen Stuhle in Verbindung und Gemeinschaft stehen, Altar- und Priesterweihungen nehmen. In allen Suspensions-, Kirchenbannungs- und Jnterdiktsfällen ist Rein ausgenommen und befreit. Diesem Stifte soll in jeder Hinsicht Immunität und Unverletzbarkeit zukommen a). 1) Absque consensu totius capituli, vel majoris et senioris partis ipsius. 2) Stift Reiner Urkunde: „Datum Lateran! VII. Kalend. Januarii.“ Von ftebenzehn Cardin eilen unterzeichnet. Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. 71 Am 19. März 1214 erhielt Erzbischof Eberhard II. vom Papste Jnnocenz UI. schriftlichen Befehl, alle Zehentbeürückungen, vorzüglich bei den Neubrüchen des Stiftes Nein ferne zu halten, und über alle diejenigen, welche an ein Ordensmitglied des Stiftes gewaltsame Hand legen, sogleich bei angezündetcn Wachslichtern den feierlichen Kirchenbann auszusprechen '). Ä>n Juni 1214 befand sich Herzog Leopold $ auf seinem Schlosse zu Steier. Auf Bitten der Arb- »om Schloff- Sl-i-r tiffin zu Göß, Ottilia von Guntenbcrgr, ließ er cine Gr»tz, Angeiegenh-,- ' 0 ' , - . . \ ,, .. „ . ten M Stifte« ausgedehnte Bestätigungsurkunde ausrichten über das >md tc« stifte«©t. Patronatsrccht zu St. Veit in Proleb, die ge-sammten Güter in der Villa Proleb, in Cotich, auf der Mell in der obren Steiermark und zu Hettinsüorf in Oesterreich, welche Elisabeth, die Gemahlin Liutold's von Guntenberg mit dessen und mit Einstimmung ihrer Töchter, Kunegund, Gemahlin Grafen Wil-Helms von Huneburg, und Gertrude, Gemahlin Herrands von Wildon, als Seelgeräth und für ihre künftige Grabstätte in Goß diesem Stifte gegeben hatte, welche Spende Markgraf Ottokar von Steier bestätiget, und der Eüclherr Ulrich von Peckau in Göß selbst vrüentlichcrweise überantwortet hatte. Auf einer Versammlung im Markte Midis ist diese Verhandlung neuerdings von Herzog Leopold bestätiget worden vor den Edelherren: Wilhelm Grasen von Hunenburch, Ulrich von Peckau und dessen Bruder Liutold, Rudolph von Kinöenberg, Erchinger von Landisere, Rudolph von Stadek, Wulssng von Kapfenberg, Ulrich von Stubenberg, Offo von Teuffenbach, Ottokar von Grätz, Otto von Krems, Wezilo von Soven, Swiker von Güsting, Berthold von Emmerberg, Gottschalk von Fraberg, Ludwig von Kapfenstein. Die Abtissin Ottilia übertrug auch das Vogtrecht dem Herzoge Leopold. Nach dem Tode der Mutter Elisabeth ließ diese Acbtis-sin nochmals durch Ulrich von Peckau feierliche Uebergabe auf dem St. Marienaltare in Göß vollbringen vor einer ungemein zahlreichen Versammlung, vor During von Steier, Wikard dem Jüngeren von Karlsbcrg, und dessen Vasall Leo (miles ipsius) Werigand und Otto Brüder von Torseul, During von Schönek, Wigand von Pfannberg, Heinrich von Tunniwitz, Hohold von Gurzheim, Friedrich von Masse, Otto und Konrad von Utsch, ') Reiner Urkunde. 72 Steiermark unter den Babenbergischen Otto und Friedrich von Perge Von Steier war Herzog Leopold nach Grätz gegangen. Auf der Landtagsoersammlung daselbst am 16. Juli 1214 umgaben ihn die vordersten geistlichen und weltlichen Herren des Landes: Die Aebte Gottfried II. von Admont, Engelbert von Helfenstein von Rein, der Propst Gerold von Seckau, Heinrich der Dechant von Grätz, Albert der Pfarrer von Weißkirchen, Meister Swiker von Grätz, Herrand von Wildon, Otto von Krems, Ulrich von Kapfenberg, Dietmar von Lichtenstein, Otto von Lueg, Rudolph von Staüek, Erchinger von Landisere, Reimar von Afflenz, Leo von Wildon, Pilgrim von Spiegelberg, Hartwik von Teuffenbach, Albert Richter von Grätz, Rudolph von Voitsberg, Ulrich von Werde. Der herzogliche Ministerial Herrand von Mooskirchen hatte von Eigengütern des Stiftes St. Lambrecht im Kainachthale drei Huben im widerrechtlichen Besitze. Als Kastenvogt forderte ihn daher Ulrich von Stubenberg zu Gericht, und zwang ihn zur Herausgabe der mige-maßten Güter. Herzog Leopold besiegelte die darüber errichtete Urkunde zu Grätz am 16. Juli 1214 1 2). mit dem Herzoge Heinrich von Brabant und Lothringen mit Grafen Rudolph von Habsburg u. s. w. gewesen zu seyn 3). Jedoch im November finden wir ihn schon wieder in Grätz mit dem Erzbischöfe Eberhard II., Dompropst Otto von Salzburg, Konrad Erzdiakon und Pfarrer zu Volcheim, Konrad Vizedom zu Friesach, Konrad Grafen von Plain, Kolo von Wachsenegg, Ulrich von Peckau, Dietmar von Lichtenstein, Kolo von Truchsen, Ottokar dem Aelteren und Ottokar dem Jüngeren von Grätz. Hier wurde der durch viele Jahre und unter großen 1) Johanneumöabschrift und Dipl. Styr. I. 30 — 34: „Hane transactionem diversis temporibns factam sigilli nostri impressione signari curavi-mus. In Castro nostro Styrae. Anno 1214. V. Kalend. Julii.“ — In Urkunden für das Stift St. Florian erscheinen in Geleitschast des H. Leopold zu Harn bei Mauthausen am 16. Mai 1214, und zu Wien 16. Juni 1215 die steirischen Edeln, Dietmar von Lichtenstein, Otto von Krems und Berthvld, Truchsäß von Emmerberg. -) St. Lambrechtersaalbuch: „Herrandus, Ministerialis noster de Moskir-chen conterminus jam dictae Kcclesiae juxta fluvium Zechnutzl tros mansus, quos hactenus Ecclesia in pace possederat, sibi attraxerat.“ 3) urkunde vom 3. September: in castris vor Jülich, 1214. — Duell. Hist, ord. Tent. Append. 13. 3. 1214. Bon Grätz weg scheint Herzog Leopold in Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 73 Unkosten zwischen Sem Stifte Admont und Reimbert von Mureck schwebende Streit um Zehente bei Obdach und Aömontbühel dahin entschieden, daß Reimbert für sich und alle seine Nachkommen gegen eine Zahlung von 150 Marken Friesachergelöes von allen weiteren Ansprüchen auf irgend ein Zehentrecht in den gedachten Land-theilen für immer abstehen mußte '). Frühzeitig im Jahre 1215 eilte Herzog Leopold ^ ^ wieder in das Hoflager des Kaisers Friedrich II. 4°fl--ger. GroßcShi, Am 5. April 1215 wurde daselbst zwischen ihm und dem Bischöfe Mangold von Paßau ein langwieriger Streit über Patronatrecht der Pfarrkirche zu Wien, über die Kirchen, vogtei von St. Pölten, über Landgericht, Marchsutter und die Brücke bei Ebersberg entschiedeni) 2). Zu Regensburg am 14. Februar 1215 waren an Herzog Leopolds Seite auch die steirischen Edelherren, Rudolph von Staöeck, Reimbert von Mureck, Friedrich von Pettau, Otto von Krems, Otto von Grüß 3). Kaiser Friedrich zog dann zur feierlichen Krönung nach Aachen (25. Juni 1215), wohin ihn jedoch Herzog Leopold nicht begleitet hat. Erzbischof Eberhard II. war indessen auf Bereisung seines Sprengels nach Kärnthen und Steier abgegangen, um seine weitaussehenden Plane vor der wirklichen Ausführung in ernstliche Ueberlegung und Berythung zu ziehen. Auf seinen Ruf waren zu Leibnitz erschienen: Rudiger, Propst von Zell,'der Erzdiakon Konrad von Kärnthen, Meister Bernhard der Notar, die Pfarrherren Walther von Thessinbach, Konrad von St. Georgen an der Stiffing, Konrad von Marburg, Wernhard von Rabe (St. Ruprecht an der Raab), Konrad von Meingozburg, Dietrich von Friach, Eberhard von Bonstorf, und Berthold, dessen Bruder und Kapellan, — die Eöelherren: Dietmar von Lichtenstein, Friedrich von Pettau, Kolo von Truchsen und dessen Brüder Gottfried und Otto, Reimbert von Mureck, Hartnid von Ort, Otto von Leibnitz, Otto von Krems, Gerhard von Leibnitz u. v. a. Hier wurde (3. Juni 1215) zur letzten Entscheidung gebracht der uralte, von den Gerichten der früheren Erzbischöfe schon verhandelte, und sogar bis i) Archivsurkunde P. 3. — Saalbuch III. 173 —174: „Facta sunt liaec apud Graetü. Anno 1314. Nonis Novembr. -) Hund, Mctiop. I. 355. 380. — Hansiz. I. 359. 3) Stülz, Geschichte von St. Florian, p. 387. 74 Steiermark unter den Babenbergischen an den apostolischen Stuhl getriebene Streit und Anspruch der Leibnitzer Pfarrer gegen das Stift Admont um die Kapelle St. Nikolai im Sausale Admont versicherte dem Leibnitzer Pfarrer Heinrich und allen seinen Nachfolgern eine ewige Jahresrente von vier Marken Geldes auf Gütern zu Nazzau, und derselbe entsagte für immer für sich und alle Nachfolger allen Ansprüchen auf benannte admontische Kirche St. Nikolaus im Sausale -). Sehr wahrscheinlich ist in dieser Versammlung das einflußreiche Vorhaben des Erzbischofes, seinen ungemein ausgedehnten, und an Bevölkerung immer mehr zunehmenden Metropolitansprengel in mehrere Bisthümer zu zertheilen, und bischöfliche Vikarien mit Sitz und Dotation einzusetzen, besprochen worden. Erzbischof Eberhard Von Leibnitz eilte Erzbischof Eberhard II. nach H. in Rom. H. Leo- d . pold auf einer Ver- Rom, nahm an der Äirchenversammlung tm No-|ae™abtn@nn8.bn vkmber thätigen Antheil, legte dem Papste Jnnv-cenz III. seinen Entwurf, mehre Hülfsbisthüiner zu gründen, und vor allen ein Bisthum auf der uralten Stätte des Christenthumes in Chiemsee, erstehen zu lassen, vor, und empfing im Voraus schon die apostolische Bewilligung und Bestätigung l * 3). — Auf einer großen Versammlung am 8. August in der Stadt Enns finden wir auch steirische Edelherren an der Seite des H. Leopold, und als Zeugen in feiner Bestätigungsurkunde für das Stift St. Florian: Herranü v. Wilöon, Dietmar von Liechtenstein, Otto von Krems, Bertholü Truchsäß von Emmerberg, Konrad von Namstein 4). l) „Pro capella videlicet 8. Nycolai Mukinowe, quam Gotfridus de Wietinge et uxor ejus Adila coenobio Admontensi contulerunt, infra terminus parochiae Leibniz, constitutam cum dote et decimis et hoc ex consensu praedecessorum, qui eandem capellam baptismalem esse cen-suerunt; ita ut populus, qui est super collem, et ad Mukinowe et ad Oöts baptisma, sepulturam et caetera divina a Sacerdote Abb a-tis accipiat. In placito vero Christianitatis et reconciliations poeni-tentium et judiciis ecclesiasticis ad plebanam ecclesiam Leibniz, spe-ctare dcbeat.“ -) Urkunde P. P. 5. - Saalbuch III. 1«! - I«5: „Videlicet Abbas ct fratres ejus plebano et ecclesiae Leibniz, ad IV Marcoruin annuam pensionem — de praedio ecclesiae Adinuntensis apud Nazzooh simul cum decimis assignaverunt. Actum est in Castro nostro Libniz III. Non. du»." 3) Hansiz. II. 322 —323. — Juvavia. p. 255-256. Stiftbrief von Ehiemfee. — Archiv für Süddeutschland. II. 261. *) Stütz, Geschichte von St. Florian, p. 385. Herzogen. Z. 1192—1246 n. Ehr. 76 Sogleich nach seiner Rückkehr aus Rom setzte § (jif Erzbischof Eberhard II. den Bischofsitz zu Chiem-fee ins Werk und berief eine Synode nach Salz- »«) und Liutolü von Mariasaal, Walther, der erzbischöfiiche Kapellan, Theodor, Pfarrer zu Mallentein, Meister Hartmann und Meister Heinrich. Anwesend waren dabei auch: Herrand von Wildon, Hartnid und Ulrich, dessen Söhne, Otto von Leibnitz, Dietmar von Eichheim, der Marschall, Ulrich von Lichtenstein, Heinrich von Uzelingen u. o. a. Alle waren in der St. Jakobskirche zu Leibnitz versammelt, als der Erzbischof die Zehentstreitigkeit zwischen dem Stifte Rein und dem Pfarrer Berthold von St. Lorenzen zu Hengsberg entschied. Seit mehr denn siebenzig Jahren, aus den Zeiten des Erzbischofs Konrad I. und des Abten Gerlach, besaß und übte das Stift Rein die vollständige Zehcnt-befreiung auf seinen Gütern zu Stanigorestorf, Wirnowe und Pletichach. Das Stift hatte dafür sieben Mansus slovenischen Grundmaßes zu Stoigorstorf und Mosen gegeben. Nun erhob der Pfarrer Berthold in Hengsberg, in dessen Pfarre Stangersdorf lag, Beschwerde dagegen. Um allen Zank schnell zu enden, nahm der Erzbischof das Anerbieten des Stiftes, dem Pfarrer einen l) Am 18. Juli 1218 soll Herzog Leopold zu Damiette eine Bestätigungsurkunde gesiegelt haben, über Güter zu Hartwigsdorf und Krebsbach, welche weiland Ulrich von Stubenberg dem Johanniterorden geschenkt hatte (?). „Actum in obsidione Daniatae.“ =) Hanthal. I. 630 — 645. 689. — Ortilo: „Rediit Dux Leopoldus per Hungarian! in Styriam et ex Grez cum ambobus filiis Heinrico et Fride-rico, licet parvis, venit ad vallem nostram (Campililiensem).“ — Chron. Carstens, apud Rauch, p. 28. — Chron. Claustroneob. Admont. Melli-cens. Anonym. Leob. Vatzo. Anno 1218—1219. — Jacob, de Vitriac. L. III. in Bongarsii gesta Dei per Francos. I. 3) Propst Gerold von Eppenstein muß also schon früher, als nach den Seckauer-katalogen am 28. Juli 1220, gestorben seyn. Herzogen. J. 1192—1246. it. Chr. 89 Weingarten in Poech und eine Hofstatt in Lank zu geben, an; worauf derselbe für firfj und seine Kirche die ewige Entsagung auf die Zehenten von den genannten stiftreinischen Besitzungen zu Urkunde gab und von dem Erzbischöfe besiegeln ließ '). Vom Hoftage in Nürnberg zurück finden wir den H. Leopold zu Unterdrauburg, umgeben von Popo Bischof zu Pebena, den Aebten Ulrich von St. Paul, Konrad von Ossiach, Ezzmann Propst von Seckau, den Grafen Wilhelm und dessen Enkel Wilhelm von Huneburg, Gebhard von Sanneck und dessen Sohn Konrad, Ulrich von Peckau, Herranü von Wildon u. v. a., wo er am 8. Jänner 1220 auf Bitten des Aquilejer Patriarchens Ber-thold, und Leonhards des Propstes von Oberndorf, urkundlich gelobte, die Vogtei des Stiftes Oberndorf nicht mehr an Untervögte zu verleihen Am 10. Jänner 1220 zu St. Veit und im Hause 3. mo. Friedrich's besiegelte Herzog Bernhard von Kärn- @"Vmmte®utn ten vor: Wülfing von Neuöeck, Hartwik von Ubach, Konrad von Lebenach, Rudiger von Müllberg, Friedrich von Amselberg, Otto von Steinbüchl, Arnold von Havenerberg und Heinrich dem Schulmeister von St. Beit — einen Spendebrief für das Nonnenstift Goß, worin er demselben schenkt Otto, den Sohn Otto's von Müllberg, durch die Hand des Grasen Hermann von Ortenburg, mit der Bedingung, daß im Falle einer Derheirathung dieser Otto wieder in des Herzogs Gewalt zurückkehren sollte, und daß dann Otto's Kinder zu gleichen Theilen zwischen dem Herzoge und Göß getheilt werden sollten * * 3). Die Erhebung eines eigenen Bischofftuhles in streit wegen d-r Seckau hatte wahrscheinlich die Verhältnisse der Selbstständigkeit des Stiftes St. Lambrecht zur Sprache gebracht. Der Erzbischof Eberhard II. wollte von der Exemtion dieses Stiftes nichts wissen. Der Streit gelangte bis nach Rom, wohin der Erzbischof den Propst Wernher von Mariasaal, das Stift St. Lambrecht seinen Pfarrer Gerold von Pi-ber gesendet hatte. Papst Honorius III. jedoch verschob die Ent- Urkunde des Stiftes Rein. 2) K. k. geh. Archiv. 3) Dipl. Styr. Z. 38—39: ,,Acta sunt haec in domo Domni Friderici ad 8. Vitum. Anno 1230. IV. Idus Januarii.“ 90 Steiermark unter den Babenbergischen scheidung bis zur Vorlage öer Mischen Originalbriefe der Päpste Paskal JI., Jnnocenz u. s. w- und trug bis dahin beiden THeilen Stillschweigen auf ‘D- Im Sommer finden wir den Erzbischof Eberhard II. demungeachtet im guten Einvernehmen mit dem Stifte St. Lambrecht in Friesach, wo er am'.4. August 1220 der Kirche und dem Filialkloster St. Michael's in Mariahof von drei dem Stifte nahe gelegenen und von den Stiftsbrüdern selbst bebauten Höfen zwei Theile öer Zehenten schenkte, und zugleich eine jährliche Getreideschüttung am salzburgischen Zehenthof in Schäufi ling anwies. Graf Ulrich von Ortenburg, Friedrich von Pettau, Heinrich von Velöesberg, Pabo von Hohenburg — waren Zeugen dieser Schenkung 2). aingtieL der *« 19-Jänner 1220 ward zwischen den Stif-e@fäau un"'@tin' tm ^oröu und Reichersberg der Streit über ein P-u,r oon dem letzteren angesprochenes Vorauergut zwischen den größeren und kleineren Teichen gelegen, durch Vergleich ausgetragen. Mit Einstimmung beider Stiftskapitel und auf den Rath mehrerer berufener Eöelherren fertigte Voran mit 15 Pfunden Wienergelües alle Ansprüche für immer ab, und blieb im Besitze jenes Gutes 3). In diesem Jahre 1220 gab Ulrich oon Stu-venberg mit Einstimmung seiner Gemahlin Gertrude und seines Sohnes Wülfing dem Stifte Rein Mauthbefreiung für alle Fahrenden und Fußgehenden des Stiftes Rein durch den Ort Kapfenberg 4). Mit dem Stifte Seckau schloß öer Landesherzog Leopold einen Tauschoertrag um zwei Gehöfte im Cerewalde, welche er zu seinem Schlosse Gurtenstein zog, für Alpenantheile bei Seckau innerhalb öer Graden 5). Zeugen dabei waren: Herrand oon Wildon, Exchanger, Gunöaker und Marquarö oon Stretwich, Diepold von Leoben, Heinrich von Oberndorf, Friedrich von Au, Ottokar und Bernhard oon Pounke e). Sehr wahrscheinlich hatte St. Lambrechter Saalbuch. 3) St. Lambrechter Saalbuch. Die Schüttung von 10 Metzen Getreides wurde auch vom Papste Honorius HL, Lateran 16. December 1220, bestätigt. 3) Caesar, Annal. Styr. II. 123. — Das Chorherrenstift zu Reichersberg am Jnnfluffe in Baiern war schon seit den Jahren 1144, 1160 und 1161 im erweiterten Besitze der Zehenten in den Pfarren Pütten und Bramberg bis an die Pinkau und an Hartberg herein. Dadurch ist jener Streit gegen Borau veranlaßt worden. 4) Stift Reiner Urkunde. 5) Zohanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. I. 198—199. 6) Johanneums-Urkunde. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 91 Herzog Leopold dieses dermalen in Oesterreich gelegene Schloß mit neuen Mauern und Vorwerken versehen, und einiger nahe gelegener Güter bedurft, um damit den Kastellan zu belehnen '). Ileberhaupt hatte sich Herzog Leopold in diesem Jahre hindurch ganz Den Angelegenheiten von Oesterreich und Steier gewidmet; und es scheint nicht, daß er am wichtigen Hostage zu Frankfurt und bei der Wahl Heinrichs VII. zum römischen König anwesend gewesen; wie er dann auch am Zuge Kaisers Friedrich II. zur Kaiserkrönung in Rom (22. November 12203 keinen Antheil nahm. Um diese Zeit, Jahre 1219 — 1220 erwarb das Stift St. Paul neue Güter in Steiermark. Otto von Traberg brachte seine Gemahlin in das Stift zur Beerdigung und schenkte zwei Güter zu Gemenz bei Gamelinz, und als Wernher von Tanne dem Stifte seine Lehengüter aufgab, verpfändete er demselben auch seinen Hof in Marburg (curiam) und ein Gut zu St. Leonhard in den windischen Büheln * 2). De« Anfang des Jahres 1221 brachte Erzbi-schof Eberhard II. in Steiermark zu. Am 15. Jän- @“0 ner 1221 gab er in einer Versammlung zu Leibnitz dem Stifte Rein einen Bestätigungsbrief über Zehenten und Zehentbefreiungen stiftischer Güter, welche schon vorlängst im Jahre 1157 aus einer Synode in Leibnitz befestiget worden waren. Diesmal waren in Gesellschaft des Erzbischoses auf dem Schlosse zu Leibnitz: Bischof Rudiger von Chiemsee, Bischof Karl von Setkau, Propst Liutold von Mariasaal, Propst Bernard von Friesach, Berthold Pfarrer zu St. Lorenzen in Hengsberg, Pfarrer Liuprand von St. Ruprecht an der Raab, Otto von Leibnitz, Otto von Königsberg, Eberhard von Schönstein 3). In eben dieser Umgebung finden wir den Oberhirten am 1. Februar 1221 zu Feistritz bei Peckau, wo er in einer Urkunde dem Stifte Rein gänzlich zu Eigen überläßt eine salzburgische Hörige, Elisabeth Clener, welche einen Hörigen des Stiftes Rein, Heinrich, geehelicht hatte, und zwar mit Verzichtung auf alle aus dieser Ehe zu erwartenden Kinder 4). *) Zohanneums-Urkunde. Der Herzog sagt in eben derselben: „gnod nos mu-n i mini patriae nostrae operam d ant es.“ 3) Codex S. Pauli, p. 91. 33 Reiner Urkunde: „Acta sunt haec in Libniz. An. 1221. XIII. Kal. Febr.'t 4) Reiner Urkunde: „Acta sunt liaec in Feustritz. Anno 1331. Kal. Febr.“ 92 Steiermark unter den Babenbergischen tem Anfang des Jahres 1221 hielt Herzog —"SUst St.^Paul ^kopolö in Grätz großen Hoftag mit den Bischöfen im Lavantth-Il-. Kllrl vvn Seckau, Rudiger von Chiemsee, dem Propste Bernhard von Friesach, mit Graf Albert von Tirol, Heinrich Markgraf in Istrien, Mainhard Graf von Görz, und dessen Sohn Mainhard, Wilhelm Graf von Haunburg, Hermann von Ortenburg, Gras Bernhard von Liebenau, Ulrich von Peckau, Kolo von Truchsen, Hartnid von Ort, Rudolph von Rase, Ber. tholü von Emmerberg. Hier bestätigte er dem Stifte St. Paul alle steierischen Besitzungen, vorzüglich zu Hollern und Rast, von der Höhe des Bachers (Pocher) bis zur Drau mit dem Blut-gerichte zwischen den Bächen Lubentz und Walik, die Güter unter dem Schlosse Marburg, zu Radkersburg und in Luttenberg , das freie Holzungsrecht der Unterthanen im stiftischcn Trawalde vom Walikbache bis an den Berg Somersek, wie es aus der Spende des Grafen Bernhard herkömmlich gewesen, endlich auch freien Kauf und Verkauf für die stiftischen Unterthanen zu St. Lorenzen in der Wüste 1 *). Zu Ende des Jahres 1221 war H. Leopold abermals in Grätz und schenkte dem Heinrich von Truchsen und seiner Gemahlin Tuota die Kapelle St. Paul in Hornberg sammt dem Patronatsrechte auf die Bedingung, daß sie ihm die Kapelle und das Patronatsrecht an derselben in Tobl (in Tobil) mit allen Rechten abtraten ?). 3.1221 Von diesem und dem folgenden Jahre (1221 Anbeginn der Kloster _ 1 . . ' „ „, ber ailimmten In UNÜ 1222) hüben wlk AndeUtUNgkN, daß M Gkätz te*®Ltntraerin« im heutigen Franciscanerkloster Herzog Leopold derClarUcMnen^n den Orden der Minorite», Seyfried von Mahren-Judenburg. t,erg und dessen Mutter Gisela Dominicanernonnen in Mahrenberg gegründet haben 3). Schon um das Jahr 1221 hatte die H. Clara aus Assisi in Umbrien Schwestern des Cla-risserordenö allerorten ausgesendet, wovon auch einige nach Judenburg gekommen seyn sollen. Diese hätten nach Art der Eingeschlossenen (Reclusarum) daselbst in einem Hause mit Kapelle, welche im Jahre 1222 geweiht worden sey, gelebt, bis zum Jahre l) Codex S. Pauli und Johanneums-Urkunde. — Fejer, Cod. Hung. III. I. p. 343: Wien, 15. October 1221. „Leopoldus Dux in sua constitutione criminal! et civili mercatoribus de Suevia, Ratisbona et Patavia introi-tum cum mercibus in Hungarian! vetat ?“ -) K. k. geh. Archiv. 3) Dipl. Styr. II. 337. - Caesar, Annal. Styr. II. 135. 137-138. 93 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 1256 habe eine Bürgerfamilie, Heinrich und dessen Gemahlin Gisela int Orte Paradeis außerhalb der Stadt in der Fohnsdor-serpfarre ein Klostergebäude vollendet, und die bisher eingeschlossenen Clarissernonnen dort eingeführt, wozu der Bischof von Seckau am 1. Juli 1256 die Bewilligungsurkunde gesiegelt habe. Benedicta, aus dem St. Damianskloster in Italien nach Judenburg gesendet (I. 1255), seye dann im Paradeiskloster die erste Vorsteherin gewesen. Nachdem diese aber bald wieder nach Italien zurückgekehrt war, sey ihr als Vorsteherin gefolgt Cäcilia, die Tochter Heinrichs und Gisela'ö. Von nun an war das Nonnenkloster im Paradeis fest gegründet, besaß Güter und Renten und ist durch Bestätigungsbriefe und Ablaßbullen von den Päpsten Jnnocenz IV., I. 1254, Alexander IV., I. 1298 und Bonifaz VIII., I. 1291, 1302 ausgezeichnet worden ’). Auch die Gründung eines Klosters der minderen Brüder in der Stadt Judenburg selbst fällt in die Zeitepoche, als noch der H. Franciscus (t 4. October 1226; und die H. Clara (t 12. August 1253) gelebt haben. Ablaß- und Bestätigungsbriefe des Papstes Alexander IV., 20. December 1254, der Bischöfe Heinrich von Chiemsee, Jahr 1267, Emicho von Freisingen, I. 1293, Leopold von Bamberg, I. 1298, Hederich von Brixen, I. 1298, und Enterich von Warasdin, I. 1300, bewähren das feste Bestehen dieses Institutes 2). Zu Anfang des Jahres 1222 war Herzog Leopold in Gr ätz. Zwischen dem Stifte Rein und St. Lambrecht schwebte schon seit lange her Streit über die Besitzung des Herrschaftsgutes Sööingen, welches der im Jahre 1215 erwählte und in Rom vom Papste Honorius III. selbst geweihte Abt von St. Lambrecht, Walafrid, als Eigenthum seines Stiftes in Anspruch nahm. Der Abt Engelbert zu Rein wollte friedlichen Besitz desselben Gutes, und bot als Abfertigung 90 Marken Friesacher Geldes an. Abt Walafrid gab sich damit zufrieden und stellte zugleich eine Entsagungsurkunöe auf alle weiteren Ansprüche auf die stistreinischen Besitzungen am Södingbache bis auf die Höhen der Alpen aus. Der Lanöesherzog bestätigte' diesen Brief (Grätz 9. Jänner 1222) vor den versammelten Herren: Hermann Propst zu Seckau, Heinrich von Meran, Land- 2) Herzog, Cosmographia. p. 700—703. -) Ibidem, p. 397—399. 94 Steiermark unter den Babenbergischen schreiber, Ulrich von Peckau, Hartnid von Ort, Reginbert von Mureck, Hermann von Kranichsberg, Rüdiger von Plankenwart, Lcutold und Ulrich von Wildon, Heinrich von Gravenstein, Otto von Stein u. v, a. '). Nachdem der kaiserliche Prinz Heinrich VII. am 9. Mai 1222 in Aachen zum deutschen König gekrönt worden war und er die Regierung in Deutschland unter Oberaufsicht des Herzogs Ludwig von Baiern führen sollte -), ward auf den 11. November 1222 ein Hostag nach Verona beschieden. Schon im Jahre 1221 hatte der Kaiser unter feierlichem Eide einen Heerzug nach Palästina gelobt. Die Kämpfe und Verluste der Christen daselbst waren außerordentlich, und mit dem Falle von Damiette war ihnen die letzte Stütze geraubt. Vorzüglich jene Fürsten wollte der Kaiser in Verona berathen, welche aus früheren Heerzügen Syrien, Palästina und Egypten schon kannten. Unter diesen war Herzog Leopold von Oesterreich der ausgezeichnetste. Allein seine Theilnahme an den Berathungen in Verona ist nicht erweislich; vielmehr beschäftigte ihn zu eben jener Zeit die Verehelichung feiner zweiten Tochter Agnes mit Bernhard von Anhalt, eines Sohnes Heinrichs von Bernburg und Ballenstädt, zweitgebornen Sohnes des Herzogs Bernhard von Sachsen * * 3). 3 1222. Wir haben oben am Ausgange des vorigen dung^dÄOrdens "er Jahrhunderts gesagt, daß Friedrich I. von Pettau tcutitoifonntag *“ *n öen Kriegen der Herzoge von Oesterreich mit den Ungarn die Gränzen der Steiermark mannhaft vertheidigt, sodann die Feinde aus dem untern Thale der Pößnitz, wo sie sich festgesetzt hatten, wieder vertrieben und einen Theil des sreigemachten, wenn gleich noch unbebauten Landes dem Orden der deutschen Ritter geschenkt habe. Das Jahr dieser Spende läßt sich nicht mehr genau angeben. Indessen gab der Sohn, Friedrich II. von Pettau, im 1.1222 eine Bestätigungsurkunde darüber, welche wir, als die erste für den deutschen Ritterorden in Steiermark, wörtlich anführen: „Im Namen des ewigen Gottes, Friedrich von Petovia, allen „sChristgläubigen) in Ewigkeit! Da das, was in der Zeit geschieht, „öfters im Lause der Zeit aus dem Gedächtnisse der Menschen 1) Reiner Urkunde: „Acta sunt haec in Grez. V. Idus Januar» 1222.“ — Dipl. Styr. II. 22. 2) Godefred. Calon. Anno 1222. 3) Schrötter. II. 312-313. 95 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. '-schwindet, und damit von den Nachkommen, oder von wem im-"mer das, was vollbracht worden ist, keine Beeinträchtigung erleide: so hat die menschliche Vorsicht für nützlich und ehrenhaft »erachtet, auf daß Angriffe Böswilliger gänzlich vermieden werden, »dasselbe durch das Zeugniß der Schriften zu verewigen. Daher »sey kund und zu wissen sowohl gegenwärtigen Gläubigen, als auch »jenen der zukünftigen Nachkommenschaft, daß Friedrich, unserVater »seligen Andenkens, für sein und unserer Vorältern Seelenheil dem »ehrwürdigen Hause, dem Spitale der H. Maria der Deutschen »(Ritter) zu Jerusalem, geschenkt habe sein Eigenthum im Sonn-»ta g mit der Hälfte der Zehenten desselben Landtheiles, damals als »diesen Landstrich unser denkwürdiger Vater den Händen der Un-„garn entrissen, und wenn gleich leer noch und unbewohnt zuerst »seiner Macht unterworfen hat. Da nun auch wir den Fußstapfen »unseres Vaters Nachfolgen wollen: so bestätigen wir dessen ver-»nunftgcmäßer Weise geschehene Schenkung, sie mit gutem Willen "erkennend, so wie dieses Eigengut mit allem Rechte und mit des-»ftn Zugehöre oorliegt, freigebig durch Gewalt der gegenwärtigen »Urkunde. Auf daß nun eben diese Schenkung unseres Vaters, »ehrenwerthen Andenkens, welche wir erneuern und billigen, frei »bleibe und fest bestehe, so glauben wir dieselbe mittelst Anhängung „unseres Jnnsiegels vorsichtiglich zu bekräftigen 0." Eben hatte Kaiser Friedrich II. zu Tarent im Monate April 1221 den Orden der deutschen Ritter in allen Landen des heiligen römisch-deutschen Reiches mit einem für ihre Besitzungen, Lehen und Hörigen, und für ihre Personen selbst an Freiheiten und Vorrechten überreichen Majestätsbrief mit goldener Bulle beschenkt, in Folge dessen die genannten Edelherren von Pettau ganz ungehindert eine solche Spende zu machen berechtigt gewesen sind * 2). Im folgenden Jahre, im März 1223, gab Kai- ms. ^ fer Friedrich II. dem Abte Waldfried von St. Lam-brecht, welcher persönlich vor ihm zu Tarent in Jta- W-itz. urkundm»»» lien erschienen war, ein Majestätsdiplom, in welchem alle Besitzungen, Rechte und Freiheiten des Stiftes bestätiget, dasselbe unter des Kaisers und Reiches besonöern Schutz gestellt, und insbesondere die freie Wahl eines Abtes zugesichert und befestiget 1) Dipl. Styr. ll. 207—208: „Acta sunt haec Anno 1222.“ 2) Liinig, Rkichsarchiv. p. 3. 96 Steiermark unter den Babenbergischen wird. Im November befand sich Erzbischof Eberhard II. in Admont und bestätigte am 26. November 1223 die Spende, welche sein Ministerial Hartwik von Prunne mit Besitzungen zu Prunne und inThulgen dem Stifte Rein gemacht hatte, vor folgenüenZeu-gen: Karl, Bischof zu Seckau, Konrad von Mülldorf, Ulrich von Aussee, Rudiger, Pfarrer zu Pols, Konrad, Burggraf zu Salzburg, Otto der Aeltere von Leibnitz uud vielen anderen hochstifti-schen Ministerialen ’). Auf einer Versammlung zu Weitz waren anwesend die Pfarrer: Sieghard von Hartberg, Walther von Raab, Walther von Weitz, und Konrad von Stiffen; und die Eöelherrn: die Brüder Leutolö und Ulrich von Wildon, Wulsing von Kapfenberg, Heinrich und Hartwik, Brüder von Krotendorf, Rüdiger und Otto von Gutenberg, Leo von Reifnitz und dessen Sohn Wülfing, Konrad von Wildon, Oetlin und Aspin von Peckau u. v. a. Edelherren. Der alte Herrand von Wildon und dessen älterer Sohn Hartnid hatten auf Gütern des Stiftes Seckau zu Kumberg am Schöll mit Brand und Plünderung übel gehaus't unö große Beschädigung angerichtet. Vergeblich waren Hartnid und Herrand von den Stiftsherren oft zum Schadenersatz gemahnt worden. Diesen leisteten nun durch Brief und Siegel in der oben be-zeichneten Versammlung die nachgelassenen Söhne, die Brüder Leu-tolü und Ulrich, und übergaben dem Stifte Seckau zu ewigem Eigen ihr Gut zu Preming sammt den darauf erblich Rücksäßigen Heinrich und dessen Gattin Richarde i) 2). Im Jahre 1223 überließ Propst Hermann von Seckau dem thätigcn Stiftspriester und Pfarrer zu St. Margarethen alle dem Stifte in dieser Pfarre gehörigen Zehenten gegen die Verbindlichkeit, daß er die walöichte Gegend zu beiden Seiten des Gleinbaches (Clye) ausrotten, ur-bar machen lasse, und an neue unterthänige Ansiedler verthcile3). Von dem Jahre 1223 wissen endlich die Chroniken die außeror. dentliche Naturerscheinung eines sehr strengen Winters und rothen Schnees, der sich in Blut verwandelt habe, zu berichten 4). Auch sollen auf den langen hartnäckigen Winter Viehseuchen, große i) Reiner Urkunde: „Acta sunt liacc in Agemund Anno 1223. VI. Kal. Decb.“ '-) Johanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. I. 199—300. 3) Johanneums-Urkunde. 4) Cliron. Austriac. Anno 1333: „Nix nixit in Stiria, quae versa cst in sanguinem.“ — Chron. Neoburg. Rauch. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 97 Hungersnoth in Oesterreich, in der March und in Kärnten gefolgt seyn Schon vor einigen Jahren hatte Herzog Leo- . 3. 1224. „ . 9 _ Die Stelrrbrücke pold den Bau einer steinernen Brucke über den Sa - ^ ^ Save. H. vestrom bei der Einmündung der Sann in die Save großen Landtagen angeorönet, um nicht nur die Verbindung zwischen 5m'u6mä' Steiermark und den südlichen Ländern auf geradem Wege herzustellen, sondern und vorzüglich um dadurch den Meereshandel gerade herauf und durch die Steiermark, Oesterreich, Neustadt und Wien zu leiten. Um diese Zeit scheint dieses mächtige und einflußvolle Werk vollendet worden zu seyn. Der Herzog scheint die vollendete Brücke selbst besichtigt zu haben. Auf dem Nückwege war eine große Landtagsoersammlung nach Marburg beschieden, wo sich die Eöelherren (Nobiles) Gebhard von Sannek (Seunech) und dessen Sohn Konrad, Liupold von Hohenek und dessen Bruder, Hartniö von Ort, Albert von Rohitsch, Reimbert von Mureck, Otto von Traberg, der Mundschenk Albert von Grimmenstein, der Truchsäß Berthold von Emmerberg, Rudolph der Marschall von Plankenwart, Rudiger von Pulskau, Liupolö von Gonobitz, Or-tolph von Vreudenberg, Heinrich der Schreiber von der March (Scriba Marchiae) u. 0. a. eingefunden hatten. Am 8. Februar 1224 ließ er nun einen Jmmunitätsbrief errichten und siegeln, in welchem er der auf seinen Befehl und auf seine Kosten erbauten Savebrücke besondere Vorrechte und Freiheiten ertheilt ’l). Hierauf war Herzog Leopold in die obere Steier- 3u, mark gegangen, wo er wahrscheinlich mit dem Erz- bm6ut3-bischof Eberhard II. in Judenburg zusammentraf, der eben auf der Reise nach Friesach war. Auch Abt Gottfried von Admont scheint daselbst anwesend gewesen zu seyn. Denn am 18. April Chron. Honorii et Voraviens. Anno 1224: „Pestilentia animalium per totam Austrian!, Marchiam et Carinthiam gravissima facta est.“ — ,,Hiems longissima et asperrima.“ — Godefrid. Colon.: ,,Fames etiam magna et inaudita per biennium perdurans.“ — Chron. Mellic. et Claustroneoburg. Anno 1225. Dipl. Styr. II. 139 — 140: „Acta sunt haec in Marcliburcli VI. Idus Februarii Anno 1224 per manus Liupoldi Notarii.“ H. Leopold war bei dieser Reise schon am 28. Jänner in Unterdrauburg, und bestätigte die Spende des Otto von Traberg (viri nobilis) mit Gütern zu Jutdendorf an das Stift Viktring, nachdem er am 1. Jänner 1224 zu Marburg eine gleiche Spende dieses Edelherrn mit Gütern zu Höfelein in der Gegend von Reiffm'H (in Provincia Riventz) bestätigt hatte. Gefch. d. Steieemaek. — V. Dd. 7 98 Steiermark unter den Babenbergischen 1224 gab er auf Ansuchen des Herzogs und des Erzbischofs in seinem und des Stiftskapitels Namen dem Propste Bernhard zu Friesach und zugleich Pfarrer zu Vischach in der Ostmark zu persönlichem Lehen einige Stiftsgüter mit Mühle bei Neustadt und Weingärten in derselben Pfarre Vischach gelegen mit der Bedin. gung, daß nach des Propstes Tode, oder nach dessen freiwilliger Entsagung alles auf denselben Gütern befindliche bewegliche und unbewegliche Gut mit Gebäuden, Neubrüchen und Verbesserungen dem Stifte Admont unentgeldlich wieder anheim fallen, und daß kein Nachfolger zu Vischach auf besagte Güter einen Besitzesanspruch zu machen Recht haben solle '). Der Landesherzog und Erzbischof stellten sodann, Judenburg 24. April 1224 und Friesach 2. Mai 1224, eigene Besiätigungs- und Verbürgungs-Urkunden aus 1 2). Zu derselben Zeit gab Abt Gottfried II. mit voller Kapitelbcwilligung zweien freien Männern, Heinrich und Ebno, Ladocher zugenannt, einen stiftischen Weingarten samml dem zu dessen Baue nöthigen Lehengute zu Gumfarn in der Ostmark zu Burgrecht nach der in Oesterreich bestehenden Gewohnheit, gegen jährliche Abgabe an Wein und Geld, und mit dem Rechte der Nachfolge der Söhne Ebro's .im Besitze dieser Burgrechtsgüter3). Bald darauf legte Abt Gottfried I. seine Würde aus Altersschwäche nieder (6. December 1226) und ging im Jahre 1228 zur Grabesruhe ein. Ihm folgte als siebenzehntcr Abt zu Admont der einheimische Priester Wikpoto 4). 1) Archivsurkunde DDD. 1: „Praesentem cartam conscribi fecimus et sigillorum nostrorum tarn Abbatis quam conventus munimine roborari. Datum Admunt. Anno 1234. XIV. Kalend. Maji.“ 2) Archivsurkunde DDD. 2. 79 : „Datum apud Judenburch Anno 1224. VIII. Kal. Maji.“ — „Datum apud Frisacum. Anno 1224. VI. Nonas Maji. 3) Archivsurkunde DDD. 78: „Acta sunt haec apud Admunde — de consensu nosti-o et totius conventus — tarn domnorum , quam laicorum scilicet Domni Prioris Stefani, Domnorum etiam Gundacheri, Wichpotonis cel-larii, Ditmari cantoris etc. Necrolog. C. 381. 543. — Chrou. Admont. Anno 1226. — Saalbuch III. p. 36. In der Handschrift der Stiftsbibliothek findet sich, von gleichzeitiger Hand geschrieben, folgende Notiz: „Anno 1228 obiit sanctae memoriae Domnus Gotfridus scientia literarnm et puritate vitae conspicuus; qui ecclesiae Admontensis abbas per annos propeXX exstiterat, et pro vitae suae merito cunctis acceptus Domini Liupoldi Austriae Styriae-que Duels et Domini Bernardi Carinthiorum Ducis compater adscitus plurima eorumdem Principum impendia ecclesiae Admuntensi eompa-ravit.“ — Pez, Script. Austr. II. 210. 99 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Auf die Zehenten des Stiftes Rein im Sö- 3- 1224. - Anqeleqcnbeiten tc8 dmgthale hatte schon fett längerer Zeit Otto von Stiftes stem. Leonroöe und Krems Ansprüche erhoben, vorzüglich auf alle Ze. henten der Neubrüche. Der Streit kam sogar bis an den apostolischen Stuhl, welcher den Abt von St. Paul und Erzdiakon in Kärnten, Konrad von Trixen, und Dietmar, den Erzdiakon in der unteren Steiermark, zu Schiedsrichtern bestellte. Diese luden nun am Gregoriustage 1224 die streitenden Theile vor ihr Gericht in Leibnitz. Otto erschien jedoch nicht und ließ durch unzureichende schriftliche Entschuldigungen sich von einem Cleriker und einem seiner Basallen vertreten. Es ward demnach ein peremtorischer Gerichtstag nach Wolfsberg anberaumt, und daselbst alles Zehentrecht dem Stifte Rein eigenthümlich zuerkannt. Auf der Versammlung im Stifte zu Rein selbst, 1. August 1224, übergab dann der Eöelherr von Leonroöe und Krems seine Entsagungsurkunde vor: Konrad, Abt von St. Paul, Dietmar, Erzüiakon der March, vor den Pfarrherren: Küster Gerold von Piber, Heinrich von Pruck, Dietrich von Aöriach, Gregor von Gradwein, vor den Edlen: Heinrich von Racknitz, Wikarü und dessen Sohn Dietmar von Walü-stein, Gerald, Castellan von Voitsberg, Rudolph, Richter von Voits-berg. Auch Conrad von Thurn hatte Reinische Stiftsgüter bei Fer-nitz sich angemaßt, jedoch auf ernstliche Warnung an sein Vorrecht sogleich wieder allen Ansprüchen daraus entsagt. Hartwik von Lub. gast spendete dagegen dem Stifte Rein eine Amtmannsbesitzung zu Ruckerstorf bei Tobl '9. Am 3. September war der Seckauer Bischof $ir)>n*“n4g iU@t. Karl zu St. Marein am Pickelbache mit Bernhard ®!‘al'cin6a^" Wd' Propst zu Friesach und Erzdiakon der March, mit den Pfarrern, Dietrich von Aöriach, Walther von Raab, Heinrich von St. Marein in Pickelbach und mit den Eöclherren, Heinrich von Dietrichstein, Heinrich von Ecke, babeiibergischeiz. Ministerialen, Hartwig von Schoenberg, Eberger von Weitz. Dort schloß und verbriefte er, einen Tauschvertrag mit dem Stiftskapitcl auf Seckau um eine Wiese am Raabflusse, die er seiner Mensal-pfarre St. Ruprecht an der Raab einoerleibte, für den dritten 7 * Urkunden des Stiftes Rein: Anno 1224 in die S. Gregorji sedentibus nobis pro tribunali. — Acta sunt haec in Libenz. — Acta sunt liaec Runae. 1224. 100 Steiermark unter den Babenbergischen Theil der Zehenten in den Villen Arbenöorf und Neuendorf, wo das gedachte Kapitel ohnehin schon zwei Zehenttheile zu Eigen hatte '). @rojk V-csamm. Die Vorgänge im königlichen Hause in Ungarn lung, Feste und Tur- hatten den Herzog Leopold mit dem K. Andreas Der Dichter un^Rlt. in feindselige Stellung gebracht (1224). K. Andreas M ’“tinfkin"8'4' hatte seinen Sohn, den Prinzen Bela IV., mit Maria, Tochter des griechischen Kaisers Theodorus Comncnus verehelicht und ihn bereits auch als Thronfolger krönen lasten. Nach zwei Jahren mußte sich Bela von seiner Gattinn zum Aergernisse des ganzen Königreiches wieder trennen. Darüber brachten die ungarischen Bischöfe Klage an Papst Honorius III. und Bela vereinigte sich selbst wieder mit Maria; mußte aber vor dem Grimme seines Vaters Zuflucht bei Herzog Leopold in Wien suchen. Mit Energie und Klugheit versöhnte dieser jedoch bald wieder Vater und Sohn und befestigte den Frieden 1 2). Als biederer Versöhner war H. Leopold in diesem Jahre auch zwischen dem Markgrafen von Istrien und Herzog Bernhard in Kärnten am 1. Mai 1224 in Friesach erschienen. Die Wichtigkeit der Handlung hatte daselbst ungemein viele geistliche und weltliche Fürsten, Grafen, Edelherren, Ritter und Freie hingezogen, insbesondere, da die Brüder Dietmar und Ulrich, der Sänger von Lichtenstein, prunkvolle Kampfspiele und Turnierstechen veranstaltet und deßwegen allerorten ihre Bothen hatten ausgehen lassen. Unter den geistlichen und weltlichen Fürsten und den sechshundert versammelten Grafen, Edelherren und Rittern waren die hervorragendsten: Herzog Leopold von Oesterreich, Herzog Bernhard von Kärnten, Markgraf Heinrich von Istrien, Albrecht, Graf von Tyrol, Meinhard Graf von Görz, Markgraf Diepold von Vochburg, Berthold der Patriarch von Aquileja, Erzbischof Eberhard II. von Salzburg; die Bischöfe, Rudiger von Passau, Heinrich von Brichsen, und jene von Bamberg und Freisingen; die Grafen Hermann von Ortenburg, Ulrich von Pfannberg, Hugo von Täufers, und die von Liebenau, vossSchlüsselburg, Schowen-burg und Heunburg (Hiunenburc) die Edelherren und Ritter 1) Iohanncumsurkundc. — Dipl. Styr. I. 300 -201: Acta sunt haec Ann o 1224. III. Non. Septembr. Data per manum Tham. Notarji coram 8. Mariae ecclesia in Pychelpacli. 2) Raynald. Anno 1224. 101 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. . Dietrich von Tanzenbach, Domvogt von Regensburg, Liutold von Pettach (Pettau), Konrad von Schöneck, der Ritter von Owars-burg, Dietmar von Potenstein, Hartnid von Ort, Hartnid von Wildon, Wulfink von Stubenberg, Reinprecht von Mureck, Rudolph von Rase, der Held von Königsberg, Hermann von Kranichberg, Heinrich und Otto von Pütten, Heinrich und Kol von Truchsen, Otto und Ortolph, Brüder von Grätz, Ottokar von Wolkenstein, Gundaker und Dietmar, Brüder von Stir (Steier), Gundaker von Starkenberg, Albrecht von Rußbcrg, Hadamar von Kuen-ringen, Wolflin von Gars, Otto von Schönkirchen, Rudiger von Amtschau, Ulrich von Stouz oder Steunze, der von Ottenstein, Hadmar von Schönenberg, der von Hackenberg, Heinrich von Kiow, Konrad von Sounnecke, Liupold von Lengenburg, Si-frieü von Topenbach, Heinrich von Bigän, Heinrich von Lünnz, Heinrich von Triwanswinkel, Ulrich und Dietmar, Brüder von Lichtenstein, Ulrich von Murberg, Otto von dem Wasen, Otto von Missowe, Hermann der Schenk von Osterwitz, Reinherr von Eichelberg, Kuon von Frieöberg, Otto und Dietrich von Buchs. Prunkreich, mannigfaltig und mühevoll dauerten da Stechen, Puhurt, Puneiß und Turnaz durch 14 Tage, bis die Vereinigung zwischen Herzog und Markgrafen zu Stande gebracht war. Die fürstliche Versammlung schied von Friesach am 15. Mai 1224 1). Im Jahre 1224 wurde auch ein Streit ausgetragen zwischen dem Stifte St. Paul und den Brüdern Heinrich und Gottfried (von Wildhaus wahrscheinlich), da diese bewiesen, daß sie Güter zu Pre-pach, das Schloß Widhaus und Steinbrüche unter dem Schlosse als stiftische Lehen besitzen, dagegen aber unrechtmäßig besessene Güter zu Babin, Rikus, Rielsitz und Boratsow dem Stifte zurückstellten 2). Es ist unbekannt, durch welche Veranlassung . „ 3. 1225. — wir finden aber am 19. Jänner 1225 den Her- Versammlung zu zog Leopold und den Erzbischof Eberhard 11. in Hartberg, wo die anwesenden Brüder Liutold und Ulrich von Wildon allen Uebergriffen, welche sie sich seit langem schon und gegen den Willen des Bischoses Karl von Scckau auf Bisthums- *) Ulrich von Lichtenstein. Herausgegeben von Karl Lachmann. Berlin 1841. p. 63—97. -) Cod. S3. Pauli, p. 94. 102 Steiermark unter den Babenbergischen guter bei Weitz angcmaßt hatten, gerichtlich entsagen, und der Erzbischof in Gegenwart des Herzogs eine Urkunde darüber aufrichten, und neben seinem Sigille auch noch mit dem Herzoglichen bekräftigen ließ Dem Stifte zu St. Lambrecht hatte unter Abt Werner ein gewisser Ritter Pernger zwei Güter zu Baier. dorf im obern Murthale für die stiftische Kirche St. Maria und St. Michael in Hof geschenkt. Nun erhoben die Verwandten desselben Ansprüche dagegen. Abt Wallfried brachte sie jedoch zur friedlichen und urkundlichen Entsagung auf dieselben (13. März 1225) vor den Zeugen: Jlsung, Vorsteher (Rertor) des Filial-klosters St. Michael, Liupold, Spitalmeister daselbst, die Ritter: Herr Remboto, Herr Dietrich Jotschan, Konrad von Berg (de Monte), Hartmann der Richter, Chuno der Mauthner * 2). 3.1225. Von Hartberg scheint H. jLeopold nach Grätz Stafien" gezogen zu ftyn; hier war der Bischof von Neutra im Namen des Ungarnkönigs Andreas erschienen, und friedliche Ausgleichung geschlossen worden, vorzüglich wegen des Schlosses Pinka, von welchem der Herzog die Beweise vorlegte, daß dasselbe auf seinem Landesboden und nicht auf ungarischem erbaut worden sey 3 * 5). Von hier weg machte Herzog Leopold Anstalten zur Reise nach Italien, wo er am 22. Juni 1225 am Hoftage zu St. Germano erschien *). Hier wurden mit K. Friedrich II. alle nöthigen Unterhandlungen geschlossen zur Verehelichung des Prinzen und deutschen Königs Heinrich VII. mit Margaretha, Tochter des Herzogs Leopold, welche auch am 1. November 1225 auf das feierlichste vollbracht worden ist r>). Ebenso ist in diesem Jahre Konstantia, die dritte Tochter des H. Leopold mit Heinrich, Markgrafen von Meissen, verlobt, die Vermählung jedoch erst im Jahre 1234 vollzogen worden 6). Hierauf folgte *) Dipl. Styr. I. 306 —307: „Datum apud Hartpach anno 1335. XIV. Kal. Februar». 2) St. Lambrechter Saalbuch *. „Miles Perngerus — dua praedia in Payerdorf ecclesiae 8. Mariae et 8. Michaelis in Hove. 3) Fejer, Cod. Hung. III. II. 9 — 10: „Acta sunt haec apud Graez per Do. Nitriensem Episcopum vice regis et Duce Leopolde praesente 6. Junii — Castrum in Pinka aedificatum paratus est dux in praesentia regis probare in Dominio suo esse. A) Ughelli, Ital. Sacr. anno 1335. Richard de 8. Germano. 5) Abb. Ursperg. Chron. Mellic. Claustroneob. Garstens. und Chron. Leob. Anno 1335. 6) Schrötter. II. 314. 103 Herzogen- J. 1192—1246 n. Chr. im Jahre 1226 die Vermählung des jungen, letztgebornen Sohnes und Herzogs Friedrich mit Gertrude, Prinzessin von Braunschweig, welche aber schon nach zwei Monaten gestorben ist (17. oder 19. April 1226). Noch in diesem Jahre nahm dann Friedrich eine zweite Gattin, Sophia, Tochter des griechischen Kaisers Theodo-rus LaskariS, Schwester der ungarischen Königin Maria. Aber schon ,'m Jahre 1229 hatte er sich wieder von ihr scheiden lassen, und bald darauf die dritte Gattin, Agnes, Tochter des Herzogs von Meran, genommen '). Zu gleicher Zeit begab sich Herzog Leopold mit seinem Schwiegersöhne, dem römischen König Heinrich VII., durch Tirol nach Italien zu dem nach Cremona ausgeschriebenen Hoftag. Während er in Trient, durch die Empörungen der Bewohner um Verona mehrere Wochen zurückgehalten, weilte* 2), empörte sich in Oesterreich sein zweitgeborner Sohn, Heinrich, der Grausame zubenannt, mit welchem er wegen ungestümer Forderungen eines eigenen Erblandes schon lange zerfallen war. Der Sohn verjagte die eigene Mutter, Theodora, aus dem Schlosse zu Haimburg, und begann eigenmächtig im Lande zu schalten. Jedoch Herzog Leopold, schnell herbeigeeilt, unterdrückte ihn sogleich mit Waffengewalt, und reichte ihm gütig die Hand zum Frieden und zur Versöhnung. Heinrich aber genoß des Vaters Huld nicht mehr lange; er starb am 29. Februar 1228, und bald nach ihm seine Gemahlin Agnes (oder Richardis), und ließ die einzige Tochter Gertrude einem späteren traurigen Geschicke Vorbehalten 3). — Schon im April dieses Jahres 1226 hatte K. Friedrich II. dem Stifte St. Paul einen Majestätsbrief mit Bestätigung aller Besitzungen und Rechte, und darin auch das Metallregale auf Stifsgründen in Kärnten und Steiermark auf Silber, Blei und Eisen ertheilt 4). Wir mögen bemerken, wie daß Erzbischof Eber-hard II. thätiger als alle seine Vorgänger fast in 7 ^ yard H Gründung jedem Jahre seinen ungemein ausgedehnten Sprcn- m Bistums 9el bereiset und selbst in den entferntesten Orten, H-Üs,' wie zu Hartberg, kirchliche Versammlungen gehal- Sifl6of' *) Schrötter. II. 318. 2) Godefr. Colon, und alle übrigen Chroniken anno 1236. 3) Schrötter. II. 319-325. *) Urkunden des Johanneums. 104 Steiermark unter den Babenbergischen ten habe. Von den geistlichen Bedürfnissen und von den Mitteln, dieselben bei so zahlreichen gläubigen Bewohnern zu befriedigen, hatte er sich dadurch vollkommen belehrt, und in dieser Ueberzeu-gung erhob er mit seltener Großmuth die bischöflichen Stifte in Chiemsee und auf Seckau. Er sah jedoch bald ein, daß hierdurch noch nicht, weder Zweck noch Mittel vollständig erreicht fegen '). Er eröffnete daher dem Papste Honorius III. sein neuerliches Vorhaben, auch noch zu St. Andrä im Lavantthale ein drittes Bisthum zu gründen. Bon Nom erließ man an den Bischof zu Freisingen und an die Aebte zu Salmannsweil und H. Kreuz apostolische Aufträge, des Erzbischofs Vorhaben zu prüfen und alle Verhältnisse, vorzüglich gegen das schon im Jahre 1212 zu St. Andrä unter dem ersten Pröpsten, Friedrich Schralle, eingesetzte Chorherrenstift zu untersuchen. Der Bericht dieser apostolischen Commissäre lautete vollkommen zum Preise des erzbischöflichen Vorhabens. Hierauf wurden an Ort und Stelle sogleich alle nöthi-gen Einrichtungen getroffen, und Ulrich, der gelehrte und thätige Pfarrer zu Haus, im obern Ennsthale, als erster Bischof von Lavant benannt (10. Mai 1228). Die feierliche Weihung geschah zu Straubing, in der ansehnlichsten Versammlung, vor: Herzog Leopold von Oesterreich, Berthold, Herzog von Kärnten, vor den Bischöfen von Wurzburg, Bamberg, Passau, Regensburg, Augsburg, Chiemsee und Seckau (14. Mai 1228). Dem neuen Bischöfe war eine eben so beschränkte Diözese angewiesen, rote dem Bischöfe zu Seckau, und zwar so, daß sie in Kärnten die Pfarre zu St. Andrä, Lavamund und Unterörauburg mit ihren Kapellen, aber auch mit den Pfarren am Nemschick, St. Peter bei Lindenburg, St. Martin im Sulmthale und zu Großflorian, — einen Theil der Steiermark in sich begriff z). H, §e°E -au Zu Anfang des Jahres 1227 war Herzog Leo-großes Landgericht pold in Steiermark. Am 17. Februar saß er in der Kirche St. Kunigunde am Leech zu Gericht, umgeben von den Hochedeln und Edeln des Landes: Gebhard *) Considerans, quod commissi sibi gregis multitudo adhuc indigeat ulte-l'ius cura dioecesim 2) Chron. Osterhovens, ap. Rauch, anno 1228. — Abb. ANah. Oeffele. I 668. Annis 1226-1228. — Chron. Salzb. — Pez. I. anno 1226 — Anno millesim. Ossiacens. p. 26—27. — Meichelbeck, Hist. Fries. 11. P. I. 2. — Langt, Reihe der Bischöfe von Lavant. x. 58-59. pastons, cam ipse propter viarum pericula vix valeat totam visitarc ! 105 Herzogen. J. 1192—1246 it. Chr. von Sonneck (Nobilis), Ulrich und Liutolö (Nobiles) non ^ßecFatt (Beka), Hadmar und Heinrich, Brüder von Kuenring, Kolo von Truchsen, Otto von Traberg, Reimbert von Mureck, Hartnid von Ort, Wülfing von Stubenberg, Albert von Rohitsch, Bcr-thold, Truchsäß von Emmerberg, Rudiger, Marschall von Plan-kenwart, Ortolf von Stretwich, Ernst von Teufenbach, Otto und Albert, Brüder von Stretwich, Otto und Konrad, Brüder von Pfaffendorf. Er nahm da zu Brief und Sigill den Vergleich zwischen dem Stifte Seckau und den Brüdern Liutold und Ulrich von Wildon, in welchem der Propst von Seckau die Ansprüche der Wildoner auf das Gut Gobernig mit 50 Marken Pfennige abfertigte, die genannten Edelherren aber die Bogtei darüber behielten 1). Dieses Gut hatte ein Blutsverwandter, Leufried der Wildoner, dem Stifte Seckau schon vorlängst geschenkt, aber der Vater und Bruder desselben mit Gewalt vorenthalten. Die Ueber-gabe verbürgten die genannten Brüder jetzt mit einer eigenen Urkunde vor den Zeugen: Gundaker und Marquard, Brüder von Baumkirchen, Ernst von Eppenstein, Konrad von Wildon, Konrad von Moura, Leutfried von St. Stephan, Ulrich von Obdach, Ortolph von Stretwich, Siboto von Reichenfels, Otto von Lichtenstein, Friedrich von Obdach, Gorung von Judenburg, Ulrich von Walterstorf u. v. a. 2). Von Grätz eilte Herzog Leopold nach Aachen ^ zur glänzenden Krönung seiner Tochter Margare- t« tm Krönung feiner tha, (28. März 1227) wo alle Edeln und hervor- g<,«th, «u deutsch-ragenden geistlichen und weltlichen Fürsten in Glanz ^l'n'ä9ibm°iit.nn 111 und Herrlichkeit anwesend waren 3). Am 18. Mai hierauf war Papst Honorius III. zu Grabe gegangen. Ihm folgte im achtzigsten Jahre seines Lebens Papst Gregor IX., welcher den K. Friedrich Il.'wegen stäten Aufschubs des geschwornenKreuzzuges dreimal mit dem Kirchenbanne belegte, und dies der ganzen Christenheit verkündete. Am 15. Mai war H. Leopold schon wie- ‘) Johanneums - Urkunden. — Dipl. Styr. I. p. 202: „Acta sunt haec in Graecz in ecclesia 8. Chuiiegundis XIII. Kal. Martii anno 1227.“ — Auch Leopold non Gutenberg entsagte allen Ansprüchen auf diese Besitzungen zu Gobernich, so daß auch vier Huben, welche Gundacher von Landschach als Prekarien inne hatte, nach dessen Tode dem Stifte Seckau zu eigen gehören sollten. 2) Dipl. Styr. I. 203. 3) Goilefr. Colon. Anno 1227. 106 Steiermark unter den Babenbergischen der in Steiermark, und im Stifte Admont, wo er einen Brief über Gerichtscommunität der Unterthanen des Stiftes Kremsmün-fter gesiegelt hat Am 7. November 1227 war große Landtags-Versammlung in Marburg, und Herzog Leopold in der Mitte der Landesedlen Ulrich von Peckau, Albert von Rohitsch, Ulrich und Liupolö, Brüder von Wildon, Friedrich von Pettau, Gerhard von Krumbach, Otto von Königsberg, Otto von Traberg, Liupold von Gonowitz, Berthold von Truna, Pechlin von Tiffer, der herzogliche Notar Liupold und der Schreiber Wülfing (Scri-ba noster). In dieser Versammlungen welcher auch Eckbe rt, Bischof zu Bamberg, und Luitprand, Erzpriester zuVölkermark, Theil genommen hatten, ertheilte er einen großen Bestätigungsbrief den Karthäusern in Gairach * 2). H. r-ovold in Win- Am 11. November war der Herzog nachWin- dtsch Feistritz. Ur- .... künden für Seckau bisch -Feistritz gekommen, wo er m einer zweiten 1,nb 'lcm°nt' Urkunde die Mauthbefreiung für das den Karthäu-fern zu Seitz bei der Stiftung gegebene Jahres-Deputat an Eisen und Salz in Steiermark bestätigte 3J. Hierauf begab er sich mit dem Bischof Eckbert nach Grätz und entschied, als erwählter Schiedsrichter mit dem Erzbischöfe von Salzburg, die Streitigkeiten des Hochstifts Bamberg mit dem Herzog Bernhard von Kärnten, welcher hieraus den Bischof Eckbert mit dem Schlöffe Weröenberg belehnen mußte, 17. November, 1227 vor den geistlichen und weltlichen Herren, den Bischöfen Rüdiger von Chiemsee und Karl von Seckau, Markgrafen Heinrich von Istrien, den Grafen Hermann von Ortenburg, Wilhelm von Huneburg, und sehr vielen Landesedlen 4). Der salzburgische Erzbischof Eberhard II. war in diesem Jahre wieder in die Steiermark gekommen. Am 21. Februar entschied er in Pöls (datum apud Pelsa) den abermaligen Streit zwischen dem Stifte Seckau und dem Pfarrer Hartmann von Vonstorf, um die Kapelle in Schönberg. Die Verhandlung darüber geschah vor den Bischöfen Rudiger von Chiemsee, Karl von Seckau, Ulrich von Lavant (Electus), Bernhard 1) Pachmayr. p. 106. 2) Dipl. Styr. II. 140 — 141: „Acta sunt haec anno 1227. VII. Idus Non. in Foro nostro Marchpurch. 3) JohanneumS-Urkunde. Datum Feistriz. 4) Ludewig, Script. Bamberg, p. 1141. — Lünig, Reichsarchiv. Spicileg. Eccles. II. 30. Actum apud Graz a XVII. Nov. 1227. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 107 Propst von Friesach, vor den Pfarrern: Eberhard von Pols, Meister Ludwig von Kirchheiin, Wezilo von Dettingen, und vor den Eüelherren, Kuno (Senior) von Gutrat, Gottschalk von Neidest, u. a. salzb. Ministerialen. Wahrscheinlich begab er sich auf dieser Reise auch zu dem im Lande eben anwesenden Herzog Leopold. Denn in diesem Jahre, in Gegenwart des Erzbischofes und vor Karl, Bischof zu Seckau, Ulrich von Peckau (Nobilis) Otto von Truchsen, Hadmar von Kucnringen, Berthold von Mauerbach, u. v. a. entschied, der Herzog den Streit zwischen den Brüdern Otto und Hermann von Kinüberg und dem Stifte Admont um ein Gut zu Perchach, welches laut den Handvesten schon über 60 Jahre im stiftischcn Besitze gewesen ist. Admont mußte mit 12 Marken Geldes die Ansprüche der Kindberger abfertigen '). In diese Zeit gehört noch ein anderer Streit des Stiftes Admont gegen Konrad von Wildon, welcher die bedeutenden Besitzungen des Stiftes in der Gams bei Steinz angesprochen, gewaltsam angegriffen, und auf aömontischem Grund ein Haus auferbaut hatte. Der Streit war bis an den Landesherzog gediehen, auf dessen Urtheil jenes Gebäude wieder abgebrochen werden mußte. Nun mußte Leopold von Wildon, als Bogt und Hofrichter der stifti-schen Besitzungen zu Gams und Frielanü, in einer eigenen Urkunde die Umgränzung des dortigen admontischen Herrschaftsgutes befestigen, und von den anwesenden Zeugen: Engelschalk und dessen Sohn Babo von Wildon, Hermann von Wildon, Friedrich von Stiffen, Berthold von Mourschach, Marquard von Wildon, Konrad Wolf von Wildon (Lupus), Ruger von Premstätten, Gu-dacher, admontischer Propst zu St. Martin, Guöacher, Amtmann (Officialis) von Admont (De Agmonda), bekräftigen lassen '*). Dem Stifte zu Seckau versicherte Liebold von Gutenberg und sein Bruder Ulrich den gewissen Besitz einiger Güter in Gober- 1) Archivsurkunde. A. 17.: „Actum est anno 1227 in praesentia Domini Eberhard! II. Salzburgensis Archiepiscopi, apostolicae Sediš legati.“ 2) Archivsurkunde T. 53 : „Super praedio in Gaemza. Termini sunt hi : Sicut ascendendo via a domo illa, quam super praedio injuste sibi vendicato aedificaverat, et ex praecepto Domini Ducis est dostructa, usque ad meutern, qui dicitur Grim, a monte illo usque ad distinctio-nem viarum, ubi infossus est lapis marginalia; a lapide illo usque ad alium lapidem marginalem, qui infossus est apud paridem Meinhardi; a lapide illo usque ad duas ripas Gamz et Muolpach, inter venas ri-parum illarum sursumusque super parvnm alp ein, ab illa alpe sur-sum sicut discernunt guttae imbrium usque super magnam alpem, ab alpe illa sursum usque ad Vilzmos, a loco illo directe usque ad majorem Lasnize. 108 Steiermark unter den Babenbergischen nitz, welche von ihren Aeltern demselben waren geschenkt worden, ungeachtet Gunöaker von Landschach einige derselben zum Lehenbesitz trme hatte. Ab-nÄich-F-chrt 2" diese Zeit fiel auch der abenteuerliche Zug, des Dichters Ulrich welchen Ritter Ulrich von Lichtenstein, als Königin von Lichtenstein. , r» • ^ r , Venus durch Frtaul, Kärnten, Steiermark und Oesterreich bis an die Gränzen Böhmens machte, allerorten ritterlich turnirte, wozu er sich von Venedig im Prunke der reichsten ritterlichen Rüstung und Kleidung und umgeben dort; einem zahlreichen Hofstaate und Gefolge erhoben hatte. Voraus ließ er durch alle Lande folgende Aufforderung bringen-. »Die werthe Königin »Venus, Göttin über die Minne, entbicthet allen Rittern, die zu »Baumgarten und zu Friaul und zu Kärnten und zu ©teter und »zu Oesterreich, zu Böhmen, gesessen find, ihre Huld und ihren „Gruß, und thut ihnen kund, daß sie um ihre Liebe zu ihnen fah-„ren will, und will sie lehren, mit wie gethanen Dingen sie wer-»therFrauen Minne verdienen oder erwerben sollen. Sie thut ihnen »kund, daß sie sich hebet des nächsten Tages St. Georgen Tage »aus dem Meer zu Meisters, und will fahren, bis sie zu Böheim, »mit so gethanen Dingen: welch Ritter gegen sie kommt, und ein «Speer wider sie entzwei sticht, dem gibt sie zum Lohne ein gul-»den Fingerlein, das soll er senden dem Weibe, die ihm die Liebste „ist. Das Fingerlein hat die Kraft, welcher Frau man es sendet, »die muß ihm desto schöner seyn, und muß sonder Falsch minnen, »den, der es ihr gesandt. Sticht meine Frau Venus einen Ritter »nieder, der soll an vier Enden in die Wett ringen, einem Weibe »zu Ehren. Sticht aber sie ein Ritter nieder, der soll alle die Rosse »haben, die sie mit sich führt. Sie fährt des ersten Tages zu Tcr-»vis, des andern Tags an den Plat, des 3ten zu Setschin, des »4ten zu St. Ulrich, des 5ten zu Clemeun, des 6ten zur Clause, »des 7ten zu dem Thor, des 8ten zu,Villach. Da liegt sie den „9ten Tag stille, des loten Tages zu Felökirchen, des Ilten zu »St. Veit, des 12fen zu Friesach, des 13ten zw Schäuflich, des „I4tcn zu Judenburg, des löten zu Chnütelfelöe, des löten zu »Leoben, des I7ten zu Kapfenberg, des 18ten zu Mürzzuschlag, /-des löten zu Glocknitz, am 20sten bleibt sie da den ganzen Tag. „Am 2lsten ist sie zu Neunkirchen, am 22sten zu der Reucnstaüt, »am 23stcn zu Dreskirchen, am 24sten zu Wien. Am 25sten bleibt »sie da liegen. Am 26sten ist sie zu Neumburg, am 27sten zu Ni- 109 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. ,'stelbach, am 28sten zu Felsberg, am 29sten ist sie an der Tynn »zu Böheim. Da hat ihre Fahrt ein Ende. Sie will auf der Fahrt »ihr Antlitz, noch ihre Hände Niemanden sehen lassen; sie will »auch wider Niemand ein Wort sprechen. Sie gebietet von dem »Tage ihre Fahrt ein Ende hat, am achten Tag einen Turnez zu »Neumburg. Welcher Ritter ihre Fahrt vernimmt, und gegen sie „nicht kommt, den thut sie in der Minnen Acht und in allen Gu-»ten Weibe Aechtung. Sie hat ihre Herbergen darum alle ange-«schrieben, daß ein jeglicher Ritter wisse, wann oder wo er gegen »sie kommen soll, daß es sich ihm zum Besten füge." Diese ritterliche Fahrt ward sodann wirklich vollbracht. Die Zeitverhältnisse und kluge Vorsicht für die ($q63e61e2c|8arb „ Zukunft oeranlaßten den Erzbischof Eberhard II. w t« su^te zw>. . . . schen dem Bischof am 12. SSJiöi 1228 einige neuere Anordnungen und und dem «stifte $u Bestimmungen,über die Rechte des Bischofes zu Seckau und des Chorherrenkapitels daselbst in einer Urkunde zu befestigen. Er ordnete daher an: „daß Propst und Kapitel zu Seckau auf »die Wahl eines jeweiligen Bischofes zu Seckau sich keinerlei Recht »anmassen dürfen, sondern diese Wahl, jedesmal vor dem Hoch-»ftiftskapitel vorzunehmen, soll einfach und von Rechtswegen nur „uns und unfern Nachfolgern zustehen. Jeder Erwählte hat vor „der bischöflichen Weihung vor unserem Kapitel uns stäte Treue »und Huld zu schwören. Ist der salzburgische Metropolitensitz «erledigt: so hat sich ein Bischof zu Seckau auf keinerlei Weise «einzumischen in die Erwählung eines Erzbischofcs. Feierliche »Gottesdienste in der Kathedralkirche zu Salzburg darf ein Se-»ckauerbischof nur auf Einladung deS Hochstiftskapitels, sonst unter „keinerlei Vorwand eines Rechtes halten, außer, oberhirtliche Pflich-»ten, welche er aber nur an Unserer Statt bei Unserer Abwesen -«heit und auf Unfern sonderheitigen Befehl vollführen darf. Ent-«scheidungen von Angelegenheiten, welche in Unserer Abwesenheit »nach gemeinem Rechte nur dem Hochstiftskapitel zustehen, hat er »sich außerhalb seiner Diözese keineswegs zu unterwinden. Wir »wollen auch, daß zufolge der alten Gewohnheit sowohl öffentlich, »als in privaten Verhältnissen der salzburgische Dompropst wegen »Anwesenheit des Seckauerbischofes oder der von Uns erwählten »Bischöfe niemals von unserer Seite getrennt werde, sondern der »Dompropst soll dann jedesmal Uns zur linken Seite, der Bischof no Steiermark unter den Babenbergischen »zu Gurk aber und die übrigen nach dem Alter jedes Bisthums »zu unserer rechten Seite Platz nehmen '). 3. 1228. Urkunde fürGairach, Am 17. Nov. 1228 erhielt üasKarthäuserstist zu Gairach einen ausgedehnten Schirmbrief vom Papste Gregor IX., worin freie Aufnahme von Novizen, Zehentbefreiung von allen Stistsgrünöen vor dem allgemeinen Concilium, Verboth der Ansiedlungen anderer geistlicher Orden auf eine Entfernung von einer halben Meile umher, Steuer- und Gerichts-freiheit, Freiheit von allem Zwang bei einem Concilium oder einer weltlichen Versammlung zu erscheinen, freie Priorswahl ohne Einmischung eines Bischofes versichert wurden 1 2). Ang°lkgLu.» bet Zu Neustadt und in Gegenwart des Herzoges ?Admont^St (1228) schloß das Stift Rein den Kauf 5 in- in Salzburg von Gütern zu Rohr und Wickersdorf in Oefter- spricht Ersatz an für , das alte Gehöfte reich mit Wikard von Tvggenburg Mit Zustimmung Adamunta. . ~ . _ des Lehen- und Grundherrn derselben, Otto von Lenzenbach, Vogt zu Regensburg, welchem für die Einwilligung und Verzichtsleistung auf fernere Ansprüche zwanzig Pfunde Wienergeldes gegeben werden mußten. Wülfing von Stubenberg, im Begriffe mit K. Friedrich II. den Zug ins heilige Land zu thun, stellte dem Stifte Rein die Vogtei über die Güter zu Räüüenberg, welche seine Aeltern gespendet hatten, mit Zustimmung der Herzogin Theodora, wieder heim 3). Im Laufe des Jahres 1228 wurde ein ungemein langwieriger und erbitterter Streit zwischen den Stiften Admont und St. Peter in Salzburg zur endlichen Entscheidung gebracht. Wir haben im Laufe der Geschichte erzählt, wie K. Heinrich II. (7. December 1005) das Herrschaftsgut Adamunta im Aümontthale, damals im Ennsthalgaue und in der Grafschaft Adalberos (von Mürzthal und Eppenstein) gelegen, dem Salzburger Oberhirten Hartwick mit der Bedingung gegeben habe, daß es nach seinem Tode dem Stifte St. Peter zu Eigen bleiben sollte. Hartwicks Nachfolger behielten aber dies Gut bei dem Hochstifte, ohne dem Stifte St. Peter einen Ersatz dafür zu geben. Einen Theil desselben verwendete Erzbischof Geb- 1) Dipl. Styr. I. 203 - 204. 307 IV. Idus Maji. - 308. Anno 1228. Datum Salzburch 2) Dipl. Styr. II. 157. — ZohanneumS-Urkunde. 3) Stift Reiner Urkunde. Ill Herzogen. Z. 1192—1246 n. Chr. harö zum Baue und zur Dotation des Stiftes Admont. Die ersten Ansprüche erhob nun Balöerik II., Abt zu St. Peter (I. 1125—1147), und erhielt von dem Erzbischöfe Konrad I. zum Ersätze andere hochstiftische Güter im Pongaue, zu Ouhusen und am Berge Hegil bei Salzburg (12. Juni 1143) und die Urkunde darüber auf der Veste Werfen in Gegenwart des Gurker Bischofs Roman I. und vieler Edelherren. Weil aber der Erzbischof diese Güter alö Ersatz für den Theil der Herrschaftsgüter Admont, welchen er als unter den Hochstiftsgütern rückbehalten gefunden habe, bezeichnete '), so ergriff Abt Heinrich I. (1.1147—1169). neuerdings die Veranlassung, von dem Abte Gottfried I. zu Admont Ersatz für die andere, bei dem Baue und der Dotation sei- , nrs Stiftes verwendete Hälfte des Gutes Adamunta zu begehren. Der Abt Gottfried lehnte den zugemutheten Ersatz ab, und wies das Stift St. Peter an den Erzbischof Eberhard 1, ließ die Sachlage durch den Gurkerbifchof Roman I. nochmals erheben, dessen Aeußerung das Enöurtheil begründete: daß bereits der Erzbischof Konrad I. für die Handlungen seiner Vorfahren, Gebhard und Thinno, dem Stifte St. Peter Genüge gethan habe; und daß folglich alles, was jene frommen Erzbischöfe (viri religiös! et sancti) dem Stifte Admont im Admontthale gegeben hätten, demselben unangefochten zu verbleiben habe l 2). Run blieb fast durch 50 Jahre Ruhe. Um das I. 1211 focht Abt Simon von St. Peter (I. 1199—1231) den Besitz des admontischen Gutes zu Mukernau im Sausale an, und — zurückgewiefen — forderte er neuerdings Ersatz für die andere Hälfte des Gutes Adamunta, und gerechtes Urtheil sogar vom apostolischen Stuhle. Papst Jnnocenz III. befahl Untersuchung und Entscheidung dem hochstiftischen Dompropste Albert und dem Abte zu Raitenhaslach, Berthold, deren Schied-spruch auf einer Versammlung in Küchel (13. November 1211) den Streit nicht endete. Erst am 18. Jänner 1229 wurde die Sache ausgetragen — in Admont selbst, wohin Abt Simon von St. Peter, Bernhard, Propst von Friesach, Ivo, Pfarrer zu Hallein zu diesem Zwecke gekommen waren. Abt Simon leistete Verzicht aus alle weiteren Forderungen wegen Adamunta und Mukernau , und verpönte darob sich, sein Stift und alle seine Nach- l) Chron. novissimum S. Petri. Dipl. 1143. p. 217. *) Archivsurkunde P. P. 13. — Saalb. IV. SS-öl. - Saalb. III. 125-127. 112 Steiermark unter den Babenbergische» folget mit 300 Pfunden Geldes. Dafür bezahlte Admont an das Stift St. Peter ein für allemal 50 Pfund Salzburger Münze, und dies vor Gunüaker, dem Prior und der versammelten Kapi-telsgemeinöe des Stiftes '). Di- Stifte28^™« 3u Ende dieses Jahres (20. Nov. 1229) starb ""d ©etftiit. dann der Abt Wikpoto von Admont. Ihm folgte, von Buren berufen, Abt Berthold I., schon seit 1217 Abt zu Mi-chelbaiern, ein wegen hoher Gelehrsamkeit vielberufener Mann Am 25. December 1228 besuchte auf der Visitationsreise Bischof Karl von Seckau das Chorherrenstift zu Vorau, und weihte in der Stiftskirche zwei Altäre zur Verehrung des hl. Kreuzes und des heil. Jakobs. Bald darauf (4. Febr. 1229) starb Propst Heinrich. Den Krummstab zu Vorau erhielt Propst Pernold 1 * 3). Die Brüder Leukolö und Ulrich von Wildon stellten um diese Zeit dem Chorstiste zu Seckau alle Güter zurück, welche einst ihr Blutsverwandter Leutfried demselben geschenkt, ihr Bruder Hartnid aber bis zu seinem Tode gewaltsam vorenthalten hatte. Zeugen dabei waren; Gundacher und Markward, Brüder von Baumkirchen, Ernst von Eppenstein, Konrad von Wildon, Konrad von Mura u. v. a.— Dominikaner waren in Pettau schon in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts gegründet; denn in der Stuöenitzer Urkunde vom Jahre 1237 erscheint neben Friedrich von Pettau als Zeuge auch Frater Grifo de ordine preadicatorum. Herzog Leopold von Oesterreich war bisher ^und^Deutschland ‘n En hochwichtigen Angelegenheiten des Kaisers erhält cmcn wicht'l. in Deutschland und Italien mit unerschütterlicher gcn’lMvireqieitivief. , „ ^ _ _ Anhangüchkeit, mit Weltklugheit und Kraft an dessen Seite gestanden; weßwegen auch die beiden erlauchten Fürsten-stämme durch das kräftigste Band der Verehelichung des Kaisersohnes Heinrich VII. mit Margaretha von Oesterreich noch inniger verbunden worden sind. Gegen Bannfluch und Anschuldigungen des Papstes vertheiüigte sich der Kaiser schriftlich. Er hatte 1) Archivsurkunde P.P. 2. 3. 4. 12. 13. 14. — Chron. novissim. 8. Petri p. 217. 262. 263. — Saalbuch III. 103. 128 - 129. 143- 144. 193- 194. c) Necrolog. C. 543. 544. 581. - Saalb. III. 36. — Chron. Admont. Anno 1229. Pag:. II. 210. 3) Caesar, Annal, Styr. II. 140—143. 113 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 1228 im März einen Hoftag nach Ravenna ausgeschrieben, wohin auch Herzog Leopold und der unermüdete Metropolit Eberhard II. von Salzburg zogen; jedoch vergeblich in Venedig harren und wieder heimkehren mußten, weil die aufgeregten Veroneser und Lombarden allen Durchzug verweigerten Hierauf wohnte Herzog Leopold mit Herzog Bernhard von Kärnten, Otto Herzog von Meran, Heinrich, Markgraf von Andechs und noch vielen anderen Hohen und Eöeln des Reiches der feierlichen Wehrhaftmachung Otto's, des Sohnes Herzogs Ludwig von Sötern, am 14. Mai 1228 in Straubing bei. Die einheimischen Chronisten wollen wissen, daß Herzog Leopold hier in die höchste Gefahr, sein Leben durch Gift oder Dolch auf Anftiften seines ergrimmten Sohnes Heinrich des Grausamen zu verlieren, gekommen sey * 2D. Im August hierauf befand sich Herzog Leopold in Baiern und insbesondere am Hoflager seines Schwiegersohnes, des deutschen Königs Heinrich VH. Auf dem Hoflager zu Eßlingen 28. August 1228 zeichnete dieser den hochverdienten Herzog und alle seine Nachfolger mit einem Majestätsbriefe aus, der ihnen folgende außerordentliche Vorrechte zu-erkannte: „Der Herzog von Oesterreich und (Steter ist befugt, „Reichslehen von geistlichen und weltlichen Fürsten überall zu neh-„men, selbst wenn auch wegen dringender Zeitumstänüe die Ein-„willigung des Reichsoberhauptes noch nicht erfolgt wäre; der „österreichische Herzog darf seine Belehnung zu Pferde empsan-„gen; auf dem Herzogshute darf er das Diadem mit dem Kreuze „der Krone des römischen Königs tragen, und alle, bisher erwor-„benen Rechte und Freiheiten, Gnaden und guten Gewohnheiten, „wie auch alle künftig noch vom Kaiser und Reiche zu cmer. „benden sollen sowol auf der Person der Herzoge, als auch auf „ihren Ländern haften 3)." Im Jahre 1227 war K. Friedrich II. durch Ä Sri^n'. unb die italienischen Angelegenheiten und durch Krankheit ’füi verhindert, mit dem in Italien schon versammelten di- Sast-O^-rturg Kreuzheere nach Palästina aufzubrechen. Jetzt, im Jahre 1228, verlangte er als Preis seiner Anstrengungen und Conrad. Crepergens. Anno 1228. 2) Chron. Australe. Anno 1228. 3) Lünig, Reichsarchiv, p. 6. — Vitus Arnpek. Pez. I. 1207. — Schlotter, II. 213 — 237. vertheidigt diese von Lünig für unecht gehaltene Urkunde. — Boehm er, Regest. Imper. 200. — Chron. Gottwic. I. 390. Gesch. d. Steiermark. — V. 5B0- 8 114 Steiermark unter den Babenbergischen Gefahren, das h. Land selbst zum Besitze, nahm, zum Grolle des Papstes Gregors IX., den Titel eines Königs von Jerusalem an und zog nach dem Oriente. Der eben nicht günstige Erfolg der Waffen der Kreuzfahrer, wohl erklärbar aus den durch Gregors Aufreizungen unter denselben entstandenen Uneinigkeiten und die aus derselben Quelle entspringenden Vorgänge in Italien, besonders in Apulien, bewogen aber den unermüdeten Kaiser, mit dem Sultan von Aegypten, Malek el Kamel, einen sechzehnjährigen Waffenstillstand zu schließen, um dadurch die heilige Stadt, Bethlehem, Nazareth u. Sidon zu behaupten und schnell nach Europa wieder zurückzu-kehrcn. Denn Papst Gregor IX., welcher die Handlungen des Kaisers als für die Christenheit nachtheilig und schimpflich ansah und erklärte, verband sich mit den lombardischen Städten, rief die deutschen Fürsten, und unter diesen insbesondere den Herzog Leopold von Oesterreich auf, einen andern deutschen Kaiser zu wählen und ihre vereinten Waffen mit ihm gegen den epcommunicir-tcn Friedrich zu kehren. In den beiden Jahren 1228 und 1229 erhielten die steiermärkischen Stifte auf ihre Bitten mehrere päpstliche Bullen und Briefe. Im März und am 17. November 1228 ertheilte Papst Gregor IX. dem Stifte zu Obernburg und Sei; ein Bestätigungsdiplom über alle ihre Besitzungen und Rechte, und über besonderen apostolischen Schutz und Schirm aller ihrer Personen, Güter und Rechte '). ,x 3. ip. Am 7. April 1229 erwarb Leopold von Wil- Jberfammiuitq in Leibnitz. Leopold von don vom Erzbischöfe Eberhard II. allen Grund und Wildon beginnt die ' Grund, eines Chor- Boden runö um die Kirche der H. Katharina in (,m@YainT 1,1 Stainz, , welcher zur Pfarre St. Stephan in Lemsitz gehörte, für ein anderes Gut in der Bille Gschwendt (villa apud Gswendt) um sein Vorhaben, daselbst ein Chorherrenstift zu gründen, ungehinderter ins Werk setzen zu können. Die dies-sälligen Verhandlungen wurden in einer Versammlung zu Leibnitz gepflogen l 2). Im Jahre 1225 wurde der Abt von Rein, Engelbert von Helfenstein, als Abt in das Kloster Eberach beru. sen. Ihm war in Rein gefolgt Ludwig aus dem Stamme der Eüelhcrren von Stadeck.- Dieser hatte nach dem Wunsche der Her. zogin Theodora im Stifte eine Kapelle zu Ehren des H. Thomas l) Dipl. Styr. II. p. 88. 395-296. *) Saalbuch von Stainz. 115 Herzogen. J. 1192—1246 «. Ehr. erbaut und geschmückt, deren Einweihung Bischof Karl von Seckau vornahm; worauf die Herzogin Theodora zur Erhaltung eines ewigen Lichtes in derselben Kapelle dem Stifte Rein vier Eimer Weinbergrecht von den ftistischen Weingärten in Algerftorf bei Grätz für immer nachließ ]). Am 17. September 1229 war Bischof Karl f m9-von Seckau auf einer Versammlung in Gleisdorf ° mit Otto von Erenfels, Hermann von Preising, Ottokar von Le-zowe, Hugo und Heinrich vom Berge, Bernhard von Friesach, Erzdiacon der untern March. Ein gewisser Hirzmann von Co-myn hatte der Kirche in Gleisdorf mehrere Fundationsgüter gespendet, welche jedoch später sein Sohn, Ulrich von Comyn, angesprochen und gewaltsam vorenthalten hatte. Bischof Karl hatte daher einen Tag nach Gleisdorf ausgeschrieben, wo die Falschheit der von Ulrich vorgelegten Hanöveften und sein Unrecht erkannt, zugleich aber auch er selbst gezwungen wurde, allen Ansprüchen auf die Dotationsgüter der Kirche zu Gleisöorf für immer zu entsagen l 2). Zu Ende des Jahres 1229 am 23. December bestätigt Papst Gregor IX. dem Stifte Seckau alle ertheilten Freiheiten, Vorrechte und Jndultc, und nimmt dasselbe unter besonder» apostolischen Schutz und Schirm. Das Stift Reichersberg besaß um diese Zeit einige Güter zu Wernersdorf an der weißen Sulm. Auf diese erhob Graf Hermann von Ortenburg nachdrückliche Ansprüche unter dem Vorwände, sie von dein Propste Heinrich von Reichersberg erkauft zu haben. Der Streit hierüber kam vor den Herzog Leopold und Erzbischof Eberhard II., welcher vor Bischof Karl von Seckau, den Pröpsten Konrad von Klosterneuburg, Bernhard von St. Florian, Heinrich von Maria Saal, und Bernhard von Friesach dem Stifte Reichersberg das Desitzrecht zuer-kannten, und den Grafen von Ortenburg nur das EinstandSrecht zusprachen für den Fall, daß dieses Gut einmal von Reichersberg verkauft werden sollte 3). In diesem Jahre 1229 gaben Konrad von Mar- jU bürg und seine Söhne, Konrad, Pfarrer zu Kötsch, ®acia>'Y/„'nÄani' die Ritter Wilhelm und Gerung dem Stifte Seitz 8 * l) Reiner Archivsurkunde. De vineis Rheinensium in Algersdorf. *) Dipl. Styr. I. 308. 3) Gub. Archiv. T. 1. 1093. 116 Steiermark unter den Babenbergischen zwei Besitzungen in Altgonowitz (in antiqua Gonnwiz) als Ersatz für den Schaden, welchen diellnterthanen der Eüelherren zuFreu-öenberg auf den Alpen und gegen öieUnterthanen der Karthäuser verübt hatten. Der Propst Ortolph von Mariasaal und viele Edel-herrcn machten die 35emittier, und die Sache wurde im offenen Gerichte zu Mariasaal abgethan, vor Reimbert von Mureck, Landeshauptmann in Steiermark, dann dessen gleichnamigem Sohne, vor Heinrich dem Lanüschreiber, dem Schenken von Gausbach und mehreren Anderen '). Im Jahre 1229 legte Herzog Leopold den Grund zu den Erwerbungen seines Hauses im Lande Krain, indem zu Wien am 5. April 1229 durch Vermittlung des Aglajer Patriarchen Berthold der Kauf der Freisingerlehen, welche durch den Tod des Markgrafen Heinrich von Istrien (1228) vom Bischof Gerold zu Freisingen um 1650 Marken Silber erworben worden sind, geschlossen wurde. H Leopold^versöhnt Nach seiner Rückkehr aus dem Oriente suchte unT'Vbf ft ^a*fer Friedrich II., in der Ueberzeugung, daß er Germans in Italien, bei einem offenen Kriege wider den apostolischen Stuhl den Geist der Zeiten gegen sich habe, Sühnung und Frieden mit dem Papste. Als Vermittler seinerseits wählte er vorzüglich den Herzog Leopold von Oesterreich, den edelgesinnten Salzburgermetropoliten Eberhard II., den Aglajer Patriarchen Berthold, den Regensburger Bischof Seyfried und die Herzoge Bernhard von Kärnten und Otto von Meran. Auf des Kaisers Ruf war Herzog Leopold schon im Jänner 1230 nach Italien gegangen , begleitet von Berthold Patriarchen zu Aquileja, Eberhard II. Erzbischof zu Salzburg, Herzog Bernhard von Kärnten, Herzog Otto von Meran und Reimbert von Mureck u. v. a. 1 2); er verhandelte in Rom zweimal persönlich mit Papst Gregor IX. und brachte durch seine angeborne Friedensliebe, Klugheit, Demuth und Wohlredcnhcit am 23. Juli 1230 die Vereinigung zu Stande3). Allein die ungemeinen Anstrengungen bei diesem hochwichtigen Ge- 1) Johanneums-Urkunde v. Geiz. 2) Noch vor seiner Reise nach Italien hatte H. Leopold alle Unterthanen des Stiftes Viktringcn in der unteren Steiermark in besonderen Schutz genommen : ,,in universis praediis suis in Marchia constitutis jura nostra pie-niter relaxamus — ita videlicet, quod per judices et defensores nostros debeant tanquam praedia nostra defensari.“ — Viktr» Urk. 3) Schlotter, II. 337—243. — Per«, Monum. Hist. IV. 370. Herzogen. J. 1192—1246 ti. Ehr. 117 schäfte ‘) zogen ihm eine schwere Krankheit zu, welcher er auch schon am 28. Juli 1230 zu St. Germano in Apulien — zum tiefsten Leidwesen aller versammelten Fürsten und seiner gesamm-ten Länder — unterlag. Herz und Eingeweide wurden im nahen Kloster zu Monte Cassino beigesetzt; die Gebeine ließ sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. zur Erfüllung eines früher geleisteten Schwures nach Wien bringen, und dann in Lilienfeld zur Grabesruhe beisetzen i) 2). Herzog Leopold war ein ritterlicher Fürst, ein Landesherr von für jene Zeit ungemeiner Bildung, und von den seltensten Vorzügen des Geistes und Gemüthes, die es ihm möglich machten, sich gleich groß als Fürst des heiligen deutschen Reiches und als Regent van Oesterreich und Steier, so wie als würdigen Zeitgenossen seines in geistiger Erhabenheit unübertrefflichen Kaisers zu bewähren. Da sein Streben dahin ging, alle Willkühr zu verbannen und den Gang des bürgerlichen Lebens in bestimmten Gesetzen und bewährten Gepffogenhciten festzuhalten, so sammelte er die uralten Gewohnheitsrechte von Oesterreich und ließ selbe in sorgsam abgefaßten Hanövesten auch in der Steiermark zur Richtschnur aufstellen; diese sind nun aber nichts anderes, als der schriftliche Ausdruck der urgermanischen und der altbajuvari-schen, in den Ländern unterhalb der Donau und im Hochlande der Alpen seit der Urzeit durch die Gepflogenheit geheiligten Rechte. Ihr Geist und ihre Wesenheit ist folgende: ,,Zu Berathung und Gericht über die wichtig- Sanit%t%%efltu „sten Verhältnisse des innern Lebens, Leib, Ehre m* unt steier. „und Eigenthum — versammeln sich mit dem Her-„zoge die Vordersten der Länder: Grafen, Freiherren, Ministeria-„len zu bestimmten Zeiten in offener Schranne unter freiem Him-„mel und in bezeichneten Orten des Landes. Wer aus Toöschlag „ergriffen wird, soll auch auf Tod gerichtet werden; entwischt er, „so werde er vor Kaiser und Reich belangt. Kaiser und Reich „haben das letzte Urtheil. Persönlich soll Niemand aufgegriffen „und eingezogen, sondern vor die Schranne des offenen Gerichtes „geladen werden. Kömmt er bei der vierten Berufung nicht, so „soll er deffen, weß man ihn gefordert hat, schuldig erklärt wer- i) Chron. Garst, apud Rauch. Anno 1230. „Fidelis mediator inter papam et imperatorem, summae pacis opifex. -) Hanthal. F’asti Campilil. I. 735. — Richard de S. Germano. Anno 1230. ap. Murator. Script. VII. 1022. — Schrötter, II. p. 330 — 335. 118 Steiermark unter den Babenbergischen „den. Erscheint er, so darf ihn der Richter zulassen, sich aus der »Acht zu schwören, daß er drei Taidungen dem Kläger zu Recht »stehen wolle; wenn ihn nicht unüberwindliche Roth hindere. Dann »soll er aber zur nächsten Berufung binnen 14 Tagen kommen. »Kommt er nicht, so ist er der Sache und Buße verfallen. Wer »sich nicht binnen 6 Wochen aus der Acht schwört, ist dem Richter um 10 Pfunde, den untern Gerichten aber um 10 Schilling »zur Buße verfallen. Gegen Leben und Ehre sollen ein und zwanzig »Männer, Genossen und Uebergenossen des Beklagten, als Zeugen »vor der Schranne stehen; dann gilt Tod für Tod, Glied für »Glied, wenn es nicht mit Bitte, Gut und Buße an den Richter «abgethan wird. Nothzucht soll nach Landesgewohnheit gebüsset, »nach Recht und Urtheil aber dem Schulderkannten an seiner Ehre »weiters kein Unglimps gcthan werden. Straßenraub und Mord »werden durch Zeugen nach Landessitte bewiesen und nach Lan-„öesrecht gebüßt. Zum Beweise und zur Reinigung durch Zwei-»kampf soll Niemand unter zwanzig und über sechzig Jahre ver-»halten und ein solches Gottesgericht mit Waffen nur vor dem »Lanüesherzoge selbst gepflogen werden. Stets hat der Landesherr »die Vordersten des Landes zu berathen. Straßenraub, Mord, »Diebstahl und sogenannte böse Dinge sind von den gewöhnli. »chen Gerichten ausgenommen, und oorbehaltene Fälle. Ererb-„tes Eigen können Geschwister nach der gesetzlichen Erbthcilung »einander verkaufen; deßglcichen auch bestimmte andere Verwandte »ohne Einwilligung der Uebrigen. Ueber erkauftes Eigen kann »man nach Willkühr verfügen. Ein leibeigen Kind gehört dem zu, „welchem die leibeigene Mutter gehört oder gehört hat. Ein Höriger (Eigenmann) soll seinem bekannten Herrn nicht vorenthal-»ten, sondern zurückgestellt oder mit 10 Pfunden dem Herrn und »mit 5 Pfunden dem Richter gebüßt werden. Ueber Leibgcding »(Lehen) und über Eigen (Allode) soll der Richter durch Umfrage »in der Gegend derselben, bei den Rücksäßigen, sich unterrichten, »und nach Landesgewohnhcit dann richten. Kindern der ersten Ehe »gehört das mütterliche Vermögen. Kinder zweiter Ehe erben nur „das dadurch herbeigebrachte Gut. Von abgestorbenen Kindern »erben die lebenden Geschwister. Stirbt der Mann, so gehören „Eigen und Lehen der Hausfrau. Die Verjährung von ein und »dreißig Jahren wird durch zwei ebenbürtige Zeugen zu Eigen „und Gewähr rind Nutzen erwiesen. Wer mit Mannlehen rechten »will, setze binnen 6 Wochen dazu den Tag an auf seinem Eigen- Herzogen. Z. 1192—1246 n. Chr. 119 »gute und nach des Landes Gewohnheit und Recht. Nach des »Lrhenherrn To- sind Sie Lehen, damit sie auf die Kinder über-«gehen, am gehörigen Orte und in dem dazu bestimmten Zeiträume „zu nehmen. Streit wegen Lehenbesitz entscheidet Eidesleistung des »Vasallen und der Hausgenossen gegen den Lehensherrn, mit dessen »Zustimmung allein nur Lehen vergeben werden dürfen. Will ein »Herr seinem Vasallen wohl, so gebe er ihm Burglehen; Lehen »aber für Burglehen zu verkaufen, unterliegt als Betrug der Strafe. »Jeder Allodialherr bewcis't sich als Lehenherr eines Gutes, wenn «ihm von demselben stets Dienst geleistet worden ist. Lehensver-»jährung nach 12 Jahren wird durch zwei Hausgenossen erwiesen. „Bei Lehensempfang wird Huld und Treue geschworen. Jeder "Lehenbesitzer ist sendmäßig und Erbbürgcr. Eine Frau ist vom »Lehen ausgeschlossen, außer sie thut es mit Zeugen und Hand-»vesten dar. Eine Frau hat keine Lehenshanö. Mit ihrem Tode „geht alles Lehen weg — und nur das Alloü auf die gesetzlichen „Erben über. Alle Afterlehen gehen auf den ursprünglichen Herrn „zurück. Ein Vasall, der standesmäßig von der HeereSfahrt zu »Hause bleibt, gibt als Hceressteuer den halben Zins der Güter; »ein Bauer und Bürger aber gibt den ganzen Jahreszins. Wel-«cher Herr gar nicht Heeresfahrt thut, hat auch keine Heersteuer «zu fordern. Grafen, Freiherren und Ministerialen 1st Urbar und »Vogtei auf ihren Gütern ganz allein zu Eigen, nur Todesver. »brecher müssen ausgeliefert werden. Wer sich am Eigenthume »offenbar vergreift, lös't den Frevel mit 10 Pfunden, und zum „dritten Male mit der Acht so lange, bis er den Schaden dem »Kläger gut gemacht und dem Richter Wandel bezahlt hat. Je-»der Geklagte tritt mit dem Richter zuerst in die Schranne, und »der letzte mit ihm aus derselben. Niemand darf während des „Gerichtes die Schranne verlassen. Auch Frauen können in der „Schranne erscheinen. Sie schwören mit zwei Fingern auf ihren »Brüsten. In das älterliche Vermögen kann der Sohn mit 14, »die Jungfrau mit 12 Jahren Eintreten. Ob Jemand ein Haus-»genosse sey, wird durch Zeugenschaft der Nachbarn, der übrigen »Hausgenossen und mit Eid bekräftigt. Kein Vasall öarsJeman-„den, der auf einen Hausgenossen Anfall thut, helfen, es möge »Landesherr, Graf oder Freier seyn. Das Recht der Münze steht „allein nur beim Landesfürsten. Ohne dessen Wissen und Bewil-»ligung darf Niemand Mauth- und Zollstätte errichten; wer es »dennoch thut, soll als Straßenräuber angesehen werden. Bauten 120 Steiermark unter den Babenbergischen »von Brücken, Vesten und Wehren kann allein nur der Landes-»Herr erlauben. Indessen mag Jeder auf seinem Allodengrunde »bauen, Gaden zwei Stockwerke hoch, jedoch ohne alle Befestigung. »Auch Vogteien können erblich seyn; sie müssen aber dann bei der »Theilung dem Miterben mit anderem Gute ersetzt werden. Kir-»chenoogtei muß treu, eifrig und ohne alle Plackerei geführt wer-»öen, bei Strafe, ohne alle Verschonung. Wer aus Rache gegen »den Vogt Vogteigüter brennt und beraubt, soll dreifacher Strafe „unterliegen. Wer Hand an Vater legt, auf dessen Güter, Bur-„gen, Gülten greift, brennt, raubt u. dgl., soll des Todes seyn. »Wer seinen Vater beschädigt am Leibe, mit Wunden, mit Ge-»fängniß, Banden u. s. w-, soll ehrlos und rechtlos seyn. Wenn „ein Burggraf auf Raub und Beute ausgeht, sollen Haus und »Burg verbrannt und gebrochen werden, wenn der. Herr auch »Schuld trägt an solchen Freveln. Jeder Edle, Eöelgeborne ist „am Mauthen frei für den Hausbedarf an Speise und Trank. »Jeder Zeuge vor dem Schrannengericht soll die nöthigen Cigen-»schaften nach Lanöesgewohnheit und Recht haben. Der an des „Lanöesherrn Stelle gesetzte Landrichter soll Ehrung haben jedes »Jahr 300 Pfunde. Des Landesherrn Schreiber sitzt neben ihm, »und schreibt ein alle zugeurtheilten Wandel und Buße.» Mit dem Clerus seines Landes hielt Herzog Leopold stets feste Einigkeit und übte seinen starken Schirm über denselben. Auch er-theilen ihm alle Chroniken das einstimmige Lob, daß er Clerus und Religion hochgeehrt habe (Amator religionis et pads). Leopold war ungemein prunkliebenü (vir magnificus) und hierin mit seinen Renten vorzüglich großmüthig. Der Sänger Ulrich von Lichtenstein nannte ihn: Fürst Leopold den Reichen von Oesterreich *)! Da kein außerordentliches Begebniß die geordnete Verwaltung der Länder unterbrach, so mag der beglückte Zustand derselben durch zwei und dreißig Jahre, welche Leopolds Regierung umfaßt, in der Schilderung der alten Chroniken eine Wahrheit seyn: »dem Herzoge Leopold,"sagtEnnenkl, »was Pfenning, Silberund »Gold, das alles gemein, und auch das edle Gestein. Bei ihm was „Freude und Ehre und jugendliche Lehre; und was auch sicherlich „bei ihm in Oesterreich mit Fried zwei und dreißig Jahr. Das »sagt uns die Chronik für wahr. Bei ihm was Tanzen und Sin-»gen, Beides, Laufen und Springen; man sah puhiren und rit- l) Ulrich v. Lichtenstein, Frauendienst» I>. 64. 121 Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. »terlich tiostiren, unö Rost und fliegenden Decken, und manchen »stolzen Recken, unö maniche Fraue klar, unö recht manniglich »gebar; dem was der Fürst mit Treuen hold, und sie ihn lieber »dann Gold. Bei ihm was Freud und Ehre gemeint also sehre; «des Trauerns wenig jemand pflog; weder bei Nacht noch bei »Tag! Wann er wo ritt oder ging, seine Treue behielt er überall »bei Armen und bei Reichen, das wisset sicherleichen; er was »auch in der Weite bekannt, in Pohlen und im Baierlanö, in »Schwaben und beim Rein; seine Tugend hätt vollen Schein ')!" Auf den edlen Vater, den Helden der Kreuz- Jžecj0fgt^t% bev fahrer, den Fürsten der Vernunft, des Rechtes, des ®tccit6tive-Gesetzes und der Milde, folgte der Sohn, Herzog Diplom fü- »ns Friedrichi!, der Streitbare zubenannt (Strenue gubernavit, vir praecipua corporis elegantia et fortitudine prae-ditus!) ein Regent von besonderer Neigung zu ungestümmer Waffengewalt und soldatischer Härte, der nur das Recht des Stärkeren anerkannte, welchem herrisches Thun und Willkühr, Fehde und Krieg als das Höchste galten 1 2J. Am 2. März 1230 ertheilte im Lateran Papst Gregor IX. auf Bitten der Abtissin Ottilia (von Gutenberg) unö ihrer Kapitelsnonnen zu Göß diesem Frauenstifte einen großen Bestäti-gungsbrief über dessen gesammte Stistsgüter und Rechte; unter jenen Gütern werden sonderheitlich genannt: Göß, St. Nikolaus in Michilindorf, St. Anörä, St. Lambert, St. Maria bei Leoben, St. Martin in Seiz? (wol im Liesingthale), St. Veit zu Proleb, St. Martin in Proleb, St. Dionyse bei der Mur, die Kirche in Tragöß in Lomnich, St. Martin in Sorch, Lebnach, Kreindorf, Mülbach, Crassindorf, Plusach, Unterm Berg, Karlsberg, Winchel, Rinzendorf, Treuendors, Stallhosen, Lansach, Stergoydorf, Arbendorf, Kumptwiz, Vansdorf, Slatnitz, Pretich, Dumwiz, Liuben, Judenöorf, Winchel, Mel, Michelndors, Walterbach, Stade, Eiche, Kallwang, Proleb, Kotich bei St. Diony-scn, Tragösse, Lomnich, Dornbach, Rotenstein, Urmsach, Gemze, Seiersberg, Abtessendorf, Stiffen, Ramarschachem, Hard, Bacharn, Walchödors, Krüglach, Hettensdorf, Paumgartcn. Auf jede Ver- 1) Enncnkl, Fürstenbuch. — Rauch, I. 297—298. 390. 2) Chron. Osterkov. ap. Rauch et Chron. Mellicens. Anno 1230. Das Chronicon Garatens, bei Rauch anno 1230 sagt gleich Anfangs schon; „Fridericus vir ultra modum strenuus in armis!" 122 Steiermark unter den Babenbergischen unglimpfung dieses Nonnenstiftcs an Personen, Gütern und Rechten wird die schwerste Verpönung des Kirchenfluches gesetzt, und dem Stifte befohlen, als Anerkennung des apostolischen Schutzes jährlich einen goldenen Peterspfennig (Aureum unum) in Rom zu opfern. Diese Bulle ist von 12 Cardinälcn unterzeichnet worden ’). Im April 1230 hierauf erhielt eben dieses Nonnenstift einen Majestätsbrief K. Friedrich II. mit goldener Bulletin welchem der Kaiser die Urkunde K. Heinrich II. vom 1. Mai 1020 wörtlich bestätigt, besonders das Recht der freien Wahl eines Stiftsvogtes befestigt und aufrecht erhalten, und jede Gefährdung des Nonncnstiftes in Göst mit 100 Pfunden Goldes verpönt wissen wollte. Die biederen Vermittler zwischen Kaiser und Papst, der Aglajer Patriarch Berthold, Erzbischof Eberhard II. von Salzburg, Seifried Bischof von Regensburg, Herzog Leupold von Oesterreich und Stcicr, Bernhard Herzog von Kärnten und die Landesedeln Reimbert von Mureck, Heinrich von Prunne und Jrinfrieö von Himperch waren Zeugen dieser Urkunde kaiserlichen Wohlwollens * 2). „ , s 12S0- „ . Am Tage der Heiligen Felix und Adauktus, d. i. Urkunden für dar ' Stift S--kau. am 30. August, erschien Gertrude, die Gemahlin Wul. fings von Kapfenberg, der so eben an einer schweren Krankheit verschieden war, in Begleitung Hugo's und Hartmann's von Pernegg, Wulfing's von Vischach, Karl's von Schneberg, Heinrich'S von Stein, Rudolph's von Stadcck, Heinrich's von Spilberg, Ortolph's von Kapfenberg, Ulrich's von Praitenbach, Rudiger's von Puchberg, Hermann's von Stubenberg, Duning's und Landfried's von Stubenberg (Sohn und Vater), Wolfker's von Trofeiach, Gerhard's von Passeil, Liebharö's von Chartsch, und ihres Burgkapellans Johannes, auf Seckau, um nach ihres verstorbenen Gemahles Wunsch sich eine Begräbnißstätte im Stifte daselbst für den Dahingeschieöenen zu erbitten, und gab dafür Urkunde und Siegel über die Schenkung des Hofes zu Paierdorf mit allem Zugehörenöen und Rechten 3). Wegen Geldverlegenheit hat das Stift Seckau um diese Zeit sein Gut zu Wagrain dem Kraft von Chauenberg (Kainberg) um 20 Marken Silbers verkauft4), wobei als Zeugen erschienen: ') Johanneums-Abschrift und Dipl. Styr. I. p. 126—128. 2) Dipl. Styr. I. p. 20-22. 3) Johanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. I. 205-206. *) Dipl. Styr. I. 204—205. 123 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Walter von Pöllau, Konrad von Vorhek, Walther von Rätenberg. Am 11. Juni 1230 hatte der Pfarrer Eberhard zu Pols vor den Zeugen Albert von Nußöorf, Gundaker vom Baumkirchen und Otto von Wieden dem Stifte Seckau eine Urkunde ausgefertigt über die genau bezeichneten Gränzen zwischen den Pfarren Von-storf und Kobentz ')• Zu gleicher Zeit vollbrachte Bernhard, Herzog von Kärnten, die Spenden der Gisella, Gemahlin Gerardiö von Mour, mit einem Gute zu Lonschach, mit Einwilligung ihrer erbberechtigten Geschwister, Siboto, Helmwik und Gerbirge. Zeugen dabei waren: Hermann Graf von Ortenburg, Wilhelm Graf von Hunenburg, Wichard von Karlsberg u. v. a. Am 30. November 1230, war Erzbischof Eber- ($rj6 3^®rb „ hard n. aus Italien zurück und auf einer Visita. >» ©tetemart. Di-tionsreise m Sterermark un Stifte zu Rem, und halten die P°nt>ft. weihte Kirche und einen Altar, in welchem Reliquien von der Krippe, vom Kreuze, Blute, Rock und Grab Jesu Christi eingeschlossen waren 1 2). Bei seiner Anwesenheit in Steiermark entschied Eberhard auch zu Gunsten des Stiftes St. Lambrecht den Besitz der Pfarren zu Schäufling und in der Scheiben, welche der Pfarrer Rüdiger von Pols an sich ziehen wollte, vor den Zeugen: Poppo, Propst von Aquileja; Meinhalm, Erzpriester von Völkermarkt; Rüdiger, Pfarrer zu Klamm; Kuno, Pfarrer zu Obcrwels 3). Während seines Aufenthaltes in Italien und Rom hatte dieser Erzbischof in persönlichen Unterhandlungen mit dem Papste Gregor IX. für den Metropolitanpropsten in Salzburg und für die Aebte zu St. Peter und Admont das Vorrecht des feierlichen Gebrauches der Insel erwirkt. An beide Aebte erließ Papst Gregor IX. am 2. und 7. September 1230 die apostolischen Bullen, welche denselben und allen ihren Nachfolgern diese ihrer Würde gebührenden oberhirtlichen Insignien zusicherten 43. Eigentlich war es noch der Admonter Abt Bertholü I., dem zuerst von allen Acbten dieses Stiftes die genannte Auszeich- 1) Dipl. Styr. I. 206. Anno 1230. III. Idas Junii apud Pöls. 2) Reiner Urkunde. 3) Lambrechter Urkunde. Admonter Urkunde. B. 6. — Chron. novis. 8. Petri, p. 265. Die gleichlautende Urkunde: „Ad decus et decorum ecclesiae, cui praees, mitrae usum in diebus solemnibus tibi ac tuis successoribus de nostra con-cedimus gratia. 124 Steiermark unter den Babenbergischen nung durch den Papst zuerkannt wurde, wenn rS gleich nicht ge. wiß ist, ob er noch in diesem Jahre in Admont durch den seinem Stifte so wohlwollenden Salzburger Metropoliten auch wirklich die feierliche Jnfulirung empfangen habe. Denn nach der Resignation des unruhigen Abtes Simon I. ward er als Abt nach St. Peter berufen, und er erscheint schon in dieser Würde daselbst im April 1231 Rach ihm gelangte in Admont zu Insel und Krummstab der im Stifte selbst erzogene Priester Konrad * 2). Gründung^-- Do. 5n das Jahr 1230 wird die Gründung des minikanerklosters in Dominikanerstiftes in Pettau gesetzt, und sowol der Thätigkeit des Erzbischofs Eberhard II. als auch der Großmuth der Edelfrau Mechtildis, Witwe Friedrichs I. von Pet-tau, zugeschrieben. Ihre Großmuth bei der Dotation des neuen Klosters soll auch durch die frommen Spenden Bernard's von Pet-tau, Wulfing'S und seiner Gemahlin, Gertrude von Stubenberg, unterstützt worden seyn. Die ersten Dominikaner wurden unter einem Prior, Otto Gromatika zugenannt, von Friesach her, in Pettau eingesetzt 3). Unverbürgte Nachrichten lassen endlich im Jahre 1230 den Bau der schönen Kirche zu Maria Neustist beginnen, und durch einen Grafen von Pogen die Burg Pflinsberg bei Aussee entstehen. s. mi, 1232, Nach Seckauer Katalogen ist dort der Propst ©ti-citigfeitcn über ’ _ , „ ' , 7 . Pfarren und Zehen- Hermann Schachner dm 15. December gestorben, kn @ecf®h,tc8 und an dessen Stelle Gottfried von Perneck getreten. In den Jahren 1231 und 1232 sind für daS Chorherrenstift zu Seckau mehrfache Streitigkeiten über Pfarrsgränzen und Zehenten ausgetragen worden. Am 10. Februar 1231 wurde die Streitigkeit zwischen den Stiften Seckau und St. Lam-brecht wegen Ansprüchen des Lambrechter Priesters und Pfarrers *) Chron. Salzb. et Chron. Admont. Anno 1231. — Saalb. III. p. 36. — Chron. noviss. S. Petri, p. 265—266. Alles, was Über den Empfang der Insel für die Admonter Aebte anders gesagt wird, und insbesondere, daß erst Abt Heinrich II. (I. 1275—1297) den Gebrauch der Insel erhalten habe, ist falsch. — Caesar, Annal. Styr. II. p. 144. 149 —150. 151 — 153. Auf den Sizilien erscheinen schon I. 1237 und 1269 die Stiftsäbte Konrad und Albert I. mit Krummstab, Kreuz und Insel. — Archivs-Urkunde. N. 7. XX. 48. 2) Chron. Admont. Anno 1231. — Saalbuch III. 36. 3) Caesar, Annal. Styr. II. 145—147. aus den von den Dominikanern in Pettau ihm mitgetheilten atchivalischen Nachrichten. 125 Herzogen. J. 1192—1246 it. Chr. zu Lint, Heinrich, auf die Pfarrkirche in Knittelfeld als eine Filialkirche von Lint gütlich ausgctragen. Der Propst von Seckau gab zum Ersätze des, der Pfarre Lint entgehenden Zehentes eine Mark jährlicher Renten von den Gütern zu Eich und zu Zeltwich; auch ließ man allen aus dem Psarrbereiche von Lint in die Knittelfclderpfarre Uebersiedelten, die etwa ihre Grabstätte doch nahe bei der Kirche St. Martins in Lint wünschen sollten, das Recht, sich dort begraben zu lassen, frei. Abt Wolfker von St. Lambrecht fertigte darüber die Urkunde, und Gottfried der Prior und die Stiftspriester Ulrich, Permann und Heidenreich bezeugten diese Uebereinkunft ’). Auch Erzbischof Eberhard von Salzburg bestätigte diese Ausgleichung mit Urkunde und Zeugenschaft der Bischöfe Rüdiger von Chiemsee, Ulrich von Lavant und dem neuerwählten Heinrich von Seckau -), und während dann eben dieser Abt Wolfker als päpstlicher Commissär die Streitigkeiten gegen das Stift Seckau wegen der Kapellen zu Schönberg und Lobming untersuchen, und dem Pfarrer Pilgrim zu Bonstorf ewiges Stillschweigen darüber gebieten mußte (11. August 1231) * * 3), bestätigte Herzog Friedrich in einer Urkunde vom 13. März 1231 die Schenkungen Herranüs von Wildon an den Johanniterorden 4). In dem Streite wegen Zehenten und Gränzen der Pfarren Kobnitz und Liestnich (oder St. Michel im Liesingthale) ward von dem Erzpriester oder Erzdiacon der oberen Steiermark, Ottokar von Murze (de Mura), der im Hochgebirge entspringende Guntersbach als Grünze beider Pfarren bestimmt (29. August 1232) und vom Erzbischof Eberhard II. diese Eintheilung (29. Rov. 1233) gleichfalls bestätigt 5). Als Zeugen waren anwesend die Pfarrer: Meister Gerald von Piber, Hermann von Weiskirchen, Heinrich von Lint, Wilhelm von Liesnich, Eberhard von St. Margarethen; mit mehreren Ebeln: Heinrich von Traboch, Hugo von Leoben, Diepold von Leoben, Heinrich und Jlsung von Prank, Albert und Wolfker von Polan, Gerung und Arbo von Fcistritz, Arbo von Moure u. v. a. Dabei hatte Eberhard, Pfarrer in Pöls, und 17 Jahre früher Pfarrer in Bonstorf, feierlichen Eidschwur ge- *) Johanneums - Urkunde. ") Ebendaselbst. 3) Seckauer Urkundenvcrzeichniß. *) Wisgrill, IV. 101. 5) Johan. Urk. - Dipl. styr. I. 207. - Seckauer Urkundenverzeichniß. 126 Steiermark unter den Babenbergischen leistet, daß das Stift Seckau schon über dreißig Jahre die Pfarre Kobenz, an dem Lobmingbache aufwärts bis an die Alpen, in Besitz gehabt habe; er that dies vor den Zeugen: Berthold, Vikar zu St. Margarethen, Gundakcr und Wickmann, Vikarien zu Pöls, Ortolph von Strewich, Gundacher von Baumkirchen u. v. a. Synode ^Friesach. ®c9en Gn6e des Jahres 1231 hatte Erzbischof ^Admont°Z-h"n' Eberhard II. am 2. December ein zahlreiches Katen zu Gamnnr und pitel in der St. Bartholomäuskirche zu Friesach ge- iubbflfy. halten. Dabei waren anwesend: die Bischöfe Rüdiger von Chiemsee, Ulrich von Lavant, Heinrich erwählter Bischof zu Seckau, Konrad Abt zu St. Paul, Marquard Propst von Dettingen, Bernhard Propst zu Friesach, Otacher Erzdiacon der obern Steiermark, Dietmar von Zelsach Dechant von Friesach, Liuprand Erzdiacon von Kärnten, Gerald Pfarrer zu Pi-ber, Ortolph von Meideburg Pfarrer zu Lembesnitz, Otto von Traberg, Otto von Königsberg, Rüdiger von Saalfelüen, Heinrich von Gravenstcin, Heinrich von Truchsen, Hartniü von Pet-tau, Konrad von Wildon, Gerhoch der Marschall, Hermann und Eberhard Brüder von Schoencnstein, Ulrich von Havenärburg, Eckarö von Tanne, Karl von Gutrath, Ulrich von Wilarn, Gottschalk von Nidecke, Eberhard von Holneck, Engelram von Straßburg, Ulrich von Wildon und Ulrich von Lichtenstein. Ungeachtet schon im Jahre 1214 die Ansprüche des Reimberts von Mureck aus die Admontischen Zehenten zu Gamnar und Obdach in dem Gerichte des Landesherzogs Leopold und des Erzbischofs selbst abgewiesen, mit hundert und fünfzig Marken Friesachergelües befriedigt, und dem Stifte Admont ausschließlich zuerkannt worden waren, so setzte sich Reimbert nach dem Tode des Herzogs Leopold gewaltsam nicht nur selbst wieder in den Besitz jener Zehenten, sondern er belehnte auch damit theilweise mehrere seiner Vasallen. Auf die Klage des Abtes Konrad waren Reimbert und dessen Sohn nach Friesach vorgeladen. In der genannten zahlreichen Versammlung in der Bartholomäuskirche wurden sie ihrer Gcwaltthat überwiesen, zur feierlichsten Entsagung und zur Sühne verhalten, und alle Admontischen Zehenten zu Gamnar und Obdach unter schwerem Kirchenbanne gegen alle ferneren Angriffe l) Johanneums-Urkunde. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 127 sicher gestellt ’). Die förmliche Urkunde über diese kirchliche Gerichtshandlung ließ der Erzbischof am 2. December 1231 in Altenhofen (bei Friesach) aufrichten und siegelfestigen. Voll Zerknirschung und unter feierlicher Gelobung, sich alles ferneren Unrechtes gegen Admont zu enthalten, leisteten auch beide Reimbert, Vater und Sohn, feierlichen Verzicht in einer gleichzeitig von ihnen vor den oben genannten Bischöfen, Pröpsten, Erzdiaconen, Pfarrern und Eöelherren ausgestellten und gesiegelten Urkunde 8). ,3m Jahre 1232 hatte K. Friedrich II. einen @,nob* * 3aI^mm. Hoftag zu Aquileja gehalten, an welchem auch Erz- *»»« <« ®*. La,», bisch of Eberhard II. anwesend war. Don hier weg kam er nach Friesach, und weihte daselbst mit den Bischöfen Rüdiger von Chiemsee und Ulrich von Lavant den nach dem Tode Konrad's (13. December 1231) ernannten Bischof Heinrich I. von Seckau am Pfingstfeste 30. Mai 1232 3). Hierauf ging er nach St. Lambrecht und feierte daselbst das Fest der Stiftsgründung am 9. Juni. Es fand damals in Lambrecht eine sehr ansehnliche Versammlung statt. Die Bischöfe Rüdiger von Chiemsee, Ulrich von Lavant, Ulrich von Wilöon, Dietmar von Lichtenstein, Heinrich von Truchsen, Otto von Königsberg, Karl von Gutrath, Rüdiger von Salfclden, Landfried von Eggenstein, Erchinger von Oberndorf, Konrad von Troja, Gottfried von Ponek, Heinrich und Ilsung von Schäusling, Liebhard und Otto von Katsch, Konrad von Teus-fenbach, Heinrich und Otto von Admont u. v. a. Ungeachtet der Demüthigung der beiden Murecker im vorigen Jahre vor dem Hochaltäre der St. Bartholomäuskirche in Friesach hatte jetzt wieder ein gewisser Ritter, Otto von Graßwien, die Stift Admontischen Zehenten in den Gegenden Gamnar gewaltthätig angesprochen. Der Erzbischof ließ die Sache durch den Bischof zu Seckau erheben, *) Archivsurkunde P. 5. — Saalbuch 111. 165—168. ") Adm. Urk. P. 6. — Saalb. 111. 232—233: „Quod nos in ecclesia 8. Bartholomaei apud Frisacum ante altare majus coram Archiepiscopo Salzburgensi Domino Eberhardo, ipso inducente, recognovimus, quod contra Deum et ejus gloriosam matrem circa monasterium Admontense graviter hactenus deliqueramus occupando et detinendo decimas ad ipsum pertinentes in tiamuar. Quapropter timentes animabus noatris pro salute nostra et parentum nostrorum Ubere et absolute cessimus et abnuntiavimus pro nobis et heredibus nostris etc.“ 3) Chron. Salzb. Pez. I. Anno 1232. Dom. Archiepiscopus ab Impera-tore reversus Chunradum Frisingensem et Henricum Seccoviensem electos apud Frisacum in Pentecoste conseeravit. 128 Steiermark unter den Babenbergischen und bestimmte hierauf beide Theile zum Schiedsgerichtsurtheile durch Meister Bernhard, Pröpsten zu Friesach, Ulrich von Lichtenstein, Ernest von Teuffcnbach, Heinrich von Oberndorf und Ortolph von Strettwich. Nach deren Endspruch zahlte Admont dem Ritter von Graßwien 75 Marken Friesachergelües, und dieser entsagte laut vor der Versammlung allen weiteren Ansprüchen auf benannte Zehenten, welche sodann der Erzbischof in besonderen Schutz nahm und über den ganzen Streit und Schiedsspruch die Urkunde besiegelte '). 3.1232. Im Laufe dieses Jahres 1232 vermittelte Erz- ''mön/uAdGö^' bischof Eberhard II. noch eine andere Streitigkeit um Admontische Besitzungen. Auf seiner Visitationsreise in Oberkärnten war er auch nach Sagritz bei Großkirchheim im obern Möllthale gekommen mit Abt Konrad von Admont, Meinhard IV. Grafen von.'Görz, Heinrich von Berg, Konrad von Gra-senöorf, Johann von Godna, Kalo und Volker, Brüder von Flachsberg, und deren Neffen Chuno. Diese Letzteren beunruhigten mit ihren Ansprüchen auf Bergantheile und Alpenweiden die Admon-tischen Besitzungen der Propstei Großkirchen, Nukernize und in der Wenigen Flize genannt. Nach urkundlich erhobenem Sachver-hältnisse wurden diese Ansprüche gegen eine jährliche Gabe an Hafer und Käsen von der Admontischen Güterpropstei Großkirchen für immer befriedigt * 2), und die im Namen des Erzbischofs gefertigte Urkunde mit den Sizilien des Oberhirten Meinhards von Görz, des Admontischen Kapitels und Volkers von Flachsberg bestätigt. Dem Stifte zu Göß schenkte Diemuth und das Nonnenkapitel zu St. Georgen am Langsee in Kärnten eine Hörige, Gertrud, Tochter Edpolphs von Mülbach mit Allem, und besonders dem Erbrechte, womit sie bisher dem Stifte St. Georgen eigen gewesen war. In der am 17. September 1231 gesiegelten Urkunde erscheinen als Zeugen: Konrad von Lebenach, Leo von Mülberg, Otto von Frauenfels, Gebhard von Siebeneich u. a. 3). *) Saalb. III. 171 — 172. ,,Quod inter monasterinm Admontense et Ota-kerum militem de Grazwien dicimus quibusdam in Gamnar. — Datum apud S. Lambertum V. Idas Junii in die dedications monaster».“ 2) Archivsurkunde CCC. 38. — Saalbuch III. 198. 3) Dipl. Styr. I. 55-56. