^/^5 ^^^ /^_^, Cine Orientreise vom 3lchrc 1881 beschrn'l'ci vom ^rllllpriilzril I^lltlolf oon Mnuumh illustrirt init AllsGiitteil illuh WlliNl-MliM!Mll Wii Franz M Dliiislillier, Wien, !6s5. Druck nitd Vcrlali dcr üüscrlich kmnqlichcn Hof' und Stant^dviickorci. Vorwort. Jahrtausende hindurch legen die Sage und der fromine Glaube die Wiege des Menschen-gcschlechtes in den fernen Osten; nnd in der That fanden in Alien die groszen Völker-bewegungen ihren Ursprung, nnd die mächtigsten Religionen entstammen, im Wesen ihres Entstehens sich ähnlich, dem Lande des Sonnenaufganges, wu die herrlichste Uatnr zu über-irdischen Gedanken drängt. Die älteste Geschichte des Menschengeschlechtes, Nuinen einer uralten Cultur, die Heimat der Weisen, der Ingen und Märchen, unserer Sprachen und unseres Glaubens, treten uns entgegen im farbenprächtigen, smmcnmrklärten Griente! l. Capitel. lM'^^iliimM! z»r Reise. Abreise uun Wic». 2as Schiff Miramar. kuchi. Zante. Reise Nln!) ^lozinidnen. l^^^^ "' ^»tschluß, eine Orientrcise zu unternehmen, war rasch gefaßt und die Vorbereitungen hiezu '.H^// wurdeu gut und schnell getroffen. Iu aller Eile mußten noch enüqc Relscwnkc über dcu Orient ^jH,^ dnrchblättcrtwrrdeu, und weuiqcTdl^- vor imscrcr Abfahrt qicngrn da>o Gepäck, ein Präparator <5)^ uüt seiucn Uteusilicn, die Diener liud Geniehre, viel Munition und einige Iaqdhnnde ^ nach Triest ab, wo die für uus allergnädi^st zur Perfüqnnq gestellte. Dacht Miraniar wartete. Am »». Februar versammelte sich die Reisegesellschaft Abends am Siidbahnhufe ill Wien. Es war ein kalter, rmiher Win!srtag, Schnee bedeckte die Gassen und dichte Wolken trübten den Himmel: ein echtes, düsteres Abschicdswettcr, wie es unser perfides Klima allwmterlich dein armen europäischen Menschengeschlechte fühlen lässt. Zwei Tage vorher hatte ich nach langer Fahrt, aus fernem Westen Enropa's znrückeilend, die Eisenbahn erst verlassen; rasch war ich heimgekehrt, nm einen treuen Freund anf seinen: letzten Gang znr ewigen Ruhe zu begleiten. In trüber Stimmnng stieg ich iu den Waggon und nur die Kälte mahnte an Frende und Glück, denn bald sollte sie weichen der herrlichen Wärme des smmeudnrchglühteu Orients. Ein Pfiff, nud schnaubend rollte der Zug ans der Vahnhofhalle. Draußen war es dnnkle Nacht, Schnee, Eis uud Sturm waren der Abschiedsgrnß. Eine kleine, aber unternehmungslustige Reisegesellschaft saß im Schlaf Waggou verfammelt. Mein Oheim der Großherzog von Toskana, General Graf Waldburg, Vnrgpfarrer Abt Mayer, Major vun Escheubacher, Graf Josef Hoyus, der Maler Pausinger und ich, als die eigentlichen Orient-Pilger; 1 2 Graf Hans Wilczek begleitete nns bis an das Meer, mm wo ihn seiil Weg nach Italien führen sollte. Gar bald zog sich einer nach dem anderen znr Ruhe znri'lck, mir Wilezek nnd ich blieben in ein Gespräch vertieft lange auf, bis in später Nachtstunde anch uns der Schlaf übermannte. Eisige Kälte erweckte frith Morgens die Reisenden nnd fröstelnd kanerten wir einer neben dem anderen. Zwanzig Grad Kälte geigte das Thermometer nach dem Anssprnch eines Condneteurs nnd die Eispalmen anf den Fenstern legten Zen-genschaft ab für die Wahr heit seiner Worte. Bald sollten wir andere, herrliche Palmen genießen im ewigen Sommer Egyptens! — Tiefer Schnee lag in der Um-gel'niig von Adelsberg nnd die letzten dunk-len Nadelhölzer boten das Bild einer schönen Winterlandschaft. Ein reiner Himmel gestattete günstige Fernsicht vom Karst nach den Alpen. Ueberall Schnee, selbst bei Na- Il^b^r den Seinmrriüg. bresina noch die letzten kleinen weißenFlecken; doch im Süden eine andere Belenchtnng, ein üppigere-) Vlan,wärmere Sonnenstrahlen, der erste Gruß des Südens! Und nnter nns das Meer, majestätisch rilhig, spiegelglatt wie ein Alpen-See; nicht der grane Oeean, den ich kurz vorher ge^ sehen, sondern die herrliche, warine, blane Adria! Zwei meiner Reisegefährten erblickten znm ersten Mal in ihrem Leben dieses groß- artige Element und bewundernd starrten sie es an. In der Eisenbahnstation Miramar hielten wir an nnd fnhren zu Wagen nach dem kleinen Hafen des Schlosses. Der schöne Ban, kühn anf Felsen ober den brandenden Flnthen zwischen immergrünen südlichen Pflanzen bot ein malerisches Bild. Neben dem Schloß lag das gleichnamige Schiff, eine alte Freundin; schon zwei Reisen hatte ich anf der Miramar zurückgelegt nnd wie im Tranm tauchten bei ihrem Anblick herrliche Erinnerungen in meinem Gedächtnis; anf. Ein Boot harrle an der Stiege nnd trug nns rafch zum Schiffe. Au der Fall-Neeps-Treppe wartete der Commandant, Linienschiffs-Capitän Rödiger, und unter den Klängen der Volkshymne stiegen wir auf Verdeck und schritten die Front der aufgestellteil Mannschaften ab. Von Offieieren waren noch mit die Linienschiffs-Lientenante Graf Ehorin^ky, mit dem ich einst die spanische Neise unternommen hatte, ferner Hahn, Sachs nnd Nesuieek; Dr. Hirsch begleitete uus als Arzt; ich kannte ihu schon von einein früheren Ausfluge nach Korfn, Nasch musterte ich die mir so lieb gewordenen Räume, die Cabiueu, meine Wohnung und alle die Plätze, an welche sich so viele schölle Erinnerungen knüpften. Wilczek war uns bis auf das Schiff gefolgt, auf dem er fast zwei Jahre früher mit mir angenehme Reisetage verlebt hatte. Nach eingenommener Mahlzeit kehrte er an das Festland znrück, nm wenige Minnten später von der Terrasse des Schlosses die letzten Abschiebsgrüße dem wegfahrenden Schiffe znzuwiuken. Wir blieben alle anf dem Verdeck, die schone Landschaft genießend; Schloß Dnino, Miramar, die steil abfallenden Hänge des Karst nud das reizend gelegene Trieft im Glänze der Sonne erfreuten nns als erstes Reisebild, An der österreichischen Escadrc und an der russischen Corvette „Ascolt" fuhren wir nahe vorbei; salntivendc Kriegsschiffe bieten immer einen kriegerischen Anblick; vom Admiralsschiff klangen die Töne nnserer Volkshymne, nud als wir neben der rnssischen Corvette waren, ließen wir die ernsten, abev schöneu Klänge der Carenhymne erschallen. Bald entschwand Trieft unseren Blicken nnd längs der istrianischen flachen Küste dampften wir gegen Süden. Ewige Stunden brachten wir anf Verdeck zn; die Temperatur war eigentlich kühl, dennoch schicn sie uns nach den Frenden des central-europäischen Winters ein herrliches Labsal zu sein. Das häuslich Herrichten der Cabiueu und Auspacken füllte den Nachmittag aus und bald eutspcmn sich ein gemüthlich geselliges Leben im Iuneren des Schiffes. Eine späte Dinerstuudc kürzte den Abeud und rasch war der Augenblick der Nnhe da. Grauer, wolkenbedeckter Himmel, Wind nnd recht bewegte See bei kühler Atmosphäre sind die Gaben, die uns der Morgen des 11. Februar briugt. Der größte Theil der Reisegesellschaft war krank nnd jene trübe Stimmung, welche bei vielen Menschen in Folge der Lannen des tückischen Elementes sich fühlbar macht, herrschte in vollem Maße. Gesunde nnd Kranke saßen am Verdeck, in die unruhigen Wogen blickend. Um 10 Uhr Vormittags erschienen die steilen Felswände von Lissa; mit Andacht betrachtet jeder Oesterreich er jene Insel, die Zeugin war herrlicher Thaten unserer Scehelden. Landschaftlich bietet Lissa kein schönes Bild; rill vegetationsloses, steiniges Eiland, mit monotonen, nicht malerisch geformten Bergen nnd Wänden. In den Nachmittagsstnnden nahm die See noch zu und gegen Abend sal, man Wetterleuchten nud einige Blitze, denen fernes Grollen des Donners folgte. Der Tag vergieng recht eintönig, da die Bewegnng weder Lesen noch Beschäftigung am Schreibtische zuließ uud wir deu Curs weit der Küste auf hoher See einschlugen. Die Nacht gestaltete sich noch schlimmer nnd die vielen Kranke»: mußten böse Stnndcn über sich ergehen lassen. Am 12. brachte der Morgen mit Sonnenanfgang eine recht merkliche Beruhigung der See, und als wir auf das Verdeck eilten, begrüßten nns die albanesischen Hochgebirge mit weißen Häuptern; viel Schnee lag auf deu hoheu Kuppen. Die Gebirge Albauieus bieteu dem Reisenden eiuen eigenen Reiz; vom Schiff ans übersieht man die schichtenförmig sich erhebenden Vergmassen, genießt Einblicke in herrliche Felsenthäler und bewundert die steil in das Meer abfallenden Wände. Auf mich wirken alle Hochgebirge des Südens viel bezauberuder, als die Alpeu Central-Europa's, da die Formen, die warmen Beleuchtungen und die Coutraste zwischen Schnee, tiefblauem Firmament uud südlicher Vegetation weitaus interessanter sind, als das Einerlei derFichtenwälder nntermattblanem, 1* 3 belenchtnngslosen Himmel, Auffallend u»euig Städte sieht llian an der albanesischen Küste, nur hie und da mi »nalcrisch an d^u Berghällgen staffelförmig aufgebautes Dorf mit flachel, Dächern, bunten Hänscrn, schwerinüthigeu Cypresseil und graugrünen Oehllvälderil, In den Mittagsstultden warKurfn, das herrliche griechische Eiland, in Sicht, westlich davon die felsigen Inseln Merlera nnd Fano. Die Fahrt dnrch den engen Canal von Korfu gehört unstreitig zn den schönsten landschaftlichen Bildern, die man nnr sehen kann. Oestlich von nns die hohen albanesischen Gebirge, sich erweiternd nm den breiten Kessel und das Thal von Bntrinto, in dessen Innerem ein schöner Hochgebirgssee, mngeben von ansgedehnten Eichenwäldern nnd großen Sümpfen, einen hübschen Contrast bildet zu den kahlen Kalkgebirgen, deren höchste Spitzen tief im Iuuern des Landes weit sichtbar hervorragen. Westlich, in diesem Falle zn unserer Rechten, die grüne Insel, mit ihren schön geformten Bergen, dem stolzen Mons Deka, den ranschenden Eichen- und Oehlwäldern, den vielen Cypressen, blühenden Obstbänmen, über das ganze Eiland zerstreuten blendend weißen Hänsern nnd Dörfern; wahrlich ein interessanter Contrast; links das ranhe. nncnltivirte, von einem ranflnstigen Bergvolke bewohnte Albanien; rechts das blühende Korfu, von geschmeidigen, handeltreibenden Griechen in einen üppigen Garten verwandelt. An der malerischen Bucht von Ipsa kamen wir vorbei, nnd Citadelle sowie Stadt Korfn erschienen anf dem mittleren vorspringenden Cap der Insel, reizend gelegell. So oft ich Korfn erblicke, verfalle ich in eine Homer Stimmung, welche andanert, so lange das Schiff zwischen den jonischen Inseln dahin fährt. In den Tagen der Ingend, die Odyfsec studierend, machte ich mir dieselbe Vorstellung der jonischen Inseln, wie sie dann dnrch die Wirklichkeit bestätigt wnrde. Grüne Eilande, umspült von lichtblauem Meere, unter tiefblauem Himmel, vergoldet voll lachenden Sonnenstrahlen. Das Detail besonders, die über die Felsen hinausragenden breitblättrigen Välllne von Cphcu nmrankt, die blumenreichen Gebüsche, die rieselnden Quellen, das alles hat, man verzeihe mir den profanen Vergleich, etwas Decorationsartiges, erinnernd an Zauber-Balletc; man meint, es müsse aus den Büschen eine leicht geschürzte Diana, goldene Speere schwingend, hervortreten. Doch kehren wir znr Wirklichkeit zurück. Die Miramar lief vor die Stadt, wo wir einige Stnndeu bleiben mußten, nm Kohlen zu fassen. Das sollst so ruhige Kurfu bot einen kriegerifchen Anblick. Auf der der Stadt gegenüber liegenden Insel Vido war ein Barakenlager errichtet und das kleine Eiland schien gauz bedeckt von blau gekleideten Soldaten, deren einige Abtheilungen nach der Scheibe schössen. Viele Boote führten Krieger zn eiuem Dampfer; wie wir später erfnhren, sollte eines der anf der Insel mobilisirten Bataillone an demselben Abend nach Griechenland reisen. Die Hellenen träumten eben einen Heldentranm lind auch die guteu Korfioteu waren nicht wenig anfgeregt und meinten, die Tage des Leonidas seien wieder herangebrochen. Als wir vor Anker lagen, erschienen gleich der Arzt, der Vertreter des Consnls, denn er selbst war krank, lind ein Luhndiener, den ich von früher schon kannte, ein magerer, kleiner Mault von gräßlichem Aeußeren; ein mißrathencr Nachkomme der göttcrähnlichen Hellenen. Die Nachricht, es herrschen die schwarzen Blattern in der Stadt, war ein schwerer Schlag für die meisten meiuer Reisegefährten, welche dieseu Ort uoch nicht kauuteu. Sclbstverstäudlich wurde eiu streugesVerbot ertheilt, dieIusel zu betreten, und wir beuützteu die Nachmittag^stnudeu, um mit der Dampfbarkafsc eine Ausfahrt zn unternehmen. Nahe der Stadt kamen wir vorbei; die alten, dicht aufeinander gereihten Gebäude der staffelförmig errichteten Stadt, mit ihren bleudeud weißen Maueru, grünen Fellstern nnd flachen Dächern erinnern sehr an Italien, doch haftet an dein Ganzen auch eiu specifisch griechischer Charakter, der uoch erhöht 4 Miramar, wird durch die rnndcn Kuppen der orthodoxen Kirchen, Um die senkrecht in das Meer abfallenden Felswände der Citadelle fahrend, kamen wir längv der von üppigen Garten nnd schiinen Villen der reichen Korfioten bedeckten südlichen Seite des Vorgebirges herum; sahen das reizend gelegene Königs-Landhans Pondikonisi und die Vorstadt Kastrades, darnnter an der Küste zwischen wilden Myrthen die Trümmer des alten Aesknlap-Tempels; wir dampfen weiter bis znr Bai von Kardakio, dessen Eingang versperrt ist dnrch zwei Inselchen; das vordere, starker Fels, geschmückt mit Orangen, Quitten nnd Cypressen. einer alten kleinen griechischen Wallfahrtskirche nnd einem Wohnhanse für zwei Mönche der strengen Regel des heiligen Vasilios, heißtPondikonisi nnd ist das von Poseidon versteinerte Schiff des Odyssons: Da imhtl' sich Posl'idaon, Schlug l's init flacher Hand, und Sichc! plötzlich vcrstl'incrt Wurzelt cs fcst aiu Äod>,'u des Mccvs Drauf ssicuss er von dmmen! Diese Strophen drängen sich der Erinnernng anf, nnd versenkt in Gedanken theils in die qualvollen Gymnasialstndien, theil.5 in die Zanberwclt der alten Griechen, steigt man an der Stiege der Insel "npor. Der Schnnch, der dieses Eiland bedeckt, ist nichts weniger als poetisch. Zwei Mönche in zerfetzten blanen Kleidern, bloßfüßig, mit langen Locken, struppigem Barte begrüßen den Fremdling. Die Kirche trägt den echt orthodoxen Typus, dnrch eine reich vergoldete Scheidewand in zwei Theile getrennt, an dm Mauern viele schwarze Heiligenbilder nnd glänzende Gegenstände sowie griechische Inschriften, 'lnf der Terrasse vor dem Gotteshanse crqnicken blühende Obstbänmc das Auge des wintermüden Nordländers. Dcr Blick von dieser Insel gegen Korfn nnd das Meer ist reizend, ein wahrer Platz für schwärmerische Einsiedler. Die armen Mönche tragen aber nicht den Stempel der in unendliche Gedanken versunkenen Verklärtheit anf ihren Gesichtern, sondern den Typns der vollkommenen Verblödnng dnrch die Monotonie ihres Lebens. Der jüngere ist Katzenfrennd nnd anf Schritt nnd Tritt folgen ihm mehrere ansgehnngerte alte Kater, jämmerlich mianend. Die gegenüberliegende noch nm vieles kleinere ^usel, anf dcr ein mit einem Thnrm versehenes Gebäude steht, foll von einer alten Einsiedlerin bewohnt Iwl. Nach knrzem Besuch faßteu wir deu Entschlnß, in unseren Booten die versumpfte Bai von Kardakio jagend zu durchstöbern. Eiuige Reiher, große nnd kleine Eormoraue, mehrere Tancher nnd ^uten, sowie eine Schaar Möven snchten bei dem ersten Versuch einer Annäherung das Weite. Die Griechen sind wie die Italiener; sie morden und verzehren alles, darum ist die Jagd in ihren Ländern l'ul sehr fragliches Vergnügen. Nach laugeu Vemühnngen gelang es mir endlich, eine Zwergscharbe zu "'legm nnd befriedigt traten wir die Heimfahrt an. Ein schöner Blick nach der grünen Küste von Vmizza nnd dem hohen Hagioi Deka-Berg entschädigte für die mißlnngene Jagd. Bald trafen wir wieder anf der Miramar ein. Es begann zu dunkeln, die Kohlen waren eingeschifft, das Diner wurde vn-zehrt nnd nach demselben setzten wir uns in Bewegung. Eine böse Nacht sollte eincm ruhigen Tage folgen. Am 13. in früher Stnnde erwachend, entdeckte ich zn meiner nicht geringen Enttänschuug, daß alles um mich her in Bewegnng sei, Tische, Stühle, Bett, alles tanzte; das Schiff rollte nnd stampfte anf fühlbare Weise nnd ächzte jämmerlich unter dem Drnck der Wogen. Auf das Oberdeck eilend, bot sich mir das schöne Bild eines schweren Wetters. Hohe Wellenberge thürmten sich anf, einander 7 brechend, !IM dann in feinem Stanbkrystalliren empor zn schäumen. Ein Sturm aiu Meer gehört zn don schönsten nnd großartigsten Natnrerschcinnngen, besonders weuu gute Wolkeneffecte nnd Belenchtnngen dell Eindruck noch erhöhen. Das Firmament war an diesem Morgen mit schwerem Wettergewölk bedeckt nnd nnr hie nnd da brach sich ein Sonnenstrahl eine freie Bahn herab. Wir waren nnter Kephalonia; die herrlichen Hochgebirge dieser Insel ragten zwischen leichten Nebeln empor, in ihrer Mitte am höchsten nnd schönsten der mit Schnee bedeckte Monte Nero, der antike Ainos. Düster nnd ernst sahen die Felswände ans, blangran nnd ungünstig die Beleuchtung, man mnßte Verschlinnnernug des Wetters erwarten. Langsam nnr kämpft unser braves Schiff gegen die Wellen an und erst in deu Mittagsstunden sind wir an der Westseite der bergigen, schönen Insel Zante'entlang bis an ihre Südspitze gelaugt. Der Sturm uimmt zn, statt Raun: zu gewinnen, treiben wir vom Cnrs ab nnd der Commandant faßt den Entschluß, in den geschützten Canal von Zantc einznlanfen. Allmälig kommen wir um die Südspitze herum und biegen in den durch die Insel und das gegenüberliegende Festland gebildeten Canal ein. Sobald nns Zante vor dem Weststnrm deckte, war die Luft uud die See ruhig uud nach heißem Kampfe glitt die Miramar der gleichnamigen Stadt zn. Nnn hatten wir Gelegenheit mit Mnße die schönen Gegenden zu betrachteu. Im Osten hinter flachen Ufern die ganze Kette der griechischen Hochgebirge, der Berge des Peloponnes, jener von Patras, Achaia nnd Elis, die höheren Spitzen alle in Schnee gehüllt; im Norden die rauhe Hochgebirgsiusel Kefthaloma, im Westen Zante, das reizende Eiland, ebenfalls geschmückt durch schön geformte, hohe Felsrngcbirge, doch getrennt von breiten garteuähnlicheu Ebenen und üppig grünen Hügeln. Korfn ist lieblicher, enltivirter nud wäre angenehmer zn bewohnen, doch großartiger ist Zante, ,i! Nore äe! I.Vvunw«'von den Italienern genannt. Die Stadt liegt um eine Bncht in weitem Kreise ausgedehnt; die mit stachen Dächern versehenen weißen Hänser, die vielen Kirchen mit getrennt daneben stehenden Thürmen, der Schloßberg mit einer kleinen Citadelle, das alles inmitten dichter Vegetation gibt ein hübsches Bild. Gar bald lagen wir nahe der Stadt vor Anker, einige andere vor dem Sturm geflüchtete Schiffe theilten uuser Los. Nachdem der Arzt dagewesen war, ließen wir uus an das Land hinüberrudern. Zante ist eigenthümlich, nicht uninteressant, zeigt Neste einer früheren Vlüthe, jetzt spotten das Pflaster nnd der Schmntz jeder Beschreibuug; mehrere Gassen sind mit Stufeu verseheu uud uur für Fußgäuger eingerichtet, alle ohne Ansnahme sehr eng. Schweine wälzeil sich am sogenannten Hauptplatz hernm nnd die ganze Stadt ist von eiuem undefiuirbareu Gestank dnrchdrnngen; die Hänser, daruuter schöue alte Gebäude mit italienischen Palast-Nemmisccuzeu, sind theilweise ihrer Fensterscheiben beraubt oder flattert höchsteus ein einsamer Ialonsien^Flügel als einziger Schmnck im Winde hernm. Die Kirchen sind unleugbar die Zierden der Stadt, echte alte griechische Gotteshänser, nach orthodoxer Weise eingerichtet, nnr merkwürdigerweise mitMarcusthunuartigenGlockeuthürmeu. Auch hier zeichneten sich die Popen durch ärmliche Kleiduug aus, es war das Fest eiucs griechischen Heiligeu uud in der großeu Kirche küßteu die Gläubigen arg versilberte Relianien. Ein Rnndgang dnrch die Stadt bot den Anlaß zn manchen iuteressauten Reflexionen. Eine eigenthümliche Thatsache bildet die große Aehnlichkeit Mischen deu drei Landern des Süden Enropa's innerhalb der Städte. In Zante hätte man sich eben so gnt in eiuem verkommenen Städtchen Italiens oder Spaniens wähnen können. Das Leben bewegt sich anf der Gasse. Vor den vielen Kaffeehäusern sitzen die Männer mit breitkrämpigen Hüten, einen Plaid umgehängt, in schlechter Civilkleidnng, sich mühsam auf dreifüßigeu alten Strohsesseln balancirend. Auf einem anderen Stühle vor ihuen befindet sich die Kaffeeschale uud iu deu Händeu drehen sie 8 Vor ZaMe, 11 Cigarrctten, dabei wird geschwätzt und geschrieen und lebhaft gesticlllirt. Hier Kaffee, türkifcheCigarretten, griechische Anfschriftell, Popen mit rundeil hohen Kopfbedeckungen; dortChocolade,Havanna-Cigarretten, Plaza's de la Coilstitlition, katholische Geistliche init breitkrämpigen Hüten, doch im Wesen nnd Aellßeren der Leute iit den Städten herrscht große Aehnlichkeit. Unter den jungen Frauen reizende Gestalten, unter den alten aber Drachen, wie sie nnr der Süden zu Staude bringt. Dnrch die verschiedensten Gassen, zwischen immer niedrigeren Hänsern, fnhren wir in Droschken, die einer der Residenzen Dentschland^ Ehre geinacht hätte»,, nach dem Schloßberge hinauf. Der Weg schlangelt sich in Serpentinen an einer steilen Lehne empor; rechts nnd links hoheCactus-Heckeu, blühende Obstbämne, einzelne Palmen. Bis zur Spitze konnte man nicht fahren, ohne besonderen Grnnd endete der Weg zwischen einigen Steinhaufen, wir giengcn das letzte Stück zu Fuß. Alles wimmelte von Soldaten; auch hier concentrirte man ein Bataillon, dessen Commandant, ein gebildeter Offieier. der lange in Paris gelebt hatte, uns im reinsten Französisch alles zeigte nnd erklärte. Die eigentliche Citadelle ist ein halbverfallenes altes Fort, in Cafematten und Baraken waren die Mannschaften des Bataillons nntergebracht. Das Bemerkenswertheste bleibt die Fernsicht von der Citadelle ans. Im Osten über dem Canale drübeu die griechische Küste, dicht nnter uns die Stadt, läugs des Südhanges des Festungsberges üppige Gärten, am Nesthangc Lehmwände nnd gelbe Erdformationen, die mich lebhaft an die Gebirge in der Nähe Murcm's in Spanien erinnerten; in nördlicher Nichtnng verlünft diese Knpve in eine bewaldete Hngelreihe, die sich längs der Osttüste der Insel dahinzieht, während die Westküste dnrch eine hohe kahle Gebirgskette gekennzeichnet ist, dazwischen längs des ganzen Centrums der Insel eine breite Tiefebene; das alles ist von der Südspitze dnrch eine schmale, snmpfige Landenge getrennt, die bei der Stadt beginnt. Die, Südspitze hingegen ist geziert durch den von allen anderen Höhen nnd Bergen der Insel geschiedeneu selbstständigen Gebirgsstock des Monte Skopo. Wir konnten uns an dem herrlichen Bilde nicht satt sehen, denn das Gemenge von Hochgebirge, bewaldeten Hügeln, üppigen Gartenlandschaften, reizend gelegenen Dörfern, der Stadt Zcmte selbst und dem stillen, lichtblauen Canal, drübeu aber über der Landenge das noch immer tobende Meer, dies alles wirkte stimmuugsvoll. Noch großartiger gestaltete sich der Allblick, als über deu Gebirgen schwere Gewitterwolkeil erschienen; ein Sturmwind folgte, Blitze znckten, der Donner rollte, der Abend brach herein, nnd von eiuem vehementen Platzregen arg durchnäßt, traten wir den eiligen Rückzng alls die Miramar an. Des anderen Morgens langten keiue günstigen Nachrichten von der hohen See ein nnd so beschloß nnser Commandant noch wenigstens einen Tag in Zante zuzubringen. Anf das hin faßten wir den Entschluß, den hohen Skupo-Berg zu besteigen. All der Riva setzten wir nns ill die von kleinen Pferden gezogenen Wägen und fnhren dnrch einige Gassen au den letzten Hänsern der Stadt vorbei längs der Küste. Gar bald hörte die Fahrstraße anf nnd zn Fuß traten wir durch Gärten nnd Felder, zwischen Oehlbänmen nnd dnrch trockene Gießbäche uusereu Weg bis zum Fuße des Berges an. Dort trennte sich die Gesellschaft znr Ersteignng in zwei Partien. Ich kletterte au den letzten menschlichen Allsiedelungen vorbei, dann an steilen, mit dichten immergrünen Gebüschen bewachsenen Lehnen, einigen Felsplatten und Geröllhaldeu empor. Der Anfsticg war mühsam, aber nninteressant; die Soune stach ziemlich empfindlich, nud nnuöthigcrweise plagten wir uns nüt dem Tragen von Gewehren. Wild war keines da, auch die Vogelwelt sehr spärlich vertreten, bloß eiuige centrabenropäische Cremplare in der Winterstation. Alls der Spitze des Berges steht eine kleine griechische Wallfahrtskirche, sehr einfach nnd unschön, daneben das Wohnhans des Popen uud seiuer Diener, das Ganze schmutzig uud rninenhaft, verwahrlost. Neben 2* 12 dich'ü Gebäuden erhebt sich noch ein runder, aus ganz eigenthümlichen Gesteinformationen zusammengesetzter Felskegel, der weithin sichtbar uns schon Tags vorher vom Meere ans aufgefallen war. Dieser höchste Punkt mußte anch noch bestiegen werden, und so kletterten wir über die Felsplatten mühsam empor, um auf dem Gipfel ein Sacktuch als Fahne au eiuer Stange auszustecken. Die Ferusicht war recht schön, doch konnten wir sie nicht lauge genießen, da der Sturm abermals vom Meere her einen kühlen nud ausgiebigen Strichregen brachte. Der Pope lud uns ein, in seinem Hanse einen Schlnck Wein zn trinken. Der ehrwürdig aussehende Mann mit langem Bart und herabwallendeu Locken credenzte auf die frenndlichste Weise einen recht schlechten Schafkäs, etwas Brot nnd einen in der That gnten, aber sehr fenrigcn griechischen Landwein, der mich lebhaft an die gewöhnlichen spanischen Getränke erinnerte. Das Zimmer, in dem wir bewirthet wnrden, hatte ganz den Typns eiuer kleiueu spanischen Fonda. Ziegelbuden, darauf einige halbzerrisseue Strohmatten, zerbrochene Stühle, kahle Wände und feuchte, dumpfe Lufl. Eine schwarze Muttergottes au der Mauer wahrte den griechischen Charakter. Nach dem einfachen Mahle verabschiedeten wir nns vom gastfreundlichen Priester uud stiegen den Berg hinab. An einigen schönen Palmengruppen nnd zwischen dichten Gebüschen nnd Blnmen, hervorrieselnden Quellen kamen wir vorbei. Es waren Plätze, wie man dieselben sich ausmalt beim Lesen der griechischen Mythologie, ganz geschaffen für die Spiele der heitereu Gottheiten. Abermals mußten wir ewige Gärten pasfiren und schlugeu dauu eiueu Weg au der Küste eiu, der uus bald nach Hanse führte. Die Nachmittags- uud Abendstuudeu wurden auf der Miramar zugebracht. Ungünstige Berichte zwangen nns uoch einen Tag iu Zaute zuzubringen. Eiu neuer Ausflug wurde daher geplaut; und so brachen wir am 15. früh Morgeus auf, um gegen die Nordspitze der Insel vorzudringen. In denselben Wägen wie Tags znvor fuhren mir anfänglich durch einige Gaffen der Stadt uud gelangten dann auf eine gut gebaute Landstraße, die nns mitten dnrch die Gartenlaudschaft führte. Zn nnferer Rechten die üppig grüne Hügelkette, liuks die hohen, kahleu, schroff abfallenden Gebirge; an vielen einzeln stehenden Gehöften uud kleinen Dörfern kamen wir vorbei. Die Straße war recht belebt. Das Landvolk, theils zn Fuß, die meisteu anf kleinen, elend aussehenden Efeln oder in zweirädrigen Karren führten ihre Waaren in die Stadt. Ich hatte Gelegenheit, mir die Leute anzusehen. Es ist ein unansehnlicher Volksstamm vou brauner Gesichtsfarbe nud duuklem Haar. Die Costume siud weder schön noch bnnt; weite Beinkleider, die Füße in Opanken, ähnlich unseren dalmatinischen, gehüllt, als Kopfbedeckung kleine Kappen oder große, brcitkrämpige Hüte; viele trngen lange, einläufige Gewehre. Nach zweistündiger Fahrt nähert sich die Straße dem Hochgebirge, die Hügelkette znr Rechten endet bei einer versnmpften Lagnue nud mau sieht das Meer. Das Gebirge tritt in einer senkrecht abfallenden Felswand uahe au die Küste herau uud ein stafselförmig an der Berglehne aufgebautes Dorf bildet das Ziel uud Ende der Fahrstraße. Die huheu Berge, welche man von da aus in unmittelbarer Nähe betrachten kann, find uach dicfer Seite hm vollkommen kahl, ernste Wände, große Gcröll-Schütteu, jeder Vegetation bar. Vom Dorfe aus setzten wir unseren Weg zn Fuß um deu hohen Fels herum, zwischen ihm nud dem Meere fort. Bald gelangten wir an die Nordspitze der Insel nnd genossen da eine herrliche Aussicht. In nördlicher Richtuug das schöue Kephalouia, iu unmittelbarer Nähe vor uii5 eiu enger Thalkessel mit rauschendem Eichwald, iu desseu Mitte eiu reizeud gelegenes Kloster zwischen hohen Bergen verborgen steht. Wir sahen uus dieKirche an, die reich ausgeschmückt, mit vielen vergoldeten Neliquieu uud schwarzen Heiligenbildern den Stempel eines großen Wallfahrtsortes trng. Einige freundliche Popen ludeu uus Monle Llllpo 15 mi, im Kloster eiuen Imbiß anznnehmen. Da wir sic nach den Jagden dieses Landes fragten, trugen uns die frommen Herren bereitwilligst eine Hasenjagd an. Nach dem Frühstück wurde unter Leitung des jüngsten Pvfteu, der einen kurzeu Ruck, breite blaue Beinkleider und Pautoffel trug, aufgebrochen. Seinen Kopf schmückte die Popen-Mütze und am Arm hielt er eine lange Flinte; zwei nichts weniger als jagdhuudartige.Köter nud ein Bauer folgten ihm. In wicr trostlosen Gebirgsschlucht stiegen wir wohl mehr als eine Stunde empor, rechts und liuks hohe, icde Aussicht verwehrende Berglehnen. Nichts als blanker, blendend weißer Stein, die Felsblocke umgebeu von schmalen Bändern dunkler immergrüner Gebüsche; das Gauze hatte den echten sonnendnrchglühteu Charakter so vieler Gebirgsgegendeu des Südens, gleich jeuen Dalmatieus uud Spaniens. Die Hnnde suchten zwischen deu Steinen umher und mit vielem Eifer sprang der Pope mit gespanntem Hahne nud geladener Flinte von Fels zu Fels; doch nichts regte sich, nur hoch in den Lüften kreisten eiuige Kaiseradler. Endlich erreichten wir deu Kamm des Gebirges; eiue schöue Fernsicht auf das Meer erschloß sich und ein weiter Blick über das Gcbirgsplateau mit seiuem Durcheinander von Steiueu uud Felsblöcken, Kuppeu uud Spitzeu. Eiue Viertelstunde rasteten wir da; mehrere Schüsse fieleu m uicht gar weiter Ferne und bald erschienen auch eiuigc Bauern mit ihren Flinten. Einen der wenigen Hasen dieser Insel hatten sie gefehlt. Am Rückweg gieug ich ül'er die Hohe, die uä'chste Lime uach dem Kloster vcrfolgeud. Plötzlich sprang eiu kleiner Hase (wahrscheinlich I^pus in^itei-raneuZ) vor mir auf, die Entfermmg War jedoch zugroß uud ich schoß nicht; auf das hiu verfolgten die Hnnde und anch der Pope in langen Eätzeu das edle Wild, natürlich war der Hase schneller uud entschwand bald unsereu Plicken. Ein Hase spielt, Dauk seiuer großen Seltenheit, iu ^ante eine imponirende Nolle, und der arme Pope kehrte keuchend nud griechisch perorireud zu mir zurück. Als wir das Kloster erreichteu, war es schou Nachmittag uud wir eilten zu uusereu Wägen; die lauge Fahrt wurde bei schönem, aber empfindlich kühlem Wetter zurückgelegt uud Abeuds erst gelaugten nur wieder auf die Miramar, vou Zante Abschied nehmend, da günstige Nachrichten den Entschlnß der Abreise für deu kommenden Morgen gestatteten. Die Insel zeigte nch zum Schlüsse uoch sehr schöu, bei herrlichem Mondschein. Der Morgen des Iti. brachte uns gutes Wetter und spiegelglatte See. Seit 4 Uhr Früh waren wir in Bewegung. An schönen wildern glitten wir vorbei. Die schneebedeckten Berge Arkadiens und Messenieus erinnerten mich lebhaft au die Hochgebirge der Nordtüsle Spaniens, die weißen Schneefelder unter duukelblauem Himmel boten interessante Coutraste. Je südlicher wir kamen, desto lichter, anscheiulich weniger felsig wnrdeu die Gebirge, eiu Höheuzug trug deu gelben, feinen Ton der kahlen Wüstengebirge bcr iberischen Halbiusel. Navarin wnrde gesehen, später die zackigen Eoutouren des Cap Matapau, bald darauf folgten die Felseuiuseln Eerigu und Eerigotto. In den Nachmittagsstunden tauchten die Hochgebirge Kaudia''? am Horizonte auf. Abeuds passirtcu wir die Westspitze dieser großeu, schönen Insel, im Aloudscheiu wnrdeu iu uebelhaften Eontuureu die Hochgebirge Kreta's sichtbar. Augenehme Stunden ^achteu wir am Verdeck zu, das Leuchteu des Meeres betrachteud uud die herrliche Mondnacht des Südens genießend. Der nächste Tag, eben so ruhig uud schöu wie der vorhergegangene, wnrde anf hoher See verlebt. In den Morgenstunden war Kaudia uoch in Eicht, der wundervolle Berg Ida nud die anderen Hochgebirge dieser Insel in tiefen Schnee gehüllt. Mittags macht sich die Nähe Afrika's fühlbar uud wir genießeil die erste recht ausgiebige Wärine; wie angenehm war es, am Verdeck Ul der südlichen Sonue schwelgend, au die vor weuigeu Tageu im winterstarren Central-Europa 16 ausgestandene Kälte znrnck^ndenkeii. Eii, Llonddamvfer wxrdo begegnet, sonst blieb alles rnhig auf der lveiten Fläche. Am 18. Februar erwachten wir bei herrlichen! Wetter. Noch kein ^and in Sicht? war die erste Frage, Nichts als Wasser, so weit als das Ange reichte. UmttUhrFrnh tauchten allmälig die afrikanische Knste und einige Minarets mm Alexandria am Horizonte empor. Mit Jubel wnrden sie von der Reisegesellschaft begrüßt. Zmn zweiten Mal war es mir min vergönnt, den schwarzen Erdtheil zu sehen; das erste Mal die gebirgigen Ufer der Atlas Bänder bewundernd, diesmal den flachen Gestaden des heiligen Egypten entgegenianchzend. II. Capitel. ^nlums! in ^lczandcic». Cm Tng in Hlczandiien. Inhrt nach Ncuro. AnKunst in Nairo. Vier Tage in Omro. '^W^gyvtens ^tiiste bietet den Anblick flacher, gelber Dünen dav, die sich mir hie nnd da zn WD" wellenförmigen Sandhügeln erheben. Znerst gewahrt man einige hochragende Minarets, den ' ?> Leilchtthllrm, mehrere außerhalb der Stadt befindliche Nindnmhlen; bald daranf tancht das )M^ vieekömgliche Schloß Milstapha-Pascha, in phantastisch orientalischem Styl erbant, ans den ^X Wogen empor. Nnn wird es ernst, die Anknnft naht heran; ein Boot schaukelt leicht über die Wellen nnserem Schifft entgegen, die Lootsenflagge läßt dessen Zweck erkennen. Orientalen, keine reinen Araber, Lente der Hafenstädte, Mischvolk, wie es nnr das Morgenland hervorbringen kann, rildern das Fahrzeug unt neroigen Armm. Vranile Gesellen, in mehr kleinasiatischer Tracht, den Tnrban am Kopf, schreien und gesticuliren der Miramar zn; in ihrer Mitte, steht ein branuer Mann, in feiner, echt orientalischer Kleidnng, eine farbige Binde nm den dicken Vauch gewickelt, ein kranser schwarzer Bart mnrahmt das ansdrncksvolle, ziemlich echt arabische Gesicht, die gelblichbrannrn Hände sind geziert dnrch silberne Ringe. Wir stoppen; langsam nnd würdevoll steigt der Lootse über die Fallreeps Treppe empor, nm nach kurzem Grnß auf der Commando-Brncke den Platz einznnehmen; feinBoot schleppen wir nnn nach. Einem "lgen nnd klippenreichen Nnfahrtseanal fahren nnr entgegen, durch den man zmn Port-Vieux gelangt. 3 18 Rechts fcsselt das halbzerfalleue, aber in interessantem Styl erbaute Schloß Said Paschas (El-Meks) unsere Aufmerksamkeit, an dasselbe reihen sich einige Batterien nnd ziemlich ausgedehnte Palmenwälder; um den gnt gebauten Wellenbrecher iu deu Hafeu einbiegend, eröffnet sich eine reizende Anssicht anf die ganze Stadt. Würden nicht die Minarets nud eiuigc iu arabischem Style erbaute, größere Gebäude deu orientalischen Charakter wahren, köuute mau sich leicht in eine südeuropäische Hafenstadt Versetzt deukeu. Der Haupt-Typus Alexandrieus von außen ist unleugbar europäisch. Als wir deu Wellenbrecher passirt hatteu, eutrollte sich vor uns ein sehr eigeuthümliches Md. Die Batterien salutirtcu, deßglcichen die türkischen Kriegsschiffe Vteheu,et-Ali, Makkarosa und die Jacht des Khedive; iu deu Takelagen staudeu die Matrosen in landarmeeartigen Waffenröcken, deu Fez am Kopfe, von einem der Schiffe erklangen die schöuen, echt orientalischen, an einen ungarischen Csardas erinnernden Weisen des türkischen Snltansliedes, während von der Jacht herüber die moderuen Töne der ueueu Khedivial Hymue erschollen. Mehrere österreichische Lloyddampfer prangten in der vollen Flaggeugala. Der Hafeu war dicht gefüllt mit Schiffeu, alle geschmückt; die große Flagge des türkischen Kaiserreiches, der weiße Halbmoud mit dem Sterue im blutigrothen Feld, neigte sich zum Gruße. Der Wasserspiegel wimmelte von Booten, in denselben saßen Araber aller Classcu, Arme und Reiche, doch ohue Unterschied malerisch drapirt, schöue charakteristische Gestalten, auch viele Leute iu Civilkleiduug konnte mau bemerken: Levantiner, Griechen, Italiener und Indeu, mit oder ohue Fez am Kopfe. In mehreren kleinen, anf's schönste deeorirten Dampf Moucheu kamen uus die Mitglieder der österreichisch-uugarischeu Colonie entgegen; eine Musikbaude iutouirte die Kläuge des „Gott erhalte"; viele Dalmatiuer, iu dcu weißen uud grüueu schönen Trachten der Thäler der Vocche di Cattaro, den waffeustrotzeuden Pas nm die schlanke Gestalt gewickelt, schwaugeu unter Zivio-Rufeu ihre Mützeu; fie bildeteu eiueu merkwürdigen Contrast, als christliche Orientalen neben den ebenfalls farbenprächtigen Orientalen des Islams. Kaleidoskopartig bewegte sich das Gemenge von Flaggen, Farben, Costümeu uud Uuiformeu auf uuzähligcu Fahrzeugeu um nus hernm; schon lauge lagen wir au der Boje, M die Leute nus uoch ucugierig uinschwirrtcn. Gar bald erschien General-Consnl Baron Schäffer mit den Beamten des österreichischen Consulates an Bord der Miramar; uach kurzer Vegrüßuug mußten wir die anf schöueu Galabooteu heraufahreuden Würdenträger empfaugen. Au ihrer Spitze staud Mnstapha Pascha, der Miuister des Aeußern, den sein Herr von Kairo zu uuserer Begrüßung Hieher gesandt hatte; ferner kamen uoch mehrere Geueräle uud der Hafeu-Capitäu, auch Abd-el-Kader Pascha war schou auweseud, in der blancu Uniform eines egyptischeu Divisions-Generals. Der Khedive hatte die Güte, diesen angenehmen gebildeten Mann von halb türkischer, halb arabischer Abstammung nus für die gauze Reise iu Egypteu zuzutheilen. Wir leruteu ihn alle ohue Ausuahme schätzeu uud achteu und schieden uach laugem täglichen Verkehr iu wahrer Freundschaft von ihm. Als die egyptischeu Honoratioreu sich wieder entfernt hatten, kam die österreichische Colouie. Nebst mehreren Dalmatinern, die bei den großen Bankhäusern angestellt sind, wareu auch auffallend viele Oesterreicher aus allen Theilen der Monarchie anwesend, doch weitaus den größteu Theil der Colonie bilden Nicht Oesterreicher von Geburt, Levautiuer aller Art, die sich der Sicherheit der Geschäfte wegen uud besouders, Dauk dem Ansehen nnd der hervorragenden Thätigkeit unseres im Iulaude uur viel zu wenig geschätzten Lloyd, uuter uusereu Schutz stellen lassen. Nachdem wir einige Zeit hindurch mit deu eiuzelueu Laudsleuteu von Geburt uud auch jeueu, die es nur dem Nameu uach siud, gesprocheu hatteu, verließeu sie wieder alle die Miramar uud wir zogen Ankuujt!'! Alezaildilen. 21 uns in die Cabineu zurück, um die Uniformen mit Civilkleidern zn vertanschen. Vald darauf ließ sich die ganze Reisegesellschaft an die Hafenstiege hinüberrudern; dort erwartete uns Baron Schäffer und mit ihm schritten wir zn den bereit gehaltenen Wägen. Viele Gepäcksträger, Hammäl anch Scheyyal genannt, eine eigene Kaste des ärmsten arabischen Volkes, in Klanen hochgeschürzten Hemden, mit mageren brauueu, sehnigen Beinen nnd nackten Armen, enropäisch uuisormirte Donaniers(Gnmrnktschi), türkische Matrosen. Hafenarbeiter, darnnter höchst nlerkwnrdige Typen, umlagerten nns neugierig gaffend. Der Khedive hatte die Güte, nns schon hier seine Eqnipageu zur Verfügung zn stellen; es waren "ht englische Wägen nnd Pferde, die Dienerschaft durchwegs Franzosen in moderner europäischer Livree, als einziges Merkmal des Orientes den Fez am Kopfe. Vorläufer fehlten auch uicht, jene leichtfüßigen, mageren Gesellen iu phantastischen Costnmeu, mit fliegenden weisieu Aermeln, lange Stäbe schwingend. In jedem Tempo laufen sie den Eqnipageu vorans, uuunterbrocheu schreie,^, In deu engen arabischen Vierteln der Städte lernt mau sie schätzen, denn nur mit Mühe nnd vielen Etocknngcu könnte man ohne sie dieses Gewühl von Menschen und Thieren Passiren. Kanm hatten wir dnrch än weites Thor die Hafcngebäude verlassen, als nns anch schou das echt orientalische Lebeu begrüßte. In einer engen Gasse, gebildet von Hänsern in arabischem Style, wimmelte es von Menschen aller Art; lantschreicudc Eseltreiber, die obligaten Wasserträger, Verkäufer, blaue Fellachen-Hemden neben rein weißen Nurnnssen, Weiber im faltenreichen Gewände, alterchümliche Kruge an: Kopfe tragend, blinde Bettler mit langeu Stäben, Gassenjungen, lärmend und ungezogen, wie sie nur der Orieut erzeugen kanu. Viele Türken nud Kleinasiateu in ihren farbenreichen Costümeu fielen uns auf. Schon der Gesichtsausdrnck ist ein von jenem der Araber ganz verschiedener, anch die Hantfarbc ist eine lichtere. Der echte Araber ist dnnkel, die Züge sind schou und edel, die Gestalt mager, aber sehnig; in jeder Beziehung zwar besser, doch unverkennbar ähnlich deu Israelite,!. Der Fellache des cnltivirteu Nillandes ist kein reiner Araber, er ist eiu Typus, deu man auf den Bildnissen der alten Egypter regelmäßig sindet; ich betrachte ihu als das Unwlk dieses Landes und behalte nur vor, au anderer Stelle eingehender über dieses Thema zu sprechen. Nachdem wir diese knrzc orieutalische Straße Passirt hatteu, gelaugten wir in den europäischen Theil der Stadt. Breite Gassen mit schönen, echt al'endländischen Hänseru nnd Gewölben bilden jenes Stadtviertel, in dessen Mitte die „Place Mehemet-Ali" als Glanzpunkt erscheint. Es wäre uninteressant, eine typnslose enropäische Hafenstadt zu schildern. Aler.audrieu hat iu vollem Maße diesen Charakter. So elegant nnd regelmäßig auch die Straßen gebant sind, haftet doch eiu gewisses Wesen an der Stadt, das nns befremdet. Der orientalische Schmutz und die Verwahrlosung, welche arabischen Städten sogar einen genialen, malerischeil Reiz verleihen, passen schlecht zu deu geradeu, schabloueuhafteu Banwerken des Abeudlaudes; man erkennt auf Schritt und Tritt deu Eiildringliug, der mit Mühe einem fremden Weltthcil seineu Typns aufprageu null; unr ungern trägt der freie Wüsteusaud europäische Städte uud noch weuiger das gewinnsüchtige Wesen der Bleichgesichter. Durch eiuige Hauptstraße,: fahrend, gelaugten wir auf die Plaee Mehemet-Ali, in deren Mitte das Reiterstandbild des großen, thatkräftigen Kriegers Mehemet-Ali, des emporgetomiueneu Sohnes eines macedonischeu Straßeuwächters aus Kawala, steht. Nicht ohne Grnud scheukte dieser Mauu seine volle Zuneignng der Stadt Alexaudrieu uud verstand es, dieselbe iu jeder Beziehuug zu heben; er that dies nur, um sich von der Welt mit seinem Vorbilde Mxauder dem Großeu vergleichen zu lassen. 22 Der Reisende steht in Alexandrien auf historischem Boden; nie wird mehr diese Stadt jenen Glanz und jene Blüthe erreichen, wie in deu Tagen der großeu alexandriuischen Bibliothek, als hier für Verkehr, Knust nnd Wissenschaft ein Centrum der damalia.cn gebildeten Welt zu finden war. In den europäischen Straßen herrschte reges Leben. Die Leute, die man sah, trngen jenen undefinirbarcn Typus einer Mischraee an sich, den man mit dem Namen „Levantmer" bezeichnet. Es ist dies ein Gemenge von italienischem, griechischem, armenischen: und jüdischem Charakter. Fast alle sind enropäisch gekleidet, die meisten aber mit dem Fez am Kopfe; außer ihnen bemerkte ich noch Dalmatiner und Albaneseu in Costüm, auch Türkeu und Kleiuasiaten; viele griechische Popen und einige Franziskaner repräseutirten das Christenthum. Araber als Eseltreiber, Last- nud Wasserträger dnrcheilen gleichfalls die europäische Stadt, die große Masse derselben bleibt aber doch in den arabischen Vierteln. Mohren und Nnbier stehen vor den Häusern der reichen Banquiers, bei denen sie mehr als Prunk-gegenstände als znm eigentlichen Nutzen dienen. Gar bald waren wir der geraden Straßen müde nnd fuhren nach dem arabischen Viertel, dnrch einige enge Gassen, in orientalischem Style erbaut, die Hänser mit Erker- und vergittertm Haremsfenstern geziert, gelangten wir in das Centrnm des morgenländischeu Lebens; immer laugsamer mußteu wir fahren und endlich den Wagen ganz verlassen. Zn Fuß dnrchschritteu wir den Bazar. Alexandrien spielt als arabische Stadt keine Nolle nud dennoch wirkt der kleine, unbedeutende Bazar mit seinem eigenthümlicheu Leben und Treiben geradezu überwältigend alls den Europäer, der direct aus dem Abeudlaude kommend, sich noch niemals von orientalischem Wesen nmgeben sah. Die Massen von Nengicrigeu, von Käuferu und Verkäufern, die hernmlnngerndcn Kinder nud Hunde, die rücksichtslosen Eseltreiber, die merkwürdigen Costüme nnd Typen waren auch hier schou vertreten, doch in weit geringerem Maße als in Kairo; darum werde ich mich darauf beschränken, die arabischeu Viertel lind deu im ganzen Oriente berühmten Bazar der alten Chalifeustadt zu schildern, so gnt es eben geht, denn ein specielles Stndinm erfordert die volle Kenntnis; jenes höchst interessanten Lebens. Nnr langsam und mit vieler Mühe gelangten wir dnrch den ganzen Bazar; am entgegengesetzten Ende erwarteten uus die Wägen nnd wir fnhren nach dem Bahnhuf an der Südseite der Stadt, dessen Einrichtung, sowie der Charakter der Waggons mich lebhaft an England erinnerten, nnr schien alles etwas verwahrlost zn sein. Ein Eisenbahnzng führte nns längs der Dünen, welche die Seen vom Meere trennen, nach dein Sommcranfeuthalte nud Seebade der reicheu Egypter, Ramleh genannt; nur hie und da, besonders nahe der Stadt, sieht man die Dünen mit ihrem gelben Wüstensande, daranf Zigenner-nnd Vedninenzelte, schwermüthige Kameele und schreieude Esel, arabische Hütteu nud verfallene Gräber; das meiste ist iu Gärteu mit reizeudeu Villen nmgewaudelt. Mit Früchten schwer beladene Orangen- nnd Citronenbäume ueben schlaukcu Palmeu verwandeln die ganze Strecke in einen Park. Iu Namleh altgelaugt, warteteu wir nnr 10 Miuuteu anf den nächsten Zng, der nns nach Alexandrien znrückbrachtc. Dieser knrzc Ansflng bietet dem Fremden den Anblick eines Paradieses, das menschlicher Fleiß ans dem sterilsteu Boden hervorzuzaubern verstaub. Nach Alexandrien znrückgekehrt, fnhren wir zu Wageu läugs dem Mahmüdiye-Canal nach dem großen öffentlichen Garleu vou Gineuet-en-Nusha. Der Weg läugs des Canales hat viel Interessantes. Die Straße war belebt; außer allerlei Landvolk führen anch Wägen, Lohnkntscheu und Equipagen die elegante Welt Nlexaudrieus durch die herrlicheu Vaumreiheu uach jeneu schönen Gärten, in denen die kühlen Abende Labuug gewähren. In deu Fluthen des Canales nahmen Männer und Frauen der armen 23 Volksclassen ihre vorgeschriebenen Waschnngeu vor und an den Ufern knieten fromme Muselmänner, 'hr eigenthümliches Gebet, das Gesicht gegen Mekka gewendet, halblant lallend. Unter der eleganten Welt sah man viele anffallend schreiende Toiletten nnd einen falschen Chie, doch nnleugbar schöne Gesichter; anch eine bedenteude Zahl Demimonde war vertreten, im Typns sehr ähnlich jener Wiens und Pests; wie man mir sagte, rekrntirt sich dieses leichte Volk in Egypteu größtentheils ans Oesterreich. Der Garten von Ginenet-en NnHa hat den vollen üppigen, fast tropischen Charakter aller MPtischen Gärten; gewürzte Düfte dnrchschwellen die Lnft nnd blühende Vegetation erfrent das Auge "esFremden. Eine Militär-Capelle spielte frühliche Weisen nnd viele enropäisch gekleidete Leute ergiengeit sich in den schattigen Landen. Wir fnhren nllr rasch dnrch alle Anlagen nnd statteten dann noch dem schönsten Landhanse der Umgebnng Alexaudriens, der Villa des reichen Griechen Autoniadis, einen Bestich ab. Der Garten, auffallend gnt gepflegt nnd von dem verschwenderischen Klima Afrika's nnterstützt, bietet ein schönes Gemenge von Knnst und Natnr. Das Landhans selbst, reizend eingerichtet, erzielt mit allem Raffinement die Erhaltnng einer kühlen Temperatnr. Der Hansherr zeigte nns mit vieler Aufmerksamkeit seinen schönen Besitz. Dnrch die Allee längs des Canales fnhren wir nach der Stadt Muck, bogen dann ein nnd gelangten anßerhalb derselben znr berühmten Pompejns^Sänle. Der Weg, den wir einschlngen, nnterhielt mich sehr, denn ich fand manch' Anheimelndes. Die Bänder der orientalischen Städte, selbst jene der östlichen Länder Enropa's, tragen in den Hanptzügen M5 denselben Charakter an sich. Die Häuser werden immer kleiner; in verwahrlosten Gärten, zwischen uudefinirbaren Schntt- nnd Schmutzhanfen, neben ruinenartigen Gebänden nnd wüsten Friedhöfeu ^lldet die eleganteste Stadt. Hier kennzeichneten diesen Typns noch deutlicher die verfalleneu Grabstätten, Me eigenthümlichen runden Bantcn Ulid Knppeln, kleine Palmenwälder, ansrnhende, schwer beladenc Kameelheerden, halbk'ilde Hnnde, Büffel nnd Esel nnd ein die ganze Atmosphäre durchdringender gelber Stanb. Zwischen den letzten Hänscrn der Stadt erhebt sich ein runder künstlicher Hügel, anf demselben Nl'ht die alte Pomvejns-Sänle ans einem 63 Fuß hohen Monolith, von rothem Assnaner-Syemt ^bildet, geschmückt dnrch ein roh gearbeitetes korinthisches Kapital. Vor Zeiten soll darauf die Statne "es Kaisers Dioeletian gestanden haben. Wir waren in einem günstigen Allgenblick gekommen; vom Hügel aus genossen wir einen herrlichen Anblick, in der schönsten Velenchtnng lag die Stadt vor nns ausgebreitet: in nördlicher Richtung der weite Meeresspiegel, südöstlich die gelben Dünen nnd der große Marynt-See. Die Sonne gieng eben nnter; im wannen Dnnste nnd Stanb erschien ihre Scheibe wie "^ uns an manchen Nebeltagen; der westliche Himmel war Übergossen von den färbigsten Tinten, -^Mlgegelbe, röthliche nnd bläuliche Töne herrschten scharf abgegrenzt neben einander und übergössen "lles mit goldigem Licht, während der östliche Himmel in die blanen Schatten der Nacht gehüllt war, "ur hie und da unterbrochen durch helle Sterne. Solche Effeete kann nnr der Orient, aber vor allem b"5 durch seine Beleuchtungen berühmte EgYPten, hervorzanbern. Während wir noch voll des schönen Natnremdrnckes die Fernsicht genossen, zogen anf der Straße "'" Fuße des Hügels lärmende Schaaren vorbei. Zuerst kameu Heerden von schwarzen Ziegen mit herabhängenden Ohren, dann Kameele, eines hinter dem anderen; sie schritten, von ihren schreienden Mchrern umgeben, Abends nach ihren Behausungen; bald daranf folgte ein Begräbniß. Einige Männer laugen den Sarg, eigentlich eine Holzkiste ohne Deckel, überhängt mit einem Tnche; an der Kopfseite bewies ein ans Holz geschnitzter Tnrban, daß eil, Mann zur ewigen Ruhe wandere. Viele Klageweiber 24 umringte» tänzelnd, Hände ringend und laut jammernd den Sarg; eine lange Reihe Menschen, Gebete sprechend, folgte langsam nach; das Ganze bot ein höchst eigenthümliches Bild dar. Mit einigen Unnoegen und durch das Thor „Port^ de Aloharrem^Bey", der alten, jetzt schon ganz zwecklosen Festlingsmauer, gelangten wir wieder in das Innere der Stadt. In den Abendstunden herrscht anf allen Gaffen ein noch viel regeres Leben als tagsüber, nnd dor Lärn«, das endlose Geschrei, bildet einen anffallenden Contrast gegen die Nnhe der Nacht, die über die Natnr allsgegossen ist. Die großen Gewölbe waren noch alle belenchtet nnd die Kaffeehäuser offen. Die Aufschriften sind im sllropäischen Viertel entweder griechisch, französisch oder italienisch. Die Nacht war schon vollkommen hereingebrochen, als wir an Bord der Miramar eintrafen. Znm Diner kam der deutsche GenerabConsnl Baron Sanrma, der sich von nun an viel nnserer Reisegesellschaft anschloß und dem wir große Gefälligkeiten, besonders in jagdlicher Beziehnug, zn danken haben. Am 1<». Früh verließen wir dieMiramar nnd nahmen Abschied von ihr für recht lange Zeit; ein egyptisches Galaboot des Vieekönigs führte nns an das Land. Dieses höchst eigenthümliche Fahrzeng war ganz orientalisch ansgestattet; alles in rother Farbe, sowohl die auffallend gekleideten Matrosen, als auch die gepolsterten Sitze, die reich drapirten Bordwände nud da^ baldachinartige Dach. Die orientalischen Seelente rudern ganz anders als die enropäischen, doch nnlengbar macht der vollkommen im Taet geführte Nnderschlag, stets von merkwürdig snmmendem Gesang begleitet, einen günstigen Eindrnck. In Wägen gelangten wir vom Hafen znm Bahnhofe, wo sich eine große Menge Menschen versammelt hatte, fast durchgehends Oesterreicher oder doch Mitglieder unserer Kolonie; eine Mnsik spielte das „Gott erhalte" nnd Dalmatiner in farbenprächtigen Kostümen schwangen nnter Zivio Nnfen ihre Mützen. Nach wenigen Minuten verließ der Zng die Vahnhofhalle, Der Vieekönig hatte uns seinen eigenen Hofzng Znr Verfügung gestellt, große geränmige Waggons, in der Mitte ein reizender offener AnZsichtswagen. Gnte Uebergänge ermöglichten das freie Cirenliren durch alle Nänme des Znges. Anßer nns allen waren noch Baron Schäffer mit den Beamten des österreichischen General-Consnlates, dann Baron Sanriua, Abd el-.sl'ader Pascha, der Minister des Aenhern Mustapha Pascha, einige Egypter nnd die Herren der (5isenbahndireetion, an ihrer Spitze Herr Zimmermann, ein änßerst angenehmer nnd gebildeter Franzose, der sich in Liebenswürdigkeiten überbot, anwesend. Der Zng gieng sehr rasch nnd nnr im Flnge glitten interessante Bilder an nnö vorüber. Anfänglich führt die Bahn anf einem niederen Landrücken, welcher die großen Snmpf Seen — den Maryntischen rechts, denjenigen von Abukir links - - von einander trennt. Die weiten Wasserflächen waren bedeckt von Wafferwild aller Art nnd anf gelben Sandhügeln standen düstere Reiher mit weit vorgestreckten! Halse. Nach einiger Zeit verschwinden die Snmpf- nnd Wasserstrecken des nördlichen Delta, nm dem reichen Cnlturlande zn weichen. Ueberall Anban, weite Saatfelder, wahre Wälder von Baumwollstauden, tiefe Canäle, hohe Dämme; dazwischen hie lind da schlanke Palmengehölze, dnnkle Gärten, ruinenartige branne, ans Lehm erbante Dörfer mit hohen Minarets. Das ist der stets gleichmäßige Typns des eultivirten Unter-Egypten. Rege-? Leben herrscht auf den Dämmen, die zugleich als Wege dienen, nud iu den Feldern. Fellachen arbeiten nnd Pflügen, halbnackte Gestalten sind an den Schöpfrädern beschäftigt. Branne Fellachen, Weiber im engen blauen Hemde, bloßeKinder führend, schreiten neben stolzen Kameel Caravanen; Beduinen Stämme auf der Wanderung durch das Cnltnrland von einer Wüste zur anderen zn Fuß und zn Pferd, die Frauen anf Kameelen, ein kleines Volk für sich, unabhängig nnd stolz; Vollblut Araoer, Em Abend in Alcxandrien. 27 wciße Burnusse, schöne Russe, lauge Geluehre, krunune Säbel, Tllrban m«d schlichte Fellachenkappe; lanqbehänqte Ziegen nebm wolfartigm Hunden, czraue verknntmcrtc Vaucrn-Escl uebrn wohlqepfl^^tcli weißeu oder schwarze» Mit Eselu der Reichen. Ein ^uq lvl,'hlhal'ender ^eute, die ^uiuiicr in lmnw, Gewändern ,;u Pferd, die ssrcinen in fnrbiqen thnrnliihnlichel, Behältnissen m» ^iücken der >tnn!eele, 4* Iluicl ^gypteii. 