cm ÖEÜeßtr lscholischeMirslonsreltölW Herausgegeben von der Kongregation: ______Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu._ Preis ganzjährlich 2"50 S, Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2 50 Pengö, Tschechoslowakei 12 LA, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2'50 Franken, übriges Ausland 2 Goldmark. Unser Heiliger Vater Pius XI. hat wie schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Aposto lischen Segen ertettt. Für Wohltäter^werdm täglichheilige M^sen geigen.^ Mit^Empfehlun^ der hochwürdigsten Oberhirten von Left 6 Juni 1937 40. Jahrgang Meine Rückkehr in die Apostolische Präfektur Lydenburg, Transvaal. Von P. Josef WeiIler, F. S. C. (Fortsetzung.) Unser Dampfer sollte laut Fahrplan am 3. Dezember um 4 Uhr nachmittags von Genua abfahren. Die Vorbereitungen dazu gingen ihrem Ende entgegen. Schon feit mehreren Stunden waren zwei gewaltige Krane tätig, um die am Kai aufgehäufte Fracht an Bord zu befördern. Eine Last nach der andern, so schwer sie auch sein mochte, wurde, gleich als wäre sie ein Spielzeug, hoch emporgehoben und dann langsam und sachte in den weiten, tiefen Gepäckraum hinabgelassen, wo schon die verschiedenartigsten Materialien in einer Unmenge von Kisten und Kasten, Fässern und Säcken aufgestapelt waren und bis auf weiteres auf Lager blieben. Am Kai stallte sich eine Menge müßiger Zuschalier, und während der Moment der Abfahrt immer näher heranrückte, heulte plötzlich die Sirene, und nun gab es kein Zögern und Zaudern mehr. Alle Nichtpassagiere, die einen Angehörigen, Freund oder Bekannten aus Deck begleitet hatten, verließen eilends das Schiff, die Landungstaue wurden gelöst, die Schiffsbrücke aufgezogen. Damit war die letzte Verbindung mit dem Festland abgeschnitten. Nun war unser Dampfer frei, nicht Zwar, um sich selbst zu bewegen, denn dazu war der Hafen zu enge, sondern um unter der Lei- tung eines kundigen Lotsen von einem kleineren Schleppdampfer in die offene See gebracht zu werden. Aus ein zweites Signal traten diese auch sogleich in Tätigkeit, und der Riesendampfer entfernte sich langsam vom Kai. Ein bedeutsamer Augenblick, dem eine lebhafte Szene folgte. Die Musikkapelle spielte einen flotten Marsch. Die Passagiere auf dem Deck und ihre Freunde und Bekannten auf dem Kai winkten einander — manche mit tränenfeuchten Augen — ein letztes Lebewohl zu. Das beiderseitige Hin- und Herschwenken der Hüte, das Flattern der Taschentücher wollte, so schien es, kein Ende nehmen. Unterdessen fuhren wir langsam und behutsam durch den Hafen und gelangten allmählich in die offene See. Der Lotse hatte nun seine Aufgabe gelöst und kehrte auf dem Schleppdampfer in den Hafen zurück. Der Steuermann tritt jetzt an seine Stelle. Der Dampfer bahnt sich nun mit eigener Kraft den Weg durch die hochauf-ipritzenden Wogen und eilt vorwärts, dem nächsten Hafen entgegen. Ich werfe noch einen letzten Blick auf die hinter uns liegende Hafenstadt und ihre reizende Umgebung, gar bald ist aber die ganze Küste aus meinem Gesichtskreis entschwunden. Ohne einen besonderen Zwischenfall lan- Mohammedanischer Häuptling. Das mohammedanische Haupt eines Dorfes in Franz. Kamerun ist hier mit zwei Mitgliedern einer geheimen Sekte zu sehen. Die Moslim sind in Kamerun wie in anderen letten West-, Ost-und Nordafrikas sehr zahlreich. Bei ihrem materiellen und geistigen Einfluß, vor allem auch ihrer starken Proselytenmacherei, bilden sie ein wirkliches Hindernis für die Bekehrung Afrikas. (Fides->Foto.) beten wir am 4. Dezember morgens früh um 6 Uhr in Marseille. Diese Stadt ist die größte unter den am Mittelmeer gelegenen Hafenstädten Frankreichs und wird mit ihren 850.000 Einwohnern nur noch von der Hauptstadt des Landes an Bevölkerungszahl übertroffen. Mit Recht rühmt man ihre schöne Lage, besonders wenn man sie vom Schiff aus betrachtet. Denn während die mittlere Stadt mit ihrem unübersehbaren Häusermeer in einer mehr oder minder flachen Ebene liegt, bildet der östliche und westliche Teil eine sanft ansteigende Terrasse, die in einem weiten halbkreisförmigen Bogen den Horizont um- schließt und besonders im Sonnenschein einen recht gefälligen Anblick gewährt. Unser Schiss fuhr bis an den Kai heran, und da es einen halbtägigen Aufenthalt nehmen sollte, beschloß ich, eine Fußtour zu machen, um in der dem Hafen zunächst gelegenen Kirche die heilige Messe zu lesen. Da ich von deren Entfernung keine Ahnung hatte, so sollte ich bald eines Besseren belehrt werden. Ein Herr, der im Hasen zu tun hatte, erklärte mir auf mein Befragen, daß die Stadt noch fünf Kilometer entfernt fei; er könne mir daher zwecks Lesung einer heiligen Messe nur dringend anraten, in eines der in nächster Nähe abfahrenden Postautos zu steigen, um ohne allzugroße Müdigkeit die nächstgelegene Kirche von St. Jean zu erreichen. Als ich ihm bemerkte, daß ich leider keine französische Münze bei mir hätte, und ihn nach einer nahen Wechselbank befragte, zog er sogleich seine Börse aus der Tasche und drückte mir einen Franken in die Hand. Natürlich nahm ich das Anerbieten an und verfehlte nicht, ihm für diese edle Liebestat oder, wie ich ihm sagte, echt französische Höflichkeit meinen innigen Dank auszu-sprechen. Auch in der Kirche von St. Jean, die ich nach einer viertelstündigen Fahrt erreichte, fand ich eine recht liebenswürdige Aufnahme. Der zuvorkommenden Höflichkeit des stattlichen Sakristans und eines alten Geistlichen, der gerade nach Lesung der heiligen Messe in die Sakristei zurückkehrte und der — nebenbei bemerkt — früher mehrere Jahre in Madagaskar als Missionär tätig war, hatte ich es zu verdanken, daß ich alsbald die heilige Messe lesen konnte, wobei mir ein alter, schon etwas gebrechlicher Mann mit erbaulicher Andacht ministcierte. Während ich dann die Danksagung machte, fand ein Trauergottesdienst und anschließend eine Beerdigung statt. Ich wußte nun nichts Besseres zu tun, als mir die Stadt etwas näher anzusehen, und schlenderte aus der berühmten Haupt strafte Kannebiere einher, die sich durch manche prächtige Hotels, Cafes und verschiedene Kunstbauten auszeichnet. Ich besuchte auch die Kathedrale, die, aus einer mehrere Meter hohen Terrasse gelegen, einen imposanten Eindruck macht; sie ist Durch das Sontimeer. Ein Bild aus Süd-Algerien unweit der Stätte, wo Charles de Foucauld am 1. Dezember 1916 ermordet wurde. Fast ganz Algerien ist mohammedanisch. Es