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 12S Sehr bald nach dem Tode ihres erlauchten Ge- .3 mi—im mahles und bei den in Oesterreich beginnenden Un= ruhen scheint die Herzogin-Witwe, Theodora, sich nach t^V"' Steiermark zurückgezogen und in dem Städtchen Ju- ix‘m' @®^au imb denburg ihren Witwensitz aufgeschlagen zu haben. Am 4. September 1232 war sie in das Stift St. Lambrecht gekommen, mit Gerald Pfarrer zu Piber, Liebhard Pfarrer zu Teuf-fenbach, Hermann Grafen zu Ortenburg, Ulrich von Wildon, Ulrich von Murberg, Hartwig von Krottendorf, Dietmar und Konrad von Strettwich, Dietmar von Wels, Liebhard, Otto und Wul-sing von Katsch, Otto von Schallun, Wigard von Greßnich, Rüdiger von Altenhofen und Gottfried von Mure. In ihrer Gegenwart wurde der Streit um Besitzungen bei Laßnich (Lasting), insgemein im Gereut genannt, zwischen dem Stifte St. Lambrecht und den Brüdern Ulrich und Dietmar von Lichtenstein, welche allen ferneren Ansprüchen darauf entsagten, abgethan — Schon seit langer Zeit hatte das Chorherrenstift auf Seckau Besitzungen in Alramstorf, welche aber jetzt von Hartwig von Willbrechtsüorf und seinem Bruder heftig angesprochen wurden. Als Propst Wolfram darüber seine Klagen bei der Herzogin Theodora vorbrachte, bewog die Fürstin beide Brüder von Willbrechtsdorf zur Entsa. gung auf alle ihre vermeintlichen Rechtsansprüche. Sie siegelten die Urkunde darüber zu Hartberg vor Konrad Propst zu Klosterneuburg, Otto yon Grätz und Hugo von Muleinsdorf l 2 3). Auf. gerichtet und gesiegelt ward auch im Jahre 1233 eine Urkunde, worin die Herzogin Theodora den Karthäusern in Seitz eine Saumfuhr Oehl alle Jahre in Judenburg zu haben, spendete, auf daß damit die Speisen der Karthäuser bester bereitet werden könnten^). Später entsioh Theodora vor der ungestümen Herrschaft ihres Sohnes aus Steiermark nach Bö'heim (1236). l) St. Lambrechter Saalbuch: „Acta sunt haec II. Non. Sept, anno 1232 in ccclesia S. Mariae apud ipsum coenobium S. Lamberti — Acceden-tibus nobis ad ecolcsiam 8. Lamberti Theodora D. G. Ducissa Au-striae et Styriae.“ z) JohanneumSurkunde. 3) Dipl. Styr. II. 89. — Pez, Cod. Epist, P. II. 83: „Notum sit omnibus et maxima officialibns in Judenburch — quod ego Theodora pro remedio animae nostrae et dilccti mariti nostri Leopoldi etc. — su-peraddi mandamus ab officialibns in Judenburch — saumam olei ad confratrum ejusdcm coenobii cibaria — lautius condienda. Acta sunt haec in Judenburch anno 1233. Sesch. V. ©teierwurf. — V. B». 9 130 Steiermark unter den Babenbergischen 3. mo «.mi. Herzog Friedrich der Streitbare hatte die Re-ri™mitcebfm* 2 3 * S&in^ gikrung von Oesterreich und Steier im neunzehnten rc“a^nrinjn!/‘n Jahre seines Alters angetreten, unterstützt von den mannhaften Rüthen seines weisen Vaters, insbesondere von Heinrich von Kuenring. Oesterreichs Marschalle '), und dessen Bruder, Hadmar, dem Begleiter des H. Leopold auf allen seinen Zügen. Heinrichs Einfluß und Gewalt auf den jungen Herzog und der ungestüme Eigenwille desselben machte ihin frühzeitig einen großen Theil des Adels abgeneigt. Heinrich von Kuen-ring führte die Regentschaft allein und mißbrauchte auf das Schmählichste die Amtsgewalt und das herzogliche Siegel (officio et sigillo Ducis abusus). Diese Kucnringer, die zwei Hunde mit zehn Burgen genannta), machten mit dem neu befestigten Städtchen Zwettl ihre Schlösser von Weitra bis Agenstein und Dürrenstein im Lande jenseits der Donau zu Sammelplätzen und Ausgangspunkten für Raubzüge und Verheerungen; sie bestahlen Leopolds sorgfältig gesammelten Hausschatz 4); sie verbanden sich auf Friedrichs Drohungen mit K. Primislaus, mit K. Wenzl Ottokar von Böhmen, und mit K. Andreas und Bela IV. von Ungarn; welcher den Herzog Friedrich wegen Scheidung von seiner zweiten Gemahlin, der byzantinischen Sophia, tödtlich haßte 5). Jedoch mit den vereinigten Scharen des eigenen Heerbannes und den ihm anhänglich gebliebenen Edelherren übte Friedrich, überall siegreich, blutige Rache und strafende Gerechtigkeit. Sein Heerzug endete gegen Ende des Jahres 1231 mit völliger Demüthigung der Äuenringer und mit Vernichtung ihrer Uebermacht 6). *) I» Urkunden für daß Stift Zwettl nennt er sich selbst: Henricus de Chuen-ringe primus vel summus Austriae Marchallus. — Link, Annal. Zwettl. I. 300. 2) In einer Urkunde für Mölk K. Friedrich II. I. 1231 steht: coram Henrico de Chunring tune temporis rectore Austriae! Philib, Hubert. A. M. I. 19. 3) Pernoidus — bei Hanthaler anno 1330: quorum primus Henricus per fas tum assumpsit nomen Hounde, quasi duae Manus, in quibus es-sent decem digiti, cum esset castrorum decem Dominus. '■) Pernoidus anno 1331 : a Weitrach et Dyrnstein usque Chremis in-ccndcrunt et praedabantur loca sacra cum profanis. 5) Cliron. Austral, ap. Frelier. Script. Germ. I. 333. — Anonym. Leob. Pez I. 809. — Die Ungarnkönige nennt Pcrnold I. 1231: „conjuratos Socios, und instigatione Andreae regis Ungariae.“ — I, 1232 und alle andern Chroniken. Link, Annal. Zwettl. I. 398. 399. 6) Pernoidus Anno 1331. — Link, ibid, ad annos 1331. 1333. 131 Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. Am 2. Februar 1232 unterzog sich Herzog i.232-Friedrich der feierlichen Wehrhaftmachung, bei wel- Ai-drich mit tem cher ihm im Schottenkloster zu Wien Bischof Gebhard von Passau das Schwert umgürtete, nachdem ihm dieser getreulich mit dem Kirchenbanne die Demüthigung der Kuenringer vollbringen geholfen hatte. Der Herzog selbst erkor sich zweihundert junge Eöelherren zu dieser Festlichkeit, welche alle, prunkvoll in Scharlach gekleidet, mit hellweißen Leibgürteln angethan, den Altar umstanden und die er, selbst eben wehrhaft geworden, persönlich mit dem Schwerte umgürlete und zu Rittern schlug. Ein prunkvolles Turnier und mannigfaltige, ritterliche Kampfspiele zu Penzing erhöhten die Freude und die Herrlichkeit des Festes '). Beim Antritte der Regierung der Reichsfürstenthümer Oesterreich und Steier war Herzog Friedrich zum förmlichen Lehensempfange aus des Kaisers Händen verpflichtet. Cr unterließ dieses vorzüglich aus Gründen seiner im Jahre 1231 sehr bedrängten Lage. Im Ortober dieses Jahres ließ der deutsche König Heinrich VII. die, seiner Gemahlin Margaretha, Friedrich's Schwester, gebührende Morgengabe von ihm fordern * 2). Der junge Herzog wies auch dieses Begehren mit Berufung auf den Drang der Zeitumstände von sich. Run vereinigte auch der Kaiser selbst sein eigenes Wort mit der Forderung des Sohnes. Vergeblich aber hatte erden eigenwilligen Friedrich zu den Hoftagen nach Ravenna und Aquileja berufen. Im hohen Grolle zwar, aber eingedenk der großen Verdienste des Herzogs Leopold schrieb der vielgeprüfte alte Kaiser diese hartnäckige Weigerung dem unbeöachtsamen Jugendtrotze Friedrichs zu 3D. Im Jahre 1232 war in Oesterreich und Steier der Friede befestigt. Kaiser Friedrich II. benahm dem 9 * *) Chron. Neob. bet Rauch. — Chron. Austral. Mellic. Hagen. Anno 12.32. — Pernoldus. Anno 1232 : „Dux Fridericus in purificatione apud Sco-tos Viennae gladio accingitur, et Nobiles ducenti cum eo in magna so-lennitate et hilari militum novorum Indo; quorum vestcs rubrae erant, albo interstinctae juxta formam clypei austriaci consuetam.“ — Tab. Claustroneob. Anno 1232. —- Fez. il. 1024. — Hagen, ibid. p. 1067. — Hanthaler. I. 791 — 801. z) Pernoldus Anno 1231 : „Ineuntc mcnse Octobri legatus rcgis Henrici in Viennam propter dotem Dominae Margaretae Reginae venit Abbas 8. Galli.“ 3) Litt. Friderici II. ad regem Boliemiae ap. Hanthaler. Fast. Campil. T. I. 832: „Deinde nobis transeuntibus Aquilejam, cum eum ibidem videre vcllemus, vocatus p ueriliter rccusavit. Quod et Nos haben-tes respectum ad patern a servitia — dissimulare voluimus, a et at is suae moribus ads e rib en tes. 132 Steiermark unter den Babenbergischen widersetzlichen Herzoge nun jeden Weigerungsgrund und berief ihn nach Portenau ouf österreichisch-herzoglichen Boden und uuf seiner eigenen Hcrrschastsallode Hier erschien endlich Friedrich mit fürstlicher Pracht, umgebe» von den vordersten Ministerialen seiner Länder, und von zweihundert in Scharlach mit weißen Leibbinden gekleideten jugendlichen Rittergenoffen Nur Huld, keinen Groll gab ihm der Kaiser zu erkennen; keine Urkunde aber, keine Chronik berichtet, welche Verhandlung und Vereinigung da gepflogen worden ist; und, ob Herzog Friedrich die Belehnung mit Oesterreich und Stcier aus des Kaisers Händen genommen habe? — 3. 1232. Im Maimonate war der Kaiser schon wieder i}. Fradinch »ecmit- ' teltFrieden in Ktirn- ,n Apulien, und Herzog Friedrich nach Oesterreich ten, erwirbt grvße Allode in Ärain, zurückgekehrt :i)- Hier bereitete er sich mit allem tcT f'nob,ni,fuS Nachdrucke zuerst zur Rache an den räuberischen Böhmen. Er ward jedoch früher noch von der Steiermark durch die bambergische Fehde in Kärnten in Anspruch genommen. Bischof Ekbert zu Bamberg, einer der mächtigsten Dynasten in Kärnten, hatte den Landcsherzog Bernhard siegreich aus dem Felde geschlagen, und verheerte, Burgen und Ortschaften zerstörend, das Land Kärnten * 2 * 4). Glücklich gelang es aber einem töpfern Ministerialen, Heinrich von Vinkenstein, seinem Herrn, dem Herzoge Bernhard, den Bischof gefangen zu überliefern, wel-cher denselben in einen finstern Kerker werfen ließ 5). Da wußte Bischof Eckbert den Herzog Friedrich zu gewinnen, welcher auch im Jahre 1233 die Versöhnung mit Herzog Bernhard und die Freilassung des Bischofs bewirkte «). Zu gleicher Zeit hatte Friedrich auch seines Vaters Erwerbungen in Krain theils durch Käufe und Verträge, theils durch seine Verehelichung mit Agnes, der 1) Litt. Friderici H. ibid. p. 83-1: „Ut si molestum tibi fuerit, in civita-tibus nostri imperii nos vidisse ad terrain tuam pro nobis accedere non vitaret.“ 2) Ennenkl bei Rauch. I. p. 323—324. 3) Episcopus Bambergensis cum duce Carinthiae movens bellum plures ei munitiones destruxit et terram magna ex parte vastavit. 4) Per totam quadragesimam in captivitate tcnetur. 5) Ab Henrico de Vinkenstein in dolo captivatur, et per illustrem ducem Austrian Fridericum liberator. — Obren. Austral. August. Salisb. Claustroneob. Ationym. Leob. Annis 1232. 1233. — Ludwig, Script. Bamberg. I. 1141. 6) Meichelpeck, Hist. Frising. II. p. 12. 133 Herzogen. J. 1192 — 1246 n. Chr. Tochter Otto's I. Herzogs von Meran, fo bedeutend erweitert, und jetzt neuerdings, 29. April 1233, mit dem in der Ostmark, in Steier und Krain reichbegüterten Bischof Konrad von Freisingen über die wechselseitigen Verheirathungen ihrer Hörigen und Ministerialen und deren Kinder einen Vertrag geschlossen, so daß er sich im Jahre 1233 zuin ersten Male und ohne Widerspruch von Kaiser und Reich mit dem urkundlichen Titel: Herr von Krain (Dominus Carnioliae) schrieb '). Darauf überfiel Herzog Friedrich mit trefflich Se^c^|l * 3gcieb, gerüsteten Schaaren und mit großem Ungestüme fl-r mit Böhmen. .. . - _ v , Einfall der Nnciarn Dettau, das Hauptraubnest der Böhmen, an den m Steiermark. Die Gränzen von Oesterreich, Mähren und Böhmen, &1nbCf%gm.,rb 8C* eroberte und zerstörte es, ohne vom Heere des Königs Wenzel Angriff und Verlust zu erleiden. Während dieser Entfernung des gefürchteten Landesherrn waren aber die Ungarn-könige Andreas und Bela IV. mit zwei Heeren zu Felde gegangen ; das eine Heer fiel in Steiermark mit Raub und Brand ein. Man war im Lande auf solch ein Ereigniß nicht gefaßt, Darum warfen sich nur die Edelherren der östlichen Lanötheile mit der ungeordneten Landwehr den verheerenden Magyaren ent. gegen. Diese nahmen verstellten Rückzug, lockten die Steirer über die Lanüesgränze hinaus in die Falle, erschlugen eine große Menge derselben, und schleppten viele Eüelherren gefangen fort, so, daß kaum 50 mit dem Leben heim gelangten l) Pernold. Anonym. Leob. Anno 1232. — Chron. Australe. Claustroneob. Anno 1233. Pernoldus Anno 1233 : „Ungari sub Andrea Rege, et Bela filio ejus tarn Styriam, quam Austriam ingressi, ut poenam summerent de repu-dio Zophiae eognatae; et quia Ungar! semper cupiebant Styriae partem olim longis retro temporibus sibi erreptam recupcrare. Styria non liabuit milites: unde Nobiles cum solis rusticis resistentes post fortissimam pugnam, in qua plerique cecideruut, victi vastatoribus fu-rorem permittere debuerunt.“ — Chron. Claustron. ap. Rauch. Anno 1233: „Ungar! intraverunt fines Styriae et vastaverunt eas rapina et incendio. Styrenses vero congregati sine rectore perscquuti sunt eos. Ungar! vero longius eos trahentes a finibus suis insidias ponentes post hos convertabantur ad ipsos accedebant ante et retro, mnlti vero ex utraque parte mortui sunt, et multi vulncribus debilitati, tandem Ungar! victoria potiti, nobiliores ex iis captivarunt, extra multitudinem vix quinquaginta fugerunt, reliqui omnes aut interierunt aut captivi abducti sunt.“ — Chron. Austrian. Rauch. II. Anno 1234. — Auf diese verheerenden UngarneinMe wird auch in einem Briefe des Ungarnkönigs Andreas II. vom Jahre 1234 hingewiesen: „Quum inter nos et D. Fride-ricum, Ducem Austrian et Styriae guerra orta esset non modica.“ — Fejer, Cod. Ung. III. I. 405. 134 Steiermark unter den Babenbergischen H Fü-drich^-fi-gt Das andere Ungarnheer erfüllte das Land bie Uns^n- — Ad- Oesterreich mit Zerstörung und Plünderung. Mit unglaublicher Schnelligkeit war Herzog Friedrich herbeigeeilt, und warf die Barbaren bei Hösiein an der Leitha nach einem blutigen und siegreichen Kampfe wieder über die Gränze hinaus. Darauf trugen die Ungarnkönige selbst Frieden an, der auch in Neustadt geschlossen worden ist ’). Während dieser Ereignisse entschied der salzburgische Erzbischof Eberhard II. (Salzburg 24. April 1233) einen Zehentstreit zwischen seinem Hochstiftskapitel und dem Stifte zu Admont. Das erstere forderte zu Folge gemeinen kirchlichen Rechtes den dritten Theil der Zehenten aller admontischen Besitzungen im Lungaue, welche das Stift aber verweigerte. Der Erzbischof bewog das Kapitel, abzustehen von allen seinen Ansprüchen und weder Recht noch Handvesten weiter zu berücksichtigen; wogegen er selbst demselben eine Jahresrente von 5 Marken aus Gütern im Murthale zu Baierndorf und Büheln, zu Stranath tin Lungaue und Reina oder Rein im Pinz-gaue sicherte, und an Admont eine Summe von 50 Friesacher-marken zahlte 2). 3 1233. Während man noch theils mit den Ungarn im H. Friedrich gründet 1 , den^deutschen Orden blutigkN Kampfe lüg, thkils dik DkrsohNUNg IN NkU- ^tt-h ^Suswngz"' stadt unterhandelte, ward auch über die Einführung taef' der deutschen Ordensritter in Steiermark unterhandelt und denselben bei der Stadt Grätz alS Hauptsitz die Kirche St. Kunigunde am Leech mit ansehnlicher Dotation an Grund, Boden, Hörigen und besonderen Vorrechten geschenkt. Die Gründungsurkunde lautet wie folgt: „Im Namen der heiligen und untheilbaren Dreieinigkeit, „Amen!" „Friedrich von Gottes Gnaden Herzog von Oesterreich und "Steter allen Christgläubigen in Ewigkeit!" „Weil wir den Wunsch in unfern Herzen hegen, der Kirche „Gottes durch unsere Kraft zu nützen, so bestreben wir unS mit 1) Pcrnoldus Chron. Claustroneob. — Zwettl, Austral. Anno 1233. — Hanthal. I. 804—809. 2) Archivsurkunde. XX. 6: „Acta sunt haec Salzburg. Anno 1233. Datum ibidem. VII. Kal. Maji.“ — Die besonder» Urkunden des Erzbischofs und Domcapitels XX. 4. 5. vom 3. August 1235 enthalten als Zeugen: Albertus Episcopus Chiemensis, Magister Marquardus de Padua, Dom. Ger-hohus de Mathsee, Vicedominus Salzburgens. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 135 »allem Nachdrucke, zum Vortheil und zur Beförderung der geifU "lichen Orden (fleJigiosorum) zu arbeiten. Daher, uns fefthaltend »in den Fußstapfcn des christlichen Mannes und des gottergeben-»sten Fürsten, unseres Vaters, Leopold Herzogs von Oesterreich, 'stetigen Andenkens, schenken wir den Brüdern des Hospitals der »h. Maria, deutschen Hauses in Jerusalem, welche sich vor allen »Andern unseren Vater freundschaflichst gesinnt und treu bewährt „haben, wegen ihrer Gottergebenheit und zum Seelengeräthe un-»sers Vaters, die Kirche, gelegen auf der Anhöhe neben der »Stadt Parischgrätz und zu Ehren der h. Kunigunde erbaut, mit »allem Rechte, aller Freiheit und Gerichtsbarkeit, wie unsere Bor-"fahren dieselbe gegründet haben. Wir schenken aber den genann--ten Brüdern diese Kirche mit all ihren Dotationen und Rechten. „Diese zur Kirche gehörigen Einkünfte sind aber folgende: „ »Auf dem sogenannten Berge Predel vier Villen, Schillings-»üorf, Schafsthal, Rorbach und Neustift mit allem ihren Zugc-»hörigen. Wir schenken ihnen auch einige Villen, Mokau, Vlech-»nigen, Wulfingsüorf, und in Mayenöorf acht Huben mit allein »Rechte und Zugehör, nämlich Wiesen, Weiden, Wälder, Felder, »gebaut und ungebaut, Weinberge mit allem Bergrechte und mit „Diensten, insgemein Marchdienste genannt. Sie sollen auch „freie Jagd auf alle Wildgattungcn auf ihrem Grund und Boden „innerhalb unserer Länder haben. Weiter schenken wir ihnen in der »genannten Stadt acht und zwanzig Hofstälte. Wir lassen ihnen „gleichfalls alles Blut-Wehrgeld, insgemein blutiger Pfennig ge-„nannt auf allen ihren, in unfern Ländern befindlichen Gründen. »Je Ueberschwenglicheres wir aber aus der Hand des Herrn »empfangen haben, desto wohlgefälliger erheben wir uns zur Ehre »üeS Gebers, wenn wir die Gott geheiligten Stätten und die sei-»ner Verehrung und seinem Namen geweihten Häuser großmüthig »ehren. Durch diese fromme Betrachtung geleitet, da wir das hei-»lige Haus, h. Maria, der deutschen Ordensritter zu Jerusalem »gleichsam als das Werk unserer Dorältern mit günstiger Zunei> »gung umfassen, und sie überall in unser» Ländern sich unserer »Gunst und Beschirmung erfreuen, so nehmen wir in Erweiterung «unserer ähnlichen Gnade in unserem Lande Stcier die in dieser »Provinz gelegenen Häuser dieses Ordens mit den Lehrern (Prae-«eeptoribu«), Brüdern und Leuten, Dienenden, Hörigen und deren »Familien wie auch mit allen Besitzungen, welche sie gegenwärtig »rechtmäßig zu Eigen haben und halten, und welche sie noch hin- 136 Steiermark unter den Babenbergischen „für unter rechtmäßiger Weise anwerben können, unter unseren »besonüern Schutz, indem wir sie von allem weltlichen Gerichte, »von allen Dienstbarkeiten, Anforderungen, Beschwerden, der ih-»rem Orden ertheilten Freiheit gemäß, für befreit erklären. Wir »übertragen überdies noch ihre Beschirmung unfern St ellvertre-»tern welche zur Verwaltung zeitweise in eben jener Provinz »von uns eingesetzt sind, wie auch den Landständen, den Richtern, »welchen wir gleicherweise befehlen, auf daß sie alle Fälle und »Streitsachen (quaestiones) der Häuser derselben und der Brü-»üer, so oft sich deren in ihren Gerichtsbarkeiten ergeben, auf öe-»ren Klage anhö'ren und entscheiden, sonst jedoch auf ihren Gü-"tern nicht um ihren Stand forschen, noch sie vor weltliche Ge-»richte ziehen, sondern daß sie die eigene Ruhe und Ungefährde „der vorgenannten Häuser, Brüder, Leute, Hörigen, und alle de-"ten Familie zu Ehren und Gunst unsers Namens bewahren-»Ueber dies und im Uebermaße unserer Gnade befreien wir die „vorgenannten Häuser mit Wiesen, Weiden, Jagden, Fischereien »von aller weltlichen Gerichtsbarkeit, so daß es keinem Richter »erlaubt scyn soll, was immer für gestaltete Ausgleichung (Entscheidung) auf den Allodialgütern der Kirche auszuüben, oder die "Eigenleute oder die Zinsleute zu verhalten, vor ihrem Gerichte „sich zu stellen, noch auch von den Schifffahrten und Fuhrwerken „ihrer Kaufwaaren etwas abzufordern. Auch Folgendes ist unsere „Willensmeinung: daß, wo immerhin auf Märkte, Jahresmärkte „die Leute der genannten Kirche Handels wegen in unferm Lande »Steier kommen werden, sie von jeder Mauth. oder Zollforderung »befreit seyn sollen. Auch wollen wir, daß die Kirche selbst, die »Güter, und alle aus denselben sich ergebenden Streitfälle von »aller Gerichtsbarkeit so gänzlich und vollständig befreit seyn sol-»len, daß, über dieselben Erhebung und Urtheil zu pflegen und »zu fällen, allein nur dem Meister, den Lehrern und den Brü-»dern das Recht zustehen solle. In Fällen non Diebstahl jedoch, »von Straßenraub und von solchen Verbrechen, welche des Ver-»brechers Tod fordern, bei Leuten dieser Kirche, weil Personen »religiösen Ordens mit Ausführung criminellen Gerichtes sich nicht »befassen sollen: so soll, nachdem alles bewegliche und unbewegliche »Besitzthum des Schuldigen der Kirche zuerkannt worden ist, die »alleinige Person des Verbrechers dem weltlichen Gerichte über-„liefert werden, wobei jedoch jede Schuld, welche Buße und Wehr-„geld fordert, der Kirche zugeurtheilt und belassen bleibt. Ferners Herzogen. J. 1192-1246 n. Chr. 137 s,gestatten wir vorgeöachten Häusern und den Brüdern derselben, »daß sie die eigenthümlichen Lebensmittel, Getreide, Salz, Fleisch, »Käse, Fische, Oehl, Wein, Vieh und anderes, zu ihrem Gebrauche »gehörige Gut, sowohl zu Waster als zu Lande ohne alle Weg-»gelöer, Mauthen und Zölle und andern Abgaben unangerührt »und ruhig führen mögen. Auf daß nun diese Schenkung und „Freiheit zur gehörigen Wirklichkeit gelange, und im Uebrigen un-„erschüttert bleibe, so befestigen wir diese, dieselbe Schenkung ent, »haltende Urkunde mit dem Schirm unseres Siegels und vor den »Unterzeichneten Zeugen, deren Namen folgende sind: Friedrich „von Pettau, Jrmfried von Himberg, Ulrich, dessen Brüder, Bi-»kard von Arenstein, Suchso, Chadold, Waisso und v. A. »Dies ist geschehen im Erpurch im Jahre 1233, 28. October — „Amen! ')" Diese merkwürdige Urkunde bewährt, daß mit dem Orden der deutschen Herrn auch ein regelmäßiger Schulunterricht in Grätz zuerst eingeführt worden sey, und sie deutet auch bestätigend hin aus die, diesem Orden schon zu Anfänge des XIII. Jh. im Lande Steier zu Grvßsonntag gegebene Niederlassung mit Grund, Boden und Gerechtsamen. Das Stift zu Rein erhielt im Jahr 1233 “ni> ®‘- Lambrecht. einiges Besitzthum zu Walchendvrf, in der Pfarre St. Georgen bei Murau von Dietrich, dem Pröpsten zu Gurno-zia und Pfarrer zu Adria, mit der Verbindlichkeit, die Kapitelherren zweimal im Jahre bei der Tafel mit weißem Brode, mit Fifchen und mit Wein zu bedienen * 2). Dem Stifte zu St. Lambrecht leistet urkundlichen Verzicht Ritter Conrad von Vokkenberg, aus alle Kinder, welche aus der Ehe seiner Hörigen mit Mägden des Stiftes St. Lambrecht entstehen werden 3). Wir haben schon oben beim Jahre 1229 an-geführt, daß Leutold von Wildon Grund und Bo- «»stifte« m Stainz, den mit der Katharinenkirche in Stainz von dem Salzburger Erzbischöfe Eberhard II. eingetauscht, und damit die Gründung des Augustinerchorhcrrenstiftes daselbst begonnen habe. *) Dipl. Styr. II. 177 — 181. -) Urkunde von Nein. 3) St. Lambrechter Saalbuch. 138 Steiermark unter den Babenbergischen Bei diesem Geschäfte waren Zeugen: Heinrich, erwählter Bischof von Seckau, Ulrich von Wildon, Konrad von Hornek, Friedrich, Kastellan zu Liubnitz u. v. A. Bis zum Jahre 1233 war dies neue Stift vollständig geordnet mit Dotation und einer Stistsge-meinde von Chorherren aus Seckau unter dem Propste Gerald. Mitten im Drange so vieler Ereignisse und Anstrengungen er-theilte Herzog Friedrich dieser Stiftung durch seinen Ministerialen Leutold von Wildon nicht nur die landesfürstliche Bestätigung, sondern allen seinen Ministerialen überhaupt die Freiheit, von ihren Alloöen und Lehengütern bis zu einem Jahreserträgniß von 10 Marken Friesacher Geldes Schenkungen zu machen. Graf Hermann von Ortenburg, Ulrich von Pettau, Heinrich von Schönberg, Otto von Traberg, Reimbert von Mureck, Ulrich von Wildon, Leupold, Erzdiakon von Kärnten, Leupold, herzoglicher Kanzler werden in der Urkunde Friedrichs als Zeugen genannt Am 23. October 1233 schenkte hierauf Witmar von Hopfgarten, Truchsäß und Schaffner (Dapifer et Dispensator) des Herrn Leutolds von Wildon dem Stifte Stainz vier wilöonische Lehenhuben in Schwarzenschachen für mehrere Huben in Ratzendorf mit der Bedingung, daß diese, wenn Witmar mit seiner Gattin, Gebirge, eheliche Nachkommen erziele, ihm erblich verbleiben, sonst aber wieder eigenthümlich an das Stift Stainz zurückfallen sollten. Leutold von Wildon bestätigte diese Anordnung als Lehensherr mit seinem Jnsiegel an der Urkunde, in welcher als Zeugen genannt sind: Herr Gerung der Dechant, Herr Hermann der Kellner, und mehrere Chorherren des Stistskapitels, Ortolf von Pergarn; Ritter Witmar von Hopsgarten, Ritter Ulrich Bawarus, und Berthold von Panholz 2). zu Nach Ostern des Jahres 1234 geschah die Stadela» fr« amen. wirkliche Vermählung der schon seit dem Jahre — Streit wegen der Pfarre Admont. 1223 an den Markgrafen Heinrich von Meissen verlobten Constantia, Schwester des H. Friedrich. Diese Festlichkeit der feierlichen Handlung ward auf offenem Felde zu Stadelau bei Wien unter freiem Himmel im Beiseyn einer zahlreichen Versammlung fürstlicher und edler Herren, der Köni- *) Stainzer Saalbuch: „Hinc est, quod ad notitiain praesentium et futu-rovum praescuti seripto volumus pervenire, quod cum Leupoldus de Wildonia ministerialis noster in honore St. Katharine praeposituram de novo erexerit apud fluvium Stanz etc.“ s) Stainzer Saalbuch : „Acta sunt hodie Anno 1233. XV. Kal. Novembris.“ Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 139 ge Andreas und Bela von Ungarn, Wenzel von Böhmen, des Erzbischofes Eberhard II. von Salzburg, der Bischöfe von Bamberg, Passau, Freisingen und Scckau, der Herzoge von Sachsen und Kärnten, des Landgrafen von Thüringen, und des Markgrafen von Mähren, — und ungemein vieler Grafen, Eüelher-ren und Ritter, mit der heitersten Freude mit königlichem Prunk und mit ergötzenden Spielen ritterlicher Gewandheit vollbracht '). Inzwischen war zwischen dem Domkapitel in Salzburg und dem Stifte Admont abermals ein Streit entstanden: ob die Pfarre Admont im Aümontthale üem Archiüiakonate des Ennsthales, welches dem Hochstiftskapitel zugehörte, untergeben sey oder nicht? Der Erzbischof, aus Liebe zum Frieden und um feste Einigkeit in seiner Kirche zu bewahren, erklärte nun die Pfarre Admont ganz von der Gewalt des Ennsthaler Archiüiakonatcs für immer enthoben und den Stiftsabten zum Archidiakon desselben mit Rechten und mit Würde jedes andern Erzdiakons; dagegen gab er aber dem Archidiakonate des hochstiftischen Kapitels die Pfarren Randentin (Rauten) und St. Georgen (ober Murau) mit dem besondern Rechte, daß der Dompropst als jeweiliger Erzdiakon seine Versammlungen auch im Lungaue halten und die Pfarrer und Priester der genannten Pfarre und der ihnen unterstehenden Kirchen und Kapellen dahin berufen könne. Die vom Erzbischöfe darüber gesiegelte Urkunde bestätigten als Zeugen: Heinrich, Bischof zu Seckau, Albert der Dompropst, Kuno der Domdechant, Heinrich Unterdechant, Hodolö der Gustrer, Eberhard der Sko-laster, Dietmar der Sänger, Ulrich der Kellner 2). Der Seckauerbischof Heinrich I. hatte in den ,lnJsc^en M bisher erzählten bedrängenden Begebnissen dem ®‘iftcž ®e(ta" Herzoge Friedrich aufrichtige und eifervolle Anhänglichkeit bewährt. Zur Belohnung dafür erfreute ihn der Landesherr (22. Februar 1234) mit einer Versicherungsurkunde der vorläufigen, landesfürstlichen Bestätigung aller und jeder Verkäufe und Schenkungen, welche die herzoglichen Ministerialen mit ihren *) Cliron. Admont. Austr. Neoburg. — Zwettl. Anonym. Leob. und Per-noldus. Anno 1234 : Omnia splendida et cum pace acta sunt in Stadlawe. -) Archivsurkunde. B. B. 3: „De consensu capituli nostri Pavocliiam Ad-montensem ab omni jure archidiaconatus exemimus ita, nt liberum sit Abbati Admontensi — in ipsa parochia sine contradictione qnalibet omnia ad arohidiaconatum pertinentia ministrare. — Acta sunt haec Anno 1234. Datum apud Salzburch Idus Januarii.“ 140 Steiermark unter den Babenbergischen Gütern dem Seckauerbisthume thun werden '), welche Gnade Herzog Friedrich am 29. December 1239 wiederholt erklärt und bestätigt hat, in ansehnlicher Versammlung vor: Gras Konrad von Hardeck, Graf Ulrich von Pfannberg, Poppo von Peckau, Liupold, Stadtpfarrer zu Wien, Gerald, Erzdiakon von Muffon, Heinrich, Landschreiber in Steiermark, Heinrich von Brunne, Hartnid von Pettau, Otto von Walhunskirchen, Kämmerer u. v. A. l 2). Die Seckauer Saalbücher enthalten von diesem Jahre 1234 noch zwei andere Urkunden, in welchen Herzog Bernhard von Kärnten die Schenkung eines Gutes zu Lantschach von Hilla, der Gemahlin Gerards von Mure an jenes Stift bestätigt, und Horbard, Pfarrer zu St. Dionysen, dem Stifte Seckau zwei Huben zu Hetzendorf und Algersdorf schenkt, zur Gründung eines ewigen Jahrgottesdienstes 3). Im Chorherrenstifte Seckau folgte auf den am 20. September 1234 verstorbenen Pröpsten Gottfried von Perneck der Propst Wolfram von Herbersdors. Nach Versicherung einer Klosterneuburgerchronik war die Kälte dieses Winters und die Eismasse der Flüsse unbeschreiblich groß; worauf ungemeine Wasserfluthen im Frühjahre erfolgten. 2 g^cdrichln P--. Ä>n Frühjahre 1235 finden wir den Lanöes-tau. «nt. cmtnängt Herzog Friedrich in Steiermark. Begleitet von den in"siitmiftän an Edelherren: Ulrich von Pekkau, Bernhard von bcr SSrMt" Schowenberg, Reimbert von Murekk, und dessen Sohn, Hermann von Kranichsberg, Bertholü von Ennersberg, Hermann von Sunenberg, Wikarü von Armstein, Heinrich von Hockenberg, Konrad von Himburg u. v. 2t., war er am 27. April 1235 in Pettau, übergab dem Karthäuserklostcr St. Johannisthal im Namen der Matrone Sophia von Luenbach ihre Alloöialgüter, fünf Huben in dem Dorfe Lasniß, theils als Saalgeräthe für sie und ihre Angehörigen, theils als Ersatz für die vielen Beschädigungen, welche Konrad von Luenbach, der Neffe l) Dipl. Styr. I. 309: „Considerantes devotionis sinccritatem, quam D. Henricus, Seccoviensis Bpiscopus his temporibus nobis et nostris ex-hibuit per opevum multiplicium exhibitionem meritorum tuorum — du-ximus indulgendum — etc.“ !) Dipl. Styr. I. p. 309. 310. Act. Viennae IV. Kal. Januar, anno 1239- 3) Johanncums-Urkunde. 141 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. dieser Matrone, dem genannten Karthäuserkloster zugefügt hatte Bon hier eilte der Herzog mit dem prunkvollsten Gefolge nach Dürrenstein in der obern Steiermark, um daselbst den K. Friedrich II., welcher aus Italien von Aquileja durch Friaul und durch Kärnthen heraufzog, zu empfangen. Die unaufhörlichen Unruhen, welche die fortwährende Empörung seines Sohnes, K. Heinrichs VII, in Deutschland verursachten, zwangen den Kaiser zu diesem Zuge. Im Maiinonate 1235 langte er in Dürrenstein an und ward von dem Landesherzoge Friedrich nach Neumarkt geleitet -). Dort hatten sich zur glänzendsten Versammlung eingefunden: Eberhard II, Erzbischof von Salzburg, Eckbert, Bischof zu Bamberg, Konrad, Bischof zu Freisingen, Bernhard, Herzog von Kärnten, der Herzog von Lothringen , Hermann, Meister des deutschen Ordens, Graf Hermann von Orlamünde, Graf Meinhard von Görz, Graf Heinrich von Greisbach, der Graf von Sülze, Heinrich, Marschall von Pappenheim u. v. A. Unter Andern war auch der Aömonter Abt Konrad erschienen, welcher dem Kaiser den Bestätigungsbrief K. Friedrichs I. für das Stift Admont unterbreitete, und um eine gleiche Gnade bat. Der Monarch erfüllte diesen Wunsch und erfreute das Stift und den Abt mit einem andern Majestätsdiplvme, in welchem die friedericianische Urkunde wörtlich ausgenommen, und am Ende dann die besondere Versicherung hinzugefügt wird: „Wir aber, willfahrend den ergebenen Bitten des »vorgenannten Abtes und in besonderer Gnade, womit wir den »Abt selbst, die Brüder und dasselbe Gotteshaus Admont mit all »seinem Eigenthume schützen und schirmen wollen, haben besohlen, „den vorbezeichneten Privilegienbrief diesem unfern Majestätsöi-„plome wörtlich rinzuverleiben, indem wir alles darin Enthaltene »dem genannten Abte, den Brüdern und ihren Nachfolgern und „erwähnten Münster mit Schirm unserer Macht für immer be-„(tätigen. Wir setzen daher fest und verpönen mit kaiserlicher Ber-»kündigung, daß Niemand, weder Hochgestellter noch Niedriger, »weder eine kirchliche noch weltliche Person dem Inhalte dieser „unserer Bestätigungsurkunde zuwider die Vorgenannten, dem >) Dipl. Styr. II. p. 80 — 81. Acta sunt haec in Pctovia. V. Kal. Maji. Anno 1235. Pernoldus. Anno 1235: „Fridericus Imp. ut ambitum imperii in filio Henrico rege opprimeret et puniret, ex Italia per Aquilejam prcefectus est in Germaniam: cui Fridericus dux in Styria cum reverentia oc-currit.“ 142 Steiermark unter den Vabenbergischen »Abte, die Brüder, ihre Nachfolger und das oft genannte Stift »in irgend einem Punkte zu beschweren wage; wer dem ungeach-„tet dieß zu thun wagt, soll neben unserer Ungnade mit hundert »Pfunden Geldes gestraft werden, welche zur Hälfte unsermFis-»kus, zur Hälfte aber dem genannten Stifte bezahlt werden sollen. »Damit aber diese unsere Bestätigung die Kraft ewiger Festigkeit »erlange, haben wir diese gegenwärtige Urkunde zu errichten, »und mit unfern Majestätssiegel zu befestigen befohlen unt-rhaMung-n Vorzüglich aber hatten zwischen dem Kaiser 9to.maS:ie-$« und Herzog Friedrich von Oesterreich hier in Neu-Änifabmrat mflr^ ernstliche Unterhandlungen statt; da der Er-stere die Anforderung um das Heirathsgut der römischen Königin Margaretha im hohen Ernste erneuerte * 2 3), Herzog Friedrich aber vom Kaiser Geldsummen forderte zur Nieücr-kämpfung der stets unruhigen und gefährlichen Ungarn. Darüber schieden beide mit erhöhter Abneigung und mit Groll auseinander^). Kaiser Friedrich II. zog nach Admont, feierte daselbst das Fest der h. Dreifaltigkeit4), ging dann in das Land ob der Enns, und über Wels fort nach Worms. Diese Eile, die Festigkeit, das Ansehen und die kaiserlichen Schätze wenden schnell die Anhänger öeS SohneS ihm zu. Heinrich VII. mußte sich unterwerfen, er wurde der königlichen Würde entsetzt, mit der Gemahlin und seinen zwei unmündigen Söhnen fort nach Apulien geführt, wo er im Kerker sein Leben verhauchte. Des Kaisers zweiter Sohn Konrad ward hierauf als deutscher König erhoben*). s 1235. Am 28. Juli 1235 gab Friedrich von Pettau mit Einstimmung seiner Gemahlin Brief und Sie. gel, daß er dem Hospitale der h. Maria zu Jerusalem das Patronatsrecht über die Kirche zum heiligen Sonntag, *) Archivsurkunde. A. 75. — Saalbuch. III. 212—219: „Acta sunt liaec anno 1235. Mense Maio. — Datum apud Novum Forum in Styria.“ Pernoldus. Anno 1235: „Pasita solveudi termina ad tres intra unum annum dies exactioncm cum armis ei minatus, si non praestaret.“ 3) Pernoldus. Anno 1235: „Dux Fridericus — non modicum turbatus di-scessit.“ — Hanthaler. I 815—817. 4) Chron. Admont. Anno 1235 : „Fridericus, secundus hujus nominis, Teu-toniae partes ingressus, apud nos sollemniter est suseeptus feria quarta infra Pentacostem.“ — Pachmayr. s) Pernoldus. Anno 1235. 143 Herzogen. J. 1192-1246 n. Ehr. insgemein Grossonntag zugenannt, mit allem dessen Rechte und in dem Vertrauen schenkte, daß der Gottesdienst und der Religionsunterricht daselbst durch den Eifer der Brüder des deutschen Ordens nachdrücklich erhöht werde. Als Zeugen in dieser Urkunde erscheinen: Bruder Otto, der Prior, und Bruder Konrad aus dem Dominikanerorden zu Pettau, Bruder Otto und Bruder Konrad vom deutschen Orücnshause, Hermann, Ritter von Pettau, Pabo von Treven, Albert von Rcichenstein, Otto von Pirch, Ortolf von Groiscnöorf, Heinrich Wolf u. v. A. Die Bestätigung dieser Patronatsschcnkung durch die Brüder Hartniü und Friedrich von Pettau, welche Friedrich von Pettau in der angeführten Urkunde von Seite des salzburgischen Hochstiftcs zugesichert hatte, erthcilte später der Erzbischof Eberhard II. (am 26. Jänner 1239) bei seiner persönlichen Anwesenheit in Pettau, vorzüglich in der begründeten Erwartung, daß durch die sorgsamen Anstalten der deutschen Ordensbrüder der unter jenem Slo-venenvolke sehr vernachlässigte Religionsunterricht möglichst werde gebessert werden Mit dem Erzbischöfe waren damals in Pet- tau anwesend: Heinrich, Bischof von Scckau, Otto von Königsberg, Eberhard von Schönstein, Hermann von Pettau, Ortol-von Groisendorf, Heinrich Wolf u. v. A. * 2) «rzb?Ebech°rd in Am 26‘ Jänner 1235 löQv Erzbischof Eber-^angeliq-nhUttn"' ^Qvi) n in Leibnitz mit Heinrich, Pfarrer von Rute, Meister Heinrich von Bogau, Bicedom, Walther Kogel, Heinrich Laimur, Subvert von Bonstorf, Heinrich von Jaringen u. A. Das Stift Admont hatte alle Renten aus den Salzpfannen zu Baier- oder Reichenhall dem Erzbischöfe auf dessen Wunsch abgetreten; wogegen der Erzbischof sowohl die gegenwärtigen, als auch alle zukünftigen Zehenten der admontischen Weingärten in den Gegenden Hausfcld, Telni, Stallhofen, Per-nau, Bosinbach, Liebgast, Reinhartsberg, Krottenüorf und Apfal-tin mit vollständigem Rechte abtrat, und jetzt darüber Brief und Siegel aushändigte 3). In diesem Jahre hatte auch das Stift *) Dipl. Styr. II. 209: ,,Nos itaquc votis eorum salutaribus annuentes considerata plcbis illius S clavicae correction e, quae ex provide F. F. domus Teutonicae possct provenire, concedimus etc.“ 2) Dipl. Styr. II. 209: „Datum apud Petovium. Anno 1236. VII. Kal. Febr.“ 3) Saalbuch. III. 170: „Sunt autem praediclae decimorum vineae positae in his locis: in monte Grusvalt, in monte Felin, in villa Stalhof, in 144 Steiermark unter den Babenbergischen Admont dem Stifte Moffach in der Aglaieröiözese all dessen Besitzungen zu Äirchheim und Oberkärnten um 40 Marken Aglajer-pfennige abgekauft und dadurch seine oberkärntnerische Güterprop-siei bedeutend erweitert ’)• V-rg-blicheB-mü- Als der alte König Andreas von Ungarn mit hun-i-n des H.Lrie- Beatrix von Este sich vermählte, war auch Herzog rische Königskrone Friedrich 6ci der Festlichkeit des Beilagers im Juni 1234 mit fürstlicher Pracht und Begleitung er. schienen. Frühzeitig schon zeigte der Sohn und Thronfolger Bela IV. ungemessenen Herrschertrotz und Härte. Die Persönlichkeit H. Friedrichs machte auf die Ungarn am Königshofe einen so mächtigen Eindruck * 2), daß ihn die unzufriedene Partei zu ihrem Könige wünschte; und eben war er, voll Groll über den Kaiser, und wohl wissend von den geheimen Wünschen der ungarischen Großen aus Neumark in Steiermark zurückgekchrt: als eine ge. Heime Gesandtschaft der ungarischen Mißvergnügten ihn erwartete, und ihm Ungarns Krone anbot. Der alte König Andreas war bereits gestorben, — seine schwangere Gemahlin Beatrix aus Furcht vor dem jungen Bela IV. nach Deutschland entflohen 3). Herzog Friedrichs Ehrgeiz setzte nun Alles daran, Ungarns Krone zu erringen. Eben war er vom Kaiser Friedrich II. zum Hostage nach Mainz berufen. Er aber verfolgte im blinden Eifer sein Ziel 4), siel mit einem starken Heere in Ungarn ein, und machte anfänglich große Beute. Er fand sich jedoch bald bitter getäuscht: keiner der unzufriedenen Magnaten siel ihm zu; Bela und dessen Bruder Kolomann bedrängten ihn mit einem großen Heere; sein eigener Heerbann, im lebhaften Gefühle der Ungerechtigkeit solchen villa Bernome, in Bosinbach, in minor! Grasfalt, in monte Liebegast, Reinhardsperge, Chrottendorf, Ophaltin. — Acta sunt haec apud Libenz. Anno 1235. VII. Kal. Januar.“ 1) Archlvsurkunde. CCC. 3: „Venditione facta a Domino Jacobe Mossa- censi electo Domino Chonrado abbati de Hademont et suo monasterio de omnibus possessionibus, quas Nonasterium Mossacense hactenus ha-buit et possedit, in loco, qui dicitur Kirchaim. — Actum in Castro Dtini in camera Domini Patriarchae. Anno 1237. quarta ineunte mense Martii.“ 2) Der Continuator Martini Poloni sagt bei: Eccard. Script. Germ. I. 1418: „Fridericus Dux Austriae mirabili corporis elegantia et forti-tudine praeditus.“ — 3) Pray, Annal. Hung. I. 244. '•) Litt. Frider. Imper, ap. Hanthal. Fast. Campilil. I. 835. — 145 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Krieg e$, versagte Sen Widerstand und sioh; Friedrich selbst mußte aus Ungarn eiligst sich zurückziehen ') und hinter ihm verheerte König Dela IV. mit seinen magyarischen Horden dasLanü Oesterreich bis an die Mauern von Wien mit allen Gräueln des Krieges. Der tollkühnen und ehrgeizigen Unternehmung Ende und erste Folge war ein mit schweren Geldsummen von den Ungarn erkaufter Friede 2). Der Heerzug und Krieg gegen Sie Ungarn, an > me-mr. „ . , H. Friedrich erregt ttcl) schon etn unrecht, war Friedrichs und seiner durch druckende Länder Unglück. Dadurch an Geldkrästen gänzlich ®^uäu6»c“nu>n erschöpft, belegte 3) der leidenschaftliche, von Ju- m §tfum«e.,,nt den schlecht berathene Herzog in Oesterreich und Steiermark jedes Haus, jeden Herd, und insbesondere die Klöster mit einer, weder im deutschen Staatsbürgerrechte, noch in der bisherigen Gewohnheit begründeten, ungemein drückenden Steuer (60 Pfennige ans einen Mansus geschlagen) 4), welche er noch dazu mit ungemeiner Härte rintreiben ließ. Vergeblich waren bei dem allgemeinen Mißvergnügen, bei den lauten Klagen und bei den bedenklichsten Verschwörungen in Oesterreich und Steier die Bitten und Warnungen der besorgten Mutter Theodora, welche in Furcht vor nahem Ausbruche allgemeiner Empörung a) ihren l) Pernoldus, Anno 1236: „Fugerc igitur coactus Dux maxima dolore et pudere suo.“ — 3) Chron. Austral. Mellic. Claustroneob. et Hantlial. I. p. 818 — 871. — Pernoldus. Anno 1236, besser 1235. — Anon. Leob. Chron. Salisb. Godefr. Colon. Anno 1235. — Pray, Annal. Regn. Hung. I. 244. 3) Annal. Allah, ap. Oeffele. I. p. 672. Anno 1236. ") Chron. Claustroneob. ap. Rauch. Anno 1237. et ap. Pez. I. 457: „Item idem Dux fecit omnia claustra, quae erant in principatu suo, uno die pariter irrumpi et inquiri pecunias proprias et alienas, et inventas di-ripuit. Insuper in toto principatu suo recepit de uno quoque manso 60 denarios. Initium dolorum fucrunt hacc et causa dejectionis suae.“ Dieses erfolgte auch, wie erhellet aus Godefr. Colon. Anno 1236: „Qui Austrian» ingressi adjunctis sibi nobilibus terrae, quos ipse Dux antea injuste oppresserat, et de terra sua ejcccrat.“ — Ruch Chron. Claustroneob. Pez. I. 457: „Postea propter multas insolentias et inormi-tates suas Viennenscs et aliae civitates — et ministeriales in utro-que principatu ceperunt se opponere ei.“ — Am sichersten folgt man der Erzählung Pernoldi, Anno 1236: „Dux, Ins magis iratus, quam hosti, in utraque p rovi n eia insolitum imperavit tributum de singulis domibus, ut aurum, quod per suoruin ignaviam perdidit, ex eorum inulcta recuperaret. Nobiles plures, qui prius pugnare detrectaverant, liumiliavit valde, eorum loco humiliores sed obsequentiores exaltans. Coenobia, quae tributum negabant, propter Advocates vetantes, per mi- 10 Gefch. d. Steiermark. — V. $6. 146 Steiermark unter den Babenbergischen Witwensitz Judenburg verließ und nach Böheim entfloh. Wirklich und in feierlicher Form brachten die bedrängten Länder ihre Anklagen an Kaiser und Reich, bathen um einen andern Landesre-grnten und fielen, beinahe alle in Oesterreich und Steier, von ihm ab ’). «lagen'd-Ldher- Friedrich II. im alten Grolle über Herzog wider d'^n^ei Friedrich wegen Vorenthaltung der Morgengabe Er verfallt in tie Margarethens und wegen Verweigerung der Hülfe gegen die Lombarden und den Papst ergriff sogleich die günstige Gelegenheit und ließ ihn zu mehreren Hoftagen, insbesondere aber nach Augsburg vorladen. Herzog Friedrich dagegen, tief ergrimmt ob des Kaisers Grausamkeit gegen K. Heinrich VII., dessen Kinder und Gattin Margaretha, welche, nachdem Vater und Kinder durch Gift und Dolch hinweggeräumt waren, in einem Kerker Calabriens schmachtete, erschien bei keinem Fürstentage und wies des Kaisers Bothen mit Hohn zurück 2). Er wurde daher, ohne Vertheiüiger, und gehaßt von den meisten Fürsten als Unge. horsamer gegen Kaiser und Reich, feierlich als Reichsfeind erklärt, mit dem Reichsbanne belegt s) und derselbe im ganzen Reiche, vorzüglich durch kaiserliche, alle Gründe dieses Urtheiles umfas- lites et satellites cočgit ad solvendum. Mitiora suasit ac rogavit Domina Theodora Mater; sod Dux necessitate«! excusavit. Quare illa, seditionem timens, tandem aufugit. Exasperati enim subditi ob tributi novitatcm, qui etiam nimium insolentes in alterutrum Dnceni rigide jndicantem noluerunt ferne, conjurarunt. Et' sicut, qui conferee Principi ultra consultum debent, per impatientiam fiunt impotientes linguae, falsa multa ac turpia ab aliis commissa tamquam a Duce pcrmissa, vel etiam jussa essent, eidem falsis rumoribus, praeter vectigalia af-flgentes, apud Imperatorem alium Dominum petebant. Hie duci, quia dotem non solvit, aliunde arm a intentans - —." *) Godofr. Colon. Anno 1237. — Chron. Claustroneob. — Cliron. Melli-cens. Pez. I. p. 239: „Conjuratio exitiabilis contra Fridericum Du-cem Austriae et Styriae facta cst, hicque a suis optim atibu s de-seritur. Viennensis civitas et aliae munitiones, tarn castella quam ci-vitates, clauduntur eidem: rapinis, incendiis, continuis bellis terram inquietare non desistentibus.“ Chron. Claustroneob. ap. Rauch. Anno 1236: „Fridericus, Dux Austrian et Styriae, saepe vocatur ad curiam ab lmperatore Fridcrico et venire contemnens tandem sententiam proscriptionis coram multis prin-cipibus incurrit, tarn propter quaerimoniam multorum praelatorum, ec-clesiarum et potentiae saecularis. Posten imperator misit in Austriam, interdixit ei gratiam suam, auxilium et consilium.“ 3) Chron. August, ap. Freher. I. 372. Anno 1236 : „Fridericus, Dux Austritte et Styriae, ab lmperatore proscribitur apud Augustam. 147 Herzogen. Z. 1192—1246 n. Chr. sende Schreiben ') an den König von Böheim, an den Herzog von Baiern, an den Erzbischof zu Salzburg, an den Patriarchen von Aquileja und an die Bischöfe zu Regensburg, Freisingen und Passau, verkündigt. Der Kaiser, durch Krieg in der Lombardie beschäftigt, übertrug die Vollziehung der Reichsacht dem Könige von Boheim, dem Herzoge von Baiern und den benachbarten Fürsten mit dem Befehle, den wiüerspänstigen Herzog aus Krain, Steiermark und Oesterreich zu vertreiben und diese Länder im Namen des Reiches in Besitz zu nehmen 2). Die Angriffe aus Friedrichs Länder begannen $0^;c^s%ct nun wirklich im Herbste des Jahres 1236. Der Reich-acht. Einfall „ . der Reichsheere tn Böhmenkonig war über Oesterreich lensetts der Do- Friedrichs wntet. nau hereingefallen, und der Baiernherzog Otto, vereint mit den Bischöfen Rüdiger von Paffau, Seifried von Regensburg und Konrad von Freisingen, im Lande Oesterreich bis an die Enns oorgeürungen. Herzog Bernhard von Kärnten, Berthold, Patriarch von Aquileja und der streitgeübte Bischof Ekbert von Bamberg hatten sich in Friedrichs Landtheilen in Krain und im Lande Steiermark festgesetzt 3) — überall von zahlreichen, mißvergnügten und raubsüchtigen Edelherren mit Freuden ausgenommen und unterstützt; wobei Gewalt, Brand und Verheerungen alle frühere Härte Friedrichs weit überbothen 4). 10 * *) Litt. Friderici II. Imper. ap. Hanthaler. Fasti Campil. I. 832—841. Herzogs Friedrich Charakterharte und offenbare Vergehungen gegen Kaiser und Reich , wider Recht und Klugheit lassen sich eben so wenig entschuldigen, als alle im kaiserlichen Schreiben für Herzogs Friedrich Vcrurtheilung angeführten Gründe als wahr und genügend anerkennen. z) Pernoldus. Anno 1236. — Hanthaler. I. p. 821 — 830. Au Augsburg am 27. Juni 1236 schon hatte K. Friedrich II. mit dem Böhmenkönige und mehreren Reichsfürsten ein Angriffsbündniß gegen H. Friedrich geschloffen: Fridericum Ducem Austriac et Styriae contra nos, honorem et dignitatem nostram et Imperii gravia nimis et illicit» molientem. — Mon. Boic. XXX. I. 245-246. Chron. Salzb. Anno 1236: „Rex Bocmiae ad mandatum Iinperatoris vastavit Austrian:; et Dux Bavarian et Episcopus Pataviensis obsede-runt civitatem Lincz et infeeto negofio recesscrnnt, et Patriarch» Aquilejcnsis cum Episcopo Bambergens! Styriam hostiliter intrantes ecclesias spoliaverunt. *") Pernoldus. Anno 1236: „Inmisit Imperator in cum regem Bohoemiae, Ducem Bavariac et multos alios ex Principibus, qui Austriam, Styriam, Carnioliam occupaverunt vastatione ingenti. Hane rebelles subditi longe acerbius persenserunt, quam gravamina Ducis (Friderici).“ — Chron. Mellicens. et Claustroneob. Pez. I. 239. 457. — Godofr. Colon. Anno 1237. 148 Steiermark unter den Babenbergischen H. Friedrichs tapfere Von allen Seiten o(|'o furchtbar bedrängt, ver-Gegenwehr. (or grieörict) weder Muth noch Besinnung. Er verboth allen Handel mit Lebensmitteln im Lande ob der Enns nach Sötern zu Wasser und zu Lande Er rüstete sich zum kräftigsten Widerstande — nicht ohne neue Bedrückungen und Ge-waltthaten vorzüglich an Burgen, Kirchen und Klöstern '). Den treueschwankenden Wienern gab er Freiheit, vor den heranrücken-öen Feinden die Thore zu öffnen; er selbst zog sich von seinem festen Schlosse Mödling in die feste Neustadt zurück, und schloß sich daselbst ein vor den ersten Anfällen, mit wenigen Getreuen (cum electa militia) * * 3 *), mit Albert von Bogen, Anselm von Justingen, mit dem Erzdiakone Leuprand von Kärnten, dem Mar-schalle Bertholü von Treu», dem Truchsäß Berthold von Emmerberg, Gunüaker von Stahremberg, Dietrich und Ortolf von Wol-kcnstein, Albert von Rußberg, Ulrich von Chienberg und Kolo von Frauenhofen. g Friedrichb-I f i Nun war aber auch noch der Kaiser Friedrich ert das Weibnachts- II. selbst im Spätjahre aus Italien aufgebrochen ") fest in Grätz, und „ . sießt bann nach und wahrend Wien von den vereinigten Daiern und Böhmen besetzt und der Burggraf von Nürnberg zum Stadthauptmann eingesetzt ward, langte er in Steiermark an (sub hiemem ipse Caesar advenit), eroberte einige, dem bedrängten Herzoge treu gebliebene Burgen, bekam Agnes, die Gemahlin Friedrichs, gefangen, ließ sie in entfernter Gegend in festen Gewahrsam bringen 5), hielt feierlichen Einzug und blieb während der Weihnachten und bis über Neujahren Grätz B). *) Chron. Salisb. Pez. I. p. 355: „Dux Austriae clausit, nee per terram vel aquam annonam in partes superiores ire permisit.“ -) Chron. Austr. Anno 1236: „Deinde sequutae sunt rapinae et incendia et irruptiones claustrorum et ecclesiarum et castrorum.“ 3) Pcrnoldus. Anno 1236: „Fridericus Dux in nova civitate, quod cxpu-gnari non potuit, furoribus cessit.“ Z|) Im April dieses Jahres 1236 war K. Friedrich II. noch in Verona. Georgisch I. 993. s) Chron. Austral. Anno 1236 : „Tandem Imperator per Longobardiam subjugavit castra valde munita, multaque confregit, et uxorem Ducis abstulit, quod ei maximum dedecus fuit.“ — Richard, de 8. Germane. 1236. ft) Chron. Salzb. Anno 1237, bester 1236: „Imperator Graeza in M arch i a celebravit.“ — Chron. Lambac. apud Rauch. Anno 1237, besser 1236. 149 Herzogen. J. 1192 — 1246 n. Chr. Von Grätz eilte Kaiser Friedrich nach Wien '), wo ihn der Böhmenkönig Wenzel, Bertholö Patriarch zu Aquileja, die Erzbischöfe Seifrieü von Mainz, Dietrich von Trier und Eberhard von Salzburg, die Bischöse Ekbert von Bamberg, Setfried von Regensburg, Rüdiger von Passau, die Herzoge Otto von Baicrn und Bernhard von Kärnten, Heinrich Landgraf von Thüringen, und ungemein viele Grafen und Edelherren aus allen Rcichsstän-den umgaben. Er brachte den Winter in dieser Stadt zu, und handelte mit Oesterreich und Steiermark als Reichsoberhaupt wie mit verwirkten Reichslehen. Er ließ seinen zweitgebornen Sohn Konrad zum römischen König wählen, erhob die Stadt Wien zur Würde einer Reichsstadt und ertheilte ihr die entsprechenden Vorrechte und Freiheiten -). Gleiche Majestätsbriefe mit Bestätigungen, Rechten und neuen Gnaden gab er hierauf Allen, welche darum bathen. Im Februar 1237 bestätigte er dem Orden der deutschen Herren in Oesterreich, Steiermark und in der March Krain alle ihre Besitzungen, Freiheiten und Vorrechte, erklärte dieselben unter seinen und des Reiches Schutz gestellt, und befreit von allen weltlichen Gerichten, Diensten und Abgaben. Reben den schon oben genannten geistlichen und weltlichen Reichsfürstcn erscheinen als Zeugen in diesem Diplom, als Anhänger des Kaisers, Graf Ulrich von Pfannberg, Graf Wilhelm von Heunburg, Graf Hermann von Ottenburg, Leutold und Ulrich vonWildon, Friedrich und Hartnid von Pettau, Reimbert von Mureck, und viele andere aus der Steiermark 3). Drei volle Monate hatte so der Kaiser in Wien zugebracht, für die innere Ordnung der ein-gezogenen Reichslehen Oesterreich und Steier Befehle erthcilt 4) und auf die Unterwerfung des trotzigen Friedrichs vergeblich ge- *) Chron. Garst, ap. Rauch: „Fridericus Imperator per Canales et per Karinthiam armata manu Austrian» ingressus.“ — Anon. Leob. Anno 1238 (1236): „Hie Imperator anno 1238 transit per Lenken, civitatem Styriae, qui vocatus erat ab Australibus, ut eis provideret de Duce.1 *! -) Calles, Annal. Austr. II. 306. — In Urkunden des Stiftes Willhcring vom Februar 1236 finden wir in Wien in der Umgebung des Kaisers die steierischen Edelherren: Ramung von Kammerstein, Albert von Muerach, Heinrich von Scharffenberg, Switger von Hohenburg, Dietmar und Ulrich von Liechtenstein, Ulrich »nd Leopold Brüder von Wildon, Reimbert von Mureck. — Slülz, Gesch- von Willhering. p. 510. 3) Dipl. Styr. II. 181 — 182: „Acta sunt haec anno 1236 (richtiger 1237) mense Februario. Datum Viennae anno, mense, indictionc praescriptis.“ Godefr. Colon. Anno 1236: „Imperator apud Viennam, nobilem Austrian civitatem, de statu ejusdcm terrae sibi nuper subjugatae sagaci-ter ordinat.“ 150 Steiermark unter den Babenbergischen wartet Nun forderten aber die Reichsangelegenheiten seine Anwesenheit in Deutschland. Er setzte demnach den kriegserfahrnen und staatsklugcn Ekbert, Bischof zu Bamberg, als Reichsverweser oder Statthalter in des Reiches Namen in Wien ein und erhob sich nach Enns, um von dort weg das Osterfest (19. April 1237) in Regensburg zu feiern * 2). 1237 Bei seiner Ankunft in Grätz im December Majestätsbriese des * K Friedrich II. für des Jahres 1236 ist Kaiser Friedrich II. von den St. Lambrecht, -L>e- , ' ckau und für dasHer- gesammten weltlichen und geistlichen Ständen und zogth».nSte>ermark zahlreichen Edelherren festlich empfangen worden. Man brachte ihm alle, dem Oberhaupte der Länder des heiligen römischen Reiches gebührenden Huldigungen, und jetzt um so mehr dar, als die eigenwillige Herrschaft deö H. Friedrichs durch Verletzung aller brieflichen Ordnungen und Gewohnheitsrechte große Unzufriedenheit im Lande hervorgerufen hatte. Auch unterließ der Kaiser selbst keine Art von Gnadenbezeugungen gegen alle, dem Reiche und dessen Oberhaupte Treubewährten. Dem Stifte St. Lambrecht gab er am 7. December 1236 einen Majestätsbrief über alle Besitzungen und Rechte und nahm dasselbe unter besonderen kaiserlichen Schutz 3). Am 3. Jänner zu Grätz (apud Grez) erließ dieser Kaiser an Albero von Polheim den Befehl dem Rupert von Ense Einhalt zu ge-biethen, die von ihm schon drei Jahre geraubten Zinsen des Stiftes Seckau sogleich wieder zu erstatten, und sich vor allen Ver- *) Pernoldas. Anno 1237: Reversus est Imperator, qui Fridericum Ducem supplicem frustra exspectavit.“ 2) Cliron. Claustroneob. Anno 1237: „Deinde Imperator relinquens Au- strian) ingressus est Bavarian) et vices suas commisit Episcopo Bambergens! Ekkeberto.“ — Idem Chron. ap. Rauch. Anno 1238. — Chron. Mellicens. Anno 1238: „Fridericus Rom. Imp. ad expulsionem prae-dicti Ducis (Friderici) ad persuasionem Optimatium Austrian) ingressus in Vienna se tenuit; et cum id, quod conabatur, efficere non valuit, mense quarto Austriam egreditur, quibusdam comitibus re-lictis civitati pro praesidio.“ — Chron. Salzb. Anno 1237 : „Imperator Natale Domini apud Greze in Marchia celebravit et apud Vien-nam hiemavit et circa Pascha Austriam egrediens et episcopum Bam-bergensem ad impugnandum Ducem apud Viennam cum militibus dimisit.“ ■’) St. Lambrechter Saalbuch: „Datum apud Grätz (Graza) VII. Dec. 1236. Conventum S. Lamberti in Grazzluppa, homines tuns et bona sub nostrum et imperii protectionem suscipimns.“ Die Urkunde trägt zwar die Bezeichnung »1237,« aber irrig; weil K. Friedrich II. zu Ende desselben Jahres nicht in Grätz, noch in der Steiermark überhaupt gewesen war. — Dipl. Styr. I. 207—208: „Datum apud Graeze tertia Januarji, decima indictione.“ 151 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. unglimpfungen und Beschädigungen dieses Stiftes künftighin ferne zu halten Damals auch unterbreiteten die Lanüesstände und Ministerialen von Steier dein Kaiser die alten Handvesten ihrer Rechte und Vorzüge von den Herzogen Ottokar VIII., Leopold dem Tugendhaften, Friedrich dem Katholischen und Leopold dem Glorreichen, und baten um gnädige Bestätigung derselben, wozu sie sich früher seit dem kaiserlichen Großvater Friedrich I. niemals und jetzt nur durch die letzten Begebnisse mit Herzog Friedrich gedrungen sahen. Diese wichtige Angelegenheit der Stände und des Landes aber ward erst in Wien umständlicher besprochen, und der Majcstätsbrief darüber im Aprilmonate in der Stadt Enns ausgefertigt und mit dem kaiserlichen Siegel befestigt; — folgenden Inhalts: „Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit! »Friedrich II. durch Gunst göttlicher Güte römischer Kaiser, Körnig von Jerusalem und Sicilien. Es gereicht zur Zierde des „römischen Reiches, und die Pflicht kaiserlicher Würde fordert, „daß sie, für den Stand der Untergebenen gütig Vorsehung tref-„fend, sie selbst vom Joche der Unterdrücker befreie, die erprobten „Gewohnheiten und die Rechte derselben erneuere, und alles das, „was für ihre Wohlfahrt vorgesehen worden ist, beachte und mit „allgemeiner Gnade billige. Dies ist der Grund, warum wir wol-„len, daß durch den Inhalt dieses Majestätsbriefes allen gegen« „wärtigen und zukünftigen Getreuen unseres Reiches bekannt wer-„de, daß, da die Ministerialen und Landsleute von Steier, unsere „Getreuen, unsere Erhabenheit demüthig gebeten haben, daß wir „Uns würdigen möchten, sie in Unsere und des Stifters Beherr-„schung für beständig zu nehmen und zu halten, und keinem an« „dern zu überlassen, wie auch ihre Rechte und Gewohnheiten, „welche sie durch die Herzoge Ottokar von Steier und Leopold „von Oesterreich nach dem Inhalte ihrer Handvesten allbekannt „besitzen, durch fortwährende Gunstbilligung aus unserer Gnade „zu bestätigen — wir in Anbetracht der ungemeinen Treue und „aufrichtigen Ergebenheit, womit die vorgenannten Ministerialen Johanneums-Urkunde. — In einer zweiten Urkunde cn demselben 3. Jänner 1237 befahl der Kaiser allen Mauthnern und Zöllnern, die von den früheren llandesfürsten dem Stifte Seckau ertheilten Privilegien und Befreiungen auf das genaueste zu bewachen. Joh. Urk. — Boehmer, Regest, p. 188 -189. - Dipl. Styr. 1. 207-208: Datum apud Greze tertiaJanuarji decima indictione. 152 Steiermark unter den Babenbergischen „von (Steter, das Joch der Unterdrückung und der Ungerechtigkeit, »welches Unsere und deS Reiches Majestät so außermassen betet« »digte, von sich weisend, unsere und des Reiches gerechte und „milde Herrschaft mit ganzer Zuneigung umfaßt haben, nicht nur „Alle insgesammt, sondern auch die Einzelnen, sowol die Ministe-„rialen als auch unsere übrigen, in demselben Herzogthume Steier-„mark befindlichen Getreuen, unter unsere und des Reiches Herrschaft nehmen, auf daß sie nur von Kaisern und Königen, unfern »Nachfolgern, immerwährend gehalten werden sollen. Wenn jedoch „das Dringen der vorgenannten Ministerialen von (Steter bei unserer Vorsehung sich verwenden wird, daß wir dasselbe Herzog „thum aus unfern und des Reiches Händen irgend einem Fürsten, „welchen Unsere Erhabenheit als dazu würdig ausersehen wird, er-„theilen möchten, so versprechen wir, dasselbe Herzogthum nicht rote „bisher gewöhnlich gewesen, dem zeitweiligen Fürsten von Oesterreich „zu geben, indem Wir durch Uns' oder durch unsere Nachfolger, „Kaiser oder König, diesen Vorzug unserer besonderen Gnade, „welcher den besagten Ministerialen in Gemäßheit ihres besonderen „Verdienstes von Uns ist zu Theil geworden, durch Gewalt und „Ansehen dieser unserer Vorrechtöhanüveste gnädig bestätigen. Wir „bestätigen ihnen überdies alle bewährten Gewohnheiten und Rechte, „welche ihnen ehedem die vorbezeichneten Herzoge, Ottokar von „Steter und Leopold von Oesterreich freigebig bestätigt haben, so „wie sie in ihren Privilegienbriefen enthalten sind, und welche „Wir in ihren eigenen Absätzen ausdrücken zu sollen erachtet „haben. Nämlich: daß, wer immer unserer Getreuen von ©teter „mit einem von Oesterreich, oder ein Oesterreicher mit einem Stei-„ermörfer Verding (oder Handel-Vertrag) geschlossen hat, so soll »er Gewohnheiten und Rechte der Provinz genießen, in welcher „er sich aushält oder seine Wohnstätte erhält, weil wegen einzel-„ner Personen eine besondere Gewohnheit von der allgemeinen „keine Ausnahme machen soll '). — Auch die der Gerechtigkeit „widerstrebende Gewohnheit, welche die genannten Steirer unverschuldet durch ihre Fürsten dadurch zu bedrücken schien, daß ihre „Töchter und Söhne gewissermaßen gezwungen die Ehe eingehen ‘) Der Text der Ottokarischen Urkunde lautet ganz einfach: „Quicunque de Styria vel Austria contraxerint matrimonia, ejus provinciae jus habe-ant, in qua habitant.“ Im Majestätsbriefe K. Friedrich II. ist demnach dieser Punkt gänzlich umgeändert worden — und er spricht von einem ganz andern Gegenstände. Herzogen. J. 1192—1246 n. Che. 153 »mußten, heben wir als Eiferer öer Billigkeit gänzlich auf, indem „wir ihnen die Freiheit geben und in kaiserlicher Gerechtigkeit bc-»stätigen, daß sie ungehindert in Zukunft ihre Söhne und Töchter »denen, welche sie wollen, zur Ehe geben müssen. — Wenn irgend „ein Steirer ohne letztwillige Anordnung stirbt, so soll dessen »Erbe oder wer in der Linie der Blutsverwandtschaft der nächste „ist, in seinen Gütern folgen. — Entsteht zwischen Steirern ein „Streit, so soll kein Zweikampf oder Beweis durch einen Kämpfer »statt haben, wo taugliche Zeugen »orgebracht werden mögen, nach „deren Zeugniß die Streitfrage entschieden werden soll. Streitig-»feiten aber über Güter sollen vor den eingesetzten Richtern nach --Anhören öer Zeugenaussagen im gerichtlichen Vorgänge nach »Gerechtigkeit ausgetragen werden. — Bei Lehen heben wir die »Beschwerde, insgemein Anfall genannt, (quae An fei vulgo vo-„catur) als den guten und ehrlichen Gewohnheiten zuwider, gänzlich „auf. Aus angeborner Gnade unserer Güte setzen wir auch durch Ge-„walt dieses gegenwärtigen Majestätsbriefes fest, daß die Töchter «in väterlichen Gütern Nachfolgen sollen, wenn männliche Erben «derselben fehlen^ damit dadurch das väterliche Andenken in Söh-»nen sortgepflanzt werde. — Wir setzen überdies fest, daß von »Andern erworbene Lehensgüter, wenn sie gleich von dem Lan-„desherrn ins Eigenthum gekauft worden sind, demjenigen, welcher »sie nach Lehenrecht besitzt, belassen werden sollen. - Weiter qc-»statten Wir denselben unfern Ministerialen und andern Landsleu-„ten von Skeier, ihre Güter zu verkaufen oder zu verschenken. »— Im Ueberströmen unserer Gnade befreien wir auch das Her-„zogthum Steter und dessen Bewohner von Anforderungen und »von Last der Beschwerungen, welche durch die Amtleute von »Oesterrreich gemacht und aufgeboten zu werden pflegen. — Wir »geben ihnen auch die Erlaubniß, daß, wer immer von Steiermark --auf seinem Eigengrunde eine Kirche bauen oder von seinen Gü-„tern aus frommem Sinn den Kirchen spenden möge, dies zu thun „befugt sey. — Zu diesem verordnen wir kraft unserer Macht, »die wir führen, bestätigend, daß den oft genannten Ministerialen »und Landleuten von Steier die Leute ihres Eigenthums, welche »auf ihren Gütern aus welche Art immer eingesetzt sind, und die „in Städten oder Märkten, welche tin ganzen Lande errichtet und »mit Freiheit begabt sind, aus Anlaß eben dieser Freiheit ohne „Erlaubniß ihrer Herren, welchen sie zu eigen sind, fliehen, dem «Herrn und Eigenthümer wieder zurückgeliefert werden sollen. — 154 Steiermark unter den Babenbergischcn »Mit dem kräftigen Vorsatze, auch für unsere und unserer Nachfolger, wie auch der oftgenannten Steirer Wohlfahrt zu sorgen, »setzen wir fest, daß alle Mauthen im ganzen Lande Steier, welche »in ihrem Erträgnisse über die Gebühr belastet worden sind, zur »Summe der Erträgnisse, welche sie zu den Seiten des vorge-„ nannten Herzogs Leopold bezahlt haben, zurückkehren sollen um »daß es keinem Landesfürsten erlaubt seyn solle, über dieses Fest, »gesetzte durch was immer für Forderungen zu beschweren. Auch »die Münze, welche zufolge leidenschaftlicher Habsucht alle Jahre »zum gemeinsamen Nachtheilc der Bewohner desselben Landes er-,,neuert zu werden pflegte, wollen wir, daß sie ohne gemeinsamen »Rath der ersteren Ministerialen von Steiermark auf keine Weise »erneuert werden, und daß die neue Münze im ersten Gewichte „fünf Jahre fortzudauern habe. Wir setzen also fest und ordnen »mit kaiserlicher Urkunde an, daß Niemand, weder eine hochge-„stellte noch niedrige, weder öffentliche noch private, weder kirch-»liche noch weltliche Person gegen das gegenwärtige Bestätigungs-»handvest in kühner Verwegenheit zu handeln wage; und wer es „wagt, sott mit hundert Pfunden reinen Goldes zur Hälfte für »unfern Fiskus, zur Hälfte für die, denen Unrecht geschehen ist, »gestraft werden. Auf daß aber diese unsere Bestätigung die Kraft „beständiger Festigkeit erhalte, haben wir die gegenwärtige Urkun-»de aufzurichten und mit unserem Majestätssigille zu bezeichnen »befohlen. Dieser Sache sind Zeugen: die Erzbischöfe Seifried »von Mainz und Eberhard von Salzburg; die Bischöfe Ekbert »von Bamberg, Sigsrieü von Regensburg, kaiserlicher Hofkanzler-»Rüdiger von Passau, Konrad von Freisingen, Otto Pfalzgraf „bei Rhein, Herzog in Baiern, Heinrich Landgraf von Thü-„ringen, Pfalzgras von Sachsen, Bernard Herzog von Kärn-»ten, Hermann Markgraf von Baden, Konrad Burggraf zu »Nürnberg, Gottfried von Hohenloh, Friedrich von Truhendin-„gen, Graf Hermann von Ortenburg, Graf Hartmann von Ty. „lingen, Graf Wilhelm von Hainburg, Graf Konrad von Har-»deck, Heinrich von Schauenburg, Heinrich von Brune, Jremund „von Hintberg, Hadmar von Sunenberg u.v.A. — Handlung um „seres Herrn Friedrichs II. von Gottes Gnaden unüberwinülich-»sten römischen Kaisers, von Jerusalem und Sicilien Königs. — „Dies ist geschehen im Jahre der Menschwerdung 1237 im Mo- Herzogen. Z. 1192—1246 n. Chr. 155 „nate April. — Gegeben zu Enns im Monate wie oben gezeich-„net ist — Während aller dieser Ereignisse finden wir in t keinem einheimischen Dokumente Andeutungen, daß dieselben aus eines der vaterländischen Institute besondere verderbliche Rückwirkung geäußert hatten. Der Patriarch Berthold von Aquileja hielt im Mai deS Jahres 1237 eine Kapitelver-sammlung in ttöine, wobei anwesend waren: Friedrich Bischof von Conrordia, Jakob erwählter Bischof von Mossach, Propst Johann von St. Stephan, der Erzdiakon von Billach Berthold und die Aglajerdomherren, Meister Philipp und Gerard. Mit Einstimmung seines Kapitels gab er den Karthäusern zu Seiz den 29. Mai 1237 einen Bestätigungsbrief über die Zehenten in den Pfarren Gonowiz, Kätsch, Schleiniz und St. Leonhard, so wie dieselben die Herzoge Ottokar von Steier und Leopold von Oesterreich und Steier geschenkt hatten -). Gleicherweise im Mai-monate verbrieften das Stift zu Rein und die Brüder Leutold und Ulrich von Wildon einen Tauschoertrag der Bille Grebingen für wilüonische Besitzungen zu Hetzelsdorf im Kainachthale; wobei zu Zeugenschaft standen, Heinrich Bischof zu Seckau, die Ritter Pellung und Pabo von Liboch, Dietmar von Bonstorf, Ortolf von Lemsniz, Friedrich von Köflach, Hermann von Götenberg u. v. A. l * 3). Am 22. Juli 1237 belehnte Abt Konrad von Admont den landessürstlichen Amtmann Diepold zu Leoben mit den Zehenten von den sogenannten Borlehen der aömontischen Höfe zu Tollnich (Tollnichbach) an der Liesing bei St. Michael auf Lebenslang und mit der Bedingung des gänzlichen Heimfalles nach dessen Tode. Zeugen der Belehnung waren Heinrich der Priester (Pfarrer) von Jaring, Walchun von Timersdorf, Heinrich Marschall, Friedrich der Jäger u. A. 4). — Wie wenig l) Nach Lünig, Reichsarchiv Contin. II. 141 — 142. hatte der Kaiser diese Urkunde mit goldener Bulle gegeben. — Landhandvest des Herzogthums Steier 1697 p. 10. — Auch in Stremiii Handvesten, Freiheiten re. des Erzherzogthums Oesterreich. — Einer Paffauer Urkunde zufolge war der Kaiser Anfangs April in Wien, vor dem 18. Mai aber schon in Regensburg. — Gerald, ad Hund. Metrop. II 379. p. 180—181. ") Dipl. Styr. II. 83 — 84. — Pez. Codex. Epist. II. 92. 3) Reiner Urkunde. 4) Admonter Urkunde. XX. 48: „Ad petitionem fidelis et devoti viri nostri pro vidi et discreti Domini Diepoldi Offlcialis de Leoben — Deciinas a 156 Steiermark unter den Babenbergischen übrigens Herzog Friedrich non den Landesedeln imJ. 1238 verlassen war, bewährt seine Urkunde im Juni 1238 für das Stift Gleuneck, in welcher ihn auf dem Schlosse zu Himberg umgaben: Vischof Ekbert von Bamberg, Konrad und Liebold Grafen von Hardest, Anselm von Vistingen, die Brüder Bernhard und Heinrich von Schauenburg, Otto von Slcuze, Rapoto und Hadmar von Falkenberg, Lcutolü und Konrad von Hohenstauf, Heinrich von Hackenberg, Hadmar und Heinrich von Kuenring, Gundaker und Dietmar von Steier, Konrad und Seifried von Himberg, Otto, During und Dietrich von Volkenstorf u. v. A. '). stiftsianMn Wo- L" diesem Jahre verzehrte eine Feuersbrunst einen großen Theil des Stiftes Borau ; wobei nicht Prterbei Judenburg nur eine große Menge älterer Urkunden, Saal-'Ln'tm sanbc.' bücher und Handschriften zum unersetzlichen Verluste für die vaterländische Geschichte zu Grunde gegangen ist, sonöe.rn auch Propst Bernard II. selbst bei der Rettung einiger der wichtigeren Documrnte des Stiftsarchives in den Flammen sein Leben verloren hat Am 18. Oktober war auf Seckau gestorben der Propst Wolfram von Herberstorf und ihm in der Würde nachgefolgt Konrad von Stubenberg. In Jps im Lande unter der Enns am 17. April 1239 schenkte Friedrich dem Bisthume Seckau die Pfarre St. Peter bei Judenburg mit folgenden Worten der Urkunde: «Kund und zu wissen sey allen Ge-«genwärtigen und Zukünftigen, daß wir in Ehrfurcht vor der se-«ligsten Jungfrau Maria unserem geliebten Freunde Heinrich, «ehrwürdigen Bischof zu Seckau, in Gewogenheit für die ausge-«zeichneten Verdienste, das Patronatrecht und alle andern wie tm« «mer benannten Rechte, welche wir auf der Kirche Sk. Pe-»terö oberhalb Judenburg am Murflusse gelegen, gesetzlich besitzen, „als rechtmäßige Schenkung ihm und allen seinen Nachfolgern ge. «geben haben * * 3).« Zu Padua am 22. April 1239 besiegelte der duabus curtibus Solnich et vel ex Ins duxtaxat culturis, quae dicuntur Vo r a e g rin.“ Acta sunt haec anno 1237. XI. Kal. Mail. Datum apud Admuntem. *) Sr. Kurz. III. 342-343. -) Caesar, Annal. II p. 168 —169. 3) Dipl. Styr. I. 310—311 : Jus patronatus et cetera jura — quae in Ecclesia 8. Petri sita supra Judenwurch prope fluvium Muoram no-sciinus legitime obtincre. Acta sunt haec apud Ips, anno 1239. XV. Kal. Maji. Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. 157 Salzburger Erzbischof Eberhard II. für das Bisthum Seckau die Versicherung, daß er alle in Steiermark befindlichen Lehenguter, welche ehedem der hochstistische Ministerial Karl non Guntach innegehabt, and welche er eigentlich durch die unerlaubte Heirath mit einer salzburgischen Hörigen erwirkt hat, zu besserem Unterhalte des Bischoses geschenkt hatte. AlS Zeugen unterfertigten sich Meister Heinrich erzbischöflicher Protonotar, Witego Notar, und Meister Gottschalk Pfarrer von Klamm Am 1. December 1239 leistete Hartniü von Ort dem Bischof zu Seckau schriftliche Gewähr, alle, durch seine Veranlasiung demselben zugezogenen Beschädigungen zu ersetzen, so wie die entrissenen Guter innerhalb bestimmter Zeit wieder zurückzustellen bei hundert Friesa-cher Marken Geldstrafe, und mit Vorbehalt der weitern gerichtlichen Klage des Beschädigten. Die Handlung war geschehen in Wien im Hause des Bürgers Dietrich aus der Hölle vor Otto Herrn von Grätz, Gottfried;öcm Kapellan und Witego dem Notar des Bischoses "J. Am 13. Juli 1239 im deutschen Ordenshause tett zu Grätz gaben Heinrich von Gravenstein und Ul- bcl,ttocn@°Pcn- f“v rich von Truchsen die Einwilligung zur Schenkung, welche ihr Bruder Cholo mit zehn Marken jährlicher Renten in Syrnich dem Hospitale der h. Maria deutschen Ordens zu Jerusalem gemacht hatte, vor den Zeugen: Ottacher von Lichtenbcrg, Wülfing und Hartnid von Leibnitz, Heinrich und Eckard von Doberrnge, Meinhard von Zemätisdors, Heinrich von Pernek, Pfarrer zu Grätz aj. Als in diesem Jahre der Äärtnerherzog Bernhard zu Fridoloseiche eine Gerichtsverfammlung hielt, verbriefte die Gößer Aebtissin Kunigunde dem herzoglichen Ministerial Konrad von Nußberg, ihrem Vasallen, die Belehnung mit Gütern zu Wehoiwe, welche derselbe früher pfandweise besessen hatte, auf lebenslang, und schloß mit dem Herzoge selbst einen Vertrag über eine Ministerialin, welche verheirathet, und die auS ihrer Ehe erzeugten Söhne zwischen dem Stifte Göß und dem Herzoge getheilt werden sollten. Unter den Versammelten waren auch: Ulrich der Propst *) Dipl. Styr. I. 311: Actum Paduae Anno 1239. X. Kal. Maj. 2) Dipl. Styr. I. 311—312: Acta sunt haec in Domo Dietrici ex inferno, Civis apud Vicnnam in Kal. Decembr. Anno 1239. 3) Dipl. Styr. II. 183: Datum Anno 1239. III. Idus Julii in Domo prae-dictorum fratrum in Gracz in die 8. Margaretbae. 158 Steiermark unter hen Babenbergischen von Völkermarkt, Wickarü und Heinrich von Karlsberg, Gottfried von Hauenberg, Hartnid von Tyven, Heinrich von Krich, Otto von Steinbüchel, Zachäus von Himmelberg, Albert von Nußdorf, Herwik von Krotendorf u. o. A. Anbegin^rGrün. 5n diese Zeit füllt der Anbeginn öesNonnen-cung us Nonnen- klvsters su Gnaöenbrunn (Fons gratiae) in Stu-denitz. Im Jahre 1237 schenkte Richza, Gemahlin Herrn OttoS von Königsberg, mit dessen und ihrer Söhne Einwilligung von ihren väterlichen Erbgütern zwanzig Mansus auf der Ebene (in campo) zu Drasgoi, Drasgoisöorf und Mamol, zu ewigem Zinse am Gnadenbrunn, wo ihre Schwester Sophie bereits eine Kirche und ein Hospital gegründet hatte (ecclesiam et domum hospitalem), wobei sie zugleich alle Spenden ihrer Schwester bestätigte und auf alle Erbansprüche feierlich verzichtete, vor Friedrich von Pettau, Rupert Pfarrer von Peilstein, ihre-Kapellans Johann und des Burggrafen Reinholö. BiS zum Jahr 1243 war dann das Hospital in Studenitz bereits in ein Nonnenkloster umstaltet worden. Denn im Jahre 1243 mußte Peter, Pfarrer zu St. Georgen in Gonowitz, auf Anordnung des Patriarchen Peter von Aquileja zwischen seiner Kirche und dem Nonnenkloster zu Gnadenbrunn folgenden Tauschvertrag schließen: »Die Kirchen zu Peltschach und Lapriach mit ihren uralten Pfarr-,,rechten (cum integro jure ecclesiastieo ex antiquo possesso) „wurden an Studenitz abgetreten für die Kirche St. WenzeslauS »und Teinach, so daß auch die Grenzen derselben gegen die Pfarre „Gonowitz durch die beiden Wasser Veistritz und Kestenbach ge-»bildet werden, und die am dritten Bache Leisnitz gelegenen Dör-»fer mit dem Zehenten demjenigen Theilc zufallen und gehören »sollen, in dessen Gerichtsbarkeit sie liegen. Zeugen dessen waren: »Rupert Dechant von Königsberg, Johann Pfarrer zu Puls-»gau, Pappo von Lengenberg, der Prior Burchard von Seiz »und mehrere Bürger von Gonowitz l) 2)." s. 1237-1240. Die Reichsstatthalterschaft in Wien führte Bi--das Reichsheer bei schof Ekbert von Bamberg nur gar kurzeZklt. Er starb noch in dem Jahre 1237 und fand sein Grab l) Dipl. Styr. i. 64 — 65: Acta sunt haec in Vvldoloseyche anno 1239. z) Studenitzer Urkunden im Johanneum. 159 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. in der Schottenkirche zu Wien '). Nun erhob sich sogleich der Burggraf Konrad von Nürnberg, Feldhauptmann der Reichsarmee in Oesterreich und suchte sich mit den ausgebotcuen Steirern in Verbindung zu setzen, welche bereits über den Semmering her nahe vor Neustadt standen; mit welchen und mit dem Patriarchen von Aguileja und Bischof Rüdiger von Pafsau er nun Neustadt ringsum einschließen wollte. Herzog Friedrich jedoch, durch öeS Kaisers Abzug aus dem Lande ungemein ermuthigt (animo insu-perabilis) fiel, mit dem von dem Grafen Albert von Bogen herbeigeführtcn Hilfsschaaren vereinigt, sogleich aus dem Steinfelde bei Neustadt über den Burggrafen her, schlug ihn nach blutiger Niederlage in die Flucht, und bekam die beiden Bischöfe von Freisingen und Passau, und viele Edelherren zu Gefangenen l * 3). Friedrich benutzte schnell seinen Sieg, warf sich über seine vereinzelten Feinde, erstürmte zahlreiche Burgen, und verbreitete allgemeinen Schrecken 4 5). Die aus Steiermark abermals hereingebrochene Heeresschaar sollte ihm Einhalt than. Allein Herzog Frie-drich drang, während sie raubten und verwüsteten, mit solchem Ungestüme auf sie ein, daß AlleS, was seinem Schwerte entrinnen konnte, eiligst über die Gebirge wieder heimfloh a). Von dieser Seite her sicher, eilte er mit einem zahlreichen Heere (denn viele Edelherren erklärten sich jetzt wieder offen für ihn) über die Donau, und schlug die Böhmen aus dem Lande. Alle diese Siege und daß er nach kurzer Haft die gefangenen Kirchenfürsten auf l) Chron. Austr. Anno 1238 (1237). — Cliron. Lambac. ap. Rauch. Anno 1237: „Qui eodem anno in pace qnievit.“ — Chron. August. Anno 1237: „Defuncto aulcm eodem anno Episcopo memorato (Ekbcrto).“ ') Chron. Claustr. Rauch. I. p. 31 : „Sed imperator infccto negotio di-scedens Ducem strenuum rebellantcm in terra rcliquit.“ 3) Chron. Claustroneob. ap. Pez et Rauch. Anno 1237: „Hi terrain et civitatem Vicnnenscm Hurggravio de Nierenberch commendaverant, qui collectis multis venit versus Novam civitatem, loquuturus Patriar-chae Aquilejcnsi et Styrcnsibus. In reversione sequutus est cos Dux cum comite de Bogen et fugavit cos, cum haberent decem contra unum cepitquc duos episcopos, Patavicnsem et Frisingcnscm.“ — Chron. Aug. et Australe. Anno 1237. — Chron. Salisburg. Anno 1236. — Hansiz. I. 377. 4) Chron. Claustroneob. Pez. I. 457: „Post recessum Dux in brcvi quin-que c astra obtinuit.“ 5) Chron. Claustroneob. Pez. I. 457. Anno 1237: „Dcinde Styrienscs conduct! ab Imperatore Austriam intraverunt cum exercitu ad conser-vatorem terrae, sed magis venerunt ad desolationem, quia in brevi nonnullis suis interfectis et captis cum confusione ad propria sunt reversi.“ — Chron. Claustroneob. ap, Rauch. Anno 1238. 160 Steiermark unter den Babenbergischen freien Fuß gesetzt hatte, wendete ihm fast das ganze Land wieder zu, so, daß Graf Otto von Eberstein, welchen der Kaiser nach dem Tode des Bischofes Ekbert zum Reichsverweser in Herzog Friedrichs Ländern ernannt und mit einem starken Heerbanne (im November 1237) nach Oesterreich gesendet hatte, fast das ganze Land, ja selbst auch die Bewohner Wienö mehr für den tapfern Herzog Friedrich als für den Kaiser gestimmt fand; und daher, da der vorsichtige Herzog seiner Ucbermacht bei Tulln ausgewichen war, keine entscheidende Waffenthat unternehmen konnte '). H. Friedrich bis zum Herzog Friedrich trachtete jetzt vor allem, den J' fdu?r's'äntcv?cv' mächtigsten Feind, den Böhmenkönig Wenzel, zu versöhnen; da dieser eben schwankend und im Begriffe war, sich vom Kaiser loszusagen (I. 1238). Wirklich gewann er ihn durch die vorläuffge Versicherung, ihm das ganze Land Oesterreich jenseits der Donau abzutreten, wenn er zur Wiedereroberung der übrigen Länder nachdrückliche Hilfe leisten wolle "). Nun suchte Friedrich den Reichsstatthalter, Otto von Eberstein, vor dessen Macht er früher gewichen war, selbst auf, und schlug ihn bei Tulln gänzlich * * 3). Sodann verstärkt durch die böhmischen Hilssvölker machte er sich im Laufe der beiden Jahre 1238 und 1239, theils durch Gewalt, theils durch Großmuth und Güte gegen die mächtigsten und sehr unoerläßlichen Eüelherren, wieder zum Herrn des Landes 4). In Steiermark jedoch hatte *) Pernoldus. Anno 1238. — Cliron. Austral. Anno 1238 (1237). — Cliron. Claustroneob. Pez. I. 457. Anno 1237: „Circa vindemiam, quae satis sterins fuit ipso anno, venit comes de Eberstein cum aliis nmltis ex praeecpto Imperaton’s; cui Dux occurrit circa Tulnam cum suis. Cui cum resistere minime valeret, reversus est ad castra sua. Qui comes in Vienna manens sine effectu, quia nulli se committere audebat propter infidclitatem, quae tune regnabat in terra.“ — Chron. Lambac. ap. Rauch. Anno 1237: „Quo facto Imperator alium exercitum videlicet comitem de Eberstein et comitem de Henneberg cum aliis duobus co-mitibus et ministerialibus de Styria ad debellandum praedic-tum Ducem in Austrian! destinavit.“ — Hanthaler. I. 845—850. -) Cliron. Austral. Claustroneob. Zwettl. Anon. Leob. ad Annum 1239 (1238). — Pernoldus. Anno 1240. — Cliron. Claustr. Anno 1241. 3) Pernold. 1238: „Licet Imperator — Ebensteinium cum novo excrcitu mitteret — ap ud Tulnam contritum — —.“ 4) Pernoldus. Anno 1238: „Eridericus — auxilio regis Boliemi, qui a Cae-sare recessit, omnes provincias, inagis nitro deditas quam ceptas, maxima ex parte recuperavit. Erant enim Nobilium affectus vagi et in-constantes, non jure sed petulentia hue et illuc moti, et nunquam sibi constantes, semper autem sibi ipsis malum cedentes.“ 161 Herzogen. A. 1192—1246 n. Chr. er durch seine frühere eigenwillige Herrschaft solches Mißtrauen hervorgerufen, daß man ihm eben so, wie in Oesterreich, länger und kräftiger von Seite der Vordersten — Ministerialen und Lanüleute — der Städte und befestigten Schlösser Widerstand leistete ]). Indessen war er bis in den Sommer des Jahres 1239 schon solchergestalt wieder Herr in Oesterreich, daß der Landgraf von Thüringen Heinrich, Raspe zugenannt, (nachher im Jahre 1246 Gegenkaiser) um Friedrichs jüngste Schwester Gertrude freite, und daß Vermählung und Beilager im Monate Juli zu Neustadt mit fürstlicher Pracht gehalten worden sind * 2). Inzwischen aber hatten die italienischen Singe- vollkommene Verlegenheiten wieder zum offenen Zerwürfnisse zwi- fihn»ng o-s Ka.s-rs ,, ' ... , ' '' mitdemH.Friedrich. schen Kaffer und Papst geführt, so daß Gregor IX. am Palmsonntage, 20. März 1239, abermals über den Kaiser den Bannfluch ausgesprochen hat. Kaiser Friedrich mußte daher die Gunst der Reichsfürsten nicht nur festhalten, sondern auch seine Gegner möglichst zu versöhnen trachten 3). Hierin war wol nichts wichtiger, alS dem Böhmcnkönige, welcher offen zur Par-thei des Papstes übergetreten war, durch Herzog Friedrich einen mächtigen Gegner entgegen zu stellen. Geraume Zeit her war der salzburgische Erzbischof Eberhard II. bemüht, eine Versöhnung zwi. schen Herzog Friedrich und dem Kaiser einzuleiten und zu bewirken. Zugleich verkündigte aber auch der Passauer Erzüiakon Albert von Böhmen den über K. Friedrich ausgesprochenen Kirchenbann überall mit fanatischem Eifer und forderte die Oberhirten zu solcher Strenge auf, daß er darüber mit den Bischöfen von Passau, Augsburg, Würzburg, Eichstädt und mit dem Erzbischof Chron. Austr. Anno 1239: „Hoc anno Dux Austriae cum sibi adhae-rentibus magnam copiam frumenti et vini collegit, et resistentes sibi in quantum potuit, debellavit. Majores tarnen tarn in Austria quam in Styria, ministeriales et civitates, for titer resist e-bant ei; quia Duels fidei se committere non audebant.“ — Chron. Mellicens. Anno 1240: „Fridericus, Dux Austriae et Styriae, propter frequentes victorias, quibus suos adversaries crebro attrivit, auctus viribus Vienuam potenter obsedit. — Post cujus redditionem praedicto Duci prosperis succedentibus obtimates ad eum redeunt —etc.“ 2) Chron. Mellicens. Anno 1239. — Pernoldus. Anno 1239: „Inter arma et bella Dux animo insuperabilis nuptias fecit Gertrudi sorori suae cum Heinrico Landgravio Thuringio in nova civitate Mense Junio.“ 3) Pernoldus. Anno 1240: „Interim Caesar a Papa excommunicatus et quaercns favorem Princip um — Legates in Austrian) misit etc.“ 11 Gesetz. o. Steiermark. — V. 580. 162 Steiermark unter den Babenbergischen Eberhard von Salzburg zerfiel. Er sendete sogar an H. Friedrich Bothen, mit dem Verlangen, die, verschiedenen Kirchen entzogenen Rechte wieder zu erstatten, und mit dem Könige von Böheim wider K. Friedrichu, gemeine Sache zu machen. Friedrich wies aber diese Bothen mit Beschimpfung und Hohn von sich. Dieses Be-gedniß berichtete Erzbischof Eberhard II. sogleich dem Kaiser und schilderte sie zum Vortheile des Herzogs mit lebhaften Farben. So erhielt K. Friedrich II. selbst die günstigste Gelegenheit und Veranlassung, sich mit Herzog Friedrich auszusöhnen, seine Ge-waltbothen sogleich zur Unterhandlung mit ihm nach Oesterreich zu senden, und nach geschlossener Uebereinkunft ihn feierlich (am Wcihnachtstage 1240) in seine Länder wieder einzusetzen ')■ 3.1241—1242. Bald darauf eilte Herzog Friedrich nach Grätz, ij jntmd.iu uit. er feine Gemahlin Agnes von Meran, von welcher er 4 Jahre getrennt war, in Geleitschaft der Kirchen-obcrhirten: Berthold von Aguilcja, Eberhard II. von Salzburg, Heinrich von Seckau, und Rüdiger von Passau wieder empfing. Dieses Begebniß und die Wiedervereinigung mit den Ständen und Eöeln des Landes wurde mit großen Festlichkeiten und Turnieren gefeiert l 2). — Nachdem Herzog Friedrich dem Sigfrid von Gutenstein, seinem Dienstmanne, die Erlaubniß ertheilt hatte, sowol von seinen Eigengütcrn als auch Lehen der Kirche Spenden zu machen, — bestätigte er am 6. Jänner 1240 die Schenkung, welche Olleis, die Witwe Reichers von Guttenstein, dem Stifte Seckau mit einer Hube zu Würflach, einem Weingarten in der Aue, einer Waldung am Tirenberg in Oesterreich und einer Hofstatt in l) Pernoldus. Anno 1340: „Caesar legatos in Austriam misit, qui Duci gratiam et pacem attulerunt.“ — Chron. Mellic. 1240: „Legati Impe-ratoris veniunt, laetum nuntium videlicet gratiam Imperatoris portan-tes eidem.“ — Chron. Salisb. Anno 1339. — Anonym. Leoh. Anno 1340: „Fridericus Imperator contulit Sibi (Friderico) suas terras, Austriam et Styriam.“ — Chron. Erford. ap. Schanuat. Anno 1339 : „Austriae Dux honoris satisfactione texata, restituitur.“ Diese seine Bersöhnung mit dem Kaiser im I. 1240 zeichnete Herzog Friedrich sogar in der Bestätigungs-Urkunde der Freiheiten des deutschen Ordens in seinen Ländern an: „Viennae in nativitate Domini post compositionem et Concordiam inter Dominum nostrum Imperatorem et nos solemniter celebratam. Anno 1340.“ — Duell, in Ord. Teut. P. II. 6. — Dipl. Styr. II. 183. z) Anon. Leob. Anno 1339. p. 817. sagt ausdrücklich: reconciliendo cum Baronih us! — Chron. Salzb. Anno 1341. — Hanthal. I. 850—860. Herzogen. J. 1192-1246 «. Chr. 163 Mürzzuschlag gethan hatte —Im Sommer 1240 war Erzbischof Eberhard in Grätz, und am 15. Juli 1240 im Orte Pas-sail. Dort wurde eine Zehentftreitigkeit zwischen dem Bischöfe Heinrich von Seckau mit Wulsing dem Jüngern von Stubenberg und mit dessen Vasall Herbord, welche zwei Drittheile der Zehente in Passail angesprochen hatten, zu Gunsten des Bischofes entschieden, und zwar durch die beiderseitig gewählten Schiedsrichter, die Ritter Wülfing von Stubenberg, Hugo von Prank, Ortolf von Kapfenberg, Schwikarö von Reze, Wolfkar von Posegle, durch den Pfarrer Eberhard von Stisfing, und den bischöf. lichen Vikar Witego. Der Herzog und der Erzbischof festigten den Entscheidungsbries mit ihren Sizilien * 2). An demselben Tage hatte Herzog Friedrich zu Tobl, nachdem er seinem geliebten Freunde, dem Bischöfe Heinrich von Seckau, eine Ministeria-lin, Kunegunöe, die Tochter des Ritters Albert von Purgstall, sammt den aus ihr erzeugten Erben mit ihrer, ihres Gemahls und ihrer Aeltern freiwilligen Zustimmung geschenkt hatte, den Spendebrief darüber fertigen lassen 3\ Am 9. August 1240 war Herzog Friedrich in $.gJ;44a0uf bem Marburg und zwar in glänzender Versammlung; 3‘“be®ua^ mit ihm waren: die Bischöfe Rüdiger von Passau, «nb scotcn. Heinrich von Seckau; die Aebte und Pröpste Konrad von Admont, Permann von St. Lambrecht, Hartwig von St. Paul, Konrad von Seckau, Graf Konrad von Haröeck, Graf Ulrich von Peckau, Heinrich von Scheunberg, Hermann von Ära-nichsberg, Liutold von Wilöon, Heinrich von Habsbach, Friedrich von Pettau, Konrad von Hintberg, Ulrich von Marburg, Offo von Pütten, Liupolö von Blumenau u. v. A. Mit Nachdruck sprach sich hier Friedrich gegen die Ucbergriffe und frevelhaften Anmassungen der Kirchenvögte aus, und nahm das Kloster Garsten in besonderen Schutz dagegen 4}. Zu Ehrenhausen am 27. August 1240 leistete Heinrich von Gravenstein dem Stifte Seckau für die zugefügten Beschädigungen Ersatz mit drei Mansus seiner 11* 4) Seckauer Saalbuch. — JohanneumS-Urkunde. 2) Dipl. Styr. I. 312 — 313: Actum apud Pasayle. Anno 1240. Id. Julii- 3) Dipl. Styr. I. 313: Datum ap. Tobl. Anno 1240. Idibus Julii. 4) Kurz, Beiträge. II. 548-549. 164 Steiermark unter den Babenbergischen Besitzung in der Bille Ratsch (in der Pfarre Gambitz bei Ehrenhausen) unter Zeugenschaft des Herrn Friedrich, Ritter von Errn-haus. Den Brief festigten der Herzog und der Erzbischof mit ihren Sizilien ’). Zu Ende August (25. August) 1240 waren beide fürstliche Herren in Judenburg mit den Bischöfen, Heinrich von Seckau und Rüdiger von Passau, mit Liupranü, Erzöiakon von Kärnthen, Pfarrer Leutolü von Heimburg, Pfarrer Ulrich von Kirchberg, den Grafen Konrad vonHarüeck, Otto von Ortenburg, Wilhelm von Heunburg. Ulrich von Pfannberg, mit den Edelherren Konrad von Hintberg, Heinrich von Lichtenstein, Heinrich von Heckenberg, Otto von Haslau, Otto von Perchtolösdorf, Heinrich von Habesbach, Otto von Königsberg, Friedrich von Pettau, Leutold und Ulrich, Brüder von Wildon, Dietmar und Ulrich, Brüder von Lichtenstein. Eine glänzende Versammlung! Hier er-theilte Herzog Friedrich den Domherren des Kapitels in Salzburg die zoll- und mauthfreie Durchfuhr aller ihrer Weine und Lebensmittel durch Steiermark Am 26. August war H. Friedrich mit dem Erzbischöfe Eberhard, mit den Bischöfen Rüdiger von Passau, Heinrich von Seckau, mit Liuprand, Erzdiakon von Kärnten, mit Herzog Bernhard von Kärnten, Grafen Konrad von Harüeck, Otto von Ortenburg, Wilhelm von Heunburg, Ulrich von Pfannberg u. v. A. in Leoben, nahm das Stift Biktring in seinen unmittelbaren Schutz, und ordnete die Kastenoogtei desselben. Im Jahre 1240 noch — verkaufte Konrad Bergauer dem Erz. bischofe Eberhard für den Bischof von Seckau um 50 Marke» Silbers einen Thurm zu Balkenstein mit 30 Marken Einkünfte und mit 40 Hörigen * 2 3). Statt,'; ^Admont $üv die Kirche in Stainz bestätigte in diesem Jahre 1240 Leupold von Wildon die Anordnung, daß alle seine und seines Bruders getreuen Basallen und Dienstleute (Milites et Clientes) und deren Leute dem Marklrichter in Stainz in Klagen Rede zu stehen haben; und daß sie die vorgeschriebene Gerechtigkeit, nämlich Fürsang (Vurvanch) und Mauth 1) Johanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. I. 209: Datum in Brnhans. 1240. Vr. Kal. Septembr. 2) Abschrift im k. k. G. Archiv. Das Datum: „VIII. Kal. Sept. datum apud Judenburch“ scheint falsch zu seyn. 3) K. k. ®, Archiv. 165 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. dem Marktrichter und in den Kirchtagen (Kirchgang genannt), zu St. Stephan bei Lemsitz und zu St. Georgen zu Eppendorf, dem Richter und der Propstei zu Stainz zahlen sollen '). In diesem Jahre erhielt auch das Stift Admont eine Vermehrung seiner Güter in der Propstei Großkirchheim in Oberkärnten; indem der Kastellan von Lienz, Herr Heinrich, seine Alpenantheile in der großen Fleiß demselben als Eigenthum spendete. Sein Herr, Graf Meinhard IV. von Görz, gab dazu die Einwilligung und siegelte den Schenkungsbrief vor den Zeugen: Ulrich von Rifenburg, Konrad von Eberstein, Heinrich von Rotenstein, Konrad und Kuno von Grafendorf (bei Linz) -). Etwas früher noch hatte der admontische Güterwalter daselbst einen Streit um Besitzungen in Stadl gegen Schugoi, Sohn des Berthold von Flachsberg, zu Gunsten des Stiftes entscheiden lassen durch den vom Grafen Meinhard bestellten Richter in der Sache, Herrn Heinrich von Bilalta, und zwar vor den Zeugen: Friedrich von Ka-fenach, Rudolph von Cibrian, Hartwik und Konrad von Chaste-lin, Kolo von Flachsüerg, Burggraf zu Linz, Meinhard von Kapaun, (Copinne) Meinhard von Floyan, Kuno von Hauö, Ludwig, Pfarrer zu Kircheim, Siboto, Pfarrer zu Drißach (bei Lienz) u. o. A. * * 3). Endlich hatte Graf Meinhard zu Gorz selbst auch dem Stifte Admont zur Güterpropstei in Großkircheim eine bedeutende Waldung, am Malnizbache hinauf und auf der andern Seite durch behauene und mit Kreuzen bezeichnete Marksteine be-gränzt, geschenkt und in Gegenwart vieler Zeugen den Spende, brief darüber durch seinen Notar, Eberhard Pfarrer zu Lienz, errichten und siegelfestigen lassen 4). Bon dem Jahre 1240 haben wir folgende wich- $it Itt fige Urkunde, welche über das alte Prioatrecht in ®ci$-Hinsicht der Weingärten des Karthäuserklosters zu Seiz eine bisher unbekannte Aufklärung gibt. ') Stainzer Urkunde. Im I. 1240 spendete Hartnid von Pettau dem Stifte Viktring Güter zu Lipplach und Weitensdorf für das Seelenheil des Swi-kers von Holenburg, — Biktr. Ulf. s) Admonter Urkunde. CCC. 8. 3) Admonter Urkunde. CCC. 35. Archivs urkunde. CCC. 36: „Situs vero praedicti nemoris protenditur in loagum a rivo, qui dicitur Mulniz, — usque supra pontein in Brouiz ad iotum lapidis; latitude vero per lapides cruciatos in eodem nemore evidenter »pparet distincta.“ 166 Steiermark unter den Babenbergischen »Im Namen der heiligen und ungetheilten Dreifaltigkeit. Amen. »Wir Prior zum heiligen Johannes in Sei; thun Allen ins-»gesammt kund und zu wissen, daß alle Weingärten, welche auf »dem Grund und Boden des Klosters des Thales St. Johannes »in Seiz unter der Bedingung gepflanzt und den Bebauern so »sind übergeben worden, daß, wenn diejenigen Winzer, welche sie »gepflanzt haben, oder die Nachfolger derselben jemals von der «Einwohnung genannten Klosters Weggehen oder entweichen wollten, sie auch von der Jurisdiction ihrer Weingärten fallen, um »dieselben nie wieder zu besitzen. Weil jedoch dieses wechselseitige »Uebereinkommen durch die Bosheit verkehrter Menschen in Der-«gessenheit ist geworfen worden, so haben wir die Besitzer unserer »Weingärten vor der Kirche in Feistritz versammelt, und dort »vor dem versammelten Volke durch standhafte Zeugen erwiesen, »daß solchergestalten die Einrichtung unseres Grundes und Bo-»dens sey. Auf daß nun für die Zukunft diese Einrichtung nicht »fürderhin umgestoßen werde, haben wir diese Urkunde mit unse-„rem und dem Sigille des Priors von Gyrow zum ewigen An-„öenken bekräftigen lassen. Zeugen sind: Upert, Ritter von Go. „nobiß, Hugo, Ritter von Hoheneck, Wülfing von Trok, Bejelin »Richter von Feistritz, Gnorius, Urtheilsoerkündigcr des Herzogs Schon vor einiger Zeit hatte Liupold, der Sohn Wilhelms von Hoheneck, bei seinem Tode den Karthäusern in Seiz einige Besitzungen in der Dille Lintenbach geschenkt. Der Vater, Wilhelm von Hoheneck aber, dem Kloster feindlich gesinnt, beraubte und beschädigte dasselbe auf vielfache Weise. Nun, zur Erkenntniß und Reue gebracht, suchte er durch eine Spende von Gütern in eben jenem Orte allen Schaden wieder gut zu machen, und beredete auch seine Schwester, Frau Elisabeth von Miltenburg, daß sie mit seiner Einstimmung in der Dille Strennwitz vierzehn Mansuö theils kauföweise theils als Seelgeräthc, den Karthäusern schenkte. Endlich, selbst von einer Todeskrankheit ergriffen, als sein Krankenlager umstanden sein Beichtvater .Otto, Pfarrer zu Neunkirchen, der Karthäuserprior Petrus, Konrad, der Pfarrer zu Ponikl, Konrad von Lewenbach, Heinrich von Gratz (Windisch-gratz), Hermann von Pilstein, Heinrich von Grimas, und sein Bruder, Hugo von Hoheneck, u. m. A., schenkte er noch in seiner letztwilligen Anordnung dem Karthäuserkloster als Seelgeräthc l) Zohanneums-Urkunde. Herzogen. J. 1192 — 1246 n. Che. 167 für sich und seine Äeltern sechs .Mansus zu Brettenbach und zehn Mansus in der Bille Swertowitz mit allein Zugehör und mit den Hoheitsrechten auf Fischfang und Jagd zu ewigem treuen Eigenthume, ohne allen Vorbehalt irgend einer Vogtei für sich und seine Nachfolger *)• Zu Ende des Monats Mai 1241 mar Her- . .3;f!4lv„ zog Friedrich in Wien, wo er dem Stifte zu Baum- — Admont, st. bürg Mauthfreihcit im ganzen Lande Oesterreich ertheilte (Wien 27. Mai 1241) "). Im Monate August hierauf finden wir ihn in Steiermark und auf seinem Lieblingsorte, in Tobel, wie er am 12. August 1241 dem treuergebenen und um seine Person vielfach verdienten Bischof Heinrich von Seckau das Patronatsrecht über die Kirche daselbst (der h. Maria in der Staude) schenkte, und die Schenkungsurkunde bezeugen ließ durch: Meister Ulrich von Kirchberg, seinen Protonotar, Heinrich Schenk von Hausbach, Konrad von Hornek, Heinrich den Lanüschreiber von Steiermark u. v. A. “) Um diese Zeit war der Ruhm der klösterlichen Vollkommenheit der aömontischen Nonnen bis nach Frankreich gelangt, so daß ein Generalkapitel der Dominikaner zu Paris denselben eine Urkunde mit der Zusicherung der Theilge-bung an allen Meßopfern, Todtenvigilien, Gebeten und allen andern geistlichen Bemühungen, Verdiensten und der Brudergemein-schast des ganzen Ordens verehrte '). Im Jahre 1241,ist der Streit zwischen dem Stifte St. Paul und Heinrich von Traberg um das Vogtrecht am Gebirge Remschnik vom Bache Wclik bis Se. mernek durch den Landrichter in Steiermark, Grafen Ulrich von Pfannberg. zu Gunsten des Stiftes entschieden worden a). '9 Dipl. Styr. If. 92 — 94. -) Monum Boic. II. 201. J) Dipl. Styr. I. 315: „Jus patronatus, quod in Ecclesia Tobel nobis hactcnus competebat, ven. Patri et ainico »ostro Domino Heinrico Episeopo Scccoviensi et Ecclesiae suae pro favore ipsius Episcopi qui gratus plurimum nobis exstat, donainus et conferimus. — Actum apud Tobl. II. Idus Aug. 1241.“ <•) Dipl. Admontensc in Codice Biblioth. V. 507: „Eratcr Joannes, servus inutilis fratrum Praedicatorum, dilecto in Christo conventui Sanctimo-nialium et Sororum in Admont. — Datum anno gratiae Domini 1241 in Capitulo generali Parisiis celebrato.“ 5) St. Pauler Urkunde. 168 Steiermark unter den Babenbergischen Den Besitz seiner Länder hatte Herzog Frie-M°ng°l»> v°m H- ürich größtentheils durch die Hülfe des Böhmenkö-müthtg obgewcnbct. nigs Wenzel wieder errungen, wofür er demselben die Abtretung des Landes Oesterreich oberhalb der Donau versprochen hatte, jetzt aber (I. 1240) aus dem Grunde wieder verweigerte, weil Kaiser und Reich eine ohne ihre Zustimmung geschlossene Ländertheilung nicht zugeben würde». Die Waffen mußten daher entscheiden. König Wenzel ssel verwüstend in Oesterreich ein (I. 1240) und war bei herannahendem Winter nur mit dem Vorsatze zurückgezogen, im nächsten Jahre mit verstärkter Macht wieder zu kommen. Bis dahin jedoch gelang Versöhnung und Frieden durch die Vermittlung des Bischofes von Freisingen und Herzogs Otto von Baiern auf die Bedingung, daß Gertrude, die Tochter Heinrichs des Grausamen, dem königlichen Prinzen Wladislaus von Böhmen zur Ehe gegeben werde. Diese Verehelichung ist jedoch erst im Jahre 1245 vollzogen worden '). Die nahe und große Gefahr der, in Ungarn eingebrochenen Tar-taren oder Mongolen oeranlaßte den Herzog Friedrich, aus Steiermark schnell wieder nach Oesterreich zurückzukehren. Schon im April 1241 waren über eine halbe Million dieser asiatischen Barbaren in Oberungarn eingebrochen, hatten sich von hier aus gegen Polen, Schlesien und Mähren ergossen, und bis gegen Pesth hin ausgebreitet * 2). K. Bela IV. ließ eiligst im ganzen Reiche rüsten und bot Papst und Kaiser zu Hilfe auf. In der großen Roth und Gefahr Ungarns war Herzog Friedrich mit seinem Heerbanne bei Pesth erschienen; und es gelang ihm, den Barbaren einstweilen Einhalt zu thun. Im Lande Ungarn sind einige Jahre früher die Kumanen, gleicherweise eine orientalische Völkerschaft, von K. Bela IV. als Ansiedler ausgenommen worden 3). Im Wahne, daß von diesen die wilden Mongolen nach Ungarn hereingerufen worden seyen, verübten hierauf die Ungarn wider K. Bela's Willen an dem Kumanenkönige Gutan und an dessen Familie die feindlichste Grausamkeit, worüber sich das Kumanenvolk mit den Tartaren wirklich verband, und diese sich fürchterlicher erhoben. i) Pernoldus. Anno 1240. — Chron. Claustroiteob. Anno 1341. -) Urkundliche Andeutungen dieser Züge im I. 1241 in Fejer, Cod. Hung. IV. I. 312—215. 316-235. Am 25. Sept. 1241 befand sich H. Friedrich in Krems an der Donau und an seiner Seite Bischof Heinrich von Seckau. — Stütz, p. S17. 3) Pez. I. Anno 1341. — Chron. Garst. Rauch. I. 169 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Herzog Friedrich, für seine eigenen Länder besorgt, war wieder heimgezogen, und bot den Heerbann all' seiner Länder und alle Fürsten umher zur schleunigsten Wehre auf. Wirklich war das Heer der Ungarn in einer blutigen Schlacht, in welcher fast der ganze Ungarnadel und die vordersten Bischöfe gefallen waren, so gänzlich geschlagen, daß K. Bela mit Gemahlin, mit dem Prinzen Stephan und mit der Reichskrone nach Dalmatien zu fliehen gezwungen war '). Im Monate Juni bis zu Anfang Juki's des Jahres 1242 that Herzog Friedrich am Waagflufse den Barbaren fopfern Widerstand; die Edelherren, Graf Liutold von Plaien, Bernhard von Pottenstein, Wikard von Owenstcin, Heinrich und Ulrich von Lichtenstein, Heinrich von Hakenberg, Friedrich von Rabenstein, Ulrich von Hohenburg, Ulrich von Kirling, Wilhelm von Persenburg, Walther von Porau, Bruno von Jssenburg, waren als tapfere Kampfgefährten mit ihm im Lager bei Cholo-buk (1. Juli 1242), als er die Urkunde fertigte, worin er die treuen Dienste öeö Konrad von Himberg mit der Vogtei von Dornberg belohnte. Er mußte aber zum Schutze Oesterreichs selbst schnell wieder zurückkehren 2). Darauf verbreiteten sich die wilden Verheerungen und viehischen Grausamkeiten der Mongolen unter allgemeinem Schrecken über Mähren her und bedrohten auch schon Oesterreich selbst. Bald standen der Böhmenkönig, Herzog Bernhard von Kärnten, der Patriarch von Aquileja mit dem Heere des Herzogs Friedrich bei Neustadt vereinigt (im October 1241 bis Ende des I. 1242), als die wilden Barbaren bereits gegen den Leithafluß herauf verwüsteten 3). Hier brach sich aber ihre Fluth bei dem unvermuthetenAnblicke eines so großen, eisengepanzerten Heeres. Sie ergriffen den Rückzug; H. Friedrich eilte ihnen nach, erschlug viele Tausende und befreite Oesterreich von weitern Einfällen und Zerstörungen. Durch heimische Unfälle und durch Zwietracht ihrer Heeresfürstcn selbst ausgelös't, zogen hierauf die barbarischen Horden mit Raub und Plünderung durch Ungarn ') Cliron. Claustroneob. Anno 1241. 2) Wurmbr. Collect. 277. — Fejer, Cod. Hung. IV. h 245 — 246. — Wiener Jahrb. XL. 145. Pei'noldus. Anno 1242: „Tartani racnse Auguslo invlioante venientes juxta Danubium accesserunt usque Viennam. Dux vero adjunctis sibi auxiliis Bohemorum, Carniolarum, Carentanorum praeter suos celeriter advolavit.“ — Caes. Anna], II 184 — 185, 170 Steiermark unter den Vabenbergischen unit Bulgarien gänzlich wieder nach Asien zurück '). Auf diese blutigen Begebnisse folgte in Ungarn Hungersnoth, und Oesterreich mit den benachbarten Ländern wurde durch verwüstende Heuschreckenzüge heimgesucht 2). Die Rüstungen gegen die Barbaren scheint !al am Semmring, Herzog Friedrich Persönlich in Steiermark betrieben in Grätz und in Tobl. zu haben. Am 12. April 1242 war er zu Spital am Semmering und siegelte für den Erzbischof von Salzburg einen Lehenrevers über die Grafschaft Ennsthal zwischen dem Flusse Monlich und den Gewerken der Grafschaft Leoben sammt Mauth, Gericht, Zehent und dem Dorfe Lünzen, sein Eigenthum zu Grauscharn ausgenommen, die Vogtei über Admont, die Zehenten an der Drau, die Insel Luttenwerd, Güter im Lungau und über fünf Kirchen: Lanzenkirchen, Neustadt, Hartberg, Ruckersberg, Marein, Grätz und über die Dörfer Dolmatsch und Goldarn bei Leibnitz und Pettau :1). Im Juli befand er sich zu Grätz und gab dem Stifte Admont als dessen Obervogt eine Versicherungsurkunde, daß, außer Handlungen des Blutgerichtes, kein öffentlicher Richter oder ein landesfürstlicher Beamter auf Stiftsgranden und über des Stiftes Hörige und Eigenleute sich eine Gerichtshandlung anmassen oder eine Forderung stellen dürfe; daß alle Stiftsbesitzungen und Leute unter landesfürstlichen Schutz gestellt seyen, und daß Jedermann, welcher vom Stifte ein Gut im emphiteutischen Besitz habe, die vertragsmäßigen Leistungen genau zu entrichten habe, sonst aber durch That und Recht selbst jchon seines Besitzes verlustig seyn solle 4). Am 12. Juli hierauf war Herzog Friedrich in Tobl mit Meister Ulrich, Domherr zu Passau, Archiöiakon von Oesterreich, seinen Protonator, Heinrich Schänken von Hausbach, Kolo von Fraunhofen, Gottfried Keltzo, *) Chron. Australe Claustroneob. Annis 1241. 1242. — Mag. Rogerii. Hist, de destruct .Hungar. per Tartaros, in Schwandtneri 8. R. H. T. I. 292. — Pernoldus. Anno 1241. 1242: „Cujus exereitu viso subito fuga dilapsi Tartari in Ungariam redieriint; sed occisi tarnen ex eis multi et alii capti sunt.“ — Hanthaler. I. 879 — 889. — Fejer, Cod. Hung. IV. I. 298—304. — Urkunde» H. Friedrich 1242 am 4. October in Castris Weikinsdorf. — Huber, Austr. 2« -) Chron. Austr. et Claustroneob. Anno 1243. — Chron. Salzb. Anno 1242. 3) Salzb. Kammerb. im k. k. G. Archiv. Juvavia, Abhandl. p. 362. 363. i) Adm. Urk. L. 1. : „Memoratae ecclesiae pracsentem concessimus lite— ram, sigilli n ostri mnnimine roboratam. Acta in Graetz. Anno 1242. Pridie Kal. Julii. - Saalbuch. III. p. 230-231. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 171 Ulrich von Windischgräß, u. v. A. Hier ward für seinen geliebten Freund, Bischof Heinrich von Seckau zur weitern Belohnung der vielen angenehmen Dienste die Schenkungsurkunde über die Bille in Passail bei St. Jakob, insgemein Erzberg genannt, mit allem Zugehör in das ewige Eigenthum desselben und seiner Nachfolger gefertiget ')• Wieder in Tobel tun 14. Juli fertigte er für das Stift Biktring eine Urkunde, worin er dem St. Antoni-spitale zu Bokesrüke in Ärain die Real- und Personalemunität mit Ausnahme der Gerichtsbarkeit über Diebstähle und Zweikämpfe ertheilte Zu Folge seckauischer Urkundenverzeichniffe bestätigte in diesem Jahre Ulrich von Wildon dem Stifte zu Seckau den, mit Zustimmung seines Vaters, Herranü von Wildon, durch Gunöaker von Lantschach gemachten Verkauf feines Gutes im Lantschachcrbache, welchem Stifte der Verwandte der Wildoner, Lanüfrieü von Eppeustein, gleichfalls schon ein Gut zu Lantfchacherbach geschenkt hatte, mit Vorbehalt eines Metzens Marchsutter-Hafers (Mavchgrez) und eines Huhnes von jeder Brut jährlich auf sein Schloß Eppenstein zu liefern. Zeugen bei den Handlungen waren: Ernst von Loünich und Herrand von Huzenpouchel ■'*). Zur Austragung des Streites über die Gränzen der Pfarren Vonstorf und Kobcntz veranstaltete Bischof Heinrich von Seckau eine Versammlung in Linth am 4. October 1242, wo von beiden Seiten sieben Spruchmänner erwählt wurden: Wigand Bicepfarrer von Guttaring, Rudolf Amtmann zu Vonstorf, Siboto von Unörien, Walther von Zirknitz, Volchold von Lobning, Swiker von Aichdorf, und Leu-tolö von der Aue, deren, Befund und Bestimmung genau zu achten, beide Theile feierlichst beschworen haben; wobei zu Zeugenschaft gestanden sind; Permann Abt zu St. Lambrecht, Wilhelm Dechant und Konrad von Krowat Canoniker zu Seckau, die Pfarrer Hermann von Weißkirchen, Berthold von Linth, Paul von Vonstorf, und die Ritter Wigand, Gerung von Moure, Al- Dipl. Styr. I. 313—314: „Quod nos ob amorcm et multa grata ser-vitia, quae nobis hactenus exhibuit et offert in futurum, dilectus amicus noster, Ven.^Heinricus — sibi et ccclesiac suae villam in P assay 1 e apud St. Jacobum contulimus, quae Ae r zbere h appel-latur. Anno 1343. IV. Idus Julii. Actum apud'To bl. 2) Liktr. Urkunde. 3) Zohanneums-Urkunde. 