2« den Augen dor Unwürdigen verborgen. Die Folder wiiuuiolu vou weißen Kilhreiheru, die dciu pflügenden Laudmanno folgen, und hurtigen Spornkiobitzon; zlvischon don Ufcrgobüschon girron röthliche Palmtaubell und rütteln langschuaboligo Graufischor, ocht ogyptischo Thiore; vor dem Eiscnbahnznge flieht oiu Wolf iibor dio Aecker, mid Milano in Uilmasson, Falkou nnd Goior ninkroison dio Ortschaften. Nnnt nnd farbenprächtig, belebt, reich an intorossantom monschlichon Troibon nnd merkiviirdigor Thiorioolt, in graliblane Dünste der Mittagshitze gehüllt, tritt dem Wanderer das alte Unter-Egypton entgegen. Damanhnr, ein kleines, ccht arabisches Städtchen, ist längst schon passirt; fortwährend schanond, nolle Eindrücke alifsangend, durchstiegen wir dio Ebene. Der Nil ist erreicht; über die eiserne Brücke rasselt der Zug nnd znm ersten Male begrüßen wir die braunen, majestätischen Fluthen diosos ältesten historischen Stromes. Am rechton Ufer durchbransen wir den Bahnhof von Kafr-ez^Zayat, einem kleinen, nahe gelegenen Orte. Nach kurzer Fahrt erreichen wir dioborühinte alte StadtTanta. Von weitem einemSchutt-hanfen ähnlich, von blühenden Gärten, Palmen nnd düsteren Sikomoron nmgobon, bietet erst der nähere Anblick das bnnto stets bowogto Leben des Orients nnd die in granem Lehm ansgesührton Hänsermassen in wilder Unordnung, fast ans einander gehänft, dnrch arabischen Styl dennoch malerisch geschmückt dar. Tanta ist dnrch die daselbst dreimal im Jahre stattfindenden Märkte berüchtigt. Scholl zn den Zeiten Herodot's gab es in Unter-Egyvten, damals im östlichen Delta, jene das ganze Land in Bewegung versetzenden Messen, die zn den ärgsten Orgion nnd Bacchanalien entarteten. Im Alterthnm zn Ehren der Göttin Bnbastis, jetzt zur Feier des Said von Tanta (Sojd Achmod el Bodawi), der daselbst um das Jahr 1200 als Heiliger starb, blieben sich diese Feste bis heutzutage in ihrem unzüchtigen Woson gleich. Nnr wenige Minnten hielt der Zng in Tanta, dann gieng es weiter, immer dnrch gleiche Gegenden, stets dieselben Bilder. Bei Venha-el-Asl passirt man den Nilarm voll Damietto. Zwischen Gärten steht ein großes Schloß, berühmt durch eine gräßliche Geschichte, die sich darin abspielte. Im Jahre 1854 wurde nämlich dasolbst Abbas-Pascha, Sohu Tussum's, der schon zn Zeiten Mohomet-Ali^ regierte, von zwei Mamelnken ermordet; wie es heißt, soll er dieses Endes nicht ganz unwürdig gewesen sein. Gar bald erfreut uns ein herrlicher Moment, das Einerlei der imter-egyptischon Landschaft findet allmälig sein Ende. Uober dem Cnltnrland hinweg taucht hie nnd da der gelbe Horizont der libyschen Wüste in südwestlicher Richtung empor, gerade vor nns erheben sich die in die Mittagsdünsto wie in eiuou golbgraueuSchleier gehüllten Pyramiden von Gizoh; es ist ein feierlicher Moment nnd unwillkürlich bemächtigen sich ernste Gedanken des Reisenden, der znm erstell Male das Wahrzeichen der vor Jahrtausenden blühenden Cnltnr des ewigen Pharaonenlandos, die unverwüstlichen Ecksteine der Weltgeschichte mit eigenen Angen erblickt. Südöstlich thürmen sich die tafelförmigen WiPengebirge des Mokattam, darunter die Mallern der Citadelle und dio hohen Minarets der Moschee Mehemet-Ali's empor. Zwischen alledem im Dämmer der Mittagshitze das Hänsermeer der afrikanischen Weltstadt. Je mehr wir nns dor alten vielgepriosouen Ehalnenstadt nähorn, dosto üppiger erscheinen die Gärten lieben der Bahn; Palmen nnd Sikomoren-Wälder umgeben einzeln stehende Hänser, nnd endlich tancht die schölte duukelgrüuo Schubra Moo vor nns ans. Noch einigo Minuten und der Zng rollt in die Bahnhofhalle ein. Der Vioekönig, umgeben von hohen Würdenträgern, steht am Perron, nns anf das freundlichste begrüßend. Die zahlreichen Mitglieder der österreichisch-ilngarischen Colonie empfangen die Landslentc 2i1 mit min stiwuischeu Ovation, Wir lichen zu den bereitstehenden Wägen, schönen, echt europäischen D'Aumont-Equipagen, ein Bataillon Infanterie leistet unter den Klängen nnscrcr Volkshymue die ^hrenbezeugmig. Bezaubernd wirkt der erste Blick in das bunt bewegte Kairenser Leben. Dnrch eine kurze Gasse fahren wir znr Brücke, über den Canal, in die üppig grüne schattige Schnbra-Allee. Ein Bild f^lgt dem anderen und wie im Traume gleiten die interessantesten Eindrücke am Auge vorüber. Dichte Menschenmengen wogen auf und nieder; schwerbeladene Kameele, kleine Esel, lärmende Orieutaleu "t farbigen Gewändern, halboffene Kaufläden nnd Kaffeehäuser, davor hockende Leiite; Kinder wälzen 'ich im Staube herum, alles lärmt, stoßt an, weicht nicht aus; erschreckte Fellachen-Weiber im blauen 'Mmde, Säuglinge oder Wasserkrüge am Kopfe tragend, fliehen schreiend vor dem dahereilenden Wagen. Die Vorläufer bahneu durch Hiebe mit ihren Stöcken den Weg für die Equipagen. Rechts lind links bemerke ich hübsche Hänser inmitten herrlicher Gärten. Nach wenigen Minuten biegen wir dnrch ein Gitterthor links ein, zwischen Gebüschen und dichten Anpflanzungen steht das Schloß Kasr-en-Nnsha. ^'ue Infanterie-Abtheilung begrüßt nns mit lauten Horusignalen. Das hübsche ällßerst gemüthliche Absteigequartier, welches uns der Vieekönig in der liebenswürdigsten ^"l'ise zur Perfügung gestellt hatte, ist ein ans zwei viereckigen Gebäuden bestehendes Schloß; eine durch ^'"sn' Fensterscheiben gezierte Gallerie, nnter der sich die Einfahrt für die Wägen befindet, verbindet die "nden Traete. Von außeu wie von innen ist alles europäisch, doch sind wie überall bunte Verzierungen, lubsche Teppiche, gauz orientalisch eingerichtete Badezimmer und verschiedene kleine Details, die an das Morgenland mahnen. Bald hatten wir uus hänslich eingerichtet und genossen in vollen Zügen deu ersteu Eiudrnck des "Uentalischen Lebens. Sowohl die Einrichtung der Behausungen, als auch die vielen reizenden Terrassen, er Duft des blüheuden Gartens nnd die milde wounevolle Luft erinuerten an all' jene Herrlichkeiten, ^ uns die morgenländische Phantasie in ihren Märchen vorführt. Nach einem kurzen Gabelfrühstück fuhreu eiuigc von nns mit Aaron Saurma auf die Jagd. Die ^tadt mußte pafsirt werden, nnd fo kamen wir abermals über den Eanal uud dnrch die europäischen ^tadttheile mit ihren breiten Gassen, den hübschen Hänsern uud üppigen Gärten der reichen Lcntc vrbei; von weitem sahen wir den Eingang nach den arabischen Vierteln und anf den Straßen nntrrhielt '"'s das wilde Durcheinander von europäischen Equipagen, elenden Droschken, Reit- nnd Last-Eseln, ""lthieren, Kameelen, von Arm und Neich, Bettlern nnd bunten Morgenländern, echtem Islam urbeu halbeuropäischem Levantinerthnm, nnd anßer alledem der große Troß wahrer Abendländer, ^"uristm nnd ihresgleichen. An Kasr-en-Nil vorüber erreichten wir gar bald, über die Brücke fahrend, ^ Dämme und hohen Alleen, die sich gegenüber der Stadt zwischen all' den großen Gärten dahinziehen. "beu dem Schlosse Tnssum-Pascha's erstrecken sich, umgeben von Eanälen nnd halbbewässerten Aeckeru, "U'ge ^ße Zuckerrohrfclder. Eines derfelben befchlofsen wir zn jagen. Prinz Taxis und der Bruder des Baron Sanrma erwarteten nns daselbst. Die Schützen wnrden "lljogl^li postirt und die Hunde gelöst. Lange Zeit hindurch schienen dieDachselu keine Spur zn lUldeu; endlich begann eine Jagd, lautes Gekläff näherte sich dem Rande des Feldes. Leider verließ der "lvolf an einem Punkte sein Versteck, wo kein Schütze stand, nnd so giengen wir zu einem anderen, über ""em breiten Canal liegenden Zuckerrohr. Die Hunde wnrden abermals gelöst, doch gar bald brachen "lr die Jagd ab, da wir während des Triebes die traurige Entdeckung machten, daß au der eiuen Seite "^ Feldes der Echuitt des Zuckerrohres begonnen hatte. 30 Crscheinnngen, arbeiteten da nnter der ^eitnng eines in lange faltenreiche Geuiänder gehiillten, mit Rhinoccroshant-Peitsche ln'N'chrt^'nAufschcrs. Diost'v brave^canii kani während derIaqd N'nrdl'voll lnifnlichzu^'schrittm, hielt cim' lmuic Ansprache, von stolM Handbcw^nunrn ln'glcitct, dcr ich mit violcr Mühe endlich entnchlnen konnte, dasi er nninsche, ich s^lle den Plch verlassen. Da der Ton seiner Stimme nnd die Beweqnn^en seiner Hand energischer zn werden begannen, rief ich Osman, den schwarzen Kawassen (Diener) des Baron Sanrma herbei; als der biedere Orientale die reiche Livree eines Consulats-Dieners Arbeitende Fellachen. 31 iah, fiel die Stimme in inilde, flehentlich bittende Töne herab, und eilig snchte er im dichten Zuckerrohr schlitz vor weiteren Trohnngcn. Wir giengen alle zn den Wägen zurück: der erste, ganz knrze Iagduersuch ">lf Nanbthiere war mißglückt, dafür hatten wir einige kleinere Stücke erlegt. <1aron Sanrnia fnhr nnn niit nns nach dem ältesten Theil der Stadt, dem im Süden gelegenen 'tairi.i. Ti^> ^^iis^ ninßte abermals passirt U'erden, nnd dann nns nahe vmn Nil neben einen: ''U'kömglichcn Schlosse rechts luendeud, führte der Weg gar bald in das höchst interessante M'yrintl, "" Schutt, Rninen, Schmntz nnd Trümmern. Der ärmste Theil der Vewlkernng wuhnt da in elenden, Em Abend am Wolattain, 32 halbverfallenen Häusern; zwischen Steinen und Sandhügeln endete die Fahrstraße, nnd neben zivei hohen Palmen mußten n.ür anssteigen nnd deil Weg zn Fuß fortsetzen. Von einem hohen Schutthanfen, dessen eine Seite zwischen Rninen einer alten Maner das letzte Hans der Stadt bildet, wo des Nachts nnr Hyänen nnd Schakale mit den halbwilden Hnnden in Gemeinschaft heulen, genossen nnr eine herrliche Fernsicht. Die Sonne tanchte eben zwischen den bnntesten Tönen, von Dunstkreisen ningeben, in der qelben libyschen Wüste nnter, die Pyramiden, die hohen Zinnen nnd Minarets der Stadt, die Citadelle, sowie anch die ernsten Wände desMokattam-Gebirges vergoldend. Es war ein Bild so reich nnd großartig an Farbeneffeeten nnd so geschmückt dnrch landschaftlich nnd architektonisch schöne Momente, daß es schwer fiele, sich im Geiste etwas Herrlicheres ansznmalen. Zwischen Schntt nnd Trümmern steht die jetzt schon unbenutzte, ganz znr Ruine gewordene Moschee Kasr el Ain. In ihren alten Maliern Hansen sehr viele Triel, jene merkwürdigen Snmpfvögel von nächtlicher Lebensweise; mit Einbruch der Nacht verlassen sie nnter nnanfhörlichem Pfeifen, einen: Ton, den man allnächtlich in ganz Egyvten vernimmt, ihre Verstecke nnd ziehen nach dein nahen Nil. Wir postirten nns längs der Wände der Moschee nnd erwarteten das Erscheinen dieser komischen Vögel. Als cs zn dnnkeln begann, verließen mehrere ihre Schlupfwinkel, doch so rasch, daß es nur Hoyos gelang, einen derselben herunterzuschießen. Nun kletterten wir über Schntt und Trümmer, von dem Gekläff der aufgescheuchten Hunde verfolgt nnd von den ans ihren Höhlen hcrvorkricchenden Arabern neugierig angegafft, bis zn nnseren Wägen. Die Heimfahrt gieng anfänglich nnr sehr langsam von statten, denn das Gewirre von Rninen Alt-Kairo's mnßte bei voller Dnnkelheit passirt werden; später folgten einige Gärten nnd endlich hatten wir die eleganten Stadttheile erreicht, in denen bnntes Leben auf den gut erleuchteten Gassen wogte. Zn Hanse angelangt, speisten wir, nnd nach dem Diner erschien ein glänzender Fackelzng, von Landslenten mscenirt, im Garten von Kasr-en-Nnsha. Das „Gott erhalte" nnd die Hoch-, Eljen- nnd Zivio Rnfe klangen ganz eigenthümlich inmitten der rnhigen Pracht einer afrikanischen Nacht, Nach Schluß dieser hübschen Ovation zogen wir nns alle znr Nnhe znrück. Am 20. in früher Stnnde fuhren wir dnrch die Stadt nach den ältesten Theilen der arabischen Viertel, um da in der koptischen Kirche der heiligen Messe beiznwohnen. Dnrch eine schmale, nnr für Fnßgänger Passirbare Gasse gelangten wir znr Thür des alten Gotteshauses. Die nächsten Gebäude sind von Ehristeu, hauptsächlich Kopten bewohnt, und so entstand im Laufe der Zeiten eine christliche Colonie, das sogenannte „Haus der Ehristeu". Einige Geistliche mit langen Bärten, dunklen Gesichtern und ansgesprochen semitischen Zügen, in faltenreichen, von jenen aller anderen Confessiouen streng verschiedenen schwarzen Gewändern, erwarteten nns da, ihren Bischof an der Spitze. Die koptische Religion, in Sitten, Gebräuchen, Liturgie und Eostümen, blieb, wie alles im Orient, stets auf derselben Stufe. So wie die erstell Ehristen, welche den Glauben ans Asten nach Afrika brachten, das Meßopfer laseil, ihre Eeremonien abhielten und predigten, thun cs ihre Nachfolger, die heutigen Kopten, noch immer; dadnrch, daß dieser Ritus niemals mit dem Abendlande in Berührnng kam, erhielt er sich rein lind unverfälscht, nnd nur sehen in den egyptischen Kopten das getreue Bild der erstell Tage des Christenthums. Sie sind die Vertreter unseres Glaubens in Nord-Ost-Afrika, doch reicht ihr Verbreitnngskreis weit in das Innere des schwarzen Erdtheils. Dem Blnte nach gehören sie dem Volke an, nnter dem sie leben; und umgeben von den Stürmen nnd den siegreichen Fortschritten des Islams, wnßte diese im Verhältniß zn den Andersgläubigen kleine 33 ""kmic alter Christen ihr Wesen und die reinsten Ueberlieferungen ganz intact bis zum heutigeu Tage ä'l erhalten. Wir sahen mtter den Priestern und Chorknaben ganz schwarz- uud dunkelbraune Gesichter, echte -lsrikauer. In der schlichten, ärmlich eingerichteten Kirche waren ziemlich viele Christen, meist Kopten, lwch auch Bekenuer anderer Riten auweseud. Die Fraueu trugeu da Islam qleich wareit die Kopliueu l^raueu) mit l^eisieu Schleiern verhüllt. Die Messe wnrde vom Vurqpfarrer gelesen imd nach derselbe» verabschiedeteu wir uus von deu N'tretern dieser so überaus interessanten Neligiou^euosseuschaft, >nn nuu die arabischen Etadttheile ^'"an zu durchstöberu. Das alte mieuwlische Viertel vouKairu qehörtzu deu effecwullsteu, anregeudsten, farbeuprächtigsteu l'ru, die eben mir der Orient bieten taun. Ein genaues Swdinm uud viel Namu, eiue speeielle b 34 Arbeit würde es erfordern, diefe Eindrücke richtig llud ausführlich ^u schildern, daher kann ich mich an dieser Stelle nur auf die Wiedergabe der Hanptmomente, die mich am meisten fesselten, beschranken. Zwischen Kaufläden, Bazaren, Kaffeehäusern, dem bunten Gewühl des arabischen Lebens, giengen wir hindnrch, um unser nächstes Ziel, die alten, historisch auch interessanten Moscheen zn erreichen. Die Gassen sind eng, an manchen Stellen der Sonne wegen mit Strohmatten oder Teppichen überhängt, Die Häuser selbst alls grauem Lehm erbaut, mit den redenden Erkern, den verbitterten Haremsfenstern und all' den Schnörkeln nnd Verzierungen der arabischen Banknnst, bieten den Anblick eines wilden Durcheinander; nichts ist symmetrisch, doch alles malerisch, auch der Verfall, der oft hervortretende ruineuhafte Austrich, hat hier seine Berechtigung oerleiht dem Bilde den Typus der Echtheit des vollen morgenländifchen Eharakters. Znerst betraten wir deu Vorhof der großen schönen Moschee Gama-el-Hassaneu, erbaut zn Ehren von Hässiui „ild Hnsse'u, den Söhnen Ali's, des Schwiegersohnes des Propheten. Hussen war gefallen 080 nach Ehr. Geb. in der Schlacht bei Kerbeln; sein Kopf ist hier in der Moschee bestattet, daher werden daselbst alljährlich im Monate Nebi el saui, dem vierteil des mohamedanischen Jahres, 14 Tage hindurch große Feste gefeiert. Nachdem wir Pantoffel angelegt hatten, führte nns ein gastfrenndlicher Derwisch in das große Gotteshans, dessen Inneres architektonisch schön eingerichtet und reich verziert ist. Anf kostbaren Teppichen saßen viele Leute, der Kleidung nach wohlhabende Orientalen, im Kreise herum uud lasen halblallt aus alten Büchern die weisen Sähe des Ehorans; inmitten der Gläubigen hockte ein besonders schriftknndiger Mann und erklärte die wichtigsten Stellen; andere knieten oder lagen flach am Boden, ihre Gebete verrichtend, mit dem Gesicht gegen Mekka gewendet. Wie überall zeigte eine mit grünem Sammt nnd Gold bnnt geschmückte Stelle die Richtung des für den Mohamedaner heiligsten Punktes der Erde an. Große Kronleuchter hängen von der Kuppel herab nnd die echt morgenländische Art der Einrichtung des Tempels nnd des Benehmens der Gläubigen feffelt die volle Aufmerksamkeit des Wanderers. In einem architektonisch sehr hübschen Nebenhof befindet sich ein Bassin für die heiligen Waschungen; mit Steinplatten begrenzt, bietet dieses Bad auf deu erstell Blick den Eindruck der größten Reinlichkeit; erst bei näherem Betrachten erkennt man, wie ekelhaft jene Sitte ist, die der Chorau feinen Bekenueru auferlegt. Bevor der Mohamedaner deu heiligsten Ramu der Moschee betritt, muß er gewisse, geuau bestimmte Reinigungen vornehmen. In hockender Stellung, unter dein Genmrmel von Gebeten, werden die Waschungen begonnen, deren genanen Verlauf zn schildern mir der Anstand verbietet. Wenn alles zn Ende ist, wandert der fromme Mann betend nach dem Innern des Gotteshauses. Ich sah mehrmals viele zugleich die fromme Sänberung vornehmen, und das kleine Bassin hat weder Zn- noch Abfluß! In allen den vielen Gängen, Vurhöfen lind Hallen der Moschee treiben sich Leute, darunter oft höchst interessante Gestalten, in langen Gewändern herum uud scheußlich verkrüppelte Bettler jammern nach milden Gaben. Als wir die Moschöe verließen, ritt eben ein alter Mann mit blendend weißem Bart, in herrliche orientalische Stoffe gehüllt, mit grünem Turban, als Zeichen der Abstannnnng vom Propheten, am Kopfe, znm Thor, stieg von seinem reich geschirrten Schimmelhengste herab, den er dem nachlaufenden Diener übergab, und schritt würdevoll in das Innere des Gotteshauses. Dieser vornehme Morgenländer 3S war ein Bild, eine höchst interessante Studie, und die Weisen aus den üppigen Märchen hätte ich mir nie anders vorgestellt. Unser Weg führte nns mm nach der hochberühmten Moschee Gälna-cl-Azhar; sie ist so alt wie bas hentige Kairo. Djöhar, der Feldherr de5 fatinndischen Chalifen Mnizz, begann den Ban. ^»»i G^bct, Hier führt uns die Schilderimg dieses altersgrauen Gebäudes zn einem Rückblick ans die Geschichte Kairo'5. Als Amr-ibn-el-Asi, der Feldherr des Chalifen Omar, 683 nach Chr. Geb. das Castell Babylon, an Stelle des jetzigen Alt-Kairo, erobert hatte und sich nnn anschickte, gegen Alexandrieu zu ziehen, 5' 36 hatte, wie die Sage meldet, auf dem mm ihni während dcr Belagerung bewohnten ^elte eine Taube ihr Nest gebant imd zn brüten begonnen. Amr befahl das Zelt (arabisch kostat) stehen zn lassen. Er bezog es wieder, nachdem er Alexandrien bezwungen hatte, nnd gründete hier eine Stadt, die von dem Zelte den Namen empfieng. Amr selbst baute die nach ihm benannte Moschee lind nachdem nnter dem Chalifen Othman arabische Stäniine im Nilthale angesiedelt waren, wnrde Fostat der Mittelpunkt der Negierling. Eine Gelehrtenschnle bestand hier schon, als der Chalif Mamnn «13 — 833, der Sohit Harl'm-al-Raschids, Egypten besuchte. Zn größerer Blüthe noch gelangte Fostat nnter dem Statthalter Ahmed ibn Tnlnn, der sich zum Snltan von Egypten anfwarf, nnd dessen banlnstigen Nachfolgern. Aber kann« hnndert Jahre später büßte Fostat seine Stellnng als Residenz ein, aw Djöhar, der Feldherr de^ fatimioischen Sliltans Muizz, der in Maghreb (Tnnis) zur Herrschaft gelangt war, Wl) int Namen seines Gebieters Fostat eroberte lind nnweit der Stadt eine nene Residenz hatte crbailen lassen, in welche Mnizz seinen Wohilsitz verlegte lind welche er Masr el Kahira nannte. Kairo N'nrde niln Hauptstadt des Fatimiden Reiches nnd hob sich schnell. Mnizz' Sohn liild Nachfolger Aziz Billah gründete die Universität el Azhar. llnter dessen Nachfolger Häkim reichte die Stadt schon bis znm Bäb en-Nasr ilnd Bab el-Fntnh, den alten Thoren, die wir später besprechen werden, Nicht weuiger Sorgfalt als die Fatiiniden widmete der Stadt der Eynbidc Salaheddin, der die Citadelle anlegte und ^aivo mit einer Maner llmgab. Von den Mameluken^ Silltanen verschönerten Kalaün, el Aschref-Chalil, Hassan, Parknk, Kait-Bey nnd el^Ghüri die Stadt dnrch prachtvolle ballten, während freilich die Vewohner dllrch die zügellose Herrschaft der habgierigeil nnd räuberischen Mamelnken litten. Ter Weiterentwickelnng Kairo's machte aber 15)!7 der OMianen Sultan Selün !. ein jähes Ende. Nach vorangegangener Schlacht bei Heliopolis nahm er Kairo mit Sturm; der letzte Mamelnken-Snltan, Tnman-Vey, wilrde an« Bab es-Znwele 15. April 1517 gehentt. .'»tairo verschwindet min ans der Geschichte, in die es erst wieder mit dem Feldzng Napoleon Bonaparte's eintritt. All' diese Reihenfolgen geschichtlicher Momente alls dell Tagen des alten Islam schweben nns vor Angen beim Eintritt in die seit der Regiernng des Ehalifen Aziz Billah 975>-!N)ft als Hochschnle eingerichtete Moschee. Noch jetzt ist sie die berühmteste Universität des Orients nnd zugleich eiue Brutstätte des mohamedanischen Fanatismus. Der ganze zllsannnengehörende Gebände Complex ist sehr ausgedehut, nnd Hallen, Säle nnd Tänlen Lolonnaden reihen sich aneinander. Neben dem Hauptthore unterhielt ich mich iu einem langen Vestibül mit dem Betrachten der echt orieutalischen Barbiere. Am Boden hockend, halten sie die Köpfe ihrer Opfer zwischen den Knien nud im» wird mit ätzender Seife ei,«gerieben, hierauf geschabt nnd rasirt, bis der Schädel spiegelglatt ist; denn der wahre Mohamedaner trägt niemals Haupthaar, nnr der ganz arme Landbewohner nnd der zügellose Beduine sind behaart; der Städter hält ein kahles Hanpt für die größte Zierde. Mit eleganten Bewegnngen arbeiten, scheeren nnd waschen die Haarkünstler des Orients nnd ein Duft volt Rosenöhl lind anderweitigen wohlriechenden Salbei» nmgiebt die Stelle ihrer Thätigkeit. Von da gelangen wir an einer kleinen Ncben-Moschee vorbei ill den großen Hof, mit seinen Cisternen fiir die heiligen Waschungen; die umliegenden Sänlengänge sind dllrch Holzwäude uud bitter in Hatten getrennt, welche znr Anfbewahrnng von Manuseripteu dienen, Anf der östlichen Seite des Hofes befindet sich das kolossal große, voll 380 Marmor , Porphyr nnd Granit-Sänlen gestützte nud mit wahllos zusammengeschleppten antiken Ueberresten geschmückte Tanetnarinm der Moschee. Vier Tcppich-Hazur. 39 Gebetsnischeu für die vier anerkauuten Seeten des Islam: Schafelteu, Malekiten, Hanefiten nnd Hambaliten, sind im Hintergrnnde angebracht; zahllose farbige Lampen hängen vou der Decke herab und ein buntes Seiteugemach wird als das Grab des Heiligen Abd-er Nahiuan Kichya gezeigt. Das Merknoirdigste abcr sind die 1N.l)W Stndenten ans allen Ländern des Islam, die sowohl das Sauctnarinm, als anch die Hallen, Höfe nnd Vestibüle des grüßen Gebändes stillen. Sämmtliche orientalische Menschen-Typen, vom Schwarz des Negers bis zum blassen Gelb des Tschcrkessen, sind da "^treten; das eigenthümlichste Farbengemenge vonEostümen erfreut das Auge, selbst echte wißbegierige n ^icgcnf^llschllUlch lun Nückcii, das allos wugt nn wirren Dnrchrinandcr anf nnd nieder. Dazn wirkt betänbcnder Limn anf das Ohr des Europäers. Das Bransen der Volksmenge mischt sich mit dem Jammern der Bettler, dem Gekreisch der Geschäftsleute, dem klirren der Geldstücke, dem klappern der Trinkschalen, den pumphaften Erklärnnqen der Hansierer nnd Kaffee-Verkänfer, dem Gebrüll der Kameele, dem Gekläff der Hnnde, den N'arnenden Nnfen der Eseltreiber nnd der den Wäqen vorlanfenden Sais. Imlner bietell sich dein fremden nene Bilder, nnd endlos herrscht dieses wilde Treiben vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein anf der lanqen Zeile der Mnski. Rechts nnd lints erstrecken sich mm die Bazare, mit dem Labyrinth von engen Gassen nnd Höfen; das Ganze in Aorm eines echten Trödelmarktes, dessen Interesse im Wesen der orientalischen Waaren, in der nnverfälschten Bauart und besonders im Benehmen der Känfer nnd Verkänfer beruht. Der Ba,M' der christlichen Kanflente Sük-el-Hmzanwi, ferners jener der GewiirMndler Sük-el-Attarin, dann Snt>el ^ahliami mit tunesischen nnd algerischen Waaren, bieten viel Anregendes. Das Onartier der Inweliere Ghühargiye im Indenoiertel, N'eiterhin Tnkes-Saigh, Bazar der Gold- nnd ^ill'erschmiede lind ^nk en Nahhasin der Dlpferschmiede, wnrden von nns gründlich durchstöbert. Schönen arabischen ^chmnck, alte Waffen, Zilber- nnd Goldarbeiten kanfte ich ein. Mit gekreuzten Beinen sitzen in weiten Gewändern, Schibnks ranchend nnd Kaffee schlürfend, die betnrbanten kanflente in den offenen Bndcn. ^iit gierigen Blicken betrachten sie die fremden, dieselben genan musternd. Erkennen sie die Unkenntnis; nnd Unbeholfenheit der mit der Hinterlist der Orientalen nicht vertrauten Wanderer, dann lassen sie allsogleich ihrer vollen Nedetnnst freien Lans, die theucrsteu Gegenstände werden förmlich aufgedrängt nnd ohne die Hilfe eines geschickten Dolmetfch ist der arme Enropäer verloren, büßt alles Geld ein, das er mitgenommen hat, nnd bringt womöglich noch falsche, unschöne Dinge nach Hause. Im Bazar zeigt sich der Araber als echter Semite, als wahrer Brnder des Inden, von letzterem tmim nnterscheidbar. Der interessanteste aller >taireiner Bazare ist der Eliän Elialil, ein eigenes Stadtviertel überdeckter Bndeu, schon aus den Zeiten des Mameluken Sultans el-Aschraf Salaheddin Ehalil stammeud. Hier fiudet nuni das bnnteste Treiben morgenländischen Lebens nnd die unverfälschtesten Waaren aller Art, alles orientalisch, anch Produete ans Negerländern, besonders vom Sndan, Im Teppich Bazar gieng ich in den Hof des Hanfes eines reichen 5taufmannes. Mit würdevollem Benehmen entrollte der alte Handelsherr seine schönsten Stoffe, türkische nnd besonders persische Teppiche von hohem Werthe. Nach mehrstündigem Anfenthalte in den arabischen Stadttheilen drängten wir nns wieder dnrch das Menschengewühl der engen Gassen in die Mnsti znrnck. So herrlich, farbenprächtig nnd malerisch Ein Abend in dcr 3chubra-All«. 43 bas orientalische Leben, insbesondere dem an die schablonenhafte Monotonie Enropa's gewöhnten 'N^isenden anch erscheinen mag, hat selbst dieses Paradies seine bösen Schattenseiten. Zn denselbel, ^chne ich j„ ^^. ^^,^^, h^ ^^.^, Ungeziefer. Millionen von qrosien schwarten Flieqen Hansen innerhalb ^ypn^,, ^,^..... er Gassen, mnjchwärmen den Orientalen, der sie nicht davonjagt, sondern das Gesicht damit vollkommen überdeckt behält. Schmnh nnd Kranlheitsstoff tragen die Thiere in die Angen nnd darin kann eine Klärung für die vielen blinden nnd mit so iiberans ekelhaften Angenkrankheiten behafteten Menschen l'egen. Ueberhaupt bekommt man Krnppel nnd Kranke, von Seuchen nnd Entartnngen des Leibes 6" 44 geplagte Individuen im Orient zu Gesicht, von deren Möglichkeit dor Europäer sich früher keine Vorstellung machen kaun. Iu derMnski mietheten wir uns Reitesel, jene kleinen, mageren Thiere, die uuter hoheiu arabischen Sattel nach Tausenden alle Straßen Kairo's tagtäglich dnrchlanfen und die Stelle der Fiaker einnehmen. Ill raschein Zotteltrab nnd abwechselnd Galopp, den nnermndlichen Eseltreiber zn Fuß hinterher, ritteu wir die Muski der Länge uach hinab nnd durch die enropäischen Stadttheile über den Eaual el Ismalliye nach der Schubra Allee ins Schloß Kasr en-Nusha zurück. Nach kurzem Aufenthalt fuhreu wir zum Vieetönig, nm ih»n »nseren ersten, noch nicht ofsieiellen Besuch abznstatten. Das Palais, iu dein der Khedive des Tages die Arbeitsstunden znbriugt, liegt in den westlichen Theilen der inodernen Stadt nnd ist ein großes, vollkommen europäisches, eigentlich styl loses Gebände. Der Vicekönig empfieng nns auf das freundlichste; nach morgenländischer Sitte wnrde ans reizenden türkischen Schalen vorzüglicher Kaffee getrunken nnd dazu Tchibut geraucht, Der Besuch dauerte nicht lange nnd bald nnternahmen wir die weite Fahrt dnrch europäische, dauu auch echt arabische Stadttheile, nach der schon nahe von der Citadelle gelegenen Sultan Hassan Moschee. Es ist dies ein großes, sehr alle'?, leider schon verwahrlostes Gebände; weitans die schönste und im arabischen Styl am reinsten erbante Moschee nnter allen, die ich in Kairo gesehen habe. Da-5 Grab des Snltans, die Wasch-Eisteruen, die Gcbetstellen nnd Sänlenhallen, alles ist leider schon arg dein Verfalle preisgegeben. Anf den Steinplatten werden die Blntspnren ans den Tagen des ersten Iauitscharen Massaeres im Jahre 13l>1 gezeigt. Von da fuhren wir am kürzesten Wege nach Hanse, nm noch rasch ein Frühstück einzunehmen nnd hierauf in einem vierspännigen Wagen, von reitenden Postillonen gelenkt, die Fahrt zu deu Pyramiden anzutreten. linser Weg führte nns abermals dnrch die ganze enropäische Stadt. Die reizenden, un Laudhansstyl erbmneu Gebäude, mit orientalischen Verzierungen geschmückt, das Gemenge vou Morgen nnd Abend-laud, die blühenden Gärten init ihren dnftenden Blumen uud Sträuchen, den rauschenden Palmen, eutzückten mich sehr, nnd erstannt sah ich inmitten der Stadt unzählige Raubvögel, taufende der Schmarotzer Milane fliegend oder anf den Dächern sitzend, Aasgeier, die niedrig über die Straßen zogen, hörte den Gesang der Vögel, das Rncksen der Palmtanben nnd sog mit Wonne die herrliche Lnft des göttlichen Egypteu eiu, gedenkend der harten Plagen des enropäischen Winters, denen ich für diesmal entronnen war. Vei den großen Gebänden von Kasr-en-Nil kamen wir über den heiligen Slrom nnd die Insel Geziret-Bülak, fnhrcn neben einigen vieeköniglichen Lustschlössern ,md »rrlichen Bärten vorüber nnd erreichten gar bald den Damm, anf dem die vou Allee-Bäumen eingesäumte Straße in gerader Richtung durch enltivirtes Laud, zwifchen Felderu nnd jetzt noch halbbewässerten Aeckern, an einem elenden arabischen Dorfe vorbei, znin Rande der Wüste führt, Nnr mehr eiuige hundert Schritte weit rollt der Wagen über den gelben Sand der libyschen Wüste nnd wir halten am Fnße der Riesenbauten, der Iahrtansende alten Zengen der Weltgeschichte. Ein eigenthümlicher Schmier übermannt jeden Wanderer, der zum ersten Mal iu uumittelbarer Nähe jene Denkmäler einer laugst vergangenen Zeit betrachtet und mit Händen Steine berühren kann, die eiuige Jahrhunderte noch vor den Tagen Abraham's, durch die Arbeitskraft nnd da^ Geschick von Menschen in derselben Ctellnng üud Lage aufgechmint wurden, in der sie sich heute uoch befinden. 45 Die Pyramiden wn Gizeh beschreiben, hieße eine nnzähligemal schon verfaßte Schildernng nachplappern. Sie gehören in das Bereich der Reisehandbücher, der abgetretensten Tonristcnwege, nnd bie Grabmäler alter Dynastien der grauen Vorzeit sind herabgesnnken znin Nioean eines Nigi, ,vo die Ichallil)dssd auf don Pyvaxud»», ^en stamen der abendländischen Tmiristen ehrn'j'irdige Steinplatten beschmnhen. Die ^hrops'Chefren-Und Menkerä-Pyrannden, sowie der 00m Wnstensand nmspülte Leib der Iphinx, N'nrdel, betrachtet, "ud hieranf die Meite Pyrmnide dnrch einige Araber bestiegen, damit die daranf bansenden Schakale ^'abkämen; n>ir waren leider schlecht postirt nnd su entkamen zwei Schakale, llnbelästigt in die endlose, 46 von Thäleru und Wellen durchzogene Wüste eilend. Mehrere Schüsse wurden vl.ni unten nach deil in halber Höhe außerordentlich flink Mischen den Steinen muherhüpfeuden Thieren al'gefeuert, doch erfolglos, da die Entfernung eine viel zu große war. Die Pyramiden machten anf mich, besonders loenn Menschen und Thiere ans denselben kletterten, den Eindruck eines künstlichen Hochgebirges und keineswegs jenen eines architektonischen Baudenkmales. Die Sonne neigte sich, in herrlichen Beleuchtungen schwamm die schöne Landschaft, goldig erglänzten die greisen Steinmassen der Pyramiden und in röthliche Tinten waren die Nil-Landschaft, das Hänsermeer von Kairo, die Citadelle nnd das hochragende Mokattam-Gebirge getaucht. Wir mnßten heimwärts eilen; rasch fuhren wir denselben Weg znrück, den wir gekommen waren, In der Schnbra Allee, dem Prater Kairo's, herrschte reges Leben. Reiter tummelten sich auf schönen arabischen Pferden herum nnd zwei dicht geschlossene Wagenreihen sah man anf nnd nieder fahren; es war großer Corso, so lebhaft nnd schön, wie ihn nur der Süden hervorzanbern kann nnd nicht wie il>n der Norden in Form von frierenden Droschkenfahrten au rauhen Maiabenden zu carikireu sucht. Man sah herrliche Equipagen, gauz nach europäischen! Mnster, uur die Diener mit dem Fez am Kopfe. Reiche Mohamedaner, Pascha's, Levantiner, die wohlhabenden Griechen und die übrige europäische Gesellschaft schöpften da in ihren Wägen die wonnevolle Abendlnft. Am meisten interessirten nns die geschlossenen Equipagen, von abendländischen Kutschern gelenkt; doch daneben saßen an Stelle des Bedienten die schwarten Enuucheu mit ihreu ekelerregenden, schlaffen Gesichtszügen, in halbeuropäischer Tracht. Im Innern der Wägen waren die Franen hoher Würdenträger, der verschiedenen Paschas, ja sogar Prinzessineu; alle trugen die movgenländische weite Tracht und durch den dünnen weißen Schleier glänzten herrliche schwarte Angen nnd schöne, feme Züge, wohlgeformte dunkle Augenbrauen uud lauge Wimpern hervor. Anch ärmere Leute in Droschken uud zu Esel triebeu sich da herum nud ziemlich elegante Demimonde, sowohl im Pariser als noch mehr im Wieuer und Pester Genre, machte die Gegend unsicher. Zu Hanse angelangt, kleideten wir uns rasch um und fnhreu nach dem Palais des Khedive, wo ein größeres Diuer, zu dem auch die hohen Würdenträger nnd General-Consul» geladeu wareu, gegebeu wurde. Wir leruten dort die Brüder des Khedive kenueu. Das Halls des Viceköuigs ist gauz uach europäischem Muster gehalten nnd die Dienerschaft ist, jene Lente, die mit dem Kaffee nud Schibuk beschäftigt sind, ansgeyommen, volltommen abendländisch. Nach dem Speisen fnhren wir mit dem Vieekönig zum große», inmitten der Stadt gelegeueu Esl'ekiye Garten, wo die österreichisch lingarische Eolouie uus zu Ehreu ein arabisches Fest arrangirt hatte. Lampions hieugen an Bäumeil uud Sträuchen, Feuerwerke wnrden abgebrannt nud unter Zelten prodneirten sich Sänger nnd Tänzerinen, arabische Musikeu, Schlaugeubändiger, Fenerfresser, Märchenerzähler, Neger, Nul'ier, Elowus, von der Nordfüste Afrika's stannueud, lind türkische Schattenspiele nud Wursteltheater mit orientalischem Anstrich wnrdcn da aufgeführt; mit einem Worte eiuc Iahnnarktllnterhaltung, mit all' den Künstlern dieser Art, an denen das Morgenland ja so reich ist. Leider hatte mall die Thore des Gartens zn früh geöffnet und so strömte eine riesige Volksmenge herein, die jeden freie» Verkehr unmöglich machte. Wir wären fast alle erdrückt worden nnd nur mit Hilfe einiger Dalmatiner, die im vollen Eostüm erschieuen uud nm nns einen lebeudeu Wall bildeten, gelaug es, das Thor nud die dranßen stehenden Wägeil wieder zn erreichen. Bald waren wir zu Hanse und nach einem gut ausgefüllten Tage that die Ruhe doppelt wohl. 47 Am folgenden Morgen fuhren wir durch eineu großen Theil der europäischen Stadt, nach dem "uf der Südfpihe der Iusel Vulak gelegenen Museum vou Bulak. Es ist dies die reichste und berühmteste Sammlung egyptischer Alterthümer, nnd i>n breiten, recht hübsch errichteten Gebäude befinden sich wahre ^chätzc aus der alte» Pharaoueuzeit. Ein Franzose ist Director, der Nachfolger des bekannten, erst l'or Kurzem verstorbenen Mariette-Pascha. Der Bruder des großeil Egyptologeu Brugsch Pascha hat ^gleichl'i, «'inen Posten beim Museum und erklärte uns auf das interessanteste alle Theile der Sammlung. Das Mnsenm von Bulak zu schildern, erfordert einestheils große wissenschaftliche Kenntnisse und '' andereutheils in vielen fachlnännischeu Schriften schon Stück für Stück behandelt worden. Alles "ltrde von nns genan angesehen, in den Sälen sowohl als auch i,n kleinen Garteu. Einige christliche U'lnieu, ans den ersten Zeiten des Christenthums stmnmend, durch die buute, reich verzierte Kleidung l»d di^ schwarzen Gesichter au byzantinische Madouueu erinuerud, interessirtcn mich sehr, da ich burden» von ihrer Existenz keine Ahnung batte. Nach ziemlich langem Aufenthalt verließen wir das Mnscmu und fnhren nach Hanse. Kaum hatten loir uus alle in volle Parade geworfen, al-ö anch schol, eiu Pascha, der beim Khedive l^'Stelle eine«? Obersthoflueisters bekleidet, erschien, um u»5 zum officielleu Besuch abzuholen. In einem lU^eii, lng vergoldeten Glae>wageu »nit Bockdeckcu, von sechv schönen englischen Pferden gezogen, mit ^'rreitcrn nud umgeben von Kavallerie, fnhren wir in Schritt feierlich, processiousartig den langen uka. bis zum Palais des Vicetonigs. Die Zilsannnenftellung der Equipage war eigenthümlich: auf wem sehr schöneu, echt europäischeu Galawageu als Wappeu der Halbmond uud Stern, Kutscher und breiter in abendländischer reicher Livree, mit dein Fez am Kopfe, und eröffuet wurde der Zug durch Sm's im vollen morgenläudischen Eostüui. 'luf deu l^asseu standen viele Leute, die iin^ neugierig angafften; ani Plalx vor dein Palais ^ltete ^in lishtlilai, adjustirtes, recht hübsches Garoe-Iufauterie Regimeut Mlter deu Klällgeu unserer "lt'shymne die Ebrenbezeugnug, gefolgt vou eiuem arabischen Nuf, den eine Compagnie nach der "udrreu bcint Präsentireu brüllte. Der Vieeköuig iu der Parade Uniform eines türtischeu Pascha "wm'tele nnH^ umgeben von seiueiu Hofstaat. In eiuem großeu Saale sehte sich alles im Kreise, längs rr Wände auf kleinen Stühlen nieder; hieranf erfchieuen die langen, reichverzierten offieielleu Schibuke ^ der Kaffee. Es ist die^ eiue uicht unr wohlschmeckeude, sondern auch mit einer gewissen feierlichen ' "inlichkcit zur Friedenspfeife verbnudeue Sitte. Nach dem Besuche wurde, abermals in den großen ^ "geu, der langsame Rückzug uach Kasr-en-Nnsha angetreten. bleich nach iluserer Rücktelir wm der Khedive, um «us seine Visite abzustatten. Als er das Iluß "erlassen hatte, empfiengen der Großherzog uud ich die gauze österreichisch ungarische Colouie, die eneral Eousuln uud uoch einige andere Herreu, die uns zu seheu gewünscht hatten, nuter ihnen anch rn Elzbisch^if ^^,> Alexandrien, eiu Franziskaner, aus Dalmatien gebürtig: eine schöne Erscheinuug, "lt laugom Bart uud edlen GesiäMzngen. Der aruie Mann ist seither auf !,ol,er See gestorben uud im ^Me zur ewi^.„ ^lihe bestattet worden. Nach eiuigeu offieielleu Stunden n>ar es uns gegönnt, die Parade Uniformen init Iagdtleidern zu "^!cheu nud ciuem kurzeu Frühstück folgte die Abfahrt zur Jagd uach Heliopolis, Barou Saur,ua ^lelt<>tc uus ebenfalls, seiu Brlider uud Prinz Ta^i'? waren schon uach den Iagdplätzeu voraugeeilt. "sanglich nlußteu einige Gassen der Stadt passirt iverdeu, doch bald hörteu die letzten Häuser iu "lmenhafter Form am Nande der Wüste nnd des Cnltnrlaudes auf. Zur Linken sahen loir das große 48 Schlachthaus, dessen Mho durch viele Nastier gekennzeichnet niar; znr Rechten genossen wir einen liiibschen Mick anf Wüstenlandschast nnd dahinter die hochragenden 'Wände des Mokaltam-Gebirges, Windiniililen, alte halbverfallene l^räber und Rninen bildeteil die lebten Gebällde der Sand ^one. Die Straße führt stets iln üppigen Ellltnrland, zlvischel, blühenden Gärten nnd hohen Alleen, doch nalie der Wüste. Die grünen Parks von Abbasiye nitd des Palais Tanfif, utit ihren schattigen BlNimreiI>en ii,id friichtebeladenen i)rangehaineil wurden dnrchfahren nnd nach !>albstündiger Reise hatten wir den inmitten dichter Büsche nnd Gärten stehenden Marienbaum erreiclit. Wir ließen anhalten, iini die Sikomore, nnter U'elcher die heilige Familie der Sage nach gerastet haben s^ll, 0>.'n nahe .^n betrachten. Es ist ein uralter, durch seine knarrigen Aeste, die Breite des Stannne'ö und die Dicke der Riude sehr auffallender Baum, der die Mühe eines Vesnches lchnt. In der Nähe dieses Plahes versuchten u>ir vergeblich ein t'leines Znckerrl,'hrfeld uiit deu Hnnden dnrch^njageu, deßgleiehen ein ^'illfeld. Die Weiterfahrt anf h^hen schinalen Dämmen, im großen vierspännigen Wagen, war etwas halsbrecherisch, »nid nur laugsam näherten lvir nn^ unserem ^ielc. Zn beiden Seiten des Weges erstreckte sich das grünende Cnlturland, vmi (5auälen durch^ogeu, geschmückt durch Sikonwren nud rauschende Palinenlvälder; einige kleine granbranue, aus Lehm erbante arabische Dörfer waren die einigen menschlichen Behausungen. Menthalbeu arbeiteten fleißige Fellachen auf den Feldern, Büffel ,^gen an de>i Brunnen nud >ia>neele trngen basten, .^lnhreiher folgten i» dichten Schaaren dem pflügenden ^andmanne nnd allerlei VogeiU'elt erfreute das Ange des Jägers. In südöstlicher M'htnng bemerkten Nnr stets die Wnfte lind kahle Gebirge. Nach einiger Zeit erschien der berühmte Obelisk von Heliopolis, nmgebeu vou grüueu Wiesen uud Büsche», vor »nsereu Blicken. Hier an dieser hochelassischen Stelle loill ich mich der Worte meiues Freundes Brugsch-Pascha bedieuen, die ich einem Briefe an mich, in dein der Egypwloge über Helioftolis spricht, verdanke: „Wenn der Wanderer in den Zeiten des Alterthmns von Memphis ans über den Mstrom gesetzt war nnd die sogenannte „heilige Straße" eingeschlagen hatte, welche auf der östlicheu Uferseite des Stromes nber Babylon (in der Nähe des heutigen Alt )>lairo) in nördlicher Richtnng weiter führte, so zeigten ihm schon au5 weiter Ferne eine große Anzahl von Obelisken die Nähe der dnrch Alter nnd Geschichte hochbernhmten Stadt der Sonne an. Hart am Rande der Wüste gelegen, deren gelbrother Sand sich mit der dnnklen Erde des Cnltnrboden^ vermischte, erhob sich ein Heiligthnm des Lichtgottes Rä, dessen Dasein die ältesten Inschriften der Pyramiden-Gräber bereits bekunden. Ihm, sowie der daneben gelegenen Stadt, geben die Texte aller Epochen den ältesten, volk^thümlichen Namen Annn. „Es ist das On der heiligen Schrift, in welchem jener Priester Potiphera lebte, dessen Tochter Asnath der damalige Pharao seinem Minister Joseph znr Frau gab. Nebeu dem erwähnten Nanien führte der Tempel nnd die zn ihm gehörige Stadt eine zweite Bezeichnung: „Pi rä", d. i. „die Stadt des Sonnengottes Nä", ans welcher die griechische Bencnmmg derselben: „Heliopolis", hervorgegangen ist. Die älteste Anlage des Heiligthnmes nnd des Ortes wird mit großer Wahrscheinlichkeit zurückgeführt anf arabische Einwanderer, welche von Osten her in das Delta-Land einzogen nnd an der Stelle der späteren Stadt Heliopolis sich ansiedelten. „Berehrer der Sonne nnd der Gestirne, schufen die Aut'ömmliuge au der bezeichneten Stätte einen Enltus, dessen Kern die egyptische Mythologie durchdrang nnd eine besondere Lehre bildete, die selbst noch in den späteren Zeiten der egyptischen Geschichte, als griechische Philosophen, wie Plato uud Eudoxus, die Stadt besuchten, in der Priesterschnle den Hauptgegcnstand des geheimen Unterrichtes 49 abgab. Nur mit Miil^ gelaug es den erwähnten Philosophen, die hochweiseu Priester von Heliopolis M bewegen, ihueu einige der wichtigsten Lehrsätze astronomischen Inhaltes mitzntheilen. „Ans den arabischen Ursprung der Stadt weist nut nicht zu verkennender Dentlichkeit vorzüglich "ie Verehrung eines Vogels hin, welcher der Sonne geheiligt war und dem mau iu dem Tempel des ^uhtgottes ein besonderes Hciligthnm geweiht hatte. Es ist der von den Griechen „Phönix" genannte Wuudervugel, über desseu Wauderung ans dem arabischen Weihranchlande uach Hcliopolis, uach Vulleuduug einer großen astronomischeu Ansgleichuugs-Periode, alle Schriften des Alterthums voll >lnd. Pie egyptischeu Deukmäler kennen ihn sehr wohl, nnr entkleiden die heiligen Texte ihu vollständig leues geheimnißvollen Charakters, nuter welchem ihn die griechischen und römischen Antoren zu Ichildern nicht nuide werden. Nach den Erklärnngen, welche die hieroglyphischen Iuschristeu darüber ^'währen, gehörte der sogenannte Phönix, altegyptisch „Bennn" geheißen, eiucr ArdeaSpeeies au, die l'ch durch ihr gläuzeudes, wie (hold schimmerudes Federwerk anzeichnete nnd gegen die Zeit der Nilüberschwemmung von Osten her in Egypten einzuwandern pflegte. Die altegyptische Priester-Weisheit brachte den genannten Vogel nicht unr iu Beziehung znr Souue, die i»n Osten aufgeht, wuderu auch zlim Morgenstern, als dem Verknndiger des täglicheu Sonnenaufganges. Wir dürfen, "hne uns einer Tänschnng hinzugeben, voranssetzen, daß die inschriftlich beglanbigten Anpflanzungen ^'ou Weihrauchbäumen (arabischen Ursprunges) in der Nähe von Heliopolis einen sehr bestimmten Hnlweis geben auf die märchenhafte Ueberlieferung der griechischen Schriftsteller vou dem Verbrennen des alten Phönix in seinem ans Weihrauch gebildeten Neste. Noch im Mittelalter waren die Spureu dcr alten Weihranch-Anpflanzuugen vurhauden. „Heliopolis und der ganze Bezirk, dessen Metropole diese Stadt bildete, galten als eine der "ltesten nnd hochberühmtesten Stätten in den Zeiten des egyptischen Alterthums. Neben Memphis und ^heben erscheint Hcliopolis als eine auch geschichtlich denkwürdige Stadt. Sie stellt die älteste Vorzeit ^'r historischeu Entwickelung der egyptischen Eultnr dar, wie Memphis die daranf folgende Zeit der "Pyramiden bauendeu Köuige und Thebeu die glanzvolle Periode der egyptischen Großmacht vom 18. bis Zum 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. In Heliopolis erkannte man die erste Station der von Dsten einwandernden knschitisch-arabischen Stämme, welche zuuächst Besitz von den Ostgebieten des Delta-Landes nahmen nud den Sounencnlt da einführten, wo sie die etsteu festeu Plätze gründeten. „Im Laufe der Geschichte, von den Zeiten der ältesten Dynastien an, wurde Heliopolis von den Königen des egyptischen Reiches mit Tempeln, Statuen nnd Obelisken geschmückt, deren Menge uud Größe noch im Mittelalter die arabischen Schriftsteller in Erstaunen setzte. Während die griechisch gebildeten Ptulemäer die Denkmäler ihrer Vorgänger nuberührt ließen und die Tempelstadt vor jeder profane,! Entweihung zn fchntzen suchten, fiengen die römischen Antokratoreu an, die alte heilige Stätte lhrer Denkmäler zn berauben. So wanderten nnter Tiberins zwei Obelisken von Heliopolis nach Alexandria, nm hier vor dem sogenannten Cäsarenm oder Tempel Eäsars aufgestellt zn werden. "Ndere wanderten nach Rom nnd nach Cuustantinopel, um als unverstandene Zeugen der Vorzeit zu dieueu. Nur ein einziger Obelisk hat seinen alten Standort behauptet. Es ist derselbe, welcher sich gegenwärtig inmitteu eines bebanten Feldes iu der Nähe des Dorfes Matariye aus der Tiefe des Vodens erhebt (seine Höhe beträgt 20 27 Meter), als das letzte Wahrzeichen der einst so hochberühmten ^onnenstadt; zugleich der älteste aller betaunt gewordeneu Obelisken. Die Inschriften, welche seine vier Seiten bedecken, sind gleichen Inhaltes. 7 50 „Sie nennen doit König Usertasen I. (nnt die Mitte des dritten Jahrtausend vor Chr. Geb.) als seinen Begriinder und scheu dir Aufrichtung des qcwaltiqcn Mmwlich^ ans Ty^lnt^Gcstciil in Verbindung mit dcin Anfauq odcr der Erumeruug ciin'r astrouomischcn Periode von 30 Iahreu. Helwpoli«. Seiue Spitze umr eheinals mit hellqläuzenden Kupferplatteu bedeckt, welche in den Zeiten des Mittelalters von den Arabern verwerthet wurden. Die Stelle, an welcher sich dieser Obelisk befindet, bezeichnet Mleich die Lage des Hanpteinganges zum ältesten Heiligthume des Sonnengottes. Die noch bestehende wallartige Umfassungsmauer giebt zugleich die Ausdehnung der ehemaligen Gesammt- 51 Tempelgruppe an, Noch sei bemerkt, daß nach Papyrlts Zeugnissen aus dein 13. Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnnug Heliopolis ein stark beschißer Platz war, welcher den südlichsten Pnnkt der langen Bcfestignngslinie bildete, die sich über Vubastus (heute Tell-Vast) nnd Tanis (Zoan der Bibel, heute San genannt) bis nach Diospolis (jetzt Daunette) a,u Mittelmecrc erstreckte lind das Delta-Gcbiet !Won die Einfälle feindlicher Völter von Osten her zu schlitzen bestimmt war. „Der Weg von Kairo nacli der alten Nliiueustätte von Heliopolis ist heutzutage dnrch eine Kuuststraße vorgezeichnet, die sich in einer Ausdehuuug oon l'/. Wegstunden den Rand der Wüste entlang zieht nnd an mehreren Stellen dnrch banliche Anlagen nnd Anpflanzungen unterbrochen N'ird. Hat man das eiserne Thor (Bab el Hadid) der Chalifenstadt hinter sich, so öffnet sich die lange Strafte, welche zu beiden Seiten von Baumreiheu eingefaßt ist, nnd gewährt einen weiten Vlick über die Wüste am Fuße des Mokattam-Gebirgcs (sogenauuter N^umuliteu^Kalksteiu). Iil rothbrauucr Färbung erhebt s'ch der isolirt stehende „rothe Berg" (Gebel ahmar) cms kieselharwn Sandstein, U'clcher heute vielfach M' Anfertigung von Mühlsteinen ausgebeutet wird, im Alterthume dagegen das dauerhafteste Material für Statuen und sonstige Deutmäler lieferte. Die beiden berühmten Memuous-Kolosse auf der Westseite der großen thebauischeu Ebene sind ans dem „rotl>eu Verge" hervorgegangen. Immer Mr rechten Hand fortlaufend folgen sich in ununterbrochener Neihe die Grabbanten nnd Moscheen der ^hnlifen, die Pnmpwerke der Kairenser Wasser (Gesellschaft, die moderneu Grabstätten verstorbener Muslims, die Wüstenschlösser des vorletzten Khedive, das alte Schloß des Vicetönigs Abbas-Pascha, ww moderne Nuiue iin vollsten Sinne des Wortes, die Kaserueu für Cavallerie uud Iufautcric, südlich Briluueu ut,d kteiuere Anlageu ohne soustige Vedeutuug. Zur liukeu Haud zeigeu sich die baumreichen Anpflanzungen der SchnbraAllee, näher der Straße ,zn ein Palais der Mntter des Khedive Ismael Pascha nnd die Aulagen der meteorologische»! llnd astrouonüschen Observatorien. „Eine schattige, von Vlnmenduft erfüllte Straße, zu beiden Seiteu von Wein- nnd Frnchtbanm^ Gärteu eiugefaßt, führt demuächst zu dem Schlosse des gegenwärtigeu Khedive, iu der Nähe des Dorfes Kubbc. „Die blüheudeu Aupflauznugeu stehen auf deul Boden der Wüste nud scheilieu wie durch eiueu sauber iu's Leben gerufcu zu seiu. Aber sie bestätige» uur durch ihre Auweseuhcit, was eiust Napoleon Vonaparte loähreud seiues Aufeuthaltes ii' Egypteu so richtig beobachtete: „Kommt die Wüste zum Nil", sagte er, „so ist Maugel und Noth die Folge davon; kommt der Nil zur Wüste, so eutsteht Reichthum uud Wohlstand." „Iu der That hat die fortgesetzte Bewässerung des Bodens der Wüste an der soeben beschriebenen Stelle eine Ueppigkeit der Vegetation erzeugt, die kaum ihresgleichen anderwärts fiudeu dürfte. Nachdem derWeg linter Hand, angesichts des Schlosses Tewfik Pascha's, eingeschlagen worden ist, öffnet sich hinter "uer Oliveu Walduug eine weite, augebautc Ebeue, auf welcher am 20. März 1800 Geueral Kleber mit 10.000 Frauzoseu eiueu gläuzeudeu Sieg über 60.000 Manu egyptisch-türkischcr Truppeu erfocht. „Hinter dem Dorfe Matariye, liuker Haud von der Straße, zeigt sich der vielbesuchte nnd oft beschriebene Garten mit dem sogenannten Marieubaume — einer 200 Jahre alteu Sikomore, ihr Vorgänger war im Jahre 166') abgestorbeu — uuter desseu Schatten die Gottesmutter mit dein Kinde auf ihrer Flucht uach Egypteu geruht haben foll. Der Garteu iu der Umgebuug des Vaumes wird durch das Wasser eiuer Quelle geträutt, uach welcher die Araber Heliopolis: „Awscherus", d. h. Souuenquelle, bisweilen benannt haben. ?" 5)2 „In einiger Entfernung von dem Garten, doch linmittelbar auf dem Terrain der Wüste gelegen, befindet sich die in neuerer Zeit gegründete Stranßenzüchterei einer französischen Actiengefellschaft, unter der nnmittelbaren Leitnug eines Schweizers, Namens Wetter. Die Eier der Stranßc werden durch künstlich erzeugte Wärme ausgebrütet nnd die juugeu ausgekrochenen Thiere init großer Sorgfalt gepflegt. Bereits sind vier Jahrgänge junger Strauße erzeugt, deren Eltern theils sudanesischen, theils abessiuischen Ursprunges sind. Die Gesammtzahl der Thiere belief sich iiu März !8M ans l',l) Stück, ohne unterschied des Alters und des Geschlechtes. „Eine Viertelstunde von dieser Anlage ans entfernt liegen die oben beschriebenen Ruinen von Heliopolis. In stiller Einsamkeit winkt ans der Ferne der steinerne Zeuge einer laugst vergangenen Zeit dem moderueu Wanderer seinen Grnß zu, der Stunde gewärtig, wo auch er sinken und mit ihm der letzte Beweis für das Bestehen der glanzvollen Stadt Heliopolis von dem Boden der egyptischeu Erde vertilgt sein wird. Es steht sicher zu erwarten, daß auch er seinen alten Gefährten ans europäischen oder amerikanischen Boden folgen wird." Kehren wir nnn, nach den geistvollen Schilderungen Brugsch-Pascha's zu unseren eigeuen Erlebnissen znrück. Unweit des Obelisk erhebt sich ein Garten, der dem Khedive gehört. Es ist dies eiue Orangen-anpflanznng, gnt gepflegt, mit schönen Promenadewegen, geziert durch Blnmen nnd üppige Fülle afrikanischer Vegetation. Der Garten, nicht größer als manch anderer in der Nähe europäischer Landhäuser, ist mit einer niederen Lehmmaner nmgeben nnd befindet sich inmitten wohlbebanter Felder neben einem Dorfe. Baron Sanrma forderte nns nnn auf, denselben zu dnrchstöbern. Durch das Thor eintretend, drängte sich mir unwillkürlich der Gedanke ans, wir würden hier höchstens auf die schöue afrikanische Palmtanbe und anderes südländisches Kleiugeflügel jagen, bald wurden wir aber eines Besseren belehrt. An einem den Garten durchschneidenden Hanptwege stellten sich einige Herren, gedeckt hinter mit Früchten beladenen Orangenbäumen, auf; nur wnrde der letzte Stand neben der Mauer angewiesen. Acht vorzügliche Dachshnndc Sanrma's wurden gelöst und bald erinnerte fröhliches Gekläff an die Iagdgründe der Heimat. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte ich dem Gauge der Jagd; nach einigen Minuten fiel am Wege ein Schnß, ihm folgte knrze Nnhe, doch rasch darauf hob das Geläute der Dachseln in entgegengesetzter Nichtnng von Nencm an. Immer mehr nud mehr näherte sich die Jagd meinem Staude. Plötzlich hörte ich ein Stück in rascher Flucht durch das Gestrüpp auf mich znkommen nnd gleich daranf erfchieu auch längs der Maner ein Schakal in gestrecktem Galopp vor mir. Ein glücklicher Schnß streckte ihn Zn Boden. Nur mit Mühe entriß ich meine Bente den Angriffen der wüthenden Dachshunde, die gleich darauf der Fährte gefolgt waren. Ich hatte den echt afrikanischen Schakal, ein rothlichgelbes, mageres, hochbeiniges Thier mit spitzigen Lauschern erlegt. Nnn eilte ich zn den anderen Herreu, Hoyos war so glücklich geweseu, eine ziemlich starke Wölfin, der Species t.!am5 I^uM^toi', afrikanischer Wulf, anf die Strecke zn bringen. Als wir dann den Garten nochmals nnd mit Hilfe einiger Eingeborenen dnrchtreiben ließen, erschien abermals ein Wolf, den ich durch das Gebüsch rascheln hörte nnd mein Jäger sogar sah; leider entschlüpfte aber das schlaue Thier nnbeschossen über die Mauer. Zwei Waldschnepfen wnrden auch gesehen, jedoch nicht in schußmäßiger Nähe; hoch in den Lüften zogen Kraniche, und Geflügel verschiedener Art belebte die dichten Orangenbäume. Nach kurzer, aber sehr gelungener Jagd verließen loir den Garten und traten die Heimfahrt an. 53 Die Sonne war nntergegangen, die Schatten lolirden imnier läliger mid die Dämmernng stellte slch ein. Der bei Tag schl.ni so gefährliche Weg am Kamm der hohen, schmalen Dämme schien für die Nacht wahrlich nicht sehr angezeigt zn sein lind so beschlossen wir das canaldnrchschnittene Cultnrland M verlassen lind querfeldein dnrch die Wüste zn fahren. Anfänglich gieng es gnt, doch bald waren die Kräfte der Pferde erschöpft nnd nnr mehr im langsamen Schritt schleppten sich die schweren Fuhrwerke "n tiefen Sande vorwärts. Mehrere Stnnden hätten wir anf diese Weise bis Kairo znbringen müssen, lllich begann die Wüste sich nneben zli gestalten nnd so wanderten wir mit Hilfe einiger Fackelträger in das Cnltnrland zurück. Der Garten des Schlosses Knb wnrde passiert; Fledermänse llmschwirrten die rallschettden Palmen und dichten Sikumoren, ans den Gebüschen nnd früchtebeladenen Orangenhainen drängelt die üppigsten Wuhlgernche, die sinneberaltschenden Düfte der orientalischen Vegetation empor; nnzählige Sterne bedeckten den Himmel nnd eine lane, herrliche Lnft wirkte berückend anf den armen Europäer; es war eine echte afrikanische Nacht in ihrer vollen Pracht. Man muß den wonnigen Zanbcr jener gesegneten Länder kennen, nm ihre nnbeschreiblichen Neize, die endlose Anziehungskraft, die Sehnsncht nach denselben M verstehen, die Jeden erfaßt, der in diesen ^onen gelebt hat. Nnr da, im lachenden, ewig blühenden Orient, im unsterblichen Sommer, konnte die Wiege des Menschengeschlechtes gestanden haben nnd nicht wi rauhen, düsteren, dnrchfröstelten Norden. Von Knb ans führt eine recht gnte Straße nach Kairo nnd bald hatten wir Kasr-eu-Nnsha erreicht, wo ein Diner, gefolgt von wohlthätiger Nachtrnhe, nns für den nächsten Tag stärkte. Am 22. brachen wir des Morgens anf nnd fnhren mit Baron Sanrma dnrch einen Theil der europäischen Stadt, dann die lange Mnski-Straße hinanf, bis wo der fahrbare Weg bei den letzten Hänsern endet nnd das ode, wüste Gebiet der alteil Gräber beginnt. Der weite, mit Wüstellsand nnd Steinen bedeckte Ranm zwischen Kairo nnd den jäh abfallenden Wänden des Mokattam-Gebirges ist ausgefüllt durch eine wahre Stadt voll alten, theils sehr schönen Grab-Moscheen nnd mnselmännischen Gräbern aller Art. Eine ähnliche Todtenansiedlnng befindet sich anch jenseits der Citadelle, es sind dies die viel weniger sehenswerthen Mameluken-Gräber. Unter den vielen größeren und kleineren Moscheen der Chalifen-Gräber ist an: bemerkenswerthesten die Gama-Kait-Bey, ein ziemlich gnt erhaltener Van, mit reich verzierter Knppcl; im Sanctnarinm befinden sich zwei Steinwürfel mit den Abdrücken der Füße des Propheten, welche der Erballer Kait-Bey selbst von Mekka mitgebracht haben soll. Im Ganzen bietet ein Ritt dnrch die Gräberstadt viele hochinteressante Momente. Vor nns die ernsten Wände des Gebirges, zur rechten die Citadelle auf Felsen erballt, dnrch schlanke, hochragende Minarets geschmückt; nm lins ein Gewirr von Gräbern, Leichensteinen, Moscheen, alles im Verfall begriffen, vom Wüstensand nmspült; dazwischen erheben sich kahle Hügel, dnrch arabische, ans Stein thnrmartig gebante Windmühlen gekrönt; ein düsterer Charakter ist dem Gilde anfgeprägt nnd die dielen Hyänen-, Schakal-, Wolfs- nnd Hnnde-Spnren beweisen, welch' unheimliche Gäste hier des Nachts den todten Mnslimcn Grabgesänge hellten. Bald hatten wir die großen Steinbrüche erreicht; mächtige Wände fallen da ab und große Felsblöcke liegen in wilder Nnordnnng herum; die Esel werden znrückgelassen nud auf einem eugen Rade, zwischen Steinen nnd jähen Abstürzen klettern wir in halber Berghohe allmälig empor. An einigen Stellen darf der Jäger dem Schwindel nicht unterworfen sein und glatte, grangelbe nnd dunkelbranne Platten dieses echteil Wüstengebirges erfordern eine gewisse Geschicklichkeit. In einer engen, 54 liun Wänden eingeschlossenen Schlucht, schon nahe voili obersten, festlingsartig gezeichneten Bergkaluine finden wir einen Araber bei einem todten Esel. Baron Saurma hatte hier an der eiuen Felswand eine Höhle mit Steinen verkleiden lassen und so entstand eine durch Echnßscharten geschmückte, ganz versteckte Felsenbatterie. Mein Onkel, Sanrma's Diener, der geschickte Nnbier Osmau, nieiu Dinier und ich kletterten mit Händen nnd Füßen über eine schmale klaute in das enge, lingemein unbequeme Versteck. Der Baron und der Araber giengeu alsbald wiederzn deu Steinbrüchen hinab, ulu von da den Verlauf der Jagd zn beobachten. Von unserer hohen Warte aus war eben die beste Schruttschnßdistanz bis zn dem in der Sohle der Schlucht liegenden >töder geboten. Das Wetter hatte sich leider gelrübt und feiner Regen fiel znr Erde herab; in Kairo ist dies eiue große Seltenheit und man sagt, daß es nur siebenmal im Jahre regue uud eben eiuer dieser sieben Tage N'ar uus zn eiuer Jagd beschieden, für die wir volltommeu reiues Firmament gebraucht hätten. Lauge Zeit hindurch erschien nichts. Endlose Uebungen der Hornisten nnd Trompeter anf der Citadelle schallten herüber nnd einschläfernd wirkte die dumpfe Luft in dein eugen Raume, der jede freie Bewegung hemmte. Das einzige Interesse boten die unzähligen Versteinerungen im Kalksteine. Endlich flatterten ein Kolkraben-Pärchen nnd bald darauf einige Milane herbei, um augenblicklich ihr Frühstück zn beginnen; später folgten die ekelhaften Aasgeier mit ihren nackten Köpfen. Mehrstündiges Warten bewog mich, dem drosch erzog, der noch niemals einen Schmntzgeier erlegt halte, den Rath zn geben, einen derselben niederzuschießen. Gesagt, gethan: tanm daß sich der Ranch im Thäte hinabzog, eilte ich zur Stelle, bat meinen Oheim noch einige Ttnnden hindnrch zn warten, da die Sonne indessen die Regenwolken zerrissen hatte, und stieg mit der höchst übelriechenden Beute zn den Steinbrüchen hinunter. Dort angelangt, suchteu Baron Sanrma nnd ich einen günstigen Beobachtnugsposten uud erwarteten mit dem Fernglas in der Hand die kommenden Ereignisse. Nach einer Viertelstunde schon erschienen die ersten großen Geier, der mächtige Vulwr 1''u1vu,-;; mit rnhigen Flügelschlägen umkreisten sie die Kuppen des Gebirges; eiuer folgte dem anderen, bald waren deren wohl über sechzig in del» Lüften versammelt. Nun kam der anfregende Moment, als der erste seine Schwingen einzog nnd in die enge Schlucht herabsanste; anf dieses Signal thaten alle anderen dasselbe; lind wie eine große Steinlawine stürzte Geier anf Geier alls schwindelnder Höhe hernnter; die letzten waren noch nicht bei ihrem Ziele angelangt, als wir den Rauch aus der Felseubatterie anfsteigeu sahen; rasches Anseinanderstieben, wilde Unordnung in den Reihen der großen Vögel waren die nächsten Folgen des Schnsses. Mit Hilfe des Fernglases entdeckte ich einen schwer geschossenen Geier über die Steine kollern nnd gleich daranf erschien Osman, der Bente nacheilend. Da die anderen hnngerigen Gesellen den Platz nicht verlassen wollten lind noch immer umherkreisten, lief ich, so rasch es nnr eben gieng, den schmalen Felsenpfad empor znm Versteck. Der Großherzog hatte fünf enorme Geier anf einen Schnß, im Momeute als sie beim Aase die Köpfe znsammensteckten, erlegt. Diese zahlreiche Bentc lag mm in der schmalen Felsenbatterie; man kaun sich die ül'le Ausdünstung vorstellen, die in dem engen Raume herrschte. Die gierigen Raubvögel umflogen wohl noch dnrch eine halbe Stunde die Ränder der Schlncht, doch herabsteigen wollten sie nimmer; dann verließen sie einer nach dem anderen den Platz, in die Gebirge znrückstreichend. Anch wir traten anf das hin den Rückzug an. Osman war einstweilen weggeschickt worden, mein Jäger wartete im Thale, uud so erblühte dem Großherzog uud mir die mühsame nnd übelriechende Aufgabe, die schwere Bente anf dem schlechten Pfade am Rücken hinabzutragen. 55 Als wir bei dm Steinbrüchen anlangten, war es Nachmittag geworden; anch die anderen Herren, die bei einer am Platean des Mokattam^Gebirges gelegenen halb verfalleilen Grab Moschee Ml Aas ansgelegt hatten, waren schon lange znrückgekehrt; ihre Äente bestand ans einem Aasgeier und einigen Milanen, proste Fleier erschienen daselbst nicht. Nnn ritten wir zwischen den Chalifen^Gräbern hindnrch bis zn den ersten Hänscrn der Stadt, nw nnsere Wäqen ivarteten. Die Fahrt, die weite Zeile der Mnski entlanli, nahin viel Zeit in Ansprnch, b" in den ersten Abendstnnden dichtes Menschmciewnhl in den echt arabischen Straßen ans nnd niederwogte. Am änßersten Ende der orientalischen Viertel, beim Neqnm der Mnski, ain Nande der europäischen Stadttheile, befindet sich die Werkstatt des berichmten Herrn Parois, eines gebornen Triestiners. Dieser außerordentlich geschickte Industrielle erzengt orientalische Gegenstände aller Art, besonders Zimmcreinrichtilngen. Die österreichisch-nngarischc Colonie machte nur ein vollkommen stylgerechtes, morgenländisches Nanchzimmer Mn Geschenke; nnd so hielten nur anf nnsercr Rückfahrt bei Parvis an, um das eben vollendete reibende l^emach zn betrachten. Nach knrzem Aufenthalt kehrten wir nach Kassen Nusha.znrück, wo gespeist nnd bald znr Nnhe gegangen wnrde. Des anderen Morgens sollte Kairo verlassen nnd der Iagdansflng nach der Provinz ^ajnnt angetreten werden, dem dann die Nilreise folgte. III. Capitrl. Neisc nnch At!lll!sar. 'Hnydcn in dcr ftrouinj Unjlüü. Riickkchr nach Muksnr. Ncise nnch ?iu!, ^M-M 28. Februar fri'lh Morgens versammelte sich die ganze Reisegesellschaft am Bahnhöfe jenes it laugen Gewehren nnd krnmmen Messern, den primitiven Tabakbeutel neben einem Sack voll Pnlver nnd gehackten: Blei umgehäugt; die mageren langen Beine entblößt, die Füße in rothen Pantoffeln. Es waren hier in dieser Gegend, wie eigentlich allenthalben in Nordafrita, arme Teufel; nichts Färbiges, keine schönen Stoffe, nicht einmal Tnrbanc am Kopfe; stets nnr die braune, eng anliegende Fellachen-Mütze, die jüngeren sogar ganz entblößten Hauptes. Interessant war der Typus dieser Leute; echte Berber aus der libyschen Wüste, dunkelbraun, viel intensiver gefärbt als jene Unter Egyptens, meistens hohe, schlanke Gestalten, die Gesichtszüge uicht so edel und schöu als die uördlicheren Bedninen-Stämme; südliches, selbst viel Neger Blnt macht sich fühlbar; einzelne ganz schwarze Gesellen mit gekraustem Haar, echte Mohreu wareu auch anweseud; es sind dies aus dem Inneren Afrika's als Kinder geraubte Selaven, die dann bei den Stämmen frei werden, Sprache, Kleidung, Lebensweise der Beduiueu annehmen und ihre ganze frühere Abkunft, selbst das Land, aus dem sie stammen, vergessen; ich fand deren solche bei allen Tribns, die ich Gelegenheit hatte kennen zn lernen, sogar regelmäßig in Asien, Selbst das arbeitende Landvolk bei Abuksar fiel mir dnrch den von jenem der im nnteren Nilthal lebenden Fellacheu abweicheudeu Typus auf. Es waren größere und durchwegs dnuklere Leute, den Beduineu Stämmen, die hier in der von Wüsten eingeschlossenen Oase unbehindert ihr Unwesen treiben können, ähnlicher, mehr Mischrace, auch bemerkenswerth viele Mohren nnter ihnen. Kanm war nnsere Caravaue zusammengestellt, als auch das Jagen schon begann. Im Garten neben der Fabrik fanden wir die anffallenden, echt afrikanischen Blanwangenspinte, ein reizender grüner Vogel mit langem Stoß nnd blanem Waugenstreif; ein ganzer Zng derselben wurde mit Erfolg beschossen. Diese Thiere gehören dem Inneren Afrika's an, in Ober Egypten sind sie sehr häufig, bis Kairo gelangen sie niemals, das erscheint ihnen schon zn nördlich. Auf den Feldern liefen Sporutiebilx, jene reizenden, echt egyptischen Vögel nmher, daun Schaaren vvu äluhreihern; wie überall in Afrika ist auch hier reiches Thierleben in erstaunlicher Menge in den vegetations nnd wasserreichen Strecken zusammengedrängt. Der erste Blick konnte uu5 gute Iagdtage versprechen. Bald krachten die Schüsse nnd manchem befiederte Wild wurde von unseren Arabern mit großer Püuttlichkeit aus den nassen Maisch durch die Wüste in Fajum. 61 Feldern apvortirt. Nur selten gelangen Jäger in diese Gegend nnd so genossen wir das Vergnügen, ein noch nicht im mindesten vorsichtig gewordenes Wild über die Tücke der Enropäer zn belehren. Die Earavane schritt mit Pferden, Dienern nnd Bagage ans ihrem Wege, doch die Herren waren !chon alle jagend vertheilt; da rief uns Baron Sanrma zu sich. Er hatte ein großes Znckerrohrfeld entdeckt nnd beschloß, dasselbe mit den Hnnden dnrchznjagen; nur mit Mühe konnten die vielen arbeitenden Landlente hinweggeschickt werden, nm einen freien AnZschnß zn erlangen. Die Herren sollten sich um das Feld postiren nnd Sanrma beabsichtigte, mit meinem Jäger und der Mente von 14 Dachseln m den mannshohen Rohrwald einzndringen. Wir waren noch nicht alle ans unseren Plätzen, als anch schon das fröhliche Gelänte der Hnnde nnd gleich daranf zwei Schlisse erschollen. Einer der Herren hatte sich nämlich, die Situation richtig erkennend, nngemein beeilt nnd hoffte der Erste die entgegen-flcsehte Ecke des Feldes zn erreichen. Als er noch am Wege war, brachten die Hnnde anf wenige Schritte vor ihm einen starken Wolf anf das freie Feld; leider waren dnrch großes Mißgeschick die schwachen, für Kiebitze nnd Knhreiher bestimmten Schrotte in den Länfen geblieben nnd zweimal vergeblich angeblasen, eilte Meister Isegrim über ganz offene Strecken den nächsten Fnlfeldern zn. Nach knrzer Zeit jagten mit lantem Gekläff die Hnnde in allen Theilen des Znckerrohrfeldes, viele Schliffe sielen; zwei der Herren hatten sogar zweimal anf Wölfe gefenert, doch alles ohne Erfolg, da die schlanen Thiere nnr anf wenige Sprünge das Nohr verließen, nm gleich wieder in demselben ,>n verschwinden; anch wnrde manchmal anf die im dichten Pflanzenwnchse dahineilende)! Wölfe anfs Gerathewohl hineingeschossen. Oefterer Standlant der Hnnde nnd einige Rothfährten bewiesen, daß Mehrere Schüsse getroffen hatten. Einige der Herren, vom Iagdeifer übermannt, verließen ihre Stände nnd eilten dem Standlallte zn; doch im Rohre, das kaum auf zwei Schritte einen Einblick gestattet, blieben alle diefe Versnche vergeblich. Ich war während dieser ganzen, etwas wilden nnd nnregelmäßigen Jagd nicht znm Schnsse gekommen nnd erst nach einer halben Stnnde, als schon die meisten Herren ihre Stände verlassen hatten, nm sich dnrch Vorlaufen den Laut gebenden Hunden zn nähern, entdeckte ich einen Qnerweg, der dnrch das ganze Feld führte. Auf demselben eilte ich bis zn einen, Pnukte, wo ein Bewässernngseaual, der in das Innere des Rohrbcstandes lief, eine schmale, nnr einen Schritt breite Gasse als Ausschuß bot. Dort postirte ich mich nnu, nm die l>va »rückende Jagd zu erwarten. Nnr langsam näherte sich dieselbe, denn der schwerkranke Wolf ließ sich öfters dnrch die Hnnde halten. Als endlich der starte Wolf über meine Echnßlinie Passirte, tonnte ich der Hnnde wegen, die ihn nmgaben, nicht schießen. Auf der anderen Seite begann abermals ein .^mnpf. Ich hörte das ztnnrren des Wolfes, vermifcht mit dem hellen Gelänte der Dachseln. Nach weuigeu Minuten endete die Jagd nnd vollkommene Stille herrschte wieder. Nnr nngern jagt der Dachshund den Wolf nnd man kann daher nie anf eine lange Verfolgnng eines angeschossenen oder gar das Verbellen eines verendeten rechnen. Der Wolf, der nicht am Flecke liegt, ist meistens verloren. Einige Minnten später verkündeten nns die Stimmen anderer Dachseln an der entgegengesetzten Ecke des Feldes den Beginn einer nenen Jagd. Wieder nahm die Hetze a.uer dnrch das Zuckerrohr die Richtung anf mich zn, abermals gieng es nnr sehr langsam nnd dentlich konnte »nan erkennen, daß die Hunde es mir einem kranken Wolf zn thnn hatten. Anf höchstens hnndert Schritte von nur vernahm ich eiu eifriges Standlant. Während ich anfmerksam diesem Kampfe lauschte, höre ich plöhlich dicht nebcn mir eiu leises Brechen und gleich daranf sehe ich einen noch ganz gesnnden Wolf über die enge 62 Schneuße schleichen. Rasch iverfe ich meinen Schuß ihm nach, dem der erfreuliche Ton des Zusammen^ brechelis folgte; ich eilte zur Stelle; der Wolf hatte das Krenz gebrochen und rlltschte hall, sitzend, halb liegend, die Zähne fletschend, weiter. Durch den Schnß alifnlerksam geillacht, taulen einige Hunde herbeigeeilt und nnn entspann sich ein wüthender Kalnpf, den, ich in einein günstigen Äcomente dnvch einen Fangschnß eiu Ende machte. Eiu Wolf U'ar die MM Beute einer Jagd, die leicht hätte glänzend auffallen tonnen, denn anf loenigstens vier verschiedene Wölfe war geschossen n>ordeu. An eine Fortsetzling war nicht zli denken, denn die Hunde erschienen einer nach dem anderen todtmüde am Rande des Feldes; die braven Thiere hatteu bei der sengenden Hitze tüchtig gearbeitet. Wir giengen nun alle, in mehr oder weniger gehobener Stimmung, zn unseren Pferden zurück; erstaunt besprachen wir den Reichthum dieses Landes an wilden Thieren nud die komische Art, dieselben ebenso wie bei uus die Repphühner, in gnt eultivirten Feldern zu jagen. (^ar bald war die paravane wieder in Bewegung llnd schlangelte sich anf einem schlechten, an manchen Stellen sogar snmpfigen Wege dnrch die üppig grünen Felder, Die Sonne meinte es redlich nnd brannte in wahrhaft afrikanischer Weise anf lins herab- eine hübsche Fata-Morgana ben>ies die Hitze der Atmosphäre; sogar ein Verber, der neben meinem Pferde schritt, fluchte über die Wärme nnd transpirirte in auffallender Weise. Es war ein eigenthümlicher (Geselle: Neger Vlut rollte in seinen Adern, denn sein schwarzes, mit Narben bedecktes (Besicht lind eiu spitzer, geringelter Äart sprachen dafür, doch die feinen Znge ließen den arabischen Einflnß erkennen. Ich hatte ihn mein Gewehr tragen lassen nnd vergnügt die weißen Saline fletschend, betrachtete er die abendländische Waffe mit Kennerblick. Eine hübsche Fernsicht genossen wir von nuserem Wege aus, über lachende Cnltnrlandschaft, grangrnne Ufergebnsche hinweg, nach dein weiteu Wasserspiegel des See's Virtet-el-Kanm; hinter demselben die langen gelben Eontoureu der Wüste Sahara. Ein Adlerbnssard, ein echt afrikanischer Vogel, stand unweit nnserer Marschronte anf einem niedrigen Erdhaufen; ich sprang vom Pferde nnd schlich mich au das Thier heran; mit zn schwachen Schrotteu fehlte ich; darauf kam der vertraueusselige Nanlwogel näher, ich schoß abermals erfolglos, was ihn bewog, noch dichter herbei zu flattern; so gieug es weiter, bl> ihn der vierte Schuß trotz ungenügender Mnuition zn Boden streckle. Nach diesem turnen Intermezzo erreichten wir bald eiu elendes, sehr kümmerlich aussehendes Dorf; niedere, größtentheils verfallene Lehmhütten verdienten nicht die herrliche Staffage einiger hochragender Palmen uud breitästiger Sikumoreu, Die Bewohner tameu in luftigeu Eostümen, die Kinder in vollkommenem Maugel jeder Kleidung heransgeeilt, nm nns zu betrachten. Neben dem Orte bog der Weg nnd führte nns in knrzer Zeit an das Ufer des See's. Nachdem alles von deu Pferden uud Tragthieren abgeladen war, stiegen wir in die Boote. Es waren dies in der That elende Fahrzeuge, wie man sich dieselbe» in den Zeiten der Pfahlban Urahnen nicht schlechter denken kann; mit den primitivsten Rudern wnrden die viereckigen flachen Kästen von fünf bis sechs robusteil Geselleu langsam weitcrbefördert. Im Innern lag alles voll alter Fischgräten und eine Atmosphäre uach Schmutz verschiedener Art nnd besonders fanlenden Fischen drang empor, gegen die man sich nur dnrch beständiges Eigarrettenranchen theilweise schützen konnte. Die Fischer ill den Tagen der ältesten egyptifchen Zeit benutzten ganz gewiß keine anderen, sicherlich keine schlechteren Boote, aw ihre jetzigen Eollegen am Birket-el-Karun. Unter schwermüthigem Gesang nud plätscherndem Rnderschlag glitten wir über deu blauen Wasserspiegel. Fiühslült in der Wüste. 65 Dieser interessante große See ist auf einer Seite von: Culturland, auf der anderen von der echten Wüste umgeben; längs der Gestade zieht sich allenthalben ein bald schmäleres, bald breiteres Band dichter üppiger Gebüsche, was dem See einen eigenthümlichen Charakter verleiht. Nirgends erblickt man 'neuschliche Ansiedelungen; es ist ein großartiges, aber unleugbar schwermüthiges Bild, noch erhöht dnrch das bleierne, tiefblaue Salzwasser. Auffallend erscheint es dem Wanderer, einen Binnensee, so weit vom Meere entfernt (der Leser betrachte nur freuudlichst eine Karte) zu finden, in dessen Tiefe echte Seefische und Thiere aller Art Hansen. Die ganze Wüste ist falzig, die Seen an ihrem Rande demzufolge anch, Nach einer halben Stnnde Fahrt entdeckten wir einige Pelekane, die stolz umherschwammen; wir nahmen den Enrs ihnen nach, kaum konnte man den schnell rudernden Vögeln folgeil. Endlich auf weite Distanz wnrdeu einige vergebliche Kngelschüsse ans dem schwankenden Boot versucht. Schweren Flnges erhoben sich nach laugell Anstrengnngen die großen plumpen Thiere, nm anf einem anderen Theile der Wasserfläche Ruhe zu sucheu. Sonst wnrden nur noch einige Wildenten, Taucher, Möven nnd anffatlend viele Flußadler beobachtet. Der Abend kam, die Sonne neigte sich, nm unter den herrlichsten Lichteffeeten ill der Wüste zu verschwinden; großartige Rnhe herrschte in der weiten Landschaft. Wir näherten nns der Insel Bezire-Kärnn, deren Felsenkegel sich malerisch vom tiefblauen Himmel abhob. An der flachen Ostküste des Eilandes legten wir an; höchstens hundert Schritte vom Ufer stand das ansehnliche Zeltlager; offene Feller brannten nnd Araber kauerten zwischen den Strandgebüschen nmher. Fürst Taxis begrüßte nns, er war des Morgens mit der großen Earavane eingetroffen. Im eigens dazu eingerichteten Speisezimmcrzelt wnrde gleich nach nnserer Anknnft das vom arabischen Koch vortrefflich zubereitete Diner eingenommeu. Alls hübscheu Stoffeil nud äußerst wohnlich waren die Zelte arrangirt; je zwei Herren wohnten immer znsammcn nnd fanden Vetten, sogar Tische in den lnftigen Behausungen. Am offenen Fener gute Speisen kochen und ein Zeltlager rasch nnd beqnem aufschlagen, das versteheil einzig nnd allein die Orientalen, darnm reise, wer'kann, zn jenen herrlichen Renten. Nach den: Diner wnrde noch gerancht nnd geplaudert nnd Pläne für die nächsten Tage entworfen; gegen 10 Uhr herrschte Ruhe im Lager, auch die Araber in ihreu geisterhaften weißeu Burnussen lagen unter freien: Himmel im Sande. Die Nacht verlief nicht so glatt, als wir nach dem herrlichen Abend erwartet hatte». Ein heftiger Stnrm erhob sich und fegte nusauft über die Zelte hinweg, Hassall, der Dragoman, schlich von Zelt zu Zelt und klopfte die Pfosten fester iu die Erde. Bei meinem Onkel und mir, nur schliefen zusammen, riß die Windsbraut eine Seitenwand weg nnd durch kühlen Luftzug alls dem Schlaf erweckt, konnten wir den Sternhimmel bewundern, der in unsere Behausung In'ncinlächelte. Zum Muck waren alle Havarien bald wieder hergestellt und gegen Morgen verlor der Sturm an Kraft. In sehr früher Stnnde, noch vor Sonnenaufgang, wurde das Frühstück eingenommen; wir wollteil nns an den Ufer» der Insel vertheilen, um de» Zug der Wasservögel zn beobachte» »ud nach günstigen Plätzen für den Anstand suchen. Kanm hatten wir die ^elte verlassen, al5 wir auch schou viel ziehendes Oethier sahen, Cormorane, Verschiedelle Enten, Neiher »nd Pelekane. Letztere sind äußerst komische Erscheinnngen; der lange Schnabel häugt so drollig herab uud der plnmpe kolossale Leib wird selbst von diesen immensen Schwingen scheinbar schwer in den Lüfteil erhalten, doch trotzdem gehören sie zn den gnten nnd ausdauernden Fliegern. Der (^roßherzog nnd ich giengeu nahe vom Lager au der flachen Küste und versteckten nns, so gnt es gieug, iu Weideugesträuchen. Alles mögliche Wild kam vorbei, 66 einiges wurde erlegt' der Zug war lohnend nud inau brauchte mm einein Schuß zuiu audereu nur sehr kurze Zeit zil warten; auch Graufischer, jene vergrößerte, aber verschlechterte Auflage unseres Eisvogels, lourdeu erbeutet, leider kein Pelekan; wo wir saßen, kamen sie außer Schußdistanz. Von allen Seiten ertönten die Schüsse und Hoffnung war auf gute Beute. Den erstcn Tag siud die Thiere dein Freniden gegenüber noch sehr vertrauensvoll; nach zwei Tagcti hatten wir das Standwild der Insel ausgerottet und die Zugvögel wichen in großen: Bogen dem gefährlichen Felsen ans. Nach einer Stnnde war der Morgenzng zu Ende und wir giengen znm Zeltlager zurück; dicht daneben schoß ich noch innerhalb weniger Minnten zwei Fischadler herab, die mir über den Kopf strichen. Die Herren kamen einer nach dem anderen nach Hanse, jeder mit Beute; am besten war es Pansinger ergangen. Er hatte sich nahe vom Lager hinter einem unbedeutenden Gebüsch versteckt; schon nach kurzem Warten kam ein Pelekan niedrig herbeigestrichen, ein glücklicher Schuß unseres wehrhaften Künstlers brachte ihn auf die Strecke. Bevor ich die nächsten Iagderlebuisse des Tages schildere, mnß eine Beschreibnng der Insel vorausgeschickt werden. Ein Theil der östlichen, sowie der südöstlichen Küste ist flach, mit Gebüschen bedeckt, alle anderen Theile des Gestades fallen in Form bröckeliger Felswände steil ab, ,mv am nördlichsten Pnnkt des Eilandes befindet sich eine kleine Stelle mit flachen Ufern und einem miniatur-laguuenartigen Sumpfe. Zwischen der Küste und dem Felsenkegel breitet sich ein ganz flacher Nanm ans, der fast an allen Pnntten die Distanz von 300 Schritten nicht überschreitet nnd mit feinem Sand bedeckt ist. An der nördlichen Seite der Insel ist diese kleine Ebene an manchen Stellen voll großer Steine nnd Blöcke, die vom eigentlichen Felsentegel losgelöst herabgekollert sind. Die wenigen Ufergebüsche ausgenommen, ist alles ganz kahl, selbst das dünnste Gras gedeiht nicht. Der See nnterwäscht unablässig die brüchigen Ufer nnd es dürfte nicht gar lange danern, so wird das ganze Eiland ans den unerschütterlichen Felsenkegel beschränkt sein. Nach knrzem Aufenthalt verließen der Großherzog nnd Prinz Taxis, gleich darauf Baron Eanrma nnd ich das Lager. Unsere Absicht war, von einem Punkte ansgehend, in zwei Partien, jede mit einigen Dachshunden, den Gebirgstegel zu dnrchstöberu nnd gegen einander jagend an der Nordseite wieder znsammenzutreffen. Zwischen den ersten Felsblöcken flogen zwei Triel anf, wovon ich einen hernnterschoß. Der treffliche Osman führte die Hunde, die er zwischen den Steinen losließ. Nun begann eine interessante, aber etwas beschwerliche Jagd; über all' die Felsplattcn nnd das Gewirr von Eteinklötzen mnßte man hinwegspringen, nm den Hnnden zu folgen. Die Gebirgsformation ist sehr merkwürdig: man findet Steine in den nnglanblichsten Formen, viele großen Ehampignons ähnlich; darunter ist alles hohl und voll Gallerien durchzogen; dnrch Ritzen und oft weite Spalten, die übersprnngen werden mußten, erlangte man Einblick in die dnnllen Gänge, in denen die Dachseln jagten, von Zeit zn Zeit wieder hervorkriechend. Vor einer dieser nnzähligen Felsritzen gaben die Hunde Laut und verschwanden suchend im Gestein. Wenige Seennden darauf erschien ein Luchs, sein Versteck in großen Vogensvrüngen verlassend. Ich stand alls einem Felsvorsprunge, unter welchem er hindurch wechseln mnßte. Anf meinen ersten Schuß brach er im Fencr zusammen, erholte sich aber wieder nnd blieb erst auf die zweite Ladnng Nnll Schrott vollends liegen. Es war ein ganz besonders mächtiges Thier vou grauer Farbe mit Haarbüscheln an deu Lauschern, der echte afrikanische Wüstenluchs, größer nnd stärker als sein enropäischer Verwandter. N7 Dor Großherzog hatte indessen die entgegengesetzte Lehne des Verges mit Hunden abgesncht. Zweiinal waren Luchse vor ihm erschienen, doch nur auf so kurze Augenblick', daß vom Schießen keine Rode war. An dem schon früher besprochenen Pnnkte trafen wir zusammen und nun wurde gemeinschaftlich mit allen Dachshunden gesucht. Gar bald erscholl das fröhliche Geläute der Dachsein; wir eilten znr Stelle, doch leider war mir mein Onkel, an dem mm die Reihe war zn schießen, nicht genng rasch über die Felsen gefolgt und so verließ der Luchs nnbelästigt sein Versteck, mn gleich wieder zwischen Steinen zu verschwinden. Die Hnnde snchten, so rasch es ihnen ihre knrzen Beine aus den abschüssigen Felsen erlaubten, der Fährte zn folgen. Nach einigen Minnten gaben sie vor der Röhre eines Baues, die nnter einen großen Felsblock führte, Standlant;anfdcr anderen Seite des Felsens eröffnete sich der weite Aus-gaug des Banes. Anf kurze Aufforderung draugeu mehrere der Dach-sel in das dunkle Gewölbe. Der Luchs schieu iu eiue Sackgasse eingeklemmt gewesen zn sein, da ein heißer Kampfbegann. Die klagenden Töne geschlagener Hunde nnd die frischen Stimmen der um thig kümpfenden vermischten sich mit ^»chsjngd. dem wilden Murren des Lnchses. Eine Stuude fast standen wir neben dem Bau und nichts änderte sich in der Situation; es galt nun dieHuudeher-ansznlocken, nm dem Lnchse Platz zum Entwischen zu lassen. Endlich erscheinen auch die Dachsel, einer nach dem anderen, mil Staub bedeckt, müde von den An-strengnngen des Kampfes, nnrzwei besonders eifrige wollten den Ban nicht verlassen, Da entdeckten wir plötz- lich eine Felsrihe, nnter welcher man am dentlichsten die Lante der Huude hörte; nun vergrößerten wir diese Spalte so gnt es gieng nud ich sondirte mit einer Stange das Innere des Banes, stieß anch gleich anf einen weichen Gegen stand. Als ich das Holz hervorholte, hingen daran graue Luchshaare. Vorsichtig hineinblickend, sahen wir die grünlich stückelnden Lichter des Lnchses. Auf dies hiu stieß ich, so viel ich konute, gegeu da^ Thier herab nnd schon nach wenigen Minnten fühlte ich, wie der weiche Körper entschwand. Die Jagd nnter der Erde wurde vernehmbar nnd das Gepolter des flüchtigen Luchses und der Hnnde. Wenige Secunden daranf erschien anch schon der graue Geselle iu langen Sprüngen vor der Nöhre, bei welcher der Großherzog stand. Ein wohlgezielter Schnß empfieng ihn da: halb kollernd, halb sich schleppend, erreichte das schwer geschossene Thier ein Bersteck nnter einem großen Steinblocke. Znm Glück hielten 9* 68 die braven Dachsel den Luchs an den Hinterprauten und so gelang es Prinz Taxis, unter den Felseu kriecheud, ihm den Fang mit dem Waidblatte zn geben. Ein schönes, aber nin vielem schwächerem Exemplar, eine Fee, lange nicht so groß nnd mächtig als der von mir erlegte Ried, lag vor uns da. Nach diesem Erfolge gabeu wir die weitere Snche ans und gieugen mit den müdeu und mehr oder weniger verletzten Dachseln zinn Zeltlager zurück. l '^,Das Wetter hatte sich in den Vormittagsstunden verschlimmert. Eine lichtgraue Wolkendecke umhüllte das ganze Firmament nud einige Mal fiel feiner Regen, was in diesen Gegenden zu den größten Seltenheiten gehört. Der Nordstnrm imhm abermals zu und au die Stelle der sengenden Hitze des verflossenen Tages trat eine eben durch den raschen Contrast noch fühlbarere Kühle. Der See schlng hohe Wogen und die Fischer erklärten, es sei unter diesen Umständen ganz unmöglich, die Insel zn verlassen. Robinsonartig waren wir hiemit, von aller Welt abgeschnitten, auf diesem kleinen Eiland festgehalten. Im ^ager richteten uusere Jäger eiue recht hübsche uud eigenthümliche Strecke her. An den Zeltstricken hängten sie nämlich das erbeutete Wild anf. Zwei Luchse, die Tecke des gestrigen Wolfes, Pansinger's Pelekau, verschiedenes Wassergeflügel uud zwei Adler uahmeu sich recht gnt aus Uuser Präparator hatte vollauf zu thun nnd arbeitete schnell und ausuebmeud gut. Nach einem recht großartigen Gabelfrühstück, das nus der brave Hassan eredenzte, ranchten wir gemüthlich vor den Zelten, das herrliche orientalische Lagerlebeu genießend; plötzlich entdeckte ich, daß die nördliche Spitze der Insel, die Fläche zwischen dem Gestade uud dem Felsenkegel ganz bedeckt sei von Geflügel aller Art. Mit dem Fernglas erkannte ich Schaareu von Reihern, Pelekanen, Möveu uud darunter einige Fischadler. So gut es gieug, kroch ich längs des Ufers, vollkommeu gedeckt gcgeu die halb schlafend verdauende Gesellschaft. Ich war schon nicht mehr allzuweit, als ich zn meiuem nicht geringen Schreck zwei Pelekane als Vorposten am Wasserspiegel umherschwimmeu sah; nach zwei Seiten hin konnte ich mich nicht decken; alles war vorbei, denn schon hatten mich die schlauen Thiere erspäht uud erhobeu sich; das war das Signal für die Tchaaren am Lande uud uuter rauscheuden Flügelschlägen zerstob die Gesellschaft iu wilder Unordnung nach den verschiedensten Richtungen. Bloß die neugierigen Möven mußten sich die Ursache näher betrachten und nmtreisten mich kreischend; zu meiner Frende entdeckte ich nuter vielen lleineu eine der großen brauntöpfigen Fischermöven, ein stattliches, mir ueues Wild. Eiu glücklicher Schuß brachte sie in meinen Besitz. Die Stelle, an welcher die Vogelgesellschaft ausgeruht hatte, muß eiu täglich besuchter Verdauungsplatz sein, dem, der gauze Bodeu war mit dickem weißen Guano bedeckt; anch lagen Federn n»d übelriechende Ileberresle von Fischen in Hülle und Fülle da. Iu das Lager zurückgekehrt, beschlosseil wir uns abermals für deu Nachmittag uud Abeudzug au der Küste zu vertheilen. Ich wählte mir deu Platz, wo des Morgens Freuud Pausinger seinen Pelekan erlegt hatte. So gut es gieng, kauerte ich mich iu ein Gebüsch und versteckte neben mir meinen Apportir Araber. Jeder vou uus hatte eiueu solcheu braunen Gesellen bei sich: sie holeu jedes Stück aus deu Wogeu heraus, uur davf man keine laugen Diseussionen mit deu geldgierigen Leuteil beginnen und niemals große Frende über eiu bestimmtes erbeutetes Stück zeigen, sollst beginnen sie dicht am Ufer zu lieitiren, stets höbere Preise verlaugeud; mit kluger Umsicht rechnen sie anf die sich steigernde Iagdllist. Sobald das Stück fällt, zeige man ihnen ein Geldstück und ehe das Handeln beginut, müssen einige wohlgemeinte Nachhilfen sic in das Wasser drängen. Dcr crsle Pületan, 71 Eine halbe Stunde mochte ich wohl vergeblich gelvartet haben, als ein Pelekan, von weitem schon sichtbar, die gerade Nichtnng gegen nlein Versteck einschlug. Als er nahe genug war, gab ich ans beiden Länfen Feuer; laut prasselten die Schratte ant dichten Fedcrpanzer. Schwergeschosseil senkte sich der kranke Vogel mit matten Flügelschlägen dem Wasserspiegel zu. Durch einige Miunten schwamm er laugsam herum, doch ilitiner mehr senkte sich der Kopf mit den: plumpeil Schnabel, endlich schlngen ihu die Wogen nm nnd leblos lag der Pelekan ans dem Nucken. Weder Gold noch Drohnngen vermochten »leinen Araber in die Flnthen zn treiben, da die Entfernnng in der That eine bedentende lvar. Nasch eilte ich in das Lager znriick, »un neue Lente zu reqniriren; als ich znrückkam, sah ich zn meiner großen Freude eiuen brauneu Gesellen schon nahe vom Peletan in den schänmeudeu Wogen. Der Großherzog war nnweit von mir oersteckt nud hatte, als er deu todten Vogel sah, seiuen Begleiter, einen kühnen Schwimmer, in die Flutheu geschickt. Nach wenigen Minuten kam der brave Araber, den schweren Vogel am Schnabel nach sich ziehend, zn nns geschwommen. Ich war froh über meinen ersten Pelekan, ein ganz enorm großes Exemplar. In den Abendstundeu gieng ich am Ufer anf nnd ab, kleineres Strandgeflügel jagend. Als das Schnßlicht zn Ende gieng, versammelten sich alle Herren znm Diner; abermals war ziemlich viel Bellte heimgebracht worden. Nach einem interessanten Tage herrschte bald Rnhc im Lager. Tags daranf sollte in früher Stnnde nach dem gegenüberliegenden Ufer des See's gefahren werden, nm da anf einer Landznnge deu Zug der Vögel zn erwarten, beider brachte die Nacht noch schlechteres Wetter und vor Sonnenanfgang nahm der Sturm dermaßen zu. daß die Fischer sich weigerten, hinans-znrndern. Es blieb nns nichts übrig, als abermals einen Tag diesem Eilande zn widmen. Wir schliefen alle lange nnd giengen in den Vormittagsstunden mit den Dachshunden nach den Felsen, wo wir vergeblich snchten; kein Luchs war mehr zn finden. Hieranf wurde die übrige Zeit des Tages deu Ufern gewidmet. Die Wasservögel strichen schlecht und wichen vorsichtig der Insel ans. Ich nnternahm gegen Abend einen Nnndgaug nm die ganze Küste herum, erlegte hiebei einen schönen Berberfalk und einige Strandvugel, sowie anch einen Kolkraben. Der Stnrm nahm ab, der Himmel klärte sich nnd wohlthuende Sonnenstrahlen, sowie herrliche Belenchtnngen erfrenten nns. Vollends vergnügt nnd beruhigt für die Freuden des nächsten Tages lvar ich erst, als an der westlichen Spitze der Insel ein Fischerboot ziemlich ruhig vorbeiglitt. Von der Wüstenseitc kommend, fuhren sie gegen das Cnltnrland, passirten dicht unter meiuem Versteck. Wild anssehende, brannc Gesellen, in elend',' Lumpen gehüllt, lenkten das Fahrzeug, Lieder singend, die dumpf nnd nnheimlich klangen. Ein merkwürdiges Bild; weit uud breit nicht die Spnr menschlicher Thätigkeit, über dem See drüben die endlose Wüste nud anf den Wellen die echt afrikanische Barte mit ihren schwarzen Insassen. Nicht wenig waren die guten Leute erstanut, als sie mich, ein enropäisches Bleichgesicht, anf der öden, sonst nnr von sinnenden Pelekanen bewohnten Insel sahen. Mein Begleiter begann ein langes Gespräch mit den Wanderern, dem ich nnr entnehmeu konnte, daß es sich nm das Wetter nnd die lieberfahrt handle. Verhältnißmäßig wenig Vente fiel uns all diesem Tage znm Opfer; die Insel selbst war gründlich ausgeschossen. Nach dem Diuer brannten nnsere arabischen Diener ein Feuerwerk, ein Hanptvergnügen aller Orientalen, ab nnd machten dazu einen Höllenlärm; lange ließen wir sie nicht gewähren, denn die ungestörte Nachtruhe und das Nichtvcrschenchen des durch die plötzliche Helle aufgeschreckten Wasserwildes waren nns lieber als die schönsten Fenergarben des biederen Dragoman. 72 Am 26. in sehr früher Stunde, lange noch vor dem ersten Morgcngranen, verliehen wir nnsere Zelte, Nach klirzem Friihstück wurde aufgebrochen. Der See war vollkommen ruhig nnd so konnte man die Fahrt an dasWüstenufer unternehmen: Abende solltell wir unser Lager am entgegengesetzten Gestade des Eulturlaudes nnederfinden. Alle Orientalen sind unpünktlich, nnd so brauchte es lange, bis nnsere Fischer erschienen, nm die Boote in Stand zu setzen. In vollkommen schlaftrnntcnem Znstande wackelten sie an dem Ufer anf uud ab nnd es kostete viele Mühe, einige Ordnnng ill dieses Chaos zu bringen. Nach einiger Zeit wnrde die Gesellschaft, bestehend ans den Herren, den Jägern lind den Dachshunden, auf drei Booten flott. In üblicher Weise rnderten nnsere Araber, mit heiserer Stimme, Lieder singend. Im Innern der Fahrzeuge verbreitete sich ein Gestank, den man kaun« zn ertragen im Stande war. Znn, Glück breitete sich der Wasserspiegel glatt nnd rnhig vor nns alls, denn in diesen Booten mit den schlaftrunkenen Arabern, bei stockfinsterer Nacht, hätten wir im Falle eines Stnrmes einige Unannehmlichkeiten zn erleben gehabt. Nach fast einer Stnnde Fahrt gelangten wir an das Ufer zu eiuem Punkte, wo eiu Vorgebirge, bestehend ans einem ziemlich großen Felseukegel, in den See hineinragt nnd mit dem Gestade nnr dnrch eine schmale Landzuuge verbunden ist. Hier stiegen wir aus uild schickten die Araber mit ihren Booten hinter den Felsentegel. EinigeMinnten branchte es, bis energische, nachdrückliche Belehrungen im Staude waren, nnsere braunen Begleiter znm Schweigen zn bringen; nnd doch hatten wir Eile, bald mnßte volle Ruhe anf der Landznnge herrschen, denn die ersten Spuren des Tages zeigten sich im Osten. kurzen Prozeß macheud, jagten wir die Araber in ihr Versteck und Osman blieb als Wache znrück. Wir vertheilten u»s alle längs der Laudzuuge und dem Felsenkegel, hinter dichten Ufergebnschen oder Steinblocken kauernd. Mit Morgengrauen begann der Zug des Wasserwildes; die Reiher waren die ersten, hieranf folgten die Kormorane, Enten, Pelekane, Mvven, das kleinere Strandgeflügel, einige Rohrweihen nnd Fischadler. Viele Schüsse krachten anf der langen Schützenlinie; vielköpfige Pelekau gesellschafteu wurden besonders mit wohlgenährtem Feuer empfangen, doch leider waren die Distanzen immer zn groß; nnr zwei dieser großen Vögel verirrten sich in tiefere Regionen nnd fielen anch zweien der Herren zur Bente. Die Sterne waren fchon verschwnnden, ein herrlicher, echt afrikanischer Sonnenaufgang folgte der Nacht und die Hitze eines ganz wolkenlosen Tages begann sich fichlbar zu macheil. Als wir nusere Plätze verließeu, war der Zug zu Eude. Jeder hob sich seine Bellte auf nud kehrte zum schnell improvisirten Landnngsplatz nnter dem Felsenkegel zurück: dort versammelten sich alle Herren, da lagen nnsere Boote, daneben die Araber nnd Osman überwachte das Ganze. Zwei Pelekane nnd verschiedenes andere Geflügel kamen alls die Strecke: anch ein armer Aasgeier, der neugierig über der Schützenlinie gezogen war, mnßte sein Leben verlieren. Nach kurzer Rast brachen wir abermals auf, um die Raudgebüsche zn dnrchjagen. Von der Landzunge aus ziehen sich längs des Ufers in nördlicher wie auch in südlicher Richtung dichte Gestrüpps von Tamarisken, hohem Schilf und Gras gebildet; an manchen Stellen beträgt dieses schmale Band üppiger, für Menschen uudurchdriuglicher Vegetation kanm mehr als 10 bis ^0 Schritte iu der Breite. Bis znm Pflanzenwnchse reicht die echte große Wüste, mit Hügeln nnd Thälern, stachen Strecken nnd sanften Rücken, theils strensandartig fein, theils mit grobem, vielfarbigem Gestein bedeckt. Wo die Gesträuche neben der Landzuuge begannen, blieb Baron Sanrma mit den Dachseln zurück, die anderen Schuhen sollten seinem Plane znfolge am Wüstenrande in gewissen Entfernungen voll einander angestellt werden; ich nahm mir den weitesten Posten, an einer Stelle, wo die Gebüsche ciue Ein Morgen am Birket-el-Karun. 75 schmale Gasse offen ließen und ich freien Ausschuß bis an das Nfer erlangte: dadurch war die natürliche Grenze des ersten Triebes gebildet. Am Weg dnrch den Wüstensand hatten wir Gelegenheit, sehr viele Fährten zu studieren; wie es scheint, kommen allnächtlich die Nanbthicre ans der Wüste nach den Ufern, nm zu trinken und wahrscheinlich anch schlafende Wasscruögel zn überfallen. Es war Spnr an Spur; die Fährten der Hyänen neben jenen der Wölfe, Schakale und Fcnels (Wüstenfüchse), auch die Linien, welche die großen Eidechsen ziehen, nnd das breite Band der unheimlichen Brillenschlange fehlten nicht im feinen Sande. Kanm war ich an meinem Posten angelangt, als anch schon die Hnnde, zwar noch in weiter Ferne, zu jagen begannen. Die Jagd gieng schnell, das lallte Gekläff näherte sich meiuem Stande. Plötzlich erschien knapp am sandigen Ufer ein langes, graubraunes, struppiges Thier mit spitzigem Kopf nnd nnförmlich langer, schmaler Standarte im raschen Trab. Ein glücklicher Schuß streckte es zn Boden. Ein Ichneumon, dieses echt afrikanische, eigentlich häßliche Thier, das in Anssehen nnd Benehmen mit keinem von unseren europäischen Raubthiereu zu uergleicheu ist, lag vor mir. Bald erschienen die Hunde auf der Fährte; die schmalen Gestrüppe waren dnrchgejagt und wir beschlossen, einen ähnlichen, darangrenzendcn Trieb zn nehmen; leider blieb dieser zweite Versnch erfolglos. Einige Kamcclfährten im Wüstensande machten nns auf die Nähe eiues Beduinenstammes anfmerksam. Und in der That bemerkten wir gar bald mehrere in den Gebüschen weidende Kmneele, hörten das Gekläff der Hunde nnd sahen von weitem einige dunkle Gestalten einem Lagerplätze znschreiten. Wie ich hörte, sollen die wilden Stämme dieser Gegend sehr arm, aber dnrch die unmittelbare Nähe der Wüste vollkommen frei lind unerreichbar, daher anch nicht immer ganz gemüthlich sein. Die Jagdgesellschaft theilte sich mm in zwei Partien. Baron Sanrma, der Großherzog nnd ich hatten die Absicht, in einem Boote, das uns gefolgt war, einige nnweit vom Gestade schwimmende Pelekane anzufahren, während die anderen Herren sich mit deu im Rohr au deu Uferu in Unmassen hansendcn Blaßenten beschäftigen wollten. Alle Versuche mit den schlauen Pelekanen blieben erfolglos, auch die iu deu Ufergebüschen stehenden großen Silberreiher ließen uns nicht herankommen. Je weiter wir kamen, desto breiter nnd dichter wnrde das Rohr, welches deu Wasserspiegel bis auf eine Entfernnng von cirea hnndert Schritten vom Ufer bedeckte. Die schöne weißängige Ente schien eben am Zuge zu sew, deun Schaaren stets nnr dieser einen Gattnng flogen vor nnsercm Boote ans dem Schilf anf; anch Fisch-, Purpnr-, Silber- nnd Edel Reiher entstiegen dem Nohrwald. Eine ziemliche Zahl Enten wnrden mm, als guter Vorrath für die Küche, heruutergeschosseu; unsere Fischer saßen alle ansgckleidet im Boote und nach jedem Schllß sprang einer in die Flnthen, nm die Bellte zu holen. Wir schaukelteil eben nur wellige Schritte vom Ufer, als sich plötzlich das Nohr theilte, nnd ein grußer Bednine, eine schöne kriegerische Erscheinung mit langem Gewehr, erschien, nns einige Wasservögcl, die er des Morgens erlegt hatte, zmn Kauf anbietend. Mit einigelt Silberlingen verschwand er so rasch nnd lantlos, als er gekommen war. Die Mittagsstunden begannen und wir ließen uns zum Felsencap znrückrndern. Die Sonne brannte fürchterlich und in der Mittagshitze roch unser Fahrzeug noch ärger als während der Nacht; ein alter Mann, auf eitlem Auge bliud, etwas buckelig, mit geringeltem weißeu Bart, durch einen Turban geschmückt, schon in seinem ganzelt Aeußern nngemein ekelhaft, saß dicht uuter nns im Boote; er ruderte nicht, war aber aus Neugierde mitgekommen. Wir ärgerten uns viel über diesen unliebsamen Gast, der in der That eine gefährliche Nachbarschaft war, deun ummterbrocheu hielt er ergiebige Iusectenjagdeu in seinem weiten Gewaude ab. Zum Glück langten wir uach einer halben Stunde beim Felsen au, wo 10"° 76 uns die anderen Herren erwarteten; sie hatten eine zienüiche Zahl von Vlaßeliten geschossen. Die ganze Bente der ersten Hälfte dieses Tages wurde in ein Boot geladen und linter Aufsicht meines Jägers nach denl entgegengesetzten Ufer, wo einstweilen nnser ncnes Zeltlager allfgeschlagen wnrde, gesendet. Die Jagdgesellschaft beschloß nun durch eine Stnnde zn rasten; nahe vom Ufer au dem Berghange des Felseneaps wnrde ein frugales Frühstück, bestehend aus kaltem Fleisch, Brod, allen möglichen, in dcr Hitze mehr oder weniger ungenießbaren Conservcn uud fader Limouade, eingenommen. Unsere Leute uuterhielten sich mit dein Fang jeuer merkwürdigen kleinen granen Eidechsen, mit hohem Kamm am Rücken, den sogenannten Gekös; anch Seorpione lagen in großer Menge nnter den Steinen. Tie Rast war keine Erhulnng, denn die Sonne brannte ganz entsetzlich an der schiefen, felsigen Berglehne, die Erde glühte und die Luft zitterte in der sengenden Hitze; es war der heißeste Tag, den wir bis jetzt auf der Reise auszustehen hatten, viel intensiver, als der wärmste Hochsommer-Tag iu Europa. Wir br-achen auch bald wieder auf und schritten längs der in nördlicher Richtung sich erstreckenden Ufergebüsche. Der Marsch durch den glühenden Wüstensand, welcher die fürchterlichste Temperatur ausstrahlte, war eben nicht sehr angenehm. Abermals umstellten wir die Gestränche in einer gewissen Entfernung und gar bald gieng wieder ein lnstiges Jagen los; doch diesmal zeigte sich das gehetzte Wild nicht su bereitwillig und mehrmals gieng die Jagd anf nnd nieder; nach kurzen« Standlaut erschien endlich ein Ichnenmon, die Dickung verlassend, oor den: Großherzog, der das komische Thier zwar roulirte, doch schleppte sich dasselbe bis in das Gestrüpp znrück, wo sich allsogleich ein heißer Kampf mit den anf der Fährte folgenden Hunden entspann. Ein großer, hochbeiniger Tachsel nnd der Ichnenmon waren dermaßen in einander verbissen, daß man sie beide zugleich aufheben konnte; unr mit vieler Mühe gelang es, die Kämpfenden zn trennen und wurde einer der Herren bei dieser Gelegenheit vom Hunde, der andere vom Ichneumon in die Hand gebissen. Sehr viele Eormorane und Reiher waren anch während des Triebes längs der Küste all mir vorbeigezogen, doch wollte ich der Raubthiere wegen nicht schießen. Da es Nachmittag war, beschlossen wir, die weite Rückfahrt iu gerader Linie über den See nach dem entgegengesetzten Ufer anzntreteu. In mehreren Booten rnderten nur hinüber: die Lnft begann kühler zu werden nnd man konnte die herrliche Fernsicht über den See und die Wüstenlandschaften angenehmer als zuvor genießen. Unsere Schiffleute waren sehr gnter Dinge nnd nuter unanfhörlichem Geschrei, nnartieulirtem wilden, Gehenl, zogen sie alle ihre KleidnngZstücke ans und in Adamseostüme rnderten die einzelnen Boote nm die Wette; für uns hatte dieser Sport auch eine praktische Seite, denn wir kamen dadurch viel schneller vorwärts. Nach zweistündiger Fahrt gelangten wir, eiu schmales Band von Weidengebüschen passirend, an eine große Sandbank, anf der nnser neues Zeltlager schon fix und fertig und bequem eingerichtet stand. Der Platz war wohlweislich ansgesucht worden, denn die vollkommen trockene Sandbank trennt den See von einem ziemlich großen Sumpf. Da das Diner noch nicht bereitet war, giengen einige von nns nsch rasch iu den Snmpf, welcher nnsern Lagerplatz von den ersten Feldern des Eulturlaudes schied. In dem mit Rohr, Weidengebüschen, Wasserlacken, brannem, übelriechendem Moor bedeckten Terrain wimmelte es von Moorschnepfen nnd Wasserlanfern, auch einige Enten und zwei Gattuugeu Kiebitze flogen vor nus auf; Kröten sprangen in Unmassen umher nud alle« schwärmte von giftigen Inseeten. Mehrere Sumpfvögel wurden in aller Eile erlegt, doch dann verliefen wir noch vor Beginn der Dämmernng deu stark nach Fieberatmosphären riechenden Snmpf. Ein herrlicher Sonm'lmntergang, 77 darauf ein recht gutes Diner, bildeten den Abschluß eines bewegten Tages; bald herrschte volle Ruhe im Lager. Am 27. Früh bracheu wir auf, mit der Abficht, jagend bis zur Station Abuksar znriichlikehren. Anfänglich wurde der Sumpf durchstreift uud einige Beeassinen, sowie verschiedene Nasserlänfer- Gattungen fielen nns zur Veute: über ein Feld, auf dem Kuhreiher lind Sporntiebihe wirksam beschossen wurden, gelangten wir iu eine Region von niederen, mit magerem (^ras nnd verdorrtem (Gebüsch bedeckten Sandhiigeln, welche den Snmpf vom enltivirten ^aude trennen. Dort stöberten die Dachfel einige Hasen auf: eiuer der Herren nnd ich liatten das Mi'ick, jeder einen dieser konnschen Gesellen zn erlegen. Es ist dies der echte Wnsteuhase, ein tleines, mageres, 78 rehfarbiges, hochbeiniges Thier, mit lächerlich großen, fast dnrchsichtigen Löffeln. Einige Palmtanben nnd Nöthelfalken fielen uns bei dieser Hasenjagd ebenfalls Mr Vente. Wo die Zune der Gebüsche nnd Slindhüqel ».u'llend^ aufhörtc nnd das wuhlbebante Land begann, rasteten N,'ir dnrch eine holde Stnnde; das Frnhstnck, lvieder ans kalten Sachen bestehend, hatten nns Araber nachgetragen. Nach eingenommenem frngalen Mahl setzten wir nber Felder lind Canäle unseren Weg fort, alle arbeitenden Fellachen, die Wettfahrt am Virlet-el-Karmi. 79 wir erspähen konnten, als Treiber loerbend. Weib, Kind, Kamecl, Büffel und Pflug bliebeil am Felde stehen uud für eiu versprochenes Bachfchtsch folgte liU'> die buute Schaar. Voll loeilem schon sahen wir ein nicht allzugroßcs Znckerrohrfeld, das, trotzdem die Ernte bereits begonnen hatte, noch stand. Eilig steuerten wir, von den besten Hoffnungen beseelt, darauf los. Längs eines breiten, aber trockenen Canales wnrde anf cinein Dainlne, die mm zu unternehmende Jagd besprechend, marschirt. Als wir den Platz erreicht hatten, wurden vor allem die Schützen postirt. Der Großherzug blieb au einer Ecke neben dem Canal; an der Flanke, wo das Feld bis all den Fnß des Canal Dammes reichte, standen Hoyos nnd ich; die anderen Herren umstellten alle Seiten des Nohrbestandes; leider wareil wir zu wenig Schützen und die Entfernungen zwischen den einzelnen Herren blieben zn bedeutend. Dicht neben nnseren Ständen weideten Büffel nnd Kameele und nn leugbar trug da'? Gauze uicht deu Typus einer Wolfs jagd nach europäischen Begriffen. Kaum wareu die schwarzen Treiber mit infernalischem Geschrei in das Znckerrohr eingedrungen, als auch schon mein Nachbar in das Feld hineinschoß; gleich daranf sprang ein auffallend starker Wolf zwischen ihm nud mir heraus uud Arutebelade». Über deu Canal hiuweg. Trotzdem die Distanz eine sehr große wav, lief ich doch auf den Damm nud schoß dem flüchtigen Thiere meine zwei Läufe nach, worauf es cmer durch die Felder, die rechte Hinterprante klagend, hiuwegeilte. Bald darauf erschienen die Treiber. I in gelben N ohr nahmen sich die braunen Fellachen uud besonders die ausfallend vielen Mohren in ihrem mit langen Sätzen bedeutenden Costümmangcl, jeder einen abgebrochenen Znckerrohrstengel kanend, sehr eigenthümlich aus. Wir ließeu das Feld nochmals treiben. Diesmal schoß meiu Nachbar zur Liukeu zuerst uud erlegte auf eiuen Schnß einen ziemlich großen Wolf; gleich darauf krachte es bei einem der Herreit anf der liukeu Flanke; er roulirte ciueu Wolf, der sich wieder aufraffte und nnn tüchtig schweißeud bei eiuem audereu Schützen das Zuckerrohr verließ uud, uochmals beschossen, das Weite suchte. Weuigc Minuten daranf erlegte mem Nachbar znr Rechten einen mittelgroßen Wolf mit einem Schuß; gleich darauf spraug zwischen ihm uud mir ein Wolf heraus, über den Canal hinweg. Jeder von uus mußte ziemlich weit schießen und so schleppte sich der sichtlich stark angeschossene Wolf zwischen all' deu weideudeu Büffeln dichten Saatfeldern zn. Als die Treiber nnn erschienen, ließen wir das Znckerrohr zum dritten Mal durchtreiben. Gar bald vernahm ich nahe vor mir ein heranbrechendes Stück und sah einen ziemlich starten Wolf durch das Rohr huschen; ein glücklicher Schuß streckte ihn zn Boden. Wenige Minuten 80 später schoß mm: Nachbar znr Linken einen Wolf scknver an, der sich nur mit Mühe in dir naheliegenden Bohueufelder schleppt. Zivei Wölfe lvaren an Stellen, wo die Schlitzen zn writ von einander standen, ohne Schuß entwischt. Im letzten Triebe schoß auch einer der Herren einen Ichnemmm schwer an, der sich aber im dichteil Rohr verschloss. Eine knrzc Snche ans die angeschossenen Wulfe in den unabsehbar großen grünen Feldern blieb selbstverständlich erfolglos. Nun gieugen wir an das entgegengesetzte Ende des Feldes, wohin nnser geschickter Dragoman einige Reitpferde nnd Esel bestellt hatte. Die Wölfe wurdeu ans dein Rücken eines Esels vorsichtig zusammeugebunden, verladen und die Caravane setzte sich in Bewegung. Die Treiber verloren sich wieder in verschiedenen Richtungen nnd nnr unsere Führer und Eseltreiber giengen mit. Einer derselben schien in freien Stnuden anch das bei den Orientalen so beliebte Geschäft des Schlangenbändigens zu betreiben, denn während des Marsches zog er ans einer Ledertasche, die unter seinem faltenreichen Gewand versteckt war, zwei sehr große, in der That imposante Brillenschlangen heraus, die er Tag5 zuvor nahe des See's gefangen hatte; selbstverständlich wurde das gewöhnliche Knnststück des Anblasens der Schlangen, worauf dieselben ganz steif uud wie todt liegen bleiben, gezeigt; nach wenigen Minuten erholen sich die viel gequälten imd ihrer Giftzähne beraubten, duller nugefährlichen Thiere nnd wandern dann wieder in den brannen Sack zurück. Da wir in Schritt ritten, liefen alle Dachshunde neben den Pferden her; als die Earavaue sich einem lleincn, recht elenden Torfe, das nur durch einige auffallend fchöne Palmen nnd Sikomoren geziert ist, näherte, verschwanden die eifrigen Dachseln in einem unbedeutenden, viereckigen Bohnenfelde; gleich begann eine fröhliche Jagd. Wir sprangen von den Pferden und umstellten das Feld, welches von einer Seite zur anderen mit Schrott überschössen werden konnte; in diesem engen Raum gieng die Jagd durch eine Viertelstunde auf nnd nieder; zweimal blickte der Ichuenmou knapp neben den Schuhen nnr mit dem Kopfe heraus, doch Niemand tonnte des Nachbars wegen schießen. Das schlaue Wild erkannte Gefahr lind ließ sich von den Huudeu kreuz und quer hetzen, verließ aber nicht das sichere Versteck. Da die Zeit drängte, mnßten wir nnverrichteter Dinge die Hnnde abpeitschen nnd die Neise fortsetzen. Der Weg führte nns an eine Bahnlinie, eine knrze Zweigbahn, die von der Fabrik Abnksar zn den größten Zuckerfelderu, des Transportes halber, führt. Eine vorbeifahrende Locomotive hielten wir an nnd stiegen iu den angehängten leeren Gepäcks-Lowry. Auf diese Weise gelangten wir sehr rasch nach Abliksar. Unsere Araber ritten in vollem Carriere zwischen den Schienen ganz unglaublich schnell nach. Da uns noch Zeit erübrigte, beschlossen wir, das dem Bahnhöfe naheliegende Zuckerrohrfeld, welches wir am ersten Tage dnrchgejagt hatten, nochmals versnchsweise treiben zn lassen. Iu aller Eile requirirten wir möglichst viele Treiber nnd umstellten das Feld. Kaum hatte der Trieb begonnen, als anch schon ein Wolf bei einem Schützen, der au einer Ecke des Zuckerrohres stand, herausbrach. Wegen der vielen ihn umlagernden Landleute ronute er, so lauge das Thier nahe war, nicht schießen; als es eudlich aus beideu Läufen krachte, war der Wolf schon zu weit. Wenige Secunden darauf erlegte ein anderer Herr einen auffallend starken Wolf, den größten unter allen bisher erbeuteten, im Momente, als er über den das Feld durchschneidenden Weg wechseln wollte. Bevor die Treiber kamen, streckten noch zwei andere Schützen jeder einen Wolf, und eine Waldschnepfe wurde gefehlt. Nun verließen Nur das Feld, welches nach drei Tagen uus mehr Aente geliefert hatte, als bei der ersten Jagd. Am Bahnhofe wurde die Strecke von sechs an einem Tage erlegten Wölfen gcmacht nnd hätten wir all' die angeschosseneu bekommen, wäre der Erfolg eiu gauz außergewöhnlicher gcweseu. Im Gauzeu konnten wir mit dem Resultat unserer taum viercinhalbtägigen Iagd-Excursion in der Oase Fajnm zufrieden sein: ^ Luchse, ,,,-,,. >, dei Jagd in ,^ ,..m nach Äbu! .^ 83 7 Wölfe, 2 Ichneumone, 2 Wnstenhasen, 4 Pelekane, 2 Fischadler, 1 Aasgeier, l, afrikanischer Adlerbnssard und 172 kleinere Stücke, darnnter viele interessante Exemplare, bildeten die Strecke. Im sogenannten Wartsalon wnrde das Diner eingenoininen. Der Abend war einstweilen hereingerochen, nnser Eisenbahnzng staild schon bereit, die Sachen wnrdeu alle cimvaggonirt nnd gar bald verließen wir Abnksar, um einer neuen Expedition entgegenzugehen. Zwei Stunden hindnrch fuhren iwch die Strecke. beiden Nriider Sanrma nnd Prinz Taxis mit Nils; als wir das Nilthal nnd jene Station erreicht hatten, wo die Bahnen nordwärts nach Kairo, südwärts nach Sint sich trennen, verließen nns die drei Herren. Nach herzlichen, Abschied dampften wir südwärts nnserem nächsten Ziele Sint nnd der schönen Nilreise zu. Su gut es gieng, richteten wir uns häuslich in den Waggons zurecht und bald schlief alles den wohlverdienten Schlaf, nach gethaner Arbeit. 