gibt Katholiken vor allem unter den Europäern, und die Kirche ist hierarchisch gefestigt durch einen Erzbischof, jroei Bischöfe und ungefähr 400 Priester. Wehmut erfüllt uns beim Gedanken an die einst blühende kathol. Kirche in Nordafrika, die nur noch Ruinen und das Andenken allerdings gewaltiger Geister wie Augustinus zurückgelassen hat. (Fides-Foto.) in romanisch-byzantinischem Stile erbaut und enthält auch im Innern manche Sehenswürdigkeiten. Ich mußte mich nun ordentlich sputen, um auch noch die berühmte Wallfahrtskirche Notre Dame zu besuchen. Sie ist auf einen 150 Meter hohen Felsenhügel gebaut und gewährt daher über die ganze Stabt und die weit ausgedehnten Hafenanlagen eine prächtige Aussicht. Den 45 Meter hohen Turm krönt eine riesige vergoldete Statue der Mutter Gottes, die als „Stern des Meeres" dem Schiffer schon aus weiter Ferne entgegenleuchtet und daher nicht bloß alp eine sehr schöne Zierde, sondern auch als ein vertrauenerweckendes Wahrzeichen der Stadt gelten muß. Was Marseille ferner charakterisiert, ist sein überaus lebhafter geschäftlicher Verkehr, der ein lärmvolles Leben und Treiben auf den Hauptstraßen zur Folge hat und dem Fußgänger beständige Wachsamkeit und besondere Vorsicht gebietet. Endlich war ich des Manderns müde. Nachdem ich mir vorsichtshalber auf einer Wechselbank noch etwas französisches Kleingeld verschafft hatte, bestieg ich die elektrische Straßenbahn, wo ich mit mehreren Passagieren des „Duilio" zusammentraf. Um 12 Uhr kam ich wieder an Bord, also gerade zur rechten Zeit, um durch ein gutes Mittagessen auch die Rechte meines Magens zur Geltung kommen zu lasten. In Marseille erhielt unsere Reisegesellschaft einen bedeutenden Zuwachs. Denn 174 neue Passagiere stiegen an Bord, zum großen Teil Holländer und Franzosen, von welch letzteren manche nur bis Senegal fahren, die daher in Dakar, dem Hafen und der Hauptstadt dieser französischen Kolonie, das Schiff wieder verlassen werden, unter ihnen auch ein Franzose, der mit mir am selben Tisch speiste, und dessen nähere, für mich nicht uninteressante Bekanntschaft ich machte. Damit war die Zahl der Fahrgäste aus 390 gestiegen, von denen der bei weitem größte Teil in der Touristenklasse untergebracht war. In dieser Klasse gibt es ein-, zwei-, drei- und oierbettige Kabinen, wodurch natürlich eine merkliche Verschiedenheit des Preises bedingt ist. Ich hatte eine Kabine zu vier Betten bezogen, die fast während der ganzen Fahrt besetzt waren. Doch führte der etwas enge Raum zu keinerlei Mißhelligkeiten, da wir alle — ein Holländer, ein Berliner und zwei Rheinländer — gut miteinander auskamen und uns in allem gegenseitig behilflich waren. Die Touristenklasse umfaßt ferner mehrere Salons, die gemeinschaftlicher Benützung dienen, wie zwei Speisesäle, je einen Erholungssaal für Kinder und Erwachsene, einen Lese- und Kino- ober Theatersaal, in welch letzterem mehrmals in der Woche verschiedenartige Darbietun- gen stattfanden. Alle diese Säle waren rein und sauber, da das Dienstpersonal darin wie auch in allen Kabinen jeden Morgen eine gründliche Reinigung vornahm; sie waren hell und freundlich und behaglich eingerichtet, so daß in dieser Hinsicht keine Klage gerechtfertigt erscheint. Das gilt natürlich noch in höherem Grade von den Räumlichkeiten der 1. Klaffe, die außer den erwähnten Salons noch eine schöne, weitläufige Veranda und prächtige Galerien enthielten, auf die ich natürlich nicht näher eingehen kann. Ebensowenig kann ich mich bezüglich der Kost und Verpflegung auf Einzelheiten einlassen; ich bemerke nur, daß sie mehr als hinreichend war, daß sie auch betreffs der Qualität allen billigen Anforderungen entsprach. Es ist das nicht meine Privatanstcht, sondern die mancher anderer Passagiere, wenigstens aller derer, die sich mir gegenüber darüber geäußert haben. Ich halte es für angezeigt, hier einige Angaben über unseren Dampfer im allgemeinen folgen zu lasten, soweit ich auf Grund der mir dqrüber gemachten Mitteilungen dazu in der Lage bin. Der Dampfer „Duilio", der — nebenbei bemerkt — seinen Namen von dem aus den Kämpfen mit den Karthagern bekannten römischen Seehelden Duilius herleitet, ist ein Turbinendampfer von 23.600 Brutto- Registertonnen, ist 200 Meter lang und 24 Meter breit, hat einen Tiefgang von 7 Meter und legt in der Stunde 21 Knoten zurück. Er kann in der 1. Klaffe 250, in der Touristenklasse 580, also im ganzen 830 Fahrgäste beherbergen. Was bei diesen Angaben, die ich mündlichen Mitteilungen verdanke, besondere Beachtung verdient, ist der hervorragende Tonnengehalt des Schiffes und der dementsprechende Tiefgang, welch letzterer natürlich noch durch die an Bord befindliche Fracht mehr oder minder vergrößert wird. Dieser bringt es ja mit sich, daß der Dampfer starken Schwankungen weniger unterworfen ist, die sich sonst bei bewegter See so leicht einstellen und die allgemein gefürchtete Seekrankheit bei so vielen nicht seefesten Passagieren zur Folge haben. Letzteres sollte leider auch durch ein Erlebnis auf unserer Reise bestätigt werden. Bei ruhigem Wetter verließen wir am 4. Dezember bald nach Mittag den Hafen von Marseille. Die See bildete eine fast glatte Fläche wie der Rhein bei ruhigem Wetter. Gegen Abend jedoch wurde es anders. Es erhob sich ein heftiger Wind, der bald in einen Sturm überging. Die See wurde stark bewegt und die Folge davon war, daß manche Passagiere über eine Revolution in den Niederlanden zu klagen hatten und sich beim Abendessen nicht mehr Das Heim in der Wüste. Ein Bild aus dem Mij-sionSlsben in Nordafrila. P. Johannes Bonardi von den Auswärtigen Missionen von Parma hat das Bild ausgenommen. (Fides-Foto.) sehen ließen. Glücklicherweise ging ihr Mißbehagen bald vorüber, denn der Wind legte sich und die See war nach wenigen Stunden ruhig wie zuvor. Ich selbst bin zwar aus früheren Reisen auch seekrank gewesen, doch diesmal hielt ich mich dagegen genugsam gefeit. Der einfache Grund ist der, daß ich mich aus meiner Rückkehr in die Mission in einer gehobenen, mutigen Stimmung befand, und mit dem Mut vereinigt und steigert sich naturgemäß auch die Widerstandskraft gegen die Seekrankheit und alle sonstigen Beschwerden, die eine Seereise mit sich bringen kann. (Fortsetzung folgt.) MMnung für den monos Mi: .M durdj Berte der Kontos und dutid Schulen die christliche Bodrdeit den modonunedonern defonnt werde." Bau und Eröffnung der