17L Steiermark unter den Babenbergischen Bert von Nußdorf. Erzbischof Eberhard, der gleichfalls in Linth anwesend war, bestätigte dann den Ausspruch der Schwurmänner am 7, October des I 1242, und führte als Zeugen neben den oben Genannten noch bei: die Pfarrer, Walther von St. Margareten, Friedrich von Knittelfeld, Heinrich aus der Lobning, Gerung von Moure, Ulrich von Prank, Reimund von Vonstorf, Dietmar, Ritter von Knittelfeld u. A. '). Am 22. März 1242 erledigte Erzbischof Eberhard II. um 3000 Marken Silbers alle jene hochstistifchen Lehen im Lavantthale (m provincia Lavant), welche weiland Reimbert von Mureck besessen hatte, als Afterlehen von dem Grafen Heinrich von Ortenburg und dessen Sohne, dem Pfalzgrafen von Skiern, und welche nach des Mureckers Tode an den Neffen des Ortenburgergrafen, Wilhelm von Heun-burg gelangt waren; wobei zu Zeugenfchaft gestanden sind: Heinrich Bischof zu Seckau, Graf Ulrich von Sternberg, Herr Diet, mar von Griven, Friedrich von Wolfsberg, Lanöfried von Ep-penstein, und dessen Bruder Wülfing von Rißberg, Konrad von Michelsöorf, Dietmar von Acheim, Otto von Wartberg, u. o. A. Der Brief darüber ward errichtet und gesiegelt auf dem Schlosse zu Wolfsberg 2). S°phi^MttkM- Um öiefe 3eit besaß Sophia, Markgräfin von fin von Istrien, Istrien, das Herrschaftsgut Meinhardsöorf und viele Klosternonne in Ad- „ „ , __ mont, schenket dem andere ©utcr bet Oberwels tm Thale der Wels. ^Meinhardsdorst'" Sie mor eine Tochter des Grafen Albrecht von Weichselberg und Gemahlin Heinrichs, Markgrafen von Istrien. Heinrich war ein Sohn Berthold's des UL von Andechs, Herzogs von Meran und Markgrafen in Istrien. Seine Brüder waren: Otto I. Herzog von Meran, Vater der Agnes, der Gemahlin des H.Friedrichs von Oesterreich (1.1229—1243); Bischof Ekbert zu Bamberg (t I. 1237) und Bertholö Patri- ') Johann. Nrk. — Im Seckauer Saatbuche werden als Gränzen zwischen beiden Pfarren bestimmt: „Terminos autem taliter distinxerunt, quod omnia, quae sunt a lapide magno Veil er che ab una parte per vallem — usque in fluvium, qui vocatur Zinkniz, et ab alia parte ejusdem lapi— dis inagui per vallem, quod ducit usque in rivulum, qui Quit sub pede mentis castri et Sulzbach nominator, et omnia intermedia a locis su-prascriptis usque in fluvium, qui Starichlobnick appellatur, sint et esse debeant — sine lite in terminis ecclesiae Vonstorf; reliquum totum sur-sum simul cum oapella superius in Lobnic ecclesiae de Chumbenz terminis adscribentes.“ 2) Acta sunt haec apud Wolfsberch. Anno 1242. Kal. Aprilie. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 173 arch zu Aquileja (f I. 1259). Von seinen vier Schwestern war Gertrud an K. Andreas von Ungarn, Hedwig an Hermann von Schlesien, Agnes an K. Philipp II. von Frankreich verehelicht, und Mathilde starb als Aebtissin im Kloster Kitzing bei Würz, bürg. Die Brüder Ekbert der Bischof und Heinrich, Sophien-Gemahl, waren vorzüglich thätige Mitwisser des durch Otto von Wittelsbach an dem römischen K. Philipp zu Bamberg verübten Mordes. Deßwegen in die Reichsacht erklärt, mußte Ekbert nach Ungarn zur Schwester entfliehen, bis er durch die Gnade des Kaisers (I. 1214) sein Bisthum wieder erlangt hat. Heinrich verlor alle seine Lehen, vorzüglich in Istrien und starb um das Jahr 1228 '). Die trauernde Witwe Sophia wählte nun für ihre letzten Lebenstage den heiligen Schleier im Nonnenkloster zu Admont, schenkte dem Stifte bei ihrem Eintritte in die heiligen Hallen ihr Allodialgut Meinhalmesdorf oder Meinharösdorf und alle andern Güter im Thale bei Oderwels, behielt sich jedoch lebenslänglich den Bezug der Renten derselben sowol in Geld als Naturalien bevor, bedingte die Feier eines ewigen Jahrtages für sich und für ihren Gemahl und die bessere Bewirthung der Stifts-gemeinde und Nonnen mit Wein, Brot und Fischen an demselben Tage, und empfahl dem Bischose von Freisingen und dem Erzbischöfe Eberhard II. von Salzburg die getreue Ausführung und Aufrechthaltung ihrer reichen Spende und Stiftung. Erzbischof Eberhard II. stellte die Urkunde über dieselbe aus und siegelte sie mit Bischof Konrad von Freisingcn und dem Stiftskapitel zu Admont 1 2). Nach Angabe der admontischen Toütenbücher ist die Mark-gräsin Sophia als Nonne in Admont am 21. Jänner und nach dem Toötenbuche des baierischen Klosters zu Diessen im Jahre 1256 gestorben 3). In diesem Jahre hatte der Erzbischof Eber- 1) Monum. Boica. VIII. p. 178. 177. 302. .,) Adni. Urk. R. 1.: „Notum facimus — quod — Sophia Marchionissa de Andechs peccata sua deflens, apud coenobium Admontense praedia sua apud Meinhalmisdorf et circa Oberwelz decem et octo marcaram red-dituum monetae Frisacensis — cum omni jure —Admontcnsi ecclesiae contulit — pro remedio aniinne suae et piae memoriae Heinrici Mar-chionis quondam mariti sui — ut post mortem ipsius dies anniversarius hujus et mariti ipsius pariter celebretur, et ipsa die »nines conventus Admontenses specialiter procurcntur in solemn» piscium ac vini admi-nistratione.“ 3) Necrolog. Admont. C. 543. 544. — Mon. Boic. VIII. p. 302. — Froel. Archontolog. I. Tab. IV. geneal. — Hoffm., Anna!. Bamberg, bei Lu-dewig. I. 148 — 149. — Oeffele. II. 6. 76. 174 Steiermark unter den Babenbergischen hard II. dem Stifte Admont ein ausgedehntes Bestätigungsdiplom über alle Zehenten desselben, so wie im Jahre 1207 gefertigt '). Am 14. Juli 1242 starb Abt Konrad I. von Admont Kurz vor seinem Tode brachte er durch Tauschvertrag für eine Hube zu Püchel bei Weng oder Zeiring und eine Mühle zu Getzendorf im Pölserthale an sein Stift alle Salzrechte zu Hall bei Admont, welche das Stift Steiergasten aus der Schenkung einer edlen Matrone, der Mutter Herranö's von Hohenberg, im ober» Ennsthale besessen hatte; wodurch den langwierigen Streitigkeiten über De-sitzthumsgränzen zwischen beiden Stiften für immer ein Ende gemacht worden ist * * 3). Auf Abt Konrad I. folgte Abt Berthold II., von Jugend auf in Admont erzogen, dann alS Abt nach Biburg, von dort nach Seon, und von hier endlich zur gleichen Würde wieder nach Admont zurück berufen 4). s.sibÄentt Herzog Friedrich ermüdete nicht, die Verdienste »o" Icätu untblt un^ die Anhänglichkeit des Seckauerbischofes Hein-Stift St.Lambrecht, rich II. zu belohnen. Auf dem Schlosse Hintberg am 12. Jänner 1243 schenkte er diesem und allen seinen Nachfolgern ein Haus in Wien, nahe gelegen der herzoglichen Burg vor den Zeugen: Leupolü Propst zu Aröacker, Meister Leupold Pfarrer zu Wien, Meister Ulrich von Kirchberg Erzdiakon in Oesterreich, Markward Notar, Wolfker von Barowe, Kämmerer, Otto von Walchungskirchen, dem Schenken Dietrich von Dobrecht u. v. A. 5). Ebenfalls auf dem Schlosse Hintberg und von denselben Männern umgeben, in Anwesenheit des Bischofes Heinrich II. von Seckau, Otto's von Ottenstein, Ottokars von Graze, Reinhers von Krems, WolffartS von Hintberg, am 20. Jänner 1243 entsagte Herzog Friedrich allen Ansprüchen auf das Patronat der Pfarre zu Piber und nimmt das 1) Admonter Urkunde. XX. 3. 2) Necrolog. Admont. C. 543. 544. — Saalbuch. III. 36. 3) Adm. Urk. HHH. 4. — Saalb. III. 194: „Fratres ecclesiae Gareten-sis cum in valle Admontensi apud Halle partem salinae possiderunt, ' ad pensionem videlicet conventus Admontensis partem salinae ipsam tencat refuso praedictis fratribus de Garsten in concambinm salinae nianso uno in parochia Pelz juxta Wenge apud Puchil et molendino apud Gezindorf.“ — Saalb. IV. p. 85 und 87. Saalbuch. III. 36. - Pez. II. 210. b) Dipl. Styr. I. 314-315. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 175 Stift St. Lambrecht mit allen Gütern und Rechten in besondern Schutz '). Durch vierzehn Jahre bereits mit Agnese von $ imb Meran verehelicht, hatte Herzog Friedrich keine ehe- »vy ««-fnmmtung " in Grätz. Bestrafung lichen Nachkommen erzielt. Daß ihm, als dem letz. der Gdien von Grätz. ten männlichen Sprossen des erlauchten Hauses der babenbergischen Fürsten in Oesterreich, dieses sehr schmerzlich war, ist leicht zu begreifen. Im ernstlichen Gedanken und Vorsatze einer Trennung von Agnese und neuen Verehelichung, berieih er sich mit seinen besondern Freunden, den Bischöfen Rüdiger von Passau und Heinrich von Seckau. Zu diesem Zwecke beschieö er Beide und den Erzbischof Eberhard II. von Seckau, den Bischof Ulrich von Lavant und viele Prälaten und Gelehrte nach Grätz. Während seines Aufenthaltes und den Unterhandlungen in Grätz gab er, 15. Juli 1243, dem Bischof Rüdiger zu Passau die Versicherungsurkunde, daß er alles Wesen der Kirche zu Passau in seinen ganz besonder» Schutz und Schirm nehme, und mit ihm selbst den Bund der herzlichsten Freundschaft^ geschlossen habe. Diese Handlung bezeugten: Heinrich Bischof zu Seckau, Luit-prand Erzdiakon von Kärnten, Graf Konrad von Hardeck, Gra Otto von Ortenburg, Heinrich (Nobilis) von Schowenberg •). Bei dem Zerwürfnisse des Herzogs Friedrich mit dem Kaiser waren die Eüelhcrren von Grätz hartnäckige Gegner des Ersteren; und sic scheinen so fest an dem Kaiser gehalten zu haben, daß H. Friedrich gegen sie ernstlicher hatte verfahren müssen. Ottokar von Grätz trug das Schloß Helfenstcin (zwischen Stübing und Grad-wein) an der Mur zu Lehen. Herzog Friedrich zerstörte diese Burg und gab die dazu gehörigen landesfürstlichen Lchengüter dem Stifte zu Rein; wozu noch Erzbischof Eberhard II. auch die dabei gelegenen salzburgischen Lehen (damals im Besitze Ottokars von Grätz) als Schenkung gefügt, und mit dem Herzoge zugleich in Grätz den Spendebrief gesiegelt hat vor den Zeugen: Rüdiger Bischof zu Passau, Heinrich Bischof zu Seckau, Permann Abt zu St. Lambrecht, dem Propst von Vorau, Graf St. Lambrechter Saalb.: ,,Acta sunt haec apud Hintpeveh. XIll. Kal. Februarji anno 1243.“ -) Mon. Boica. XXX. I. p. 359: „Actum in Gracce. Anno 1243. Idus Julii.“ — Pez, Codex. Epistel. II. 96. — De Lang, Regesta. II. 336. 176 Steiermark unter den Babenbergischen Konrad von Hardeck, Hartnid von Pettau, Heinrich von Dra-burg, Rudolf und Leutold von Stadek '). H Fr^richlnF-ic- L" öer Versammlung zu Grätz hatte Herzog s"ch ^.^ambrecht. Friedrich die Trennung von seiner Gemahlin Ag-nese auf das Genaueste erwägen, und endlich aus den Hauptgrund stützen lassen, daß er mit ihr in so nahem Grade der Verwandtschaft stehe, daß nach kanonischen Rechten die Ehe von Anbeginn schon unerlaubt und ungültig gewesen feg. Hieraus wurde ein neuer Hoftag und die Herzogin Agnesc selbst nach Friesach in Kärnten beschieden, und im Gerichte hochgelehrter und fürstlicher Herren geistlichen und weltlichen Standes die Ungültigkeit dieser Ehe feierlich erklärt. Die Herzogin behielt sich darüber nichts vor als die Appellation an den apostolischen Stuhl 1 2). Die Anwesenheit des Herzog Friedrich zu Friesach im Spätjahre 1243 ist auch durch eine Urkunde von St. Lambrecht bestätiget. Denn als sich der Abt desselben beschwerte, daß ihm auf seinen Stiftesneubrüchen und im Waldgebiethe in der Veitsch und Dobrenye durch die herzoglichen Jagden großer Schaden geschehe, erkannte Herzog Friedrich nicht nur allein dies Unrecht, und stellte die Jagden in die gebührenden Grenzen zurück, sondern er gab dem Stifte die volle Gewalt, hierin auch auf seinem Eigengrunde im ganzen Aflenz, und Zellthale in den Erzbergwerken und Salzarbeiten daselbst alle, seinen Rechten gebührenden Anstalten und Verfügungen zu treffen. Als er die Urkunde darüber in Friesach (1243) fertigte, nahm er zu Zeugen: die Edelherren, die Bischöfe von Lavant und Gurk, seine Ministerialen Ulrich und Leutold, Brüder von Wilüon, Erhengcr von Landesere, Wülfing von Stubenberg, Ulrich von Lichtenstein, Dietmar von Ossenberg 3). Im 1) Reiner Urkunde: „Datum apud Graetze. Anno 1243.“ ~) Pernoldus. Anno 1243: „Dux Fridericus tertiam uxorem suam Agne-sem de Merania auctoritate Archiepiscopi Salzburgensis et plurium Episcoporum apud Frisach Karinthiae ex toro suo dimisit ob affinita-tem, et quia prius imperatorem sequuta est, nec fecunda fuit.“ — Chron. Salisburg. et Garstens. Anno 1243. — Hanthaler. I. 891—895. 3) Saalbuch von St. Lambrecht: „Datum Frisaci anno 1243 —in quibus-dam nemoribus et novalibus sui praedii, h. e. in Witscha et Dobryn. Non tantum in illis locis, verum etiam in silva sua, quae praedium, h. e. vallem Avelentensem contingit, quae Cella vocatur, in salina et rudere, quod Artz dicitur. Herzogen. J. 1192-1246 n. Ehr. 177 Oktober dieses Jahres (7. Okt. 1243) ist Bischof Heinrich I., der Liebling und Freund des Herzogs, gestorben ’). Um das Jahr 1242 hat der Dompropst Kuno __ Z. 1242. von Salzburg auf Befehl des Metropoliten Eber- Seckau°N°u^Sta" hard II. mit seiner Zustimmung (voluntate Domini Secco viensis ordinarii) im Stifte zu Seckau eine kirchliche Untersuchung und Besserung vorgenommen und mitBei-ziehung und Rath kluger geistlicher Herren folgende Ordnung festgesetzt : »Aller Streit zwischen dem Propste und einigen Stiftschor-»hcrren ist zu Frieden und Eintracht abgethan. — Der Propst »hat stets, wenn nicht besondere Geschäfte hindern, im Chore, im "Schlafgemache und im Speisesaale anwesend zu sehn. DasStifts-- (igitt soll treuen Händen an vertraut werden. — Zu den Chor---Herren darf nur den frommsten Leuten und nur durch denStifts-»üechant allein der Zutritt erlaubt werden. — Ein Chorherr soll »über des Pröpsten Haus bestellt werden. — Vergehungen der »Mitglieder sollen nicht mit Härte sondern mit Milde und der »Schuld angemessen gerügt und bestraft werden, und zwar in der "Kapitelversammlung selbst. Wer in dieser Versammlung mit »Geschrei und Poltern sich gegen Eingezogenheit und'Anstand ver-»gcht, und, gemahnt, nicht abläßt, verliert sein Stimmrecht bis „zur gänzlichen Besserung. Dreimal im Jahr hat der Propst über »alle Parteicnmachcr, Diebe und Spieler den Bannfluch zu sprc-»chen, dreimal die Beichte der Mitglieder aufzunehmen, und von »schweren Sünden loszusprechen, Niemanden die Erlaubniß zu »ertheilen. Nur zu Pferde darf den Stiflsinitgliedern erlaubt wer- ( »den,- in die nächsten Dörfer zu gehen. Zur Mittagszeit soll das „Stift geschlossen bleiben und nur int äußerstenNothfalle Jemand »der Eintritt/ gestattet werden. Innerhalb des Stiftes ist eigene --Kleidung zu tragen, außer man ist im Begriffe, Hindun zu reiten. »Speisenüberbleibsel dürfen von Niemanden fortgetragen werden Am 20. September 1242 erließ Bischof Heinrich von Seckau für das Chorherrenstift daselbst folgende Weisungen : „Auf Seckau »dürfen im Nonnenkloster nicht mehr als 50 vergelüböete Nonnen i) Chron. Salzburg. — Pcz. Anno 1213. Zur Grabesruhe ist er «ach eigener Anordnung in die Stadt Zwettl, seinen Geburtsort, überbracht worden. -) Johanneums - Urkunde. Gesch. d. Steiermark. — V. Dd. 12 178 Steiermark unter den Babenbergischen „gehalten werden. Eintritt und Aufenthalt von jeder Art Schußlern (Studierenden, scholares) ohne Tonsur in das Chor, in »das Kloster und in den Speiscfaal bleibt strenge untersagt; und »eben diese Anordnung hat auch für die sogenannten fahrenden »Schüler zu gelten (scholares vagi) Allg-m-in°°°Land- Gras Ulrich von Pfannberg, selbst durch nn= bS^anflefcgfn^ öere Begebnisse gehindert, hatte an seiner Statt t-n von Seckau. dem Reimbert von Mureck die Vollführung der öffentlichen Geschäfte übertragen e),' in dessen Gegenwart und Theilnahme dem Stifte Seckau die Schenkung einer großen Waldung, Erzwald zugenannt, gemacht worden war, und welche Besitzung der Stadtrichtcr zu Grätz, Wackerzill, dein Stifte einzuantworten befehligt worden ist. Ohne alle Rechtsgrünüe aber nahm bald daraus Hartnid von Ramenstein diese Waldung in Anspruch und störte das Stift Seckau unaufhörlich tin Besitze derselben. Auf die Beschwerde des Seckauerpropstes befahl endlich Herzog Friedrich seinem Stellvertreter im Lande, Ulrich von Pfannberg, die Sache zu untersuchen. Dieser beschicd beide Theile vor sein Landgericht * 2 3), welches er in Kraubath hielt, wo ihm Leutolü der Freie von Pcckau, Ulrich von Eggenstein, Wigand von Massenberg, Leutold und Rudolph, Brüder von Stadeck, Heinrich von Perneck, Otto und During von Pfannberg, Albert von Polan, Erhenger von Feistritz, Otto von Kraubath, und dessen Sohn Günther von Kinnenberg, Leutolü von Leoben, Markwarü von Altenhofen u. v. a. Schöppen das Urtheil ssnden halfen, welches die ungerechten Ansprüche Hartnids von Ramenstein hindanwies, und das Stift in seinem Eigenthume bestätigte 4). In eben diesem Jahre schenkte Ulrich, Raspo zugenannt, Vasall des Poppo von Peckau, mit dessen Einwilligung dem Stifte Seckau einige Weinberge und Hörige bei Feistritz an der Mur, in öer Moßnich zubenannt, der Lehensherr Poppo fügte im Jahre 1244 zur Bestätigung auch noch die Spende eines andern Gutes in der Stü-bing mit Zins und Bergrecht, wobei Wolflo von Peckau, Hein- ') Johanneums-Urkunde. 2) Nos D. 6. Ulricus de Pfannbcrch qui auctoritate Domini Friderici Duels in Styria praesidemus. — Cum D. Reinbertus de Mureckhe officio nostro fungeretur. 3) Nos igitur cum in Chrawat praesedissemus judicio generali. *) Johanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. I. 310. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 179 rich, Amtmann von Preinming und Wolfker von Feistritz zu Zeugen gestanden sind J) Am 13. April 1243 erhielt die Karthause in „ 3. 1243. Gairach von Dem Herzoge Bernard m Kärnten eine «umt. Stelle in Der Stadt Laibach zur Erbauung eines Hauses und zugleich Mauthfreiheit für alle Personen und Bedürfnisse -). In seiner Kapitelversammlung zu Sazile bestätigte Der Aglajerpatriarch auf Bitten des Abtes Heinrich dem Stifte zu Obernburg den, von dem Patriarchen Peregrin itn I. 1140 ertheilten FunDationsbrief, und ließ als Zeugen unterschreiben; Otto Markgraf Pröpsten zu Sanneck, Ulrich Berager, Bitzeüom, Heinrich, Pfarrer zu Schollach, Albrecht, Pfarrer zu Treven, Friedrich von Perzillis, Rudolph von Libriano, Wilhelm von fonte bono, Ortwich von Kastello, Ulrich und Johann, Vater und Sohn, von Kuzania, Ottokar von Atems, u. v. A. * * 3). Zu Gurk am 9. Juni 1243 gab Bischof Ulrich von Gurk allen Vasallen die Freiheit und Erlaubniß, von ihren gurkischen Lehengütern den Karthäusern in Sei; Spenden zu machen. Im Jahre 1243 verlobten sich Friedrich, Mönch (Monaclius) zugenannt, und Adelheid seine Gemahlin gänzlich an das Äarthäuserkloster in Seiz, und spendeten zwei Weingärten am Schloßberge und auf dem Gute des Stiftes St. Paul, Dem Landesherzoge und dem Stifte St. Paul dienstbar. Zwar war diese Besitzung schon dem Kloster Viktringen in Kärnten versprochen; allein dieses Stift lös'te alle Verpflichtung vor den Priestern Ulrich von Vogau und Gebhard, und mehreren andern Zeugen. Die Spende an Seiz geschah dann zu Marburg, im offenen Gerichte (in tribunale Marclipurgensi) vor Den Zeugen: Konrad, Pfarrer zu Marburg, Ulrich von Marburg, Ulrich von Vogau, Ulrich von Kötsch, Hartung von Ko-wasau, und vielen Bürgern der Stadt Marburg 4). Vor seiner Reise nach Grätz befand sich der Erzbischof Eberhard II. in Rastatt mit Heinrich, Bischof von Seckau, dem Dompropste Otto, dem Grafen Konrad von Plain, Ulrich von Kalheim u. v. A. Am 26. März 1243' siegelte er selbst für das Stift Admont eine 12 * ') Johanmums-Urkundk. — Dipl. Styr. I. 211. 2) Dipl. Styr. II. Ul. 3) Dipl. Styr. II. 290-292. 'O Johanneums-Urkunde. 180 Steiermark unter den Babenbergischen Urkunde mit der Erklärung, daß alle admontischcn Zinslehen nur an eine Person und für deren Lebenszeit oerlehnt, keineswegs aber erblich hintangegeben werden dürfen; und daß jede anders gestaltete Verlchnung zu Erbbesitz, von Seite der Stiftsäbte ertheilt, oder auf andere Weise errungen, an sich selbst ungültig und nichtig sey ')• Zu in Bischof von Seckau wurde der herzogliche Kanzler und Domherr zu Pafsau, Meister Ulrich, durch Verwendung des Landes Herzogs Friedrich erhoben ')- DieFamil^Wwg- ®‘e Herzogin Agnes, dritte Gemahlin des in Steiermark, Herzogs Friedrich, war eine Blutsverwandte des Seckau. Königs von Ungarn. Die Trennung von ihr nahm König Bela IV. als eine seinem königlichen Hause zugesügte, große Schmach, welche er mit blutigem Kriege rächen wollte. Schon standen sich die mächtigen Heere an der Leitha gegenüber; jedoch eine persönliche Unterhandlung der beiden Fürsten vermittelte eine friedliche Versöhnung * 2 3). Hierauf gedachte Herzog Friedrich an eine vierte Verehelichung mit Elisabeth, Tochter Herzog Otto's von Baiern, mit welcher das Verlobniß wirklich noch im Jahre 1243 zu Wels feierlich beschworen, aber im Jahre 1245, unbekannt aus welchen Ursachen, gänzlich wieder aufgegeben worden ist 4). Um diese Zeit erschienen böhmische Edelherrn, Witego und sein Bruder Rüdiger, in der Steiermark. Herzog Friedrich hatte ihnen das Schloß Halbenrain sammt den dazu gehörigen Gütern am 26. April 1244 zu Steinebruke (an der Save) zu Lehen gegeben 5). Sie entstammten dem Edelgeschlechte der Herren von Rosenberg, und führten auch die Titel: Herren von Neuhaus. *) Admonter Urkunde. E. 3.: „Quoniam audivimus, quod plerique laici, habentes beneficia censualia ab Admontense monasterio, quae in termi»» personae unius exspirare et vacare de jure consueverunt, nitun-tur eadem ad suos heredes quadam frivola ratione traducere. — Ut si quisquam abbatum jam dieti monasterii talia personalia beneficia cuiquam alio modo, quam ut benefleium in morte possidentis omnino vacet, contulerit, ipsa collatio nullius prorsus existere debeat flrmitatis.“ 2) Chron. Carstens, ap. Rauch. Anno 1343 : „Magister Heinricus Secco-viensis Episcopus moritur, et Elricus Seriba Dncis Austriae sibi sub-stituitur.“ — Chron. Salzb. Anno 1343. — Pez. I. — Salzb. Kammerb. im k. k. G. Archiv. 3) Pernoldus, Chron. Austriae Claustroneob. — Zwettl. Anno 1343: „Fri-dericus Dux Austriae et Styriae cum magno cxercitu occurrit Regi Ungariae apud Ley dam, ibique pacificati sunt sine congressionc.“ d) Chron. Carstens. Anno 1343. 5) Chmel, Notizenblatt für Oesterr. Geschichte. Regesten. Nr. 82. Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. 181 Witego insbesondere gelangte bald zu hohem Ansehen im Lande, zur Würde eines Lanöschreibers, und selbst zur Gewalt eines Landeshauptmannes, wie wir bald sehen werden ‘). Zu Ansang des Jahres 1244 war in Seckau Propst Konrad von Stubenberg gestorben, (oder sreiwillig von seiner Würde abgetreten?) worauf die Stistschorherren dem neuen Bischof Ulrich I. die Wahl eines Stistspropsten übertrugen, welcher zu Ende Februars den Chor. Herrn Nikolaus von Stubenderg zu dieser Würde bestimmte, aber zu Piber am 19. Februar 1244 einen Reversbrief mit dem Bekenntnisse siegelte: «daß ihm nur für diesen Fall die Propstwahl «vom Kapitel anheimgestellt worden sey; und daß weder er noch «seine Nachfolger ein weiteres Wahlrecht anzusprechen hätten!?).» Bei seinem Aufenthalte in Leibnitz im Jahre @t.3-1244 ertheilte Erzbischof Eberhard II. dem Stifte Admont einen Schenkungsbrief über eine Waldung zu Muckernau (St. Nikolaus im Sausale) vor den Zeugen: Konrad von Horneck, Gottfried Khetz, Wülfing von Leibnitz, Meister Konrad dem Arzte (Physicus), Konrad von St. Martin, und Walther von Jaringen i) * 3). Weiters erklärte er in einem besonderen Diplome alle Zehenten in den Pfarren Ließnich und Palten (St. Lorenzen im Paltenthale und St. Michael an der Ließing nach ihren Gränzen als uralte Mutterpfarren) und im Gaizarwalü (zwischen Kollwang und Gaishorn) für ein uraltes Eigenthum des Stiftes Admont, aus den Zeiten der Gründung dieses Stiftes und den späteren Schenkungen der salzburgischen Metropoliten 4). Am 2. November 1244 war Erzbischof Eberhard II. zu St. Veit im Pongaue mit Swithard von Vonstorf, Konrad von Praitenfurt, Bernhard von Langwiesen, Eberhard von Truffenbach, Rudolph, Sohn des Amtmannes von Vonstorf u. in. A. Er hatte vernommen, daß die Renten des Nonnenklosters zu Admont nicht mehr hinreichen, den gelehrten Jungfrauen desselben anständige Beklei- i) Fr. Kurz, K. Ottokar und Albrecht I. 81-83. =) Johan. Urk. — Dipl. Styr. I. 211 : „Datum in Pyber. Anno 1244. XI. Kal. Martii.“ — Caesar, Anna). II. 193 — 194. 3) Adm. Urk. P. P. 6: „Silvam quamdam apud Mukirnowa cum ejus at-tinentiis conventui tradidiinus.“ 4) AdM. Urk. XX. 23: „Proventus decimales tarn cultorum quam adhuc eolendorum in parocliiis Lietznich et Palten et in Garzarwalde — loco Admontensi praecipue debent et dinoscuntur procul dubio attinere.“ 182 Steiermark unter den Babenbergischen dung zu schaffen. Er schenkte und verbriefte daher denselben eine jährliche Rente von 10 Marken Silbers von den Neubrüchen seines hochstiftischen Zehenthofes zu Pöls, und versicherte sie auf fünfzehn Lehengüter am Tauern (Rotenmanner Tauern) vom Orte „in den Winkel" zugenannt, bis über Morbruck (Mö-derbrücke) hin ')• In diesem Jahre wurde auch die Vogteiangelegenheit über die stiftadmontischen Güter zu Elsendors bei Regensburg in dieser Stadt selbst durch den Herzog Otto von Bai-ern, den Erzbischof Eberhard, die Bischöfe Rüdiger von Pas-sau, und Friedrich von Eichstädt verhandelt, und nicht nur das vom K. Otto IV". ertheilte Diplom, wodurch alle Vogteiansprüche des Grafen Meinhard von Obensberg hintangewiesen worden sind, bestätigt, sondern auch am 16. August 1244 vom Herzoge Friedrich zu Enns neuerdings verordnet, daß Niemand, selbst der Erzbischof nicht, berechtigt ist, stiftadmontische Güter-Vogtcien zu vergeben, als allein nur der StiftSabt und sein Kapitel 2). Die Bestätigung der aömontischen Urkunden zu Enns geschah bei Gelegenheit, als Herzog Friedrich gegen die Brüder und Eöelherren des Raubschlosses Waldeck am Jnnflusse (1244) zog, dasselbe erstürmte und dann den Brüdern Bernhard und Ulrich von Schaumberg übergab. Er verfiel darüber mit dem Bischöfe Rüdiger zu Passau, dem Freunde der Waldecker, dermassen, daß er die pas-sauische Burg Eberstein am Traunflusse zerstörte, und sich mit dem Feinde desselben, mit dem berüchtigten Albert von Böheim, verband. Dadurch kam der Herzog zugleich so in die besondere Gunst des Papstes Jnnocenz IV., welcher am 24. Juni 1243 auf Gregor IX., (gestorben 21. April 1241) gefolgt war, daß dieser nicht nur die jährliche Feier des Colomannisestes in Oesterreich ausdrücklich befahl, sondern auch neben den Aebten von H. Kreuz und Zwettl, dem Abte zu Rein, Ludwig von Stadek, den Auftrag ertheilte, vorläufige Untersuchung und Anordnung zur *) Adm. Urk. XX 7: „Quod ad velevandam penuriam, quam sorores lit-teratae apud Admonte in vestibus patiuntur, moti visceribus pietatis, iisdem sororibus decem marcavum redditus donavimus — de novalibus nostrae curiae decimalis apud Pelse — in monte Tauri — supra quinde-cim beneficiis a loco, qui dicitur „in dem Winchel“ — usque ultra Morpruckke. — Datum apud S. Vitum apud Pongevv. Anno 1244. IV. Nonas Novembris.“ 2) Adm. Urk. M. 21: „Acta sunt haee apud Anasum, anno 1243. VIII. Kal. Sept. Herzogen. J. 1192-1246 n. Chr. 183 Gründung eines Bisthuines in Wien nach den Wünschen des Herzogs zu treffen '). Am >8. Mai 1245 befand sich ErzbischofEber- £\“ät’t bie hard zu Friesach, und mit ihm waren anwesend: Pfarre St. St-phan und andere Güter. Ulrich erwählter Bischof zu Seckau, Bernhard, Propst zu Friesach, Konrad Pfarrer zu Stainz, der Priester Diet-roin, Otto von Königsberg, Konrad von Wild, Konrad und 9tu* dolph, Brüder von Liebgast (Ligist). Der Oberhirt bestätigte und vollzog in dieser Verhandlung folgenden Tauschvertrag : „die Kirche „des Chorherrenstiftes zu Stainz (apud fluvium, quod dicitur „Stanz) tritt ihr Patronatsrecht auf die Kirche St. Johann an „der Feistritz dem Hochstiste'zu Salzburg ab; dafür soll aber das »Patronatsrecht über die Kirche St. Stephan in Lempnitz an die „Katharinenkirche in Stainz kommen, mit der Bedingung jedoch, „daß Herr Leopold von Wildon, der Stifter des Chorherrrncol-„lcgiums in Stainz, die Renten der Kirche St. Stephans gehörig „entschädige ')." Am 18. März früher hatte der Stifter von Stainz, Leopold von Wildon, mit seiner Gemahlin Agnes und seinen Töchtern Gertrudis und AgneS die Einwilligung erthcilt, daß dem Stifte Stainz eine Wiese, zwischen dem Orte selbst und dem Bache Lemsenz gelegen, nach der letztwilligen Anordnung Wulsings von Wrfsenstein und dessen Bruder Rudlin mit Einstimmung seiner Töchter Mechthildis und Viemuöis, geschenkt und eingeantwortet wurde, vor den Zeugen: den Rittern Walther Schrat, Ortolf von Pergarn, und Ulrich Bawarus; und vor den Dienstmannen (Clientes) Rudlin von Riuriut, Rudlin von Guntenberg, Per-thold von Panholz, und Otto von Lemsenz * * 3). Pernoldus. Anno 1244. I. 381. — Philibert Huber, Austria ex Archiv. Mellic. illustrata. I. 21. Stainzer Urkunde: „Quatenus ecclesiam S. Joannis apud fluvium Feistritz, in qua tune jus habuit patronatus, cedet ecclesiae Salisburgensi et ecclesia 8. Stephani in Lempnitz cedet ecelesiae St. Catharinae jure patronatus, novellae plantationis Leupoldi de Wildonia — et sae-pc dictus Leupoldus redditus ecclesiae S. Joannis cum quinque mar-carum redditibus in villa Maccussendorf, redditus ecclesiae S. Stephani recompensavit. — Datum apud Frisacum. Anno 1245. XV. Kal. Junii.“ 3) Stainzer Urkunde : „Acta sunt haec in capella S. Katharinae in Steinz. Anno 1245. XU. Kal. Martii.“ Im Jahre 1244 hatte der Erzbischof f Eberhard II. von dem Schenken Heinrich von Habesbach erkauft das Gut Lichtenberg bei Stainz und 10 Mark Gülten für seinen Hofmark in Leibnitz. — Hormayr, Archiv. 1828. S. 704. 184 Steiermark unter den Babenbergischen Von Friesach war öer Erzbischof nach Stei- brechtund^Admont. mnOt'E gCfOtmilCIl UNd befüllö sich ÜM 11. Juili 1245 in Straßgang bei Grätz, wo er dem Bischose zu Seckau, Ulrich L, einen Gewährsbrief ausfertigte: für Zehenten in Passail, welche er dem Edelherren Poppo von Seckau zu Lehen gegeben hatte, üemBisthume andere Zehenten zu erstatten, da wo er sie selbst im Lande Steiermark auswählen würde. Als Zeugen dieser Gewähr standen: Otto von Königsberg, Wülfing und Hartung von Leibnitz, und Ortolf von Stretwich J). Am 29. Juni 1245 war der Erzbischof wieder in Friesach. Schon von dem Papste Gregor IX. hatte er Erlaubniß und Vollmacht erhalten, sieben Prälaten seines Sprengels den Gebrauch öer Insel zu gestatten. Am oben angezeigten Tage zu Friesach bekleidete er den Abt Permann von.St. Lambrecht mit den Pontifikalien. Papst Jnnocenz IV. erklärte auf Bitten dieses Abtes auch in diesem Jahre, daß alle anderrechtlichen Belehnungen mit Stiftesgütern und alles, dem Stifte St. Lambrecht entrissene Bcsitzthum ungiltig, und wieder zurückzustellen scy. Von Bozen l.Juli 1245 erhielt auch Propst Nikolaus zu Seckau öas Jndult, zum standesgemäßeren Unterhalte alle bisher besessenen Lehengüter noch fortwährend genießen zu dürfen. Zu Anfang des Jahres 1245 erhielt das Stift Admont zwei Urkunden vom Erzbischöfe Eberhard II. Zuerst vermittelte er eine Ausgleichung mit den Edelherren und Brüdern Heinrich und Walther von Dürenstein, welche unter dem Vorwände, Admont besitze widerrechtlich ein, ihnen zugehöriges Gut zu Gleiming im Ennsthale, die aümontischen Besitzungen zu Münechesberg und Vradesdorf in Baiern an sich reißen wollten. Der Vergleich geschah in Admont selbst durch eine Geldsumme an die Herren von Dürenstein vor den Zeugen: Graf Konrad von Wasserberg, Dietrich Domherr zu Friesach, Eberhard von Truffenbach, Wolfram und Walther von Jahring, des Letzteren Bruder, Konrad von Straßgang, Sprunch zugenannt, Bernhard von Admunüe, Heinrich der Richter von Aömunde, Albert von Scherenburg, Bernhard, der Jäger zu Hall u. v. A. -)• Sodann 1) Dipl. Styr. I. 316—-317: ,,Actum apud Strazganch. Anno 1345. III. Idus Juki.“ Wo» dem Papste Jnnocenz IV. erhielt Bischof Ulrich auch (Lyon, 22. Juni 1245) eine Bulle mit der Erlaubniß, alle, vor seiner Erwählung zum Seckauer Bischöfe genossenen Benesizien noch weiters fort zu behalten, nur daß die Seelsorger daselbst dadurch keinen Eintrag erleiden. — Seckauer Saalbuch. 2) Admonter Urkunde. 185 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. ließ er die Streitigkeit zwischen dem salzburgischen Ministerialen, Kuno von Werven, und dem Pfarrer zu Jröning im Ennsthale über Zehenten in den Thälern Donnersbach und Oppenberg, durch den Erzöiakon und Pfarrer zu Grauscharn, oder auf der Pink, und dem Pfarrer zu Lassing im Ennsthale zu Gunsten der Pfarrkirche St. Peter in Jröning entscheiden '). Lcutold von Wildon, der Stifter des Chorherrenstiftes zu Stainz, hatte die Vogtei über aömontlsche Güter in der unteren March erhalten, dabei aber das Stift und dessen Leute vielfältig bedrückt und ungesetzlich behandelt. Er leistete jetzt ttn Jahre 1245 dem Stifte einen Ge-währbrief, nimmermehr dergleichen Bedrückungen sich zu Schulden kommen zu lassen, und folgende Bestimmungen genau zu beobachten : «keinerlei Forderungen und Beschwerungen dem Stifte zu „stellen, weder selbst noch durch seine Richter; jeder der stistischcn »Leute seiner Vogtei soll künftig sich mit eigener Hand losschwö-«ren können; dreimal im Jahre soll der Richter (der anstatt des „Vogtes selbst kommt) bei den freien Rücksäßigen des Stiftes „(apud liberos cultures) nur mit zwei oder drei Berittenen, je-«doch aus Eigenem, Herberge nehmen, jedoch sich selbst verpflegen; »Richterrecht und Marchfutter soll ihm jedoch nach dem herzogli-»chen Maße gegeben werden; bei Fuhren werde er des Stiftes »Leute auf das Beste verpflegen. Diebe unter Stiftshvrigen werde «er aufgreifen, alles Gut jedoch dabei unberührt lassen; nur über »Diebstahl und Blut werde er als Vogt richten, in allen andern „Fällen aber soll es der Stiftspropst oder der als Hofwerwalter «bestellte Stiftspriestcr thun (sacerdos officialis)." Zu Zeugen dieser Gewähr nahm er die Herren: Rudolph von Liubegast, Konrad von Wildon, Wülfing von Weffenstein, Dietmar von Hopf-garten, Ortolph von Pergarn, Horbord der Richter u. v. A. * 2). Als in diesem Jahre Ulrich von Lichtenstein, herzoglicher Stellvertreter tin Lande Steier, am St. Egydentage zu Gericht saß, wurde die Beschwerde der admontischen Nonnen wider Herbord von Lobning wegen Ueber- >) AdM. Urk. AA. „Dllectis in Christo fratribus in Grouskaren et in Les-nicli plebanis. — Quod inter ecclesiam Iden ich ex parte »na et C. de Werven Ministerialen! Salzburgcnsis ecclesiae cx parte altera super quibusdam Decimis in Noppenberg et in Donnerbach — quaestio ver-tcretur. 2) Adm» Urk. M. 10.: „Acta sunt haec in Stenz.“ 186 Steiermark unter den Vabenbergischen griffen ouf Güter zu Binsterpöls vorgenommen; und, weil Her-borü bis zum festgesetzten Gcrichtstermine nicht erschienen war, er selbst sachfällig und alles angemaßte Gut als Eigenthum der besagten Rannen erklärt vor den Rittern: Dietmar von Lichtenstein, Ulrich und Dietmar Brüder von Reisenstein, Ortolf, Dietmar und Konrad, Brüder von Stretwich, Otto von Pfaffendorf, Ulrich von Obedach, und Gerung von der Aue, Eberwin von Wenge, Ekhart von Binsterpöls, Albert von Winden, u. v. A. '). Gegen Ende des Jahres reifte der Lanöschreiber von Steier, Witego, auf Befehl des Herzogs umher, und hielt an bestimmten Orten Gerichtsoersammlungen und Gerichte -). Am 2. November 1245 saß er in Kraubath zu Gericht, umgeben von den Rittern: Wizard von Massenberg, Dietmar von Plankenwart, Hugo von Perneck, Rüdiger von Prank, Hohold von Leoben, Otto von Pfaffenöorf, Otto von Utsch, Wülfing von St. Peter, Konrad von Sourow, Heinrich von Spiegelberg, Meinhard von Sireich, Ortolph von Kirchberg, Hermann von Krotenöorf, Heinrich von Schofelich, Albert von Purgstall, Wigand und Leutold, Brüder von Lobnich, Walker von Grätz, Eberhard von Truffenbach, Ek-karö, Amtmann zu Leoben, Marold Amtmann zu Judenburg, u. v. A. Auf die Klage des Anwaltes der Admonter Nonnen erklärte er die Ansprüche des Heinrich van Perneck auf ein Gut in Bin sterpels, welches jene Nonnen schon aus der Spende des Herzog Leopold des Glorreichen besaßen, für ungegründet und nichtig i) * 3). GüLr^bd-s Das Hochstift zu Salzburg erwarb in öiefim Hochstifts Salzburg Jahre 1245 von steirischen Edelherren und Mini- DäS Nonnenkloster ™ ... Studenttz erhält die stenalen verschiedene Guter und Lehen. Wülfing $,» smoim. und Steier (cum pulcliro comitatu suorum mi-litum ad Veronam accessiT) z„m Hostage des Kaisers nach Verona, in hoher Erwartung großer Begünstigungen von Seite des K. Friedrich II., welcher ihm bereits durch den Bischof zu Bamberg den königlichen Ring hatte zustellen lassen, zum Unterpfande, daß er nicht ungeneigt sey, Friedrichen die Königswüröe über seine Länder zu ertheilen 3). Auf seine Bitte erhielt Friedrich die Bestätigung der Privilegien seines Hauses, wie sie im Majestätsbriefe K. Friedrichs I. vom Jahre 1156 ausgeörückt waren; wozu noch neue Freiheiten, Rechte und Vorzüge gefügt, und das Majestätsdiplom mit goldener Bulle besiegelt worden ist 4). Wie jedoch in der weitern Unterhandlung Friedrich den Antrag des Kaisers, seine Nichte Gertrude, üieTochtcr des H. Heinrichs des Grausamen, zu ehelichen, ausdemGrunöe zurückwies, weildiese schon seitüemJahre 1241 an den böhmischen Prinzen, Wladislaus, Markgrafen in Mähren, versprochen sey: war auch von Erhebung der Länder Friedrichs zum Königthume weiters keine Rede mehr. Mit Unmuth zog daher Friedrich aus Verona fort 5). Dipl. Styr. I. 315-31«. 2) Chron. Carstens, ap. Rauch. Anno 1345: „Hartnidus de Ort propter suam malitiam, quam circa Salzburgensem Archiepiscopum et alios quam plurimos excrcuerat, in vinculis Ducis Austriac detentus movitur!“ 3) Chron. Carstens, ap. Rauch. Anno 1345. et Ncoburg. ibidem. Schröttcr, Oesterr. Geschichte. II. 503—50«. s) Pernoldus. Anno 1345. — Raynahl. ad Annum 1345. — Hantlialer. I. 903—909. 190 Steiermark unter den Babenbergischen K^ri-mch^vom Nach seiner Rückkehr aus Italien fiel der beT„. Döhmenkönig in das österreichische Land jenseits der Pfarrer Werner zu Donau ein, aufgereizt durch König Bela in Ungarn 01 letigt6i^.cit'ci’ und unterstützt mit Hilfsvölkern aus Kärnten unter Anführung des jungen Herzogs Ulrich, und drang bis zur Stadt Laa vor. H. Friedrich aber fiel unocrmuthet und schnell über ihn her, schlug die Böhmen in einem blutigen Geme-tzel aus dem Felde, bekam den jungen Herzog Ulrich von Kärnten zum Gefangenen, und ließ ihn auf die Burg Stütz in Verwahrung bringen. Dies führte zu einem baldigen Frieden, in welchem König Wenzel allen vermeintlichen Ansprüchen in Folge des Vertrages vom Jahre 1241 entsagen mußte; die Verehlichung aber zwischen dem königlichen Prinzen Wladislaus und Gertrude von Oesterreich neuerdings festgesetzt worden ist '). Am 8. Jänner 1246 war Herzog Friedrich zu Enns mit Bischof Ulrich von Seckau, Propst Thomas von Heitberg, und Meister Liupold, Pfarrer zu Wien, und gab dem Stifte Rein eine Bestätigungsurkunde über die, von seiner Mutter Theodora gespendeten Bergrechte zu Algersdorf bei Grätz 1 2). Kaum hatte Jnnocenz IV., früher des Kaisers Freund, den apostolischen Stuhl bestiegen, so begann er seines Vorführers Plan zum Untergange der Hohenstaufen mit der entschlossensten Erbitterung zu verfolgen. Mit schlauer Politik entfioh er (als gezwungen, sich vor dem Kaiser sicher zu stellen) nach Frankreich, beschuldigte das Reichsoberhaupt vor der ganzen christlichen Welt der verhaßtesten Laster, der Ketzerei, des Kirchenraubes, und sogar der Absicht, den christlichen Glauben nuszurotten; und er forderte die deutschen Fürsten (vergeblich jedoch die meiste», und vorzüglich Friedrichen von Oesterreich und Eberhard II. von Salzburg) 3) auf, einen neuen Kaiser zu wählen, lieber K. Friedrich selbst sprach er sodann auf der Kirchenoersammlung zu Lyon den feierlichsten Bannfluch aus. Wirklich erwählten einige Reichsfürsten, vorzüglich durch Einfluß der Erzbischöfe von Mainz und Trier (im Mai zu Würzburg 1246) den Heinrich Raspe, Landgrafen von Thüringen, als römischen König, und da dieser plötzlich gestorben war, den Grafen 1) Pcrnolilus. Anno 1245. -) Stift Reiner Urkunde. 3) Dipl. styr. I. 317. — In einer Seckaucr Urkunde nennt Eberhurd II. den H. Friedrich „Dilectum amicum nostrum.“ 191 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Wilhelm von Holland als Neichsoberhaupt (1247). Wie schnell der kirchliche Bannfluch über den Kaiser in allen christlichen Ländern verkündigt worden sey, beweist folgendes Begebniß. Der Pfarrer Werner zu Schleunitz in der unteren Steiermark vertheidigte den Kaiser öffentlich und bewährte sich als dessen muthvollen Anhänger. Dies erfuhr Papst Jnnoccnz; und sogleich mußte der Patriarch von Aquileja über den kühnen Pfarrer den Kirchenbann aussprechen und ihn seiner Pfründe entsetzen. Zu Marburg am 2. August erklärte dieses feierlich Konrad, Bischof von St. Guido in Speier, Domherr zu Mainz und apostolischer Legat in Oesterreich und Steiermark, mit dem Aufträge an den Dominikanerprior in Pettau, alle Ausgriffe auf die Güter der Pfarre Schleunitz, nachdem der Pfarrer Werner abgcsetzt fei), (pro eo, quod Friderici imperatoris manifestus fantov exstitit) mit allen Kirchenstrafen hintanzuhalten '). Die unrühmliche Niederlage des Böhmenkönigs ,rriCi^nit1 2 * * * * * * * * * 12*'t u„. und der Kärntner bei Laa hatte de» König Bela lF. s*™.- H. Friedrich persönlich zu Rache und Kampf aufgerufcn. Im Juni ' ' 1246 erschien er mit einem großen Kumancnheere an der Leitha. Am 15. Juni 1246 eilte ihm H. Friedrich mit einer tapferen Heeresschaar von der Neustadt aus kampsmuthig entgegen. Ein blutiges Gemetzel begann. Heinrich von Lichtenstein warf die Feinde auf der einen Seite in die Flucht, während auf der anderen H. Friedrich im Gedränge fortgerissen, von einem ungarischen Edelherrn aus dem Geschlechte der Frangipane an Wange und Auge schwer verwundet und erschlagen wurde u). Der herzogliche Geheimschreiber, Heinrich, fand den Leichnam nackt und an einem Fuße schwer zertreten, bedeckte ihn mit seinem Mantel, legte ihn 1) JohanneumS - Urkunde. 2) Pernoldus. Anno 124ti: „Facta aeerrima pugna hostes rcpulsi sunt, Dux vero glonosam victoviam plenius consummare volens, incauto fer- vore ante suos persequutus est fugitives. — Dux prostratus, a Fran- gipano per oculurn ense perfossus est." — Rauch. I. 373: »Do mit er in die Neustat, als in sein Hercz pat; sein Lewt rite» zu im dar mit maniger herleicher Schar von Steyr vnd von Österreich; ir Schönheit, der was nicht geleich. Do sie alle kamen getiten, do pegund sie der Fürst pit: ten, daz sie went des Morgens pereit; er weit sehen ir Waffen-Kleit, vnd molt Hcrschawe han, ob er den Kunig mocht bestan. Daz pegund in allen gar wohl gevallen. Des Morgens, do der Lag auf kam, vnd der Fürst das vcrnam, do reit er schon auf daz Belt, vnd hiez aufslahn ein Geczelt. Do zogten ft) herfür mit ritterleicher Chur durch Osterfrid wart der Fürst erschlagen.« 192 Steiermark unter den Vabenbergischen auf fein Pferd, eilte damit nach Neustadt und brachte die erste Kunde von diesem großen Unglücke, während das Heer selbst einen vollständigen Sieg in blutigster Niederlage der Ungarn erfochten hatte. Von Neustadt übertrug man den Leichnam unter allgemeinem Jammer und Wehklagen in das von Friedrich vielbegabte Stift zu H. Kreuz und begrub ihn dort nach fürstlicher Sitte. Die schreckliche Nachricht von seinem Tode und der erdrückende Gedanke, daß mit ihm der Babenberger alter, erlauchter Stamm entwurzelt und vernichtet sey, brach das Herz der hochgesinnten Mutter Theodora, so daß auch sie, acht Tage nachher, auf dem Kahlenbergcr Schlosse ihren Geist aufgab, 22. Juni 1246. Ihr Leichnam ruht in Klosterneuburg -). — Der gleichzeitige Ulrich von Lichtenstein erzählt Herzog Friedrichs Tod folgendermassen: Nach discn lieden kom ein tac den ich wol immer hazzen mac, und der mir oft noch teuren git. uns kom ein swindiu snmerzit, dar inne der fürste Friderich, der hoch geborn von (Esterrich, vil jiemerlickcn wart erslagcn. den muoz min lip w ol immer klagen, Und sin oucli immer ja mere sin. er was der rchte herre min, und ich sin echter dienestman.. verklagen ich in.nimmer kan. an im vil höher tilgende lac: der biderben er vil schöne pflac und teilt in ofte mit sin guot: er was vil fürstenlich gemuot. Owe des, ich muoz iu sagen wie jfemerlich er wart erslagen, den ich von herzen immer klage, ez gcschaeh reht an sant Vites tage, der fürste lac mit schtenem her dem lande sin vil schon ze wer gegen dem küneg von Ungerlant: der het ouch witen sich besant. An sante Vites tage vruo der kiinec mit scharen zogte zao. er zogt zuo uns üf einen strit: der geroinve in und di sinen sit. er zogt zuo uns an di Leittä. dö schart ouch sich vil schöne sä der hoch gemuote Friderich, der fürste wert tiz (Esterrich. *) Pcrnoldus. Anno 1246 : ,,D. Theodora, Ducissa, quac tune in curia Kalenberch erat, audita filii morte adeo expavit, ut ad mortem infir— marctur, nec funeri adesse potuit, quin ipsa quoque octava postea die mortua est, in Neunburg scpulta.“ — Chron. Salisb. Pez. I. et Clau-stroneob.: ,,Prac dolore transactis diebus modicis exspiravit.“ — Chron. brev. Austr. Pez. I. c. 686: „Bellum movit contra Belam regem Un-gariae. et victoria potitus dubium est, utrum ab amicis vel inimicis circa oculum cuspide vulneratus interiit anno 1246.“ — Chron. Mel— licens. ibid.: „Victoria potitus, nescio quo casu miserabiliter occiditur.“ — Chron. Salzb. ibid.: „Vel a suis vel ab hostibus (sicut dubitatur) fuit intcremptus.“ — Chron. Zwettl, ibid.: „Iniit praelium cum rege Bela Ungarorum juxta Littam et interfectus est in pradio XVI. Kal. Julii.“ — Tab. Claustroneob. ibid.: „Ward et mit einem Spieß durch das Aug gerant, daß er van seinem Pferd kam und ertretten ward; und ist ein Zweifel, ob er von Stinten oder von Freunden seines Lebens beraubt worden sei." — Chron. Augustens. Freheri. I. 373. Anno 1238. Joann. Viet. — Boehmer, Fontes. I. p. 281 — 282: a Suis perfoditur ? Anon. Leob. p. 805: occisus est a propria familia ? -- Hantha-ler. I. 913-916. Herzogen. J. 1192—1246 n. Ehr. 193 Den strit tiht ich iu gerne gar, wie da hestuont diu schar di schar, und wie man kom iibr di Leittä, und wiez di biderben täten dä, und wi der und der wart erslagen ; wan daz icbz dar umb wil vcrdagen. ez ist getilitet e vor mir, da von ich der niwe wol enbir. Und wilz in gar kurzlichen sagen, wie dä der fiirste wart erslagen. der Rinzen schar huop dä den strit gein den kom schöne an der zit mit einer schar nun her Heinrich von Lichtenstein, der muotes rieh : er fuort den vanen in siner liant. zwischen die zwo schar kom geraut. Der w erde fiirste Friderieh: er mant di sinen ritterlich, er sprach ’nu stritet liiutc wol; drumb ich juch alle riehen sol. ich wil iu nimmer niht versagen für war bi allen minen tagen, sw es iwer deheiner an mich gert, des sol er alles sin gewert’. Owe des daz dä geschach ! der fiirste leider übersaeh daz dar gesprangte der Hinzen schar (daz übersaeh er leider gar), die wile er hie di sinen mant. der Hinzen schar do kom gerant hindeu üf den fürsten rieh : dä von gelac er jaemerlich. Der strit zesamne schön kom sä. dö weste ouch niemen daz lac dä des strifes herre ze einer sit. Üf dem stuont vast enstet der strit: owe ouwe der grozen not! dä gelac der fiirste tot. den vant sit ligende jämmerlich sin schriber, der hiez her Heinrich. Der strit üf im vast gienc entwer, iezuo hin und iezuo her. den sic jedoch aldä gewan von Lichtenstein der biderbe man. der gebärt da unglich einem zagen, bi im vil liute wart erslagen. die Hinzen muosten wichen dä: si huoben sich ze flöhte sä. Der schriber Heinrich al zehant den riehen fürsten ligende vant. er vant in ligent jaemerlich: ez het der edele fürste rieh an im niht wan ein spaldenier und einen schuoch, geloubet mir, und niht wan sin linin kleit. daz müez got immer sin gekleit, Daz man in also ligent Vant, der herr w as über manic lant! er het niht wunden niwan ein in sin wange und daz sin bei» erswarzet was von einem trit. -dä inuost sin ungelücke mit, daz dä von ie den tot gewan ein also gar volkomen man. Der schriber in sus ligende vant. der legt in uf ein pfert zehant, dar üffc er jämmerlichen lac, twerhes drüber als ein sac. einen mandel warf er über iu. sus fuort ern in die stat hin : da bekante weder man noch wip des hoch gebornen fürsten lip. In eines burgers hüs geleit wart der fürst swachlich gekleit. verholn man in ze kirchen trnoc: dä lac er ouch swachlich genuoc. dö er sus armer hie gelac, uf dem veld vil manic slac wart ze dienest im geslagen. daz müezen noch die Unger klagen. Der strit wart ritterlich gestriten, der Unger nider vil geriten. die muosten vlichen sunder dane : mane biderbe litter si des twanc. üf der jagät wart geseit daz boese swinde swerende leit, 'daz der fiirste waere erslagen. dä huop sich weinen unde klagen. Swem dä daz msere wart geseit, des lip dä fürbaz niht enreit. des kom der Unger maneger hin: ze fliehen stuont gar al ir sin. dä waere gelegen maneger tot, wan durch di swinde klagende not. di klagenden jagten dä niht me: in tet ir herreu sterben we. Oesch. 6. Steiermark. — V. BS. 13 194 Steiermark unter den Babenbergischen Ir sült für war gelouben daz, da wart manc ritters ouge naz. da man den fürsten toten sacli, daz har da maneger vast üz brach, der klagte sus, der klagte so : wir wären all von rehte unvro, wan unsz ein wcrndez leit gebot, uns Iac ein biderber lierre tot. Er wart von schulden vil gekleit. ze dem lieilegen Kriutz wart er geleit, bestatet wol nach fürsten sit. nu bit ich des, daz man in bit, der.elliu dinc beschaffen hat, daz im der sele werde rät, und daz er im gemedic si durch di sinen namen dri. Got miiez sin pflegen: er ist nu tot sich hnop nach im vil groziu not ze Stire und oucli ze (Esterrieh, da wart maneger arm, der e was rieh, für war ich iu daz sagen wil, nach im geschacli unbildes vil: man rouht diu laut naht unde tac ; da von vil dörfer wüeste lac. Die riehen wurden so gemuot daz si den armen nämn ir guot. daz was jedoch ein swachez leben, den got het guotes vil gegeben, daz die den armen täten leit, da mit si swanden werdikeit. swen so die armen erbarment nihf, daz ist hie und oucli dort enwiht. Sflft Voran AIN 20. Februar 1246 zu Lyon crtheilte Papst Jnnocenz IV. dem Chorherrenstifte zu Stainz auf Bitten des Seckauerbifchofes Ulrich I. einen Bestätigungsbrief '). In der gefetzlosen Epoche des Zerwürfnisses zwischen dem Lan-üesherzoge Friedrich und dem Kaiser ist gleich den andern Stiften auch das Stift zu Vorau von den umwohnenden Eöelherren und Dynasten an Gütern und Leuten vielfach beschädiget und bedrückt worden; und diese Gewaltthaten nahmen nach Herzog Friedrichs Tode schnell überhand. Die Vorauerchronik schätzt die Beschädigungen durch Gottschalk von Neuberg, Heinrich von Hartenfels auf Thalberg, Rudolph und Gerhard von Krumbach oder Thalberg, Heinrich an der Teichen in der Pinka, Heinrich von Stainberg, Wülfing von Frieöbcrg, Konrad von Aichberg, durch die Herren von Staöek, Wülfing von Stubenbcrg, Rechlin von Feistritz, Rudolph von Traunstein, durch die Herren von Punch-eim, auf stiftifchen Gütern zu Frieüberg, um Vorau selbst, dann weiters in Fillenbach, Starkau, Dobruten, Mülldorf und anüer-orten, auf mehr denn 1300 Pfunden Geldes. Ein wesentliches Verdienst um die Wahrung und Sicherstellung der stiftischen Güter vor weitern Beschädigungen erwarb sich der Stiftspropft Gebenno, welcher durch Unterhandlungen, durch Bitten, Drohungen und durch Zuhilfnahme gerichtlicher Gewalt die meisten dieser Herren zur Wiedererstattung der Beschädigungen und des Ge- ) Stainzer Urkunde: ,,Ut ex parte sua erat propositum coram nobis I,eu-toldus de Wildonia miles comministerialis ducatus Styriae — datum I-ugduni X. Kal. Martii.“ Herzogen. J. 1192 — 1246 n. Chr. 195 raubten bewog. Vorzüglich waren es Sie Herren Rudolph, Gebhard und Heinrich von Thalberg oder Krumbach, welche dem Stifte zu Vorau zur Sühnung aller demselben früher von ihnen zugefügten Unbill mehrere Güter zwischen St. Jakob und Walübach gelegen, zu Eigen abtraten J). Der Patriarch Berthold von Aquileja ließ sich $tubfn-i412^/4t die Erhebung des Nonnenklosters zu Stuöenitz sehr S-ckm,. cserfamm" angelegen seyn. Zu Stain am 8. August 1246 erließ er in seinem Sprengel einen Aufruf, diesem Nonnenstifte mit Schenkungen aufzuhelfen (ad cujus consummationem et mo-nialium sustentationem propriae non suppetunt facultales) mit Zusicherung eines Ablasses für alle frommen Helfer * 2). In der letzten Hälfte des Jahres befand sich der Erzbischof Eberhard II, in Steiermark. Durch den Tod Reiinberts von Murrst bekam er die günstige Gelegenheit, für Zehenten in Passail dem Bisthume zu Seckau den Ersatz mit Zehenten tm Sacka- und Sulmthale zu leisten, welche bisher die Herren von Mureck als Hochstiftslehen inne gehabt hatten. Bei seinem Aufenthalte in Schwanenberg 20. October 1246 errichtete er und siegelte die Urkunde darüber vor den Zeugen: Ulrich, Bischof zu Lavant, Otto, Dompropst, Friedrich von Leibnitz und Algoz, Domherr zu Salzburg, Hermann, Spitalmeister im Cerewald, Konrad von Horneck, Konrad von Han-nau, Otto von Königsberg, Hartniü von Pcttau, Wulsing von Stubenberg 3). Am 13. September I. 1246 (Datum apud Bet-tov) war der Erzbischof in Pettau mit Ulrich, Bischof zu Sek-kau, Otto, Dompropst zu Salzburg, Friedrich von Leibnitz und Algoz, Domherr von Salzburg, Otto von Königsberg, Wiedmar 13* . *) Caes. Annal. II. 186 —187: „Innumerabilia damna lioc monasteriuni sustinuit. — Isto tempore (I. 1242) intra spatium aliquot annorum, Voraviensi ecclesiae damna inßnita illata sunt, praecipue post obitum Friderici Ducis.“ — P. 205: „Rudolplius ex Thalberg pro illatis dam-nis, quibus ecclesiam Voraviensem graviter damnificavit, cupiensque satisfacere eidem ecclesiae, una cum consensu fratrom suorum Geb-hardi et Henrici 3 cortibula 10 denariorum annuatim persolvcntia, quae sita sunt inter S. Jacobum et villain, quae dicitur Waldpach, manu potestativa tradidit.“ !) Studenitzer Urkunden im Johanneum. 3) Dipl. Styr. I. 317- 318: „Datum apud Schwannenberch. anno 1246. X. Kal. Novembris.“ Am 15. December Judenburg 1246 trat Dietmar von Lichtenstein dem Stifte zu Seckau einen Hof zu Schönberg um 20 Marken Silbers ab, Actum in Judcnburch. Anno 1246. XVIII. Kal. Jan. 196 Steiermark unter den Babenbergischen von Weizenek, Rudolph von Stadek, Ernst von Ralle, Otto von Purch und Heinrich von Rohatsch, und bestätigte das Patronatsrecht der Kirche St. Georgen unter dem Steine, welches schon früher die Brüder Friedrich und Hartniö dem Stifte St. Paul im Lavantthale übergeben hatten J)* T°d am * 2- December 1246 starb dieser ungemein Erzbischofs verdienstvolle Kirchenfürst zu Rastadt, gekränkt noch am Rande des Grabes; — denn er starb gebannt'). Eberhard war gleich groß als Staatsmann und als Metropolit. Die Zeitgenossen nannten ihn den Großen, (magnus Eberliar-dus), den Friedliebenden, den Later der Armen; sein erhabner Geist glänzte durch eine nach dem Standpunkte seiner Zeiten hohe wissenschaftliche Bildung (vir magnae litteraturae) und bewährte Scharfblick und Klugheit in allen Geschäften des Staates und der Kirche (existimatione prudentiae gloriosissime rexit). Die Erhebung Eberharö's auf den Metropoliten-Stuhl von Salzburg verwarf zwar der übermüthige Papst Jnnocenz 115., weil sie ohne seine Erlaubniß geschehen; Eberhard aber, rechtmäßig erwählt, blieb in seiner Würde, ungeachtet man ihm Bestätigung und Pallium lange Zeit oorenthielt. Hochgeachtet von allen Fürsten des Reiches, war er der unerschrockene Dollmetsch ihrer Reklamationen gegen die angemaßten Uebcrgriffe des apostolischen Stuhles (I. 1201); und er behauptete gegen den hochfahrenden Papst Jnnocenz III. eine solche Haltung, daß Bestätigung und Pallium erfolgten. Immer stand Eberhard II. nur für jenen Kaiser, gegen welchen Rom sich mit allen Waffen erhob: so für K. Philipp, welcher ihn hinwiederum mit den reichen Spenden der Herrschaften Lenzberg und Winöischmaltrei auszeichnete 3); und mit Leib und Seele für den gewaltigen K. Friedrich II., an dessen Seite Eberhard II. nicht nur am Hoflager, sondern auch in den zahlreichen Fürstenversammlungen als geistvoller und energischer Rath- St. Pauler Urkunde im Zohanneum. 2) Chron. Neuberg et Cliron. Garst, ap. Rauch. Anno 1246. — Saalb. von Admont. III. 37. 3) Juvavia, Abhandlung. 364. a. b. Eberhard vermehrte auch das Urbar des Hochstistes durch ansehnliche Güterkaufe, wie der Veste und Herrschaft Ris-berg in Kärnten von Benedikte, Gemahlin Hartnids von Ramstein, und Tochter Remberts von Mureck, deren Erbgut ein Antheil jener Beste gewesen ist. — Salzb. K. B. Herzogen. J. 1192-1246 n. Chr. 197 gebet vielfach austrat, und der auch dieses Prälaten innige Ergebenheit für seine Person und seine Interessen nach ihrem vollen Werthe anerkannte (gratam et laudabilem fidem). Beseelt von solchen Gesinnungen für seinen Kaiser entwickelte er ungemeinen Starkmuth wider den fanatischen Friedensstörer, Albrecht von Böheim, dessen freche Forderung: gegen den Landesherzog Friedrich in Waffen sich zu erheben, und K. Friedrich den Gebannten zu verlassen, er würdevoll von sich wies, ohne durch deffen leidenschaftliche racheathmenöe Briefe, die er kaltblütig zerriß und mit Füßen trat, sich einschüchtern zu lassen '). Auch gegen über-müthige Bedrückungen der Kirchenvögte erhob sich Eberhard mit Kraft und mit allen geistlichen Waffen. Sonst aber war er milde, friedfertig und trat überall versöhnend auf * 2)- Die Ausgleichung zwischen Herzog Bernhard von Kärnten und Ekbert, Bischof zu Bamberg, zwischen Herzog Friedrich und dem mächtigen Kaiser war größtentheils sein Werk. Mit Herzog Leopold dem Glorreichen und Friedrich dem Sohne desselben lebte er in innigster Freundschaft. Als kirchlichen Oberhirten verklären ihn die glänzendsten Verdienste. Während seines Oberhirtenamtes von fast fünfzig Jahren ist kaum Ein Jahr zu finden, wo er nicht seinen Metropolitansprengel oom Jnnstrome bis an die Gränze der Magyaren bereist hätte 3). Und in der lebhaften Ueberzeugung, daß der kirchlichen Arbeiten so viele, und der Arbeiter zu wenig wären: ward er der wahrhaft apostolische Mann und großmüthige Gründer der Bisthümer zu Chiemsee, Seckau und Laoant. In Salzburg unterhielt er berühmte Lehrer, um seinen Clerus in theologischer Bildung möglichst erheben zu lassen. So war Eberhard II. sein ganzes Leben hindurch; und am Ende desselben ließ er von seinem Kaiser auch da nicht ab, als Papst Jnnorenz IV. denselben als Ketzer, als Heiden und Kirchenräuber bezeichnete. Auch der päpstliche Bannfluch, auf ihn selbst geschleudert, machte ihn in dieser Haltung nicht zweifelhaft. Er nahm ihn getrost mit in die Gruft; bis ihm endlich, nach 42 Jahren, eine billiger urthei-lende Generation die verdiente Grabesruhe tin Dome zu Salz- !) Hansiz. I. 377. "3 Pacis amator praecipuus Eberhardus piissimus Archiepiscopus. — Chron. Neuberg et Salzb. ap. Pez. I et Canis. — Adm, ©flfllb. III. 37. 3) Hansiz. II. Corel. 053 — 959. 198 Steiermark unter den Vabenbergischen bürg, neben feinen großen Vorgängern, trie er alle an Verdiensten bei weitem übertraf, zugestanü, die bei der Erhebung des großen Heiligen Virgilius auch feine Gebeine von Rastadt nach Salz, bürg übertragen und mit denen des Bifchoses Virgilius in Einem Sarge beifetzen ließ (1288) '). Bericht- der Gleich- ^ ^m Tode öiefer beiden, durchgreifend z-itg-n über H wirkenden Männer trat über Land und Leute in Friedrich den streit- , baren. Oesterrerch und Steiermark eine unheilvolle Epoche ein, welche auch darum alle Zeitbücher mit Wehklagen bezeichnen. Der Chronist von Admont sagt: „Nachdem triefe zwei ruhmvollen „Fürsten, Friedrich von Oesterreich und Eberhard der Erzbifchof „hinübergegangen waren, war Friede und Sicherheit allenthalben «aus dem Lande gewichen V' Pernold, der Gleichzeitige, jammert: „Mit Friedrichs Tode fchlug Oesterreich trie Stunde na-„menlofen Unglückes, das endlich fogar feinen Schmähern die Au-„gen öffnete, daß auch sie ihren Herzog und Herrn endlich als „den wahrhaft einzigen erkennen und beweinen, und eine Welt „bewegen würden, um ihn (vermöchten sie es nur!) aus der kal-"fen Erde wieder zurückzubringen. Mit ihm ward die öffentliche „Wohlfahrt zu Grabe getragen; Niemand vermag mehr die Ver-„gewaltigungen boshafter Uebermacht zu fchützen, feit er nicht „mehr das unerbitterliche Richtfchwert handhabt * 2 3).« Hansiz. H. 313—344. — Ottokar von Horneck. p. 352. 2) Saalb. HI. 37: „Quos glorioses principes ideo memoriae commendan-dos duximus, quia ipsis defunctis pax et securitas totius terrae an a cum ipsis funditus exspiravit!“ — Die Garstner Chronik Rauch. I. 34: „Austria et Styria quasi terra una sedet in pulvere tristis et gema-hunda suis principibus et heredibus desolata.“ 3) Pernoldus. Anno 1246. — Chron. Zwettl ap. Rauch: „Austria et Styria quasi terra una sedet in pulvere tristis et gemabunda et heredibus desolata.“ — Der Anonym, de Posteris 8. Leopoldi p. 576 sagt; „Orta sunt mala in Austria et Styria innumerabilia post mortem Friderici Ducis.“ — Tabul. Claustroneob. Pez. 1. 1026. — Stark sind die Aeußerungen des Chron. Augustens. Freheri. I. 378: „Occiso itaque Friderico potentissimo et inquieto Duce Austriae et Styriae, quanta mala fere per sex annos utraque provincia sit perpessa, nullus valet scribere vel narrare. Nam quilibet nobilium imo magis ignobi-lium nee Deum neu homines reveritus, quodcunque volebat, faciebat, homines ad munitiones vel cavernas terrae fugere non volentes capti-vando, vulnerando, occidendo et excogitatis et hactenus inauditis tor-mentis miserabiliter cruciando.“ — Anonym. Leobiens. Pez. 1. 805 — 806: „Post mortem Friderici Malta discrimina orta sunt in Austria 199 Herzogen. J. 1192—1246 n. Chr. Auch der Dichter des Frauenöienstes und Frauenbuches, Ulrich von Lichtenstein, erhebt folgende Klage: Got miiez sin pflegen: er is nu tot. sich huop nach im vil grdziu not ze Stire und oucli ze (Esterrieh, da wart maneger arm, der e was rieh, für war ich in daz sagen wil, nach im gesehach unbildes vil: man roubt diu lant naht unde tac: da von vil dörfer wüeste lac. Die riehen wurden so gemuot daz si den armen nämn ir guot. daz was iedoch ein swachez leben, den got bet guotes vil gegeben, daz die den armen täten Ieit, da mit si swanden werdikeit. swen so die armen erbarm ent nilit, daz ist hie und oucb dort enwiht. ') Auf den biedern, besonnenen und gemäßigten Vater, Herzog Leopold den Glorreichen, war Friedrich der Streitbare für Oesterreich und Stcier eine auffallende und erschütternde Erscheinung. Vorherrschend glänzte er in den Eigenschaften des Kriegers und Feldherrn (Miles potens, strenuus et ad arma perfectus, sagt die Garstnerchrvnik) in Waffenkunst, Kühnheit, Helöenmuth, persönlicher Tapferkeit, Geistesgegenwart und Beharrlichkeit, obwohl bei der Heftigkeit des Charakters, bei dem herrischen Willen des Kriegers, und bei einer bis zur Grausamkeit sich steigernden Härte selbst in Gerichten 2), seine sonstige Großmuth, Pruniliebe, Biederkeit und lebhafte Zuneigung gegen alle andern Ritterlichen und Biederen 3) zu sehr in den Hintergrund traten. Von den Eöle- et Styria ex propriis Baronibus et ab alienis Principibus.“ — Han-thaler. I. 916 -919. 1) Ulrich von Lichtenstein, Frauendienst, p. 530. 3) Ulrich von Lichtenstein sagt von ihm p. 469: „dez müez sin sele Saelie sin dez er die biderben wol beriet und si gar von ir kumber soviet." 3) Dipl. Styr. I. 313 — 315: „Dilectns amicus »oster Heinricus episco- pus Seccoviensis!“ 200 Steiermark unter Len Babenbergischen ren und Verständigem ward daher H. Friedrich ungemein geachtet und verehrt, und zählte die kirchlichen Oberhirten, Eberhard zu Salzburg, Heinrich' und Ulrich von Seckau zu seinen ergebensten Freunden, während ihn die Uebrigen weit mehr fürchteten als liebten J): und wohl vorzüglich aus dem Grunde, weil er in den Tagen der Bedrängniß gegen herkömmliche Sitte und Gewohnheits-Nccht das mit Gewalt sich nahm, was er in der Noth zu seiner Erhaltung als Landesfürst von Oesterreich und Steier unerläßlich brauchte. — Hinsichtlich der Kriege, in welche H. Friedrich verwickelt ward, und welche nicht geringes Unheil über Oesterreich und Steiermark brachten, bewähren sich in der von uns gegebenen Darstellung die Worte des gleichzeitigen Pernoldus vollkommen --Frauen waren die Ursache der Kriege. Die erste, die grie-„chische Sophia, die Tochter des griechischen Kaisers Theodorus „Laskaris, eine Schwester Maria's, der Gemahlin deS Ungarn-„königsBelalV., die er nach dem schnellen Tode der braunschwei-"gischen Gertrude geehelichet, aber mit Wissen und Einwilligung „des Vaters wieder entlassen hatte. Die zweite, Agnes, eine Toch-»ter Herzog Otto's von Meran und Enkelin der Gertrude, der »ermordeten Ungarnkönigin, welche H. Friedrich zum zweitenmnle »zu sich genommen, aber auch wieder entlassen hatte. Die dritte „Margaretha, H. Friedrichs leibliche Schwester, Gemahlin des rö-»mischen Königs Heinrich. Wegen Entlassung der ersten, der So-„phia, verwüsteten K. Andreas von Ungarn, Vater und Sohn, „Oesterreich, und verbanden sich zu öiesemZwecke auch mit demDöh-»menkönige Przemisl. Auch die Schmach der zweiten, der Agnes, „suchte K. Bela IV. und seine Verbündeten mit gewaffneter Hand »an H. Friedrich zu rächen. Die Verehelichung der Margaretha »mit K. Heinrich VII. gab frühzeitig Stoff zu Zerwürfnissen und »endlich gar zum gräuelvollcn Kriege zwischen dem Kaiser Friedrich i!, »und dem Herzoge, wegen der Morgengabe, welche Herzog Leo-„pold der Glorreiche noch nicht bezahlt hatte, und Friedrich aus „wichtigem und nicht ungerechtem Grunde nicht bezahlen wollte. 1) Chron. Augustens. Freher. t. 372. — Anna!. Altahens. Oeffele. I. 672. — Chron. brcv. Austriac. Pez. I. 685: ,,Iste Fridericns cum esset severus, in judicio districtus et crudelis, magnanimns in praeliis, in thesauris congregandis cnpidus, ■ terrorein snum sic fudit super indigenas et vicinos, ut non solum non diligeretur, sed ab omnibus timeretur.“ 201 Herzogen. J. 1192—1246 tt. Ehr. »Den Hergang von diesem Allen will ich nun aufrichtig schildern »wegen der vielen Verleumder des Herzogs, welche, wenn es „Gott zugclassen hätte, strebten, ihn durch Waffen und Empörung „und durch andere, ihm angedichtete Frevel, nieöerzuwerfen, und »mit des Kaisers Hilfe, von welchem sie wußten, daß er des „Herzogs Feind sey, gegen welchen er auch auf das Verderblichste »in Schrift und That vorgcgangen ist." Dieser Verhältnisse, als wirkende Ursachen, natürliche Folgen waren, der Heerzug Friedrichs gegen Baiern, die möglichste Anstrengung aller Kräfte seiner Länder zur Gegenwehr, die Erhebung vieler einheimischer Dynasten gegen ihn aus altem Grolle und aus Hang zur Ungebundenheit fowol als zu Raub und Gewinn in der allgemeinen Verwirrung, und dies Alles unter dem Vorwände, dem Reichsoberhaupte mehr als dem Herzoge, dem Rcichslehenträgcr, gehorsamen zu müssen. Ueber Friedrichs Härte, womit er vorzüglich von den Klöstern gewaltthätig Tribute erhoben hatte, äußert sich am bittersten die Klosterncuburger- Chronik mit vielen Nachschreibern, in ivelchem Geiste des Vorwurfes jedoch andere Zeitbücher nicht einstimmen: ja von solchen Gewalt-thätigkciten ganz schweigen. Wieder mag hierüber Herzog Friedrich an dem gleichzeitigen Pernold seinen achtungswerthen Ver-theidigcr haben, welcher also schreibt: »Der Herzog, über die Seinigen mehr ergrimmt als über »die Feinde (nach seinem schmählichen Rückzüge aus Ungarn I. »i23G) schrieb in beiden Ländern eine ungewöhnliche Tributforde-,rung von Jedermann aus, auf daß er das, durch die Feigheit »der Seinen verlorne Gold aus der ihnen auferlegten Geldstrafe »wieder gewänne. Er dcmüthigte tief mehre Aüelichc, welche frü-»her sich geweigert hatten, zu streiten (die den Heerzug verweigcr-»ten) indem er an ihrer Statt Niedrigere aber Folgsamere erhöhte. „Klöster, welche wegen Weigerung der Kastenvögte keinen Tribut »leisteten, zwang er durch Soldaten und Bedienstete dazu. Durch »Unterredung und Bitten suchte ihn seine Mutter Theodora zu »milderem Verfahren zu bewegen; er aber entschuldigte sich durch „die Nothwendigkeit. Daher wich sie von seiner Seite aus Furcht „vor Empörung. Denn die, durch die Neuheit des Tributes er-„bittertcn Untergebenen, welche entgegen auch zu übergreifcnd den „strenge richtenden Herzog nicht ertragen wollten, verschworen »sich, und so wie diejenigen, welche dem Lanüesfürsten Leistungen 202 Steier. unt. d. Babenb. Herz. J. N92 —1236n.Chr. „über das Gewöhnliche thun müssen, aus Unduldsamkeit ihre Zunge „nicht mehr im Zaume halten, vieles Falsche und Schändliche, „von Andern vollbracht, gleichsam als sey es von dem Herzoge „zugelassen, ja sogar befohlen worden — verleumderischer Weise „neben den Tributen au ihn bei dem Kaiser beschuldigen, ver-„langten sie einen andern Landesfürsten. — Seinen ungerechten „Heerzug gegen Ungarn, um dadurch die ungarischen Unzufrieöe-„nen zu unterstützen, und den eigenen, leidenschaftlichen Ehrgeiz zu „befriedigen, hat schon das Urtheil seiner eigenen Zeit verdammt, „und eine schnelle Nemesis durch schmachvollen Verlust undHeim-»zug bestraft ')." — Jedoch wohl nicht dem unvermutheten Heimgange dieses strengen und gefürchteten Landesregenten ist die Raubsucht und Gewalt der Edelherren, welche jetzt so sehr'Personen und Eigenthum gefährdeten, zuzuschreiben, sondern allein nur der längern Zeit, in welcher Oesterreich und Steier ohne einen gesetzlichen Herrn und Landesregenten gewesen sind. DieS bezeichnen auch die Chroniken wirklich als die wahre Ursache gesetzloser Verwirrung. Der letzte Grund aber liegt in dem zu dieser Zeit auf den höchsten Grad gestiegenen Zerwürfnisse zwischen dem Kaiser und dem Papst. !) Haiithal. Fasti Campilil. I. 913. — Caesar, Anna!. II. I—32. Den Verfasser der Historia Ducum Styriae leitete mehr die Sucht, mit lateinischen Floskeln zu glänzen, als der Geist wahrer Geschichtschreibung. IB. unter Ungarischer und Döhmischer Herrschaft r i 6 zum Eintritte der Habsburgischen Fürsten vom I. 1246 bis I. 1283. ' iS -.v ti ■ ■ > . > .iti Ml i 'Mtz . . .j ' - n ■ ■ ¥ /v»! ii ■ . Ms k .t m a*ti :s ' Ä ^ , I. 1246. crgog Fneürich der Streitbare war itn £)efterm$ unbstci. fünfunddreißigsten Jahre seines Alters ohne Leibes- R-7ch7-h7^rchan. erben aus dem r!eben gegangen; auch hatte er tn stein, Reichsstadt-keinem Testamente einen Erben und Nachfolger für tu u’ ten,cl6c"' seine Länder und Lehen ernannt, wozu der Fürst von Oesterreich zu Folge des Gewohnheitsrechtes und der Majestütsprivilegien seines -Hauses berechtigt war ')• Bon Herzog Friedrichs Verwandten waren seine Schwester Margaretha, Witwe des römischen Königs Heinrich VII. (geboren 2. April 1202), damahls im Kloster der Dominikanerinnen St. Katharina bei Trier -); Konstantia (geboren 6. Mai 1212), die zweite, jüngere Schwester, an Markgrafen Heinrich von Meissen verehelicht, welche bei ihrem Tode im Jahre 1243 zwei Söhne, Albrecht und Dietrich, hinterlassen hatte; Gertrude, die dritte Schwester (geboren 7. Jänner 1214), Gemahlin Heinrichs Raspe, Landgrasen von Thüringen, ohne Kinder um das Jahr 1245 gestorben, und die Nichte, Gertrude, Tochter Heinrichs des Grausamen, mit Agnese von Thüringen, vermählt mit Wladislaus, Markgrafen in Mähren, ältestem Sohne des K. Wenzel Ottokars von Böheim 3). Alle diese hatten auf Besitz und Regierung der Länder Oesterreich und Steier als Reichsfürstenthümer keinen rechtlichen Anspruch: weder nach den besonöern Privilegien der Dynastie, noch nach dem deutschen Lehenrechte; weil damals keine Erbfolge der Brüder, Schwestern und übrigen Schwert- und Spillmagen rechtli. cher Weise bestand, noch durch irgend ein Gesetz zugelasscn war- 's Aus Passauer Urkunden weiß man zwar, daß H. Friedrich in der Nacht vor seinem Tode im Kampfe mit den Ungarn gebeichtet, und daß er auch ein geheimes Testament aufgesetzt habe. Jedoch ist eben nichts Näheres darüber bekannt; es ist auch nie eines anerkannt worden: ,,Nos plenarie confess! quoddam testamentom confecimus et quasi oecultum; donee illi con-surgant, quibus ordinavimus terras nostras.“ — Wien. Jahrb. d. Lit. LX1V. Anhang, p. 21-23. z) Horneck. p. 24. 3) Joan. Victor, in Boehmer Font. l. 280 — 281. 206 Steiermark bis zum Eintrilterder den ist ’). Nach Herzog Friedrichs Tode erkannte daher Niemand weder im deutschen Reiche, noch in Oesterreich und Steier den genannten Verwandten desselben und ihren Kindern eine gesetzt liche und rechtliche Nachfolge in Besitz und Beherrschung seiner Länder zu; sondern Oesterreich und Steier wurden (nach der übereinstimmenden Gesinnung und Ueberzeugung der Landesbewohner vorzüglich in Steiermark) als eröffnete und dem deutschen Reiche anheimgefallene Reichssürstenlehen angesehen, und von K. Friedrich II. auch wirklich als solche behandelt -). Sogleich sendete er daher den Grafen Otto von Eberstein (auch Herr von Aich zugenannt ; comitem de Ach Snevicae nationis) als Reichsoerweser mit Vollmacht nach Oesterreich und Steier, um diese Länder im Namen des Kaisers und Reiches in zeitweiligen Besitz zu nehmen und zu verwalten 3). Dieser nahm alle Prooinzialstänöe und Bewohner in Eid und Pflicht; und er ward als Reichsvogt (als Capitaneus et Procurator Sacri Imperii per Austriam et Sty-riam) überall anerkannt und ausgenommen, und fand in Oesterreich und Steier willigen Gehorsams. J) Schrötters Abhandl. V. vom öftere. Staatsrechte. p. 68—78. Der gleichzeitige Pemold aber spricht offen von einem Erbrechte bet Töchter: Anno 1245. ,,Post mortem Ducis, sicut constituit et dedit Privilegium Fri-dencus I. Imperator, Austriae Ducatus spectabat ad seniorem filium Ultimi Ducis, qui talem post se reliquit. Fridericus nullum liabuit — quare — senior filia Liupoldi Ducis Romanorum quondam Regina Domina Margaretha haeres fuit.“ ") Won der Stadt Wien sagt St. Friedrich II. in seinem Majestätsbriese (I. 1247) : „Civitate ipsa post obitum ejusdem Ducis ad nostrum et imperii Dominium libere devoluta.“ — Ottokar von Horneck sagt in seiner Chronik p. 23: »Wan sy nach Lehensorden dem Reich sind ledig worden (nämlich Oesterreich und Steier);« und p. 30 läßt er den K. Wenzl von Röheim sagen: »Es ist alsus gewant, Umb Österreich daz Cant, daz es dem Reich ledig ist! Davon wisst, in welher Frist dem Reich Wirt erwellt ein Vogt, chompt er hernider nicht geczocht, doch, wird er inne sich erleich, daz der Kaiser Fridreich sich mit Poten underwant Österreich und Steyerlant do ez dem Reiche ledig wart.« — Lambacher, Oesterreich Interregnum, p. 4—7. — Caesar, Annal. II. p. 45: „Austriam et Styriam a Friderici hellicosi märte vacasse censeo eo quod tempore Rudolphi I. collatera-lis successio in feudis Germani imperii nondum inducta fuerit.“ *) Horneck. p. 23: »Seinen Poten hie man fant und sach einen hohen Herrn von Ach, der sich der Land underwant, darumb het jn ausgesannt von Rom der Kaiser Friedreich her ze Steyr und ze Österreich.« — Boehmer. Font. I. 282. 1‘) Pernoldus. Anno 1246: „Imperator vero nunciata sibi Friderici Ducis morte statim ex partibus Rheni illnstrem Ottonem comitem de Eberstein submisitViennam, praecipiens ut jura Provinciae pro imperio curaret.“ — Der Anon. Leob. Pez. I. Anno 1246 nicht ohne Unrichtigkeiten. — Chran. Claustroneob. et Carstens, ap. Rauch. Anno 1247: Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 207 In dieser Würde und Vollmacht ertheilte Ot- ,^nu‘'* l 2t47"g^u to von Eberstein im Namen des heiligen deutschen Stamz. D-utschor- 1 „ dens com inende in Reiches dem Stifte Admont einen Bestakigungsbrief ©ropfotmtcy. über daS Herrschaftsgut zu Mainharösdorf und Oberwels, welches die Markgräfin Sophia ehedem demselben geschenkt hatte; und er siegelte diese Urkunde mit dem Landschreiber in Steier, Witigo, in dessen Namen sie auch zugleich gefertigt ward (20. Jänner 12148) vor den Zeugen: Meister Ulrich von Grauscharn, Otto von Schalun, Otto von Ernfels, Walther Scrath, Konrad Maze u. in. a. *), Am 17. April 1247 schenkte Leutolö von Wil-öon mit Zustimmung seines Bruders die Villa im Wald am Bache Stainz, welche damals sein Vasall Otto zu Lehen trug, der Katharinenkirche in Stainz zu ewigem Besitze nach dem Tode seiner Gattin Agnes und des genannten Vasalls Otto. Zeugen dabei waren die Ritter: Ortolf von Pergarn , Widmar von Hopfgarten, Herr Ulrich Bawarus, Berthvld von Panholz, Herbord der Richter, Rudolph von Pölan und Wilüung der Schulmeister 2). Zu Piber am 26. October 1247 bestätigte der Seckauer-bischos Ulrich die in feiner Diözese gelegene Stiftung zu St. Katharina in Stainz mit dem Chorherrenstifte, allen dazu gehörigen Besitzungen und Rechten 3). Das Stift Seckau selbst beglückte Papst Jnnocenz IV. mit zwei apostolischen Bullen (Lyon 20. und 25. Februar 1247); in der einen wird das gesammte Chorherrenstift mit allen Besitzungen und Rechten, vorzüglich der Pfarre Kobcnz und St. Maria (quae ad ipsas pleno jure spectat) unter apostolischen Schutz und Bestätigung gestellt, und in der zweiten den „Otto, comes de Eberstein, de mandate Imperatoris Austriam ihtravit, »t earn medio tempore ab hostibns tueretur, seditque Viennae. — Otto comes de Eberstein missus ab Imperatore, ut esset capitanns Austriae et Styriae.“ — In einer Urkunde für das Stift Watdhausen datum apud Crcmis ‘23. Oktober 1247: „Otto comes de Eberstein sacri Imperii per Anstriam et Styriam capitanns et procurator.“ — Kurz, Beitr. IV. p. 460. — Hanthaler. I. 917-924. l) Adm. Urk. R. 2.: „Nos Otto D. G. Comes de Eberstein sacri Imperii per Austriam et Styriam Capitaneus et Procurator, et Ego Witigo, Scriba ejusdem Imperii glorios! innotescimus. — Nos igitur fungentes vice sacri Imperii donationem supradictam ratam habentes. — Acta sunt haec anno 1248 in die S. Sebastian! XIII. Kal. Februarii.“ ") Stainzer Urkunde: „Tradidi ecclesiae S. Katharinae in Steünz funda-tioni meae Villam in Walde juxta fluvium Stenns cum omnibus per-tinentiis suis tum in montanis quam in planis.“ 3) Stainzer Urkunde; „Actum apud Piber 1247. VIII. Kal. Novembr. 208 Steiermark bis zum Eintritte der Admonter Siebten aufgetragen, das Stift Seckau in Bewahrung seiner Rechte möglichst zu unterstützen '). Hermann von Pettau, Kastellan auf dem untern Schlosse zu Pettau und Vasall Friedrichs von Pettau, wünschte sein Lehengut zu Hermannsüors den Deutschenoröensrittern zu schenken. Der Lehensherr, Friedrich von Pettau, genehmigte dieses Vorhaben, und stellte (zu Pettau am 8. October 1247) zur Unterstützung des heiligen Landes und als Seelgeräth für sich selbst einen Spendebrief aus, und übergab die bezeichneten Güter in die Hände des Konrad von Osterna, Or-denspräzeptor in Oesterreich und Steier, und der Mitbrüöer desselben, der Priester Gerluh und Heinrich, und des Commenda-tors zu Großsonnlag, Wernhers, zu ewigem Eigenthume des deutschen Ordenshauses in Jerusalem. Zeugen dabei waren: Konrad der Kellermeister, Heinrich Wolf, Hartwik, Eberhard, Ber-thold und Heinrich, Söhne des Ritters Otto von Pirche u. o. a. ©eit $o«nmr, 21,11 12- 2uli 1247 entsagte Bertholö, der Bürger zu Grü». Patriarch zu Aquileja, zur Belohnung der Almosen und der Gastlichkeit, welche die Karthäuser in Seiz übten, allen Zehenten in den Orten Ragothe, Wodowetz, Rathsa und Kandingen, welche bisher die österreichischen Landesherren als Mundschenken der Aglajerpatriarchen zu Lehen getragen hatten, vor den Zeugen: Krasto, Domherr zu Aquileja und Pfarrer zu Graze (Windischgratz), Otto und Wisenko, aquilejischen Ministerialen zu Windischgratz, Friedrich und Heldenreich, Ritter zu San-nek und Wulssng von Leutseh Aus demselben Jahre 1247 haben wir auch einen Lehenbrief, worin Wulssng von Stubenberg dem Grätzer Bürger Volkmar und dessen Sohne Volkmar die Ville Wirtstorf zu Lehen versichert, und welche wir wörtlich mit-theilen: "Auf daß jenes, was in öerZeit geschieht, nicht im Zeitenlauf „verschwinde: so pflegt man dasselbe durch das Zeugniß der "Schrift dem Gedächtnisse der Nachkommen zu überliefern. Daher »will auch ich, Wulssng von Stubenberg, daß durch das Zeugniß »der Schrift zur Kunde der Gegenwärtigen und Zukünftigen gelange, "daß ich die Ville in Wkrtstorf, welche bekanntlich ehedem Frie-»drich von Salzburg von mir hatte, dem Volkmar, Bürger in »Grätz, wie auch seinem Sohne Volkmar, mit allem Zugehör so- *) Johanneums - Urkunde. ") Johanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. II. 210. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 209 //root Bergrecht als auch Marchdienst als rechtmäßiges Lehen mit --beständigem Rechte zu besitzen übertragen habe. Auf daß aber „die Handlung dieser Uebertragung, unter rechtmäßiger Form "vollbracht, in Zukunft nicht durch irgend eine Verunglimpfung „gebrochen roeröe, habe ich dieses gegenwärtige Urkundenblatt mit »meinem Sigille bekräftigen wollen — mit namentlicher Bezeichnung Derjenigen/ welche bei dieser Verhandlung zugegen waren. »Diese sind aber: Herr Heinrich von Spiegelberg/ Herr Konrad „von Stretwich, Herr Wülfing von Teuffenbach, Herr Ortolf ,,oon Kapfenberg, Herr Swithalt von Chatse, Herr Leutold von »Krebsbach/ Herr Ulrich, Winter zugenannt, Herr Heinrich von »Stubenberg, Herr Haug von Avenleut (Avelenz?), Herr Wul-»sing, ein Vasall (miles) von Stubenberg, Herr Heinrich von »Storchenberg; diese sind Bürger: Albert Bauch, Rudolph, dessen »Bruder, Hermann Hosel, Genlin, Friedrich der Salzburger, „Permuertin der Kürschner (Pellifex), Liupolü der Sohn, Wal-„ter und andere sehr viele. Verhandelt öffentlich in Grätz im »Hause des vorgenannten Friedrichs oonSnlzburg im Jahre 1247 ').« Zu Leibnitz am 2. October 1247 verkaufte ^ ^ Hartnid von Pettau dem Erzbischöfe Eberhard II. alle seine Eigen - und Lehengüter im Lungaue und zu Tamsweg, und verspricht seinen Sohn mit einer hochstiftischen Ministerialin zu verehelichen. Dafür erhielt er zu Lehen das Schloß Wurmberg und 225 Silbermarken auf Leibnitz und Pct-tau angewiesen. Zu Rotenmann am 25. Juli 1249 verlieh der Erzbischof Philipp dem Friedrich von Pettau für seine Pfandschaft von 250 Silbermarken in den Aemtcrn Leibnitz und Pettau mehrere Lehengüter bis zur Abzahlung der genannten Pfandsumme sj. Am 26. Jänner war Bischof Heinrich von Bamberg in Werben und schenkte eine bambergische Ministerialin, welche einen seckauischen Dienstmann, Heinrich von Radinstorf, geehelicht hatte, mit aller ehrlichen Nachkommenschaft dem Bischöfe Ulrich von Scckau für die vielen, der Babenbergerkirche erwiesenen Dienste»), l) Senkenberg, Selecta Jur. et Hist. V. p. 349 — 351. -) Salzb. Kammcrbuchs-Urkunde des k,- k. G. Archives. 3) Dipl. Styr. I. 319-320. Äefch. 6. Steiermark. — V. iBO. 14 210 Steiermark bis zum Eintritte der Philipp "erwühlter ®rm thatenreichen und hochverdienten Eber-burg'^Pfarre^St° O- rofiv auf dem Metropolitanstuhle von Salz-Georgcn an der bürg gefolgt Philipp, Sohn des Herzogs Bern. Sriffing. _ hard von Kärnten, bisher Propst zu Wissehraü und böhmischer Kanzler, Sohn einer Schwester des Böhmenkönigs Wenzel. Dieser befand sich am 20. Februar 1248 zu Leibnitz, wo er gleicherweise die treue Anhänglichkeit und die Verdienste des Seckauerbischoses Ulrich um daS Hochstift Salzburg damit belohnte, daß er ihm mehrere hochstiftische Hörige schenkte vor den Zeugen: Meister Heinrich dem Kanzler, Hartung und Wern-her von Leibnitz, Konrad von Grevcnbach u. v. A. ') Als auf dieser Reise nach Steiermark Erzbischof Philipp zu Werfen war, erlaubte er, daß die Tochter seines Dienstmannes, Konrad von Goldek, an den jungen Ulrich von Lichtenstein oerheirathet werde; und er wies ihr, 1. Juni 1248, in einer Urkunde 10 Pfunde Einkünfte aus dem Salzwcrke Hallein zur Aussteuer an vor den Zeugen; Bischof Ulrich von Seckau und Graf Konrad von Wes-senberg Am 20. September desselben Jahres fertigte der erwählte Erzbischof Philipp dem Bischöfe Ulrich von Seckau einen Schenkungsbrief über das Patronats- und Hoheitsrccht der Kirche St. Georgen in Styven (an der Stifsing) mit der besondern Bestimmung, daß die Renten dieser Kirche zum Tische des Bischofs Ulrich und aller seiner Nachfolger gehören sollen. Damals umgaben den Erzbischof sein Kanzler Heinrich, Liutolö von Wilöon, Friedrich von Pettau, Nikolaus von Lewenberg, Konrad von Horncck u. v. A. * 2 3). Seiu!«bm»nt, ?JCuf feine Bitte erhielt das Stifskapitel zu Goß, St. Paul' Seckau vom Papste Jnnocenz IV. (25. Februar, Lyon 1248) eine apostolische Bulle, worin alles scckauische Wesen bestätigt, und demselben der besondere päpstliche Schuß zugesichert wird 4). Auch des Stiftes Admont nahm sich der Papst, ungeachtet der weiten Entfernung, in Lyon an. In eigenen Bullen, (Lyon 15. und 20. Februar 1248) empfahl er dies Stift dem *) Dipl. Styr. I. 318—319: Actum in Leibcntz. Anno 1248. X. Kal. Marti!. 2) Zauner, Chron. v. Salzb. II. 266. 3) Dipl. Styr. I.: „Ecclesiam in Styven nobis vacantem Ülrico Seccev. Episcopo — ecclcsiae ipsius perpetuo contulimns. Acta Petoviae. XII. Kal. Octobr. Anno 1248. *-) Dipl. Styr. I. 213. PAUL PIBIOB Habsburgischen Fürsten. I. <1246—1283, Bischöfe und Pröpsten zuSeckau, den Aebten zu Rein, zuKrems-münster und zu St. Florian, auf daß sie alle Mühe anwenden möchten, um demselben zu allem entrissenen Eigenthume zu verhelfen. Am 22. Februar 1248 sicherte er dann überdies noch dem .Stifte und dessen Leuten seinen und des heil. Petrus besonder» Schuß und die feierliche Bestätigung zu '). Der österreichische Lanöesedle Kalhoh von Schratenstcin brachte einen seiner Söhne in das Stift Admont zum lebenslänglichen Unterhalte, und spendete dem Stifte dafür eigene Gefälle zu Neukirchen vor den Zeugen: Bcrthold, Abt zu Admont, dem Abte von Glocknitz, Petzmann von Potschach, Albero von Schononwe, Heinrich von Alt. vridis, Ulrich von Würstach u. v. A. * 2). Auf einer in demselben Jahre im Schlosse Krems bei Boitsberg stattgefundenen Bersamm. lung, zu der Abt Berthold von Admont, Ulrich von Wilüon und dessen Sohn Herrand, Konrad von Waldstein, Rüdiger von Altenhofen, Ortolf von Kirchberg, Leutolö, Ritter von Wildvn, Ottokar von Kainach, Hermann von Risach u. o. A. sich einfanden, vermittelte Ulrich von Wildon zwischen hartnid, Schänken von Ramstein und dem Stifte Admont einen Vergleich, in welchem dieser alle Ansprüche auf 200 Marken Silbers an das Stift auf-gab, gegen Nachlaß und Verzeihung aller Beschädigungen, welche Admont durch ihn erlitten hatte, und er leistete feierliche Gewähr, dem Stifte und dessen Gütern und Leuten fürder keinen Schaden mehr zuzufügen 3). Am 14. September 1248 schenkte Herzog Bernhard in Kärnten dem Nonnenstiftc zu Göß jährliche Renten von drei Marken in der Dille Tozol, und gab »och dazu 20 Mark Pfennige zum Ankäufe anderer Renten, auf daß diese Erträgnisse allein nur für die Bedürfnisse des Nonnencvnocntes, und zur Beischaffung von Fischen und Feigen in jeder vierzigtägigcn Fastenzeit verwendet werden sollen. Dazu gab auch noch die Aebtif-sin Kunigundis die Jahresrenten von Gütern zu Piswich, Cge-nau und Grafendorf; allein nur zur Präbende der Nonnen. Herzog Bernhard bedingte sich aber für seine Spende bei seinen Leb- 14 * *) Adm. Urk. A. 68. B. 9. 10. -) Adm. Urk. A. 56. 3) Adm. Urk. A. 81.: „Ego Hartnidus pincerna de Raemstein. Actum in Castro Chremense. Anno 1848.“ — In diesem Jahre soll K. Friedrich II. dem Ulrich von Lohstein den Pfandbesitz der östcrr. Güter, welche dem Schreiberamt in Steiermark zugewiesen waren, durch den Rcichs-statthalter, Grafen Eberstein, bestätigt haben? Caes. II. 810. 212 Steiermark bis zum Eintritte der zeiten eine h. Messe zu Ehren der h. Jungfrau Maria und nach seinem Tode eine h. Messe für die abgestorbenen Christgläubige» jede Woche und zwar vor den Zeugen: Ulrich, Propst zu Volkermarkt, Liutolü, Pfarrer zu Krich, Berthold, Domherr zu Friesach und herzoglichem Notar, Wichard und Heinrich von Karlsberg, Reinherr, Schenk von Osterwitz, Bernhard von Streitberg, Gisilbert von Chiemburg u. v.A. '). Zu Marburg am 28. Juli entsagte Heinrich von Rohitfch, reuevoll über die vielen Beschädigungen, welche er zur Zeit der Fehden (guerrarum tempore) dem Stifte St. Paul zugefügt hatte, ganz und gar dem Vogtrechte zwischen den Bächen Lubenz und Welik, nachdem er früher schon vor der Landesschranne durch den steirischen Landrichter, Grafen Ulrich von Pfannvcrg und vor dem Herzoge Friedrich selbst wegen Frevel an stiftischen Gütern zu St. Lorenzen in der Wüste z» 300 Silbermarken mar verurtheilt worden, auf welches Wehrgeld das Stift St. Paul jetzt verzichtete -). Einsts nm Pap. 2>n Kampfe zwischen Papst Jnnocenz IV. Ü«f bkno“(mtont' un^ Kiedrich II. hielten die Länder Oester- Verhältnissc der reich und Steier, die Stände, Ministerialen und Edelherren fest an dem Kaiser Darüber ergrimmt, und bei seinem politischen Scharfblicke vermeinend, Kaiser Friedrich II., der abgesetzte Fürst, dem keine Reichsgewalt mehr einzuräumcn sey, gedenke diese Reichsprovinzcn wohl gar an sein Haus zu bringen, suchte der Papst des Kaisers Macht und Einfluß in diesen Ländern nicht nur zu schwächen, sondern sie ihm gänzlich zu entwinden. Cr rief daher die Könige von Ungarn und Böheim zu den Massen wider K. Friedrich, und versicherte sie einer kraftvollen Unterstützung durch ein Kreuzheer. Für beide Könige schützte er förmliche Rechtstitel auf Oesterreich und Steiermark vor. Jedoch für Ungarn war dies unmöglich 4), und für Böheim (bereits war auch Prinz Wladislaus, 16. Jänner 1247, Gertruöens Gemahl, kinderlos gestorben) wurde nur hinge *) Johanneums- Urkunde. 2) Johanneums - Urkunde. 3) Im Schreiben an seinen Legaten Capucius, 26. Set, 1247, sagt Papst Jnnocenz IV.: ,,Vi r i nobile« gene re, sed suis perversis actibus de-nobilitantes se ipsos — Friderico contra Beam et ipsam ecclesiam assistant viril iter et potenter!“ 4) Fejer, Ood. Hang. IV. 458—460. und II. 27 — 38. Habsburgischen Fürsten. Z. 1246—1283. 213 deutet, daß der Besitz des Landes jenseits der Donau von Herzog Friedrich dem Streitbaren zugesichert, aber nicht abgetreten worden sey, nachdem der Böhmenkönig demselben kräftigst geholfen habe (I. 1239—1240), seine Länder wieder zu gewinnen. Man wollte aber eigentlich nur lebhaft zu fühlen geben, wie nachtheilig es für die benachbarten Könige Böheims und Ungarns sey, wenn der Kaiser Oesterreich und Steier in seine Gewalt bekäme. Auch der Gegenkönig, Heinrich Raspe, ward hierbei ins Spiel gezogen, er starb jedoch zu früh , und überdies kinderlos, mit seiner Gemahlin Gertrude, Herzog Friedrichs Schwester (17. Febr. 1247). Die unglückliche Königin-Witwe Margaretha, im Jahre 1245 aus ihrem Kerker in Apulien erlöst, lebte seither im Katharinenkloster bei Trier in stiller Zurückgezogenheit '). Auch sie wurde durch Papst Jnnocenz bewogen, nach Oesterreich zu eilen, und auf die Länder ihres Bruders mit apostolischer Unterstützung Ansprüche zu erheben, um auf, diese Weise durch ihre Gesinnung und That sein Ziel sicherer zu erreichen'-). Margaretha folgte dem päpstlichen Ruse (I. 1247). Weil aber der Reichsstatthalter, Otto von Eberstcin, in Wien seinen Sitz hatte, blieb sie mit ihrem Hofe einstweilen in Heimburg. Gleicherweise vom Papste aufgerufen, erschien auch die Witwe Gertrude und nahm ihren Sitz im Schlosse zu Mödling. Endlich erhielten sogar die deutschen Ordensritter päpstliche Befehle, auf den, von ihnen gehüteten, festen Burgen Starchenberg und Potenstein, aus dem Archive des H. Friedrich alle, für das Erbrecht sprechenden Briefe den beiden Schwestern zu überliefern. Indessen geschah weder dieses, noch wurden $ie Margarethe und Gertrude von den Ländern und halt-« fest «usaif« n. Reich. Papst In- Ständen als rechtmäßige Erbinnen des Besitzes und >,°cen,iv.droh>«cl. der Regierung desselben anerkannt. Nur als Al- l) Pevnoldus. Anno 1246: „Seil cum suis thesauris multisque donis di-inissa (3.1245) intravit Gevmaniam — et insuper valde pia Domina — ad Monasteiium lYlonialiuni S. Catbavinae Ol'dinis B. Dominici apud Trevivos vecessit, non monialis facta nec ordinem pvofessa ? sed in domo sancta pie et quictc victura. :) Pevnoldus. Anno 1247 : „Dominam Margaretam (Summus Pontifex) admonuit, nt ivet in Austrian!; quam novit esse valde catholicam, ut Australes ad ecelesiae partes adduccre studeret, promittens ipsi fa-vorem suuin, quacumquc ratioue cam posset juvarc. Quae e ti am ob-tempcravit et magno honore fnit excepta: sed in Wienna propter Kbersteinium eedere non valens, contulit se Heinburgum.“ 214 Steiermark bis zum Eintritte der lodialerbinnen erfüllte man ihr Verlangen, und überlieferte ihnen und auch für Konstantia, ihres Vaters Schatz, welchen sie sogleich unter sich theilten '). Nach dem frühzeitigen Tode Heinrich's Raspe hatte Papst Jnnocenz IV. unter standhaftem Widerspruche von Sachsen, Baiern und Oesterreich die deutsche Kaiserkrone dem jungen Grafen Wilhelm von Holland gegeben und versucht, die Witwe Margaretha mit Heinrich von Meissen, einem Verwandten dieses Gegcnkaisers, zu verehelichen 2), und, als dieses nicht üurchgcsetzt werden konnte, Oesterreich und Steiermark mit Hülfe des neuen Gegenkönigs Wilhelm, dem König Bela von Ungarn zuzuwenden. Zugleich ließ er alle Bewohner Oesterreich's und der Steiermark und den Reichsverweser Otto von Eberstein mit dem Bannflüche bedrohen, wenn sie von Kaiser Friedrich nicht lassen würden. Von Lyon, 26. October 1247, ertheilte er seinem Legaten in Deutschland, Capuzius, hierüber folgenden Auftrag: »Da den Erzbischof zu Magdeburg und die Bischöfe zu Passau »und Freisingen als die edleren Glieder der Kirche ein solcher »Eifer für dieselbe hätte verzehren sollen, daß sie die Schmähun-»gen der sie Beschimpfenden und die Rechte derselben sich Anmas-„senöen nicht gleichgültig hätten ertragen können: so stehen eben »diese, was ich ohne Bitterkeit des Herzens nicht auszusprechen »vermag, nicht nur der Kirche, ihrer Mutter, nicht bei gegen die »Bosheit der dieselbe Verfolgenden, indem sie sich für dieselbe „erheben sollten als Mauer wider die, welche da aufstchen, son-»dern sie leisten sogar, mit Hindansetzung aller Gottesfurcht und „menschlichen Schamgefühles, und mit Vernachlässigung der ober« »priesterlichen Würde, wie auch mit verdammenswerther Gering-»schätzung der kirchlichen Schlüsselgewalt, dem ehemaligen Kaiser „Friedrich, dem Gebannten und dem Feinde Gottes und der Kirche, »offenbare Hilfe, Rath und Gunst, wodurch sie wie offenbare „Feinde die Kirche verfolgen, indem sogar der Erzbischof von Mag-„deburg eine Verehelichung zwischen Friedrich und einer Tochter "des Herzogs von Sachsen vermittelte. Wir haben gleichfalls auch »vernommen, daß der Markgraf von Meissen, die Herzoge von »Baiern und Sachsen, wie auch die Edlen von Oesterreich und *) Horneck. p. 25—26. — Pevnoldus. Anno 1248: „Postquam id (castrum Starclienbcrg) recepissent, apertis thesauris eos in tres partes divi-scrunt.‘‘ — Hanthaler. I. 924—927. 929 — 930. ?) Pernoldus. Anno 1247. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 215 "Steier und Otto von Eberstein, welcher als Hauptmann der „Edlen selbst im Namen des genannten Friedrichs handelt, Män-„ner vom edlen Geschlechte, welche sich jedoch durch ihre verkehr-„ten Handlungen selbst cntadeln, dem Friedrich wider Gott und „die Kirche selbst männlich und gewaltig Beistand leisten. Daher „befehlen wir dir, daß du die Borbezeichneten, den Erzbischof „und die Bischöfe in unserer Vollmacht vor dich forderst, und ihnen „einen unübcrschrcitbare» Zeitraum festsetzest , binnen welchem sie „persönlich vor uns zu erscheinen haben, auf daß sie nach ihrem „Verdienste empfangen; die übrigen bezeichneten Adeligen, auf daß „sie von demselben Friedrich gänzlich weichen, demselben nicht mehr „Hülse, Rath und Gunst bezeigen, und zur Einigkeit der heiligen „Mutterkirche wieder zurückkehren, nach vorausgesendeter War-„nung, durch kirchliche Strafen, mit Aufhebung aller weiteren „Berufung, wenn es dir heilsam scheint, antreibst ')!" — Jedoch der Reichsstatthalter und die Meisten und Vornehmsten der Stände und Lanöeseüeln widerstanden diesem Allen, so daß der päpstliche Legat wirklich wenigstens über das Land Oesterreich Bannfluch und Interdict aussprach '-). Die Königin Margaretha hatte es inzwischen zwar versucht, Erbansprüche auf die Reichsfürsten-thümer Oesterreich und Steier geltend zu machen, jedoch keine erwünschte Folge erzielt. Jnnocenz IV. rief nun (28. Jänner 1248) die Könige von Böheim und Ungarn aus, Margaretha in ihren Ansprüchen zu unterstützen i) * 3); allein diese Fürstin selbst war bereits eines Besseren belehrt, und vereinigte sich mit den Landesständen und Edelherren von Oesterreich und Steier. Nach Ordnung und Gesetz sollte kein Reichs-Fahncnlehen über Jahr und Tag in des Kaisers Hand und offen gehalten werden. Die Unordnungen im Lande nahmen bedenklich überhand, so wie die Gefahr von Außen 4). Dies sah auch Otto von Eberstein klar ein. Er trat daher in Einigung mit den Vor- i) Datum Lugduni VII. Kal. Nov. Anno V. — Raynald. Annal. Eccles. XIII. ad annum 1247. Vernoldus. Anno 1247: „Austria miserrima erat propter inter- dicta sacra!“ 4) Fejer, iliidem. 4) Hvrneck. p. 26. von den Unordnungen in Oesterreich. — Pernoldus sagt vorgreifend: Anno 1247. „Sed (Marchio Misnensis) noluit (die Königs- 216 Steiermark bis zum Eintritte der dersten in Oesterreich und Steier, und begab sich mit ihnen zu Ende Juni 1248 zu Kaiser Friedrich II. nach Verona, um den kaiserlichen Enkel, den Prinzen Friedrich, Sohn K. Heinrichs VII. und der Margaretha, als förmlich belehnten Regenten derselben Länder zu erbitten. Auf dem Wege dahin ließ sie der er. wählte Salzburger Erzbischof, Philipp, von seine» Söldnern überfallen und mehrere aus ihnen gefangen nehmen, um sich dem Papste Jnnocenz IV. wohlgefällig zu bewähren. Die Uetirigcn waren glücklich entkommen und nach Verona gelangt. Es ist zweifelhaft, ob sic dort mit dem Kaiser persönliche Unterhandlungen gepflogen, haben? - während sie den ganzen Sommer hindurch in Verona verweilten. Bei den fortwährenden feindseligen Verhältnissen mit dem apostolischen Stuhle und dem ungewissen Stande der Dinge in Deutschland und Italien fand es K. Friedrich für gerathener, die Reichsverwaltung in Oesterreich und Stcier noch fortdauern zu lassen, und da Otto von Eberstein bei ihm verbleiben mußte, ernannte er an dessen Stelle für Oesterreich den Herzog Otto von Baiern, für Steiermark aber den Grafen Meinhard von Tirol zu Reichsverwesern (omnibus gratus et accep-tus, quoniam ad omnia solerter et provide se gerebat. Joan. Viet.) '). Witwe Margaretha ehelichen) timens, inanem spem, cum videret omnes Principcs, Bavarum, Hungarum, Bohemum, Carin thnm, pro Austria et Styria contendere.“ *) Pernoldus, wiewohl nicht ganz richtig, Anno 1248: „Videns comes Ebersteinius, Australes nulla concordin convenire, sed qnemeunque pro commodo suo jam linic jam illi Principi studere, abiit ex urbe Vienna malae fldei taedio fingens, se Imperatoren) Veronae quaerere, et ab eo pro Austrian Principe Fridericum, seniorem Dominae Margarethae filium. petere veile; cum tarnen ambo dudutu perierint. Ob quem finem plu-res Ministe rialcs ac cives secuin accepit, qbod frau de fecit, volens Imperator! eosdem, ut ipse occultc jusserat, quasi obsides fldei (rädere. Sed Philippus, Archiepiscopus Salzburg., ut gratiam Pontificis sibi fir— märet, dum illi per Karinthiam tenderent, plures ex eis cepit, reli-qui per Longobardos prohibit! sunt, ne Imperatoren) viderenf. — Idem, An. 1249. Imperator Austrian Ottonem Bawariae ducem, Styriae Mein-hardum comitem capitancos dedit, ut eis suo nomine obedirent.“ — Einfacher und richtiger das Chronicon. Salzburg. Anno 1248: „Majores terrarnm Austrian et Styriae pro Domino petendo ad Dominum Fride-ricum Imperatoren) Lombardiam intraverunt, qui tandem ibi teta aestate in Verona manentes, ncc Imperatoren) videre valentes infect» negotio sunt reversi.“ — Chr.on. Claustroneob. Anno 1248: „Sed e»>» sociis spe frustratus est (Comes Otto) et in Austrian) non est reversus.“ — Chron. Garsten, et Neoburg. ap. Rauch, anno 1248 — Hanthaler. I 927 — 931. — Joan. Viet. Boehm, ibid. p. 282 — 283. übergeht den Otto von Eberstein gänzlich. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 217 Dem kaiserlichen Befehle zu Folge ward Graf Meinhard von Tirol und Görz in der Steiermark s~"af^era“f überall seiner Würde gemäß als Statthalter, in Ocfurm». des Reiches und des Kaisers Namen, anerkannt und empfangen '). Dagegen schien Herzog Otto in derRcichsstatthalterschaft in Oesterreich eben nicht sehr thätig zu sepn, und dieselbe mehr als gute Gelegenheit zu gebrauchen, seinem Verwandten, dem Markgrafen Hermann von Baden, welchen die Witwe des böhmischen Prinzen, Gertrude, geheirathet hatte und ihm, in ihren vermeintlichen Erb- und Rechtsansprüchen, den Besitz der Länder von Oesterreich und Steier als Schenkung unter Lebenden gegeben hatte, diese Reichsfürstcnthümer zuzuwenden -)• Zwar billigte sogar Papst Jnnocenz IV. dieses Verfahren (14. Sept. 1248) 1 * 3); allein Markgraf Hermann vermochte doch nicht, sich geltend zu machen; und ungeachtet er auch den Titel eines Herzogs von Oesterreich und Steier angenommen hatte und in den Urkunden gebrauchte 4 5), ward er doch von der vorherrschenden kaiserlichen Partei allgemein verschmäht a). Graf Meinhard von Görz mußte daher auch die Statthalterschaft in Oesterreich übernehmen. In seinem Be-stätigungsbriefc für den Markgrafen Hermann von Baden sagte Papst Jnnocenz IV. (14. Sept. 1248), daß dessen Gemahlin Gertrude als rechtmäßige und gesetzliche Erbin ihm das Land Oesterreich geschenkt habe. Am 24. September 1248 erhielt von ihm der Salzburgererzbischof Philipp den Befehl, alle, durch den 1) Horneck. p. 24. — Cliron. Salzb. Anno 1249 (1248) : ,,Comes Main-havdus Goritiae Styriam intrans pro Capitaneo ibidem suscipitur.“ — Pernoldus. Anno' 1249: ,,Imperator Styriac Meinliardum comitem Gori tiae capitaneum dcdit, ae voluit, ut ei suo nomine obedirent.“ ") Pernoldus. Anno 1249: „Otto, propter vicinitatem rector valde commodus futurus, sed an im um non satis virilem liabuit ad internas et externas Austrian turbas eomponendas. Unde potius Marchioni Badens! ingressuni in Austrian! fecit.“ j) Hinc est, quod nos Ducatm» sive Principatum Austriae cum omni lio-nore, district» et jure ipsius donatum tibi rite et liberaliter inter vivos a nobili Mutiere Gertrude Ducissa Austriae uxore tua ad quam idem Ducatus per succcssionem hacreditariam secundum antiquam et appro-batam terrae ipsius consuetudinem — confirmarnus.“ Lambacher. Ibid. Anhang, p. 24. ") In Zwettler Urkunden vom I. 1249. — Lambacher. Ibid. Anhang, p. 25. 5) Pernoldus. Anno 1249: ,,Qui Hermanns rcceptus ab aliquibus, apluri-mis vero agnitus non fuit.“ — Cliron. Claustroneob. Anno 1249 : „Hermanns Marchio de Baden intravit Austrian! — Voluit esse Dux Austriae sed non valuit.“ — Cliron. Garsten. 1248. 218 Steiermark bis zum Eintritte der Tod Herzog Friedrichs des Streitbaren dem Hochstifte wieder anheimgefallenrn Lehen Niemanden mehr zu verlehnen, noch' dieselben zu veräußern, aus dem Grunde, weil derselbe Herzog keinen gesetzlichen und lchenfähigen Erben hinterlassen habe ')• W'b%t Wauen I" der Steiermark war, wie wir gesagt haben, öer Reichsstatthalter Meinhard von Görz allgemein elngczogen. anerkannt und thätig in Amt und Würde. Nur an Ulrich, Bischof von Seckau, scheint er einen päpstlich gesinnten Gegner gefunden zu haben. Papst Jnnocenz IV. hatte für Oesterreich und Steier den Propst Konrad zu St. Guido in Speier, und Domherr in Mainz zum apostolischen Legaten ernannt, welcher, wie es scheint, nachdem Hermann von Baden Wien in seine Gewalt bekommen, ebendort seinen Wohnsitz genommen hatte. Dieser bestätigte nun am 24. Februar 1249 dem Bischöfe Ulrich von Seckau nicht nur die Pfarre St. Georgen an der ©tiffing; sondern er ertheilte ihm und seinen Nachfolgern die apostolische Erlaubniß, alle, dem Bisthume gegebenen Patronate und Pfarren zur Verbesserung der bischöflichen Dotation ungehindert verwenden zu dürfen: und dies zwar aus dem Grunde, weil Bischof Ulrich für die Ehre und Freiheit der römischen Kirche trotz vieler Widerwärtigkeiten und Leiden eine so große Treue und Anhänglichkeit bewährt habe -). In diesem Jahre 1248 ließ Bischof Ulrich auch das Stift Seckau wieder in Besitz seiner alteigen-thümlichen Güter in Glanz einsetzen. Witigo, der Landschreiber, Ludwig von Schipphe (nobilis vir), Ulrich und Gottfried, Brüder von Marburg, Wigand von Massenberg, Konrad von Horneck und Markwarö, Amtmann bei Marburg, mußten üas Eigen- *) Cum c astra, Vasalli, possessiones, redditus ac alia bona, quae quondam Dux Austriae et Styriae. etc. ab Salzburgcnsi tenebat in feodum, ad jus ipsius ecclesiae redierint, nullo ex eo legitimo berede super-stite, qui succedere in feodum debcat, remanente, auctoritate praesen-tium districtius inhibemus, ne infeodare vel alienare vel distrahere quoquo modo irrequisito Romano l’ontifice de caetero praesumatis.“ Hanthaler. I. 932 — 935. ~) Dipl. Styr. I. 320: „Attendentes et per operiš evidentiam cognoscen-tes, quod tanquam devotus ecclesiae Romanae Zelator pro ipsius ho-nore quibuslibet fortunae casibus vos exponere minime formidan-tes dainna gravia et offensas multiplices sustinueritis hactenus et pa-tiamini continue per Dei et ecclesiae inimicos.“ — Bestätigung dieses Privilegiums durch Konrad, Erzbischof zu Köln, Erzkanzler von Italien u. s. w., 23. März 1249 und Bestätigung der Spende der Pfarre Stiffing durch Cardinal Hugo von Sabina, 7. Juli 1249 (oder 1250). Ibidem. 321 — 322. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 219 thumsrecht des Stiftes im offenen Gerichte untersuchen, und nach deren Befund wuröe das Gut Glanz den Chorherren wieder ein-geantwortet '). Bischof Ulrich selbst, in voller Gunst des Papstes, hatte auch aus Lyon, 21. Jänner 1249, von demselben den schriftlichen Befehl erhalten, den Herzog in Kärnten durch kirchliche Strafen, durch Bannfluch und Interdict, zu zwingen, alle, durch den Tod Friedrichs des Streitbaren anheimgefallenen, aber dem Stifte Freisingen von ihm vorenthaltenen Lehengüter sogleich herauszugeben * 2). Zu Beginn des Jahres 1249 begab sich Graf fiic Meinhard mit mehreren steierischen Edelherren nach ©tern-mart. Cremona zum Kaiser, von welchem dann Ulrich von Wildon einen zweiten Majestätsbrief, 20. April 1249, mit der Bestätigung der Urkunde Herzogs Ottokar (17. August 1186) zurückgebracht haben soll 3). Inzwischen hatte des Papstes Groll vom Baiernherzog Otto nicht abgelassen, im Gegentheile, sich üeßwcgen noch erhöht, weil derselbe den aufrührerischen Böhmen unter dem Prinzen Przcmisl Ottokar wider den alten König Wenzel thätigst beige-stanüen war. Der Salzburger Erzbischof erhielt den Befehl, den Herzog neben den geistlichen Strafen auch noch mit gewaffneter Hand zu den Absichten des apostolischen Stuhles zu zwingen. Auf der Synoüalversammlung zu Mühldorf, an welcher neben dem Freisinger Bischof auch Ulrich von Seckau thätigen Antheil genommen hatte, wurde endlich des Papstes Absicht erreicht 4 5) und Herzog Otto entsagte der Reichsstatthalterschaft in Oesterreich. Während all' dieser Begebnisse seit dem Tode Herzog Friedrichs sind wohl, in Oesterreich vor- des Faustrechtes in . . ' ter Steiermark. züglich J), aber auch in der Steiermark, jene Ge- ■) Joh. Urf. Im Jahre 1248 hat Heinrich von Grabenstein dem Stifte Bik-tring 6 Mansus Gülten zu Seldenhofen (juxta Seidenhoven) geschenkt. Biktr. Uri ") Lambacher, ibid. Anhang, p. 19 — 20. 3) Schrötter (Adrian Rauch), Geschichte von Oesterr. III. Th. 50. — Boeli-mer, Regest. Imp. p. 195. 4) Chvon. Salzb. Pez. I. Anno 1248 : „Concilium ad mandatum D. Papae in Mühldorf a D. Electo Philippe celebratin', cui interfuerunt Frisin-gensis, Ratisbonensis, et Seccoviensis Episoopi cum aliquantis Prae-latis.“ — Dalliam, Concil. Salisbury. 100 —101. 5) Pernoldus. Anno 1247: „Austria miserrima erat propter interdicta sacra!“ und lg49: „Externae et internae turbae Austriae!“ 220 Steiermark bis zum Eintritte der waltthaten wider alles Gesetz und Recht, gegen Personen und Eigenthum, gegen Geistliche und Laien, ausgebrochen und längere Zeit verübt worden, über welche fast alle Zeitbücher in Klagen ausbrechen — Was Pernolö der Gleichzeitige und Ottokar von Horneck darüber sagten, haben wir schon oben angeführt; Hier mögen zuerst die Klagen des gleichzeitigen Ulrichs vonLich-tenstein stehen: Diu Jiut gelangen wurden do Do maneger wart von roube unvrö ze Stire und ouch in (Esterrlch. Disiu lint ich niuwe sanc do rechtiu freude was par kraue in Stir und ouch in (Esterrich. Si lebten alle trüriclich di riehen waren gar unguot Si waren übelich gemuot, Si täten an ein ander lail, da swandens mit ir werdigkeit man sach si niht wan roubes pflegen der vrowen dienst was gelegen, die jungen waren ungemuot si swanten lästerlich ir guot rouben was in Stueber sit da swanten si ir jugent mit. Si heben gar unguoten sin In leben gie mit übel hin a). — *) Dahin deuten auch die Worte des päpstlichen Legaten an den Bischof Ulrich von Seckau 1249: „Recognoscentes, quod tamquam devotus ecclesiae Romanac zclator pro ipsius honore et libertate, quibuslibet fortunae casibus vos exponere minime formidantes, damna gravia et offensas multimodas sustinneritis hactenus et patiamini continue per Bei et ecclesiae inimicos.“ — Das waren dann wohl auch die „mala innume-rabilia in Austria et Styria post mortem Friderici Ducis orta“ des Anonym.: De Posteris 8. Leopoldi p. 576. — Ottokar v. Horneck. S. 26: „Da ward aber in dem Lannd von Raub und von Prant michel Angst und Not. — Ru begund auch peinen die Herren umb ihr Hertz der Jammer und der Smercz, dem man tegleichen sach, an den Straffen man ab-prach Pilgrcimen und Chauftlcwten. Ich chan Ew nicht beberotten, waz dem Lande geschach ze Laid und ze Ungemach!