11* IV. Capitel. Anklmsl in ,viut. llei Uildampfer. INlrcisc liia Äjjuan. ^nso! i.»)l>lln', H^^M^ll früher Morgenstnnde, noch bei vollkomniener Dnnkelheit, langten wir in Siut a»,. Ans H^HBM^ ssl^.„i Schlnmmer unsanft aufgerüttelt, verließen N>ir die Waggons nnd gicnql-n zn Fnß, .c. 7 / v? lintcr Vortritt «oll Fackclträgcrn, auf eincm dnrch vicll' ^ainftllinc' lM crlcnchtck'n nnd l^^^i geschmackvoll dccorirtcn Wczio zum Landungsplätze dcr Nilschiffc hinab. Unscr Consnlar ^' Agent, cin Kuptc, znglcich roichcr Gcschäftslnann, hatte alle diese Vorbcrätnngon gctroffcn und nnpfil'ng uns auf das herzlichste, Dcr Danlpfer Feruz, den der Khedive so frenndlich war zn unserer Verfiignug .^u stellen, lag dicht am Ufer nud ein alter egyptischer Admiral, der ihn befehligte, erwartete die Reisegesellschaft bei der Landuugsbrücke. Wir gewannen den energischen nnd geschickten lLonimandanten, eitlen echten dnnkel brannen Afrikaner, alle sehr lieb; leider sprach er anßer den orientalischen Sprachen nur einige Worte englisch mW so verlief die oftmals höchst komische Conversation mit Hilfe von Dolmetschen nnd gnt ansgedachten Zeichen. Brngsch-Pascha, der berühmte Egyptologe, begleitete uns deßgleicheu auf der Nilreise nnd stand, sowie anch Herr Rath, der vrientknndige Consnlar-Eleve, dem nur während aller nnferer Wanderungen im Morgenlande viel Dank schnlden, am Verdeck der peinlich großen, außer^ -.'li^lttwärl?. «7 ordentlich bequem eingerichteten und hübschen vieeköniglichen Dacht. Die vielen Cabineu wareu sehr wohnlich; nlir wurde die letzte, eiu großer Raum, angewiesen; obeu befand sich am Verdeck ein geräumiger Speisesaal, in dem wir auch die Vormittags- und Arbeitsstunden zubrachten. Ober demselben erhub sich eine Aussicht gewährende, mit Leinwandmatten überdeckte Plattform; dahin etablirten wir die vielen bisher erbeuteten Fette und Vogelbälge und richteten einen Platz fiir den Präparator zu seinen Arbeiten ein. In diesem reizenden Fahrzeng sollten loir eine Reihe herrlicher, unvergeßlicher Tage verleben; auf deu gelben Fluthen des alten, weltgeschichtlichen Stromes durchschwammen wir nun jene Lande, auf denen der mystische Zauber einer Jahrtausende alten Cnlwrruht; 100 Mischen prächtigen Gegenden, hohen Gebirgen, majestätischen Wüsten nnd üppigen Gartenlandschaften, dnrchglüht von afrikanischer Sonne, im ewigen Sommer, die ältesten Denkmäler der Geschichte uuverwüstlich ihre greisen Häupter erheben. Die Nilreise gehört unstreitig zn den schönsten, an historischen, landschaftlichen und ethnographischen Eindrücken reichsten Expeditionen, die eben nur unternommen werden können. Wenn die Pyramiden vou Gizeh und die iu der Nähe vou Kairo gelegenen egyptischen Alterthümer schon entrücken und zur Forschung aneifern, so ist dies nur ein Vorgeschmack von den Schätzen, die uus Ober-Egypten bietet. Iu deu weiteu Tempelhalleu, den geheinmißvolleu Krypten nnd labyrinthartig verzweigten Felsengräbern sieht man erst in das Getriebe des Menschen- und Staatslebens eines vor Jahrtausenden in wahrer Cultur uud großer Macht erblüheuden Volkes; dort siud die Wäude im vollen Schmuck hieroglyphischer Schriften, die Aufschluß bieten über die Tage der Pharaonenherrschaft. Nachdem unsere Leute und das Gepäck anf dem Schiff angelangt waren, wurde mit Souueu-anfgang die Reise angetreten. Der Nil selbst behält fast allenthalben denselben Charakter; eine breite, gelbe Wassermasse schleppt sich dnrch das Land; stäche Ufer mit langgestreckten Sandbänken uud hohe, brüchige Gestade aus brauner, fruchtbarer Erde, mit Pump- uud Wasserwerken versehen, folgen einander in ziemlich regelmäßiger Abwechslnug. Die weißgraueu arabischen nud die röthlichgelbeu libyschen Gebirge, beide hoch uud schöu geformt, den vollen ganz kahlen Wüstengebirgs-Charakter kennzeichueud, treteu an manchen Stellen nahe an den Strom heran, nm sich dann wieder, breite cnltivirte Kessel bildend, zurückzuziehen; ein ebenfalls regelmäßiger Wechsel zwischen engen Passagen und breiten, mir in weiter Ferne von Bergen umgrenzten Ebenen zeigt sich in ganz Obcr-Egypten. Je nach der Entfernung der Hochgebirge nnd der Wüsten ändert sich die Breite des cnltivirtcn Landes, das sich allenthalben längs der Ufer des Stromes, mit einem grüueu Baude vergleichbar, dahinzieht. Palineuwälder in fast tropischer Fülle wechselu mit gelben Zuckerrohr-, grünen Bohneu uud wogeudeu .'»torufelderu. Allenthalben ist das Laud von Canälen und kleinen Rinnen durchschnitten, in die Zur Zeit des sintenoeu Wasserstaudes unzählige Schöpfvorrichtungeu der Primitivsten Sorte das Wasser ans dem Strome hiuanfbefördern. Ein Wahrzeichen des Nil sind das Tag nnd Nacht fortdauernde pfeifeude Geächze der von Büffeln gezogenen Wasserwerke nnd die nackten braunen Fellachen, die staffelförmig au deu brüchigeu Ufern aufgestellt, das segeusvendeude Naß mit löffelartigen Iustrnmeuten ill die kleinen Rinnsale emporschöpfeu. Au Dörferu lind Städten gleiten wir vorbei. Lichtgrüne Palmen, hochragende Minarets nud breite Taubeuthürme siud die Merkmale der aus Lehm erbauten erdfarbenen Ortschaften, in deren rninenartiger Unordnung ein unleugbarer malerischer Reiz liegt. Unzählige Milane nmfliegen die menschlichen Ansiedelungen; Hundegekläff, Gebrüll der Esel, Büffel nnd Kamecle, Gekreisch der Araber, jammernde Töne der Wasserwerte, Staub, Schmutz nnd Uumdunng sind die regelmäßigen Zugaben. «6 Auf den langen Sandbänken stehen große Geier und weiße Aasgeier bei ansgeschioemmten Cadavern; Züge von Kranichen, Störcheil, Löffel und Fischreihern, Peletaue, ^iilgäuse ilud verschiedellartige Enten verleihen deiu Bilde eilien bewegteu Charakter: an deu brüchigeil Ufern tnuimelli sich Sporn-tiebihe, Bachstelzen, Gmnfischcr, Ichwnlb^n und dc^ö H^cr dcv klcinon Wasscrliinf^v milh^r. Voit jrdem Dcunpfcr und von dl'n 0icll'n Dahadiycn schicßon dic Enropäcr cuif lül' doc> Wasscrwild, wckhcs sich da in dev WintcrherbcM befindet: deni,;ufol^e ünni anf evqielnqe Ia^d voni Verdeck nicht gerechnet N'erden, denn schon in weiter Ferne erhel'en sich die schellen Thiere liei ^lillläherling eines Schiffes. An dem Orte MnTi^ kommen wir vorbei: die Gebirge treten weiter Mrnck, Gianni si'ir eilie wohlbebanle Ebene lassend, bald darailf ragt aber der hohe, von alten Stein-brächen nnd l^rilften dlirch höhlte Berq ..(^eoel Scheel, Hände" wieder bisandenStrom l>eran. Unser Dampfer muß halten: ein Boot schwankt herbei: ich frage, wa^ dies bedenten solle nnd erfahre ^n meinem nicht Minden Ersinn Wasj^rsch^pfl'r. nen, dasi in den tahleli, wüsten Gebirgen, anf boher Warte über dein Nil ein muslimischer ,h eil isser, ein sogenannter Schech, Hanse nnd Anspruch hätte anf eiueu Tribut. Das Schiff, welches ihn nicht berücksichtigt, hat nach demGlanbender Leute ziemlich sichere Anssicht, ans der Nilfahrt zn Grunde ^n gehen; derBrave, der zahlt, wird aber begleitet vonden frommen Gebeten des hei ligen Bettlers. ^illn erscheinen bald in ziemlich rascher Folge die Orte Tachta, Fanbas, Schidawin und die reizend gelegene, große Stadt Sohag mit ihren malerischen Häusern nnd Minarets. Ein schönes Bild folgt dem anderen, herrliche (Gebirge mit scharfen Felswänden gleiten vorbei, nm üppigen Palmenwäldern nnd bnnten Städten den Platz cinznräumen. Gemüthlich ranchend, plaudernd oder lesend sitzt man am Verdeck, die am Strome eben nicht allznheisie, reine Lnft, die balsamischen Düfte der afritanischen Vegetation, die wohlthätigen Sonnenstrahlen geuies;end. Vou Zeit zu Zeit wird ein Büchsenschnsi, fast immer erfolglos, auf Wasjerwild iu weiter Ferne abgefeuert; es ist ein Schlaraffenleben, doch zugleich interessant nnd lehrreich. Ei,, >-chöpflae auf Elephantine. 91 In den NachmittagZstnudeu kommen wir ail der ansehnlichen, palmenreicheu Stadt El-Achunm vorüber, Abends wucht Girge, der große, reiche Ort, au einer scharfen Vieguug des Nil auf hohem Ufer schön gelegeu, vor uuseren Blicken anf. Ein herrlicher Souueuuutergang vergoldet die Landschaft. Alles, Berg, Flnß, Wald, Stadt nnd Feld, ist in eine Farbenpracht gctancht, von deren effeetvoller straft nian sich früher keine Vorstellung machen kann. Die berühmten Abendbeleuchtnugeu Kairo's sind matt im Vergleiche zu dem Licht, das die Sonne OberEgypteus auszugießeu vennag; die Nähe des Wendekreises, der Grei^ze der Tropen, macht sich hier schon in allem nnd jedem fühlbar. An dem Landungsplätze von Girge, unter hohem staubigen Ufer legten wir an, um da die Nacht zu verbringen. Nach dein Speisen leistete die Reisegesellschaft eiuer Einladung unseres (5ousular-Ageuteu, eines reichen Kopteu, Flilgc nud über eiue Stiege erkloinmeu wir das steile Ufer, Dichte Schaaren von Neugierigen, das buute orientalische Menschengewühl umgaben uns. Durch eiue schmale Gasse, von echt egyptischen, brannen Lehmhänsern gebildet, Nlit arabischen Verzierungen nnd einem recht uuausehnlichen Bazar geschmückt, gelaugten wir gar bald zum Hause des Ageuteu. Nach eiuer engen, steilen Stiege waren die halb europaisch, halb morgeulaudisch eingerichteten Zimmer erreicht. Rosenöhlgernch, türkische Divans, Maugel an Stühlen, Kaffee, pmfnmirte lligarretten, kahle Wände und ein eigenthümliches Gemenge von schönen Stoffen, orientalischen Gegenständen, neben geschmacklosem Bestreben, europäisch zu erscheinen, bilden die charakteristischen Merkmale jeder Zimmcreiurichtuug bei reicheu Morgenländern, Kaum daß wir uus alle niedergesetzt hatteu uud zu raucheu begauuen, als auch schou die Alnsitbande eiutrat, besteheud aus vier alten, sehr verkommeu ansseheuden Araberu in großen Tnrbans nnd blauen faltenreichen Gewändern. Die Instrumente waren sehr primitiv: eiue hölzerne Pfeife, ein blechernes Tam-Tam, eiu trommelartiger Gegeustaud uud eiue Geige, uuserer siidslavischen Gusla ähnlich. In alleu Landern, wo jemals der Islam geherrscht hat, fiudet man diese komischeu Mnsik^Iustrnmente, den schlvermüthigen Rythmus, die eigeuthümlicheu nasalen Gesäuge uud das ganze für Momente wild lärmende Durcheinander der Tone, die nach turzeu fröhlichen Accorden gleich wieder iu die düsteren Klänge znrückfallen. In Süd Spanien, wo die Mauren hansten, hörte ich, insbesondere bei den Gitauos, dieselbeu Concerte, nnd jene Mnsik, u,it der die Südslavcu ihre schwermüthigen Heldenlieder begleiten, weuu sie au langen Wiuterabeuden nm das Feuer versammelt hockeu nnd von längst verklnugeuen Tageu des Kraljewie Marko träumen, ist in deu Gruudformen dasselbe, wie der wilde Lärm, der iu Girge zu fröhlichem Tauze rief. Kaum das; die ersten Aecorde erklangen, erschienen auch schou die Tänzerinen in ihren langen, tnapp anliegenden, bnnteu Gewändern, mit hoher Taille, den Mnuzeuschmnck nm den Hals, das Gesicht natürlich nicht verschleiert. (5ine hübsche Mohrin nnd eine bleiche Circassierin stachen ab von den übrigen Mädchen, die deu volleu Fellacheu Typus repräsentirten; dieselben Züge, die ausgeschweiften Nasenlöcher, die niedere Stirn, die scharf gezeichnete Nase uud der tleiue Muud, wie man all' dies anf den Bildmsseu der alten Egyptcr so charakteristisch wiederfindet. Diese Täuzerineu sind eiue vom frommcu Muslim verachtete eigene Kaste, die sich in Familien fortpflanzt; aus Unter Egypten wurden sie, ihres unzüchtigen verführerischen Lebenswandels halber, vertrieben und nuu hausen sie in alleu Städteu Ober Egyptens, wo ihre eigentliche Heimat seit jeher war. Iu ihreu Häuseru (sie bewohnen meistens alle zusammeu eutlegeue Viertel) produeiren sie sich um's Geld vor den armen Schichten der Bevölkerung uud ueugicrigcn Fremden; doch sehr viel haben 12* 92 si») auch in den Wohnungen der Neichen ^it thnn, nw nach ^est nnd Mahlzeit, beim qemnthlichen Schibnt nnd ^car^ile, der Bienentan/i al^ besonderer Reiz ln'trachttt wird. Untcr Diclinn^cn, Vcr-bmqniMN und cdrn nicht iln^raziuscu Bcw^qnngcn beginnt dcr Tanz, dosscn ganzen Vcrlanf zn schildern niir dic Schicklichkcit vcrlnrtct; cs ist cine Orqk', dic sich, moincr Ansicht nach, an^ dcni an dcrk'i trankhafk'n lHntartiliigcn dl'r Phantasic N'ichcn Altrrthnin rvhaltrn hat. Hcach kn^'in Anftnthalt trhvt.'n wir al'l'nnals dnrch dic Stadt nach nnsnoni Schiffe znnick, nin dic U'ohlvcrdicntc Nnho anf^llsnchcu. Mit Taqc^anbrnch schto sich der Dampfer in BcN'cgnng nnd in dcu crstcn ^^iniittaqsstnlidcn l^tcn il'iv lu'i d^'in qvosn'n schönen Palnienwald des nnansehnlichen, an^ ^ehnchntten erbanten Dorfts Beliane an, AiilMl'Iicllich Nüirde a,is ^and Manien nnd, nnirnnl^n V0n Neli^ieri^'N, bestieg» Frttach Tl'lj »ül Tm!vl'nli>!»,c>,'!! bei Abyd»«. 95 wir kleine, schlecht gesattelte Esel mid ritten durch Palmeuhaine lind Garteu neben dein Dorfe vorbei in die Ebene hinaus. Ein ziemlich breites Band außerordentlich gnt eultioirteu Laildes erstreckt sich hier an beiden Ufern des Nils. Parallel mit dem Strome ist wie überall in Ober-Egypten das Bild dnrch die hochragenden, schön gezeichneten Gebirgsketten abgeschlossen. Zwischen Zuckerrohr-, Bohueu und Saatfeldern, kleinen Palmen^ nnd Sikomoren-Gehölzen führte uns der Weg den libyschen Gebirgen zu. )m Tempcl UUII Aliybuo, ?luf den grnnel, Matten herrschte reges Leben; die fleißige Bevölkerung arbeitete, pflügte nnd bewachte große Heerden. Mit jedem Tage der Nilreise kann mau die Beobachtnng austeilen, wie die Hautfarbe der ^eute dnukler nnd die .Veidung primitiver wird. Zum ersten Male sahen wir anch die schöne, bnschige Dnmpalme, einen echt iuuerafrikanischeu Baum. Am scharf begrenzten Rande des Cnlturlaudes, beim Beginne der N ostlos öden Wüste liegt das düstere, schmutzige Dorf Aräbat el Madfüue iumitten eines kleinen Palmeuwaldes; große Tanbenthüriue sind der Besitz der ärmlichen Bewohner nnd Tausende der halbwilden Feldtauben muschwirreu die nächste Umgebung ihrer Behansnugeu, Wo in Egypteu 96 das Termin sich nber das Niveall des ^iilthales erhebt nnd bei deil Ueberfchu'enlmlingen die Flnthen des Stro>nes nicht niehr hingelangen können, dort beginilt ailgeiiblicklich die volle, vollkommen vegetatioilslose Wiistenlandfchaft. Hier bei den letzten Hällsern Arabat-el Madfnne's konnte lnan diese Wal,rne!,,!l!liig gelian beobachten, Ans dein saftigsten Grün afrikanischer Vegetation tritt man urplötzlich, »hue jedweden Nebergang, i:i dl,'!i blendend weifen Wiistensand. Wenige hundert schritte vl.un Dorfe entferlit befindet sich zwischen Tcluitt und Steifen das hochinteressante Nninenfeld von Äbydns, dessen wohlerhaltene Denkmäler und an Malereien reiche Wände den Wanderer entM'ken lind erstaunen, Wie mit einem Tclüaqe befindet man sich inmitten einer alten, längst verklnn^enen Zeit, deren schönste Andenken nn5 das lierrliche, sonnige, immer trockene >tli ma Ober Egyp-tens nlwersehrt er halten hat. ^>on den feiten der VI. Dynastie a» slim.'l-^X) oor (5Hr. (>)eb.) U'ard eiile dicht am Rallde der Wiiste gelegene Oertlicht'eit, deren alter Äiaine Abidn lailtete, a l^ die echte nndhochheiligeVe^ gräl'nisistätte dev oberegyptifchen Osiris angesehen. Daher die begreif liche Vorliebe der (tin glüctlichcr ^chuü. altell Egypter, gerade an dieser Stelle, im Scmdc der Wiiste, ihre einstige letzte Wohnung ,'m finden. Zahlreiche Ca-pellen von Privat^ perfolieil und Herr-liclie 3odtei!temvel ein^elü^r Könige des Bandes er^ hobeil sich hier iibcr dem Voden der Wiiste lind lndcn die Beslicher ein, fromme (Gebete zil (5hre,i des gnten Osiris des^tönigv derTodten,lind mr C'rinnernilg an die Verstorbenen her^ Msprechen. Zn den hervorragendsten Vauten, welche der Zahn der ^eit theilweise U'enigsteil^ verfchont hat, gehören die Todtentempel der Könige Seti I. (nn> 1W0) >lnd feines Sohnes nnd Nachfolgers ^iainfe^ N. (l'^l!) vor Chr. Geb,V Vor allem überrascht des erstgenannten Bönigs Bmidnrch die Schönheit dcr Darstellniigen und hiervglyphischen Texte, welche die Wände nnd Sänlen bedecken lind der vollendetsten Periode der egyptischen plinst angehören. Eine besondere Vernhnitheit hat derselbe Tempel dnrch feine>t'önigstafel erlangt, welche die Namen von 77 Pharaonen, vom ersten Mena (Menes der Griechen) an bis Namfes II. hin nacheiilander allfführt nnd gegenwärtig die werthvollste Grnndlage aller Untersnchnngen anf de>n Gebiete der altegyptischen Geschichtsforfchnngen geioordeli ist. Der zweite von Namses gegrinidete Tvdteiitcmpel liegt in nördlicher ^lichtling von dem vorigen. Weniger gilt als jener erhalten, bieten dennoch seine Neste, ans femlörnigem .Aükstein, Alabaster nnd Granitblückel, bestehend, anf ihren glatten Wänden 97 zahlreiche, must buntbemalte Darstellungen lind Iuschriftcu, welche für die Geschichte, die Geographie und die Mythologie der alten Egypter von bedeutenden! Werthe find. Eine Anzahl der in der Nekropolis vl.nl Abydns gefnildenen Grabsteine haben bereits ihren Weg nach Wien gefnnden. Während wir die Hallen nnd Säle des Tenlpels betrachteten, sah ich vmn nahen Wüsteugebirge einige Geier herüberstreichen nnd hoch in den Lüften kreisen. Der Entschluß, die großen Raubvögel anzulocken, n>ar bald gefaßt nnd mm hieß es nur iwch eiin'n günstigen Platz znm Auslegeu des Aases anfznfinden. Hinter den Tempelbauten erheben sich einige hohe Schutt- und Trnmmerhanfen: von denselben genießt man einen freien Neberblick anf eine weite Wüsteneoene, die sich vom Rande des Cnltnrlandesbis zum Fuße der kahlen, dnrch schöne Eonton reu nud hohe Felswällde ge-schmückteu Gebirge erstreckt. Diese Ebene be gaun ich nlln, nach einer geeigneten Stelle su-chend, zu durch' stöbern und faud bei dieser Gele-genheit die Reste alter Mauern, halbverfallene Gräber nnd ei nige hnndert Gange vmuTem-pel entfernt ein wahres Todten feld. In deu Tagcu der römi scheu Imperatoren erlag daselbst eine Legion den SencheuuudVut-behrnngen. Die Leiber der römischen Krieger liegen noch nnver-scharrt im wilden Durcheinander umher. Mau tauu von Leibern in der That Tcr blinde Auliqu^r i,i Mydns. sprechen, denn die afrikanische Tonne, der glü-heude Eaud uud die jedes Nieder-schlages entbehrende Luft habeu die Cadaver erhalten nnd anf natürliche Weise mnmifieirt; ich stieß anf Körper, Arme, einzelne Beine nnd Hände, an deilen noch brannes, zusammengedörrtes Fleisch hieng; eili grinseilder Schädel, mit Kopfhant >llld diluklcu Fleischlappen an den Wangen, erregte insbesondere meine Aufmerksamkeit; einen anderen, der weniger ekelhaft war, nahm ich als Andeukeu mit. Mau mnßte buchstäblich zwischen Moder nnd Gerippen herumwaten. Es war ein echtes Wüstenbild; die blendend weiße Ebene, der Sand, der an den Fnßsohlen glühte, die umherliegenden gebleichten Gebeine, die Hyänen- nnd Schakalfährten, die kreisenden kahlköpfigen Geier, nnd im Hintergrnnde die hohen, vollkommen vegetationslosen Wände der Wüstengebirge; kein grillier Grashalm erfreute das Ange, nichts als grelle Reflexe der glühenden Sonne, weiße nnd gelbe Steinmafsen nnd Sandöden, in scharfen Eoutoureu sich abhebeud vom tiefblaneu Firmament. Eine unleugbare Poesie liegt in dieser 13 98 eigentlich monotoueu, aber großartige» Gegend. Ein kleiner Hügel schien geeignete Decknng znm unbemerkten Anschleichen zn geluähren, und so kallfte ich rasch eineil Hammel, führte ihn an den Platz, beendete sein Leben dnrch einen Knickfang, zog die Gedärme, als erste leckere Speise fiir die Geier herans nnd eilte zn meinen Gefährten nach dem Tempel zurück. Nachdem wir alle Denkmäler genau durchstöbert hatten, verkehrten nur in einer altegyptischeu Halle ein mitgeuouliueues Frühstück. Kaum war die Mahlzeit beendet, als anch schon Hoyos nnd ich wieder unterwegs waren, nm dem todten Halnniel einen Besnch abzustattell. Wir hatten noch nicht eine ganz günstige Schußdistanz erreicht, als ein besonders vorsichtiger Geier nnserer Amlähernng gewahr wnrde nnd mit sausendem Flügelschlag vom Boden abstrich; ihm folgten wohl gegen zwanzig seiner großen plnmpen Gefährten. Hoyos war so glücklich, im ersten Momente ans dem dichten Knänel einen mächtigen weißköpfigen Geier hernnterznschießen; ich war weniger geschickt nnd verwnudete bloß ein besonders starkes Exemplar, das dann schwer krank niedrig über die Ebene dahinzog. Dem armen Hammel hatteu die gefräßigen Thiere arg zugesetzt, nnr Wolle nnd verstümmelte Stücke wareu übrig geblieben. Nach diesem gelungenen Jagd-Intermezzo kehrten wir zu den anderen Herren zurück nnd giengen mit ihnen nach dem Dorfe, wo wir einem blinden Baner einen Besuch abstatteten. Der brave Mann ist einer der reichsten Hansbesitzer dieses Ortes und treibt nebstbei Handel mit altegyptischen Gegenständen, die er in ganz unerlaubter Weise in nud um den Tempel ansgrabcn läßt. Unter Brugsch Pascha's Leituug kaufteu wir einige bessere Objeete und hatten zngleich Gelegenheit, die höchst primitive und unsanbere Einrichtung der Behausung eines Nilthal-Bewohners anzusehen. Von Aräbat el-Madfüue ritteu wir jagend dnrch das Cnlturlaud nachBeliäne zilrück. Verschiedenes kleines Wild wnrde erlegt, insbesondere intercssirten uns die Gleit-Aare, jene echt afrikanischen, weiß und blaugrau gefärbteu Raubvögel, die sich iu ziemlicher Auzahl bei deu Palmenhainen nnd Ziehbrunnen hernmtrieben. Nachmittags langten wir am Dampfer au nnd konnten noch zwei Stnnden hindurch bis zum Vegiuu der Dunkelheit die Fahrt stromanfwärts fortsetzen. Immer dieselben Landschaften glitten vorüber, ein herrlicher Abend erfrcnte uus uud eiu effectvoller Souueuuutergaug brachte aus;er glühenden Farbeneffecten noch Gelegenheit zu interessanten ethnographischen Studien. Mit dem Verschwinden der Sonne treiben die Fellachen ihre Kameele, Büffel, Esel, Ziegen nnd Schaf-Heerden znm letzten Mal zur Tränke; viel Volk eilt zn deu Gestaden; Männer lind Frauen nehmen da ill urwüchsiger Weise ihre heiligen, vom Choran vorgeschriebenen Waschungen vor, nnd die schlanken Wasserträgeriueu schöpfen in ihren Thonkrügen, die in Form lind Wesen seit den Tagen der Pharaonen gleich geblieben sind, das frische Nilwasser für deu Abeudbedarf; die düuuen blanen Hemden, von den Flnthen des Stromes benetzt, schmiegen sich an den Körper uud lassen schöne Gestalten erkennen; melancholisch blicken die großeil schwarzen Angen in die kränselnden Wellen nnd der leichtgeöffnete Mund smntnt schwermüthige Lieder; es sind dieselben Menschen, die wir an den Wänden der Tempel sahen uud es düukt uus, die alten Gräber hätteu sich geöffnet, um das Volt der Pharaonen an die Gestade des heiligen Stromes zu senden. Bei ei nein kleinen Dorf legten wir an nud brachten nach einem vergnügten Abend am Dampfer die Nacht zn. Am 2. März wurde mit Tagesanbruch die Reise fortgesetzt. Die Vormittagsstnuden verlebten wir am Verdeck, die schönen, doch wenig Abwechslnng bietenden Landschaften betrachtend. Grüne Felder, Dum- nnd Dattelpalmenhaine, einzelne kleine Städte nnd die das Nilthal einsänmenden Hochgebirge glitten im nnnnterbrochenen Einerlei an nns vorüber. Auf den langgestreckten Sandbänken herrschte Ein Abend am Nil. 101 besonders an diesem Morgen viel reges Leben. Große Züge von Pelekauen, Neihern und (Gänsen wurden beobachtet und mein Jäger behanptete nut aller Genußheit, ein Krokodil gesehen zn habeu. Uui 12 Uhr kämm wir bei Keueh, eiuer ziemlich großen, ali^ graubrannen Lehnlhäusern erbanten nud durch hochragende Minarets geschmückten Stadt, an. Wir hielten an deli brüchigeu Gestaden des »restlichen, gegenüberliegenden libyschen Ufers nnd giengen augenblicklich an's Land. Einige Esel wnrden bestiegen nnd bei einem hübschen Palmenhain, neben den Häuseru eines sehr ärmlich anbellenden Torfes vorbei, in dessen Gärten zwischen Schnintz nnd Unrath die ekelhaften Aasgeier wie Hansthiere umhersaßen, gelangten wir gar bald in eine wohlbebante Ebene. Der Nil beschreibt hier eine Krnmmnng nnd tritt nahe an die libyschen Wiistenqebir^e heran; demzufolge ist das Band enltivirten Landes sehr schmal, lind nach halbstiindiqem Ritt hatten wir den großen, berühmten Tempel von Dendera erreicht. Gleich den Nninen von Äbydn5 liegt anch er hart am Nandc des Frnchtlandcs, schon im Sande der Wüste, Ich kann nicht besser thnn, als mich an dieser Stelle der Worte meines Frenndes Vrngsch zn bedienen: „Dcndera, inoderne Bezeichnung eines vielbesuchten Tempels anf dem westlichen Ufer des Nil, gegenüber der Stadt Keneh, Caenepolis, d. h. Neustadt der griechischen Geographen, die ans dem alten Namen Tantareu ihre vollständige Erklärung findet. Dieses in ausgezeichnetem Znstande erhaltene Heiligthnm, welches der Göttin Hathor (der Venns der EgYPter) gen>eiht war, datirt aus deu letzten Zeiten der Ptolemäer und ans den ersten Zeiten der Herrschaft der römischen Kaiser über Egnpten. Seine Bedeutung beruht znnächst in der genaueren Kenntnis? der Anlage lind der einzelnen Theile eines altegyptischen Tempels von größerer Änsdehnnug. Nehmen wir die ganz ähnliche, »och vollständiger ansgeführte Anlage des Tempels von Edfu zn Hilfe, so folgen sich die gesonderten Mtheilnngeu in dieser Weise: 1. Die beiden thnrmähulichen Flügel vor dein Tempel mit dem Haupt Portal, dazwischen zwei Obelisken uud die Kolossal Statuen königlicher Erbauer, rechts nnd links vom Portat, bildeten vor der ungcheneren Fläche beider Flügel einen imposanten Vordergrund. 2. Der offene Hof mit einem Sänlennmgang, dem sogeuauuten Peristyl. 3. Der Vorsaal mit halb offen liegender Vorder-Fae,ade, deren Eharatter die Tempel von Dendera nnd Edfn sehr deutlich veranschanlichen. Astronomische Darstellungen mit den zugehörigen Texten schmücken die Decke dieses Nanines. 4. Der Festsaal mit Kammern nach rechts und links. 5>. Der Opfersaal mit Seitenkammeru. 6. Der Mittelsaal mit Seitenkmnmeru. 7. Das Adytum oder Merheiligste, in der Mitte de^ hinteren Tempelranmes stehend, gleichsau, ein Tempel im Tempel. Hierin befand sich eiue steinerne Eapelle mit dem Bilde der betreffenden Gottheit, desgleichen die heiligen Barken, in denen au deu Hanptfesteu däs Bildnis; der Gottheit anf den Schnltern der Priester in Proeession nmhergetragen wurde. Das Adytnm war durch einen besonderen Umgang oder Corridor von den Seitengemächern getrennt, von deueu das wichtigste die hinter demselben gelegene Kammer war. Sie bildete den Anfang eines jeden Tempelbaues, dessen Axe genan dnrch ihre Mitte gieng. Noch sei bemerkt, daß vom Vorsaale an die aufeinander folgenden Säle terrassenförmig ansteigen. Die Anlage des salomonischen Tempels mit seineu Säuleu, Vorhöfeu, Vorhalle, Heiligen, (dem Opfersaal) und Merheiligsten (mit der Bnudeslade) ist eoustruetiv durchaus der egyptischeu Tempel-Architektur entsprechend." 102 Im Schein der Fackeln durchforschten wir all» Räume des großen Gebäudes, die eugeu Krypten, Stiegeu und Gänge. Lange hielt ich mich in der weiten, duukleu, säuleugetrageneu Halle auf. Die kolossalen grauen, nnbemalten, doch im vollen Hieroglyphen-Schmnck prangenden Steiumassen erinnerten an längst verflossene Tage; man kann sich tein wohlerhalteneres Denkmal nralter Zeiten denken, als es dcr unheimlich schone Tempel von Dendera in der That ist. Im Geiste sah man die Priester einer mächtigen Religion in ihren langen weißen Gewändern, mit geringelten schwarzen Bärten nnd hohen Mützen vorbeischweben, den allgewaltigen Gottheiten des alten Nilreiches Opfer darbringend. In den öden Gängen Hansen jetzt Fledermäuse in unglaublicher Menge nnd in der weiten Halle saß in einer dnnklen Ecke eine Nachtenle, während am Gesims, doch anch im Inneren des Gebändes, ein Kolkraben-Pärchen sein Nest errichtet hatte; das starke, blendend schwarze Weibchen erlegte ich im Momente, als es beim Thore ins Freie entfliehen wollte. Vom flachen Tempeldach genossen wir eine herrliche Fernsicht anf das grüne Cnltnrland nnd den Nil in einer Richtnng, in der anderen hingegen nach einer langen Sandwüste nnd die dahinter sich anfthürmenden Gebirge. Es war ein ernstes düsteres Bild; die grauen Rninen, die öde Wüste, die einsamen Felswände, nichts Grünes, selbst kein heiterer Sonnenblick erfrente das Ange. Der Farbcnglanz des Himmels nnd die Pracht der Velenchtnngen fehlte an jenem Nachmittage. Alles lag in granen Tönen und das Firmament war verfinstert, doch nicht dnrch Wolken, denn diese kennt Ober-EgyPten nicht, sondern in Folge schwerer Dünste nnd Stanbmassen, die mit drückend ermattender Luft in Verbindung, die ersten Anzeichen für den herannahenden Ehampfin, den gefürchteteu Wüstenstnnn, waren. Jagend kehrten wir in den Abendstunden nach dem Schiffe zurück, auf dem in der nämlichen Station die Nacht zugebracht wnrde. Früh Morgens setzte der Dampfer die Fahrt fort. Schwerer Ehampsinstnrm sanste dnrch das Nilthal, die Sandwolken der Sahara, Nebeln gleich, nm die Gebirge wickelnd. Die Sonne erschien wie eine röthliche Scheibe, unfähig ihren Strahlen dnrch die Stanbflnthen Bahn zn brechen. Alles war mit Sand bedeckt, selbst in die verschlossenen Echiffs-Cabmen drang er ein, die Meufchen arg belästigend. Eine erschlaffende, schwere Luft erfüllte die sonst so herrliche Landschaft nud erstannt beobachteten loir die für nns noch neue Naturerscheinung. Pelekane, verschiedentliches Wassergeflügel nud einige Plumpe Seeadler wnrdeu in weiten Distanzen vergeblich beschossen. An einigen Ortschaften, darunter die Städte Knft nnd Kus, kamen wir vorüber; der Typns der Gegend blieb immer derselbe, nnr traten die Gebirge stetig weiter znrück, nm der schon in der Geschichte des Alterthums wegen Reichthum nnd Cnltnr gepriesenen Ebene von Theben Platz zn machen. Um 12 Nhr legten wir am Landuugsplatz der ziemlich großen Stadt Luxor an. Außer nns ware» noch ein Postdampfer uud mehrere Dahalnyen europäischer Reiseuden anwesend. Das moderne Luxor, eiu echt arabischer, ans Lehm erbanter Ort, steht inmitten nnd theils angelehnt an Ruiueu altegyptischcr Denkmäler. Zn beiden Seiten des Nil ist das Land weithin (am libyschen Ufer sogar bis innerhalb der Gebirge) mit den Ueberresten des „huudertthurigen" Thebeu, der größteu Weltstadt des ältesten Alterthums, bedeckt. Gleich nach nnserer Anknnft giengen wir an's Land, erklommen die steile, sandige Uferböschung nnd mietheten am prnnitivcn'^Platze vor dem kleinen schmutzigen Luxor-Hotel mehrere Reitesel. Dnrch enge Gassen der Stadt einen einfachen, überaus übelriechenden, aber an interessanten bnnten Menschentypen reichen Bazar passirend, kamen wir an dem aus elendeu Hütten, nnr von Tänzcrinen bewohnten Tendrni. 105 Stadtviertel vorbei. Luxor ist wegen seiues Reichthums ml Ghawazi's berühmt, der Hauptsi!) dieser verworfenen Kaste. Vei don letzten Häilsern zwischen Sand nnd Schmutz ioar em echtes Zigennerlager allfgeschlagen. Bald hatten unr das freie Land erreicht und zwischen Palmenwäldern nnd wohlbebauteu Feldern lrabten wir auf einem Damme lustig vorwärts. Schon von weitem wurden die hochragenden Thore, Säulen lind Mauern der berühmten Rninen von Karnak sichtbar, die sich inmitten des Cnlturlandes neben einem üppigen Palmenwald erheben. Der Baum des Südens, das Wahrzeichen der afrikanischen Vegetation, bot in Perbindung mit den hochclassischen, blendend weißen Denkmälern, die nur die Phantasie des so gebildeten morgenläudischen Alterthnms zu schaffen im Stande war, ein eigenthümlich effectvolles Bild dar. Ein kleines Dorf nnd eine junge Banmanpftanzung befinden sich vor dem Eingang zu den Rninen; ein Schwärm der munter mit schmetterliugartigem Flng nmhcrschwirrenden Blanwangenspinte gab uns Gelegenheit, viele dieser schönen, echt afrikanischen Vögel, ihres Federschmuckes wegen, zu erlegeu. Nach diesem kurzen Jagd-Intermezzo betraten wir das herrliche Ruinenfeld von Karnak. Folgen wir den Worten Vrugsch Pascha's, der uus in geistreicher Weise dnrch die großartigen Ueberreste laugst verkluugeuer Zeiten führt: „Der Tempel von Karnak, ehemals dnrch eine Sphinx Allee von gewaltiger Länge mit Lnxor verbnuden, bildet ein großartiges Complex von Banten ans allen Epochen der egyptischen Geschichte. Fast jeder König der Periode von 1700 Jahren ließ es sich angelegen sein, dnrch einen besonderen Bau seine Erinnernng in dem Tempel zn verewigen. In dieser Weise ruht in dem Rcichstempel die Neichsgeschichte so vieler Iahrhnnderte. Zu den bedeuteudsten Urhebern derartiger Anlagen gehöre,: die folgenden Pharaonen: 1. Thotmosis III. uud seiue Schwester Hatschop (um 1600 vor Chr. Geb.), denen die noch vorhandenen Obelisken von Karuak ihren Ursprung verdanken. Die Sicgeszügc des ersteren in Asien nnd Afrika sind durch reiche Tarstelluugcu und Inschriften verewigt, denen die Wissenschaft die wichtigsten Aufschlüsse über die Geschichte und die geographischen Kenntnisse jeuer Epoche schuldet. 2. Seti I. (1360 vor Chr. Geb.), der Gründer des großeu, von 134 Säulen getrageneu Tempelsaales, dessen Scnlptnr uud Ornamentirnug an den vollendeten Styl des Tempels von Abydns erinnert. An der nördlichen Außenwand haben die Abbildungen der Kämpfe des Königs gegen Araber nnd syrische Völkergrnppen, sowie die Darstellung seiner Rückkehr uach Egypten einen hohen geschichtlichen Werth, .'i. Ramses II. (Sesostris) vollendete nach dem Tode seines Vaters nnd Vorgängers Seti l. den eben erwähnten Säulensaal. An der südlich gelegenen Außeuwaud wiederholen sich die illustrirten Schilderungen der Kämpfe dieses Pharao gegen den König von Hcth uud dessen vorderasiatischen Bundesgenossen. Von den kleineren Anbauten und Erweiterungen sind vor allem erwähunugswerth die Constrnctionen nnd Texte der sogenannten Vubastiten-Halle (ans der Epoche vou 966 bis 800 vor Chr. Geb.), da au der Außenwand desselbcu Köuig Schaschank I. (der König Sisak der Bibel) seinen Zng gegen das Reich Iuda in echt egyptischer Anffassung verewigt hat. Im Süden des großen Tempels von Karnak, mehr dem Flnsse zn, liegt ziemlich wohlerhalteu der Tempel des lunareu Gottes'Chousn (eines Sohues Amuu's uud sciuer göttlichen Gemahlin Mut), ein Werk König's Ramses III. (1200 vor Chr. Geb.) uud seiner Nachfolger, mit einem imposanten Pylonen-Thor davor, aus deu Zeiten der Ptolemäer. Der Chonsu-Tempel bezeichnet zugleich die Epoche des Sturzes der letzten Pharaonen ans dem Hanse der Namessiden. Die Oberpriester des Amon, an ihrer Spitze Hirhor, hatten das politisches Uebergewicht in der Theba'is erreicht nnd sich an die Stelle der legitimen Köuige gesetzt. Damit war der alte Glanz von Theben abgeschlossen nnd eine Zeit fortdauernder Unrnhen nnd Kämpfe im Inueru geschaffen. 14 106 Anch der Mut, dor Gemahlin Amon's, des egyptischen Zens, war in der Nähe eines gegenwärtig noch vorhandenen See's ein besonderes Heiligthnm (in südlicher ^iichtnng vonKarnak) geweiht. Die Statnen der egyvtischen Ilino, säinmtlich niit Löwinen-Köpfen versehen, ans schwarzen! Granit, die Göttin in sitzender Etellniig wie eine Königin darstellend, nnMben die Ränder des heiligen Wasserbeckens nnd liegen noch hente, zun, Theil an ihrem alten Platze, zerstrent auf dem Boden nmher. Die besterhaltmen davon sind bereits in früheren Jahren nach den verschiedenen Mnseen Europa's gewandert." Nachdem wir die weiten Ränme, den Wald von Rninen nnd Sänlen, sowie die Schutthaufen der großen Tempelanlagen durchstöbert hatten, kehrten wir alle ans demselben Wege nach Lnxor znrnck. Inmitten der Stadt, zwischen den Denkmälern des Alterthnms förmlich eingeklemmt, steht das Haus des englischen Consular Agenten, eines alten, wohlhabenden Arabers. Der schlane Greis, in halb europäischer Tracht, empfieng nns ans das freundlichste, um enorme Preise egyptische Autiqnitäten zum Kaufe anbietend. Wir nahmen einige hübsche Stücke, tranken den nnansweichlichen Höflichkeils-Kaffee nnd setzten dann die Besichtigung der innerhalb der Stadt liegenden Nninen fort. Abermals werde ich Brugsch an meiner Stelle sprechen lassen: „Theben, von der Mitte des 25). Iahrhnnderts vor Chr. Geb. 1700 volle Jahre lang die glänzende Hauptstadt des egliptischen Reiches, deren Rnf selbst einem Homer sangeswürdig erschien. Nach den Angaben zahlloser Inschriften, im Einklang mit den noch vorhandenen Ueberresten der alten Banten, ward die Stadt in zwei dnrch den Nil getrennte Qnartiere getheilt, in ein östliches nnd in ein westliches, beide zusammen mit dem Namen Uas oder anch Pi amon, „die Amous-Stadt", Diospolis der Griechen, belegt. Das auf dem östlichen Ufer gelegene Quartier führte die besondere Bezeichnung Api oder mit dem Artikel T-api, alls welcher die griechische Benennnng Thebai Thebae entstanden ist. Die anf dieser Seite erhaltenen Tempelrninen, welche von den anwohnenden modernen Egyptern El-Lugsor (d. h. die Schlösser, gewöhnlich Luxor geschrieben) uud Karuak getanft worden siud, rnfen noch hente die höchste Bewnndernng lvach. In ^inror sind es die Banten Königs Amenophis III. (1-Mi vor Chr. Geb.) nnd nördlich davon die des Pharao Ramses II. (Sesostris), welche sich in hervorragender Weise bemerkbar machen. Die Vorderseite der Pyloneuflügel des Nams?s-Tempels schmückt die lebendige Darstellnng der Schlacht bei Nadosch am Oroutes, in welcher Namses einen schweren Sieg über den König der Hethiter uud seine Buudesgeuosseu davoutrug. Von deu beiden Obelisken hat nur der eine (östliche) seineu alten Stand behauptet. Von deu kolossaleu Sitzbilderu desselben Köuigs ans Granit lasjeu unr die ans dem Erdboden anfsteigenden Köpfe die enormen Dimensionen erkennen." Während wir noch am Platze die Denkmäler betrachteten, strömten ans den Gassen die gewiun-süchtigeu Araber mit Ansgrabnngen, meist kleinen, nnd nach Brngsch-Pascha's Aussprnch gefälschten Antiquitäten, anf nns zn, ihre Waaren in der lästigsten Weise aufdrängend. Anf die energischeste Weise mnßte man sich der zudringlichen, kreischenden nnd lebhaft gesticnlirendeu Menschenmenge erwehren. In einer Seiteustraße fanden wir einen Hänfen Ababdeh's. Es ist dies ein höchst interessanter Volksstamm, durchaus keine Araber, von einem vom senntischen, doch zngleich anch vom Neger-Typns vollkommen abweichenden Charakter. Wohl dürften es die Nachkommen inuerasiatischer Volksstämme sein, die bei der ältesten Völt'erwandernng der Welt, der sogenannten Wanderung der Knschiten, die südliche Straße dieser Völkerbewegnng, nämlich die Küste des indischen Oceans nnd den Sndrcmd Arabiens verfolgend, nach Afrika gelangten. In Abessinien, ferner dem Gebiete der Somali nnd bis hinanf gegen Assnan nnd sogar Theben, siedelten sich diese merkwürdigen Stämme an. Nimn'lifclt' »ml >!,il,,a>. 100 Speciell die Ababdeh's bilden jetzt einen streng gesonderten Stamm, der östlich des Nil, zwischen dem Strome nnd dem Rothen Meer,^von der limgebnng Thebens angefangen bis südlich Assnan's, die Gebirge bewohnt. Es ist ein armes Gebirgsvolt, das in den rauhen Schluchten der Wüstengebirge seinen Typns mwerfälscht erhielt nnd stets anf derselben niedersten Stnfe der Entwickelnng blieb. Sie sind Wilde im vollen Sinne des Wortes. Die knpferbranne Hant, die mageren Gestalten, die feinen Gesichtszüge weisen anf den indischen Ursprung hin. Die Haare sind schwarz, aber dnrch fette Salben nnd Eindrehnng in verschiedene, von Holzstücken gehaltene hörnerartige Spitzen dermaßen entstellt, daß man den ursprünglichen Typns nicht mehr erkennen kann. Die Bekleidung besteht in einigen schmutzigen, nothdnrftig mn den Leib gewickelten, knapp anliegenden Lumpen. Alle trngen roh gearbeitete Ohr lind Armringe, ein kleiner Junge sogar einen Nasenring- ihre Waffen, alte Klingen, darnnter sogar eine europäische Ritterklinge ans den Tagen der Kreuzfahrer, hölzerne 110 Keulen, primitive Speere, lederne Schilde, Pfeile, Bogen lind Köcher, erregteu meiiie besondere Allfmerksamkeit, doch gutwillig wollten sic dieselben nicht oerkanfen llnd es bedlirfte der Iuterveutiou Abdel-Kader-Pascha's, llln mir die interessanten Gegenstände sanlnit nnd sonders zu verschaffen. Ein glücklicher Zufall ließ uns die Ababdeh's schon in Theben begegnen, denn nnr selten kommen dieselben anf den Markt dieser Stadt; in Assnan sollten wir sie noch näher kennen lernen. Nach diesem interessanten Zwischenfall trennte sich die Reisegesellschaft; der Großherzog und ich ritten abermals nach Karnak hinaus, nm des Abends da anf Ranbthierezu ja ->en, lvährend die anderen Herren in ^ur,or verblieben. Eiu jagdklindiger Araber, Chalil genannt, führte nns bis in die Nähe der Ruinen von Karnak; vor den ersten Hänsern des kleinen Dorses bogen wir in die Felder ein nnd erreichten bald einen Sandhngel, anf dem ein altes mohamedanisches Schech Grab stand. Im Schatten eines kleinen Palmen-Haines wnrden wir an zwei Pnnkten vom Araber postirt, mit dem Auftrage, in voller Ruhe schußbereit der kommenden Ereignisse zu harren. Der Ehampsin hatte sich in den Nachmittagsstnnden gelegt, ein schöner Abend folgte dem bösen Tage. Die Sonne gieng wuudervoll nnter, die weite thebauische Ebene, die hier besonders Iiohen Wüstengebirge ilnd die herrlichen Ruinen von Karnak in deil glühendsten Farben vergoldend. Ein leiser Lnftzng ranschte in den Kronen der Palmen, balsamische Düfte eutmiolleu der üppigen Vegetation, die Tanben girrten melancholisch zwischen den Bnscheu nnd die großartige Rnhe der herrlichen Landschaft N'irtte einschläfernd allf mich. Ich schlief ganz fest, als plötzlich der nnweit lanernde Ehalil mich nnsanft aufrüttelte, mir in barschen Worten erklärend, ich hätte einen nahe vorbeitrollcnden Schakal verpaßt. Es war inzwischen Nacht geworden lind mit dem Großherzog trat ich den Rückweg an. Ueber die Felder heimwärts wandernd, gewahrte ich ein gespensterartig vorbeihnfchendes Thier; rasch warf ich einen Schliß auf gut Glück nach lind fand zn meiner großen Frende einen Schakal, der sich in den letzten Znckungeu hernmwälzte. Mit dieser hübschen Bente erreichten wir gar bald den Platz, wo die Esel warteten, nnd trabten vergnügt nach Hanse, zn nnserem Dampfer znrnck. Den Znreden Ehalil's folgend, brachen einige oon nns am nächsten Morgen noch lange vor Sonnenaufgang anf nnd ritten qnerfeidein, an den Rninen von Karnak vorbei, zn einem Teiche, an welchem alltäglich während der Dämmerung die großeu Ranbthiere zn trinken pflegen. Der Weg war lang nnd Todtenstille herrschte in der weiten Ebene, nnr hie lind da unterbrachen das Geheul der Schakale nnd das Gebell der halbwilden Hnnde die Nnhe der Nacht. Endlich hatten wir den Teich, besser gesagt in einer Grnbe von der Nilnberschwemmnng her zurückgebliebenes Wasser, erreicht. Chalil stellte rasch die Schützen an; in gespanntester Anfmerksamkeit lanerten wir, bis die Sonne goldig roth über den arabischen Gebirgen emportanchte. Nichts war erschienen, als ein Schakal, den Herr Rath verpaßt hatte. Ein herrlicher Morgen entschädigte für die erfolglose Geduldsprobe. Der knrze Uebergang von der Nacht, durch die Dämmerung z»m Souueuaufgang, war so reich all wechselnden Velenchtnngen nnd glühenden Farbeneffecten, wie sie nur das Iuuere Afrika's im Stande ist hervorzuzanbern. Viel Geflügel aller Art erschien all der Tränke, nnd so beschlossen wir den Vormittag jagend zuzubringen. Kleines Wild, darunter mehrere hier schon in Hülle nnd Fülle überwinternde Wachteln, wnrden erlegt; die Felder dnrchstreifend, gelangten loir zn den Rninen von Karnak; mehrere der Herren kehrten nnn nach Luxor znrnck, während ich zwischen den Schutt- uud Trümmerhanfen ein Versteck wählte, um beim Aase allf große Geier zn laneru. Leider erschienen nnr einige Milane nnd Aasgeier, anf die ich nicht schießen wollte. Der Tag war für diese Jagd nicht geeignet, deuu dichte Sandwolken erfüllten die Lnft, die nahen Gebirge sogar den Blicken verbergend. Der Ehampsin hatte sich in den Vormittagsstnnden Theben, 113 nut ernenter Kraft wieder eingestellt. Gar bald verließ ich mm, altegyptisches Versteck uud gieng zu eiuem innerhalb der dünnen gelegeueu klciuen, ganz niit Steinplatten begrenzten Wasserreservoir, das ans den Tagen des Alterthnms stainmt. Mehrere Beeassinen nnd Uferlällfer, wahrfcheiulich von Mattigkeit wahrend der Reise übermauut, saßeu in jänimerlicher Weise alls dem kahlen Gestein; eine kurze Jagd machte ihrem kümmerlichen Dasein ein Ende. Nun ritt ich am nächsten Wege nach Luxor nnd zum Dampfer zurück. Für die Nachmittagsstnnden hatten wir den ersten Ansflug zn den Denkmälern des westlichen Ufers projectirt, mußten aber des noch stetig wachsenden Ehampsin-Stnrmes wegen die Pläne äudern und beschlosseil, am folgenden Tage die Weiterreise anzutreten nnd die Westseite Thebens für die Rückkehr r>on den Katarakten anfznsparen. Der Nachmittag wurde theils am Vord des Dampfers, theils iu Lnxor selbst zugebracht. Mit Vrugsch Pascha besuchte ich deu deutschen Eousnlar-Agenteu, eiucu Kopteu und zugleich Verkäufer altegyptischer Ausgrabnngen, fand auch bei ihm bessere Objecte, als Tags zuvor bei seiuem englischen Kollegen. Mehrere recht werthvolle Stücke wurden eingehandelt nnd anf das Schiff gebracht, wo nllmälig ein egyptisches Museum zu eutstehen begann. Nach still verbrachten Abendstunden wurde bald znr Ruhe gegangen. Am 5>. begann mit Sonueuaufgang die Weiterfahrt. Dem Rathe einiger Europäer in Lnxor folgend, beschlosseu wir, bei dem nahen, durch seine Zuckerfabrik nnd seiue großen Zuckerfelder berühmten Dorfe Ermeut zn halten uud daselbst eiuige Stuudeu der Jagd zu widmen. Nach zweistündiger Reise hatten wir nnser nächstes Ziel erreicht. Einige franzosische Beamte der vollkommeu nach europäischem Muster eingerichteten Fabrik empfiengen nus anf das freundlichste, stellten so viele Arbeiter, als wir zum Treiben der Zuckerrohrdickuugen beno'thigten, zu unserer Verfügung und ließen augenblicklich einen Eisenbahuzng zur Fahrt bereit halten. Durch eine herrliche Sikomoren-Allee an den Fabriksgebändeu vorbei, gelaugten wir nach wenigen Miuuteu zu dem lleiueu Bahuhof des kurzeu Schicnenstrauges, der die Fabrik mit den größten Feldern verbindet. Jetzt hiesi es die Treiber anssucheu; gar bald wurde uns ein Rudel vom Fabrikslebeu herab getoiumeuer Fellachen zugetrieben und gleich darauf iu die funst nnr für deu Transport vou Zuckerrohr bestimmten Waggons verpackt. Im letzteu uahmeu wir Platz und mm gieug es zwischeu deu hübscheu Gärteu der Beamten und dauu an einem äußerst ärmlichcu Fellachen-Dorfe mit kleinem Palmeuwalde vorbei in die Ebene hinaus. Nach kurzer Fahrt wnrdc angehalten. Ein fchmaler Streif cultivirteu Landes treuut den 3til von den hier nahe herantretenden Wüstengebieten. Das nächste Zuckerrohrfeld sollte durchtriebeu werdeu, doch leider waren die Felder zn groß und dicht, die Treiber gieugen schlecht nud nur ein Wolf verließ uubeschosseu seiu Versteck. Bald erkannten wir die Erfolglosigkeit unserer Bestrebungen nud kehrten zum Eiseubahuzuge zurück. Während der Fahrt durch das schou früher erwähute kleine Dorf schoß ich ails dem Waggou einen Aasgeier, der mit anderen seiner Gattnng, Hansthicren ähnlich, bei einer Lehmhütte saß. Iu dem Garten eines französifcheu Beamten wurden uns »och mehrere Schakal- und, wie die braven Leute meinten, Wolfsbaue gezeigt. Ein Verfnch, die Dachs-huude hineiu zu lasseu, blieb ohue Resultat uud so kehrteu wir uach kurzer Abwesenheit auf deu Dampfer zurück. Ermenr spielte fchon im Alterthume eiue Rolle. Griechisch Hermonthis, altegyptisch Anmonth, anf dem westlicheu Ufer de^ Nil gelegeu, in südlicher Richtnng von Theben, hatte auch diese Stadt mit ihren, dem GotteMouth geiveihteu Tempeln dereu letzter vor wenigen Iahreu der egyptischeu Barbarei zum Opfer gefallen ist den Ruf einer hochheilige» Eulturstätte. Nach dem politischen Niedergange der 15 I 14 alteu Reichshauptstadt Theben ward sie zur Metropolis der Theba'is erhoben nnd bildete den eigentlichen Sitz der griechisch römischen Behörden für diesen Theil Ober-Egyptens. Die an dem Ufer von Ermeut gefundenen Bruchstücke einer Stelle alis schwarzem (Granit befinden sich jetzt in den kaiserlichen Sammlungen in Wien. Die Ilebersetznug Brngsch-Pascha's der schwarten Granittafel von Erinelit, ans den feiten Köuig Ameuophis !l. (eirea ls)N<» vor Chr. Geb., eine Doublette derselben Inschrift iin Tempel von Amada in Nilbien) lalltet folgendermaßen: „Im Jahre 3 am 15. Tage des Monates Epiphi nnter der Regierung des Horns, des mächtigen nnd kräftigen Stieres, des Inhabers der Diademe, deffen Macht weit reicht, der gekrönt ward in Theben, des siegreichen Horns, der in Besitz genommen hat mit Gewalt alle Bänder, des göttlichen Wohlthäters, des Herren der reich macht, des Bönigs von Ober- nnd Unter-Egypten, Rä ä cheperu, des leibeigenen Sohnes des Sonnengottes Rä, der ihu liebt, des Herrn aller Völker, Amenholp, des göttlichen Regenten von Hermonthis, des Freundes des großen (Gottes Ehnnm von Elephantine. „Der göttliche Wohlthäter, erschaffen vom Rä (der Sonne) ist ein großer König von seiner Gebnrt an. Mächtig wie Horns auf dem Throne seines Baters hat der Starkarmige seines Gleichen nicht. „Das ist ein König von wnchtiger Hand, dessen Bogen Niemand zn spannen vermag, weder nnter seineu Kriegern, noch nnter den Fürsten der Völker, noch unter den Königen von Assyrien, denn seine Stärke ist größer, als die aller Könige. „In seinem Zorne gleicht er dem Leopard. Betritt er das Schlachtfeld, so führt Niemand die Waffe ihm gegenüber. Siegreich im Kampfe, ist er eine Schutzwehr für Egypten. Festen Mnthes erwartet er im Engpaß die Zeit des Ranbens. „Es fliehen vor ihm seine Widersacher, denn seine Macht erstreckt sich über alle Völker sammt Reisigen nnd Rossen. Und kämen sie an zu Millionen, nicht achtet ihrer der, dessen Fahrwasser Gott Amon ist. Sieht er sich anf dem Ausflug, sofort dnrchdringt Mauneskraft feinen Leib, nnd er gleicht dem Gotte Ehim (Pan) Mr Zeit der Schrecknis;, lind kein Einziger taun sich retten vor seinem Arme. Er hatte die Semiten zn seinen Gegnern nnd die uenn Völker deßgleicheu, aber zn Knechten wurden ihm alle Völker nnd Länder. „Die dem König feindlich Gesinnten sind unterworfen seinem Zauber bis zum Ichteu Rest hill. Seine Hände theilen Wunden ans, und kein Arm scht ihm eine Grenze, nur von seinem Odem liat man das Leben. „Der König der Könige, der Fürst der Fürsten, hat herbeigeführt die Bewohner der äußersten Enden der Welt. „Er ist ein Einziger, ein Kämpe für den, welcher ihn preist nnd ihu anerkennt als eine Soune am Himmel. „Sein Blick ist bannend an: Tage des Kampfes, kein Ziel ist ihm gesetzt zur Menge der Völker. Die Fremden vereint, sie fallen zn Boden von der Glnth, denn es gleicht sein Mund eiuem verzehreudeu Fener, dein Niemand entrinnt von denen, die uiedergefällt liegen. Sie gleicheu deu Widersacher» der Bast (Diana) auf dem Wege des..... „Doch Heil nnd Glück gewährt Amon dein, welcher erkennt, daß er sein echter Sohn ist, hervorgegangen aus eiuem Leibe mit ihm, um zn beherrschen, was die Sonne nmtreist, die Völker uud Länder der Erde. Ohil'ngcicr bei cmem todten Büffel. 117 „Kaum hat er fie keuueu gelernt, silld sic seiu Besitz durch Sieg nnd uiächtige Stärke. „Das ist der ,^kölüg, der Bcfriedtgilng findet in seillem Herzen fur die Werte der Götter, ill der Gründnng ihrer Tempel, in der Errichtung ihrer Bilder, in der Verntehruug ueuer Opfer, an Brot nnd Bier in reichlicher Fülle, an Taubon nnd Geflügel für heute nnd täglich in Ewigkeit. Ochsen nnd Ziegen, zn ihren Zeiten (der Feste) kein Mangel ist daran vorhanden. „Er übergiebt den Tempel seinein Herrn (d. h. den Tempel vou Elephantine dein Gotte Chuum), versehen mit allein, mit Stieren und Kälbern nnd endlosem Geflügel. „Also ist dieser Tempel in seiner Weite mit Opfern bedacht an Brot, Bier nnd Wein. Er hat aufs nene eingesetzt, wonach sich verlangen die Väter, die Götter, Mr Bewunderung der Menschen, zur Erkenntniß aller Leute." Diesen schönen, interessanten Text fand Bmgsch, während wir jagten nnd es wurde beschlossen, den schwarzen Granit auf der Rückreise von Assuau in Erment abzuholen. Nach kurzem Aufenthalt setzten wir die Reise fort. Bald gelangten wir an eine Stelle, wo der Nil ein starkes Kuie bildet, von hier au treten die Gebirge beiderseits immer näher heran, bis sie bei Gebelen in schroffen Wänden zum Strome herabsiukeu; besonders schöu siud die malerisch geformten Schluchten, Felsen uud Steiuhaldeu des öden uud hoheu Gebel-Msse Gebirges, des arabischen Ufers. Wir waren eben auf Verdeck, die prachtvolle Laudschaft geuießeud, als ich einen auf einer Sandbank liegenden todten Büffel, umgeben vou Geiern, sah. Mit dem Feruglase eutdeckte ich, daß außer dein weißköpfigen auch der ganz große blanköpfige Ohreugeier, ein echt innerafrikanisches Thier, auwefend fei. Leider ließeu die scheuen Vögel den Dampfer nicht auf gute Schnhdistauz herankommen, rasch wurde gehalten uud der Großherzog uud ich fuhreu au's Laud: einige Ufergebüsche gewährten genügende Deckung uud ruhig wartend, hofften wir die Wiederkehr der impofauteu Ohrengeier zn ihrem gestörten Mahl; leider kam uichts als ein gefräßiges Aasgeier Pärchen, wovou ich eiu Exemplar mit der Büchse erlegte. Auf den Schuß eilten einige neugierige Fellacheu, hier schou ganz dunkle, fast gar nicht bekleidete Gestalten herbei, deueu wir den Auftrag gabeu, tagtäglich deu Geicru au dieser Stelle ein Aas vorznlegen uud die Thiere iu keiner Weise zu stö'reu; auf der Rückreise wollte ich uämlich uieiu Glück auf Ohrengeier nochmals versnchen. Die biederen Leute versprachen in Anbetracht eines gnteu Vachschisch, alleu unseren Wüuschen auf das pünktlichste nachzukommen. Nuu fnhren wir im Kahn zum Dampser zurück, auf welchem augenblicklich die Weiterreise fortgesetzt wurde. Unter eiuem kahlen, dnrch eiu altes Schech Grab gekröuteu Berg tameu wir vorbei: bald darauf tratcu die Höheuzüge wieder weiter zurück, allmalig der ziemlich breiten uud wohlbebauten Ebene vou Esue Raum gewährend. Mit Sonneiiilntergaug erreichte das Schiff die große, dnrch Palmenhaine., üppige Gärten und schattige Alleen gezierte Stadt Esne. Am Landnugsvl-atz wurde angelegt lind vom Verdeck geuosseu nur das hübsche Bild des buutbewegteu morgeuläudischeu Lebeus, das sich am Ufer bei Aukuuft des Dampfbuotes eutspauu. Der Abeud war kühl und erfrischend nach der Hitze des Tages, deuu dem Ehampsiu folgte glüheud heißes, ill der That afrikanisches Wetter. Nach dem Speiseu giengen wir au's Laud, loo eiu Mudir (Gouverneur) uus auf das freundlichste empfieug. Zu Esel ritteu wir läugs des Raudes der Stadt zu dein nahegelegenen berühmten Tempel. Esue, altegyptisch Seni, vox den Griechen wegeu der Verehrnug des daselbst heiligeu Latus-Fisches „Latopolis" genaiint, besaß eiue Zal>l von Heiligthüulern, die dem widderköpfigen Gotte Chuum (dem Banmeister) geweiht waren nnd von 118 deuen »UV noch die tief int modernen Ztadtbodeu steckende Vorhalle eines der größeren als letzter Rost bis auf ilnsere Zeit erhalten geblieben ist. Ein altegyptischer Festkalender, auf der Basis des alexaudriilischeu Jahres, liud die astronomischen Deckenbilder verleihen auch diesem Werke ans der römischen ,^aiserzeit einen besonderen Werth. Im Scheine sehr vieler Fackeln nahm sich die schöne, wenn anch einer, im Vergleiche zu den anderen Denkmälern, jungen Epoche angehörende Tempelhalle sehr gut ails nnd lange blieben wir in dem düstere,, grauen Raume, das interessante Bild genießend, Am Rückwege folgte die Reisegesellschaft einer Einladung des freundlichen Mndir uud im ebenerdigen, nichts weniger als reichlich eingerichteten Gonvernements-Gebände saßen wir alle gar bald auf großeu Divan's, gemüthlich rauchend nnd Kaffee trinfeud. Kaum waren die erstell Höflichkeitsphrasen gewechselt, als anch schon die Thüren sich öffneten nnd leichtfüßige Tän^erineu erschienen. Die eigenthümliche Musik erklang nud U'ir genossen abermals das fragliche Vergnügen eines Äienentanzes. Die Mädchen waren hier nicht schöu, nur eiue Abessinierin hatte sehr markirte '^üge und glänzend brauuschu>ar,^e Halltfarbe. Nach knr^em Aufenthalt verabschiedeten wir nils vom Mndir uud giengen auf deu Dampfer struck. An« N, März wnrde in sehr früher Stnnde die Reise begonilen uud gar bald war die Thaleuge von C'l .