Schulkapelle St. Ignatius. Am 24. Jänner 1937 waren es drei Jahre seit der Eröffnung der Missionsstation St. Joses in White Waters. Weit abgelegen von den großen Verkehrslinien, tief versteckt in afrikanischer Wildnis und Einsamkeit, hat die Station eine besondere Bedeutung als Vorstoßposten in das gewaltige Gebiet, das ausschließlich den Schwarzen zugewiesen ist. Die protestantische schwedische Mission, die zuerst diesen Wachtposten auf hoher Bergesspitze bezogen hatte, hat anscheinend die Nacht zu lange in den Tag verlegt, was üble Folgen nach sich zog. Sie mußte die Station unter ungünstigen Bedingungen verkaufen. Da der Apostolische Präfekt von Lydenburg, Msgr. Alois Mohn, schon vor Jahren einen Versuch gemacht hatte, in diesem Gebiet eine Station zu grün- den, kam diese Gelegenheit wie gewünscht, und er erwarb die Station. Unter unzähligen Mühen und Opfern und Entbehrungen haben die ersten Missionare hier auf der Station saure Vorarbeit geleistet. Ein Blechhaus und eine Schule aus Dakaziegeln (Daka heißt ein Brei, aus besonderem Boden bereitet, der verwendet wird bei der Herstellung ungebrannter Backsteine, die nur an der Sonne getrocknet werden) waren zwar vorhanden, aber im übrigen sah es armselig aus. Trotz der jahrelangen Arbeit der Schwedenmission war bei ihrem Abzug die Zahl ihrer Anhänger verschwindend klein. Die Nacht des Heidentums konnte von der Nacht des Irrtums nicht erleuchtet werden. Reines Heidentum mit all seinen Schattenseiten hat vor- wie nachher hier bestanden. Auf der Autzenstation. So sah die alte Avalon-Schule aus. Es war eine alte, morsche Hütte, die zudem für die wachsende Zahl der Schulkinder zu klein geworden war. (Kongreg.-Archiv.) Schulkapelle St. Ignatius. Nach siebenwöchiger harter Arbeit stand Lie neue Schulkapelle fertig da. (Kongreg.-Archi'v.) Bei der Eröffnung der Station vor drei Jahren war noch Kein Katholik, noch kein Außenposten vorhanden. Heute weist das Taufbuch die Zahl 64 auf, dazu kommen 40 Katechumenen. Außenstationen sind es drei. Den Anfang machte die Avalon-Schule, heute St. Ignatius genannt; dann folgte St. Bernhard in Nelfpruit und bald daraus St. Peter in Logogotu. Auf solchen Außenposten muß der Schulunterricht und der Gottesdienst in einem Gebäude gehalten werden, denn für zwei Gebäude reicht das Geld nicht. Darum wird bei Errichtung eines solchen Baues getrachtet, einen Typ zu schaffen, der beiden Zwecken dient. Daher der Name: Schulkapelle. Der erste Außenposten unserer Station White Waters mit einer solchen Schulkapelle ist St. Ignatius, über ihr Werden nun einen kurzen Bericht: Im Mai des vergangenen Jahres erhielt P. Tremmel, Rektor und Pfarrer der Station, vom hochwürdigsten Apostolischen Präfekten die Erlaubnis, auf der naheliegenden Farm eines englischen Katholiken eine neue Schule zu bauen. Die alte Schule, eine morsche Hütte, war dem Zusammenbruch nahe und war zudem zu klein geworden für die immer mehr anwachsende Zahl der Kinder und Christen. Im Juni begann Br. Hicschlein mit der Arbeit. 20.000 ungebrannte Ziegelsteine sollten angefertigt werden. Das Wasser, um den Daka herzustellen, mußte 400 Meter weit herbeigeholt werden. Frauen und Schulkinder halfen freudig und unentgeltlich mit. Drei Wochen lang schleppten sie täglich 700 bis 800 Liter Wasser herbei. Staunenswert war die Opferfreude dieser Neugetauften und Katechumenen. Besonders ein Schwarzer zeichnete sich durch seinen Fleiß und seinen unverwüstlichen Humor aus. Nur so war es möglich, daß eine solche Riesenzahl von Ziegelsteinen innerhalb drei Wochen fertiggestellt wurde. Mitte Juli kam dann Br. Stengel von Mariatrost, um den Bau aufzuführen. Die Größe des Baues wurde ungefähr auf 12X6 Meter berechnet mit anschließender Sakristei von ungefähr 3X4 Meter. Es dauerte nicht lange, da war auch Br. Maier, Zimmermann und Schreiner, zur Stelle, und nach siebenwöchiger harter Arbeit der Brüder bei glühender Hitze und armseligem Essen, bei schlechter Nachtruhe auf hartem Boden und anderen Entbehrungen stand die neue Schulkapelle da (so wie sie auf dem Bild zu sehen ist). Welch eine Freude bei den Schwarzen! Nach all der schweren, aber mit Freuden vollbrachten Arbeit war endlich das Werk gelungen. Der 27. September wurde zur Eröffnung und Einweihung festgesetzt. An diesem Tag sollten auch die heiligen Sakramente der Taufe und der Firmung gespendet werden. Der Apostolische Präfekt sagte der Einladung zu, zum großen Jubel der Schwarzen, die ihn mit heller Begeisterung empfingen. Biele waren schon am Tage zuvor von weither gekommen und am Sonntag Am Tag der Einweihung. Der Hochwllrdigste Apostolische Präfekt Msgr. Mohn mit einigen Katholiken vor der Schulkapelle. (Kongrech-Archio.) den 27. September waren die meisten längst vor Beginn der Feierlichkeiten schon da. Um 10 Uhr vormittags begann die feierliche Weihe der Schulkapelle; anschließend feierte der Apostolische Präsekt ein Amt, wobei die Schwarzen die „Missa de Angelis" sangen, fehlerlos, mit helltönenden Stimmen zum Staunen der anwesenden weißen Katholiken und Protestanten. Nach dem feierlichen Hochamt folgte eine Predigt aus Zulu, worauf der Apostolische Präfekt eine Predigt aus Englisch hielt, die vom Lehrer unserer Schule in die Eingeborenensprache übersetzt wurde. In der Predigt betonte der Präfekt vor allem die Zusammenarbeit von Eltern, Lehrer und Priester: ohne diese Zusammenarbeit kann aus einer Schule nicht viel werden. Das zweite wichtige Ereignis des großen Tages war die erstmalige Spendung des Sakramentes der heiligen Firmung an die Christen der weit ausgedehnten Station. Nie war bisher dieses heilige Sakrament auf diesem Missionsposten gespendet worden. Es war ein Erlebnis für die kindlichen Seelen dieser schwarzen Leutchen. Das „Großer Gott!" auf Zulu gab der kirch- lichen Feier den gebührenden Abschluß. Aus den Festgottesdienst folgt gewöhnlich ein Festmahl. So auch hier. Ein wohlhabender englischer Farmer, ein guter Katholik, der ein Herz hat für den schwarzen Mann, spendete zum Staunen und freudigen Dank aller einen Ochsen und ließ ihn mit seinem Lastwagen zum Fest-platz bringen. Fleisch! Das ist Seligkeit für einen Schwarzen. An die 200 hungrigen Mägen haben sich an die Fleischmasse herangemacht: Mais, Reis und Bohnen standen ebenfalls bereit. In natürlicher Fröhlichkeit und Heiterkeit haben alle geduldig gewartet, bis sie ihren Teil bekamen, ohne Drängen und Schieben, ohne