(< — Am bittersten klagt das Chron. Garstens. ap. Rauch. 1249: „Terra turbatur, pauperes clamant, ecclesiae spoliantur, incendia committuntur, et non erat angu-lus, qui non geineret a pressura, quae superyenerat universe orbi!“ — Und früher: „Item eo anno (1247) nobiles terrae coperunt inter se plurimum discordare, et nullus fuit penitus inter eos, qui conside-rata suae nobilitatis materia pacem faceret, vel servaret." 3) Frauendienst, p. 550. 554—555. Habsburgischen Fürsten. I. 1246-1283. 221 Nun lassen wir Öen biederen Sänger Ulrich selbst erzählen die Begebniß, wie man ihn auf fcü Dm -»a ner eigenen Veste, Frauenburg an der Mur, über» '""”1.°'Vrtffmq. fallen, gekerkert und grausam behandelt hat; bis endlich durch den Reichsverweser, Gras Meinhard selbst, seine Befreiung erzwungen worden ist. »Nachher geschah mir ein unbilliges Ungemach; denn ich ward «gefangen. Einer von denen, die mich fingen, war der Pilgerin »von Charsse, dem ich nie Leids gethan hatte, sondern ich war „ihm hold, er diente mir so und so, und ich sah ihn oft bei mir: »der andere war Weinolt genannt, dem ich auch freundlich war; »der war ein sehr großer und ungestalteter Mann; mit ihm bc-«ging ich viel Scherz; er konnte künstlich sprechen, aber heimlich «trug er in seinem Herzen Untreue. Die beiden haben ihre Ehre „an mir verloren. Am dritten Tag nach St. Bartholomäus ge-«schah es, als ich nach einem Bade in meiner Kaminer lag, daß «die zween nach Frauenburg geritten ka»ien; man ließ ste in mein „Thor ein, und alles mein Gesinde sagte ihnen Willkommen. Da „sprach Pilgerin: was macht euer Herr? Einer von den Meinen »sprach: er hat sich schlafen gelegt. Ei, sprach er, das ist große »Trägheit; ihr sollt ihn von mir bitten, daß er aufsteht und mit »mir spricht. Da that es mir mein Kämmerer bekannt, daß Wei-»nolt und Pilgerin mich gerne sehen wollten; ich stand auf und «ging freundlich zu ihnen. Zwei Hosen hatte ich angelegt, linnene »Kleid und Chürscn und Mantel. Ich umarmte Beide und sagte »ihnen Willkommen, nahm jeden bei der Hand und führte sie in „ein Fenster aus eine Bank; dann hieß ich Trinken bringen und „fragte, was sie essen wollten? Wer frägt, der will nicht geben, „sprach Pilgerin. Ich ließ Meth, Speise und Wein bringen; wir „aßen und waren froh. Nach dem Essen sprach Pilgerin: wollt „ihr nicht paitzen? Rein, sagte ich, weil ich gebadet habe. Da »sprach der Ungetreue: ei, paitzet um meinetwillen, wir hatten es „uns vorgenommen, und haben zwei Sperber mitgebracht. Da »sprach ich: Freund, Herr Pilgerin, ich bin euch gern mit dem „Paitzen zu Dienste; ich reite gleich mit euch; Da befahl ich den »Meinen, daß sie Bogelhunde und Federspiel zu Felde brachten; »Wenige von den Meinen blieben; denn ich sandte sie mit der Both» „schüft fort; und diejenigen, die noch da blieben, sandte er dahin „und dorthin. Als ich nun allein bei ihnen saß, da winkte er „seinen Knappen, die traten vor die Thür, und zugleich sprangen 222 Steiermark bis zum Eintritte der „Weinolt undPilgerin auf und zuckten zwei Messer; sie fielen auf „mich, und gaben mir gleich drei Wunden; da wand mir Her Pil-„gerin Chürfen und Mantel um den Hals, und zog mich nach „der Thür; ich schrie laut und bath um mein Leben. An meinem „Thor hatten die Beiden ihre Knechte gelassen; die unterwanden „es sich, und trieben alle die Meinigen aus dein Hause; da lief "meine Hausfrau zu mir, und rief: was soll das seyn? Die Un-„getrcuen sprachen: Frau, geht sogleich vor das Thor, da.findet „ihr die Eurigen; gleich geht fort. Wir wollen ihn und Alles „haben, was er nur gewinnen mag, oder es ist sein Ende. Da „sah mich die Gute weinend an; ich sprach: geht nur, so lieb „euch eure Ehre ist; bleibt nicht länger hier bei mir. — Da „ging sie mit meinen Kindern gegen das Thor. Frau, euren Sohn „müßt ihr uns auch hier lassen! rief Pilgerin. Da nahm er ihr "das Kind von der Hand: auch alle Kleider, die er bei den Frauen „finden mochte, nahm er und alle Kleinod. Dann trieb er sie aus „dem Thor, und mein Sohn blieb bei mir. Jämmerlich gingen „mein Weib und mein Gesinde nach Lichtenstein. Da wurde schnell „die Mähre bekannt, und wohl dritthalbhundert meiner Freunde „kamen schnell nach Frauenburg, die mir aber fast den Tod ge-„geben hätten. Denn da sie vor die Burg gerannt kamen, führte „mich Herr Pilgerin zu einem Fenster, und sprach: wenn ihr „wollet leben bleiben, so heißt sie alle zurück gehen! Er band mir „ein Seil um den Hals und sprach: ich henke euch sogleich über „das Fenster hin, nach ihnen zu, wenn sie stürmen wollen ! Da „schrie ich jämmerlich meinen Freunden zu: Was wollt ihr thun? „Wollt ihr mich tödten? Wie habe ich das um euch verdient? „Ihr mögt mich so leicht nicht erlösen; denn wenn ihr näher „kommt, so bin ich todt, und ihr könnt ihnen doch nicht schaden. »Bald dräute ich, bald bath ich; und das so lange, bis sie von »dannen fuhren und mich gefangen da ließen. — In der Nacht „litt ich viel Noth; man drohte mir oft, daß ich mit dem Tage „sterben müsse; davor konnte ich nicht ruhen. — Als es Tag „wurde, wurde ich des einig, daß, da ich doch sterben müsse, „nachzusuchen, ob nicht irgendwo Brot läge, da wo ich gefangen „lag. Ich suchte lange, endlich fand ich ein Brosamen, das ich „weinend aufhub, damit kniete ich nieder, und klagte meine Sün-„den dem, dem man Nichts verhehlen mag, und der in alle Her-„zen sieht; dann nahm ich weinend seinen Leichnahm, und empfahl „ihm meine Seele. Da kam Herr Pilgerin zu mir, um mich zu Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 223 "iöüten; er sprach: «was gebt ihr uns, wenn ihr länger leben «wollt?" Alles, was ich habe und nur gewinnen kann. — So »feind er mir war, so half doch dieser Lohn; er dachte, er gibt «mir so viel, und nachher kann ich doch meinen Muth an ihm «kühlen uiiö ihn nicht genesen lassen. Er ließ mich in eine Kette „verschmicöen, darin ich viel Qual litt. So gefesselt, wurde mir «mancher Tag sehr lang. Ich lag ein ganzes Jahr und drei Wochen «gefangen. Mir ward oft der Tod nahe, daß ich erschlagen wer-«öen sollte; denn der geschwinde Mann lief oft mit Messern «und Schwertern auf mich ein, und nur Gott im Himmel half «mir in dieser starken Noth. — Nun war Graf Meinhard von «Görz vom Kaiser als Herr in das Steicrland gesendet. Da der „edle Mann mein Gefängniß erfuhr, war es ihm von Herzen «leid. Er kam mit vielen Herren nach Frauenburg, und machte „mich ledig, und mußte aber meine beiden Söhne zum Pfände «lassen, und auch zwei Kind und meine Burg. Alle die Hab ich «nachher ausgclöst; ich will verschweigen, wie? — Ich genas von «meinen Nöthen, hatte aber starkes Gut verloren. Nun, was drum! «Hab ich doch meinen hohen Muth behalten. Ich sah, wie meine „Frau mich anlachte; davon vergaß ich alle meine Noth!" Markgraf Hermann von Baden, des Baiern- „ 3- l24'J Markgraf Hermann h erzogs Otto losgeworöen, suchte hierauf durch die »»» I^n wird^>» Vermittlung des Papstes Jnnocenz IV. die form- «imMfürft ni<$t liche Belehnung mit Oesterreich und Stcier aus der Hand des Gegenkönigs Wilhelm von Holland zu erhalten. Jedoch das päpstliche Schreiben (vom 13. Februar 1249) hatte diesen Erfolg nicht. Ungeachtet sich nun Hermann dennoch einigen Anhang gewonnen, die Stadt Wien selbst in Besitz bekommen, und das Land vom päpstlichen Jnterdicte befreit hatte: so konnte er sich doch nicht einmal als Herrn und Regenten von Oesterreich, durchaus aber nicht von Steiermark, ansehen. Am 6. Jänner 1249 befand sich der erwählte 6q^4^itiw Salzburger Erzbischof Philipp auf dem hochstifti- S«ck-u. schen Schlosse zu Rann an der steirischen Save offene ®«u$t ’ äu mit Ulrich, dem Erzdiakon an der Drave, Dechant a”m" Konrad von Traberg, Magister Heinrich dem Arzte, Steinher von Eichelberg, Otto von Heiöeck, Hermann von Rannstein u. v. A., und bestätigte die Spende der Villa zu Hermannsöors 224 Steiermark bis zum Eintritte der durch Friedrich von Pettau in das Eigenthum der deutschen Ordensritter vom Hospitale St. Maria '). Philipp weilte in Rann noch am 15. Mai 1249, und besiegelte eine Urkunde, worin dem Bischöfe Ulrich von Seckau und seinen Nachfolgern die durch Erzbischof Eberhard II. gemachte Schenkung mit der Bille zu Wo-geimstorf, welche nach dem Tode Reimberts von Mureck dem Hochstifte ledig geworden war, zuerkannt wurde, ungeachtet Konrad von Trakenberg (Drachcnburg) Ansprüche darauf erhob, die jedoch nicht beachtet wurden, weil dieser durch den Verrath an seinem Lehensherrn, dessen Veste Rann er in die Hände der Ungarn liefern wollte, aller und jeder Rechte verlustig geworden war. Derthold von Gurkfeld, Reinher von Eichelberg, Wülfing von Sozes u. v. A. waren Zeugen dieser Bestätigung Im October treffen wir diesen Erzbischof in Friesach, wo er mit dem Seckauerbischofe Ulrich einen Gütertausch für einige Billen, bei Rann gelegen, für hochstiftische Lchengüter zu Tulmätz (Tillmitsch an der Laßnitz) und anöerorten, welche durch den Tod H. Friedrichs des Streitbaren ledig geworden waren, schloß und besiegelte 3). Als Meinhard, Graf von Görz, am 24. August 1249 in Neumarkt oder zu Grazzlupp in der obern Steiermark Gericht hielt, waren um ihn versammelt: Der Gras von Pfannberg, Dietmar von Griven, Heinrich von Traberg, Dietmar von Lichtenstein, Konrad der Kellermeister von Lutenberg, Ortolf vonStret-wich und dessen Brüder, Dietrich von Puchs, Konrad von Katsch (Chetzze) u. m. A. Hier erklärte er schriftlich, als Landeshauptmann von Steier vom Kaiser bestellt, daß dem edlen Grasen Hermann von Ortenburg ein Gut in der Umgegend von Grazzlupp wegen Dienstleistung für den Kaiser um eine Geldsumme verpfändet, jedoch die Vogtei über das Stift St. Lambrecht ihm allein nur vom Kaiser anvertraut worden sey, und daher auch nur von ihm, als kaiserlichen Statthalter im Lande, geführt werden sollet. *) Dipl. Styr. II. 211: Actum Reynae 1249. VIII. Idas Januarii. 2) Dipl. Styr. I. 322: „Chonradus de Trakenberch, qui, etsi jus aliquod habuisset, quia tarnen promissorum suorum exstitit violator, eo quod castrum nostrum Rayne, sicut evidenter patuit, ad alienos tradere voluerit fraudulenter.“ 3) Ripl. Styr. I. 322 — 323: Actum ap. Frisacum. Anno 1249. Kal. Octobr. '*) Saalbuch von St. Lambrecht: „Nos Meinhardus comes Goritiae Capi-taneus Styriae — ex injuncto nobis imperiali mandate Capitaneatus officio Styriae Dom. Hermano nobili comiti de Ortenburch auetoritate imperiali praedium provinciae in Grazzlupp pro quadam sammi pecuniae obligavimus, ut Domino nostro praeclaro Imperator! servitia ex-hibeat grata et accepta,“ 225 Habsburgischcn Fürsten. Z. 1246—1283. Am 23. März 1249 gab Leutold von Wilöon 3 1249 v zr», , _, Stainz, Rein. Vo- oem Chorherrenstlste in Stamz mit Zustimmung rau seiner Verwandten und Erben die Villen Grafenüorf und Gra-korn Mit allem Zugehör, jedoch mit dem Vorbehalte des lebenslänglichen Genusses der Erträgnisse für seine Gemahlin Agnes, und mit der Verpflichtung aller Vasallen und Hörigen (Milites et Clientes) in den Psarren St. Stephan und St. Georgen zur Entrichtung der Mauth und der Gebühren des Fürfanges und des Gerichtes. Zeugen dabei waren: die Canoniker in Stainz, Konrad und Werner, die Vasallen , Meinhard von Zempastorf, Otto von Wald, Ortols von Pergarn, Dietmar von Hopfgarten, Ulrich Bawarus von Gribingen u. v. A. ’). — In eben diesem Jahre 1249 entsagte Erchenger von Landesere und seine Gemahlin Brigitta allen ihren Wcinzehenten zu Weikersdorf in Oesterreich, und spendeten dieselben dem Stifte zu Rein, auf daß von dieser jährlichen Rente die Stiftsgemeinde am Tage Maria Himmelfahrt mit besseren Speisen und Wein bewirthet werden solle. Als Zeugen standen dabei: Konrad, der Pfarrer in Neustadt, Wulssng, Pfarrer von Geroldsüorf, Heinrich, Vikar in Hohen-wang, Rudolph, Kastellan zu Schwarzach a). Am 31. August 1249 schenkten Walpuin und dessen Gattin Bertha von Stubing dem Stifte zu Vorau am Berge Stübing, der dem Stifte ohnehin eigen war, einen Weingarten zum ewigen Eigenthume vor den Zeugen : Heinrich von Prank, Stistschorherr zu Vorau, Ortols, Pfarrer zu Kumberg, Sifriö Mayr zu Guntege, Heinrich Periwolf von Wagnitz, Herbord der Schneider zu Vorau u. m. A. 3) Am 13. April 1249 waren in der Pfarrkirche zu Pettau versammelt: Philipp, erwählter Erzbi- Mündung schof von Salzburg, Ulrich, Bischof zu Seckau, Or- e-s Nonn-nnost-l« ' in Studenitz. *) Stainzer Urkunde: ,,Ego Leutoldus de Wildonia — de pleno consensu et bona voluntate fratris mei Ulrici de Wildonia et omnium cohaere-dum meorum legali ecclesiae 8. Katharinac in Steunz, novellae plantation! meae, et fratribus ibidem Deo famulantibus — villas Grafen-dorf et Gracorn cam omnibus attinentiis, pratis, silvis, nsuagiis, aquis, et molendinis etc. — Non absolvimus homines ibidem commorantes seu in quibuslibet bonis militum vel clientuin nostrorum a theloneo seu a solutione quae Wurwanch dicitur, cum praeposito praedictae ecclesiae vel suo judici in foro Steunz et in dedicationibus ecclesiarum St. Stephani et St. Georgii solvere teneantur. Similiter et juri coram judice fori in Steunz stare de qunerimoniis tenebuntur.“ ) Urkunde von Stein. 3) Caesar, Annal. 11. 316—317. Sefch. ». Steiermark. — V. Bo. 226 Steiermark bis zum Eintritte der totf, Propst zu Maria-Saal in Kärnten, Konrad, Pfarrer zu Marburg, Heinrich, Pfarrer zu Pettau, Rudolph von Stadek, Friedrich und Hartniö, Brüder von Pettau, Ulrich und Gottfried, Brüder von Marburg, Konrad von Horneck, Ulrich und Gottfried, Brüder von Kowaschau, Gundacher und Wobolin, Brüder von Königsberg, Ortolf und Gottschalk, Brüder von Radinsdorf, Hil-pranö und Ulrich, Ritter von Rohitsch. Unter ihrer Zeugenschaft wurde eine Urkunde aufgerichtet und besiegelt mit der Erzählung: daß Sophia, die Schwester Alberts von Rohitsch, für ihr und ihrer Aeltcrn Seelenheil im Orte Stuöenitz eine Kirche und ein Nonnenkloster gebaut, eingerichtet, dotirt, und mit mehreren Nonnen selbst bezogen habe (Oraculum et cenobium — associans sibi sorores, quae Moniales nuncupantur). Heinrich von Rohitsch, seine Gemahlin Gisla, seine Töchter Gertrude und Briüa, auch Richiza mit ihren Kindern, endlich auch die verstorbene Gertrude und ihre Kinder, Albert, Heinrich, Diemuth und Kunegunüe — hatten ihre bestätigende Erklärung und Einwilligung zu all' diesem Baue gegeben — mit der Zusicherung, nach dem Tode der Sophia dem Stifte Stuöenitz weiters noch zu schenken zwanzig Mansus ihrer Güter zu Crinzendorf mit einer bei Stuöenitz gelegenen Waldung, mit Weinschüttungen von den drei Familien zu Königsberg, zu Rohitsch und zu Wildhausen, und sic entsagen feierlich allem Erbrechte aus die zum Stifte dotirten Güter, insbesondere dem Vogteirechte, welches nur mit Bewilligung des Papstes oder des Aglajerpatriarchen von einem Laien geführt werden solle. — Da die Söhne von Wildhaus noch kein eigenes Sigill führten, so mußte der Pfarrer Konrad von Marburg sein Sigill an die Urkunde an deren Stelle heften. — Hierauf am 27. October 1249 zu Scharfenberg siegelten der Patriarch Berthold von Aquileja eine Bestätigungsurkunöe für das Nonnenkloster in Stuöenitz; worin über Gründung yttö Dotation Folgendes gesagt wird: „Sophia von Rohitsch und ihre Schwester Richiza, Gemahlin „Otto's von Königsberg, haben mit Vorwissen und Zustimmung „des Patriarchalkapitels ein Nonnenstift gegründet ün Orte Stu-„öenitz in der Nähe von Pölsach, und dabei den Namen Stuöe-„nitz in die Benennung Gnaöenbrunn (Fons Gratiae, Mariae ' „Frone) aus Verehrung der heiligsten Jungfrau Maria verän-„dert. Die zur Dotation des Nonncnstiftes gegebenen Güter sind „zu Folge der gesiegelten Hanövesten folgende: Sophia gab mit „Zustimmung aller ihrer Verwandten den Grund und Boden von Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 227 »Studenitz, die Bille Chriezzendorf, auf der andern Seite der »Drau (Trevne) mit 12Mansus, welche H. Friedrich der Streit, »bare aus Hochachtung für die Stifterin Sophie gespendet hatte. „Aus der Schenkung der Richiza erhielten die Nonnen auf der »Ebene (campo) Drasigoistorf, Stauden und Mamol. Der Pa. »triarch Berthold gab dem Nonnenstifte die Pfarre Schleunitz mit »Ausnahme des Patronatsrechtes der Pfarre Pulzgau; in Stu-»öenitz soll Jedermann sich eine Grabstätte erwählen können, je-»öoch mit Genugthuung gegen die betreffenden Pfarrkirchen. Cnö-„lich soll Niemand Vogtei über Studenitz haben, außer wer auf »Bitten der Aebtissin durch den Aglajerpatriarchen wird eingesetzt »worden seyn. Neben vielen Andern waren als Zeugen anwe-»send: Bruder Heinrich, Prior^der Dominikaner inPettau, Kon-»rad, Pfarrer zu St. Beit in der March." Vom Jahre 1249 besagt endlich auch noch eine Urkunde, daß Studa von Marburg mit Zustimmung ihres Gemahles Leutold , von Kollnitz auf vier Güter bei Aigen zu Gunsten ihrer Schwester Sophia von Studenitz Verzicht gethan habe '). — Im selben Jahre 1249 soll ein Eöelherr von Teuffenbach die St. Katharinenkirche in Prettstein in der obern Steiermark erbaut haben. Nachdem Herzog Otto von Baiern die Reichs- @infy( 1,5 statthalterschaft über Oesterreich abgegeben hatte, ®teicT' vereinigte Kaiser Friedrich II. beide Länder wieder unter Grasen Meinhard von Görz, wie uns dessen mehrere Urkunden überzeugen * 2). Darob veranlaßte Markgraf Hermann von Baden verwüstende Einfälle und blutige Raubzüge der Ungarn in Oesterreich bis über Lilienfeld herauf; welchen nur durch Vermittlung des Böhmenkönigs Wenzel Ottokar Einhalt gethan, und der Friede wieder hergeftellt werden konnte 3). Inzwischen hatte auch Graf Meinhard von Görz mit dem Aglajerpatriarchen Berthold und mit dem Herzog Ulrich von Kärnten Fehde bekommen. Da ersah der kriegerische Erzbischof Philipp günstige Gelegenheit, theils seinem Vater in Kärnten den Krieg zu erleichtern, theils 15* Studenitzer Urkunde im Johamieum. 2) In einer Urkunde von St. Lambrecht, 20. Jänner 1250, nennt sich Meinhard selbst: Nos Meinhardus — mandato Friderici Imperatoris Austriae et Styriae capitaneus. 3) Chron. Claustroneob. ap. Rauch. Anno 1250, — Chro». MeUicens, et Salzb, Pez. I. Anno 1250. 228 Steiermark bis zum Eintritte der die hochstiftischen Lehengüter, welche Friedrich der Streitba re getragen '), aber als Afterlehen seinen steirischen Ministerialen und Eüclherren gegeben hatte, wieder an sein Erzstift zurückzubringen -). Er stel daher in Steiermark ein und ließ seinen Grimm vorzüglich einigen, solche Asterlehen tragenden Eöelherren mit Raub und Verheerung fühlen * 2 3 *). Während all' dieser Unruhen war die Herzogin Gertrude mit ihrem, eben (1249) erst gebornen Sohn, Friedrich, nach Meissen geflohen, und dort von einem zweiten Kinde, Agnes, entbunden worden *)■ Weder sie, noch ihr zur selben Zeit (4. Ort. 1250) plötzlich verstorbener Gemahl, Markgraf Hermann von Baden, waren, obgleich sie sich des herzoglichen Titels: „von Oesterreich und Steter" bedienten, in diesen Ländern jemals als rechtmäßige Regenten allgemein anerkannt worden 5). In das Land Oesterreich ob der Enns war gleichzeitig auch auf Befehl des Vaters der Sohn Ludwig von Daiern eingefallen, aber nach einem Zuge der Plünderung und allen Unfuges wieder heimgegangen; weil alle weiteren Aussichten durch den Tod des Markgrafen Hermann von Baden für diesen Zeitpunkt vereitelt waren. T°d Der Tod des Kaisers Friedrich II. (zu Firen- li. Folgen desselben t0(o in Apulien 13. December 1250) oeranlaßte für die Steiermark. „ für Oesterreich und Steter eine neue Katastrophe. Der große Monarch hatte zwar in seinem Testamente ausdrücklich verordnet: „Oesterreich und Steier sollten seinem Enkel Friedrich „zufallen, und durch feierliche Belehnung, wo er ihm auch 10000 „Unzen Goldes testirte, von dem römischen König übergeben wer-„den 6)!" — Mit Einwilligung der Churfürsten konnte und mußte . Chron. Salzburg. Anno 1250. 2) Wozu er durch die päpstliche Bulle, 24. Sept. 1248, aufgefordert ward. 3) Pernoldus. Anno 1249, 1250, 1251, 1252: ,,Sed hanc Provinciam va-stavit magna parte Philippus electus Salzburgensis!“ — Chron. brev. Austral. Anno 1250. — Chron. Carstens. Bauch. Anno 1250. — Chron. Salisb. Austr. Pez. I. Anno 1250: „Dom. Electus Salzburgensis Mar-chiam intrans, manu hostili possessiones quorundam Styrensium rapi-nis ct incendiis devastavit.“ Chron. Mellic. Anno 1250. — Chron. brev. Austral. — Chron. August, ap. Frehcr. I. 582. 5) Pernoldus. Anno 1249. —Das Chron. brev. Austr. Pez. I. p. 688 sagt: „Et Ducatus Austrian et Styriae ratione tališ conjugii sibi ns urp a vit.“ 6) K. Friedrich II. Testament in Martene et Durand. TheS. Ahecdot. III. col. 13. — Dumont. Corp. Diplom. T. I. P. I. 189: „Item statuimus, • quoll Fridericus , nepos noster, habeat Ducatus Austrian et Styriae. quos a praedicto Conrado teneat et recognoscat!“ HabSburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 229 Zwar diese Anordnung des kaiserlichen Oberhauptes vollzogen werden ; allein schon im folgenden Jahre 1251 wurde Prinz Friedrich durch seinen habsüchtigen Halbbruder Manfred vergiftet; dagegen aber war Papst Jnnocenz IV. mit allen Kräften bemüht, diesen Enkel des verhaßten Kaisers, sowohl als den Sohn, den römischen König Konrad, vom Besitz und Gewalt in den österreichischen Ländern möglichst ferne zu halten, und ihnen Beides gänzlich zu entreißen. Er trachtete, den Grafen Florenz von Holland, Bruder des Gegenkönigs Wilhelm, durch Berheirathung mit der Königin. Witwe Margaretha in Oesterreich und Steier gewaltig zu machen. Allein auch dieses vergeblich bei der entschiedenen Abneigung sowohl Margarethens, als auch der Stände und Edelherren in Oesterreich und Steiermark ’). Nach dem Tode K. Friedrichs II. war sein 1 Graf Meinhard hält Sohn K. Konrad das gesetzliche Oberhaupt des rö- ™ misch-deutschen Reiches; in Besorg,ilß aber für seine brecht, entfernten Erbkönigreiche war er sogleich nach Italien geeilt (1251) und dort festgehalten worden i) * 3). Dieses, und die so gefahrvolle als schwankende Stellung in der Reichsstatthalterschaft in Oesterreich und Steier scheinen den Grafen Meinhard von Görz bewogen zu haben, bald nach dem Tode des Kaisers diese Würde aufzugeben, und sich in seine eigenen Lande zurückzuziehen 3). Zu Anfang des Jahres 1256 (20. Jänner) war Graf Meinhard noch in zahlreicher Gerichtsoersammlung in Grätz, umgeben von: Ulrich, Bischof zu Seckau, Witigo, Lanüschreiber von Steier, Ulrich und Leutold von Wildon, Rudolph und Leutold von Hardeck, Erchenger von Lanüesere, Wulstng von Stubenberg, Ulrich von Lichtenstein u. o. A- Auf Bitten des Abtes von St. Lambrecht bestätigte Graf Meinhard, als seines erlauch-tigsten Herrn Friedrichs, römischen Kaisers und Königs von Je- i) Pernoldus. Anno 1250: „Dcfuncto Herraano Papa iternm requisivit Dominam IHargaretham, ut Florentio Comiti Hollandiae, fratri Wilhelm!, Romanorum regis, nähere vellet, eumque redderet Austriae Du-cem; sed nulla erat spes consensus Ministerialium in Dominam tarn alienigenara et remotae Provinciae; cum insuper offensam et potentiam Conradi, qui fuit filius defnncti Imperatoris, metuerent.“ 2) Monaclius Paduanus. Anno 1251. ) Scan. Victor, ap. Boehmer. Fontes I. p. 840. — Anonym. Leob. Anno *1 1251: „Meinhardus comes, audiens imperatoris transitum, ad pro- s 9*/ pria rediit.“ 230 Steiermark bis zum Eintritte der rusalem, Hauptmann in Oesterreich und Steter, die Urkunde Friedrichs des Streitbaren vom Jahre 1243 mit der Zusicherung, die Neubrüche desselben Stiftes auf dessen Allodialgrünöen in der Beitsch und Dobryn nicht zu beschweren und zu beschädigen ’). Versammlung u, 3m Sebruor 1250 befand sich Philipp von scdnu. Salzburg auf seinem Hochstiftsgute zu Vonstorf, Admont. umgeben von mehreren Edelherren: Wtttgo dem Landschreibcr, Ulrich von Lichtenstein, Heinrich von Silberberg, Gebhard von Velwen, Ortolf von Stretwich, Gottfried Chälze u. v. A. Am 10. Februar stellte er dem Bischof Ulrich I. von Seckau und seinen Nachfolgern die Zehenten in Passail wieder zurück, welche einst Erzbischof Eberhard II. dem Poppo von Peckau gelehnt hatte; und am 11. Februar gab er einen Versicherungsbrief, wodurch das Patronatsrecht über Kirche und Pfarre in Piber dem Bisthume Seckau (wo am 27. Februar 1250 der Propst Niklas von Stubenberg gestorben, und Arnold von Prank gefolgt war) zugeeignet werden sollte, nachdem es sich mit dem bisherigen Besitzer desselben, dem Stifte zu St. Lambrecht, über entsprechenden Ersatz dafür verglichen haben werde '). Hadmar von Schönberg hatte in den bisher unheilvollen Jahren im Lande von seinem Schlosse Schmileburg nicht nur die Besitzungen des Stiftes Seckau zu Glanz und am Roßbache unter dem Titel des Vogtrechtes und der Erbschaft gewaltthätig an sich gerissen, sondern dieselben und andere vielfach beschädigt und beschwert. — Auf Schmileburg am St. Michaelstage 1250 siegelte er nun die Zurückstellungsurkunüe (compunctus corde imo metuens beatae Virginis ultionem) mit Zustimmung seiner Gemahlin Mechthildis und aller seiner Kinder und vor den Zeugen: Graf Sifrid von Pfannberg, Gottfried und Hartnid von Marburg, Gurman Pfarrer zu Liutschach, Ulrich und Crepilo von Liutschach, Viüitz, Stefo und Gerold von Witschein u. v. A. l * 3). Theils schenkungsweise, theils zu Kauf um 70 Deroneserpfunde hatte Heinrich von Gellberg seine görzischen Lehengüter zu Stadeln bei Großkircheiin in Oberkärnten dem Stifte Admont gegeben, und dazu die Einwilligung und Bestätigung des Grafen Meinhard IV. erhalten l) St. Lambrechter Saalbuch. Dipl. Styr. I. 323—324: Actum in Vonstorf. UI. ct IV. Idus Vc br. 3) Johanneums-Urkunde. Habsburgischm Fürsten. I. 1246 — 1283. 231 am 22. Mai 1250 vor den Edelherren: Ulrich und Hugo von Stissenberg, Ulrich von Pocma, Winther von Mittenburg, Otto, Kastellan und Volrad, Mundschenk von Görz '). Am 22. November 1250 befand sich der apo- m 3' «»o. stolische Legat für Oesterreich und ©teter, Konrad, Propst von St. Guido in Speier und Domherr in Mainz, im Stifte Rein, und gab eine Ablaßbulle für 40 Tage leichter und schwerer Sünden, allen, welche das Stift Rein andächtig besuchen und den daselbst erbauten Kapellen fromme Opfer bringen werden * 2). Das Stift Voran ist von den Edelherren Rudolph von Hartenfels gewaltsam behandelt worden. Er riß das Patronatsrecht der Kirche St. Jakob an sich sammt den dortigen Stistszehenten, welche er drei Jahre vorcnthielt. Von einer schweren Krankheit ergriffen, fühlte er Reue, und für den Fall des Todes wünschte er in Voran feine Grabstätte zu erlangen. Er stellte daher in seiner letztwilligen Anordnung nicht nur alles Vorenthaltene zurück, sondern er schenkte dem Stifte auch noch zur Schadenvergütung den Hof in Haiöek. — Am dreißigsten Tage nach seiner Beisetzung in Vorau legten seine Witwe Gertrude und die Brüder Gerhard und Heinrich die schriftliche Testamentsersüllung auf den Altar des h. Thomas vor den Zeugen: Otto, Kapellan zu Nysberg, Dietwin der Scolastiker, Otto, Scalar von Kirchschlag, Gering von Lengenbach, Liupold von Walchbach, Liupold von Purchfelde, Eberhard von Talberg, Otto von Rechberg, Ra-tolü der Ungar von Liutenmannersberg; Gotschalk von Nitberg und Gerard von Talberg siegelten die Schenkungsurkunde 3). Noch am I.Juni 1250 befand sich der erwählte Versammlung zu Salzburgcrmetropolit, Philipp, auf seiner Kammer- V°nst»rs. veste Vonstorf, mit Bischof Ulrich von Seckau, Konrad, Graf von Plain, Ulrich von Lichtenstein, Konrad von Velben, Hartnid *) Admonter Urkunde. CCC. 12: „Acta sunthaec in Castro Goritiae. Anno 1250. 22. Maji.“ -) Reiner Urk.: „Datum apud claustrum Runae X. Kal. Decemb. An. 1250.“ 3) Caes. Anna!. II. 519: „Felicis Memoriae Dom. Rudolplius de Hcrten-fels ecclesiae nostrae gravia inferrcns damna, videlicet ecclesiam 8. Jacobi violenter contra jus sibi vindicans, ac per triennium 50 modios nobis auferens de nostris decimis, ibidem apud ecclesiam memoratam — tunc idem Rudolplius cum — in angustia mortis laboraret pro dam-III» urn recompensatione curiam in Haidek solventem talentum Vien-nense ecclesiae Voraviensi disposuit testamente.“ 232 SteierWark bis zum Eintritte der und Wülfing von Leibnitz, mit den Grafen Bernhard und Heinrich vonPfannberg und mit deren Vasallen Konrad von Torseule, Heinrich von Vischarn, Heinrich von Padel, Otto und Konrad von Schöneck, Sigfrid von Albe u. m. A. Hier stellten ihm die genannten Pfannbergergrasen einen Grwährsbrief aus, daß sie stets mit dem Erzbischöfe Schutz- und Trutzbündniß halten wollten gegen Jedermann, allein nur ausgenommen den Landesregenten in Steiermark; und daß sie diesem wenigstens keine Hilfe leisten wollen, wenn er wider Recht und Gerechtigkeit den Erzbischof Philipp bekriegen werde; wofür zugleich vierzehn Vasallen beider Grafen um Tausend Marken Silber sich dem Hochstifte Salzburg zu persönlicher Hast bis zur Bezahlung verpfändeten ') und wozu sich auch die Brüder der genannten Grafen, welche jedoch damals von Poppo von Peckau und Wulsing von Stubenberg in Haft gehalten waren, gleicherweise zu verpflichten hatten, sobald sie ihres Gefängnisses erledigt seyn würden. Damals schenkte auch Sigfried, Graf von Pfannberg, dem Stifte St. Paul im Lavant-thale eine Hube in Puchlarn und eine zu Entresüorf, theils als Seelgeräthe für seinen verstorbenen Bruder Ulrich, theils als Schulöenzahlung von zwölf Marken. G^fMeinhard^trttt $tr Rücktritt des Grafen Meinhard von Ti-v°n der Statthalter- rot von öev Statthalterschaft, des Prinzen Frie- schaft zurück. —Die Stände von Oester- drichs plötzlicher Tod, die Verzweiflungspolle Lage mlMnPr?n;ei?Ä- Konrad's in Italien, welchen Papst Jnnocenz IV. aufs Aeußerfte bedrängte, und nicht nur von der Nachfolge im deutschen Reiche, sondern auch von seinem Familienherzogthume in Schwaben ausgeschlossen wissen wollte, hatte die Lage der Bewohner von Oesterreich und Steier wirklich schon bedenklich gemacht, und diese Reichsprooinzen allen Angriffen von Außen bloßgeftellt. Die Stände des Landes muß- *) Salzb. Kammerbücher im f. k. G. Archive. — Koch-Sternfeld, Beiträge III. 82—83: „Nos Bernhardus et Heinricus, comites de Pfannberch, pro-mittimus fide data, prostitute etiam juramento D. nostro Philippe Salzb. electo suisque suecessoribus, ad nostrae vitae tempora fidclibus ad-haerere obsequiis contra omnem hominem, excepto vero Domino terrae Styriae. — Ut autem teneamur inviolabiliter promissa observare, proinde milites nostri de Chaisenberga, Conradus Torseulc, de Castro nostro Leuben, Heinricus de Vischarn, Heinricus de Padel, Otto judex de Phannenberch, Ottocharus de Schaimecke, de Ramenstein, Si-fridus de Alpe, et Sifridus filius suus de Losenthale u. f. — se voluntariae Domino nostro Philippe pro mille Marcis argenti in soli dum obligarnnt.“ Habshurgischen Fürsten. J. 1246—1283. 23 3 ten sich daher selbst helfen, und der Drang der Umstände vereinigte sie. In Oesterreich waren die Ungarn und Baiern verhaßt; dagegen aber hatten die Böhmen an den Kuenringern, Hardeckern und Lichtensteinern eine mächtige Partei im Lande. Die österreichischen Stände und vorzüglichsten Edelherren, nach K. Friedrichs II. Tod gänzlich herrenlos und wegen der Verwirrung im deutschen Reiche, öje wegen Unbestimmtheit, wem denn die Nachfolge als Reichsoberhaupt zuerkannt werden sollte, sich aufs Höchste steigerte , vereinigten sich nun in der Versammlung zu Triebensee angeblich zu einer Gesandtschaft nach Meissen, um einen Sohn der Constantia von Oesterreich (Albrecht oder Dietrich) als Nachfolger und Regenten für Oesterreich zu verlangen; in Wahrheit und insgeheim jedoch zu einer Mission nach Prag zu König Wenzel, um dem Sohne Przemisl-Ottokar, dessen verstorbener Bruder, Prinz Wladislaus, als Gemahl der Gertrude ohnehin Ansprüche auf die Regentschaft in Oesterreich zu haben schien, die oberste Gewalt über das Land (freilich gegen Fug und Recht des römisch-deutschen Reiches) anzubiethen '). Durch Ottokars persönliche Tüchtigkeit, Tapferkeit, Großmuth und Freundlichkeit hoffte man baldigst Ruhe und Ordnung hergestellt und die Wohlfahrt des Landes gesichert zu sehen. Die diesfallsigen Verhandlungen waren am 21. November 1251 zum erwünschten Ende gediehen und K. Wenzel sendete den Prinzen Ottokar sogleich mit reichen Schätzen (inuneribus et promissionibus pene omnes ad se traxit) und mit stattlichem Gefolge nach Oesterreich, um es in Besitz zu nehmen -). — An der Lanöesgränze von zahlreichen Landes-Eüeln unter und ob der Enns feierlich empfangen, ward er von Enns nach Wien geleitet (9. December), hielt nach Landessitte den ersten Hof- oder Landtag in Klosterneuburg, und wurde schnell im ganzen Lande anerkannt 3). >) Johan v. Biktring weiß von dieser geheimen Absicht nichts. — Boehmer. ibid. p. 284—285. — Chron. Claustroneob. ap. Rauch. 1. 90: „Otto-charus intravit Austrian» de consensu nobilium et civintn — ap. Pez. I. 461 : subjugavit Austrian» »uxilio quo rundam Nobili uni.“ Pernoldus. Anno 1251. — Anonym. I.eob. Anno 1251. — Ottokar v. Horneck. p. 15—18. Rach diesen Angaben hätte sich der Gedanke, den Prinzen Ottokar zu wählen, erst zufällig bei der Durchreise der Gesandten in Prag gebildet. Die Unwahrscheinlichkeit dessen haben schon Rauch, Oesterr. Geschichte. Ill 84. — und Kurz, Oesterreich unter den Königen Ottokar und Albrecht. I. 10—11. vermuthet und nachgewiesen. — Hanthaler. I. p. 954-957. Chron. Garsten, bei Rauch. I 38. 234 Steiermark bis zum Eintritte der nnCiniif=it2b.@tci«', Man mag zwar bei diesen Vorgängen hier Märker in der Wahl gedacht haben, daß nach dem Inhalte der Landes- cinrä eigenen Sanbeä« Agenten. vesten beide Lander Oesterreich und Steier nur Einen Herrn und Regenten haben, und von einander nicht hätten getrennt werden sollen. Allein die steirischen Stände und Herren handelten für sich allein und selbstständig, jedoch nicht ganz einig. Einige, namentlich Ulrich von Lichtenstein (roiqig und mcndleich), Dietmar von Offenberg, die Herren von Trewenstein, Ehrenfels, Grez u. A. meinten, man solle den handvestlichen Bestimmungen gemäß (Seit öaz Recht wer daz, öaz von ainer Hant Österreich und Steierlant Sollt Diensteswesen vndcrtan. Horneck) mit den Oesterreichern gemeine Sache machen '). Andere aber und die zahlreichere Partei, gleichfalls aus die Bestimmungen im kaiserlichen Diplome vom Jahre 1237 gestützt (welche jedoch durch die Wiedereinsetzung Friedrichs des Streitbaren aufgehoben worden Awaren), wollten frei handeln, und ließen Besitz und Regierung von Steiermark durch Dietmar von Wcissenek dem Pfalzgrafen Heinrich (Sohn Herzog Otto's von Baiern, eines Schwagers des römischen Königs Konrad, und eines Eidams des Königs Bela IV. von Ungarn) anbiethen. Mit der Lage der Umstände wohlbekannt, auch berathen durch Dietmar von Weissenek und in dessen Begleitung, eilte Heinrich sogleich nach Ungarn, um die Ansichten seines Schwiegervaters, des Königs Bela, zu hören, und sich allfällig seines Beistandes zu versichern. K. Bela wollte jedoch diese so günstige Gelegenheit, die schöne Steiermark selbst für sich zu erwerben, nicht aus den Händen lassen. Er gewann, durch ansehnliche Geldsummen und Versprechungen, wie man sagt 2) den Wcisseneker und durch diesen die Vorzüglichsten seiner Partei, Friedrich von Pettau, Ulrich und Leutold von Wildon, Wulssng von Stubenberg, Heinrich *) Horneck. p. 27—30. Wahrscheinlich haben sich Einige dieser Partei auch schon an Ottokar selbst gewendet, und ihm die nahe Aussicht auf Steiermark eröffnet, weßwegen Ottokar in einer Urkunde vom 29. April 1253 jagt: „Cam post obiturn nobilium Principum Austriae et Styriae — nos — per nobiles Ducatus eorundem comites et barones, provide invitati etc.“ — Hormayer, Archiv. 1828. N. 61. 21. Mai. -) Horneck. p. 32: „Der -Suing gab furbar von Weiffenekch Herrn Dietmar solich Gut, dez er frum het, daz er den Herren sein Pet getrewlichen prächte und sein wol gedächte wider arm und reiche.— Pey den Herrn die ich han hie genannt, den der Kunig daz Gut sannt pey Herrn Ditmarn da her ye-gleichen nach sein Ger getailt und gegeben wart.« Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 235 von Psannberg, Kolo von Seldenhofen, Sifrid von Mährcnberg, Sifrid von Kranichbcrg, Hartniü, Schänk von Rammsrein, ihn selbst, oder seinen Sohn als Landeshauptmann nach Steiermark zu berufen '). — Kaum hatte Gertrude Nachricht erhalten, daß sich die österreichischen Stände einen neuen Herrn suchen, eilte sie aus Meissen herbei, um ihre vermeintlichen Rechte für ihren Sohn Friedrich geltend zu machen. Sie wurde jedoch nicht gehört, und ging daher nach Ungarn, sichte um den Beistand Königs Bela und übertrug (in odium Ottocari et materterae suae Margarethae) -) ihm alle ihre Ansprüche auf Oesterreich. Dadurch ward gleich bei der Besitznahme der Länder, zwischen Ungarn und Böhmen der Krieg schon entschieden. K. Bela gab der Gertrude seinen Enkel, den Herzog Romanow von Halitz und Reussen, zum Gemahle und das Versprechen aus Oesterreich, wenn Ottokar daraus vertrieben seyn werde ■'*). Philipp von Kärnten, als Metropolit für Salz- grj6 ^ bürg erwählt, mehr stattlicher Feldherr und prunk- im ein, um .. . . . sich aim Landesre- hebender Ritter, als kirchlicher Oberhirt, geistvoll, ge»t°» z» mache», gegen den Adel und das Domkapitel stolz und hart, nicht zu bewegen, die höher» Weihen zu cmpsangen l * 3 4), ergriff, als man in Oesterreich einstimmig einen neuen Herrn wählte, in Steiermark aber für denselben Zweck uneinig handelte, auch die günstige Gelegenheit, und siel mit Heeresmacht in das Ennsthal ein, um sich wo möglich durch seine 5) zahlreichen Ministerialen, Lehensleute, Städte und Schlösser in Stcier, und durch Gewalt der Waffen l) Horneck. p. 31—33. — Pernoldus. Anno 1351 : ,,Styrcnses »utem alio nuntio invitarunt Heinricum, (ilium Ottoni, Bawariae Ducis; seel quia Bela, Hungariae rex, has provincias vehcmentissime cupiebat pro filio, non ausus est Heinricus Bawarus, licet Belae gencr, sine ejus con-silio occuparc, nee valuit.“ Und Anno 1353: „Styriam sibi rex pe-cuniis conciliavit pro filio!“ — In einer Lambacher Urkunde vom I. 1252 führt Ottokar den Titel: Dux Austriac et Styriae ! - Kurz, Beiträge. II. 455. Pernold. Anno 1351: „Jus, quod se habere putabat, in ilium (Belain) transtulit, no varu in nuptiarum refercns promissuni.“ 3) Horneck. p. 35—36: „wann Sy het ym haimleich mit Poten und mit Priesen stecht geben alles ir Recht an Österreich und an Steierlant, daz das stund in seiner Hant waz er gegen ir tet.« '•) Horneck. p. 33: „dez Pistumbs zu Salzburg phlag, an dem sölich Sach lag, daz er nicht möcht chern zu priesterleichen Eren, vmb dieselbe Schuld vcrloz er dez Pabstes Huld.« Pez. I. cap. 1073 sagt Hagen von Philippi: „nit waren viele große Lanntherrn.« 236 Steiermark bis zum Eintritte der zum Herrn und Regenten des Landes zu machen. Schnell war das salzburgische Heer von der Mandling bis Rottenmann vorgedrungen, worauf Philipp die Mauthstätte daselbst, und vorzüglich die Salzquellen in Aussee und Hallstadt, in Besitz nahm und allerorten mehrere Burgen und Blockhäuser befestigte, zum Stützpunkte weiterer Unternehmungen und als Wehre zur Bertheiüigung'). Und er behauptete das Eroberte bis zum Jahre 1254, zu welcher Zeit er dann durch die Uebermacht der Ungarn wieder daraus verdrängt wurde -). @ecfa!' «rin!'et«. Während all' dieser Borgänge schlichtete Her-Stadt Wndischgrätz monn von Kranichberg einen zwischen ihm und dem kommen an das Pa. Bisthume Seckuu bestehenden Streit um Zehenten triarchat zuAanileja. 1 2 zu Äirchberg, vor Ulrich von Lichtenstein und den Rittern: Konrad von Ternberg und Friedrich von Pöltschach 3). Am 17. Juni ertheilte K. Wilhelm von Holland dem Bischof Ulrich ein Majestätsöiplom mit der Bestätigung aller von K. Friedrich II. ertheilten Rechte und Privilegien, wodurch der Sek-kauerbischof den andern salzburgischen Suffraganbischöfen und den geistlichen Fürsten des deutschen Reiches gleichgestellt wurde 4). *3 Horneck. p. 31: „Als der Herr Philipp — wie ym doch wer sipp (verwandt) — der Chunig von Peheimlant — Pedoch so tet ym ant, — Denn Sch ad an den Verliesen — Er voricht er muest verchiesen (fahrenlaffen) — dez yn ze Recht bestund nicht — Er underwant sich, so man gicht — von der Medlik überall — Und waz in den Ens-Tall — den Lantherren wartet (dient) — Hincz an die hohen Wartt — dar und auch danne, — die Mawt hincz Rotenmane — gab man ym durch sein Borcht — Von Holczwerich er do worcht — dasselb auf den Chueperg — Ein Best gut, daran lag Werch — Starkch und chostleich— auch dient dem Fürsten reich, — dar Hallberg und Auze — Daz er gewunne Ehrest me den Phlinsperg er pawte — Er macht hart genesen — Wer Herr ze Steyr wolt wesen (sein) — Ge-must auch sein Willen han — durch die Sach er pegan — Aus den Nez-zelperg der Vest — Ob yemant fremder Gest — Wurd geladen in daz Land — daz er mit werleicher Haut — Pey ym macht peleiben — Man sach in wunder treiben, — dieweil daz Lant «az Herren loz — Er rucht nicht, wer verloz — daz ot er Gewinnes phlag." — Hagen ap. Pez. l 1073. — Chron. Unrest. p. 496--497. 2) Philipps Klage vor Ottokar drückt Horneck p. 33 also aus: „Er chlagt ym sere den Gewalt—den ym der Chunig Welgn hie ze Steyr het getan. — Wann er het ym genommen, waz yn waz an chomen — von Herczog Fridreichen — wart ym ledigleichen — angefallen wer — was der Fürst mer — von seinem Goezhaws het." Und p. 58: „Herczog Ulreich und Herr Philipp viel stettlichleichen würben daz, das sy machten irn Haz zwischen jn und Kunig Welan darumb daz er nicht wölb tan — daz Ennsthal und ander gut — dez sich durch seinen Übermut, Herr Philipp underwant — dieweil hie zu Steyrlant stund ane Herrn." 3) Dipl. Styr. I. 324: ,, Actum Viennae Kal. Januarii. Anno 1251.“ 4) Dipl. Styr. I. 324—325 : „Datum apad Nusciam (Nussiam). Anno 1251. XV. Kal. Julii. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 237 Am 6. März gab Ulrich von Wilüon zu Stainz allen seinen Vasallen und Dienstmannen die Erlaubniß, mit ihren Gütern Spenden an das Chorherrenstift daselbst zu machen Zeugen dieser Erklärung waren die Ritter: Meinhard von Zeinzlisdorf, Ortolf von Pergarn, Widmar von Hopfgarten, Ortolf von Wildon, Otto von Geusfeld, Heinrich von Winberg, Ulrich von Marein, Wulstng der Kellermeister. Das Stift Rein erhielt am 30. April 1251 vom Papste Jnnoccnz IV. aus Avignon eine Ablaßbulle für die dortige Stiftskirche, zufolge welcher Bulle allen andächtigen Besuchern dieser Stiftskirche eine Jndulgenz auf ein Jahr und vierzig Tage zugesprochen wird Berthold, Truchsäß von Emmersberg, wünschte im Stifte Rein seine Grabstätte zu erhalten. Auf Mahnung des Stiftabtes kam er persönlich nach Rein, und entsagte allen ungerechten Ansprüchen auf Waldung und Bergrechte zu Weikersöorf in Oesterreich. Bei seiner wirklichen Bestattung im Stifte stellte sein Bruder Otto 3. November 1251 die Entsagungsurkunüe darüber aus “). Am 14. September 1251 schenkte der Propst Rudolph und das Domkapitel zu Gurk dem Stifte St. Lambrecht ein Feudalgut in Beiwalü, welches bisher Otto von Weilarn inne gehabt hatte l * 3 4). In Windischgrätz am 24. April 1251 erlaubte der Patriarch Berthold von Aquileja den Nonnen in Studenitz, sich in geistlichem Gehorsam den Dominikanern in Pettau zu untergeben, wie dies durchaus in den Nonnenklöstern in der Lombardie Sitte sey; und er empfahl daher dem Prior in Pettau, Alles zum geistlichen Wohle der Nonnen in Studenitz dieser Ordnung gemäß einzurichten; es solle jedoch im Nothfalle auch den Klosterkapellänen erlaubt seyn, die Beichten und Büßungen der Nonnen zu hören und zu ordnen, wenn eben kein Dominikaner zu Gebothe stände 5). In seinem letzten Lebensjahre 1251 schenkte dieser thatenreiche Kirchcnhirt l) Stainzer Urkunde: ,,Concedo, nt quidemque hominum meornm militum vel clientuni de suo patrimonio eidem ecclesiae St. Kathariuae in Steunz fundationi Liutoldi bonae memoriae fratris mei atqne meae — — conferre voluerit vel donare, liberam habeat voluntatem.“ *) Reiner Urkunde. 3) Reiner Urkunde. A) St. Lambrechter Urkunde. s) Johanneums-Urk. Dieser Patriarch Berthold (I. 1218—1231) hat den größten Lheil seiner väterlichen Erbgüter, das Schloß Windischgrätz mit Mauth und Herrlichkeit, die Burgen Luchenstein, Wadeck u. v. a. seiner Patriarchalkirche zu ewigem Eigen geschenkt. Thes. Aquil. 0—7. 412. 238 Steiermark bis zum Eintritte der seiner Patriarchatskirche Schloß und Stadt zu Windischgrätz und die Herrschaft mit allen, ihm daselbst gehörigen Gründen und Rechten zum ewigen Besitze und Eigenthume '). Sein Nachfolger Patriarch Gregor, bestätigte zu Windischgrätz am 20. Juli 1251 öie Unterordnung der Studenitzer Nonnen unter die Dominikaner zu Pettau; so wie er auch etwas früher am 21. Juni zu 3Stt< tad) dem Stifte St. Paul den, in älteren Urkunden schon verbürgten Besitz der Kapelle St. Lorenz in Radmil oder in Rad. lnilach in der Wüste neuerdings bestätigt hatte -). ©tiftoricf1 2»™, Don diesem Jahre endlich lautet der Stistungs-^°Mmnbng F 6ricf öe^ Nonnenklosters zu Marnberg. Gysela, öie Gemahlin Alberts von Marnberg und ihr Sohn Sigfrid von Marnberg gaben als Dotation dieser Stiftung die Perweinshube, unterhalb des Schlosses Marnberg, mit der Kirche daselbst, sammt Mühle, Grund und Boden, öie Waldungen am Fuße des Schloßberges, die Waldungen eines andern Gutes, in dem Dorne genannt, ein Gut an der Furth über die Drau, auf dem Palmberg, und mehrere andere Güter zu Buchdorf, Tre-bunne, auf dem Berge Wank, und das Schloß Marnberg selbst her. Dazu fügten sie noch öie Güter in Kärnten bei Maria-Saal, zu Räppendorf, zu Churenburg, eine Mühle am Glanflusse, dann Liegenschaften zu Puch, Gomelach und Linth, auf dem Ärapfelde. Auf der Perweinshube selbst erbauten sie ein Kloster und übergaben alles den Nonnen, Dominikanerordens, mit vollkommener Einstimmung aller ihrer Anverwandten, Anna, Rudolph und Liu-told von Stadek, Hermann von Klamm, Kunegunöe von Emberg, Mechthildis von Greiffenfels, und vor den Zeugen: Kolo und Konrad, Brüder von Saldenhofen, Kuno und Otto, Brüder von Vinkenstein, Rudhert von Truchsen, Busan genannt, Otto von Brien, Rudbert von Hardeik, Dietmar von Timnitz, Sigharö von Marnberg, Ernst und Wülfing von Snovelin u. A. 3). Für das *) Caesar, Annal. II. 225 : „Pertholdus Patriarcha donavit ecclesiae Aqui-lejensi castrum Windischgrätz cum foro et provinciam to tarn in per-, petuum, quod suum erat, cum omnibus aliis locis ad ipsnm provinciam pertinentibus tarn in proprietate quam in possessione.“ Ex D. Rubels. Antiq. Aquil. p. 718. 2) Iohanneums - Urkunde. 3) Ripl, Styr. II. 321—323: ,,Data sunt liaec anno 1251 in die St. Joan-nis Baptistae. Auch Sigfrid von Marnberg fügte dazu eine eigene Urkunde, worin er allen seinen Rechten auf das neugestistete Nonnenkloster, Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 239 Nonnenstift in Studenitz bezeigte sich auch Bischof Ulrich von Gurk in diesem Jahre ungemein wohlthätig. Zu Landsberg am 10. April 1251 siegelte er die Erlaubniß für Heinrichen von Rohitsch, von seinen gurkischen Lehengütern 24 Ansitze der Kirche zu Gnaöcnbrunn als Seelgcräthe zu spenden, so wie er auch mit derselben Urkunde jedem ' andern Ministerial seines Hochstif-tes gestattete, den vierten Theil seiner Güter dahin zu schenken; jedoch mit dem Heimfallsrechte, wenn das Kloster je aufgelöst werden sollte. Ebenso erlaubte er urkundlich am 30. November 1251, von jedem der fünf Hauptlehen der Gurkerkirche, Mont-preiß, Herberch, Königsberg, Rohitsch und Lengenburg fünf Man-sus den Studenitzernonnen zu schenken — Am 9. Juni 1251 zu Völkermarkt legten Sigfrid von Marnbrrg und seine Gemahlin Richardis das Bekenntniß ab, daß die Schlösser Neutruchsen in Kärnten und Marnberg in Steiermark von ihren Vorältern auf dem Eigengrunde des Stiftes St. Paul gewaltsam erbaut worden seyen, und daß diese ebenso widerrechtlich die Vogteien auf dem Remschnik und in Wolfsbach sich angemaßt haben. Sie entsagten zugleich allen Ansprüchen aufBeiöes, nahmen aber Schlösser und Vogteien vom Stifte auf Lebenszeit und ohne Recht der Vererbung zu Lehen 2). Der alte Böhmenkönig Wenzel besaß trotz sei-nes Eifers für die Vermehrung der Macht seines ottotar »-r-heucht Hauses, Scharfblick und Staatsklugheit genug, um asm«, die Art und Weise, wie die neuen Länder-Erwer- ©fc^ti bungen seiner Dynastie zugewachsen seyen, vom richtigen Standpunkte, nämlich von Seite des damals gültigen Lehenrechtes aus, zu würdigen. Oesterreich mit Steier war freigewordenes, heimgefallenes Reichslehen; und nach den Gesetzen deö deutschen Reiches hatten die Stände und Edelherren kein Recht, aus eigener Macht für diese Reichsfürstenthümer einen Landesrc-genten zu berufen und einzusetzen. Ottokar war demnach auf außergesetzliche Weise zur Regierung derselben gekommen. K. Wenzel sah wohl ein, daß man dem Reiche und einem künftigen Reichs- deffen Dotationsgüter, Gericht, Vogtei u. s. w. ein für alle Mal und gänzlich entsagte. *) Johanneums-Urkunde. "-) Johanneums-Urkunde. 240 Steiermark bis zum Eintritts der oberhaupte gegenüber sich den dauernden Besitz der zugewachsenen Lande nur durch Erwerbung rechtlicher Titel zu sicher» vermöge. Er rieth daher eine Verheirathung Ottokars mit der babenbcrgischen KönigswitweMargarethä an, ungeachtet diese (geboren iO.SlprU 12Ö5) schon eine Frau von 46 Jahren, Ottokar aber im blühendsten Alter von 23 Jahren war. Zugleich sahen die österreichischen Stände diese Vermählung nicht nur für Ottokar als das beste Mittel zur Sicherung der erworbenen Landeshoheit, sondern auch für das Land selbst als die sicherste Bürgschaft für dessen Beruhigung an'). Der üngemein kluge Bischof Bruno von Olmütz bewog Margarethen zur Einwilligung -), so daß am 11. Februar die Verlobung und am 8. April 1252 das Vermählungsfest selbst in Haimburg mit größter Pracht und in prunkvoller Versammlung geistlicher und weltlicher Herren, worunter auch Ulrich von Lichtenstein und Dietmar von Offenberg mit anderen Steireredeln sich einfanöeN d), vollzogen wurde. In Anwesenheit aller Stände und Herren übergab Margaretha dem jungen Ottokar die goldenen Bullen der Kaiser Friedrich I. (I. 1156) und Friedrich II. (I. 1245), durch welche die Vorrechte und Freiheiten ihres Hauses und dessen Länder verbrieft waren und erklärte ihn als Theilnehmer aller ihrer darauf sich gründenden Rechtsansprüche '). 1) Pernoldus. Anno 1252: „(Margaretha) tandem precibus et con-silio Provincialium pro bono publico cedens, consensit/( 2) Pernoldus. Anno 1252: „Sed haec (Margaretha) noscens se P rovi n ci a e tantum causa in conjugem peti et parvum boni de haec conjugio sperans.“ — Horneck. p. 30. 3) Chron. Garsten», bei Rauch sagt Anno 1253: „Apnd Heimburch — praesentibus quatuor Episcopis — nec non omnibus nobilibus Austriae et Styriae!“ ‘‘j Pernoldus. Anno 1252: „Tune Domina Margaretha protulit aureas Bullas Fridericl primi et seeundi, Imperatorum, de institutione Austriae in Dncatum et successione senioris flliae Ultimi Ducis et jus suum Ottocaro secum commune fecit coram provincialibus.“ — Chron. Carstens. Rauch. Anno 1253: „Coram quibus (omnibus Nobilibus) Vidua ipsa privilegia terrae suo marito exhibuit et jus suum sibi tribuit so-lemniter, nullo penitus in contrarium allegante.“— Hagen. Pez. 1.1014. Horneck. p. 30^31. 33—34: „Sy gab YN1 aigenleich vor den wegisten und den pesten mit guldein Handvesten, die sy het von dem Reich ober Steyr und Österreich, ob ir Prueder verdurb und ob er Eriben nicht en-wurb, Sy solt der Lande Erib wesen. Da man die Handvest het gelesen, Sy nam sy selb in die Haut, und gab Handvest und Laut von Österreich dem Herzogen.” Und später sagt Ottokar p. 34: „Vor Jungen und vor Alten hat mein Frame die Chunigin durch ir Trem mir zu Myne Paide Läut und Laut wie so daz sey genannt alles ir Recht geben.’1 2 3 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 241 Ottokar und Margaretha hatten wegen ihrer 6 t Blutsverwandtschaft im vierten Grade die päpst- Ansprüche" ^ das liche Dispens Erhalten, und sich auch den Besitz der österreichischen Länder den Handvesten ge- ^ch?'allgemein "als mäß, so wie früher schon die Herzogin Gertrude nnm gethan hatte, durch den Papst Jnnocenz IV. feierlich bestätigen lassen (6. Mai 1252), welcher zugleich den Bischöfen von Seckau und Freisingen auftrug, über diese Rechte der Neuvermählten gegen alle Beirrungen zu wachen ,). Zufolge der Theilnahme an allen durch die kaiserlichen Handvesten wohlgesicherten Rechten des Babenbergischen Hauses benahm sich nun Ottokar nicht nur als Herzog von Oesterreich, sondern auch von Steiermark, wie der in Urkunden ununterbrochen erscheinende Titel „Herzog von Oesterreich und St ei er" bewährt '). Bis zu Ende des Jahres 1252 waren aber die Parteien der Stände und Eüelherren in Steiermark wegen eines neuen Lanöesregenten noch nicht vereinigt, und auch die Ungarn noch nicht im festen und ausschließlichen Besitz des Landes. Philipp von Salzburg war bei dem Vermählungsfeste zu Heimburg anwesend und erfuhr, daß sich Ottokar auch für den Herrn des Landes Steier von Rechtswegen ansehe, und dieses Fürstenthum an Niemand abzulaffen gedenke 1 * 3). Auch dem König Bela IV. konnte dies kein Geheimniß bleiben. Darum siel er sogleich mit zwei Heeren in Oesterreich und Mähren unter blutigen Zerstörungen und Menschenraub ein, und eilte wieder heim, bevor ihn Ottokars Schwert erreichen konnte^). Die Herzogin Gertrude hatte ihre vermeintlichen Rechte Bela's Schutze empfohlen, wodurch er glaubte, nicht nur auf Steiermark, sondern auch auf Oesterreich Anspruch erheben zu können. In Steiermark aber zögerte man noch, in seine Wünsche einzugehen und seine Unternehmungen zu unterstützen. Auch war es für jetzt dem Her- 1) Lambacher, Interregnum. Die Urkunden int Anhänge p. 28—30. Urkunde für das Stift Waldhausen : Datum ap. Heimburch 16. Febr. 1252 : Otto-chavus D. G. Dux Austriae et Styriae. — Kurz, Beitr. IV. 460—461. 462. 2) De Lang, Regest. III. 16. 1252. 27. März in Chremis. — Hanthaler. I. 957—962. — Chmel, Notizenblatt für Oesterr. Geschichte. S. 71. 3) Horneck. p. 33—34. Joann. Victor. Boehmev. Fontes I. 286—287. — Pevnoldus. Anno 1252. 1253: „Bela popnlationem Austriae faeerc perrexit, et Moravian! quo-que vastavit auxilio Bawarorum in Styria etiam pl urim a o c c tipa n s. Gesch. d. Steiermark. — V. Vl>. 16 242 Steiermark bis zum Eintritte der zöge Ottokar gelungen, die Baiern aus dein Lande ob der Enns gänzlich zu verdrängen und ihre Vereinigung mit den Ungarn zu hindern. Am 30. August 1252 schloß er mit Dietmar von Steier den Abtretungsvertrag der Stadt und Burg Steier, gegen die Herrschaft Loscnstein, für lebenslänglichen Genuß der Burglehen von Steier und für die Geldsumme von 200 Talenten. Der in Steiermark reich begüterte und mächtige Gras Ulrich von Psannbcrg steht in dieser Urkunde als erster der Zeugen 1 * 3). Ottokar hatte sich schon bei seinem Antritte der Negierung Oesterreichs um die Gunst der Stände und Eüelherren in der Steiermark beworben und einige derselben wirklich für sich gewonnen Nun eilte er von Linz in die Steiermark, und kam über Leoben nach Grätz, nicht nur, um sich den Ständen und dem Lande zu zeigen, und um seine in den Landhandvesten des Babenbergischen Regentenhauses gegründeten Rechte auf das Herzogthum üarzuthun, sondern auch um seine Absicht auszusprechen, dies Reichsfürstenthum mit Oesterreich vereinigt zu beherrschen. Nachdem er dem Stifte Rein alle Besitzungen, Freiheiten und Rechte bestätigt, und des Stiftes Hofstätten in Grätz und Neustadt Befreiung von Steuern und Gerichten ertheilt hatte (wobei nur allein seine Kanzler: Wilhelm und Gottschalk, Witigo der Lanüschreiber, Albero von Kuenrin-gen und Heinrich, Schenk von Hausbach als Zeugen erschienen), eilte er wieder über Neustadt nach Wien zurück a), ohne von den Ständen des Landes weder allgemeine Anerkennung noch Huldigung erhalten zu haben 4). etift mein?5»fone S" diesem Jahre 1252 im März stellte 111= -yradw-in. St. Lam. nrfj von Murberg dem Stifte Rein das ungerecht brecht,Pfarrc Graz,- ' a ' kupp und Neumarkt, vorcnthaltene Gut zu Werndorf zurlick, .und gab zum Schadenersätze zugleich eine Besitzung in Sulz bei Wil« Lambacher, Interregnum. Anhang, p. 31: „Actum et datum apud Linzam anno 1252. III. Kal. Sept.“ "3 Horneck deutet darauf hin: cap. 19. „Darnach er sleißigleichen pat — Ett-leich Herren von Österreich — Sy taten-alle frumchleich — daz sy wurden on die Steyrer — daz jn ir gunst nicht verper." — C'liron. Garst. Rauch, p. 38. Anno 1252. 33 Dipl- Styr. II. 22. — Originalurkunde des Stiftes Rein: Ottocharus, II G. I)ux Austriac et Styriae. Datum ap. .Graez. Anno 1252. 4) Pcrnoldus. Anno 1252: „Postea bellum cum Ungaro iterum factum, qui in Austria terribiliter vastavit, Styriam sibi pccuniis conciliavit pro filio Stephano.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 243 bon '). Wezelo, ein Bürger zu Wilbon, schenkte mit Zustimmung seines Herrn Ulrich non Wilbon betn Stifte Rein ein Haus im MarkteWilbon "). Wie gewaltig im Jahre 1252 ber erwählte Salzburgermetropolit Philipp von Kärnten in Steiermark schaltete, erweisen folgenbe Urkunbc». Zwischen Bischof Ulrich von Lavant unb betn Stifte St. Lambrecht schlichtete er am 19. Juli unb 1, August 1252 zu Friesach einen schon unter bem Erzbischöfe Eberharb H. (I. 1240) begonnenen Streit um bte Pfarre zu Neumarkt unb Grazzlupp, so baß biese Pfarre bem Stifte zu Eigen zuerkannt, bie Ansprüche bcs Bischofes aber mit einer Summe van 22 Marken Friesachergelbes für immer abgcthan würben, vor brn Zeugen: Bertholb, Pfarrer zu St. Stephan, Hcrranb, Vikar zu St. Maria in Grazzlupp; vor ben Rittern, Otto van Schalun, Wiganb Graßnich, Dietmar van Thurn, Bertholb von Schäufling “). Zu Wien am 30. December 1252 kam Philipp mit bem Stifte Rein wegen bcsfen Salzrechten unb ber Pfarre zu Grabwein auf folgenbe Weise überein: betn Stifte zu Rein soll von bem bisherige» Salzgefälle in Aussee jährlich ber britte Th eil für immcrbar erfolgt, unb wöchentlich zwei Marken Gelbes fo lange bezahlt werben, bis baß bie Pfarre zu Grabwein bem Hochstifte frei geworben feyn wirb. Diese Kirche soll bann zum Ersätze für biese wöchentliche Gelbsummc bem Stifte einver-leibt, unb jenes Gelb weiter nicht mehr gegeben werben. Die Einwilligung bcs Hochstistskapitels unb bie apostolische Dispens zur Einverleibung bicser Pfarre wirb vorläufig zugesichert. Enb-lich sichert Philipp zu, mit einem Lanbesherrn keinen Lehenver-trag ober irgenb eine anbere Berhanblung zum Nachtheile bieser Uebereinkunft einzugehen. Zeugen bieses Vertrages waren: Bischof Ulrich oon Seckau, Eberharb ber Stiftsprior unb Niklas ber Sangmeister zu Rein, Meister Johann, Domherr zu Köln 1 2 3 4). 16 * 1) Steiner Urkunde. 2) Keiner Urkunde: „Wezelo civis nostcr (Ulricus de Wildonia) accedente consensu et voluntatc nostra.“ 3) Urkunde von St. Lambrecht: „Super ccclesia in Novo foro Grazzlupp. Datum Frisaci XIV. Kal. Aug. Anno 1253. — Fez. III. Hist. Fund. Scitenstctt. p. 309. In diesem Jahre ist auch der Stiftspriester Hermann von St. Lambrecht in das österreichische Stift Seitenstätten gerufen worden. '•) Keiner Urkunde: Datum Viennac III. Kal. Januarii Anno 1253. 244 Steiermark bis zum Eintritte der 3. 1252. Auf dem Sterbebette wollte Heidenreich von ligcn Thomas daselbst ein Gut am Steinberge, einen Hof und Weingarten zu Laffnitz ’). Gertrude, Witwe von Thalberg, gab dem Propste Gewinnus und den Chorherren ihren Hof, zu Erzberg gelegen, mit allem Zugehör; aus daß ihr ge-tööteter Sohn Gerard, welcher durch 6 Jahre keine kirchliche Grabstätte erlangt hatte, in der Kirche zu Vorau zur Grabesruhe gebracht werde "). Am 28. Februar 1252 gab Konrad, der Kastellan von Friedberg, mit Zustimmung seiner Gemahlin Had-mudis, seiner Söhne Konrad, Dietrich, Liupold und der Tochter Agnes, dem Stifte zu Vorau für Besitzungen am oberen Schlosse Fridberg bis zum Kreuzbilde hin den Hof, Schelleborn genannt, mit mehreren jährlichen Geldzinsen. Dabei waren anwesend: Propst Gewinn von Vorau, Otto der Pfarrer und Chorherr daselbst, Konrad der Diakon, Ulrich, Pfarrer in Friedberg, die Ritter: Wülfing und Konrad, Heinrich von Tigerberg, Leo der Pfeiler, Erhard Fuß, Stadtrichtcr, Konrad der Amtmann, Heinrich der Hofmeister und mehrere Männer, Herbord, Khunel, Leu-pold, Otto, Chunald von Vorau (de Vorowe) * * 3). Am 25. October weihte Bischof Ulrich I. von Scckau Kirche und Hochaltar in Vorau zu Ehren der heil. Dreifaltigkeit, Maria und des heil. Apostel Thomas feierlich ein 4). Am 14. April übersandten der salzburgische Dompropst Otto und der Abt von St. Peter an den Pröpsten Ulrich von Seckau, Erzdiakon der oberen Steiermark, und an Otto, Pfarrer zu Grätz, eine Urkunde des Cardi-nalpriesters der heil. Sabina und apostolischen Legaten Hugo, worin dieser seine Bitte an die Gläubigen des Salzburgerfpren- Caesar. Anna!. II. 230: „Heidenricus de Reinberg — Pro illatis damals — delegavit—mansum unum in Beimberg, curtem unam in Lavenz et vineam ibidem.“ -) Caesar. Annal. II. 230 — 231 : „Gertrudis relicta de Thalberg quam-dam curiam suam ad Erzberg sitam cum omni jure tradidit, quare Gerhardum filium suum, quondam pro dolor! occisum et 6 annis eccle-siastica carentem sepultura in ecclesia sna sepelierunt. 3) Caesar. II. 522—523: „Ego Conradus Castellanus de Fridbercli — ecclesiae Vorawensi — dedi mansum unum in loco qui dicitur Schel-liborn pro concambio, quod liabui cum fratribus in Vorow usque ad crucem penes castrum superioris Fridberch. Acta sunt haec anno 1252. III. Kal. Martii.“ '0 Caesar. II. 331-332. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 245 gels richtet, ihn mit Geldbeiträgen zu unterstützen, damit er das, nun zum zweitenmale übernommene Geschäft und die Würde eines apostolischen Legaten, wozu sein eigenes Vermögen nicht hinreiche , gehörig führen könne. Er forderte von den Sprengel»: Salzburg, Freisingcn, Pasfau und Regensburg einen Beitrag von 400 Marken, welche Summe von allen kirchlichen Instituten und Personen, mit alleiniger Ausnahme der Cisterzienser, Karthäuser und des deutschen Ordens erhoben werden sollte; seiner Forderung fügte der Legat sogar die Drohung mit Bann und Suspcnüirung gegen alle zur Einsammlung und Leistung der Gabe nicht geneigten Verpflichteten bei. Für die Diözesen Seckau und Lavant in der obern und untern Steiermark waren 80 Marken Silbers zu-getheilt. Der Legat hatte nicht sobald an den Dompropst von Salzburg und den Abt zu St. Peter seine unbegründeten Forderungen gestellt, als auch diese sogleich ihre Einwendungen dagegen erhoben, ohne jedoch den Legaten zu einer Zurücknahme seines höchst ungerechten Antrages bewegen zu können. Es blieb ihnen daher nichts übrig, als den Antrag des Legaten den vorgenannten Kirchenmänncrn in Steiermark zuzusenben, damit auch diese davon Einsicht nehmen und die Schrift des Legaten wieder weiter an alle Aebte, Pröpste, Pfarrer, Bikarirn, Kapläne und Kirchen-vorsteher miltheilen möchten. Zugleich beraumten sie auf den Vorabend von Laurentius eine Versammlung des Clerus in Leoben an, um über diese allgemein verhaßte Gelüsammlung gemeinsam zu berathen. Das Resultat dieser Synode ist jedoch unbekannt ’). Die Pfarre Schleunitz war dem Nonnenstifte P-^Schl-ünitz zu Studenitz schon vorlängst gegeben mit der Be- Stift ecis. schränkung, daß dem Pfarrer daselbst von den Einkünften so viel verbleiben solle, daß er Hospitalität und Almosen geben könne 1 2). Auf die Klage der Nonnen gegen den Schlcuni-tzcrpsarrer Leopoldus kam der Archidiakon Konrad (Archidiac. Sauniae), berief zur Untersuchung und Berathung mehrere geistliche und weltliche Herren: Rudbert, Dechant und Pfarrer zu 1) Johanneums-Urkunde. 2) Legatis respondeat et miseviis pauper um "pro posse subveniat, Archi-diaconos, Decanos et nuncios recipiat, cathedratico et aliis, quae ad Dioecesanum spectant, satisfaciat provide, praviter ac discrete. Debet itaque dictus plebanus et sui sueccssores habere proventus matri-cis ecclesiae cathedranos, remedia, judicia, oblationes et similia cum decimalibus denariis ac agricultura. 246 Steiermark bis zum Eintritte der Pilstein, Johann von Pilzowe, Heinrich von Kerschbach, Heinrich von Feistritz, Herbord von Kätsche, Wülfing von Cilyn, Bruder Hermann, Dominikanerprior in Pettau und dessen Bruder Heinrich von Krain. Er wies dem Pfarrer Leopold einen genüglichen jährlichen Rentenanlheil zu, und sicherte denselben in einer Urkunde am 26. August 1252 '). — Im Jahre 1252 stiftete der Vicedom von Aquileja mit seiner Gemahlin Fromude für sich und seine Vorältern einen ewigen Jahresgottesdienst im Kloster Sei; mit 20 Marken Silbers von Gütern und einen Weingarten in Sydingendorf, auf daß an dem Jahrestage der Karthäu-serronvent auch mit Wein und Fischen stattlicher bewirthet werden könne 2). 3^1253—«54 In der ersten Hälfte des Jahres 1253 hatte .'j. Ottokar sucht tue 1 „ «ollstand. Herrschaft tnflii sich m der Steiermark, ungeachtet aller Be- in Steiermark gegen die Ungarn zu be- muhungen des St. Bela IV. noch nicht allgemein für eine ungarische Herrschaft entschieden, so daß Ottokar von Vielen als Herr und Regent des Landes angesehen wurde. Auch that er seinerseits Alles, um Einfluß und Gewalt der Ungarn im Lande möglichsten schwächen und verhaßt zu machen 3). Dies führte die schon glühende Feindschaft der Ungarn dem baldigen Losbruche entgegen. Daher eilte Ottokar nach Prag (im März 1253), um seinen Vater, K. Wenzel Ottokar, zu bewaffneter Hilfe aufzurufen. Am Känigshofe hatten sich eben versammelt der Erzbischof Philipp von Salzburg und die Bischöfe Heinrich von Bamberg, Konrad von Freisingen, Berthold von Passau, Bruno von Olmütz. Ulrich von Seckau, und jene von Meissen und Regensburg. Zuerst wurde Ottokars Zwist mit dem Bischöfe zu Passau wegen der hochstistischen Lehen in Oesterreich durch das Schiedsgericht der Bischöfe von Freisingen und Seckau entschieden (27. März 1253) 4). Es kann aber kein Zweifel seyn, daß bei dieser Unterhandlung auch die steirischen Angelegenheiten mit dem Salzburgermetropoliten, der bis zu Ende 1252 als Herr der lanöesfürstlichen Salinen in Aussee erschien, mit Bischof Ulrich von Seckau bcrathen, und Ottokars Ansprüche als Regent *) Johanneums - Urkunde. 2) Seitzer Urkunde. 3) Horneck. p. 34. 4) De Lang. Regesta. Ul. 28. Urkunde, siehe Jahrb. d. Liter. 40. Bd. p. 93. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 247 des Landes allgemein anerkannt worden sind. Von Prag kam Ottokar nach Neustadt; wo er die Treue und Ergebenheit der Ritter und Staötbürgcr mit Bestätigung aller ihrer Vorrechte und Freiheiten und mit neuen Gnaden belohnte '). Von Neustadt reiste er nach Steiermark: wohl zu keinem andern Zwecke, als seine Stellung als Lanüesregent möglichst zu bewähren, zu kräftigen gegen die ungarischen Plane, und seinen Anhang unter den Ständen und Dynasten zu vergrößern. Am 17. Mai in Leoben umgaben ihn: Bischof Ulrich von Seckau, Friedrich und Ulrich von Hausbach, Wülfing von Studenberg, Dietmar von Weissenek, Hermann von Kranichberg, Konrad von Helking, Witigo der Lanüschrciber von Steier, Dietmar von Stretwich, Ulrich von Lichtenstein, Offo von Pütten, Albcro von Hartberg, Konrad von Hintberg, u. v. A. Da gelobte er seinem geliebten Freunde, dem Bischöfe Ulrich von Seckau, und seinen Nachfolgern die Ablösung aller verpfändeten Besitzungen und Lehengüker der Grafen von Plain um Leibnitz und Stiffing auf landesherrliche Kosten dem Bisthume zu ewigen, freien Eigenthume zu bewirke», so wie auch den Besitz der Bille Reussenz mit demselben Cigenthumsrechtc, als Herzog Friedrich der Streitbare sic besessen hatte l 2). Die angeführten Zeugen bewähren, daß bereits zwei wichtige Gegner, Wülfing von Stubenberg und Dietmar von Weissenek, welchen K. Bela IV. in Ungarn ehedem für seine Interessen gewonnen hatte, jetzt zu Ottokar übergetreten waren. Hatte ihnen doch K. Ottokar jetzt und zu wieder-hohlten Mahlen aus das feierlichste die Bestätigung und getreue Haltung aller von dem früher» Lnnüesfürsten H. Ottokar VIII. und H. Leopold dem Glorreichen erworbenen und bestätigten Vorrechte und guten Gewohnheiten des Landes angelobt 3). l) Rauch, Oester. Gesch. III. 126. !) Dipl. Styr. I. 325 — 326": „Quod homines et possessiones comitum de l'leyen, qnos circa Leybenz et Stiven habere noscuntur — promisi-mus nostris absolvere laboribus et expensis. ■’) Horneck. p. 34: „Der ChuniH Wicz und Chunst mit Fleiz daran chert, wie er den Ungern wert den Bngunst in dem Lande. Die Herren er be-sannde, die zu der Zeit da warn, er pegund gegen jn geparn harte sre-ventleichen, er pat sew fleißßigleichen, daz sy ym gut wern gegen den Stey-rern, daz sy daz Recht sehen an, seind daz Lannd ze Steyr schold Han bero Kunigin Magret, der ez gelasßen het ir Vater Herczog Lewpolt, da nicht lenzer wesen weit jr Prueder Herczog Fridreich. Sy waz so gewisleich der nagst Erib nach ym, auf mein Trew ich daz nym. Der Kunig zu den Herrn sprach, do er gehört und gesach, daz der Herren Gunst ain Tail het, 248 Steiermark bis zum Eintritte der Wirklich erfolgte darauf eine solche Bewegung sung im Lande. — im Lande, öofi der ungarische Hauptmann, Graf Die von H. Ottvkar eingesetzten Landes- Ainbold, die Steiermark verlassen mußte. Natur-hanplltUt.. ergrij^ A Ottokar diese günstige Gelegenheit, und bestellte nun selbst Hauptleute für des Landes Leitung in seinem Namen. Wie H. Ottokar bemerkte, daß der von ihm zuerst eingesetzte, nicht im Lande geborne Hauptmann Witigo den Landhcrrn nicht eben genehm sey, so übertrug er die Landeshauptmannsstelle dem Grafen Heinrich von Pfannberg; welchem bald nacheinander Hartniö von Pettau, Wülfing von Stubenberg, Leutold von Stavek und Wülfing von Trewenstein gefolgt sind. — April 1254 -). Krieg ^.Men An- Dadurch ward der Krieg mit den Ungarn zum Ausbruche gebracht. Sogleich hatte sich K. Bela IV. rückgeworfen. Was- mit seinen Reiterschaaren von Kuinanen und Un- fciiftiKflcmb. , garn über Mahren, Oesterreich und Steiermark mit dem gewöhnlichen barbarischen Brennen, Zerstören, Plündern, Niedermetzeln und Menschenrauben ergossen. Wien war in höchster Gefahr, und für Prag selbst mußte der alte König Wenzel in ernstlicher Furcht stehen. Aus Steiermark scheint Ottokar die Ungarn, welche K. Bela selbst anführte, schnell wieder zurückgeworfen zu haben * *). Ebenso mißlang der Einfall der Baiern im Lande ob der Enns 3). Mit einem eigenen Schreiben (Assis. 1. Juni 1253) hatte indessen Papst Jnnocenz IV. seinen Legaten Velaskus nach Oesterreich gesendet, beide Fürsten zu Frieden und Ruhe im Namen Gottes aussordern lassen (qui non tarn hominis quam veri Dei vicem gerimus!) und den Gesandten gegen alle Wiöerspänstige mit unbeschränkter Vollmacht zu Anwendung aller geistlichen Strafen versehen (qui disponente Deo universal i regi mini praesidemus) *). Aus Steiermark zurückgekehrt, er und die Kunigin Margret: bei meiner Kremen lob ich daz hcwt, daz Lant und Lernt von mir beleihen! unbefmert, rnaz Rechtens jn gegeben wart, do der piderb und der wakcher Markgraf Ottokcher Herczog Lewpolten gab daz Bannt. Mit wem ich dez mirt erfhant nach der Lantherren Gemisßen, dieweil mein Leben unversliesßen ist, so muez ey stete sein, daz lob ich auf die Kreme mein.« *) Horneck. i>. 35. -) Chron. Nellie. Pez. I. et Pernoldas. Anno 1253: Continual. Cosmae Prägens. Anno 1253. — Horneck. p. 35—36. 3) Chron. Herrn. Altai), ap. Oeffele. I. 675. *) Fejer, Cod. Hung. IV. II. 196—200. — Lambacher, Anhang, p. 33-35. Habsburgischen Fürsten- I. 1246—1283. 249 kam Ottokar in der ersten Hälfte Septembers nach Krems (17. Sept. 1253) ’), und leistete dem apostolischen Legaten feierliche Versicherung, den König Wilhelm von Holland zu unterstützen, und auf dessen Forderung die Fürstenthümer, Oesterreich und Steier, als Reichslehen persönlich von ihm zu empfangen * 2). Das Ansehen des Papstes und seines Legaten beförderte ungemein den Frieden zwischen Ottokar und K. Bela. Nachdem im Lager bei Winkenöorf an der March (in der zweiten Hälfte Septembers 1253) Waffenstillstand geschlossen war: eilte Ottokar nach Prag, um von dem väterlichen Erbkönigreiche feierlichen Besitz zu nehmen. Denn eben am 22. September 1253 war der alte König Wenzel auf der Jagd in den Wäldern jenseits Beraun von einer schweren Krankheit ergriffen worden, und im Königshofe beiPot-schapl gestorben 3). Inzwischen behielt Ottokar auch ununterbrochen den Titel eines Herzogs von Oesterreich und Steier, und bestellte den staatsklugen Bischof Bruno ~'K @cv von Olmütz zum Landeshauptmann von Oesterreich. Bei solcher Lage der Dinge mag nun die österreichische Gertrude am Hofe des Königs Bela IV. wohl eingesehen haben, daß ihre Hoffnungen auf Oesterreich vergeblich seyen; weßmegen sie auch von ihrem, in der Hoffnung aus ein selbstständiges Fürstenthum gleicherweise getäuschten Gemahle, Roman, verlassen, und nie mehr gesehen worden ist. Die Tochter aus dieser Ehe, Agnes, ist nachher an den ungarischen Prinzen, Stephan von Agram, vermählt worden 4). Auch Heinrich von Baiern hatte sich in gleicher Lage überzeugt, daß K. Bela IV. nach dem Besitze von Oesterreich und Steiermark für sich selbst und seinen Sohn strebe. Er gab daher seine Hoffnungen auf und eilte nach dem Tode seines Vaters Otto, Pfalzgrafen von Baiern, 29. Noo. 1253, wieder heim 5). Noch zu Ende dieses Jahres handelte K. Ottokar als Landesregent von Steiermark, indem er als „Herzog von Steier" dem Landschreiber von Steier, Witigo, und dessen Bruder erlaubte, das lanöesfürstliche Lehen- !) Schon vom z. Sept. 1253 aus Krems eine Urkunde Ottokar's als Dux Austriae et Styriae. — Boczek. Cod. Morav. HI. 173. 3) Raynald, Anna!, eccles. Anno 1253. 3) Horneck. p. 36. Anonym. Leob. Anno 1253. 4) Joan. Victor, ibid. p. 287—288. — Horneck. p. 37. - Pernoldus. An. 1253. s) Pernoldus. Anno 1253. 250 Steiermark bis zum Eintritte der schloß zu Halbenrain, welches beiden Brüdern von Friedrich dem Streitbaren (I. 1244) verliehen worden war, käuflich hintanzugeben Urkunden vom 30. März, 1. Mai und 9. Juni bewähren es weiters 1 2), daß K. Ottokar bis unmittelbar zum Friedensschlüsse mit den Ungarn sich »Herzog von Steier" genannt, und als Landesherr gehandelt habe. Am 1. Mai 1254 zu Wien belohnte er die besonder» Verdienste seines Freundes, des Discho-fes Ulrich von Seckau, mit dem Patronatsrcchte der Kirche Mau-tenstorf zu ewigem Besitze des Bisthums Seckau 3). Stiejäfw.' Di- Den Frieden mit Ungarn zu schließen, beeilte Steiermark kömmt sich Ottokar jetzt um so mehr, weil allgemeine Ruhe unter ungut. Herr- * ° ' schäft. in feinen Ländern zur Feststellung der Herrschaft in Böheim nothwendig war; und weil der päpstliche Gesandte diese Verhandlungen sogar nach Rom ziehen wollte 4). Seine Bevollmächtigten, Bischof Bruno von Olmütz, Witek von Neuhaus, Otto von Neissau, Kadalü der Waise und Urikarü von Terna, wurden am 3. April 1254 in Ofen über folgende Hauptbedin-gungen einig: Die eigentliche und ganze Steiermark, nach dem Wassergebiete der Mur, soll dem Könige von Ungarn abgetreten werden 5); was außerhalb der Gebirgskette vom Semering bis Baiern hin mit der Wasserseige gegen die Donau gelegen ist, soll beim Lande Oesterreich verbleiben; beide Könige entsagen allen weiteren gegenseitigen Ansprüchen, und K. Ottokar legt den Titel: »Herzog von Steiermark" ab. Die beiden Herzoginnen verzichten ebenso : Margaretha auf die Ansprüche auf Steier, Gertrude auf die 1) Rauch, Oesterr. Gesch. UI. 142-143. -) Meiclielbeck, Hist. Frising. II. P. I. 41. p. II. 13. 3) Dipl. Styr. I. 326 — 327: Actum et Datum Viennae anno 1255. Kal. May. Das Jahr 1255 ist hier ganz falsch, wie aus der Reihe der Begebenheiten selbst erhellt, und K. Ottokar den Titel »Herzog von Steier" nach der Bestätigung des mit den Ungarn am Freitag vor Palmsonntag geschloffenen Friedens abgelegt und bis zum I. 1260 nicht wieder geführt hat. 4) Fejer, Cod. Ungar. IV. II. 248-249. 5) Pernoldus. Anno 1254: „Inter Belam et Ottocharum Regem fit pax et Bela totam Styriam usque ad partem proxiinam Austriae et mon-tem Semering obtinuit. — Horneck. cap. 26: „Sie Ebnung wer so er- gangen — als der Semering het vervangen — und der Hartperig das Sannt — deselbing sich unbemannt — von Ungern Kunig Welan." — Anonym. Leoli. Anno 1253 (1254 richtiger). — Chron. Mellic. Pez. I. 240: „Tali pacto, quod partem Stjuiae videlicet a monte, qui dicitur Sem-tririche , donee per monlana in Agmund perveniatur, relinquat regis dominio et hoc secundum quod aquae pluviales distinguunt decur-rentes.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 25 t Herrschaft Mödling, auf Oesterreich und Stei'er; Gertrude erhält dagegen als Eigen Leoben, Knittelfeld, Neumarkt oder Grazzlupp, Voitsberg und Tobl in Steiermark ')• Auf einer späteren persönlichen Zusammenkunft der beiden Könige in Preßburg ward dieser Frieöensschluß mit noch andern Punkten förmlich bekräftigt und auch der Herzog von Kärnten in diesen Frieden eingeschloffen 2). Das Friedensinstrument, Ofen ö. April 1254, lautet wie folgt: "Wir 25., durch göttliche Barm- herzigkeit Erzbischof von Kolorza, Hofkaplan des erlauchten Kö-„nigs von Ungarn, Roland, Graf der Pfalz und von Raab, Ste-»phan, Herzog von ganz Slavonien, Chat, oberster Kämmerer »und Graf von Supernin, Bevollmächtigte des Herrn Bela, hoch-,,berühmten Königs in Ungarn, thun Allen und Jeden durch den „Inhalt gegenwärtiger Urkunde kund und zu wissen, daß, nach-„üem wir von Seite des vorgenannten, unseres Herrn bevollmäch-„tigt worden sind zur Herstellung des Friedens und der Einigkeit „zwischen dem oorgenannten unfern Herrn König und P. (Prze-„misl) dem erlauchten Herrn König in Böheim, mit den von Seite »desselben zur nachdrücklichen Schließung des Friedens und der „Einigkeit uns zugetheilten und beigesellten Mitbevollmächtigten, „dem, in Christo ehrwürdigen Vater B. (Bruno) von Gottes „Gnaden Bischof von Olmütz, Wythyko von Neuhaus, Otto von „Müsse (Meissau) Kadald, dem Waisen (Orphano), Wykard „von Terna, wir nach oorausgehaltener, sorgfältiger Verhandlung „uns dahin vereinigt haben, daß unser Herr, der König von Un-„garn, und seine Erben das Herzogthum Steter mit all' dessen »Zugehör und Rechten für immer besitzen, und inne haben sollten „bis an die unten bezeichncten Gränzen, nämlich: von der Höhe „des Berges, welcher genannt wird Semeregk, nach dem Zuge ') Horneck. p. 36—37: „Er (König Bela) fett auch in dem Lannde han die Herzogin Gedrawt. Der wart benant uberlawt für jrs Rechts Meld — Lewben, und Knittlveld, Judenburg und Graßlaub, Voytsperig und Tobl Antwurt man jr barque.<( 3) Chron. Claustroneob. Vez. I 461 : ,,Eodcm anno resignavit Ottocha-vus, Dux Austriac, Beli, regi Ungariae Styriam.“ — Anonym. Leob. ibid, anno 1253 (1254). — Chron. Osterhov. ap. Rauch. Fortwährend bestand in Steiermark wider K. Ottokar eine starke Gegenpartei, wie die Molker Chronik andeutet: ,,Ottocaro, filio Regis Bohemorum, Austriain et Styriain nomine dotis obtinente, pluribus ac Majoribus de Styria rebellantibus, imo Regi Ungariae faventibus — inter ipsum regem et Ottocharum amicabilis compositio intercessit.“ 252 Steiermark bis zum Eintritte der „desselben nach Verschiedenheit der Gegenden mit verschiedenen „Namen bezeichneten Gebirgen von Ungarn bis Bawaricn fort, „und wo sie ebendaselbst enden, indem der Lauf der Wasser von „jenen Höhen herab gegen die Mur die Gränzscheide machen soll, „mit dem Beisätze, daß, wenn das Schloß Schwarzenbach nach der „Wasserseige nicht in den Theil des Herzogthums Steier fallen „sollte, es die Abgeordneten und Bevollmächtigten des KönigsP. „von Böheim über sich nehmen, von ihm zu erlangen, daß dieselbe „Burg mit allen ihren Rechten in den Antheil unsers Herrn und „Königs übergehe, und demselben zum ewigen Besitze zugewiesen „werde ')• Der von denselben Berghohen nach der Wasserseige gegen „die Donau gelegene Theil der Steiermark soll mit dem ganzen Her-„zogthume Oesterreich der genannte Herr P. mit seinen Erben mit al-„lem Zugehör und mit allen Rechten zum ewigen Eigenthume besitzen „und time haben. Ebenso soll unser Herr, der König, u>on dem „Landantheile, welchen er besitzen wird, der Frau Jmbirge (Ger-„trude) Ersatz leisten, auf daß sie keine Ursache habe, gegen den „genannten Herrn P. sich zu beklagen, weil sie außer dieser Er-„satzleistung vom Herzogthume Oesterreich nichts mehr besitzen solle 2). „Aber auch Herr P. wird von seinem Anthcile, den er behalten „wird, seiner vortrefflichen Frau Gemahlin und ihren Erben Ersatz „geben, wenn er zufällig früher sterben sollte, so daß auch weder diese „noch ihre Erben auf einen Theil, welchen der König besitzen wird, „gegen unfern Herrn, den König, einen Anspruch zu machen haben „sollen. Die Handlungen aber der Verwandten und Freunde beider „Theile sollen nach Schicklichkeit dann geordnet werden, wenn unser „Herr und König und der vorgenannte Herr P. zur Unterredung „und Verhandlung an Ort und Tag, welche gemeinsam dazu be-„stimmt werden, zusammcngekommcn seyn werden. Daß aber von „diesen Punkten durch unfern Herrn, den König, nichts verändert „werden werde, haben wir auf dessen Seele den körperlichen Eid „geleistet, und diese Urkunde mit unser» angehängten Sigillen ') Horneck. p. 36: „Die Ebnung wer so ergangen: Als der Semering het vervangen und der Hartperig de; Lannt, deselbing sich vnderwant, von Ungern Kunig Welan." — Chron. Garsten. Anno 1254. ') Horneck. p. 36: „Er soll auch in dem Lande han die Herczogin Gedrawt, der ward benannt vberlawt für irs Rechts Meld Lewben und Knittlveld, Judenburg und Graßlaub. Sy warn der Synne tawb die jr Recht da wurchen scholden, daz siz nicht enwolden pesneiden mit dem Hobl, Voitspering und Tobl antwurt man jr darczue.« Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 25 3 „bekräftigen lassen. Verhandelt im Jahre 1254 bei Ofen, Freitags »vor Palmsonntag ’)." Nach der förmlichen Bestätigung dieses Frie- @raf Mn densinstrumentes nahm K. Bela IV. sogleich von Agram, ungarischer Statthalter in Srei- dem Herzogthume Steiermark nach dessen heutigem «mark, — tzandgc. richts-Versammlunq Umfange Besitz; und setzte bis zur Großjährigkeit in Feldkirchen und seines Sohnes, des Prinzen Stephan, den Grafen Stephan von Agram, Stephan von Sclaromcn zugenannt, als Landeshauptmann oder Statthalter in Grätz ein * 2); und dieser erscheint in seiner Amtswirksamkeit sogleich schon in der zweiten Hälfte des Jahres 1254. Am 10. September hielt er zu Feldkirchen bei Grätz Landgerichtsoersammlung mit Ulrich, Bischof zu Seckau, Ladislaus Bischof von Tirin, mit dem Landrichter in Steier (iudex provincialis) Gottfried von Marburg, Witigo, Lanüschreiber, Dietmar von Weissenek, Sigfrieü oonMahrenberg, Rudolph und Luitolü von Stadeck, Wigand von Massenberg, Dietrich und Gunöakcr von Plankenwart; er bestätigte die Spende Ortlins von Steinberg, welcher dem Stifte Rein ein Gut zu Walsdorf in Eben, zu St. Jakob, im Thale gelegen, geschenkt hatte 3). Am 10. September 1254 saß der Banus, Stephan, Herzog von ganz Slavonien und Hauptmann von Steiermark, in Grätz zu Gericht mit dem Landrichter Gottfried von Marburg und den Urtheilshelfern Seifrieö von Mahrenberg, Dietmar von Griven, Heinrich von Rohitsch, Marschall von Treuna, Wigand von Gybel, u. v. A. und sprach dem Karthäuserstifte zu daS Besitzrecht der Ortschaften Olsnitz und Warti, gegen Thienno, Ritter von Gybel 4). Am 3 November 1254 ward Gerichtshandlung in der Pfarrkirche St. Egyden in Grätz gehalten, wo der Abt von Rein, Amalrick von Grafendorf, als vom apostolischen Stuhle *) Horneck. p. 36 — 37. — Hanthaler. l. p. 963—967. — Kurz, Oesterr. unter Ottokar und Albrecht I. Beil. I. Alle Vorfälle bis zu diesem Friedensschlüsse umfaßt. — Anonym. Lcob. Fez. I. Anno 1355. ") Joann. Victor, ibid. p. 387—388. — Horneck. p. 31. — Hagen, in Cliron. Pez. I. 1074: „Do gab Chunig Wela von Ungarn Herzog Sepfan von Agram den Steyrern zu einen Haubtmann; der waz hochfertig und versprach sich oft, wie sein Herr gechaufft hett daz Land. Er sacz zu Grecz mit Hawse und belaid do chawm ain Jar." 3) Reiner Urkunde: Stephanus capitaneus Styriae. Actum apud Velchir-chen in judicio Provinciali IV. Idus Scptembris 1354. Seitzer Urkunde im Johanneum. — Dipl. Styr. II. 83: Datum apud Grecz 1354. 254 Steiermark bis zum Eintritte der Abgeordnete Schiedsrichter, einen Zehentstreit zwischen dem Bis-thumc von Seckau und Gertrude von Walöstein zu Gunsten des Erster« entschied, mit den llrtheilshelfern: Eberhard, Stiftsprior zu Rein, Konrad Gusterer der Minoriten in Grätz, Ulrich, Pfarrer in Straßgang '). ®cdai25'etub5et,’iii 5hn 15. März 1253 ertheilte der päpstliche et. sami-vcitt. St. Legat in Oesterreich und Steier, Konrad, Propst “jinittcifdb. 1 zu St. Guido in Speier, den Dominikanern in Pettau das Privilegium, zu predigen, Beichten aufzunehmen, Ablässe und Grabstätten zu ertheilen. Zu Leibnitz am 2. September 1253 belehnte Erzbischof Philipp von Salzburg den Grätzerbür-ger Volkmar mit Zehenten in Baierndorf und Algersdorf bei Grätz 2). Zu Assisi am 6. Juni 1253 nahm Papst Jnnocenz IV. auf Bitten der Priorin und der Nonnen das Kloster Studenitz (Ecclesiam St. Maria fontis gratiae, ordinis St. Äugustini) in apostolischen Schutz, und erließ eine weitläufige Bestätigungsurkunde folgenden wesentlichen Inhaltes: „Der Nonnenkonvent »(sub St. Äugustini regula) soll dort beständig verbleiben; alle "rechtmäßig besessenen, oder noch zu erwerbenden Güter sollen „dem Kloster ungeschmälert und unangetastet verbleiben, insbesondere: Studenitz, Grissendorf, Schebratin, Graseinftorf, Trasein-„storf, Eigen, Grewen und Koterasöorf, mit allem Zugehör, Wäl-„dern und Weiden; Freiheit von Zehenten auf allen Steinbrüchen „und Viehweiden, Freiheit in Aufnahme von Novizinnen. Keine »Nonne darf nach abgelegtem Professe ohne Einwilligung der Prio-„rin wieder austreten (nisi acrioris religionis obtentu). Bei »allgemeinen Jnterdicten ist ihnen nur stiller Gottesdienst erlaubt. »Krisma, h. Oehl, Altarweihe, Kirchenweihe haben sie vom Diö-„zesanbischofe zu erhalten, wenn er katholisch und mit dem römischen Stuhle in Einigung ist. Freie Wahl der Grabstätte in »Studenitz (salva tarnen Justitia earum ecclesiarum a quibus »mortuorum corpora assummuntur), freie Wahl der Priorin (jux-„ta Dei timorein et St. Äugustini regul am), Verboth des Ein-»tritts in die Clausur, und des Blutvergießens, Raubens, Steh-»lens, Feuerlegens, Menschcneinfanges innerhalb der Stiftsgebäu-„de, Bestätigung aller Immunitäten, Steuerfreiheit und Privi- 1) Reiner Urkunde: „Act“111 apnd Grecz in parochial! ccclesia. — Dipl. Styr. I. 327. III. Non. Novembris.“ 2) Salzb. Kammer-Bücher. Habsburgischen Fürsten. Z. 1246—1283. 255 »legten der Päpste, Kaiser, Fürsten rc. 1)." Zu Leibnitz am 23. October 1253 verpflichtete sich Hartnid von Leibnitz zum Wiederaufbaue der Veste Valchenstein und zum Verzicht auf Veste und Gülten, wenn ihm die durch Schiedsspruch des Bischofs Heinrich von Seckau gebührende Summe von 207 Silbermarken für Schadenersatz, Burggrafschaft und andere Forderungen vom Erzbischöfe Philipp werde ausbezahlt worden seyn 2). Papst Jnnocenz IV. bestellte den Seckauerbischof Ulrich I. zur Untersuchung aller jener baierischen Klöster, welche dem, mit dem Kirchenbanne belegten Herzog Otto sich treu und anhängig bewiesen hatten. In einer Urkunde 1. Mai 1254 berief daher Bischof Ulrich die Siebte von Tegernsee, Ebersberg, Rott, Attl, Weichcnstefan, Scheyern, Peu-erbach, Zell und Undersdorf aus einen bestimmten Tag nach Ra-stadt, um alldort ihre Unterwerfung gegen den Bischof von Freisingen wieder zu ermitteln 3). Am 15. Mai 1254 hatte Papst Jnnocenz IV. die Bischöfe zu Gurk und Seckau zu Schiedsrichtern bestellt, in Zehentstreitigkeiten zwischen dein Kapitel zu Sek-kau und Hugo von Pernek, Wigand von Massenberg, und andern Eöelherren, deren Gewaltthätigkeiten dieses Stift an Gütern und Renten bisher vielfach beeinträchtigt hatten 4). In diesem Jahre hat sogar der Pfarrer Heinrich von St. Margarethen bei Knittelfeld um die Bestätigung dieser ihm verliehenen Pfründe bei Papst Jnnocenz IV. angesucht und dieselbe erhalten. In einer zweiten. Bulle forderte dieser Papst die Bischöfe zu Gurk und Seckau auf, das Chorherrenstift von Seckau kräftigst zu schützen gegen die widerrechtlichen Aufgriffe der Edelherren: Wigand von Massenberg und Hugo von Perneck, auf stiftische Güter und Zehenten 5). Dem Stifte St. Lambrecht schenkte Gottschalk von Vokkenberg mit Einwilligung seiner Gemahlin Diemut und seiner beiden Söhne Gottschalk und Dietmar, eine Besitzung in Furt zur Kirche Mariahof und der dort wohnenden Stiftspriester, ge* z) Studenitzer Urkunde. “3 Salzb. Kammer-Bücher. 3) De Lang, Regest. III. 42. '0 Dipl. Styr. I. 214—215. Im I. 1254 schenkte Gertrud, Tochter weiland Reimberts von Mureck und Witwe (illustris vidua) des Ritters Rudolph von Raß (strenui militis), dem Stifte Viktring zur Stiftung eines ewigen Gottesdienstes am 8. April — Güter zu Zwenkach, Dobelsdorf und Zeto-lich. — Biktr. Urk. 5) Iohanncums - Urkunde. 256 Steiermark bis zum Eintritte der gen die Bedingung einer Grabstätte daselbst. Die Uebergabe vollzog Ulrich von Wildon (Nobilis) vor den Zeugen: Otto von Lichtenstein, Wülfing von Stubenberg, Herranü und Leutold von Wildon, der Brüder Gundaker und Otto von Steier, Rüdiger von Perhoch, Hermann von Obdach, (Milites) 1 *). Am 6. Juni in Stainz 1254 bestätigte Ulrich von Wildon die schon im I. 1251 allen seinen Ministerialen und Lehensleuten ertheilte Erlaubniß, Güterspenden dem Chorherrenstifte daselbst zu machen; und er erwählte ebenso, wie sein bereits verstorbener Bruder, seine Grabstätte im Stifte Stainz; Zeugen dabei waren die Ritter: Herr Ortolf und Witmar, Sigfrid von Lemsitz, Gerhard von Panholz u. A?). £“mnwllcn5mllsti!% Die vielfachen Erschütterungen, welche das Land Steiermark durch Gesetzlosigkeit und rohe Gc-sitmont. walt der eigenen Edelherren, Dynasten und Schirmvögte nach dem Tode Friedrichs des Streitbaren mehrere Jahre fortwährend zerrütttet hatten, waren nicht ohne Einfluß auf geistliche Gemeinden in Stiften und Klöstern geblieben , deren blühendste Epoche wohl nur bis zur Hälfte des XIII. Jahrhunderts gedauert hatte. Solch eine bedrängnißvolle Zeit war nun auch für das Stift Admont eingetroffen 3 *). Auf gewalt-thätige Zwietracht im Innern der Stiftsgemeinöe lassen mehrere Päpstliche Bullen (vom Jahre 1252 bis 1254) schließen. Am 13. April 1252 ertheilte Papst Jnnoeenz IV. dem Abte Berthold zu Admont auf dessen Bitten die Gewalt, einige seiner Priester und Laienbrüder (nonnulli monachi et conversi monasterii tui), welche gewaltsam Hand an einander gelegt (pro violenta injectione manuum in se ipsos), sich Vieles als Eigenthum zugeeignet (detentione proprii) und verwendet, allen Gehorsam verweigert, und verderbliche Faetionen gebildet hätten, darum in den Kirchenbann verfallen waren, nichts desto weniger aber die heilige Weihe empfangen und priesterliche Verrichtungen vollzogen hatten, vom Bannflüche wieder zu lösen, mit folgendem Beisatze: »daß er erst „nach schwerer Buße einige Mönche losspreche; daß er Anderen *) ©t. Lambrechter Saalbuch. -) Slainzer Urkunden: Actum in Steunz tcmporibtis Praepositi Chunradi. Anno 1254. VIII. Idus Junii. 3) Saalbuch. III. 37 — 38 : „Ea propter cum ecclesia nostra tam saecu- lari quam spirituali patronatu orbata, multigenis hinc inde prcssurarum ae tribulationum procellis agitata erebro fluetuaret.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 257 zwei Jahre hindurch Sie Ausübung priesterlicher Verrichtungen untersage; daß er die schwersten Verbrecher (manuum injectiones, quorum fuerit gravis et enormis excessus) unmittelbar nach Nom jcnüe, damit sie an den Stufen des apostolischen Stuhles Verzeihung und Banneslösung reuevoll erflehen; daß er sich endlich von den Mönchen angemaßtes Stiftsgut wieder für gemeinsame Verwendung zu den Bedürfnissen des Hauses hera'usgeben lasse. Dem Herzog Ottokar von Oesterreich empfahl Papst Jnnocen; IV. die Beschützung des Stiftes Admont nachdrücklich (16. April 1252); und später (8. April und 15. Juli 1254) hatte er es für nöthig gefunden, den für Salzburg erwählten Philipp von Kärnten und den Bischof Heinrich von Chiemsee kräftigst zur Mithilfe auszuru-fen, daß alle entrissenen, vorenthaltenen und auf lebenslang durch gewaltsam abgedrungcve Verträge vom Stifte entwendeten Besitzungen und Renten wieder dahin zurückgebracht werden möchten (ad jus et proprietatem legitime revo care) '). Die Admontischen Besitzungen der Propstei Kirchheim in Oberkärnten vermehrte um diese Zeit der Stiftspriester und Güteroerwalter daselbst, Herr Ulrich, (religiosus vir, Dominus Ulricus praepositus) durch Käufe von Gürzischen Ministerialen, Otto und Kolo von Volchenstein und Heinrich von Geltburg mit Zustimmung des Grund- und Lehensherrn, des ehemaligen Statthalters in Steiermark, Grasen Meinhard IV. von Görz und Tyrol, der auch die Urkunden darüber zu Lienz in Tyrol zu Ende September 1254, und am 12. October 1256 vor den Zeugen: Kuno von Ehrenberg, Heinrich von Anros, Ottokar von Lewenburg, Rudolph Pfarrer zu Patriarchs-dorf, Friedrich Burggraf zu Lienz, Meinhard von Cerau, Ernest, ehedem Richter zu Lienz, dem Kanzler des Grafen Meinhard, Heinrich, Pfarrer zu Eberstein, ausfertigte und besiegelte * 2). Am 4. December 1254 waren in der Stadt- Dffert| Gericht Pfarrkirche zu Marburg zu Gericht versammelt: Di-H. Gottfried von Marburg, Heinrich von Scharfen- bürg undVousberg. berg, Rudolph von Stadeck, Friedrich der Jüngere von Pettau und Bavo von Treun, und verurtheilten den Werner von Hufe sachfällig gegen das Stift Viktring, demselben für die 1) Adm. Urk. B 12. 14. 25. 55. 2) 2tbm. Urk. CCC. 7. 11. Äesch. ». Steiermark. — V. B». 258 Steiermark bis zum Eintritte der an Land und Leuten zugefügten Beschädigungen 12 Silbermarken Ersatz zu leisten und bei künftigen Verunglimpfungen für eidbrüchig und ehrlos erklärt zu werden ’)• Nach Uebergabe des Landes Steier an die Ungarn war die Herzogin Gertrude mit zwei Kindern des Prinzen Romanus von Reussen nach Judenburg gekommen, und hatte daselbst ihren Witwensitz genommen; (daher auch Herzogin von Judenburg in Chroniken genannt)* 2). Zu Voitsberg am 10. Jänner 1255 verlieh sie nach dem Vorgänge ihres Da-tersbruders Friedrich, dem Landschreiber von Steier, Witigo und dessen Bruder Rüdiger und Erben das Schloß Halbenrain, und zwar unter dem Titel einer »Herzogin von Oesterreich und Steiermark 3)." So wie die andern Stifte des Landes ist auch das Nonnenkloster in Göß während der Uebergriffe in der herrenlosen Zeit vielfach und insbesondere von dem eigenen Schirmvogte, Wulssng von Stubenberg, welcher die Stiftshörigen mit Heerbanns-fteuern und andern Forderungen bedrückte, beschädigt worden. Graf Ulrich von Pfannberg forderte ihn aber, auf Klage der Aebtissin Kunigunde, vor Gericht, und verurtheitte ihn zum Ersätze von 70 Marken. Wülfing erkannte seine Schuld und leistete Ersatz für alle bisherigen Uebergriffe, welche künftig, wenn sie wieder geschehen würden, eines zufolge von ihm am 12. October 1254 vor den Zeugen: Graf Otto von Ortenburg, Ulrich von Wildon, Wülfing von Ernfels, Heinrich von Spiegelberg, Luitold von Krebsbach, Swikard von Katsch, Otto von Utsch, Heinrich von Vonstorf u. v. A., ausgestellten Gewährsbriefes als Raub angesehen werden sollten 4). Am 26. August verglichen sich Kolo von Seldenhofen und Abt Luitolö von St. Paul über die streitigen Besitzes-Grenzen in der Pfarre St. Lorenzen in der Wüste (in provincia St. Lau-rentii) nach der Wasserseige von dem Gipfel des Berges Desich und dem dort befindlichen See hinab in den Bach Redöin; wofür Kolo 30 Marken Frisachcr Geldes empfing. Zu Salzburg am 15. Mai 1254 gelobte urkundlich Wülfing von Trewenstein bei «Bitte. Urk. 2) Horneck. cap. 27: „Sunst chom bero Tugentreich vertriben von Österreich, her ze Judenburg gevarn. Als von dem wilden Arn, da; Hun der Hünd-lein huettet, wem sy sero ausgepruettet, also huet die Herczogin Gedrarot, der zwair Kind, die jr trarot warn und als ir Aug.« — Anon. Leob. p. 804. 3) Chmel, Notizenblatt, p. 71, Dipl. Styr, I. 65-67. Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 259 Verlust seiner Veste Strechau und der Ennsthalerlehen, dem Erzbischöfe Philipp treue Dienste, Stellung von 24 Reisigen uuf jeden Ruf, Offenhultung seiner Vesten und Ehelichung einer hoch-stiftischcn Ministerialin für den Fall des Absterbens seiner der-maligen Gattin, Tochter Ludwigs von Lichtenstein '). Papst Jnnocenz IV., eben so gewaltig, wie sein % 3. 1255. großer Vorführer und unermüdct, den erlauchten resse!, Ramen der Hohenstaufsi'schen Herrscher wenigstens '"nie, auS Italien zu vertilgen, war eben im Augenblicke der Erfüllung seiner Hoffnungen, als K. Konrad IV., der gebannte Sohn des großen K. Friedrich, in der Jugendblüthe dahingerafft worden und der päpstlichen Allgewalt die meisten Städte huldigten, in die Gruft gestiegen (I. 1254). Ihm folgte Papst Alexander IV. Dieser ertheilte dem Stifte Admont einen Bestätigungs-unü Schußbrief (24. Februar 1255) und eine Bulle für den Bischof zu Chiemsee, dieses von allen Seiten so sehr bedrückte Stift durch Anwendung der strengsten Kirchenstrafen gegen dessen Bedränger kräftigst zu beschirmen ,J). Am 25. Februar 1255 erließ er einen Bestätigungsbricf für das Nonnenstift zu Marnberg, am Fuße des Berges Raüelach, worin er das Kloster seines apostolischen Schutzes und Schirms für alle seine Besitzungen und Rechte versichert 1 2 3). Am 28. März 1255 bestellte Papst Alexander IV. den Bischof Ulrich zu Scckau und -den Abt zu Molk als von dem apostolischen Stuhle abgeorönete Richter, um die Herzoge Ludwig und Heinrich von Baiern, den einen in Passau, den andern in Salzburg über die, von ihrem im Bannsiuche gestorbenen Vater, Pfalzgrafen und Herzog Otto, der Kirche zugesügten Beschädigungen einzuvernehmen und wieder zum Gehorsam gegen den Bischof von Freisingen zu bringen 4). Endlich erließ Papst Alexander IV. auch noch für andere steiermärkische Klöster mehrere Bullen: 20. März 1255 gab er den, Karthäusern zu Seitz Vollmacht, mit Bann, Interdikt und Suspension belegte Personen als Novizen aufzunehmen und loszusprechen, jedoch gegen strenge Genug-thuung tin Falle der Schuld; — am 20. Juni das Recht, auch 17* 1) St. Pauler Urkunden. — Salzb. Kammerbücher. 2) Admonter Urkunde. A. 69. B. 11. 3) Johanneums - Urkunde. 4) De Lang, Regesta. III. 68. 260 Steiermark bis zum Eintritte der in solchen Fällen, die unmittelbar für Rom Vorbehalten sind, und nur in Rom selbst Lossprechung erhalten können, loszusprechen, wenn die Gefährlichkeit der Wege und der Straßen keinen Aufschub leidet; — und am 17. September die Befreiung von allen Geldbeiträgen, Collecten und Forderungen, zu welchem Zwecke immer (ad sublevandam vestrorum redituum tenuitatem). Dem Nonnenstifte Studenitz bestätigte dieser Papst, 27. März 1255, die Einverleibung der Pfarre Schleunitz, so wie sie der Patriarch Berthold mit Zustimmung seines Domkapitels gemacht hat '). 3. 1255. Die Garstner Chronik berichtet von einem un- Großes Landftidlng „ . „ in Gr-itz. — S-ckau, getrübten und testen Friedensstande m unfern Län-dern feit der Einigung zwischen König Bela und Ottokar -). Acht Tage nach H. Dreikönig hielt Gottfried von Marburg, Landrichter von Steier (judex Styriae), im Namen seines Herrn, des Königs von Ungarn, und auf Anordnung des Statthalters in Steiermark große Landgerichtstaidung zu Grätz, umgeben von den Eöelherren des Landes: Ulrich von Wit-öon, dessen Sohn Herranü von Wildon, Rudolph von Stadeck, Wülfing von Ernsfels', Friedrich Marschall von Pettau, Franko von Leuzmannsberg, Leutolü von Trewen (Treun) u. o. A. Zuerst leistete der beklagte Herrand von Wildon dem Stifte Scckau Ersatz für Beschädigungen, welche über 600 Marken betrugen, mit Renten und Besitzungen zu Auersbach und anüerortcn. Die Urkunde darüber ward ausgefertigt im Namen des Landrichters und Friedrichs von Pettau, Marfchalls des Königs von Ungarn, in Steiermark * 2 3). Hierauf wurden auf die Klagen der deutschen Ordensritter zu Grätz vor die Schranne gerufen: Heinrich von Pu-cheim, Gottschalk von Bertholdstein, Ulrich von Winkel, Bernhard von Haus, Gebhard von Chunringersdorf, Gottschalk von Neuberg und Wülfing von Friestein; durch deren Gewaltthätigkeiten jene Ordensritter übermäßig beschädigt worden waren. Daher lautete der Urtheilsspruch gegen diese Edelherren dahin: „daß ihre Güter zu Furönich, Linogesdorf, zu Kapfenstein, Oberndorf, Rabau, Buchau, *) Johannemns-Urkunde. 2) Chron. Carstens. Rauch. Anno 1355. 3) Loh. Urk. — Dipl. Styr. I. 315. Seinen Castellan, Caston, zu Windisch-gratz (de Gratz) ließ der Aquilejer Patriarch, Gregor, mit Gülten zu Linth und Glantz belehnen durch den Edelherrn Otto von Traberg (capitaneum oontratae de Graetz) im I. 1355, — Thes. Aquil. p. 158. 300—301. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 261 Linobenüorf, Kundorf, Pichlern und Mitschesdorf bei Vonstorf, so Innge beim königlichen Fiskus verbleiben sollten, bis die Summe der Beschädigungen — 300 Marken — dem deutschen Orden erstattet seyn würden '). Am 12. Jänner erklärte der Lanöschrei-ber Gottfried feierlich, daß nach dem Inhalte der kaiserlichen und päpstlichen Hanüveften Niemand, weder geistlichen noch weltlichen Standes, sich der Vogtei über das Stift Rein unterwinüen dürfe, ohne Wahl und Zustimmung des Stifksabtes. Alle anwesenden Ministerialen des Landes hefteten ihre Sigille an die darüber gefertigte Urkunde 1 2>. Bei einer andern Gerichtsoerjammlung in Grätz im Psarrhause, 11. Juli 1255, gab Ottokar von Grätz eine Entsagungsurkunüe über alle vermeintlichen Rechte aus das Schloß und die dabei gelegenen Güter zu Helfenstein, so wie auf die Vogtei über das Dorf Wagnitz, vor den Zeugen: Amelrik Abt zu Rein, Gottfried von Marburg, Landrichter, Wigand non Massenberg, Rudolph von Lubgast und Ottokar von Doitsberg 3). Dem Abte Berman und seinem Stifte zu St. Lambrecht ertheilte der Lanöesstatthalter Stephan eine umfassende Bestätigungsurkunde über alle herzoglichen Rechte des Landgerichtes, Marchdienstes und der Vogtei auf allen wildonischen Gebieten zwischen den Bächen Dei-gitfch und Graden, mit alleiniger Ausnahme des Gerichtes über toüeswürüige Verbrechen, so wie das Stift St. Lambrecht all dieses schon seit Herzog Leopold dem Glorreichen im ruhigen Besitze gehabt batte. Der Ministerial, Ortolph von Doitsberg, ward beauftragt, den Inhalt der Urkunde sogleich zu vollsühren 4). Den langwierigen Streit um Güter zu Wolf- 3. grub und um das Fischrecht in der Lobning zwischen dem Stifte Goß und einem gewissen Konrad, Matzen genannt, ließ die Aebtifsin Kunigunde (I. 1255) durch die Schiedsrichter Wülfing von Stubenberg, Ulrich von Wildon, Erchengcr von Landesere, Offo von Putten, Wülfing von Ernfels, und Wigand 1) I>ip 1. Styr. II. 184 —188 : „Nos Gotfridus Judex Provincialis et Fri-dericus Junior de Petove regio Mandato ülarschallus Styriae — ad pracceptum illustris domini nostri Regis Ungariac et mandatum inelyti Banni Capitanei Styriae. Datum in Grätz in octava F.piphaniae 1255.“ 2) Reiner Urkunde: „Coram judice Provincial! Gottfrido de Marburch — eonstitui — Pridie Idus Januarji 1255." J) Reiner Uvi: „In judicio provinciali in Gratz. — V. Idus Juli!. Acta in Graetz in curia Plebani 1255.“ 4) Saalbuch von St. Lambrecht. 262 Steiermark bis zum Eintritte der von Mossenberg austragen. Konrad Mätze gab dem Nonnenstistc auch drei Güter in Puechach, Lanken und Michelwiese, und erhielt dafür lehenweise Stiftsbesitzungen zu Rabene. Die darüber aufgerichtete Urkunde bezeugten: Heinrich von Spiegelvelde, Schwi-kard von Katsch, Herrand von Wildon, Ottokar, Wikarü und Napoto von Utsch, Gebolph von Kinberg, Heinrich von Lettyau. — Ebenso verglich sich diese Aebtissin mit dem Pfarrer Richer zu Tra-göß, wegen Besitz von Grundstücken zu Jassing, Polensbach, an der Laming, und wegen Weiden von Launach bis Pillichbach, vor den Zeugen: Otto von Utsch, Heinrich Lezowar, oder oou Let-tyowe, Hermann von Prückel, Ulrich, Schmid von Prückel '). Ob das allgemeine Fehljahr 1255, so wie Oesterreich, auch die Steiermark mit gänzlichem Mangel an Getreide, Obst und Wein heimgesucht habe, finden wir in den Chroniken nicht verzeichnet* 2 3). Am St. Gallustnge 1255 zu St. Veit in Kärnten schenkte mit Brief und Siegel der alte Heinrich von Cezselberg dem Stifte Goß zwei Güter in der Villa Strazzen vor vielen edlen Zeugen, als: Friedrich, Vikar von Klagenfurt, Mathias von Nußberg, Reinher von Mariasaal (et alii quam pluves, qui apud Cutzmann bibe-bant vinum in testimonium et in signum) a). Am 20. März 1255 bewilligten und bestätigten die Brüder Friedrich und Ulrich von Pettau die Spende einer Hube Mosarn an das Stift St. Paul durch ihre LehenSleute, die Brüder Hermann und Diepolü von Katzenstein. Auf der Burg Schmilenberg siegelte Mathilde von Schmilenberg, Tochter Reinberts von Mureck, und nun Witwe des hocheölen Haümars von Schonenberg, einen Spenöebrief für das Stift St. Paul mit jährlichen 5 Marken Gülten zum Ersätze der vielen, diesem Stifte von ihrem Gemahle angethanenen Deschä» digungen, vor den Zeugen: Sigfried von Marnberg, Gottfried von Marburg und Ulrich von Leitschach 4). Iw I. 1255 verlieh der Patriarch Gregor von Aguileja dem Noprett von Windisch-grätz (de Grez) 10 Marken jährlicher Gülten auf Herrschaftsgütern daselbst (in mansis praedii Gretz) gegen ewige Wiederlosung um 100 Grätzermark 5). Im Februar 1256 war Herzog !) Dipl. Styr. I. p. 67—70. 2) Cliron. ßavar. ap. Oeffele. I. 339. 3) Johanneums - Urkunde. 4) St. Pauler Urkunde. 5) Thesanr. Aquil. p. 211. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 263 Bernhard von Kärnten gestorben, und ihm sein Sohn Ulrich in der Würde nachgefolgt '). Schon am 6. April 1256 hatte dieser dem Stifte „ 3 me. cw, . , , _ , „ . „ Göß. Studenitz. Rein eine reiche Schenkung gemacht mit Gütern zu Mein. ®eutf^cvtcn. Deüber, Aich, Hausdorf, Glandorf und Wieneröorf mit allem dazu Gehörigen, und mit Mauthfreiheit an allen herzoglich kärntnerischen Maurhstättcn, gegen die Bedingung, daß jene Güter stets gerichtsfreies Gebiet bleiben sollten, selbst mit dem Rechte des Blutgcrichtes, in so weit dies zu üben dem Cisterzienser-orden erlaubt ist, und daß am Jahrestage der Stiftesgründung der Convent des Stiftes stattlicher bewirthct werde. Als Zeugen waren damals beim Herzog anwesend: Graf Ulrich von Heun-burg, Albert von Gurnitz, Wilhelm von Kreig, Hcrbord von Auersberg, Wilhelm von Nußberg, Heinrich von Silberberg, Luitold von Wildon. Zu Völkermarkt in der Johanneskapelle im Mai 1256 ließ Ulrich, Herzog in Kärnten und Herr in Krain, eine Urkunde errichten und siegeln, worin er allen seinen Ministerialen (liber-tinis et quibusvis fidelibus) die Erlaubniß gab, dem Stifte Stu-üenitz Güter und Besitzungen jeder Art, in seinem Distrikte gelegen, zu spenden, und solche Spenden schon im Voraus bestätigte. Als Seelgeräthe fügte er dann selbst hinzu 6 Mansus im Herr-schastsgute Arch, vor den Zeugen: Heinrich von Scharfenberg, Otto von Vinchenstein, Schwarzmann von Völkermarkt, Otto dem Prior und Bruder Wittigo, Dominikaner zu Friesach * 2 3). Als in eben diesem Jahre der Landrichter von Steier, Gottfried von Marburg, alle Ansprüche Wolframs des Pfeilers (sagittarius) der Grafen von Pfannbcrg auf Zehenten im Thalc Rein in der Landge-richtstaiüigung zurückwies, standen zu Zeugen: Ulrich von Lichtenstein, Dietmar von Weisieneck, Hermann von Kranichberg, Mangold von Altenhofen a). Auf der Veste Peilstcin in der untern Steiermark gab Vilbirgc von Urniüenberg, nach Rath und Bitte ihres Gemahles Heinrich von Helfenberg, den deutschen Ordensrittern in Steier einen Verzichtsbrief auf die Villa Peringcrstorf, welche ihre Brüder Ortolph und Bartholomäi denselben gespendet hatten, und ließ diese Urkunde bezeugen von Heinrich von Rvhitsch, ') Pernoldus et Chron. Mellicens. Anno 1255, 2) Studenitzer Urkunde. 