^kab, jene schöne (legend, lvo die beiderseitigen Hochgebirge in wildromantischen Formen au den Zlrom herantreten, erreicht. Nach dieser schmalen Passage lassen die libyschen Wüstengebiete, sich ^rückziehend, freien Raum für die ziemlich breite uud gut enltivirte Ebene von Edfn, während die arabischen HöheuMge von nnn an uunnterbrochen bis nahe Mn Nil reichen. Alich ändert sich der Charakter der Berge; an Stelle der schön geformten hohen Gebirgsmaffen tritt ein wild zerklüftetes Tandsteingebirge, dessen niedrige Kuppen nnd Spitzen die absonderlichsten Gestaltungen annehmen, Vormittags langte der Dampfer bei Edfn an: über einige Felder ritteil wir allsogleich zum naheliegenden ärmlichen Dorfe; durch schmutzige enge Gassen gelangten wir an deu jeuseitigeu Raud des 119 Ortes, wo zwischen Schutt nud Trünnuerhaufeu der besterhalteue Tempel Ober Egyptens, eines der schönsten Bandentmäler aller Zeiten, steht. Augeublicklich begauueu wir unter Brugsch-Pascha's Auleituug die Besichtigung dor Räume. Edfu, altegyptisch Debu oder Edbn, griechisch „Apollinopolis" die Große. Der Tempel von Edfn gilt nüt Recht als eines der größten und umfangreichsten Heiligthnmer, das sich ans dem Alterthum bis auf die Neuzeit in wunderbarer Erhaltung bewahrt hat. Die ganze Anlage des Tempels, nach dem oben beschriebenen Grnndplane ausgeführt, bietet somit dem moderneu Beschauer das wahrheitsgetreues^ Bild eines Tempelbaues in altegyptischer Zeit dar. Das gewaltige Heiligthum war den: Lichtgott Horns, dem egyptischen Apollo geweiht, den die Inschriften geuauer als die oberegyptische Form des Sonnengottes bezeichnen. Sperberköpfig dargestellt, erscheint der Gott zugleich als Sieger über die Finsterniß, besonders symbolisirt durch das Bild eines ungeschlachten Nilpferdes. Die au der inneren Wand der westlichen Umfassungsmauer abgebildeten Kämpfe dieses Lichtgottes gegen Finsterniß und Bosheit im moralischen Sinne, erinnern in ihrer Reihenfolge an die bekannten zwölf Arbeiten des Herknlcs der griechischen Göttersage. Die Reichhaltigkeit der Darstellnngen nnd Inschriften, welche alle Flächen der steinernen Wände nnd Säulen dieses Tempels bedecken, übertrifft au Umfang des Inhaltes sämmtliche Denkniäler Egyvtens. Unerschöpflich zn neuueu ist die Ausführlichkeit der darin niedergelegten Aufschlüsse über Geschichte, Geographie, Völkerkunde, Astronomie, ^talenderwesen, über die Banknnst und Bermessnng, über die Form des Tempeldienstes u. s. w., ganz abgesehen von der Fülle mythologischer Ueberlieferungen, welche den Stoff zu dictbäudigeu Werkeu lieferu lvürden. Die Länge des Tempels an der Umfassungsmauer beträgt 43Z Fuß li Zoll, die Breite eines jeden Thurmflügels 100 Fuß 6 Zoll, die Höhe eiues jeden 10)! Fuß. Der Hof mit seinem von 32 Sänlen getrageueu Peristyl ist malerisch und vou imposanter Wirkung. Die sich in der Richtuug der Axe vou Süd nach Nord anschließenden Säle folgen in vorgeschriebener Neihe uacheiuauder bis zum Allerhciligsteu hin, in welchem noch heute die aus deu Zeiten des letzten einheimischen Pharao herrührende Stein-l5apelle der Gottheit steht. Znm Schlnsse die Bemerknug, das; nach den Anssagen der Inschriften der ganze Ban in den Zeiten der Ptolemäer-Könige vom Jahre ^.^7 bis 142 vor Chr. Geb. nach alten: Mnster ausgeführt, daher erst nach Berlauf oon 95i Iahreu vollendet wordeu ist. Nachdem wir alle Theile des Tempels geseheu hatten, gieugen wir auf das flache Dach und genossen von da einen schönen Ueberblick nach dem Nil, der grüneu Ebene, einer unweit vom Tempel beginnendeu weiteu Wüstenfläche und deu dahinter sich aufbauenden, pyramidenartigen Sandsteingebirgen. Da Geier in den lüften kreisten, legte ich ein Aas hinter einem Schutthaufen ans nnd erwartete anf den Zinnen des Tempels die Antuuft der großeu Raubvögel. Leider erschienen nur viele Aasgeier, aber kein großer Vulwr und so mnßte ich mich mit diesem kleineu Zeuge begnügen, da die Zeit znr Reise drängte. Dnrch das ekelerregende Dors ritten wir nun, deuselbeu Weg einschlagend, nach dein Landuugsplahe zurück. Wenige Minnten später dampfte unser Schiff stromanfwärts weiter. Die Gegend blieb im Großen und Gauzeu ziemlich gleich. Die östlichen arabischen Gebirge, hier niedrig, Weißlichgran und wild zerklüftet, treten allenthalben bis nahe an den Strom heran, gar keinen oder nur einen ganz schmalen Streif cultivirteu Landes laffeud. Die westlichen libyschen, ebenfalls niedrigen, gelblich gefärbten, abenteuerlich geformten Gebirge nähern sich südlich Edfn's stetig mehr dem Nil; das grüue Land wird uuu auch an diesem Ufer immer fchmäler und bietet das Bild einer 120 zwar üppigen, aber verwahrlosten Vegetation dar. Städte fehlen vollkommen nnd selbst die wenigen elenden Dörfer werden unr sehr sporadisch. Große Züge Störche ziehen über dem Nilthal nordwärts, Ranbvögel kreisen in den Lüften nnd an den Felsen, nnd das Wassergeflügel des Stromes belebt die hier ziemlich vereinzelten Sandbänke. In den Nachmittagsstunden erfreut die herrliche Felsenge oon Gebel-Selselc unt ihren von beiden Seiten herantretenden Saudsteiugebirgeu den Wanderer, der vom Verdeck des Schiffes ans die malerischen, aber düster ernsten Wüsteugebiete betrachtet. Abends mit Sonnenuntergang erreichten loir die Nordspihe einer großen, oegctationsrcichen Insel. Im östlichen Nrme des Stromes fahrend, gewahrten wir gar bald den kleinen, aber redend gelegenen Tempel von Kum-Ombn. Anf hohen, steilen, an den Hängen mit Pflanzenwnchs bedeckten Uferwänden, thront das Denkmal des Alterthnms, weithin sichtbar, öde nnd verlassen, ohne Stadt oder menschliche Ansiedelung in der Nähe, Mischen dein Strom nnd der Wüste eingeengt. Das Wüstengebiet reicht hier in Form eines Hochplateau bis an den Nand der hohen Uferböschung; eigentliche Gebirge fehlen dieser Gegend vollkommen. Da die Nacht hereinbrach, legten unr nnter dein Tempel an; neben nns befand sich anch noch eine Dahatnye, von einigen Europäern bewohnt. Der Dragoman dieser Reisegesellschaft, der jagdknndige Dalmatiner Panlovich, kam anf den Dampfer nnd rieth nns, nach dem Speisen in den Tempel zu gehen, um da wohlversteckt mit einein meckernden Zicklein anf Wölfe zn lancrn. Gesagt, gethan; nm die nennte Stnnde schlich ich mit Hoyos die steilen Uferhänge empor nnd den öden Tempel durchstöbernd, fanden wir an seiner Ostseite eine Sänle, die Deckung gewährte; wenige Schritte davor wnrde das jammernde Zicklein befestigt nnd nnn lauerten wir mit gespannter Anfmerksamkeit durch zwei Stunden. Nichts regte sich; es war ein schanrig schönes Vild; der alte Tempel mit seinen düsteren Sänlenreihen, die endlose Wüste, nur durch einige Trümmer nnd Felsblöcke unterbrochen, das alles vom herrlichen, echt innerafril'anischen Mondschein hell verklärt; nicht der bleichsüchtige Nachtlampenschein des enropäischen Mondes war es, sondern jener taghelle Glanz, der das kleinste Steiuchen erkennen läßt nnd volle Uebersicht dem lanernden Jäger nnd sogar den: zeichnenden Künstler gewährt. Leider jagten die Europäer von der Dahalnye' ebeufalls iu der Nähe unseres Versteckes nnd kehrten init gackernden Hennen, die sie als Lockspeise mitgenommen hatten, beim Tempel vorbei znrück; da schwanden die besten Erwartungen nnd anch wir eilten znm Dampfer nach Hanse. Unvergeßlich schön bleibt die Erinnernng an die Mondnacht in Knm-Omlm, d, i, „der Hügel von Ombn", hieroglyphisch Nnbi, d. i. „die Goldstadt", griechisch Ombos oder Ombi genannt, mit den äußerst pittoresken Ueberresten eines halb versandeten Tempels, die Metropolis des späteren, Ombites genannten Ganes. Stadt nnd Tempel waren den übrigen Egyptern verhaßt, da Hierselbst Set, der altegyptische Typhon, iu eiuer seiner Hanptformen verehrt ward. Da^ dieser Gottheit geweihte Thier, dasKrokodil, fiudet sich au5 diesem Grunde mehrfach in den Bildwerken dargestellt nud iu den Inschriften genannt. Mit Sonnenaufgang verließen wir das schöne Knm-Ombu, die Neise nach Assuan fortsetzend. Herrliche Gegeudeu fesselteu nns anf das Verdeck; niedere, aber schön geformte Gebirge trateu au beiden Ufern bis nahe an den Strom heran, an manchen Stellen gar keinen oder nnr sehr unbedeutenden Raum für Culturlaudschafteu lassend. Hie nud da erfreuten üppige Palmenhaine nnd dichte Gebüsche da5 Auge n»d dahinter erhobeu sich Bergmassen mit Felsblöckeu, Schutthaufen nnd Steinformationen der eigeuthümlichsteu Art. Je mehr man sich Assnau uähert, desto absonderlicher, von den früheren Klim-Ombu. 123 Nillaudschafteu verschiedeuartiger gestaltet sich die Gegend und desto seltener erscheinen Städte nnd Dörfer vor den Blicken des Wanderers. Einige Neger-Ansiedelungen eines weit nach Norden vorgeschobenen Stammes wnrden beobachtet. Unter hohen Dattel nnd Dum^Palmeu standen elende Etrohhütten von zeltähulicher Construction; zwischen üppiger Vegetation hatten sich die Schwarzen niedergelassen und es bot ein echt iunerafrikanisches Bild dar, als Nur mit dem Fernglas die Mohren in gründlichem Costümmaugel neben ihren eigenthümlichen Wohnungen, inmitten des saftigen Pflanzenwuchses umhergehen sahen. Gegell 1 l Uhr war es, als die Landschaft einen immer wilderen Charakter annahm, der Nil schien vor nns wie durch Gcbirgsmassen abgeschlossen. Steiublöcke, Felsplatten uud Schutt grcnzcu bis au deu Strom, der sich stetig mehr vereugt, die Gebirge des rechten Ufers verflachen sich uud weichen einer öden, mit Steiublöckeu übersäten Ebene, ans der nnr hie und da zackige Kegel emporragen. Am linken Ufer erhebt sich ein ziemlich hoher Verg, desseu Fuß bis an die Flutheu des Nil reicht; seiue Spitze ist gekröut durch ein altes Gebände, doch schon ans muslimischer Zeit. Vald tauchen Palmen, einige grüne Gärten uud in ihrer Mitte die Zinnen der zwischen den Strom nnd die Wüste eng eingeklemmten, kleinen, aber malerischen Stadt Assnan auf. Der Strom theilt sich in zwei Arme; die durch ihre tropische Vegetation bekannte Insel Elephantine lacht uns entgegen; ein tückischer Kranz schwarzer Granitriffe nmgiebt das reizende Eiland; allenthalben tauchen scharfe Felseukauteu, die ersten Vorzeichen der nahen Katarakte, aus den Flntheu empor. Wild zerklüftetes Gestein, Wüste uud Einöde, großartig und voll glühender Farbeueffeete; dazwischen der ranschcnde Strom, herrliche Felsenforumtwuen, die echt muslimische Stadt; Islam uud iunerafrikauisches Völkergemisch nebeneinander, altegyptische Baudenkmäler uud die herrliche Insel mit tropischen: Pflauzeuwuchs, das alles erscheint in eiuem Momeut vor uusereu Augen; wie geblendet bewuudern wir das schöne Bild, die südlichste Statiou dieser Neise, die Niihe des Weudekreises, die Grenze der Tropcu. Langsam nnr konnte das Schiff zwischen den schwierigen Stellen hindurchgleiteu, um nach einigen Miuuteu uuter der hohen staubigen Uferböschung anznlegen. Ein Postdampfer, sowie anch mehrere Dahabiyen waren auweseud. Kaum augelaugt, verließen wir auch schon unser Schiff, nm die Stadt gründlich zu betrachten. Es ist dies unstreitig einer der interessantesten Orte der ganzen Nilreise; den Gebäudeu uud Stadtbewohnern nach echt arabisch, sogar wahrhaft semitisch, eine der letzten Stationen der Handel uud gewiuusüchtigen Araber. Mohamedanisch ist die Neligiou des Staates nud der Stadt, ob auch des Laudes allenthalben, muß ich bezweifeln. Die Häuser, aus Lehm gebaut, tragen deu vollen Typus aller Nilstädte; die Gaffen sind eng nnd nnrein, nur die dem Strome naheliegenden weisen höhere Gebände uud deu recht seheuswürdigen Vazar auf: die weitereu Viertel besteheu aus elenden Erdhütten und allerlei unregelmäßigem Winkelwerk; au der Ostseite nmgiebt eiue au manchen Pnnkten schon verfallene Mauer die Stadt, daran schließt sich ein weites Gebiet muslimischer Friedhöfe, das an anderer Stelle gründlich besprochen werden wird. Unser erster Gang galt dem Bazar. Eine lange Gasse ist zu beideu Seiteu dicht augefüllt von Bilden und mit Brettern der Sonne wegen überdeckt. Die Händler in den Läden sind Araber, iu ihreu laugen orientalischen Gewändern, deu Turban am Kopfe. Das Volk, das auf uud uiederwogte, Waareu zum Markte briugeud, von den klugen Semiten angelogen uud betrogeu, siud keine Orieutaleu oder dazu verwandelte Fellacheu, auch der Beduine fehlt ganz nnd gar; echt afrikanische Stämme, viele Neger, duukelbrauue Nubier, die Nachfolger der alteil Äethioper, ill* 124 Ababdes nnd Veschas, nud wie sie alle heißen die kleineren Völker klischitischeil Ursprungs, treibeli sich da hernm. Wir habeit die Grenze dos Orients erreicht, wo derselbe nur noch in Form des Handelsstaildes zur Permittlllllg der innerafrikanischell Waaren llilalnoärts besteht lind gedeiht. Die echt morgenländischen Prodllete, wie wir sie in der Äinski Kairo's fanden, sie sind hier nicht mehr zu sehen. Die Rohprudncte der Tropen liegen in den ellgell Bnden aufgestapelt', weiße, und graue Straußenfedern, Gehörne und Felle vieler Antilopen nud l^azellei, Gattnugell, Panther uud Rallbthierdecken verschiedener Art, Eier, Früchte tropischer Pflanzen, Gnmmi, Genuirze, afrikanische Waffen, Stöcke für Kmueeltreiber, priinitwer Schmnck, u.'ie selben die Neger tragen, Klciduugsstncke für nubische Damen, d. h. eine Schnur, au der einige, der Fliegen halber mit fürchterlich stinkenden Salbeu eingefettete Fäden häugeu, Strohhüte für die wilden Stämme nud deßgleichen Tand aller Art. Ueber den Thüren vieler Häuser sah ich aufgenagelte ansgestopfte jnuge Krokodile nnd vor den Thüren saßen zahme Affen: ich kaufte mir einen, der nns viel Vergnügen bereitete, leider aber schon iu .^airo starb. Das Lebeu nnd Treiben ini Bazar bot oiel de^ Interessanten, iusbesoudere gefielen ,iur die Ababdes mit ihrem kriegerischen Aufsehen, bi'? au die ^ähiie bewaffnet, in wenig Hadern mangelhaft gehüllt, die Haare eigenthümlich hergerichtet. Neugierig betrachteten un6 die verschiedenartigen Wilden und mit tückischer Schlanheit oerkanften die klügelt Araber nln theueres Geld iuuerafrikanische Waaren, unsere Freude an denselben geschickt ansbentend. Anf einer freien Stelle zwischen den Hänsern uud dem Landungsplah führteil die Ababdes vor uus ihreu Kriegstauz anf. Es ist dies ein wildes Herumspriugeu von Menschen, die anf der niedersten Stnfe der Entwicklung stehen. Die begleitende Musik, aus gräßlich dröhnenden Blech-Tam-Tam's bestehend, erinnerte mich lebhaft an die klänge, welche bei den Tänzen der Neger-Stlaven in Marokko erschallen, der Tanz selbst aber an jene ungezügelten Unterhaltungen der Riff-Piraten an der Nordküste des nordwestlichen Afrika, Die biederen Ababdes sprangen nach Leibeskräften nmher, führten Sähe. von uuglanblicher Länge ans, johlten nnd schrieen dabei, schwangen und warfen Schwerter nnd Speere iu die, Höhe, klopften mit denselben anf die ledernen Schilde nnd ahmten Angriffe des Einen gegen den Auderen nach. Die braunen, spärlich bekleideten Gesellen mit den strahlenförmig anf Hblzeru emporgewickelteu Haaren, deu Naseu-, sowie Ohr- uud Armringe» saheil ganz eigenthümlich aus. Eiu Tauz war es voll Wilden, wie man sich ihn nicht bunter andenken kann. Nach dieser Prodnetiou ritten sie auch ihre Dromedare ill scharfem Tempo, verschiedene Wendungen vollführend, vor. Nnr die Jugend wirkte bei diesen Kunststücken mit, die Alteil standen, die blendend weißen Zähne zwischen dnnklen Lippen fletschend uud wohlgefällig grinsend, neben nns. Nach einiger Zeit kehrten wir mit Eiukaufen nud hochinteressanteil Beubachtnugeu reich beladen anf den Dampfer znrück. Während des Frühstückes kreisten die hier iu Unmassen hausenden Milane beständig ober dem Schiff, die m's Wafser geschleuderten Vrotstücke gierig fangend; selbst Schüsse konnten dic gefräßigen Thiere nicht verscheuchen, 5ta»m war dieMahlzeit zn Ende, als wir anch wieder aufbrachen, nln einen Ansflng nach deu au5 del, Tageu des Alterthums her berühmten Steinbrüchen zn unteruehmeu. Die Stadt war rasch durchschritte,, nud bei deu lchten elenden Hütten uahm nns die eigentliche Wüste mit ihrem weißen Sande und glühenden Reflexe anf. Ein breites, doch in seiner Sohle sehr unebenes, von niedrigen, mit Schech-Gräbern geschmückten Hügeln begrenztes Thal, ist vom Beginn bei Assnan bis beilällfig eine halbe Stunde landeinwärts mit einer wahren Gräberstadt bedeckt. Gleich den Ehalifen Gräbern stehen anch hier einige Windmühlen auf uiedrigen Sandhügelu, doch sind die weitereu Bauteu A^t^' I^.i!z i» Äiiiniü, 127 mit Men Kairo's nicht vergleichbar: ärmliche Grabsteine und halbverfallene Schech Gräber mit schlichten Kuppeln iniissen die herrlichen Grab Moscheeit ersetzen; dafür bietet dir Todtenstätte Assllan's viel grußartigere landschaftliche Reize als jene unter der Citadelle: die einschließenden kahlen Hügel nnd die weite Steinwüste mit den abenteuerlichen Felsformationen, den prächtigen Farbeneffecten, dnrchbrannt von den Strahlen der innerafrikanischen Sonne, trngen einen ganz eigenthümlichen Charakter an sich. Am nördlichen Rande des breiten Thales ritten wir bei glühender Hitze dnrch das unordentliche Gewirre der Todtenstadt, nach einiger Zeit wnrden die Gräber immer seltener nnd die lehten Spuren menschlicher Thätigkeit verschwanden allmälig. Kein Grashalm erfrent hier das Auge, uichts als l'lauker Stein, Sand nnd Staub; dabei ist die Wüste nnebeu nnd ein Hügel folgt dem anderen. Eigenthümlich geformte Granitblöcke zeigten die Nähe des Steinbruches an; bald erschien eine Felswand und unler derselben mit Schutt theilweise überdeckt der noch liegende Obelisk. Ueber ihn, sowie Ässuau im Allgemeinen will ich an dieser Stelle einige Worte meines Freundes Brngsch anführen: „Assuau, altegyptisch Snan, griechisch Syene, die südlichste Grenzstadt Egypteus, heutzutage von Egypteru nnd Arabern bewohnt nnd von den benachbarten Stämmen der Wüstenbewohuer bis zum Rotheu Meere hin vielfach besucht. Die Felsen der hier beginneudeu Grauitregion sind mit reichen Inschriften aller Epochen bedeckt, welche die Anweseuheit egyptischer Hofbeamten (auf Vereisnng) deutlich bekunden. Auf Befehl der Pharaonen wnrden die reichen Steinbrüche im Südosten der Stadt, am sogenannten „rotheu Berge" von Tansendeu von Arbeiteru ausgebeutet, die hier das Gestein für die Herstellung vou Obelisken, Statuen, Capelleu, Sarkophagen uud Werkblöckeu vom harten Felsen losspreugteu. Gin unvollendet gebliebener Obelisk befindet sich noch heute au Ort und Stelle, vergeblich seiue ehemalige Bestimmung erwartend." Seit den Tageu der Pharaouen ruhen diese großen Steinbrüche, nnd die aufgerissenen Felswände uud losgesprengteu Blöcke geben stummes Zeugniß von der laugst verschwuudeueu Cultur, die in diefeu Gebieteu vor Jahrtausenden herrschte. Derselbe Weg, auf dem wir gekomiueu wareu, wurde uun wieder zur Heimkehr eiugeschlageu. Bei der Gräberstadt treuute sich die Reisegesellschaft; eiu Theil ritt uach Hause, währcud Hoyus uud ich den nahe Assuan's das Thal begrenzeudeu, ziemlich hohen, steinigen nnd vollkommen kahlen Hügel erklommen. Auf der Spitze steht ein altes Schech-Grab, mit ruudem, gewölbten Gebäude; vor dasselbe hatten wir schou früher eiu Aas legen lassen, da eiuige große Geier hoch iu deu Lüfteu kreisten. Das günstige Versteck war augenblicklich bezogen uud weuige Miuuteu uach uuserer Aukuuft begannen schon Milaue uud Aasgeier das todte Schaf zu beuagen. Für große Ranbvögel war die Stunde zn sehr vorgeschritten, anch drängte die Zeit nnd so schoß ich einen Aasgeier nieder. Das düstere Grabgebäude verlassend, genossen wir mm mit Ruhe die herrliche Aussicht; in nördlicher Richtung, gerade uuter uus, das enge, von Gebirgen eingeschlossene Nilthal, der durch die wild zerklüfteten Katarakte sich durchdrängende Strom, hinter uns die tropische Insel Elephantine, das malerisch gelegene Assnau, die grausige Todteustadt, uud um alles herum das eudlose Gemenge von Gebirgen, Thälern, Ebenen nud Plateaux, öde und kahl, Stein uud Sand, echte Wüste; doch iu deu grellsten Reflexen zitternd, von den glüheudeu Souueustrahleu beleckt, bleudeud weiß, unr hie und da nnterbrochen von röthlichgelbeu Felsen uud schwarzem Granit, darüber der ewig blaue Himmel, wolkeulus, krystallklar. Bald hatteu wir wieder Assuau erreicht. Abermals tl,ue ich gut daran. Brngsch Pascha an meiner Stelle über die Insel Elephantine sprechen zu lassen: 126 „Elephantine, mit ihrem ^tilinesser an5 riintischer ^',eit und ihren Ileberresten vl.ni ^iaulverken früherer Periuden der e>yiptischen Geschiä)te, ist heute mir noch ihrer malerischen La^e w^n ain i5iil>^i»!il' dcs ,^atlUliktcn Thores i,wn d^'n Rcisciidcii bcslicht. Ihr chl,'mali^cr Glau,^ ist dlil)ili^i'chicdrn, scitd^'üi dic darauf bcfindlichc Hauptstadt dcr milnsch^n Landschaft ilüd dn' da^Nlil'höriql'n Tompcl lind Statllcn vl,'N dc»i Viidon der Erd(,- wcqqcst'qt sind. Wulfsjllssd i» Assnau, .,,'ln dieser Stättt' ln'fand sich i»! ''/llt^itln!»!^ l'i>? ,^n dl'il rmnisch!,'» ,'^'it^! Inn MU' starke l^ar»is>.N!, welchc da» Land g^l'n Einfälle ans südlicher Richtnnq ,^n schuhen dic Anfgadc hatk'. Zn ^lcichein Zwecke war der alte Wall a»f dem Landwege vmi Assnan nach der Insel Phylae eine Schntzwehr ^egen ränberische Angriffe voln Tiiden her, Seine mit Flli^sand halbbedeckten Reste sind noch hente dentlich M erkennen/' Als die Tlnine sich ;nm llnterqanqe neiqte nnd d,e farl'enprächtigsten Veleilchtnngen die schöne Landschaft ülielMssei,, verließen Hvyv'o nnd ich al'erinals das Schiff. Ein Nnliier in weißem (^elvand, Rin U0!I Asiliai^ »ach Phnlac. 131 „lit langer Flinte, als Jäger in Assnan bekannt, führte uns dnrch die Stadt zn den letzten Hänsern derselben. Dort rieth er, einige Milutten zu warten, da mit Beginn der Dämmerung die Naubthiere allabendlich nach Bellte snchend bis in die entlegenen Theile von Assnan eindringen. Hunde bellten, linder schrieen, ein Hänfen Ababdes zog johlend in die Wüste nach Hanse nnd trotz alledem erschiell ein Schakal anf einem kleinen Windinühlen Hügel, nnt augenblicklich wieder hinter Steinen zn verschwinden. Da die Dämmcrnng merkbare Fortschritte machte, eilten wir in die Gräberstadt; ein Schakal lief vorbei nnd ein glücklicher Schnß streckte ihn zu Boden. Nahe vom Fnße jenes Berges, anf dessen Spitze wir des Nachmittag» den Aasgeier erlegt hatten, unweit der letzten Gräber befindet sich eine alte Cisterne in einem kleinen, aus Sandhngeln gebildeten Thäte. Dort war schon früher ciu Aas ausgelegt worden, daneben nahmen wir in einein im Buden ausgehöhlten Versteck Platz. DerMond gieng anf nnd verbreitete, Dank der reinen Luft, herrliches Licht über die schaurig eruste Landschaft; im weißen Lichte erglänzten die Wüste nnd die alten Schech-Gräber mit ihrenKupftelu nnd düsterenGrabsteinen. Todtenstille herrschte, nur hie lind da unterbrochen vom Geheul der Dorfhuude und Schakale. Wir mochten noch kanm eine halbe Stnnde im höchst unbequemeu Versteck gelegen sein, als ich das Geränsch eines dahertrollenden Thieres vernahm; gleich darauf erblickte ich dasselbe wie einen Schatten mehrmals vorbeigleiteu; als endlich bei abermaliger Anuäheruug dieCoutouren deutlich sichtbar wnrden, zielte ich, so geuau es gieng, nnd drückte anf gnt Glück los. Jämmerliches Klagen war die Antwort auf meinen Schliß; der Stelle zneilcud, erblickte ich ciuen starken Wolf, der mühsam Versuche anstellte, sich weiterznschlcppen. Eine zweite Ladling grober Schrotte streckte das zähe Thier nieder. Nnn nahm ich den Wolf auf den Rücken und gieng wohl 100 Schritte weit, meinem an anderer Stelle verborgenen Gefährte,: entgegen. Das scheinbar todte Thier war schwer nnd die Hitze selbst des Nachts recht fühlbar, nnd so legte ich meine Beute nieder, wartend, bis der nnbische Jäger kommen werde. Kaum lag der Wolf durch einige Secunde» ain Boden, als er sich anch wieder zu regen begaun uud so lauge zappelte, bis er abermals anf die Läufe kam lind noch einen momentau todtenden Schuß bekommen mußte. Wir gieugen unn mit der schönen Bellte, bestehend aus Wolf uud Schakal, uach dem Dampfer zurück, wo ein Souper eingenommen wurde. Der Grußherzug uud Eschenbacher hatten sich auf der audereu Seite des Friedhofes iu einem kuppelförmigen Grabgebände versteckt, doch kehrten sie leider ohne Bente heim. Am 8. März um 7 Uhr Früh brachen loir alle anf; die meisten bestiegen Esel, nur Hoyos und Pausmger wollten den Ritt hoch zu Kameel unternehmen. Assuan umreitend, gelangten wir anf kürzerer Linie durch die Gräberstadt in die Wüste; Thäler, Hügel, Sand, Fels nnd Schlnchten folgten einander in angenehmer Abwechslnng. Eine schmale Schlucht führte uns in das enge, von zackigen, bnuten, durch schwarze Granitblöcke gezierten Bergen eingeschlossene Nilthal; wie mit einem Schlage genossen wir ein herrliches Bild; düster ernste Steinmassen, der rasch dnrch die Enge brausende Strom, die grüne Insel Phylae nnt ihren hochragenden Tempelrninen, und in südlicher Richtnng das sich stetig erweiternde Thal, mit einem Band vegctationsreichen Landes an den Gestaden des Nil, das alles entrollte sich in einem Momente vor unseren Angeu. Wir wareu in Nnbien. Nahe der Insel liegt ein elendes, alls Erdhütten bestehendes nnbisches Dorf, Tchellal genannt. Branue, mehr oder weniger bekleidete Gesellen krochen ans ihren ärmlichen Behansnugeu hervor. An dunklen Felsen nnd schwermüthigen Sikomoreu uud Dnmpalmeu vorbei, gelaugten loir zu einer kleinen^Ebene, au deren Gestaden Boote lagen. Einige Soldaten nnbischer Infanterie, ganz weiß, aber nach europäischem Schnitt adjnstirt, standen m>f der Wache. Zmn ersten Male genießt mau da in 132 unmittelbarer Niihc den entzückend schönen, unvergeßlichen Anblick. Das liebliche Eiland Phylae zeigt sich rings umgeben von felsigen Massen, die in dniltler Färbung ans den Wässern eniporsteigen, Ein großes, hohes Boot, von vielen siilgenden Nubiern im Tacte gerndert, trug nns der Insel zn. Das eigenthünlliche Fahrzeng hätte, n>as die alterthümliche Forin betrifft, ganz gut aus deu Tagen der Cleopatra stammen können: ein ^elt mit rothen Vorhängen sollte gegen die Sonne schützen und weiche Ruhebetten erhöhten noch das komische Aussehen dieser Nil Fregatte. Nach wenigen Minnten hatten wir das steil abfallende Gestade der Insel erreicht und eilten über den dicht bebnschteu Hang zum herrlichen Tempel empor. Die Tempelanlagen dieser heiligen, von den alten Egyptern „Pilak" genannten Insel sind verhältnißmäßig jnngen Datums, denn erst nuter deu Ptolemäern nnd Römern sind sie nach älteren Vorbildern aufgeführt worden. Die mit praktischem Verständniß angelegten steinernen Qnai's der Insel beknnden die höchste Technik für den Wasserban, der besonders in der Region der Wasserfalle bei der reißenden Strömung nicht ohne Schwierigkeiten durchzuführen war. Wenn anch in kleinerem Maßstabe ausgeführt, gewährt die Gesammtheit der alten Heiligthümer der Insel mit ihren Colonnaden lind hypäthralen Banten, mitten nnter den Trümmern eingestürzter Hänser zwischen Palmen und saftig grünen Gebiifcheu, eiuen unbeschreiblich malerischen Eindrnck. Die hellen Flächen der Tempelwandseiten heben sich in der Umgebung tiefdnnkler Felsmassen au den gegenüberliegenden Uferseiten des Stromes in wnnderbarer Lichtfärbung ab: darüber wölbt der blaue südliche Himmel seineil Dom. dessen Abglanz die ganze Landschaft belebt. Alles ist Licht in dieser einsamen, halb versunkenen Welt der Vorzeit. Die Schlttzpatronin Nnbien^, die Göttin Isis, hatte deu Nuf einer besonderen Heiligkeit an dieser Stätte. Egypter und Nnbier opferten anf ihren Altären nnd verehrten sie mit gleicher Andacht. Die bunt bemalten Wände nnd Sänlen ihrer Tempel rufen anch hente noch den Eindruck eines heiteren Cnltns wach, der in Licht nnd Farbe selbst änßerlich znm Ausdrnck gelangte. Als die Heiligthümer der Isis verlassen nnd vergessen waren, bante das jnuge Ehristenthnm hier eiue feiner ältesten Kirchen auf, zu welcher die nnlnfchen Barabra in frommer Begeisterung Wallfahrteten. Heutzntage haben sie den christlichen Glauben ihrer Väter aufgegeben nnd nnr in dem Worte „Kirage" (griechisch l<^l«x5) für den Sonntag hat sich in ihrer Sprache die Erinnerung au ihren ehemaligen Glanben erhalten. Die Varabra sind Muslims iu des Wortes voller Bedeutung geworden, doch ist ihre alte Heimat mit dem Mittelpnntte Phylae dieselbe geblieben. Nachdem nnr alle Theile des Tempels dnrchsto'bert h,itten, giengen wir über die vielen Neste alter Maueru durch Schutt, nnd Trümmer nach der änßersten Südspitze der Insel. Unter einer altegyptischen Plattform fällt ein graner Felsen stnfenweife znm Strome ab, dichte, üppige Gebüsche nnd hohes Gras nmgel'en dli5 dunkle Gestein, Mil wehmüthigen Gefühlen kletterte ich bis zum letzten, jäh abstürzenden Nand und blickte hiuans anf deu heilige» Nil, das fich erweiternde Thal nnd die Gefilde Nnbiens. Ein großer Abschnitt der Neise war erreicht; wir waren an nnserem südlichsten 'Me angelangt. Der Wendekreis, die Grenze Nnbiens, der Tropen, nnd des Nachw am Firmament die höchsten Sterne des berühmten südlichen 5trenzes, sie hatten nns gelockt, verführerisch an sich gezogen, doch ihnen folgen konnten wir nicht. Wieder nordwärts hieß es lind in trüber Stimmnng kletterten wir znm Tempel der Isis empor. Phylac, V. Capitol. Aon Millie bis Hint. Mcmphi« 'öallllnra. Nach Knirn. ,, /M^> I! dein kleinen sogenannten Kw5l, einem anv dem Alterthum stammenden Tempelpavillou, ^ v . i ganz wohlerhalten, anf hoher Ufernunier, unt vorlic^olidcr Tovmssc, <.ib<'r drm v /, rmischoidcn Streun' sich stolz orhcln'üd, v^chvtcn wir ein initl^-iunnniclics Frühstück. Alls 'WW ' dcn Th»ron der von Säulen lictra^citt'n Halle qcincßt man eiin' Fernsicht, die oinzist schon ^^ nnd nialcrisch ist. Eine nnbcschn'iblichc Pocsic li^^t in dicscr Einöde nnd der ininitten derselben zwischen den Flnthen de^ heiligen Stromes sich erhebenden nppig grünenden Insel, mit ihren herrlichen Denkmälern ans ciner längst uertlnngenen Zeit. Phylao ist ciil Neisebild, das sich unvergeßlich für immer in das Gedächtniß als ein Glanzpunkt einprägt. Vom Tempel stiegen wir an das Ufer hinab und im alterthümliche» Boote sichren wir slrom abwärts den Katarakten zn. Lange noch sahen nur das felsige Eiland, die schwarzen Granitfelsen, die blühenden Pstanzen nud den hochragenden Tempel. Schwermnthige Weisen snmmten die brannen Ruderer, und ihre Lieder paßten zur großartig schonen Landschaft. Vor dem eigentlichen Beginn der Katarakteit, wo der Ztro n sich in Arm.' theilt, logten wir an nud giengen am felsigen Ufer bis zn einem über das ganze wilde Durcheinander von Stein und Wasser Aussicht gewähreudeu Punkt. 136 Die Katarakten sind keine Wasserfalle sondern Stromschnellen: durch die Tausende mm Felsen inselchen und schwarzen, glänzenden Klippen nnd Nissen, die ans mehr als ein Kilometer Länge das Vett des Stromes durchsetzen, flicht sich dieser schäumend nnd brausend seinen Weg. Es ist unstreitig ein großartiges Vild, dessen eigenthümlicher Neiz besonders erhöht wird durch die auffallende schwarze Farbe nnd Formation der Felsenriffe nnd Kanten, die aus dem weißen Gischt der Flnthen hervorragen, Interessant ist es anch, den sonst so trägen, verschlammten Nil für ein knrzes Stück in einen wilden Gebirgsstrom verwandelt zn sehen. Kaum hatten wir den geeignetsten Alissichtsplatz erreicht, als anch schon viele ganz nackte Nnbier erschienen, in die Flnthen sprangen lind sich, den Felsen ausweichend, dnrch den reißendsten.Arm trageil ließen. In der Zeit weniger Augenblicke glitten sie eilt weites Stink Weges pfeilschnell hinab nnd entstiegen dann den Flutheil, um triefend uns des Bachschisch halber zu bestürmen. Im Voote ließen wir nns unn ein knrzes Stück stromanfwärts rndern, bestiegen dann die bereitgehalteneu Esel nnd ritten am selben Wege, den wir des Morgens gekommen waren, nach Assnan znrnck. Der Ausflug hatte den ganzen Tag über gedauert nud wir langten erst in den spätereil Nachmittagsstunden am Verdeck unseres Dampfers an, Das Diner wnrde gleich eingenommen nnd nach demselben gieug ich mit H0Y05 bei beginnender Dämmernng zn denselben Verstecken, die wir Tags znvur bezogen hatten. Mein Jäger forderte nns zu diesem Gange anf, da er, während wir in Phylae waren, bei den Resten des Aases frische Hyänensfturen gefunden hatte. Die Nacht war schön nnd ich nahm mir vor, alls nichts anderes als die Hyäne zn schießeil und so lauge zn warten, bis sie käme, also tief in die Nacht hinein auszubleiben. Mehrere Schakale erschienen, wnrden aber nilbehelligt vorbeigelassen; als es gegen Mitternacht gieng nnd ich schon in argem Kampfe mit dem Schlafe lag, sah ich, Dank dem hellen Mondlicht, einige menschliche Gestalten unweit meines Versteckes vorbeihnschen, hörte anch gleich daranf mehrere Schüsse lind das wohlbekannte Gackern der unglücklichen Lockhenne. Nnn war es mit der unbedingten Nnhe, welche die Hyäne verlangt, zn Ende und statt nnnöthig zu warten, gieng ich nach Hanse, begegnete anch dem Dragoman Panlovich, der mit Baron Seckendorf anf der Jagd leider am felben Platze wie ich gewesen war. Hoyos hatte an seinem nahe der Stadt liegenden Posteil einen Schakal erlegt nnd einen angeschossen: der Großherzog, sowie anch Eschenbacher waren momentan von heulenden Schakalen förmlich nmrnngen gewesen, konnten aber nngiinstiger Terrainformationen wegen nicht zum Schusse kommen. Einen herrlichen Mck genoß ich, um Mitternacht zurückkehrend, anf die malerische Stadt Assnan, den Strom nnd die feeuhafte Insel Elephantine, alles vom reinsten Mondlicht zanbervoll übergössen. Am 9. um 7 Uhr Früh verließ der Dampfer Assnan, jene herrliche, so durch uud dnrch inner-afrikanische nnd ethnographisch hochinteressante Stadt. Zwischen den nils nun schon wohlbekannten Gegenden glitten wir stromabwärts mit großer Schnelligkeit hindnrch. Die Stnnden am Verdeck vergiengen rasch nud die Nnckreise bot anch die erwünschte Gelegenheit, am Schreibtische die vielen gesammelten Notizen zn ordnen und manche Reiscerinnernng zu Papier zn bringen, Ilm l^ Ilhr Mittags, wir saßen eben in den Eabinen, hielt der Dampfer momentan und vehement an, nnd dentlich konnte man es vernehmen, wie sich das schwere Fahrzeug i» den Schlamm einbohrte. Oefters waren wir schon während der Neise stromanfwärts aufgefahren, was iedem Nildampfer in Folge der stets wechselnden Sandbänke erblüht, doch niemals grnben wir nns so fest im Grunde ein, als es diesmal dnrch die Vehemenz der Thalfahrt geschah. Da der alte Admiral erklärte, er brauche wenigstens zwei Stunden, nm sein Schiff wieder flott zn machen, ließen wir nns alle allsogleich an's Land rndern. '.'liibn'i scbwinimen durch einen Ätiltataral:, l39 Wir warm an eiuent Punkte, Kom-el-Enür genannt, wo hohe, schroff abfallende Felsengebirge bis hart an deit Strom traten, nni gleich nach dieser schönen nnd knrzen Stromenge einer wohlbebanten Ebene Platz M lassen. Die ^Iteisegesellschaft vertheilte sich jagend nach verschiedenen Richtungen. Ich versuchte anfänglich, iin tahlen Gesteine hcrmnklctternd, einige große Nanlwögel anzuschleichen, was aber nicht gelang, nnd so zog ich es denn vor, in den Büschen der Ebene nnd an den Ufern Echataljagd. des Nil auf kleinem Wild zu jagen. Nebst vielem Wassergeflügel erbentete ich anch während dieses klirren Änsflnges eine Zwergtanbe, jene nni>,dervoll gefärbte, echt innerafrikanische Tanbe in der (^röße einer Lerche nnd dnrch einen langen Stoß geschmückt; ein reizendes, gan,'^ tropisches Thier. Anf den Sandbänken Strandoögel snchend, beinerkten wir nach Verlanf von zwel Stnnden, daß nnser Dampfer U'ieder .znr Fahrt bereit sei, ließen nns daher gleich znrückführen nnd setzten die durch einen angeiiehinen Ansflng unterbrochene )1ieise fort. Des Abends erst nach Sonnenuntergang wurde am 140 östlichen Ufer bei El-Käb augelegt. (5m schmales Band cultivirteu Landen trennt an dieser Stelle den Strom vom Nande einer nicht allznbreiten Wüsteilebeiie, hinter der sieh erst die herrlichen Hochgebirge anfthürmen. Bold nach nnserer Aiitunft beschlossen unr, den günstigeit ^coudscheiu für die )1la!lbthierjagd auszuuüheli. ^iach verschiedenen Richtlinien sengen die Herren auseinauder, geeignete Pnnkte für den Abeudaustaud suchend. Pausiiiger lind ich wanderten, von eiiiem Fellachen geleitet, dnrch das cliltivirte Land, nebeil einem elenden Dorfe vorbei, in die Wüste hinaus. In verschioolilinenen Contoureu sahen n>ir die sliniile» der altegyptischeu Stadt Nechebt, von den (kriechen Eileithyia geilaiiilt: vor allem ragt die mächtige, mls ungebrannten Ziegeln erbaute Ningiiiaiier empor, Zeugniß gebend, daß dieser Pnnkt im Alterthum als bedeutende Festung galt. Ferner befinden sich hier am Naude der Gebirge Felseilgräber, ein Felseutempel von Ptolemäos lHliergetes angelegt, nnd lveiters ein kleines Heiligthum von Ameilhotep !Il. der Göttin Nechebt geweiht. Die Wiiste ist in dieser Gegend stark natronhältig nnd mit jedem Sehritt rauscht die dnrchbrocheue Krnste. Wir gieugeu bis nahe zum Fllß der hohen Berge, versteckten nils da zwischen ,;wei ulächtigeu Felsblöekeil nnd banden das jaulinerude ^ickleill wenige Schritte davor an einen mitgebrachteil Pfahl an. Eine Viertelstnude war noch l'anm verstrichen, als ein Bednine, in weißen Mantel gehüllt, am Nucken eines Kamecles, schwermüthige Lieder singend, erschien. Im Mondschein nahmen sich die eintönige Wüste und der eigenthümliche Reiter ans seinem hohen Thiere gaii^ malerisch ans. Das meckernde Zicklein schien des Beduinen Aufmerksamkeit zn erregen; er hielt an, betrachtete, ein halblautes Selbstgespräch beginnend, die Umgebung nnd ritt daranf, ohne uns zu entdeckeil, seines Weges weiter. Bald daranf, al-5 wieder oolle Rnhe herrschte, hörte ich das Geränsch eines heranschleichenden Thieres. Das Zicklein jammerte uud sprang ängstlich umher; gleich daruach bemerkte ich eiueu schwarten Körper, größer als ein Wolf, sich dem Köder uähern. Ich zielte gut nnd gab Feuer: wüthendes Schmerzensgeheul folgte dem Schusse. Ich eilte znr Stelle, fand aber nichts als die Spur, die den Gebirgen zuführte. Aergerlich darüber kehrten wir zum Dampfer znrnck, dnrchdrnngen davon, daß es eine Hyäne gewesen sei. Meinem Jäger befahl ich, am nächsten Morgen mit Tagesanbruch hinanszugeheu und der Fährte des kranken Thieres zu folgeil. Als wir am Schiff anlangten, waren die anderen Herreu auch schou zu Hanse. Der Großherzog hatte Schakale gesehen, doch leider leinen erlegt, während Hoyos so glücklich war, eineil zu erbeuten. Am 10. Früh stand die Sonne schon lange am Himmel, als ich erwachte, nnd wir fuhren seit einer Stunde bereits stromabwärts. Nach meinem Jäger fragend, erhielt ich die Antwort, er hätte das angeschossene Thier anf wenige hnndert Gänge vom Anschuß gefnnden, doch leider war es keine Hyäne, sondern einer jener halbwilden nnd so bösen Dorfhnnde, die ganze Nächte hindnrch in Egypten die Umgebung der Städte, bentesnchend, durchziehen. Mein Jäger sah auch einen sehr starken Luchs, der weuigc Schritte vor ihm in einer Höhle der alten Ningmaner El-Käb's verschwand. An dieser Stelle sei es mir gestattet, einige Worte dem Himdcgeschlecht iu EgYPteu zn widmen. Ich stellte iu diesem Lande die eigenthümliche Beobachtung an, daß der Dorfhnnd, der afrikanische Wolf, (üaniZ wM3t,6r, „Alm ebHosse'in" oder Dib der Araber, sowie auch der Schakal, ^ani^ g,„i-<>n5. Taleb der Egyvter nnd Wani der Syrer, sich dnrch Krenznngen arg vermischen. Wir erlegten weder zwei Wölfe, noch zwei Schakale, die einander vollkommen glichen, sowohl was die Größe als anch die Färbung betrifft. In Palästina tritt bei den Schakalen diese Verschiedenheit noch deutlicher hervor. Im Ganzen ist der asiatische Schakal stärker als der iwrdafrikanische.' lind unter vieleil so ziemlich 141 gleichen erlitt' ich einmal einen, der nnt keinein früheren, was Größe nlld Färbnng betrifft, zu vergleichen war, und doch tonnte mau das eigenthümliche Thier nicht als Wolf bezeichnen. Die Huudc tragen aber anch häufig im Orient die Spnren einer wilden Abstammung an sich, was nicht auffallt, wenn man einesthcils ihr nngebnndenes, herrenloses Leben und anderentheils da« allnächtliche und selbst oft allabendliche Nmherschleichen der Wulfe nnd Schakale iu uumittelbarer Nähe der Städte uud Dörfer kennt. Ich gehe so weit zu behaupten, das; iu jeneu Theilen Afrita'5 nnd Asien's, wo auf engem Ranine Hnnde, Wölfe nnd Schakale leben, vom Schakal als gnte Art, als echte Speries nicht zn reden ist. Hltud nud Wolf erhalten sich reiner, doch den (^mis n.urEU3 der wissenschaftlichen Werke habe ich als feststehende, sich dentlich charakterisirende Art vergeblich gesucht. Kehren wir aber jeht zn nusercu Reiseerlebnissen znrück. Ausland »lils '-!^^>^ li,l! l^!^ ^nülin. Der Dampfer fuhr die Pormittaqsstuuden hindurch, bis 10 llhr, wo wir iu der Höhe vou Dabbabich vor jener Sandbank hielten, anf der ich bei der Nilaufwärts ^ahrt die qroßen Ohreuqeier hatte sibeu seheu. Am Laude anbelangt, fanden wir gleich die Fellachen, welche Pünktlich die Befehle befolqt hatten. Eine kleine Rohrhntte war errichtet nnd die Gebeine von Hnnden nnd Schafen bewiefen, daß die Geier tagtäglich angekirrt wnrden. Nnr mit vieler Mnhe t'ounteu wir llus der neugierigen Fellachen erwehren, die stolz anf ihre Leistnngeu mm der Jagd beiwohnen wollten. Gar bald erschienen einige Nasgeier, ihnen folgten drei Kappengeicr, jene mittelgroßen, schwarzen, echt innerafrikanischen Geier, mit dunklem kahlen Kopf: ich hatte dieses überans ekelhafte Thier früher noch niemals gesehen nnd beeilte mich daher, ein Exemplar zn erlegen, Anf den Schuß eilten von allen Seiten die Fellachen herbei, meine Beute neugierig betrachtend uud Vachschlsch stürmisch verlangend. Große Geier kreisten hoch in den lüften, die gnte Stunde für diese Jagd begann erst nnd mail hätte noch schöne Erfolge erzielen tonnen; doch trotzdem mußten wir den Renten weichen, deren wir UU5 nicht 142 mehr erwehreu tonnten, von allen Seiteil t'amen neile Ankömmlinge: mid so riefen unr den Dampfer in die '.)lähe des Ufers mid setzten die Reise fort. In Erment, das in dm Nachmittagsstunden erreicht unlrde, milßten wir uns durch kurze Zeit anfhalten, nm don berühinten Granit anf Bord bringen zn lassen. Während dieser Panse schoß ich ans Feldtanbeu, die von einen: Ufer znm anderll gerade über unser Schiff ihren Cnrs genommen hatten; eine folgte der andern nnd so gelang es mir im Zeitraume weniger Miuuten, deren 4si zu erlegen. Bald wnrde die Reise fortgesetzt nnd mit Sounennntergaug langten wir, wieder in Luxor au. .^laiim lag nuser Dampfer au der Landnngsstelle liuter deul Lnxor Hotel, als anch schon Chalil mit einigen bereit gehaltenen Reiteseln erschien. So rasch es gieng, ritten einige von uns den wohlbekannten Weg nach ütaruak hinans, nm da an verschiedenen Pnnkten anf Schakale zn laliern. Ich hatte mir eine lebende Henne mitgenommen nnd sehte mich, den herrlichen Abend genießend, neben einen der noch ans altegyptischen Zeiten stammenden Teiche, an der Südseite der Rinnen. Die Henne zwickte ich nnaufho'rlich, damit sie durch ihr Geschrei Ranbthiere herbeirufe. Leider tamen statt Schakale einige Engländer, die mich erstannt ansahen, aber bald wieder ihres Weges weiter giengen. Als es vollkommen Nacht geworden war, schwebte ein großer Vogel wie ein Schatten zum Teiche herab; anf gnt Glnck warf ich meinen Schnß ihm nach nud fand eineu Fischreiher verendet am llfer liegen. Auf das hin verlies; ich meinen Platz nnd ritt nach Luxor zurück. Die anderen Herren waren bentelos heimgekehrt; einer derselben hatte leider einen Schakal gefehlt. Am anderen Morgen iu früher Staude ließen wir nus alle au das libysche, gegeuüberliegende llfer ruderu, nm den langen nnd so überans interessanten Ansflug nach den .Muigsgräbern zn, unternehmen. Anf Eseln rilten wir anfänglich durch eine wohlbebante Ebene; in den Feldern arbeiteten fleißige Fellachen nnd neben den vereinzelten Lehmhütten saßen Aasgeier iu großer Menge; Kameele, langohrige Ziegen, Vnffel, Esel nud Schafe weideten auf deu gelblichen Hntweideu, An einigen Dümfteln mit noch von den Tagen der Ueberschwemmnug zurückgebliebenem Wasser nnd durch eiueu seichten, stark versandeten Nilarm führte der Weg bis zn einen: kleinen, sehr ärmlichen Dorfe; die letzten Palmeu nnd wüsche wichen den, trostlosen Wüstensande; der Fnß der sich hoch anfthnvmenden Gebirge war somit erreicht; ein schmales, von schroffen Lehnen nnd Wänden eingeengtes Thal eröffnete sich vor uns; in der Sohle führt der Reitweg nach den Königsgrä'bern, den anch die Herren einschlugen. Der Großherzog nnd ich beschlossen, mit einem kleinen Umweg durch das Gebirge ebenfalls dahin zn tommen. Geführt von einem in dieser Gegend als vorzüglicher Jäger gekannten Araber überkletterten wir einige Sand- nnd Schntthügel, nm hinter denselben den eigentlichen Aufstieg zn beginnen. Dnrch Steinplatten nnd Geröll neben Felswänden vorbei schlangelt sich ein schmaler Pfad empor. Rechts nnd links erblickten wir unzählige Gräber nnd Grabeshöhlen. Die nnteren Abhänge längs des gesammteu Gebirgsznges westlich des alten Theben siud durchhöhlt mit altersgrauen Begräbnißstätten. Ans einer dieser Vertiefungen sprang bei unserer Annäherung ein Wolf heraus nnd entfloh au der steilen Lehue empor; leider war die Entfernnng eine zn bedentende, nm anf ihn mit Schrott schießen zu können. Nlln versuchten wir anf verschiedenen Wegen den Gebirgsrücken zn überklettern, um anf diese Weise vielleicht znm Schnsse zu tommen. Der ,^amm war bald erstiegen nud eine herrliche Fernsicht erschloß sich hinab in das grünende Nilthal auf deu großen Strom, die Stadt Lnxor, die Ruinen von 5t'arnak und die gegeuüberliegeudeu arabischen Verge; vor uus begann ein Hochplateau, ein wildes Ritt durch eine» Nilaim, 145 Gemenge von Kuppen, Spitzen, Schluchten und Thalern, Felswänden, Salid und Gcröllhalden, Steinplatten nnd Kalkblöckcn; alles in blendend weißer nnd gelblicher Farbe, ohne jegliche Spur einer Vegetation, in den schärfstell Reflexen schillernd, von den Strahlen der afrikanischen Sonne dlirchsengt. Man kann sich ein trostloseres, aber zugleich großartigeres Bild echten Wüsteugebirges kamn ausdenken. Im Sande fand ich die Spuren von Hyänen, Wölfen nnd Schakalen nnd unzählige Baue verschiedener Ranbthierc; Geier sahen in den Ritzen schattenbildender Felswände nnd die Segler nnischwirrten die öden Zinuen. Ein Wolf lief vor mir über deu Pfad, doch leider war die Entfernung eine zn bedentende nnd so blieb mein Schnß erfolglos. Den: Großherzog ergieng es iudefsen nicht besser mit einem Schakal. Einem schmalen Weg folgend, stiegen wir über nicht ganz beqneme Stellen in das Hanptthal hinab, wo bei schon früher verabredeter Stelle die Reitesel warteten; nnn ritten wir dnrch die trostlose, von blendend weißen Bergen eng begrenzte Schlucht nach den Königsgräbern von Aiban-el-Moluk. Wo in einer Sackgasse von steil abfallenden Lehnen nnd Wänden Thal nnd Pfad enden, eröffnet sich der schwarze Schlnud, der hinabführt in die Grüfte der ältesten Dynastien. Mit Fackeln bewaffnet drangeil wir ein, in jene Reliquien einer längst verklnngenen Zeit. Brugsch-Pascha verdanke ich viele werthvolle Notizen, jene Stelle betreffend, und so will ich ihn nun sprechen lassen: „Die Königsgräber voll Bibau-el-Molnk in einem Seiteuthale des Gebirges, dem die Natur selber den Stempel der Todesstille anfgedrückt zu haben scheint. Hier lagen die Geschlechter der ruhmreichsten Könige der thebauischen Dyuastieu, von der achtzehnten an, ill tiefen Felsenschachteu bestattet. Das Grab Seti's I., ein wahrer Todtcntempel ans dem Felseil herausgemeißelt, gilt als das glänzendste Werk unter diesen merkwürdigen Anlagen. Absteigende Stufen, mit deutlichen Gleitbahnen für den Transport des Sartophages, führen in die dunkle Tiefe, vou Gang zu Galig, vou Saal zu Saal, die trotz aller versuchten Zerstörungen dennoch in vollstem Farbenschmuck der Bilder nnd Inschriften erglänzen. Beim matten Lichtevschein folgen wir den langen Reihen der Darstellungen, die nns in das Tudtenreich der Welt des Jenseits versetzen, die verschiedenen Gegenden der Unterwelt vor Aligen führen, die paradiesischen Freuden der Seligen, die Höllenqualen der Verdammten schildern, den gestirnten Himmel nnd die nnterirdische Fahrt der Sonneubarke in ihrem Lanfe von Westen nach Osten, vom Tudespnnkte zum Lebenspunkte, dnrch Nacht nnd Finsterniß, von Station zu Station zeigeu, mit einem Worte, die nils das ganze geheimnißvolle Buch vom Dasein im Jenseits in Bild lind Schrift ill seiner ganzen Ansführlichkeit entrollen. Der leitende Faden durch dieses Labyrinth geheimster Lehren altegyptischer Urweisheit haftet alt der Vorstellung von der Auferwecknng der Seele nach dein irdischen Tode uud vou ihrer Rückkehr zu dem Lichtquell, von dem sie ansgegangen ist, Licht nud Seligkeit iu alle Ewigkeit hin ist der Lohn, welcher des Frommen wartet, ewige Finsterniß nnd Höllenpein der Lohn des Vösewichtes." In emer ehedem sorgfältig verschlossenen Kammer im Grabe Seti's I. (um 1350 vor Ehr. Geb.) saheu loir das Bilduiß einer Kuh, der sogeuaunteu Himmelsknh; neben demselben befindet sich eiue lange hieroglyphische Inschrift von hoher Bedeutung, die Veruichtung des Menschengeschlechtes uud die nen sich aufbaueude Weltordmmg betreffend, und die Schlüssel zum richtigen Verständniß der altegyptischeu Theogonie bietend. Die Uebersetznng des geheimnißvollen Textes lautet folgendermaßen: „Es war König von Ober- und Unter Egypten der Lichtgott Rä, der Gott, welcher das Sein selber ist. Während er als König herrschte, da waren die Menschen und Götter znsammen vereint. Und 19 14l> es fieligen die ü))tenschen an Nänke zn schlniedeu gegen den Lichtgott Na, inn sich seiner zn eiltledigeil. Denn Seine königliche Majestät war alt gelvordeu. Seine Gebeine bestanden ans Silber, sein Aleisch ans Gold, scinc Haare ans echtein Saphir, lind Seine königliche Majestät sah, wie seiner gespottet ward von den Menschen. Und ec> sprach Seine königliche Majestät zu denen, welche sein Gefolge bildeten: „lasset mir Herrnfell mein Ange »nd den Wolkeiigott Schü, die Rcgengöttin Tafnut, den Erdgott ätel>, die Hiniiuelsgöttili Nnt, zilgleich anch die Väter nnd Miitter, welche mit mir vereint waren damals, als ich mich in den, Urwasser befand, nnd zngleich anch den, welcher nieine Gottheit in sich trng, den Gott des Urwassers Nnn. Er briiige seine Umgebnng zllgleich mit herbei. Sagt ihm: Bringe sie herbei nnd stammle nicht: Schall nicht an die Menschen nnd mache nicht abwendig ihre Seelen! — Komme zllgleich mit jenen (Göttern) nach dem Palaste von Heliopolis, welche ihre Veistimmnng gegeben hatten, daß ich mich ans dem Urwasser begebe an die Stelle, welche ich einnehme." Und jene Gottheiten wnrden herbeigeführt. Da warfen sich die Gottheiten zn seinen beiden Seiten anf den Erdboden nieder, nm ihre Hnldignng zn beengen Seiner Majestät, damit er sprechen sollte seine Nede vor dem Vater der ältesten Götter, welcher geschaffen hat die Menschen nnd erzengt hat die Edlen, Und sie sprachen also zu Seiner Majestät: „Rede zn nns, damit wir es vernehmen!" Und es sprach der Lichtgott Na znm Gott des Urwassers Nnn: „Du ältester Gott, ans dein ich geworden bin nnd Ihr uraufänglichen Gottheiten! Wohlan, die Menschen, welche geworden sind ans meinem Ange, sie fiihren Neden nber mich. Saget, was Ihr dabei thun wollt. Wohlan, ich null harren nnd sie nicht eher verderben, bevor ich nicht vernommen hal'e Enre Rede darnber." Und es sprach die Majestät des Urwassers Nun: „Mein Sohn, Dn^ichtgott Na, Tn Gott, der erhabener ist als sein Vater nnd größer ist als sein Erzenger, wo sitzen die Menschen, die solche Neden gegen Dich fi'chren? Denn groß würde die Angst derer sein, welche in Deiner Nähe Nänke schmiedeil wollten, weil Dein Ange anf sie gerichtet ist." Und es sprach die Majestät des ^ichtgottes Na: „Wohlan, jene sind geflohen anf das Gebirge, weil ihre Seele voller Angst war wegen meiner nnmittelbaren Nähe." Und es sprachen die anderen Gottheiten zn Seiner Majestät: „Entsende Dein Ange. Es treffe für Dich jene, welche Nänte schmieden nach der Weise von Missethätern nnd nicht hinanfgezogen sind stromanfwärtö nach dorthin, wo Dn willst." Und der Lichtgott Na entsandte seilt Ange nnd es stieg hernieder in Gestalt der Göttin Hathor. Und es kehrte zurück diese Göttin, nachdem sie vertilgt hatte die Menschen ans den: Gebirge. Und es sprach die Majestät dieses Gottes: „Sei willkommen! Dn hast vollbracht, was zu vollbringen war. Die Menschen sind dem Verderben anheimgefallen." Und es sprach diese Göttin: „Ich schwöre bei Dir, daß ich Gewalt ausgeübt habe gegen die Menschen, das war lieblich für meine Seele." Und es sprach die Majestät des Lichtgottes Nä: „Ich werde Gewalt ausüben gegen die Menschen dnrch Dich iu Zukunft dadurch, daß ich sie elend mache." Dies der Ursprung des Namens der Gewaltgöttiu Sokhet. Die wechselnde Nacht rollte dahin uud mau gieng anf den Älutströmen der vernichteten Menschen von der Stadt Herakleopolis an. Und es sprach die Majestät dieses Gottes: „Nnfet nur herbei schnelle, hnrtige Boten, Schatten an Körper." Und nachdem die Boten sofort zn ihm geführt waren, da sprach 147 die Majestät dieses Gottes, daß sie ziehen sollten nach der Stadt Elephantine und ihm bringen sollteil die Früchte der Alraune in großer Zahl, Und es würden ihm die Früchte der Alranne gebracht nild sie wurden überliefert dein Müller, welcher in der Stadt On weilt, mu die Früchte der Alraune zn mahlen. Und siehe, auch Mägde wareu dort, welche das Getreide für die Bereitung von Bier ausbreiteten und es N'urdeu die Alrannfrüchte in die Mischkrüge geschüttet nud vermengt mit dem Blute der Meuscheu. Uud es wnrdeu davon 7000 Kruge Bier zubereitet. Und es kam an die Majestät des Königs von Ober- nnd Unter-Egyftten, der Lichtgott Na, iu Vcgleitnng jener Gottheiten, nm zn schaneu solches Vier. Und siehe, die Erde ward helle uud mau sah keinen vou den Menschen verderbet vou der Göttin, N'elche zilr rechten Zeit stromaufwärts gefahreu waren, llud es sprach die Majestät des Lichtgottes Nä: „Das siud die Guteil! Ich werde deshalb ein Beschützer der Meuscheu seiu." Uud es sprach die Majestät des Lichtgottes Na: „Traget mit der Haud jene Kruge nach der Stelle, woselbst die Göttin ein Alntbad angerichtet hat uuter deu Menschen." Und es leuchtete die Majestät des Königs oou Ober uud Uuter EgUPten, des Lichtgottes Rä, währeud einer ganzen Nacht, nin jene Lagerkrüge ausgießen zn lassen. Und es wurden die Felder nach allen vier Himmelsgegenden hin überschwemmt von dem Naß nach dein Willen der Majestät dieses Gottes. Und es gieng ans die Göttin am frühen Morgen, Da fand sie die Felder überschwemmt und ihr Antlitz ward fröhlich darob. Und sie traut lind ihre Seele ward fröhlich, aber sie wußte uicht, daß der Trank Menscheublut war. Und es sprach die Majestät des Lichtgottes Rä zu dieser Göttin: „Sei willkommen! Dn Palme." — (Daher der Urspruug der fröhlicheu Jungfrauen in der Palmenstadt, d. i. Mareia an dein gleichnamigen See bei Ale^andrien.) Und es sprach die Majestät des Lichtgottes Na zu dieser Göttin, es sollten ihr geweiht werden Lagerkrüge znr Zeit des Nenjahrfestes, ihrer Zahl nach entsprechend der der Mägde (welche das Vier gebraut hatten). — (Dies der Ursprnng der Weihnng der Lagerkrüge uach der ^ahl der Mägde an dem Feste der Hathor, welches von allen Menschen am ersten Tage des Jahres gefeiert wird.) Und es sprach die Majestät des Lichtgottes N ä zu dieser Göttin: .Entsteht nicht eine Krankheit durch deu heißen Athem eines Kranken?" — Dies der Ursprnng der Nedeusart: „Der Kranke hat sich verjüngt" (d. h. er hat eiueu auderen angesteckt). Und es sprach die Majestät des Lichtgottes Nä: „So wahr ich lebe? Meiue Seele ist es müde, mit den Menschen zu sein. Ich habe sie vertilgt nnd es ist Niemand übrig geblieben. Nicht kurz, sondern lang ist mein Arm gewesen." Es sprechen die Gottheiten, welche iu seinem Gefolge waren: „Zeuch uicht vou hiuuen ob Deiner Müdigkeit, dem» Du hast die Macht zu thnu, was Dir beliebt." Und es sprach die Majestät dieses Gottes zur Majestät des Gottes der Urwasser Niln: „Mein Leib wird znnehmeu au Schwäche, die einmal begmiueu hat, wenu ich nicht hingehe, wo mich teil, Anderer erreichen kaun." Und es sprach die Majestät des Urwassers Nun: „Der Sohn, der Wolkengott Schii, soll für den Vater eine Stube sein dnrch sein Wirken, nnd die Tochter, die Himmelsgöttin Nnt, soll sich begeben znr Höhe, um ihren Vater zu trageu." 