Gier und Hast. Den ganzen Nachmittag spielten und tanzten die Schwarzen, sangen und trtufi--zierten sie, bis die Sonne hinter den hohen Bergen verschwand. Unvergeßlich wird dieser Tag in den Herzen dieser guten armen Menschen fortleben. Möge die neue Schulkapelle für viele ihrer Rasse das werden, was sie sein will und sein soll: ein Ort des Gebetes und ein Ort zur Erkenntnis der Wahrheit. P. A. Baum gart, P. 8. C. Die Schwarzen wissen sich zu helfen. In den Außenschulen wird regelmäßig Katechisten den Leuten Beigebrachte richtig einmal in der Woche Gottesdienst gehalten, erklärt werden muß. In den weiter ent-da eben der religiöse Unterricht in den- senilen Schulen wird überdies einmal im selben der Hauptzweck ist und das vom Monat auch Sonntagsgottesdienst gehal- ten, weil die Leute nur unter großen Opfern in die Hauptstation zum Gottesdienst kommen können. Die Mühe, der sich der Missionär dabei unterziehen muß, wird reichlich vergolten, weil die Leute fast alle zu den heiligen Sakramenten kommen. Zu den weit entfernten Schulen reitet der Missionär schon am Vorabend hin und übernachtet dort, damit er am Morgen gleich mit seiner Arbeit beginnen kann. Da ist es nun Brauch, daß er sich auch bewirten läßt. Er hat wohl sein Stück Brot und etwas Käse oder Fleisch von zu Hause mitbekommen; doch was kümmert sich darum die schwarze Kirchenmutter, so heißt nämlich die Frau, die aus das Schulhaus achtgeben und es reinlich halten muß. Sie hält es für ihre Pflicht, den Missionär auch ihrerseits zu bewirten und kocht nach ihrer Art Tee, Kaffee, Bohnen und Fleisch mit einer guten Brühe. Das ist gewiß schön und der Missionär läßt sich das angebotene Essen auch gut schmecken. Oft braucht es dabei schon guten Appetit und man muß die Augen zudrücken, um nichts zu sehen, was den Appetit verderben könnte. Es war Allerheiligen. Am Vortage ritt ich zur Außenschule Magehle. Diese Schule ist die entlegenste; sie hat aber die besten Aussichten, selbst einmal ein Mittelpunkt zu werden. Sie wurde erst vor wenigen Jahren gegründet und dem Ort entsprechend großzügig gebaut. Obwohl ringsum Protestanten wohnen, wird die Schule gut besucht und auch die Katechumenen aus den Reihen der Erwachsenen sind sehr zahlreich. Ein eigener schwarzen Katechist wurde angestellt, der mit seiner Familie bei der Schule wohnt. Jetzt hat diese Außenschule selber schon sechs Katechisten^ posten, wo regelmäßig Religionsunterricht erteilt wird. Beim Gottesdienst ist diese Schule gesteckt voll und gegen 150 Personen empfangen immer das heilige Sakrament der Buße und gehen zur Kommunion. Wenn der Missionär hierher kommt, hat er immer genug zu tun, und es wird 1 Uhr, bis er mit dem Beichthören, mit der heiligen Messe und dem Unterricht fertig ist. Kindertaufen und etwaige Krankenbesuche kommen nachher daran. Die rührige Frau des Katechisten sorgt für meine Bewirtung. Sie ist immer sehr besorgt, daß ich nicht verhungere, und läßt mich rufen, daß ich gurrt Essen komme. Sie kommt schließlich selbst und holt mich aus den Leuten, mit denen ich mich gewöhnlich unterhalte, heraus. Dann sitze ich am Schultisch. Früher brachte sie mir immer Schüssel um Schüssel, Tasse um Tasse, eines nach dem andern. Sie hat eben auch nur zwei Hände, und ihren Stolz, das kleine Bübchen, hat sie auf den Rücken gebunden. Doch heute brachte sie mit einem verstohlenen Lächeln alle Schüsseln auf einmal. Sie trug ein Brett, darüber war ihre weiße Schürze gebreitet und darauf standen Teller und Schüsseln. „Herrschaft!", dachte ich, „wie kommt denn die auf den Gedanken, sich ein Auftragbrett anzuschaffen!" Mein Staunen löste sich bald. Bei näherem Zusehen fand ich, daß es die Schublade des Schultisches war. Die Schulbücher und alles, was sonst darin war, hatte sie auf den Boden ausgeleert — da lag es ja auch gut — und benützte die Schublade als Servierbrett, wie sie es irgendwo einmal gesehen haben mochte. Dumm war also meine Köchin nicht, sie wußte sich zu helfen. Aber das Geschick einer Kellnerin hatte sie doch noch nicht. Im Dezember war es, als sie mich wieder auf diese Art bewirten wollte. Sie kam herein, mit beiden Händen die Schublade mit den Schüsseln tragend und ihren kleinen Knirps auf dem Rücken. Da nichts vorhanden ist, worauf sie das Brett setzen konnte und sie es offenbar nicht auf den Boden stellen wollte, stützte sie es auf ihr Knie auf einem Bein stehend und wollte nun die Schüsseln auf den Tisch stellen. Doch, o Schrecken! Der kleine Knirps machte sie wackelig, das Brett entrutfchte ihrem Knie und alles wurde verschüttet. Da lag nun das Essen in natürlichster Weise zusammengemischt auf dem Brett. Was tut meine Köchin? Etwas anderes zu essen konnte sie nicht holen, sie hatte ja nichts mehr. Was tun? In kühler Ruhe setzte sie das Brett auf den Boden, scharrte die verschüttete Mahlzeit mit dem Löffel und den Fingern zusammen, putzte schnell einen Teller ein wenig, tat den Mischmasch darauf und präsentierte ihn mir. Ich aß und sie lächelte und wir blieben trotz allem Mißgeschick gute Freunde. ?. K. F i s ch e r. Plauderei aus Afrika. Von Br. August Gogol. In der Goldstadt Johannesburg wurde im Jänner eine „Empire"-Ausstellung, eine Schau des Britischen Reiches, abgehalten. Johannesburg wurde diese Ehre zuteil, weil diese Halbmillionenstadt das 50. Jubelfest ihrer Entstehung beging. Unter den Ausstellungsgegenständen nahm eine Truppe von Buschleuten, dem äußerst genügsamen Völkchen der Kalahari-Wüste, nicht den geringsten Platz ein. Auffälliges Interesse bringen diesen niedrigsten Vertretern der dunklen Rasse die von der Kultur der Weißen mehr oder weniger beleckten Bantuneger entgegen. Ohne Zweifel schmeichelt es ihrem Selbstbewußtsein, einmal Gelegenheit zu haben, auf andere Eingeborene mit nachsichtiger Geringschätzung herabblicken zu können. Große Teilnahme bezeigen auch die weißen Besucher den zwerghaften Wilden. Ihr „gutes" Herz und ihre leistungsfähige Tasche veranlassen sie, den „armen Schluk-kern" Leckerbissen zuzustecken. Die Folge war ein Generalstreik der Mägen der Naturkinder infolge übermäßigen Genusses von Schokolade. Sehr gewogen sind die kleinen Leute dem duftenden Kraute Nikotin. Ich sah ganz kleine Kerlchen, wirkliche Dreikäsehoch, die außer der von den weißen Zuschauern erbettelten Zigarette nichts um und an sich hatten, wie Schornsteine qualmten und sich um weggeworfene Glimmstengelstumpen rausten. Unter