3) Urkunden des Stiftes^Rein. 264 Steiermark bis zum Eintritte der Berthold von Hunkevelüer, Friedrich Kleber, Eberhard Ramler, Raspo von Peilstein, Sigmar von Selüenberg, Weloelo Raum-schutzel, und siegelfestigen von ihrem Bruder Gottfried von Marburg, Landrichter in Steier (judex provincialis Styriae) und von ihrem Gemähte ). ««maitTtf»» Die Rechte eines Lehcngukes am Hofe auf der lung inGöß. Allge. Mell bei Trofenaich wollte öieAebtissin Kunegundc Landtag inGrätz" zu Göß sicher stellen, auf daß dasselbe nicht in erbliches Eigenthum übergehe. In einer Versammlung der meisten Landstände der Steiermark (in plurium Magnatum Styriae praesentia) zu Göß brachte sie auch den bisherigen Lehensträger, Erchinger, und dessen Sohn, zum urkundlichen Bekenntnisse, vor den Zeugen: Johann, Pfarrer zu Göß, Heinrich dem Kapellan, Ulrich von Wilüon, Otto uns Heinrich von Utfch, Geb-olph von Kinberg, Otto dem Gastmeistcr und Heinrich dem Spitalmeister; und die Urkunde schrieb Dietrich, Schulmeisterzu Leoben "). Am 4. Mai 1256 bestätigte der Patriarch von Aguileja dem Stifte St. Paul den Besitz der Kirche St. Lorenzen in Raü-milach mit Zehenten und allen kirchlichen Rechten, so wie sic schon die Patriarchen Gottfried und Dolcher dem Stifte gegeben und bestätigt hatten. Im Schlosse Marnberg schenkten Gisla von Marn-berg, ihr Sohn Sigfrieü und dessen Gemahlin, Richardis, den Nonnen daselbst die Kirche in Zweinkirchcn bei ihrem Schlosse Harbeck mit allen Rechten und dem Patronate. Heinrich von Greifenfels und Berthold von Sekach waren als Zeugen dabei?)• Zu Grätz am 2. October 1256 in der offenen Lanügerichtstaidigung Gottfrieds von Marburg in Gegenwart des Lanüesstatthalters und des Königs Bela von Ungarn, und vor zahlreich versammelten Stän. den von Steier (in plurium Magnatum Styriae praesentia) wurden aus die Klagen des Stiftes Göß wegen übergroßer Beschädigungen vom königlichen Fiskus eingxzogen die Güter Wulsings von Trevenstein in Ließing und Lansach bei St. Michel ober Leoben, und Eckarü's von Dobrenge, bis der Schadenersatz von 130 Marken den Nonnen in Göß geleistet seyn werde * 2 3 4). !) Dipl. Styr. I. 185 — 186. 2) Dipl. Styr. I. 70—71: „Acta sunt haec anno 1356. Scriptum a manu Ditrici Scholastic! de Luiben.“ 3) Urkunden von St. Paul und Marnberg. *) Dipl. Styr. I. 71 — 72: „Nos Gottfridus de Marburch, Judex provincialis Styriae. — Ad praeceptum illustris Domini, Ducis Styriae, in cu- 265 Habsburgischen Fürsten. Z. 1246—1283. Vom Jahre 1256 besteht auch eine Urkunde, l2litigc, worin Ulrich von Lichtenstein mit Eisengruben in tcc Steiermark, tritt in der Turrach belehnt worden ist. In diesem Jahre j?.cubfart sicnjie, , , und wird im Stifte vermehrte Aömont seine Guter m Unterofterrerch zu St. Florian er-zu Würflach und Aichau durch die Schenkungen Cr-chengers von Landesere und seines Sohnes und einer reichen Matrone, Gertruöis '). Abt Berthold und sein Kapellan, der Prie. stcr Konrad, taidkngten persönlich im Markte Kapfenberg mit dem Eüelherrn Wülfing von Kapfenberg wegen der Schirmvogtei Aö-montischer Güter zu Meinhardsdorf und Oberwels, welche Wülfing gegen die jährliche Besoldung von 6 Marken Geldes und eines bestimmten Maßes Hafer übernommen hatte vor den Zeugen: Heinrich von Spiegelberg, Swithard von Katsche, Ulrich von Apsalter, Wülfing von Teuffenbach, Rudiger von Einöde, Wolfram von Ließing und Heinrich Baier vom Ennsthale ■*). Im Jahre 1256 auf dem Schlosse Monsberg ließ Richiza, die Witwe Otto's von Königsberg, durch die Obmänner, Rudolph von Stadeck, Heinrich von Rohitsch (Rochaiss) und Friedrich von Pettau ihren Streit gegen Ulrich von Hag, um die Villa Slausgendorf und die ihr zugefügten vielen Beschädigungen entscheiden. Der Hager entsagte allen Ansprüchen gegen 10 Marken Silbers, Nachsicht der ange-thanen Beschädigungen und gegen Belehnung mit Oxinza durch den Sohn, Otto von Königsberg; Zeugen dabei waren: Leopold von Schersenberg, Otto von Engelmannsbrunn, Wülfing von Königsberg und Hartniü von Leibnitz * l * 3). Heinrich Witigo, Lehensbc-sitzer des Schlosses Halbenrain und der dazu gehörigen Güter, durch lange Zeit im wichtigen Amte eines Landschrcibers, ja selbst eines Landeshauptmannes in Steiermark 4), scheint sich mit dem ungarischen Statthalter des Landes nicht wohl vertragen zu haben. Er ging zu K. Ottokar über, welcher ihm die gleiche Amtswürde jus et nostra pluriumquc Magnatuin Stvriae praesentia etc. Datum in Greta feria tertia post i(uindcnam St. Michaelis Anno 1256.“ — Als in diesem Jahre das Stift Seckan dem Judenburger Bürger Friedrich und dessen Kindern ein Gut zu Hetzendorf zu Sehen gab, standen zu Zeugenschaft: Albert, Pfarrer zu St. Peter, Konrad von Praitenfurt, Ortolph Stretwich. Johanneums-Urkunde. l) Admonter Urkunde. DDD. 8. A. 54. -) Adm. Urk. R. 3: „Acta sunt haec anno 1256 in fovo Charpfinberck “ 3) Studenitzer Urkunde. h) Horneck. p. 35: „dez ersten, er (Ottokar) her sannd Herrn Witigen ze Haubtmann, dem waz man Dinstes undertan, durch seinen Willen wol ain 3ar.<( 266 Steiermark bis zum Eintritte der und Gewalt zu Enns und im Lande Oesterreich ob der Enns übertrug; wobei er noch immer das Jnsiegel eines Landschreibers in Steiermark führte (1.1255. Witigo Scriba Anesi). Hier gerieth er aber in Haß und Feindschaft mit einigen Landcsedeln. Als er sich nun einmal im Jahre 1256 im Stifte St- Florian befand, ward er von Otto von Wolsgersüors plötzlich überfallen und erschlagen. K. Ottokar, darüber ergrimmt, verjagte die Brüder Or-tolph und Dietrich von Wolfgersüorf und ihren Enkel, Otto von Store, für immer aus dem Lande, zog ihre Güter ein und ließ ihre Burgen niederreißen ')■ s. 1255. Seit dem Jahre 1222 wohnten Clarisser-Nonncn düng des Klosters der m Judenburg, IN einem bürgerlichen Hause, um ^Par-Mes" *“ diese Zeit, I. 1255, begann ein reicher Staütbürger daselbst, Heinrich, mjt seiner Gemahlin, Gisela, den Bau eines förmlichen Klosters zu Paraüais in der Nähe des Städtchens. Seine Bemühungen wurden von dem Bischof Ulrich von Lavant durch Ablaßbriefe für Alle, welche zum Baue des erstehenden Klosters etwas beitragen würden, kräftigst unterstützt. Zwei Clarifser-Nonnen, Schülerinnen der heil. Klara, waren zugleich aus dem Kloster St. Damian zu Assisi nach Judenburg gekommen, um die regelmäßigen Einrichtungen im neuen Kloster zu leiten; über welches eine derselben, Benedikte, die Würde einer Aebtissin übernommen, und dieselbe mehrere Jahre getragen hatte. Ihre Nachfolgerin war dann Cäcilia, die Tochter Heinrichs und der Gisela, der eigentlichen Gründer dieses Klosters zu Paradies 2). Zu Seckau war am 25. Juli 1256 Propst Ar- 3. 1256. Nachteilige Rückwirkung des Zwistes nold bon Prank gestorben, und Otto von Ernhau- kapitel und Philipp fen IN der Wurde nachgefolgt. Seit dein Jahre 1246 'JCbVstttaL7ifUlf hatte es der für Salzburg erwählte Erzbischof, Philipp von Kärnten, unterlassen, die höheren Weihen *) Chron. Carstens. Rauch. Anno 1256: „Ortolphus de Walkeustorf, Ministerialis Austriae, Wittiganem, virum venerabilem, Scribam Ducis, in refectorio fratrum Domus St. Floriani prius cultello, postea gladio interfecit, gratis et indebite, suo malo; nam ipse Ortolphus et Otto de ttore, nepos ipsius, et Dietricus, frater ejus, sine spe redeundi, profligati, terram exeunt, omnibus castris suis ad humum prostratis, ac bonis eorum omnibus confiscatis.“ — Rettenpach. Annal. Cremif. p. 209. -) Caesar. II. 243-244. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 267 zu nehmen '). Sein älterer Bruder, Herzog Ulrich von Kärnten, war kinderlos. Philipp hatte daher Aussicht, selbst noch regierender Herr in Kärnten zu werden. Durch die Güter des Hochstiftes in Kärnten und auf den steierischen Marken ohnehin reich, erhöhte er jetzt noch mehr seine Macht und seinen Einfluß durch die Al-loüetheilung mit dem Bruder Ulrich, nach dem Tode des Vaters, Bernhard, im Februar 1256. Die Erbtheilung und ein festes Bünd-niß, einander mit Waffen zu schützen, schlossen beide Brüder am 4. April 1256 auf der Salzburgischen Veste Liechtenwald an der Save 1 2 3). Philipp erhielt damals die Schlösser Himmelbcrg und Wartberg in Kärnten, Osterberg in Krain, und in der Steiermark Winach (?). Philipp benahm sich nun ganz dieser Stellung und seinem herrischen Geiste gemäß. Seine vielen Fehden, seine Prunkliebe und Verschwendung häuften aber Schulden auf Schulden, für welche die hochstiftischen Renten nicht mehr genügten 8). Vergeblich waren auch noch die Aufforderungen vom Domkapitel und vom apostolischen Stuhle, endlich einmal die heil. Weihen zu empfangen. Philipp verweigerte es. DaS hochverletzte Domkapitel entsetzte ihn daher seiner erzbischöflichen Würde, und berief, nicht ohne Einfluß des Königs von Ungarn, den Seckauerbischof Ulrich zum Erzbisthume 4). Philipp, in Voraussicht dieses Ereignisses, hatte sich im Jahre 1255 mit K. Ottokar II. innigst verbunden 5). Cr ließ daher zuerst das Domkapitel die bitterste Rache fühlen, verheerte mit böhmischem und österreichischem Kriegsvolke dessen Besitzungen in Baiern und Lungau, erfüllte die hochstiftischen Lande mit Raub, Mord und Brand, und reizte auch die Eöelherren in Kärnten und «Steter zu gleichen Raubzügen auf Salzburgische Al-lodialgüter und Lehen 6 *). Die vorzüglich verfolgten Mitglieder des HochstiftskapitelS fanden in ihren Bedrängnissen eine Zufluchtsstätte auf dem Stifte zu Seckau, welchem sie aber eben dadurch 1) Horneck. p. 58 —59: „Nach seinen Mut er bestalt ^ Paide Stet und auch Vesst — Sein syn deucht jn der pest — vor Laycn und vor Pfaffen — Waz er het zu schaffen — Nach seinem syn er daz tet — Wann er waz unverczait Leibs und Guts! — Daz er vnverczagtes Muts — Mit Synnen war.« 2) Nachrichten über Juvavia. p. 380. Urkunde II.: „Datum I.yechtenwalde 1256. II. Non. Aprilis.“ — Zauner Chron. II. 382. 3) Hansiz. II. 347 — 349. Chron. Osterhov. aputl Rauch, Anno 1257, — Anonym. Pez. I 823. 5) Hansiz. II. 349. 6) Horneck. p. 58 — 59. — Chron. Salzb. Pez. I. Annis 1354, 1355, 1356, 1257. — Anonym. Leob. ibid anno 1258. 268 Steiermark bis zum Eintritte der Beraubung unö Beschädigung durch Philipp und dessen Lehensleute im vollen Maße verursachten. Allgemeiner Haß und die Erhebung der Waffen Aller gegen Philipp, waren davon die Folgen '). Indessen erneuerte er zu Ende des Jahres 1256 mit K. Sttofor in Wien das bewaffnete Bündniß; und wie nach einiger politischer Verzögerung Papst Alexander IV. den Seckauerbischof Ulrich als rechtmäßigen Metropoliten von Salzburg anerkannt und verkündiget hatte (I. 1257) ’); auch der baierische Herzog Heinrich mit gewaffneter Hand für das Hochstistskapitel unö den neuen Metropoliten stand, und Philipp sein früheres Verfahren mit der Hoffnung auf Unterstützung durch böhmisches Kriegsvolk gegen Salzburg wiederholen wollte, war K. Ottokar in einen sehr nachtheiligen und unrühmlich endenden Krieg mit Baiern verwickelt worden ■1 * 3). $e?' In der Steiermark waltete indessen der Statt- halter, Graf Ste- Halter Stephan Graf von Agram, unö suchte, trotz Scitz^R-in, Stainz, der gefährlichen Rückwirkungen der Vorgänge im Salzburgcrgebiete, den Frieden im Steirerlande aufrecht zu erhalten. Am 13. März 1258 erhielten die Karthäuser in Seitz die apostolische Bestätigung ihrer Besitzungen und Vorrechte 4). Das Stift Rein beglückte Papst Alexander IV. mit mehreren apostolischen Bullen, in welchen er (Viterbo, 2. Juni 1257) dasselbe unter apostolischen Schutz nimmt, und insbesondere die Güter zu Hclfenstcin bestätigte, dann demselben (5. Juni 1257) die päpstliche Hülfe gegen alle widerrechtlichen Eingriffe auf seine Güter und Rechte anbietet, und darüber auch gemessenen Befehl an das Salzburgische Hochstift und dessen Suffragane erläßt, alle sonstigen Privilegienbriefe (6. Juni 1257) der Päpste, Kaiser, Bischöfe und Fürsten für das Stift neu bestätiget und die Versicherung gibt l) Hansiz. II. 349 - 350. — Horneck. cap. 46: „So gesach man amen Pfaffen — nie so ungehewre — Mit Rawb und mit Fewre — Let er ym Ach und Weh, — dem Gotzhaws von Chiemsee. — Daz man denselbing Wutreich — Sach gar unweioleich und so vbleich geparn.« -) Chron. Salzb. ibid. Anno 1257. 3) Pevnoldus. Anno 1257: „Ottocarus malam causam Philippi, elect! Salz-burgensis, amore Karinthiae obtinendae contra Bavaros in-feliciter propugnare coepit, et cladem turpem pertulit.“ — Chron. Salzb. ibid, anno 1257. — Chron. Herrn. Allah. Oeffele. I. 678. — August. Freher. I. 532. — Osterhov. Rauch. I. 507. *) Dipl. Styr. II. 158. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 269 (13. Juni 1257), daß dasselbe Stift von allen Beiträgen und Leistungen, welche die apostolischen Legaten heischen würden, frei zu bleiben habe; endlich (13. Juni 1257) dem bisher so ganz mißverstandenen Privilegium des Papstes Jnnocenz '), die Zehenten der Neubrüche betreffend, eine bestimmte Erklärung gibt. Die Eöelfrau Gertrud von Nase hatte von dem Abte Konrad zu Vik-tring in Kärnten Güter in Teichendorf und in Parschlug im Mürz-thale erkauft, welche sie dann (22. Juli 1257) dem Stifte Rein schenkten, auf daß von den Renten dieselbe Stiftsgemeinde dreimal im Jahre mit gepfefferten Fischen bewirthet werden tonne-2). Im offenen Landgerichte in Gegenwart des Statthalters, Grafen Stephan von Agram, und des Landrichters in Stcier, Gottfried von Marburg, entsagten Liutold von Lembach und dessen Gattin, Adelheid, allen Ansprüchen auf die Besitzungen deö Admontifchen Nonnenklosters in Vinstergöls, vor den Zeugen: Wülfing von Trie-wenstein, Liutold von Triewen, Konrad von Lutenwerde, Richer von Pulzgach, Ernest von Utschdors, Ulrich von Stein * 2 3). Zu Grätz am 19. Juli 1257 legte Propst Konrad von Stainz dem Statthalter, Herzog Stephan, den Gründungsbrief Liutolds von Wildon und die Bestätigungsdiplome Friedrich deö Streitbaren für fein Stift vor, welche derselbe in eigener Urkunde bestätigte, und das Stift Stainz mit all dessen Wesen als in des Königs von Ungarn und seinen Schutz und Schirm gestellt erklärte 4). In Leibnitz am 16. August 1257 ertheilten die Brüder Wülfing und Hartnid von Leibnitz dem Stiftskapitel zu Seckau ihren Willbrief über die Schenkung eines Weingartens zu Kumberg, welche die Lchensträgerin derselben, Richenze Ebernuetin, jenem Stifte gemacht hatte 5 6). Als Zeugen dabei werden genannt: Ulrich, Pfarrer von Leibnitz, Starkhand, Wernher und Pereger, Ritter von Leibnitz, und Richter Gunther, Werner Mcllar, Ulrich der Kirsch-ner, Struser, Rudiger, Wolfiin und Ulrich der Krämer, Bürger zu Leibnitz ®). *) Urkunde des Stiftes Rein. 2) Reiner Urkunde. 3) 2Cbm. Urk. AAA. 4: „Ccssimus nostrae quaeremoniae coram Domino Duce Zorahiae Stephano capitaneo Styriae glorioso, contra moniales Iitteratas in Adinunde. — Acta sunt haec anno 1257. Datum in Ad-munde XI. Kal. Julii. *>) Stainzer Urkunde: „Datum in Gretz. Anno 1257. XIII. Kal. Aug. 5) Dipl. Styr, I. 216 : „Actum apudLeuLentz. Anno 1257. XVII. Kal. Sept.“ 6) Johanneums-Urkunde. Steiermark bis zum Eintritte der 270 Goß V°rau Im Jahre 1257 ertheilte Kunigunde, Aebtissin von Göß, einem Ministerialen ihres Stiftes, dem Herbarth von Pöls, die Erlaubniß, sich mit einer Nichthörigen des Nonnenklosters (in disparis conditionis conjugio contractum matrimonii), mit der Tochter Dietmars von Mure, zu oereheli. chen, unter der Bedingung, daß eine gleiche Theilung der Kinder und des Vermögens mit dem Nonnenstifte bei den Erben erwirkt werde, daß sonst aber der Hof zu Ulsch, die Gefälle in Mürz und der Hof zu Mirozendorf, so wie sie erledigt werden, an das Gö-ßerstift sammt der Morgengabe der Frau zurückkommen sollen. Zeugen dabei waren: Die Väter, Herr Engelschalk von Pels, Herr Dietmar von Mürzze, Otto und Ottokar, Brüder von Utsch, Johann, Pfarrer zu Göß, u. v. A. ’). Um diese Zeit erließ auch der Landeshauptmann, Herzog Stephan, den strengen Auftrag an den Mauthncr in Rottenmann, die dem Stifte Göß seit dem Herzoge Leopold und Friedrich schon eigcnthümliche Mauthfrciheit zu achten und aufrecht zu erhalten * 2 3). Auch dem Stifte Voran half das Ansehen des Königs von Ungarn und seines Statthalters in Steiermark zu Schadenersatz für geplünderte und geraubte Besitzungen durch Gottschalk von Neitbcrg, welcher dem Stifte dafür mehrere seiner Güter, vorzüglich im Thale Pöllau, zu ewigem Eigenthum abgetreten hat a). #Fi2w#ii. Am 1. April 1257 schenkte Graf Sigfrieü von Ä-rtpuft°r in Seitzs Pfannberg dem Stifte St. Paul im Lavantthale eine Hofstatt zu Puchelarn, auf einer stiftischen Alpe gelegen 4). Auch in diesem Jahre war Papst Alexander IV. für die Karthäuser in Seitz thätig. Am 8. Februar 1257 befreite er den Orden überhaupt vorn Visitationsrechte der Bischöfe, und Karthäuserklöster sollen allein nur von hierzu tauglichen Ordensinit-gliedern untersucht werden; am 8. Februar ertheilte er ihnen wei- *) Johann. Urk. und Dipl. Styr. I. 74 —75: „Acta sunt haec anno 1257. Scriptum per manum Ditrici Scholastici de Luiben.“ 2) Johanneums-Urkunde. 3) Chron, Voraviens. Caes. II. 246 — 247: „Anno 1257. Gottschalcus terrae Styriae Ministerialis dictus de Neuberg una cum complicibus suis Monasterium in Voraue, quondam ad aestimationem 500 librorum damnificaverunt. — Gottschalcus vero — pro obtentu regiae gratiae et suae salutis augmento, pro damn! illati satisfactione bona sua in Permesse? in Baelan ? liberaliter et proprie contulit — cum advocatia bonorum eorundem.“ *) St. Pauler Urkunde im Johanneum. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 271 ters das Privilegium, die Beichten ihrer Hausgenossen ausnehmen, ihnen Buße auferlegen und die kirchlichen Sakramente crtheilen zu dürfen; und in einer dritten Dulle vom 8. Februar 1257 verord-nete er, daß die Gastfreundschaft in Karthäuserklöstern von Bi' schöfen und Prälaten keineswegs als Schuldigkeit angesehen und zu solcher gemacht werden dürfe ')• Am 25. März 1257 befahl er dem Patriarchen zu Aquileja, durch alle zu Gebote stehenden Mittel die häufigen Beschädigungen und Beraubungen des Kar--thäuserklosters in Seitz hintanzuhalten und demselben alle entfremdeten Güter wieder zu verschaffen 2). Den Verlust der schönen Steiermark konnte Ä. Tjt J(s/m2£e Ottokar nimmermehr verschmerzen; doch hoffte er ,»frmit i.«-fest, dres Land wieder einmal zu gewinnen und mit rung m Steiermark Oesterreich zu vereinigen. Jetzt schien auch wirklich ^ l’nmVnnf''n’0* eine günstige Gelegenheit öqzu sich zu nähern. Wegen Gelderpressungcn und Ucbermuth der Ungarn gährte in Steiermark bedenkliche Unzufriedenheit unter Cöelherrrn und Volk. K. Ottokar wußte davon, und steigerte den Mißmuth heimlich3). Vorzüglich, und ungeachtet des Nachtheiles im baierischen Kriege, unterstützte er mit böhmischem und österreichischem Kriegsvolke seinen Vetter, Philipp, in Salzburg, welcher, über die päpstlichen Aufforderungen und Drohungen wüthend, jetzt neuerdings die Hochstiftsländer hart bedrückte, und den Erzbischof Ulrich nicht in Besitz des Metropolitanstuhles kommen ließ. Der Haß der Steirer gegen den ungarischen Statthalter, Herzog Stephan, war indessen dem Ausbruche der Empörung entgegengereift 4). Seifried von Mahrenberg ward, unbekannt welches Verbrechens, angeklagt, und erschien nicht auf den ergangenen Ruf vor dem Gerichte des Landeshauptmannes. Sogleich machte sich Graf Stephan auf, belagerte und bedrängte Seifrieüen auf der Burg Marnberg. Hart-nid von Pettau hatte aber bereits alle Unzufriedenen des Landes und die Edelherren des Drauthales heimlich aufgebolen 5), fiel über lj Seltzer Urkunde. -) Seltzer Urkunde. 3) Pernoldus. Anno 1258: „Styrensium conspirationes contra ducem suuni Stephanum Ungarum ocenite fovens Ottocarus et non desinens Phi-lippum juvare, contra quem Bela erat, futuri helli semina jeeit.“ 4) Horneck. p. 61: »Nicht lenzer sy vertruegen die Hochfahrt und den Übermut, den mit der Landlewte Gut die Bnger heten getriben.(< s) Horneck. p. 61: »Dem volgeten an die Unger mit, waz Herren waz vber-all bey der Tra hin ze Tal.« 272 Steiermark bis zum Eintritte der die Belagerer her, schlug sie aus dem Felde, und vertrieb den Grasen Stephan, der über Marburg und Ankenstein eiligst nach Ungarn fortfloh '). König Dela, über dieses Ercigniß ergrimmt, sendete sogleich seinen Sohn, König Stephan, mit einem starken Heere in.die Steiermark; Hartnid wurde in seiner Stadt und Veste Pettau eingeschlosscn und bedrängt * 2 3). Eben war Bischof Ulrich von Seckau, der sich lange Zeit in Rom aufgehalten hatte, mit apostolischen Briefen an König Bela, nach Ungarn gekommen, um mit ihm, nach dem Rathe des Papstes, «in Bündniß wider Philipp von Kärnten zu schließen"). Nun war aber Pettau eine hochstiftische Kammerstadt, welche Hartnid von Pettau zu Lehen trug 4). Seine Bitten und sein Ansehen rettete diese Stadt vor gänzlicher Zerstörung, und er vermittelte den Frieden mit dem Opfer, daß er Pettau um 3000 Marken Silbers in ungarischen Pfandbesitz abtrat. Hartnid von Pettau erhielt Verzeihung und Gnade. D--u»-Mch-«rin, Herzog Stephan von Agram mußte hierauf in Stephan,Statthalter Ungarn bleiben; der Prinz Stephan nahm mit sek-glückliche Fehd^mit ner humünischen Gemahlm Residenz und Hof in **'I,wb«£ vafr Pettau, ergriff die Regierung der Steiermark, schloß mit Erzbischof Ulrich ein bewaffnetes Bündniß wider den Usurpator, Philipp, und rief alle steierischen Ministerialen, welche hochstiftische Lehen trugen, zur Theilnahme auf 5). Sogleich schlossen sich Hartnid von Pettau, Wülfing von Stubenberg, Ulrich von Lichtenstein, dessen Sohn Otto, Gundaker und Dietmar von Offenburg, Hartnid von Ort, Herrand von Wildon und Albrecht Horneck. p. 61: „Der Unger an derselben Wart Bit ward erslagen und gevangen, vnlang waz ergangen, daz sy wurden entworcht.« Horneck. p. 61—62. 3) Horneck. p. 62: „An den er den Kunig mant, daz jn durch Got dez Geczem, daz er in seinen Scherm nem daz Goczhaws und den Pischof: Und Herrn Philippen, der als «in Wolf Gotz-Schaf het in Aecht, daz er den darczu prächt« ic. Horneck. p. 62: „Wann ez stund zulstinem gepot, waz daz Goczhaws het paide Purg und Stet.« — p. 63: „Waz hie zu Pettaw Wirt verlorn, Herre, gelautet mir daz slechts, daz ist Sand Rueprechts und des Goczhaws aigen.« 5) Joan. Victor, ibid. p. 291. — Horneck. p. 62—64: „Auch ward der Pet-tawer verichtet mit dem Kunig Stephan. Den Kunig sach man sich nider-lan mit Hause dacz Pettawe, auch chom die Kuniginne sein Frawe zu jm dar gevarn. Wie lange sy da warn, daz lazz ich yeczund underwegen; man sach jn Selbe dez Landes phlegen. Die Hern erwürben daz ab jm, daz er den von Agrim liez haim varn in sein Land.« Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 273 von Horneck mit ihren Heerbannsschaaren (500 Reisigen) an Bischof Ulrich an. Mit Viesen zog er gegen Salzburg und Philipp, um sich mit Gewalt seines Metropolitanstuhles zu unterwinden. Es gelang ihm zwar, vorzüglich durch Rath und That Ulrichs von Lichtenstein, die Kriegsschaar des Herzog Ulrich von Kärnten, angeführt von Leopold von Scherfenberg, Niklas von Lemberg und Sigfrid von Leibnitz zu schlagen und gegen den Rastadtcrtauern zurückzuwerfen; allein, während sich die Steirer nach diesem Siege der Ruhe und dem Schlafe unbesorgt Hingaben, überfiel sie der Feldhauptmann Leopold von Schersenberg mit Niklas von Lemberg und erschlug die Meisten, so daß nur Ulrich von Lichtenstein mit Wenigen sich in das obersteirische Ennsthal herein gerettet hat; der Erzbischof Ulrich aber entfioh eiligst in die untere March auf sein Schloß Piber '). Hier bestätigte er dem Stifte Rein die Spende @aft^c£58@ü,cr der Güter zu Helfenstein, so wie diese im Jahre t>cr euim ». 1074: „Der fant gegen Steyer Herrn Witigen (wenn Wocho und Witigo nicht gleiche Ramen sind?) zu ainen Hauptmann, der auch ain Gest n>a$.K — Anoym. Leob. Anno 1260: „et ordinavit terrain per Nobiles successive, tandem Mylotam fjuem-dam Bohemum terrae praefecit et capitanenm ordinavit.“ 2) St. Lambrechter Saalbuch. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 287 1246 '). An demselben Weihnachtstage gab K. Ottokar noch weiters seinem Statthalter in Steiermark, Wocho von Rosenberg, den Befehl, das Stift zu Seckau im Besitze der Kirche zu Grad-wein, wie denselben die vorgelegten Handvesten bewähren, kräftigst zu beschützen 2). Diese Pfarre, mit allen dazu gehörigen Kirchen, Jfar^°@rat>„ Kapellen und Rechten hatte eben erst 2 April 1260 Sobmm der Salzburger Erzbischof Ulrich, welcher sich da- '"©«ft' m"?"'1' mals, von seiner Hast auf Wolkenstein erledigt, in Leibnitz aufhielt, dem Stifte Seckau geschenkt 3 * 5). Hernach war dieser Erzbischof auch auf seiner Kammerveste Piber, und gab, 14. April 1260, den deutschen Ordensrittern in Grätz einen Schenkungsbrief über die Pfarre St. Johann bei Stubenberg mit vollständigem Rechte “). Am 21. April 1260 siegelte er in Piber einen Bestätigungsbrief über die, in Gratz vollbrachte Schenkung der Pfarre und Kirche Zober (?) durch den Cöelherrn (nobilis vir) Hartniö, Schenk von Rammenstein genannt, an das Stift Rein mit der Verpflichtung, zur Pflege der Seelsorge daselbst immerwährend einen Vikar zu bestellen, die Einkünfte derselben Pfarre aber für das Hospital in Rein zu verwenden r>). Am St. Veitstage (15. Juni) war Ulrich in Leibnitz, und fertigte wieder eine Urkunde für das Stift Rein mit Bestätigung der Ge-richtsemmunität für alle Stiftsunterthanen, mit der Befreiung von ') Urkunden des Stiftes Rein: „Datum in Gretz in Natali Domini Anno 1260.“ — Dipl. Styr. II. 25. 2) Johann. Urk. —: Dipl. Styr. I 218—219: „Ottokarus D. Gr. — Fi-deli suo Wochoni de Rosenlberch Capitaneo Styriae.“ — Datum in Graetz VIII. Kal. Januarii Anno 1260. — In diesem Jahre lösten die Chorherren zu Seckau durch ein Lehengut zu Paffail die Verpflichtung, den Edelherren von Stubenberg jährlich einen Pelz und ein Paar Schuhe zu geben. Zeugen dabei waren: Kaloch von Bruk, Wulsing von Teuffenbach, und Otto von Sturmberg — die Urkunde darüber siegelte Wulsing von Stubenberg mit Einwilligung seiner Gemahlin Elisabeth auf Seckau selbst. — Johann. Urk. 3) Dipl. Styr. I. 218 : „Parocliialem Ecclesiam in Gradtvein , cum omnibus ecclesiis, cabellis et aliis ad earn pertinentibus pleno jure con-tulimus. Actum apud Leibentz II. intrante Aprili 1260.“ 4) Dipl. Styr. II. 486: „Ecclesiam St. Joannis prope Stubenberch Fra-tribus Hospitalis St. Mariae Domus Tentonicae in Graetz — contu-limus — pleno jure. Actum apud Piber Anno 1260. XIV. intrante Aprili.“ 5) Steirer Urkunde: „Acta sunt haec in Gretz. Datum in Piber XI. Kal. Maji 1260.“ 288 Steiermark bis zum Eintritte der allen Folgen eines Interdiktes/ wenn sie dasselbe nicht selbst verschuldet haben, und mit dem Vorrechte für die Stistspriester, an allen Pfarrkirchen, wo sie hinkommen und wollen, zur Erbauung des Volkes Predigten zu halten 1). Am 25. Juni des Jahres 1260 schloß Sigfrid von Marnberg mit Bischof Bertholü von Bamberg folgenden Vertrag: Der Bischof trat feine Hochstists-güter in Avignon, Seventz und Ukovitz an den Marnberger ab; wogegen ihm dieser seine Burgen Marnberg, Hardeck und Truch-sen, sammt Urbar und Herrlichkeit zusicherte. Die Guter des Hochstiftes sollten zur Dotation eines Cisterzienserstiftes bei Tor-vis verwendet werden; der Bischof solle aber verpflichtet seyn, das aus andern Hochstiftsgütern noch zu ersetzen, was die Güter des Marnbergers mehr betragen würden. Sigfrid behielt sich aber •40 Unterthanen überdies noch vor. 3. «go. Auf dem im Jahre 1260 in Grätz gehaltenen Allgem. Gerichtstag , m Grstz. - Rein, allgemeinen Landgerichte entsagte Ulrich von Wll-Go,,, Adm°nt,---n,. ßöcn widerrechtlichen Ansprüchen aus die Alpen Netzthal, welche Elisabeth von Gutenberg im Jahre 1205 dem Stifte zu Rein gegeben, und Herzog Leopold 1205 bestätigt hatte, und gab diese, b sher mit Gewalt vorbehaltene Alpe wieder zurück vor den Zeugen: Rudolph von Stadek und Wernher von Haus 2). In diesem Jahre löste die Aebtis-sin Kunigunde in Göß alle stistischen Lehen bei Druk auS der Hand Heinrichs von Utsch und gab sie dem Otto von Pruk, seiner Gemahlin Mechtildis und ihren Erben vor den Zeugen : Heinrich, Pfarrer zu St. Dionysen, Konrad, Pfarrer zu Tragöß, Ottokar von Utsch, Lokanus und Heinrich von Stein, Dietrich von Erindorf, u. o. A. Damals schenkten Otto von Pernek und seine Schwester Kunigunde, Witwe Otto's von Landsberg, mit Einwilligung ihrer Mutter Hedwig, dem Nonnenkloster zu Göß einen Hof zu Huntensdorf, unterhalb des Schlosses Frauenburg; wobei in Göß felbst zu Zeugenschaft gestanden waren: Rüdiger und Wülfing von Perhoch, Otto von Kelchdorf, Otto von Pfu- Steirer Urkunde: „Datum in Libniz in die St. Viti. Anno 1260. Indulge-mus vobia, utsi quando devotionis causa vel pro negotiis vestris ad paro-chiales ecclesias contigerit. provenire, quod ibidem verbum praedica-tionis populo proponatis, ut perexhortationem veetram justorum augea-tur devotio.“ 2) Urkunde des Stiftes Rein. Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 28S fan, Johann und Heinrich, Pfarrer und Kapellan zu Goß, Oliv uon Ulf cf) u. A. ')• Im Jahre 1260 gab Heinrich von Hu-ßek Dem Stifte Admont einen UrfehDebrief über allen Groll wegen Streitigkeiten in Betreff eines Urvars (ein Ennsfluffe wahrscheinlich?) gegen Die Versicherung von Seite Des Stiftskapitels, zwei Töchter Desselben in Das Nonnenkloster zu Admont auszu" nehmen unD ihnen Die vollkommene Pfründe, wie Den gelehrten Schwestern Daselbst, angeDcihcn zu lassen 1 2 * * *). Am 10. October 1250 schenkte Leopold von Scherfenberg, mit Zustimmung all' seiner Erben, zum Unterhalte seiner Tochter Sophia unD Elisabeth, (quos dominus Jesus Christus šibi divino instincto copulavit) Dem Nonnenstifte in StuDenitz 4 Mansus in Puch und 3 Man-sus in ODDernitz vor Den Zeugen: Heinrich!, Pfarrer in Kerschbach, Heinrich von Rohitsch unD Gebhard von Lenzeuburch a). Nun hatte K. Ottokar seinen sehnlichsten Wunsch s. mi. Ottokar ti ennt erreicht; Die Steiermark wieder unter seiner Herr- sich °on der K. Mar. schaff mit Oesterreich vereinigt. Seine Thatkrast sardin6 unD Macht waren weit umher gefürchtet; Die ent- !,""te "cn feinten Tartaren nannten ihn Den eisernen K tili ig, während er in seinen Ländern in Der Herrlichkeit seiner Große als Der goldene König bezeichnet wurde. In Diesem Glanze quälte ihn Der Gedanke, Daß er, als Der letzte Mann Des alten berühmten Stammes Der Przemisliden, keinen rechtmäßigen Leibesrrben habe, noch aus Margaretha, welche bereits 55 Jahre zählte, einen zu erhalten hoffen konnte. Er ließ Daher seinen natürlichen Sohn und zwei Töchter, aus Agnes, einem Edelfräulein von Kuenring seit Dem Jahre 1256^ erzeugt, von Dem Papste 1) Dipl. Styr. I. 77— 80: ,, Acta sunt haec anno 1260 in monasterio Gössensi, data litera per Ditricuni ^cliolttsticum de Luiben.“ — Mr ein Darlehen von 20 Silbermarken gab das Stift Seckau dem Walter Zant, seiner Gertrude und Tochter auf Leibgeding drei Mansus zu Mochel im Ließingthale vor den Zeugen: Gerard, Dechant, Rudolph von Lauterbach Äonrad von Krobat, Konrad Steunger, Otto von Teuffenbach, Eckhard von Liuben, Walchun und Wigand, Brüder von Dümmersdorf. Johanne-ums-Urkunde. ") Urkunde AAA, 2.: ,,Quod . ego Hcihricus de Hasek ranqorem auimi mei deposui, quem contra iiomincS Admontensis ecclesiae jam longo •(empöre odiose detinui pro comparatione meorum hominum in ürvar perditorum — tali tenorc , »t ipsas du as alias constituant, in quo sunt dominae litteratae.“ — ■’) Studenitzer Urkunde. Gesch. D. Steiermark. — V. SBü. 19 290 Steiermark bis zum Eintritte der Alexander IV. (6. Ortober 1260) als rechtmäßige Kinder erklären. Wie aber der apostolische Stuhl zugleich festsetzte, daß dem-ungeachtet der natürliche Sohn Nikolaus von der Thronfolge in Böhmen für immer ausgeschlossen bleiben müsse: faßte er den Entschluß, sich von der Königin Margaretha zu trennen und eine neue Ehe einzugehen. Die Großen seines Reiches beredeten ihn selbst zu diesem Schritte 1). Mit der edelsten Resignation erfüllte und beförderte Margaretha K. Ottokars Wunsch: ruhig zog sie sich auf ihr Leibgeding nach Krems an der Donau zurück und hielt dort als römische Königin-Witwe Hof, bis zu ihrem Tode, 28. Ortobcr 1267 2). Auf dem Fürstentage in Wien zu Ende März 1261, wo die Könige Bela und Ottokar den nach der Schlacht bei Kroissenbrun geschlossenen Frieden erneuerten und erweiterten, ward die neue Vermählung K. Ottokar's mit einer Enkelin des K. Bela, mit der durch Schönheit und Anmuth ausgezeichneten Kunigunde, Tochter des Halitscher Fürsten Rastislaw, beschlossen und das feierliche Beilagcr zu Preßburg 25. October 1261 vollzogen 3). — Am 20. April 1262 bestätigte der apostolische Stuhl sowol die Trennung von Margaretha (probrosum et injustum repudium!— Pernoldus) als auch die neue Verehelichung Ottokars; und am 9. August 1262 belehnte ihn der römische König Richard von Kornwall auf seine Bitte (ad nos-tri cultura Dominii conversus) nicht nur mit seinen Erblanden Böhmen und Mähren, sondern auch mit den zu des Kaisers und des Reiches Händen ledig gewordenen und rechtlich anheimgefal-lenen Fürstenthümern, Oesterreich und Steiermark, famint allen dazugehörigen Lehen, wie wir oben schon angedeutet haben, (illos ’) Joann. Vict. p. 294. — Pernoldus Anno 1260: „Ottokarus de quieta Austrian et Styriae possessione jam tutus, ausus est facere, quod diu jam animo coxit, et Dominam Margaretam repudiavit.“ 2) Hormck p. 90: »Der Tiefet riet dem Kunig daz, daz er in Reyd und Haz gwie die Kunigin Margreth, die man ym enpholhen het, auf fein Set und auf fein Srem, — Da; nie so edl Weib wurd bernrot, irs Eribs und Mannes miteinander.« — 3) Horneck p. 90—91. — Pernoldus Anno 1261. — Lambacher, Interregnum. 71 — 76. — Hanthaler. I. p. 1004 — 1009. — In diesem Jahre soll Trlong von Boitsberg Domherr zu Aquileja gewesen und Bischof zu Triest geworden, — und von dem Aglajerpatriarchen Gregor die Pfarre St. Peter zu Sachsenfeld in der slovenischen Steiermark dem Stifte Sittich in Kram incorporirt worden seyn? — Caesar II. 263. Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 291 duos nobiles Principatus ad manum Imperii et nostram de jure libere devolutos) ’). So war jetzt K. Ottokar der mächtigste Fürst 3. 1261—1262. feiner Zeit und nannte sich: König von Böheim, gersnoth in Steter-Herzog von Oesterreich, ©teter und Kärnten, Mark- "'unt graf in Mähren, und Herr zu Krain, der Mark, zu Eger und Portenau. Diese "Ereignisse waren bis zu Ende des Jahres 1262 von andern bedrängenden Vorfällen begleitet. Schon im Jahre 1255 war so heftige Sonnenglut und Trockenheit in Oesterreich, daß weder Feld- noch Baumfrucht und Weintraube zu sehen war *). Von allgemeiner Theuerung und pestartigem Vieh falle im Jahre 1259 thut die Salzburger Chronik Meldung, und fast alle andern Jahrbücher erzählen von gänzlichen Fehlern-ten, Viehfall und Hungersnoth in den Jahren 1261 und 1262 3). Von welcher Noth und Bedrängniß insbesondere die obere Steiermark heimgesucht worden sei), mag man aus der Versicherung der Jahrbücher von Admont entnehmen, daß damals sowol die Bewohner des Stiftes, als auch des Aümontthales fast insgesammt auszuwandern gezwungen waren. Die Stistshcrren und Nonnen sollen nach St. Peter in Salzburg gezogen seyn 4). Im Innern der Stiftsgemeinde zu Admont waren aber die früheren Gährun. gen keineswegs gänzlich erloschen, sondern durch neue Gewaltthä-tigkeiten, durch parteisüchtige Faktionen hervorgerufen worden, so, 19* ') Pcrnoldus, Anno 1261: ,,Propter probrosum et injustum repudium hoc fides in Ottokaruni valde vaccillavit, rjui sic ex justo possessore transl-vit in injustum.“ — Gebauer Leb. Rich. 424. — Bollständ. Beantw. 143. — Darin liegt der klare Beweis, daß K. Ottokar nach den Reichsgesetzen bei einem künftigen, römischen Könige die Belehnung nachsuchen mußte. — ‘ ") Chron. Mellicens. Pez. I. Anno 1255. — Neoburg. ibid. Anno 1253. Vatzonis Anno 1254. :i) Horneck p. 91—92 : „Oesterreich grozz Vngemach — widerfur bei dem jar — Wiene verpran sogar — da; nicht daz zehen Tail belaid — daz fewr dez jar traib — In Oesterreich michel wunder — Ez verbrunnen besundcr — dez jars alle die Stet, — die Oesterreich, daz Land het — dez Kunigs Heyrat ze stewr — daz Getraid ward auch so tewr — daz die Lewt verczagten darab - ■ den Mut Chorus man gab — vmb virczkch und vmb zehen Phunt — bei» Rinder auch ungcsunt, — wurden, daz sy sturben.'i — Chron Austr. German. Pez. 1. — Mellicens. Anno 1262. — Neoburgens. Vatzon. Anonym. Leob. Anno 1263. 6) Saalbuch. lil. p. 37: ,,Sed sub eo (Abbate Friderico) ecclesia nostra adeo tcmporalibus destituta est auxiliis, ut non solum homines secu-lares, verum etiam fratres de loco nostro propter famis angustias recedere cogerentur.i“ — Chron. Noviss. St. Petri p. 248. 292 Steiermark bis zum Eintritte der daß der neuerwählte Papst Urbans, eine gleiche drohende Strafbulle (Viterbo 11. März 1262) wie einst Papst Jnnoccnz IV. hatte erlassen müssen 1). Einige Monathe vor seinem Tode (er ftarb 29. August 1261) gab Papst Alexander FV. den Deutschen Ordens Rittern eine Beftätigungsbulle (7. April 1761) über die, von Salzburg ihnen geschenkte Pfarre zu St. Johann an der Feistritz mit der Zustimmung, die Renten derselben für ihren Orden einzuziehen, stets aber dort einen Priester mit zureichender Dotation zu unterhalten 2). Am 6. März 1261 siegelte Erzbischof Ulrich zu Burghausen einen Schenkungsbrief, womit er die Pfarre zu Jrdning imOberennsthale, welche der salzburgische Hofkanzler, Meister Berthold, zu Lehen genossen, nun aber aufgegeben hatte, dem Stifte Rein mit der Bedingung einverleibte, daß nun von den Jahresrenten derselben durch die ganze Advent- und Fastenzeit jedem Stiftsmitglieüe bei üerMasel ein Häring aufgetischt, und daß die Seelsorge in Jrdning ununterbrochen gepflogen werde 3). Zur Tilgung der großen Schuldenlast an die römische Curie von Seite des Salzburger Erzbischofes Ulrich und seiner Vorfahren hatte der Abt Amelrik zu Rein 125 Marken Silbers dar-geliehe», und noch dazu, weil der für Salzburg erwählte Philipp von Kärnten den Vertrag mit dem Stifte Rein über die jährlichen Renten von den Salinen in Aussee nicht zugehalten hatte, eine Beschädigung von 300 Silbermarken erlitten. Dem Erzbischöfe Ulrich gab aber Papst Alexander IV. die Erlaubnis!, bis zu 6000 Silbermarken Werthes salzburgische Kirchengüter zu verkaufen und zu verpfänden. Am 17. April 1261 zu Burghausen verglich sich nun Erzbischof Ulrich mit dem Stifte Rein dahin, daß er demselben für die schuldigen 425 Silbermarken den hoch-stiftischen Zehenthof zu Stallhofen in der Pfarre Gradwein auf ewige Wicüerlösung versetzte. Am 4. August 1261 zu Venedig ertheilte Erzbischof Ulrich einen zweiten Bestätigungsbrief dieses 1) Urkunde B. 24. 2) Dipl. Styr. II. 186—187: „Capellain St. Joannis juxta Fluvium Feistritz.“ 3) Steirer Urkunde: „Actum in Purchusin. VI. intrante Martio Anno 1/J61 : „nt ex proventibus ejus mensa Abbatis et fratrum melioretur, et ut quotidie ab adventu Domini usque ad Nativitatein ejusdem et die qualibet per totam Quadragesimam unum Allee cuilibet ex fratri-bus ministretur.“ — 2Cm Sonnabende vor St. Bartholomä (oder am 23. lug.) 1262 hatte Meister Berthold dem Stifte Rein seinen Entsagungsbrief auf die Pfarre „in Ecclesia de Jednich“ zugesandt. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 293 Vergleiches, wobei zu Zeugenschaft standen: Hermann, Deutschen-Ordens Priester, Burgharö, Pfarrer von Altenmühldorf, Meister Bertholö, Erzkanzler von Salzburg, Ulschalk, Deutfchen-Ordens-Commendator in der Lombardei. Der genannte Zehenthof zu Stallhofen war zwar damals dem Münstmeister Ottokar zu Grätz verpfändet; weil aber diese Handlung des Philipp von Kärnten für Erzbischof Ulrich keine Gültigkeit hatte, so wurde jene Besitzung dem Stifte Rein am 13. November 1261 zu Grätz übergeben und von dem Staötrichter Volkmar bestätiget '). Die Besitzungen des Stiftes Rein zu Helfen- jtt stein sind zu dieser Zeit insbesondere von den Gra-sen Bernhard und Heinrich zu Pfannberg ange-sprachen worden. Als am 17. Juli 1261 der Statthalter Wocho von Rosenberg in Marburg große Gerichtstaiöigung hielt, forderte der Stiftsabt zu Rein öffentlichen Schutz dagegen. Wocho ließ alle, aus früherer Zeit her der Sache kundigen Männer, Ulrich von Lichtenstein, Gottfried von Marburg und Herranü von Wilüon eidliche Aussage thun, worauf ihm zu völligen Gunsten des Stiftes Rein das feierlich verkündigte Urtheil finden halfen : Siegfrid von Mahrenberg, Kolo von Selüenhofen, Friedrich von Pettau, Heinrich von Scherfenberg, Wigand von Stuben-berg, Richard von Pulsgau, Heinrich von Rvhitsch, Nikolaus von Lewenberg -). Am 30. März 1261 schloß die Gösser Aebtissin Kunigunde einen Tausch mit Konrad Psu»tar um ein Gut zu Staüelhvfen vor den edlen Zeugen: Otto von Utsch, Ulrich von Apstalter, Heinrich von Trofaiach, Heinrich von Kannern u. o. A. l * 3). Weiters hatte Herzog Ulrich von Kärnten am 3. April 1261 zu St. Beit urkundlich bestätiget, wie Albert Zeysel der Jüngere alle seine Besitzungen in Lebenach dem Gösser Stifte geschenkt habe vor den Zeugen: Leutolü von Stadck, Siegfrid von Mahrenberg, Otto von Binchenstein, Cholo von Selüenhofen, Gundaker von Frauenstein, Leutolü von Wilüon 4). — Endlich l) Drei Urkunden des Stiftes Rein. Urkunde des Stiftes Rein: „Acta sunt liaeo cor am nobis caeterisque Provinciaübus apuä Marclipuroli in placito Generali (Wocho de Rosenberg, Capitaneus Styriae) XV. ct XVI. Kal. Aug. anno 1261.“ — Dipl. Styr. II. 27-28. J3 Johanneums-Abschrift. h) Iohanneums-Abschrift. 294 Steiermark bis zum Eintritte fctr- schenkte auch noch Rudolph von Lubgaft (Ligist) mit Einwilligung seiner ganzen Verwandtschaft und Angehörigen dem Nonnenstifte zu Göß einen Hörigen, Konrad von Leoben, sammt zwei Söhnen und zwei Töchtern, zu einem ewigen Zinse von drei Pfenni. gen, und stellte sie alle unter die Vormundschaft des Landesfürsten von Steiermark. Zeugen waren anwesend: Ulrich von Lubgaft, Jlsung von Wclchdorf, Hermann und Richer von Muryn, Otto von Utsch, Dietrich der Schulmeister zu Leoben, welcher auch dieUrkunde geschrieben hatte Zu Friesach 19. Juni 1261 schloß und verbriefte das Stift Admont den Tausch eines Gutes zu Zokwarn, »unter dem Doen" genannt, von Konrad von Vru-dorf, einem Dienstmanne des Stiftes Gurk, für ein anderes Gut zu Micheldorf in Kärnten vor den Zeugen: Permann non Himmelberg , Heinrich König (rex) von St. Veit, Konrad, Stadtrichter zu Friesach, Heinrich auf dem Thurm u. v. A. * 2 3). Am 28. Juli 1261 befanden sich auf dem Schlosse Mannsberg (Man-liesperch) Ortolph, Propst zu Mariasaal und Pfarrer zu Pet-tau, Gottfried von Marburg, Heinrich von Rohitsch, Heinrich Pfarrer zu Mannsberg. Vor diesen Zeugen schenkte ein gewisser Hartwik für seine Schwester, die Nonne Elisabeth, dem Stifte zu Stuüeuitz 7 Mansus im Orte Raßvor, nachdem Elisabeth allen weiteren Ansprüchen auf väterliches Erbe entsagt hatte. Am 1. September 1261 schenkten die Brüder Gebhard, Ulrich und Leutold von Lengenberg dem Stifte Studerütz als Scelgeräthe und Schadenersatz 5 Mansus in Luba bei Sennowitz und Sach-senfeld an der Lomitz ■'). Im Jahre 1262 schlichtete Gundaker Schenk von Habsbach einen Streit um Zehenten auf den Weingärten des Stiftes Rein zu Weikersdorf in Oesterreich mit den landesfürstlichen Amtleuten zu Gunsten des Stiftes 4). 3. 126-2. In eben diesem Jahre starb am 3. Juni der Olmiitz, Landes, böhmische Statthalter in Steiermark, Wocho von Rosenberg, und in dessen wichtiges Amt trat als gcf4rnäcten‘ sein Nachfolger Bischof Bruno von Olmütz, der ‘) Johanneums-Abschrift. =) Kbm. Urk. CCC. 5. 3) Studenitzer Urkunde. Am l. Sept. 1262 scheint diese Spende erneuert worden zu seyn vor den Rittern Babo, Gebhard, Weriand und Otto von Mittendurch. *) Urkunden v. Rein. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 295 getreueste und vertrauteste Anhänger des K. Ottokar, ein. Als Statthalter des Landes erließ er tm August 1252 an die Stadt Leoben den Auftrag, zu Folge der, von Herzog Leopold dem Glorreichen gemachten Stiftung den Karthäusern in Geyrach alle Jahre eine größere und zehn kleinere Maß Eisen mauthfrei erfolgen zu lassen '). Am 10. December 1262 hielt er allgemeine Gerichtstaiüigung in Grätz, umgebe» (quod nobis generali pla-cito vel judicio in Graetz praesidentibus) von: Grafen Bernhard von Pfannberg, Wulsing von Stubcnberg, Ulrich von Lichtenstein, Leutold von Staüek, Friedrich von Pettau, Gottfried von Marburg, Dietmar von Offenberg, Wigand von Massenberg, Wülfing von Ernfels, Dietmar, Konrad, Ortolph von Stretwich II. v. A. Hier bewies der Propst von Seckau, daß sein Stift nach Recht und Gewohnheit des Landes Steier die Güter im Arzwalüe beim Schlosse Waldstein besitze, erhielt die Bestätigung durch den Spruch des Gerichtes und wurde in körperlichen Be-sitz daselbst sogleich wieder eingesetzt Am 25. Juli zu Neustadt siegelte K. Ottokar für das, von ihm sehr geliebte Stift Seckau einen Bersichcrungsbrief, daß er die, vom Hartniü von Ort erledigte Vogtei über die seckauischen Güter zu Kummberg, an der Raab und zu Heinrichsüorf, selbst übernehmen, führen und Niemanden Andern zu Lehen übertragen wolle:i). Im Jahre 1261 drohte ernstliche Gefahr von einem zweiten Hercinbruche der Mongolen aus Asien, so daß Papst Alexander IV. in seinen letzten Lcbens-tagen alle christlichen Fürsten zum kräftigsten Widerstande dringend ermahnte. Die Tartarensteuer, welche er bei dieser Gelegenheit auf die Geistlichkeit legte, ward auch auf den steierischen Cle-rus vertheilt und sollte durch den Erzbischof Ulrich behoben werden. Glücklicher Weife jedoch wurde die Kraft und der Andrang der Barbaren in einer blutigen Schlacht mit dem Untergang von mehr denn 50,000 Mongolen gänzlich gebrochen l * * 4). l) Dipl. Styr. II. 141 : „Bruno Olmuzensis Episoopus capitaneus Styriae — Datum in Marburg. 1262. Menge Aug.“ Dipl. Styr. I. 220: „Bruno D. 0. Olomucicnsis Episoopus-------- quod nobis generali placito sive judicio in Grätz praesidentibus — Actum et datum in Graetz IV. Idus Deccmbris Anno 1262." — Zu Neustadt am 25. Juli 1263 bestätigte K. Ottokar den Urtheilsspruch seines Statthalters Bruno. — Idem p. 221. — Johann. Urk. 3) Johann. Urk. - Dipl. Styr. I. 219 -220. '*) Citron. Saizb. Pez. I Anno 1261. — Raynold. Annal. Eccles. Anno 1261. 296 Steiermark bis zum Eintritte der nu’[cm In Salzburg vermochte sich der Erzbischof Hochstis« Salzburg. Ulrich nicht fest zu behaupten; und die fortdauernden Unruhen in den hochstiftischen Landen blieben nicht ohne nachtheilige Rückwirkung auf Steiermark. Der Erzbischof mar daher zum zweiten male nach Rom gegangen; wo er jedoch keine andere Hilfe erhielt, als ein apostolisches Schreiben an K. Ottokar, sich des bedrängten Erzbischofes und Erzstiftcs kräs-tigst anzunehmen. Die Aussöhnung, welche K. Ottokar zwischen dem verstossenen Philipp von Kärnten und dem Erzstiftskapitel inzwischen bewirkt hatte '), verwarf aber Papst Urban IV; und da er dem Könige zugleich auch die unbeschränkte Schirmvogtei über das Hochstift übertragen hattet: so machte K. Ottokar nachdrücklichen Gebrauch von dieser, seine Macht so sehr verstärken, den Vogtei, und geriet!) dadurch mit dem Herzog von Baiern in Krieg. Salzburg wurde belagert und größtentheils verbrannt; über Erzbischof Ulrich wurde, weil er die, der römischen Curie schuldige Geldsumme nicht aufzubringen vermochte, der Bannsiuch ausgesprochen, und der unruhige Philipp abermals auf den erzbischöflichen Stuhl gerufen. Vergeblich ward Ulrichs schriftliche Vertheiüigung durch den salzburgischcn und baierischen Clerus dem Papste zugesenüet. Er sah sich — landesflüchtig in Setingen — bis zur endlichen Resignation seiner Würde getrieben l) * 3). Kaum hatte nun Philipp von Salzburg wieder Besitz genommen (1. 1263) als auch schon Herzog Heinrich von Baiern zum Zweitenmale das Land verheerte und die Stadt schwer bedrängte. Wider ihn mußte sich auf K. Ottokars Befehl sogleich der Statthalter Bischof Bruno mit dem gesammtcn Heerbanne von Steier erheben. Dieser nahm auch schnell alle, diesseits der Gebirge gelegenen, hochstiftischen Länder, Städte und Schlösser in Besitz. Nachdem der schwergeprüfte Ulrich die kummervolle, nie gesuchte Würde heimgegeben hatte (I. 1264—1265) schien auch Philipp, von K. Ottokar für das Aglajerpatriarchat nachdrücklich empfohlen, seine Ansprüche auf Salzburg aufzugeben 4). l) (J hr on. Salzb. Pez. f. Anno 1261. Anonym. Leob. Anno 126.3: „Dominus Papa tei tio comisit cpigeopa-tum Salzbuvgensem regi Bohemias et episcopo Olmucensi tuemloin et reformandum.“ 3) Die Bermittlungsbriefe der Bischöfe für den Erzbischof Ulrich bei Fejer. Cod. Hung. IV. 11. 339—341. haben eine falsche Zahresbezeichnung. 4) ^ornetf. p. 83 — 90. — Alb. Allah. Oelt'ele 1. 682 — 683. — (Ihren. Austr. Germ. Pez. I. 1076 — 1086. — Anonym. Leobiens, ibid. p. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 297 Bruck an der Mur war schon feit der Mitte s D^(^6y6( 6ic des neunten Jahrhunderts urkundlich bekannt, und statt «ruck -rw-i. . tern n nt Stfejlijen. von Herzog Friedrich dem Streitbaren mit Vorrechten für den Salzhandel begabt worden. Der Böhmenkönig Ottokar erkannte die geographische Wichtigkeit dieser Ortschaft. Sobald er nun in feste» Besitz des Landes gekommen war, gab er Befehl, den Umfang des Städtchens zu erweitern und größeren Raum für volkreicheren Anbau zu schaffen, — dasselbe mit neueren und festeren Mauern zu umgeben, und den Bewohnern urbaren Boden und Felder zum Lebensunterhalte in der Nähe umher znzutheilen. Dies betraf viele Guter und Hörige des Stiftes Admont, welches in der Umgegend von Bruck nicht nur ausgedehnten Grundbesitz hatte, sondern auch im Orte selbst einige Behausungen als Eigen befaß. Der Statthalter, Bischof Bruno, welcher auf königlichen Befehl dies Werk mit gewohnter That-kraft ausführte, zog alle nahe umher gelegenen Admontifchen Güter zur Stadt, theilte sie den alten und neuen Staötburgcrn zu und machte Alles von den Bcrbiuülichkciten gegen das Stift frei. Abt Ulrich t. von Admont forderte jedoch Ersatz dafür, und der Statthalter leistete deufelben auch mit Rath und Zustimmung der Landesstände im Namen des K. Ottokar; und er versicherte das Stift Admont dessen in folgender Urkunde: „Wir Bruno, von Gottes Gnaden Bischof zu „Olmütz, wollen, daß durch die gegenwärtige Ur- dafür, „künde kund und zu wissen werde allen Zukünftigen und Gegen-„wärtigen, daß, da unser durchlauchtigster Herr, der König von „Bäheim, Herzog von Oesterreich und Steier, Markgraf von Mäh-„reu, die neue Pflanzung der Stadt Druck anbesohlen bat, und „ins Werk gesetzt wissen wollte, wir für nothwendig befunden ha-„ben, daß zum Bezirke der Ortschaft und zum Ackerbaue für die „Stadtbürger einige unbewegliche Güter, welche Eigenthum des „Stiftes Admont waren, ausgeschieden werden sollten. Hierauf 826. 831. Anno 1263. — Ilansiz. 11. 356-363. — Die oben angedeuteten Briefe des Clerus besagen übrigens vom Erzbischöfe Ulrich: „tot mails pressus erat tempore belli Regis Bclae contra nobiles Styriac __ ln via per homines Regis Bohcmiac captivates et spoliates equis, vestibus, et rebus aliis omnibus, quae ilucebat. — In primordio institutions suae propter guerras multiplices regis Ungariae cum Nobili-bus Styriae, ncc non ejusdem regis cum rege Bohemiae suscitatis — possessionem ecclesiae suae nunquam potuit adipisci. — 298 Steiermark bis zum Eintritte der „haben an uns, die wir auf Verlangen unsers Herrn des Königs „das Land Steiermark, selbst in weltlichen Dingen, verwalten, »der Abt und die Stiftsgemeinde des vorgenannten Stiftes um «Ersatz für jene Guter, welche dem Gebrauche jener Staatöbur-„ger zugetheilt worden sind, unterthänig gebethen. Wir nun haben „im Namen unseres vorgenannten Herrn, des Königs, und für „dessen Heil, nachdem wir mit den Eüelherren und Vorderen des „Landes Stcier Rath gepflogen, wie auch sorgfältig haben schätzen lassen den Ertrag und Gewinn, welcher von eben diesen „Gütern jährlich erhalten worden ist, und erhalten werden kann, „gegeben und zugewiesen als Ersatz jener Güter dem Vorgenann-„ten, Abt und Stiftsgemeinde und in deren Namen dem oorge-,,nannten Stifte zehn Marken Dcnnrien Erträgniß in der Dille „von Stadelhofen (im Ließingthale) mit vollkommener Freiheit und „im Thale der Enns die zwei Villen Oeblarn und Stralsteten, „mit Feldern, Wiesen, Wäldern, urbaren und unurbaren Boden, „mit allen Freiheiten, Rechten und Diensten, so wie jene zwei „Villen bisher gepflogen haben, dem Fürsten des Landes Steier „zu dienen, so daß sie im Voraus schon dem Abte, der Stiftsge-„meinde und ihrem Stifte beständig zugehörcn sollen. Die Grän-»zcn der Villen und Güter Oeblarn und Stralsteten erstrecken sich „von Edlingcn aus bis an die Gränze der Alpe Koniken, die Alpe „selbst mit eingeschlossen. Von Koniken enden sie in das Rediner-„thal und von dort bis an die Alpe Ncntz, diese Alpe selbst mit „eingeschlossen. Um nun nach unserem Willen, die Vorgenannten, „Abt, Sistsgemcinöe und das Stift Admont, in dieser Hinsicht »sicher zu stellen, auf daß sie nicht im Laufe der Zeit von Je-„mandcn Aufgriff auf diese Gütcrbesttzungen erleiden: so haben „wir diese Ersatzleistung in der allgemeinen Versammlung oder "im allgemeinen Gerichte, in welchen wir am 1. September persönlich den Vorsitz führten, Allen allgemein verlautbaren lassen; „wobei sich Niemand vorgefunden, der auf diese Besitzungen ei« „neu Anspruch erhoben, oder gegen diese Verhandlung Einsprache „gethan hatte. Auf daß nun die vorgenannte Ersatzleistung fcstste-„hend für immer und unerschüttert verbleibe und die Kraft be-„ständiger Festigkeit erhalte: haben wir zum ewigen Angedenken „der Sache diese gegenwärtige Urkunde darüber zu errichten und „mit unseres anhangenden Jnsiegels Schirm zu befestigen befoh-„len. Geschehen und gegeben zu Grätz in Steiermark im Jahre „1263, 14. August in Gegenwart dieser Zeugen: der Aebte Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 299 „von St. Paul, St. Lambrecht, der Pröpste von Seckau und „Voran, des Abtes von Rein, der Grafen Heinrich und Bernhard „von Pfannberg, Wülfing von Stnbenberg, Ulrich von Lichten-»stein, Leutolö von Stadek, Dietmar von Offenberg, Wülfing „von Leibnitz, Herranü von Wilüon, Wülfing, Otto und Gott-„schalk, Brüder von Erenvels, Wigand von Massenberg, Wülfing „und Otto, Brüder von Trewcnstein, Ortolf von Stretwich, Kon-„rad von Saurau, Hermann und Otto von Krotendorf, Gebots „von Kymenberg u. s. o. A. ') -- — 2tn eben diesem Tage entschied Bischof Bruno auch den Streit des Bischofes Bcrtholü von Bamberg mit den Brüdern Wülfing und Ortlin von Trcwenstcin: diese mußten die widerrechtlich an sich gerissenen Bamberger Güter bei Rotenmann im Paltenthale (Villa in Rotemnanne) sogleich herausgebcn, und der Bischof allen Ansprüchen auf Entschädigung für immer entsagen. Diese Veränderung in dem Stande Admontischer Fundativnsgüter ward für so wichtig angesehen, daß man das ganze Begebniß, den Vertrag und die Ersatzleistung vom apostolischen Stuhle bestätigen ließ -). An ebendemselben allgemeinen Gerichtstage in Grätz bestätigte der Statthalter, Bischof Bruno, dem Stifte Admont die, ihm von den früheren Landes-hcrrn in Stcier ertheilten Emmunitätsrcchte, die Leute und Hörigen des Stiftes auf eigenen Grund und Boden nur durch die vom 2lbte und Kapitel bestellten Richter richten zu lassen. 2tlles nach dem Willen und im Namen seines Herrn und Königs, dessen Stelle er im Lande Steicr vertrete (cujus vicem gerinius per Styriam in temporalibus) ; und dessen ausdrücklicher Befehl cs scy, gleich den andern Stiften des Landes die alten Vorrechte und Freiheiten des Stiftes 2ldmont aufrecht zu erhalten 3). Im Jahre 1263 hat Sophia, eine Tochter Al- t°- berts oon Rohitsch und die Witwe Richers von San- s^nmnn°ft-r«^z« net, die Gründung von Kirche, Spital, dann Non- timgsbnef. Adm. Urk. Q. 32. 75. — Saalb. HI. 173-180. -) Adm. Urk u. deutsche Urkunde Q. 22. 23. — Saalb. III. 94: „consi- devans, quod ipse Rex voliis et mouastcrio nostro gravia damna in-tulerat, exigendo eastrum de Pruck ? in fundo ejusdem monasterii et incolis ipsius eastri nonnullas possessiones dieti monasterii con-cedendo — pro suae libito voluntatis.“ — 3) Adm. Urk. L. 70. noch einmal bestätigt 3. Jänner 1270. — Im Jahre 1263 empfing auch Bischof Bruno im Namen seines Herrn und Königes das Aglajerlehen: „Etharn, quod est in latino officium Pincernatus Ec-clesiae Aquilejensis ?“ — Thes. Aquil. p. 171. 300 Steiermark bis zum Eintritte der ncnkloster zu Studenitz im Drauthale am nördlichen Fuße des waldichten Berges Botsch, welche von ihr ausgegangen, und aus ihren Erbgütern zuerst und vorzüglich beschenkt worden ist, im folgenden Stiftungsbriese der Nachwelt überliefert: "Im Namen der heiligen und ungetheilten Dreieinigkeit. Amen!« »Da, wie der heilige Apostel sagt, jedes Geschöpf der Der-»gänglichkeit vorzüglich unterliegt, und die gewöhnliche Veränder-»lichkeit der Zeiten das Andenken der Handlungen gewaltig mit „sich fort in das Nichts reißt, wenn dasselbe nicht sorgfältiger »durch die Festigkeit der Schrift gestützt wird: so wünsche ich al-„len gegenwärtigen und zukünftigen Christgläuüigcn durch vorlie-»gende Urkunde kund und zu wissen zu thun, daß ich Sophia, »demüthige Witwe Jesu Christi, nach dem Tode weiland meines „geliebten Gemahles Richers von Sonnek, nach dem apostolischen. »Ausspruch wohl wissend, daß ich im Kerker dieser Verbannung »keine bleibende Statt haben könne, beschlossen habe, für das Heit »meiner Seele zu sorgen, und durch ein heilsames Mittel für die »Zukunft Vorsehung zu treffen. Daher habe ich zum Preise gött-»lichcr Majestät, um ein Kloster zu gründen zu Ehren der glor-»reichen Jungfrau und unbcmackelten Mutter Maria im Orte, ins-„gemein Studcnitz, jetzt aber Gnadenbrunn (Fons gratiae) ge-„nannt, meine Erbgüter nicht nur mit freiem Willen, sondern »auch eifrig und mir glückwünschend frei hingegeben, den glück-„lichsten Tausch pflegend, indem ich für IrdischesHimm-„lisches, für Vergängliches — Ewiges sorgfältig mir verschaffe, »gestärkt durch den Ausspruch der Wahrheit, der da sagt: Jeder, „der da verlassen wird Haus oder Feld, oder was immer üerglei-»chen, um meines Namens Willen, wird Hundertfältiges erlangen «und das ewige Leben für diese geringen Dinge besitzen! Auf »daß jedoch nach unserm Willen über diese Schenkung jegliche »Streitigkeit aufhöre, jede Gelegenheit menschlichen Widerspruches „und Verunglimpfes, ja, damit auch für die Zukunft aller Stoff „dazu gänzlich ausgetilgt werden möge, welche durch unsere Er-„ben und Anverwandten, nämlich meinen Bruder, Herrn Hein-»rich von Rohats, und durch meine Schwäger, Otto von Königs-»berg, Heinrich von Wildhausen, wie auch durch deren Erben „bei dem Aufkeimen menschlicher Böswilligkeit allfällig versuch »werden könnte. Ich, Sophia, habe auf den Theil des Erbes, »welcher mir zukam, aus dem Schlosse Studenitz mit allen dessen Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 301 „Besitzungen und Zugehör für meine Erben und Freunde nach „ihrem Wunsche und Lcrlangcn und ihrer Annahme mit freier „Zustimmung verzichtet unter folgendem Vertrage jedoch, daß auch „sie alle, meine vorgenannte Schenkung mit aufrichtigem und wohl-„wollcnöem Sinne billigend, auf all' ihr Recht überhaupt, wenn „sie ein solches nach meinem Tode auf alle Güter, die ich dem „vorgenannten Stifte geschenkt habe, zu haben scheinen sollten, „als auf das Dogteirecht, auf irgend eine andere Forderung oder „Herrschaft, wie auf Gemeinschaft der Wälder und Weiden, oder „auf andere Ansprüche, nach vaterländischer Gewohnheit, wiesle „immer mit Namen bezeichnet werden mögen, vollständig Verzicht „leisten. Was auch sie selbst wegen seligen Angedenken und ewi-„ger Vergeltung mit Beseitigung alles und jedes Streitstoffes, „mit ebenso aufrichtigem als gottseligem Sinne selbst anwesend zu-„gestanden haben. Folgende Besitzungen sind es nun, welche ich „dem genannten Kloster gegeben habe: Die Ville Studenitz mit „10 Mansus und der oberhalb gelegenen Waldung; die Ville „Criscenöorf (Kroisscnüorf) mit 12 Mansus; die Mansus in der „Ville Pucholaz; einem Mansus und eine Wiese in der Ville „Pobresach; vier Mansus in der Ville Lofenez (LoschnHa), zwei „Mansus in der Ville Grede, zehn Mansus in der Ville Sdre-„gonesöorf (Straßgainzen?), acht Mansus in der Ville Drasgon-„wesdorf (Droschame?); zwei und einen halben Mansus in der „Ville Levnetz. Weiters zwei Wagen Wein (Fuder Wein) alle „Jahre von meinem unterschriebenen Zeugen, von mir und von „deren Erben zu leisten: ein halbes Fuder von mir, ein halbes „Fuder von meinem Bruder Herrn Heinrich von Rohitsch, von „meinem Neffen Heinrich von Wilöhausen ein halbes Fuder. Auf „daß nun diese meine Schenkung die Kraft ewiger Festigkeit er-„halte und für die Zukunft von Niemanden angegriffen werden »möge: so habe ich beschlossen, die gegenwärtige Urkunde mit den „Sigillen Ulrichs, des erlauchten Herzogs von Kärnten, Dietrichs „des ehrwürdigen Vaters und Bischofes zu Gurk und meiner oor-„genannten Erben, Herrn Heinrichs, meines Bruders von Ro-«hitsch, Otto's von Königsberg, und Heinrichs von Wildhausen, „wider die Angriffe der Widersacher zu befestigen, und vor den „Unterzeichneten Zeugen, welche bei dieser Anordnung persönlich „anwesend gewesen sind : Herr Heinrich der Priester, Herr 25er-„tholü Kapellan des Herrn Bischofs zu Gurk, Herr Johannes, „Kapellan des vorgenannten Klosters, Herr Hartnid von Mar- 302 Steiermark bis zum Eintritte der "bürg, Herr Popo von Friedenburg, Gunther von Kerschbach, „Gundaker von Juna, Hartnid von Mannsbcrg, Otto von Pulz-„gau, Gottschalk von Lyriach und mehrere Andere. Dies ist ge, „schehen tin Jahre 1263 am 25. Mai ')•" Sophia selbst hat in diesem ihren Frauen-Jnstitute die Erste den Nonnenschleier genommen, und eine Gemeinde Dominikaner-Nonnen um sich her versammelt, wie die Bestätigungs-Urkunde ihrer Anverwandten 13. April 1256 ausdrücklich versichert. Da der Todestag ihres Gemahls, Richers von Sannek, unbekannt ist, so kann auch das Jahr des ersten Beginnes dieses Nonnenklosters mit Gewißheit nicht bezeichnet werden. Die oben angeführten Urkunden von Studenitz gehen über das Jahr 1237 hinauf °). ®e4a«.®Ä»i) * 306«. Tür das Chorherrnstift Seckau erließ K. Dt-bm3. Admonl. tokar zwei Gnaöenbriefe, einen von Wien 26. Jänner 1263, worin er den Burggrafen von Of-fenburg, Dietrich von Salm, und allen andern Richtern vcrbiethet, Eingriffe in das seckauische Heimgartengebieth, zwischen der Lie-jjing und Graden, außer in Fällen von Todtschlag und Blutvergießen, ZU thun; — und den andern von Neustadt 25. Juli mit Bestätigung der Besitzungen im Arzwalde bei dem Schlosse Waltstein und der Güter zu Würflach, eines Weingartens in der Owe und einer Waldung auf dem Tyernberg, welche Elleys, die Witwe Richers von Guntenstein, dem Stifte Seckau geschenkt hattet. Am 13. April 1263 hatte Papst Urban IV. auf Bitten des Propstes den Seckauern eine Bestätigungs-Bulle ertheilt 4 5). Am 1. August 1263 war Herzog Ulrich von Kärnten selbst in Seckau anwesend , und versicherte mit Urkunde und Siegel den Chorherren eine jährliche Geldsumme von 10 Marken in der herzoglichen Münzstätte zu St. Beit, zur Anschaffung des Bedarfes an Aal-sischen, Oel und Feigen 3). Am 14. Juni 1263 zu St. Beit erließ dieser Herzog einen Schutzbrief für das Stift St. Paul, und i) Dipl. Styr. II. 299—301. -) Dipl. Styr. II. 301—306. — Friedrich von Pettau entsagte, I. 1263, freiwillig der Vogtei über die Güter der Kirche St. Andrä im Lavant-thale zu Gemerstorf, Oberndorf, Pichlern, Hainstorf und Zwisch. 3) Johann. Urk. -r Dipl. Styr. I. 221 -222 u. Urkunden Verzeichnis. <•) Dipl. Styr. I. 222. 5) Johann. Urk. — Dipl. Styr. I. 222 : „Actum et Datum in Seccawe Anno 1263 prima die intrante Augusto. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 303 zwar auf die Beschwerde des Abtes Gerhard wider Siegfried von Mahrenberg, welcher als Landeshauptmann in Kärnten fcum per terrain Carin thiae vices nostras gercret) dieses St ist vielfältig und insbesondere in der.Mauth zu Völkermarkt bedrückt hatte '). Hieraus befand sich dieser Herzog, 29. Juni 1265, in seiner Kam-merstaöt Stein in Krain, und bestätigte dem Stifte Oberburg den Besitz von Allem, was dasselbe in seinem Lande von denjenigen freigelassenen Hörigen, welche ehedem dem Eüclgeschlechte Hart-niö von Ort zu Eigen gewesen waren, erworben hatte, und erwerben werde. Zu Zeugenschaft standen: Ludwig Pfarrer zu Laibach und Erzdiakon von Krain und die Ritter: Gebhard von Li-licnberg, Walter und Gerhoch von Sclüenberg, Heinrich von Helfenberg -). Nach strenger Lebensweise erhielten die Nonnen in Göß nur zweimal in der Woche Wein bei Tische. Fromme Wohlthäter schenkten ihnen 18 Marken Silbers, welche die Acb-tissin Kunigunde auf Verbesserung der stiftischen Weingärten verwendete, worauf dann den Nonnen auch ein ürittesmal wöchentlich Tafelwein gereicht werden konnte. Die Urkunde ward besiegelt vor den Pfarrern: Johann von Goß, Heinrich von St. Dionys und Johann von Maria Wasen bei Leoben * * 3). Auch das Stift zu Rein hatte in diesem Jahre auf Bitten des Abtes zwei päpstliche Bullen erhalten; ein Bcstatigungsdiplom über das ganze Stiftswesen und dessen Rechte (apud urbem veteran 10. April 1263) ; und in der zweiten empsiehlt Papst Urban IV* (ebendort 21. December 1263) das Stift Rein dem besonderen Schutze des Bischofes Dietrich von Gurk, als erzbischöflichen Vikars in der Steiermark 4). — Eine Streitigkeit des Stiftes Admont mit Wülfing von Stubenberg, welcher einige stiftische Zehenten bei Mitterdorf im Mürzthale in Besitz genommen hatte, weil sich der Abt Ulrich weigerte, eine gewisse Getreide-Schüttung von Pcter-öorf wider Recht und Gewohnheit auf des Eöelhcrrn Schloß Katsch zu liefern, entschied der gewählte Schiedsrichter Ulrich von ') Johann. Urk. — Am 4. Februar 1263 erließ der Edelherr Kolo von Sel-denhofen dem Stifte St. Paul das Vogtrecht auf die von seinem Vater diesem Stifte gespendeten Güter auf dem Kinnberge bei St. Johann jenseits der Drau (bei Unterdrauburg) für sich und seine beiden Söhne, Konrad und Kolo. — ' -) Dipl. Styr. II. 292—293. 3) Dipl. Styr. I. 84 — 85. *) Urkunde des Stiftes Rein. 304 Steiermark bis zum Eintritte der Lichtenstein zu Grätz im Hause des Schreibers Wigand im Jahre 1263 ') vor den Zeugen: Ulrich von Lichtenstein, Otto dessen Sohn, Herranö von Wilöon, Wülfing von Grätz, Walther Spunch. Am 31. Juli 1263 verglich sich Abt Ulrich von Admont persönlich in Neustadt mit mehreren österreichischen Güterbesitzern über deren Ansprüche auf den Admontischen Hof und Weinberg zu Gumsarn vor dem Stadtrichter Rudolph und dem gesammten Rathe -). $ic in Seit der Uebergabe der Steiermark an öie Un- 3ubcntuv.i nub garn (1254) lebte die von ihrem dritten Gemahle, dem Fürsten Roman, schmählich verlassene Herzogin Gertrude von Mödling in stiller Zurückgezogenheit von den Renten ihres Leibgeüings zu Judenburg, einzig ergeben der Erziehung ihrer Kinder, Friedrich und Agnes, aus der zweiten Ehe mit Hermann von Baden, und Maria, von ihrem dritten Gemahle, dem Fürsten Roman * 2 3). Der Zeit nach unrichtig ist die Angabe Ottokars von Horneck, welcher tm Jahre 1261 erzählt: Der Statthalter von Steier, Bischof Bruno, habe Gertruden wegen Eigenmächtigkeiten und heimlichen Verständnissen mit den Ungarn von Judenburg weggeschafft, in das untersteirische Städtchen Feistritz übersetzt, und ihr vom reichen Leibgedinge kaum 100 Silbermarken zum Unterhalte belassen. Bald darauf sey sie wegen Verlobung ihrer Tochter mit dem allgemein verhaßten Herzog Stephan von Slavonicn aus Befehl K. Ottokars durch den hartge-sinntcn Propst Konrad von Brünn aus Steiermark und Oesterreich vertrieben worden. Sie habe in ihrem Unglücke in Meissen eine Zufluchtsstätte gesucht, und dort in einem Kloster ihr Leben beschlossen 4). Alle Begebnisse bis zum Jahre 1271 widersprechen dieser Angabe. Gertrude lebte in ruhiger Zurückgezogenheit abwechselnd in Judenburg und in Voitsberg. Am 1. März 1261 siegelte sie in Voitsberg für sich und ihren Sohn eine Urkunde, *) Archivsurk. XX 111: „Actum in Grätz in Domo Wigandi Scribae.“ 2) Adm. Urk. DDD. !). 10. 13. 3) Anon. Leob. Anno 1246. Pez. I. >>. 806: „Relictam Dominam Austrian praedictam (Gertrudim) fere ex toto de hereditate posuit (Ottocarus) cam in Judenburg locando et sibi eandem civitatcm et Voitsberg tantum tribuendo; linde eadem Domina postea non nisi dieta est Ducissa de Judenburg.“ '') Horneck p. 36 — 37. 68 — 69. — Anonym, Leob. Anno 1260: „Gcrdru-dim ex Styria in opidum quod dicitur Kewstritz, cum dedecore rele-gavit, quae postea in Misniam ad Constantiam migravit.“ — Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 305 worin sie dem Wocho von Rosenberg die Schenkung der Grafschaft Retz bestätigte vor den Zeugen: Weigarü dem Kapellan, Dietmar, Konrad, Ortolf Brüder von Stretwich, Wülfing von Hanau, Walter von Schrat, Billung von Kainach, Thomas dem Notar '). Am 5. Jänner 1263 auf dem Schlosse Doitsberg siegelte sie für ihren Ministerial, Siegfried von Marnberg, einen Brief, worin sie ihm Macht und Gewalt gibt, mit allen Gütern, welche er von ihr im Lande Steier zu Lehen trug, frei zu Vermächtnissen und Spenden zu verfügen. Bei der Herzogin waren damals als Zeugen anwesend: zwei Dominikaner, Bruder Walter und Bruder Heinrich, ihr Hofkaplan Herr Meinhard, die Ritter Walter, Bertholü vom Sakathale, Sieghard von Truchsen u. A. -). Eben in diesem Jahre 1263 auch verheirathete Gertrude ihre Tochter Agnes an Herzog Ulrich von Kärnten: eine Verehelichung, welche ebensowohl in Bezug auf die Länder Oesterreich und Steier, als auch in Hinsicht auf K. Ottokars Verwandtschaft und Freundschaft mit Herzog Ulrich ohne dessen Vorwissen und Einwilligung wohl nicht hätte geschlossen werden können * * 3). In dem, auf K. Ottokars Befehl verfaßten Kaminerbuche von Steiermark vom Jahre 1267 wird die an die Herzogin Gertrude zu verabfolgende Jahresrcnte auf 400 Marken Pfennige ausdrücklich angegeben. Während dieses Aufenthaltes in Steiermark hatte die unglückliche Fürstin den verhängnißvollen Tod ihres Sohnes Friedrich auf dem Blutgerüste (I. 1268) in Neapel betrauert, und im I. 1270 der zweiten Vermählung ihrer Tochter Agnes, nunmehr Witwe des verstorbenen Herzogs Ulrich von Kärnten, mit dem Grafen Ulrich von Heunburg beigewohnt 4). Ueber Prinz Friedrich von Baden sind urkundliche Andeutungen vorhanden, daß er sich am Hofe K. Ottokars aufgchaltcn habe, bis er um das Jahr 1262 nach Baiern gegangen, wo er Freund des Prinzen Kvnra-din und endlich (am 27. November 1268) Theilnehmer an dessen 1) Kurz. Otto!, u. Albr. H. >'- 177-178. 2) Dipl. Styr. II. 323: „Quod nos Gertrudis, Ducissa Styriae, fideli ministerial! nostro Seifrido de Marenberg conccdimus. — Data sunt haec Anno 1263. Nonis Januarii in Castro Voitsberg.“ 3) Horneck p. 67. — Anon. Leob. Pez. I. Anno 1257 u. 1263. — Chron. Claustroncob. Anno 1263. '•) Horneck p. 36—38. Gesch. v. Steiermark. — V. Do. 20 306 Steiermark bis zum Eintritte der unglücklichem Schicksale geworden ist ’). Zu Villach am 28. Au-gust 1264 erneuerte Siegfried von Marnbcrg mit der Gemahlin Richardis Vertrag und Uebergabe der Schlösser Hardck mit 35, Marnbcrg mit 51 und Truchsen mit 40 Marken jährlicher Renten, um bei Tarois (in canalibus) ein Cisterzienserkloster zu erbauen und zu üotiren; worüberflschon im I. 1260 die ersten Verhandlungen gemacht worden sind; auch sollte der Bischof von Bamberg zu diesem Werke überdies noch geben und sichern 30 Marken Gülten und 70 Marken von der Staötmauth in Villach, — Siegfried aber die hochstiftischen Burggrafen sogleich mit den genannten Burgen belehnen. — Am 10. December 1264 endete Herzog Ulrich in Kärnten einen langwierigen Streit zwischen dem Bisthume Gurk, den Grafen Heinrich und Bernhard von Pfann-bcrg, und den Freien von Sannek, Gebhard, Leupold, Ulrich und Sophia, Gemahlin Friedrichs von Pettau, um das Schloß Albeck, welches diese Cüelherren binnen 3 Jahren mit Urbar und Herrlichkeit wieder zurückstellen, hiefür aber die Grafen Friedrich von Ortenburg und Ulrich von Heunburg, dann der Freie Ulrich von Lenzenburg, jeder mit 50 Marken Gewähr leisten mußten, 3. i264—i2GR. Am 5. October 1264 hielt K. Ottokar II. das toniusaki-ifs’ie Vermählungsfest seiner Nichte Kunigunde von Bran-denbutg mit dem ungarischen Prinzen Bela, dem jünger» Sohne K. Bela's IV., auf der Ebene nahe am Einflüsse der Fischa in die Donau, drei Meilen unterhalb Wien — mit dem großartigsten Luxus. Noch bei keines Königs oder Kaisers Hochzeit war solch' ein Fest gesehen worden. Nicht bloß die steierischen Hofministerialen, sondern fast der gesammte Adel von Steiermark hatte mit dem prunkvollsten Aufwande und in kunstreichen Waffenspielcn daran Antheil genommen. Den Frieden dieser beiden Jahre (1264 u. 1265) aber trübten plötzlich die, weder durch die Entfernung Philipps von Kärnten, noch durch die freiwillige Entsagung des Erzbischofes Ulrich (1264) geordneten salzburgischen Verhältnisse. Denn als, ohne Zweifel den Wünschen K. Ottokars gemäß, einer der niederschlesischen Herzoge, Wlaüislaus, bisher Propst vom Wissehrad und oberster Kanzler in Böhmen, von dem Papste zum Erzbischöfe von Salzburg, und zu gleicher Zeit der Domherr Petrus zu Breslau zum Bischof J) Albertus Argentin. bei Urstisius. p. 98. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 307 von Passau ernannt wurden, brach zwischen Böhmen und Baiern der Krieg aus, und wurde mit solcher Hartnäckigkeit geführt, daß * K. Ottokar bis zum Jahre 1267 mit den Heerbannsoölkcrn all seiner Länder in Waffen liegen mußte. Von Steiermark her fiel der Statthalter Bischof Bruno mit einem Heere in Salzburg ein, verheerte das hochstiftische Gebiet!), erstürmte die Stadt Hallein, verbrannte sie und jagte die Baiern in die Flucht ’). Bald darnach endete der unglückliche Erzbischof Ulrich, vom Banne losgesprochen und in der Würde eines Bischofes von Scckau auf die Pfarre Piber zurückgezogen, sein vielfach bewegtes, mit Leiden, Schmach und Unglück erfülltes Leben, I. 1268 2). Als der Freisinger Bischof am 17. December s- ir°», Admont. Stndcnitz, 1264 in seiner Kammerftadt Weidhosen im Lande attamierg. unter der Enns sich aufhiclt, bestätigte er dem Stifte Admont die von seinem Vorfahren schon ertheilte Mauth- und Marktfreiheit im freisingenschen Orte Oberwels 3). Am 13. Jänner 1264 entschied Heinrich von Altenburg einen Streit des Nonnenstiftes Stuüenitz mit dem Pfarrer in Schleunitz, um einige Güter dieser Pfarre zu Gunsten des Nonnenstistes. Am 19. Februar aus dem Schlöffe Montpreis schenkte Heinrich von Scher-senberg diesem Stifte zwölf Mansus mit Hörigen zu St. Georgen in Krain, und zu Winthersgesiez bei Montpreis vor dem Zeugen Rudolph von Plankenstein. — Zu Gravenstein am 27. April gab Herzog Ulrich von Kärnten seinem getreuen Vasallen, Siegfried von Marnberg, das Patronat, und alles Recht der Kirchen zu Glanhofen und Reichenberg, um damit seine Stiftung in Marnberg besser auszustatten. Am 24. December 1264 saß K. Ottokar in Ä Dtfofa^-[t of< Grätz zu offenem Gerichte vor der Stadtpsarrkirche J™« ^ (Actum apnd Gretz in cemeterio Ecclesiae pa- 'mont. 20 * *) Chron. Salzb. Pez. I. Anno 1266: „e$ mandato Regis Bohemiae ve-niens cum magno cxercitu destruxit civitatem Hallis per incendium.“ ■■’) Ich. Urk. — Dipl. Styr. 239. — Ueber den Besitz der Pfarre Gradwein, welche Bischof Ulrich dem Chorherrenstiste auf Seckau gegeben hatte, gab der Dompropst und Erzdiakon von Salzburg, Otto, einen besonderen Be-stätigungsbrief im Namen des Hochstiftskapitels selbst. 3. 1264. Zoh. Urk. i) Adm. Urk. R. 14: ut nuncios Abbatis cum suis mercimoniis ad forum nostrum Welz venientes adire sine theloneo permittas libere et ab-ire. Datum Weidhofen Anno 1264. XII. Kal. Januarji. 308 Steiermark bis zum Eintritte der rochialis in judicio publico). Abt Gerhard von St. Paul klagte wider die Grafen Heinrich und Bernhard von Pfannberg wegen Verletzung der Privilegien seines Stiftes und Anmassung der Klostervogtei; unter welchem Vorwände an Stiftsgütern und Hörigen Gewalt und Unrecht verübt worden scy. Der König sprach dem Abte das Recht zu, und wies jede weitere Anmassung der Grafen zurück, vor den versammelten Herren: Gottfchalk von St. Lambrecht, Peter von Ossiak, Dietmar von Weifsenek, Ulrich Grafen von Heunburg, Gerwinus von Mahrenberg, Cholo von Selüenhofen und Gottfried von Marburg '). Am 30. Juli 1265 bestätigte Papst Clemens IV. (im kirchlichen Rechte der unterrich-tetstc Herr seiner Zeit, Lumen Juris genannt), auf Bitten des Abtes Ulrich dem Stifte Admont alle Besitzungen, Rechte und alle bisherigen Briefe der Päpste und Kaiser; und am 1. Juli 1265 wird dem Abte zu Raitenhaslach nachdrücklichst aufgetragen, das Stift Admont zu beschützen, und durch alle Mittel die dem Stifte entwendeten Güter wieder zurückzubringen. Eben dieser Papst gab in einer weiteren Bulle dem Abte Ulrich die Machtvollkommenheit, wegen verübter Gewaltthätigkeiten gebannte Stifts-mitgliedcr vom Kirchcnfluchc zu lösen * 2). 3. 1265. Zu Anfang des Jahres 1265 war K. Ottokar K. Ottokar in Grätz. „ _ . „ , _ ,, . Gerichtstag in Ju. selbst nati) Steiermark und nach Grätz gekommen, wo er am 21. April für das Stift Steiergasten in einer Urkunde alle alten Privilegien bestätigte, insbesondere die Befreiung von aller Vogtei und von fremden Landgerichten 3). Als Bischof Bruno von Olmütz, Statthalter im Lande Steier, am 1. Mai 1265 in Judenburg allgemeine Gerichtsoersammlung hielt, umgaben ihn Wulssng von Stubenberg, Ulrich von Lichtenstein, Dietmar von Offenberg, Herand von Wildon, Got-schalk von Ernfels, Konrad, Dietmar und Ortolph von Stretwich und Herbord, der Schenk des Statthalters. Er vernahm die Beschwerde des Abtes zu Admont, daß für die zur Stadt Bruck abgegebenen Stiftsgüter noch zur Stunde der bedungene Ersatz nicht geleistet worden sey. Reben den schon erhaltenen Ersatzgütern ward daher dem Stifte auch der Dorfmeister zu Oeblarn, damals Ru- Urkunden von Studenitz, Marnberg und St. Paul. -) Adm. Urk. p. 67. B. 8. 16. 40. 3) Kurz. Beitr. II. 560. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 309 öolph von Oeblarn, als Eigen mann zu ewigen Diensten gegeben ’). Einer päpstlichen Anordnung zu Folge leitete Bischof Bruno auch die geistlichen Angelegenheiten des Hochstiftes Salzburg bis zum Eintritte des Metropoliten Ladislaus. Durch falsche Angaben irre geleitet, zog er dabei die Zehenten der Neubrüche auf admontischcn Gütern ein. Auf die Beschwerde des Stiftes ward die Untersuchung des Sachverhältnisses dem königlichen Truchseß, Herbord von Fullnstein, übertragen. In der Gcrichtsoersammlung von Geistlichen und Laien in Grätz am 14. October 1265 ließ dieser, weil er selbst nicht Latein verstand, die ihm von dem Abte Ulrich vorgelegten Privilegienbriefe durch den Staütarzt in Grätz, Johannes, den Guardian Bruder Absolon, und Markward, den Lektor im Kloster der Minoriten, prüfen, laut ablcsen und verdeutschen. Das festverbriefte, unwidcrsprechliche Recht des Stiftes wurde dann in einer neuen Urkunde versichert und von Herbord und dem Arzte, Meister Johann, gesiegelt, vor den Zeugen: Wern-her von Alez, Heinrich dem Schreiber, Helwik dem Schreiber, Ortolph von Stretwich, Rudolph von Bonstorf, Wilhelm dem Kapellan des Truchsesses * 2). Am 14. Mai 1264 bestätigte Papst Urban IV. den Karthäusern zu Gairach das, vom Herzog Leo- L-n«»»- m Grätz. . -x. Seitz, Nein, Seck au. yolö dem Glorreichen tut 1209 gegebene Gna-dcndiplom von Wort zu Wort a). Am 21. September 1265 empfing das Stift Rein von Dietmar von Plankenwart mit Zustimmung seines Sohnes Rüdiger und seines Bruders Gundaker und dessen Sohnes Otto die Schenkung eines Gutes und Weingartens >) Adm. Urk. Q. 24: „Et instruct! postmodnm quod hujusmodi reeom- pensatio aHquaiituIum pro parte moiiasterii foret insufticiens, prae-sertim cam et homines quidani ipsius moiiasterii in oppido praefato se rcceperint stabil! mansionc, — de sapientum virorum consilio 00!!-ferimus auctoritate Domini nostri regis — Admontensi monastcrio — Rudolphum laicum de Oblarn dictum Dorfmaister jure pleno dcbeat perpetuo pertinere et intcndcrc sibi servitiis debitis et conšuetis. — Datum apud Judenburch KalcndU Maji Anno 1265. 2) Adm. Urk. XX. 10. 13: „Ego Herbordus de Fulmstein Dapifer Domini Episcopi Olmucensis — cum Dominus mens Olmucensis episcopus, Capitaneus Styriae, suggestione quortindain inductus fnisset, — quia Dominus mens personaliter non potu it iutc'resse , Magistro Jo an ni l'liysico, fratri Absoloni, Gwardiano, et fratri Mav k ward o lectori doni us Fratrom Minorum in Gractz eadem instrumenta legendi et milil cxponenda commisit (Abbas) — Datum apud Gractz. Anno 1265. II. Id us Octobris.“ — •*) Dipl. Styr. II. 158. 310 Steiermark bis zum Eintritte der summt Bergrecht zu Mayern (in monte Meywer) und den gesiegelten Brief darüber *). Im April 1265 war König Ottokar wieder nach Grätz gekommen und hielt am 21. April 1265 große Landtagsversammlung, umgeben von: Ulrich, Erzbischof von Salzburg, Bruno, Landesstatthalter, Stento, Marschall in Böhmen, Heinrich Suppan von Witrach, Marschall von Oesterreich, Heinrich von Lichtenstein, Dietrich von Engelschalksfeld, Otto von Has-lau, Albert, Schenk von Selkingen, Chadolö von Wehing, Friedrich von Pettau, Wülfing von Stubenberg, Herrand von Wildon, Ulrich von Lichtenstein, Wülfing von Arnfels, Erchinger von Landesere, und sehr vielen steirischen Landleuten. Er ließ dem Chorherrenstifte zu Seckau ein Bestätigungsdiplom aller Besitzungen und Rechte nach der Urkunde H. Ottokars VIII. vom 1.1182 durch seinen Erzkanzler, Meister Ulrich, ausfertigcn In diesem Jahre hatte insbesondere Philipp von Kärnten aus Grund seiner, über Salzburg getragenen bischöflichen Hoheit arge Unruhen verursacht. Wie oben schon gemeldet worden, hatte Erzbischof Ulrich mit Zustimmung des Hochstiftkapitels die Pfarre Gradwein dem Stifte Seckau gegeben, zum Ersätze der vielen in den unruhigen Zeiten erlittenen Beschädigungen a). Vereinigt baten die Siebte, Ulrich von Admont, Gerard von St. Paul, Gotschalk von St. Lambrecht und Friedrich von Steiergarsten, den Papst Clemens IV., daß er das Stift Seckau im Besitze der Pfarre Piber bestätigen und beschützen wolle * 2 3 4). Der Papst willfahrte diesen Bitten sogleich, nicht nur in zwei Bullen (I. 1265, 26. Mai u. 13. Juni) mit Bekräftigung aller Besitzungen, Vorrechte und be-sonders der Freiheit, von allen Abgaben der weltlichen Fürsten (exemtiones saecularium exactionuzn a regibus et principibus), und dann insbesondere der Pfarre Graüwein selbst 5); sondern er *) Urkunde des Stiftes Rein: „Actum apud Planchen wart in die St. Ma-thei Apostoli Anno 1265.“ 2) Ich. Urk. — Dipl. Styr. I. 227 -228 : „Actum in Graetz Anno 1265 XI. Kal. IMaji.“ — Herrand von Wildon gab auch zu Weißkirchen 8. September 1265 eine wiederhehlte Berzichtsurkunde auf alle Rechte der Vogtei über die Güter zu Lantschacherbach. 3) Dipl. Styr. I. 254. Bestätigung des Besitzes der Pfarre Gradwein durch Papst Clemens IV. 17. Juni 1265. — Ich. Urk. *) Dipl. Styr. !. 224. S) Ich. Urk. — Dipl. Styr. I. 223. 225 226: „quod ecclesiae Seeco- viensi, quae ex persecutione Philippi quondam elect! damna gravia est perpessa, ad exhibendam hospitalitatem non suppetebant propriae Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 311 ersuchte auch noch öurch Briefe (13. Juni 1263) den steiermärkischen Statthalter Bischof Bruno, den Bischof von Freising und den Pröpsten von St. Virgilius in Friesach, endlich auch (11. Juli 1265) den König Ottokar selbst, um Schutz des bedrängten Stiftes gegen den gcwaltthätigcn Philipp von Kärnten, und gegen die ■ Uebcrgriffe der Eüelherren Heinrich, Wigand, Albert und Otto-kar von Massenberg '). Am 1. Juli 1265 erließ Clemens IV. auch einen Befehl an den Abt zu St. Paul und an den Pröpsten zu Friesach, das Stift Seckau wieder in den Besitz der Mensal-pfarren zu St. Maria bei Prank und Knittelfelü einzusetzen, welche bei der dermaligen Verwirrung Otto von Stepiknik gewaltsam an sich gerissen hatte '). Von Herzog Philipp begünstigt, hatte sich auch Ulrich von Hauzenbüchel, ein Priester der Seckauerdiäzese, der Propstenwürde auf Seckau mit Gewalt untcrwindcn wollen, und dem Stifte nicht nur Kostbarkeiten und Handvesten, sondern auch Güter und Renten entrissen. Er wurde darob von Salzburg mit dem Banne belegt; kümmerte sich jedoch nicht um den Kir- chenfluch, und benahm sich als Priester in allen kirchlichen Verrichtungen. Nach acht Jahren erst brachten Propst Ortolph und sein Kapitel die Sache in Rom an; worauf Clemens IV. in einer Bulle vom 8. Juli 1265 befahl, über den genannten Priester Ulrich von Hauzcnbüchel alle Sonn- und Feiertage bei angezündeten Altarkerzen und unter Glockcngcläute den kirchlichen Bannfluch vor der Versammlung der Gläubigen auf das Feierlichste zu wiederholen 3). Am 8. September 1265 zu Weißkirchen verglich sich Herrand von Wilüon mit dem Pröpsten Ortolph und dem Chor-herrenkapitel auf Seckau wegen der Vvgtci über die Siftsgüter zu Landschncherbach, ivclche von Landfrieü von Eppensteip herrührte, und schon von Herrands Vater, Ulrich, und Großvater, Herrand, geführt worden war 4). -Am 1. März 1265 verkaufte Mer- facilitates, parrochialem ecclesiam in Gradwein tune vaeantem — confer end am duxit.u — >) Joh. Urk. - Dipl. 8t>,'. I. 233 221. 226-227. -’) Joh. Urk. j) Joh. Urk. '*) Joh. Urk. — Dipl. Styv. 1. 228 - 22!) : ,,quoil ipsius praedii libertatem renovans ab omnibus cxactionibus liberum esse deeerno, excepto, ijuod officialis dieti monaster» sex Marclicorieos avenae, et de singulis liubis unum pull,»» procuratori meo loco mei annis singulis de-bcat assignare — etc. Actum et datum apud Weizzenkirchen 1265. VI. Idus Septembris.“ 312 Steiermark bis zum Eintritte der cherlin von Herwigesdorf mit Willen feines Bruders, Friedrich, seinen Hof zu Syrnich dem Rüdiger von Preitenfurth für 6 Sil-bermarken; Propst Ortvlph von Seckau bestätigte diese Kaufshandlung vor den Zeugen: Hermann, Dechant von Seckau, Otto, Pfarrer von St. Marein, Konrad von Preitenfurt, Ortolph von Stret-ivich, Konrad der Schäflinger, dessen Sohn Ulrich, und Ulrich von Lnbgast 1). 3. neg. Am 6. August 1265 ist der Streit zwischen ^"^ndischgrätz'! dem Edelherrn Kolo von Selüenhofen und Pereger, Shlt,eputt)£^affer= Propst von St. Ulrich und Pfarrer zu St. Martin bei Grätz oder Winüischgrätz, um das Patronat der Kirche St. Nikolaus (bei Wiüerdrieß) durch den Patriarchen Gregorius von Aquileja dahin entschieden worden, daß dem Edel. Herrn Kolo von Seldenhosen dieses Recht belassen wurde, dieser dagegen der Mutterkirche St. Martin eine Jahresrente von drei Marken Gülten auf den Burgen Grez (früher Lehen Otto's von Traberg) und Wisnik, uno in Goüenstein versicherte 2). Am 4. Jänner 1265 war Bischof Dietrich von Gurk in Studenitz, und gab Erlaubniß und Bestätigung, daß die Brüder vom Mariaberg (fratres de monte St. Mariae virginis) bei Königsberg sich mit allen ihren Besitzungen in die Unterthänigkeit des Nonnenklosters daselbst begeben (se obedienter tradidisse conveutui — fontis gra-tiae, quod Studeniz vulgariter appellatur). Um dieselbe Zeit und zu Mariaberg bestätigte Otto von Königsberg mit seiner Gemahlin und allen Erben die Schenkung eines Gurkischen Lehens, Ras-wor, an das Nonnenkloster mit dem Rechte der Untcrthanen, auf Benützung des Gemeinwalües am nahen Berge, als Seelgeräthc für den verstorbenen Bruder Heinrich, und um von den Renten den Nonnen bessere Bewirthung am Jahrestage, und den kränklichen Nonnen Eier zur Speise zu verschaffen (tempore necessitatis ova sororibus debilioribus ministrentur) 3). Das Jahr 1256 ist besonders durch Wassersiuthen bezeichnet. Bis zur Hälfte des Monats Juli stürzten so ununterbrochen mächtige Regenströme an den Hochgebirgen der obcrn Steiermark nieder, daß alle Waldbäche, hochangeschwollen, in den Schluchten tosten, und in Schott- -) Joh. Urk. 2) Gab. Arch. T. IV. 591. 3) Studenitzer Urkunde. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 31 3 Wien unter Fluthen und Trümmern bei 500 Menschen (19. August 1266) ihr Grab gefunden haben '). Von Piber am 8. September 1266 erließ Bi- _ 3. me. ... . _ , _ sect cm. Admont. schof Ulrich von Seckau an das Stiftskapitel und St. Lambrecht. Köß. an den Propst zu Seckau eine strenge Aufforderung, die früher so allgemein gerühmte und musterhafte, nunmehr ganz verfallene Zucht und Ordnung wieder aufzurichten, und besonders die Absperrung der Nonnen daselbst aufs Strengste zu beobachten 2). Im Februar 1266 waren die Siebte, Dietmar von Ossiach und Ulrich von Admont im Lungaue und im Orte Abstorf versammelt mit Albner von Goriach, During von Steinhaus, Walter von Lessach, Heinrich von Moskirchen, dem Kaplan des Aü-monterabtes, Priester Ulrich, und dem admontischem Güterprobst im obern Murthale nebst v. A. Vor diesen Zeugen erklärte Lieb-hard von Rastaüt die Heimsälligkeit des aümontischen Lchengutes zu Aigen 3). Am 1. März 1266 in der allgemeinen Gerichtsversammlung zu Lienz in Tyrol entsagten feierlich die Brüder Konrad, Friedrich und Wilhelm, Kastellane auf dem Schlosse Druck, daselbst allen Ansprüchen auf die Stiftadmontischen Güter zu Lessach im Möllthale, in Gegenwart der Grafen Meinhard und Albert von Görz, welche den Derzichtbrief errichten und siegeln ließen , und vor den Zeugen: Kuno von Erenbcrg, Johann von Waiüenbcrg, Jacob von Rowein, Otto von Welchenstein, Gerlach, Richter zu Lienz, Wernherr, Pfarrer von Patriarchusdorf (Jastorf bei Lienz), Berthold von Bruck, Hartmann von Kirchheim, Konrad, Notar von Eberstein *). Am 8. September 1266 erließ Bischof Ulrich von Seckau aus seinem Sitze zu Piber die schriftliche Anordnung an den Probst zu Seckau, daß in das Nonnenkloster daselbst Niemanden, als allein nur den Frauen, Töchtern, und Blutsverwandten hochedler und fürstlicher Familien der Eintritt zu Besuchen gestattet werden dürfe r>). Mit dem Hvchstifte >) Anonym. Leob. Pez. I. 1266: Isto anno XIV. Kal. August! op pid um in Schadvienna ex inundantia pluviae et ex procellis nubium et col-lisione lapiduin et torrentis fere totuni est eveisum cum ecclesia in eodem fovo et pene 500 homines ibidem sunt tune exstincti. s) Joh. Urk. 3) Archivs-Urk. EHE. i. — Saalbuch. III. 298-299. 4) 2Cbm. Urk. CCC. 6: „Actum in foro Lucnz anno 1266 primo die, in-trante Martio.“ 5) Dipl. Styr. 1. 229—230: „Datum in Piber VI. Idus Septembr. 1266." In dieser Urkunde wird der Disciplinarzustand in Seckau im völligen Verfalle geschildert. 314 Steiermark bis zum Eintritte der zu Gurk schloß das Stift St. Lambrecht im Jahre 1265 einen Gütertausch; Ulrich, -er Dompropst, Konrad, der Dechant, und das Kapitel gaben dem Abte zu St. Lambrecht Güter und Hörige in Leubelsberg, Ruppe, Hautstorff, Hanndorf, und Staumach und erhielten dafür von St. Lambrecht Besitzungen und Renten zu Potufchach, in Zauchen, Zumeltsberg, Dirbraum, bei Herzogen-üorf, und Bruckdorf bei Osterwitz. Die Verhandlung geschah in der Domkirche zu Gurk Wülfing von Hause schenkte dem Pfarrer Ulrich von Mariahof, und den dort weilenden Stiftsbrüdern fünf Marken Renten im Orte Pruge zu ewigem Besitze nach dem Tode Konrads von Pruge; der Abt von St. Lambrecht aber löste die betroffenen Güter vom genannten Konrad sogleich an sich durch den Lehenbesitz eines Gutes am Pelssalse. Zu Zeugen dabei in Grazzlupp standen die Ritter: Otto Phuntan, Ortolf von Stretwich, Helmrich von St. Maria, Dietmar von Turm, Otto von Zelfach, Martin von Haus. Später (1267) stellte Diemut, die Witwe Konrads von Pruge, eine Entfagungsurkunde aus den Hof in Pruge aus, vor Konrad von Stretwich, Berthold von Waischendorf, Pertholü von Schäufling, Otto von Altenhofen. 'Am 24. May 1266 bestätigte Ulrich, Herzog von Kärnthen, die obge-nannte Schenkung zu Dölkermarkt -). Im Jahre 1265 war Abt Amelreich von Rein, (feit 1151) von dem Erzbischöfe Ulrich von Salzburg zur Bischofswürde in Lavant erhöht worden. Als er in diesem Jahre 1266 die Steiermark besuchte, ist er auch in das Stift zu Voran gekommen und hat 3 Altäre eingeweiht * * 3). Um diese Zeit ward auch ein langwieriger Streit über Besitzungsgrän-zen zwischen dem Stifte St. Lambrecht auf dem Territorium von Mariazell und Lilienfeld ausgetragen. K. Ottokar II. bestellte den Gottschalk von Reutberg und Erchenger von Landesere zu Untersuchern und Schiedsrichtern. Beide Theile leisteten früher feierlichen Schwur in der Kirche zu Maria-Zell auf dieses Schiedsgericht; sodann wurden dieselben Gränzen als Gebietes- und Lan-desgränzen zwischen beiden $ (jetten festgesetzt, wie sie schon früher einmal in einer Versammlung von Edelherren aus Steter und Oesterreich waren bezeichnet worden. Innerhalb des ihm zugetheilten Gebietes ist hierauf das Stift Lilienfeld durch Ritter Konrad von 1) St. Lambrechter Saalbuch. 2) Saalbuch von St. Lambrecht. 3) Karlmann Sangt, Reihe der Bischöfe von Lavant. 75-77. 315 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. Nußdorf, abgeordnet von dein Landrichter unter der Enns, Heinrich, Grafen von Hardek, eingesetzt worden '). Dem Nonnenstiste zu Göß schenkte in diesem Jahre Wigand von Massenberg ein Talent Renten in Pauzenöorf bei Knittelfelü zu ewigem Besitze?). Auch Otto von Kammern versicherte diesem Stifte im Jahre 1266, daß die Kinder, welche aus der Ehe seines Hörigen, Hahold von Du-ringesüorf mit einer Hörigen des Gößerstiftes erzeugt werden, zu gleichen Theilen getheilt werden sollten * 2 3). Am 18. May 1266 schenkten Siegfried und seine Gemahlin Richardis von Marnberg den Nonnen in Marnberg Güter zu Stretwich, mit 8 Silbermarken jährlicher Renten, mit Weiden und Forsten, so wie sie dieselben von Herbard von Drauburg um 40 Marken erkauft hatten; und an eben diesem Tage siegelte Herbard auf dem Schlosse Tra-berg den Uebergabsbrief vor Hermann von Rabekk, Otto von Gratz (Windischgratz), Durinhard von Träburg, Dietmar von Weisseneik, und Diether von Gutenstein 4). Um das I. 1266 hatte Bischof Bruno von Ol-«nutz, Statthalter K. Ottokars in Steiermark, dein icntm»; in s'teut-landesfürstlichen Kanzler Helwik aus Thüringen, den Auftrag crtheilt, alle, von dem Landesregenten in Steiermark bisher besessenen Kammergüter, Kammergefälle und Rechte genau zu erheben, und in einem Urbarbuche oder Gefällenbuchc (ratio-narium Styriae) zusammenzustellen; Helwik vollendete diese Arbeit zu Ende des Jahres 1266 so, daß sic dem Könige Ottokar, als er im Jänner 1267 in Grätz verweilte, vorgelegt werden konnte. Die meisten dieser Kammergefälle, sowohl in Geld als in Naturalien, wurden hierauf nach einzelnen Haupthöfen, Aemtern oder Propsteien (Officia) verpachtet, und dadurch eine so hohe Geldsumme erzielt, als kaum mehr eine höhere zu hoffen stand a). Wir *) Caesar. II. 277. 2) Iohanneums-Urkunde. 3) Iohanneums-Urkunde. Marnbergrr Urkunde. 5) „In nomine Domini Amen. Anno 1265 regnante D. Ottocharo, inclyto Bohemorum rege, Duce Austriae et Styriae ac Moraviae feliciter et potenter. Ex mandate verier. Patris et Domini mei Brunonis 01. Episcopi , ejusdem Domini Regis per Styriam vicem tunc gerentis, Ego Helvvicus, Notarius de terra Thuringiae nationis trahens originem, rimatis diligenter et examinatis omnibus praedictae terrae Styriae officiis pnncipatui attinentibus, omnes proventus eorum in hoc volumine studoi compilare, primo pouendo nummales, postea nomina villaruni 316 Steiermark bis zum Eintritte der haben über dieses merkwürdige Gefällenbuch bei einer andern Gelegenheit umständlicher gesprochen '). etbieL^neteicr. Schon in den ersten Monaten dieses Jahres mE Wichte Ly- 1267 war zwischen König Ottokar und dem Her-zöge von Daicrn der Friede unterhandelt, geschlossen, und dadurch das Hochstift Salzburg einigermassen beruhiget worden Im Maimonate erschütterten Erdbeben die obere Steiermark, und besonders das Mürzthal so gewaltig, daß das Schloß Kindberg darob zusammenstürzte * 2 3) und mehrere Gebäude und Kirchen zertrümmert wurden. Inzwischen war der, für Dänemark, Schweden, Pohlen und Deutschland ernannte apostolische Legat, Cardinal Guido, nach Wien gekommen, wo sich aus seinen Ruf, unter Begnehmigung und Schutz K. Ottokars, eine Synode von 16 Oberhirtcn, vielen Aebten und Pröpsten von Prag bis Aquileja versammelt hatte 4). Die Beschlüsse dieser Kirchenversammlung, über kluges und keusches Betragen des Klerus, Zehente von Neubrüchen, Residenz der Kirchenvorsteher, Klöstervisitazionen, Kir-chenpatronate, Umgang der Christen mit Juden, so wie gegen Con-cubinat und Wucher im Clerus, Anhäufung von Kirchenpfrünöen, Anrufung der weltlichen Macht gegen Kirchcnvorsteher von Seite des Clerus, Beraubung und Borenthaltung von Kirchengütern, Beschwerung der Pfründner durch die Kirchenvvrstehcr bei Gelegenheit der Visitationen u. s. w. sind in dem ganzen Salzbuigcrme-tropolitansprengcl kundgemacht, und deren Beobachtung eingcschärft et numerum praediorum , qualitatein et quantitatem reddituum eorun-dem plenius exprimendo, postmodum vero anno 1267 mense Jannario, existente Domino Rege apud Gi aetz, locata sunt offioia Styriae , de-narios solventia per praedictum Dominum Brunonein et Domini Regis consiliarios in hunc modum et posita in puncto , quo vix altius trahi possunt.“ — Adr. Rauch. Scriptor. Rex Austr. II. 114 — 204. ') Gesch. des Herzogth. Steiermark. B. III. 20—22. 2) Chron. Pal trami Anno 1266 et Steronis. 3) Chron. Neuberg. ap. Rauch Anno 1267: „Eodem anno factus est ter-racmotus in Styria, ut cästrum Kyndberch corruerct et ecclesiae trc-merent in tantum, ut campanae sonar ent!“ — Anonym. Leobens. Anno 1267 : „Eodem Anno Nonis Maji die Dominica hora tertia terrae motus factus est magnus, qui duravit per mcdiam horarn ct ex co multa aedificia corruerent, et Castro Chynberg corruentc eecidit — et exspiravit et ecclesiae tremuerunt in tantum , ut campanae sona-rent.“ — 4) Chron. Claustroneob. — Paltrami. — Anonym, Leob. Anno 1267. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 317 worden ')• Wir haben darüber auch bei einer anderen Gelegenheit das Nöthige gesprochen * 2). Während sich zu gleicher Zeit der junge K. ^3. m: _ Stephan und K. Ottokar zu einem engeren Freund- ier° ^ St->«rm-r^ schaftsbündnisse vereinigten, starb die Königin Margaretha zu Krems, wo sie seit dem Jahre 1261 mit ansehnlichem Hofstaate und tin Genüsse fürstlicher Renten gelebt hatte, am 28. October 1267, sie ward nach ihrer letztwilligen Anordnung in das, von ihrem Vater, Herzog Leopold dem Glorreichen, gegründete Stift Lilienfeld, welches sie durch die Herrschaft Gräfenberg bei Eggenburg bereichert hatte, zur Grabesruhe gebracht 3). Auch zeigten sich um diese Zeit in Oesterreich und Steiermark Spuren von den aus Italien herauf verbreiteten sogenannten Flagellanten oder Geißlern, einer fanatischen Sekte voll religiöser Verirrungen bis zu den häßlichsten Ausschweifungen und vollendetem Wahnsinne. Sie verschwand jedoch bald wieder und gänzlich 4). Während dieser Vorfälle befand sich K. Ottokar s. mr. zu Anfang des Jahres in Wien, und gab dort am $0r!u@c' 15. Jänner 1267 dem Stifte Admont ein bestätigendes Majcstätsdiplom über die Urkunde des Herzogs Ottokar VIII. an Abt Jsenrik von Admont vom Jahre 1186; — wobei als Zeugen gestanden sind: Meister Ulrich, Domherr zu Pafsau, königlicher Hofkanzler, Otto von Pertholdsdorf, Hauenwelder, Käm- *) Reiner Urk. — Chron. Vatzonis. Pez. I. — De Lang, Regcsta III. 286. ■ Dalhara. Concil. Salisb. 105-112. — Chron. Neuburg. Rauch I. p. 97 — 106. 2) G. b. H. Steiermark. III. B. x. 361—363. 3) Chron. Melliccnse et Pcrnoldus Anno 1267 : „Afflicta regina honesta tarnen curia vixit usque ad annum.“ — '•) Anonym. Leob. Anno 1267 : ,,Hoc anno fuit publica poenitentia, quae orta est in Sicilia et transiit Longobardiam, Karinthiam, Carnioliam, Styriam, Austriam, Bohemian), Moravian) cum flagellationibus et can-ticis poenitentialibus, quod pro magno miraculo habebatur. Multi homines, pauperes, divites, ministeriales, milites , rustic! , senes et ju-venes ibant nudi a cingulo et supra et caput tantum detexerunt cum linco panno, portantes secum vexillum et ardentes candelas et flagella in manibus, quibus se quidam percutiebant, usque ad effusionem sanguinis, et cantabant devotos cantus, et ibant de provincia in pro-vinciam, de civitate in civitatem, de villa in villam, et de ccclesia in ecclesiam. Quod videntcs, multi compuncti sunt et flebant, ponebant se etiam prostrati toto corpore ad terram nudi vel in ni vem vel in lutum. In hac poenitentia comparuit quisque 33 diebus, bis in die, mane et vespere.“ — 318 Steiermark bis zum Eintritte der merer in (Steier, Erchenger von Lanöesere '). Am 11. November 1267 entsagte im Gerichte zu Enns in Oesterreich vor Konrad, dem Schreiber zu Enns, Leutold von Walde seinen widerrechtlichen Ansprüchen auf die Stiftadmontischen Lehengüter im Lande Oesterreich, in der Falle, in Tobel, tin Stochech, und im Ten. ner; wobei anwesend waren: die Brüder Marquard und Berthold, Preuhaven genannt. Rüdiger Preuschenk, Friedrich vom Walde, Otto von Osterberg, Heinrich von Husenöorf, Richer von Radel, Ortolf von Kernbach, Wölsio von Wennebuch, Albert von Wolfstein, Heinrich von Hay — der für diese Streitsache erwählte Richter Als am 22. Mai 1267 Herzog Ulrich von Kärnten sich zu Schnutz bei Laibach befand, versicherte er durch Brief und Siegel den Karthäusern in Seitz nicht allein das, ihnen schon vorlängst von seinen Vorfahren geschenkte Getreidegefälle zu Windisch-grätz, sondern er vermehrte dasselbe um das Doppelte, ertheilte ihnen Mauth-und Zollfreiheit in den Kainmerstädten Winüischgrätz und Stein, und befreite sie zugleich auch von allen Anforderungen und Abgaben in seinem Lande 1 2 3). Am 2. Juni war Herzog Ulrich in Grüß oder Winüischgrätz, und schloß daselbst mit seinem Bruder Philipp einen Vergleich, alle väterliche Allode beschreiben zu lassen, und mit ihm gleich zu theilen, sämmtliche Lehen aber ihm allein zu überlassen, wenn Ulrich ohne gesetzliche Leibeö-erben sterben sollte 4). Im I. 1267 erhielt Gebhard, der Sohn Gebhards von Wrusberch oder Praßberg, dieses Schloß (Castrum Wruzberch) zu Lehen vom Aquilejerpatriarchen Gregor 5 6). Des Stiftes St. Lambrecht wegen erließ Papst Clemens IV. zwei Dullen; in der einen, Viterbo, 2Z. Juni 1267, empfahl er die Beschirmung des Stiftes und der Kirche zu Piber dem K. Ottokar; und in der zweiten, Viterbo 7. Juli 1267 befahl, er dem Pfarrer Werner von St. Georgen die Exemption der Kirche zu Piber möglichst wenig kund werden zu lassen °). Auch das Stift St. Paul empfahl dieser Papst (17.Dec. 1267) dem besonderen Schutze des 1) Adm. Uri. A. 82. 2) Adm. Uri. H. 45. 3) Seltzer Uri. — Dipl. Styr. II. 88—89 : „ut omnia, qnafc ipsi ad usus proprios vendiderint in civitatibus nostris Stein ac Windischgrätz sine theloneo transcant atqne muta.“ — '0 Juvavia. Abhandl. p. 380. III. 5) Tlies. Aquil. p. 174. 6) Urf. v. St. Lambrecht. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 319 K. Ottokar gegen Sie Grafen Heinrich und Bernhard von Pfann-berg ')■ Am 12. August 1267 befand sich der Salzburgererzbischos Ladislaus in dem Stifte Seckau, und erthcilte mehrere Anordnungen, die DiSciplin der dortigen Chorherrcngemeinüe betreffend; so daß alle Hauptbestimmungcn der Augustincrregel zur buchstäblichsten Haltung vorgeschrieben wurden. Am 13. August 1267 befestigten der Bischof Bernhard, der Propst Ortols und öaS Stiftskapitel nach gemeinsamer Berathung die neucingerichtete Hausordnung Am 1. November 1267 war der Cardinalpriester und apostolische Legat Guido von Wien nach Seckau gekommen, eben fand er die Stiftsgemeinde im kostspieligem Aufbaue des neuen Klosters und Münsters begriffen, nach ausgedehntem Plane. Zur Unterstützung dieses Werkes fertigte er einen Ablaßbrief für alle diejenigen, welche diesem Baue hilfreiche Unterstützung angedeihcn lassen würden * 2 3). Am 4. Jänner 1267 war der Gurkerbischvf Dietrich auf seinem Schlosst Windifchlandsberg, und erließ den Karthäusern in Sriz alle kirchlichen Zehenten ihrer Güter und Ncu-brüche, welche sie vor dem Generalconcilium schon besessen hatten; so wie diese Freiheit ihnen Papst Clemens gegeben hatte. Nach Versicherung der Vorauerchronik hatte im Jahre 1267 der um sein Stift hochverdiente Propst Gewinus Insel und Krummstab freiwillig heimgesagt; an dessen Stelle dann Bernhard, Domherr und Kellerer amHochstiftskapitel inSalzburg erwählt und eingesetzt roorö4). Dagegen hatte sich in Admont die innere Zwietracht noch nicht gelegt; und die allgemeine und entschiedene Abneigung der Stists-mitglieder den Abt Ulrich gezwungen, seiner Würde zu entsagen. Er floh dann fort nach Kärnten, wurde von dem Kapitel tin Müllstadt einstimmig zum Abte erwählt, als welcher er auch dort gestorben ist 5). In Admont erkor man dann den Priester Albert zum Abten, einen frommen, milden Mann und guten Aszeten, unter welchem aber dies Stift durch fortwährende Zwietracht tin In- *) St. Pauler Urkunden. 2) Johanneums-Urkunde. 3) Joh. Urk. — Dipl. Styi'. l. 230-231. '■) Caesar II. 282. 5) Vez. II. 210: „qui zelo cessit fratru m, slat Müllstadt aleudo,“ Ne-crol. Admont, C. p. 543. 88!. II. 40. 320 Steiermark bis zum Eintritte der nern, und durch Beraubungen von allen Seiten einem gänzlichen Verfalle entgegen eilte '). Zu Ende des Jahres 1267 unternahm K. Otto- 3. 1268. K. Ottokars Heer- ^ S c i m er r sch a st ^ u ' wächtig gerüstet und verstärkt durch die Heerwird in sttimnatf bannsschaarcn der meisten Edelherren aus Oester- verhaßt. 1 reich und Steier, einen schon im I. 1264 beschlossenen Kreuzzug gegen die schismatischen Preußen und heidnischen Litthaucr. Der wiederholte Ruf der deutschen Ordensritter um Hilfe, hatte zwei apostolische Aufforderungsschreiben an K. Ottokar (4. Juni 1264 und 20. Jänner 1267) veranlaßt, mit zugleicher Berechtigung, alle eroberten preußischen und litthauischen Länder für sich und seine Erben behalten, und über dieselben einen besonderen, der römischen Kirche ergebenen König einsetzen zu dürfen 2). Dieser stattlich und furchtbar ausgerüstete Heerzug mißglückte jedoch gänzlich. Ein unglaublich strenger, über Gegenden voll Seen, Moräste und Flüsse eingefallene Winter vernichtete alle Anstrengungen. Unverrichteter Sache zog K. Ottokar wieder nach Schlesien zurück 3). Es ist nicht zu läugnen: schon seit dem I. 1265 waren in Ottokar's Charakter Anzeigen von besonderer Härte bis zur Grausamkeit hervorgetreten, daß seine Herrschaft sowohl in Böhmen, als auch in Oesterreich und Steicr drückend und verhaßt zu werden begann 4). Auf die Steiermark hatte er auch willkürlich sehr beschwerende Geldauflagen gelegt und die Bestätigung der alten, von den früheren Landesfürsten gewährten Vorrechte des Landes vorenthalten, ungeachtet die Landcsstände bei dem Kriege gegen die *) Saalbuch III. 38 : Qui — Ulricas — similiter — regens monasterium Admontense, et licet bonis ecclesiae nihil adjiceret, tarnen de his, quae invenit, nulla minuit aut etiam obligavit, tandem cessit abbatiae ad impugnationem fratrum nostrorum, et in abbatem loco substituitur Milstatensi. Cui ab Agmunda cedenti Dom. Albertus, vir pius et bonus, monasticam agens vi tam, successit, qui experientia rerum tem-poralium infusus minime, ecclesiae nostrae nutanti quin imo deficient! omnino nullius succursus amminiculo subvenire potuit; sed de die in diem praedia ecclesiae pro victualium necessariis sunt exposita et distracta. Sic quum factum est, ut ccclesia nostra extremum inque de ven erat egestatis articulum, non videretur adjicere ut resurgeret,“ ") Die päpstl. Bulle im Lambacher. Anhang, p. 47—50. 3) Rauch. Oesterr. Gesch. III. 333—336. 4) Cliron. Claustroneobcrg. Austr. — Anon. I.eob. Anno 1265. — Die Grausamkeiten gegen den österreichischen Edclherrn Otto von Meiffau und gegen Bcnesch und zum Theile auch gegen dessen Bruder Milota, böhmische Landherren. — Rauch ibid. p. 306—309. — Pernoldus. Anno 1265: „sed contra hos (Australes) ipse crudelem se gerere incepit.“ — Cliron, Claustroneob. Anno 1265. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 321 Ungarn diese einzige Forderung derGewährung hergebrachter Rechte an ihn gestellt hatten '). Solche Geringachtung alter Sitte erfüllte die Provinzialen mit allgemeinem und tiefem Mißmuth; sie grollten laut darüber, und vorzüglich auf dem Heerzuge in das entfernte Litthauen und Preußen; welcher insbesondere den Steirern auf dem Rückzuge über die Weichsel so viel Aufwand und Leute gekostet und doch keinen baren Gewinn an Thaten und Beute eingetragen hatte * 2). Es lag auch klar vor Augen, daß man fort- _ 3- 1268-wahrend an dem königlichen Prunke des Hofstaates rm Steirerherren und an unaufhörlichen Heerzügen und Fehden Ottokars auf eigene Kosten an Geld und Leuten werde Antheil nehmen müssen. Darum sey ein anderer Lanöesfürst zu wünschen. Friedrich von Pettau oerrieth diese Gesinnungen unter der Form einer förmlichen Verschwörung dem K. Ottokar, und bezeichnetc namentlich als Häupter derselben die Grafen Bernhard und Ulrich von Pfannberg, Hartnid von Wilöon, Wulsing von Stubenberg, und Ulrich von Lichtenstein. Diese wurden sogleich vor des Königs Angesicht nach Breslau bcschieden. Die Anwürfe Ottokars wegen Verschwörung gegen ihn wiesen sie standhaft von sich; und als Friedrich von Pettau die Keckheit hatte, seine Angeberei in ihrer Anwesenheit dem Könige zu wiederhohlen, erbot sich Zeder von ihnen, durch Gottesurtheil des Zweikampfes mit ihm, die niedrige Verläumdung zu beweisen. Der argwöhnische König hörte aber nicht darauf; er ließ sie sogleich ergreifen, und auf verschiedenen Burgen in strenge Haft setzen: den Bernhard von Pfannberg aus Burglein, Heinrich von Pfannberg, dessen Bruder, auf Freu, Wülfing von Stubenberg und Ulrich von Lichtenstein auf Klingenberg, Hartnid von Wilüon zu Aichorn. Aber auch der An- *) Auf schwere Geldauflagen deuten die Urkunden von Admont: „quam pe-cuniam (XII. Mareas argenti) cum plurimis rebus inelyto regi Bohc-miae dare omnibus modis cogebamur.