19* 148 Und es sprach die Himmelsgöttin Nut: „Wie soll das geschehen? Du mein Vater, Dll Gott des UrwassersNnn." Also die Himmelsgöttiu Nut vor ihre»« Vater redend, dein (Hotte des Urwasser» Nun, Da lourde die Himinelsgöttin Nut verwandelt iu eine große Kuh, auf deren Nucken die Majestät des Lichtgottes Rä getragen werden sollte. Nachdem die Menschen, welche stromaufwärts gezogen waren, erkannt hatten, was geschehet! loar, da standen sie da nud schauteu ihn an, wie er anf den: Nucken der Knh saß. Und es sprachen zu ihm die Menschen: „Du Lichtgott Rä, verlaß uns nicht! Wir werden erschlagen Deine Gegner, welche fortan Ränke schmieden sollten gegen Dich. Sie sollen hingeschlachtet werden." Es trat Seine Majestät iu seinen Palast ein. Aber die, welche fein Gefolge bildeten, blieben bei den Menschen, so lange die Erde in Dunkelheit dalag. Aber als die Erde hell ward und der Murgen entstand, da traten hervor die Menschen mit Bogen nnd Landen bewaffnet und sie streckten ans den Arm nnd schössen anf die Gegner des Gottes. Und es sprach die Majestät dieses Gottes: „Eure Sünden sind vergeben! Die Schlachtopfer sind anheiln gefallen der Schlachtung." — (Dies der Ursprnng der Schlachtnng — Schlachtopfer.) ^ Und es sprach dieser Gott zur Himmelsgöttin Nnt: „Ich habe mich gelegt anf meinen Rucken. Zieh mich empor." Sie verstand den Sinn nnd es streckte sich ans die Himmelsgöttin Nnt. — Dies der Ursprnng der Redensart: „Leg Dich anf den Rücken, strecke Dich ans/' Und es sprach die Majestät dieses Gottes: „Nnn bin ich geschieden von den Menschen. Ich bin anfwarts gezogen nnd halte meine Umschau." Uud'es hielt die Majestät dieses Gottes seme Umschau von ihrem Inneren alts. Sie sprach: „Ersinne für mich stützende Träger in Gestalt einer Menge von Menschen." ^ Dies der Ursprnng des Wortes Menschenmenge. Und es sprach Seine königliche Majestät: „Wie friedlich breitet sich ein weites Feld ans." — Dies der Ursprung des Namens Friedenfeld. — „Ich will Kränter anf ihm pflücken?" — Dies der Ursprnng des Namens Pflnckfeld. „Ich will die Bewohner versehen mit allen Dingen!" ^ Dies der Ursprnng des Nameus der Dingsternc unter den Gestirnen. Und es zitterte die Himmelsgöttiu Nut wegen ihn'r Höhe. Und es sprach die Majestät des Lichtgottes Rä: „Ich habe ersonnen stützende Träger, nm sie zu halten!" — Daher der Ursprnug der stützenden Träger (d. h. Karyatiden). Und es sprach die Majestät des Lichtgottes Rä: „Mein Sohn, Dn Wolkengutt Nä, stelle Dich nnter meine Tochter, die Himinelsgöttin Nnt. Sei mir ein Wächter der stillenden Träger, welche in Dunkelheit leben. Nimm die Himmelsgöttin anf Deinen Kopf, sei Dn ihr Wächter!" — Dies der Ursprnng der Wartung eines Tochtersohnes uud der Ursprung der Gewohnheit eines Vaters, seinen Sohn anf seinen Kopf zu setzen. Mitgetheilt wird folgeudes Capitel über die Kuh, d. h. Schilderung der Darstellnng: Stützende Träger, „eine Menge siud es", sind vor ihrem Schulterblatts stützende Träger über ihrem Rücken, der nach allen vier Nichtnngen hin mit Farben ausgemalt ist. An ihrem Vanche befinden sich nenn Sterne. Die Gestalt des Gottes Set befindet sich hinten. Deßgleichen eine andere vor ihren Beinen. Der Wolteugott Schü steht unter ihrem Bauche, ans starkem T^ ^l^^:?i!^5tolo'^. 151 Gebein gebildet. Seine beiden Arme tragen die Sterne. Die seinen Namen enthaltende Inschrift Mische, denselben lantet: „Der Wolkengott Tchn selber." Ein Schiff steht da, Rnder nnd ein Tempelchen darin, oben darauf die Sonnenscheibe. Der Lichtgott Rä steht darin, vor dem Wolkengott Schü, neben der Hand des letzteren. — Andere Lesart! „Hinter ihm, neben seiner Hand." Die Euter der Kuh sind in der Mitte angebracht, bei ihrem linken Beine. Die Flächen der Knh sind mit Inschriften versehen, die nach der Mitte des Hinterbeines zu lauten, also: „Der Anßen Himmel!" nnd „ich bin da, wo ich bin" nnd „nicht lasse ich sie umkehren." Diejenige, welche nnter dem Schiffe angebracht ist, das vorne steht, lantet also: „Nnhe nicht mein Sohn!" Diejenige, welche in umgekehrter Richtling geschrieben ist, lantet also: „Deine Haltung gleicht dem Leben," eine andere: „Das Ewige ist darin ausgedrückt," nnd „Dein Sohn ist dort," eine andere: „Leben, Heil und (Gesundheit sei dieser Deiner Nase beschieden." Diejenige, welche hinter dem Wolkengotte Schil augebracht ist, neben seinem Arme, lantet also: „Ihr Wächter;" diejenige hinter ihm, bei seinem Fnße und in nmgekehrter Richtung geschrieben, lautet also: „Die Wahrheit," eine andere: „Sie treten ein" und eine andere: „^ich bin der tägliche Beschützer." Diejenige, welche nnter dem Arme der ^ignr steht, die sich unter dem linken Beine, hinter demselben befindet, lantet also: „Verschliesier von Allem." Diejenige, welche über dem Kopfe der Figur steht, am Hintcrtheile der Knh, neben dem Beine derselben, lautet also: „Hüter seines Ausgangs." Diejenige, welche hinter den beiden Fignren steht, die sich an ihrem Beine befinden, nnd War über ihren Köpfen, lautet also: „Der Alte, welcher preist während seines Ausgangs" und „der Alte, welcher anbetet während seines Eingangs." Diejenige, welche sich über den Köpfen der beiden Figuren befindet, die zwischen den Vorderbeinen der >i!ih stehen, lantet: „Lanscher" nnd „Horcher" nnd „Seepter der Himmelshöhe." Und es sprach die Majestät dieses Gottes znm Gott (der Intelligenz) Thot: „Nnfe mir die Majestät des Erdgottes Keb mit den Worten: Komm nnd mache Dich sofort auf den Weg!" Und es kam die Majestät des Erdgottes Keb. Und es sprach die Majestät des Lichtgottes Rä: „Es hat eiu Kampf stattgefunden wegen Deiner Gewürme (d. i. der Menschen), welche anf Dir weilen. Zum Heile wird es ihnen gereichen, wenn sie mich fürchten, so lange ich sein werde. Darin sollst Du ihre Tugenden erkennen. Bereite Dich vor, um dorthiu zu ziehen, wo mein Vater, der Gott des Urwasscrs Nnu, weilt. Sprich zn ihm: „Behüte die Gewürme anf der Erde uud im Wasser." Mache zugleich auch Schriften für jede Zone, in welcher Deine Gewürme sich aufhalten, also lautend: „Ener Hüter ist der, welcher alle Dinge erfaßt." Wenn sie erkennen werden, daß ich mich weit entfernt habe, so gereicht es zum Heile, dasi ich ihnen als Sonnenlicht anfgehe. Ein Heil thut noth, es ist der Vater, der ihnen noth thnt. Sei Dn der Vater anf dieser ewigen Erde." „Anch werden sie behütet werden, nm der weisen Gedanken willen nnd das Wissen ihres Mundes wird zum Heile gereichen, denn meiuc eigenen weisen Gedanken sind als Heil darin enthalten. Wer sie erkannt hat, wird heil bleiben, denn Niemandem wird meine Obhut zu Theil werden, wegen der Größe, die ihm vor mir zn Theil geworden ist." 15)2 „Ich werde zngeselleu jene Deinem Sohne Osiris und werde behüten die Kinder jener, znr Verwunderung ihrer Fürsten, deren Tngenden solcher Gestalt sind, daß sie handelten noch ihrer Liebe znr ganzen Welt nnd nach ihren weisen Gedanken, die sich in ihrem Leibe bargen." Und es sprach die Majestät dieses Gottes: „Nnfet nur den Gott (der Intelligenz) Thot!" Sofort ward er geholt. Und es sprach die Majestät dieses Gottes zum Thot: „Wohlan, groß ist die Entfernung win Himmel her, wo ich meinen Thron aufgeschlagen habe, darnm weil ich dort weilen mnß, um das Licht der Sonne zn spenden. Dn glanzvoller Gott in der Tiefe und in der Welt der Grabhöhlen, wo Du Schreiber bist nnd die strafst, welche daselbst weilen und deren Thnn und Thaten der Sünde gewesen sind, dadnrch daß Dn fern hältst von mir sie, welche folgten dem, was dies mein Herz mit Scham erfüllt. Sei Dn statt meiner mein Stellvertreter! Warnm sonst wirst Du geheißen Th ot, der Stellvertreter der Sonne? Ich werde Dich senden lassen die Fürsten (ill deinem Namen) — dies ist der Ursprnng des Ibis, das istdesSendvugcls des Thot — ich werde Dich ausstrecken lassen Deine Hand nach dem Angesichte der nranfänglichen Götter, welche größer sind als Dn. Schön wird es sein, wenn Du meinen Durst stillst — dies der Ursprnng des Dnrststillervogels des Thot — ich werde Dich nmfassen lassen Himmel nnd Erde mit Deinen Herrlichkeiten als Lichtstrahl — dies der Ursprnng des Namens „Umfasser" für den Mond - ich werde Dich M'ücktreiben lassen alle Barbaren — dies der Ursprnng des Namens „Znrncktreiber" für die Hnndekopf Affen, nnd dies der Ursprnng seines Amtes als Heerführer. — Du sei also mein Stellvertreter für alles Sichtbare, das durch Dich offenbar wird, nnd alle Menschen sollen Dich preisen als Gott." Wenn Jemand diesen Sprnch für sich selbst hersagt, so reibe er sich vorher mit Oehlen nnd Salben ein. Die Räucherpfannen anf seinen Händen seien hinten nach seinen beiden Ohren zn gerichtet. Er wasche mit heiliger Seife seine Mnndspitze. Er ziehe ein frisches Kleid an. Er reinige sich init Wasser der Fluth. Seiue Fußbekleidung bestehe ans weißglänzenden Sandalen. Eine Abbildung der Göttin der Wahrheit in grüner Malerfarbe ansgeführt, liege anf seiner Zunge. Wenn es dem Gotte Thot gefällt, ihn (den Spruch) herzusagen, so reinigt er sich in neunfacher Neinignng drei Tage lang. In gleicher Weise sollen es die Priester nnd wer sonst thu». Wenn Jemand ihn hersagen will, so beobachte er folgende Vorschrift in der Behandlung dieses Schriftstückes: Er machc seinen Standort in einem Kreise, der ihn absondert von dem, was anßen ist. Sein Auge sei darauf gerichtet, alle seine Gliedmaßen ihin zugewendet, seine Füße schreiten nicht vorwärts. Wenn also ein Mensch ihn hersagt, so wird er sein gleichwie der Lichtgott Rä am Tage seiner Gebnrt. Nicht werden sich verringern seine Sachen, nicht wird vergehen sein Hans (sundern bestehen) in echter Weise millionenfach." Nnn sind wir am Schlüsse der genauen Schilderung der Himmclskuh nnd aller sie nmgebenden Texte. Hochinteressant sind der mystische Zug, der durch die Glaubenssätze der vor Jahrtausenden herrschenden Religion länft, nnd die farbenprächtigeDarstellnugsgabe, welche diese Lehre zn einem Enltus AiliiM in Ermciu. 155 des Südens und vor allem des Orients stempelt. Jetzt sei es mir nur noch vergöuut, an dieser Stelle die Theogonie der altegyptischen Gottheiten nach den Denkmälern wiederzugeben: dcr Gott des UrWassers. R ä (Helios) der Llchtgott, Element des ^eners. IchN (Herkules) Faf-nüt >>er WolK'!iss0tt, Element der Luft, die Negenciöttin, 5t cb (Kronos) Nttt ^1ihm> der Eidqott, Eleinoilt dor Erde, die (Wttiu dos Himmelsgewölbes. Osiris Horus Set Isis Vl'epl)t!)ys Element des Wassers. iMwllo^ (Typhoid Harpokrates (die Welt ill dor periodischen Verjnncilinss ihrer sichtbaren Erscheinungen). Nachdem wir alle Ränme der so nberans merkwürdigen Königsgräber genau angesehen hatten, wlirde vor dem Eingang ein frugales Frühstück verzehrt. Der kurzen Rast folgte ein mühsamer Stieg anf schmalem Pfad über das Gebirge nach Medinet Habn; abermals kamen wir durch das trostlose Wüstengestein, an dem nnu die Mittagssonne mit sengender Kraft leckte. Einige jäh abfallende Felscnwände mußten durchklettert werden nnd erst nach langem Marsch erreichten loir den Kamm nnd bald daranf die Zone der Felsengräber; über Schütt- uud Trümmerhaufen, neben halb verfallenen Hänsern, doch schon ans muslimischer Zeit, gelaugten wir in das Eulturland, wo bei eiuer etwas schattenspeudenden Mauer die Reitthiere warteteu. Eiu läugerer Weg als des Murgeus führte uns an den, in der That imposanten nnd jede Erwartung übertreffenden Memuous-Kolosseu vorbei, uach dem Ufer des Nil. In einem Boote erreichten wir Nachmittags den Dampfer, wo augenblicklich gespeist wnrde. Von: arabischen Jäger hatte ich mich überredeu lassen, au diesem Abende noch einen Anstand auf Ncuibthiere iu der Nähe vou Medinet-Habu zu besnchen. Von meinem Jäger gefolgt, ritt ich daher gleich nach dem Diner weg und schlug abermals deu weiten Weg durch das Cnlwrlaud au deu Kolossen vorbei bis zum eleudeu, aus Lehmhütteu erbanten Dorfe Mediuet^Habu eiu. Gleich hinter diesem Orte beginnt eine ziemlich breite, volltommeu flache Wüsteuebeue, die das enltivirte Land vom Fnste der Hochgebirge trennt. Stark abgetreteue Wechsel, durch Hyäueu-, Wolfs- und Schakal-Fährten gekennzeichnet, verbinden das Gebirge mit dem beutebietenden Tiefland. An einer solchen Ranbthierstraße verbarg ich mich hinter großen Steinen. Die Sonne gieng eben uuter, deu Saud der Wüste, die Frlseu des Hochgebirges, die Nuiuen, die Palmen nnd Dörfer der Niederungen in die farbenprächtigsten Beleuchtungen tauchend. Ein Pharaonen Uhu, jeuc große, gelblichbranuc Eule, strich, von ihren düsteren Verstecken kommend, geräuschlosen Fluges auf Naub aus. Gleich darauf erschien ein Schakal, den Wechsel genau einhaltend. Ich schoß dem gedankenlos heiantrollenden Thiere leider zn weit entgegen; es überschlug sich, doch gleich wieder auf den Länfen, eilte es gegen das Gebirge znrück. Ich faud zwar eiue Nothfährte, doch blieb eiue knrze Nachsuche erfolglos. Auch dräugte die Zeit, die Dämmerung war schou hereiugebrocheu 20-" 156 und ich mußte noch znm eigentlichen Hyäncn-Anstand eilen. Vom Araber gefiihrt, ritt ich durch die daselbst stetig loeiter in die Ebene reichende Wüste, bis zu einein kleinen Sandhngel. Das Versteck war gnt gewählt und der todte Esel lag leicht sichtbar ans dem weißen Saude. Tiefe Stille herrschte in der monotonen Gegend, in nebelhaften Eontonren erhoben sich die Berge nnd endlos erschien die fahle Wüste. Mehrmals vernahm ich das Trollen der Schakale, sah mich Schatten vorbeihnschen, konnte einmal selbst die Gestalt eines Wolfes ausnehmen, doch die heißersehnte Hyäne erschien nicht. Die wahre Stunde für dieses schene Naubthier beginnt erst nm 1 Uhr nach Mitternacht; nnd auch diesmal übermannte mich schon nm 11 Uhr der Schlaf dermaßen, daß ich nicht länger gegen ihn ankämpfen wollte nnd das Versteck verließ; mit einem vorwnrfsvollen Blicke entließ mich der Araber, der mit seiner Flinte bewaffnet die Hyäne abzuwarten beschloß. Für mich begann ein langer, aber schöner Ritt; dic Mondnächte Egnptens gehören zn deu zanberv ollsten Erinnernngen, die ich ans dem herrlichen Pharaonenlande mitgenommen habe. Gespensterhaft großartig nahmm sich des Nachts die hohen Memnons-Kolosse inmitten der dunklet, Cnltnrlaudschaft ans. Nahe des Nil lief ein Wolf anf wenige Schritte vor nur vorbei, leider war meine Flinte nicht geladen. In sehr später Stunde erreichte ich den Dampfer nnd die lang ersehnte Nachtruhe. Am 12. Früh ritten wir alle den nämlichen Weg wie Tags znvor nach Medinet-Habn; große Züge Störche standen auf den Sandbänken nnd an den Nasserdnmpeln, sowie anch Becassinen nnd Strandlänfer, anf die ich vom Rücken meines Esels herab Jagd machte. Nach cinstnudigem Ritt erreichten wir das Dorf Medinet-Habu, wo der arabifche Jäger schon wartete, nm uns mitzutheilen, er habe nach 1 Uhr des Nachts die Hyäne glücklich gefehlt. Ich glanbte nicht seinen Reden nnd beschloß an Ort nnd Stelle nachzusehen nnd zn gleicher Zeit den nach Anssprnch des Arabers massenhaft versammelten Geiern meine Aufmerksamkeit zn schenken. Leider hatten die großen Raubvögel, als ich ant Platze anlangte, ihre Mahlzeit schon beendet nnd saßen träge in einer Entfernung von einigen hnndert Gängen nnnahbar inmitten der Wüste. Der Esel war fürchterlich zugerichtet worden; ganze Theile fehlten nnd alles lag bedeckt mit Federn nnd Schmutz der Geier. Dein Araber hatte ich Unrecht gethan; augenblicklich fand ich die Hyänenspur, die von einer Seite znm Aas nnd anf der anderen in die Wüste führte. Am Rückwege nach Mcdinet-Habn bemerkte ich auch einige frische Gazellen-Fährten. Bei den anderen Reisegefährten angelangt, begannen wir gleich die Besichtigung des nahe vom Dorfe gelegenen, wnndervoll schönen Ramessenms, des noch wohlerhaltenen Todtentemvels. Ich thne gnt daran, einige Notizen, die Denkmäler dieses Theiles von Theben betreffend, die ich meinen: Frennde Brngsch verdanke, im vollen Wortlaute anzuführen: „Die Westseite Thebens, nicht weniger reich an Denkmälern als das östliche Quartier der Stadt, galt als der Sitz der Todten, als die eigentliche Nckropolis. Im felsigen Kalksteinboden, sowie in den dnrchhöhlten nnd durchwühlten Abhängen des steil abstürzenden nahen Gebirges fanden Millionen würdiger Thcbaner ihre letzte Ruhestätte. Inmitten dcr weiten Ebene, am Fuße des steilen Berges erhoben sich nach allen Richtungen hin Todteutemvel, ihre Pforten stets nach Osten gcöffnet, welche der Net'wpolis den Eharaktcr einer hochheiligen Gegend verliehen. Die noch erhaltenen Tempel von Gürna, an der nördlichsten Spitze der langen Reihe von Hciligthümern, von Rcimscs II. znm Gedächtniß seines wenig bekannten Großvaters gleichen Namens ansaeführt, nnd sein eigener Todtentcmpel, das sogenannte Ramefsenm, sind belehrende Beispiele für die Anlage und Ansfchmücknng derartiger Bantcn, 157 deren herrlichstes Seitenstnck der früher schon erwähnte Todtentempel Sctis I. (des Vaters Namses U.) zi, Abydus bildet. Das Namesseum von Theben diente Mgleich als Siegesdentmal znr Verewigluig nnd znr Ueberlieferung der Großthaten, welche der König in seinem Kriege gegen die Hothiter verrichtet hatte. Die Jagd ui oiiil'ü! PlüüN'ühai» bei ilo»ch, riesigen Brnchstnckc einer Statnc des Königs ans röthlicheni Granit bedecken den alten Tempellwdcn in der Nähe des südlichen Pylonen-Flügels. Weiter nach Süden zn ragen die einsamen Wächter der Todtenstadt, die beiden berühmten sogenannten Memnons Kolosse znm blanen Aether des thebanischen Himmels empor, stmnme Zengen einer längst vergangenen ruhmreichen Zeit in der Geschichte der Egypter. Ein Werk des hochgepriesenen 156 königlichen Hofbeamten Hi, des Sohnes Hapn's, schmückten sic einst den Ranui vor dein Hanptportal eines Todtenwnpels Königs Amenhotep III., der fast spurlos vom Bode,t der Erde verschwilndcn ist. Weiter nach Süden zu erheben sich ans hügelartigen Schnttbergen die Todteiltcnipel der Pharaoneu Thntmes III. und Ramses !II., letzterer der reiche König Rampsinit der griechischen Ueberlieferltngen, zu luftiger Hohe; der Ramses-Tempel, besonders merkwürdig dnrch die zahllosen Darstellnugeu uud Inschriften, U»clche die siegreichen Feldzügc des Königs gegen libysch-jonische Völker-Conföderatioilen zu verherrlicheli bestimnit waren. Gedenken wir noch znm Ichlnsse des Terrassenballes und der Felsenkapelle derThutinessiden in der nordlvestlichen Ecke der großen thebanischen Nekropolis, so ist im Großen und Ganzen die Reihe der königlichen Todtentempel erschöpft, welche die Bestimmung hatten, den künftigen Geschlechtern der Erde die Erinnernngen an längst vergangene Zeiten in lebendigster Weise zn erhalten." Wir waren zn Ende mit den Vesichtignngen der vielgepriesene»! Todtenstadt uuo ritten durch die Ebene znrück zn unserem Dampfer. Nun hieß es Abschied nehmen vom schönen Luror, den herrlichen Nesteu des hundertthorigeu Theben und von der thebanischeu Ebeue, die in heiße Mittagsdünste gehüllt, vou den hochragenden bläulichen Gebirgen umsäumt, ein wnndervolles Bild als letzten Gruß darbot. Der Nachmittag wurde zur Reise benutzt; angenehme Stnnden brachten wir am Verdeck zn, eine kühle Brise zog über den rnhigen Strom nnd schöne Landschaften entrollten sich vor nnseren Blicken. Um t» Uhr Nachmittags langten wir in Keneh an, wo wir diesmal nicht am westlichen Ufer von Dendera, sondern am östlichen bei der modernen Stadt landeten. Die Abendstnnden benutzten wir, um die nächste Umgebung jagend zn durchstreifen. Hoyos und ich ritten durch die hier breite mid üppig bebaute (ibeue, folgten dann dein Laufe eines wildreichen Canales, au dem allerhand Geflügel erlegt wurde. All einer seichten Stelle, den Wasserlauf dnrchreitend, kehrten wir gegen die Stadt znrück, an deren Rande neben blühenden Gärten ein Palmenwald seine stolzen Kronen erhebt. Diese schützende Decknng snchten des Abends Milane, Falken, Gleit Aare, Kolkraben, Krähen, Nachtreiher nnd allerhand Kleingeflügel znm Schlafplatze ans; dies erkennend, verbargen wir nus hinter den dicken Stämmen der Dattelpalmen nnd machteil so eine leichte uud recht lohnende Jagd. Als nach einem glühenden, farbenprächtigen Souueuuntergaug die Dämmerung begauu, ritteu wir anf einem Damme in die ziemlich große Stadt hinein. Reges Leben herrschte in den engen, von Lehlnhänsern begrenzten Gaffen, deren architektonische Verzierungen nnd hochragende Minarets die Bedentnng des Ortes kennzeichneten. Ein glücklicher Zufall führte uus durch dichtes Menscheugewühl in den recht hübsche», mit Strohmatten überdeckten und ziemlich gilt erlenchleten Bazar, dessen geschäftige Handelslente uns lärmend nmgaben. Der laugen Zeile der Vudeu folgend, entkamen wir dem Stanb, Dnnst und Gestank, der besonders Abends in den orientalischen Städten herrscht, und eilteil zu unserem Dampfer zurück. Die anderen Herren waren deßgleichen mit einiger Bellte zurückgekehrt, so daß besonders durch nnser Mitwirken der kurze Iagdansflng bei Kcneh eine reiche Strecke lieferte. Am, 13. wnrde bei- herrlichem Wetter die Reise fortgesetzt. Von Sonnenanfgang bis Mittag unaufhaltfam stromabwärts fahrend, gelanglen wir nntcr den am Ost-Ufer knapp an den Strom herautreteudeu Gebirgeu vou Gebel Tut vorbei. Die Gegend gefiel nns nnd fo beschlossen wir, um etwas Bewegung zn machen, an» brüchigen Gestade anlegen zn lassen. Kein Dorf, tein Haus steht in der Nahe; nichts als wild zerklüftetes Felfengebirge, nnr durch eine höchstens hnndeit Gänge breite Wiese vom 159 Strome getrennt. Die Steiilhalden mid öden Gebirgsklüfte dllrchkletternd, fand ich viele Schakal-Spuren ilnd eiitige Äaue, ließ daher uleine DachZhilitde ill dm tiefen Schachten suchen, was aber leider erfolglos blieb. Deßgleicheu gelang es mir nicht, die aus deuKuppeu ulld Fclscn sitzcltdcn Raubvögel zu bcschlcich<'i!. Bei dicsm mißglückten Iagdvcrsuchm faud ich alte Grabevhöhleu uud iu deusclbeu uobst Geliciueu auch die uoch ziemlich gut erhaltenen Reste eiuer Mumie oder vielleicht nur durch die heiße, jedeu Niederschlaget cntbehreude ^ilift verkohlteu Fleisch- und Mnskelbrstandtheile. Vom Gebirge zurückkehrend, erlegten wir noch einige nach langer Reise müde Wachteln, die sich iu der schmalen Wiese aufhielten. Nach kaum Dcr Eft'l des Mndir, zweistündiger Unterbrechnng wnrde die Reise wieder fortgesetzt. Gegen 8 Uhr langte der Dampfer bei der großen nnd hübsch gelegenen Stadt Sohag an. Allsogleich wnrde an's Land gegangen, um die nächste Umgebung zu durchstöbern. Der Großherzog nud ich bogen mn die letzten Häuser der Stadt nebcu der Kaserue der nur unbedentendeu Garuison ein nnd jagten an einigen großen Wassertümpeln anf allerlei Flngwild. Die vielen Zuseher nnd znr Tränke geführten Büffel nnd Kameelheerden vertrieben nns voll da, nnd dem Damm des berühmteu Joseph Cauals folgeud, gelangteu wir zwischen einzeln stehenden Lehmhütten, blühenden Gärten nnd Feldern zn einem alls hohen Tamarisken, Sikomoren lind Palmen gemischten Walde, Diese vorzügliche Deckling diente außerordentlich vielen Vögeln zum Schlafplatz 160 mid so mordeten lvir nach Sonnennntergang mitBegiml derDäinmerung Nllter den erstaunten Schläfern. Ein Zwergadler, viele Milane, Falken, Krähen, zwei Enlen und eine Portion Palmtauben fielen nns in der Zeit weniger Minnten znn: Opfer. Auch in landschaftlicher Veziehnng bot dieser ans echt afrikanischen Bäumeu znfainmengesetzte Wald viel Reiz nnd nnr uugerll verließen wir den dufteudeu, üppig grünen Platz, dessen übernmchernde Vegetation an die phantasiereichen Märchen von „Tansend nnd ciner stacht" inahnte. Dein Damme folgend, erreichten loir gar bald die Stadt nnd durch mehrere enge, sehr belebte Gassen gelangten wir zu nnscrem Dampfer znrück. Der liebenswürdige Mndtr Ali Pascha hatte mir seinen blendend weißen großen Esel, AbuGebel genannt, von reinster arabischer Zucht geliehen und als ich während des,Nittes mit den vorzüglichen Gängen des Thieres sehr Unfrieden war, schenkte er mir das in der That auffallende Exemplar. Nnn mnßte für den Esel am Verdeck des Dampfers ein Platz gerichtet werden nnd bald daranf hielt er anf nnserem beweglichen Hanse seinen Einzug. Des nächsten Morgens in sehr früher Stnnde wnrde die Weiterreise angetreten. In einem Znge fuhr der Dampfer feine letzte Station bis Eint, wo wir Mittags eintrafen. Vom Landungsplätze führt eine Allee zur Stadt; der stattlichste nnd bedentendste Ort oberhalb Kairo, Sitz eines Mudirö nnd durch großen Handel nnd schöne Bauart ausgezeichnet. Zwar sind anch hier die Hänser aus braunem Lehm, doch höher und mit reicheren arabischen Ornamenten versehen, als in den anderen südlicheren Nilstädtetl. Schlanke Minarets lind zierlich gebaute Stadtthore falleu uns anf; schatteuspeudende Sit'onwren Alleen nnd üppige Gärten nmgeben Sint in der Nichtnng gegen den Strom. Wir ritten dnrch einige schmale Straßeu nnd der Lauge nach zwischen all' den Bnden des sehr sehenswerthen Bazars hinweg, den der hier mündende Caraoanenweg aus Dar For mit Stranßeufcdern nnd Elfenbein reich versieht; anch bilden die rothen nnd schwarzen Thonarbeiten Suit's eine Specialität. Was mich am meisten interessirte, war das besonders rege Leben, welches in diesem Vazar herrschte; neben den echten handeltreibenden Fellachen sah man Bewohner des Nilthals, ans verschiedenen Gauen Egyptens in wechselvollen Farben- nnd Costümbildern. Quer dnrch die Stadt gelangten wir vom anderen Rande derselben über einen Damm nnd den bekannten Josephs Canal nach dem Fnße der steil abfallenden Wnstengebirge. Bei Siut treten die Berge näher an den Strom nnd es verengt sich für eine knrze Strecke die ober> nud unterhalb voll hier schou breite Ebene des Kulturlandes. Anf einem schmalen Pfade kletterten wir steil empor, nm die in halber Bergcshöhe zwischen Felsen und Geröll befindlichen Höhlen nnd Grabkapellen anznsehen. Schon in den Tagen des Alterthums hatte dieser Ort eiue gewisse Bedeutung, Ossint, die größte lind ansehnlichste Stadt Ober-Egyvtens, führt ihre hentige Bezeichnnng nach dem alten Namen Siant, eine schakalsköpfige Gottheit (Annbis) hatte hier einst ihre Tempel uud Altäre. Sämmtliche Thiere vom Huudegeschlecht waren ihr geweiht, vor allem der Wolf, daher die griechische Benennnng der Stadt Lykopolis, „die Wvlfsstadt". In den Höhlen des hinter Offint liegenden Gebirges, das einen Vorfvrnng der libyschen Gebirgskette bildet, werden noch hente die wohl einbalfamirten Körper der erwähnten Thierclasse anfgefnndeu, iu dichter Nähe berühmter Grabkapellen, welche ans den Zeiten der XIII. Dynastie herrühren (nm 2200 vor Chr, Geb.) nnd vornehmen Hofbeamten der erwähnten Epoche allgehörten. In einen dieser ziemlich großen, in Felsen gehauenen Ränme giengen nnr hinein, fanden aber im Innern, die eigenthümliche Form ausgenommen, nichts des Sehenswerthen. 161 Die Reisegesellschaft theilte sich nun; einige der Herren streiften jagend gegen die Stadt hinab, während ich dnrch eine schmale Schlncht bis anf den Kamm des Gebirges kletterte, von wo ans sich eine schöne Fernsicht über die Stadt, das grüne Nilthal, die gegenüberliegenden arabischen Gebirge nnd hinter nur anf das röthlichgelbe Wüstenplatean der libyschen Berge erschloß. Anf einem anderen Pfade dnrch schlechte Felswände, Platten und Geröllhalden, neben vielen Grabhöhlen nnd alten Gerippen vorbei, stieg ich in's Thal hinab nnd tam zum uwhamedanischen Friedhufe. Westlich von Sint erstreckt sich die anffallend große nnd dnrch sehenswerthe Grabbanteu geschmückte muslimische Tudtenstadt, mit einem Ende in das Cnltnrland zwischen blühende Gärten, mit dem anderen in die öde Wüste reichend. Zn Fuß gieng ich mm in die Stadt zurück und schlenderte iu den entlegeneren Viertclu anf den Straßen hernin, das Volksleben beobachtend; bei dieser Gelegenheit erlegte ich mehrere Aasgeier zwischen den 21 162 Häusern, die in der Nähe des Schinderplatzes in großer Menge versammelt waren. Dnrch die schöneren Stadttheile kehrte ich in den Nachmittagsstnnden zum Speisen ans den Dampfer zurück. Niit Sonnen-nntergaug ritten wir alle nochmals bis znni Fuße des Gebirges nnd postirten nns all verschiedenen Pnukten; einige der Herreil giengen bis zu den Felsengräbern, loährend ich mich im Friedhof in einem mohamedanischen Grabgcbäude verbarg. Es war ein herrlicher Abend, volle Ruhe herrschte in der schönen Gegend nnd nnr ein sanfter Luftzug rauschte in den dichten Kronen der Sikomoreu. Leider kam kein vierfüßiges Ranbthicr zn meinem Versteck, hingegen konnte ich mehr als zwanzig große Geier in weiter Ferne beobachten, die einer nach dem andern in eine hohe Felswand zur Nuhe zogen; tomisch war es zn sehen, wie sich diese Thiere nm die Schlafplätze zankten; keiner wollte ans sehr begreiflichen Gründen unter dem andern sitzen nnd erst nach geranmer Zeit gelang es ihnen allen, einer neben dem andern in einer langen Felsritze zn hocken. Nach einer Stnnde mnßte ich den Friedhof verlassen, da die Zeit znr Abreise schon herannahte. Beim Iosephs-Canal fand ich meine Gefährten. Sie hatten Schalale nnd selbst einen starken Wolf gesehen, doch leider alles in den Felswänden anßer Schußweite. Der Großherzog beobachtete anch einen Vampyr (ill der Größe eines Raben) im Aligenblicke, als das ekelhafte Thier alls einer Grabkapelle hervorstrich. Nasch ritten wir nnu znm Landlingsplatze znrück, nahmen herzlichen Abschied vom guten braunen Admiral und dem braven Schiff, das uns N'ährend nnvergeßlich schöner Tage als Wohnung gedient hatte nnd giengen znm nahen Bahnhof. Bald branste der Zng von Sint weg, dem Norden zn; süßer Schlaf bemächtigte sich nach knrzer Zeit der Reisegesellschaft. Ich erwachte erst, als am 15). Früh die Sonne in die Waggons hereiublickte nnd wir schon im kleinen, arg verwahrlosten Bahnhof voll Bedraschen standen. Int schmutzigen Wartsaal wurde ein Frühstück verzehrt nnd daranf zn Esel der Ritt nach Memphis unternommen. Zwischen sumpfigen Dnmvelu, wohlbebanteu Feldern nnd großen Palmeuwäldern führt der Weg bis zn dem kleinen, im üppigen Grün afrikanischer Vegetation verborgen liegenden Torfe Mitrahcnne. Hier will ich Brngsch an meine Stelle treten lassen: „Verklungeil nnd verschollen für ewige Zeiten sind die Sageil nnd geschichtlichen Ueberlieferungen, welche einst Knnde gaben von dem Glänze und der Größe der allen Stadt Memphis oder, wie sie in den egyptischen Inschriften genannt wird: Mem nofir, d. h. „guter Weideplatz". Die Tempelbauten uud die Häuser der alteu memphitischeu Könige, welche daselbst ihre Residenz aufgeschlagen hatten, sind vom Boden der Erde verschwunden nnd kein einziger Stein iluter den zurückgebliebenen Trümmern ruft die Eriunernng au die erstell nnd ältesten Erbauer der Stadt wach. Nnr den Mittelpunkt der gewaltigen Residenz der Memvhiteu, die ehemalige Stätte des nationalen Heiligthumes, bezeichnet heutzutage die von verfalleneu Erdwällen eingeschlossene freie Ebene, welche sich in der Nähe des palmenreicheu Dorfes Mitrahenne (alt Minet-ra-hanuu) iu der Richtung vou Norden nach Süden hin ansdehnt. Hier standen die Tempel des Gottes Ptah, des großen Künstlers nnd Bildners alles Geschaffenen. Dnrch stark befestigte Anlagen geschi'cht, welche den Namen der „Weißen Mauer" oder „Weißen Festung" führten, bildete das Heiligthnm dieses Gottes die Citadelle der Stadt, in welcher das Palladimn des Reiches gegen die Angriffe innerer nnd äußerer Feinde in allen Epocheu der egyvtischen Geschichte auf das nachdrücklichste vertheidigt ward. Die wenigen Trümmer der Altzeit, welche heutzutage den oft und viel durchwühlten Boden dieser ehrwürdigen Stätte bedecken, gehören Tempelbauten späterer Zeiten an, durch welche vor allem einzelne 163 Köuige thebanischer Herkunft ihre fromme Theilnahme für das alte Reichsheiligthum loerkthätig zu beiveisen snchten. Nanism 11., der Adoptivvater ^toses', auch Sestura geheißeu (d. i. Sesustris der classischen lleberlieferuugen), gegen 1350 vor Chr. Geb., steht an der Spitze dieser königlichen Erbaner. Die Reste der vou ihm gegründeten Anlagen, theils Erweiterungen des alten verfallenen Tempels, theils besondere Bauten in der Nähe des letzteren, liegen gegenwärtig zerstreut auf dem Boden nmher. Seine eigene Statue in kolossalen Dimensionen, welche einst oor dem Thore des großen Ptah-Tempcls aufrecht dastand, eines der schöustcn Meisterwerke altegyptischer Scnlvtnr, aus einem feinen niarmor-ähnlichen Kalkstein herbestellt, liegt umgestürzt iu einem Erdloche, das die Wasser der Ueberschwemmnng regelmäßig bis zum obersten Räude hin anvzufülleu pflegen. Die Gesichtszüge dieses berühmten Pharao erinnern lebhaft an das Porträt desselben Bönigs an seiner herrlichen Statne im Museum von Turiu. Das; auch die Nachfolger des erwähuteu Pharao, besuuders seiil Sohn und Nachfolger Mineptah (der König des Ausznges der Iudeu) es sich angelegen sein ließen, ihre Huldigungen durch steinerne Weihgescheuke aller Art dem Reichsgotte der ältesten Geschichte der Egypter darzubringen, das beweisen zahlreiche Trümmer, welche ihre Namen trageu und den Boden iu der Nähe der Namses-Statue bedecken. Demselben Gotte Ptah war in der Stadt Memphis als sein lebendes Abbild ans Crdeu ein heiliger Stier, der Apis (altegyptisch Hapu) geweiht, welcher neben dem großen Tempel des Gottes, in einem der Borhöfe desselben, mit aller Sorgfalt gepflegt uud verehrt ward. Nach dem Tode des jedesmalige»! Stieres ward mit großem Aufwaud seiu feierliches Begräbuiß veranstaltet nnd seine Leiche, wohl einbalsamirt und mil reichem Schmuckwerk Verseheu, auf einem Wagen nach der Stätte der Apis-Gräber gebracht." Bon Memphis ritten wir aus dem Culturlaud hiuauf iu die große libysche Wüste, au den Pyramiden vou Sakkara uud dein Marictte-Haus vorbei, zu deu Apis-Gräbern. Die Landschaft hat hier scholl vollkommen denselben Charakter wie bei deu Pyramiden von Gizeh, die man auch, sowohl wie Kairo, die Citadelle und das staffelförmig aufsteigeude Mokattam-Gebirge iu nicht allznweiter Ferne sieht. Mit Fackeln bewaffnet, drangen wir iu das unterirdische Labyrinth der endlosen, mit trockener schwerer Luft erfüllten Gänge der Apis-Gräber ein. „In den glänzenden Epocheu der egyptischeu Geschichte, sowie später unter ausländischen Fürsten der Ptolemäer, wurdeu die Thiere in riesigen Sarkophagen ans dem härtesten Stein in unterirdischen Gängen in besonderen Abtheilungen, deren Folge eine chronologische ist, uebeneinauder aufgestellt uud ihre Grabstätten mit besoudereu Inschriften Verseheu. Die Apis Gräber vou Memphis, welche hentzntage den besuchenden Reisenden in der bequemsten Weise zngäuglich gemacht sind, enthalten ^4 jeuer kolossalen Sarkophage. Die Reihe der hierselbst einst bestatteten Thiere begann nm die Mitte des 16. Jahrhunderts vor Chr. Geb. uud eudete um die Zeit der Regierung des Kaisers Augustus. Die Thiere, welche vor der genannten Epoche gelebt hatten, fand'.'n nach ihrem Dahiuscheiden ihren Rnheplatz in der Stufen-Pyramide von Sakkara, in deren Inneren: sich ein saalartiger hohler Raum befindel mit besonderen Gängen nnd Nischen, in welchen die Reste von Stiertnochen den Zweck dieser Pyramiden deutlich beurkunden," Im kleinen, nahe den Apis-Gräbern gelegenen Wohnhaus des vor Kurzem erst verstorbenen berühmten Egyvtologen Mariette, das dieser sich znm Zwecke seiner Stndien hatte erbaueu lassen, uahmeu wir eiu frugales Frühstück ein und giengen sodauu zur eigenthümlichen niederen Stnfcn-Pyramide, um da auf Schakale zu jageu. Kaum begannen einige Araber au deu Steinen empor zu klettern, als auch 21* 164 schon ein Schakal in voller Flncht herabkam nnd vou mir erlegt wnrde. Nach diesein hübschen Jagd-Intermezzo besnchten loir die anderen Pyramiden dieser Gegend nnd anch die nen eröffnete kleine Pyramide Königs Pepi I. Es sei mir hier gegönnt, eiliige Notizen über die Pyramiden im Allgemeinen, über jene von Memphis nnd Gizeh, und schließlich anch über die Sphinx wiederzugeben, die ich meinem Freunde Vrngsch verdanke: „Der alte Landesgott von Memphis, Ptah, in seiner besonderen Auffassung als König der Todten nnd Beschützer der Verstorbenen, führte den Beinamen Sokar. In dieser Auffassung war er vollkommen identisch mit dem allgemeinen Landesgotte Osiris. Ein ihm geweihtes Heiligthum an der Stelle des hentigen Dorfes Sakkara, dicht am Milde der Wüste gelegell, fichrte die altegyvtische Bezeichnung „Hans des Sokar", alls welcher sofort der arabische Name des Dorfes Sakkara widerklingt. Unter dem Schnhe dieses Königs der Todten standen die Gräber der Memphiten, welche sich nm die Pyramiden in regelrechter Auordnnug grnppirten nnd deren älteste den Epochen der meiuphitischeu Könige allgehörten. Eine vollständige Tudtenstadt erhub sich ans dem Boden der Wüste. Lange Reiheil von Grabfapelleu, aus Kässtein aufgeführt, die sogenannten „Hänser der Ewigkeit", bildeten in ihrem Znsammenhange miteinander die Straßeil der Todtenstadt. Unter ihnen, in tiefen Schachtelt, befanden sich die eigentlichen Grabkammern, in denen die Dahingeschiedenen in ihren Holz- nnd Steinsärgen rnhten. Die gegenwärtig noch am besten erhaltene Grabkapelle alls den Zeiten der memphitischen Könige ist die eines gewissen, Thi benannten, vornehmen Egypters. Er lebte in der Mitte des vierteil Iahrtansends vor Chr. Geb. nnd bereitete sich seine Kapelle in der Nähe der Pyramiden derjenigen Könige, nnter deren Herrschaft er seines Amtes als hoher Hofbeamter gewaltet hatte. Die bnntfarbigen, nngemein fein nnd sorgfältig ausgeführteil Darstellungen an den Wänden dieser Grabkapelle habeil einen hohen Werth dnrch den Reichthum der Bilder ans dem Leben, welche neben den Todtenopfern den Ackerbau und die Iudnstrie ans dieser so eutlegeneu Epoche aller menschlichen Geschichte in lebendigster Auffassung vor Augen führen. Ihre Entstehnng verdanken diese Darstellungen dem Glauben, daft anch im Jenseits die irdischen Glücksgüter eines reichen nnd vornehmen Gutsbesitzers den Dahingeschiedenen zn Theil werden winden. Die Schifffahrt, die Viehzucht, der Ackerbau, die Ueberschwemmung des Nil, die Gewerke vom Schuster au bis zum Kunsttischler hin, die Malerei nnd die Bildhauerknnst, zum Schluß die Verwaltuug bis zum letzten Schreiber hin, nichts ist vergessen, nm den Bildern den Stempel der vollendetsten Lebenswahrheit anfzndrücken. Die Familie, Frau und Kinder, nehmen einen hervorragenden Platz in den Darstellungen ein. Die erstere wird dnrch die schmeichelhaftesten Eigenschaften besonders geehrt, die in deu Ausdrücken gipfeln: „sprichwörtlich war ihre Schönheit und süsi war ihre Anmuth vor ihrem Ehegemahl." Iu deu Todtenstädteu von Memphis, die sich von Abu Roasch bis zum Fajum hiu in nnunter-brochener Reihenfolge ansdehuen, dicht am Rande des Wüstenplateau's, erhoben sich in weit sichtbaren Formen die alten Gräber der memphitischen Könige, welche um 4W0 vor Chr. Geb. deu Thron bestiegen nnd bis gegen 2s>M vor Chr. Geb. über Egypten geherrscht hatten. Obgleich eilte große Zahl derselben hentigeu Tages bis auf den Grund zerstört worden ist, so reicht dennoch die Menge der erhaltenen vollständig alls, um ein richtiges Urtheil über ihren Bau nnd die Volllommeuheit ihrer Aufführung zn gewinnen. Die Grauammer, meist mit einem Epitzdach ans Memphis. 167 gegcncinanderstrebenden Monoliths aus Kalksteinblöckeii gebildet, nu«ß als der eigentliche Kern oilier jeden Pyramide angesehen werden, Die darüber gethürmten Mäntel ans Kalksteinqnadern nehliien die Fignr einer Pyramide an (die Kante der Pyramide hies; im altegyptischen Pir am »s, daher die griechische Bezeichnung „Pyrainis"). Sie wurden nach Maßgabe der verlängerten ^iegierliiusidaner eines betreffenden Pharao vermehrt, so daß mit dein Annehmenden Lebensalter desselben die Pyramide zunehmend zn wachsen pflegte. Tie verschiedenen Höhen der Pyramiden stellen daher dir Zeitmesser der Negicrnngsdaner ihrer königlichen Erbauer dar, während ihre örtliche Aufeinanderfolge, in der Richtung von Norden nach Süden hin, zugleich die chronologische Reihenfolge ihrer königlichen Erbauer dem Beschauer vor Augen führt. Der Eingang der Pyramiden ist stets nach Norden gerichtet, die Eiugaugvthür durch eine Fallthür aus Granit versperrt. Ein schräg, demnächst ein horizontal laufender Gang führt schließlich zu der eigentlichen Grabkammer, in welcher die Mumien der Pharaonen in einem meist granitenen Sarkophage an der Westseite ruhten. Die treppenförmigen Absätze der Pyramiden wurden durch Steinblöcke mit polirtcr Anßenflä'che ausgefüllt, die in ihrem Zusammenhange eine glatte Fläche darstellte, die sich in Dreiecksform von der Vasis bis zur Spitze als ein abgeschlossenes Ganzes darbot. Tie Mehrzahl der Pyramiden ist bereits in früheren feiten von Schatzgräbern geöffnet worden. Die Perser nnter Cambyses, die Römer, die Araber (Ehalifen) suchten nach verborgenen Reichthümern. In Miseren Tagen ist von Neuem der Versuch gemacht wordeu, in das Innere der Pyramiden von Sakkara einzndriugeu. Nach Brngsch-Pascha waren wir die erfteu Europäer, welche die geöffnete Pyramide de^ Bönigs Pepi I. besnchten. Bereits in den classischen feiten des Alterthums zu den Weltwnndern gezählt, erregen noch heutigen Tages die drei großen Pyramiden von Gizeh die Bewunderung nnserer verwöhnten Zeitgenossen. Die zu dem Aufbau derselbe« verwendeten nngeheuereu Tteiumassen nnd die anf gleichmäßige Entlastnng berechnete Ausführung dieser gigantischen Grabmäler haben ihresgleichen nicht mehr in der Welt. Die größte der drei Pyramiden hatte einstens eine Höhe von 45)1 Fuß. Ihr Inhalt beträgt nicht weniger als 75> Millionen Cnbitfnß. Man hat berechnet, daß die zum Bail derselben verwendeten Steinmassen hinreichen würden, um eine Mauer vou sechs Fuß Höhe mn ganz Frankreich zn legen. Als Erbauer derselben nennen die Inschriften den König Ehnfn, d. i. Cheops der classischen Schriftsteller, welcher mn das Jahr .'j700 vor Chr. Geb. in Egypten regierte. Die Pyramide, welche sein Sohn lind Nachfolger Ehäfrä (König Chephres der griechischeil Ueberlieferung) in südwestlicher Richtung von der seines Vorgängers errichten ließ, hat nach der Spitze zu ihre alte Bekleidung bewahrt. Am Fnße derselben befand sich ein besonderes, tempelartig angelegtes Heiligthnm ans Kalkstein, Granit- nnd Alabaster Blöcken aufgeführt, das durch eiue lauge nach Osten zn führende Straße, deren fast vollständig erhaltene Neste neuerdings vom Sande der Wüste freigelegt worden sind, mit dem sogenannten Sphinx-Tempel ill Verbiuduug stand. Die Anlage des letzteren, in welchen, in derTiefe eines gegenwärtig verschütteten Brnnnens mehrere Statnen des Königs Ehäfrä entdeckt wurden, bildet einen besonderen Anziehnngspunkt für die reisenden Enropäer. Doch schmückt keine Inschrift die Granit- und Alabaster-Wände dieses gigantischeil Banes nud sein Zweck bleibt ein dnntles Räthsel. 168 Die Reihe dor PyramidenKönige und ihre Banten stellt das folgende Schema übersichtlich zusammen: Pyramiden G r i c ch i j ch c r Voll derselben Erbauer Namc nastie ^ll'l! ^iocisch Cha Pharao-SnefrN Soris lV. I, iChitt „ Chlifil Cheops 2. Oizeh ^Ucr „ Chnfra Chcphn-s :;, Wir „ Menklna 4. Ianit-el-Arian „ Schcpslaf Sebcrchcres 7. Ab-sct „ Userwf Nsercheres V. 1. Ch^-b« „ Sahura Sephres 2. „ Kcka ? ?ll'llsir „ Nofra ? 'Men set „ Mnuscr Nathures sl. Nlltrr sct Menkahol' Mcuchercs 7. Nofcr Tatkaril Tatchcres „ «. Nofer-sct Onnos Tat-set Ochm-s VI. 1. NscrkinN Userchen's Men iiofl'r Pcpi I. Phiops I. VI. 4. Chc^nofer Hlmcmsaf Mciithrsliphis „ 5. Mou-ällch ^iofttwrü . Abidtt 1l'». Hnu 17. Tciitm-rr 1!>. Kobti :<,. Ni-Nüimi 20. Nochad 31. Tcd 2'^. M' aradisch Atfih Isment Ahonas Pemdsch»,' Aschnlu» zros Ossiitt Schotp Atfi M» Harcibat Hon Dcndcra zrift Lngsor.^arnat El >tab Edfn Assnan grirchisch Aphn'ditopoM Ptl'lcniais Herakleopull^ Äia^Nli Oxyrinchns Hippmms ,^ynopc>lis Hibin Hermopl'lis Älii^na Lywpolis Hicrakonpolis Hypsl'li^ Aphroditopoli^ Panopoliv ^ll'ydns Diospoüs Pcnva Tcntyra Koptus Thcbae Eilci thy ici spoils Äpulliuopoliö M. Elcphmitiiil,' hciliczc Thiere Htuh. Widder. Widder. Spitzrnsselfisch. Hnnde^eschlecht, ,vnndeliesch!echt. Widder, Il'iv, Hnndegeschlecht. Hllttde^eschlecht, ssalte. Widder. MH, Ichneumon, ,^äfer, Kllh. Kuh. Schafbock. Widder.' Geier. Falke. Widder. K. Pa-to-emhit oder „das Laud des Nordens". Gml von! arabisch 1. Äosein (Gosen der Bibel) ssakns !i. Ani Far-auia :;. Pibast(Pibesetl)der Bibel) Tcü-Vast 4. To-nihit . init einiger Äiühe nnd Schlvierigteit hineiit geklettert waren, verließen wir die Wüste nnd ihre alten Denkmäler nnd ritten in das Enlturlaud ^nrnck. Der Weg fiihrte an einem ans jagdlichen Gründen schr verlockenden Fnlfeld vorbei nnd unr beschlossen, dasselbe dnrch nnsere Diener nnd einige Fellachen durchtreiben zn lassen, leider aber erschien plötzlich der Besitzer nud verbat sich das Betreten seines Eigenthumes. Der gestrenge Herr war ein alter Neger, Ennnche, riesig groß nnd hager, mit schlaffen Zngen. in lange faltenreiche Gewänder gehüllt, einer der häßlichsten nnd ekelhaftesten Menschen, die ich noch jemals mich entsinne gesehen zn haben. In seiner ruhmvollen Harems-Lanfbahn hatte er sich viel Geld erworben nnd brachte unn seine alten Tage ans seinem nicht unbedeutenden Laudgnte zu. Einem Streite mit diesem Individuum ausweichend, ritten wir nnu in einem Zuge bis Äedraschc'u, von wo die Eisenbahn die gan^e Reisegesellschaft in weniger als einer Stunde nach Kairo brachte. Nach einer ziemlich langen Expedition voll der herrlichsten Eindrücke trafen wir wieder in der schönen Ehalifenstadt ein. Gau von: m'abisch «iricchisch heilig,,'Thu'N' 14. Smiliiwsor AK'Mldria . Krokodil. 15. Chasu Hasse GmmckopoUö Widder. 16. Scn Sa SlNs Kuh, I?. Maftir Schebschir Prosopis Krotodil. 18. Ni°cnt°hapi ? Apis Stier, 19. Sochem Ansiiu Letoftolis Falk. 20. Wcmwsir(Noph der Bibel) Munf Meiuphis Stier (Apis). 171 VI. Capitel. Tago i,i Kairo. Nnhrt nach Suez. Vni Rolhc ^Icrr, ^n'üc mich IüminNm, ^lisonilinl! dulcl^l!, Unch ^,,1 ,^!Vi!). MH^>) «.'in Bahnhöfe fnhrm Nur durch dic schöncit Vaumrcihcn iibcr dio große Nilbrncke noch der i^ V> alten Chalifenstadt, in deren Straften jeht ,>nr späten elegante»! Nachlnitta^szeit reqes Leben herrschte. (5q!lipa^en und Gleiter, leichtfiißiqe ^m'länfer, ellr^päischeel Thnn nnd Treilien UÄ neben echt arabischen Kameel-Caravane», verschleierten Fellachen-Weider», brüllenden Eseln, ^" Wasserträgern nnd blinden Bettlern, das alles gleitet wie im Flnge vorbei nnd froh waren wir wieder, das Kairenser Leben genießen zn tonnen. Tnrch die enropäischen Viertel, über die Canalbrncke, gelangten wir bald in die Schnbra-Allee nnd nach nnserem Kasr-en-Nnsha. Ein Bad nnd daranf das Diner erfrischten nnd stärkten nach langer Reise. Der Zanber einer afrikanischen Mondnacht lockte mehrere von nns hinans nnd in Miethwägen fnhren wir in die Stadt. Beim Esbekiye Garten hielten nur an nnd giengen zwischen den üppigen, dnftenden Anftflanznngen neben dem Teich, den künstlichen Wasserfallen, Felsenpartien nnd Kiosken hernm. In den meist im arabischen Style erbanten Nestanrationen saßen Lente, fast ausschließlich 173 Levautiuer aller Art, dem Haudelsstaude angehörend, jnnge Männer, bei Trunk, Mnsik nud Spiel. Dieser, besouders in heißen Zeiten des Jahres, für die Kaireuser außerordentlich wohlthätige Garten ist in der That wuudervoll angelegt nnd gnt gehalten, üppig nnd blühend dnrch die Segnungen des Klinm's. Sein schönster Monleut fällt in die Tage des Vollmondes nnd doch waren wir nicht zufrieden; schon der Mondschein Kairo's schien nns blaß nnd matt im Vergleiche mit jenem des herrlichen Assuau. Aus demEsbekiye-Garten unternahmen wir eine Rundfahrt dnrch die alten arabischen Stadtviertel. Ohne es zu ahnen, war ein günstiger Abend gewählt worden. Die Muslimen feierten das Fest des großen El-Hossem uud da geuosseu lvir in den in der Nähe der ihm geweihten Moschee gelegenen (Hassen den höchst eigenthümlichen Aublick eines orientalischen nächtlichen Volksfestes. Große Meuscheu mengeu lvogteu in den engen Straßen auf und ab. Die Kaufläden nnd arabischen Kaffeehäuser wareu geöffuet nnd beleuchtet, Lichter ulld Kandelaber heralisgestellt nnd an den Hänsern angebracht, bunte Teppiche über die Gassen gespannt; an farbigen Schnüren hieugeu mitteu ober der Strasie breuueude Glaslnster, uud alle Hänser, je nach dem Reichthum ihrer Besitzer, waren mehr oder weniger glänzend ausgeschmückt. Alles strahlte in Lichtern, Farben nnd dein unglaublichsten bunten Firlefanz. Mnslimen jeden Standes nnd Gewerbes stießen und drängten sich nmher; Landvolk in blauen Hemden, schreiende Wasserträger, jammernde Krüppel nnd Bettler, Beduinen in weißen Burnussen, dicke Kaufleute, voruehme Herren in weiten bnnten Gewändern, den grünen Tnrbau als Zeichen der Abstammung vom Propheten am Kopf, Soldaten nnd Verkäufer verschiedener Art, das alles zog im wilden Durcheinander gegen die Moschee, die mit weit geöffnetem Thor im hellen Glanz aller Lichter strahlte. Von dort aus wälzte sich die Meuscheumenge gegeu die oberen Theile der Straße, wo Schlaugeubändiger, Gankler, Seiltänzer, Tänzerinnen uud Künstler dieser Kategorie auf offener Straße emeu orientalischen Wnrstelvrater improvisirt hatten. Da wir auf Anrathen Brugsch Pascha's, der uns auf dieser nächtlichen Excursion begleitete, nicht in europäischer Tonristenkleidnng m die um jene Stnude von religiösen Fanatikern dicht gefüllte Moschee gehen sollten, drängten wir uus bis zu den Schaubuden uud Gauklern, nm da ein echtes, unverfälschtes Volksleben beobachten zn können. Die Straße steigt sanft an nnd so genossen wir von der Höhe eiuen Ueberblick auf das bunte Durcheinander, die grellen Farben und Lichter. Das Ganze schien fast zn toll für den mohamedanischen Orient und erinnerte mich lebhaft an ein Wiener Ballet, in welchen: eiu chinesifches Volksfest dargestellt wird. Nach einiger Zeit kehrten wir in die europäische» Stadttheile znrück, wo auch noch reges Leben in den Kaffeehäusern und Schantloealeu herrschte. Wie überall im Südeu, wird die Nacht zum Tag verwandelt und allenthalben sah mau arme uud reiche Levautiuer in europäischer Tracht, aber den Fez am Kopf, au deu Billardeu, Spieltischen nud bei den Musit'eu. Gar bald traten wir den Heimweg an. Am nächsten Morgen statteten wir dem Vieeköuig einen Besuch ab, nm ihm für seine große Gastfreuud schaft, die wir auch währeud der Nilreise geuosseu hatten, zu daukeu. (5s war diesmal keine offieielle Visite und so fuhreu wir iu aller Stille durch die in den Morgenstuudeu noch rnhigen Gassen nach dein Palais. Eiue Viertelstunde brachten wir beim Khedive zn, den üblichen Höflichkeits Kaffee trinkend uud vorzügliche Cigarretten rauchend. Mit vielem Interesse erkuudigte er sich uach all' unseren Erlebnissen auf der schönen Nilfahrt. Vom Palais kehrten wir am nächsten Wege nach Kasr en Nusha zurück, lim becmeme Iagdkleider anznlegen. Nach kurzem Aufenthalt unternahm die gau^e Reisegesellschaft einen Ausflug nach deu anßer der Stadt liegenden vieekö'niglichen Lustschlössern Gczireh »ud Gizeh. 174 Die Garten mit als den Teichen, Wasserkünsten, Fontainen, Kiosken, der üppigen Vegetation, wie sie nnr dieses Klima hervorzalibern kann, dem reichen Blnmeiiflor, dein fast betänbenden Dnft, den versteckten Lanbengängen nnd schatti^eit Wegen sind in ihrer Art ein,'^ schön. Nnr der mffinirte Geschinack nnd die üppigen Bedürfnisse des dnrch die Hitze an ein unthätiges Leben gewöhnten ^is Fest El Hosscin. reichen Orientalen konnten dergleichen Dinge ersinnen. Dieselbe farbenreiche Phantasie nnd der zum Lebenszweck erhabene Gennsi, den man in den sinnesdnrchglnhten Märchen des Morgenlandes findet, tritt nns da in Wirtlichkeit entgegen. Die großen herrlichen Gärten entzücken den nordischen Wanderer. Leider besteht die nitter dem früheren Vieekömg so berühmte Menagerie nicht mehr nnd wir fanden nnr die leeren Käfige. Was die Schlösser selbst betrifft, so konnten sie nns nicht im gleichen Maße gefallen. 