den Buschleuten befand sich ein ganz alter, dessen Lebenszeit auf 110 Jahre Aus einer Familie. Die zwölf Kinder einer katholischen chinesischen Familie Schanghais. Augustin (der vierte von rechts) stndiert zur Zeit am Propagandakolleg auf dem Jauikel in Rom. (Fides-Foto.) geschätzt wird. Er ist noch so gesund und lebenslustig, daß untersuchende Ärzte ihm weitere 30 Jahre versprechen. Am 16. Jänner wurde die Ausstellung geschlossen. Die Buschleute waren des vier« monatigen Angegafftwerdens herzlich müde und sehnten sich nach der Kalahari-Wüste zurück. Allein sie, die mit der über« zivilisation der Weißen in Berührung gebammen sind, werden kaum mehr dem dürftigen Leben in der bargen Heimat den vollen Geschmack abgewinnen können. Deshalb geht man jetzt daran, eine Busch- mann-Reserve zu schaffen und sie einstweilen in einem zu errichtenden Lager in der Kalahari unterzubringen, wo man ihre vermehrten Bedürfnisse wird befriedigen können. Diese Halbießhaftmachung der bisher unverbesserlichen Nomaden mag Veranlassung geben zu ihrer missionarischen Erfassung. In ihrer Kalahaciheimat fallen die Buschleute unter die Jurisdiktion des Apostolischen Vikars des Oranje-Flusses, Bischof D. Fages von den Oblaten des hl. Franz von Sales. Amschau. Der Internatrcmaile ChrrstköttigskoNMetz in Posen. Nach dem Willen des Hl. Waters sollen die Christkönigskongresse in Zukunft ein Gegenstück feiln ju den Gucharistilschen Weltkongressen, und zwar derart, daß sie vor allem die praktische Seite der übernationalen religiösen Aktion der Katholiken aller Länder bearbeiten. Die Dhiristkömlgskongresse sollen nicht sosehr nur machtvolle äußere Entfaltungen der gesamten Gefolgschaft Christi des Königs in der Welt fein, als viBlmeihr durch praktische Arbeit der Verwidklichuing des Könijgtums Christi in der Welt bienen. Der Kongreß von Posen steht unter der Devise „Verwirklichung des Königtums Christi — Überwindung der J n terna t i o n v l e n G o t t l o s e nb e w e g u n g“. Nqch einer großen Eröffnungsversammlung am 05. Juni, in der P. L e d i t, S. J., von Rom sprechen wird, soll der erste Verhandlungstag einer Bestandaufnahme über die Arbeit der organisierten Gottlosenbewegung in allen Ländern dienen. Professor A lg e r m i fs e n-Htl-desheim wird Generalberichterstatter dieses Tages fein. In vier Referaten werden sodann behandelt die geistigen, moralischen, sozialen und religiösen Ursachen der Goitlosenbewegung. Als Redner sind dafür bisher vorigem erbt P. K o f i-b o w i c z-Krakari, Unmevsitätsprof. Brauer-Köln, Prälat Saw i cki-Pofen. In weiteren vier Referaten kommt sodann die positive geistige, moralische, soziale und religiöse Erneuerungsbeweguntz in der Kirche zur Darstellung, und Mar voraussichtlich durch Pros. H ale ck i-Warfchau, Rektor Gemelli-Mailand, P. L h and e, S. J., Paris, Dompropst Simo n-Paderborn. Vorgesehen ist eine Pontifikalmesse im Stadion, eine große Friedenskundgebung der Vertreter aller Länder, ein religiöses Konzert des Kathedralchores, eine Ausstellung religiöser Kunst, deis katholischen Buches usw. Neue Wege in der Verbreitung des Glaubens. China (Weihaiwei, Shantung). Aus Wen-teng, einer Pfarrei der Mission Weihaiwei, stammt eine vorzügliche Propaganda-truppe, die stetig neue Mittel und Wege ausfindig macht, um Augen und Ohren denen zu öffnen, die nicht hören und nicht sehen. An die Stelle von Musik und Schall-platten sollen jetzt Theaterstücke und Dialoge treten. Der tüchtige Organisator Pater Peter 2 tu hat bereits mit Erfolg die neue Methode erprobt. Er besuchte fünf Ortschaften, wo an drei Tagen zunächst ein Stück gespielt, dann die katholische Lehre durch P. Liu erklärt wurde, woraus Schauspieler im Kostüm in Dialogen die abergläubischen Vorstellungen des Volkes geißelten. Bei jeder solchen Vorstellung erschienen durchschnittlich 1550 bis 2000 Personen. Es steht zu erwarten, daß die elsässisch-lothringischen Franziskaner, die die Mission Weihaiwei betreuen, die Früchte dieser Aufklärung ernten. (Fides.) Drei Millionen Katholiken in China. Schanghai. Das Jahrbuch der Katholischen Missionen Chinas, das soeben vom Sinologischen Büro Zi-ka-wei herausgegeben wurde, bringt die freudige Mitteilung, daß die Zahl der Katholiken Chinas nunmehr auf 3 Millionen gestiegen ist. Im verflossenen Jahr 1936 haben die Katholiken um 115.336 zugenommen, d. i. eine Zunahme, die das Rekordjahr 1935 um 19.000 noch übertrifft. (Fides-Foto.) Trommler-Jugend von Belize nimmt an einer Kirchweilie teil. Amerikanische Jesuitenpatres. die in Enalisch-Honduras wirken, haben in der Erlöserpfarrei von Belize-Honduras ein jugendliches Trommlerkorps ausgebildet. Jüngst nahmen diese Jungen an einer denkwürdigen Kirchwerhe in Burrell Boom teil. Dort hatte der 80jährige William Oliver, ein Nichtkatholik, den Bauplatz für die Kirche gestiftet und sich um den Bau selbst verdient gemacht. Nach der Grundsteinlegung wurde der alte Herr krank/ Doch erbat und erhielt er vor seinem Tode die Taufe. Als erster wurde er von der neuen Kirche cm3 beerdigt. Bekanntlich wurde die erste Million im Jahre 1907, die zweite 1920 erreicht; wenn es 17 Jahre dauerte, bis die dritte Million erzielt wurde, so muß demgegenüber auf den Weltkrieg von 1914 und die darauffolgenden Wirren verwiesen werden, die China bis 1927 heimsuchten und heute noch nicht überwunden sind. Immerhin ist vom Jahre 1933 an ein regelmäßiges Ansteigen der Bekehrungsziffern zu bemerken. Im Jahre 1936 wurden die Reihen der Priester um 88 einheimische und 155 auswärtige verstärkt. Mehr und mehr zieht die chinesische Kirche die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, und zwar durch zahlreiche Äußerungen ihrer Lebenskraft, durch die einheimischen Bischöfe, von denen einer in der Hauptstadt wirkt, durch das tatkräftige Eingreifen der Mitglieder der Katholischen Aktion, durch ihre Schulen, wo sich die Zahl der heidnischen Schüler in acht Jahren verdreifacht hat. Bemerkenswert sind auch die alljährlich sich besser entwickelnden Anstalten für ärztliche Hilfe. Allein im Jahre 1936 konnte 9 Millionen Menschen, d. i. gegenüber dem Vorjahr ein Plus von einer Million, unentgeltliche ärztliche Beratung zuteil werden. Neben Brüdern und Schwestern nehmen auch die Laienhelser und unter ihnen die Ärzte bedeutend zu. die sich in den Dienst der Missionäre und katholischer Krankenhäuser stellen. Von 122 Ärzten, die seit 1922 aus der medizinischen