“ 2) Horneck p. 94: „Und do daz (das Kreuz) also ward genomen, NU warn auch die Herren chomen, von Steyr und von Oesterreich, die heten sich also preysleich zu der Bert berait, daz sein der Kunig waz gemait. Von Steyr den Rotten von Liechtenstain, Herr Otten, er vestigleich enphalich, daz er wer jr Marschalich, so da; erz auf den Wegen hiet in Huet und in pflegen." — p. 95: „Ez geraw den Chunig vil hart daz die Steyrer an der Bart den Furt muesten chosten, daz ynn das Eiz waz zeprosten, harte übel jn gelanngch, Lewt und Roz vil ertrankch, daz man noch von dem Herczenlaid in Pehaim Lannd Mere salt." — «Sef*, e. Steiermark. — V. Bd. 21 322 Steiermark bis zum Eintritte der geber, Friedrich von Pettau, mußte inS Gefängniß nach Aichorn wandern. Den Grafen Heinrich von Pfannberg zog er indeffen bald wieder in fein Hoflager. Sechs und zwanzig Wochen mußten die genannten Eöelherren die erniedrigendste Haft erdulden, und dann erst noch mit Hinopferung mehrerer ihrer Burgen und Alloöen, und mit feierlichem Schwur auf Urfehde gegen Friedrich von Pettau, ihre Freilassung erkaufen. Bernhard von Pfannberg verlor Pfannberg, Peckau und St. Peter, Heinrich von Pfannberg verlor Kaijersberg, Strasseck und Lefchenthal, welche sämmt-lich niedergerissen wurden. Ulrich von Lichtenstein mußte Frauenburg überliefern; Murau und Lichtenstein (bei Judenburg) wurden ihm niedergebrochen. Dem Hartniü von Wildon wurden Pre-mersburg und Gleichenberg zerstört. Wülfing von Stubenberg verlor Kapfenberg, Katsch, Wulfingstein und Stubenberg, ^welche Ottokar insgefammt niederreißen ließ. Aber auch dem Friedrich von Pettau nahm er Wurmberg, das man in Trümmer zerwarf, und Schwanberg. Durch solche Handlungen entzündete K. Ottokar selbst in ganz Steiermark einen unauslöschlichen Haß, der auch nach einigen Jahren in gewaltige Flammen ausgebrochen ist '). Ottokar von Horneck erzählt diese Vorfälle ganz umständlich und sol-gendermassen: „Der Kunig in einer Chematen saz, da vodert man fern hin, „vnd do sy chomen hin in, daz few der Kunig alle snch, zu dem „Pettawer er sprach: Fridrcich Pettawer, nu sag mir offenleich „die Mer, die du mir haimlich hast gesait. Darob der Held nicht „verczait, er stund auf und sprach: Herre, als ich Ew e verjach, „daz hört noch, ob jr sein gerucht, ez habent an mich gesuecht die „Herren, die da staunt, daz ich jn hulf daz Lannt von Ew wennüen „vnd chern an amen Nittnewcn Herren. Dez selben ze R at ward „von Phannberig Graf Pernhart, vnd Herr Hertneid von Wildon: „auch nam sich nicht öarvon von Stubenberig Herr Wülfing, wol „gehal an daz Ding von Liechtenstein Herr Ulreich. Do sprach Graf „Hainreich: Herr Pettawer, zeicht jr mich icht? Do sprach er : „Ich enczeich euch nicht, Ew ist darumb unchund. Do sprach für „den Mund von Wildom, Herr Herrant: Ich wil mit meiner „Hannt auf ewrn Hals pewcrn, daz ir mit Lugen - Mern seit „für meinen Herren chomen. Daz man von Ew hat hie verno-„men, sprach der von Liechtenstain, da; ist vnd Rain: lut jr mir ]) Joann, Viet. ibid. p. 296—298. — Horneck. Cap. 50. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 323 »vnd sein, Herre, ftat, daz pewer ich mit ©etat auf Ewrn Hals „mit meinen Hannöen: Herr, jr schult Euchs nicht enplannden, öaj »jrs ymer habt angehört, daz ain Man sölhe wort gegen ons at= "len reden soll: Er vermocht sein alsew wol, daz er vnß zig all „geleich, wir hieten dem Kunig Emreich auf den Perner geladen; „er mag vns root mit Worten schaden, wellt jr ons nicht zu Rede „lan. Nu waz anders nicht daran, der Kunig aus der Kamer „gie, vnö schuef, daz man die Herren die, die wurden ja gevangen. «Vnlang waz ergangen, daz man die Herren sannt auf die Purg „tn daz Sannt. Bon Phanberig, Graf Pernhart hinczem Pur-„glein gesannt wart, da belaib er trawrichleichen: Sein Prue- »der Graf Hainreichen sannt man gefangen hincz Freu: den von »Siechtenstain, als ich wen, vnü den Stubenberiger, in den Eharicher "hincz Klingwerkch man sannt; von Wilöony Herrn Herrant fant »man Hinz dem Aichorn. Der Pettawer, der jn het oerlorn umb-»fünft dezKunigs Huld, der ward um dieselbing schuld gehannüelt »als smechleich, als der Herren yeßleich, oersmit ond gcpunden „sannt man jn an den stunden gevangen auf ain Haws. Grozz »Ais und Graws sagt man der Herren Gesind, die Pehaim wol-„ten swind ir Zorn an jn rechen ir Herberig aufprechen, und »neinen waz sy heten da. Do rannt ain Junkcherre sa, der »waz Reppel Mordachß genant, den Kunig er auf dem Maiden »vant, als er nu wolt von öanne chern, Herr, gedenkcht Cwr »Eren; habent unser Herren icht getan, da sein wir doch vn-„schulüig an: seinü aber in Puezz sind vnser Herren, do geruccht »an vns mern Cwr Er, der jr habt genug, so daz die Pehaim „jrr Unfug icht pegenn an ons elüen, in Ewrm gelait geruccht „vns sennden gegen Steyr wider haim. Do gepot der Kunig von "Pehaim den Obristen Chamrern, als lieb jn die leib wern, daz „er an aller hannde lait der Herren Gesind belast an jrn gemach „hincz Oesterreich, Uedem Herrn sunderleich sol man ainen Ehnecht „lasßen. Damit ritten sy jr strasßen, ond prachten pösew Mern, »wie jr Herren gevangen wern in herter Benkchnusse. Daz gab „zeherS Gufße irr frcront äugen ond Herz, ond den Pein und „Smercz, den die Herren dort liten. Lnlang wart darnach ge-,,piten, daz der Kunig sannt her ze Steyr in daz Sannt, vnd en-,,pot der Herren frewnten daz: wolten sy gestillen seinen Haz, ond "fristen der gevangen leben, so must man jn zehant geben, waz „man jrr Purg vnd Dest Anndert in dem Sannt) west. Dicz waz »vnoerporn; man foricht so harrt dez Kunigs Zorn, daz derHer- 81* 324 Steiermark bis zum Eintritte der „ren freront lisß, Sy teten, waz der Kunig hiez, auch sahen die „Geoangen gern, wez der Kunig nicht wolt cnpern, da; man daz. „tet enczait; wenn wer so geoangen teit, dem ist ein churcze weyl »lang. Da der Kunig nach rang, nach seinen willen da; geschach. „Für GrafPernharten man geben sach Pfannberig, Peccach, vnü »Sand Peter, Luczel Vest mer het er. Für Graf Hainreichen „anttwurt man seellichleichen Chaisersperckch, und Strasßekch, und „Loschental, mit Rabenstain het er dennoch twal von der „Alben Herr Seyfriö. Da; Pracht den Kunig in Vnsit, da; er „Graf Hainreichen hiez obel phlegen, er hiez ym Hespcl anlegen, „vnd waz man macht crdenkchen, üaz ihn macht gechrenkchen, daz „hiez er ym alles tun, unczt daz man ym dez lebensSuen gewan „mit dem Hawse wider. Do hiez der Kunig prechcn nidcr dew „chostleichen Werich Loschental und Phannberig, Strasßekch und „Peccach; Rabenstain er nicht zeprach, solich Gut er daran spurt. „Der von Liechtenstain jtn antwurt Fronburg, Muraw und Liech-„tenstain. Dem Kunig ez frumbt harte chlain, öo er sich so begunü „rechen. —Von Wildony Herr Herrant dem Kunig antwurt ze-„hant Eppenstein, PremarSpurch die Best, Gleichenperig, nicht „mer er west Purg, die jm gehörten zue. Nu hört, waz der „Kunig tue. Eppenstein liez er beleihen, vnd hiez öarczu treiben, „daz man die andern zwo zeprach. Wie sich der Kunig rach an „dem von Stubenberich, daz hört. Drey Vesst er ym zeprach und „stört, er zeprach ym an der stund Chapphenbcrig, und Checz aus „dem Grund, Wulfingstain und Stubenberig sam. Nu hört, wie »er Gerich nam an dem Pettawer, wie gehaim er ym vor wer, „er ward dez nicht crlan, der Kunig wollt Wurmberig Han, auch „wolt er Swamberig haben, öacz Wurmberich fult er den Gra-„ben mit der Purckchmawr. Es ward jm pilleich sawr, wann „dem Schuld waz alle sein. Sunst heten die Herren Pein root „sechs und zwainczkch Wochen. Da ward ain Tag gesprochen für „den Kunig hincz Prag, daz der Herrn freront und Mag für den „Kunig chemen, vnd jm da benemen seine Zorn, dez er phlag. „Es geschach an dem Palm-Tag, daz die Herren ledig wurden „von jr Venkchnusß Purüen. Der Kunig nach jn sannt, wo sy „warn in dem Lannt; und do sy chomen warn, do pegunden sy „gcparn, als den obel ist geschehen, an jrm Gange ward gese-„hen, daz jn leid heten getan, die Pain, die sy truegen an. Daz „sy dez lebens warn in fangen, daz het sich an jn nicht oerpori-»gen, mit jrr gestallt sy daz peroerten, mit spannlangen Perten Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 325 »für den Kunig chomens gemain; denn Herr Ulreich von Liechten-,,stain. Der gepart in den Siten, als er nie Pein het erlitcn, „önö allen Schaben het verchorn, seinen Part het er geschorn, „vnd newe Chlaider angestrichen, er gepart so froleichen daz jn »der Kunig öarumb preist. Die Herrn man dez onderweist, die „jn gunöen guts, der Kunig wer Vez Muts, so vaz er nicht en-»pern wolt, sy wurden dem Pettawer holt. Vnö öo fern dez der »Kunig pat, Gras Hainreich hinfur trat; er sprach: Herre, »hört mich. Durch Ewr Tugent, dez ger ich, wie mag mir der „Pettawer immer benemen solhe Swer, als ich erliten Han von „jm ? Waz Schaden ich an dem Gut nym, der wert leicht oer-„chorn von mir, denn das ich Han enporn Ewr Genad und Ewr »Huld; da; auch mein Prueder chain schuld hüb an diesen Sachen, »dez wil ich jn onschuldig machen mit Champh hie vor Ewr, wie »er nicht sey so teror, üaz er sey mein Champhgenoz, dise Herenn „will ich machen vloz, dez er fern vor Cur hat geczigen, oder ich »will vor jm Tod ligen. Do sprach der Pettawer: Wer ich mit »dem Pukler als behennü alsam Ir, daz ir voüert an mir: zwar „jr wurdet sein gewert; vor forichtcn roirt euch mein Swert an »dhainer stat versait, mag ich euch mit snelhait noch mit springen »nicht gevolge», feint yr mir seit erpolgen, üaz gestce also vucz «hinhaim. Do sprach der Kunig von Pehaim: ir geschaidet nymer »hynnen, ez chöm ce ze Mynnen zwischen dem Pettawer und Ew, „ir muest ec ganczer jar drew beleiben an dieser stat. Do berie-„ten sy sich ürat, und lobten den Pettawer Suen. Der Kunig »sprach: jr schult tun so gutleich zu Ewrn sachen, üaz ich Ew „wil machen reich von meinen Genaden, vnö ergeczen Ewrs scha-»den, waz Ew von mir geroirret. Aber wer sich von mir »irret „mit ongutleicher Gepar, der wisße üaz surbar, daz er nymer wird „ergeczt, dez er von mir ist entseezt. Wez der Kunig nicht wolt »enpern, daz geschach, vnd doch nicht gern. Chlainat, Silber, vnd »Gewant tailt mit jn de; Kunigs hannt, vnd guter Gehaizz ge-„nug; her ze Steyr fern jr Wille trug ; da erlaubt auch jn der Ku-„nig, die Held pider und fruinig hie haim wurden root enphangen Um die verfallene Zucht und Ordnung nach dem ,Rll)fle|^l 2c6^cf6Cm strengen Geiste mönchischer Zurückgezogenheit und >»> Styl-steter Buße möglichst wieder herzustellen, sind im l) Horneck. p. 96—98. — Chron, Salisb. Claustroneob. et Anonym. Leob. Annis 1268. 1269. — Hagen, p. 1080. — Unrest. Chron. Carinth. I. 499. 326 Steiermark bis zum Eintritte der Chorherrenstiste zu Seckau zweimalige Reformen vorgenommen worden. Da die alte Augustinerregel befahl, daß kein Stiftsmitglied sich ein Cigenthum, weder in Kleidung noch anderen Dingen, an-massen dürfe, da Alles in die Hand des Pröpsten refignirt werden müsse, und daß, wer sich dem Propste widerfetzt, im Leben sogleich gebannt, beim Tode aber der christlichen Grabstätte beraubt werdtti solle: so hielt der Erzbischof Wladislaus an diesen Grundsätzen fest, und verordnete bei seiner Anwesenheit in Scckau am 12. August 1267 neuerdings Folgendes: „Die gewöhnliche Tafel des Propstes mit allen Chorherren „soll im gemeinsamen Speiscsaale seyn, außer es sind Gäste von „geistlichem und weltlichem höhern Stande anwesend. Alle zusam-„inen haben auch einen gemeinsamen Schlafsaal — bei Kirchenbann. „Für Alle zusammen bestehe nur Eine Kellnerei (Cellarium), welche „für alle Bedürfnisse zu sorgen hat. Zu den Geschäften des Stis-»tes sind Mitglieder mit Berathung und .Beistimmung der Stifts-„gemeinde zu wählen, welche bei Kirchenbann gehalten sind, dem „Propste und sechs Mitgliedern von Zeit zu Zeit Rechnung zu „legen. Wer der Uncnthaltsamkeit verdächtig ist, soll seinen Sitz un-„fer den letzten der Stiftsschüler haben, und nur eine halbe Tags-„präbende bekommen — so lange, bis er sich bessert. Wer ver-„dächtige Weibspersonen beschenkt, Knaben außer dem Stifte hält, „soll von dem Kapitel gestraft werden. Auch nicht bei der Tafel „des Propstes dürfen Frauenspersonen sitzen. Kommen solche, so „sind sie höflich zu behandeln, stets aber außer dem Stifte im ge-„mcinsamen Gasthause (communi hospitum domo) zu bewirthen. «Niemand darf ohne Kapitelszustimmung Stiftseigenthum veräußern „oder Schulden machen. Propst und Dechant sind gehalten, den «ganzen Bermögenszustand des Stiftes zu erheben und zu verzeich-„nen, und nach Maßgabe der Einnahmen die Kleidung und Prä-„benden der Stiftsmitglieder^möglichst zu bessern. Die Nonnen „auf Seckau sollen stets eingeschlossen bleiben; auch nie bei einer „Procession erscheinen, wozu Erlaubniß zu geben, auch der Propst „nicht Macht haben solle. Stets soll der Propst einen geachteten „Stiftspriester als Kapellan und Lebenszeugen an der Seite ha-„ben, ohne ihn nirgends erscheinen, eingehen oder ausgehen. Die „Aufnahme von Novizen hat nur durch den Propst mit Kapi-„telzustimmung zu geschehe». Söhne von Priestern und Dienern „sollen nicht leicht aufgenommen^werüen. Die tägliche Hochmesse „im Stifte ist vom Diakon und Subdiakon zu bedienen; wer sich Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 327 "üazu nicht herbeiläßt, verliert seine Tagspräbenüe an Wein und «Brot. Alle Stiftsmitglieder empfangen monatlich einmal das h. «Abendmahl. Eintritt ins Nonnenkloster können nur Propst und »Dechant gestatten, und jedesmal nur vor Zeugen von Seite der »Chorherren und Nonnen. Nur in der Beichte darf mit Nonnen «allein gesprochen werden. Bei Kirchenbann haben Propst, Dechant, „Kellner und der Aufseher des Krankenhauses für kranke Stifts-«Mitglieder die möglichst beste 'Sorge zu tragen. Während der «Mittags- und Nachtzeit muß das Stift überall geschlossen bleiben. «Wer zu dieser Zeit wagt, aus dem Stifte zu gehen, soll bis zur „Sühnung von der Stiftsgemeinöe ausgeschlossen bleiben. Wer «ohne Erlaubniß des Dechants und ohne Geleite ausgeht, soll strenge »gestraft werden — die Geschäftsführer des Stiftes allein ausge-„nommen. Der eigens zu erwählende Pförtner hat alle Fremden, „und insbesondere die Frauenspersonen abzuhalten. Wer denFrie-«den der Gemeinde durch Faktion und Partheiung stört, soll vom »Kapitel, Chor und Tische ausgeschlossen bleiben, bis zur Bes-„serung." Noch strenger ward die Zucht im Nonnenstifte gehalten; wo die Nonnen, gleich den Kanonikern, ihre Chorstunüen, dash. Abendmahl unter beiden Gestalten, gegenseitige Fußwaschung am grünen Donnerstage, eigene Gebete beim Gehen in die Kirche, in das Kapitel, in den Chor, und zum Schlafengehen hatten, wo dann auch jedesmal unter besonder» Anrufungen das ganze Schlafgemach mit Weihwasser besprengt werden mußte. Alle diese Einrichtungen bestätigten am 13. August 1269 auch Propst Ortolf, der Dechant Dietmar, und das gesammte Chorherrnkapitel. Weil aber der Propst auch in Geschäften des Lan-dessürstcn, der Landstände (Barones), der Landtagsversammlungen (Placita) so wie durch die eigenen Stiftangelegcnheiten ge. nöthigt sey, oft vom Stifte abwesend zu scyn, soll er stets einen bejahrten Kapitular als Rathgeber, und einen jüngern Stiftspriester als Kapellan an seiner Seite haben '). Bischof Ulrich von Seckau, nachdem er der Me- $ob36e6rg^of6 tropolitanwürde zu Salzburg gänzlich entsagt hakte, Ulti* @etfiuv lebte bisher wechselweise auf Seckau und der Pfarre Piber, jedoch vom Schlagfluße gelähmt und der Sprache beraubt. Es ) Aus Seckauer Handschriften. 328 Steiermark bis zum Eintritte der scheint, daß man ihm im letzten Lebensjahre auch noch den, ihm apostolisch zugesicherten Genuß der Pfarre zu Piber hatte rauben wollen, weil der Pfarrer Ulrich zu Grauscharn im Ennsthale diese Pfarre von dem apostolischen Legaten Guido erhalten zu haben, behauptete, und Papst Clemens IV. sich genöthiget sah, Viterbo 15. Mai 1268, an den erwählten Bischof zu Lavant, an den Abt zu Admont, und an die Pröpste von Klosterneuburg und Passau eine Befehlsbulle zur Untersuchung dieser Sache zu erlassen '). Bischof Ulrich endete jedoch bald darauf am 6. Juni 1268 sein viel bewegtes und beschwertes Leben -). Ihm folgte in der bischösiichen Würde Bernhard, Dompropst zu Passau, Doktor und längere Zeit Lehrer des canonischen Rechtes zu Padua, ein Herr von großen Eigenschaften und von mächtigem Einflüße in die kommenden Begebnisse der Steiermark. Am 2. November 1268 bestätigten ihm der Metropolit Wlaüislaus und das Hochstiftskapitel von Salzburg die Schenkung der Mensalpfarre St. Georgen au der Stiffing durch den H. Philipp von Kärnten :i). Von dem steiermärkischen Statthalter, Bischof Bruno, erhielt er auf seine Bitte eine Urkunde (Grätz, 1. Dezember 1268), in welcher alle, unter dem Erzbischöfe Ulrich von Salzburg, zeitweiligem Verweser des Bisthumes Seckau (eö tempore, quo fuit Archiepiscopus Salzburgens, et tantum simplex Seccov. Ecclesiae procurator) ohne die gesetzliche Rechtsform geschehenen Belehnungen, Verkäufe, Verträge mit Bisthumsgütern und Rechten als ungültig erkläret wurden'»). Dieser ist im folgenden Jahre, Prag 11. März 1269, nicht nur vom König Ottokar mit Brief und Sigill bestätiget, son-öern auch dem damahligen Landrichter in Steiermark, Hcrbard von Fullenstein, zur Ausführung anbefohlen worden; welcher sogleich und vor Allem (Grätz 16. April 1269) die Zurückstellung der Kirchen St. Stephan, Kirchbach, Wolfsbcrg und Jägerberg, welche Erzbischof Ulrich dem Gundaker von Gleitsau verpfändet hatte, bewirkte. Am 13. Juni 1269 zu Znaym bestätigte K. Ottokar dem Bischöfe Bernhard alle Güter, Rechte und Vorrechte des Bisthumes Seckau * * 3 4 5). l) Johanneums-Urkunde. — Dipl. Styr. I. 331 — 232. =) Dipl. Styr. I. 232. 3) Dipl. Styr. 1. 328-329. 4) Dipl. Styr. I. 329 — 330 : „Actum ct Datum Graetz. Kal. Dec. 1268.“ 5) Dipl. Styr. I. 330-331. Am 22. Juni 1268 von Perugia erließ Papst Clemens IV. auch einen Auftrag an den Abt zu St. Paul und an den 3L9 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. Am 16. Februar 1268 erklärte Herzog Ulrich ^ s. i2«8. Göß, Ooerourg, von Kärnten im Gerichte zu Völkermarkt mit seinem M-irnberg, seotm. Generallandrichter, Albert von Zeyselberg, mehrere Güter des Nonnenstiftes in Göß, die Veste Nußberg, zu Puehach, Colobnitz, Pach, St. Bernhard, Komach, Haflingern, Wakcrn-dorf, Straxen, Sörich, Malsberg, Schirer und Püchlern, welche Conrad von Freuberg, Leonard von Siebeneich, Conrad von Türkin, Bürger zu St. Veit und Andere, zu Lehen trugen, als vollkommenes allodialcs stiftisches Eigenthum '). Am 17. Juni 1268 auf seinem Schloße zu Laibach ließ Herzog Ulrich auf Bitten des Abtes Johannes von Oberburg Urkunde und Sigill fertigen, mit der feierlichen Erklärung, daß die Waldgegend Sulzbach (im San-thale der untern Steiermark) schon seit der Gründung (1140) ein Eigenthum des Stiftes zu Oberburg sey. Als Zeugen umgaben den Herzog: Otto von Landstrost, Guido von Reuttenberg, Ulrich von Habsnach, Gebhard von Lilienberg, Herbard von Obersberg. Predwor der Böhme, der Erzkanzler Hildebrand -). Im Jahre 1268 löste das Stift Göß alle seine, bei der Pfarre Pruck (bona juxta parrochiam inPruck) eigenthümlichcn Güter, welche Otto vom Utsch zu Lehen getragen hatte, von dessen Sohne Heinrich um 11 Marken Silbers wieder zurück, und übertrug dieselben auf Otto von Bruck lehensweise für ihn und seine Erben vor den Zeugen: Heinrich, Pfarrer zu St. Dionysen, Konrad, Pfarrer zu Tragöß, Ottokar von Utsch u. o. A. •1). Im Stifte zu Göß selbst war am Pankratiustage anwesend: Herzog Ulrich von Kärnten mit den Grafen, Ulrich von Sternberg, Ulrich von Huenburg, Dietmar von Weizzeneck, Riklaus von Lebenberg, Heinrich von Heisenberg, und Julian von Seburg, und bestätigte nicht nur die Schenkung seines Vaters mit den Gütern in Toppol, sondern er befreite sie von aller Gerichtsbarkeit seiner Amtleute und von al- Propst zu Friesach, einen Besitzungsstreit zwischen dem Chorherrenstiste Seckau und der Stadtpfarre in Grätz, als Schiedsrichter zu schlichten. ') Jchanneums-Urk. — Dipl. Styr. I. 87 — 88: „Actum Völkermarkt. Anno 1268. XIV. Kal. Marcii. -) Dipl. Styr. II. 293 — 294: „silvam quae dicitur Sulzbach, ad suum monastcrium pertinere proprictaric usque ad terminus sive vertices montium Losagk et Brian ex donatione Domini Diepoldi fundatoris Monastcrii memorati. — Datum Labaci in Castro nostro Anno 1268 in die St. Alexis confessoris,“ 3) Johanneums-Urkunde. 330 Steiermark bis zum Eintritte der len Forderungen und Leistungen '). Im Markte Redlach (in foro Redlach) am 7. Jänner 1268 schenkte Siegfried von Marnberg einiges Eigengut mit Gerichtsbarkeit zu Podrak, bisher Lehen des Heinrich Dürrenegel, dem Nonnenkloster zu Marnberg. Am 19. Februar sendete der Erzbischof Wladislaus den Bischof Herbord von Lavant zur Visitation des Erzsprengels umher, und bestätigte den von ihm ernannten Propst Ulrich in Stainz. Am 21. Dezember schenkte der reiche Bürger und Stadtrichter Volkmar zu Grätz dem Hospitale am Pyhrn ein Gut zu Traüorf. Zu St. Radigund am 15. Juli 1268 schloß H. Ulrich einen Münzverein mit dem Erzbischöfe Ladislaus, welcher auch für die salzburgischen Besitzungen in Steiermark galt 1 2). Vom I. 1268 berichtet endlich noch der Chronist von Leoben, daß diese Stadt gegen Norden hin erweitert worden sey, um sie bequemer mit der nöthigen Be. sestigung verschanzen zu können 3). Ä.o«Vr»frt5um Dis zu diesem Jahre 1268 hatte Herzog Ul-Erben tc6 Hkrz°g- rich von Kärnten aus zweimaliger Ehe keine leben- IhumS JtiiEntcn ernannt. den Kinder. Mit König Ottokar stand er in enger Freundschaft und Blutsverwandschaft; denn seine Mutter, Gutta, war Ottokars Schwester. Lange schon pflogen beide Fürsten geheime Unterhandlung wegen Nachfolge in den ka-rantanischen Ländern, falls H. Ulrich ohne Leibeserben sterben sollte. Zu Ende dieses Jahres kam H. Ulrich selbst nach Böhmen, und gab zu Podiebrad 4. Dezember 1268 dem K. Ottokar die siegelgefertigte Urkunde, worin er ihn für den Fall des Todes ohne Söhne oder Töchter als Erben aller seiner Länder, Besitzungen, Lehen und Rechte erklärte und versicherte"). H. Ulrich jedoch hatte kein Recht zur Verfügung über Nachfolge, Regierung und Besitz von einem Reichsfürstenthum und Reichslehen ohne Bewilligung und Bestätigung von Seite des Kaisers und deutschen Reiches. Ohne diese konnte also seine Anordnung keine gesetzliche Kraft haben. Auch hatte er bei der Verfügung seinen Bruder Philipp 1) Jehanneums-Urkunde. 2) Juvavia, Abhandlung. 377. (b) 3) Anonym. Leob. Pez. I. Anno 1268.: „Hoc tempore Leuben, civitas Styriae, transplantata est versus Aquilonem propter montem, qui versus meridiem eandern tangebat civitatem, ex quo muniri poterat.“ Chron. Salzb. Vetzon. Pez. I. Anno 1269: „Regi Bohemiae viva voce et fide privilegiata terram Karinthiae contradidit quam tarnen idem Otto-karus postea bellorum potentia subjugavit.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 331 gänzlich ausgeschlossen; ungeachtet er ihm früher schon für den Fall eines kinderlosen Todes am 4. April 1256 und 2. Mai 1267 die Erbfolge zugcsichert hatte '). Dies war aber aus dem Grunde geschehen, weit man ihn zum Patriarchen von Aquileja erheben wollte, wozu sich durch den Tod des Patriarchen Gregor von Monte longo, 8. September 1269, die gewisse Aussicht eröffnete und weil Herzog Ulrich schon am 23. September 1269 durch seine Anwesenheit in Aquileja, und durch den Einfluß des K. Ottokars, Mundschenk der Aglaierpatriarchen, die einstimmige Erwählung Philipps wirklich durchgesetzt hatte * 2). Nach diesem Begebnisse starb H. Ulrich unvermuthet schnell, am 27. October 1269, in Cividad del Friuli, oder in Cividad d’ Austria 3). K. Ottokar versäumte keinen Augenblick, und sendete den energischen Propst Konrad von Brünn zur vorläufigen Besitznahme des kärntnerischen Herzogthums, welcher auch überall willig ausgenommen und als Statthalter des Böhmenkönigs ohne Widerspruch anerkannt worden ist 4). Indessen hatte auch der Patriarch Philipp durch 4 M den kinderlosen Hintritt des Bruders die nahe Er- mn Gewalt m t™ Besitz von J5Arnten füllung seiner jahrelangen Hoffnung, um üererwillen ncbrn dem bohmi. er den Empfang der höhern Weihen stets hinausgeschoben hatte, ins Auge gefaßt. Sey es, daß er selbst, wie der Chronist von Leoben versichert, aus die Patriarchenwürde verzichtet, oder daß er sich eben jetzt für Amt und Würde zu gleichgül. tig bewährte, und so das Kapitel zu Aquileja, welches sich von ihm nach des Bruders Tode keine besondern Vortheile mehr ver- ') Rauch, Oesterr. Gesch. III. 354—360. — Horneck. >>. 98—99: »Er acht harte chlain (Philipp von Salzb.) der Gelub, die emalen geschehen warn arte twallen zwischen dem Kunig reichen vnd Herczog Ulreichen. Welher under jn verdurb, vnd von Gott nicht enwurb eleich Erben, mit desßelbs sterben solt dem andern sein penant, dez ander Lewt vnd Sannt, darczu Purg vnd Beßt. Daz ward verhantvest alß sy hetten geschaffen mit den weysisten Pfaffen.« ") Anonym. Leob. 1369: „Ubi častnim portus Naonis, quod ail principom Styriae pertinet, Aquilejense feodum Arasallus ecclesiae factus est.“ 3) Chron. Salzb. et Vatzon. Pez. I. Anno 1369. — Anonym. Leob. Anno 1368: „Philippus videns se minorcm resignavit omnia — privilegio (einen Berzichtbrief) de ducatu Carinthiac inisso in Bohemiam.“ Joan. Viet. ibid. p. 397 — 390. — Anonym. Leob. Anno 1368 sagt: „Ottokarus propter pacta, quae habuit cum Ulrico duce, misit praepo-situin Brunensem, ut Carinthiam et Carnioliam adprehenderet, sed ci-vitates et nobiles Philippe constantissime adhaeserunt, et praepositum affectum oontumeliis contempsernnt.“ — Horneck. p. 98—99. 332 Steiermark bis zum Eintritte der sprach, veranlaßt hatte, in einer neuen Wahl den Bischof zu Komo, Reimund, Grafen von Thurn, zum Patriarchen zu berufen; kurz, Philipp erhob sich, die Länder seines fürstlichen Hauses nun selbst in Besitz zu nehmen Hkkbord' von Sulln- 1L 8c&mr 1269 zu Leoben gaben die stein hält Gericht leiblichen Brüder, Ortolf, Dietmar und Heinrich zu Lerben; und der ' ' , „ Statthalter, Bischof von Stretivlch dem Stifte Admont eine Erklarungs-Brnno, ,n Grätz. ^^Eunde, daß ihnen auf die aömontischen Zehenten zu Witschein in der slavonifchen Mark kein Recht zustehe, und daß ihr Bruder, der Pfarrer Otto von St. Maria, dieselben nur als Lehen des Stiftes Admont genieße z). Zu Lienz in Tirol am 17. März 1269 verglichen die Grafen, Meinhard und Albert von Görz und Tirol, das Stift Admont mit den Burggrafen von Lienz, Friedrich und Heinrich, welche gegen die Zahlung von 60 Pfunden kleiner Veroneser, allen Ansprüchen auf die aümontische Alpe in Großkirchheim, die große Fleize genannt, für immer entsagten, vor den Zeugen: Herr Ulrich (Nobilis) von Täufers, Velker von Flachsberg, Hermann von Stein, Otto von Falkenstein, Heinrich von Mittcrburg, Ernst von Lienz, Heinrich von Gesinz (Ritter) u. v. A. l * 3). Vor eben diesen Zeugen ward dem Stifte Admont auch der Besitz einer Schwaige im Mölsthale, im Pach genannt, bestätigt, welche der admontische Hofverwalter in Großkirchheim, Berthold (Propositus de Chircliheim, provisor et rector bonorum coenobii Admontensis) von Ritter Ernst von Lienz um 17 Marken erkauft hatte 4). Am 25. April 1269 faß der steiermärkische Landrichter, Herbord von Fullnstcin, vor der Pfarrkirche in Leoben zu Gerichte, umgeben von dem Grafen Ulrich von Psannberg, dem Kanzler, Meister Ulrich, Wigand von Massenberg, Alhoh von Raükersburg, Hermann und Otto, Brüder von Krotendorf, Walchum von Limmersöorf (Ritter), Otto, genannt Graf von Leoben, Gewolf von Kinnberg, Ulrich von Knittelfeld, admontischer Hofocrwalter an der Mur u. o. A. Abt l) Rauch, Oesterr. Gesch. III. 360—364. -) Adm. Urk.: ,,RR. 1. Testes Dominus Chunradus et Bertholdus Sclio- liarchi, Ulricus de Chrutelvald praepositus Admontensium, Geraldus Judex in Livnik, Walterus officialis in Obdaco, Duringus de Stainhause etc. Actum et datum in Leoben Anno 1269. III. Idus Februarji.“ 3) AdW. Urk. CCC. 9.: „Actum et datum in Luenz Anno 1269. XVI. Kal. Aprilis. '*) Adm. Urk. CCC. 18. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 333 Albert von Admont hatte Klage erhoben, daß Wigand von Massenberg die Zehenten von stiftischen Neubrüchen in der Pfarre Trofaiach unter falschem Titel stubenbergischer Lehen schon mehrere Jahre vorenthalte. Die alten Briefe darüber wurden vorgc-legt, und Hcrborü erkannte das Recht dem Stifte Admont zu ‘). In Mitte August 1269 hielt Bruno, Hauptmann und Regent von Steiermark (capitaneus et Rector Styriae) allgemeines Gericht (in placito generali) im Hause des Staütrichters Volkmar. Ihn umgaben Bernhard, Bischof zu Seckau, Abt Albert von Admont, Propst Ortolf von Seckau, Konrad, Propst zu Brünn, die Grafen Heinrich und Bernhard von Psannberg, Ulrich von Sternberg, Ulrich von Heunburg, Wulsing von Stubcnberg, Friedrich von Pettau, Liutold von Stadek, Ulrich von Lichtenstein, Siegfried von Marnbcrg, Herborö vou Falkenstein, Herbord von Tra-6erg, Cholo von Marburg, Cholo von Seldenhofen, Heranü von Wildon, Wigand von Mossenberg und Wernherr von Hause. In dieser Versammlung wurden die Ansprüche des Edelherrn Heinrich von Rohitsch auf Gericht und Vogtei der Besitzungen und Hörigen des Stiftes St. Paul zwischen der kleinen Lubenz und dem Bache Welik als widerrechtlich zurückgewiesen i) 2). Als Abt Albert zu Admont, begleitet von sei- $anbtfg \2n69@m nen Stiftsgeiftlichen, Heinrich dem Kümmerer, Otto Adm°m ©t w 1 „ vrecht, nettem. dem Kapellan, und dem Kanzler Eustachius, zu Gratz R-i». aus der Landtagsversammlung war (19. Juli 1269), verzichtete Heinrich von Cazleinstorf auf einen aömontischen Lehenhof daselbst zu Gunsten Dietmars, des aömontischen Schaffers zu St. Martin (Ditmar provisor noster in St. Martino in Mar-chia Styriae) welcher durch eine Geldsumme den Lehengenuß von dem genannten Heinrich abgelöst hatte, vor den Zeugen: Conrad von Muertschach, During von Steinhaus, Otto von Grize, und Pilgrim Vlagoy, in dessen Hause die Verhandlung gepflogen worden ist 3). Die Urkunde selbst wurde darüber mit Abtei- und Ka-pitelsiegcl gefestiget am 28. August 1269, und gefertiget von Konrad, dem Prior, Heinrich, dem Kämmerer, Konrad dem Zusterer, i) Adm. Urk. XX. 8. 98. ") St. Paulcr Urkunde. 3) Xdm. Urk. N. 7: „Quod nobia Alberto abbate apud Graetz existente in placito generali venit ad praesentiam nostram.“ 334 Steiermark bis zum Eintritte der Heinrich, dem Spitalmeister, Popo, dem Richter und v. A. Am 6. September 1269 leistete Ulrich, der Staütrichter zu Enns, dem Stifte Admont wegen eines, auf sein Zulassen vollbrachten Einbruches in einem Stiftskeller in der Stadt Enns, Ersatz durch JahreSrentcn von 30 Denarien von verschiedenen Bürgershäusern ’). Für das Stift St. Lambrecht ward am 21. Mai 1269 ein langwieriger Streit mit dem Stifte Lilienfeld um Gebietsgränzen zu Weissenbach, am Erlafsee und im Hallthale an der Salzquelle bei Maria-Zell zu Ende gebracht. Ulrich, der salzburgische Erzkanzler, vermittelte ein Schiedsgericht der Herren: Heinrich, Prior in Rein, Konrad, Pfarrer in Neustadt, und Theodorich, Pfarrer zu Pöllau. Die Gerichtsoersammlung war in der St. Egidenkirche zu Gratz gehalten, in welcher neben dem Abte Gotschalk von St. Lambrecht und Berthold von Lilienfeld und dem Schiedsrichter auch anwesend waren: Dietmar, Pfarrer zu Mariahof, Hermann, Pfarrer zu Aflenz, Heinrich, Pfarrer zu St. Ruprecht (an der Raab), Otto und Hartnid von Gratz. Der Schiedsspruch theilte eine Mühle am Weissenbach, und das Recht, zwei Fischer am See zu halten, dem Stifte Lilienfeld; alles streitige Besitzthum selbst, alle und jegliche Nutzung am See selbst, dem Stifte zu St. Lambrecht zu 1 2). Im Orte Treutendorf bei Grafenstein ertheilte H. Ulrich von Kärnten (28. Mai 1269) dem Stifte St. Lambrecht für die Beschädigungen der Stiftsgüter bei Gelegenheit, als er (im Jahre 1259) seinem Bruder Philipp von Salzburg mit Heerbann zu Hülfe gezogen war, vollkommenen Ersatz mit Gütern und Renten zu Prukke bei St. Stephan im Krapfelöe, zu Zeyerberg, an der Mauth zu Altenhofen, zu Ponolich und Friberg, und mit völliger Gerichtsemmunität aller lambrechtischen Rücksassen in Kärnten und mit jenem Vorrechte im Blutgerichte, als dessen die Cisterzicnserstiftc im Lande genießen. Zu Zeugenschaft standen: Ulrich, Graf von Sternberg, Bernhard Kumtzo, Richter zu Vil. lach, Albert von Zeyselberg, Julian von Seeburg, Gundaker von Werdenburg, Gottfried von Truchsen, Seifried von Albe, Kolo und Gerlach, Brüder von Eberstein, Ludwig von Klamstein u. 2t.3). 1) Admonter Urk. DDD. 81. 2) „Altercatio super circuitu cnjusdam nemoris circa Weissenbach, nec non quodam lacu, cella et Salina in eisdera partibas. Actum et datum Grets in ecclosia St. Egidii Anno 1269. XII. Kal. Januarii.“ 3) Saalb. von St. Lambrecht. Dieselbe Urkunde wurde später, 1. Febr, 1270, von K. Ottokar bestätigt. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 335 Auf dem seckauischen Schlosse zu Witschein fertigte Mechtildis, die Witwe Hadinars von Schönberg, mit ihren Söhnen Reimbert und Hadmar, dem seckauischen Stiftskapitel eine Entsagungsurkunde (15. August 1269) auf alle Güter im Orte Glanz — vor den Zeugen: Abt Gebhard von St. Paul, den Grafen von Kirchberg Gottfried, Domherr von Passau, und Eberhard, Dompropst zu Drixen, Otto, Pfarrer zu St. Maria, Bertholü von Sakkach, Werner von Leibnitz, Ritter Hartniü von Leibnitz, Conrad von Leibnitz, Sohn des Werners, Otto von Sturmberg, Nikolaus und Hadmar, Brüder von Leutschach, Jrmelin und Wulssng vonSa-ckathale, Richer von Azerberg. An die Urkunde hingen ihre Siegel Bruno, Bischof zu Olmütz, Bernhard, ^Bischof zu Seckau, Herbord von Fullnstein, Schenk und Landrichter in Steyer (judex per Styriam generalis) '). Am 12. März 1269 verkaufte Rudlin von Plankenwart, Dietmars Sohn, dem Stifte zu Rein eine Besitzung in Mauer mit Vorbehalt ües Marchdienstes (juris avenae)'-). Um sich in Kärnten, Krain und in der win- „ 3-127r°- .. „ Ottokar setzt sich bischen Mark, den Landern des Herzogs Ulrich, voll- mit Waffengewalt in den Besitz der ständig festzusetzen, erwarb K. Ottokar zuerst die kar„t„crisch-„ freisingischen Hochstiftölehen in jenen Landtheilen, und bestätigte dagegen dem Bischöfe Konrad alle Freiheiten seines Hochstiftes in Kärnten, Steiermark und Oesterreich, insbesondere die Gerichtsemmunität freisingischer Unterthanen 1 * 3). Zu gleicher Zeit unterhandelte er auch um die salzburgischen Lehen in Jnneröster-reich, und erhielt dieselben wirklich 4). In den ersten Tagen des Monats Mai (3. oder 7. Mai) war K. Bela IV. in Ungarn, nach einem thatenreichen, vielbeweg, ten Leben zu den Vätern gegangen. Bei seinem Tode hatte die Tochter Anna, Königin von Massooien und Halicien, K. Ottokars Schwiegermutter, die wichtigsten Kostbarkeiten des königlichen 1) Johann. Urk. — Dipl. Styr. I. 233: „Actum et Datum in Ratscheina Anno 1269. XVIII. Kal. Sept.“ Bestätigungsurkunde K. Ottokar 15. Ott. 1269. Datum iu Sasgi und Zeugen: Bischof Bruno von Olmütz, Wülfing von Stubenberg, Eberhard von Rustbcrg. — Joh. Urk. -) Urkunde von Rein. In diesem Jahre mag wohl auch der Erzbischof Wla-dislaus nach Steiermark zur Kirchenvisitation gekommen seyn, und zu Grätz im Monate Mai 1269 jene Bestätigungsurkunde des Stiftes Rein gegeben haben, welche fälschlich dem Erzbischöfe Ulrich zugeschrieben wird. — Dipl. Styr. II. 28. — Caesar. II. 291. 3) Meichelbeck, Hist. Prising II. P. I. 67—71. 4) Juvavia, Anhang. k> 382. 336 Steiermark bis zum Eintritte der Schatzes dem K. Ottokar zur Bewahrung heimlich eingchLndiget. Fast hätte dieses Ereigniß zu blutigem Kriege geführt. K. Stephan bedrohte Ottokars Länder. Schon standen im Sommer 1270 große Heere an der Leitha einander gegenüber; doch wurde auf Ottokars Antrag, den genügendsten Ersatz für die entwendeten Kostbarkeiten zu leisten, im Oktober ein Waffenstillstand auf zwei Jahre geschlossen'). Seineben verfolgte auch Philipp von Kärnten seine Pläne mit gewaffneter Hand, um sich in den Besitz der Länder seines Bruders Ulrich zu setzen. In Kärnten und Krain erklärten sich fast alle Stände und Edelherren für ihn, und ganz Friaul siel ihm zu, mit Ausnahme der Stadt Cividad d’ Austria. Man erklärte ihn zum Hauptmann des Landes, und gab alle Macht in seine Hände * 2). K. Ottokar hatte dagegen einstweilen nur ein Schutz- und Trutzbündniß mit dem Hochstifte Aquileja (1. Mai 1270) geschlossen 3). Nach dem Waffenstillstände mit den Ungarn aber eilte er schnell mit starkem Heere, wozu jetzt auch der Heerbann der steierischen Ministerialen und Edelherren gestoßen war, nach Krain, erstürmte Laibach, setzte den Schenk von Hausbach zum Landeshauptmann ein, und befehligte dem Ulrich von Lichtenstein, Philipps Anhang in Friaul niederzuschlagen 4 5). Er selbst zog dann mit dem größeren Heertheile in Kärnten ein, und ließ auf Bitten der Stände durch Schiedsrichter die Sühnung mit Philipp vollführen. Dieser mußte auf vermeintliche Rechte über alle Länder seines verstorbenen Bruders mit Brief und Siegel verzichten, und sich nach Krems in Oesterreich zurülkziehen; wo ihm das alte Schloß zur Wohnung, und aus den Gefällen der Mauth in Krems und der Herrschaft Pörsenburg, ein genügliches Leibgeding zugewiesen wurde3). Aus politischen Gründen brachte *) Pray, Anna!. Hung. I 323. — Horneck. 99 — 101. — Anonym. Leob. Anno 1268. 2) Horneck. p. 101 —102. — Julian, in Chron. Forojul. bei Rubels Mo-num. Aquilej. in Append, p. 21. col. 761. 3) Rubels ibid. p. 762. Horneck. p. 101—102 : „Er lie; jm wesen gach de; Gevars gegen Chrain, Herr Ulreich von Liechtenstein waz auf der Raiz Marschalich, der Kunig jm fleisßigleich enphalich, da; er sein Ere pewart. Sy chomen an der Bart gevarn für Laibach, chain Man nie gesach ain so erber zuzogen." — Anonym. Leob. Anno 1273. „Philippus — mortuo fratre suo Ulrice Duce Karinthiae — volens possidere suum patrimonium, scilicet Carinthiam et Carnioliam, quia frater ejus absque liboris decesserat. Sed Ottoka-rus — Carnioliam... subj ugavit, Philippum dehereditando. 5) Horneck p. 102—103, 337 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. K. Ottokar zugleich die Verehelichung der Herzogin Witwe Agnes mit dem Grafen Ulrich von Heunburg zu Stande *) und alle jene Burgen und Städte in Krain und Kärnten wieder zurück, welche Herzog Ulrich den Hochstiften zu Aquileja und Salzburg geschenkt, jedoch zugleich wieder als Lehen von denselben zurückerhalten hatte ft. Ueber Kärnten bestellte er endlich den treuergebenen Eüelherren aus Krain, Albrecht von Freu, zum Landeshauptmann * * 3). K. Ottokar ging hierauf nach Aquileja, ord- ^ nete daselbst alle Angelegenheiten, gewann die Aqla- di-Aqmlejcrlchc»in jerlehen in Steiermark, Tiffcr, Windischgrätz, Tresen, «»>,»., der^Agne« Klemau u. A. und vereinigte wieder mit den Kam- Heunburg. mergüteru eines Herzogs von Steiermark den Ort und die Herrschaft Portenau, welche in den letzten, unruhevollen Zeiten nach hundertjährigem Besitze weggefallen war 4). Unter Einem bewirkte K. Ottokar auch eine Verehelichung des Grafen Ulrich von Heunburg mit der Hcrzogswittwe Agnes. Gründe der Politik und Selbstsucht leiteten ihn dazu; denn Agnes war aus Babenbergischem Blute entsprossen; er wollte daher durch eine solche Verehelichung nicht nur ihren Stand herabdrücken, sondern sie auch noch weiter von allen Ansprüchen auf Oesterreich und Steier entfernen. Er zwang sie daher auch, vor der Vermählung auf alle ihre babenbergischen Alloüe, so wie auf alles Lanüeigenthum in Kärnten, das ihr H. Ulrich verheiratet hatte, gänzlich Verzicht zu leisten, und sich mit einem jährlichen Leibgedinge von un-gesähr 962 Silbermarken zu begnügen; welches auf Gelöüienste, Bergrechte und Naturalien von Gütern in den vier Schephoncn-ämtern zu Ziffer, in Sachsenfeld, auf die Schlösser Sachsenwart, Vreudcncck, Klausenstein, Tiffer und Voitsberg, auf die Gerichte und auf Güter in Voitsberg, Tobel, Rorüach, Mantendorf, Premstätten und Bierbaum versichert worden ist 5). *) Chron. Australe Anno - 1270 sagt von «dieser Verehelichung, daß sie geschehen sey : in dcpressionem generalis !g — Anonym. Leob. Anno 1369. — Hanthaler. I. 1025 — 1029. 2) Chron. Salisltnrg. Annis 1268. 1269. 1271. 3) Horneck. p. 91. 102. — Anonym, Leob. Anno 1269. — Chron. Austral. Anno 1270. -1) Anonym Leob. Anno 1269. — Horneck. p. 102—103. — Rubels, ibid, p. 761. — Hansiz. II. 365. Urkunde bei Lambacher, Anhang, p. 173-180. „Sed ex parte nostra exstitit replicatum: quod quidquid cum rege Bohemiae tractavimus Gcsch. v. Steieemark. — v. 33». 22 338 Steiermark bis zum Eintritte der Die f'sBittiile@£r« $ei solcher Gesinnung und Handlungsweise K. tcut* * flieht aus Ottokars darf es nicht befremden, daß bald nachher Steiermark nach Meißen. (wahrscheinlich im Jahre 1271 schon) auch die alte und schwer gebeugte Herzogin Gertrude vor seinem, bis zum Grimme steigenden Hasse gegen das babenbcrgische Geschlecht aus dem Lande entsiohen ist, und Obdach und Schutz in dem entfernten Lande Meißen bei den Verwandten ihrer bereits verstorbenen Vatersschwcster . Konstantia gesucht und gefunden ’), und dort in einem Kloster ihr Leben beschlossen hat. St »ambnch! Sc- Während all' dieser Ereignisse hatte K. Otto« flau, oieiii. kar die innern Angelegenheiten in Steiermark nicht außer Auge gelassen. Dem Stifte St. Lambrecht wollte der Besitz eines Gutes zu St. Martin im Lungaue streitig gemacht werden. Der Abt legte jedoch in der allgemeinen Gerichts-taidigung dem Statthalter, Bischof Bruno von Olmütz, und dem Otto von Haslau, die Handvesten darüber vor, und die Edelher-ren (viri nobiles): Ulrich von Lichtenstein, Dietmar und Ortolf von Stretwich, Helwik von Grazzlupp standen zu Zeugenschaft seines Rechtes; welches auch gerichtlich anerkannt, und von K. Ottokar bestätigt worden ist, vor den Zeugen: Otto von Bertholds-dorf, Otto von Haslau, Albert, Truchsäß von Waldsperg, und dem Kämmerer, Heinrich von Hohenfeld z) (Wien 29. Jänner 1270). Eine andere Beschwerde des Abtes Gotschalk von St. Lambrecht gegen Wikard von Rannstein entschied Otto von Haslau im Gerichte im Hause der Schotten zu Wien solchergestalten, daß Wikard von all' seinen Ansprüchen auf Rechte und Renten der lambrechtischen Herrschaft Maria-Zell, nämlich acht Metzen Sal- vel contraximus in praemissis, hoc totum a nobis extorsit ejus im-probitas violenta et terribilis raetus inenssio, nobis facta, qui merito cadere poterat in constantes; quod ea, quae inter Regem Bohemiae ipse nobis titulo ypothecae vel pignoris obligavit bona, possessiones et praedia, munitiones et castra, quae inferius suis nominibus expri-muntur.“ — Bon dm edlen Hamburgern sagt Horneck p. 37: „Wann Graf Wilhalm pracht so hohen Lob in sein Grab, da; man ym von recht gab an Miltichait den Preiz, vnd daz er mändleich und weiß und gar ge-trew wer, daz waz von ym ein Mer. Dez genoz auch pilleich sein Sun, Graf Ulreich, der auch in seiner Jugent Manheit und Lugend phlag, und noch hewte phligt.« — Joan. Victor, ibid. p. 296 — 297. *) Horneck. p. 36—38. 68. 69 — 70. — Anonym. Leob. Anno 1261. 2) St. Lambrechter Saalbuch: „Actum in Vienna IV. Kal. Febr. 1270. Bruno, Olmucensis Episcopus tune eapitaneus Styriae et Otto de Haslau, qui etiam pro tempore terrae eapitaneus fuit.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 339 zes von einer Saline daselbst, Jagd- und Fischbann und andern Forstrechten, sogleich abstehen mußte. Auch diese Entscheidung bestätigte K. Ottokar zu Wien 1. Februar 1270 ') vor österreichischen und steierischen Edclherren: Wülfing von Stubenberg, Ulrich von Lichtenstein, Rembert von Kranichberg, Herrand von Wilöon, Dietmar von Engelschalksfelü, Ulrich von Viehofen, Ulrich von Pilichdorf,. Bernhard und Heinrich, Grafen von Pfann-berg, Konrad von Saurau, Heinrich von Spiegelfelö, Albert von Rein, Ortolf von Stretwich. — Den Wülfing von Stubenberg wählte Abt Bernhard von Rein zum Vogt der stiftischen Güter zu Parslueg und Retterberg im Mürzthale, worüber die Urkunde zu Rein selbst 16. Februar 1270 ausgescrtigt worden ist: daß Wülfing nach Belieben des Abtes wieder entfernt werden könne, und außer gewissen Bezügen an Vogtrecht nichts weiter, bei Verlust der Vogtei, anzusprechen habe '■*). Bischof Bernhard von Se-ckau verhandelte mit den Brüdern Herand und Hartnid von Wil» don zu Laibach am 27. Juni 1270, und brachte deren Entsagung auf die bischöflichen Güter in Reusenz zu Standes. Hartnid von Ort hatte das Bisthumsgut von Seckau vielfältig beschädigt und beraubt. Er war deßwegen vom Bischöfe Ulrich mit dem Bann-fiuche belegt, in demselben verstorben, und daher eines christlichen Begräbnisses verlustig geworden. Seine Schwester Gyscla, Witwe Alberts, Schenks von Velüsberg, wollte den Verstorbenen sühnen, und zur geweihten Erde bringen. Sie ersetzte demnach dem Bis^ thume Seckau allen, auf 500 Marken geschätzten Schaden, mit fünf ihrer hörigen Vasallen zu ewigen Eigenthrime mit den Söh. nen und Töchtern derselben, und mit jährlicher Rente von 10 Marken Silbers 4). Am 21. August 1270 hatte Gyscla von Kranichberg, Wittwe Remberts des Jüngeren von Mureck, dem Sc-ikauerbisthume zwei ihrer Vasallen, Nikolaus und Hadmar von 22* ') St. Lambrechter Saalbuch: „Ottokarus, rex Bohemiae, dux Aastriac, Styriae, Carinthiae — quod VVikavdus de Rainstein omnibus juribus suis in praedio quodam, quod Zella dicitur, octo scilicet mansuras sails de salina ibidem existente, venationibus, piscationibus et aliis ju-ribus forestaviis, quac sibi competcrc asserebat.“ Datum Viennae Anno 1270 Kalendis Februarii. 2z Steirerurkunde. 3) Dipl. Styr. I. 333. „Actum Leibenz Anno 1270. V. Kalendis Juli!.“ '•) Dipl. Styr. I. 332 — 333: „Quinque homines mihi jure proprietario altinentes, non meliores nec etiam infimos, sed tarnen de generc mi-litares cum omnibus filiis et filiabus suis et dcccm marcarum redditibus.“ 340 Steiermark bis zum Eintritte der Leutschach zu Eigenthum geschenkt, so wie sie dieselben von ihrem Vater, Hermann von Kranichberg, empfangen hatte. Die vorgenannte Gyfela von Ort, Wittwe Alberts von Delüsberg, bestätigte hierauf diese Spende ihrer Großmutter, 21. August 1270 vor den Zeugen: den Rittern Dietrich von Rorau, Leutolü von Plankenstein, Otto von Schrettenberg, Heinrich Huenel, Sieghard von Eberstorf, Albert Rucho von Trautmannsdorf, Kalhoch von Dobra Am 1. Oktober zu Stretz in Oesterdeich ertheilte Propst Ortolf zu Seckau dem Ulrich, Schänk von Rotengrube, auf Fürsprache seines Oheims, Kaöold von Schratenstein, und anderer Männer Verzeihung wegen vieler in jugendlichem Leichtsinne dem Stifte zugesügten Beschädigungen; und Ulrich leistete dagegen Gewähr vor allen weitern Vcraubungen und Anforderungen unter dem Titel von Vogtrecht. Zeugen dabei waren: Gottfried, Pfarrer zu Weitra, Otto von Zidolsberg, Heinrich von Malvrid, Rudlo Dorfmeister, Konrad von Willendorf l) 2 3J. Mg-m°iEandg°. 2[m 6. Oktober 1270 hielt der Marschall von richt in Marburg. Böheim und Statthalter im Lande Steiermark, Burk- K. Ottokar in In- denburq und Win- hard uon Klingberg, allgemeine Gerichtötaidigung in Marburg mit den Edelherren: Berthold und Heinrich, Grafen von Pfannbcrg, Friedrich von Pettau, Ulrich von Lichtenstein, und dessen Sohn Otto, Wulssng von Stubenberg, Wernher von Haus, Albert von Horneck, Ortolf und Dietmar, Brüder von Stretwich, Volkmar von Grätz, Leutold von Regals, Otto von Kroten Dorf, Konrad von Graben, Ohaldus von Walü-stein, und dem Kanzler (scriba) von Steiermark, Meister Konrad. Hier ward auf die Klage des Propstes Ortolf von Seckau und auf die vorgelegten Urkunden mit Einstimmung der anwesenden Edelherren, Hartnid, Schenk von Ramenstein aller Ansprüche auf die Stiftseckauischen Güter im Arzwalde verlustig, und das Chorherrenstift als rechtmässiger Eigenthümer derselben erklärt; welchen Spruch K. Ottokar am 28. Oktober 1270 mit Brief und Sigill bestätigt hat Am 12. Oktober 1270 war K. Ottokar l) Dipl. Styr. I. 331—332: „Duos milltes cum omnibus bonis eorundem Nicolauin et Hadmarum de Leutschah, quos jure proprieta rio a patre acceperat. Acta sunt haec in ccclesia Chyrichberch Anno 1270. XII. Kal. Septembris.“ -) Johanncums-Urkunde. 3) Ich. Urk. — Dipl. Styr. I. 234—235 : „Nos Burchchardus Marschal-lus regni Bohemiac, Capitaneus Styriae — quod in generali placito Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 341 mit öem Salzburgererzbischofe Frieörich II. unö mit vielen Ministerialen von ©frier in Judenburg. Dort kamen die früher schon eingeleiteten Verhandlungen mit dem Hochstifte in Salzburg zum Schlüsse: K. Ottokar erhielt alle Hochstiftslehen in Steier unö Kärnten, so wie dieselben auch schon die Herzoge Leopold der Glorreiche und Friedrich der Streitbare von Oesterreich unö Steier, unö Herzog Ulrich von Kärnten besessen hatten. Man kam auch überein, daß die jährlich öem Hofstiste dafür zu leistende Geldsumme, alle schwebenden Verhandlungen über Salz- und Metall-regaliew, über Frohnen, Mauthen, Zölle, Vogteien, Gerichte und andere, auf jenen Besitzungen haftende Freiheiten und Vorrechte durch ein Schiedsgericht von vier Männern mit Anziehung des Bischofes Bernhard von Seckau bestimmt und ausgctragcn werden sollen. K> Ottokar gelobte auch, den Erzbischof Friedrich und dessen Hochstift bis Ostern 1271 in den Besitz aller Güter und Zehenten zu setzen, welche der verstorbene Erzbischof Wladislaus in den österreichischen Ländern gehabt hatte '). Im Spätjahre 1270 war K. Ottokar II. auch in der Stadt Windischgrätz mit Ulrich von Dürrenholz, Frieörich von Pettau, Otto von Haslau, Ortolf von Pertholsöorf, Gundaker, Schenk von Hausbach, Ulrich von Hausbach, Ulrich von Haucnfelde, Heinrich von Halfenberg, Friedrich unö dessen Bruder Ortolf von Gretz (Windischgrctz), Traflo, Pfarrer von (Windisch-) Gretz, Otto von Gurkfeld u. s. v. Andere. Unter Zeugenschaft dieser Eüclherren fertigte er den Karthäusern zu Seitz einen Bestätigungsbricf ihrer Ottok. Stiftungsurkunde mit Beifügung neuer Spenden von zwei Villen, Präbüchl und Probüchl, zwischen Pettau und Marburg, im Amte Marburg, mit allem Zugehör — zum Ersätze von acht Marken, welche vermöge Stiftsurkunde verschiedene» lanücssürstlichcn Aemtern zuge-wiescn waren, und statt zwanzig Massen Eisen in Leoben alle Jahre zu erheben, von jetzt an jedoch acht große Masten Eisen * 2). Marburgac feria tci'tla ante fcstuin B. Dionysii celebrato — super praediis in Arzivalde — de eommuni Nobiliuni sententia. Anno 1270. VII. Idus Oktobris Domino Chunrado Scriba Styriae assidente.“ 1) Nachrichten von Juvavia. p.382 (a) Archiv für Geschichte u. Geogr. Wien. Jahrgang 1827. 2) „Eisdem fratribus et Domni in Scytz du as villas, Propuchl et Pro-piichl, sitas in officio Marclipurg, inter Pctoviam et Marciipurg, cum omnibus attinentiis, prati«, silvis, agris, — in recompensationem octo marcorum denariorum, quas di visim recipiebant in locis diversis seu officiis diversis. — Insuper octo massas ferri majoris ponderis in 342 . Steiermark bis zum Eintritte der Gleicherweise bestätigte K. Ottokar bei dieser Gelegenheit die Schenkungs- und Privilegienbriefe der Karthäuser von H. Ulrich von Kärnten, 1.1267, und von der Herzogin Theodora, 1.1233. gt-6 Victn'ci) n. Der Erzbischof Wladislaus von Salzburg starb, mi ©oijhu'M. git non seinen habsüchtigen Verwandten vergiftet, am C L28. April 1270 '); ein wohlwollender, eifriger Ober-hirt, der seinem ausgedehnten Sprengel alles entwendete Kircheneigenthum wieder zurückgebracht, Pfarren und Kirchen gegründet"), mit unterrichteten, thätigcn Priestern bestellt, und Jedermann Gericht und Recht gethan hat. Seine Stelle ersetzte das Hochstifts-kapitcl durch den Dompropst Friedrich II., einen hochgelehrten, in weltlichen und geistlichen Geschäften sehr gewandten Edelherren von Walchen, welcher in den Ereignissen seiner Zeit ungemeine Kraft, Thätigkeit und Einstuß bewährt hat * l * 3 *). Schon am 1. Juli erhielt das Stift Admont von diesem Metropoliten eine Urkunde, worin er den grundherrlichen Besitz aller Güter zu St. Johann im Pongaue bestätigte f). Zu Vonstorf am 1. Juni 1270 hatte er mit Den Grafenbrüdern, Bernhard und Heinrich von Pfann-berg, ein Schutz- und Trutzbündniß geschlossen, wobei sich ihm die Grafen zu treuen Diensten und Beistand bis aus tausend Silber-marken verpflichteten, unter Bürgschaft ihrer Vasallen von Kaisersberg, Konrad von Torscule, und Anderer, und mit dem Vorbehalte der Freilassung ihrer von Poppo von Peggau und Wul-ssng von Stubenberg gefangenen Brüder 5). Am 6. Juni 1270 war Graf Heinrich von Pfannberg mit seinen Söhnen, Herman und Ulrich, im Stifte St. Paul, und leistete Ersatz für alle, demselben am Schlosse Mannberg und bei der Vogtei am Remschnik zugefügtcn Beschädigungen; er erkannte diese Vogtei als wahres Lehen des Stiftes und stellte sich mit dem gewöhnlichen Vogtrechte Leuben dictis fratribus — donamus, et ad officiates in Leuben qui— emnque pro tempore fuerint ordinaries pro 30 massis ferri, .R.@te. n. _ phan von Ungarn. Die Erwerbung der Länder Kram und Kärnten und die ungewöhnliche Machtvergrößerung Ottokars konnten dem Könige Stephan in Ungarn nicht gleichgültig scyn — jedoch nicht gehindert werden. Dem geschlossenen Waffenstillstände zuwider siel er daher mit 50,000 Ungarn und Kumanen in Oesterreich ein 4), besetzte alle Uebergängc bis über den Semmering hinauf und erwartete so den Böhmenkönig aus Jnnerösterreich im Hinterhalte 5). K. Ottokar, hiervon unterrichtet, lenkte durch die hochbeschneietcn Thäler und Berghohen der obern Steiermark seinen Zug gegen Lilienfeld, und kam, der größten Beschwerden ungeachtet, schnell nach Mauerbach an der Donau, und nach Böhmen. Dort zog er die mächtigsten Streitkräfte zusammen, während K. Stephan unter gräulichen Thaten getäuschter Wuth «) wieder nach Ungarn zurückging. >) St. Paulcr Urkunden. 2) Caesar, Anna). II. 332. 3) Viktr. Urk. Anonym. I.eob. Anno 1270: „Cum rex Stefanos regem Otakerum seirct in Carinthia tantis fatigationibus occupatum, fraudolenter violata pace cum 50,000 Ungarorum et Cumanorum Austrian! intravit.“ s) Hagen. Pez. I. 1082: „Der König kam gen Judenburg, dem entbieten die Reustädter, daß K. Stefan von Ungarn bei dem Semmering auf ihn warte. Darum reitet K. Ottokar für Liclienfeld gen Maurberg.« 0} Cliron. Ncoburg. ap. Hauch. Anno 1270. — Chron. Austral. Mellicens. Zwettl. Anonym. Leob. Pez. I. Annis 1270. 1272. — Vorzüglich Horneck. p. 103: „In grosßen Zorn daz geschach, daz der Kunig aufprach vnd chom ze Judenburg gefarn, von den, die da warn, ward er enphangen wol. Der Kunig sprach : Man sol mir ervarn zehannt, wie ez lig in dem Lannt, 344 Steiermark bis zum Eintritte der Aus K. Ottokars Aufgebot hatten sich hieraus die Heerbanns-volker au§ Steiermark, Kärnten und Kram unter Anführung der Landeshauptleute Milota, Freu und Hausbüch, in Neustadt versammelt, und mit den königlichen Schaaren biS zu einer HecreS-masse von hunderttausend Kriegern vereiniget Das königliche Heer machte siegreiche Fortschritte in Ungarn ober und unter der Donau; und Ä. Ottokar ward durch die treue Wachsamkeit Ber-tholöS von Emmerberg aus den verderblichen Fallstricken des Grafen Ivans von Güssing (gegen welchen sich vorzüglich Heinrich von Pfannberg mannhaft bewährt hatte) glücklich errettet. Doch mußte er sich bei dringendem Mangel an Lebensmitteln bald wieder zurückziehen, worauf er seine Heerbannsvölker in ihre Länder entließ. Denn der Friede wurde durch die geistlichen Fürsten, den Erzbischof von Salzburg mit den Bischöfen von Paffau , Seckau und Bamberg am 14. Mai 1271 vermittelt, und sogleich auch, 15. Mai 1272, unter des Papstes Bestätigung und Schirm gestellt^). König Stephan mußte für sich und seine Erben für immer auf alle vermeintlichen Rechte auf Steiermark, Kärnten und Kram und die winöische Mark feierlich verzichten a). vnd wo de Chunig von Ungarn lig; ob ich über den Semerig mug cho-mcn, mit Gewarhait? Aehannt ain Pot dahin rait, der chom dez dritten tags (wann er waz slags slags vber das'Stain-Beld gejaidt) vorn Kunig er do sail, daz ym die Rewnstcter empoten heten dew Mer, daz der Kunig Stephan da leg auf dhainen Wan, vnd auch anders nicht Bart, denn daz er Sein da wart: vnd wenn er für dieselben straffen, so wurd er nicht er-lasßen, er wurd von ym an gcrant. Der Kunig dahin sannt, wenn ez waz Winterczeiten, und hiez die Weg weyten, vnd schaufflen vor den Snee; ich wen, daz er nie mer mit her so pösen Weg für; man sagt, daz er ver-lur manig Phert von dem Meter; gegen Lienfeld heter an der Raiz gedacht.« l) In Steiermark glühte noch Haß gegen Ottokar; er wußte dies; und er beeilte sich, die Wünsche der Edeln zu erfüllen. Hagen, ibid.: »Do mahnt K. Ottokar die Steyrherrn, sie sollten an keinen alten Haß gedenken. Da sprach zu ihm Graf Heinrich von Pfannberg: was er noch von ihm inne hätte, daß er das 'den Steirern ledig ließe; das that der König!(< — Horneck dagegen sagt x. 104 nur: »Herrn Milot er Poten fant, der waz hie ze Steyr-lannt Haubtmann zu derselbing Zeit, vnd gepot jm, daz er ane Streit chem mit den Steyrern.« -) Horaeck. p. 103 — 110: „Includcntes eidem paci et eadem vallantcs — Aus triam, Styriam — secundum signa, distinctiones, et metas anti-quas.“ Urkunden im Lambacher Anhang, p- 53. — Anon, Leob. Pez. 1. Anno 1371 — und alle andern Chroniken. 3) Fejer. Cod. Ungar. V. 113—138. — Liinig, Pars, special, conti». I p. 7. — Urkunde bei Lambacher, p. 113: ,,D. Stefanos Rex — renun-tiavit omni juri et action! quod ct quae sibi vidcbanlur competcre, scu etiam competcbant in Ducatibus Styriae, Carinthiae et Dominiis Carnioliae, Marchiae, nullam de cactcro suo vel hacredum suorum nomine contra nos et heredes nostros super illis moturus materiam quae-stionis.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 345 Während dieses Feldzuges entsagten 11. März ,Scrf J $c„ 1271 zu Judenburg die Brüder Ortolf, Dietmar ran.Adm°nt.Marn. . bcrg. Stndenitz. und Heinrich non Slrelwich allen Ansprüchen auf die seckauischen Güter in Gävernitz und Vorhe >). Am 6. Mai 1271 schenkte Wülfing von Trewenstein unter Fürsprache und Zustimmung seiner Gemahlin Diemuth und seiner Kinder, Wülfing und Margaretha, der Kirche der h. Maria in Seckau (Maria-Frauenberg bei dem Schlosse Seckau) seine jährlichen Gefälle von 10 Marken zu Vogau * 2 *). Dem Stifte zu Rein fertigte der Statthalter Burkard von Klingenberg in der Thomaskapelle auf dem Schlosse zu Grätz einen Erlaubnißbricf zum Baue eines befestigten Speichers innerhalb der Mauern des Stiftes unter Zeu-genschast der Vasallen, Heinrich Baruth, Walther vom Thale, und Ulman, so wie der Grätzer Bürger Volkmar, Herman vonWin-üischgrätz, Konrad Buch (civibus de Graetz). Zu Prag am 13. Oktober 1271 bestätigte K. Ottokar dem Stifte Rein den, durch K. Stephan von Ungarn (I. 1259) schon befestigten Besitz der Güter zu Wagnitz und Kallstorf bei Grätz a), welche ein Bürger dieser Stadt, Rudiger Pfannenberg genannt, nach Rein geschenkt hatte. Zur Stiftung einer ewigen Seelenmesse schenkte Hermann, der salzburgische Bicedom auf der untersteierischen Mark, den Chorherren in Stainz 18 Marken jährlicher Renten zu Rechweis-reut, Eüelz, Gswent, Makoschenüorf und zwei Weingärten. An den Stiftungsbrief hingen ihre Sigille der Bischof Bernhard und der Propst Ortolf von Seckau, Leutold von Kuenring, Herrand von Wilöon, und Leutvld von Dobreng; und Zeugenschaft der Spende leisteten: die Pfarrer Gerard von Leibnitz, Arnold von Vonstorf; die Ritter Heinrich von Ror, Eberhard von Hey-merrode, Otto von Ciernstein; die Castellane von Leibnitz, Heinrich von Dieseich und Friedrich von Walsowe — Ulrich von Neuschloß (de novo Castro), Ottacher von Gehag, Sieghard von Femsnitz, Hermann von Sturmberg, Ulrich von Piberstein, Wi-kard von Gutenberg u. v. A. 4). Von Richbolü von Teuffenbach (zu Mayrhofen) erkaufte das Stift Voran einen Weingarten am Datum apud Judenburg. Anno 1271. II. Idus Martii. Sigillo civitatis Judenburgcnsis. — Joh. Urk. -) Dipl. Styr. I. 333 -334. 3") Steirerurkunde Anno 1271. Datum Graetz, in Capella. 8. Thomae Apostoli. — Dipl. Styr. II. 28. 4) St ainzer Urkunde. 346 Steiermark bis zum Eintritte der Fakenberge im Jahre 1271 '). In eben diesem Jahre wurden dem Stifte Admont Streitigkeiten erhoben wegen Neugereuten, welche Berthold, der stistische Hofverwalter in Oberkärnten, Propst zu Sagritz zugenannt, in der Gegend zu Stall daselbst gemacht hatte. Auf Bitten Bertholüs wurde dieser Streit nach Befehl des Grafen Albert von Görz und Tirol, durch den Richter Otto von Falkenstein zu Gunsten des Stiftes entschieden, vor Ernst von Lienz, Kuno von Ernberg, Friedrich und Wilhelm, Burggrafen von Lienz, Berthold von Rotenstein, Amclrik von Geltburg, und Ulrich von Flachsburg. Eben dieser Propst, Berthold von Sagritz, brachte den Kuno von Ernberg dazu, daß er 20. Oktober 1271 zu Lienz vor dem Richter Otto von Falkenstein, dem Burggrafen Wilhelm, Konrad von Grascndorf, und den Bürgern von Lienz, Ruadmund, Amelreik, Reichard von Neuntal, Hugo von Reuenburg, Wolf-schalk von Lavant, Rudolph von Sagritz, Heinrich von Gesinß, allen Ansprüchen auf die admontifche Besitzung in der Fleiß entsagte 8). Als in diesem Jahre K. Ottokar von den Stiften des Landes starke Auflagen erhob, mußte der Abt zu Admont Güter in der Milau im Admontthale für eine öargeliehene Geldsumme auf lebenslanges Lcibgeding hintangeben * 2 3). Im Jahre 1271 zu Göß selbst vor vielen edlen Zeugen: Wülfing von Stubenberg, Otto von Ernfels, Heinrich von Phansdorf, Otto von Oberndorf u. v. A. entsagte Heinrich von Utsch allen gößischen Le-hengütcrn zu Rottcrnstein; nachdem die Aebtissin Herburgis es übernommen hatte, seine Schwester Kunigunde von Ennsthal durch eine Geldsumme anderweitig zu entschädigen 4). Zu Marnberg am 20. Juli 1271 schenkte Siegfried von Marnberg dem Nonncn-stifte daselbst ein Gut in demselben Orte, und die von den-deutschen Ordensrittern erkaufte Bille Ousek mit dem Bedinge, den Wilhelmitern zu St. Johann ein Gut, wenigstens 10 Marken im Caes. Annal. II. 296. 2) Admonter Urk. CCC. 10. 13. 14. 3) Saalb. III. 262: „Doringo et Margaritae tixori suae Swoigam in Mi-lowe, quae annatim ducentos ininores reddit caseos et molendinara ad nominatam Swoigam pcrtinens, nec non feodum quoddam in Halle contulimus — quod praelibatus Duringus et ftlargarita, nostro impe-rio succurrentes, XII marcos argcnti nostrae ccclesiae tradiderunt, quam pccuniain cum plurimis rebus inclyto regi Bohemiae dare modis omnibus cogebamur.“ 4) Johanneumsabschrift. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 347 Werthe, zu erstatten 1 *). Am 12. Februar 1271 erlaubte Heinrich von Rohitsch seinem Vasallen Ulschalk von Volzke, Lehengüter in Virmein und Charleindorf Sem Kloster Stuüenitz zu spenden, um von den jährlichen Renten derselben den Nonnen bessere Kleidung zu schaffen. Heinrich von Plankenftein und Friedrich von Lenzen-bürg waren dabei Zeugen. Am 4. Mai verkaufte Leutold von Gonowitz dem Nonnenstifte zwei Eigengüter zu Pöltschach mit" Wald und Weide vor den Zeugen: Pcrnger von Gonowitz (miles), und Ortols, Richter zu Gonowitz -). Am 29. September 1271 erhielt das Stift Studenitz zum Erfatze seiner Güter und des Schlosses Jaunekke in Kärnten andere Besitzungen bei Marburg in den Orten Prieresse, Lengcnberg, Glokotfanik, Bredessc, Zaüemekk, Kosnitz, Musteschen, Petsy, Warrcssendorf, Zemschuz und Zmestamph mit 57 Marken jährlicher Renten 3). Meister Conrad, Kanzler und Provisor des Königs von Böhmen in Steiermark fertigte die Urkunde darüber auf Befehl des Königs und mit dem Beisatze: ,.üa dieser Gewalt und Herrschaft führt in »Böhmen, Mähren, Oesterreich, Steyr, Kärnten, Krain, Pvrte-»nau, Eger 11. s. w." K. Ottokar fertigte darüber auch eine De-stätigungsurkunde zu Wien, 2. September 1272 und K. Rudolph I. zu Wien, 1277. Zu Ende des Jahres 1271 war der Erzbischof Friedrich II. von Salzburg in Leibnitz, und erthcilte am 20. Dezember den zwei Schwestern Gertrude und Mechtilde von Krn-nichberg die Erlaubniß, zu Kirchberg ein Nonnenkloster zu errichten und die dortige Pfarrkirche in eine Convcntualkirche zu verwandeln 4). 3u Folge der zu Judenburg (12. Dezember ^LVrurch 1271) gepflogenen Uebercinkunst mit dem Erzbischof ff (unten«nt@teicv. Friedrich von Salzburg zog K. Ottokar im Jahre cie^n Siegfried von 1272 nach Kärnten, und empfing in der Stadt Fri-sach die Salzburgerlehen in Jnnerösterreich persön- ru*tcn' sich, und aus der Hand des Erzbischofes Friedrich selbst 5). Von Frisach ging K. Ottokar durch das Dravethal hinab in die untere 1) Marnberger Urk. „Fratribus Wilhelmitis ad St. Joanncm vesidentibus.“ 2) Studenitzer Urkunde. 3) Studenitzer Urkunden. '*) Pcz, Thesaur. Anecd. T. VI. P. II. 118. Chron. Salzb. ct Anon. Leob. Pez I. Annis 1270. 1271. — Acrneek. p. 113. 348 Steiermark bis zum Eintritte der Steiermark, on deren Gränzen ihn die Edelherren in großer Anzahl empfingen. Siegfried von Mahrenberg, an dessen Schlosse K. Ottokar vorüberzvg, war jedoch durch schwere Krankheit an diesem feierlichen Empfang und an der Geleitschaft gehindert. Ottokar faßte darüber heimlichen Groll. Da erschollen auch Klagen, daß Siegfried wegen Raub und Gewaltthaten in der Gegend umher sehr gefürchtet werde, auch daß er ein treuergebener Dienst-maiin der Herzogin Gertrude und ihres Geschlechtes fei). Dies erregte in Ottokar Verdacht geheimer Umtriebe gegen ihn. Schweigend zog er jedoch über Marburg, Grätz, Hartberg und Wien nach Prag fort. Seine Reise glich einem Triumphzuge. Ottokar von Horneck versichert: »Der Kunig gen Marichburg chert, do «wart er hoch geert, von dem Lantvolkch gemain. Dez Kunigs „Bort de waz fain nach dem Gemerkche hin, zu welher Stat er »rannt in, da must er beschämen, alle die Frawen, die da warn ''gesessen, öez wart nicht vergessen, in yegleicher Stat er belaib, »vnczt er da drey Tag vertraib, mit Rayen und mit Tanczen, mit »so getanen swanczen, chert er vbcr den Harperig, daz er nicht hct »zc werich, nur Churzweil ’).« — In Prag gab er Ulrich von Dürrenhvlz geheimen Befehl, Siegfried zu fangen, und in Ketten nach Böhmen zu liefern. Dürrenholz nahm den Ortolf von Win. difchgrätz zu Hilfe. Siegfried ward beim Mittagsmahl überfallen, und in Ketten nach Prag geliefert. Dort ließ ihn K. Ottokar einkerkern und foltern, um von dem Unglücklichen die Namen mehrerer, gegen seine Herrschaft verschwornen Eüelherren in Kärnten und Krain herauszupressen. Vergeblich. Er war selbst unschuldig, und wußte keinen Schuldigen anzugeben. Endlich ward er hingerichtet; und später sein Körper nach Mahrenberg zurückgebracht, und in der Kirche des von ihm gegründeten Nonnenklosters bei-gesetzt «). 1) Horneck. i>. 113. 2) Joann. Victor, ibid. 298 -399. - Horneck. p. 112—113 beschreibt diesen Vorfall umständlich, zuverlässig aber mit vieler Uebertreibung. Ebenso auch Hagen. — Pez. I. 1083. — Anon.Leob. Anno 1371 : „Tendit in Styriam (Ottokarus). Cui cum Sifridns de Mernbcrg fcstine non occurrerit, aegritudine corporis praepeditus, rex movetur, et perse-quutionem suscitans contra com, mandat cum sibi cum prouisionc praemii in Bohemiain praesentari. Quem quidam miles Rudolplius de (jraetz invitatum cacpit, et Ulrico de Turrenholz suo officiario e.xhi-buit, et hic eum regi in Bohemiam praeseniavit; ubi inorte acerrima tormentatus intcriit. — Corpus ejus ad claustrum Monialium ordinis St. Dominici sub Castro Merenberg positum est translatum.“ — Eine Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 349 Demungeachtet, — unbekannt jedoch: ob vor 13 * 5- tm2-. Mahrenberg JEtr.t- oöev nach Siegfrieds Hinrichtung? — hat K. Ot- terg. ©t. sami-vcctt. tokar am 22. April 1272 zu Prag das Nonnen- @t. Paul. eats, ft iff zu Mahrenberg feierlichst bestätigt, und an Ulrich von Dürrenholz, Statthalter in Kärnten, Krain und in der windischen Mark, sowie dem Landschreiber Christoph in Steiermark Befehle ertheilt, den Nonnen in Mahrenberg den kräftigsten Schutz angeüeihen zu lasten '). Eine gleiche Bestätigungsur-kunde siegelte K. Ottokar zu Wien am 2. September 1272 vor den Grafen: Ulrich von Heunburg, Ulrich von Stubenberg, und vor den Edelhcrren Ulrich von Dürrenholz, Landeshauptmann in Kärnten, Ulrich von Lichtenstein, Wülfing von Stubenberg, Her-ranü von Wildon und Meister Conrad, Schreiber von Steier» mark * 2). Am 20. Dezember '1271 zu Leibnitz hatte Erzbischof Friedrich II. an Bischof Bernhard von Seckau schriftliche Aufträge gegeben, die Pfarrkirche zu Kirchberg am Wechsel im Lande Oesterreich zu übernehmen, von den Spenden des Edelgefchlechtes von Kranichberg daselbst ein Nonnenstift einzurichten, und Kirche und Pfarre diesem Stifte zu übergeben 3). Am 9. Juli 1272 mar Bifchof Bernhard mit diesem Werke zu Stande gekommen; nachdem er auch K. Ottokars Befehle (22. Februar 1272 Zbrabowa) hierüber empfangen hatte«). Am 22. Jänner 1272 gab der Pfarrer Hartnid zu Pols und Erzöiakon in Kärnten, dem Stifte St. Lambrecht eine Entsagungsurkunde auf die Pfarrkirchen St. Thomas in Schäufiing und St. Johann in Scheibeng (in der Scheiben) Als Ulrich von Lichtenstein, Marfchall und Landrichter in Steiermark, zu Gerichtstaidigung saß mit den Edelherren: Her- spätere Aufschrift seines Grabmahles sagt: „Hic in crypto jacet scpul-tus 6. Sigefridus de Märenl>erg, qui in temporibus Ottokari regis Pragae martyrizatus, et deindc per suos consauguineos hue allatns est. Supra sepnlchrnm lapidenm statura, D. Sigefridmn repraesentans, ad murum crecta est, circa quam liaec verba exposita leguntur: Se-fridus de Mernberg Policarp. Richard, f Anno Domini 1272 passus est." — Dipl. Styl". II. 328. *) Dipl. Styr. II. 325 - 326: „Dilectis fidelibus nostris Ulrico de Dirnliolz, Capitaneo Carintliiae, Carnioliae et Hardline—et Christoforo Scribae Styriae dedimns nostris specialibus litcris firmiter in mandatis. Datum Pragae Anno 1272. 8. Ital. Maji." ") Studenitzer Urk. 3) Pcz, Cod. Bpistol. II. 118. «) Dipl. Styr. I. p. 396—372. 5) „Datum ad S. Lambcrtum Anno 1272. XI Kal. Jannarii. Hartnidus miseratione divina Archidiaconus Karinthiac, Plebanus in Pels." 350 Steiermark bis zum Eintritte der ranü von Wilüon, Otto dem Jüngern von Lichtenstein, Offo von Teuffenbach, Otto von Ernfcls (vir nobilis), Bcrthold Preuha-ven, Konrad von Saurau u. 2t., klagte Abt Gotschalk von St. Lambrecht über große Beschädigungen seiner Stiftsgüter durch Wulstng von Stubenberg und dessen Leute; und er überwies ihn durch vorgelegtc Urkunden. Wulstng war zur Wiedererstattung verurtheilt, und gab dem Stifte einen Theil seiner Lehenswalöung zu Maria-Zell, und drei Marken Renten von Alloden zu St. Johann bei Frisach, mit Einstimmung seiner Gemahlin Elisabeth und seiner Söhne ')• Im Landgerichte am 28. Juli 1272 in Grätz erklärte der Landschreiber Meister Konrad und ihm zur Seite Otto der Jüngere von Lichtenstein, die vollständige und auf alte Handvcsten gegründete Gerichtsemmunität des Stiftes Rein auf dessen Gütern und über dessen Leute. Am 12. August 1272 zu Rein selbst übergab der reiche Grätzerbürger Volkmar diesem Stifte einen Schcnkungsbrief um zwei Theilen salzburgischer Zehenten zu Straßengl, Belgowe, und der Neubrüche am Rein, insgemein Loch genannt, so wie er sie vom Hochstifte zu Lehen getragen hatte; auf daß davon den Conventherren an der Stiststa-fel wöchentlich einmal Wein nach dem kupfernen Maße gereicht werden möge. Zu Zeugenschaft standen: Burkhard von Klingenberg, Landeshauptmann in Steyer, dessen Schwager, Heinrich Baruth, Dietrich von Salm, Hermann von Windischgrätz, Leu-pold Wakerzill u. v. 2l. i) 2). Das Stift Admont mußte seine Besitzungen zu Elsendorf bei Regensburg gegen die Uebergriffc des Grafen Meinhard von Roseneck vertheiöigcn, und gerichtliche Entscheidung anrufen, nach deren Spruch der Graf dem Stifte einen Hof zu Purchart um 7 Marken Regensburgergelöes und als Scha. denersatz abtrat, welcher 2 Pfunde jährlicher Rente ertrug; diese Ausgleichung vollführte der admontische Kämmerer Siegfried in Elsendorf vor den Zeugen: Otto von St. Lambrecht, Graf Gebhard von Razenhofen, Heinrich, Vizedom von Vochburg u. A.3). Am 27. April 1272 ertheilte Bischof Bernhard von Seckau seine schriftliche Bestätigung über den Verkauf eines Gutes in Rocr-bach an der Lanitz mit 7 Schilling jährlicher Renten, welches i) Urk. von St. Lambrecht: ,,Datum in Ivaphenhercli. Anno 1272.“ Reiner Urk.: „Datum in Runa. Anno 1272. — Idas Augusti data sunt liaec apud Graetz. Anno 1273. in Octava 8. Joannis Baptistae.“ 3) Xbm. Urk. M. 21. Habsburgischen Fürsten. I. 1246-1283. 351 Ritter Wernher von Leibnitz, erzbischöflicher Kastellan daselbst, mit Beistimmung seines Bruders Wülfing und seiner Kinder Fried, rich und Adelheid, dem Stifte zu Vorau gegeben hatte, vor den Zeugen: During, Chorherr zu Vorau, Wülfing von Lyntarcn, Otto, Amtmann zu Vorau, Walther, Mauthucr daselbst Zu Gratz am 29. Juli fassen Bischof Bernhard von Scckau, Ulrich, Pfarrer zu Piber, und der Kanzler des K. Ottokar, Otto von Lichtenstein der Jüngere, Hugo von Donnerstein, und Eberhard von Dobernege zu Schiedsgericht, und verglichen den Abt Gerard und das Stift St. Paul mit Kolo von Selüenhofen und dessen Söhnen, Kolo und Konrad, auf Vergebung wechselseitiger Beschädigungen, so daß erneuerter Frevel an Stiftsgütern und Rechten den Verlust der Lehengüter für die Edelherrcn von Seldrnhvfen zur Folge haben solle * 2). Am 26. Februar 1272 verbriefte die Witwe Richardis von Mahrenberg für ihren seligen Gemahl Siegfried die Spende von zwei Huben in Purchstall an der Drau als Seelgeräthe (Pikelöe) für Siegfried, vor tun Zeugen: Otto von Emmerberg, Heinrich von Klamm, Kolo und Konrad von Seldenhosen. Auf Besitz und Renten der Kirche in Zweikirchcn des Stiftes Mahrenberg hatte vorzüglich Rudolph, der Schreiber Ulrichs von Dürrenholz, gewaltsame Hand gelegt. Auf die Beschwerde des Nonnenklosters hielt der Erzbischof zu Salzburg mit dem Dechant Hermann und Heinrich dem Schatzmeister, Gericht, verur-theilte den Räuber zu 20 Marken Schadenersatz und sprach den Kirchenbann feierlich über ihn aus (eum omnibus fautoribus suis denuntiamus publice excommunicatum), Ulrich von Dürrenholz war damahls Landeshauptmann in Kärnten, Krain und in der March. Aus Schonung für ihn verschob der Bischof Herborö von Lavant die Bekanntmachung des Bannfluches und forderte den Rudolph nochmals zu Gericht; wie dieser aber allen Gehorsam verweigerte, ließ der Bischof sogleich den Bann in allen Kirchen verkünden 3). Am 23. Oktober 1272 schenkte Friedrich von Pet-tau den Karthäusern in Seitz einen Weingarten und erließ für immer das Bergrecht ihrer Weingärten zu St. Dulpis, zu Tupcl-nif, und Ratschach, vor den Zeugen: Leutold von Gonvwitz, Gun- ’) Caesar. II. 547 — 548: „Fidelis castellanus «oster Dom. Wernherus de Leibenz prodidit praedium säum situm prope ttoerbach juxta agrum, quae dicitur Laventz.“ 2) St. Pauler Urkunde 3) Marnberger Urk. 352 Steiermark bis zum Eintritte der ther von Kerschbach, Gotschalk von Lappriach, During von Swan-bcrtf), Leutold, Amtmann von Woerenberch (Wurmberg), und Gebhard von Seitz. Den Nonnen in Studenitz schenkte im Jahre 1272 Wulst'ng von Stubenberg eine ewige Gabe von KM) Käsen — aus seinem Kasten zu Kapfenberg. Zu Marburg im Jahre 1272 fertigte Rudolph von Rohitsch eine umfassende Urkunde für daö Nonnenkloster in Studenitz. Er bestätigte darin die ganze, von seinen Vorältern gegebene Funüation, mit dem freien Fisch-unü Hvlzungs, echte, für alle stiftischcn Unterthanen, gleich seinen eigenen Hörigen, ohne alle Abgabe dafür, endlich auch die Ge-richtScmmunität, mit Ausnahme der todeswürdigen Verbrecher. Zeugen dabei waren: Siegfried von Kranichberg, Heinrich von Montpreis und Heinrich von Plankenstein '). Verseerendcr Ein- 2tm 2’ April 1272 starb der deutsche König fall der Ungarn ui Richard von Kornwall, nachdem er durch 15 Jahre Steiermark. Krieg mit ihnen. (seit der Wahl am 13. Jänner und seit der Krönung in Aachen 17. Mai 1257) nicht ohne Ruhm die deutsche Kaiserkrone getragen hatte. Mit ihm verlor K. Ottokar von Böhmen seine vorzüglichste Stütze, mit deren Fall auch der Wendepunkt seines Glückes eingetreten ist. Im August eben dieses Jahres 1272 war auch K. Stephan 2) von Ungarn gestorben, von dessen beiden unmündigen Söhnen der ältere, Ladislaus, sogleich dem Vater auf den Thron folgte 3). Aus Ungarn waren zwei treulose Magnaten, der königliche Kämmerer Graf Egidius, Liebling und Freund des K. Stephan, und GrafJoan von Güs-süngcn entflohen. Dies entzündete zwischen K. Ottokar und K. Ladislaus abermals Krieg. Ungeheure Rüstungen begannen von beiden Seiten, und vergeblich waren alle Versuche zur Aussöhnung. Schon im Februar 1273 thaten die Ungarn Einfälle in Oesterreich, Mähren und Steiermark. Sie drangen mit großer Heeres- *) Studenitzer Urk. 2) In den Chroniken mit Verwünschungen und Abscheu genannt (vir san-guinuin !). 3 ) Chron. Austral. Anno 1272.— Chron. Viennens. Vatzonis Pez. I. Anno 1270: „Bela — multis annis per Cumanos et per alios complices tot et tanta mala pcrpetravit in Austria, Styria et Moravia, quod mamiš scribcntis, stilus Chronicus memoriae trepidat commendare. In praefatis terris rcx Bela bellis, incendiis, rapinis, juvenum, virginum utriusquc sexus intcrfectionibus, parvulorum incunabulis horrcndis * raptibus, ccclesiarum et Jiominuin in ccclesiis cxustionibus — sal valorem omnium perturbavit.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 353 »lasse im Thale der Drave bis weit in Kärnten vor, raubten und plünderten unter wilden Verheerungen überall und schleppten Hunderte von den Landesbewohnern gefangen nach Ungarn 1). Bis Mitte Juni hatte K. Ottokar sein großes Heer, alle Streitkräfte aus Lausitz, Böhmen, Mähren, Oesterreich, Steiermark, Kärnten und Krain bei der Stadt Laa vereinigt. Mit diesem ssel er in Ungarn ein und vollzog furchtbar blutige Rache überall über und unter der Donau. Er sah sich jedoch durch die nahe römische Königswahl gedrängt, sich bald wieder zurückzuziehen und nach Prag zu eilen 2). Durch achtzehn Monate war der Thron des „ 3- n73-dkutjchen Reiches erledigt gestanden; letzt erst schickte 4-li-sburq wir» d-ut° inan sich ernstlich an, dem Reiche cm Oberhaupt zu Lambrecht. ©cs™, geben. K. Ottokar, als Churfürst von Böhmen, be- ‘m schickte die Wahlversammlung durch die Bischöfe Bertholü zu Bamberg, Bernhard zu Seckau; durch den Propst Heinrich von Werden, Landescomcnthur des deutschen Ordens in Oesterreich, und den Comenturineistcr Wulstng von Maurberg. Diese mußten die Anspiüche des, von einigen Churfürsten schon vormals erwählten Königs Alphons von Castilien vertheidigen und der Erwählung des Grasen Rudolph von Habsburg alle möglichen Hindernisse mit Kraft entgegenstellen. Demungeachtet ward der kluge und tapfere Landgraf am 29. September 1273 in Frankfurt zum Oberhaupte des heiligen deutschen Reiches erwählt und am 24. Oktober 1273 zu Aachen feierlich gekrönt. — Während dieser Vorgänge erkaufte das Stift St. Lambrecht von Leonhard Czant in Voitsberg ein Haus neben der Kirche in der'Stadt um 30 Marken guten Geldes vor den Zeugen: Meister Volkmar von Kinnberg, Stephan und Dietrich Hohensteiner, Peter und Leu-pvlü die Pseilschiffter, Liebman Spieler und andern Bürgern von Voitsberg; und von den Brüdern, dem Cleriker Heinrich und Hartwik von Tcuffenbach, erwarb St. Lambrecht bas Recht, auf patrimonialen Gründen dieser Edlen Zufuhrswege zu stiftischen Besitzungen zu bahnen. Als Zeugen dessen waren in St. Lam- 1) Anonym. Leoljiens. et Cliron. Austral. Anno 1273. Stiro ad annum 1272 (1273). 2) Rauch, Oesterr. Gesch. III. 395-413. Gosch, a. Steiermark. — V. Dd. 23 354 Steiermark bis zum Eintritte der brecht anwesend: Konrad und Offo von Saurau, Otto unüFricd-rich von Puchs, Otto von Tennberg, Poppo und Marchward, Brüder von Puchs, Konrad und Ortolf, Brüder von Saurau '). Am 23. Dezember 1273 erhielt das Bisthum Seckau einen Bestätigungsbrief aller seiner Rechte und Freiheiten vom Papste Gregor X. * 2). Zu Seckau am 16. Juni 1273 verbriefte Ritter Wul-sl'ng von Paumgarten eine reiche Spende vor den Zeugen: Friedrich von Pettau, Konrad, Pfarrer in Pettau, Berthold, Comen-öatar des deutschen Ordens in Großsonntag, Bruder Ulrich, Pfarrer, Bruder Heinrich von Zeissenbergen, Bruder Ulrich, Claviar, Bruder Gunther von Kerschbach, Bruder Frizo von Hallermoos u. o. A. 3). Bischof Konrad III. von Freisingen war am 5. April 1273 nach der Bereisung seiner Kammergütcr im obern Murthale und auf dem Zciring an der Pöls, und gab daselbst dem Stifte Admont zur Wiedervergeltung von Dienstleistungen eine Urkunde mit der Schenkung eines Hauses in der Kammerstadt Waidhofen, neben dem Stadtthore gegen Amstetten, sammt einer Hofstätte, frei von allen gewöhnlichen Abgaben, die für Wege und Brücken allein ausgenommen 4). Um diese Zeit hatte Abt Albert I. auf stiftischem Allodialgrunde in der Waldmark, in der Gegend Landl (Holzlandl), eine neue Kirche erbauen und durch den Bischof von Chiemsee zur Verehrung des Erzengel Michael und der h. Apostel Bartholomä und Matthäus einweihen lassen. Diesem Gotteshause wurden, um es mit allen kirchlichen Nothwendigen auszustatten und zu erhalten, vom Stifte Admont eigene Jahresrenten auf Gütern am Uebergang, in ganz Reifling bis zur Schwaige am Weissenbach und auf dem Berge Trieben zugewiescn. Als nun Erzbischof Friedrich II. auf seiner Rückreise von Rom in Admont eben anwesend war, fertigte er am 12. August 1273 einen Be-stätigungsbrief über Bau, Gründung und Dotirung dieser Kirche im Landl bei St. Gallen 5). *) St. Lambrechter Saalbuch: ,,Nos Petrus et Michael, judices constituti, nec non Universitas civium in Vogtsberg.“ -) Johanneums-Urkunde. 3) Dipl. Styr. II. 311 — 212. Actum et datum in Bettowe. Anno 1273. XVI. Kal. Julii. '■) Urk. DDD. 11. „Datum apud Zirik. Anno 1273. Nonis Aprilis“,. s) 2tbm. Urk. 00. 1.: „Cum itaque capella, quam ad Petitionen vesti am Ven. Frater noster Chyemensis Episcopus in honorem St. Michaelis Arehattgeli et SS. Apostolorum Bartholomaei et Matthei de nostra spe- Habsburgischen Fürsten. I. 1246-1283. 355 Am 7. März 1273 hatte der Bischof Herbord 3, von Lavanl auf Befehl des Erzvischofes Friedrich die Sache des Nonnenklosters Mahrenberg gegen Rudolph, Notar des Ulrich von Dürrenholz, Landeshauptmanns in Kärnten, wegen Patronat und Güter der Kirche Zweikirchen nochmals untersucht und wegen Hartnäckigkeit des Beklagten den Kirchenbann erneuert. Auf erzbischöflichen Befehl mußte der Propst Johann zu St. Bartholomä in Frisach der genannten Pfarre die von Siegfried von Mahrenberg im Jahre 1268 gegebenen und vom ErzbischofLadislaus bestätigten Spendebriefe dieser Pfarre abermals befestigen. Zu Friedalseiche am 30. October 1273 schenkte Meinhard von Hörberg mit Zustimmung seiner Gemahlin Jrmengardis alle seine Gülten zu Pache bei Laocmünde den Nonnen zu Mahrenberg vor den Zeugen: Ulrich von Täufers, Hauptmann in Kärnten, Ulrich von Heunburg, Herrand von Wildon, Otto von Lichtenstein, Konrad von Schranchbaum, und den Brüdern, Otto, Friedrich, Heinrich und Rambert von Eberstein <). Mit Zustimmung seiner Gemahlin, Brüder und Mütter schenkte Konrad von Marburg seine Eigcngüter im alten Flecken Gonowitz (in antiqua villa) den Karthäusern in Seitz vor den Zeugen: Popo von Freudenberg, Kolo von Marburg, Gottfried von Biktring (Victoria), Wülfing von Pernau, Ottwin vom Schlosse Marburg, Wolschank dem Bürger, und Heinrich, dem Schulmeister zu Marburg. Zu Pettau am 30. November 1973 schloß Friedrich von Pettau mit den Karthäusern zu Seitz einen Tausch für Güter zu Horneck um andere bei Baiersgrez in der Bille Tobl — ebenfalls vor Zeugen: Gunther und Dietmar von Kerschbach, Wülfing von Paumgarten, Gottschalk von Lappriach und Leutold von Lebenbach a). Durch die Wahl K. Rudolphs!, war K. Otto- „ 3.1273. kar dem Wendepunkte semes Glückes und seiner h-uniff- zwischen^ Größe näher geführt worden. Nicht nur in Böh- aub°otfofa""6 men und Oesterreich hatte er sich einen großen Theil ----------------- 23* ciali licentia dcdicaverit, ccrta bona et determinates vedditus in silva, videlicet in loco, qui dicitur Uberganch, totum Reivcnich usque ad Swaigam supra Weizenbach et quoddam Novale in monte supra Trieben, in quo rcsidet quidam dictus Fuskart in dotem ad usum lumi-num et aliorum, quae in ecclcsia consecrata necessario requiruntur — de eommuni cousilio duxeritis adsignandos.“ Marnberger Uri z) Seitzer Urkunde. 356 Steiermark bis zum Eintritte der des Adels und der Lanöesbewohner abwendig gemacht sondern auch in Steiermark tödtlichcn Haß entflammt durch die Behandlung der vornehmsten Landleute im Jahre 1268, und durch die, von der Sage so ungemein grausam geschilderte Kerkerung und Hinrichtung Siegfrieds von Mahrcnberg. Er kannte seine Lage gar wohl und trachtete daher, sich für alle Fälle kräftigst zu sichern. K. Ottokar sollte dem neuen Reichsoberhaupte um Böhmen und Mähren nach dem Reichsgcsetze Huldigung leisten; und, wollte er auch mit den österreichischen Fürftenthümern belehnt seyn: so mußte er seinen rechtmäßigen Besitz derselben erweisen. Er suchte sich daher Aufschub, und gegen Beides vorzüglich dadurch zu schützen, daß er die Gültigkeit der Wahl Rudolphs bestritt und ihn als Reichsoberhaupt nicht anerkennen wollte. Zuerst schloß er mit dem Herzoge Heinrich in Baiern ein Schutz- und Trutzbününiß. Die Treue der mißvergnügten Provinzen wollte er dann durch Geißeln aus den edelsten Herrn in Oesterreich, Steiermark, Kärnten und Krain befestigen * 2). Bon der Stunde seiner Krönung an hatte aber K. Rudolph in Uebereinstimmung mit den Churfürsten den Entschluß gefaßt, das heilige deutsche Reich, in der langen Zeit gesetzloser Verirrung in Rechten, Ansehen und Hoheit so sehr herabgebracht, nach Innen und nach Außen mächtig wieder zu erheben 3). Sogleich verkündigte ein offenes Schreiben allen Reichsvasallen und Völkern, daß er dem errettetem Reiche wieder Ordnung und Recht, allen Unterdrückten Befreiung und Sicherheit verschaffen werde, und vorerst von Allen Gehorsam und Treue fordere 4). Gegen K. Ottokar verband er sich sogleich und innigst mit dem Papste Gregor X.5), welcher sich nicht nur alle Mühe gab, den Gegen- *) Baibin. Epitom. Rer. Bohem. ad E. III. Cap. 18 in notis. 2) Chron. Austriac, ap. Rauch. II. — Chron. Austral. Anno 1274: ,,Otto-karus, Rex Bohemiae — dum adhuc contrarius esset Rudolfe, eleoct Regi Romanorum, considerans futura, obsides terrarum Austriae, Styriae, Carinthiae et Carnioliae ex ministerialibus et civitatibus exe-git, quam plurimos etiam recepit.“ — Hagen. Pez. I. 1087: „K. Ottokar von Behaim tnne ward, daß sich die Landleut zu K. Rudolphen verpflichtet hätten, da nahm er von den Landherrn zu Steyr — von jedem ein Kind zu Geißel; die legt er aus die Besten zu Behem.« 3) Anon. Leob. Anno 1274. 4) Rauch, ibid. III. 113 — 425. — Lambacher, Urk. 61—68. — Joann, Victor, ibid. 299-303. Raynold. ad Annos 1274. 1278. — Schreiben des K. Rudolph und des Papstes Gregor X. auch bei Lambacher, Anhang, p. 61—65. 67—69. 357 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. könig Alphons von Kastilien zur gänzlichen Entsagung zu bringen, sondern auch, wiewohl vergeblich, den K. Ottokar zu beruhigen und mit K. Rudolph zu versöhnen '). Seiner Pflicht zuwider war K. Ottokar auf dem Reichstage zu Nürnberg nicht erschienen, als von K. Rudolph (19. November 1274) die hochwichtigen Fragen gestellt wurden: Wer Richter sei), wenn ein römischer Kaiser oder König über heimgefallene oder entzogene Reichsgütcr, und über andere, dem Reiche und dcflen Oberhaupte zugcsügte Unbilden gegen einen Reichsfürsten eine Rechtsfrage zu stellen habe? und: Was kann und |ott der König nach Recht thun wegen der Güter, welche K. Friedrich IL, bevor die Absetzung über ihn ausgesprochen worden, im ruhigen Besitze gehabt, und wegen anderer, dem Reiche erledigten, jedoch gewaltsam oorenthaltenen Güter; endlich: Was ist weiter Recht wegen des Königs von Böheim, der mehr als Jahr und Tag nach der Krönung zu Aachen sich weigert, seine Lehen von demselben zu begehren und zu empfangen? Stuf diese Fragen wurde feierlich erklärt: daß Rudolph von allen Ländern des deutschen Reiches, welche K. Friedrich II. vor dem, über ihn ausgesprochenen Bannflüche (I. 1245) am Reiche gehabt habe, Besitz ergreifen solle; daß jeder Vasall des heiligen Reiches binnen Jahresfrist seine Lehen zu muthen habe, und daß der Pfalzgras den, in diesem Falle beflndlichen König von Böhmen der Reichsfürstenlehen wegen vorzulaücn habe 1 2 3). Der Metropolit von Salzburg, Friedrich II., welchen K. Rudolph schon zu Hagenau 4. August 1274 als seinen getreuen Rcichssürsten anerkannt, und alle Besitzungen, Vorrechte und Freiheiten seines Hochstiftes feierlichst bestätigt hatte «), war sogleich in Nürnberg erschienen und von K. Rudolph mit Ertheilung aller hochstiftischen Reichslehen ausgezeichnet worden 4). Nachdem der Erzbischof Friedrich vom Conci- ^^zwW-,, ir lium zu Lyon zurückgekommcn war, hatte er im bttei« und dc>» ^ Hvchftifte «Salzburg. Kirchenrathe der Bischöfe von Freising, Paffau, Regensburg, Brixen, Chiemsee und Seckau am 29. bis 31. Oktober 1) Bei Lambacher, Anhang, x. «9-76. — Brief von Lyon an K. Ottokar 26. August 1274. 2) Anon. Leob. et Chron. Salzb. Anno 1274. — Horneck. cap. 109. — Boehmer, Regest, Impel'. 225. 3) Juvavia, Abhandl. 334 (b). 383-384. (a). — Mnn. Boic. p. 510. 4) Anon. Leob. Anno 1274 : „Suscipicns a Rudolpho sua regalia.“ — Juvavia, Abhandl. - Horneck. p. 128: »Disen Schaden starkch muest der 358 Steiermark bis zum Eintritte der 1274 über den K. Ottokar, wofern er nicht auf wiederholte Mahnung binnen einer Monathsfrist von verletzenden Uebergriffen ab-licße, den Bann, und gegen dessen Lande das Verboth des Gottesdienstes auszusprechen beschlossen K. Ottokar empfand tiefen Groll darüber. Auf die gewisse Kunde, daß der Metropolit zur Partei des K. Rudolph übergetreten fey, mußte Milota, der Statthalter der Steiermark, sogleich über alles salzburgische Hoch-stistsgut in der untern und ober» Mark herfallen, alle Burgen, salzburgischen Märkte und Städte in Besitz nehmen, alles Gebiet mit Feuer und Schwert verwüsten und die Leute des Hochstifts mit allem Kriegesgräuel grausam bedrängen -). Dagegen erließ K. Rudolph zu Nürnberg, 23. und 24. November 1274, für den Erzbischof Friedrich und seine gleicherweise verfolgten und bedrängten Suffragane die urkundliche Versicherung, daß alle diese Hand, lungen ungesetzlicher Gewalt null und nichtig seyn und für die Zukunft kein Recht begründen; und daß ihnen Allen nach Austragung des Streites mit dem Böhmenkönig in jeder Beziehung der bollstänüigste Ersatz geleistet werden solle * 2 3). Auch Herzog Philipp von Kärnten erschien in Nürnberg vor K. Rudolph und stellte mit lebhaften Farben die gewaltsame Weise dar, wie ihn K. Ottokar vom Herzogthume seines Bruders Ulrich verdrängt hatte. Der römische König sicherte einstweilen auch diesem die brüderlichen Allode und jene Lehengüter zu, welche er von Rechtswegen vom deutschen Reiche haben sollte; und er erließ darüber an alle Grafen, Freiherrn, Eöeln, Ministerialen nnd Vasallen in Pischos dulden, von dhainen andern schulden, wann daz er sich dem Reich macht haimleich, vnd daz er von ym da seinem Regalia nach Gewohnheit enphieng.« *) Chron. Salzb. p. 374. — Harzheim, Cone. Germ. III. 639—641 etc. Lang, Regest. III. 440. 2) Chron. Saizb. et Chron. Leob. Anno 1375. — Brief des Erzbischofs an K. Rudolph im Lambacher, Anhang, p. 83 — 84: „Postquam omnes et singuli perierunt in Austria, Styria, Karinthia, qui colebaut justi-tiam et Romani imperii legibus parucrunt, postquam fidelis nostra devotio removeri non potuit vel mutari, multis tentata terroribus, variis illecta promissis, et a rege (Bohemiae) sollicitata quam pluri-mis blandimentis: ecce quod tali die capitanens Styriae nomine Regis praedicti omnia ecclesiae Salisburgensis praedia, fora, castra et op-pida esercitu congregato invasit hostiliter, captis hominibus et ple-risque occisis, deductis rebus mobilibus, immobilibus vero per ignem et gladiem tarn crudeliter dcvastatis, quod jam de omnibus suis rebus superesse nihil eernitur ecclesiae memoratae, quod non sit ab ho-stibus conculcatum.“ — Horneck. p. 138—139. — Joann. Victor, ibid, p. 303—304. 3) Mon. Boica. p. 513. — Salzb. Kammerb. im k. k. Geh. Archive. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 359 Steiermark, Kärnten, Krain und in der March die königlichen Befehle (Nürnberg, 28. Febr. 1274) In Steiermark geschah indessen Folgendes: Bi- q 3- 1274. schof Bernhard von Seckau befand sich am 13. Jän- atmont. o6«6ur|' ner auf seinem Schlosse Wasserberg in der Geil, und schloß mit dem Stifte Admont den Umtausch einer Hube, deren Lehensbesitzer, Hörige des Stiftes, die bisthüm-lichen Güter umher vielfach beschädigt hatten 2). Im Monate April 1274 hielt sich K. Ottokar in Steiermark, und vorzüglich in Grätz auf. Am 13. April erließ er einen allgemeinen Befehl, das Stift Stiftungen gegen die Uebergriffe der Landesedeln, Friedrich von Pettau und Meinhard von Zinzleinsdorf im freien Gerichte und an der Mauth in Drauburg zu beschützen 3). Am 16. April erklärte er mit Urkunde und Sigille, daß er die Benediktiner im Stifte zu Obernburg ganz vorzüglich unter seinen Schutz gestellt wissen wolle; und daß alle landesfürstlichen Beamten (prae-cipimus capitularibus nostris) dieses Stift nicht nur vor allen Beschädigungen bewahren, sondern für alle Beeinträchtigungen demselben schuldigen Ersatz verschaffen sollen 4). Zu Grätz am 25. April 1274 bestätigte K. Ottokar den Karthäufern in Seitz nicht nur die Urkunde des H. Ottokar Vlil. (I. 1186); sondern er befreite dieses Stift auch von allen "Anforderungen oder Steuern, Diensten und Leistungen, welche unter dem Namen Burgrecht begriffen werden, auch von den Hofstätten und Kellern, welche einzeln Nikolaus von Seitz und der Marburgerbürger Wolffard zu Lehen trugen; endlich verbiethet er Jedermann, irgend einem Eigen-innnne der Karthäuser, ohne deren Zustimmung, die Freilassung !) Anon. Lcoli. Anno 1274: „Philippus ad curiam Regis venit et ibidem terrain Carinthiam et Carnioliam suscepit de manu Regis in feodo, sieut fieri cst consuctum.“ — Juvavia, Nachrichten. 380. XV.: „Kn die Comites, Barones, Nobiles, Ministeriales, Vasallos per Carinthiam et Carnioliam et Marchiam constitutes.“ — Er belehnt Philippen mit allen rechtmäßigen Reichslehen. Am 22. Jänner 1276 zu Nürnberg erklärte K. Rudolph alle Vertrage und Bedingungen, welche K. Ottokar dem Philipp von Kärnthen abgedrungcn hatte, für null und nichtig, und im Lager zu Passau, 24. Sept. 1276 befiehlt er allen Grafen und Herren in Kärnthen nach erhaltener Amnestie dem Herzoge Philipp Gehorsam zu leisten. — Juvavia. p. 380. 381. -) Adm. Urk. GGG. 1: „Datum in Geula. Anno 1271. III. Idus Januarii.“ 3) Viktr. Urk. *) Dipl. Styr. II. 294 — 295: „Datum in Graetz. Anno 1274. XVI. Kal. Maji. 360 Steiermark bis zum Eintritte der zu crtheilen '). Am 4. September 1274 befreite Papst Gregor X. die Karthäuser in Seitz und am 28. Oktober 1274 die Nonnen in Studenitz von Leistung des im Lyonerronzilium von den geistlichen Gütern auf 6 Jahre in Anspruch genommenen Zehentantheils ihrer Einkünfte s). Zu Perugia am 23. Dezember 1274 bestätigte dieser Papst alle Besitzungen, Barrechte und Emmunitäten des Chorherrenstistes zu Seckau 1 2 3). Im Oktober 1274 saß Dietrich von Fulen, Kastellan und Landrichter zu Ossenberg (judex pro-vincialis) in der Gerichtsoersammlung vor der Kirche zu Kobenz zu Gericht. Die Söhne Wigand's von Massenberg, Heinrich und dessen Brüder hatten alle Wege in das Feistritzthal um Prank umher mit gefällten Bäumen oerammeln, und selbst mit Ketten versperren lassen, um das Stift Seckau von der Benützung der Wälder daselbst auszuschließen. Der Schiedsspruch vor Gericht lautete aber, daß, Urkunden und bewährten Zeugen zu Folge, das Stift seit alten Zeiten schon rechtmässiger Eigenthümer der Feistritzwälder sey; und daß sogleich die Gewaltthätigkeit der Massenberger abgethan werden solle. Als Zeugen standen zu Gericht und in der Urtheilsui künde 10. Dezember 1274: Wolfker und Hugo, Ritter von Prank, Wolsiin von Hannau, Pillung von Kainach, und Hartnid von Hauzenbüchl 4). Die Massenberger wendeten sich aber an den Landeshauptmann Milota; aus dessen Befehl Ckkard von Dobreng, Jring, der Notar, und Berwik, der Marschall, neuerdings Gericht hielten, und auf Verlangen des Propst zu Seckau die Grenzen der Fcistritzwaldung erheben ließen, um darnach den endlichen Rechtsspruch zu erfüllen; inzwischen aber sollten die Hörigen des Stiftes im Gebrauche jener Holzungen nicht gehindert werden. K. Ottokar befahl hierauf, Brünn, 3. Mai 1275, daß Milota's Anordnung vollzogen und beobachtet werden solle 5). 1) Dipl. Styr. II. 73 — 74: „Dalum in Graetz per man um Magistri Ulrici Protonotarii Anno 1374. VII. Kal. Maji.“ An eben diesem Tage erhielt auch das Cisterzienserstift zu Landstraß in Krain eine Bestätiguugs - und Gnadenurkunde Ottokars (Datum apud Graetz. VII. Kal. Maji) mit Zuweisung von 30 Marken Silbers, um das Stiftsgebäude zu vollenden und die Zusicherung des stiftischen Zehentbesitzers. Urk. im Stifte zu Rein. 2) Urk. von Seitz und Studenitz. 3) Dipl. Styr. I. 235-336. Seckauer Saalbuch. 5) Seckauer Saalbuch. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 361 Bei seinem längeren Aufenthalte in Steier- 3- F-t-mark hatte zwar K. Ottokar Kirche und Clerus mit frittier»"istciln-. Bestätigungsbriefen und Schenkungen erfreut, aber U" auch durch Drohungen ihnen neue Eidfchwüre der Treue wider Kaiser und Reich abgeürungen; wie der Erzbischof Friedrich von Salzburg in seinem Schreiben an den Papst im Jahre 1276 anüeutete ’)• Da versammelten sich im Sommer des Jahres 1274 im Nonnenstifte zu Goß eine große Zahl von Ständen und Eöelherren des Landes, ja sogar von Abgeordneten aus Oesterreich. Man erwog da vertraulich die erniedrigende Bedruckung der Länder durch Ottokars Zwingherrschaft, entflammte wechselseitig den allgemeinen Haß gegen dieselbe und spann Hoffnungen , bei günstiger Gelegenheit sich der Tyrannei zu erledigen. Versammelt in Göß waren damals: Bernhard, Bischof zu Seckau, ein Anhänger Ottokars, Graf Heinrich von Pfannbcrg (vom K. Ottokar im Jahre 1268 in Haft gehalten), Wülfing von Stubenberg und Ulrich von Lichtenstein (Beide von Ottokar mit Verlust vieler Burgen bestraft), die Ministerialen Herrand und Hartuiü von Wildon (welche gleichfalls schon Ottokars argwöhnischen Zorn empfunden hatten), Otto, der Jüngere, von Lichtenstein, Hartnid von Stadekk, Wülfing und Ortolf, Brüder zu Trewenstein, Otto von Perneck, Meinhard von Zemilsdvrf, Otto von Ernsels, Heinrich und Otto, Brüder von Ernfels, Heinrich von Puchheim, dessen Sohn Albero, Jring, Pfarrer von Pöllau, Ulrich, Pfarrer von Straßgang, Wernher, Pfarrer zu Rapotcnkirchcn; viele steirische Vasallen (milites terrae Styriae), und viele adeliche Ritter (et alii nobiles milites), Ekkard von Dobrenge, Wernher von Haus, Alhoch, Hauptmann auf Radkersburg, Henulo von Tuln, Albert und Otto, Brüder von Luttenberg, Dietrich und Leupolü, Brüder von Frieübcrg, Ortolf und Dietmar, Brüder von Stret-wich, Hermann, Otto und Herwik, Brüder von Krotendorf, Konrad und Walther, Brüder von Thal (de Valle), Wolfker von Khegel, Hugo von Donncrstcin, Heinrich, genannt Steibnich, Ulrich Mönch, Nikolaus von Lengenburg, die Dicnstleute (Clientes) Otto, Graf von St. Peter, Heinrich, Wigand und Albert, Brüder von Maffenberg, Gebolf von Khumenberg, Diepolü, dessen ) „Sanctac sedi apostolicne et Romano imperio proterve rcsistere di-gponcbat, non solnm a Nobis verum et ab inferioribus l’raelatis exi-gens metu terribili illicita juramenta,“ tzambacher. p. 135. 362 Steiermark bis zum Eintritte der Sohn, Hertelo von Leoben, Dietmar von Mür, Otto von Pu-zeit (Passail), Otto von Kahlenberch, Ruger vons Linsberg, Jun. gerich von Tulln, Konrad von Hartensdorf, Heinrich von Juüe-moye, Walchun von Strombach; die Bürger (cives): Volkmar von Grätz, Dietrich und Martin de Riverarii, Ulrich und Leu-tolü Wakal, Konrad Venter Sniterinus, Leo von Wenil, der Notar Pölzlo, Ludwig Albnär, Ernest Leobman, und Jauslin, Bürger von Wien, Herrmann, Amtmann von Goß, Heinrich Bawa-rus von Hefnarn, Ulrich von Judendorf, Luitolö von Gösse, Friedrich der Kellner u. v. A. Auch Meister Conrad, der Landfchreiber von Steier war zugegen, aus dessen Urkunde wir diese Versammlung kennen, worin die Aebtissin Herburgis mit der Dechantin Wentala und dem ganzen Nonncnkonoente ihre Stiftsgütcr zu Baumgarten bei Tulln in Oesterreich mit allein Zugehör und Renten an Geld, Wein und Getreide für zwei aüvdiale Höfe und eine Hube zu Miertendorf, welche von Hcrbord von Utsch, dessen Gemahlin Kunigunde und Kindern erkauft worden sind, an den oben genannten Lanüschreiber Conrad, dessen Gemahlin Cysta, und Kinder vc.tauscht hat Guitta, Tochter des Friedrich Schoöram und Wittwe Hermanns von Horenberg, nahm das Ronnenkleid in Mahrenberg und schenkte bei ihrem Eintritte ihr freies Eigengut zu Puch bei Judenburg und zu Mitterdorf bei Voitsberg dem Stifte am 22, Februar 1274 vor den Zeugen: Cholo dem Jüngern von Selüenhofen, Heinrich, Prior von Frisach, und Offo von Emmerberg I. An der Kirchenversammlung in Lyon im Jahre 1274 hatten der Erzbischof Friedrich von Salzburg und der Se-ckauerbischof Bernhard Persönlichen Antheil genommen. Der Letztere sendete von Lyon am 25. August einen Ablaßbrief nach Steiermark für alle diejenigen, welche zum Wicderaufbaue der Domkirche zu Regensburg milde Beisteuer leisten wollten * * 3). Nach der Rückkehr von Lyon berief Erzbischof Friedrich eine Synode nach Salzburg, an welcher die Bischöfe von Seckau, Freising, Passau, Regensburg, Brixen und Chiemsee nebst vielen Pröpsten und Prälaten Antheil genommen halten. Hier wurden die Beschlüsse des Lyonerkonziliums, die dort aufgerichtete neue Regel für klcrikali- Dipl. Styr. I. 90 - 93: „ Actuin et datum in Gösse. Anno 1274. VI. Kal. August. Mark. Urkunde. 3) De Lang. Regesta. III. 436. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 363 sch es Leben, dann die Anordnungen der Synode zu Wien (1276) bekannt gemacht und zur Einführung und strengen Haltung ein« geschärft; insbesondere wurde das geistliche Spiel, welches man insgemein das Knabenbisthum (Episcopatus puerorunf) nannte, strenge verboten und das Verboth gegen die herumirrenöen Schüler (vagi scholares) erneuert '). Die Hauptgegenstände der Beschwerde und der UlU)c[)gCf^* 2n75fccä Ä Rechtsforderungen von Seite K. Rudolphs gegen Ottokar «-ge» stai'. _ _ . „ ser unc Reick. Bi- K. Ottokar waren, daß er ihn als rechtmäßiges iw Bernhard »oh Oberhaupt des deutschen Reiches nicht anerkennen, und die Belehnung aus der Hand desselben nicht empfangen wollte; weshalb auch nach den Gesetzen des deutschen Reiches der Besitz der Reichssürstenthümer Oesterreich, Steter, Kärnten und Krain ein widerrechtlicher war 2). K. Ottokar war auf dem Tage zu Würzburg im Februar 1275 nicht erschienen: er wurde daher auf die nächste Reichsversammlung in Augsburg beschieden 3). Cr hörte inzwischen nicht auf, die Partei des K. Alphons vorzüglich in der Lombardie gegen K. Rudolph I. kräftigst zu unterstützen. Die ernstlichen Bemühungen des Papstes zur Versöhnung waren fruchtlos 4). Aber auch auf dem Reichstage zu Augsburg (Mai 1275) wollte K. Ottokar weder persönlich dem K. Rudolph!, huldigen, noch die Reichslehen muthcn; sondern er sendete nur den Bischof Bernhard von Seckan dahin, um Beschwerden oorzubringen und seine Sache zu oerthcidigcn ■"'). Wi- Chron. Salzb. Pez. I. Anno 1274. — Dalham, Concil. Salisb. 117. — Und früher noch wegen Sammlung von Geldbeiträgen für Palästina. 113—116-, wozu nicht weniger verlangt worden sind, als die Zehenten aller geistlichen Güter aus 6 Jahre. Juvavia, Abhandlung, p. 206. 2) Horneck. p. 124: „Daz hört er in sein Or — daz dem Kunig gesagt ward von den Fürsten gemain, daz Kernden und Krain, darczu Steyr und Oesterreich und ander Gut dem Reich nach rechtes Lehen Orden letig sind worden, p. 124, also waz er het inne, daz gehört zu dem Reich, als Steyr und Oesterreich, daz hat er an Urlaub, daz er dem Reich daz wider gab, ane Pit, und ane Twal.« — Und K. Rudolph selbst sagt in seinem Schreiben an Papst Gregor X.: ,,Controversiam , quae inter nos et ipsum (Ottökarum) pro bonis Imperii vcrtitur, occupatis ab ipso — auctoritati Apostolicae exponimus dirimendam.“ — Lambacher, Anhang, p. 72. — Und in einem spätern Schreiben an den Erzbischof zu Salzburg: „Sane quum ad recuperandum possessiones praeclaras Imperii per eundem liactenus occupatas, signa movere disponamus!“ 3) Horneck. p. 122. — Chron. Colmar, ap. ürstis. II. 11. 47. '') Rauch, Oesterr. Gesch. III. 494 — 497. r) Joann. Victor, ibid. p. 305-306. — Horneck. p. 122: „Ru sach man dort her zogen zwen Pfaffen leiz die warn chunstig und weiß: der 364 Steiermark bis zum Eintritte der der sein strengstes Verbot und trotz der sorgfältigsten Bewachung hatten sich mit einigen österreichischen Landherren auch aus der Steiermark Hartnid von Wildan und Friedrich von Pettau in Augsburg eingefunden Mit großer Kühnheit und als Meister sophistischer Rednerkünste sprach der Seckaucrbischof in der Reichs-Versammlung (vir peritus in jure canonico et civili) 2) so, daß K. Rudolph I. selbst ihn mehrmals unterbrechen und an die Sitte und Rücksicht erinnern mußte, welche man den versammelten Fürsten schuldig sey. Der Seckauerbischof, wiewohl ganz Herz und Geist für König Ottokar, vermochte aber doch mit all seiner Gewandtheit und Rcdckrast nicht zu widerlegen die unwiderlegbaren Beschuldigungen, welche Friedrich von Pettau und Hartnid von Wilüon laut ausgesprochen hatten: wie tyrannisch und grausam gegen Recht und Satzungen ihrer Handvestcn und des Reiches K. Ottokar seine Zwingherrschaft in Steiermark übe, in einem Reichs-sürstenthume, für dessen Besitz er keine andere Rechtstitel, als die Gewalt öerWaffen und widerrechtlicher Usurpation habe!3) Auch den wiederhohlten Beschwerden des Erzbischofes Friedrich von Salzburg gegen K. Ottokars rohe Gewaltthätigkeit mit allen salzburgischen Landen und Leuten in Kärnten und auf den steierischen »in waz Pischof Wernhart, der vomKunig von Pehaim wart zu vorsprechen dar gefamtt.« — Auf seiner Reise war Bischof Bernhard am 16, Mai in Straubing und ertheilte für den Aufbau der St, Nikolauskirche einen Ablaßbrief, de Lang, ilegesta. III. 460. ') Schon Anno 1272 sagt der Anon. Leob.: „Tandem hie Philippus cum Bavonibus Styriae Domino de Vildonia et Domino de Lansee (Land-esere et Wildonia) et aliis Regem Rudolphum adierunt, ipsum indu-centes ad hoc, nt descenderet, et Ducatnm Austriae ac Carinthiae de dominio Regis aufferret Bohemiae.“ '-) Horneck. p. 123: „Alle, die sein Red horten, die jähen, er het von Gots Gunst zu großen Witzen und Chunst ain Zung, dew wer snell, raid nnd synibel mucst sein Rede wesen, er het dacz Padaw gelesen, daz dekretal und daz Dekret manige Red er da tet, möchten sy die Lain haben vernommen, ez wer ym hartt, vbel chom do verstunden sy seine nicht.« ■*) Horneck. p. 128—129 sagt hiervon nichts; nur von der Flucht des Hartnid von Wildon aus dem Lande spricht er. Anon. Lcob. Anno 1073: „Havtnidus de Wildonia dicentes inter caetera Regi: cur tantopere torpeat et oppressis tain crudelitcr per Ottakerum non succnrrat et regni j ustiti am non requirat ?“ — Chron. Austriac, ap. Rauch. 1278: „Üla die cessavit jugum Bohemorum super Australes, Styrienses, Ka-rinthianos, quos indebite per longa tempora afflixerunt; quosdam ctenim nobiles idem rex ad caudas equorum per civitatem traxerat suam, ultimo catenis ferreis ad commune patibulum suspenderat, quosdam eti-am in turribus suis Vicnnae coinbusserat, alios decollaverat, taliaque et similia multa ipse et sui homines perpetraverunt.