175 Es sind dies riesig große, ziemlich styllos ausgeführte europäische Bauten, an deueu nur einige kleine arabische Verzierungen an den Orient mahnen. Im Innern erscheinen die großeu^Stiegen, Säle und vor allem die unzähligen Zimmer abendländisch, aber geschmacklos färbig nnd dabei doch kahl eingerichtet. Hie nnd da erinnern nnr einige Divans mit schönen Stoffen, ki'ihle Marmurplatten, kleine Fensternischen, Bassins mit Springbrunnen nnd herrliche Bäder an das Morgenland. Die vielen Paläste in und nm Kairo sind fast alle unbewohnt, bloß einige alte Prinzessinnen führen darin ihr tranrige^ Dasein zn Ende und so würde die volle Erhaltung Unsummen verschlingen, daher überließ man sie dem allmäligcn Verfall, was bei der schnellen, schleuderischen Art, in der sie gebaut wnrden, ziemlich rasch von statten gehen dürfte. Gärten nnd Schlösser durchstöberten wir bis in die letzten Winkel und fnhren dann von da nach den Pyramiden von Gizeh. Die Hitze war drückend nnd ein recht heftiger Wind trng viel Wüstensand in Augen nnd Nase, auch erfreute nns der Moment, als der endlose Weg anf dem Damm znrückgelegt war uud wir deu Fuß der Niesenbauten erreicht hatten. Dieser zweite Besnch galt einer Schakaljagd nnd der Aesteignng der großen Cheops-Pyramide. Einige Araber begannen gleich die ehrwürdigen Denkmäler zu durchstöbern; nur zwei Schakale wurden angetroffen; den einen erlegte der Großherzog, den andern schoß ich in zu weiter Ferne an nnd mühsam schleppte sich das kranke Thier in die Wüste Hinalls. Die dritte kleine Pyramide war ganz leer nnd so konnten wir schon nach knrzer Jagd den Anfstieg des künstlichen Hochgebirges beginnen. In 20 Minnten legten meine Gefährten den etwas mühsameu, aber vollkommen nngcfährlichen Weg zurück. Ich wollte die Araber, welche die Touristen von allen Seiten umringend von Stufe zn Stufe schlendern, in lebhafte Bewegung versetzen nnd sprang in neun Minnteil voll Stein zu Stein bis znr Spitze empor. Von der ziemlich schmalen Plattform genießt man eine herrliche Anssicht nach den: grünen Nilthal, den sich ausbreitenden Cultur-Landschaften Ilnter-Egyptens, den beiderseitigen röthlichgelben Wüstengebieten nnd der herrlichen Stadt Kairo mit ihrem Hänsermeer und deu huchrageudeu Miuarets. Die Sonue neigte sich eben zum Untergang. Im orangegelben Dnnstkreis der heißen Luft, dem aufwirbelnden Wüstensand, erschien die Scheibe wie eine glühende Kugel, langsam in der libyschen Wüste verschwindend: dnnkle Schattirnngen lagen anf den östlichen Gebirgen, nnd die alte Citadelle, sowie die Felswände des Mokkatam erglänzten im röthlicheu Schimmer, ähnlich unserem Alpenglühen. Einige als Schnelllänfer besonders geübte Pyramidenführer liefen für ein gutes Bachschisch in der Zeit von acht Minnteu von der Spitze der Cheops Pyramide herab und anf die des Chefren hiuanf, dereu höchste Theile durch die stufeulose Kruste sehr gefährlich zu ersteiget, sind. Nach diesem interessanten Schanspiel kletterten anch wir vou nuserem hohen Standpunkt hernnter. Während des Weges erzählte mein juuger Führer mit schönem, echt arabischen Gesichtsansdrnck anf gebrochen französisch, daß er keiu Egypter, kein erbärmlicher Fellache sei, sondern die Ehre habe, an>5 Algier einem edlen Stamme zu ent sprossen und als vielerfahrener Mann sowohl Tnnis als auch Marokko kenne, wo die wahren Araber leben nnd nicht eine so elende Mischracc wie im Nilthale. Der brave Mann schien gegen seine jetzigen Landslentc sehr gereizt zn fein nnd gab, als er bemerkte, daß mich diese Gespräche nuterhielteu, seiuen Gefühlen vollen Ansdrnck. Neben dem Fuß der Pyramiden mußtm wir noch eine Fantasia einiger Bedninen anseheil. Im vollen Lauf ritteu sie aueinander vorbei, ihre Gewehre abfeuernd. Weder die Leute, noch ihre Pferde, Gewänder nnd Waffen waren schön nud echt; wohin die große Heerde der Tonristen, Bädecker lesend, sich hinwälzt, findet mau Schwindel und Industrie mit sogenannten 17li urwüchsigen Bildern. Die Pyrainideii sind ebenso ein Tollristeilstall wie der Nigi und die gezahlten Bedninen init ihren läppischen Künsten gehören in dieselbe Kategorie »vie die in der Schweiz allenthalben postirten hölzernen Gemseii. Der Abend begann niid rasch mnßteil U'ir denselben Weg, den loir gekonlinen waren lind dnrch die il»i diese Stunde belebten Straßen der Stadt nach Hause eilen. Kaum war das Diner beendet, fuhren wir gleich ans den Bahnhof, nm uusere Menzaleh-Expeditiou anzutreten. Alu Bahuhof in Kairo hatten sich einige Herreu znm Abschied versammelt, nnter ihnen anch uuser Freuud Brugsch-Pascha. Barou Saurma war ebenfalls schon anwesend nnd bereit, uus uach dem Äleuzaleh^Sce zu folgen. Nach weuigcu Miuuten sagte uus der treue Begleiter auf allen Eisenbahnfahrten, Herr Zimmermanu, daß es Zeit zur Abreise sei. Eiue Stuude hiudllrch wurde im Waggon eifrig gesprochen, dann legte sich aber einer nach dem andern zur Ruhe. Man war so freundlich, uuseren Wagen in Damiette, das wir noch während der Nacht erreicht hatten, im Bahnhofe stehen zu lassen, damit uuser Schlaf nicht gestört werde. So geschah es auch und als wir am 17. März vor Souueuaufgaug aufstanden, befanden wir uuZ allein auf eiucm Nebengeleise. Nachdem sich die ganze Reisegesellschaft versammelt hatte, eilten wir uach dem Nfer des Canales, wo nnsere Leute mit dem Transporte der Sachen vollauf zn thnn hatten. In eiuer kleinen Dampfmonche wnrdeu wir au das andere Ufer befördert. Die Stadt gefiel mir sehr gnt; echt altarabisch, doch jene Theile, die tuapp am Gestade liegen, wo die vielen kleinen Segelbarken mit deil lnstigen Masten und Wimpeln auf nnd niederfahren, erinnern sogar an eine holländische oder belgische Hafenstadt. Man möchte meinen, Damiette sei ein in das Arabische übersetztes Antwerpen. Zn Fnsi giengeu wir vom Ufer bis zum Hanse unseres Consular Agenten, eines außerordentlich frenndlichen, alten, mageren uud urkomischen Mauues. Die inneren Theile der Stadt sind hübsch, echt orientalisch; die Gassen womöglich noch enger und schmutziger uud durch mehr hölzernes Winkelwerk geziert als in manch' auderem arabischen Orte. Wo kein Wasser neben den Hänseru fließt, vcrschwiudet wieder dieser altholländische Typus. Doch unleugbar hat Damiette einen nordischeren Charakter, falls mau sich iu Afrika dieses Wortes bedieueu darf, als wie die arabischen Viertel von Kairo oder gar die Städte Ober-Egypteus. Man erkennt wohl, daß es hier mauchmal recht kühl werdeu kanu und das Meer sich iu Niederschlagen fühlbar macht; alle Häuser sind solider gebant, mehr zngedeckt nud mit einem Wort anch zum längeren Aufenthalt in denselben eingerichtet. Bei unseren! biederen Vertreter war alles auf deu Mauz bestellt; europäische Zimmer mit eiuigeu tnrkischeu Teppichen, arabischenDieueru uud dem das ganze Hans durchdringenden Gernch des Morgenlandes, dem schauerlichen Nosenöhl. Iu Allem nnd Jedem konnte der Besitzer als echter Levantiner erkannt werden. Nach einem kurzen Frühstück, während dessen man unsere uubedeutende Bagage auf Tragthiere verlnd, setzten wir uns abermals iu Bewegung. Einige Esel wurden bestiegen, zwei der Herreu fuhreu in einer altmodischen Kiltsche, dein Stolz der Stadt, nnd wenige Miunten später war die kleiue Caravane unter dem vorschriftsmäßigeil Geschrei der Eseltreiber iu Bewegung. Einige Gassen wurden passirt, dann erreichte man anf einem gnten Weg, zwischen hübschen Gärten neben einigen Landhänsern lind kleiueu Palmeuwälderu, längs eines Cauals das Ufer des See's. Am saudigeu Straude stehen drei kleiue, erbärmlicheFischerhntten. Hinter uns noch huchragendePalmeu, dicht« Hecken, blühende Vegetation, vorne der weite, endlose graubraune See mit seinen flachen, diinenartigen, theils versnmpften Gestaden, ei» Bild traiiliger Monotonie, eiüschläferndel' ^angweile. 179 Am Menzaleh-See glaubte ich mich wahrlich nicht im farbenprächtigen Egypten; dazu hatten nur eben auch ungünstiges Wetter, da'? nasse Meerklima uiachtc sich fühlbar, ein uuaugeuehm kühler Wind spielte nlit grauen Negelllvolkeu und der ganze Himmel war in ein düsteres Gewand gehüllt. Hier selbst kam es nns schall nordisch vor nnd mit Wehmuth gedachten wir der unvergeßlichen Sonne von Assuau. Dieser nichts weniger als schöne See köunte ebeusogut eiuer Ebene des uördlicheu Europa augehören, fad uud laugweilig wäre er ivenigsteus genug, mn dieseu Posten würdig zu vertreten. Vor den Fischerhütten lag eine Flotille von kleinen SegebDahabiyeu. Ich glaube, die Riff-Pirateu des gralien Alterthums bedienten sich keiner schlechteren Fahrzeuge; unsere istrianischeu Trabakeln siud wahre Fregatten im Vergleich damit. Wir mußten uns eiuige dieser Schiffe wähleu. Im größteu etablirteu sich der Großherzog, Baron Saurma, der Vurgpfarrer und ich, in den anderen je zwei Herren; ferner folgte noch eines als Küchenschiff, auf dem die Lebeusmittcl und der Koch untergebracht wurdeu. Es genügt, wenn man die Einrichtung eines dieser Fahrzeuge schildert; schlecht waren sie alle. Vorne befindet sich eine Plattform um den Mast herum, auf derselbeu staudeu eiuige Nohrstühle uud eiu kleiner Tisch; da brachte man den Tag zu; auch mußten hier die zwei Jäger uud die Schiffsmannschaft schlafen. Der Bodcn war deckelartig aufzuheben; darunter öffnete sich eiu schmales Behältuiß als Magazin für die Bagage; in der Mitte des Schiffes stand eine kleine Hütte mit Glasfenstern, über zwei Stufeu gelaugte mau hinab in dieselbe. Der innere Naum war in zwei Theile eingetheilt; im ersten befanden sich zwei schmale Betten, soust nichts, deuu für mehr wäre auch keiu Platz gewesen; im audereu war eiit Verschlag, iu deu durch eiue kleine Thür kuustvoll hinaufgeklettert werdeu mußte, so uieder, daß mau darinnen nnr liegen konnte, anch fand sich da eben nur der knappste Platz für zwei Matratzeu; da svllteu zwei kleinere Herren uud selbst diese mit leicht gekrnmmlm Füßen nebeneinander schlafen. Auf dem flachen Dache dieser Hütte übernachteten ebenfalls einige der Matrosen, rückwärts hieug das Steuer. Die Mauuschaft waren durchwegs Fischer des See's iu faltigen, färbigen Costümeu, Turbane am Kopf; nicht eben allzu sauber, nach alten Fischen riechend. Sie hatten keiner den arabischen Typus, souderu fahlbraune Farbe, breite Gesichter mit stumpfeu Naseu, muskulös, aber uicht so mager und sehnig wie die meisten Araber gebant. Auf den ersten Blick konute man'sie als fremden Staunn erkeuueu; und iu der That solleu läugs des Meuzaleh's-See's reiu erhaltene Neste der altegyptischen Hyksos, jener Knschitenstämme leben,' die zu deu Zeiten der XIV. Dynastie dereu Macht uiederwarfen. Mit dieseu wissenschaftlich interessanten, aber zum persönlichen Verkehr uicht sehr angenehmen Lenteu mußten wir auf der engen Barke im iutimsteu Zusammeuleben hausen. Kuapp vor unserer Abfahrt brachte man noch einen gebleudeteu Pelekan als Lockvogel, der aber dermaßen mit dem Schnabel um sich hieb uud so schmutzig war, daß wir ihn uach weuigeu Miuuteu wieder an das Land znrückschickten. Au jede Scgel-barke wurde noch eiu kleines Boot gehängt uud dauu beganu die Neise. Mit den Segeln mauövernteu die braveu Leute recht geschickt uud, vou starkem Westwind getriebeu, glitt die kleine Flotte rasch über deu Wasserspiegel. Der große Meuzaleh-See ist" unstreitig eiuer^ der größteu Brackwasser-Seeu der Erde, eiue kolossale Lagune, die nur durch eiu schmales Baud von Dünen vom Meer getrennt wird. Seiuc westlicheil und siidlicheu Grenzen siud gebildet durch weite versumpfte Strecken, uach Osteu fiudet er sein Ende am Schntzdamm des Snez-Caualcs. 23' 180 Von Damiette wegfahrend sieht man im Nordeu eine gelbe Düneu-Linie, im Süden in U'eiter Ferne den grünen Streif des festen Landes, gegen Osten hingegen ist die Entfernung viel zu bedeuteud, da verschuümmt Luft lind Wasser wie am Meere. Anfänglich bemerkten wir nnr wenig Inseln nnd diese in weiter Ferne. Der 45) Qnadratmeilen große See reicht an keiner Stelle einem Manne über die Hüften; der Grnnd ist fester Lehm. Bei den Stürmen, die recht arg nnd bewegt werden können, ist das Ertrinken ausgeschlossen, denn man taun überall stehen und gehen nnd nimmt im schlechtesten Falle ein ausgiebiges Wellenbad. In den Wintermonaten soll diese Lagune von Zugvögeln aller Art, hanptsächlich Enten nnd Gänsen, förmlich bedeckt sein. In der zweiten Halste März konnte man nnr noch alls die einheimischen Wasservögel und einige später reisende nordische Gattungen rechnen; anch die im Winter hier in großer Zahl hansenden See- nnd Kaiseradler fehlteu ganz nnd nnr einige Echelladler trieben sich bei den Inseln hernm. Wir beschlossen, uns anfänglich auf verschiedenen Linien, doch stets innerhalb des Gesichtskreises zu vertheilen und erst Mittags znm Gabelfrühstück auf eiu gegebenes Zeichen wieder zu vereinigen. Gar bald bemerkten wir einige schwimmende Pelekaue; eiu Versuch, dieselben im kleiuen Boote anzufahren, mißlang wie gewöhnlich und wir sehten darauf iu der Dahabiye uufercu Weg fort. Nach kurzer Fahrt begann das Gebiet der Inseln; die inneren Theile des See's sind ganz angefüllt mit größereu nnd kleineren, vollkommen flacheu Eilaudeu; die meisten umgiebt noch ein Kranz von Sandbänken; anf letzteren sieht man Schaareu vou Pelekauen iu unglaublicher Zahl; große, röthlichwciße Flecke, viel ansgedehuter als die Inseln, iu der Sonne herrlich schimmernd, auf Meilen hin sichtbar als lebeude Eilaude; iu dieser Form erscheinen die großen Vogelschwärme Afrika's. Laugsam uud behutsam fuhren wir au eiue folche vieltaufeudkövfige Gesellschaft herau; mit dem Fernglas wurde untersucht: nichts als Pelekane, kein einziger Flamingo nnd eben diese hofften wir zu erjagen. Als wir iit einer Entfernung von wenigstens 500 Schritten angekommen waren, begannen die Thiere nnrnhig zn werden, sie streckten die langen Hälse aus uud bewegten die Schwiugeu. Anf eiu gegebenes Commando fprachen vier Büchsen den erstaunten Vögeln einen Morgengruß. Große Unrnhe, lebhafte Flügelschläge, allgemeines Aufflattern war die Antwort; die weiße Insel verwandelte sich in eine riesiggroße Wolke, die ihren regelrechten compaeteu Schatten anf den Wasserspiegel warf. Nun begann ein lebhaftes Einzelfeuer, doch merkwürdigerweise erfolglos. Die Distanz ist bei ähnlichen Unterhaltungen immer eine euorm große uud die Vogelmasse, die gauz geschlossen aussieht, bietet dennoch so viel Zwischenränme nnd Lücken, in die sich eiue Kugel leicht verirreu kann. Bloß ein einziger Pelekan, vou der ersten Salve getroffen, schwamm todt am Wasserspiegel; einer unserer Echiffstente watete hinüber, nm ihu zu holen. Je weiter loir innerhalb der Iuselu vordrangen, desto belebter gestaltete sich das Bild; Möven nnd Seeschwalben nmgankelten den Wasserspiegel. Vlaßenten in Uumassen, einige Löffelenten, Tancher und kleinere Enten, die man in weiter Ferne nicht unterscheiden konnte, schwammen herum, anf den Infeln standen Edel--, Silber- nnd Fischreiher, nud Züge vou kleiuereu Straudvögelu verschiedeuer Art umschwärmten die Sandbänke. Keine Insel bot noch geuug Anziehendes, um au derselben halten zu lasseu. Erst gegen Mittag, nachdem die Flotte sich vereiuigt nnd alle Herren anf unserer Dahaluye das während der Fahrt am Emc Nacht an, Mcnzaleh-3ee. 183 Küchellschiff zubereitete Frühstück verzehrt hatten, erschien cine größere Insel, geschmückt durch eineil weißeil Thnrnl, vor unserm Blicken. Es ist dies ein altes Schech-Grab eines am Menzalch-Sce berühmten Heiligen; neben dem halbverfallenen GMnde mit runder .Mppel und schlankem, lenchtthnrmartigem Minaret steht eine kleine, elende Fischerhütte; ein schmaler Canal trennt diese Insel von einem anderen Eilande. Hier beschlossen wir zn halten, nm zn Fnß zu jagen. Die Reiher verschiedener Gattung verschwanden angenblicklich beim ersten Versnch des Anschleichend: hingegen fanden wir an den Ufern viel kleines Strandgeflügel: Avocett Schnäbler, jene merkwürdigen, schwarz weis; gefärbten Vögel mit langen Stelzenbeinen nnd aufwärts gekrümmten! Schnabel, ferner ^anlpfschuepfeu nnd noch vier oder fünf verschiedene Gattungen ans der Grnppe der Straudlänfer. Wir vertheilten nns, in verschiedener Richtung streifend; die Schüsse krachten bald recht lustig »nd nach weniger al5 einer halben Stnnde u>ar das kleine Eiland abgejagt. Die Inseln selbst sind eigenthümlich gebildet nnd verdienen einige Worte der Beschreibung. Fast alle sehr schmal, aber lang, bedeckt mit Mnscheln, man könnte sagen aus Eonchilien gebildet; dichte dnnkelgrüne Tamarisken-Gebüsche überwuchern die ganze Oberfläche; die Ufer sind flach lind sandig, an manchen Stellen anch lehmig; überall liegen Federn in Hülle und Fülle, große Peletau nud rosenrothe Flamingo-Dnneu neben jenen der verschiedensten Wasservögel. Einzelne Inseln, besonders solche, die große Sandbänke kennzeichnen, erscheinen vollkommen übertüncht durch dicke Schichten von Guauo, uud im Lehm sieht man die abgedrückten Fährten von allerlei Sumpf- nnd Wasservögeln; an einer Stelle fand ich anch die Spinell eines Ichneumon. Nach kurzer, aber ziemlich ergiebiger Jagd setzten wir unsere Fahrt stets ill östlicher Nichtung fort. Wir mußteu noch an diesem Tage in das Gebiet der Flamingo's gelangen, und in der That sahen wir gar bald zwischen den Inseln eine lange, roseurothe Bauk jener eigenthümlichen Thiere; es war dies eilt herrlicher Anblick. Eine schmale Landzunge mußte übersetzt werden; wir ließen die Dahalnyen halten, forderten die anderen Herren ans, sich jetzt, da der Nachmittag schon vorgerückt war, auf den Inseln zu vertheilen und bestimmten diesen Punkt als den Platz für das Nachtquartier. Unser kleines Boot wurde über die Insel gezogen, um vom entgegengesetzten Ufer die Vogelschaar anzufahren. Als wir beiläufig auf 400 Schritte herangekommen waren, zeigte fich Uuruhe nnd Bewegung unter deu früher regungslos dastehenden Flamingo's. Auf das hin wurde die erste Salve abgegeben; gleich darauf erhob sich die wnndervolle, roseurothe Wolke nnd zog in weite Ferne ab. Ein Exemplar war zurückgeblieben uud hielt sich mühsam, halb stehend, halb schwimmeud an, Wasserspiegel; mit dem Fernrohr entdeckten wir, daß der Vogel angeschossen sei nnd ließen nns vergnügt dahin rndern; als das Boot heranrückte, begann der kranke Flamingo mit den Schwingen zu schlagen nnd blätterte niedrig über den Wasserspiegel fort. hinter den Inseln nnseren Blicken verschwindend. Sehr cuttänscht setzten nur unsere Fahrt bis zu eiuer langen Insel mit großer, weißer Sandbank fort; einiges kleinere Wild winde inzwischen erlegt. Unsere Absicht war uuu, günstige Plätze für den Abeud-Anstaud zn snchen, denn die Wasservögel begannen schon allmälig zu ziehen. beider war diese recht günstig aussehende Insel schon besetzt; ein alter, ganz zerlumpter Vogelfänger saß in einer kleinen, an5 Zweigen erbauteu Hütte, neben ihm kauerte sein .Mnd, ein von 184 Fliegen, Mücken mid allerhand Ungeziefer ganz bedeckter ^ümge: niit Stricke hatte er die Verbindllng zu den großen, dicht am Ufer stehenden Fallnetzen. Als Lockvögel warm ein aruier, blinder, recht melancholisch aussehender Pelekan nud 1l^ oder !'2 ebenfalls geblendete Eorlilorane an Pfählen angebnnden. Es schien in der That ein günstiger Platz zn sein, denn der Boden war dermaßen mit fanlenden Fischen, Gnano lind Federn bedeckt, das; eine europäische Nase daselbst längere Zeit nicht ausgehalten hätte. Der arme Vogelsteller schien durch nnseren Vesuch keineswegs erfrent zil sein nnd brnmmte einige mürrische Worte in den strnftftigen Bart. Wir störten ihn anch nicht lange nnd fnhren rasch nach einer gegenüberliegenden langgestreckten schmalen Insel. Dort angelangt, vertheilten wir nns an verschiedene Pnnkte; die dichten Gestränche bildeten herrliche Verstecke nnd bald herrschte volle Nnhe anf dein Eilande. Der Zng der Vögel begann, Cormoraue, Löffelenten, einige Neiher, mehrere Nohrweihen, kleineres Straildgeflngel verschiedeiler Art kamen vorbei, doch ineist in zn weiter Elltfcrnnng. Einige Stücke fielen, doch eben allzugünstig gestaltete sich die Jagd nicht. Anch Flamingo's, sowohl einzeln als anch in Trnpps bis zn zehn Exemplaren, strichen anßer Schlißweite hin nnd her, große Schwärme wnrden erst nach Sonnenuntergang beobachtet. Der fliegende Flamingo sieht höchst lächerlich ans; der lange Hals nnd die Ständer, ganz wagrecht gehalten, erscheinen wie ein langer Stab, an dem zwei Flügel hängen. Der Sturm nahm des Abends zn nnd die Wogen schlngen recht fest an die lifer der Insel; das Gewölk zerriß sich etwas nnd wir genossen den Anblick eines hübschen Sonnenunterganges. Der westliche Himmel färbte fich purpurroth, seine Farbe anf dem See wiederspiegelnd nud die Touuenscheibe verschwand langsam hinter den zitternden Wellen. Als es vollkommen dnnkelte, traten wir den Heimweg an; anfänglich mußten wir lange anf der weitgestreckten Insel in den dichten, nnr kniehohen Gebüschen marschiren, bis wir an der Nestspitze nnser Boot fanden. Nach knrzer Fahrt erreichten nnr das schmale Eiland, an dem nnsere Dahabiyen dichtgedrängt am Ufer fest vertänt lagen. Alle Herren waren schon anwesend, jeder hatte etwas, Niemand viel Wild mitgebracht, leiner einen Flamingo, trotzdem mehrere Schüsse anf riesige Distanzen diesen ganz nnglanblich schenen Thieren nachgefenert wnrden. Der Abend war recht kühl, nnd in Mäntel gehüllt mußten nnr anf nnserer Dahabiye das Diner verzehren. Einige Windlichter erleuchteten das eigenthümliche Bild: die kleine Flotille an der schmalen Insel in dnnkler Nacht, weit von jeder menschlichen Ansiedlnng am öden See, rief einen merkwürdigen Eindrnck hervor: die volle Nnhe wnrde nnr durch das mouotone Geplätscher der Wellen nnd die heiseren Stimmen der Araber unterbrochen. Bald erloschen alle Gespräche, nnd arabisches nnd enropäisches Schnarchen, harmonisch gemengt, bildeten die einzigen Laute. Ich werde diese Nacht iu der eugen Hütte niemals vergessen; wir waren in eine vollkommene Menagerie von Ungeziefer gefallen und riesig große Flöhe nagten an nnseren armen Leibern. Am IX verließen wir noch bei vollkommener Dunkelheit nnsere Dahabtyen; es wnrde beschlossen, sich abermals auf d^'n Inseln zn vertheilen, nm den Morgenzng zu erwarten. Ich ließ mich anf ein schmalem Eiland rndern, schlich daselbst im ersten Morgengranen eilten kleinen Trupp Flamingo's au, H>ogelschwärme am Menzaleh-Zee. 187 fehlte einen Kllgelschllß auf riesige Distanz und versteckte niich hierauf in den dichten Gestrüppen. Allerlei Wild kaui gezogell, ich erbeutete mehrere Stücke, darunter auch einen Seidenreiher. Flamingo Schwärme, förmliche Walken von Tausenden dieser rosenrothen Gesellen bildend, strichen in den verschiedensten Richtungen auf nnd nieder, doch alle ansier Schußweite. Als die Zeit zn Ende war, versammelten wir nns wieder auf den Segclbarken. Es war ein höchst unangenehmer Tag. Der Himmel dicht mit Wolken bedeckt, ein kühler Stnrm pfiff über den Wasserspiegel und Strichregen durchnäßten »ins von Zeit zu Zeit. Mit halbem Wind glitten wir gegen die südlichen Theile des Sees, erspähteil auch riesige Trupps Pelekane und Flamingo's, auf den Sandbänken stehend; im Boote fuhren wir eine Gesellschaft an, kamen bei dieser Gelegenheit an einer von Möven und Löffelenten vollkommen bedeckten Insel vorbei. Eine Salve anf die Flamingo's blieb ohne Erfolg, kolossale Wolken vou Vögeln erhoben sich, um iu weiter Ferue alle vereinigt wieder cinznfallen. An einer kleinen Insel hielten wir an, um eiu Gabelfrühstück am Ufer einzuuehmen. Da der Sturm noch im Wachseu war, wurde Rath gehalten. Unser erster Plan war, nach Damiettc zurückzukehren, doch die Araber erklärten, bei dem herrschenden Gegenwind müßten sie uus rnderu uud ziehen, was eine sehr lange lind mühsame Proeednr wäre. Auch hatten wir schon die Mitte des See's erreicht. Bei der momentanen südlichen Lage konnte man in weiter Ferne ein Minaret und mehrere Palmen der kleinen Stadt El Meuzaleh mit freiem Auge ausnehmeu. Die Schiffslente riechen nus, das alte Programm anfzngeben uud nach Purt-Scnd zn fahren; dies war zwar eine bedeutende Aeuderung des Reiseplaues, doch erschien es als das einzig Vernünftige, insbesonders da der erste Steuermaim versprach, bei dem herrschenden günstigen Westwind mit vollen Segeln noch am selben Tag Abends Port-Smd zu erreichen. Gesagt, gethan; wir steigen in nnsere Fahrzenge und pfeilschnell gleiten die leichten Dahabiye'n zwischen all den Inseln hindnrch unaufhaltsam fort. Die östlicheu Theile des See's siud reicher an Wasserwild als die westlichen. Unmasseu voll Blaßenten, anch viele echte Enten und Schaaren von Möven werden beobachtet, deßgleichen Reiher nnd Cormorane. Ein Trnpp Pelekane wird erfolgreich beschossen; ein roscnrothes PrachbExemvlar wandert anf das Verdeck unserer Dahabiye. In den Nachmittagsstnudeu erscheint der blendend weiße Lenchtthurm von Port-Sa'id am Horizonte. Einige Schaaren Flamingo's sehen wir iu weiter Ferue stehen nud audere laugsam dahinziehen. Der Himmel klärt sich, wir genießen erwärmende Sonnenstrahlen nnd abermals einen schönen, effeetvollen Sonnenuntergang. Unsere Schiffslente arbeiten sehr geschickt mit den Segeln; es sind brave, nngemein fleißige Gesellen, die wir in den zwei Tagen lieb gewannen. BeiVeginn dcrDämmernng unterscheidet man schon einzelne Hänser der Stadt nnd den Damm des Suez-Canales. Mit voller Dnnkelheit ist das Ziel erreicht; einige hnndert Gänge trennen nns noch vom Ufer, doch das Wasser ist zn seicht; wir nnd die ganze Bagage werden allmälig von nnseren braveil Arabern an den Canaldamm hinübergetragen. Wir hatten die leichteste Dahabiye mit einem Brief vorausgeschickt, daher warteteu anch schou ein kleiner Dampfer im Eanal und am Ufer unser Cousul, sowie der Hafeueapitäu, ein geborner Dalmatiner. Zum ersten Mal sahen wir den Snez-Canal und drüben Asien; der erste Blick anf diesen Welttheil war eben nicht sehr schön. Asien erschien in Form eines Dammes. 24- 188 Der Dampfer brachte uns rasch in die Stadt, an einen Landungsplatz unwcit des Hotels. Nichts als Europäer auf der Gasse; und alles was wir sahcll, hätte ebensogut in einer englischen Hafenstadt vor sich gehen können. Der Gasthuf, ein großes, vollkommen modernes Hotel, recht gnt eingerichtet, eriuuerte mich lebhaft an die Schweiz. Nicht der kleiuste Gegenstand mahnte au den Orient. An diesem Abend wareu wir, eine englische Familie ausgeuommen, die einzigen Gäste; bald nach unserer Ankunft wurde eiu recht gutes Souper servirt und um 10 Uhr lag schon alles tief in den Betten. Den uächsteu Morgen verließen wir das Hotel nud begabeu uns auf einen Suez-Canal-Dampfer. Der Commandant, ein alter, brummiger Mauu, sowie auch die ganze Mannschaft waren Franzosen. Ueberhaupt ist der Suez Canal und alles was dazu gehört, ein Stück Frankreich. Anfänglich genießt man über die Dämme hinweg iu westlicher Nichtuug die Aussicht auf den afrikanischen Menzaleh-See, in östlicher nach der asiatischen Ebene von Pelusium. Der Gedanke, zwischen zwei Welttheilen spazieren zu fahren, ist anregend, doch endlich gewöhnt mau sich auch au imposaute Ideen nnd leidet trotzdem an der höchst langweiligen Wirklichkeit. Niesige Pelekan- und Flamingo-Heerden, taufende und aber taufende dieser Vögel standen anf deu versumpften Theilen des südlichen Menzaleh-See's. Eine Salve, die wir ihnen hinübersandten, hatte nur den einen Erfolg, daß lebende Wolkeu aufflogeu, wie man sich dieselben nicht größer vorstellen kann. Nachdem der See znr Rechten fein Ende gefunden hat, gestaltet sich die Gegend in der That vollkommen trostlos; die hohen Dämme verwehreu deu Ueberblick uud uichts als gut gebaute Erdanfwürfe rechts nnd links sind kein erfreuliches Bild. Als eiuzige Zerstreuung bot sich uns cm Neueoutre mit eiucm großen englischen Indienfahrer, der ungefchickterweise im Canale schief aufgefahren war uud uuu den Weg versperrte. Unser Capitäu meinte, wir könnten Passiren uud fuhr muthig darauf los. Eiu mächtiger Nuck, eiuige kleine Havarien an den Bordwänden uud wir faßeu auch in den cnglifchen Nachbar verwickelt. Eine halbe Stnnde wurde gearbeitet; der grobe englische Capitäu kehrte uus während der Zeit den Rücken uud that, als ob ihu das Gauze uichts angienge. Endlich beganu eine kleine Bewegung, eiu Aechzeu uud Stöhueu der aueiuaudergepreßten Schiffe, abermals ein starker Nuck uud wir waren frei; durch den Stoß hatten wir auch den Eugläuder flott gemacht und so giengeu die beiden Schiffe jedes in seiner Richtung anseiuauder. Später genossen wir von Zeit zu Zeit von der Commando Brücke aus einen Blick über den Damm hinweg uach der arabischen Wüste. Der Charakter derselben ist ein grundverschiedener von dem der libyschen. Alles ist lichter, fast weiß, Stein fowuhl als Saud; auch flacher, höchstens iu Form sanfter Hügel gewellt; die vielen rnndcu, kleinen, dunkelgrünen Gesträuche erhöhen noch den eigenthümlichen Typus. Nach mehrstündiger Fahrt gelangten wir in den Salzsee von Ismatilia, sahen die gleichnamige, ganz europäische Stadt, die den See umgebeudeu weißlichgelbcn Wüsten mit größtentheils flachen Ufern; im Süden in weiter Ferne das schön geformte Ataka Gebirge. Die Gegend ist unstreitig ernst nnd monotoll, aber das dnnkelblane Salzwasfer des See's bildet einen merkwürdigen Contrast zn den hellen Wnsteugestaden, uud fo gestaltet sich das Ganze zu einem sehr eigeuthümlicheu Farbeueffeet. Wir ftihren zum Landnngsvlatz von Ismaiilia, wo uus eiuige Beamte der Snez-Canal-Compagnie anf das zuvorkommendste emvfiengen nnd zn den bereitgehaltenen Citadelle von «ailo. 191 Wägen geleiteten. In der kurzen Fahrt bis zum Bahnhof hatten wir Gelegenheit, den Reichthum, Fleiß und Geschmack der Franzofen zu bewundern. In der Wüste gelang es ihnen, einen echten kleinen Seebadeort mit reinen, weißen Häusern, geziert durch grüne Ialonsieu, gntc Wege, fchattige Nllecn nnd wohlgepflegte Gartenanlagen hervorznzaubern. Auf der Station stand unser Zug schon bereit uud gar bald setzte er sich in Veweguug. Aufäuglich kamen wir au kleinen Sümpfen, dann durch die Wüste, welche hier noch den volleu Charakter der arabischen trägt, nnd später an einem nnbedentenden See mit wenig Rohr nnd einigen erbärmlichen Hütten vorbei. Wo die an die Bahn herantretenden Wüstenhügel niedrig genug wareu, um einen Fernblick zu gestatten, erschienen weit in südlicher Richtung das hohe Ataka, später das Ammüue-Gebirge. Es sind dies dieselben Bergketten, deren westlicher Ausläufer das wohlbekauuteGebel-Mokattam ist. Nach eiuigerZeit trat die Wüste immer mehr zurück, um endlich ganzuusereuBlicken zueutschwiudeu; abermals gelaugten wir in das üppige Culturlaud UuterCgyptens uud fuhreu au der Stadt Zagäztk und vielen kleineren Orten vorbei. Gar bald erschien die herrliche Chalifeustadt, vergoldet von deu Strahlen der untergehenden Sonne. Vom Bahnhöfe aus fuhren wir den nahen Weg nachKasr-en-Nnsha, wo wir den Abend voller Ruhe widmeten. Am 20. wurde beschlossen, um 9 Uhr Früh abermals eine Iagdexpedition nach Heliopolis zu unternehmen. Das Wetter war wundervoll uud die Luft reiu und warm; nach langer Fahrt auf demselbeu schlechten Weg, den wir schon vor einem Monate zurückgelegt hatteu, laugten wir beim Marienbanm an. In den nmliegenden kleinen Gärten nnd dichten Caetushecken wurden die Dachshunde gelöst, nm nach Schakalen oder Ichnenmouen zu suchen; gar bald erkannten wir die Zwecklosigkeit unseres Vorhabens, denn die Wachtelzeit hatte schon begonnen nnd in allen Richtungen fielen Schüsse. Orientalische Sonntagsjäger, Lcvantincr aller Art, mit nicht sehr jägermäßigem Anssehcn, durchstöberten Büsche und Felder nnd es schien rathsam, dieses Terrain zu verlasseu. Neben dem Marienbaum befindet sich eine kleine, zwischen Gärten nnd schattenspendenden Bäumen errichtete Restauration, ein Vergnügungsort der Kairenser. Daselbst frill)stückten nur und setzten hierauf zwischen Feldern uud Gartenmauern den Weg znr Stranßenzucht fort. Das am Rande der Wüste liegeude Etablissement gehört einer Gesellschaft und scheint recht gnte Geschäfte zn machen, wenigstens ist alles mit dem größten Comfort hergerichtet. Der Director, ein deutscher Schweizer, zeigte uns die Ställe, die freien sandigen Plätze, die inneren Räumlichkeiten, die künstlichen Brutmaschiuen und alle seine Strauße, alte lind lind jnnge stattliche Thiere von zwei Gattungen im vollen Schmnck ihrer schönen Federn. Nachdem wir alles besehen hatten, wnrde die Weiterfahrt am nächsten Wege nach Heliopolis direct znm wohlbekannten Orangeugarteu angetreten. Wir fanden einige Wolfsfährteu, doch die Thiere wareu au diesem Tage uicht zu Hause uud so durchstöberte!! wir vergeblich alle Büsche uud Anlageu des schönen Orangenhaines. Während der Rückfahrt ließen loir anhalten nud nuternahmen ebenfalls erfolglose Versuche in mehreren Gärteil uud eiucm Zuckerrohrfeld. Diaua war uns an diesem Tage nicht gewogen uud ohue Beute wanderten wir nach Kairo znrück. Zn Hause angelangt, crqnickte ich mich an einem anßerordent-lich wohlthätigen, echten türkischen Bad, „Hammam" genannt. Man lnnß im Orient selbst, durch orieutalische Badediener, eine eigeue Kaste Menschen, bedient, in einem jener herrlich eingerichteten Bader, wie man sie am schönsten in den Schlössern der reicheu 192 Orientalen findet, diesen unbeschreiblichen Gennß in allen seinen über eine Stnnde währenden Phasen nnd Manipulationen durchgemacht haben, mn es zu verstehen, wie der Morgenländer mit so großer Leidenschaft an seinem Vade nnd allem was daran sich reiht, hängt, dafür keine Kosten schenend. Die Abendstunden nach dem Speisen brachten wir wieder Zn Hanse zn nnd gieugeu bald alle Mr Nnhe. Am 21. März fnhren wir des Morgens dnrch die alten Stadttheilc hiuauf, nach der berühiuten Citadelle. Mehrere Thore an der steilen Berglehne mnsiten passirt werden, überall standen Wachen, die uns mit den Klängen des hübschen cgyptischen Generalmarsches empfiengen. Die Citadelle El-Kala ist ein großer, gegen die Stadtseite zn dnrch natürliche Fclsenmancrn stark befestigter Häusercomplex; fast ausschließlich moderne Gebäude sind nach der Pulvcrerplosion des Jahres 1823 auf derselben Stelle errichtet worden, wo die alte, ans altcgyptischen Trümmern erbaute Festung Saladin's vom Jahre 1106 stand. Nachdem mau durch das erste, Bäb^ebGedit benannte Thor und den Vorhof znr zweiten, Bab-el-Wustüui-Pforte gelaugt ist, eröffnet sich der Einblick auf deu zweiten Hauvtplatz, der umgeben ist von Regierungs- nnd Militärgebänden nnd dein kleinen viceköniglichen Palais. Im Centrum der Citadelle erhebt sich als das wichtigste uud für deu Wauderer interessanteste Object die große Alabaster Moschee Gama Mohamed-Ali, die von dem berühmten Gründer der jetzt herrschenden Dynastie, dein heldcnmnthigen Mohamed-Ali, anf der Stelle eines alten zerstörten Palastes erbant wnrde. Weithin sichtbar, als ein Wahrzeichen Kairo's, ragen die hohen, schlanken Minarets empor. Nachdem die bereitstehenden Pantoffel angelegt worden waren, betraten wir des Innere des kolossalen Gebändes. Die Grüße des viereckigen Raumes, die hohe Haupt- nnd die verschiedenen Nebenknppeln, sowie die im gelben Alabaster von Vem-Snef überdeckten Wände imponiren auf den ersten Blick; bei näherer Betrachtung erkennt man aber, um wie viel die architektouischeu Details jenen der alten Moscheen nachstehen; anch die Brnnnen sind plump und unschön. Einige hübsche Teppiche für die knienden Gläubigen, sowie die reich verzierte Gebetstelle in der Nichtuug Mekka's leukteu unsere Anfmertsamkeit nach der Südostscite des Gebändes, wo nahe dieser heiligsten Stätte der Muslimen, von einem Gitter nmgeben, der mit reich in Gold gestickten Teppichen überhangenc Sarkophag des alten Mohamed-Ali steht; zu Hänpteu ist deu Vorschriften der Religion zufolge ein steinerner Turban angebracht. Man erlaubte uns, dnrch eine Thür das Gitter zn passiren, um vou nahe den Sarg zn betrachten, der die Ueberreste eines großen Mannes in sich schließt. Der Sohn des Straßenränmers voll Kavala, Soldat lind Orientale durch nnd durch, wild uud ungebildet, von eiserner Energie uud Grausamkeit, aber zugleich mit großen Geistesgaben allsgerüstet, war berufen, ein Reich, eilt Chalifat nach altein Mnster zu gründen. An der Spihe seines trefflicheil Heeres durchzog er Palästina, seiuem Vorbild: Alexander dem Maeedonier, nachstrebend. Hätten die abendländischen Mächte nicht rettend eingegriffen, wäre der meuterifche Pascha gewiß bis uach Stambul marschirt, um sich das Chalifat zu erringen. So mußte er sich mit EgYPten begnügen nnd wendete seine ganze Sorgfalt lind Energie diesem Lande zn. Die Citadelle, die er baute, ward zmn daueruden Monument seiner diabolischen Gransamkeit. Die dem Türkenthum treuen, in Egypten als fremde Su'ldnerschaaren dienenden Mamelnkcn schieueu dem alten Mohamed Ali nicht ganz gehener, nnd so ließ er eines schöueu Tages die auf deu Hof der Citadelle neben der Moschee zusammeugedräugteu Leute alle, außer Einen, massacriren. Vel den Chlllifcn-Graberii. W5) Dieser Eine, ein kühner Osmane, sprang im vollen Waffenschnulck anf seinent innthigen Ruß über die Umfassungsmauer der Plattform, saliste längs der hohen Felswand hinab und kam anf weiche Schntlhanfen zn fallen; allsogleich erhaben sich der wie dnrch ein Wnnder gerettete Krieger und sein treues Pferd; sie entkamen anch glücklich den Nachstellungen des ergrimmten Pascha's. Wir sahen diesen blutgetränkten Platz und genossen von der Plattform ans eine herrliche Fernsicht über die alte Chalifeustadt mit ihren grauen Häusern, hochragenden Minarets, nud weit hinüber nach dem Frnchtlande, dnrch das sich der Nil wie ein Silberband schlangelt; über den gri'meu Flächen drüben erheben sich die Pyramiden und dahinter glänzt der gelbe Tand der unendlichen Wüste. Hinter nnd dicht nnter nns gewähren die düsteren Wände des MokkatanvGebirges, das wilde Durcheinander der Chalifen- und Mamelnken-Oräber und die Ruinen der ganz alten, verfallenen Stadttheile ein interessantes Bild. Das kleine vieekönigliche Schloß, das an diesen Platz anstößt, ist einfach eingerichtet nnd bietet nur ein Interesse als Wuhnhaus Muhamed-Ali's. Seine Zimmer, das Bad sogar, alles wird im selben Znstande erhalten wie zn jener Zeit, als er noch in diesen Räumen weilte. Mail thnt wohl daran, die Erinnerung an jenen großen Mann mit Verehrung zn pflegen; denn viel leistete er in der That, nnd hätten seine Erben seine Werke, seinen Geist nnd seine Energie im vollen Maße übernommen, wäre Egypten hentzntage zn einer anderen und größeren Rolle berufen, als es die jetzige ist. In einem recht versteckten Winkel der Citadelle zeigte man uns den sogenannten Iosephs-Brnnnen, von Sala-Heddin-Iüsnf angelegt, der fälschlich immer mit dem egyptischen Joseph in Verbindung gebracht wird. Dieser alten, ganz einfachen Cisterne entlockt eine von Büffeln gezogene Schöpfmaschine das Wasser. Nnn hatten wir die Besichtignug der Citadelle beendet, verabschiedeten nns von den Civil- nnd Militär-Honoratioren und den Derwischen der Moschee und fnhren den Berg hinab nach der Stadt. In einer der alten Gassen befindet sich in einem recht großen und gnt eingerichteten Gebä'nde die an Bänden sehr reiche nnd berühmte Khedivial-Bibliothek. Ein Dentscher ist Director dieses Institutes uud brachte mit Fleiß nnd wissenschaftlichem Ernst System und Ordnung in das frühere Chaos des reichen Materiales. Der orientalische Theil fesselt selbstverständlich am meisten das Interesse des Fremden. Wir fanden Choräns in allen asiatisch-mohamedanifchen Sprachen, einige ans den ältesten Tagen des Islams, in anffallend schöner Weise ausgestattet. Der Khedive nnd seine Vorgänger ließen in den Moscheen nachforschen nud die werthvollen alten Kirchenbücher in diese Bibliothek bringen, nm sie vor dem Untergänge zu bewahren. Einige anßerordentlich^schön geschriebene nnd bemalte persische Bücher wnrden nns gezeigt. Sowohl die äußere Form nnd Ausstattung, als auch insbesondere die Costume, Harnische, Waffen der persischen Ritter nnd die Art, in welcher dieselben dargestellt sind, erinnerten mich lebhaft an manche Werke des abendländischen Mittelalters. Außer vielen Chorans sahen wir anch Bände, welche in Bild und Wort Kriegszüge, Kämpfe, Jagden und selbst Landschaften darstellten; mehrere dieser persischen Blätter waren nicht nur vou historischen«, sondern auch von künstlerischem Werthe. Nachdem die Bibliothek, insoweit es die beschränkte Zeit erlaubte, durchgesehen war, setzten wir unsere Fahrt fort nnd passirten das Gewühl nnd bunte Leben der arabischen Stadttheile; einige 25* 19ss enropäische Straßeil rasch dllrcheilend, gelangteil N'ir bald auf den großen Platz des vieeköiliglichen Schlosses. Gegenüber dem Palais und deu Kasernen steht eine nelt errichtete Erziehungsanstalt. Der jetzige Khedive schenkt diesem von ihm gegründeten Institute seine volle Sorgfalt nnd forderte nns auf, dasselbe zu besuchen. Wir besichtigten die Lehrsäle, in denen die Schüler, meist Söhne reicher Kaireuser Muslims darunter die zwei Knaben des Vieeköuigs, schöne, frisch nnd gesnnd aussehende Kinder, unter der Leituug europäischer Lehrer studierten. Mau zeigte nns auch die Wohnränme, Speise^ uud Spielznumer. Die Anstalt ist im Ganzen nach enropäischem Muster eingerichtet, nur wurde eiu über die Zwecke eines Erziehuugshauses hinausreichender Lllxus au Seideustoffeu ilnd Möbeln entwickelt. Von da aus statteteu wir deu Geueral-Cousulu, den Baronen Schäffer ulid Saurma, iu ihren reizeuden Häusern Besuche ab, uud fuhreu uuu zurück iu das arabische Viertel. Vor eiuer gauz engen, für Wägen uicht praktikableu Gasse wurde gehalteu uud zu Fuß zum Thore des Hotel du Nil gegangen. Die Lage dieses vorzüglichen Gasthofes iumitten der alten arabischen Stadt ist schön nnd der große Hof, als Garten hergerichtet mit herrlichen Plauzen nud schatteuspendenden Bäumcu, verleiht dem Bilde nuch erhöhten Neiz. Der Besitzer ist Oesterreicher nnd so versammelten sich iu eiuem hübschell Kiosk außer unserer Reisegesellschaft noch einige audere anniesende Landsleute, ferucr Abd-el Kader uud Brugsch-Pascha uud Baron Saurma zu eiiiem gemeillsameu sehr guten Frühstück. Einige augenehme Stnnden wnrden da zngebracht, die eiil arabischer Taschenspieler mit iu der That hübschen Kunststücken erheiterte. Sein Gehilfe, ein kleiner Knabe, rief immer vor dem Beginn einer ueueu Pieee auf gebrvcheu deutsch: „Kommen Sie her, Teufel!" Dieser Produetion folgten ein Schlangenbändiger mit sehr großeu Brilleuschlaugeu, verschiedeueu Eidechsen, darunter deu grauen Geko's, nnd nnheimlicheu Seorpionen, die er alle ans seinem weiteu Gewaitde hervorholte, uud eiu Mann mit gut dressirteu, dicke» Pavians, eiuer Ziege und mehreren Hunden. Im Ganzen sind es dieselbell abgedroschenen Vorstellungen, die jeder europäische Jahrmarkt bietet, doch verlciheu die braunen Gestalten der Küustler, in faltenreiche Gewäuder gehüllt, das würdevolle Auftreten des Orientalen und der Gesammteindruck der buuten Seeuerie deu an und für sich langweiligen Kindereien einen eigenthümlichen Neiz. Nachdem wir uach Hause zurückgekehrt wareu uud Iagdtleider augelegt hatten, fuhren der Groß^ herzog nnd ich mit Barou Saurma durch die Stadt über die große Nilbrücke hiuaus, uach der uächsteu Umgebuug der vieeköuiglicheu Lustschlösser. Dort staud noch ein Zuckerrohrfeld uud wir postirteu uuv Nlit meckerndeu Zickleiu wohlgcdeckt im hoheu Nohre. Leider tain kein Wolf oder anderartiges Raubthier. Saurlua hatte ebeu ait derselben Stelle auf dieselbe Weise schou häufig glückliche Jagden gemacht, doch nns schien Diana heute uicht gewogen nnd so verließen wir mit Eintritt der vollen Duukelheit dcu Plah, um uach Haufe zu fahren. Es war ein herrlicher Abend; nach wundervollem Sonnennntergang folgte die Pracht eiuer afritanischeu Frühlingsnacht. Insecten zirpten nnd schwirrten, Fledermäuse umflogen die Bänme, deren Kronen leise rauschten; eiu Meer von Sternen war über das Firmament ausgegossen nnd nur uuaufhörliches Huudegebell und der Schrei der zum Nil ziehenden Wasservögel unterbracheu die großartige Niche. In der Stadt gieug es lebhafter zu nnd dnrch das Gewühl des südlichen Nachtlebens drängten wir uns bis Kasr-en-Nusha durch. Am folgenden Murgeil fuhreu wir iu früher Stunde uach der großeu Kaserue Kasr el-Nil lind bestiegen den nnter derselben liegenden Nildampfer Ferus, nnser gntes altes Schiff, au das sich so herrliche Eriuuernugeu ans den gesegneten Gefilden Ober Epyptens knüpften. Der branne Admiral Trch-Ttiwischc. 199 commandirte abermals sein treues Fahrzeug und ucich lvenigen Minnten setzten nnr uns strouialnvärts iu Bewegung. Mau lcrut erst die Farbeupracht, die imposauten, ich möchte sagen innerafrikauischeu Natureffecte Ober-Egyptens keuneu, wenn, von dort zilriickgekehrt, Kairo nud Uuter-Egypteu, die bei der ersteu Anklmft so sehr cutzückteu, als färb- und stimmungsarm vor den au noch größere Reize gewöhnten Augeu verblassen. Unser Ausflug galt au diesem Tage der berühmten Barrage du Nil. Aufäuglich kamen loir an alten, bis au den Wasserspiegel reichenden Hänsern vorbei, später folgte der Platz, wo nebeneinander mehrere vieekönigliche Jachten, die Pvstdampfer und eine wahre Flotte von Dahabiyen liegen. Am liuken Ufer sah mau die Schlösser nnd üppigen Gärten, am rechten die Stadt, dann die Schnbra-Allee, das gleichnamige Schloß, mit deu hochragenden Bäumen des großen Parks. Bald verschwanden diese interessanten Bilder nnd die monotone, eultivirte Landschaft Unter-Egyptens wurde ober den niedrigen, brüchigen Ufern des Stromes bemerkbar. Wir beobachteten einige vereinzelte Nilgänse uud sehr viele Enten, sonst war wenig anderes Wassergeflügel vertreten. Au mehrereu langen saudigen Inseln dampfteu wir vorbei uud bald wurde der eigenthümliche, brückeuartige Van der eigentlichen Barrage sichtbar. Hier trennen sich die Nilarme, jener von Damiette nud jener von Rosette; es ist die südlichste Spitze des Deltas. Die beide Wasseranne trennende Landzunge ist mit dem übrigen festen Lande durch die eisernen Brücken nnd das von Mohamed-Ali erbaute riesige Stauwerk verbunden, welches den Zweck haben sollte, in der Periode des niederen Wasserstandes den Nil zu staueu, damit dauu alle die unzähligen Cauäle des Deltas ebenso wie zllr Zeit der Ueberschwemnlilng init Wasser gespeist winden. Der Erfolg des Unternehmens, welches zngleich anch auf die Nilschifffahrt vou lähmendem Einflnß war, soll in keinem Verhältniß zu den großen Kosten stehen, die es erforderte. Zwischen den Stanwerken anf der Landznnge wnrde nm theueres Geld ein Furt errichtet. Diese alleiusteheude uiedrig liegende Befestigung sinkt zur vollkommenen Spielerei herab; anch wahren nnr einige altartige Gefchütze nnd eine Kaserne mit schwacher Besatznng im Innern derselben den kriegerischen Anstrich; das Bemerkenswertheste am Ganzen sind die auffallend schönen und hohen Banmreihen, welche diese sonst öde Stelle schmücken. Wir mnßten alles betrachten nnd wnrden sowohl in der Vefestignng, als anch anf den Stanwerken herumgeführt. Nach der Besichtigung traten wir mit dein Dampfer die Heimfahrt au. Bei einer langen nud schmalen, mit Sand nnd einzelnen dichten Gebüsch Pareellen bedeckten Insel hielten wir an nud durchstöberten jagend dieses Eiland. Außer einigelt kleinen Wasservögeln erlegte ich noch ein Exemplar der schönen Steppenweihen. Ein seichter, lehmiger Arm trennt die Insel vom Festlande, was das Herübertreiben großer Schaf- nnd Ziegenheerden erleichtert, die sich an den Gebüschen sättigen. An den Nilnfern fanden wir anch mehrere sehr ärmliche Fischerhütten. Gar bald verließ die Jagdgesellschaft dieses Revier nnd kehrte an Bord des Dampfers Zurück, wo währeud der Heimreife gefrühstückt wnrde. Der fchwarze Kaffee war noch kaum geleert uud die Eigarrette ausgeraucht, als wir auch scholl bei Kasr-el-Nil eiutrafcn nnd nnn voll der theneren Ferns endgiltigen und letzteil Abschied nehmend an's Land giengen. Der an liebenswürdigen Aufmerksamkeiten unerschöpfliche Abd el-Kader-Pascha wußte, wie sehr es mich freuen würde, die drehenden nnd die heulenden Derwische zu seheu, nud da kein Freitag mehr, 200 an welchem Tage sic ihre eigenthümlichen Alidachten in den großen Moscheen verrichten, für Kairo zu unserer Verfilguug stand, erivirkte or beim Khedive eineu Befehl, welcher nils Einlaß in die Klöster dieser Fanatiker verschaffte. Dnrch die gauze Stadt fnhren wir bis iu die entlegensten Theile der arabischen Viertel. Vor einer engen Gasse hielt der Wagen nnd wir mnßten steil bergauf bis zu einer Mauer geheu. In das Thor eintretend, hatten wir den Anblick eines echten kleinen Klosters mit Garten vor uns. lieber eine elende Holzstiege und eine Galleric gelangten wir in die Emvfaugszimmcr, einfache, kahle Wände; drei orientalische Divans nnd einige Teppiche waren der einzige Schmuck der ärmlichen Räume; zwei juuge Lentc, die wir für Diener hielten, hatten nns da hinanfgcleitct. Nach wenigen Minuten erfchien der Vorstand des Klosters, ein alter, von fanatischer Nscefe und Abtödtung gebrochener Greis. Sein Aenßeres war unstreitig nnheimlich; mager, blaß, wachsfarbeu, wie eiue Leiche; die scharfen Zuge, die bleichen Lippen, die entnervten Augen lind skelettartigen Hände, die gebeugte Haltuug, sowie eine hohlklingcnde Stimme hatten etwas Geisterhaftes au sich. SeiueKleiduug bestaud iu laugen, färbigen, pclzverbrämteu Gewändern, bunter Leibbinde nnd einem am Vodeu nachschleppenden Mantel, den er mit Zitternden Händen trotz der fürchterlichen Hitze krampfhaft zusammcuhielt. Am Kopfe trng er eine hohe, graue Filzmütze, umwickelt mit einem grünen Band, der Farbe des Propheten. Diese nnglaubliche Kopfbedeckung ist sehr ähnlich ieuer der Perser. Mit eeremuuiöser Höflichkeit wies er nns einen Sitz an und ließ sich steif wie eine Wachspuppe auf eiuem Divan nieder. Diener brachten Kaffee in schmutzigen Schalen nnd Cigarrctteu. Nach knrzer Staatsvisite forderte er nnv ans, in den heiligen Raum, iu die Moschee seiner Nutergebeuen zu geheu. Ueber die läugs des Hauses laufeudc Gallcrie gelaugten wir iu ein sehr merkwürdiges Gebände. Es war dies ein hoher, ganz kreisrunder Kuppelban mit alten orientalischen Verzierungen. Um die Wände lief eine schmale, von Holzsäulen getragene Gallerie; dies ist der Platz für die gläubigen Zuseher uud für die Musik; uuter nus bemerkten wir eine echte Circus-Mauöge, mit Umzänmnng von höchstens drei Schnh hohen, oben gepolsterten Bretteru; der Bodeu iu diesem eigenthümlichen Kreise war mit feinem Neitschulsand bedeckt; an der einen Seite lag ein alter, türkischer Teppich. Wir saßeu uoch kaum eiue Minnte anf der Gallerie, der kommeuden Ereignisse mit Spaummg harreud, als der alte Oberpriester mühsam in die Arena schlich und anf dem Tcppich mit gekreuzten Füßen Platz nahm; ihm folgten beiläufig 20 Männer, alle mit der hohen Mütze geschmückt, aber in eng anliegeudeu, bleudend weißen, vorn offeueu Iaukeu von echt türkischem Schnitt, darunter ciue Leibbinde, nnd in weiten, gestärkteu weißen Röcken, ähnlich altmodischen Damen-Krinolinen. Feierlich mit gekreuzten Armen wandelten sie einzeln herein, sich vor dem hockenden Greis tief verneigend, dauu stellteu sie sich alle im Kreise läugs der Wäude der Maue'ge anf. Nuu sprach der alte Oberpriester mit heiserer Stimme eiu Gebet, währeud welchem er sich zu wiederholten Malen nach verschiedenen Nichtuugeu hin tief verneigte; seine Schüler folgten jedesmal seinem Beispiele. Als diese Scene zn Ende war, fiel plötzlich die Musik mit wildem Lärm eiu. Die Instrumente waren dieselben, wie wir sie bei den Bienentänzen Ober EgyPteus gesehen hatten, uur spielte das knpferne Tam Tam uud die uuserer dalmatinischen Gusla nicht nnähuliche Geige eine größere Rolle: die Melodie hatte einen wilden, kriegerischen Typns. Kanm waren die ersteu Töue erschallt, als alle die Münuer in den Kreis trateu, sich nochmals vor dem Greis verneigten nnd nnn zn drehen begannen. Hculcndc T^nmschc, 203 Keiner berührte den anderen, jeder blieb anf seinem Platze; znerst langsain, dann immer schneller kamen sic iü Beloegnng, die langen Röcke standen fast »vagrecht in die Höhe, die Musik wnrde ranschender nnd loilder, die Gesichter fanatischer; wie die Kreisel sanften sie auf Ort nnd Stelle herum, beide Hände weggespreizt, die eine mit dem Rücken nach aufwärts geballt, die andere offen, die innere Fläche zeigend. Das bedeutet: die Rechte führt das Schwert fur den Glauben, die ^inke fleht Gott um seine Gaben all. Bloßes Zusehen kann einen Schwindelanfall hervorrufen, dabei länft es dem Europäer schanrig talt über den Rücken; dieser Grad des Fanatismus ist in der That unheimlich. Ohne im mindesten zn zucken, immer in derselben Haltung, drehen sich diese Lente mit nnglanblicher Schnelligkeit. Die Gesichtszüge sind krampfhaft verzerrt, die Angen nach anfwärts verdreht, die mageren Hände nnd bleichen Wangen, nmrahmt von knrzen, nach türkischer Art geschnittenen Bärten, tragen die ekelhaften Spnren der dnrch diese Entartnng des religiösen Sinnes hervorgerufenen Nervenzerrüttnng. Ein alter Mann, in seiner Tracht ähnlich dem noch immer regungslos hockenden Oberftriester, schlich zwischen den drehenden Derwischen hernm, ihre Bewegungen eontrolirend. Sehr lange währte diese erste Andacht, dann verstummte die Musik; bleich nud unter krampfhaften Zuckungen trachteten alle so rasch als möglich die Wand als Stütze zn erreichen, nnd begleitet von tiefen Verbeugnngen wurde abermals ein Gebet gesprochen; hieranf fiel die Musik ein nud das Drehen begann von Neuem. Wie lange alltäglich dieses Vergnügen währt, weis; ich nicht, denn nach einer halben Stnndc verließen wir das Kloster. Ich kann es nicht längnen, daß ich froh war, die Sonne nnd den lachenden Himmel, das lnstige Getriebe auf den Straßen wiederzusehen nnd dem kellerartig kühlen, dumpfen Ramn der Moschee nnd den krankhaften Entartungen der Phantasie ihrer Bewohner entflohen zu sein. Diese Derwische sind Mönche, sie leben gemeinschaftlich, unverheiratet in einein Hause; mehrere dieser schrecklichen Seelen entstanden in den späteren Tagen des Islam nnd nicht dort, wo seine Wiege stand, nnter den geistig hochstehenden Arabern, sondern im Norden bei den erst zn dieser Religion bekehrten kleinasiatischen nnd mongolischen Völkern; die Osmanen in Asien nnd Europa bildeten den geeigneten Boden für dergleichen Entartnngen nnd die Softas spielten bei ihnen zn Zeiten aller Kriege nnd religiösen Bewegungen eine große Rolle. In Kairo besteht nnn seit Langem eine Filiale der Dreh- nud der Heul Derwische; doch besonders erstere werden von den Arabern, die das mit Recht für einen von den weisen Satznngen des großen Propheten abweichenden krankhaften Answnchs halten, gemieden. Alle, die wir da sahen, waren echte enropäische nnd tleinasiatische Osmanen, die auch den vollen türkischen Typns an sich lrngen. Dnrch die arabischen Viertel fnhren wir mm den langen Weg hinaus in die europäische Stadt an dem vieeköniglichen, von des Khediven Gattin bewohnten Palais Kasr el-Ayn vorbei nnd hinüber zn den ältesten Stadttheilen, wo eigentlich mehr Schutthaufen, Gräber, Rninen alter Moscheen und Schnuch aller Art, als wie bewohnbare Hänser sich erheben. Am Ende einer engen, von Trümmern eingeschlossenen Gasse hielten wir an nnd giengen dnrch ein Thor in einen dnrch einige Pflanzen nnd schattenspendende Sänlen-Gallerien gezierten Hof. Eine ebenfalls kreisrunde nralte Moschee fiel nns dnrch ihr rninenhaftes Ansschcn anf. Ein alter Mann, wohlbeleibt, freundlich lächelnd, mit rnndem Tnrban am Kops nnd in bunte, echt ^04 türkische Gewänder gehüllt, einpfieng uns da. Wir mußten ihm durch eine euge Pforte in das Iunere der Moschee folgen. Dic Steinplatten lvaren niit Schafpelzen bedeckt; an den Wänden hieugell sehr alte, verrostete Waffen, Lanzen, Dolche, Säbel, zackige Schwerter, nnd in deren Mitte eine schon arg zerfetzte grüne Fahne. Diese geweihten Waffen müssen das Blnt der Ungläubigen getrnnken haben, itin an jene heilige Stelle gehängt werden zn dürfen. Wenn ein Krieg für den Glanben beginnt, nehmen die Derwische dieser Seete, welche noch in höherem Maße ein kriegerischer Orden sind als die Drehenden, die Waffen herab, entrollen die grüne Fahne des Propheten nnd lanfen henlend dnrch die Gassen, Krieg nnd Tod den Ungläubigen schwörend, die Muslims zum heiligen Kampf anffordernd. In den alten Türkenkriegen spielten diese Leute eine große Nolle, doch bietet ihnen der Islam die Garantie, stets ein Feld für ihre Thätigkeit zu finden. Kanm waren loir ill der Moschee, als anch schon die frommen Männer hereingezogen kamen. Der Alte, der uns empfangen hatte, stellte sich in die Mitte ans einen Schafpelz, seine Untergebenen bildeten einen Kreis nm ihn; er betete vor, immer dasselbe; alle wiederholten es, eine ähnliche Musik wie jene der Dreh-Derwische stimmte wilde Weisen an und nnter uuaufhörlichen Beweguugeu, bei welchen der Oberkörper nach vor- nnd rückwärts geschlendert wurde, riefen sie anfänglich, henlten dann, stöhnten, ächzten nnd stießen in nnartienlirten Lallten stets dieselben Worte alls. Das ganze Bild wirkt unheimlich. Die Lente hatten lange, bunte, schlafrockartige Gewänder an, mit einfachen Schnüren um die Hüften. Im Gegensatze zu allen anderen Muslims keine Kopfbedeckung und lange, zottige Haare nnd Bärte; beim Znrnckschlendern des Oberkörpers hiengen die Haare bis auf den Boden, beim Vorneige» stürzten sie im wilden Durcheinander über das Gesicht. Krampfhaft znckt der Körper, die Aligen werden verdreht, Geifer nnd Schämn bedeckt die Lippen. Der Eine besonders, ein großer Maim mit schwarzem Bart, bot das Bild der höchsten fanatischen EMse. Wir blieben nicht lange in diesem nnheimlicheu Mum; der alte Odevpriester mid alle seiue Unter gebeneil folgten nns nach; im Freien augelaugt, setzteu sie ihre Kopfbedeckungen, die meisten branne Kappen, ans und creoeuzten in der primitiven Gartenlaube einen wenig erfreulichen Kaffee. Ich frng sie unl ihre Abstammnng; sie sprachen, sowie auch die Dreh Derwische, nur türkisch, wareu alle keine Araber; der alte Oberpriester stammte alls Griechenland, ein echter Osmane, die anderen waren Türken, aus Ttambul, Nnmelien und den übrigen Baltauländern; auch Muslims aus der Krim, aus Kleinasien uud ein Kurde von Bagdad mit kolossalem grünen Turban waren anwesend. Nach knrzem Anfeuthalt empfahlen wir lins und fuhren deu langeil Weg bis Kasr-en Nnsha znrück; die Zeit drängte, denn nur sollten all diesem Tage noch zu einem kleinen, nicht offieiellen Diner in Civilkleidnng beim Khedive erscheinen. Bald nach dem Speisen kehrten wir nach Hause, da der Vieeköuig noch des Abends einem religiösen Feste zn Ehren in die Hussem Moschee gehen mnszte. Wir wareu froh, nach einem interessanten, aber bewegten Tage der wohlverdienten Rnhe zn pflegen. Am ^A. fuhr ich des Morgens dnrch die Stadt uud die arabischen Viertel nach den Ehalifen-Gräbern. Wo bei den letzten Häusern der Fahrweg endet, wnrden Esel bestiegeil nnd zwischen der Gräberstadt hindnrchreiteud, erreichten wir bald den Fuß der hohen Felswände des Moktatam Rast in der H^iiste. 