Fakultät der Aurora hervorgingen, stehen augenblicklich 48 im Dienst der katholischen Missionen. (Fides.) Lydenburg (Transvaal, Südafrika). D i e neuen E i n g e b o r e n e n g e s e tz e in denslldafcikanischen Missionen. In Ausführung der kürzlich angenommenen Eingeborenengeseße wird die Regierung in den nächsten Jahren den Schwarzen neues Siedlungsgebiet in der Gesamtgröße von 714 Millionen Kapmorgen überlassen. Die Auswirkung dieses Schrittes auf die Missionierung der Eingeborenen wird in berufenen Kreisen nicht ungünstig beurteilt. Manche Farmer, die für die Mission nicht viel Verständnis zeigen, müssen ihre Güter innerhalb einer gewissen Zeit an die Regierung verkaufen und räumen. So entstehen geschlossene Siedlungsgebiete der Schwarzen, die den Missionsstationen näherrücken und sich so missionarisch besser erfassen lassen. Unabhängig von dieser Auffassung darf wohl gesagt werden, daß Eingeborene, die ein wenn auch bescheidenes Land zu bebauen haben, den Gedanken des Christentunis zugänglicher sind als andere. (Fides.) Der erste farbige Priester in Südafrika geweiht. Kimberley (Südafrika). Am Fest der Unbefleckten Empfängnis 1936 weihte Bischof Meysing, der Apostolische Vikar von Kimberley, in der Marienkathedrale der Stadt den H. P. Aloysius Joseph Munnik, Mitglied des Oblatenordens, zum Priester. Das Datum verdient festgehalten zu werden. Denn mit H. H. Munnik hat Südafrika den ersten farbigen Priester erhalten. Der Neugeweihte studierte zwölf Jahre am Oblatenseminar zu Roma-Basutoland und galt in dieser Zeit als einer der tüchtigsten Studenten. Nach der Weihefeierlichkeit wurde der Neupriester zum Pfarrhaus geleitet, wo der Bischof und der ganze anwesende Klerus seinen ersten Segen erhielt. Beim Primizmahle erklärte Bischof Meysing in seiner Ansprache, er sei sich bewußt, ganz im Einklang mit dem sehnlichsten Wunsch des Heiligen Vaters zu handeln, wenn er die Heranbildung eines einheimischen Klerus fördere, um so die Fortführung des Priestertums in Missionslanden zu sichern. H. P. Munnik wird kurz nach Basutoland zurückkehren, um sein letztes Studienjahr zu vollenden und dann im Vikariat Kimberley als Seelsorger zu wirken. (Fides.) Die Mission der Weißen Väter in der Sahara. Ron«. Die Mission der Weißen Väter in der Sahara, unter dm Namen Apostolische Präfektur Ghacdaia, zusammengefaßt, ist sicher eine der weitestausgedehn- len der Erde. Mit ihren zwei Millionen Quadratkilometer übertrifft sie die Boden-fläche Deutschlands um mehr als das Vierfache. Die Volkszählung von 1936 weist eine einheimische Bevölkerung von 640.000 Köpfen auf. Die ersten Versuche einer geistigen Durchdringung wurden von den Söhnen des großen Kardinals Lavigerie in diesem Land des Lichtes, das zugleich die größte und trostloseste Wüstenöde der Welt darstellt, im Jahre 1874 ausgenommen und sofort mit betn Leben von sechs Missionären bezahlt. Auch jetzt, nachdem die Weißen Väter 25 bis 30 Jahre an der Arbeit sind, gehen sie zahlenmäßig über 50 Kräfte nicht hinaus: gegen 30 Patres und gegen 15 Brüder werden in ihrem schwierigen Apostolat von 50 Weißen Schwestern unterstützt und verteilen sich auf 17 Posten. Das entnervende Klima und besonders gelagerte Verhältnisse gestalten die Arbeit der Missionäre sehr schwierig, aber es ist keine verlorene Arbeit. Langsam gibt der undurchdringliche Block nach, es zeigen sich Risse. Der „Rumi" (Römer), der ihnen offensichtlich eine nie erlahmende Güte zeigte, ist für die Eingeborenen nicht mehr der Feind, den man bekämpfen muß, sondern ein Freund, dem man allmählich Wertschätzung entgegenbringt. Ein Charles de Foucauld bezwang alle durch seine große Liebe. Die Weißen Väter und Schwestern tun es ihm in ihren Schulen, Werkstätten. Armenapotheken nach. Wenn die Ergebnisse ihrer Anstrengungen bescheiden sind, so sind sie darum nicht weniger wirklich und tatsächlich vorhanden. (Fides.) Mota Saheb.* Von Erlebnis zu Erlebnis im Wunderland Indien. Von Johann Baptist Müller, S. J. „Aber, Nurali, wie kamst du denn auf diese Idee? Hast du denn jemals Wasser brennen sehen?" „Nein, Saheb, aber ich meinte, das Öl sei noch stark genug!" * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Herder & Co. in Freiburg (Vreisgau), Baden. Großartig! — War ich da nicht wirklich beneidenswert, in Nurali einen solch pfiffigen Lampenputzer zu haben? Nurali als Mali. Die Arbeit des Mali bestand darin, täglich die Topfpflanzen und die Oleandersträucher vor der Kirche zu bewässern und dieselben, wie auch den Boden um die Bäume herum, von Unkraut rein zu halten. — Für diese Beschäftigung hatte Nu-rali eine ganz besondere Vorliebe. Erinnerte sie ihn doch, in etwas wenigstens, an seine frühere Tätigkeit als kleiner Landwirt daheim. Wie er nun in der hockenden Stellung andächtig die Unkrautpflänzchen ausriß, die Erde von ihren Würzelchen abschüttelte und dieselben zu einem Häufchen neben sich legte, die Zierpflanzen von etwaigen abgestorbenen Blättern befreite, die Erde im Topfe wieder auflockerte, und so gemächlich von einem Topf zum andern rutschte, schienen seine Gedanken unwillkürlich zu seinem Heimatdorf in Bhopal zu wandern, wo an der einen Ecke eines kleinen Grundstückes feine ärmliche Hütte steht. Dort sieht er sein sorgenvolles Weib emsig beschäftigt und seine kleinen Rangen lustig herumspringen, während er, ihr Vater, in der Fremde den nötigen Unterhalt für sie verdienen muß. Denn der Erlös aus dem einen Felde genügt nicht, um, wie er sagt, „so viele Mägen zu füllen". So weilt sein Herz, besonders während dieser ruhigen Arbeit, gerne bei den lieben Seinen, und eine beseligende Stimmung stiller Zufriedenheit erfaßt ihn. Könnte er seinen Gefühlen poetischen Ausdruck verleihen, so würde er sicher beglückt vor sich hinsagen: „Was frag' ich viel nach Geld und Gut, Wenn ich zufrieden bin! Gibt Gott mir nur gesundes Blut, So hab' ich frohen Sinn." Nur würde ihm das Wort vom „frohen Sinn" nicht so recht frisch von der Leber kommen, vielmehr ein sehr starker Wunsch sich seiner bemächtigen, der Wunsch nämlich: „Gäb' Gott mir auch das nötige Geld, um meine drückenden Schulden zu bezahlen! Ja! — dann wäre ich wirklich von Herzen froh." Er mußte halt immer an den Mann denken, der ihn mit einem Schuldschein prellte und ihm mit Beschlagnahme seines Häuschens und Feldes drohte. Das war der unheimliche und herzlose Murvari oder Geldleiher, bei dem er, um seine Hochzeit