“ — Anon, Leob. Anno 1276 (1278). — Horneck. p. 122-124. Habsburgischcn Fürsten. J. 1246—1283. 365 Marken wußte Bischof Bernhard weder Entschuldigung noch Widerlegung entgegenzusetzen. Wohl aber hatte er durch Haltung und Rede alle anwesenden Reichsfürsten so sehr erbittert, daß selbst sein Leben in Gefahr stand, und seine Abreise nur durch das königliche Geleite selbst gesichert worden ist '). Hierauf wurde K. Ottokar einstimmig von allen ^ 3. 1275. ^ Fürsten in die Reichsacht erklärt: weil er dem d>c^Rcichsacht-r-Oberhaupte des heiligen deutschen Reiches Gehör- B-drü^,nzsti»-^' fotn und Pflicht verweigere, und weil er die, dem Reiche nach Gesetz und Recht hcimgcfallencn Länder mit Gewalt vorenthalte * 2 3). Auf Befehl des K. Rudolphs eilte der Burggraf Friedrich von Nürnberg nach Prag, um diesen Spruch der Reichs-Versammlung dem K.Ottokar kund zu thun, Oesterreich, Steycr, Kärnten und Krain als heimgefallene Reichsfürstcnlehen im Namen des Kaisers und des Reiches zurückzufordern (orta est discordia — pro quibusdain terris et munitionibus pertinentibus Imperio Romano, «juas Rex Bohemiae temere ac violenter jam dudumposse-dit, insuper Regem Romanum notabiliter contenmens, — besagen ganz richtig die Chronisten) und ihn auch wegen Ungehorsam und Verachtung des Reiches auf dem dritten Reichstage, der Länder Böhmen, Mähren und alles dazu Gehörigen verlustig zu erklären"). Darauf antwortete K. Ottokar: »haift schon die Fürsten und den „Kunig vorn, ich pin nu wol chomen zu den Jarn, daz ich mich »versinne, auf Flust und auf Gewinne, der Bodrung ist ain tail ,,ze vil; wenn ich sol, so wil ich Ew gern wisßen lan, waz Rechnens ich Han, auf alle diescwLand, dew jr mir vor habt genannt: ,,Ez ist wisßenlcich, daz mir auf Oesterreich mein fraw dew Ku-„nigin Margret dew Recht, dew sy darauf het, vor Pfaffen und »vor Layen gab: so sag ich Ew, daz vrhab, wie mir ward Steyr »vnöertan, mit meiner Hannt ich daz han den Ungarn ab erstri-„ten, vnd Han öarumb erliten manig Angst und Not." — 125 : 1) Anon. Leob. Anno 1274 : ,,Qui vix obtento secnritatis conductu ina-nitcr ad suos dominos sunt rcvcrsi.“ — Hagen. Anno 1274. — Pez. I v 1080. — Horneck. p. 123: „Der Pfalzgraff sprach: Ez muß vergolten werden mit sein selbs Pluet ob mich der Helle Glut ymmer scholde brennen!,( 2) Joann. Viet. ibid. p. 305 — 306. — Anon. Leob. Anno 1274: ,,Otto-kerus in suis juribus, officiis et feodis ab imperio dcpendentibus communi omnium sententia sunt damnati.“ 3) Anon Leob. Anno 1274 (1275;. — Lambacher. p. 149 (a). 366 Steiermark bis zum Eintritte der "ich wer oin verdorben Zag, wann ich ym zwai solhe Lannd durch "Foricht hinrz Swaben sankt alß Oesterreich ond Steyr; cz sol ..e manig GeyrCzzens werden gefrewk, ee er Mirs ab erdrcwt." — Nach Recht und Gewohnheit im deutschen Reiche blieb nun dem König Ottokar nichts weiter übrig, als binnen Frist von Jahr und Tag auf einer neuen Reichsfürstenversammlung sich persönlich zu verantworten und zu vertheidigcn. Noch einmal versuchte Papst Gregor X., aber vergebens, Unterwerfung und Versöhnung zu vermitteln Die Folgen der feierlich ausgesprochenen Neichsacht, und die Zukunft selbst fest im Auge, suchte K. Ottokar dieselben durch Furcht und Schrecken von seinen Ländern ferne zu halten, oder in ihrem Beginne schon niederzuschlagen. Alle geistlichen und weltlichen Männer von Würden und Macht mußten schwören, keinem, von wem immer gegen ihn gerichteten Befehle Folge zu leisten 1 2). Cr drohte jedem Uebertreter Städte, Burgen, Höfe und Leute mit Feuer und Schwert zu'vertilgen 3). Besonders ließ er allen Ministerialen und Eöelherren, von welchen er Zuneigung und Verbindung mit K. Rudolph wußte oder ahnte, seinen grausamen Grimm cmpsinöen: er behandelte ihre bereits festgesetzten Geißeln, Kinder und Angehörige, Burgen, Besitzungen und Un-terthanen mit der grausamsten Härte. Viele, wieHartniü vonWil-don, mußten Hab und Gut verlassen, und aus dem Lande fliehen 4). Der Erzbischof Friedrich von Salzburg war durch kirch- 1) Schreiben des Papstes in Sambacher, Anhang. 72. — Reynold, ad Annum 1275. 2) Erzbischof Friedrich von Salzburg in seinem Schreiben an den Papst. I 1276: „Postulavit etiam (Ottokarus) ut jure jurando et aliis diversis cautionibus caveremus eidem, quod nee ad mandatum sedis Apostoli-cae, ncc praetextu sententiae vel praecepti a quocunque hominum proferendi aüquid fecerimus, quod a proposito suo distaret.“ 3) Hagen. Anno 1274. p. 1086: „König Ottokar nahm hincz den einen grossen Archwonn, und alle Schlösser besetzt er mit Gästen.« — Unrest, Chron. Carinth. p. 503: „Kunig Ottokar wen große Orkwon zu alle den seinen und besetzt die Gschlvß Österreich und zew Steyr mit Pehajm, und seliche große Beschwering, die Kunig Ottokar den Sandtlewten beweißt, verpflichtendt sich die Sandtlewte zu Österreich und zu Steyr zu Kunig Rudolffe. Und da das K. Ottokar inne ward, da nam er von jedem ein Chindt zu Geyßl und legt alle auf ein Veste zu Pehaim.« 4) Horneck p.128: „Nu enwaiz ich nicht, waz man hat geprawen auf Hern Härtneid von Wildon, den sach man eil geben, daz Sannt dacz Steyr raw-ben, er foircht, wolt er sich sawmen, ez chem leicht von ym daz Mer als von dem Marnberiger. Darumb er nicht lenzer past, zu Kunig Rudolfen er rait; der enpheng jn halt wol, waz ein Mann reden sol, der umb Hilf gern wirbt, ich wen, daz dez icht da verdirbt. Er reit und pat fleissiggleich, daz der Kunig solt dem Reich disew Sannt in pringen: Herr, Habsburgischen Fürsten. J. 1246—1283. 367 liche Gewalt und Würde und durch politische Macht des reichsten Güterbesitzes in Kärnten und auf den steierischen Marken der einflußreichste Kirchenfürst. Diesen bedrängte er auf allen Seiten, und mit Erbitterung. AlS der Metropolit allen Lockungen und Drohungen, mit ihm ein Schutz- und Trutzbündniß wider Kaiser Rudolph zu schließen, unerschütterlich widerstand: mußte der steiermärkische Statthalter Milota Feuer und Schwert in die Salz-burgerlande tragen und alle Grausamkeiten daselbst verüben 1). Gegen solche gesetzlose Uebergriffe entwickelte der Erzpischof, in Treue und Ergebenheit an K. Rudolph bis zum Tode entschlossen 2), ungemeine Thätigkeit, gewann sich zahlreiche Anhänger, bewaffnete insgemein zahlreiche Vasallen und Hccrbannsschaaren, und berichtete dem deutschen Könige von Zeit zu Zeit alle diese Anstalten durch Briefe und eigene Sendboten 3). Ew mag nicht mislingcn, ob jrs slewechleichen tut, feint so dinsthastcn Mur, daz Lanntvolkch hat zu Ew. Herr, Herr Kunig, umb bero Rat ich Ew, daz ir gacht fr bedurft nicht grosser Macht, zu den die jr dort »inbet, bauen nicht erwindet, vnd wesst jr der Lannde Gut Ewr Sin und Ewr Gemüt liez euch der Raiz nicht enpern. Der Kunig sprach: ich tun gern, waz dem Reich nucz ist, paide nu und zu aller Frist." — Chron. Aastr. II. Anno 1275: „Item Hertnidus de Wildonia in Styria, Wernhardus de Wolfkerstorf in Austria- receptis occulte Rudolphi elect! literis et vana spe seducti regi Bohemian sc opposuerunt. Quos idem Ilex toto prosequitur nisu et obsedit: Nam heredes ipsorum , quos sibi prius obsides dederant, jubet machinis parentibus jacere ante ora, quo viso parentes, misericordia moti sunt, munitiones regi tradiderunt. Hertnidus vero de Wildonia receptis suis heredibus rclictisque hereditati-bus , metas regis Bohemiae sine spe redeundi penitus sunt expulsi» alii vero sunt regis gratiae reconciliati.“ — Anon. Leob. Anno 1275: „Bodem Anno Australes nobilem virum de Wolfgerstorf dirigunt ad Rudolphum ; venit et Hertnidus de Wildonia de partibus Styriae ad cundem, uterque suorum contribulium et terrae angariam deplorantes, regi inter caetera diccntes, cur torpeat et oppre.ssis tarn crudeliter per Otakerum non succurrat et regni justitiam non requirat ?“ — Horneck. p. 129: „Die Swer und die Annd lait Steyr und Oesterreich, Chrain und Kernden geleich. Da ward dacz Bolkch verjait in solhcr großer Zaghait, daz sy an srewden wurden krankch, daz sein Gevert macht so lankch Chunig Rudolf hernider.« t) Schreiben des Erzbischofs an K. Rudolph. Lambacher, Anhang, p. 84—86. — Hagen, p. 1086. 2) Lambacher, Anhang, p. 87: „Sed prius vita, quam fides mihi deficiet, nee a testimoniis tuis, in qnibus legem et fidem posui, declinabo ! — 3) Brief des Erzbischofs Friedrich an den Kaiser. Lambacher, Anhang, p. 86 —87: „Domine carissime, quidquid hactenus apud illos homines et eorum negotiis ordinavi, hoc fere totum per istius hominis, Notarii mei, ministerium exsequebar. Cujus diligentiam, quanta fucrit, com-inendant et probant opera veritatis. Hunc nunc ad vos mitte, ut ex suis sermonibus et aliis certis indiciis, quae vobis ostendet, et mei Inboris frequentiam et propositum illorum hominunt colligatis vobisque 368 Steiermark bis zum Eintritte der St. r^mbnA Sc- Indessen ertheilte K. Ottokar zu Brünn am 6. änu'fcfv8in®?^rcn' 1275 dem Stifte St. Lambrecht wegen dessen besonderer Treue und Ergebenheit (ob sincerae di-Iectionis affectum, quem erga nostram gern nt e.xeellentiam) einen Bcstätigungsbrief, worin er zugleich als Vogt alle Leute des Stifts in seinen besondern Schutz nimmt, und den Kastellanen zu Grazzlupp aufträgt, von dem Stifte, und besonders von dem Gotteshause Mariahof, alle Bedrückungen ferne zu halten und selbst keinerlei Anforderung zu thun '). Am 6. Jänner 1275 hatte K. Ottokar auch zwei Befehle an Milota, den Statthalter in Steiermark, und an alle Richter im Lande gesiegelt, alle Besitzungen und Rechte des Chorherrenftiftes in Seckau kräftigst zu schützen, und vorzüglich den Landrichtern und den Burggrafen Dietrich von Culm und von Offenburg aufzutragen, die Gerichts-emmunität desselben Stiftes über Besitzungen und Hörige im Landtheile zwischen der Graden und Ließing nicht verletzen zu lassen und das Stift in Ausübung des Gerichtsrechtes über des. sen Leute nirgends zu hindern oder zu beeinträchtigen -). Gleicherweise erließ K. Ottokar an den Burggrafen Dietrich von Of-fenburg und an die Bürger in Knittelfelü die Andeutung, daß er dem Stifte Seckau erlaubt habe, in der Bille Fcistritz bei Prank eine Taferne zu errichten und m unterhalten, zu in Ausschanke von Bier, Wein und Meth, welches Recht unverletzt zu lassen sey. Am 19. August 1275 hielt Ekkarö von Dobrenge auf Befehl deö Landeshauptmanns Milota öffentliches Gericht vor der St. Egy> denpfarrkirche zu Grätz mit Jring, dein Kanzler (Notario), und dem Mar schall Berwik. Heinrich von Massenberg in seinem und magis quam ipsis curctis prospicere, attendentes, sub quanto vitae suae periculo vestrae gratiae se submittant. Inter spem et metum fluctuant, et utinam despcratio, quam mora vestra posset inducere, illorum pauperum fiduciam non submergat. Quidquid ncglectum fue- i it hac aestatc, vix dc cetcro convalescet. Ecce quia propter te relin-quunt omnia, et se ipsos exinaniunt. Quid ergo eis eris ? Esto eis turn's fortitudinis a facie inimici. Hoc teneo tanquam certum et verum, quod omnes et singuli, qui ad te venient et venerunt, laetan-ter intrabunt tecum, et pro te mortis periculum subibunt nee si eos tecum mori opportucrit, te ncgabunt.“ *) Saalbuch von St. Lambrecht: „Datum Brunae. Anno 1275. VIII. Idus Aprilis.** 1 In diesem Jahre erlaubte auch Abt Gotschalk zu St. Lambrecht dem Ulrich Reisacher seine stiftischen Lehengüter in der Grazniz im Afflenz-thale dem Dietmar Märty, Sohn Dietmars des Aelteren von Strctwich auf Wiederlösung um 40 Marken Geldes zu verkaufen. *) Johan. Urk. — Dipl. Styr. I. 236: „Dilecto fideli suo Milota eapita-neo Styriae. Datum Viennae VII. Kal. Februarii. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 369 seiner Brüder Namen war erschienen mit Ortolph, Propst zu Se-ckau, um ihren noch fortwährenden Streit wegen der Waldungen in der Feistritz bei Prank entscheiden zu lassen. Jedoch das Gericht beschloß, vorerst noch eine örtliche Beschau vornehmen zu lassen, bis zu deren Beendigung aber den seckauischen Unterthanen das Holzrecht in jenen Forsten ungeschmälert zu verbleiben haben solle '). Von Azchoras erging am 30. August 1275 ein anderer Befehl K. Ottokars an den Landeshauptmann Milota, dem Stifte zu Rein die jährliche Rente, so demselben von einem Salzwerke in Aussee gebühre, aus das Genaueste bezahlen zu machen^). In diesem Jahre, 1275, stand der Erzbischof Friedrich in Fehde mit Engelschalk von Reichenburg. Bei der Sühne mußte dieser eidlich geloben, die ihm anferlegte Buße pünktlich zu leisten und sich auf jede Forderung des Erzbischoses zu stellen (Leibnitz 30. November 1275). Eben zu dieser Zeit gab Meinhard von Traberg dem Nonnenkloster zu Mahrcnberg Mauthfreiheit bei allen seinen Durchfahrten in Drauburg. Am 5. Dezember 1275 schenkte die Spitalmeisterin Mathilde dem Stifte Göß eine ewige Gültenrente in der Pfarre Bruck. Otto von Kammern war dabei Zeuge. Der ungemein ausgedehnte Besitz an Land und gitmi^'t $ein. Leuten auf den steirischen Marken, in Unter- und rich n. Oberüsterreich, in Baiern, im Salzburgergebiete, in Kärnten und selbst in Friaul hatte in der unheilvollen Epoche seit dem Tode H. Friedrichs des Streitbaren das Stift Admont mehr denn jedes andere vaterländische Stift den Uebcrgriffcn der Gesetzlosigkeit und den Räubereien der Eüelherren prcisgegeben. Die vielen , zerstörungsvollen Fehden Philipps von Kärnten * * 3), die Heerzüge K. Ottokars, die Last der, von ihm von Jahr zu Jahr-gesteigerten und durch alle Mittel der Tyrannei gehobenen Ab- *) Johanneums-Urkunde. s) Reiner Urk.: „Dilccto fideli nostro Milotae, capitaneo Styrlae — cum salina in Ausse fuerit de proprietate monasterii de Runa, ct ipsi 50 Marcos sunt annis singulis de eodcm ordinatae, tibi sub obtcntu no-strae gratiae prnccipimus firmiter et praecise, (juateuus Abbatem dieti monasterii facias in pecunia ejusmodi modis omnibus expedire. Nam in nulluni casum carere voluinus, quin Abbas et fratres monasterii supradicti in praefatis 50 Marcis expediantur.“ 3) Die Urkunden besagen c »Grosse Schaden und Beschwernuß — in Rapsen mit Prant, Raube», Mansiechten und Beraubens der Leut.« Gefch. d. läteiminut. — V. Dd. 24 370 Steiermark bis zum Eintritte der gaben, endlich auch Zwietracht und Gewaltthätigkeiten im Innern hatten dies Stift beinahe einer gänzlichen Auflösung zugeführt. Da drang in einem jungen Stiftspriestcr, Heinrich, Geist und Kraft hervor '). Dieser junge Mann stemmte dem zum Falle sich iuv genöen Hause mächtig und unerschrocken seine Schultern unter; und er hat nicht nur den Sturz gänzlich abgewcndet, sondern Admont auf eine hohe Stufe von Glanz und Wohlstand gehoben. Heinrich war auf einem großen Hofe zu St. Waldburgen bei St. Michael an der Ließing geboren, als Knabe in Admont erzogen, zum Priester geweiht und vergelübdet worden. Frühzeitig im wichtigen Amte eines Spitalmeisters (Hospitalarius) bewährte Heinrich solche Eigenschaften, daß er zum Oberverwalter aller Stiftsgüter ernannt wurde. Der Wohlstand des Hauses wuchs seitdem ungemein empor. Durch Alter und Krankheit geschwächt, entsagte Abt Albert freiwillig seiner Würde; und das Stiftskapitcl eilte, den kräftigen Heinrich zu seinem Vorsteher zu erwählen"). Dieser wird der Mann seyn von vorherrschendem Antheil und durchgrei fenüem Einfluß bei allen Begebenheiten in Steiermark bis zum Schlüße dieses Jahrhundertes! — Gleich im Anbeginne seiner Ab-tenwürde beglückte ihn der Salzburger Erzbischof mit Bestätigung aller, von den bisherigen Metropoliten dem Stifte Admont ertheil-ten Besitzungen und Vorrechte (Leibnitz, 9. November 1276), und mit einem offenen Befehle an alle Prälaten, Erzüialonc, Pfarrer und Kirchenvorsteher des gesummten Erzsprengels (20. Mai 1276), die aümontischen Priester, welche zu predigen ausgesenüet sind, um für den neuen Bau dieses Stiftes Beiträge zu sammeln, nicht ') Von diesem Manne schreibt fein Todfeind Ottokar von Horneck p. 170— 171: »Man gicht, daz er geporn sey von dem Lannd hie, vnd do er daz Allter vie, daz er felt wicz war nem, do liez er sich geczem Wicz in feiner Jugent, vnd aller der Tugent, die haben fol ein Chlostermann. Bnczt daz der Abt sich »er;an vnd auch die Sammung, daz derselb jung für fern all nucz wer, daz er wurd Chelner. Bei dem Ambt er sich enthielt, daz er fölher wicz wiett, damit daz Chloster ward entladen von Gelt und von grössten schaden darin sy gevallen waren vor bey manigen jarn von der Aebt Vnbcsichtichait. Nu phlag er grozzer Aribait, paide spat und srue, daz fl) yr Not »verwunden. Darnach in churczcn Stunden dazChlaster an Abt belaib, die maist Menig darczu traib, daz er zu Abt ward genom. Daz er dez ward vberchom daran geschach dem ©öfter wot, bey feiner Zeit ward so viel Chefsten und Keller , daz dez chloster Lcwt Heller nie wart feit der Zeit leng fainer Stifft angeng. Er fchuef dez Goczhaws frum, daz er von fcinn Weistumb weit ward erchant." Saalbuch III. 38. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 371 nur nicht daran zu hindern, sondern in Allein kräftigst zu unterstützen Bereits vertraut mit dem Charakter und den q, s. «re. Bestrebungen des K. Ottokars suchte K. Rudolph ~@ttierm“rfe'iilmm seine Macht zum bevorstehenden Reichskriege mit aller Kraft und politischen Klugheit zu stärken. Die Verbindung mit dem mächtigen und hvchangcsehenen Grafen Meinhard von Tyrol durch eine Hcirath zwischen dessen Tochter Elisabeth und dem kaiserlichen Prinzen Albert I.; die Versöhnung mit Herzog Heinrich von Baiern und die Verheirathung des Sohnes Otto mit der königlichen Prinzessin Katharina; der Bund zwischen den ungarischen Magnaten und dem Prinzen Ladislaus und Andreas, welcher gleichfalls eine Tochter des Kaisers zur Ehe erhielt, — und die Einigung mit dem mächtigen Patriarchen zu Aquileja 2) waren hierzu die klug berechneten und entscheidenden Schritte. Erzbischof Friedrich von Salzburg, mit Leib und Seele für K. Rudolph und dessen mächtigster Beförderer in ganz Jnner-österreich, erhielt in einem vertraulichen Schreiben des Kaisers die Mittheilung des bereits festgesetzten Kriegsplancs gegen K. Ottokar und die Bitte, dem Sohne Albrecht mit seinem Heere freundlichen Durchmarsch durch die Hochstiflsgebiete zu gewähren 3). Dagegen arbeitete aber auch Bischof Bernhard von Seckau mit Kühnheit und Nachdruck an Aufrechthaltung und Verstärkung der böhmischen Partei und Regierung im Lande Steier und Kärnten. In einer allgemein verbreiteten Schmähschrift verdächtigte er K. Rudolphs Charakter und Sache. Unaufhörlich eilten seine Sendboten an K. Ottokar. Der Erzbischof Friedrich, der mit Bischof Konrad von Freisingcn in die Steiermark gekommen war, dachte, ihn von K. Ottokar abtrünnig zu machen. Alle Warnungen und Drohungen jedoch waren vergeblich; und Bischof Bernhard schalt ------------------- 24* ') Adm. Urk. C. 4. A. 101. 2) Lambacher, Anhang. Schreiben K. Rudolph y. 90—98. 3) Lambacher, Anhang, p. 88—89. Von diesem Erzbischöfe sagt K. Rudolph in einer Urkunde, Wien 21. Juli 1277: „Dictus yrinceys post divei-sa pericttla et labores plurimum sumptuosas, quibus se suamque eccle-siam pro salvam a republica infatigabilitcr oneravit, non contentus obsequio quod Romano Imperio in persona nostra devotus exhibuit. — Damna, quae pertulit, labores, quos sustulit, graves sumptus, quos fecit, pro honore Imperii.“ — Nachrichten von Juvavia, Abhandlung, p. 384—385 (c). 372 Steiermark bis zum Eintritte der vielmehr den Erzbischof einen Verräther und Aufwiegler. In seinem Schreiben on K. Rudolph schildert der Erzbischof die Handlungen des Bischofes Bernhard folgendcrmassen: »Wisset Herr, daß un-„ser Suffragan, der Bischof von Seckau, wider unfern Willen und »unsers Berbothes ungeachtet, Gott und uns zuwider, Gesandtschaf-»ten empfängt, mit Hintansetzung der Ergebenheit gegen die römische »Kirche, durch welche er an Euch und an Uns gehalten wird. Als „jüngst dieser Bischof bei Uns durchreiste, habe ich ihn darüber »brüderlich und heimlich zurechtgewiesen. Er aber mit kühner Verachtung unserer Zurechtweisung ist in Gegenwart vieler und ho-„her Herren gegen Uns und Unfern Bruder Konrad in thörichte »Reden losgebrochen und hat behauptet, wir Beide hätten Uns „in die Länder seines Herrn, des Königs, aus keiner andern Ur-»sache begeben, als um da demselben Alles oerrätherisch und zu „Euren Gunsten in Verwirrung zu setzen, und er hat so zahl' »reiche Gönner und Beförderer seiner Faktion gegen Uns aufge-„mfcn, daß wir aus jenen Lanütheilen auf Abwegen, zum großen »Schimpfe unsers Namens, wieder zu weichen gezwungen waren. „Eben dieser Bischof, ruhmredig sich prahlend über gewisse thö-„richte Reden auf dem Reichstage zu Augsburg, zieht nicht nur »Laien von der Ergebenheit gegen Euch ab, sondern er muthet »Clerikcrn und Religiösen zu und drängt sie, nicht nur gegen üaö »Reich, sondern auch gegen den apostolischen Stuhl sich zu empören. Unser mit Bitten vereinter Rath geht demnach dahin, daß „Ihr mit aller Mühe daran denket, dem genannten Bischöfe, wel-„cher allein aus allen Suffraganen und Prälaten sich erhebt und »erfrecht und Andern Gelegenheit zur Verirrung gibt, durch die »Wirkung strafenden Vorganges zu zeigen, wie unüberlegt es sey, »so gewaltig und frech die Römische Majestät zu beleidigen. Denn »wir sind überzeugt, wenn Ihr dem Kinnbacken seines verwegenen »Mundes einen Zaum werdet angelegt haben, auch die Hände und »Lippen der Uebrigen, thöricht sich auf der Gegenseite Erheben-„den, zur Ruhe begeben werden ’)•" *) vambacher, Anhang. ,>. 106—107. „Am 21. Jänner 1276 hat Wernher, Ritter von Leibnitz zugenannt, mit Zustimmung seiner Kinder: Friedrich, Adelhaid und Richiza, viele seiner Eigengüter dem Stifte Seckau geschenkt zu immerwährendem Dienste. Weiters für dargegebene Geldsummen zum Ankauf- eines Gutes in Strelz wurde dem Ortolph von Meigerstorf und seiner Gemahlin Elisabeth volle geistliche Brüderschaft und Bcgräbnißstätte in Seckau — von dem Propste Ortolph und dem Stiftskapitel zugesichert.« Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 373 Allein kaum hatte Bischof Bernhard Sie gewisse s. nn. _ 3 11 Bischof Bernhard Kunde erhalten, daß K. Rudolph sich mit dem Bai- »o«Deckau geht crnherzoge nicht nur gesühnt, sondern auch durch die Ä LtLht utHr' Bande des Blutes aus das Engste verbunden habe verließ er sogleich K. Ottokars Partei, unterwarf sich freiwillig dem Oberhaupte des Reiches und trug seine Hülse zur Versöhnung K. Otto kars an. K. Rudolph ließ, in politischer Weisheit, Gnade für Recht und Verzeihung ergehen und versicherte dies schriftlich; worauf Bischof Bernhard in folgendem, mit bildreichen, biblischen Ausdrücken durchwebtem Schreiben seine Schuld und seine Gesinnung an den Tag legte: »Wiederaufgelebt hat mein Geist, erweckt durch die Freude „unerwarteten Frohlockens; und mir, der ich in Finsternissen und „in Todesnacht saß, schien ein Licht vom Himmel zu kommen. Nach-»dem aus der Mitte hinweggetrieben sind die Nebel des Grolles, »welche die Schmiede des Nordens mit ihren Blasebälgen herein-»gcblasen hatten, erfreue ich mich, daß so unerwartet der Licht-»glanz Eurer Durchlauchtigkeit mir entgegengelacht hat. Ich halte »fest und umfasse über Gold und Topas Euer Schreiben, wel-»chcs mir der Engel des Friedens gebracht hat, worin ich bekenne, »den Oelzwcig vom Schnabel der Taube, wie dem, auf der Fluth „umgetriebenen Noah dargereicht, empfangen zu haben; endlich ist »mit der Gnade des Herrn eine große Freude, wie beim Hahnen-»rufe die Hoffnung, wiedergekehrt; wieder zurückgeströmt ist Heil „dem Kranken, wieder gegeben Gesundheit dem Halblebenücn. „Uebrigens ist ungemein verwirrt meine Seele, weil Eure Gewo-„genheit gegen mich aufgeregt, und Cure Milde erzürnt schien, »Dieß schreibe ich allein zur Last meinen Vergehungen, womit ich „Euern Zorn verdient, und Eure Gnade vermindert habe, indem „über mich Euer Zorn und Schrecken solchergestalten gekommen »ist; weßwegen ich auch Niemanden anklagen kann, als mich selbst, »der ich unverhohlen bekenne, gesündigt zu haben! Ich aber, was »ich immer in jenem Werke (Schmähschrift, libello) oder in mündlicher Aeußerung vergangen habe, wodurch Eure Güte entweder „erzürnt, oder Eure Huld vermindert worden ist, unterwerfe mich „durch Genugthuung Eurem freiwilligen Ilrthcile, in wie ferne Ihr »auf billige Wege des Urtheils das Gericht der Prüfung halten, Hist. Austr. Froher. l 327. — Colmar. Austr. II. 43—45. 374 Steiermark bis zum Eintritte der "dadurch dem Bekennenden verzeihen, und dem Unschuldigen im »klebrigen diese Beleidigung nicht anrechnen werdet, und es soll »wehen der Südwind, welcher den Topf des Grolles, der durch »den trügerischen Nordwind entzündet worden, mit dem Hauche »milderer Luft erquicken soll, und mitten in das Schlafgemach Sa-„lomos die Ruhestätte des Friedens versetzend, in die Ebene stiller »Ruhe das Ungewitter Cures Gemüthcs zurückbringe ')•" — Sogleich bediente sich K. Rudolph des großen Einflußes und der un-gemeinen Thätigkeit dieses kenntnißreichen und staatsklugen Bi-schofes; der auch von nun an fast in allen Majestätsurkunden als Zeuge erscheint und unerschütterlich an des Kaisers Seite blieb. Während sich aus den Ruf des K. Rudolph ^men'toertcn " öec Heerbann des ganzen deutschen Reiches zu einem Steiermark^ vertrie- mächtigen Heere versammelte, schaltete K. Ottokar noch ungehindert in den österreichischen Ländern. Zu Prag am 24. Februar 1276 siegelte er eine Urkunde, worin er dem Bischöfe Dietrich und dem Hochstiftc zu Gurk den rechtlichen Besitz des Schlosses Auöcrburg bestätigte, die widerrechtlichen Ansprüche Siegfrieds von Minchendors zurückwies und ihm ewiges Stillschweigen auserlegte 1 2). Seit dem Reichstage zu Augsburg war nun am 15. Mai 1276 Jahr und Tag verstrichen. K. Ottokar gab weder Antwort noch Rechtfertigung. Auf einem neuen Reichstage, wo K. Rudolph im vollen Glanze und in der höchsten Würde der Majestät erschien, ward daher die Aberacht über den ungehorsamen König ausgesprochen und von allen Reichsfürsten der Rcichskrieg (bellum publicum) gegen ihn beschlossen 3). Im September erhob sich K. Rudolph mit dem Reichsheere; er selbst wollte geradezu in Oesterreich eindringen; Graf Meinhard von Görz sollte Kärnten nehmen und von dort, vereinigt mit seinem Bruder Albert und dem Patriarchen von Aquileja, durch die Stei- 1) Lambacher, Anhang. ,>. 207—209. Der erste Brief des Bischofs Bernhard an K. Rudolph ist nicht mehr vorhanden, so wie auch die Schmähschrift selbst nicht. 2) Gurk. Uff. 3) Schreiben des K. Rudolph an Papst Johann XX. — Lambacher, Anhang p. 104—106: „Povro sanctitatem vestram nosse cupimus, quod — totius Impevii Romani Principcs pro recupcratione rernm, jurium et bonorum Imperii favorabiliter nobis adstant, ipsoi-unique consilio, viribus et auxilio fortiter accingimur ad debellandum — Regem Bohe-miae, nostrum et sacri Romani Imperii contemptorem injuriosum, multorüm Principatuum detentorem.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 375 ermark Vorbringen und unter den Mauern Wiens sich mit ihm vereinigen. Bereits hatte Erzbischof Friedrich in allen Kirchen des ausgedehnten Sprengels von den Kanzeln zu verkündigen befohlen, daß alle den Lanöesbewohnern von K. Ottokar wider Kaiser und Reich erpreßten Eide ungiftig, und daß überhaupt seit dessen Achts-erklärung alle Unterthansverhältnisse gegen ihn aufgelöst gewesen und nichtig seyen: ja sogar in den Bannssuch verfalle, der unter dem Dorwande solchen Eides bei der Anhänglichkeit an den Böh-menkönig verharren werde ’). Durch diese kirchliche Anordnung wurden säst alle noch übrigen Anhänger K. Ottokars gänzlich niedergeschlagen 2). Am 26. September stand K. Rudolph mit dem Rcichshcere zu Passau; die Grafen Ulrich von Heunburg und Heinrich von Pfannberg aus Steiermark waren schon in seinem Gefolge, so wie der Erzbischof Friedrich von Salzburg und der Bischof von Chiemsee. Am 10. October fiel die Stadt Linz in seine Hände ; bald darauf überlieferte ihm Konrad von Sum-merau am 14. October die Stadt Enns, und am 18. October stand das königliche Heerlager vor der eingeschlossenen Stadt Wien *). K. Ottokar war diesem Zuge auf dem linken Donau-nser gefolgt, und sein Heer lagerte sich von Freistadt bis Drosendorf an der Theia und Neuburg 5). Am 2. August 1276 hatte er noch aus Prag einen Bestätigungs- und Schirmbrics für das Katharinenstift der Chorheercn in Stainz erlassen °). Die letzte Urkunde K. Ottokars für Steiermark sollte aber die Stadt Judenburg aus Prag 7. September 1276 und in derselben das Vorrecht erhalten, daß die aus Italien nach Judenburg foinmeiiöen Kaufleute ihre Waaren Niemand andern, als den Bürgern dieser Stadt verkaufen dürfen bei 10 Marken Strafe, wovon fünf •) Lambacher, Anhang, p. 109 — 110. ■-) ohron. Austr. plen. Anno 1270: Quem Rudolfum Ministeriales solein-niter et honorißce recipientes — adhaescrunt Riidolfo regi, oblitique sunt pacti et jurisjurandi, quod pepigerant cum eo, posthabitis lie-redibus eovum, quos ei in obsides tradiderunt, ac per consilium et informationem Praedicatorum ac minorum fratrum et (otius cleri qui auctoritatc Papae tollentes juramentorum scelera omnes regem Rudolfum in Dominum rcccpcrunt.“ i) l.udewig, Reliq. IV. 234. — Urk. im Lager bei Linz. '>) Austr. Hist. ibid. ;p. 328. ■•) Rauch, Oesterr. Gesch. III. 532—560. 6) Stainzer Saalbuch. 376 Steiermark bis zum Eintritte der Dem Richter zufallen sollten *). Inzwischen durchzogen böhmische Königsbotcn ganz Jnnerösterreich und riefen die Bevölkerungen zu einem allgemeinen Aufgebot und Zuge zum böhmifchen Heere, wiewohl ohne allen Erfolg, auf * 2). Denn Graf Meinhard von Tyrol, bereits zum Reichsverweser in Kärnten, Krain und Steier. mark ernannt 3), kam gleicherweise mit Heeresmacht herangczogen, ward aller Orten mit Jubel ausgenommen, erstürmte alle von böhmischen Hauptleuten besetzte Burgen und befestigten Orte, und vergrößerte sein Heer durch zahlreichen Zuzug der Landesstände, der vordersten Edelheeren und Ministerialen in Kärnten und Krain4). Jedoch in Steiermark kostete es größere Anstrengung und Kämpfe. Grätz, Judenburg, Neumarkt, Eppenstein, Wasserberg, Offenburg, Wildon und viele andere Burgen und andere Orte waren mit starken böhmischen Besatzungen in der Hand des Statthalters Mi. lota, seiner Hauptleute und Anhänger. Hcrranü von Wildon, vor Ä. Ottokar aus dem Lande ssüchtig, war jedoch aus dem kaiserlichen Hossager in die Steiermark herbeigeeilt und hatte einen allgemeinen Aufstand gegen die böhmische Herrschaft im ganzen, über K. Ottokars Tyrannei längst schon ergrimmten und verschworenen Lande hervorgerufen 5). Die Vordersten der Landstände, Ministerialen und Edelherren von Steier und Kärnten versammelten sich am 19. September 1276 im Stifte zu Rein, und namentlich die Grafen Ulrich von Heunburg, Heinrich von Pfannberg, Friedrich von Pettau, Wulssng von Stubenberg, Herrand von Wildon, Hartnid von Stadek, Otto von Lichtenstein, Gotschalk von Neidl- *) Seltner, Monographie von Judenb. p. 4 — 5: ,,Quod Lombardi seu Latini ad dietam civitatem in Judenburch mercimonia deferentes, eadem nulli hospitum venders andeant, sed solummodo civibus snpradictis.“ 2) Boehmer, Fontes. I. 5: „Hortatnr nuntios — nt pervadant partes Au-striae, Karinthiae, Styriae — et denuntient omnibus nobilibus flrmi-ter in mandatis, ut visis literis et perspečtis — se praeparent et mu-niant et venire secum non negligent contra regem Romanorum.“ — Chron. de Gest. Princ. p. 3) Horneck. p. 130. 4) Anon. Leob. Anno 1276. 5) Wahrscheinlich war Herrand von Wildon zur Unterhandlung mit den steirischen Landleuten ober Ständeg, von K. Rudolph ebenso schriftlich bevollmächtigt worden, wie Ulrich, Kapellan in Oesterreich (im Lager bei Enns, 15. Ott. 1276). — Archiv für Geogr. Kaltenbäck. III. 201. — Anon. Leob. Anno 1275: „Ad jussum etiam Regis Meinhardus, comes de Tyrol, Carinthiam intravit et Styriam, et occurs» nobilium civitates ct populum ad regis voluntatem celeriter inclinavit. — Vien-nenses, auditis novis, quod Carinthia et Styria se submiserunt.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 377 berg, Hartnid und Ulrich, Schenken von Ramerstein, Offo von Teussenbach, Kolo von Selöenhofen, Gottfried von Truchsen, Kolo von Marburg, Hartnid von Leibnitz, Wilhelm und Heinrich von Schärfenburg ’), Diese Männer und Stände gelobten sich, als des römischen Reiches Vasallen und Getreue, eidlich und ein« müthig, dem K. Rudolph mit Leib und Gut so zu dienen, daß, würde auch Einem von ihnen Belagerung oder eine andere Gefahr bevvrstehen, sie alle zu dessen Befreiung zusammenstehen und sich nicht anders als im Tode trennen wollen. Würde einer an diesem, freiwillig von ihnen eingegangcnen Bunde zum Derräther werden, so sey derselbe meineidig, rechtlos und verflucht, und dessen Lehen, die vom Reiche herrühren, soll der römische König einzicheni — Dieser beschwornen Einigung folgte sogleich die That. Graf Heinrich von Pfannbcrg stürmte und eroberte die Stadt Judenburg; Dietmar von Gail das Schloß Wasserburg, und Herrand von Wildon Eppenstein. Aus Neumarkt wurde» die böhmischen Hauptleute Hartlieb und Dietrich von Brichs, die Burggrafen Jungrcich aus Offenburg und Schauchwink aus Kaisersderg vertrieben und die Schlösser dem Grafen Meinhard überliefert Rach längerer Belagerung ffcl endlich auch die Stadt Grätz mit dem Schlosse; und der Statthalter Milota konnte sein Leben nur durch heimliche Flucht retten. Sogleich schlossen sich die Stände, alle Ministerialen und Edelherren mit ihrem Heerbanne, Hartnid von Wildon mit 100, der alte Friedrich von Pettau mit 200/ Graf Heinrich von Pfannberg mit 300 Reisigen an den Reichs-verweser Grafen Meinhard an, und zogen fort nach Wien in 4) Urk. des k. k. Hausarchivcs in Rauch's Oesterr. Gesch. III. 560: „Nos jjrofitemur, quod jus, quo sacro Imperio astrieti existemus, utpotc Vasall, ipsius imperii, et fideles, ex merito intuentes, voluntarie — Domino nostro Rudolfe — serenissimo Regi Romanorum — jurats spo-pondimus unanimiter famulari — adjccto, quod in omnem eventum rebus pariter et personis, imo si quod absit, ex nobis alicui obsidionis vel alias quomodolibet pcriculum iinmineret , non separabimur ab in-vicem nisi morte, sed liberation! ejusdem afflicti concorditer intende-mus etc. Datum apud Runam. Anno 1276. XIII. Kal. Octobris.“ — Gerbert, Cod. Epist. Austr. Dipl. 199. — Böhmer, Reichssachen. 123. 2) Horncck. p. 130 — 131. — Chron. Neuberg. Rauch. Anno 1276: „Sciendum tarnen est, quod post introitum regis Rudolfl propter obtinenda c astra et munitiones per Austrian] et Styriain et Carinthiam et Car-nioliam multae villas penitus sunt devastatae.“ 378 Steiermark bis zum Eintritte der das kaiserliche Reichsheer ’). Auch Abt Heinrich von Admont war mit den Vögten und Heerbannsschaaren des Stiftes im kaiserlichen Lager erschienen. Schon am 30. Ortober 1276 hatte er einen bestätigenden Majestätsbrief über die stiftischen Diplome K. Friedrich I. (I. 1184) und Friedrich II. (I. 1235) von K. Rudolph erhalten 2). Der ungemein schnelle und vollendete Erfolg des Reichsheeres, die Besiegung und Vertreibung aller böhmischen Schaarcn und Hauptleute aus Kärnten, Steiermark und Krain, der allgemeine Grimm gegen die Herrschaft der Böhmen, die Begeisterung der Provinzen für das rechtmäßige Oberhaupt, für Gesetz und Recht des römisch deutschen Reiches., und die zahlreichen, muthvollen Krieger aus ganz Jnnerösterrcich, welche König Ottokar von seinem Lager aus überschaute und hörte, machten auf ihn einen erschütternden Eindruck. Gewiß ganz übereinstimmend mit der Lage der Dinge selbst ist folgende Schilderung in der Chronik Ottokars von Horneck, und die Zweisprache des K. Ottokar mit feinem biedersten Freunde, dem staatsklugen Bischof Bruno von Olmüß. „Die Steyrer pegundcn piten den Kunig, alz er jn ee gehiez, „er schuef, daz man jn wider liez ir Geisel, din dacz Pehaim wern. „Und üo der Pehaim chom gevarn her ze Nurnberig an das Ur-„far, nu chom auch Kunig Ruedolf dar, als er jn wolt cnphahen; „nach jm beguud gahen die Steyrer all besunder. Den Kunig von „Pehaim nam wunder, wer die grvsßcn Schockch wern; von den „Steyrcrn pat er jn sagen mer, wer yegleicher wer. Pischof Prawn „jm sew nant, enhalb der Tunam auf dem Lannd alle weil ja; „er, die weil man ober daz Wasßcr sein Geftnd furt. Der Mar-„schalich von Steyr rurt zu nägst nach Kunig Ruedolf; zu dem „Kunig sprach der Pischof: Secht jr den, der öo reit? Daz ist „von Wildon Herr Hertneiü; der hat hie mer denn hundert Man. „Ich waiz wol, da er nie gewan, sprach der Kunig von Pehaim, ') Unrest. Cliron. Carintli. p. 503: „underwant sich Graf Meinhard von Tyrol zw K. Rudolfs Handle aller Stell und Vesten gelegen in Kernden und Steier und wurden all Pehaimisch Verweser aus dem Lande vertrieb», und in dem Lande berazt sich reich und arm K. Rudolf» zu helfen und mit den zog Graf Meinhard zw K. Rudolfu in Wien.« ') A. 76. (A. 74. 75.) : „Datum in castris apud Viennam III. Kal. No-vembr. Anno 1276.“ - Horneck. p. 132: „Daz Haws (Schloß zu Grätz) besaczt Graf Meinhart mit dem beratet sich geleich paide Arm und Reich, waz man in dem Lannd werleichs erchannd, die sawmpt sich d'hainer nicht, Sy furn mit ym all geeicht hincz Bienn zu Kunig Ruedolfen.« 379 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. "do ich waz jm gar gehaim in meinem Dienst vber dreysikch. Do »waz er sein nicht steisßikch, als er sein nu gewesen ist, sprach der »Pischos an der Frist. Mit einer Schar wunnichleich von Pfann-»berig, Graf Hainraich, Chunig Rudolfen volgt mit. Wer der wer, »der dort rit, dez fragt Kunig Ottakcher. Daz ist von Pfannberig „der watcher, sprach der Pischos Prown. in hat nicht dez gerown, "waz er wider Euch getan hat. Wol örewhunüert Man er hat »durch Ruedolfs Ere, er ze Dinst mir nie ze mere gerann vber »Hundert, davon mich ser wundert, wo sy die Seiet haben genomen. »Dil schir fach er zu choinen, den von Pettaw, der Kunig sprach: »Schaw, Herr Pischos, wer ist der, der dort drabt her? Er »sprach: Herr, specht, den jr dort chomen secht, da; ist von Pet-»taw der Alt. Mir sait, der fern zalt, vnd der fern sunderleichen »acht, da; er zway Hundert pracht wol beraitter Serai. Der Ku-»nig sprach: Ich siech hewt, daz ich dafür hiet gesworn. In muct »aller erst, daz er het verlor» vil manigen Man, als er üo sach. „Nach dem selbing waz gach von Sichtenstein, Herrn Olten; mit »erbern Rotten. Chom er und der Stubenberiger. Ich hört auch, »daz da wer von Seldenhofen Her Chol. Der Kunig sprach: ich »gelaub wol, ez sey dacz Steyr hewr von guts Wetter stewr die »Serot hersür chrochen mit den Maurochen, vnd an dein Pawin »gewachsen. Pischos Prown von Sachsen sprach: Herr Kunig, »jr schult wisßen, daz sy sieh nicht haben! geflisßen Ewrs Dienst pa;; »daz macht grozzer Haz, den sy Ew tragent von schulden. So sy »in Cwrn Hulden aller pest wesen wanten, so hieß jr fern pan-»ten, vnd schemleich hanndlen. Wer mit jn well wanndlen, der laist »jn, daz er jn gelob, vnd feqt jn nicht vil ob Frümder hals Her-»ren. Wer jn will verchern jr altera Recht, die jn haben! gemacht »stecht die Fürsten pider und watcher, von Steyr Markgraf Ot-»takcher, und Herczog Sewpolt: dem werden sy nymer hold; auch „wirk der Dienst nymer gut an willigen Mut, vnd daz daz war „sey, Herr Kunig, daz prueft dabey, daz sy habent verstozzen einen „Kunig so mechting und grozzen, vnd sich darumb habent verrzi-„gen ir Kind, die hie gevangen ligen, üorczu Seibs und Gutß. »Jr wart warn zorniges Muts, wenn ich Ew vorsait von öisen „Dingen die warhait vnd die ganczen sticht, so gelaubt jr mir sein „nicht. Nu secht jr sews erfüllen Horneck. p. 134 —136. — Anon. Lcob. p. 845. — Hist. Austral, ibid, p. 328. 380 Steiermark bis zum Eintritte der Fri°d°n zwischen jt. 3» solchen Gefühlen, und andringlich berathen $motar I 2 3\vcT*cv?' ^urch Bischof Bruno, brach K. Ottokar seinen Sinn, Oesterreich, Slcier. und ließ durch eben diesen Kirchenfürften bei K mark, Jtdrnten und . . , , . . .. „ Krain abtritt, Rudolph friedliche Suhnung vermitteln '). Diele wurde auch durch einen, von Schiedsrichtern auf der Donauinsel Camberg verhandelten und festgestellten Vertrag am 21. November 1276 zu Stande gebracht. Die das Land Steiermark und dessen Bewohner betreffenden Hauptpunkte desselben waren folgende: «In dieser Frieüenseinigung sind alle Diener und Untertha-„nen beider Könige begriffen, und was in Burgen, Vesten, Beositzungen und Leuten Jedem derselben widerrechtlich ist genommen „worden, soll vollkommen wieder zurückgestcllt werden"). Auf die „Reichsländer Oesterreich, Steier, Kärnten, Krain und Portcnau „und alle vermeintlichen Rechte darauf leistet K. Ottokar gänzlich „Verzicht, und alle Beschwerden, welche Ottokar auf die Besitzun-„gen und Leute des Erzbischofs von Salzburg, der Bischöfe von ,'Freisingen, Brchen, Scckau, Gurk, Lavant, der Grafen, Freien, „Dienstherren u. s. w. in denselben Ländern gelegt hat, sollen ab-«gethan und nichtig seyn ü). Alle Geißel und deren Bürgen, so „aus den Ländern Oesterreich, Steier, Kärnten, Krain in Haft „K. Ottokars sich befinden, sollen sogleich frei und ledig gelassen 1) Chron. Austr. plen. Anna 1276: „Cum autem Rex Bohemiae tcrram praedictam defendere non posset, excrcitus autem Regis Romanorum adcresceret per Styrenses et Karinthinos, ipse — demum per arbitros.“ — Anon. I.eob. Anno 1276: „Ottocarus se videns orbatnm, Regis Colloquium per Brunoncm Episcopum effeetavit.“ 2) Rauch, Script. Austr. Chron. Austr. II. p. 360 — 369. III. p. 46. — Anon. Leob. p. 845. — Pertz, IN on. Germ. Histor. IV. p. 407 — 440. •— Lambacher, Ainhang. p. III : ,,Pax firma et sincera reconciliatio, sine qualibet captione et servitorcs utriusque regum — huic paci et con-cordiae ac reconciliation! cum sinceritate firmissima includantur, ca-stris eorum, munitionibus, possessionibus et hominibus ab alterutro Regum vel a seipsis contra jus ablatis cum integritate debita resti-tutis.“ — Histor. Austral, ibid. p. 328. 3J P. 111 — 112: „Dominus Bohemiae cedat simpliciter et praecise omni juri, quod habebat vel habere videhatur, in terris et hominibus, cujus-cumque conditionis existant, Austria videlicet, Styria, Carinthia, Car-niolia, Marchia — et portus Naonis — non impediat Archiepiscopos, Episcopos, Comites, Barones, Ministcrialcs etc. — castris, munitionibus, possessionibus, juribus, hominibus, sitis in terris superius no-minatis.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246— 1283. 381 »werden '). Endlich sollten alle Notarien, Kapläne und Cleriker, »welche in Oesterreichs Steiermark u. f. to. durch K. Ottokar zu »geistlichen Pfründen und Besitzungen, welche nach kirchlichem Rechte „auf Lebenszeit pflegen ertheilt zu werden, gelangt waren, auf »demselben ohne ihr Berschulden nicht gekränkt, so noch außer dem «Wege des Rechtes, ihrer Pfründen nicht beraubt werden Am 25. November 1276 erschien hierauf K. Ottokar selbst im Lager des Kaisers, und nachdem er auf Oesterreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Portenau feierlich Verzicht geleistet, und dem Kaiser Gehorsam, Huld und Hilfe für die Zukunft geschworen hatte, empfing er aus K. Rudolphs Händen die Belehnung mit Böhmen, Mähren, und Allein dazu Gehörigen — nach Sitte und Gewohnheit im römisch-deutschen Reiche; wobei neben den andern zahlreichen geistlichen und weltlichen Reichösürsten auch der Erzbischof non Salzburg und die Bischöfe von Gurk, Lavant und Seckau Zeugen gewesen sind 3j. Hierauf berieth K. Rudolph in der Stadt Wien4) in großer Versammlung der Reichsfürsten, der Stän-de, der Ministerialen und vordersten Edelherrcn von ' t«n geboten. Oesterreich, Steier, Kärnten und Krain, die Wie- ') Ibid. p. 112: ,,Itcm pronuntiamus liberos et solutos omnes utriusque partis obsides et captives et fidejussores quocumque nomine censean-tur, nuncupentur.“ — Hagen, Pez. I. 1088: „Die Steirer baten K. Rudolph, daß er ihre Kinder, die sie zu Geißel gesetzt hatten, von K. Ottokarn ledig machet.« — Unrest. Chron. Carinth. p. 505 : „und K. Ottokar schwur, daß er der Steirer Kinder, die sie Ihm zu Geißl versetzt het-ten, am Verzieh» ledig ließ.« z) P. 113: „— — Capellani, et alii Clerici in terra Austria et Styria et alibi ecclesias et ccclesiastica beneßcia vel possessiones alias obtinentes contra jus nullatenus offendantur, vel suis possessionibus contra juris ordinem spolientur, imo in sue jure , favore et gratia Regis dcfendantur. Datum in Castris ante Viennam. Anno 1276. X. Cal. Decembris.“ Die beiderseitige Satisfaction dieses Friedensvertrages erfolgte am 26. November: „Actum et Datum in castris ante Viennam. Anno 1276. VI. Kal. Decembris.“ - Rauch, Oesterr. Gesch. III. 590 —591 (3). 3) Horneck. p. 136 — 137. — Hist. Austral, ibid. p. 328. — Belehnungs-urkunde. Lambacher, Anhang, p. 114-115: „Datum in Castro ante Viennam VII. Kal. Decembr. Anno 1276.“ - Brsssf des Erzbischofs von Salzburg an den Papst p. 115-117: „rcsignatis prius obsidibus, ci-vitatibus, castris, et oppidis universis, quae dictis principatibus atti-nebant!“ — Chron. Austr. plen. Anno 1276. — Anon. Leob. Anno 1275. '0 Bei dem ersten Einzugs K Rudolph in Wien deutet Hagen, Pez. I p. 1087 auf eine förmliche Huldigung hin: „Do wurden zu Wien ausgelesen die Weisesten, die über einkommen, daß ihn K. Rudolf sollt vcrbriefen und verhandvesten, das sie bei alten Gewohnheiten und Rechten fürbaß bleiben. 382 Steiermark bis zum Eintritte der derherstellung und Befestigung der Ruhe und Ordnung in diesen, seit dreißig Jahren so sehr erschütterten Reichsprovinzen. Rach übereinstimmendem Spruche derselben ließ er am 3. December 1276 in den bezeichneten Ländern einen allgemeinen Landfrieden gebieten. Er setzte darin fest, über alle Beschädigungen, welche vom Anfänge des Krieges oder vom 24. Juni bis 6. December verübt worden sind, lelbst Untersuchung und Richtspruch zu thun; und daß Jedermann die Bortheile dieses Landfriedens und der darin in bürgerrechtlicher und peinlicher Hinsicht ausgesprochenen Der-Tilgungen genießen solle, welcher diesen Landfrieden selbst bis zum 6. Jänner 1277 beschworen haben werde. Da diese Urkunde einen Theil der steiermärkischen Landhandfeste bildet, so folgt sie hier nach ihrem ganzen Inhalte: „Wir, Rudolph von Gottes Gnaden Römischer König für „immer! Im Bestreben den guten alten Stand herbei zu führen, «das sich Ergebende i» Besseres zu umwandeln und Jedermann sein „Recht zuzutheilen, wie es der kaiserlichen Majesiät zusteht, befeh---len wir, die Art und Weise des Friedens nach dem Rathe der „geistlichen und weltlichen Fürsten, Grafen, Freiherren, Ministe-„rialen der Länder Oesterreich, Stcier, Kärnten und Krain fünfzig nach dem unten vorgclegten Inhalt genau zu beobachten. Was „immer für Beschädigung geschehen ist, zur Zeit unfers Krieges „nämlich, und des berühmten Königs der Böhmen in öffentlicher „Fehde, entweder auf unfern Befehl oder aus eigenem Antrieb „unserer Diener, nämlich vom Feste der Geburt Johannes des „Täufers im Jahre 1276 bis zur Verlautbarung des Gegenwär-„tigcn, über dieses zu urtheilcn sollen die Richter keine Gewalt „haben, sondern es soll in unserer Gnade liegen, wie wir unsern „Dienern ihre Beschädigungen ersetzen werden. Wenn Diener un-„ser Beider sich gegenseitig beschädigt haben, über solche Schäden „zu richten nach der bisher bewährten Gewohnheit des Landes — „sollen die Richter Macht haben. Gleicherweise sollen die Richter „Gewalt haben zu richten über den an Klöstern, Wittwen, Waisen „und Spitälern zugefügten Schaden, welche an diesem Kriege nicht „Theil gcnommcn.haben, mit dieser beigefügten Beschränkung, daß „die genannten Personen sich nicht hart und unnachgiebig bezeugen Das also der König that. Da ward er zu Wien in die Stadt gelassen, und da schwuren ihm die Wiener, Ocsterrcicher, Steyrer, Kärnthner, das sie ihm getreu wesen sollen und gehorsam.« — Hanthaler. I 1069 — 1093. Habsburgischen Fürsten. I. 1246— 1283. 383 „sollen, wenn sich die Verletzer mit den Beleidigten vertragen wol-„len; und die Richter sollen auch eine solche Ausgleichung nicht „nur nicht hindern, sondern vielmehr so viel in guter Absicht können, befördern. — Wer immer vor einen Richter zu befördern „ist, vor welchen der Klagesall zu verhandeln ist, soll durch Brief „des Richters vorgerufen werden, wofür er nur dem Notar vier „Denarien zu bezahlen hat, und wenn der Vorgesoröerte läugnen „will, vorgefordert worden zu scyn, so soll er dies durch Eiöschwur „kund thun (darthun) sonst soll er für vorgerufen angesehen wer-„den. — Alles, was vor dem betreffenden Richter und in Bcvb-„achtung der Rechtsordnung entschieden worden ist: soll beständige „Festigkeit haben; was aber durch Gewalt, Schrecken (Furcht) „und durch Bedrückung von Seite des Böhmenkönigs oder anderer „Vornehmen des Landes oder Stellvertreter des Königs geschehen, „soll durchaus keine Kraft und Gültigkeit haben, sondern es soll in „den gebührenden Stand wieder gesetzt werden, nach Recht und „nach bewährter Gewohnheit des Landes. Wenn Jemand in je-„ner Zeit, in welcher kein Gericht im Lande gewesen, unterlassen „hat, sein Recht zu verfolgen, dem soll der Lauf der Zeit und „die Ausnahme der Verjährung, wenn er nachher sein Recht oer-„solgen will, nicht schaden. Wer Jemanden, welcher gesetzlich vor „dem Richter irgend eines Verbrechens überwiesen worden ist, in „sein Haus wissentlich ausgenommen hat, wenn er nicht mit einem „Eidschwur seine Schuldlosigkeit bewähren kann: soll statt des „Schuldigen dem Kläger Genugthuung leisten, und demungeachtet „den Ueberwiesenen sogleich aus seiner Wohnung entlassen und „dem Richter die Buße zahlen, nach der bewährten Gewohnheit „des Landes. —Niemand soll Fürsten, Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte, „Pröpste oder andere Kirchenvorsteher, Grafen, Barone, Mini-„sterialen, und wem immer Andern verhindern, mit ihren Vasal-„len, Eigenlcuten und andern ihren Unterthanen zu thun, was „ihnen zuträglich schien, und mit der Vernunft übereinstimmend ist. „Niemand soll aufnehmen und halten Eigenleute eines Andern, „oder die einem solchen unter rechtmässigem Titel gehören, gegen „den Willen des Herrn, ungefährdet der Rechte, Freiheiten und „Vorrechte der Städte, Munzipien oder andern Genossenschaften, „welche denselben als kaiserlichen Gnadcngabe zukommen, und von „den Fürsten der Länder und nach alter bewährter Gewohnheit. „Und wenn der Aufgenommene es nicht läugnet, einem Herrn zu-„zugehörcn, so soll ihn der Aufnehmer entlassen, und sogleich zu- 384 Steiermark bis zum Eintritte der „nlif (teilen, wenn er durch den Richter auf Verlangen des Herrn »zurückgefoedert worden ist; tin Weigerungsfälle soll der Aufneh-,'Mer eine Strafe von 10 Pfunden und dem Richter noch oben-«drein 5 Pfunde bezahlen, und der Richter soll solch einen Aus-,,nehmer zur Zahlung drängen; wenn er aber Idugnet, dem kla-»genden Herrn zuzugehören, da soll der Ausnehmer an dessen Statt «vor dem betreffenden Richter nach vorgeschriebener Rechtsordnung «Rede stehen. Und wenn er in beiden Fällen während schweben-„dem Rechtsstreite dem Herrn unterkömmt', so soll dieser freie «Gewalt haben, ihn sestzuhalten und zu kerkern, und öeßwegen in «teilte Strafe verfallen. — Wir verbieten weiters aus das Be-«stimmtkste, daß Niemand Eigenleute eines Andern unter dem Ti-»tel Muntmann (Schutzherr) sesthalte, und wenn ihn der Aufneh-"wer von dem Herrn zurückgefordert, nicht ledig gegeben oder den „Aufgenommenen entlassen, so soll er dem Herrn zahlen 5 Pfunde «nnö der Richter ihn zu dieser Zahlung und zur Herausgabe des «Aufgenommenen zwingen. — Gegen Todtschläger sollen die Rich-"ter nicht Vorgehen bis auf Jahresfrist von den nächsten Weih-«nachten angefangen, und inzwischen sollen Todschläger sich güt-«lich mit den Verletzten ausgleichen, sonst aber soll dem Kläger Ge-«rechtigkeit widerfahren. — Wir verbieten auf das Strengste, daß „nicht Pfändungen oder andere Unbildungen Jemanden ohneVoll-«macht des betreffenden Richters gethan werden. Jeder dawider »Handelnde soll nach dem Landrechte oder nach Landesgewohnheit «gestraft werden. — In kaiserlicher Machtvollkommenheit heben «wir weiters auf und thun endlich ab alle neuaufgelegten Mau-»then, Zolle, Umgelüer und Weggelder (Passage- oder Geleitgel-»6er, Vectigalia et Pedagia) zu Wasser und zu Lande, so daß «nur die nach festgehaltener Landesgewohnheit von Alters her Be-«standenen in ihrer Kraft fortzubestehen haben sollen. Wer da-»gegen handelt, hat zu wissen, daß er unserer Gnade verlustig «und nach Maßgabe unserer kaiserlichen Vorsicht bestraft werden «solle. — Auf daS Strengste verbieten wir auch in kaiserlicher „Vorsicht, daß Niemand zum Nachtheile eines Andern innerhalb „einer Leuge (Meile) ein Schloß oder eine Veste erbaue, und „wenn es geschehen wäre, so befehlen wir, daß sie durch unsere „Richter geschleift werden sollen. —- In kaiserlicher Gnadenspende „gestatten wir, daß alle freie Gewalt habe zum Wiederaufbaue „und zur Befestigung, welche der Rechtsordnung zuwider, und „ohne gesetzliche Ursache Zerstörung von Schlössern und Vesten Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 385 „öurrf) öcn Böhmenkönig ober durch wen immer sonst erlitten »Ijoöen; und nichts desto weniger widerrufen wir gänzlich alle, „durch den genaiiuten König oder durch Andere gemachte Verbote „in Hinsicht auf Befestigung non Burgen und Vesten. Schlösser »und Vesten aber, welche auf gerichtlichen Ausspruch und nach „Rechtsordnung abgethan worden sind, gestatten wir durchaus "Nicht, ohne unsere besondere Erlaubniß, wieder aufzubauen; und "wenn derlei auferbaut worden sind, so befehlen wir, daß sie durch „unsere Richter geschleift werden sollen. Alles ttebrige soll nach "Recht und nach der bisher bewährten Gewohnheit der Länder, „nach den Freiheiten und Vorrechten der geistlichen und weltlichen „Fürsten, der Grafen, Barone, Dienstherren und aller Andern »durch die betreffenden Richter nach Rechtsordnung entschieden „werden, und wir gebieten kräftigst den Richtern der Länder, al-„les dieses in Vollzug zu setzen, wenn sie unserer schweren Ahn-„dung entgehen wollen. Die Kraft des gegenwärtigen Friedens „soll beginnen vom Tage der Verlautbarung fort bis Weihnach-„ten und hat dann fortzudauern, ununterbrochen durch 5 Jahre „(also bis zum 25. December 1281), und Niemand soll sich des „genannten Friedens zu erfreuen haben, wenn er nicht innerhalb "des Erscheinungsfeftes des Herrn wird geschworen haben, den „Inhalt desselben kräftigst halten zu wollen. Und soll über einen «ein Zweifel kommen, ob er wohl geschworen habe, der soll mit „einem solchen, der den Eid wirklich geleistet hat, durch körperli-„chen Eid darthun, daß er geschworen habe. Geschehen zu Wien „1276 am 6. Dezember Zeugen dessen waren: Erzbischof Fried-„rich non Salzburg, die Bischöfe Berthold non Bamberg, Leo non „Regensburg, Peter non Passau, Konrad non Freisingen, Heinrich non Trient, Dietrich von Gurk, Johann non Chiemsee, Bern-„hard non Seckau, Pfalzgraf Ludwig non Rhein, Graf Meinhard „von Tyrol, Burggraf Friedrich non Nürnberg, Ulrich von Heun-„burg, Heinrich non Pfannberg." Um nun aber im unnermutheten Falle eines plötzlichen Todes diesen Landfrieden, und dann die Ruhe und Ordnung in Oesterreich , Steier, Kärnten und Krain nicht neuerdings gesetzloser Cigengewalt preiszugeben, setzte K. Rudolph den Pfalzgrafen bei ') Lambacher, Anhang. 117—120. — Mon. Boic. XXVIII. II. 404. — Pertz. IV. 410. — Landhandveste. Ausgabe v. I. 1842. p. 6. «8esch. i>. Steiermark. — V, Vd. 25 386 Steiermark bis zum Eintritte der Rhein, Ludwig, Herzog von Sofern, als Reichsoerweser dieserLänder ein, bis von Reichswegcn für die Beherrschung derselben die endliche Verfügung getroffen seyn werde'), und er ließ demselben auch sogleich von den Edlen und Dienstherren jener Reichsländer den Eid des Gehorsams leisten 1 2). öen ihn der Erzbischof Friedrich von Salzburg, die Bischöfe Ber-thold von Bamberg, Dietrich von Gurk, Johann von Chiemsee, Bernhard von Seckau, Peter von Passau, Leo von Regensburg, und die Reichsfürsten und Herren: Albert, Herzog von Sachsen. Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Baiern, die Grafen von Habsburg, Albert und Hartmann (K. Rudolphs Söhne), Meinhard, Graf von Tyrol, Friedrich, Burggraf von Nürnberg, Eberhard, Graf von Katzenellenbogen, Burkhard, Markgraf von Hohenberg, Bertholü von Heunburg, Hugo von Werdenberg, Friedrich von Leiningcn, Ulrich von Montfort, Ulrich von Täufers, Reinhard von Hagenau, Friedrich von Lengenberg, Otto von Lichtenstein, Albert von Puchaim, Ulrich von Kapella, Otto von Bertholösdorf, Ulrich von Pillichdorf, Ulrich von Viehofcn, Der-thold von Haidendorf, Meister Berthold, Propst von Mariasaal und Erzkanzler, Meister Conrad, der Landschreibcr von Oesterreich, Abt Heinrich von Admont, Landschreiber in Steier, die Grafen Ulrich von Heunburg, und Heinrich von Pfannberg u. v. A. Am 9. Jänner 1277 ertheilte K. Rudolph dem Abte Hein- 1) Lambacher, Anhang. 120-M21: „Si divina dementia nos vocaverit de vita, principatus ac terras Austriae et Styriae cum Nobilibus , Mini-sterialibus, Officialibus, Capitaneis, Castellanis, districtibus et posses-sionibus, civibus, municipibus et aliis hominibus, castris et aliis mu-nitionibus , mutis et aliis redditibus et pertinentiis tcneat et con-servet pro viribus et diligentia, qua poterit, Imperii nomine, donee praedictorum modorum altero Rectorem et Principem Romanuni Imperium sit adeptum.“ 2) Lambacher, Anhang. 117—120: „Nobiles etiam et Ministeriales et all! homines dictarum terrarum Austriae et Styriae juraverunt, quod ode-liter et totis viribus exhibebunt supradicto generi nostro ju.xta mo-darn , superius expressum, consilium, auxilium et favorem, innitentes ei, tamquam Reetori et Gubernator! sacri Imperii usque ad temp ora praefinita.“ Z. 1276. Admont. Seitz K. Neben diesem allgemeinen Landfrieden fand es beständiger Reichsfürstentag und fast immer umga- Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 387 rich und seinem Stifte Admont die Erlaubniß, zu Weissenbach am Urfar bei der Enns statt der bisher zurUeberfahrt bereit gestan-denen Floßbrücke eine feststehende Brücke zu erbauen und den bisherige» Ueberfahrtslohn als Mauthgcbühr abzunehmen '). Am 7. Jänner bestätigte K. Rudolph I, den Kaufleuten zu Neustadt die Freiheit von Mauth und Zoll durch Oesterreich, Steiermark und Kärnten; am 10. Jänner nimmt er das Stift der Karthäufer in Seitz in besonder» Schutz und ertheilt demselben Steuerfreiheit 2); am 11. Jänner befahl er den Edelherren (viris nobilibus) dem Grafen von Pfannberg und denen von Pettove, Landrichtern in Stcier Q'udicibus Styriae), das Kloster Seitz in der Steuerfreiheit zu beschützen; und am 12. Jänner gab er einen dritten Be-stätigungsbries über alles Anwesen dieses Klosters, so wie es schon K. Ottokar bestätiget hatte 3). Von Wien am 13. Jänner 6c-theilte er den Erzbischof von Salzburg mit einigen, den rebellischen Feinden und Vasallen abgenommenen Leuten und Gütern. Daß hiervon auch einige in der Steiermark gewesen, ist kaum zu bezweifeln *). Wichtiger aber war eine andere Verhandlung, welche als die erste Begründung der Habsburgischcn Hausmacht in Oesterreich , Steier, Kärnten und Krain anzusehen ist und welche den ersten Wink auf die zukünftigen Landesregenten gibt. Rach dem Tode H. Friedrich des Streitbaren hatte sich K. Ottokar den Besitz der erledigten Lehen der Hochftifte Salzburg, Bamberg, Pas-sau, Freising, Regensburg u. s. w. in den genannten Ländern, mit oder ohne Zustimmung der Hochstiftskapitel, erworben. Durch de» Frieüensschluß am 2t. November 1276 sind alle diese Lehen wieder erledigt worden. Zur Belohnung für die vielen Anstrengungen und Opfer, welche die Hochstifte im Kriege gegen K. Ottokar getragen hatten, verwandelte nun K. Rudolph i. manche dieser Lehen in Allode und hochstiftische Mensalgüter. Dafür überließen die Kirchenfürsten selbst alle übrigen Lehen den kaiserlichen Söhnen _____________________]___ 25 * >) Udm. Urk. T. 2: „Liberaliter indulgemus ut in loco, qui Urur dicitur, ad jus et proprictatem pracdicti monasterii pertiuet, ultra fluvium Anasum pontcm construerc volens, pro utilitate publica, nec non victim commodo profcctu. Nautum vero, quod evcntibus navigio fluvium supradictum nomine Abbatis rccipi permittimus, cum moderamine tarnen ac praevia rationc. Datum Viennae. V. Idus. Jan. Au, 1277.“ 2) Fez, Cod. Hist. II. 132. 134. - Dipl. Styr. II. 74. 3) Seitzer Urkunde. '•) De Lang, Rcgesta, IV. 26. 388 Steiermark bis zumzEintritte der Albrecht, Rudolph und Hartmann, und ihren männlichen Nachkommen und Erben; wodurch diese zu den ersten bedeutenden Grundbesitz auch in der Steiermark gekommen sind '). Auf der großen Versammlung geistlicher und weltlicher Fürsten und Herren im Minoritenkloster zu Wien 17. Jänner 1277 ward da vorläufig schon scstgesetzt, daß jede Belehnung mit Hochstifts- und Stifts-lehen nur unter Zustimmung der Kapitel geschehen dürfe, und ohne dieselbe nicht Gültigkeit haben solle Nun folgten die Vertrags-und Belehnungsurkunöen selbst. Und zwar am 2 l. July 1277 belobte K. Rudolph I. die getreue Anhänglichkeit des Salzburger-erzbischofes gegen ihn und das deutsche Reich, — und welch' große Kosten und Mühen derselbe zu diesem Zwecke aufgewendet habe (et dampna, quae pertulit, labores, quos sustulit, graves sump-tus, quos fecit, pro honore Imperii dictus princeps). Darauf wird dem Erzbischöfe das Patronatsrecht der Pfarre Radkersburg (Radkerspurch) zugesichert, welche Kirche derselbe dermalen dem Bischöfe von Chiemsee übertragen hatte. Weiters wurde von den hochstistischen Lehen, welche den kaiserlichen Söhnen und ihren Erben verliehen worden, 300 Marken Renten für immer ausgcschie-öcn, und zwar 264 Mansus in Luttcnberg (Lutenwerd) mit 132 Silbermarken Ertrag; der Zehent in Luttenberg mit jährlich 28 Marken; der Zehent in Kinnberg (Chienenberg), mit 40 Marken; der Marchdienst auf den hochstistischen Besitzungen in der Mark (in Martina), mit 20 Marken, und das halbe Erträgniß der Mauth in Rottenmann mit allen Rechten; endlich wurden noch die kärntnerischcn Lehen hinzugefügt: die Vesten und Städte St. Veit, Klagenfurt und St. Georgen im Jaunthale. Zu Wien am 22. Juli 1277 fügte K. Rudolph noch einen dritten Bkstäti-gungsbrief all dieser Verhandlungen und Lehensoerträge hinzu * * 3). „ , 3-.E Zu damaliger Zeit hatte man noch die Einsicht Ä. Rudolph i. für undUeberzeugungnicht, öaß nur ein freierHandel und Sudenburg. allgemeine, ungehinderte Thätigkeit derLandes- bewohner die Seele alles gegenseitigen Verkehres in der Nähe und Ferne, und dadurch ihres Wohlstandes sey. Man glaubte vielmehr ') Lambacher, Anhang. 133 — 139. — Nachrichten von Juvavia p. 384— 385 (o). — In einer Urkunde für Salzburg. Wien 21. Juli 1277. =) Lambacher, Anhang, p. 122—123. 3) Juvavia, Abhandlung, p- 384 (c). Habsburgischen Fürsten. I. 1246-1283. 389 einer Stadt aufzuhelfen, oder auch Verdienste größerer und alter Ortschaften entsprechend zu belohnen, wenn man ihnen Erlaubniß gab, eine neue Mauth zu errichten; daß man ihnen ein Stappel-reckst und Monopol ertheilte auf verschiedene Maaren und Lebensmittel. So durfte dann der Bauer seine Lebensmittel, der Handwerker seine Erzeugnisse, der fremde Kaufmann seine Maaren nicht nach Gefallen und Wahl verführen und verkaufen; sondern er war gezwungen, sie an solchen Stappelorten abzuladen und nur allein den trotzigen und habsüchtigen Bürgern derselben Orte durch mehrere Wochen und Niemand Andern zum Verkaufe feilzubieten. Das erste von derlei Privilegien war, auf dem Grunde des oben angeführten Ottokar'schen, folgender Gnadenbrief, welchen K. Rudolph 1. am 19. Jänner 1277 zu Wien der Stadt Judenburg ertheilt hatte, folgenden Inhalts: «Wir Rudolph, von Gottes Gnaden Römischer König! im-»mer Augustus, Allen in Ewigkeit!" «Auf die hervorragende Würde königlicher Majestät durch «göttliche Anordnung glücklich gestellt, wenden wir die Schärfe »der Augen, weit und breit Vorsehung treffend, dem Wohle der «Getreuen, und Beschädigungen derselben verhüthend. Kund und «zu wissen daher allen Menschen der Gegenwart und Zukunft, «daß unsere geliebten Bürger von Judenburg angenähert unserer «königlichen Erhabenheit demüthig gebeten haben, daß wir die Gna-«den, Zugeständnisse, Freiheiten und sämmtliche und einzelne Rechte, „womit die genannte Stadt Judenburg von denen weiland durch-«lauchtigsten Leopold und Friedrich, Herzogen von Oesterreich und «von den übrigen Fürsten dieses Fürstenthumes von altersher be-«kanntlich beschenkt worben ist, ihnen aus königlicher Wohlthätig-«keit zu bestätigen uns würdigen möchten, von weichen Gnaden, „Zugeständnissen, Freiheiten oder Rechten wir einige sonderheitlich «anführen «Erstens: wenn die Münzer neue Denarien schlagen, sollen «die Wechsler in der Stadt Judenburg sechs Wochen allein wech-„seln, und Niemand Anderer, und nach Verlauf derselben dürfen «auch die Bürger derselben Stadt erlaubterweife Wechsel treiben. „ — Münzer und Wechsler dürfen aus eigener Macht an Nie-„mnnd gewaltsame Hand mitegen und ihn schleppen: sondern „wenn sich, ihre Geschäfte betreffend, ein Streitfall ergibt, so soll «ihn der Staütrichter untersuchen, und nach Ordnung des Rech-„teS darüber Urtheil fällen. — Ergibt sich eine Klage vor dem 390 Steiermark bis zum Eintritte der »Richter, Schulden halber, welche er persönlich gemacht, so kann »er keine Ausflucht hinsichtlich eines andern Richters machen, son-"öern er soll gehalten werden, vor demselben Richter derselben "Schulden wegen Rede zu stehen. — Das Eisen von Trasaiach »soll nur allein zur Stadt Judenburg gebracht und dort zum Ver-»kaufe ausgelegt werden, so wie es von alten Zeiten her üblich "ist. — Kaufleute, welche aus Italien Waarcn bringen, dürfen „dieselben nur Bürgern derselben Stadt verkaufen, und nicht fretn-"deu Kaufleuten; geschieht dies dennoch, so sollen der Käufer und »der Verkäufer, jeder mit 5 Marken gestraft werden. — Kein »fremder Kaufmann darf in Judenburg etwas kaufen, außer durch »ein ganzes Quartal; wer dieß zu übertreten wagt, soll sein Kauf-„geld verlieren, und dem Verkäufer die verkaufte Waarc wrgge-»nominen werden. — Auf den Alpen, welche Judcnburgeralpen »genannt werden, hat Niemand, und darf Niemand einiges Recht "haben, als allein nur die Stadl Judenburg, ausgenommen der »alleinige Hof, Schlafhofen genannt, Eigenthum der Chorherren »auf Seckau. — Die Waldung in der Muschonitz und Feistritz ge-»hört nur der Stadt Judenburg zur Benützung. — Die Judcnbur-»ger in ihrem Verkehre in Wien pflegen in den einzelnen Stäü-»ten Zölle zu geben; gewöhnlich ist bis zur Stadt Wien als „Zoll nicht mehr zu bezahlen, als: von jedem gebundenen Saume »12 Denaricn, von dem Saum Seife 6 Denarien, vom Saume »Oehl 3 Denarien, vom Saume Feigen 3 Denarien, von 100 »Rindcrhäuten 12 Denarien, von 100 Bockfellen 6 Denarien, „von 100 Schaffellen 4 Denarien. — In Wien selbst werden am „Thore von jedem geladenen Wagen 6 Denarien und als Markt-»Zoll daselbst in der Stadt 12 Denarien entrichtet. Am Rückwege „von Wien soll den Bürgern von Judenburg so viel abgeschriebcn »werden, als sie früher an Zoll bezahlt haben. — Getraidemaß, »Elle und Gewicht, wie es die Bürger zu Judenburg von Alters „her gehabt haben, sollen sie vollständig noch beibehaltcn. — Kein „Wehrmann oder Schützling (Miles aut Cliens) darf als Bür-»ge behalten werden; auch soll kein Bürge für einen Wehrmann »oder Schützling gepfändet werden oder festgehalten werden. — Wir „nun, den ergebenen Bitten unserer Bürger von Judenburg gün-„stig zugeneigt, bestätigen, erneuern und befestigen mit dem Schirme „gegenwärtiger Urkunde Alles, und das einzeln Vorgenannte und »übrigen Gnaden, Emmunitäten, Zugeständnisse, Freiheiten und „Rechte, welche ihnen einst von Friedrich und Leopold, den durch- Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 391 „lauchtigen Herzogen von Oesterreich, und von andern Fürsten „rechtmäßig und vernunftgemäß ertheilt, übergeben und zugestan-„den worden sind. Es sey demnach gar keinem Menschen erlaubt, „diese Urkunde unserer Bestätigung zu brechen oder verwegen ihr „in irgend Etwas entgegen zu handeln. Wer dessen sich vielleicht „erkühnen wird, der wisse, daß er in schwere Beleidigung unserer „Majestät verfallen sey." „Zeuge dieses Gegenstandes haben wir hierauf befohlen, ge-„gcnwärtige Urkunde auszurichtcn und mit unfern Majestätssie-„gel zu bekräftigen. Gegeben zu Wien am 19. Jänner 1277 -).« Am 22. Jänner 1277 ertheilte K. Rudolph I. dem Stifte Voran eine Majestätsurkunde, worin Marnbcrg. v ,, ,, „ „ , „„ „ Seckau. Stainz. er dasselbe mit allen, von was immer für Fürsten gegebenen Besitzungen und Vorrechten in seinen und des Reiches besondern Schutz nehme* 2). Zu Wien am 9. Februar 1277 bestätigte er auf persönliche Bitte des Abtes Gotschalk dem Stifte St. Lambrecht die früheren Briefe der Kaiser Heinrich V. und Friedrich II. sammt dem Rechte der freien Vogtenmacht nach Abgang der männlichen Erben des Stifters vor den Zeugen: Herranü und Hartnid, Brüder von Wildon, Erchenger von Landefere, Ulrich von Stubenbcrg, Otto von Haslau, Otto von Bertholds-dorf, Gundaker von Gurkenstein, Gundaker von Freiberg; und in einem zweiten Diplome hWien, 9 Februar 1277) wird dem Eastcllane zu Grazzlupp (Reumarkt) untersagt, sich irgend einer Vogteigcwalt über dieses Stift, das allein nur dem Kaiser und Reiche unterstehe, anzumassen 3) (cum ipsum monasterium nobis et imperio, nulliipie alten', quantum ad temporalia sit immediate subjectum). Hieraus, 15. Februar 1277, erließ der Kaiser ein offenes Schreiben an den Grafen Meinhard von Tyrol, und an alle Grafen, Edclherren, Ministerialen und Getreuen des Reiches in Steiermark, Kärnten, Krain und in der Mark, mit der Andeutung, daß er das Stift der Nonnen vom Dominiranerorden der h. Maria in Mahrenberg in seinen besondern Schutz genommen habe, und selbes durch sie vor allen Uebergriffen und Beschäüigun- , >) Lettner, Monogr. i>. 5-7. — Dipl. Styr. I. 340 — 243. ") Caesar, Annal. II. 554 555. ,,Datum Viennae. XI. Kal. Febr. 1277.“ 3) St. Lambrechter Saalbuch u. Urkunden im k. k. Geheimarchive. 392 Steiermark bis zum Eintritte der gen vertheiüigt wissen wollte—Dem Chorherrenstifte zu Seckau bestätigte K. Rudolph I. (Wien, 17., 18-, 19. Februar) alle Besitzungen und Vorrechte, insbesondere den Mühlwald; die von Pabo und Engelschalk von Plain geschenkten Huben in Hauzen-büchl, die Gerichtseminunität aus dem Stistsgebicte zwischen der Ließing und Graden, die Mauthsreiheit im Lande Steier, die Hanü-vestcn H. Ottokar's VIII. (I. 1182) mit Beschränkung des Regales auf Salze und Metalle, und der Urkunde des H. Leopold des Glorreichen (4. Juni 1202) mit einem besonüern Befehle a» den Grafen Heinrich von Pfannberg, Friedrich von Pettau, und Konrad von Kinnberg, Landschreiber in Steicr, die Chorherren auf Seckau im Genüsse des Waldes im Thale Feistritz bei Prank gegen die Uebergriffe der Brüder von Masscnbcrg, Wigand von Timmersdorf und Dietrichs von Leoben, auf das Kräftigste zu beschützen, bis zum Austrage des Rechtsstreites * 2 3). Auch erklärte der Kaiser, daß er die erledigte Vogtei über die seckauischen Güter zu Kumberg, Heinrichsüorf und an der Raab von nun an an das Reich gezogen, und für sich und seine Nachfolger getreulich und uneigennützig zu führen gelobe. Auch der Propst des Chor-herrenstiftes St. Katharina in Stainz war vor K. Rudolph I. in Wien erschienen, mit der Bitte um Bestätigung der Urkunde des Stifters Leopold von Wildon (I. 1244). Nicht nur diese bestätigte der Kaiser, sondern auch alle später» Hanüoesten des Chvr-herrenstiftcs mit dem Markte Stainz, Marktgcrichte, Kirchtagrcchte, Fürfangrechte, Mauthrechte, mit der Gerichtseminunität lüas Blutgericht ausgenommen) und mit der Freiheit für alle Ministerialen, von ihren Gütern bis zu 10 Marken Frisachergeldes dem Stifte Spenden zu thun (Wien, 17. Februar 1277). Auch solle künftighin nur der Kaiser, oder auf ausdrücklichen Wunsche des Stiftes der Landeshauptmann Vogt desselben seyn. Als Zeugen waren beigezogen neben den Bischöfen von Salzburg, Bamberg, Frcisin- ') Johanneums-Urkunden. — Dipl. Styr. II. 326—327. 2) lieber den nunmehr kaiserlich bestätigten Besitz der Seckau'schen Güter im Erzwalde erließ Hartnid von Wildon, Marschall von Steiermark, ein eigenes Schreiben (Wien am 23. Aug. 1277), worin als Zeugen genannt werden: Petrus, Propst von Stainz; Otto, Pfarrer zu St. Marein bei Prank; Otto und Albert, Brüder von Horneck; Volkmar, Martin , und Friedrich an dem Eck, Bürger zu Grätz. — Zohanneums - Urk. Am 11. November 1277 zu Heimburg entschied K. Rudolph einen Streit wegen Besitzunge.n in der Geil (in tičala) des Ritters Dietmar von Strettwich für das Chorherrenstift Seckau. t 3) Dipl. Styr. I. 237-239. - Auch im k. k. Geh. Archiv. — Johann. Urk. Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 393 gen, Regensburg, Passau, Trient, Seckau, Chiemsee, die Landes-edlen, Grafen Ulrich von Heunburg, Heinrich von Pfannberg, Friedrich von Pettau, Herrand von Wildon, Heinrich und Wul-fing von Stubenverg, Hartniö von Stadek, Otto von Lichtenstein '). Weiters hatten zwei Stadtbürger von Marburg, Eberhard und Martin (civcs de Marpurg), dem K. Rudolph ihre landesfürft-lichen Lehrngüter in den Villen Putine, Ulkune nnü Pyker freiwillig aufgesnndet, und dieselben sammt Weingärten und Waldun-gen von ihm wieder um 150 Marken Silbers auf Wicderlösung verpfändet erhalten für sich und ihre Erben, uud zwar zur Be-lohnung ihrer treuen Dienste und Anhänglichkeit und zu fernerer Verpflichtung gegen ihn und das Reich (Attendentes quoque grata et fidelia servitia, quae celsitudini nostrae incessanter exhibent) Auch hier ließ K. Rudolph Zeugenschaft geben die Bischöfe Bernhard von Seckau, und Johann von Chiemsee, und die Landes-edeln: Meister Gottfried!, Protonotar, die Grafen Ulrich von Pfannberg, Heinrich von Pfannberg, Friedrich von Pettau, Hart« nid von Wildon, Landcsmarschall^H errand von Wildon, Otto von Lichtenstein, Hartniü von Stadekk, Wilhelm von Scharfenberg, Cholo von Seldenhosen, Volkmar, Bürger zu Grätz (Graeeensis), Martin, Richter zu Grätz l). Es erschienen aber auch die Vordersten der steiri-schen Ministerialen und Landleute (Stände) l’or K. Rudolph mit allen ihren originalen Freiheits' »un ©teuvnmvt. briefen und NUijestätsdiplomen, und baten um neue Anerkennung und Bestätigungen der alten Rechte und Vorrechte des Herzog-thumes. K. Rudolph I. säumte nicht, (Wien, 18. Februar 1277) einen Majestätsbrief darüber zu fertigen, und darin nicht nur die Ottokar'schr Urkunde vom 17. August 1186 wörtlich aufzunehmen, sondern auch die Gerechtsamen der Stände des Landes mit neuen Zugeständnissen zu erhöhen. Der Eingang und die besondern, neuen Erweiterungen dieses Majestätsbriefes sind folgende: „Im Namen der heiligen und ungetheilten Dreieinigkeit!" „Rudolph, durch Gunst und göttliche Güte römischer König, »immer Augustus! Es gereicht zur Zierde des römischen Reiches „und die Pflicht kaiserlicher Würde erheischt es, daß sie, gütig *) Stainzer Urkunden. 2) K. k. Gubernialarchiv zu Grätz. 394 Steiermark bis zum Eintritte der »fürsehend dem Zustande der Untergebenen, dieselben von dem »Joche der Unterdrückenden befreie, die bewährten Gewohnheiten »und Rechte derselben erneuere, und das, was für deren Wohl »vorgesehen worden ist, verfolge und billige, mit umfassender Gnade. »Aus diesen Gründen wollen wir daher, daß durch Inhalt des ge-, genwärtigen Majestätsbricfes kund und zu wissen werde, den »Gegenwärtigen und Nachkommenden, allen Getreuen des Reiches »insgesammt, daß, da die Ministerialen und Mitlandleute (Stände) »von Steiermark, unsere Getreuen, sich an unsere Erhabenheit »mit ergebener Bitte gewendet haben, daß wir sie in unsere und »des Reiches Bothmäßigkcit (Herrschaft) für immer aufzunehmen, »zu halten, und Niemand Andern zu verleihen, wie auch die »Rechte und bewährten Gewohnheiten, welche sie durch Ottokar »von Stcicr und durch Leopold von Oesterreich, gemäß den Hanü-»vesten bekanntermassen erhalten haben, durch die Bewilligung un-»serer Gunst in unserer Gnade zu bestätigen, uns würdigen möch-»ten. In Anbetracht nun der unbegrenzte» Treue und aufrichtigen »Ergebenheit, womit die vorgenannten Ministerialen von Steier-»mark, von sich stossenö das Joch der Unterdrückung und der Un-„gerechtigkcit, welches unsere und des Reiches Majestät über die „Massen beleidigte, unsere und des Reiches gerechte und süße » Herrschaft mit gänzlicher Hingebung umfaßt haben, — nehmen wir sie «alle insgesammt, und jeden Einzelnen, sowohl Ministerialen, als »auch alle Uebrigen, in demselben Herzogthume Steiermark Be-»findlichen, in unsere und des Reiches Herrschaft, so, daß sie nur »von uns, Kaisern und Königen, unfern Nachfolgern, beständig ge-»haltcn werden sollen ')• Wenn aber der vorgenannten Ministe-»rialen von Steiermark geneigte Bitte bei unserer Fürsichtigkeit »anklopfen wird, daß wir dasselbe Herzogthum aus unfern und „des Reiches Händen, irgend einem Fürsten, welchen sie einer »solchen Erhöhung für würdig erachten würden, verleihen mach- ') Dieses Vorrecht ist zum Theile schon durch das sogleich im Zusammenhang Folgende, durch die Vorgänge und Lehenbriefe K. Rudolph 27. December 1281 und 29. Jänner 1282, wodurch dessen Söhne zu Herzogen in den österreichischen Ländern mit Zustimmung der Churfürsten erklärt und eingesetzt worden sind, noch mehr beschränkt und als abgethan erklärt worden: ,,Non obstantibus quibuscumquc juramentis, nobis et Imperio per vos praestitis, qnae praescntibus relaxamus et literis hinc hide vobis, seu Privilegiis omnibus coneessorum vobis , per vos quacumlibet li-bertatum.“ — In den Urkunden des k. k. geh. Hausarchives. — Rauch, Oesterr. Gesch. III. 637-638 (1). Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 395 »ten: so werden wir denjenigen zur Ehre dieses Fürstenthums „(dieser Herrschaft) zu erhöhen besorgt seyn, welchen der größere „und bessere Theil der Ministerialen des Landes rathgeblich uns .anzudeuten für gut halten wird, indem auch wir nicht wollen, „daß ihnen bei Widerstreben und Abneigung aus vernünftigem „Grunde das Joch einer neuen Herrschaft, was auf ihrem Grunde „nicht paßt, auferlcgt werde. Wir bestätigen ihnen überdieß alle „bewährten Gewohnheiten und Rechte, welche die Vorgenannten, „wailand Ottokar von Steier und Leopold von Oesterreich und „Steier, ihnen freigebig bestätigt haben, wie es in ihren Handoc-»sten enthalten ist, welche wir nach den eigenen Punkten an-„führcn zu müssen geglaubt haben, nämlich: Wer immer unserer „Getreuen aus Steiermark mit Jemand aus Oesterreich, oder „ein Oesterreicher mit einem Steirer Vertrag geschlossen hat, so „soll er gebrauchen und sich erfreuen der Rechte und Gewohnhei-»ten derjenigen Provinz, in welcher er sich aufhält, und seinen ''Wohnsitz erwählt, weil für einzelne Personen eine besondereGe. „wohnheit von der allgemeinen keine Ausnahme machen soll." — „Alle weitern Punkte dieser Urkunde stimmen mit jener im Majestätsbriese K. Friedrichs II. I. 1237 wörtlich überein, einschließlich den Punkt, die Münze betreffend. — Hierauf folgt in K. Rudolphs Urkunde als neue Zugabe: „Zu diesen in heilsamer Vor-„sehung für die Ministerialen des genannten Landes Steiermark, „verordnen wir mit gegenwärtigen Diplome, daß kein Landessürst, „welcher das vorbezeichnete Land zeitweilig beherrschen wird, es »sich herausnehme, einen Ministerialen, der irgend eines Ver-„brechens nicht überwiesen, noch freiwillig dessen geständig ist, wes-„wegen er verdienter Massen persönlich festgenommen werden müßte, „mit Uebergehung der Rechtsordnung gefangen zu nehmen, den Ge-„fangenen zu kerkern, oder in Banden zu halten, indem er wissen „und wohl bedenken solle, daß er wegen einer solchen wirklichen „gewaltsamen Handanlegung wegen verletzten Reichsfricdens nach „deutschen Rcichsgesetzen werde gestraft werden. Damit nun aber „der Inhalt dieses Majestätsbrieses von den künftigen Fürsten des „genannten Landes geachtet und fest beobachtet werde, so befehlen „wir unter gegenwärtiger Betheuerung, daß, wenn ein jeweiliger „Landesfürst von den Ministerialen der Steiermark den Eidschwur „der Treue fordert, sie selbst zur Leistung eines solchen Eides „keineswegs verhalten werden sollen, bis der Fürst und Herr mit „seinem körperlichen Eide verspricht, daß er den gegenwärtigen 396 Steiermark bis zum Eintritte der »Vorrechtebrief in Allem und in dessen Einzelheiten halten wolle. Zum augenfallenüen Zeugnisse haben wir diese Urkunde auch »mit unserm Sigille befestigen lassen. Zeugen aber unserer Gnade «sind: Friedrich, Erzbischof von Salzburg, die Bischöfe Berthold «von Bamberg, Konrad von Freisingen, Petrus von Passau, Leo »von Regensburg, Heinrich von Trient, Dietrich ron Gurk, Zo-«hann von Chiemsee, Bernhard von Seckau, Meister Gottfried »von Mariasaal, unseres Hofes Cr kanzler, Friedrich, Graf von »Leiningcn u. v- A. Glaubenswürdige. Gegeben zu Wien, 18. Fe-»bruar 1277 ')"• ltcfunbenM x. Wie sehr sich K. Rudolph neben so vielen on= st-nft!d^S ckai^Ad' öern hochwichtigen Geschäften auch weiters noch die monk.'die »tcnna, Verhältnisse der Steiermark habe angelegen seyn Pfärr^Pil-ir? ° lasse», bewähren folgende Urkunden: Am 24. Februar 1277 bestätigte er den Bürgern zu Fürstenselü die Freiheiten und Rechte, vorzüglich auf mauth- und zollfreien Handel, so wie dieselben lcho» von H. Leopold dem Glorreichen erhalten und von K. Ottokar bestätiget worden sind i) 2). Bischof Bernhard von Seckau hatte vor einigen Jahren vor Otto von Lichtenstein, als dieser an seines Vaters Stelle in Grätz mit Meister Konrad, dem Landschreiber in Kärnten, zu Gerichte saß, gegen Dietmar von Stretwich, den Aeltcrn, Klage erhoben über gewaltsame Borcnthaltung von dreißig Mansen in der Geul, welche als Stiftungsgut dem Seckauerbisthume gehörten; weil kurz vorher auf einer Versammlung in Knittelseld festgesetzt worden war, daß kein kirchlicher Oberhirt ein Dotationsgut länger als auf die Zeit seines eigenen Lebens zu Lehen geben dürfe. Dietmar appellirte gegen den Gerichtsspruch an K. Ottokar, welcher das Urtheil bestätigte, und den Stretwichcr auch zu den Gerichtskosten verurtheilte. K. Rudolph folgte diesem Beispiele durch einen neuerlichen Bestätigungsbrief (Wien, 25. Februar 1277) 3 * * * *). Auch das Benedikti-nerstift zu Obernburg erhielt von K. Rudolph, 28. Februar 1277, i) Steier. Landhandvest. Ausgabe 1842. p. 8. — Ludewig, Rcliq. IV. 258. - Lünig, C. 6. D. II. 778. — Böhmer, Regest. Rud. 328. ”) Johanneums - Urkunden. 3\ styr. I. 335 - 336 : „Coram strenuo vivo Ottone de Lichten8 ein juniore, vices patris sni in placito apud Uvacz gereute, et Magistrate Conrado Scriba Styriae ex commissione illustris Ottokari Regis Bo- heraiae tune per Styriam judicio praesidente,“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 397 Bestätigungen über vier Privilegienbriefe der Herzoge Leopold von Oesterreich und Ulrich von Kärnten Auf die Bitten der Bischöfe Bernhard von Seckau und Johann von Chiemsee bestätigte K. Rudolph I. (Wien, 17. März 1277) den Majestäts-brief K. Friedrichs II. (Nürnberg, 26. October 1218) mit der kaiserlichen Billigung der Gründung beider Bisthümer -). Weiters gab er dem Stifte Seckau an eben demselben 17. März 1277 Bestätigungsurkunden der Briefe H. Friedrichs des Streitbaren (Erdberg, 12. Februar 1234 und Wien 29. December 1237) mit der Erlaubnis) für steierische Ministerialen, dem Bisthume Seckau Besitzungen zu schenken und zu verkaufen l * 3). Am 13. April 1277 erhielt das Stift Admont einen kaiserlichen Bestätigungsbrief über ein (um das Jahr 1184 geschenktes) Gut zu St. Peter in Aue im Lande Oesterreich unter der Enns 4) — gegen die Erben des Spenders. Am 28. April 1277 bestätigte K. Rudolph dem St. Klarenkloster in Judenburg die Schenkung, welche die Herzogin Gertrude von Oesterreich der Schwester Adelheid von Hof mit einigen Gütern zu St. Peter gemacht hatte 5 * 7). Dem Bischöfe Konrad von Freisingen bestätigte K. Rudolph (18. Mai 1277) das Salz- und Metallregale auf allen Gründen seines Hochstiftes (also auch auf jenen in der Steiermark) °). Am 13. Juli 1277 zu Wien ward sogar dem Pfarrer Siegfried zu Pibcr ein Bestätigungsbrief gefertigt über die, seiner Pfarrkirche von H. Leopold dem Glorreichen ertheilten Gerechtsame -). Am 25. August 1277 zu Wien ertheilte K. s ^irrr. ^ Rudolph der Stadt Bruck an der Mur folgenden kund- m tu statt . ... Br»k (in bei' M»r. Prttnlegienbnef: „Rudolph, von Gottes Gnaden römischer König, immer Augu-„stus, Allen, des römischen Reiches Getreuen, welche diese Urkunde „einsehen werden, in Ewigkeit." l) Johanneums- Urkunde. *) Dipl. Styr. I. 336—337. 3) Johanneums-Urkunde. 4) Adm. Urk. DDD, 27. 28. 29. 30. — Adm. Saalb. III. 183 — 186, 5) Johanneums - Urkunde. 4) Meichelbeck. II. 81.— Ludewig. X 16. 7) In der Gubernial-Registratur in Grätz, 398 Steiermark bis zum Eintritte der »Es stellt der königlichen Güte zu, sich den Bitten ihrer Un. »(ergebenen zuzuneigen, uni ihren gerechten Wünschen eine gütige „Bestimmung zu ertheilen. Denn, da aller Ruhm und alle Macht »der Herrschaft auf dem Glücke der Unterthanen gegründet ist, »so halten wir es für heilsam und angemessen, daß wir uns ihnen »in Gerechtigkeit leicht, und in Gnaden freigebig bewähren. Kund „sey demnach der Gegenwart und Zukunft, daß wir, in gnädiger »Rücksicht auf die Reinheit vollständiger Treue, worin unsere Bür-,.ger von Prukha gegen uns und das Reich bekanntermassen er-»glänzen, und im ernstlichen Verlangen, daß sie »cm ihren Unfäl. »len und Schaden, welche sie bisher wegen unheilvoller Zeit er-»litten haben, unter unserer glücklichen Herrschaft erleichtert, durch »unsere Munifizenz in den gehörigen Stand zurückgebracht werden »möchten, — gestatten ihnen freigebig alle Rechte, Freiheiten und «Gewohnheiten, welche andere unsere und des Reiches Städte be-»haupten, indem wir wollen, daß der Ort selbst Namen und Ehre »eines Oppiüums oder einer Stadt fortwährend genieße, und sich »derselben erfreue. Auch im Ucberströmen besonderer Gnade „bestätigen wir den vorgenannten Bürgern einige Rechte, wie üie-„selben von weiland Friedrich, berühmten Andenkens, Herzog in „Oesterreich und Steier, dem besagten Orte bekanntlich verliehen »worden sind, indem wir nämlich festsetzen, daß innerhalb Rotten-»mann und Prukha nirgendwo Ablegungen des Salzes, was ge-»wöhnlich genannt wird Nied erlag, gemacht werden, auch das »Salz nicht in Kufen eingestossen, oder mit Kufen bekleidet wer-»üen solle, als allein nur in der genannten Stadt. Auch in Ver-»mehrung besonderer Gnade gestatten wir denselben Bürgern gün-»stiglich, daß sic, auf drei Rasten von der Stadt an, sowohl zu »Wasser als zu Laude im Verkehre ihrer Waaren oder was im-»mer für Gegenstände von jeder Anforderung von Mauth und »Zoll frei, und ganz und gar befreit seyn sollen. — Keinem Menschen soll cs nur gestattet seyn, diese Urkunde unserer Gestattung »und Bestätigung zu brechen, oder verwegenerweise in irgend Et-»was ihr cntgegenzuhandeln. Wer es sich zu thun herauönehmen »wird, der soll wissen, daß er dadurch in schwere Beleidigung un-»serer Majestät verfallen sey. Zu deren allen Bekräftigung und »Beständigkeit haben wir gegenwärtige Urkunde schreiben und „mit dem Sigille unserer Majestät befestigen lassen. Zeugen aber „sind: Friedrich, Erzbischof von Salzburg, die Bischöfe, Berthold »von Bamberg, Petrus von Passau, Konrad von Freisingen, 399 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. „Dietrich von Gurk, Heinrich von Trient, Johann von Chiemsee, „Bernhard von Seckau; die Edelherren, Heinrich, Graf vonPfann-,,l>erg, Hektor von Wilüon > Gottfried von Werd, Konrad von „Himberg, jetzt Schreiber von Steiermark, Konrad vom Thale u. „v. A. Gegeben zu Wien am 25. August 1277 Die beiden, für Judenburg und Bruck erlassenen Majestäts-briefe waren vorzüglich auf die Belebung des Handels und Handelszuges im Innern der Steiermark, und des Aufblühens geschlossener Orte berechnet, und sie standen in Berbinüung mit dem, zu eben dieser Zeit, Wien, 22. November 1277 und Neustadt 1. Dezember 1277, von K. Rudolph gegebenen Privilegienbriefe, in welchem die alten Handvesten des H. Friedrich des Streitbaren mit Mauthsreiheit in allen Ländern der Fürsten von Oesterreich und Steier bestätigt, und den Ncustädtecbürgcrn eine ritterliche Lehensfähigkeit ertheilt worden ist 1 2). Zu Wien im December 1277 bestätigte endlich K. Rudolph ein Diplom K. Ottokars, Wien 7. September 1272, worin der Skifterin Sophia und dem Nonnen-kloster zu Stuüenitz für das Schloß Jaunck in Kärnten 57 Mark jährlicher Renten von dem landesfürstlichen Amte Marburg jenseits der Drave gegeben worden sind 3). Wir haben von diesem Jahre noch einige be- m „ 3 1277 „ Gründung der Zo> sondere vaterländische Urkunden. Ulrich von Lich- [jamWMdtc auf ©ecfau. tenstein zu Murau hatte auf Seckau und innerhalb des stistischen Burgfriedens eine Kapelle zu Ehren des h. Johan, nes und zugleich als Familiengruft mit vielem Aufwanöc erbauen lassen; deren Vollendung auf den Sohn, Otto von Lichtenstein, übergegangcn ist. Dieser gab dem Chorherrenstifte eine jährliche Rente von zehn und einer halben Mark Geldes, auf daß jene Kapelle mit gefärbten Glasfenstern versehen, und weiters für das Seelenheil seines Vaters Ulrich und seiner Mutter Bertha in jener Kapelle eine ewige Messe und ein ewiges Licht gehalten werde, mit stattlicherer Bewirthung des genannten Kapitels am Tage des h. Johannes des Evangelisten 4), Diese Stiftung und 1) Wartinger, Privilegien von Bruck. j>. 1—3. — Am 31. December zu Wien 1277 bestätigte K. Rudolph dem Stifte Biktringen alle bisher auf der Hofmarch zu Marburg (in- curia in Marchpurch) genossenen Freiheiten. Biktr. Urk. 2) Fez, Cod. Dipl. If. 133. 3) Urkunde des k. k. Geh. Archives. '•) Dipl. Styr. I. 239—340. 400 Steiermark bis zum Eintritte der Spende hat Otto später mit neuen Renten erweitert von Gütern zu Partenbach, Eigenreit, Techenberg, Lintgraben, Leuprainstors, Neukirchen, Taumburg, und St. Georgen, — und der Pfarrer Meinkard zu Murau eine Mühle bei Kobeitz dazu gespendet. Die Spende wurde in Scckau verbrieft am 6. Jänner 1277 vor den Zeugen: Ortolph und Dietmar, Brüder von Stretwich, Derthold von Währendorf, Otto von Schachen, Friedrich von Ließnich, Bertholü von Obdach u. A. Am 15. März und 3. Mai 1279 ertheiltcn Friedrich, Erzbischof zu Salzburg, und die Bischöfe, Heinrich von Basel, Peter von Passau, Johann von Chiemsee, Gerhard von Lavant und Werner von Seckau, dieser St. Johanneskapelle Ablaßbriefe auf 40 Tage für alle frommen Besucher derselben Hartniü von Wildon hatte vom Stifte Seckau Ansprüche und Gewalt über Güter und Renten in Toppenau bei Walüstein in Eisengar und Erzwalü erhoben. Die Chorherren brachten die Sache vor die Gerichtsschranne in Grätz, welche am 11. Dezember 1277 die Ansprüche des Wilüoncrs als nicht gegründet, abwies und das Stift in seinem Eigenthume befestigte. Dennoch mußten dem Hartniü von Wildon 50 Marken Silbers bezahlt werden; worauf er nicht nur allen Ansprüchen für sich und seine Erben auch für seinen Bruder, Herrand von Wildon und Leutold von Tzerstcin für seinen Sohn Richer, für seine Anverwandten und für Ulrich, Schenken von Ramenstein, entsagte, Gewähr und Bertheidigung gelobte, sondern auch noch 6 Huben bei Walüstein dazu schenkte, vor den Zeugen im Gerichte: Ber-tholö, Bischof von Seckau, Konrad von Himberg, Landschreiber in ©teter, vor den Rittern und Brüdern, Albert uud Otto von Horneck, Volkmar, Otto Wattmanger und Ulrich Wakerzil, Bürgern von Gratz. Martin, Heinrich und Otto, Brüder von Pren-ning l 2). Eben dieser Gegenstand wurde auch in Wien vor Otto von Haslau, Landrichter in Oesterreich und vor einer zahlreichen Versammlung adclicher Herren (de communi sententia nobilium multorum, qui intererant huic placito generali) auf Befehl K. Rudolphs verhandelt', und zu Gunsten deS Chorherrenstiftes entschieden vor den Zeugen: Graf Heinrich von Pfannberg, Otto von Lichtenstein, Erchenger von Landesere, Heinrich von Schär- l) Seckauer Saalbuch. — Johanneums - Urkunde. z) Zoh. Urk. — Dipl. Styr. I. 238—239: „Datum in civitate Grätz in domo fratrum Minorum. Anno 1277. III. Idus Decemlr.“ — Seck. Saalh. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 401 fenöevg, Wernher von Haus, Konrad von Graben, Dietrich von Friedbcrg u. o. A. ’). Dem Stifte St. Lambrecht sandete Ulrich von _ 3- rr:r. Resi ach feine Erblehen bei Asien; in der Ville @ei§. ©vcKonmag. Grazniz aus, vor einer ansehnlichen Versammlung in Voitsberg (Datum in Voiisperch 1277), Ulrich, Grafen von Heunburg, Konrad von Saurau, Wülfing von Hannau, Starkhand, Schrot genannt, Ernst von Lobming, Pillung von Kainach, Friedrich von Leibnitz; - mit 60 Marken Silbers leisteten dabei Gewähr Walchun von Timmersdorf, Kastellan zu Bruck; und bei der Driefessiegelung leisteten Zeugenschaft die Pfarrer: Siegfried von Piber und Walther von Margareten, Helmwik von St. Maria, Himilo von Freugnich, Hcrbord von Preding, Himilo von Prembach, Friedrich, Ehreular genannt, Stadtrichter zu Voils. berg * 2). Das Stift Rein kam zur Vermehrung seiner Güter und Renten. Zuerst erkaufte der Stiftsabt Bernhart von Plankenwart von dem Stifte Sittich in Krain Güter zu Katzendorf, Wieden und Roge um 80 Marken Silber. Am 16. Februar 1277 ward zu Rein, in Anwesenheit des Abtes Winrik von Eberach, Generatvisitator des Ordens, seines Beisitzers Johann, Abt zu Waltsachsen, Walthers von Thal u. A. in, eine wichtige Bestätigungsund Schenkungsurkunde aufgerichtet und gesiegelt. Volkmar (Wa-kerzil), Stadtbürger zu Grätz, bestätigte darin nicht nur einige im Jahre 1271 dem Stifte gegebenen Wcinzehenten, sondern er vermehrte sie mit neuen zu Straßengel, Velgau, Meuber und bei der Burg Lueg, in Peul, Waltcndorf, Milchgrabe», St. Peter und Oberlybul — zur Stiftung einer ewigen Seclenmeffe, besserer Be-wirthung des Konventes am Gcüächknißtage Volkmars und seiner Aeltern, und gegen ritte Begräbnißstätte tm Stifte selbst 3). Den Karthäusern zu Seitz verbrieften in diesem Jahre 1277 die Brüder Friedrich und Hartnid von Pettau Mauthfreiheit für die unmittelbaren Klostergeschäftc und Fuhren in der Stadt Pettau, wo von den Mauthcrträgnissen zwei Dritttheile dem Friedrich von Pet- *) Johanneums - Urkunden. 2) St. Lambrechter Saalbuch. 3) Reiner Urkunde: „Datum apud Runam, XIV. Kal. Marcii. Anna 1377.“ Gesch. v. iBttiermark. — V. Dd. 26 402 Steiermark bis zum Eintritte der tau, das dritte Dritttheil aber seinem Bruder angehörte '). Den deutschen Ordensrittern zu Großsonntag verbürgte sich Stinko, der Suppan zu Hermannsüors bei Pcttau, mit allen seinen Gütern, niemals aus ihrer Hörigkeit zu treten, auch alle seine entfernter gelegenen Güter zu verkaufen und die Geldsumme unter den Schutz derselben deutschen Ordcnsherren zu legen. Den Brief gab Stinko zu Pettau am 20. Juli 1277 mit Zeugenschaft des Stadtrichters Wekerling und mehrerer Stadtbürger1 2). Eine Urkunde vom 27. März 1277 enthält die Uebcreinkunst zwischen dem salzburgischen Domkapitel und Wülfing von Stubenberg, auf daß zwischen beiden die Kinder aus der Ehe Hildebrands von Lungau, eines hochstiftischcn Eigenmanncs, mit Swental, einer Hörigen Wülfings von Stubenberg, gleich getheilt werden sollen. Zu Wien am 10. September ertheilte der Salzburgcrerzbischof Friedrich mit den Bischöfen von Bamberg, Freifingen, Regensburg, Passau, Gurk, Chiemsee und Seckau dem Nonnenstifte zu Marnberg für-alle dessen Kirchen Ablaßbriefe. Der Erzbischof verglich sich auch mit mehreren steierischen Edelhcrren wegen Beschädigungen durch Fehden und andern Uebergriffen gegen hochstistisches Eigen und zwap zu Grätz am 1. Dezember 1277 mit Hart«id von Wildvn, Marschall in Steier, und zu Leibnitz am 19. Mai mit Otto' von Lichtenberg, welcher aus erzbischöflicher Hast entlassen worden war, nachdem sich Ortolph von Trewenstein, Otto und Friedrich von Leibnitz für ihn verbürgten, gegen Leopold, den Erzdiakon der untern March, Stellvertreter des Erzbischofes, auch für den Fall der Berehelichung des Lichtenbergers aus der Gewalt des Hochstiftes 3). s. 1277. Um diese Zeit ist die Kirche des Nonnenftiftes Studeiutz. -n Stuöenitz auf Kosten des Bischofes Dietrich von Gurk neu aufgebaut und von ihm eingcweiht worden. Bei dieser Gelegenheit beschenkte Bischof Bruno von Olmütz (Wien, 10. Mai 1277) dieselbe mit einem Ablaßbriefe, und am 15. Juli 1277 wie-derhohlte der Aglaicrpatriarch Raimund die Anordnung seiner Vorfahren Derthold und Gregor, daß die Nonnen daselbst sich der Regel des h. Dominikus bedienen dürfen. Um diese Zeit war ein 1) Dipl. Styr. II. 90. -) Dipl. Styr. II. 213-213. 3) Salzburger Kammerbücher. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 403 heftiger Streit zwischen dem Pfarrer Heinrich in Schleunitz und den Nonnen zu Studenitz, da derselbe dem Nonnenstifte alle Zehenten und Sammlungen in seiner Pfarre verweigerte. Die Sache kam vor den Patriarchen Gregor von Aquileja, welcher dem Abte Heinrich von Oberburg die Entscheidung übertrug. Auf dessen Ruf erschien aber der Pfarrer Heinrich nicht und wurde daher im Gerichte in der St. Nikolaikirche zu Sachsenfeld sachfällig erklärt vor Johann, Prior und Heinrich, Brüder des Dominikanerkvn-vents zu Pettau, Leopold, Erzdiakon in Krain und in der March, Herrmann, Pfarrer zu Bleünik, und Heinrich, Vizepfarrer zu Sachsenfeld *). Nach dem, zwischen K. Rudolph I. und K. m 2y277-Ottokar geschlossenen Frieden schienen die, selbst zwischen K sunih, von Seite des Kaisers aufgeschobene Erfüllung, ja die Uebertrettung einiger Vertragspunkte und die dadurch oeran-laßte Beschwerde des K. Ottokar 2), wie auch die Veränderung der Verhältnisse zu neuen Unterhandlungen geführt zu haben. Ein neuer Vertragsbries (6. Mai 1277) enthält in Folge derselben folgende, Oesterreich, Steiermark, Kärnten und Krain betreffende, deutlicher bestimmte Punkte; nchmlich: Alle, von beiden Theilen vor und nach dem Friedcnsvertrage festgchaltenen Geisel und Gefangene sollen binnen fünfzehn Tagen (welche Zeitbestimmung der Frieüensoertrag selbst nicht enthielt) ohne Lösegeld, außer öem schon früher bezahlten, entlassen werden 3). Allen Dienern, Beamten und denjenigen, welche entweder dem K. Rudolph angehangen, oder thät-lich helfend mit der Parthei des K. Ottokar in Oesterreich, Steier, Kärnten, Krain und in der Mark einverstanden waren, sollen alle ihre, von irgend einem Theile vor oder nach dem Kriege entrissenen Besitzungen, Lehen und Rechte sogleich zurückgestellt, und sie selbst zu Gnaden wieder ausgenommen und darin gehalten werden. In zweifelhaften Fällen soll der Ausspruch des Bischofcs Bruno von Olmütz und dcs Burggrafen Friedrich von Nürnberg darüber ----------------- 26 * *) Studenitzer Urkunde. 2) Dolliner, Coil, Epistol. 57. 60. 64. 3) Mehrere Chroniken versichern, daß Ottokar diesen Vertragspunkt früher nicht und erst jetzt erfüllt habe. — Cliron, Salzb. et Neuberg, et Lam-bac. ap. Rauch, Anno 1277: ,,Rex Bohemiae obsidcs quos extorserat ab Australibus et Styrensibus et Karinthianis regi Rudolfo tum ad hoc compell enti reddidit captivos.“ 404 Steiermark bis zum Eintritte der vollzogen werden. Und sollte raider Erwarten ein derlei Beamter oder Helfer von einem Theile und dessen Helfer bedrängt werden, und wenn auf dessen Klage im offenen und nach dem Ausspruche der obengenannten Schiedsrichter in zweifelhaften Fällen keine Abhilfe und Genugthuung geschieht, so ist der beleidigte Theil befugt und schuldig, seinen Leuten zu helfen. Endlich sollen die königlichen Kapelläne, Geistliche und Geheimschreiber wegen ihrer Pfründen in Oesterreich, (Steter und Kärnten von dem Kaiser nicht beschwert, vielmehr ihnen bei jeder Verunglimpfung kräftige Hilfe und Ver-theidigung geleistet werden '). st. Rudolph'bl-ibt Die nähere Bestimmung dieser Vertragspunkte in Wien, schreibt war die Ursache des bald erfolgenden neuen Krie-ans, und gibt dafür ges gegen K. Ottokar 2). Der scharfsichtige K. 9tu» ^fttn^cmm Re^rs'. dolph kannte seines Gegners Charakter, Hoffnungen, Macht und Hülfsmittel zu gut, als daß er der Erfüllung aller Friedenspunkte gewiß scyn konnte. Cr durfte ein baldiges Zerwürfniß sicher erwarten; wobei entweder der Verlust oder die Festhaltung der bereits mit so vieler Anstrengung wieüergewonnenen österreichischen Länder am Reiche — die gewisse Folge seyn müßte. Diese Aussicht zwang ihn, noch länger in Wien zu verbleiben, und zwar umgeben von den vorzüglichsten geistlichen und weltlichen Fürsten des deutschen Reiches, und inmitten eines starken, für alle Fälle kampfbereiten Heeres. Eben deswegen mußte er zugleich, ungeachtet der bisher so bereitwillig und so reichlich erhaltenen Unterstützung von Seite der geistlichen und weltlichen Herren in Oesterreich, Steiermark, Kärnten und Krain, neuerdings ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Er schrieb daher eine Schätzung und Steuer auf alle Höfe (60 Denarien), Hofstätten (de Area 12 Denarien), Mühlen (30 Denarien), Steifer (von einem Man-sus 30 Denarien), Weingärten (de jugero vinearum 30 Denarien), Zehenten, ja sogar auf jeden Pflug (60 Pfennige) aus :‘). Alle geistlichen Reichsfürsten, die Kirchenoberhirten von Salzburg, Freisingen, Seckau, Lavant, Gurk, der Patriarch von Aquileja >) Gerb., Cod. Epist. auct. Dipl. 303. 204. — Pez. IV. 413—415. ") Kurz, Oesterr. unter K. Ottokar und Albrecht. I. 44—58. 3) Chron. Claustroneob. Pez. I, Anno 1277: ,,Hoc anno imposuit Rudol-phus rex cxactiones gravissimas toti Austriae. — Chron. Calmar. Anno 1277: „Rex Rudolphus novam exactionem adinvenit et a qno-libet aratro quinqne solidos postnlavit,“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 405 leisteten von ihren HochstiftSgütcrn und Reichslehen (Tafelgütcrnt, welche sie in Steiermark, Kärnten und Krain besessen, und sie vermittelten auch bei allen, ihrer Gerichtsbarkeit untergebenen Stiften, Klöstern und Pfarren, von diesen kirchlichen Gründen ergiebige Geldsummen (subsidia tolerabilia) zur Unterstützung des Kaisers; und zeigten sich jetzt auch rote früher gegen die neuerlichen Anforderungen desselben bereit und thätig. K. Rudolph säumte aber auch nicht einen Augenblilk, Allen dafür folgenden Dank und folgende feierliche Versicherung zu geben: «Rudolph, von Gottes Gnaden römischer König, immer Augu-«stus! allen, roelche gegenwärtige Urkunde einsehen, seine Gnade «und Alles Gute!" «Für alle jene Beweise großer Ergebenheit und Treue, roo« «mit unsere geliebten Fürsten, Friedrich, Erzbischof von Salzburg, «Dietrich, Bischof von Gurk, Bernhard, Bischof von Seckau, in «der wirklichen That bewiesen haben, mit welcher Neigung sie un-«sere Person berücksichtigen, und mit welchem Eifer sie daS rö-„mifche Reich umfassen, glauben wir dies beständige Andenken, »um sic ihrer Ehre und ihrem Ruhme gemäß zu erheben, durch »den Inhalt des gegenwärtigen Diplomes ausdrücken zu sollen — «daß nehmlich, als die Lage des Reiches, dessen Schutz wir tra-«gen, uns drängte, und wir das Reichsheer in österreichische Land-«theile führten, haben die genannten Fürsten so getreu, so kräftig, »und so standhaft in jeder Gefahr uns beigestanden mit Rakh, Gunst »und mit bewaffneter Hilfe, daß wir sie wirklich, Allen zum Bei-»fpiele, der Nachwelt überliefern müssen. Da nun aber während »unsers längern Aufenthaltes in diesen Landthcilen die für unsere «bewaffnete Macht nöthigen Gelder gänzlich versiegt waren und «wir auf keine andere Weife und aus keinem anderen Wege die-,,fem Bedürfnisse Vorsehung treffen konnten, so haben genannte «Fürsten, durch unser dringendes Bitten bewogen, freiwillig sich «zusammengethan, daß wir sowohl von ihren Dominikalien, als von „den Besitzungen der, ihrer Jurisdiktion in Oesterreich, Steier, «Kärnten und in der Mark untergebenen Stifte und Kirchen eine „erträgliche Unterstützung fordern dürften, damit der Stand einer »solchen Noth, welche uns und das Reich bedrängte, durch ihre »Beistimmung und durch die würdig zu erwähnende Unterstützung „gehoben werden möchte. Und weil das ergebene, in dieser Art „bezeugte Wohlwollen der genannten Fürsten ihnen und ihren Kir-«chen wider unseren Vorsatz und unseren Herzenswunsch eine Ver- 406 Steiermark bis zum Eintritte der „anlajsung zu einer Dienstbarkeit zuziehen könnte, welche unsere »Nachfolger uni) künftige Herren dieser vorgenannten Länder ih-»nen auferlegen möchten: so setzen wir, die wir für die Unver-»sehrtheit derselben sorgen wollen, durch ewige Anordnung fest, daß „keiner unserer Nachfolger in der römischen Herrschaft oder am »Reiche, rote auch keiner der Herren der vorgenannten Länder, die „vorbezeichnete, aus alleiniger Großmuth der genannten Fürsten „uns erwiesene Gunst zu einer Folgerung ziehen, fordern, oder »als gefordert zu sammeln wage und versuche, und daß der Vor-»greiser solcher Unbild wissen solle, daß er gegen die Emmunität »der Rechte und die heiligen Gesetze des römischen Reiches sich mit „gottesräuberischer Verwegenheit verbrochen habe. Wir haben auch „auf Treue und Glauben wie in Kraft eines Eidschwures den ge-„nannten Fürsten versprochen, daß wir in unserer Lebenszeit keine »derlei Anforderungen machen, sondern vielmehr jene Wege denken „und beobachten werden, wodurch wir ihnen und ihren Kirchen »diese Freigebigkeit mit dankbarer Erwiederung vergelten können, „indem wir noch dazu gegen alle zukünftigen Herren der genannten „Länder festsetzen, daß, wer es wagen wird, die Verpflichtung »gegenwärtiger Urkunde zu verletzen, als Vorgreifer eines solchen „Unrechtes, wenn er auf die dritte Ermahnung der Bischöfe nicht „abläßt, eine solche Last der Kirche aufzulegen, von dort an durch »das Recht selbst, als ein Undankbarer gegen die Kirchen, vor de-„ren Beschwerung er, gewarnt, nicht abgelassen hat, die Lehen „ verliere, welche er von den Kirchen besitzt, die er durch unrecht-»massige Anforderungen zu beschweren sich nicht gescheut hat. »Ueberüies soll der Ueßertrcter dieser Handoeste, welche 6ein Rechte „entspricht und Gewissenhaftigkeit in sich enthält, wissen, daß er „über die verdiente Schärfe der Dienstbarkeit die Zuchtruthe der „kirchlichen Zucht zu ertragen haben werde. Gegeben zu Wien am „28. Mai 1277 3.1277. Der wiederhohlte Vergleich, 6. Mai 1277, hatte Stiammnq zwischen K. R»dolrh und K. zwischen K. Ottokar und K. Rudolph noch nicht feste Einigung zu Stande gebracht, und es mußte erst in einem dritten Vertrage, zu Prag, 12. September 1277, auf ') Di|il. Styr. I. 337. — Lambacher, Anhang. 139— Ul. - Mon. Boic. XXVIII." 407, XXIX. 523. — De Lang. Regcsta. IV. 42: „Viennae 27. Juni. — Juvavia, Abhandt. x. 384. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 407 wiederhohlt bestimmte und klare Punkte und gegenseitige Schwüre der endliche Friede festgestellt werden ')• Indessen scheint es, daß K. Ottokar sich niemals ernstlich durch alle diese Verträge hatte binden lassen wollen. Denn er selbst verfolgte alle seine Untertha-ntn, welche sich für Kaiser und Reich gesinnt zeigten, mit Härte und Grausamkeit. K. Rudolph ließ ihn durch eigene Abgeordnete zur gewissenhaften Haltung der beschworenen Verträge ermahnen; erhielt jedoch von Ottokar eine Antwort, welche ungescheut und offen den Frieüensbruch beurkunüigte (31. Oktober 1277). Rudolph hielt darüber Fürstenrath, wozu er auch die Bischöfe Johann von Chiemsee und Bernhard von Seckau zog. Diese Fürsten mußten K. Ottokars Schreiben mit Schrift und Siegel bestätigen — dem römischen Reiche zum Beweise, daß der Böhmenkönig der frevelhafte Friedensbrecher sey 2). Was K. Rudolph vorausgesehen hatte, war nun eingetreten, und ein zweiter Krieg mit K. Ottokar unvermeidlich. Vor Allem versicherte er sich nun des ungarischen Beistandes und schloß mit K. Ladislaus zu Hamburg und Druck an der Leitha ein Schutz- und Trutzbündniß. Die schriftliche Mittheilung dieses Ereignisses an den Erzbischof Friedrich von Salzburg bewährt, daß K. Rudolph auch zugleich mit allen geistlichen Fürsten und weltlichen Herren, welche früher schon für ihn waren, fortwährend im vertraulichsten Verhältnisse geblieben war a). Neben diesen wichtigen Unterhandlungen beschäf- (f gil^(^Udun, tigte er sich auch mit den inner» Angelegenheiten tm f»r ©teiemett. der Steiermark. Am 1. Jänner, Wien 1278, be- j«st. willigte er dem salzburgischen Ministerialen Hart- *“"'1»"««”. 