gebührend feiern zu können, hundert Rupien geliehen und für die doppelte Summe unterzeichnet hatte. Nun hatte er schon in all den Jahren mehr als die ganze Summe an Zinsen bezahlt. Aber statt abzunehmen, stieg wegen des hohen, über hundertprozentigen Zinsfußes feine Schuld Zmmer mehr, da er die Zinsen nicht aufbringen konnte. So war er dem Wucherer einfach-hin ausgeliefert. Allein, im Gedanken, daß alles seine Zeit habe und daß fast alle kleinen Leute in derselben Lage seien wie er, ließ er sich nicht von diesen Sorgen niederdrücken. Er schlug sie vielmehr in den Wind und ließ Bewässerungsanlage in Traväncore. Eine primitive Bewässerungsanlage für die Reisfelder in Travancore (Süd-Indien). Die Bevölkerung besteht dort zumeist aus Bauern und Fischern. Die Christen bilden nahezu ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Der auf dem Bild ersichtliche Missionär gehört zu den Jranziska-nermiffionsbrüdern von Mount Poinsur. (Fides-Foto.) sich seinen Reis und feine Zigarette nicht weniger gut schmecken. So pflegte er denn seine lieben Pflanzen ruhig weiter und ließ sich wohl sein in der sonnigen Gegenwart. Bei dieser aufmerksamen Pflege ließ es der gute Nurali aber nicht bewenden. Er wußte auch feine Pfleglinge gegen äußere Feinde zu schützen. Es kam zuweilen vor, daß unbewacht herumlaufende Esel, Kühe und Ziegen durch das offene Tor in den Hof hineinkamen und sich auch an die Sträucher wagten. Sobald Nurali dies merkte, ließ er seinen ganzen Zorn gegen sie los, hetzte den Hund auf sie, warf mit Steinen nach ihnen, lies mit einem Knüppel hinter ihnen her, und unter dem jammervollen Iah-Schluchzen der flüchtenden Esel sandte er ihnen eine prasselnde Lawine von Schimpfnamen und Flüchen nach: „Fort! hinaus! zur Hölle mit euch! ihr Mißgeburten unreiner Mütter, ihr Sprößlinge Satans, ihr Scheusale der Tierwelt, ihr unverschämten Freßsäcke! Möge jedes Blatt, das ihr hier gefressen, ein böser Geist in eurem verdammten Magen sein" usw. Aber einmal auf der Straße draußen, fühlten sich die Eindringlinge sicher. Die Esel blieben stehen und schauten höhnisch nach ihrem ergrimmten Verfolger um, während die Ziegen, ihre kurzen Schwänzchen wippend, weiterzogen, froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein. Kamen aber lose Kühe in den Hos, dann war Nucali besonders schnell und eifrig. Im Nu hatte er sie eingefangen und an einen Baum festgebunden. Dort blieben sie auch angebunden, bis die Eigentümer, die Gaulies, sich meldeten. Gegen Entrichtung einer Geldstrafe von einer Rupie, die Nurali als Bnckfchisch einsteckte, erhielten diese dann ihre Kühe zurück. Durch solche Erfahrung belehrt, gaben sie in Zukunft besser auf ihr Vieh acht und hüteten sich, noch einmal in die Gewalt dieses strengen Malis zu fallen. In all seinen Ämtern erwies sich Nurali als absolut zuverlässig. Nie hat er auch nur im geringsten das in ihn gesetzte Vertrauen mißbraucht. Er war wirklich ein „servus fidelis“ — ein „treuer Diener".. Es tat mir deshalb sehr leid, als er eines Tages mit der schüchternen Bitte zu mir kam, ihn heimziehen zu lassen. Das war für mich ein schwerer Schlag. Wußte ich doch zu gut, was ich an ihm hatte und was ich in ihm verlor. Ich suchte ihn deshalb auch mit allen Bitten und Gründen umzustimmen. Allein, alles Bitten und überreden, doch zu bleiben, nützte nichts. Er erwiderte nur mit Tränen in den Augen: „O Durchlaucht, laß mich gehen, — ich muß heim. Ich weiß es, Sie meinen es gut mit mir, — ich habe es gut bei Ihnen gehabt, und Sie haben mich gut bezahlt: — aber ich muß heim!" So ließ ich ihn denn nach Zweijährigem Dienst mit vielem Dank, einem guten Zeugnis und einem fetten Backschisch heimziehen. Er war aber so vorsorglich gewesen, daß er mir statt seiner schon einen andern zuverlässigen Diener verschafft hatte, so daß ich in gar keine Verlegenheit geriet. Dieser neue Diener, der Nuralis Posten übernahm, hieß Hira, auf deutsch: Edelstein. Vier Jahre lang, bis zu seiner Heirat, war er bei mir und hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Nur hatte er die Eigentümlichkeit, einen langen, tiefen Mittagsschlaf zu halten. Wenn er da einmal schlief, war er schwer wach zu kriegen. — Nun wollte ich mir in der Ferienzeit, im Mai, also im heißesten Monat des Jahres, mittags auch ein kleines Schläfchen gönnen. Um dann im heißen Schlafzimmer wenigstens ein bißchen Kühlung zu haben, hatte ich mir aus einer gefalteten dünnen Strohmatte einen Zimmerpunka, d. h. einen aufhäng-baren, beweglichen Fächer gemacht, denselben mit einem kurzen Strick an einem Haken am Deckenbalken befestigt und die Leine zum Ziehen über ein Röllchen und durch ein Loch in der oberen Fenstereinfassung hinaus auf die Veranda geführt. Dort ' sollte nun Hira die Fächerleine ziehen und den Fächer über meinem Liegestuhl gut in Bewegung halten. Ich freute mich schon auf den ersten Versuch. Der Apparat arbeitete vorzüglich. Das Röllchen war auch gut geschmiert, so daß es kein Geräusch verursachte. Zur bestimmten Zeit erschien Hira draußen auf der Veranda. Jetzt konnte die Ge- schichte losgehen. Ich streckte mich auf den Liegestuhl und rief dem Diener zu: „Hira, ziehe!" Sofort setzte sich der Fächer in Bewegung und ging mit kräftigem Schwung über mir hin und her. Das war ja groß' artig! Oha, welche Labung! War auch die Luft im Zimmer heiß, so bewirkte doch die Bewegung des Fächers etwas Zugluft und wenigstens einige Kühlung. Wahrlich, das tat. dem erhitzten Körper wohl. Unwillkürlich sagte ich mir: Diese einfache und billige Wohltat hättest du aber schon lange haben können; warum hast du auch gar nicht eher daran gedacht? Ich schloß die Augen, um allmählich einzuschlafen. Aber langsam, — es hat nicht sollen sein! Auf einmal merkte ich, daß es wieder heiß war und die Kühlung aufhörte. Ich öffnete die Augen, schaute zum Fächer hinauf, und wahrhaftig, der stand still. Da hört doch alles auf. „Hira", rief ich, „ziehe doch!" — Keine Antwort. „Hira, ziehe!" — Nichts regte sich. Rasch stand ich auf und ging ans Fenster. Und was mußte ich da sehen? — Da lag Hira, so lang er war, mit dem Rücken aus dem Verandaläufer in tiefem Schlaf, die linke Hand aus der Brust und in der neben ihm liegenden Rechten die Leine. Ich machte das Fenster auf und rief ihm mehrmals laut zu. Da fuhr er zusammen und sprang aus. Wie verlegen der arme Schelm war! „Hira", sagte ich, „schämst du dich nicht, deinen Saheb so im