'e* nid von Leibnitz, daß er seine Kinder aus der Gattin Bertha (von Selüenhofen), einer Salzburgerministerialin, mit dem Hochstifte Salzburg nach altem Herkommen und Rechten theilen könne 4). Wien 22. Jänner 1278 erhielt das Stift Voran einen kaiserlichen Bestätigungs- und Schutzbrief 5). >) Rauch, Oesterr. Gesch. Hl. 639—647. -) Horneck. p. 137—139. — Lambacher, Anhang. Antwortschreiben des Kaisers. p. 141—142. •— Rauch, Oesterr. Gesch. 111. 647—650. 3} Fejer, Cnd. Ung. V. 11. 452 — 458. — Horneck. p. 139—140. — Chron. Austr. plen. Anno 1277. — Briefe des Kaisers bei Lambacher, Anhang, p. 143—146. — Kopp, K. Rudolph 1. u. seine Zeit 1. p. 227—250. '•) Urkunde des k. k. G. Archivs in Salzb. Kammerbüchern. VI. 31. N. 39. s) Johanneums-Urkunde. 408 Steiermark bis zum Eintritte der Am 14. Mär; 1278 fertigte K. Rudolph zu Wien folgende Urkunde zur Gründung einer freien Schulanstalt am deutschen Ordenshaufe zu St. Kunegund am Lech in Grätz: »Rudolph, von Gottes Gnaden, König der Römer, immer „Augustus!" »Da cs die Richtschnur wohlwollender Freigebigkeit ist, alle „religiösen und Gott dienenden Männer sorgsam mit ihrem Schutze „zu beschirmen, so müssen die Brüder des Ordens des deutschen „Hauses, des Hospitales St. Marias zu Jerusalem, welche mit »Hintansetzung des weltlichen Kriegerstandes Soldaten Jesu Christi „geworden sind, und regelmässig unter der Fahne des Heeres im „Kriegsdienste stehend, aus Liebe zum Erlöser sich dem Tode im „Kampfe mit barbarischen Völkern zu weihen nicht scheuen, desto „aufmerksamer begünstigt werden, je glorreicher sie zur Verthei-„digung des christlichen Namens bekanntermassen in dem Lager des „Herrn Kriegsdienste thun. Wir geben demnach allen Ge-„genwärtigen und Zukünftigen, des römischen Reiches Getreuen „kund und zu wissen, daß wir in Anbetracht der höchsten Ergebenheit und aufrichtigen Treue, wie auch der ausgezeichneten „Dienste, welche die religiösen Herren des vorgenannten Ordens „unserer erhabenen Majestät und zugleich auch dem römischen „Reiche geleistet haben, und mit Gunst des Herrn auch in Zu-„kunst leisten werden, aus Gnade königlicher Majestät, den erge-„benen und ehrenwerthen Brüdern des vorbezeichneten Ordens, „nämlich des deutschen Hauses in unserm Lande Steiermark, im „Orte, der genannt wird Dayrischgrctz, wegen Verehrung und zu „Ehren der h. Jungfrau Maria und der seligen Jungfrau Pa-„tronin Kunigundis, wie auch damit der Gottesdienst gedeihlicher „und löblicher verrichtet werden möchte, eine freie Schulanstalt in „demselben Orte gestatten und immerdar ertheilcn, so daß die oft »genannten Brüder einen Scholastiker einsetzen und absetzen kön-„nen, wenn sie wollen und es ihnen dienlich scheinen wird. Ueber-„dies wollen wir alle Schüler, welche die genannten Schulen be-„suchen, mit unserm königlichen Schutz und mit Schirm des heillgen „römischen Reiches sonderheitlich und solchergestalten bewahren, „daß, wenn zufällig einer derselben ein Verbrechen verübt ha-„ben wird, welches vor das Stadtgericht zu gehören scheint, es „keinem unserer Richter, oder Bürgern, oder Beamten deswegen „erlaubt seyn solle, die Schüler selbst einigermassen zu beschweren, «den Vorgesetzten Commendator allein ausgenommen, welchen wir, 409 Habsburgischen Fürsten. Z. 1246—1283. «solches zu bestrafen und zu bessern, vollständige Vollmacht mit »gegenwärtiger Urkunde ertheilen, indem mir fest und bestimmt »befehlen, daß alles Vorhergesprochene von euch allen unverbrüch-»lich beobachtet werde. Keinem Menschen sey es daher gestattet, »diese Urkunde unseres Zugeständnisses zu brechen, oder ihr ver-«wegen entgegen zu handeln, und wer es wagt, der soll wissen, »daß er dadurch in das Verbrechen beleidigter Majestät verfallen «sey. — Zeugen dessen haben wir gegenwärtige Urkunde aufrich-„ten und mit unserem MajestätSsigille befestigen lassen. Gegeben »zu Wien, 14. März 1278 ').« Auf Bitten der Bischöfe Johann von Chiem- ^ 3. ms. see und Bernhard von Seckau bestätigte hierauf (Wn 5?/»™ stifte der Kaiser, Wien, 18. März 1278, den über die 916monl cttnut-Gründung beider Bisthümer von K. Friedrich II. im Jahre 1218 ertheilten Majestätsbricf 1 2 *). Noch dem Zeugnisse vieler Urkunden hielt sich Abt Heinrich von Admont, seit K. Rudolph I. in Wien eingezogen war (1276, 127 7, 1278), vielfältig am Hoflager auf, und bewährte seine treue Ergebenheit durch thätliche Beweise. Auf seine und des Bischofes von Chiemsee Bitte ertheilte ihm K. Rudolph, Wien 30. April 1278, eine Erlaubnißurkunde, auf stiftischem Boden ein festes Schloß (das Schloß Gallenstein) a) zur Deschü-tzung des Stifteigenthums zu erbauen (quod nos grata et fidelia, quae lionorabilis vir Heinricus, Abbas Admontensis, devotus vir dilectus, nobis et imperio exhibuit). Der Kaiser bestehlt darin allen Adelichen, Grafen, Ministerialen, Rittern, Schützlingen und andern seiner Getreuen, auf Verlangen des Abtes diesen Bau nach Kräften zu unterstützen. Endlich bestätigte er dem Stifte auch das vollständige Gericht innerhalb der Klause im Admont-thale (praedicto Abbati propter fidei suae puritatem, de qua fiduciam gerimus inconcussam) gegen eine jährliche Abgabe von einem halben Pfunde Grätzerpfennige an die Kammer 4). 1) Dipl. Styr. II. 188-190. -) Dipl. Styl-. I. 336-337. — Am 15. Mai 1378 von Wien erließ K. Rudolph abermal einen Befehl, Eigenthum und Rechte des Stiftes Seckau zu achten und zu beschützen. Johann. Urkunde. ■*) Saalb. III. p. 40: ,,Idem licentiam, casti-um Gallenstaine erigendi a Dom. Hege impetravit.“ Adm. Urk. K. 1. — Saalb. III. 261 : „Pro consei-vatione bonorum ecclesiac suae et hominum concedimus munitionem in fundo ipsius ecclesiae admontensis erigere.“ 410 Steiermark bis zum Eintritte der K Rudolfi ,u Auch in die Steiermark selbst und wenigstens Bruck an der Mur. bis Bruck an der Mur herein hat K. Rudolph I. Urkunden für gante- 6erg, Schwanberg rinen Gana qethan. Denn zu Brmk an der Mur, 6, Mai 1278, erthetlte er den Burgern zu Landsberg an der Laßnitz, zu Schwanberg und Eibiswald die Hoheit des Gerichtes nach Gewohnheit und Einrichtung in andern Städten und Märkten in Steiermark, und eigene Wappenschilde, mit der Vergönnung, daß jeder Adeliche, welcher diese Rechte verletzt, mit 16 Marken hungarischen Geldes, gemeine Leute aber an Leid und Leben gestraft werden sollen ‘). Am 13. Mai zu Wien erließ K. Rudolph schriftlichen Beseht an die Landeshauptleute in Steier, das Chorhcrrenstist zu Seckau zu beschützen '). Au Wien in diesem Jahre entschied und bestätigte er auch für den Abt zu St. Lambrecht einige streitige Güter zu St. Martin im Lungau gegen den Bischos zu Bamberg und Grasen Friedrich von Orten-burg. Zeugen dabei waren: Bischof Bernhard von Seckau, Abt Heinrich von Admont, Otto von Lichtenstein l * 3)— Roch fallen in diese Zeitepoche folgende urkundliche Verhandlungen. Am 7. Februar 1278 stellte Erchenger von Lanüesere dem Ehorherrenstifte zu Seckau Weinberge in Rantengrube aus jenen Lehengütern wieder zurück, welche er soeben zur Belohnung seiner Dienste von K. Rudolph erhalten hatte, die jedoch früher Heinrich und dessen Sohn Ulrich, Schenken von Haugsbach, dem Stifte widerrechtlich entrissen und vorenthalten hatten. Der Edelherr Kalhoch von Schrattenstein leistete Zeugenschaft für das Eigenthum des Chorherren-stistcs 4). Zugleich stellte jetzt Erchenger dem Stifte alles, von seinem Bruder Siegfried gespendete und von ihm lange Zeit vor-, enthaltene Besitzthum zu Mürzzuschlag und die Waldung in Mitterdorf wieder zurück. K.I Am 23. Februar saß Wülfing von Stubcnberg »fenb-rg. Admont, zu Gericht in Kapfenberg und entschied den Streit Pfarre zu Witschein. _ . , „ . ^ um die Salzquelle im Hallthale bet Maria-Zell zwischen dem Stifte St. Lambrecht, dessen Abgeordnete Ulrich, Prior zu Mariahof, Burkarö, Propst, Otto, der Kellner daselbst, l3 Johanneums - Urkunde. ") Johannenms-Urkunde. 3) Saalb. von St. Lambrecht. „Datum Viennae 1278.“ 4) Johann. Urk. — Dipl. Styl'. I. 342-243. — Seckauer Saalb. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 411 und Heinrich, Pfarrer zu Maria-Zell, zum Gerichte erschienen waren, und Otto und Rapoto von Aussee und dem Zimmermann Konrad Hellinger zu Zelle (Salinarii de Zella), welche auf jene Salzquelle widerrechtlichen Anspruch machten, zu Gunsten des Stiftes. Heinrich, der Richter (von Maria-Zell), Dietmar vom Berge, Gotschalk von Niedeck, Heinrich von Spiegelfelde, Kalhoch der Schenk und Friedrich von Apfaltern, Otto von Goldeck (Schwager Wülfings), Friedrich und Wülfing (Söhne Wülfings), Ulrich, der Richter von Allenz, Maudlin Krell waren Zeugen '). Während seines Aufenthaltes am Hofiager zu Wien war Erzbischof Friedrich von Salzburg für seine Besitzungen in Steiermark thätig. Schon am 9. Jänner 1277 verkaufte er dem Stifte Admont die hochstistischen Zehenten zu Seitz, im Ließingthale, um andere Zehenten zu Micheldorf bei Friesach in Kärnten "). Zu Wien am 29. August 1277 vermittelte er ein Schiedsgericht, in welchem durch Grafen Heinrich von Pfannberg, Gcneralrichter in der Steiermark, und Konrad von Hintberg, Landschreibcr in Steier, der Streit des Ritters Herwik von Krotendorf mit dem Abten Heinrich um das admoutifchc Gut Selsnig im Märzthale und wegen Schuldforderung von 60 Silbermarken an den Ritter von Krotendorf dahin entschieden worden ist, daß Admont im ungestörten Besitze von Selsnig blieb, aber auch seiner Schulüsorde-rung entsagen mußte. Zeugen dabei waren: Walchun von Tim-merSdorf, Konrad von Graben, Herwik, Ritter von Leoben, Or-tolph von Torseul, Heinrich von Massenbcrg u. o. A. 3). Am 30. April zu Mühldorf und am 28. Mai zu Salzburg ertheilte Erzbischof Friedrich dem Stifte zu Admont, welches gleichsam ein Glied vom Körper des Erzstiftes scyc, zwei Gnadenbriefe, in dem einen die Bestätigung aller stiftischen Besitzungen, Rechte und Freiheiten ; in dem andern Recht und Vollmacht, an ihrer eigenthum-lichen Kirche zu Witschein einen oder mehrere Stiftspriester mit vollem Rechte und Ansehen eines Pfarrers derselben Gemeinde zu bestellen und mit derselben nach Belieben zu schalten 4). Zu ") Saalb. von St. Lambrecht. ") Admonter Uri XX. I I. 3) Adm. Uri H. 1. — Saalb. III. 294—295. '•) Adm. Uri A, 102. RR. 2. — Saalbuch. 291 : „Indulgemus, quatenus nobis liceat, in capella nostra Wetschin aliquem vel aliquos ex frat- ribus vestris monachos saoerdotes, qni ad ejusdem plebis regimen sufficientes et idonei censeantur, locare et statucre, et Iocatos rnutare, 412 Steiermark bis zum Eintritte der Wien am 14. März 1278 bestätigte der Erzbischof Friedrich auch die Privilegien der deutschen Ordensritter in Grätz und ihrer freien Schulanstalt BisAimUckM. Zu Leibnitz am 11. April 1278 gab Hartnid @6m,au@.i»c“($£n' bon Pettau, Marschall in Steiermark, dem Bischöfe otetBurg. Bernhard und seinem Bisthume zu Seckau ein Hauö im Seebache, zwei und zwanzig Huben in Schwarza, und acht Huben zu Weitersselüen mit allem Zugehör, vor den Zeugen: den Rittern Ekkard von Dobreng, Friedrich von Wolfsau, Herrmann von Reisach, Markard von Hcrbeinstorf, Heinrich von Dres-nich n. v. A. 2). Die Vogtei am Remschnik und bei Traberg vertraute das Stift St. Paul dem Offo von Emmerberg auf lebenslang (actum in foro Radlecli 6. Juli 1278). Am 2. Mai 1272 bewilligten Meinhard und Gertrude von Traberg mit Zustimmung ihrer Söhne Herbord und Otto, dem Sieghard von Truchfen, ihre Lehengüter bei Dcufing zwischen den zwei Bächen bis an die Hauptstraffe herab (viam regiam) dem Stifte Marnberg zu verkaufen, vor den Zeugen: Cholo von Selüenhofen, Otto von Marnberg, Ulrich von Selüenhofen, Leo und Butzo von Marnberg, und Heidenreich Afanch, Bauer von Gutenstein (rusticus, aber auch miles de Gutenstein) 3). Zu Voitsberg am 4. Juli 1278 siegelte Graf Ulrich von Heunburg und dessen Gemahlin Agnes den Brief, worin sie dem Karthäuserkloster in Geyrach schenkten die im Bezirke Tüffer gelegenen Villen Kunthal und Chalopp vor den Zeugen: Wulffng von Hannau, Pillung von Kainach, und Heinrich von Griffen 4). Bevor Leopold, der Freie von Sanneck, mit fei» quum opportnnum fuerit, pro vestro libitu valeatis, dantes ill is ni h i 1 o m i n u s auctoritate praesentium facultatcm , ut in Ugando et sol-vendo ac Confessiones audiendo et in omnibus aliis Ministerium veri plebani circa populum et circa divinum officium valeant exercere.“ l) Dipl. Styr. 11. 190: „Ut cultus divinus praeclarius celebretur, liberam scliolasteriam, quam Rex Rom. Rudolphus praenominatis fratribus in loco praedicto, videlicet in Grätz in colle, contulit et concessit, propter hoc, quod etiam praelibati fratres sc nobis in nostris servitiis multipliciter exhibuerunt et exhibent, cum nostro favore et benevolentia praemissam scliolasteriam confirmamus. Datum Viennae 14. Jlartii 1278. '0 Dipl. Styr. I. 341: „Actum in Leybcnz. Anno 1278. III. Idas Aprilis.“ J) St. Paul unb Marburg. Im Jahre 1278 ertheilte Graf Ulrich von Pfann-berg bent Stifte Biktringen Mauthfreiheit in Unterbrauburg. Dipl. Styr. If. 141 : „In Provincia nostra Tiver situatos villas Chiietal et Chalop. Actum et Datum apud Voitsperch. Anno 1278. IV. Nonas Jnlii.“ - Im Jahre 1282 ist diese Spende bestätigt worden zu Leibnitz Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 413 nein Heerfähnlein zum bevorstehenden Kampfe mit K. Ottokar von Böhmen in das Lager K. Rudolphs aufbrach, schenkte er zum Ersätze für viele Beschädigungen, das Patronatsrecht der Kirche zu St. Maria in Fraßlau dem Benedictinerstifte zu Obernburg vor den Zeugen: Berthold, Pfarrer zu Fraslau, Ulschalk von Volschke, Konrad von Rockhalm, Heinrich und Friedrich, Brüder von Aue, Leopold von Thurn, Eberhard von Wisest u. v. A. '). Der längere Aufenthalt des K. Rudolph in Oesterreich, seine zweifelhafte Lage gegen den Böh- b-i Mar»cck und menkonig , und die druckenden Steuern und Heer- favs bannslasten hatten nicht nur einige Reichsfürsten unzufrieden, sondern auch die Stimmung ter Landstände und Edeln in Oesterreich, Steiermark und Kärnten für ihn bereits minder geneigt gemacht 2). Bereits rüstete K. Ottokar mit aller Anstrengung und mit hohem Muthe, der selbst durch den erneuerten, und in allen Ländern von den Bischöfen verkündigten Bannfluch nicht erschüttert wurde. Er begann alsbald von Brünn her Bewegungen und Angriffe 3). K. Rudolph war noch nicht vollständig gerüstet. Erst am 14. August hatte er, vereint mit den Ungarn, bei Marchek ein befestigtes Lager ausgeschlagen, wo die Steirerherren Otto von Lichtenstein und Cholo von Seldenhofen an seiner Seite standen 4). Hier vereinigten sich mit ihm aus Jnnerösterreich Erzbischof Friedrich von Salzburg mit 300 Vasallen, Graf Meinhard von Tyrol mit 300,' Friedrich und Albrecht, Grafen von Ortenburg mit 300, Ulrich, Graf von Heunburg mit 200, Heinrich, Graf von Pfann- vor Ulrich von Schcrfcnberg, Otto von Walde und Friedrich von Leibnitz. Ibidem. 142. l) K. k. Gub. Registrat. in Grätz: „Ego Leopoldus Liber de Seunek, dum irem in expeditione cxcrcitus inelyti Regis Romanorum Rudolplii xer-rus Austrian) contra magnificum et illiistrcm regem Bohemiae, Otto-karum, timens ne in dieto praelio occiimbarcm, aut aliquo subito casu interirem, dedi Monastcrio 8. Mariae plebis de Y'razlaus jus patronatus, quod habere noscor a progenitoribus meis , nullum jus meis heredi-bus in eodem dcrelinqucns (sed practise propter Deum nee non pro diversis), pro damnis, quae dieto monastcrio feci, quac aestimantur ad sexingentas Marcas denariorum. Actum et Datum cst in Castro Scunekke. Anno 1278.“ ") Chron. Salzb. Anno 1278: „Quorum alii sc regi Romanorum manifeste objiciunt, alii occultis insidiis adern frangunt.“ 3") Annal. Dominic, ap. Urstis. II. 14. — Anon. Leob. Anno 1276 (1278) t „Rudolphus autem Ladislaum regem Ungariac, Suevos, Australesj Styrenses, Carinthianos advocat, cxercitum magnum conflans.“ o) Hagen. — Pez. I. p. 1089. 414 Steiermark bis zum Eintritte der berg mit 100 Reisigen; und 1000 Geharnischte waren insbeson-dere noch ans der Steiermark non Friedrich von Pettau, Otto von Lichtenstein, und Cholo von Selücnhofen hcrbeigcführt worden. Mit gesaininter Macht rückte er sodann am 25. August 1278 btö Wcidenbach vor ’). Bei Dürrenkrut und Jeüenspeugen tra-sen die Borposten zusammen, und entschieden für die blutige Schlacht am 26. August Freitag am Tage des h. Rusus. K. Rudolph hatte seine Krieger nach dem Rathe des kriegskundigen Hugo von Täufers in vier Heerhausen aufgestellt. Das dritte Heer bildeten die Steirer, Kärntner, Krainer, Salzburger und Schwaben. Hier befehligte K. Rudolph selbst * 2), dem K. Ottokar, der im Mittelpunkte seiner Heercssronie stand, gegenüber. An K. Rudolphs Seite führte der älteste Sohn Albrecht das Hcerpanier mit dem Kreuzzeichen. Reben K. Ottokar focht sein Sohn Nikolaus, Her-zog von Troppau. Die Nachhuth des böhmischen Heeres stand unter dem ehemaligen Landeshauptmann von Steier, nun Oberst-kämmcrer in Mähren, Milota von Dudic oder Dieüir. Die ungarischen Kumancn warfen sich mit Ungestüm auf die böhmischen Flanken und machten sogleich die Schlacht allgemein. Die lärmenden und kämpfenden Massen wogten zwei Stunden lang unentschieden, blutig hin und her. Auf beiden Seiten wurde erbittert und mit ungemeiner Tapferkeit gefochten 3). K. Rudolph selbst kam in die höchste Gefahr, von Herbord von Füllenstein und von einem thüringischen Ritter, der ihm das Pferd unter dem Leibe erstach, erschlagen zu werden 4). K. Ottokar war in Muth und Haltung der Löwe dieser Schlacht 5J. Aber die ausgezeichnete *) Hagen. — Chron. Austr. Pez. I. col, 1089. — Salzb. Anno 1278: „In Marchek collegit exercitum Australium et Styrensium, non quidem omnium, quia multi ex ipsis in lacum perfidiae ceciderunt.“ — Die Einfälle, welche zu dieser Zeit auch Graf Jban von Gysing aus Antrieb K. Ottokar in Steiermark gemacht haben soll, scheinen eben nicht sehr den steirischen Heerbann in Anspruch genommen zu haben. Chron. Salzb. Anno 1278: „Rex Bolieiniac ... procurante Paltramo induxitYbanum Comitem Ungariae ad aliam partem Austrian et Styriae devastandam.“ ") Horneck. p. 144—145. 3) Lambacher, Anhang, p. 168 in K. Rudolph Briefe: „Tantus porro ine-rat parti utrilibet triumphandi affectus, ut morte victoriam eomparare et vivere moriendo rem dignam et debitam quilibet aestimarct. lllio milites strenui equorum ungulis substernuntur, illic tanto sanguine humano terra perfunditur, ut nedum pugnantibus sed et pugnae du-ritiem intuentibus vitae taedium esse posset. “ 4) Hagen, p. 1091. — Unrest, Chron. Carinth. p. 507. 6) K. Rudolph bei Lambacher, Anhang.p. 168: „Licet autem rex praedictus militum suorum agmina dissipata videret, seque fere ab omnibus de- Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 415 Tapferkeit der Steirer '), die plötzlich (wiewol irrig) laut verkündigte Flucht eines Thciles der Böhmen, und Milota's mein-eidischcr Verrath im Augenblicke des Rufes und der Roth, entschieden den blutigen Kampf und stellten den K. Ottokar der äußersten Gefahr preis 2). Mit dem Pferde gestürzt, umürängten ihn schnell die Feinde und verwundeten ihn mit Schwert und Dolch an Brust und am Hals. Da kam Bcrthold, Schenk von Emmer-bcrg (ein Verwandter des auf Otlokar's Befehl im Jahre 1272 in Prag Hingerichteten Siegfrieds von Mährcnberg) herbei, erkannte ihn und kühlte die lange genährte glühende Rache. Nachher ward K. Ottokar, des königlichen Schmuckes und der Rüstung be-raubt, nackt und mit 17 Wunden durchbohrt, auf dein blutgetränkten Felde in Mitte von fast 12,000 Erschlagenen gefunden. Das ganze böhmische Lager mit allen Kostbarkeiten blieb eine Beute der Sieger "). relictum, adhuc.tarnen victricibus signis nostris cedere nolnit, sed more et aniino giganteo, virtute mirabili se defendit.“ ') Horncck. p. 151: „Mein Zehen möchten nicht achten, wie die Steyrer vach- . ten, sein wer banned) mer, dem Reich sy tnidjel Er dez Tags da crvachten vil wol sy gedachten, waz jn Ungemach und Smed) jn Nebel und in Ged) der von Peheim het crczaigt. Darumb ward.von jn genaigt, waz jn dez Tags wider draft; ez wart von so vil Ritterschaft nie pegangen pesßer Tat. Daz sew der Kunig von Rom hat in sein Schar gewelt, vnd sich zu jn gesell, dez sagten sy jm dankd). Manigs Swerts flam und vankch, dapei ein 25aEd)d wer zuntt, da sach man sew zu der stund auz den Helmen hawen, sy lizzen da schawen, daz sy hinhaim luczel sarigten. Waz jn die Peheim parigten, daz ward jn alßo vergolten, da sy beliben ungeschälten, mit dhain Dingen lizzen sy sich dringen, von dem Sturm-Vanen; niempt torst sew manen, waz zu Manhait geczug, davon man dhain Lug gelauben solt auf sew. Fürwar sag ich Euch, sy pegiengen da solhe wcrich, daz der Purkchgraf von Nurnberig dem Kunig seit selb sagt, daz er vil nahent, hat verczagt, dez Sigs, der seit geschach, vnczt er die Steyrer sach pegen solich Frum- chait; aus seinem Herczen do verjait gut Geding die Foricht.« ") Hagen, p. 1091. — Unrest, Cliron. Carinth. p. 507—508. 3) Rauch, Oesterr. Gesch. III. «12—674. — Briefe K. Rudolph an den Papst Nikolaus III. und Erzbischof Friedriä) von Salzburg über seinen Sieg, bei Lambacher, Anhang. 167—170. — Uebcr die Art und Weise, wie K. Ottokar in dieser Schlacht umgekommen, besagen die altern Geschichtsquellcn Folgendes-. Lambacher, Anhang, p. 168 — 169 im Briefe K. Rudolph. ,,Donee quidam ex nostris militibus ipsum mortaliter vulneratum, una cum dextrario dejecerunt, tunc demum ille Rex magnificus cum vic-toria vitam perdidit.<£ — Chron. Austriac, ap. Rauch. II. 1278: „Rex autem Roliemiac inclitus ab hostibus capitnr, trahitur, percutitur, ab equo dejicitur, a Bertlioldo dapifero de Emerberch ac aliia multis nobilibus nimium fcssus in terrain dejicitur, et per cervicem lancea perforatur ac multis plagis affectus ultimo gladio transflxus, in eodem loco mortnus cst.“ — Hagen. Pez. I. p. 7091. — Horncck. p. 154: „Ewr yegleicher mir vergeh, ob ich icht han wider euch getan, vnd lat mich nach den Schulden chomen zu Ewrn hulden, sprad) der Kunig von Pehaim, 416 Steiermark bis zum Eintritte der Gotte^frieden aufI0 ®° m0r K. Sttofßf, üls König UNÜ KNkgs- 2«hre indcrTt-ier. Held der hervorragendste und gewaltigste Mann seiner Zeit, und mit ihm Böhmen von seiner Höhe gefallen K. Rudolph besiegelte jeden weitern Waffenkainpf durch Verheirathungen seines Sohnes Rudolph mit Agnese, K. Ottokars Tochter, und des jungen Döhrncnkönigs Wenzeslaus mit der kaiserlichen Prinzessin Gouta. Längst schon, ja seit seiner Erhebung zum Oberhaupte des deutschen Reiches, hatte K. Rudolph beschlossen, mit den babenbergisch- österreichischen Ländern auch die schöne Steiermark an sein Haus zu bringen. Er verwies nun alle Bewerber darum aus den nächsten Reichstag, wo nur allein nach Rath und Willen der Chursr'irstcn, wie er cs geschworen habe, Ir gelt mir de» Oeheim Herrn Seifrid von Mernberig und wert jr grosser dan ein Perig, dez ich nicht wird ergeczt, wann daz ir hie geleczt wert von meiner Hannt.«—Hagen, p. 1091: „Dieses sahen etliche, denen er vormahls ungütlich gethan hatte ab der Steiermarch, die ihm besonderlich fast nacheilten. Da wurden zwei erschlagen der Führer, und von seinem Roß K. Ottokar ward gefallet. Der König grosses Verheißen that, damit er gern hat sein Leben gefristet. Da ihm Alles nichts half, wann einer zu ihm sprach: Er hätt' seinen Freund, den Marnberger getödtet, ohne alle Schuld, darum auch er leiden müßte den Tod. Und einer durchstach ihn mit seinem Schwerte, der Andere stach ihn mit einem Messer in den Hals; da der König also starb. Die zwei ritten hinwider zu dem Heere und thäten dem nirgend gleich. Die Buben K. Ottokarn gar entblößen.« — Chron. Salzb. Anno 1278: „Tune quidam ex Australilms Regem Bo-hemiae non suimet bene compotem circumdantes, capiti suo galeam multornm ictuum tonsionibus malleatam evellunt, et dum rogaret, se capi, captus quasi decem et septem vulnevibus vulneratus ad terram prosternitur, sieque in manibus hostium exlialavit. 0 quam modica reverentia imo gravis injuria Regi mortuo irrogatur! Armis enim exuitur, sed ct indecenter omnibus vestibus corpus mortuum spoliatur. — Ad hoc dirnrn spectaculum laeti confluunt victores, illudunt mortuo, insultant ill! in faciem , quem paulo ante longo a se positum trepidi formidabant.“ — Anon. l.eob. Anno 1276 (1278): „Et func in Ot-tokari collum misso a suis seorsum obnubilatus sub galea ducitur ct relinquitur: et inox ab Australibus et Styrensibus in ultionem sanguinis amicorum, quos indebite necaverat, damans horribiliter et affida-tionem promittens acutissimis gladiis est perfossus. — Rex autem Bo-licmiae ilia die, qua occisus fuerat, »udus nt egressus de utero ina-tris suac est, per praedictum Bertholdum Dapiferum de Emerburg plau-stro superponitur et in Marcheggam ducitur.“ — Beschreibung dieses Kampfes im Briefe K. Rudolphs an den Papst. — Fejer, Cod. Ung. V. II. 459—460. — In Horneck p. 141 — 168. die umständlichste Beschreibung dieser Schlacht. — Auch Chron. Austriac. Rauch. II. 259 — 275.— Joan. Victorious, ibid. p. 308—312: „Ottokarus ab Australibus atque Styrensibus in ultionem sanguinis amicorum, quos indebite necaverat, acutissimis gladiis est perfossus.“ — Hanthal. I. 1093—1104. l) Horneck. p. 155—158. Urtheil über K. Ottokar. 417 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. jenen Reichsländern ein neuer Herr gegeben werden sollte'). Inzwischen verwendete er sich sogleich und thätigst für die Wiederherstellung der Ruhe, des Rechtes und der Ordnung auf dem Grunde der Sicherheit der Personen und des Eigenthumes in Oesterreich und Steiermark. Vorerst ließ er die Stamm- und Kammergüter und Gefälle der früheren Landesfürsten, so wie sie H. Friedrich der Streitbare in diesen Ländern besessen hatte, erheben und beschreiben, viele derselben aus widerrechtlichem Besitze zurück bringen, Alles in einer ansehnlichen Versammlung der ihn stets umgebenden Fürsten, Grafen und Freien des Reiches und der Vordersten der Stände feierlich bestätigen, und so die Renten der künftigen Beherrscher von Steier und Oesterreich auf alle diese Güter und Gefälle seststellen. Hierauf gründete er Ruhe, Recht, Sicherheit und Ordnung im Innern durch einen von den Ständen, Ministerialen, Rittern, Gemeinfreien und Bürgern dieser Provinzen wechselseitig beschlossenen und beschworenen Vertrdg, einander durch zehn Jahre nicht zu bekriegen, ja vielmehr jede frevelhafte Fehde mit vereinter Kraft zu unterdrücken * 2 3). Selbst den Zustand der Juden sicherte er durch eine Handveste auf dem Grunde ihres, von H. Friedrich dem Streitbaren, I. 1244, ertheilten Briefes, worin denselben eben so wie allen andern Unterthanen die Huld und Gnade des Landesfürsten zugesichert wurdet. Bis in die Mitte September 1279 hielten diese x in Geschäfte den Kaiser in Wien fest, von wo aus da-her auch für die Steiermark zahlreiche Diplome ge- Mamberg. fertigt worden sind. Am 21. Februar 1279 verpfändete K. Rudolph dem Otto von Lichtenstein für seine treuen Dienste die Mauthen in Ketzlegern (?) und Judenburg um 400 Marken Silbers, so wie sie früher Dietmar von Offenburg time gehabt hatte 4). Am 16. April 1279 zu Wien bestätigte Rudolph die Entscheidung Friedrichs von Pettau, Landrichters in Steier, der i) Anon. Leob. Anno 1277: „ßuibus rex respondit: hoc non posse fieri sine principom consensu, sed ilia in curia, quam in Augusta conce-pisset agere, pertractanda et sic distulit responsa.“ 3) Die Vertragsurkunde für Oesterreich aufgerichtet. Kurz, Ottok. u. Albr. Beilage X. 3) Ebendaselbst. Beilage IX. '■) Archiv f. Geschichte. Z. 1837. - Kaltenbä'ck. III. 304 (?). Gefch. v. Steiermark. — V. 235. 27 418 Steiermark bis zum Eintritte der dem Erzbischöfe Friedrich von Salzburg im Streite mit den Brüdern von Massenberg das DorfNennensüorf eingeantwortet hatte, weil dagegen keine Appellation eingelegt worden war '). Am 15. Mai 1279 versicherte K. Rudolph dem Chorhcrrenssifte zu Seckau für die bisher geleisteten Dienste an Marchfutter und Vogtrecht im Gerichtsbezirke Knittelfeld zehn Jahr? hindurch jährlich 40 österreichische Metzen Hafer und zehn Mark Silber zu beziehen * 2). Am 17. Juni 1279 erneuerte er dem Spitale am Pyrn die von Bischof Otto II. von Bamberg und H. Leopold von Oesterreich ertheilten Privilegien, übernahm die Vogtei und befreite es von der Gerichtsbarkeit, von den Mauth- und den Zollabgaben durch Oesterreich und Steiermark 3). Zwischen dem 9. September und 1. Oktober war sodann K. Rudolph in die Steiermark gekommen. Vom 2. bis zum 13. Oktober verweilte er in der Hauptstadt Grätz. Hier am 2. Oktober 1279 bestätigte er den Zeugenschaftsbrief des Erzbischofcs Eberhard II. von Salzburg und des Herzogs Leopold des Glorreichen (I. 1203) daß der, vorgeblich von dem steierischen Landesfürsten bestellte Aftervogt Wülfing von Stubenberg von allen, gegen das Stift Steiergarsten gemachten Forderungen freiwillig abgestanden sey und darauf verzichtet habe 4). An eben diesem Tage und am 6. Oktober ertheilte er dem Stifte der Nonnen in Göß ein Bestätigungsdiplom ihrer früher» Majestätsbriefe, K. Heinrich II., H. Leopold des Glorreichen und K. Friedrich II. (von den Jahren 1020 und 1230) mit dem Rechte der freien Wahl eines Vogtes 5). Wieder am 2. Oktober 1279 bestätigte er die Urkunde des Grafen Heinrich von Pfannberg, wodurch dieser das Schloß Mahrenberg, die Vogtei am Remschnikgebirge und das Gut Fcistritz von dem Stifte St. Paul im Lavantthale zu Lehen erhielt °). Am 7. Oktober 1279 saß K. Rudolph persönlich im allgemeinen Gerichte in Grätz, wo unter Andern ein Vergleich zwischen Hartnid von Stadek, dessen Gemahlin Diemut von Vels- L) Jahrb. b. Literatur. Wien. 1845. I. 260. - K. f. Geh. Archiv. 2) Johann. Uri — Dipl. Styr. I. 243: „Rudolphus D, G. Rom. Rex — scribis et judicibus per Styriam.“ 3) Lichnowsky, Regesten. I. 556. 4) K. i Geh. Archiv. 5) Dipl. Styr. 1.22-26: „Unter Zeugenschaft der Bischöfe Johann von Gurk, Bernhard von Seckau, Gerhard von Lavant, Otto von Haslau, Erchenger von Landesere, Otto von Liechtenstein. Datum ap. Graetz. VI. Non. Octob.“ 6) K. k. Geh. Archiv. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 4^19 berg, und dem Bischöfe Bernhard von Seckau über Ansprüche der ersteren auf das Gericht in Pirkfeld geschloffen worden ist *). Von Grätz begab sich K. Rudolph in die obere „ 3- ,1279' a Steiermark. Am 13. Oktober 1279 bestätigte er zu denburg. Vcrgl-ich Judenburg die Besitzungen, Emmunttät und Rechte rich «°n H-ünburg der Kirche und Abtei zu Berchtesgaden 2). Da er- imt fcc|" schienen auch vor ihm Graf Ulrich von Heunburg und seine Gemahlin Agnes. Diese, durch ihre Mutter Gertrude Enkelin des Herzoges Heinrich von Oesterreich, stellte an den König folgendes Begehren: da er Oesterreich, Steier, Kärnten, Kram und die March sich unterworfen und an das römische Reich gebracht habe, so möge er nunmehr die, ihr aus dem Erbe ihrer Vorahnen und namentlich des H. Friedrichs, Bruder ihres Großvaters, dessen Cigcngüter ihr gehören, in den genannten Ländern zustehenden Rechte anerkennen; zugleich bat sie auch um Herausgabe jener Güter, welche ihr H. Ulrich von Kärnten, ihr erster Gemahl, als Heiratsgut ausgesetzt hatte. Seinerseits verlangte Graf Ulrich von K. Rudolph, daß er ihm die Herrschaft Pernek und die Stadt Drosendots, die ihm nebst andern erblichen Gütern angehören, zurückstellen laste. Diesem doppelten Begehren setzten die Landherren und Amtleute des Königs entgegen: Beide hätten sich damals, als sie die Ehe eingingen, nach langer Verhandlung mit dem Könige von Böhmen endlich freundlich verständigt und alle ihre Rechte in jenen Ländern auf denselben übertragen; Ottokar habe hinwieder bei der Verzichtleistung auf die genannten Fürstenthümcr das von ihm erkaufte Recht an den römischen König abgetreten. Die beiden Eheleute sagten aber dagegen, daß Ottokars Gewaltthätigkeit ihnen den Vertrag abgedrungcn habe: zugleich zählten sie die ihnen von ihm angewiesenen Pfandschaften auf, rechneten den einzelnen Ertrag nach, und erklärten sich bereit, für ihre Beweise beglaubigte Abschriften vorzulegen. Unter diesen Umständen sprach K. Rudolph dem Grafen von Heunburg und seiner fürstlichen Gemahlin 6000 Marken Silber alS jährliche Rente zu, und setzte ihnen hiefür meist Güter zum Pfand, welche seine Söhne vom Hochstiste Salzburg zu Lehen trugen. Anwesend dabei waren: Johann von Gurk, Bernhard von Seckau, Gerhard !) Dipl. Styr. I. 340—341. 2) Hund. Metropol. II. 183. Lünig. Spicileg. Eccles. III. 31. 42Ö Steiermark bis zum Eintritte der von Lavant, Konrad von Chiemsee, Abt Heinrich von Admont, Herzog Albrecht von Sachsen, Friedrich, Burggraf von Nürnberg, Graf Hugo von Montfort, Friedrich von Ortenburg, Heinrich von Pfannberg, Friedrich von Pertau, Wülfing von Stubenberg und Otto von Lichtenstein. Am 22. Oktober 1279 siegelten hierauf Graf Ulrich von Heunburg und die Fürstin Agnes folgende für Steiermark wichtige Urkunde: „Allen, die diese Urkunde lesen werden!« „Wir Ulrich und Agnes, Graf und Gräfin von Heunburg, erklären mit gegenwärtiger Urkunde, daß, nachdem unser öurchlauch-„tigster Herr, Rudolph, römischer König, die Provinzen Oester-„reich, (Steter, Kärnten, Krain und die March, welche einst K. „Ottokar von Böhmen in Besitz gehabt hatte, sich unterworfen »und mit dem römischen Reiche vereinigt hatte, ich, Agnes, den „vorgenannten Herrn unterthänigst gebeten habe, daß er die, mir „in den vorbesagten Ländern zustehenden Rechte in Gemäßheit der „Nachfolge meiner Dorältern und vorzüglich des Friedrichs, Her-„zvgs von Oesterreich, meines Batersbruöers, dessen Güter und „Eigenthum mir zuzugehören ich behauptete *), gnädig anerkennen „möchte; ailch habe ich gebeten um fine Güter, welche mir der „erhabene Fürst Ulrich, Herzog in Kärnten, weiland mein Ge-„mahl und Herr, gespendet und mir bei der Vermählung zuge-„wiesen hat. Auch ich, der vorgenannte Graf Ulrich, habe den Vor-,,genannten, meinen Herrn, den römischen König, gebeten, daß er „mir die Herrschaft Pernelke und die Stadt Drosenüorf mit ih-„rem Zugehör und einige andere Güter, mir in den Landtheilen „Oesterreichs aus erblicher Nachfolge gehörig, zuweisen lassen möchte. „Auf diese unsere Forderungen haben die Edlen der genannten „Länder und die Amtleute unsers vorbczeichneten Herrn solcher-„gestalten geantwortet: daß zwischen dem oorbezci'chneten König „von Böhmen eines, und zwischen beiden Ehegatten andern Theils, „damals, als wir die Ehe geschlossen haben, über denselben Ge-„genstand Unterhandlung gepflogen, und daß nach mehrfachen Der-„handlungen eine freundschaftliche Uebereinkunft geschlossen worden „sey, unter deren Vorwände wir all unser Recht, welches wir auf die i) ,,Ut jura mihi in praedictis terris competentia ex successione Pro-genitorum meorum et maxime bonac memoriae quondam Friderici Du-cis Austriae, Propatrui rnei, cujus bona et proprietates ad me spec-tare dicebam, recognosceret gratiose.“ Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 421 „vorgenannten Länder aus vorbezeichneten Gründen gehabt, demselben König aufgegeben, und auf ihn all unsere Rechte freigebig »übertragen haben sollen, welcher König dann das von uns ge-«löste Recht auf unfern Herrn, den römischen König, übertragen »hätte, damals, als er auf die vorgenannten Länder Verzicht ge-»leistet hat. Wir erwiederten aber unsererseits, daß alles, was »wir mit dem Könige von Böheim gehandelt und im Vorbezeich-»neten geschlossen haben, durch seine gewaltkhätige Schlechtigkeit und »furchtbare Schreckens - Erregung von unS erpreßt worden fty. „Auch aus andern Ursachen und Gründen sagten wir, daß der »Böhmenkönig selbst uns unter dem Titel einer Hypothek (Si-»cherstellung) oder Pfand verpfändet hat Güter, Besitzungen, »Herrschaften, Burgen und Schlösser, welche unten namentlich „angeführt werden, und zwar: Weizen von den vier genannten „Gerichten 352 Metzen und 2 Maße, oder 70 7a Oesterrcicher „Metzen, oder in Geld 770 's- Mark. An Hafer 529 Metzen, »oder 104 Oesterreicher Metzen oder 52 Marken. 172 Schweine „oder 11 Marken. 166 Schafe mit ebenso vielen Lämmern, oder »15 Marken. In den Aemtern der vier Schephonen in Tüffer „um Sachsenwart, an Wein und Bergrecht 70 Marken, so wie „die Herrschaften und Güter selbst eingerichtet und gebessert sind „mit den Rücksässigen, Leibeigenen und allem übrigen Zugehör, »mit ihren Gerichten, Gerichtsbarkeiten, Vogteien, Bezirken, mit »Nutzungen und Erträgnissen von Fischereien, Jagden und allen «Rechten, geradeso, wie die Landesfürsten, wailanü Leopold und „Friedrich, Herzoge in Oesterreich und Steier, dieselben Güter »und Herrschaften besessen haben. Uebrigcns die Ritter und Edel-»herren (viri militates et nobiles), welche in den Bezirken der »genannten Pfandländer wohnen, kommen in diese Verbindlichkeit »nicht; sondern diese hat unser vorbcsagter Herr seinem Wohlgefallen Vorbehalten; welcher ihnen jedoch gestattet, sich uns dienst-„bar und ergeben zu bezeugen. Die Erträgnisse der bezeichneten »Güter hat unser oftgenannter Herr uns und unfern Kindern »beiderlei Geschlechtes aus die Pfandesdauer übertragen, auf daß „wir destomehr die gegen uns wohlgeneigte königliche Freigebigkeit „fühlen. Wir entsagen daher für uns und unsere Erben aller „Hilfe der Gesetze und Canonen und jeglicher Gewohnheit, welche „das Vorbestimmte in irgend einer Hinsicht ganz oder zum Theile »aufheben könnten, indem wir versprechen............................ 422 Steiermark bis zum Eintritte der »Dazu werden wir auch alle Abschriften und Ueberschreibungen »aller Urkunden und Handvesten, welche die vorgenannten Gegen-„stände berühren, und welche wir gegenwärtig in öfcn Händen »haben, unferm Herrn selbst unter unferm und der ehrwürdigen »Väter, der Herrn, Friedrich, Erzbischoses zu Salzburg, der »Bischöfe, Johann zu Gurk, Bernhard zu Seckau, und Gepard »zu Lavant, und Herzogs Albert von Sachsen JNsigeln, zumit-»teln, indem wir diesen und andern Urkunden und Handvesten, «auf dieses Geschäft bezüglich, entsagen, wenn dergleichen zu un-»sern und unserer Erben Händen in Zukunft kommen sollten; »welche alle wir von jetzt an abthun und sie außer Kraft gesetzt »wissen wollen, daß aus ihnen uns fürder kein Recht zustehen »solle, wenn immer sie vorgebracht werden mögen; während jedoch „die Verfügung über das Pfand selbst und der volle Empfang der „Renten uns und unfern Erben beiderlei Geschlechtes verbleibt, bis «nicht nur uns und unfern Erben die obengenannte Geldsumme »durch besondere Zahlung gelöst, sondern indem das ganze Pfand „mit vollständigen Renten gemäß oben gegebener Bestimmung ovll-„ständig und gesetzmäßig bezahlt wird. Zeugen sind die ehrwürdi-»gen Väter und Herren: Friedrich, Erzbischof zu Salzburg, die »Bischöfe, Johann von Gurk, Bernhard zu Seckau, Gerard zu »Lavant, Konrad, erwählt für Chiemsee, und Abt Heinrich von „Admont. Die Edelherren (nobiles viri) Friedrich, Burggraf zu „Nürnberg, Burgharü von Hohenberg, Hugo von Wertenbcrg, „Eberhard von Katzenellenbogen, Friedrich von Ortenburg, Hein-„rich von Pfannberg und Hugo von Montfort; die gestrengen »Herren: Friedrich von Pettau, Wülfing von Stubenberg, Otto „von Lichtenstein u. o. A. Gegeben und geschehen zu Judenburg „am 22. Oktober 1279." Dieser Urkunde wurde auch an demselben Tage beigefügt ein Verzeichniß der sämmtlichen Pfandgüter und deren Renten, und zwar die Steiermark betreffend, wie folgt: «Zuerst das Gericht^ „in Voitsberg für 200 Marken. Das Gericht in Tobel für 6 „Marken. Weiters, 150 Metzen Hafer für 90 Marken. Wein „in Voitsberg und in Rohbach für 38 Marken. An Zins 457 »Vierling schweren Getreides (duri grani) für 59 Marken und „50 Pfennige. An Hafer 840 Vierling für 63 Marken. An »Zinspfcnnigen 34 Marken. An Steuer 100 Märken. An March-„dienst 950 Vierling Hafer für 68 Marken. In Tobel, Mou-„tendorf, Premstetten, Pirbaum 14 Marken Renten. Die Stadt Habsburgischen Fürsten. I. 1246-1283. 423 »Voitsberg mit dem obern und untern Schlosse und das Schloß »in Tobel. Zu Tüffer 300 Mark Renten. Dom Amte der vier »Schcphonen, im Amte der Schcphonen Griüei, Lcutold, Jurizla »und Zoschiz. In diesen vier Aemtcrn find uns zugewiesen 524 »Huben, ausgenommen Supponen 105. An Weizen in den ge-«nannten vier Aemtern 352 Metzlein (modiolae) und zwei Maße „oder 70' 2 österreichische Metzen, oder 70VS Mark in Denarien. «An Hafer 529 Metzen oder 104 österreichische Metzen oder 152 »Marken. 173 Schweine für 11 Marken. 166 Schafe mit eben „so viel Lämmern, für 15 Marken. In den vier Schephonenäm-»tern zu Tüffer und um Sachsenwart an Wein und an Bergrecht „70 Marken. Im Orte ........ 70 Marken. Vom Markte »Sachsenfelü 20 Marken. Die Burgen Sachsenwart, Tüffer, Vreu-„deneck und Klausenstein ')." Von Judenburg nahm K. Rudolph seinen Weg ^ bcr nach Zeiring, wo er die uralten Silberbergwerke Z-lring »nd m Rot- ^ ^ z, tenmann. Die L-tadt besichtigte. Am 23. Oktober 1279 am Berge Ceirich s^mt ->» , Friedrich v. Pettau. stellte er dem Erzblschofe Frledrlch von Salzburg einen Gewährbries zu, daß die mit dessen Zustimmung vollbrachte Belehnung des Grafen Ulrich von Heunburg und seiner Gemahlin Agnes mit salzburgischen Hochstistslehen diesem Hoch stifte in keiner Hinsicht Gefährde thun solle l) 2). Zeugen dabei waren: Abt Heinrich von Admont, Landschreibcr in Steier, Burggraf Friedrich von Nürnberg, Otto von Lichtenstein, Meister Konrad, oberster Schreiber, Meister Konrad, Landschreiber in Oesterreich 3). Ebenfalls zu Zeiring am 25. Oktober 1279 siegelte er die Urkunde, worin er die, von weiland Ulrich, Erzbischof zu Salzburg, an K. Bela IV. von Ungarn um 3000 Marken Silber verpfändete, nachher an K. Ottokar und von diesem an K. Rudolph selbst, gelangte Stadt Pettau sammt der Burg dem Friedrich von Pettau für 2100 Marken überläßt, und ihm dafür auch auf zwei Jahre Gewähr leistet. Don Zeiring zog K. Rud. über den Rotten. l) Lambacher, Anhang, p. 173—178 — Herrgott. Monum. II. p. 250. hat: 22. Sept. 1279. *) Jahrb. d. Liter. Wien, 1845. I p. 261. — Monte Cayrich. Anno 1279. X. Kal. Novembr. — Koch - Sternfeld, Beitr. III. B. p- 85—86. 3) K. k. Geh. Archiv. — Salzb. Kammerb. IV. p. 129. — Jahrb. d. Lit Wien, 1845. I. 261. 424 Steiermark bis zum Eintritte der tncmnerfouern ins Paltenthal nach Rottenmann, wo er am 23. Oktober 1279 eine Reversurkunde über die, in den österreichischen Ländern gelegenen und nun auf sein Haus übergegangenen Bam-bergerlehen gefertigt hat, insbesondere über das Schloß Mautrn-berg und die Mauthstätte daselbst Bevor K. Rudolph das Land Steier verließ, scheint er an der Spitze der Landesverwal-tung bestätigt oder wohl gar neu eingesetzt zu haben den Edlen, Otto von Lichtenstein als Landeshauptmann, und den Abten Heinrich von Admont als Lanöesschreiber * 2). Wie mehrere Urkunden bewähren, war K. Rudolph am 5. November 1279 in Linz und am 7. December schon wieder in Wien zurück. Zu Linz hatte er dem Stifte Kremsmünster Mauth- und Zollfreiheit verbrieft 3). Non dem Jahre 1279 berichtet Johann von Viktring eine solche Hungersnoth, daß man Hunde, Katzen, Pferde, ja sogar Menschenleichname verzehrt habe 4). 3. im. 1279. Gleichzeitig mit K. Rudolphs Aufenthalt in Raitzerhof bei Mnr- Wien und ftmer Resse durch Steiermark fallen noch andere, das Land betreffende Ereignisse. Zu Wien am 31. December 1270 leistete Abt Heinrich von Admont dein Erzbischöfe Friedrich von Salzburg Gewähr für Hermann von Welbotz und den Judenburger Skolaris, welchen der Erzbischof seinen und seines Erzstistes Antheil an den jährlichen Erträgnissen der Mauth zu Rottenmann im Paltenthale für 200 Pf. Wienerpfunüe löthigcn Silbers (pro boni et legalis ar-genti, quod vulgo Leretich dicitur) verpachtet hatte 5). Am 2. Jänner 1279 zu Waiühofen an der Jps schloß Abt Heinrich von Admont mit Bischof Konrad II. von Freisingen den Vertrag, daß den Hörigen beider Kirchen wechselseitig die Heiraten sreigestellt, die Kinder solcher Ehen aber in gleicher Zahl gleich getheill werden sollten, bei ungleicher Zahl aber ein überzähliger Knabe jenem *■) Lünig, Spie. Eccles. II. 33. 2) Joan. Victor. Boehmer, Fontes. 1. p. 312. — Anon. Leob. Anno 1377: „Rex. veversus in Austriam, Styriam lustravit, ibique Carinthianos et Carniolanos alloquitur, et fidelitatem ab «is recepit: terrisque eorum per IHeinhardum comitem et officiales dispositis venit in vallem Ana-si.— Styria etiam ordinata per Abbatem Adinontensem, in Austriam est regressus.“ 3) Pachmayr. p. 139. 4) Joan. Victor, ibid. 313. 5) Admonter Urk. D. 40. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 425 Theile zufallen solle, öem Sie Mutter hörig ist Im Februar 1279 hierauf erscheint der Admonterabt Heinrich zu Wien und neben Friedrich von Salzburg, Johann von Chiemsee, Bernhard von Seckau, und den kaiserlichen Prinzen Albert und Hartmann auch als Zeuge in jenem wichtigen Majestätsbriefe, in welchem K. Rudolph die Rechte der römischen Kirche bestätigte Zu dieser Zeit waren dir mächtigsten Edelherren von Ernfels und die von Trewenstein im Lchensbesitze der salzburgischen Schlösser, der obern und untern Burg Strcchau, sammt dazugehörigen Gütern. Die Trewensteiner geriethen dadurch mit öem Stifte Admont in Reibung, dem sie einen Hof, unterhalb jener Burgen gelegen, entrissen und gewaltsam vorcnthalten hatten. Am 18. Februar 1279 zu Wien leistete Wulssng von Trewenstein Verzicht auf jenen Hof und zugleich auch Urfehde wegen Gewaltthätigkeitcn gegen das Stift selbst (curiam admontensis ecclesiae situatam sub Castro meo Strehawe) * * 3). Durch einen Vertrag am 9. Juni 1279 en. digte dieser kräftige Abt den Streit und die Bedrückungen des Grafen Meinhard von Abensberg und Roteneck in der Vogtei über die admontifchen Besitzungen zu Elsenüorf, Aucnthal, Aich-burg und Lindkirchcn in Baiern 4). Gleichzeitig schenkte K. Rudolph dem Stifte Admont und den Nonnen daselbst 200 Marken Silber, für welche Abt Heinrich von den deutschen Ordensrittern in Jnnerösterreich (quia domum nostrum cognovimus gravibus debitis oneratam) die Ordensgüter, Weinberge, Bergrechte und Zinsen zu St. Peter in Tepsau und zu Hofe oder Raitz bei Marburg erkauft hat. Den Brief darüber gab (Judenburg, 27. März 1279) der Commendator der deutschen Ordenscommenöe in Oesterreich, Steiermark, Kärnten und Krain mit Einstimmung aller Kapitel und mit den Sigillen der Commenden zu Grätz, Frisach, Neustadt und Großsonntag, und mit Zeugenschaft der Ordensbrüder: Theodorich von Pibelhoven, Hartnid, Propst zu St. Virgil in Frisach, Meister Heinrich von Mereyn, Konrad vom Thate, Wechlin von Pettau, und Joseph, Bürger zu Frisach 5). Diese *) Admonter Urk. E. 2 — Saalb. III. 207. -) Raynald. ad Annum 1279. — Hansiz. II 389. 3) Adm. Urk. 8. 1. — Archiv für Süddeutsch!. II. Thl. 263—266. — Ju-vavia, Abhandl. p. 369. (f.) *) Admonter Urk. M. 21. 5) Adm. Urk. N. 1.: „Nos Chunradus de Veuchtwanc Commendator domus Thentonicorum per Austriam, Styriam, Karinthiam et Karnioliam — Vil- 426 Steiermark bis zum Eintritte der Handlung bestätigte am 30. April 1279 im Generalkapitel zu Marburg der Hospitalmeister St. Marias zu Jerusalem, Hartmann von Helderungen '), und weil die genannten Besitzungen bei Marburg die Summe von 200 Marken nicht erreichten, so trat der Orden an das Stift Admont noch weiters ab zwei Huben zu Frisach und in der Ramsau im ober» Ennsthale, worüber Gottfried Chesso, Ordenscommendator nach Konrad von Feucht-wang, am Katharinentage zu Grätz die Urkunde gefertigt hat z). Um diese Zeit war die Johanneskapelle zu Seckau, deren Bau Otto von Lichtenstein begonnen hatte, vollendet; und da sie eben eingeweiht werden sollte, ertheiltcn die Kirchenhirten, Erzbischof Friedrich von Salzburg, Heinrich von Basel, Petrus vonPafsau, Johann von Chiemsee und Bernhard von Seckau, allen andächtigen Besuchern derselben Ablaßbriefe (Wien, 15. März 1279) 3). Die Geschäfte wegen Stiftsgütern in Kärnten schlichtete um diese Zeit Herburgis, Aebtissin von Göß, persönlich zu St. 95eit; am 7. Juni 1279 gab sie Güter zu Groß-Wakerndorf dem Wölflin von Rudevowe, dessen Gemahlin Gertrude und Tochter Hedwige aus Leibgeüing (und nicht auf erbliches Lehen) vor den Zeugen: Heinrich, Pfarrer zu St. 95eit, Heinrich, Pfarrer zu Bridals-eiche, Konrad von Seeburg, Liebold von Müübach u. v. A.; und von eben diesen Männern ließ auch Wölflin seinen Gewährbrief am 17. Juni 1279 durch die Sigille Otto's von Lichtenstein und Gottfrieds von Truchsen bestätigen. Früher noch, 15. Mai 1279, hatte Merbot von Malsberg seinem Salzungsrechte auf zwei gößerische Huben zu Streßwich entsagt vor: Dietmar von Geula, Ulrich von Wilüon, Otto von Schachen, Liebhärd von Müllbach, Leutold von Pöppendorf u. v. A. 4). Um diese Zeit stand Ulrich, Pfarrer zu Hartberg, im Streite mit dem Pfarrer las nostras, sitas circa Marchburch in Styria, videlicet ad St. Petruin in Tepsowe et in Raitz cum vineis etc. Actum apud Judenburch. 1279. V. Kal. Martii 1279.“ !) Adm. Urk. N. 1.: „Datum Marchburch in nostro eapitulo generali 1279. Nono Pridie Kal. Maji. — Nos frater Hartinanus de Heiderunge, Hospital is 8. Mariae Theutonicae Jerusolimitanae Magister.“ 2) Adm. Urk. Q. „Nos Frater Gottfridus, dictns Chesco, commenda-tor ordinis fratrum Domus Theutonicae per Austriam et Styriam. — Frater noster Chunradus de Feuchtenwang .antecessor noster. — Datum apud Graetz 1279 in die B. Katharinae.“ — Saulbuch. III- p. 284 —285. Adm. Urk. Q. 56. C. 17. A. 83. 3) Dipl. Styr. I. 243. 4) Dipl. Styr. I. p. 96—98. 427 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. Bernhard von St. Stephan in Wien, weil Ersterer sich dieser Pfarre gewaltsam unterwunden und die Renten derselben zum Nachtheilc des Pfarrers Bernhard an sich gezogen hatte. Dieser brachte darüber (1.1278) Beschwerde an den apostolischen Stuhl, und Papst Nikolaus 111. bevollmächtigte den Domdcchant von Regensburg, Ulrich von Dornberg, zur Untersuchung und Schlichtung des Streites; — worüber jedoch nichts weiters, als eine abermalige Abordnung der Pröpste Babo von Neuburg und Molk (25. März 1279) bekannt ist '). In diesem Jahre 1279 ist auch der unruhige, soldatische Philipp von Kärnten zu Krems in Oesterreich gestorben. Er erklärte in seinem Testamente (KremS, 19. Juli 1279)",- daß alle seine Gläubiger und alle Bisthümer und Klöster in Steiermark, Kärnten, Baiern und Schwaben, welche er beschädigt habe, von seinen Allodialgütern, vorzüglich von den Städten, Burgen und Besitzungen zu Klagenfurt, St. Veit, Laibach, Völkermarkt, Feldkirchen, Friburg, Greiffenburg, Werdenburg, Dietsch, Rcchberg, Osterberg, Seinek, Nassensuß, Schichen-berg, Arch, Kreutz und Gretschen, befriedigt und entschädigt werden sollen. Zu Testamentsvollstreckern ernannte Philipp den Bischof von Seckau und die Acbte von St. Peter und Admont 2). In diesem Jahre hatte der Erzbischof Fried-rich von Salzburg den Heinrich von Pyrn wegen scmW»on Ctg. großer Beschädigungen hochstiftischer Güter und Hörigen vor der Gerichtsschranne des Landes belangt und behauptet, daß Heinrich zum Ersätze von 10,000 Silbermarken verurtheilt wurde. Am 3. September 1279 verglich sich Heinrich von Pyrn auf folgende Punkte: hochstiftischer Dienstmann zu bleiben, nur eine salzburgische Ministerialin zu ehelichen, seine mächtigen Anverwandten zu bewegen, seine Besitzungen vom Hochstiste zu Lehen zu nehmen, demselben aus jeden Ruf mit sechs Waffenmän-nern zu dienen; alle in seiner Hand befindlichen Hochstiftsgüter los zu geben; die Vogtei über die Kirche zu Lassing heimzustellen , dafür Sicherheit zu leisten, und eine, vom Hochstifte ihm zu vertrauende Burghut getreu zu führen 3). Zu Lichtenwald am 9. Dezember 1279 gelobte Heinrich von Montpreis dem Erzbischöfe !) Mon. Boica. p. 582. 2) Anon. Leob. 1279. — Nachrichten von Juvavia. I>. 381. (b.) 3) Salzb. Kammerbuch. 428 Steiermark bis zum Eintritte der die ihm anvertraute Burg Raze mannhaft inne zu haben und zu verwalten. Am 29. April 1279 verglich sich die Witwe Richardis von Marnberg für ihr Nonnenkloster wegen erlittener Beschädigungen mit Otto von Winüischgrätz (Graetz) vor Cholo von Sel-öenhofen, und Dietmar, Pfarrer zu Seldenhofen. Am 16. Mai 1279 vertraute Richardis Die Kastenoogtei über die Güter zu Ternbach und Moos dem kärntnerifchen Edelherren Rembert von Glanek, vor den Zeugen: Gottfried von Truchsen, Julian von Seeburg und Konrad von Straß. Am 5. Juni 1279 erkaufte das Stift Marnberg von Ulrich von Marburg ein Gut zu Wi-terniclssvor den Zeugen: Konrad von Marburg, seinem Bruder, Heinrich von Luchsberg '). Zu Gratz am 29. September 1279 versöhnten die Bischöfe Johann von Gurk und Gerhard von La--vant, als gewählte Schiedsrichter das Stift St. Paul mit dem Grafen Heinrich von Pfannbcrg und dessen Erben. St. Paul übergab dem Grafen das Schloß Traberg mit allen Lehen, welche ehedem Otto von Traberg vom Stifte getragen hatte; Graf Heinrich stellte dagegen alle Bogtei dem Stifte mit allen, darüber in seiner Hand bessndlichen Urkunden heim, gestattet, zum Frommen des Stiftes, den Fluß Lavant durch seinen Grund und Boden zu leiten, zahlt für alle Beschädigungen 100 Sibermarken, die er auf seine Güter zu Dachsbcrg verweiset, schenkt dem Stifte eine Besitzung zu Fcistritz (in Marchia prope Marclipurch) und empfängt sie als Stiftslehen wieder zurück. Zu Grätz am 2. Oktober 1279 bestätigte K. Rudolph dieses Urtheil vor den Zeugen: Rudolph, den Kanzler, Albert, Herzog von Sachsen, Friedrich, Burggraf von Nürnberg, den Grafen Eberhard von Katzenellenbogen, Friedrich von Ortenburg, Ulrich von Heunburg, Hugo von Werdenberg, Hugo von Montfort, Friedrich von Pettau, Hartnid von Wilöon und vor seinem erstgebornen Sohne Albert (Albert de Habsburch primogenitus noster) -). 3.1277.1280. Schon in einer Urkunde K. Rudolphs für das Abt Heinrich von , Admont, Landschrei- Hochjttfl Bamberg 25. Oktober 1277 zu Rotten-hn m totccmcaf. mQnn im Pal,Mhale, erscheint der thätigc Heinrich Abt von Admont, als Land sch reib er in Steiermark, 1) Nürnberger Uri 2) St. Pauler Urkunde. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 429 (Scriba Styriae) '); wiewohl in andern Urkunden dieses Jahres diese Andeutung mangelt. Man darf indessen doch annehmen, daß Abt Heinrich sogleich nach Verlautbarung des allgemeinen Landfriedens vorzüglich durch den Einfluß des Kaisers zu diesem Amte gekommen sey -). Denn die persönliche Bekanntschaft mit diesem energischen Manne, der in kurzer Zeit sein Stift von tiefem Verfalle zu hohem Flor gebracht hatte, gewann das vollste Vertrauen des Königs * * 3). Bisher hatte der Passauerchorherr, Konrad von Hintberg, neben den Landeshauptleuten, Graf Heinrich von Pfann-berg und Hartnid von Pettau das Amt eines LandschreiberS in Steier geführt 4). Nach seiner Erwählung zum Bischöfe von Chiemsee ist diese Würde auf den Abt Heinrich von Admont gekommen 5 6). Dadurch hatte vieler Herr von ungemein kräftigem Verstände den Grund nicht nur zu seinem durchgreifenden Einflüße in die wichtigsten Zeitbegebnissc und zu eigenem hohen Ruhme, sondern auch zu wildem Hasse, zu blutiger Feindschaft—bis zu seiner Ermordung gelegt. Indessen führte er sein Amt mit männlicher Kraft und mit der klügsten Gewandtheit so, daß ihm selbst sein Feind, Ottokar von Horneck, ein rühmliches Zeugniß darüber geben mußte °). Zu Ende des Jahres 1279 schenkte Leutolö von Kuenring dem Stifte Admont eine Mark Silbers Jahresrentc, welche er von dem stiftischen Hose zu Weselendorf in Oesterreich zu fordern hatte, vor den Zeugen: Ritter Otto von Dürnstein, *) Lambacher, Anhang, p. 131 u. 176. 179. 2) Horneck. p. 170—171: „Dez Kunigs Sol und Wal hie ze Steyr an dem Ambt maint ain Man, den er beschaint mit frewntschast seit er het sein vor derselben Zeit lutzel chund gehabt von Admund der Abt, den macht er Lanntschreiber.« — Anon, Leob. Anno 1377: ,,Rex reversus in Austrian], Styriam lustravit. — Styria etiam ordinata per Abbatem Ad-montensem in Austriam est rcgressus.“ 3) Horneck. p. 171: „Er schuef dez Gotzhaws frum, daz er von seinn Weistumb weit wart erchant! — Liez er jn nicht ab den wegen, er muest auch seiner Amt phlegen, daran er jn vil wol bewart.« Horneck. p. 170. — Chron. Salzb. — Pez. I. Anno 1378. s) Hagen. — Pez. I. p. 1093. sagt: „Zu der Zeit waren zu Steier zwei Hauptmänner, der von Pettau und der von Pfannberg und Landschreiber war Konrad Hundberger, darnach der Fürst die Amtleut verkehrten, und machten zu Hauptmann Herrn Otten von Lichtenstein.« 6) Horneck. p. 171: „Do er Lantschreiber wart, waz in dez Vrlewgs Werren entzogen waz dez Lanndez Herren, dez pracht er vil herwider, in dem Lannd auf und nider, wann jn dez der Kunig pat, er acht nicht umb ain Rosenplat, wer jn darumb vecht! — Der Abt von Admut tet weisleich, waz er soll, ettleich macht er jm holt, Ettleich wurden jm auch gram, mit Witzen er vberchom, waz jm waz wieder.« 430 Steiermark bis zum Eintritte der Gottschalk, Ritter von Flacheneck, Ritter Hartwik, Gersel zugenannt, Ritter Ulrich von Velbrunen, Marquard, Ritter von der Wachau, und v. A. '). Mit Wülfing von Treuenstein verglich sich Abt Heinrich mit 20 Marken Silbers, um alle dessen Ansprüche auf den aömontischen Hof unterhalb Strechau und auf die Vogtei adrnontischer Güter zu Pergarn und Winklarn bei Jrdnig tut Oberennsthale vor den Zeugen zu Grätz, 16. Jänner 1280: Otto von Lichtenstein, Generallandrichter in Steier, Ulrich von Wilüon, Ekhard von Doberneg, Wernher von Haus, Aloch und Otto von Hornck, Walther und Konrad, Brüder und Ritter vorn Thale (de Valle) und den Grätzerbürgern, Volkmar, Dietrich, Martin (Riverarii dieti), Ulrich Wakerzil u. A. * * 3). Am 2- April 1280 siegelten die zwei Brüder Wülfing und Ortolph von Treuenstein einen neuen Gcwährbrief über diesen geschlossenen Vergleich, vor: Werner von Schlierbach und §)ring, Pfarrer zu Polan (Püllau) 3). Gleichzeitig endete Abt Heinrich auch alle Zwistigkeiten mit Hartnid von Leibnitz, und machte ihn für das Beste und für alle Unternehmungen deS Stiftes hold und hilfreich; worüber später, 2. April 1281, zu Grätz der Gewährbrief gesiegelt wurde vor den Herren: Otto von Lichtenstein, Hartnid von Wilüon, Aloch und Heinrich von Thurn, Heinrich von Pholingen, Konrad von Thal, Volkmar von Grätz 4). 3. 1280. Mit Raub und Brand hatte der kärntnerische Göß. Seckau. Rein. „ _ , . , ... , „ „ $mu Edelherr Heinrich von Stlberberg dte Guter des Nonnenstiftes zu Göß hart heimgesucht. Die Aeb-tissin Hcrburgis führte darüber gerichtliche Klage. K. Rudolph wies sie damit an den Statthalter in Kärnten, den Grasen Meinhard von Tyrol und Görz. Im offenen Gerichte zu St. Veit ward dann Heinrich zu 100 Marken Schadenersatz oerurtheilt, für welche er das Vogtrecht über die geistlichen Güter zu Arben-dorf unter dem Schlosse Stein heimstellte. Die Urkunde darüber ward gesiegelt auf dem Schlosse Silberberg am 18. Februar 1280 vor den Grafen Meinhard von Tyrol, Otto von Lichtenstein und Cholo von Selöenhofen, Hermann von Freiburg, Hermann von Saalb. III. p. 309. 2) Admont, ttrt. S. 2. 3) Admont. Urk. M. 20. '<) Admont. Urk. C. lio. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 431 Oster Witz, Ulrich von Mannendorf, Ernst von Nußbcrg, Heinrich von Gürzheim, Ulrich Krebs, Richter von St. Veit'). Dem Stifte zu Rein bestätigte am 21. Mai 1280 Volkmar von Grätz die frühere Spende von Weinzehenten; und zu gleicher Zeit schenkte als Seelgeräthe und für eine Grabesstätte in Rein Ulrich von Grasendorf und dessen Gattin Gertrude zwei Hofstätten zu Feistritz * 2). Am 15. Mai 1280 erhielt das Chorherrenstift zu Seckau von K. Rudolph Bestätigung des Marchfutters und Vogtrechtes, bestehend in 17 Metzen Hafer und in 10 Marken Silbers in Knittelfeld 3). Auf dem Schlosse zu Rabenstein siegelte Ulrich, Schenk von Ramstein, mit Zustimmung seiner Gemahlin Katharina, Tochter Otto's von Haslau, und seiner Kinder: Reimbert, Nikolaus, Margareth, Elisabeth und Wcndelin eine Urkunde, worin er dem Bischöfe Bernhard von Seckau und allen seinen Nachfolgern schenkte 10 Marken in Gotteich, und 10 Marken in Püch-larn ewige Renten, unter Zeugenschast der seckauer Vasallen Konrad von Gleisöorf und Friedrich von Leibnitz (milites ecclesiae Secco viensis), Otto von Leibnitz, Wulssng von Percha 4 * 6). Am li. November 1280 belehnte K. Rudolph den Otto von Lichtenstein und seine Erben mit zwei Weingärten zu Rottenbach bei Grätz, welche durch den Tod Ulrichs von Nerlingen erlediget waren ; welche aber K. Ottokar von Böheim ungültigerweise dem Martin Rikkarius von Grätz verlehnt hatte r>3. Propst Bernhard zu Vorau übergab in diesem Jahre 1280 dem Pfarrer Dietmar von Hainfelüe den stiftischen Hof zu Hainfelde außerhalb des Marktes zum Besitze nach Burgrecht, mit der Verpflichtung, binnen 3 Jahren daselbst die nöthigen Gebäude herzustellen, und alle Jahre ein Pfund neuen Wienergclües als Burgrecht nebst allen andern Gaben der Hörigen dem Stifte Vorau zu leisten, und im Falle des Verkaufes dieses Hofes dem Stifte das Einstandörecht frei zu lassen. Einen Bestätigungsbrief dieser Verhandlung gab der Abt Hermann zu Göttweih auf Bitten des Stiftskapitels in Vorau °). *) Dipl. Styr. I. 99-100. ') Urkunden von Rein. 3) Johanneums - Urkunde. '*) Dipl. Styr. I. 341 —342.: „Datum et actum in Ramstein. 1380. X« Kal. Septemlr. s) Archiv für Gesch. u. Geogr. Z. 1837. p. 204. 6) Caesar. II. 326. 558—559. 432 Steiermark bis zum Eintritte der Fehde Offos^v Sa» Unbekannt aus welchen Veranlassungen hatte r-'u wildem Hoch, der Eöelherr des obersten Murthales, Offo von Saurau, als hochstiftischer Vogt, gegen den Erzbischof und das Hochkapitcl zu Salzburg Fehde begonnen, die hoch-stiftischen Besitzungen im Lungaue nicht nur durch widerrechtliche Forderungen ungemein bedrückt, sondern jetzt auch mit Bewaffue-ten überfallen, beraubt und verwüstet. Der Erzbischof Friedrich, eben |o gewandt in den Waffen, als ftaatsklug im Rathe K. Rudolphs, hatte eben erst andere übermüthige Eüelherren, die von Glanek, Kalheim und Bergheim, in der Nähe der Hauptstadt Salzburg mit Waffengewalt erdrückt, eilte (I. 1281) mit seinen Reisigen schnell ins Lungau hinab, belagerte die Burg MooSheim, und bedrängte den Eüelherren von Saurau auf's Aeußerste. Es kam jedoch bald zu friedlicher Verhandlung, welche der Lanüschrei-ber von Steiermark, Abt Heinrich von Admont, auf den Ruf des Erzbischofcs führte und vollendete. Offo von Saurau mußte mit körperlichem Eide Urfehde schwören und geloben, zu jeder Stunde auf des Hochstiftes Forderung zur Verantwortung und Ersatzteil stung sich zu stellen für alle Bedrückungen durch Uebernachten, Herbergen, Gerichtstaidigungen, Plakereien, Verhinderung und Unterdrückung des Lanürcchtes (des Landgerichtes im Lungaue) gegen die hochstiftischen Güter, Pfarren und Hörigen, und zugleich die Edelherren Dietmar und Heinrich, Brüder von Stretwich, Richer Ramler, During von Schönenberg, und Pilgrim Bavarus bis zum vollendeten Ersätze als Bürgen zu stellen, — nie mehr das Weichbild des Lungaues zu betreten, das Schloß Moosheim dem Hochstifte auszulicfern, und niemals daselbst über eine Nacht zu verweilen, für alle seine Helfer, Rathgeber und Verbündete gleicherweise Gewähr zu leisten, und dem Vogtamte über die Mischen Güter in der Freßen gänzlich zu entsagen. Einen Absagebrief siegelte der Abt Heinrich von Admont, den andern Offo von Saurau selbst vor den, im Lager des Erzbischofes versammelten Zeugen: Abt Heinrich, Landschrciber in Steier, Otto von Lichtenstein, Landrichter in Steier (judex provincialis Styriae), Otto von Walchen, Otto und Konrad, Brüder von Goldeck, Gerhard von Belben, Konrad von Wartenfels, Ulrich von Wisbach, Ulrich und Herrand, Brüder von Wilöon, Wülfing von Stubenberg, Friedrich von Wolfsau ’). l) Koch-Sternfeld, Beiträge. HI. x. 86—8?. 88—90: „Ego, Offo de Sau-raw (filiiis Offonis de Sauraw) — quod cum damna multa et varia per Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 433 Der allgemeinen Meinung und dem gewöhnli-chen Gange der Dinge zu Folge (denn Urkunden ten. Päpstlich- Z-. mangeln) bestand schon fett ungefähr dem Jahre xtc&en Gütern. 1270 und zwar von den Stadtbürgern herbeigeladen , eine Gemeinde Dominikanermönche unter einem Prior im Städtchen Leoben. Ihrer geschieht schon Erwähnung im Jahre 1263, wo Ulrich und Rapoto, Dominikaner in Leoben, urkundlich gelesen werden, und in den Beschlüssen des Ordenskapitels zu Freiburg, welche den Vorsteher des Dominikanerhauscs P. Gottfried nennen. Die Gründung eines geregelten Klosters und Conventes haben der Rath und die Stadtbürger von Leoben am 30. Jänner 1281 vollbracht durch die Schenkung eines Grundes in der Stadt, auf welchem das Kloster mit Kirche erbaut werden konnte'). Durch das Generalkapitel des Ordens zu Wien im Jahre 1284 ist dieses Kloster feierlich bestätigt und von dem Bruder Johann, Meister des gesammten Ordens, die Urkunde darüber gefertigt worden. In eben diesem Jahre aber ist das erste Ordenshaus bei der allgemeinen Feuersbrunst in Asche gelegt worden -). Im Stifte zu Rein war in diesem Jahre 2tbt Bernhard von Plan-kenwart gestorben, und an besten Stelle Reinholü von Pfannbcrg erwählt worden 3). Nachdem Papst Gregor X., der erste auf der me et meos Ecclesiae Salzburgensi modis pluribus irrogassem, et ad haec vindicanda castrum Moosheim D. Fridericus Archiepiscopus de-creverit obsidendum — (videlicet pcrnoctationibus, herbergariis, ju-diciis et venationibus quibuscumque, homines ecclesiae indebito vendican-do, ad injusta servitia astringendo, judicium terrae impediendo et quo-modocumque injurias inferrendo). — Actum et datum in castris juxta Moshaim. Anno 1281. XI. Kal. Augusti.“ — Die erstere Urkunde: „Prime Idas Augusti in obsidioue castris Moosheim (22. Juli u. 13. Aug. 1281). — Juvavia, Abhandl. p. 437—438. (n.) l) Caesar. II. 325: „Nos Bernardus, judex et consoles, totaque Universitas civium omnibus praesentem paginam inspecturis notum fieri cu-pimus, quod nos ad omnipotentis Dci gloriam, ut vere dignum et ju-stum est, reverendis patribus et vere viris apostolicis, fratribus Or-dinis Praedicatorum, a nobis humilitev et devote invitatis aream in claustrum assignavimus.“ — Anon. Leob. 1281: „Isto anno in die Ka-thedrae 8. Pauli receptus est a primo conventus Praedicatorum fra-trum in Leoben, St.yriae, sub Rudolpho Romanorum Rege ac sub Fri-derico Salzb. Metropolitane nec non sub Alberto Duce Austrian et Domino terrae.“ -) Anon. Leob. Anno 1284: „In capitulo generali Viennae confirmatus est conventus in Leoben fratribus praedicatoribus a fratre Joanne, totius Ordinis Magistro et hoc in feste Pentecostes, quum eodem anno antea in quadragesima ipsa domus fratrum in Leoben a proprio igne omnino est exusta.“ 3) Caesar. II. 325. Gesch. 6. Tteiermark. — V- 336. 28 434 Steiermark bis zum Eintritte der Kirchenversammlung zu Lyon den Zehent von allen geistlichen Gütern und Einkünften zur Hülfe der nach Jerusalem vorgenommenen Kreuzzüge (in subsidium terrae sanctae) ausgeschrieben, und die Sammlung derselben in dem Salzburgersprengel dem Dom-propste des Hochstiftes und dem Bischöfe von Chiemsee aufgetragen hatte (Salzburg, 30. April 1275) so bewilligte und verkündigte Papst Nikolaus HI. jetzt im Jahre 1280 eine neue Decimation, mit welcher, wie zuvor, auch die Steiermark in Anspruch genommen worden ist ')• B-rhkndlun/-n we. 3n diesem Jahre war der Salzburgererzbischof Ä-n Stadt^Pettau Friedrich bemüht, die Angelegenheiten mit Friedrich von Pettau hinsichtlich dieser hochstiftischen Kammerstadt und anderer Güter in der. untern Steiermark zu ordnen. Die Verhandlungen wurden am 1. Jänner 1280 in Leibnitz und am 14. Juni, 17. und 18. Juli 1280 in Salzburg gepflogen und dahin geschlossen: Friedrich von Pettau verzichtete auf alle vermeintlichen Rechte, auf die Burg und Stadt Pettau, auf die Vogtei der Hochstistsgüter in der March und auf das angesprochene Recht, daß die Salzburger Fürsten schuldig seyen, alle an sich gebrachten Lehen ihm zu verleihen; dagegen gab der Erzbischof ihm und seinen Erben das Burggrafenamt von Schloß und Stadt Pettau mit Mauth und Zoll zu Marktzeiten inner- und außerhalb des Burgfriedens * 2). Auf die Vermittlung des eifrigen und unbeugsamen Papstes Nikolaus III, hatte K. Rudolph seine Tochter Clementia dem Karl Martell, Kronprinzen von Sizilien, versprochen. Die hohe Braut, der Geleitschaft des Bischoses Johann von Gurk, des Hofkanzlers Rudolph, der Grafen von Sayn und von Wertenberg anoertraut, nahm über Neustadt und den Semmering, bis wohin sie von den erhabenen Eltern begleitet ward, ihre Reise durch die Steiermark nach Italien. s- 1281- K. Rudolph wendete sich hierauf gegen Hart- 2udc»l'»rg «Hb Ad- berg, und kam von dieser Sette her m öle Steren? mark und nach Grätz 3). Dort ward er von den versammelten geistlichen und weltlichen Edeln des ganzen Landes !) Nachrichten von Juvavia. 226. 2) Urkunden der Salzburger Kammerbücher. '-) Hagen. — Pez. I. 1093: „Darnach ritt der König in Steier zu allen Städten und Schlössern, da er löblich und nvblich ward empfangen.« Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 435 und den jubelnden Landesbcwohnern festlich empfangen und in die Stadt zur feierlichsten Huldigung eingeführt Nach altem Herkommen, nach Inhalt der Landesgcsetze und der alten Handvesten, hielt er persönlich Landestaidigung und Gericht 2), wobei ihm der Lanüschreiber Abt Heinrich von Admont zur Seite stand. Von Grätz erhob sich K. Rudolph gegen Judenburg, wo ihm die Stände und der gesummte Adel aus Krain und Kärnten huldigten. Hier lag Abt Heinrich von Admont dem Kaiser bittlich an, über Admont die Reise nach Oesterreich zu nehmen. Begleitet von dem Erzbischöfe von Salzburg, von den Bischöfen von Freising, Passau, Bamberg, Basel, Gurk und von zahlreichen Fürsten und Edlen kam K. Rudolph nach Admont, und wurde von dem Abte Heinrich auf das prunkvollste und freudigste bewirthet. Ottokar von Horneck sagt: . . . „Von Aöemund Abt Hainreich Chunig Rueöolfen fleisßich-„leich mit grozzer Pet an lag, als lang, vnczt er sich pewag, „daz er jn do mit ert, vnü zu Haws mit jm chert, gegen 2t ih »mund. Do gewann allererst chund Chunig Ruedolf der vnverzait ,,dez Manns besichtichait: wann er enpot yms so wol, waz ain Wirt «erpietcn sol aim Gast, da solich er an lag. Abt Hainreich an «widerwag sich daran sawmpt nicht, wann er het völlichleichen pit «mit dem Haußrat, der Zadel aus hoher trat, seit daz daz Chloster yc «gewan zu Herren denselben Man, Chunig Ruedolf der wolgemut —------------------ 28* 1) Horneck. p. 172—173: »Kunig Rudolf chert ze hannt von Weib und von Tochter hin ober den Hartperig herin. Do tailten sy sich endrcw Kunig Ruedolf her fur umb dem, daz er dez Sanndes Phacht gegwun chund vnd acht. Wenn ym waz nicht verdagt, gechundet vnd gesagt von Steyr dez Lannds Gut. Dez frewt sich sein Gemüt, do er ez selb ersach er für allgemach, waz Stet da sind gelegen, uberal bei den wegen dez Gemerchs strich, da dew Sannt schaident sich, die sach er alle besunder. Kunig Ruedolf der Münder her ze Grecz chom gevarn, alle die da warn, enphiengen jn mit fremden, Schallen und Gewden wart da vil gehört, daz daz Sant-volkch cnpört Dankchens der Genaden, daz er sew hat entladen der Pe-haim Gewalt, der Kunig jr het Gewalt und sterkchleich vbervachten, waz so ft mochten die Arm und die Herren Dinstes an jn chcrn mit vollen daz geschach." — Arnpck. — Pcss. 1. p. 1228: „In tota Styria obtenta plenaria obedicntia cum homagio ac juramento de fldclitate — Viennam revertitur.“ — Daß bei der Ankunft des Kaisers alle Thore der Stadt Grätz geschlossen gewesen seyen, daß Rudolph von dem Abte Heinrich von Admont vor dem eisernen Thore in einer Anrede feierlich bewillkommt, und erst dann in die Stadt eingelassen worden sey, nachdem er die Bestätigung aller alten Sandfreiheiten und Vorrechte zugesichert habe, finde ich in keiner erprobten Geschichtsquelle. — Cacs. Annal. II. 327. 2) Horneck. p. 172—173: »Chunig Ruedolfen man sach dacz Grecz gewaltichlei-chen Herren Arm und Reichen, geben man waz jm geschach.« 436 Steiermark bis zum Eintritte Ver »werich vnd willigen Mut dar; Slömunö vant. Darnach chert er „ze hant — aws über ben Pirn a 3 mr2o81n t K. Rudolph I. eilte hierauf nach Wien. Dort bestätigte er (Wien, 7. März 1281) auf Bitten des Abtes Heinrich das wichtige Diplom des H. Ottokar VIII. vom Jahre 1186, wobei als Zeugen zugegen waren: der Erzbischof Friedrich von Salzburg, die Bischöfe von Passüu und Chiemsee, die beiden Söhne K. Rudolphs, Albrecht und Hartmann, Grafen von Habsburg und Kyburg, Herzog Albrecht von Sachsen, Burggraf Friedrich von Nürnberg, die Grasen Eberhard von Katzenellenbogen, Burgkard von Hoenberg, und Manngold von Nellin-burg * 2). Aus der Reise nach Wien kehrte am 22. Jänner 1281 Abt Heinrich von Admont auf dem Schlosse zu Steter ein, wo die Kinder Dietrichs, des Schenken von Dobra, Siegfried, Dietrich, Heinrich, Margareth und Katharina über ihre Verbindlich' feiten wegen der Güter zu St. Peter in der Aue, welche sie dem Stifte Admont verkauft hatten, einen neuen Gewährbrief ausstellten, vor den Zeugen: Otto von Wolkendors, Ulrich von Kapellen, Ruüitzer Pruschnik, Otto von Osterberg, Marguard und Perthold Preuhaven 3). In Gesellschaft des von Wien zurückgekehrten Abtes Heinrich kam auch Erzbischof Friedrich von Salzburg im Stifte Admont an, allwo am 21. Juli 1281 durch eigene von diesem Kirchenfürsten ernannte Schiedsrichter ein schon viele Jahre währender Streit zwischen dem Stifte Admont und Hartnid von Wil-üon, damals Propst von St. Virgil in Frisach und Pfarrer zu Pöls am Rottenmannertauern (nachher 1283 Bischof von Gurk)4), wegen der Kapelle St. Agatha in Weng (ü. i. im Propsteischlossc Zeiring) geschlichtet ward. Diese Schiedsrichter, nämlich des Crzbi-schofesKapellane, Leopold, Erzdiakon der untern Steiermark, Meister Heinrich von Mareyn und Meister Heinrich von Göß, Doctor der Derretalen, thaten folgenden Ausspruch: so lange Meister Hartnid Pfarrer (Rector) in Pöls ist, soll gedachte Kapelle in geistlicher Hinsicht ganz ihm unterstehen (in spiritualibus — nomine *) Horneck. p. 172—173. — Chron, Claustroneob. et Anon. Leob. Anno 1281. p. 853-854. 3) Adm. Urk. A. 80. 81. 3) Adm. Urk. DDD. 31. *) Hansiz. II. 392. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 437 Monasterii admonlensis), nach seinem Abtritte von dieser Pfarre aber soll Admont das Recht behalten, einen Priester zum Gottesdienste daselbst (ad officiandum) zu bestellen, welcher dann (außer er wäre ein admontischer Stiftspriester oder mehrere Stiftsbrüöer würden auf dem Hose des Stiftes in Weng verweilen) frei und von den Stiftsäbten unabhängig, jedoch ohne Gefährde der Mutterkirche, die seelsorglichen Pflichten und Geschäfte vollführen könne. Der Erzbischof siegelte hierüber einen ausgedehnten Bestätigungs-bries '). In den verwirrungsvollen Zeiten roher Eigen- @ e'cf. 394. (h.) 3) Salzburger Kammerbücher. 440 Steiermark bis zum Eintritte der öen Familienalloden zwei Mark Gülten in der Ville Boskur, auf öaß davon den genannten Nonnen bessere Kleidung beigeschafft werde, nach ihrem Tode aber Alles dem Nonnenstiste zu Eigen bleiben solle ')• Acht Tage nach St. Andrä hatte der Landrichter in ©teter, Otto von Lichtenstein, allgemeine Gerichtstaidigung in Marburg gehalten. * Rudolf Erlaßt K. Rudolph hatte nun beinahe fünf Jahre in Al! öen österreichischen Ländern zugebracht, und daselbst brecht i„ an statt, die wichtigsten Verhältnisse für die Zukunft festge-'nltju Salzburg^ stellt. Da ihn NUN dringende Geschäfte in das Reich zurückriefen, erklärte er, bevor er Wien zu Ende des Monates Mai (nach den 24. Mai 1271) verließ, seinen erst-gebornen Sohn Albrecht I. als Reichsstatthalter über Oesterreich (Landespfleger in Oesterreich), Steier, Kärnten und Kram, ließ die Stände dieser Länder Treue und Gehorsam schwören, gab ihm neben den geschwornen Räthen der Länder mehrere erprobte, größtentheils österreichische Eöelherren, und insbesondere den Hermann von Laudenberg, des Hauses Habsburg Marschalk in öen Stammlanden, an die Seite, und versprach feierlich, daß er ihnen aus dem künftigen Reichstage mit Einwilligung der Churfürsten einen Herzog als Regenten geben werde 2). Wahrscheinlich ist es, daß, da der frühere Landfrieden mit dem 25. December des Jahres 1281 zu Ende ging, der nun für Oesterreich auf 10 Jahre neuerdings aufgerichtete Landfrieden (I. 1281 bis 12(41) auch für Jnnerösterreich ausgedehnt worden ist 3). K. Rudolph befand sich am 1. Juni 1281 in Linz, am 11. Juni in Oesterhofen, am 12. Juni in Regensburg. Auf der im Jahre 1281 aufgebotenen Me. tropolitensynode erschienen fast alle Kirchenhirten und Vorsteher des ganzen Sprengels in Salzburg 4). Hier wurde nicht nur die *) Urk. von Seitz und Studenitz. -) Eine eigene Urkunde der Ernennung H. Albrecht zum Statthalter Jnner-Lsterreichs ist nicht vorhanden. — Chron. Salzb. Anno 1281 : „Ipse rex exivit, terrain Austriae et ipsum ducatum Alberto filio commendavit.“ — Chron. Vatzon. et Austriae. ap. Rauch. II. : „Filium suum Albertam Anstriae et Styriae constituit provisorem.“ — Chron. Claustro-neob. Pez. I 1281. In vielen Urkunden nach 1. Juli 1282 immer mitunter dem Titel: „Albertus, comes de Habspurch Serenissimi Dom. Rom. Regis primogenitus et ejusdem per Austriam et Styriam Vicarius generalis.“ — Kurz, Alb. u. Ottok. II. 195 — 199: „Vicarius et Rector.“ — Urk. Wien 24. Mai 1281 bei Herrgott. Mon. I 215. 3) Kurz, Alb. u. Ottok. II. 190. '*) Chron. Salzb. Pez. I. 382. — Horn eck. 197. 198. Habsburgischen Fürsten. J. 1246—1283. 441 Versöhnung des Erzbischofes tntf dem kriegerischen und gewaltthä-tigen Herzog Heinrich von Baiern versucht, sondern vorzüglich auch der schwankende Zustand der geistlichen Körperschaften bera-then und durch neue Beschlüsse befestigt, wie: strenge Fasten, und Disciplin in der äußern Haltung der Mitglieder in Stiften und Klöstern; Verbot, irgend ein Stiftsgut oder Recht ohne Wissen und Zustimmung des Stistskapitels zu veräußern, Verpflichtung der Aebte zu Regularkapiteln alle drei Jahre, und zu jährlicher Rechnungslegung über alle Einnahmen und deren Verwendung '). Während all dieser Verhandlungen berichten ^ilci182^ $ra„ über innere Vorgänge im Lande urkundliche Rach- tv*. «tmont as«. richten Folgendes: Am 14. Jänner 1282 waren zu ®«f-St. Michael an der Ließing versammelt: Abt Heinrich von Admont, Otto und Wülfing. die Brüder von Erenfels, Hermann, Pfarrer zu St. Michael, Hertwik, Ritter von Leoben, Gottfried und Hahold von Durnstorf, Bernhard, Richter von Leoben, Rapoto von Weytz u. o. A. Vor diesen Zeugen spendete Gerold, der Richter im Ließingthale, der von ihm gegründeten St. Nikolauskapelle in Traboch eine Hofftadt auf dem Prandel, unter der Schirmvogtei seines Herrn, des Grafen Heinrich von Pfannberg, und eine Besitzung auf dem Eselsberge bei Mautern, unter der Schirmoogtei Otto's und Wülfings von Erenfels Bald darauf, nämlich am 31. Jänner, schlossen Abt Heinrich und sein Stiftskapitel zu Admont mit dem Propste Bernhard und dem Stiftskapitel von Vorau einen Tauschvertrag. Admont erhielt von Vorau eine Hube in der Pfarre Trafaiach im Jnnerberge des Eisenerzes (in interiore monte Cathmiae) bei St. Oswald gelegen, und gab dafür die dem Stifte Voran näher gelegenen, ad-montischen Güter im Feistritzthale zu Ried bei Feistritz, welcher Tauschvertrag am 27. April 1284 zu Frisach von dem Salzburgererzbischof Friedrich II. in einer eigenen Urkunde bestätigt wurde3). Das Generalkapitel der Karthäuser beehrte in diesem Jahre das Stift Admont mit der Aufnahme aller gegenwärtigen und zukünftigen Stiftsmitglieder in die Theilnahme der religiösen Verdienste Dalham. Concil. Salisburg. p. 125 — 131. — Hansiz. II. 390— 391. — Horneck. cap. 197. 2) 2Cbm. Urk. KK. 5. 3) Adm. Urk. A. 20. 24. — Caesar, Annal. II. 332. 442 Steiermark bis zum Eintritte der und in die geistliche Gemeinschaft des gesammten Ordens 1). Der Bruder Boso, demüthiger Prior, und die übrigen Definitoren des Generalkapitels fertigten die Urkunde. Am 5. August 1282 schenkte eine Bürgerin von Judenburg, Katharina, Witwe des Rüdigers Zahn, dem Stifte St. Lambrecht ein Haus in der Stadt Judenburg , auf daß ihr Sohn Albert in demselben Stifte unter die Laienbrüder ausgenommen (inter barbatos sen converses), aber uiit einer lebenslänglichen Pfründe gleich den Stiftspricstern betheilt werde (sicutunus exDominis) 2). Im Nonnenstifte zu Göß, das mittelst zweier am 31. März 1282 von Papst Martin II. gefertigter Bullen die Erlaubniß erhalten hatte, im Falle das Land Steier mit dem Jntcrdicte belegt wäre, bei verschlossenen Thüren den gewöhnlichen Gottesdienst abhaltcn zu dürfen 3), folgte inzwischen der am 5. Juli 1282 verstorbenen sehr kraftvollen Aebtissin Herburgis die Nonne Euphemia in dieser Würde. Unter ihr vollzogen nun am 1. October 1282 zu Göß Wulstng und Ortolph, Brüder von Trewenstein, Werner von Schlierbach und Ulrich von Wildon die letztwillige Anordnung Heinrichs von Erenfels, und übergaben aus dessen Alloöen und Lehen den Nonnen zu Göß als ewiges Seelgeräthe Güter zu Donnersbach und Strechau in der obern, und zu Magersdorf, Lubechendorf und Birnbaum bei Gnars in der untern Steiermark vor den Zeugen: Heinrich von Stubenberg, Albert von Willbach, Heinrich von Gurzheim u. A.4). s. 1282. Herzog Albrecht, Generalvikar in Oesterreich $untef.@t«4auU' und Steier, und Erzbischof Friedrich II. von Salz-Studcnitz?Marn- bürg schlossen am 9. November 1282 in einer Ber-6crs' sammlung in Wien, vor: Bernhard, Bischof zu Seckau, Heinrich, Abt zu Admont und Landschreiber in Steiermark, Leopold, Archidiakon und salzburgischcr Bizedom in der untern Steiermark, Bernhard von Scheuenburg, Friedrich von Täufers, Erchenger von Landesere, Friedrich von Lengenbach, Meister Wenzo, Hofkanzler, Heinrich von Raüegg, Konrad von *) Adm. Urk. C. 70: „Concedlmus etiam vobis plenam mona ..... in domo vallis St. Manritii de Grivio.“ -) St. Lambrechter Saalbuch. 3) Zohanneums - Urkunde. 4) Dipl Styr. 1. 101—102. - Zm I. 1283 am 13. März übergab die Abtissin zu Göß, Herburgis von Ernfels, dem Commendator des deutschen Ordens in Oesterreich und Steier, Gottfried, 19 Marken Silber zur Unterstützung des heil. Landes. Johann. Urk. Habsburgischon Fürsten. I. 1246—1283. 443 Wartenfels, Gottschalk von Neuhaus folgenden Vergleich: Der Erzbischof gab dem Statthalter die durch den Tod des hochstisti-schen Vasallen Heinrich von Erenfels erledigte obere Veste Stre-chau mit allen dazu gehörigen und innerhalb des Ennsthaler Landgerichtes (per districtum provincialis judieii vallis illius) d. i. von der Mandling bis Hohenwart, und von Nogelbach bisVlins-berg gelegenen hochstiftifchen Lehen, zugleich aber auch die untere Veste Strechau (damals noch in der Hand Wülfings und Or-tolphs von Trewcnstein) mit der Bedingung, daß künftig die Erben der Trewensteiner die Belehnung nur allein von dem Herzoge Albrecht und deffen Nachkommen zu nehmen hätten. Dafür trat Herzog Albrecht an das Hochstift zu Eigen und für immer ab das Schloß Neuhaus im oberen Ennsthale mit allem Zugehör ’). Zu Neustadt am 27. September entsagte Heinrich, Schenk von Hausbach, allen bisher widerrechtlich erhobenen Ansprüchen auf Weinberge des Chorhcrrenstiftes zu Seckau — in Notengrub gelegen — feierlich vor Erchenger von Landesere und Kalhoch von Schratenstein * 2). Ain 25. Februar 1282 waren Ulrich und Agnes von Heunburg im Karthäuscrstiste zu Geyrach und bestätigten demselben ihre schon im Jahre 1278 mit Besitzungen im Bezirke Stiff er geschehene Spende, wozu sie diesmal auch noch Bergrechte fügten, vor den Zeugen: Ulrich von Scherfenberg, Otto von Walde, Friedrich von Leibnitz 3). Am 22. August 1282 vollführten als Zeugen und Testamentsvollstrecker die letztwillige Anordnung des Heinrich von Erenfels, Hartniü von Wildon, Albert von Pucheim, Werner von Schlir-bach und Ortolph von Trewenstein, die Spende von Gütern zu Stemnitz, Dolach und Luezcn an das Spital am Pyni. . Am 17. März 1282 befreite Heinrich Graf von Psannberg das Nonnenstift zu Marnberg von aller Mauthgebühr für Lebensmittel an der Mauth in Traberg 4). Am 11. November 1282 gaben die Brüder Otto und Friedrich von Königsberg dem Stifte zu Stu-denitz 13 Marken jährlicher Renten von Gütern zu Lelle, Moschil, ') K. k. Gab. Registrat. in Grätz. Die Veste Forchtenstein mußte in Folge dieses Vergleiches vom Erzbischöfe niedergeriffen werden. — Fejer, Co«i. Ung. V. III. 140. 2) Johann. Urk. — Dipl. Styr. I. 244. 3) Dipl. Styr. II. 142. 4; Marnberger Urk. 444 Steiermark bis zum Eintritte der Oslan, Dobrocheten, Radoan und am Berge Schleuntz zum lebenslänglichen Unterhalte für ihre Schwester Anna, Nonne daselbst, vor den Zeugen: Wilhelm von Scherfenberg, Heinrich von Mont-preiß, Heinrich von Rohitsch, Ortolph von Plankenstein, Heinrich von Frauenberg und Otto von Thurm. Zu gleicher Zeit übertrugen Bertholü von Peillstein und dessen Gemahlin, Dicmuth, Heinrich Haide und dessen Frau, Sophia, ihre Lehengüter, eine Mühle zu Pöltschach und acht Mansus mit Bergrecht, Wäldern und Weiden (ehemal in dem Besitze des Amelrich Spete zu Leum-bach) dem Rudolph, Bürger zu Marburg, welcher sie nachher dem Stifte Marnberg gegeben hatte, vor den Zeugen Hartwik von MooS-berg, Jakob, Vikar zu Pettau, Marquard, Commendator zu Mcl-nich, Wekerlin, Richter zu Pettau, und Marquard, Richter zu Marburg ’). auiotef'Bmift 3m Reiche angelangt, wollte K. Rudolph fein bis tieiermM. Saut- fürstliches Wort lösen, und schrieb auf den Decem- fttinbc an beit Hos- . „ ^taq in Auqsburg. ber 1282 einen feierlichen Hoftag IN Augsburg aus. seinrr Söbm maden Nach einer Unterhandlung von zwei Jahren mit den •‘1"rnu Churfürsten hatte er endlich die einstimmige Bewilligung derselben erhalten, die Reichsfurstenthumer Oesterreich, Steier, Kärnten, Krain und die windische Mark seinem eigenen Hause zuzuwenden, und feine beiden Söhne, Albrecht und Rudolph, damit zu belehnen 2). Zu diesem Reichstage in Augsburg wurden jedoch nicht blos die kaiserlichen Söhne Albrecht und Rudolph, sondern auch die Abgeordneten der Stände aus Oesterreich und Steier befchiedcn, als Zeugen aller Vorgänge im Reiche bei der Verfügung über ihr künftiges Schicksal. Vor dem Aufbruche ') Studenitzer Urkunde. ") Siehe die Willbriese der Churfürsten. Sambacher. p. 255—258. Anhang, p. 144—196. — Schrötter, Abhandl. p. 113. 114. Abhandl. V. 104. — Ko pp. ibid. p. 494—500. — Horneck sagt p. 173—174: „Do die Klag het ain Ennd, Chunig Ruedolf der pehennd, hiet maniger stacht Geträcht, wie er ez darczu precht, da; mit vollem Rechten Seinen Sun Albrechte» und auch Ruedolfen der Lannd wurd geholfen, die er het ervochten. So st) pest mochten, petrachteten sy ez weisleich: Er und der Burggraf Hainreich, den man von Rurnberig nant. Jr paider Sin do dez crvant, wann er von dann varn wolt, daz er dann lasßen solt sein Sun ze Haubtmann hie, vnczt er die Red anvie mit den Churherrn vberal, die da gehörten zu der Wal. Die lisßen sich nicht pevillen, sie gaben jm darczu jrm willen, daz sein kunichleiche Hannt lieh dieselben Sannt, wenn er sew leihen wolt. Wie daz ergen solt, daz wart haimleich antragen." p. 180—183. — Hanthaler. I. 1144-1149. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 445 that H. Albrecht den gesaminten Ständen seinen besonder» Wunsch kund, mit möglichster Pracht bor den Abgeordneten des deutschen Reiches und den Fürsten derselben zu erscheinen; worauf sich die Lanüherrcn bemühten, seinem Wunsche auf das Glänzendste zu entsprechen. Horneck ') erzählt dies mit folgenden Worten: „Nach der Fürsten Rat ain Hof er oil drat Sücri^t Ottokar „hmcz Augsburg gepot, dhainerlay flacht Nott sein Reichstag m Augs-„Sun dez irren solt, sunst gepot er jm, ob er wolt „Herr werden öiser Land. Dkit Priesen er mant die Herren all geleich „hie zu Steyr und zu Oesterreich, da; sy zu dem Hof chemc», vnd --da ain Herrn nemen, den wolt er jn dann geben. Niempt wolt dez „widerstreben, do man die Pries gelaz, der Hof gesprochen waz auf „den nägsten Berichtag.—Darnach wurden besant die Herren all „geleich von Steyr und von Oesterreich. Do man die sach zue-„staphen, do ward ein michel chapphen, ühain Reichait jn geprast, „Gold und Gestain gaben Glast, die mit grozzcr Reichait in die „Furspan warn gelait und dem Gürtel, der sy phlagen. Men-"leich begunden fragen: wer ist der, wer ist der? Da sagt man: „Sy sind chomen her von Steyr und von Oesterreich, und mue-„tent an daz Reich, daz jn der Kunig ruecht zu behalten die Recht, --öew die alten Fürsten habcnt nicht verczigen, dem man jn sach „bestetigen, den Kaiser Friedreichen. Nu pegunö man jn weichen, „so daz jn wart geholfen für den Kunig Ruedolfen." Wie wir oben angeführt haben, hatte zwar K. Rudolph schon zu Wien am 17. Februar 1277 den Ständen des Landes Steier die alten Vorrechte und Freiheiten und die darüber vorgelegten Handvesten feierlichst bestätiget. Nun ward neuerdings von den Abgeordneten die Bitte, alle diese Rechte aufrecht zu erhalten, vorgebracht, und vor der feierlichen Belehnung noch die Zusicherung gegeben: „Do jn der Kunig also entwarf mit Red sein Mainung, daz „er die zwen Jung mit disen Lannden wollt beraten, die Herren „auf hoher traten, vnd besprachen sich ain weil. Hinwiüer gieng „sy mit Eyl, Sy sprachen: Herr, seit gemant, daz Ewr chunich-„leich Hant ons hat geraicht die Genad, daz uns dhain schad an „unfern alten Rechten, die vns mit guten und mit flechten Handve-„sten sind pestetigt, wo jr dez oerczigt, daz stund vngenädichleich, als „vil als wir dem Reich und Euch gedint haben. Die Recht sy i) Horneck. i>. 180—182, 446 Steiermark bis zum Eintritte der „furgoben, Ez wer also chomen her, vnd wer auch noch jr Ger, „im; Österreich und Steyrlannd, wann ain Herr rourb benant, bem »sy wölben vnbertenig wesen (ain Hantvest warb ba gelesen, bero »in bte Recht pewärt) baz Jr Bus baran peswärt, Herr bez getraw »wir Euch nicht! Der Kunig am wail barniber Plicht, ber wol-«geczogten unb ber weis sprach zu ben Herren leis: Jr schult mich »recht versten; ich hau ber Sune zwen, wann bero tailent jrew »Lannt, Chrain, Cheruben unb Steyrlannt, ba sol ainer Herr wer-»ben: so sol von Swewischer Erben ber anber Fürst haisßen; »von bez selben Lannbes Chraisßen mag er ane schäm wol gehaben »Fürsten Rain. Wie lang ber Chrieg wert, wez ber Kunig --gert, bawiber niempt lang strait, nicht (enger er bo poit. Do bero »Reb hat ain Enb, ber Kunig mit seiner Henb seinen Sün pai-»ben Lech vnverschaiben bte Grafscheft unb bte Sonnt, die ich vor „han genant; bte emphiengcn sy mit Banen. Der Kunig begunb »manen bte Herren, baz sy swurn jn paiben, ee sy ban surn. Daz »geschach nach seiner Pet ')." Hierauf würbe folgenber Majestätsbri'cf gesiegelt: »Rubolph, von Gottes ©naben, römischer Kä- K. Rudolpb^ Urkunde über die Kelch, „nig, immer Augustus, ben sämmtlichen Getreuen liung seiner Söhne . mit ben Österreich, „des römtjchen Retches, welche btese Urkunde etn- Läüdern. . , . , „ ., , «sehen, in Ewigkeit! »Als Lenker bes römischen Reiches von Beobachtung des Gesetzes gelöst, von ben Banben bürgerlicher Gesetze, weil ber Schö-„pfer ber Gesetze nicht gcbunben wirb, unb dennoch die Herrschaft »des Naturgesetzes, welches überall unb über Alle herrscht, noth-»wenbig anerkennt; denn bte gebieterische Macht bes Gesetzes herrscht »nothwenbig so gewaltig, überfließt in ber Macht seiner Herrschaft »in solcher Fülle, so wahrt unb bindet es Alle, so flicht unb um-»wickelt cs Alle mit bem Joche seiner Herrschaft, baß alles Fleisch „unb jede Zunge ben Bestimmungen desselben gehorchet, seinen ^ »Befehlen gehorsamt, seine Herrschaft zugesteht, unb seine Regie-e-^ »rung anerkennt. Daher auch Wir, wenn wir gleich auf die h^ch-»erhabenen Worte königlicher Würbe, unb über bte Gesetze mnb „Rechte gestellt sind, unterbeugen doch aufrichtig unser Haupt ben »Vorschriften bes Naturgesetzes unb der Herrschaft, unb im Bestreben, demselben die Gebühr der Treue zu leisten, wollen, baß i) Horneck. p. 182. Die Belehnung geschah am 27. December 1282. Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 447 "kund und zu wissen werde allen gegenwärtigen und zukünftigen „Getreuen des römischen Reiches, daß wir, unter den vielen Wohl-,/thaten unbegrenzter Freigebigkeit, womit wir vom Anbeginne un° »serer Erhöhung die meisten Getreuen des Reiches zuvorkommend ,,betheilt haben, dem Triebe, ja vielmehr der Herrschaft und dem "Gebote desselben Naturgesetzes zu Folge, aus die Ansehnlichkeit „des Standes unserer Kinder und ihre Erhöhung unser Bestreben „gerichtet, und mit freier und ausdrücklicher Zustimmung der Für-„sten des Reiches, welche aus langer Gewohnheit das Recht der „Erwählung eines römi>chen Königs besitzen, die Fürstenthümer „oder die Herzogthümer Oesterreich, Steier, Krain und die March „mit ihren sämmtlichen Ehren, Rechten, Freiheiten und Zugehör, „so wie dieselben, ruhmwürdigen Andenkens, Leopold und Fried-"rich, Herzoge von Oesterreich und Steier, gehabt und besessen ha-„ben, und mit andern, was in denselben Ländern weiland Otto-„kar, König von Böhcim, unter welch immer gesetzlichem Titel er-„worben hat, den durchlauchtigsten Albert und Rudolph, unfern „allgeliebten Söhnen, zu Augsburg feierlich mit hohem und gebüh-„rendem Gepränge zu Lehen gegeben (ertheilt) haben; und, indem „wir sie der Zahl, Theilnahme und Gesellschaft der Reichsfürsten „beigesellten und ihnen das Fürstenrecht ertheilten, haben wir von „ihnen für die genannten Fürstenthümer den Eid der Treue und „Huldigung empfangen. Es sey daher durchaus keinem Menschen „erlaubt, diese Gnade unserer Ertheilung zu brechen, oder dersel-"bcn verweigerungsweise entgegen zu treten. Wer dies zu thun „wagen wird, der wisse, daß er in schwere Beleidigung unserer „Majestät verfallen sey. Zum Zeugnisse dieses Vorganges und „zur immerwährenden Festigkeitskraft haben mir gegenwärtige Ur. „künde auszurichten und mit der goldenen Bulle und dem einge-„drückten Sigille königlicher Majestät befestigen lassen. Zeugen sind «diese: die ehrwürdigen Bischöfe Konrad von Straßburg, Hart-„man von Augsburg, Heinrich von Regensburg, Bernhard von „Seckau; die Durchlauchtigen, unsere Fürsten: Ludwig Pfalzgras „bei Rhein, Herzog in Baiern, Konrad, Herzog von Lekk, Her-„man Markgraf von Baden, Heinrich Markgraf von Burgau, „Heinrich Markgraf von Hohenberg; die erlauchten Männer: Al-„bert und Burkhard, Brüder von Hohenberg, Heinrich, Friedrich „und Egmo von Fürstenberg, Eberhard von Habsburg, Ludwig „von Oettingcn, Meinhard von Tyrol, Günther von Schwarzen, „bürg; Grafen: die Herren Friedrich, Burggraf von Nürnberg, Gesch. c. Steiermark. — V. Do. 29 448 Steiermark bis zum Eintritte der «Bernhard von Schonenberg, Ludolph von Kuenring, Friedrich, „Truchsäß von Lengenbach, Ulrich von Kapellen, Erchcnger von „Landesere, Hartniö und Leutolö, Brüder von Stadeck n. v. A. „Gegeben in Augsburg durch die Hand Meisters Gottfried, Prop» „stes zu Paffau, unseres Erzkanzlers, am 27. Dezember 1282, „unseres Reiches im zehnten Jahre ')•" Diese feierliche Belehnung wurde hierauf am 29. Dezember. 1283 durch eine kaiserliche Urkunde den Landständen in Oesterreich, Steter und Krvin kund gemacht mit dem Befehle, daß alle Bewohner dieser Reichsländer dem neuen Regenten Gehorsam und Treue bewähren sollen. Die Urkunde lautet folgendermassen: % 3- 1282- «Rudolph von Gottes Gnaden römischer König, ra fcSantoänkc „immer Augustus, allen Grafen, Adelichen, 55)1(111= ,,6efeincr 6C6()n“ms „sterialen, Schützlingen und Vasallen Oesterreichs, „seine Gnade, allen seinen Getreuen alles Gute!" „Da wir mit Zutritt der freien Beistimmung der ehrwürdi-„gen und durchlauchtigen Fürsten, welche in der Wahl römischer „Könige und Kaiser eine Stimme haben, die Uns und dem Reiche „offen stehenden Länder oder Herzogthümer Oesterreich und Stcier »mit ihren Herrschaften, Ehren, Rechten und gelammten Nutzun-„gen, wie sie weiland den edlen Leopold und Friedrich, Herzogen „dieser Reichsfürstenthümer, gewöhnlich schuldig waren, den er-„lauchten Albert und Rudolph, unfern vielgeliebten Söhnen und „deren Erben gegeben haben, von Uns und dem römischen Reiche „ewig zu besitzen, und wir sie auch mit königlichem Scepter mit »denselben investirt haben, wie die über diese Verleihung selbst auf-„gerichteten und übergebenen Urkunden üarthun; so vertrauen wir „es eurer allgemeinen Treue fest an und befehlen, daß ihr euch „auf dieselben, Albert und Rudolph, unsere Söhne und Reichs-«fürsten, euere wahren Herren und Herzoge, mit voller Treue «und mit Pflicht gänzlicher Untergebung und Verehrung hinrich-„tet, ungehindert aller und jeder Uns und dem heiligen Reiche von „euch geleisteten Eide, welche wir hiermit lösen und aller Wechsel-„fettig gegebenen Urkunden, und aller, durch Uns euch crtheilten, „was immer für Freiheiten enthaltenden Briefe. Gegeben zu Augs-„burg 29. Dezember 1282 1) Lambacher, Anh. I>. 196—198. — Chron. Claustr. Pez. I. Anno 1283. 2) Lambycher. ,>. 273—277. Anhang. 198—199. — Kopp. ibid. p. 503. Anmerkung 3. 449 Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. Sogleich aber nach dieser Kundmachung sahen a;3- JTh-m es die Vordersten der Länder Oesterreichs und Steiers nötiget1 mc Beden, ein, daß das Regiment zweier Herren, die selten 5« a ™ s”! wohl Eines Herzens und Sinnes seyn dürften, in nen fa^W£lt-Einem und demselben Lande ein schweres, und das Wohl der Zu. tun ft nur gefährdendes Verhältniß sey. Die Stände beider Länder gingen daher zu Rath, und ließen dem K. Rudolph durch eigene Abgeordnete in Rheinfelden ihr Bedenken und zugleich ihre Bitten, die beiden Länder nur einem Einzigen Fürsten und Herrn zu geben, vortragen. Rudolph sand dieses Bedenken und diese Wünsche gegründet, und ertheilte aus kaiserlicher und väterlicher Vollmacht am I. Juni 1283 eine neue Urkunde mit mehreren Abänderungen in Rücksicht der ersten Lehcnverkheilung für seine Söhne, wie folgt: „Rudolph, von Gottes Gnaden römischer König, H-'bsburgisck,eHcu,«- orbiuing zurBeherr- „immer 'Augustus, Allen in Ewigkeit!" schim-, dcr öst-rr. $iitn bev „Bei der zu Augsburg mit Bewilligung der „Reichssürsten von Uns feierlich vollbrachten Ertheilung der Län-„der Oesterreich, Stcier, Krain und der March an die erlauchten „unsere Söhne Albert und Rudolph, haben wir Uns, mit ausdrücklicher Zustimmung derselben, die volle Gewalt über die ge-„nannten Länder, zwischen ihnen Ordnung und Einrichtung nach „Gefallen zu treffen, Vorbehalten. Und weil nun nachher die Aüe-„ligen, die Mittelstände, die Geringeren und die Gemeinen der „Länder selbst anöringlichcr und ergebener durch feierliche Boten „lei unserer Hoheit gebeten hatten, daß Wir, in Anbetracht der "reinen Ergebenheit und Treue, womit sie immer im Gehorsam „gegen Uns hervorgeleuchtet haben, sie und die vorgenannten Län-„dcr, für welche es gefahrvoll und beschwerlich sey, ihren Nacken „einem doppelten Joche zu unterziehen nach dem Zeugniffe der „Wahrheit; Niemand kann zweien Herren dienen! Uns würdigen „möchten, mit gnädig geschenkter Gunst zu berücksichtigen, und sol-"chcrgestalten anzuorünen und zu vollziehen, daß dieselben Länder „mit ihren Rechten, Ehren und Zugehöre ganz und gar (unzer-„trennt) den oftgcnannte» Albert berücksichtigen, und ihm allein „als ihren wahren Herrn gehorsamen, und sich auf ihn hinrichten „sollen. Wir nun, in Erwägung der aufrichtigen Treue und rci-„nen Ergebenheit der vorgenannten Länder, Adeligen und Bewoh-„ner, womit sie vom Anbeginne unserer Ankunft in den genann- 29* 450 Steiermark bis zum Eintritte der „ten Ländern, uns immer eifrig ausgezeichnet haben, in Erwägung „auch des gemeinsamen Wunsches der Länder selbst, und des hierin --übereinstimmenden Verlangens und deßwegen mit so sehr auf die „Bequemlichkeit unserer vorgenannten Söhne als auf die Ruhe „derselben Länder vorsichtig bedacht —haben wir die vorbezeichnete „Bitte gütig erhört, und nach zeitig gepflogenem Rath über diese „Länder selbst, um allen Stoff zu einer künftigen Verwirrung „wegzuräumen, und damit auch die genannten Brüder, wenn durch „väterliche Sorgfalt alles, was das gegenseitige Band ihrer Her-„zeu zertrennen könnte, entfernt worden ist, in Annehmlichkeit brüderlicher Liebe übercinstiminen, setzen wir aus väterlicher Gewalt „und in der uns bei Verleihung genannter Länder vorbehaltenen „Macht solchergestalten fest, ordnen an, verordnen und wollen, „daß der vorgenannte Albert und dessen männliche Erben das Für-„stenthum vbgenanntcr Länder und die Herrschaften mit all ihren „Rechten , Ehren und sämmtlichen Zugehören, so wie wir früher „die vorbczeichneten Länder denselben, Albert und Rudolph, unge-„theilt verliehen haben, beständig allein haben und festhalten solle." Nach dieser Hauptbestiminnng besagt diese Urkunde dann weiters noch Folgendes : „Sollte Albrecht's Bruder, Rudolph, binnen „vier Jahren noch nicht in Besitz eines Königreichs oderFürsten-„thums gekommen seyn, so solle Albrecht ihm nach Bestimmung des „Vaters eine Geldsumme zu zahlen haben. Im früheren Toüfalle „des Vaters sollten vier Schiedsrichter diese Summe bestimmen. „Rach vier Jahren sind die genannten Länder frei und ledig aller „Verpflichtung gegen den Prinzen Rudolph. Gelangt Prinz Ru-„dolph vor vier Jahren noch zu einem Fürstenthume oder König-„reiche, so sey ihm Albrecht nur einige Unterstützung schuldig, wenn „das Fürstenthum nur gar geringe Einkünfte abwürfe. Nach dem „Aussterben der männlichen Leibeserben Albrechts haben die be-„zeichneten Länder an die männliche Nachkommenschaft Rudolphs „zu kommen. Als Zeugen dieser Anordnung wurden berufen: Bi-„schof Gottfried von Passau, Meister Heinrich von Klingenberg, „Doctor der Decretalicn und Protonotar; die Eüelherren: Fried-„rich, Burggraf zu Nürnberg, Ulrich von Täufers, Otto von Lich-„tenstein, Stephan von Meißau, Marschall in Oesterreich, Ulrich „von Kapellen ')." l) Lambacher. p. 377—279, Anhang, p. 199—200. Habsburgischen Fürsten. I. 1246 — 1283. 451 $>c iL!e8b. öfter. Kaum war diese Verfügung des Kaisers in den de!?M "der Tnü" österreichischen Ländern bekannt gemacht worden, so auf di- Hausord. vereinigten sich die Abgeordneten der Stände von Oesterreich, Steier und Kram in Wien, schworen dem Kaiser einen feierlichen Eid, auf die genaue Beobachtung dieser neuen Hausordnung sorgsam zu wachen, und stellten ihm darüber am 11. Juli 1283 folgende Urkunde aus: "Wir Otto von Haslau, Landrichter in Oesterreich, Otto von „Bertholdsdorf, Kämmerer, Stephan von Meißau, Marschall, Leu-»told von Kuenringcn, Schenk in Oesterreich, Ulrich von Kapellen, „Landrichter ober der Enns, Friedrich von Lengenbach, Erchenger »von Landesere, Otto von Lichtenstein und Friedrich von Pcttau. »Wir wünschen, daß zur Kenntniß Aller, sowohl der Gegenwär-»tigen als der Zukünftigen gelange, indem wir demüthig erkennen »und öffentlich aussprechrn, daß, ungeachtet der hochansehnliche „Fürst, unser geliebtester Herr, Rudolph, von Gottes Gnaden hoch-löblicher, römischer König, uns, seinen ihm damals und dem römi-»schen Reiche unmittelbar untergebenen Getreuen mit vielen hohen »und mannigfaltige» Geschenken seiner Wohlthätigkeit, großmülhig „bisher berücksichtigt hat; er dadurch aber die Schätze seiner aus-„gezeichnetcn Freigebigkeit über uns häufiger und überfließender „ausgegossen habe, da er die zu Augsburg gemachte Vorsehung mit „zweien Herren oder Lanöessürsten, den durchlauchtigsten Herren „Albert und Rudolph, seinen ruhmwürüigen Söhnen, für uns und „für die Länder Oesterreich, Steier, Krain und die March, indem „er sich damals darüber noch vollkommene Macht Vorbehalten hat, „aus unsere und der Bewohner der genannten Länder ergebenes „Bitten, auf die Person unseres allgeliebten Herrn des Herrn „Herzogs und glorreichen Fürsten Albert, nach weislich gepflo-„gener Ueberlegung, gnädig zu beschränken sich gewürdigt hat. Die „Art und Weise, in der er uns dem Joche desselben allein und „dessen Erben untcrgestellt hot, ist in seinem darüber aufgerichte-„tcn königlichen Brief deutlicher enthalten. DiefiS uns vvrgelcg-„ten und gezeigten Majestätsbriefes Inhalt ist von Wort zu Wort „folgender: (Run folgt die oben angeführte kaiserliche Anordnung vom 1. Juni 1283, worin festgesetzt wurde, daß Herzog Albrecht allein und mit Ausschließung des Bruders Rudolph, Regent der Länder Oesterreich, Steier, Krain und der March seyn soll.) „Wir nun, nicht uneingeüenk so großer, von königlicher Güte »uns zugetheilten Wohlthaten und nicht undankbar dagegen, und 452 Steiermark bis zum Eintritte der »eben deswegen erwiedernö unserer Ergebenheit und Treue gegen-«theilige Schuldigkeit, nehmen an > billigen und nehmen auf die »oben bezeichnelc königliche Anordnung, welche zu unserer und der »genannten Länder Gunst, Nutzen und Ehre crlheilt und kunüge-»geben worden ist, und stimmen ihr mit ergebenem Danke einhellig »bei, und mir werden sorgen und thätig scyn, daß die Vorgesetzte »Ordnung in allen ihren Punkten festgehalten werde. Dies oer-»sprechen wir mit reiner Treue, und wir verbinden uns dazu, »auch durch das Band eines dafür geleisteten Eides. Indem wir »auch dem königlichen Wohlgefallen in Allem genug thun und ge-»fällig seyn wollen, so haben beiden Brüdern, unfern Herrn Al' "bert und Rudolph, sowohl wir, als auch die Bewohner genann-»tcr Länder unter Form und Zeit allem in der vorausgesenüetcn »Anordnung Enthaltenen den Eidschwur der Treue und Huldigung »öffentlich geleistet. Nach Ablauf dieser Zeit aber werden wir an »den vorgenannten unfern Herrn Albert allein und an dessen „männliche Erben, zu Folge vorausgesenüeter Anordnung und »unsers vorauscnthaltenen Eidschwurs, gebunden und von unfern „genannten Herrn Rudolph frei und entbunden seyn, wenn etwa »unser Herr 'Albert die vorbezeichncte Anordnung, in wie weit sie »ihn selbst betrifft und berührt, nicht achten und beobachten wollte. »In diesem Falle dann lebt unserm vorgenannten Herrn Rudolph „das in der Ertheilung der Länder zu Augsburg zuerst erworbene „Recht einfach wieder auf. Und wir werden folglich auch ihm, so „wie auch seinem Bruder, unserm Herrn Albert, zur Schuldigkeit »gleicher Ergebung und Treue verbunden seyn. Wir geloben end-«lich ausdrücklich, daß, wenn es geschehen sollte, daß unser oftge-„nannter Herr Albert und dessen männliche Erben bei Lebzeiten »unseres genannten Herrn Rudolph absterben, wir von dann »an dem Herrn Rudolph selbst in Allem als unserm wahren Herrn «beständig ergeben seyn werden. Damit aber allem Borbesagtcn »und von uns treulich zu Befolgenden desto gewisser Treue und »Pünktlichkeit gehalten werde, haben wir die gegenwärtige Urkunde »darüber aufrichten, und mit unfern anhängenden Sigillcn bekräf-„tigcn lassen. Gegeben zu Wien am Vorabende von St. Marga-»rethen der Jungfrau, in Gegenwart des ehrwürdigen Vaters Herrn »Gottfried, Bischof von Passau, Herrn Ulrichs von Täufers, Mei-»ster Konrad, Schreiber von Oesterreich und Meister Lcnzo, des Habsburgischen Fürsten. I. 1246—1283. 453 »durchlauchtigsten Herrn Herzogs Albrecht Protonotar, im I. „1283 V An demselben Tage, 11. Juni 1283, ließ so- s dann K. Rudolph I, den Abgeordneten von Oester- «et tk eiten §cmt. . ' _ veften und nimmt reich und Steier einen Marestätsbrtef mit der De- ordentlich.Besitz von stätigung aller Freiheiten und Vorrechte, welche den frühern Markgrafen und Herzogen und den Ländern Oesterreich und Steier, von Kaisern und Königen im deutschen Reiche von den frühesten Zeiten her bis K. Friedrichu, ertheilt worden sind, ausfertigen, mit dem ausdrücklichen Beisatze, daß, wenn unter K. Ottokar von Böhmen, oder K. Bela IV. von Ungarn irgend ein Punkt dieser Privilegien gebrochen worden wäre, dieses weder den genannten Ländern, noch den neuen Herzogen derselben zum Rachthcile gereichen solle * 2). Dies war der Hergang, durch welchen das Haus Habsburg zum Besitze des Landes Steiermark gekommen, und das sind die urkundlichen vom Kaiser und Reiche selbst unmittelbar ausgcgangenen Bestimmungen, auf welche die Herrschaft der neuen Regenten dieses Landes gegründet worden tft 13) — Von Augsburg eilte H. Albrechti, sogleich nach Oesterreich, um von seinen Ländern Besitz zu nehmen 4). ') Joan. Victor, ibid. p. 316 — 318. — Kurz, Ottok. u. Albr. II. Beilage XVI. p. 200—203. — Lambacher, Anhang, p. 203—208. 2) Lambacher, Anh. p. 203—205: „Wir Rudolf — daß für Uns kommen die Hochgebornen Fürsten unsere lieben Söhne Albrecht und Rudolf — mit ihnen die besten ihrer Land — und baten uns demllthiglich, daß wir bestatten geruhten die Brief, die den vorgenannten Landen — geben warn. Geben zu Reinseiden den 11. Juni 1283.« Diese Urkunde mit allen darin enthaltenen Briefen wird für unecht und für ein Machwerk vom Jahre 1359 gehalten. — Kopp. ibid. p. 507. Anmerk. 3. 3) Horneck. p. 180—184. — Caesar, Annal. Styriae. II. p. 53 — 55. 4) Horneck. p. 183. , Aus der C. Tänzerischen Buchdruckerei. Geschäftslelteri F. Regen.