Stich zu lassen und dich dem Schlafe hinzugeben? Jetzt bleibe einmal stramm stehen und ziehe ordentlich. Nach einer Stunde kannst du auch dein Schläfchen machen!" „Verzeihung, Saheb", stammelte er, „ich werde jetzt wach bleiben und gut ziehen." In der Hoffnung, daß jetzt alles gut gehen werde, legte ich mich wieder hin. Aber kaum war ich fünf Minuten auf dem Liegestuhl, da merkte ich, wie die Züge des Fächers unregelmäßig, dann schwächer und kürzer wurden. Noch ein paar Minuten, — und der Fächer rührte sich nicht mehr. „Was ist denn jetzt los?" dachte ich und ging wieder ans Fenster. Richtig, Hira war wieder entschlummert. In der hockenden Stellung saß er mit dem Rücken gegen die Wand unter dem Fenster, sein linker Arm über den Knien liegend und daraus sein schlaftrunkenes Haupt gesenkt, und in der herabhängenden Rechten die Fächerleine. „Hira", rief ich ihn an, „steh aus und gehe schlafen, du taugst nicht für diese Arbeit." „Ha, Saheb", gestand er zerknirscht, nachdem er sich erhoben, „ich bin nichts für dieses Fächerziehen, mein Schlaf ist stärker als ich!" — Damit schlich er beschämt von dannen. Von da an bestellte ich mir für den einen Monat einen eigenen Punkah-Kuli. Der aber schlief nicht und ließ mich schlafen. So mußte es ja auch fein. Im übrigen stand Hira seinem Vorgänger Nurali kaum nach, und was dieser an Erfahrung, Klugheit und Bedächtigkeit ihm voraus hatte, das ersetzte Hira wegen seiner Jugendlichkeit durch Gefügigkeit, Behendigkeit und Schaffenslust. — Mit beiden hatte ich Glück gehabt, denn beide verstanden es, in einer Person als Boy auch die Pflichten eines Hamal, Mussaul, Mali und Chupprassi zu erfüllen. Mein Koch. In Europa besorgen das Kochen meistens die Frauen. Diese verstehen es auch am besten, denn sie haben ein eigenes natürliches Talent dafür. In Indien liegt das Amt des Kochens in den Händen der Köche. Das Kochhandwerk ist dort ein ganz eigener Männerberuf, den meistens arme Goanesen, Ma-drassis und Mohammedaner ergreifen. Wenn nun schon im allgemeinen die meiste Männerkocherei nicht viel wert ist und sich mit den Leistungen der Köchinnen nicht messen kann, so gilt das noch viel mehr in Indien. Es ist deshalb schon ein besonderes Glück, einen einigermaßen erträglichen Koch zu bekommen, der einem wenigstens den Magen nicht ruiniert. Als Indier verstehen sich die dortigen Köche selbstverständlich am besten auf die indische Küche und sind deshalb leicht geneigt, die Speisen, speziell den Reis und Curry, so zuzubereiten und zu würzen, daß sie wohl einem Indier munden, aber für einen Europäer schier ungenießbar sind. Für mich kam aber nur ein Koch in Betracht, der es verstand, auch für einen Europäer leidlich zu kochen. Einen solchen für eine einzelne Person zu gewinnen ist nicht so leicht, es fei denn, daß man ihn gut bezahlt. Die Köche suchen durchwegs Stellung bei europäischen Familien, weil dort mehr für sie abfällt. Nun hatte zwar mein Vorgänger schon vor meiner Ankunft einen neuen Koch in der Person eines Madrassi-Christen für mich erworben. Den alten Koch, der lange bei ihm gewesen, hatte er vor dem neuen Saheb bange gemacht und ihm eine gute Stelle bei einer Familie verschafft. Der neue Madrassi-Koch verstand jedoch nicht viel vom Kochen, war sehr unreinlich und stahl wie ein Rabe. Schon sein Äußeres war höchst unappetitlich. In seinem einfachen Küchenanzug, der nur aus einem dünnen, vor Jahren einmal weiß gewesenen Leib-Hemdchen und einer von Schmutz glänzenden Hose bestand, sah er aus, als ob er gerade die Maschinen einer großen Fabrik gereinigt und geschmiert hätte. Was mir aber besonders mißfiel, das war sein unsteter, ausweichender, unehrlicher Mick, der seinen ganzen Charakter verriet. Obschon meine Bedürfnisse sehr gering waren, — morgens eine Tasse Kaffee und eine Schnitte trockenen Brotes, mittags ein Teller Suppe, ein Stückchen Fleisch mit zwei oder drei Kartoffeln und etwas Gemüse, ein wenig Reis und eine oder zwei Bananen, und abends eine Taffe Tee, ein Stück Brot und etwas Bratkartoffeln —, so legte mir der gerissene Küchenmeister abends doch eine Rechnung für die Tagesauslagen vor, von denen eine kleine Familie hätte leben können. Als ich ihm das sagte: „Bastian, du hast doch gesehen, wie wenig ich esse, und das Wenige soll so viel kosten? — Das ist ja unmöglich. Wo ist nun alles hingekommen, was du für nahezu zwei Rupien gekauft haft? Ich habe nicht die Hälfte davon gesehen", da zog Bastian die Schultern in die Höhe und schaute verlegen umher. „Siehe, Bastian, ich verbrauche für höchstens zwei Annas (= 20 Pfennig) Fleisch, — und du hast sechs Annas angeschrieben." „Ja, Saheb", erwiderte er dreist, „da waren auch gute Suppenknochen dabei/" „Aber ich brauche nicht mehr als für eineinhalb Annas Kartoffeln, — und du verlangst vier Annas." „Ja, Saheb, die find hier auch teuer." „Und die zwei Bananen kosten doch nicht mehr als einen Anna, — und du schreibst drei." „Ja, Saheb, ich habe auch die beste Sorte gekauft." „Und die Handvoll Reis kostet keine dreieinhalb Annas, sondern höchstens ein und einen halben." „Ja, Saheb, das war auch feinster Tafelreis." „Für jetzt genug, Bastian, morgen früh geht Nurali mit dir zum Basar und wird in deiner Gegenwart das Nötige für die Küche einkaufen. Dann wirst du mit eigenen Augen sehen, wie es mit deiner Ehrlichkeit steht." Ich rief Nurali heraus und las ihm die Rechnung des Koches vor. Er war gang entrüstet und sagte: „Wie kann ein Christ seinen Padre-Saheb so betrügen?" Dann gab er mir die Preise für die einzelnen Sachen an und wie hoch ungefähr die Auslagen für eine einzelne Person kämen. Daraufhin bat ich ihn, am folgenden Morgen mit dem Koch zum Basar zu gehen und selber die Einkäufe zu machen. So geschah es. Als beide zurückkamen, sah ich mir die gekauften Sachen an. Es war reichlich. „Und was kostet das alles?" — „Dreizehn Annas, Saheb", antwortete Nurali. — Bastian stand gesenkten Hauptes wie versteinert da und schwieg. Er war unwiderleglich überführt. „Nun, Bastian", sagte ich, „siehst du den Unterschied? Du hast also gestern ein gutes Geschäft gemacht und hast vielleicht gemeint, das gehe so weiter. Ob du nun die eine Rupie eingesteckt oder die Hälfte des Eingekauften deiner Familie zugeführt hast, diese Rupie wird dir vom Lohne abgezogen werden. Sei also ehrlich und kaufe immer ein, wie es heute geschehen ist, dann wirst du am besten fahren." (Fortsetzung folgt.)