207 Gebirges. Derselbe Pfad wie vor einigen Wochen mnßte eingeschlagen werden. Die Felswand wurde durchklettert nnd kurze Zeit darauf saßen wir im engen, höchst unbequemen Versteck. Nach dem Verlaufe von drei langen, vollkommen ruhigen Stunden erschienen einige Milane und Aasgeier. Diese Thiere waren eben erst beim besten Fraße, als ich den schweren Flügelschlag eines großen Vogels vernahm; gleich daranf stoben die kleineren Gäste erschreckt auseinander nnd cm starker weißköpfiger Geier stand mit halbgeöffneten Schwingen am Nucken des Esels, allsogleich sein Frühstück beginnend. Keinen Augenblick zögernd, streckte ich ihn mit einem Schnß zn Voden, kroch ans der Höhle heraus nnd die schwere Beute am Nucken, kletterte ich durch all' die Wände, Felsen nnd Geröllhaldcn nach dem Platze znrück, wo die Diener nnd Neitesel warteten. Von da wnrde der Heimweg angetreten nnd in den Mittagsstunden war Kasr en Nnsha wieder erreicht. Nach einem Frühstück und kurzer Nnhepause beschlossen der Großherzog nnd ich einen Besuch dem Schnbra-Garten abzustatten. Die Gewehre mitnehmend, bestiegen wir eine landesübliche Droschke nud fuhreu durch die herrliche Schnbra-Allee zwischen all' den Gärten und üppigen Feldern nach der hohen Gartenmauer. Ein weiter Ranm ist eingefriedet; zwischen hochragenden Vänmcn, fast undurchdringlichen Büschen von nahezn tropischer Vegetation steht das große Schloß, umgeben von Teichen, Kiosken nnd blühenden Ziergärten; ein bedeutender Theil des Complexes ist mit Küchengärten, Orangen-waldern nnd selbst grünenden Saatfeldern bedeckt. Die bewässerten Stellen waren reich bevölkert von dichten Schaarcn zierlicher Knhreiher, während anf den hohen Pinien, die nahe dem Schlosse einen künstlichen Hügel zierten, die plumpen Nachtreiher in unglaublicher Menge horsteten. Diesen verschiedenen Reihern bescheerten wir eine böse Stuude, mnßten dann aber leider den prächtigen, zanbervoll schönen Garten, dessen rauschende Wipfel im goldigen Schimmer der untergehenden Sonne schwammen, rasch verlassen, nm zur rechten Zeit zum Speisen ein zutreffen. Den dichten Büschen uud wogenden Saatfeldern warfen nur gierige Blicke zn, denn ich aHüte wohl, wie günstig diese Stelle, von Manern eingeschlossen nnd todtenstill, für große Nanbthiere sein müsse. Wenige Tage daranf jagte Saurma, meinem Nathe folgend, im Schnbra-Garten nnd erlegte noch einen Lnchs lind einen Ichneumon. In Kasr-cn-Nnsha angelangt, speisten wir mit den beiden Brüdern Sanrma; der jüngere Baron nnd Prinz Taxis waren Tags vorher erst von eiuer langen nnd sehr beschwerlichen Expedition ans den Nandgebirgen des Nöthen Meeres zurückgekehrt, wo fie vergebens den arabischen Steinbock zn erbenten suchten. Bald nach dem Speisen zogen wir uns alle zur Nnhe znrück. Am 24. März fuhr die ganze Neisegesellschaft nm <1 Uhr Früh anf der Straße von Heliopolis gegen die letzten Häuser der Stadt hinans. Anf einem mit Fahnen reich geschmückten Platz stand ein großes Zelt. Viele Menschen hatten sich daselbst versammelt; die österreichisch-ungarische Colonie war vollzählig erschienen, denn wir feierten in festlicher Weise die Grnndsteinlegnng eines österreichischen Hospitals. Der nnter nnserem Schuhe stehende reiche Geschäftsmain, Catonli-Vey, ein Israelite im althebmischen Costüme, hatte in hochherziger Weise die ganzen Geldmittel zn diese»! schönen Werk gespendet. Unter frendigen Nnfen nud den Klängen der Volkshymne wurde oie Ceremonie anf das schönste begangen; es war ein echt patriotisches Fest, feru von der theueren Heimat auf eiuem anderen 208 Welttheil. Nach Schluß der Feier fuhren wir direct znnl Khedive, uul ihm unseren Abschieds- und Dankbesnch abzlistatten, den or bald daranf in Kasr-en-Nnsha erunederte, nns von da zur Bahn begleitend. Mit wehmüthigen Gefjihlen verließen wir das schöne Schloß in der Echnbra Allee und fnhrcn traurigen Muthes dnrch die Straßen der Stadt. Am freien Platz vor dem Bahilhofgebände stand cin Vataillou Infanterie, unter den Klängen unserer Volkshymne die Ehrenbezengnngen leistend. Am Perron hatten sich sehr viele Landslcnte, dann egyptische Würdenträger, Vrngsch-Pascha, die Brüder Sanrma nnd Prinz Taxis eingefnnden. Vuin Vieekönig, dein wir so viel Dank schnldeten, nnd all' den Bekannten lvurde Abschied genommen; langsam rollte der Zng ans der Bahnhofhalle, schmerzlich bewegt warfen wir die letzten Blicke der herrlichen Chalifenstadt, den ernsten Wänden des Mokkatam, der hochragenden Citadelle nnd den zanbernmflossenen Pyramiden zn. Nenen Gegenden nud Ländern pilgerten wir nnn entgegen! Derselbe Weg wie vor wenigen Tagen mußte eingeschlagen werden. Zuerst kam das Enlturland mit seinen Städten; mehrere derselben erhalten einen gewissen Neiz durch die historischen Ermnernngen, die sich daran knüpfen, wie znm Beispiel Schibnn-el-Kanatir, ein moderner arabischer Ort, in dessen Nähe, am sogenannten Tell-el-Aehüdiyc oder Indenhngcl, im 14. nnd 13. Iahrhnndert oor unserer Zeitrechnung eine wohlbefestigte Stadt gelegen war, in welcher sich später nnter der Regierung Ptoleniäos'mit dem Beinamen Philometor ein jüdischer Tempel erhob, welchen der Hohepriester Oma für seine ans Palästina verjagten jüdischen Landsleute aufführen ließ. Ferner Belbes (altegyptisch Pilabes), eine besonders im Mittelalter hochberühmte Stadt, welche die Residenz des arabischen Gonvernenrs der sogenannten Ostzone des Delta bildete. Hierauf Zakazik, ein größerer, dnrch seinen lebhafteil Handelsverkehr bekannter Ort, an welchem sich viele Europäer und Levantiner angesiedelt haben. In der Nähe desselben erhebt sich ein mächtiger Nuinenhügel nnt Namen Tell-Basta, nnter welchem die letzten Trümmer der Tempel nnd Hänser der im Alterthum hochgefeierten Stadt Bnbastns (im Altegyptischen Pi bast, d. h. „Hans" oder ,Wohnstätte" der Göttin Bast, hebräisch „Phi-beseth" geheißen) seit vielen Jahrhunderten ruhen. Hier ward eiue Göttin, deren Name soeben erwähnt ist, in einem herrlichen nnd großartig angelegten Tempel verehrt. Massenhaft werden noch hente ihre Bilder m Stein lind Bronze alls dem Echntte hervorgezogen. Sie erscheint darin als eine schlanke, jüngere Frau, welche in der eineil Hand ein Sistrnm, in der anderen ein Körbchen trägt nnd statt des Frauenhanpwö mit dem Kopfe einer Katze versehen ist. In der That waren ihr die Katzen geheiligt. In den Inschriften erscheint sie vielfach beschrieben als die Loealform der Frieden nnd Segen bringenden Göttin Isis. Oestlich von der erwähnten Stadt Bubastus, welche die Metropolis des nach ihr benannten Kreises Bnbastites bildete, dehnte sich in alten Zeiten die südliche Hälfte des angrenzenden Kreises Arabia ans, von dem wir bei den elassischen Schriftstellern des Alterthnms nur wenige Nachrichteil besitzen. C's ist derselbe, welchen die heilige Schrift mit dem Namen Goschen (Goseu) belegt hat. Die Eisenbahn dnrchzieht sein Gebiet, indem sie die gerade Nichtnng nach Osten verfolgt nnd den Süßwaffer Eanal im Wadi Tümilät begleitet. Gleich am Eingang in das letztere befinden sich am Tell Abu Soliman die Nuinen der Stadt Pithom oder Patnmos, an welcher die Juden vor ihrem Ansznge ans EgyPten zn banen gezwungen wnrden. In dem östlichen Theile des Nadi nach dem Krokodil-See hin zeigt sich in der Nähe von Mas Chüta eiu Denlmal Namses N., ferner Sphinxe, beschriebene Steine 209 und Reste alter Ziegelbauten. Lessepv hat lilit der Mehrzahl uun Gelehrten dort die Lage der in der heiligen Schrift genannten Stadt Namses wiedererkennen wollen nnd der modernen Eisenbahnstation alts diesen: Grnnde den alten Namen Ramses beigelegt. Ans dem Wadi heraustretend, geht die Eisenbahn bis znr Hanptstation Ismäiilia. Die weitere Fahrt anf dem Boden der Wüste längs des Westnfers der Bitterseen (des nördlichen nnd des südlichen Bassins derselben) bietet einige Unterhaltung dnrch die Aussicht nach den blanschinunernden Gewässern nnd nach Westen hin dnrch den Blick anf den malerisch geformten Berg Geneffe, dessen Steinbrüche, besonders marmorähnliche Steinlagen, noch gegenwärtig vielfach ansgcbcntet werden. Endlich zeigen die imposanten dunklen Gebirgsmassen des hohen Gebel-Ataka, bald anch der aznrblane Spiegel des Meeres die Nähe der Hafenstadt Snez an. Bei der Einfahrt in den Bahnhof überrascht der Anblick des dnrch die Schiffe aller Nationen belebten Hafens, nnter denen die Iudienfahrer dnrch Größe und Ansrüstnng die erste Stelle einnehmen. In später Nachmittagsstnnde hatten wir die geschmacklose, uuansehuliche Stadt erreicht, der die recht schlechten Hotels nnd styllosen Wohuhänser der Eonsnln einen echt abendländischen Charakter anfprägen. Viele Werften nnd Hafenbanten tragen eben anch nicht znr Verschönerung bei. Wirklich interessant ist nur die hohe geschichtliche Vedcntnng, die dem wundervollen Spiegel des Nöthen Meeres und den umliegenden pittoresken, tranrig düsteren Gestaden einen eigenthümlichen Reiz verleiht. Müde von der heißen Eisenbahnfahrt, Zogen wir nns gleich nach der Ankunft in das Hotel zurück, nm ein Diner einzunehmen. Im verwahrlosten englischen Gasthofe waren wenige Fremde, nnr einige Engländer, echte Geschäftsleute, anf der großen Heerstraße zwischen Enropa nnd Indien knrze Nast haltend, nnd ein armer, nngemein konnscher Missionär, ein Sachse, Neservelicntenant und Prediger, alles zugleich. In Inner-Afrika wollte er bekehren, kannte anch theoretisch die volle Wichtigkeit seiner Mission und das Land, dem er zueilen wollte; in der Praxis aber schien er ohne Geschicklichkeit, Erfahrung nnd besonders arm an Geld, im Hotel von Snez den Eintritt eines glücklichen Zufalles abwarten zn wollen. Nach dem Speisen giengen wir noch einige Zeit anf dem flachen Dache des Gasthofes herum, die herrliche Luft einer südländischen Nacht genießend. Am Morgen des 25. März standen loir in früher Stnnde anf nnd verließen nach knrzem Frühstück das Hotel, nm durch die Stadt znm Landungsplatze der Dampfschiffe zn gehen. Einem lallgell Briefe meines Frcnndcs Vrngsch Pascha verdanke ich eine treffliche Schildernng jener Gegenden nnd so kann nichts Besseres geschehen, als die an wissenschaftlichen Bemerknngen reichen Zeilen des berühmten Forschers dem Leser im Wortlante wiederzugeben: „An dem Nordrande der Stadt erhebt sich ein kleiner Rninenhügel, dessen arabische Bezeichnung Tell-Kolzmn, „Hügel von Kolznm", sofort an die antike Benennung Elysma, Cleisma eines älteren, daselbst gelegenen wohl befestigten Hafenortes gemahnt. Mit dem Verfall des alten Canalcs verschwand anch die Vedentung der älteren Stadt, doch bleibt der Name im Angedenken dnrch die bei arabischen Schriftstellern nicht seltene Bezeichnnng Bahr-Kolznm für den hentigen Golf voll Suez. So belehrend der Besnch nnd die Besichtignng der modernen Hafenanlagen, Dämme und der Mündungsstellen nnd Schlensenwerke des maritimen nnd Süßwasser Eanales sein mag, so gewähren sie eben nnr die Kenntniß Hervorragelider Leistungen nnserer Gegeilwart anf dem Gebiete der Wasserbanteu und der Mechanik. 2? 210 Wie das Unbekannte nlehr zu reizen pflogt als das Bekannte, loie die Vergangenheit nlehr zur Nengierde anstachelt als die Gegenwart, wie die Tradition dem Denken inehr Stoff und Gennß (Mährt als dir ein- für allemal festgestellte geschichtliche Thatsache, so weilt der Pilger an diesen Gestaden des Rothen Meeres am liebsten in Gedanken nnd in Erinnerungen an Zeiten vertieft, für welche die Geschichte das Gedächtniß verloren zn haben scheint. Wo war die Stelle, des Meeres, an welcher Pharao mit seinem Heere von den Wasserflnthen überdeckt wnrde? Wo die Straße, anf welcher Moses sein Volt durch die Wüste nach dem Verge Sinais führte? Das sind die Fragen, welche sich dem christlichen Besucher dieser Stätten zunächst und mit aller Kraft aufdrängen. Nur mit größerer nud geringerer Wahrscheinlichkeit haben die Forscher der vergangenen Zeiten nnd der Gegenwart sie zn lösen versucht. Als eiuziger sicherer Punkt diente ihnen bei den Untersuchungen die ^age der Moses Quellen, welche sich anf der asiatischen Seite des Vnsens von Suez nicht weit entfernt vom Ufer befinden. Dw Moses-Quellen liegen in einer vegetationsreichen Oase, alls welcher warmes, salziges nnd bitteres Wasser aus trichterförmigen, voll den Schalen der Cypris aufgebanten Oeffnnngen emporsprudelt. Die größte der Quellen ist cisternartig ummanert worden nnd wird für die eigentliche Moses-Quelle gehalten, welche der jüdische Geschgeber aus dem Felsen hervortreten ließ uud dereu bitteres Wasser er durch hiueingeworfene Zweige süß machte. Weun die Sonne am Abend niedersinkt uud die gewaltigen Masseil des Ataka Gebirges mit Pnrpnrschimmer übergießt, wenn das Meer zwischen den Küsten Asien's nnd Afrikas seine dnrchsichtigen, smaragdfarbigen Wellen mit leisem Schlage in schaukelnde Beweguug seht, weun allmälig der Farbenglanz erlischt und sich in violette, dann bläuliche nnd zuletzt graue Nebelbänder auflöst, da erst erscheint das einfache nnd doch so großartige Naturgemälde in seiner vollen Wirkung. Unbeschreibliche Ruhe erfüllt die Seele uud erweckt selbst nach der Rückkehr in die nordische Heimat mit ihren Wechselvolleu Bildern nud laudsehaftlicheu Schöuheiteu jeue tiefe Sehnsucht uach dein Orient, die wie ein stilles Heimweh uuser Herz durchzittert. Hier au der Stätte der Moses-Quelleu Asieu, drüben am eutgegeugeschten Ufer des schmalen Golfes Afrika! Welch' eine Fluth historischer Erinnerungen bis iu die Zeiteil grauesteu Alterthums hinanf erweckt nicht der Anblick der begrenzten Küsteuräuder beider Continents Wir sehen in den Urzeiten aller menschlichen Geschichte von Wanderlust erfüllte Bölterstämme hamitischen Ursprunges aus Asien, der Wiege des Menschengeschlechtes, westwärts über die Völkerbrücke der Landenge vou Suez ill dell dunklen Welttheil einziehen, nm sich niederznlassen auf der schwarzen Erde Egyvtens nud stromaufwärts wauderud, Städte uud Ausiedeluugen zu gründen uud gewaltige Denkmäler ihres Daseins zu hinterlassen. Memphis erscheint als die älteste Statiou der asiatischeu Einwanderer. Die Pyramiden müsseil mit vollstem Rechte als die Marksteine der Weltgeschichte gelteil. Erst in zweiter Neihe, je nach den Etaften der südwärts vordringenden Urväter des egyptischen Stammes, treten die Denkmäler Mittel uud Ober Egyptens als beredte Zeugen der ältesten, nilaufwärts steigeuden Cultur eiu. Eiu auderer Stamm, gleichfalls hamitischeu Ursprunges, wohl erfahren in der Schifffahrt, wählte den Seeweg, um von Osten her längs der Küsten des persischeil Landes nud Arabiens bis uach Afrika vorzudringen, Es sind dies die rothbrauuen >tuschiten, die 211 Aethiopen der elassischen Ueberlieferung, die Seefahrer der ältesten Welt. An den Küsten des glücklichen Arabien, in Afrika, im Lande der heutigen Somali, in Abefsinien nnd in den fruchtbaren ^iiedernngeu der nnbischen Landschaft gri'ludeu sie sich eine nene Heimat, im steten Kampfe mit den Die Moses-Quelle». Stämmen der Negerraee, welche bis nach Assnan hin das obere Nilthal nnd die daranstoßenden Gebiete besetzt hielten. Von den Küsten des südlichen Arabien aus zieht ein kuschitischer Schwärm nach Norden nnd siedelt sich auf kanaanitischer Vrde an den Osträndern des Mittelmeerbeckens an. Sidou, Tyrns, Äyl'los gehören zn deu ältesten Pläbeu, an nielchen die kuschitischen Einwanderer — die Vorfahren der 2?" 212 Phönizier -— ihre Seestatioueu grüudeten. Ein anderer Schwärm gleicher Abstailimuug zog znr See deu persischen Golf hinauf, landete an den Ufern des Enphrat nnd wnrde bald das herrschende Volk in der großen Ebene, welche sich zwischen den Ufern des Enphrat nnd des Tigris ansbreitet. Die älteste Erinnerung dieser Wanderung haftet an dem Namen des großen Jägers Nimrod, eines Sohnes von Kusch, der deu biblischen Nachrichten zufolge auf dem bezeichneten Gebiete ein mächtiges Reich stiftete. Wiedermu sind es kuschitischc Stämme, welche vor dem Jahre 2000 vor unserer Zeitrechnung vou Arabien her plötzlich in die Ostgcgeud des Delta-Landes einbrechen und hier das sogenannte Hyksos-Reich gründen. Während einer Dauer von 500 Iahreu behaupten sie sich unter eigenen Stammkönigen im Delta Lande, driugeu südwärts dem Laufe des Nil folgcud bis Thebeu vor und uutevliegeu erst uach harten Kämpfen mit deu Kleinkönigen egyptischer Herkuuft. Das Museuiu von Vulak besitzt einen wahren Schatz vou Statuen, welche die Anwesenheit der kuschitischeu Herrscher in Egypteu auf das schlagendste beweisen und der Wissenschaft gestatten, an den erhalteueu Porträts die Naceneigenthüm-lichkeit jener knschitischen Eroberer zu studieren. Nach ihrer Vertreibung sah die Landenge vou Suez die egyptischen Heere nach Osten zieheu, um vielhuudcrtjährigcs Zwingjoch zu rächen. Bis uach Babylon nnd Ninive drangen die siegreichen Pharaoneu vor, uuterwarfeu zahlreiche Länder- uud Völkerstämme auf ihrem Zuge uud herrschten über 400 Jahre laug über die größten uud mächtigsten Reiche Vorder-Asieus. Um die Einfälle von Osten her abznwehrcn, wurde der Isthmus von Suez mit Wällen nnd Befestigungen versehen, welche in der Nähe von Pelusium (ostwärts vom heutigen Port-Sa'id) beganueu uud sich bis nach Heliovolis hinzogen. Nnr nüt pharaonischcr Erlaubniß ward es Einwanderern semitischer Naee gestattet, besonders in den Zeiten der Hnngcrsnoth, die Vefestiguugen zu überschreiten nnd in der Nähe der weidereicheu Fluren des Mcuzaleh-See's Nahrung für sich nnd ihre Viehheerdeu zn suchen. Jacob's Einwanderung in Egypteu giebt ein anschauliches Bild für die nothwendigen uffieiellen Vorbereitnngeu zu"eiuer Ansiedelnng in diesen Theileu des DeltaLandes! Mit dem Verfall der pharaonischeu Herrlichkeit bietet die Landenge von Snez das Bild eines vielbewegten Völkerlebens an seinen nördlichen Theilen dar. Einfälle, Angriffe, Schlachten auf Schlachten finden au der äußeren Befestignngsliuie in der Nähe vou Pelusium statt uud fremde Heeresschaareu ziehen den velusischen Nilarm aufwärts bis uach Heliopolis uud der alteu, wohlbefestigten Residenzstadt Memphis. Mit der Versandung der pelnsischen Nilmüuduug durch deu tausendjährigen Anprall der Mittelmeers Strömung vou der syrischeu Küste her, mit der Veruachlässiguug der Canäle nnd Wasserbauten auf der Ostseite des Delta-Gebietes uutcr den trübsten Zeiteu der egyptischen Geschichte, zog sich die Cnltnr aus diesem ehemaligen Garteu Gottes zurück und die vegetationsreichsten Ebenen uud Gefilde wurden in saudige Eiuödcu nnd nufruchtbare Wüsteneien verwandelt. Die Wafsermassen der Nilfluth, welche meist deu pelusischeu Nilarm gefüllt hatteu, warfen sich auf die westliche Seite des Delta nud der sogenauute kanopische Nilarm wllchs zu eiuem mächtigen Strome an. Die in der Nähe seiner Mündungsstelle gegründete Stadt Alexandria riß unter deu Ptolemäeru uud Römern den Weltverkehr au sich nnd erhob sich selbst znm Mittelpunkte, aller geistigen Vewegnugeu auf religiösem, philosophischem uud wissenschaftlichem Gebiete. Ihre alte Bedeutung hat sich iu unseren Zeiteu wcuigsteus für deu Handelsverkehr wieder gehobeu. Weun auch der Durchstich des Isthmus von Suez ihre Lebensader stark untcrbuudcu hat, so ist dennoch die oftmals ausgesprochene Befürchtung unbegründet, daß dereinst Port-Smd die Nolle vou Alexaudricn überuelnueu werde. Jagd auf Gazellen. 215 Die günstige Lage der letzteren Stadt nach Westen zn, welche cine liirzere Verbindung mit dcn enropäischen Hafenstädten gestattet als Port Said, in nnlnittelbarster ^iähe des gegenwärtigen Eilltlir-gebietes llilter Egyptens, ihre Wasserstraßen nnd Eisenbahnlinien, ihre mit bedeutenden Kosten gegründeten Comptoirs und Handlungshänser nnd ganz allgemein ihr Lebenseomfort lassen trotz aller SchN'ierigteiten der Einfahrt in den Haftn Alexandrien als die einzige lind bedeutendste Handelsstadt Egyptens fiir alle Znkuuft erscheiilen. Port-Sa'id würde nnr dann eine ähnliche Vedeutnng geioinnen, wenn der naheliegende vordem asiatische Continent mit Enropa in eine Handelseonenrrenz einträte, eine Ail^sichl, die indes; in sehr weiter Ferne liegt. Die Landenge von Snez hat historisch ansgelebt. Ihre geschichtliche Bedentnng liegt in der Vergangenheit, deren letzte Spnren der Sand der Wüste wie mit einen: (Grabhügel bedeckt hat. Eine Fahrt dnrch den maritimen Canal bietet kein besonderes Interesse dar. Dic markirten Kiloiueter-Nnnlmern anf seiner gangen Strecke von Port Smd bis nach Snez hin passen vollständig zn dein Charakter der N>iiste, welche die blane Wasserlinie dilrchschneidet. Die einzige mit dem älteren Namen .Nantara^ebchazne, d. h. „die Schatzbri'icke" belegte Stelle im Norden des Dattel-See's verdient eine besondere Erwähnnng. Sie bezeichnet die Uebcrgangsstelle der Caravanen von Egypten anf asiatisches Gebiet. In den ältesten Zeiten der egyptischen Geschichte stand an derselben Stätte ein stark befestigter Platz, welcher zn beiden Seiten des Canales lag, der den Dattel-See mit dem Menzaleh-See in Verbindnng sehte. Eine Brücke führte von der einen Seite nach der anderen hinüber, wie ei»e Moildung ans den Zeiten des Königs Seti I. (Vaters Namses' II. Sesostris) an der nördlichen Anßenmanev des großen Amon Tempels von Karnat es dentlich erkennen läßt. Von diesem Pnnkte ans begann die ostwärts davon gelegene Region, welche die alten Egypter mit dein Namen Hazian oder Hazion belegten. Die Griechen bildeten denselben Namen zn Casion, die Römer zn Casinm nm, wo>nit sie znnächst den in der Nähe des alten (jetzt versnmpften) Sirbonis-See's gelegenen gebirgigen Theil der Wüste bezeichneten, der sich in einer Art von Vorsvrnng in das Mittelmeer hineinzieht. Hier stand ein besonderes Heiligthnm, welches der Schnhgottheit der Gegend, dem Zens Casins, geweiht war. Die Araber ihrerseits geben der alten Venennnng „Hasion" eine sinnreiche Umwandlnng zn „Chazne", d. i. „Schatz", die sich in der oben erwähnten Ortsbezeichnnng „.tt'antara el chazne" oder „Schatzbrücke" erhalten hat. Znm Echlnsse noch die Vemerknng, daß die alte „Straße der Philister", wie sie in der heiligen Schrift heißt, anf welcher die Heere der Pharaonen (nnd der fremden Eroberer) nach Palästina von >lantara ans zogen, zwischen dem Mittelmeer nnd dem Sirbonis-See gelegen war, während in den späteren nnd neuerm Zeiten dem Wüsten- oder Earavanm Wege im Süden des erwähnten See's der Vorzng gegeben wird." Von den geistreichen Bemerknngen des besten Kenners der alten egyptischen Geschichte müssen wir mm znr Echildernng der Reise zurückkehren. Ein französischer Eanal Dampfer brachte nns über den Spiegel des herrlich blangrünen Rothen Meeres nach dem arabischen lifer. All der den Moses Qnellen Nächstliegenden Stelle des Gestades wnrde angehalten nnd gar bald trabte die ganze Reisegesellschaft vergnügt anf kleinen Eselein dnrch die Wüste. Znm ersten Male hatten wir asiatischen Boden betreten lind in feierlicher Stimmung begrüßten wir den herrlichsten aller Welttheile. 216 Die arabische Wi'lste ist in ihrem Charakter von der afrikanischen ganz verschieden; an die Stelle der röthlichgelbeu Farben tritt cm blendend Weiß, nlir hie und da nuterbrochen von kleinen Gesträuchen. Die Moses Quellen, loelche wir nach halbstündigen! Nitt erreicht hatten, sind eine echte, aber nngemein kleiue Oase; nm die ans trichterförmigen Löchern hervorsprudelnden Quellen blüht ein üppiger Garten; Palmen und Gesträuche, hohes Gras uud breitblättrige Pflanzen erfreuen das Ange. Einige Hütten dicncu als Wohnung armen Veduiuen. Außer einigen Schwalben bemerkte ich von der Thicrwclt nnr Eidechsen und die blattdünuen, farbenwechselnden Chamäleons in unglaublicher Menge. Fährten von Hyänen, Wölfen nnd Schakalen bewiesen, daß des Nachts die Raubthiere daselbst zur Tränke kommen. Die Beduiuen, die wir da fanden, waren in elende Lumpen gehüllt; ihre primitiven Fenersteiw gewehre hatten lange Stricke umwickelt, die angezündet wnrden nnd nun so lange brannten, bis sie mit der Pnlverpfanue in Berührung kameu; durch mehrere Miuuteu mnßten daher die armen Schützen iu Erwartung des erfreulichen Ereignisses bleiben. Wir ließen sie vor nns mit diesen aller Beschreibung spottenden Instrnmeutcn schießen. In ihrem Aeußeren waren jene Lente vom echten Veduinen-Typns sehr verschieden; sie erschienen mir wie dnnkle Indcn; Gestalt, Gesichtsansdruck nnd Benehmen waren ganz nnd gar israelitisch und unwillkürlich gedachte man der nach den Wüsten Arabiens verstoßenen Nachkommen der Hagar, der zn räuberischen Jägern gewordenen Ismaelitcn. Iu deu in sagenhafte Forin gehüllten Ueberliefernugeu der urältesteu morgeuländischen Geschichte liegt ein wahrer Kern nnd eine hohe Bedeutung. Von einem Wüsteuhügel nahe der Quellen genossen wir eine herrliche Ferusicht über die blendend weiße arabische Wüste, mit ihren steinigen Nucken und Thälern, in südlicher Richtung nach den sich hoch anfthürmendcn Vorbergeu der Siual-Gruppe uud im Westen auf das Rothe Meer uud die afrikanischen Ataka Gebirge. Schwere Wolken hieugeu am Himmel nnd verliehen dein ohnedies so düsteren Bilde einen noch ernsteren Anstrich. Nach knrzeni Anfenthalt znr Küste zurückgekehrt, suchten wir dnrch einige Zeit Muscheln an den saudigeu Gestaden. Das Rothe Meer ist wegen seines Reichthums an Conchilien berühmt nnd so fanden wir anch in: Verlauf weniger Minuten eine uuglaubliche Menge schöner Exemplare. Da die Zeit drängte, mnßten wir bald ans den Dampfer zurück nnd fuhreu an Suez vorbei in den Canal hinein. Hier, wie überall rechts nnd links die trostlosen Canal Dämme, nnd nur hie uud da ein Blick uach der traurigen Wüste. Deu Suez Caual zu schildern, ist eine wenig lohnende Arbeit uud so ziehe ich es vor, an dieser Stelle abermals Brngsch sprechen zn lassen, der es versteht, dnrch historische Erinnerungen das Bild der düsteren Landschaft zn würzen. „Der Vesnch der uralten Völkerbrücke, welche Afrika von Asien scheidet, lohut iu keiucr Weise durch die Emdrücke landschaftlicher Schönheiten, welche in wechselvollen Bildern au dem Auge vorüberziehen nnd den Wanderer zu längerem Halt einladen. Im Gegentheil ergreift die Seele ein banges Gefühl bei dem Anblick der vegetationsleeren, von Sanddnnen erfüllten Wüste, ans deren Mitte roth-branu schimmernde Gebirge »nassen emportanchen, deren zackige, zerissene nnd zerklüftete Linien sich scharf an dem blanen Aether abscheiden. Nur der Lichtglanz nnd die durchsichtigem, uucndlich zarten Farben, welche die morgenländische Sonne über die Laudschafteu ausgießt, verleihen anch der Wüste jenen 217 poetischen Reiz, der die Seele zur Nnhe stimmt llnd in ein nnbewnßtes tränlnerisches Sinllen nnd Denken versenkt. Das Meer von Licht nnd Farbe, welches seine Wellen über den Boden der Wüste schläft nnd Ange nnd Seele entzückt, es entschädigt reichlich für den Mangel dcr bnnten Kinder des Frühlings, welche der Lichtwelt die, unbeschränkte Herrschaft über den Buden der Wüste überlassen nnd sich bescheiden nach der schwarzen Erde an den Ufern des Nilstromes zurückgezogen haben. Mit Necht ist bereits von den Schriftstellern des Alterthums Egypten als ein Geschenk des mächtigen Flnsses bezeichnet wurden. Die geologischen Untersnchnnge» der modernen Wissenschaft haben diese Ansicht mir bestätigen können. Nachdem der Nil vom Süden her strömend die Granit- nud Sandstcinregionen in seinem Ober-lanfe durchbrochen nnd an den schwierigsten Stellen die Wasserfalle der Katarakten geschaffen hatte, trat er in daö Gebiet der Kässtein-Formation ein nnd bahnte sich den Weg znm Meere in Gestalt jener langen Ninne, welche hentzntage das eigentliche Nilthal bildet, Nördlich von Kairo breitete sich das Meer in Gestalt eines weiten Busens ans, dessen linke westliche Seite die Ränder der libyschen Wüste, dessen rechte Seite die Ränder der arabischen Wüste einfaßten. Die geologischen Untersuchungen, gestützt auf die vorzeitlichen Neste animalischen nud vegetabilischen Lebens, welche bei dem Dnrchstich des Canales von Suez im Boden der Wüste anfgedeckt wurden, haben zngleich die nntrüglichsten Beweise geliefert, daß anch die Landenge von Snez in der Vorzeit die Verbindung zweier Meere darstellte. Von Norden her bespülten die Wellen des Mittelmeercs die Ränder eines ansgewaschenen natürlichen Canales, von Süden her dnrchbrachen die Wogen des Rothen Meeres das tiefliegende Gebiet der arabischen Wüste nnd vereinigten sich mit den anstürmenden Gewässern der nördlichen See. Anf einer Strecke von 11.^ Kilometern trennten beide Meere Asien uon Afrika, Im Lanfe der Zeiten erzengte der Anprall beider Meere nothwendigerweise einen Niederschlag der von ihnen fortgerissenen Sandmassen, es bildete sich allmälig eine Barre, die zn einer trennende» Düne anwuchs »md znletzt einen »nächtigen Damm bildete. Es ist derselbe, welcher, etwa in der Mitte des Isthmns gelegen, doch mehr nach Norden zn, hentzntage sich im Mittel an 16 Meter erhebt nnd nnter dem Namen „El-Gisr", d. h. der Damm, die Schwelle, bekannt ist. Diese Schwelle, der höchste Pnnkt auf der beschriebenen Strecke, stellte somit die einzige Brücke dar, auf welcher zn Lande der Isthmus überschritten werden konnte. Wir müssen voraussetzen, daß gleichzeitig die Delta-Ansfi'illnng ihren Anfang nahm. Die abgesetzten Schlammmassen der periodisch wiederkehrenden Nilflnthen gaben zunächst Veranlassung znr Bildnng des oberegyvtischen Frnchtbodens; sie lagerten sich in ähnlicher Weise in dem weiten Wasserbecken zwischen der libyschen nnd arabischen Wüste ab, dehnte» sich bis zn den gegenwärtigen Nordrändern ans nnd es entstand als Geschenk des Nil im wahrsten Sinne des Wortes das nnteregyptische Delta-Gebiet, dnrch welches die segenbringenden Wasser des Stromes in drei Hauptarmen nnd fünf Nebenarmen ihren Weg znm Mittelmeere nahmen. Die Gegenströmung des letztgenannten von der syrischen Küste her ließ es an der östlichen Seite der Delta-Küste zu keiner festen Bodengestaltnng kommen, das andrängende Meer vermischte sich mit den Mnndungsflnthen des Nil nnd es entstanden jene inselreichen seichten nnd breiten Wasserbecken, welche sich von Damiette an bis nach Port-Sa'id hinziehen nnd gegenwärtig die gemeinsame Benennung des Menzaleh See's führen. Seine Gewässer stehen oder vielmehr standen an der südöstlichen Ecke desselben in Verbindung mit dem sogenannten „Dattel See" (Birket el ballah), in: Süden davon in derselben Richtnng folgte die Schwelle El-Gisr, von der soeben die Rede war. Die Wasser des Rothen Meeres erfüllten die darauf folgenden Bassins des Krokodil-See's (Birket-el-timsah) nnd der Bitterseen, welche 28 218 durch dm Canalstreifen des „Krokodilschwanzes" init dem Golf von Snez in nnnlittelbarer Verbindung standen. Es kanit nicht Wlluder liehmeu, weuu bereits in dcn frühereu Zeiten dcs egyptischeil Alter-thnnts jene zwischeu zwei Meereil und in der Mho dcs Nil gelegellen Scebecken dell Gedanken erweckteil, die Seen dnrch einen Canal nut dem Strome zu verbinden nnd somit indirect cincn Zilsammeuhaug zwischen dein Mittelmerie nnd dem Nöthen Meere herzustellen. Den classischen Ueberlieferungen zufolge war Namses U. mit dem Veiuameu Sesostris (Sestura der Denkmäler) der erste König, welcher dnrch einen von dem pclusischeu Nilarme ausgehenden Canal die fahrbare Wasserstraße nach dem Krokodil See herstellte. Sie durchzog die natürliche Bodensenkung des sogenannten Wädi Tümilat. Nuiueu von nntergcgangeuen Städten nud Denkmälern, welche den Namen des erwähnten Königs tragen, stellen das Vorhandensein des Namses-Canales anßer allen Zweifel. In den späteren Zeiten scheint der Canal verfallen nnd versiegt zn sein, denn gegen l>00 vor Chr. Geb. faßte König Necho den Plan, die Verbindung zwischen dem Nil lind dem Nothell Mcere herzustellen, gab aber das Nuternehmen (bei dem 120.000 arbeitende Cgypter zu Grunde giengen) wieder anf, als ihm ein Orakel die Warnung ertheilte, er arbeite unr für die Barbaren, d. h. für die Allsländer. Die Persertönige Kainbyses nnd Darins l., hnndcrt Jahre nach Necho's Zeit, schrecktcu weniger vor eiuer folchen Warnung zurück uud führtcil die Verbindnng zwischeu dem Nil uud deul Nöthen Meere vollständig aus. Die Spuren des von ihnen angelegten Canales sind bei dem Durchstich der Landenge in nnseren Tagen wieder anfgefnnden worden nnd die ill der Nähe desselben entdeckten Trümmer von Denkmälern init persischen Schriftzügeu markireu drei Hanptstatiouen an der langen Wasserlinie, welche von dem Krokodil-See nach dem Golf von Snez führte. Eine weitere Ausdehnung wurde dem Caualsystem und der Herrschaft der Ptolemäer-Fürsteu zn Theil. Von der Stadt Phakusa (heutzutage Fakns) ans, gieng ein Seiteneaual des pelnsischen Nilarmes in den Meuzaleh See, von diesem alls gelangte man in deu Dattel-See, der seiuerscits mit deiu Krokodil-See uud deu Bittcrseen in Verbindung gesetzt wnrde. In dieser Weise war das Mittetmeer utit dem Notheu Meere in der kürzesten Ansdehnnng verbunden nnd ein maritimer Weg geschaffen, der sich für den damaligen Welthandel von größter Bedeutung gestaltete, llutcr den Nömern gerieth anch diese Anlage in Verfall und erst Amrn, der bekannte General des Chalifen Omar, ließ es sich angelegen sein, den alten Seeweg wieder herzu^ stellen und Kairo dnrch einen Canal mit Snez in Verbindung zu setzen. Bereits im achten Ilihrhnndcrte uuserer Zeitrechnung war auch dieser Caual uicht mehr schiffbar uud erst Leibnitz wies im Jahre 1671 in einem Entwürfe, welchen er Lndwig XlV. von Frankreich unterbreitete, anf die Wichtigkeit und die Nothwendigkeit einer Canalverbindnug zwischen den beiden Meeren hin. Sein Vorschlag blieb unberücksichtigt. Als General Bonaparte seinen berühmten Zug uach Cgyptcn uuteruahm, eutgieug ihm die Bedeutung einer directen Verbindnng der beiden Meere keineswegs. Die Ansfiihrnug derselben scheiterte an einer irrt hü m lichen Bcrechnnng dcs Ingeuieurs Lepere, nach welcher das Niveau des Nöthen Meeres !»'W8 Meter höher liegeu sollte, als das des Mittelmeeres. Damit schielt die Möglichkeit einer directen Vcrbindnng eill für allemal in Frage gestellt zu sein, bis endlich in den Vierziger Jahren unseres Jahrhunderts durch genaue Messuugeu der grobe Fehler iu deu Berechnungen Lepere's festgestellt wurde. Nachdem Lesseps alls dell Händen des Vicekömgs Sa'i'd-Pascha das Coneesswusducumcut zum Durchstich des Isthmus empfangen hatte, wurde im April des Jahres l8l>8 die schwierige Arbeit 219 begonnen nnd am 16. November 1869 dic Eröffnung des maritimen Canales mit verschwenderischer Pracht gefeiert. Die Kosten seiner Herstellnng betrngen !<) Millionen Pfnnd Sterling. Die Vorbedingung für die Anlage des Canales war die Schöpfung eines Süßwasser Canales, welcher die Arbeiter nnd später anch den Hafcnplatz Snez mit trinkbarem Wasser verschen tonnte. In der Nahe von Kasr en^Nil wnrdc er vom Nil ans in geradliniger Nichtnng anf Heliopolis zn gezogen, dann in nordöstlicher Nichtnng weitergeführt, hieranf dasWadi-Tmnilät durchschnitten nnd endlich die westliche Seite des Krokodil-Sec's nnd der Bitterseen bis nach Suez hin als Direction des Canales gewählt." Schließen wir nun mit den interessanten Notizen, die mir mein Frennd in Form eines Briefes zugeschickt, nm anf den Canal an Vord des französischen Dampfers zurückzukehren. Die Vittersreu waren bald erreicht; sie allein bieten gewisse unleugbare landschaftliche Reize; der Contrast der dunkelblauen Fluthen zn den blendend weißen Wüstcngebieteu fesselt die Anfmertsamt'eit des Wanderers. In der schmalen Canalstrecke zwischen den Bitter- nnd Timsah-Seen bemerkten wir einen knapp am Ufer nach Mnscheln snchenden Schakal, dem einige, leider erfolglose Schüsse nachgesendet wnrden. Am tiefblanen Timsah-See genossen wir den herrlichen Anblick eines effectvollen, echt afrikanischen Sounennnterganges. Die Hänser von Ismanlia tanchten in nördlicher Richtung an den sandigen Gestaden anf nnd nach kurzer Fahrt legte der Dampfer an der Landnngsbrücke der großen französischen Suez^ Canal-Station an. Herr von Lesseps, der berühmte Schöpfer nnd Gründer dieses zwei Meere verbindenden Riesenwerkes, sein Sohn nnd mehrere Beamte der französischen Gesellschaft erwarteten nns da. Ich war froh, die Bekanntschaft des noch rüstigen, in steter Arbeit nnbengsamen Greises inachen zn können. Zn Wagen gelangten wir in sein reizend inmitten eines kleinen Gartens liegendes Landhans. Dort empfieng nns seine wunderschöne Schwiegertochter, eine geborene Kairenser Griechin ans der reichen Familie Sinadiuo; ihr Bruder, ein angenehmer junger Mann nnd eine englische Dame waren ebenfalls anwesend. Bald nach unserer Anknnft wnrdc gespeist nnd hieranf der Abcnd in gesellig heiteren: Verkehr zugebracht. Des anderen Morgens in sehr früher Stnnde brachen wir alle, den alten Lesseps an der Spitze, vom Landhanse anf, giengen znr Bahn nnd fnhren eine kurze Strecke in der Richtung gegen Kairo bis znr Station Maksama. Daselbst wurde gehalten nnd mit vieler Mühe barkirte mau die vieleu Reitpferde ans dem nämlichen Zuge ans. Die übermüthigen Hengste wieherten nnd sprangen wild umher nnd viel Zeit gieng mit den Vorbereitungen znr Jagd verloren. In der Nähe der Station hatte ein Stamm Jagd Beduinen sein Zeltlager aufgeschlagen nnd bei nnserer Anknnft verließen die herrlichen Gestalten ihren Ruheplatz. Sie erschienen auf Hengsten und Kmneelen, der Schech vorans, eine wunderschöne Fnchsstutc rciteud. Herr von Lesseps war so frenndlich gewesen, diesen bekannten, jagdknndigen Stamm in die Umgebnng Ismiuilia's zn laden, daunt nus der herrliche Aublick einer Beduiuenjagd anf Gazellen geboten werde. Der Ritt dnrch die Wüste gestaltete sich in der That sehr malerisch. Voran war der Schech in blendendweißem Bnrnnß, schönem Sattelzeng, eineu krummen Säbel nm die Hüften geschnallt; anf feiner Hand stand am dicken Lederhandschnb ein edler Jagdfalke, die bunte Kappe am Kopf. 23* 220 Zu Fuß, zu Pferd nnd zu Kamecl folgte der Troß der übrigell Veduiueii, mit langen Gewehren, Säbeln nnd Dolchen bewaffnet: alle in weiße, fliegende Gewänder gehüllt; branne, martialische Gestalten mit ausdrucksvollen Gesichtszngen; einige asiatische, anffallend große, langhaarige Windhunde begleiteten ihre Herren, deßgleichen lmirden inehrere jnnge, noch nicht der Hand des Schech's lviirdige Falteil nachgetragen. Der Staunn, mit dem wir nnn dnrch die Wüste in der Nähe der Eisenbahn streiften, treibt sich seit einiger Zeit in Afrika hernm; seine eigentliche Heimat ist aber Arabien, was man anch dentlich an dem edlen Schlag der Pferde lind der reicheren Bewaffnung nnd Kleidung der ^ente erkennen konnte. In eine lange ^inie anfgelöst, ritten wir über den sandigen Boden durch die Hügel nnd Thaler iX'r Wüste; Gazellen hätteu aufgejagt werdeil sollen nnd selbst mit einem Wüstenhasen wäre man zufrieden gewefen. Durch mehr als zwei Stnnden blieb jeder Persuch erfolglos. Die Nedninen begannen nngeduldig vorznsprengen, nm einen weiteren Raum zn durchsuchen; einer derselben jagte plötzlich ans einem dichten Gestränch eine Gazelle anf; in wilder Unordnung eilte alles nach, die Hnnde wnrden gelöst nnd da die vertheilten Reiter von allen Seiten kamen, einige dem flüchtigen Thier sogar entgegcnsprengten, wußte dasselbe nicht mehr, wohni es fliehen solle nnd lief zwischen den vielen Pferden erschreckt umher. Ein Vednine machte der Jagd ein rasches Ende; im gestreckten Galopp sandte er der in unregelmäßigen Sprüngen dahineilenden Gazelle eine Kngel nach, die das Thier im Feuer zn Boden streckte. Nnn sollte noch ein Versuch auf Wüstenhasen unternommen werden, doch da die Hitze groß und die Aussichten gering waren, trat man den Rückweg gegen die Eisenbahnstation an. Um anch die Knnst der Falken zn zeigen, lies; der Schech seinen edlen Iagdgenossen nach einer Taube los, die wenige Seennden darauf, vom tödtlichen Krallenhieb getroffen, zur Erde sank. Die Stationsgebäude waren bald erreicht, wo im Waggon ein frugales Frühstück eingenommen wurde; nach demselben fnhr ein Theil der Gesellschaft nach Ismaiilia zurück, während ich und einige der Herren anf einer Dampf Mönche eine knrze Fahrt am Süßwasser-Eanal unternahmen. Vei einem alten, halbverfallelien Hanfe wnrde gehalten nnd über Sanddünen nach einem schmalen Sumpfe gegangen, der sich, von der Wüste eng begrenzt, parallel vom Canal bis znm Krokodil Tee, nnweit Ismaiilia, dahinzieht. Einer der französischen Herren, ein allgenehmer, sehr passionirter Jäger, führte nns in dieses Jagdrevier, in dem er sehr hänfig dem edlen Waidwerk obliegt. In: ersten Moorgrnnd fanden wir gleich eine Menge der schönen, echt afrikanischen, für nns noch neuen Gold-Rallen uud erlegten im Zeitranm weniger Minnten eine bedentende Zahl derselben. In den wasserreicheren Stellen gab es viele Beeassineu, mehrere Gattungen Sumpf nnd Wasser läufer, sowie anch Enten und Spornkiebitze; im hohen Grase wnrden Wachteln anfgejagt. Interessant waren große Hellschrecken, das größte, was ich noch je in dieser Art gesehen habe;' diese Thiere flogen mit lautem Gesumme scholl weit vor dem Menschen anf nnd nm eine derselben in der Nähe betrachten zn können, mnßte ich das schene Insect wie eine Wachtel herunterschießen; fürwahr ein eigenthümliches Wild. In das von heißem Wüstensand eingeschlossene Thal brannte die Sonne glühend herab, im sumpfigen Boden mephitische Atmosphären erzengend. Nach mehrstündiger anstrengender Jagd kehrten wir mit Bellte reich beladen znm Eüßwasser-Eanal znrück, wo abermals die Dampf Mouche bestiegen wnrde, 221 welche uns rasch nach Isimnilia brachte. Bald nach unserer Rückkehr wurde anf Wunsch Herrn von Lesseps' statt im Hause au Bord eines französische»! Dampfers ein Diner eingenommen und darauf ziemlich früh znr Ruhe gegangen. Am folgenden Morgen besnchten lvir alle die kleine, aber recht hübsche Kirche, wo ein Franziskaner für die ganze französische Colouie eine Messe las. Hieraus führte uns Lesseps dnrch die Gasseu uud '.'lusrttl zur F,>>!>'N)>)gd, Gärten der echt französischen Stadt. Mit Wohlgefallen zeigte der alte Herr sein Werk, das er einst aus der anscheinend unfruchtbaren Wüste hervorgezaubert hatte. Die Zeit der Abreise war gekommen; am Landungsplätze uahuieu wir Abschied vou Herrn vou Lesseps uud Herrn Zimmermann, dem wir anf allen nnferen Viseubahnfahrte» iu Egypteu viel zu verdauten hatten, nnd fetzten nns, vom jungen Lesseps, seiner Gemahlin nnd einigen audereu 222 französischen Herreu begleitet, in Bewegung. Die Neise verlief ziemlich rasch und die trostlosen Gegenden wnrden durch eifriges Gespräch unschädlich gemacht. Eiliige Möven nnd einen Aasgeier erlegte ich vom Verdeck des Schiffes aus. An den seichten Stellen des Menzaleh See's standen Tausende von Pclekaneu und Flamingo's, im Glanz der Sonne röthlich schimmernd. In Port-Said veranstaltete die österreichisch ungarische Colonie einen glänzenden Empfang. Von reich geschmückten Dampfern uud Vooteu umgeben, fnhren wir zur Stelle, 100 unsere Miramar lag: nach wenigen Minnteu ivareu wir wieder ans Bord uuseres guten Schiffes; von den Kläugeu der Volkshymue begrüßt, standen wir abermals auf einem Stück vaterländischen Bodens. Port-Smd ist eine vollkommen europäische Stadt; die großartigen Hafen^ nud Canalbanleu, die Schiffswerften, Bauplätze, Werkstätteu uud vor allem die Fahrzeuge, besonders die Indieufahrer, verleihen dem ganzen Bilde den uuverfälscht abendländischen Typus. In deu späteren Nachmittagsstnuden gaben wir anf der Miramar ein Diner, zu dem Abd-el-Kader-Pascha und die französischen Herren geladen wnrden; als es zu dunkeln begann, inscemrten die hier weileudeu Landslentc eine reizende Hafeubeleuchtung nud Fresko^ Fahrt. Viele hell erleuchtete Boote mit Musikbanden nmgaukelten unser Schiff und ein hübsches Feuerwerk wurde am Lande abgebrannt. Bald kam die Stunde des Abschiedes. Unsere Gäste verließen die Miramar, auch Abd el Kader Pascha; wir alle hatteu ihn schätzen nnd achten gelernt, er war lins ein trener Reisebegleiter nnd wahrer Freund! Langsam sehte sich die Miramar in Bewegung. Herrliche, unvergeßliche Tage hatteu wir in Afrika dnrehlebt, großartige Eindrücke nahmen wir mit vom schwarzen Erdtheil, vom farbenprächtige!! EgyPten, vom vieltansendjähngen Friedhof einer uralten uutergegaugeuen Cnltur. VII. Capitel. l'^isc nach Znssa. Aulumfj in Fassn. Ri« dig Liilru». Hüriselzung diö Iccilsalonl. Ziuei Tnyo in 3crusn!c>n. ^^M,„ >:f hoher See begrüßte lins der Morgen des 28. März. Noch kein Land in Sicht? war die Ml i'? ^^ gestellte Frage, und mit Sehnsucht erwarteten wir die aus den Wogen emvortanchenden Contonren Asien's. Endlich in den Vormittagsstunden erschienen die in bläuliche Dünste '">M^ gehüllten Höhenziige des jndäischen Gebirges, bald darauf der gelbe Strand nnd der Hügel > mit der staffelförmig, festnngsartig sich aufbauenden Stadt Jaffa. Anf den ersten Blick sieht das Land kahl nnd öde ans, gelbe Dünen nnd graue Gebirge erfreuen keineswegs das Ange; wenn das Schiff sich aber der alten, in großer historischer Vergangenheit ergrauten Stadt nähert, bemerkt man den herrlich grünen Kranz waldähnlicher Gärten, in deren Mitte Jaffa liegt. Da kein Hafen für größere Schiffe besteht, mußten wir eine Viertelstnnde weit vor dem berüchtigten Felsenkran.^, der die Stadt nmgiebt, vor Anker gehen. Vald daranf langten der Gouverneur, sein Secretär nnd der TivisionsGeneral General Adjntant Rizah Pascha, den der Snltan so freundlich war, eigens ans Constantinopel zn senden nnd nns für die ganze Reise im gelobten Lande zuzutheilen, auf Bord der Miramar an. Die hohen Würdenträger hatten einen vom egyvtischen sehr abweichenden Typns. Die Gesichtsfarbe lichter, breitere Züge nnd 224 mit einem Wort den mehr türkischen Eharakter. Nach kurzer Zeit sollten wir sehen, wie sehr dieses Land in jeder Beziehung sich von Egypten unterscheidet. Rizah-Pascha, ein angenehmer, gebildeter Mann, in dessen (Gesellschaft wir von mm an eine Reihe interessanter Tage verlebten, übergab mir ein Schreiben des Snltans. Der Grußherr war von alisnehmender Liebenswürdigkeit für nns, nnd die ganze Reise hindnrch blieben wir seine Gäste. Diesen freundlichen Gesinnungen verdanken wir eine herrliche Earavane, famose Zeltlager nnd viele Erleichterungen der beschwerlichen Expeditionen, die mm folgen sollten. Nach kurzer Begrüßung fnhren die türkischen Herren wieder an das Lano znrück, lim ihre Parade-Pascha-Uniformen abznlegen und uoch einige Vorbereitungen zn treffen. Anch ivir ließen nns bald nach Jaffa hinüberrudern, doch nicht wie sonst in nnseren Booten, sondern nach der Negel, die hier an dieser tückischen Küste herrscht, in den breiten, ziemlich flachen, von Eingebornen geführten Fahrzeugen. Ein geschickter Lootse saß am Stener nnd kräftige Rnderschläge seiner Lente brachten uns rasch vou der Miramar hinweg. Wir sollten sie abermals für lange Zeit nicht sehen. Während unserer Reise im Lande mnßte das Schiff den nächsten gnten Hafen, Beirnth, aufsuchen. Zwei der Marine Offieiere, Graf Ehorinsky nnd SchiffsLieutenaut Sachs, begleiteten nns nach dein gelobten Lande. Bald hatten wir den Kranz der gefürchteten nnd berüchtigten Felsenriffe erreicht. Wenn das Boot durch die enge Gasse zwischen zwei zackigen Felsblöcken hiudnrchgleitet, kann man sich leicht eine Vorstellnng von der llngeinüthlichkeit dieser Sitnation im Falle schweren Wetters und schäumender Brandnng machen. Wir hatten spiegelglatte See nnd anstandslos fnhren wir an die Stiege des engen, nnr für Barken berechneten Hafens von Jaffa. Ein nenes Land, ein vollkommen verschiedener Typus, echt morgenländisch, sogar echter und farbenreicher als in Egypten, begrüßte nils. Alles schien mir nen. Der reine, wahre asiatische Orient trat mir znm ersten Male entgegen. Die Stadt ist an einem Hügel staffelförmig anfgebant; die untersten Hänser werden so wie die zwischen denselben herantragenden Felsen von den Wogen bespült. Die ans Lehm erbanten arabischen Stadttheile sind verschwunden, das zerbröckelnde Winkelwerk der Nilstädte, die branne Erdfarbe der Wände, die flachen Dächer, wir haben sie in Afrika zurückgelassen. Die Steinbauten des reichen asiatischen Orients mit seiner alten Geschichte, arg vermengt mit echt hebräischen Neminiseenzen des gelobten Landes, erscheinen nns in Form fester Gebände mit ruudeu Knppeln auf den Dächern, flachen Terrassen, ernsten, gewölbten Thoren; alles in grau-weißeu Quadersteinen, ohne Mörtel nnd Anstrich erbant. Der erste Schritt anf den: Boden des gelobten Landes ruft m deu Städteu die Eriuneruugen an die geordnete Macht des Indenreiches, an den weifen König Salomo, oder anch an die Tage, wo Jesus inmitten seiner Apostel auf den steinernen Stnfen der Hanptplätze predigend faß, lebhaft ins Gedächtnis;, lind am Lande ziehen die Bilder am geistigen Ange vorüber, die nns in Kindesjahren beim Ttndium der heiligen Schrift nmgailkelten. Abraham der Patriarch, der Nomaden-König, reich an Heerden, edlen Rossen, schönen Zelten lllid üppigen Weibern, der sinnige Greis und Gelehrte, der Weise in mystischen Sprüchen, doch voll Lebensweisheit redend, der Stammvater eines edlen Volkes, er konnte nnr im Morgenlande, nur in diesen Gegenden hausen. Zeiteu haben sich geändert, Religionen in den Formen anch; ans den vielen Ankunft in Jaffa. 227 im Wesen gleichen, ill don Hauptgedanken ähnlichen, nllr im Ritus verschiedeneil Glanbensbekenntnissen und Götter Culten des morgenländischen Alterthnms hat sich nur eine rein erhalten, es ist die hebräische, die Lehre des alten Iehova, seines Propheten Moises; doch das Volk, das anscrwählte Volk der Juden, es hat Heimat nnd Staatsgewalt verloren, nnd der ewige Inde ist unsterblich, immer Typns und Glauben unverfälscht erhaltend, in alle Länder der Erde vertheilt. Unbewnßt rächt cr sich dnrch sein Wesen, bewnßt vertritt er eine gewisse Macht, die ihm der scharfe Geist des Morgenländers verleiht. Das Abendland hat ihnen alles genommen, sie über die Erde zerstreut, doch ihr Weseu auszumerzen war es nicht im Stande; nnd so lebt das alte vielgeprüfte Volk uoch hente uud hat Anspruch ans die nnlengbare Gerechtigkeit der Weltgeschichte. Ans dem an Weisheit reichen Glanben der Hebräer entstand das Christenthum; nnr ein Land wie Palästina, der Orient allem konnte die Lehren Christi hervorbringen, in vielen Sätzen uen, in Entstehnng nnd Wesen aber die Fortsetzung der altcu morgenläudischeu Religionen. Im heutigen, ins Abendländische übersetzten Christenthum sind Hauptgedanken nnd die Geburtsstätte doch immer der Orient. Am reinsten nnd unverfälschtesten in Sitte nnd Wesen haben sich die alten morgenläudischen semitischen Religionen im Islam erhalten. Aus ihnen hervorgegangen, als ihre Fortsetzung für dieselben Völker bestimmt, erlangte er Macht in jenen Landcu, breitete sich selbst über Stämme einer ganz verschiedenen Raee aus nnd erhielt durch seine Glaubenssätze und sein Wesen das Morgenland immer anf der gleichen Stnfc. Der alte Abraham ist nicht ausgestorbeu; die fleißigen, gewinnsüchtigen Hebräer des Alterthums leben anch noch in den Städten; die Araber, ihre Brüder, nnd alle in der Heimat gebliebenen semitischen Stämme setzen das Alterthum fort. Und in den Steppen längs des Jordan hanst Schech Ali mit seinen Tausenden von Reitern, frei uud nngebnnden. Hcerden, Nosse, Weiber sind der Neichthnm, Weisheit nnd die Bücher des Glanbcns seine Macht, ein Volk für sich, ein greiser NomadenMmig an ihrer Spitze, ebenso wie jene, von denen die heilige Schrift spricht. Im Morgenlande stirbt nichts ans und die fieberhaften Umwälzungen des Abendlandes gehen spnrlos vorüber, alles bleibt sich gleich und wird es bleiben, so lange die alte Sonne purpnrroth über den kahlen Bergen, den gelben Wüsten nnd grünen Steppen des Orients alltäglich anfgehl, das herrliche Land, die Wiege des Menschengeschlechtes vergoldend. Der Leser verzeihe diese Abschweifung, doch das sind die Gedanken, welche sich anfdrängen beim ersten Schritt anf den Boden des gelobteu Landes. Ein hübscher Anblick bot sich uns beim Anlegen an der Hafenstiege dar; alle flachen Terrassen nnd Treppen, sowie anch die engen Fenster waren dicht mit Menschen besetzt. Die Costüme sind viel farbenreicher nnd interessanter als in Cgypten; der kleinasiatische Charakter, sowie anch oft der türkische, ja sogar der althebräische machen sich geltend. Das blanc Fellachen-Hemd nnd die braune Kappe sieht man in den Gassen ebensowenig als den einfachen weißen Bnrnnß, deßgleichen wird man keinem spärlich oder fast gar nicht gekleideten Menschen, wie dies ja so oft in Egypten der Fall ist, begegnen. Faltenreiche weite Gewänder mit breiten buuten Leibbinden, große Turbane, hie nnd da Feze, Obcrkleider oder anch kurze speueer artige Jacken mit Pelzverbrämnng, weite Pumphosen, rothe Pantoffel, manchmal sogar Opanken; bei den echten hier lebenden Kleinasiaten, sowie anch nnter den Drusen Costüme, die au die Völker der 22« Baltanhalbiusel erinnern, bilden in rasch,,'!! Zügen die Kennzeichen jeuer Trachten, die inaii ail der asiatischen Küste fiitdet. Die Franen sind sehr malerisch in weite Kleider gehüllt, mit weißein Kopftuch nnd Schleier, vullkumnicn verschieden von der egyptischen Francntracht. Da in Jaffa viele Christinnen nnd Jüdinnen wohnen, sah man anch eine Menge reichgekleidcter Franen anf den Gassen, die meisten wenig oder gar nicht verschleiert nnd daher konnten wir die vielen schönen nnd in der That edlen Gesichtszüge beobachten; auffallend hänfig war anch blendend weiße Hantfarbe neben rabenschwarzen Haaren zn finden. Im Ganten ist der Menschenschlag in Palästina nnd besondere in den Städten schon sehr licht, hie nnd da gelblich, selten brann; letztere Farbe ist nnr bei den freien Stämmen nnd anch da besonders nnter den südlicheren zu bemerken. Der erste Blick anf die lnmte, nngcmein farbenreiche Menge war sehr interessant und nnr langsam stiegen Nnr von den Booten über eine Stiege den Weg zum lateinischen Hospiz empor. Türkisches Militär, grün adjnstirt, von: egyptischen vollkommen verschieden, martialische Kleinasiaten, hielten Spalier, nnd es war nothwendig, denn die Leute drängten nngcmein neugierig gegen nns heran. An der Thüre des Hospizes warteten einige alte Franziskaner; dnrch ein echt orientalisches Hans, über nnzählige Stiegen, gelangten wir in die Franziskaner Kirche. Der Weg war beschwerlich nnd schmntzig und man mnßtc nnglanbliche Gestanks-Atmosphären Passiren. Die Kirche selbst ist alt, aber nicht sehr hübsch nnd interessant. Beim (Hintritt werden Reliquien geküßt nno mau erhalt die Aufforderung, am Boden liegend ein Gebet zu sprechen. Auf Schritt nnd Tritt findet mail im gelobten Lande Plätze, an die sich fromme Legenden knüpfen, nnch Jaffa hat deren einige. Das dunkle, mittelalterlich aussehende Gotteshans, der matte Schein der Fackeln, der heisere Gesang der Franziskaner, das Brninmen der Orgel, nnd alles das am Voden Palästinas, erweckte eigenthümliche Gedanken an die Tage der Krenzzüge, als manchKämpe ans dem fernen Abendland hier den ersten Segen anf heiliger Erde erhielt, ehe er auf schwerem Roß im blanken Stahl dcn verhängnißvollen Kampf fnchte gegen den edlen, leichtfüßigen Sohn der Wüste, der stolz und kühn sein Vaterlaud gegen die fremden Eindringlinge vertheidigte. Nach Segen nnd Gesang drängten wir uns mit Mühe durch die Schaaren der Neugierigen, welche in den engen Gängen und Stiegen den Weg verstellten, hindurch. Dumpfe, in der That ekelhafte Luft gehört zu den charakteristischen Eigenschafteil jedes steinernen, kellerartigen Nannies, sei cs Hans, Kloster oder Kirche; man hüte sich wohl in Palästina, insbesondere im Frühjahre, nnter Dach zn wohnen. Nnter dem Thore warteten nusere Pferde; keine kleine Arbeit war es, in diesen: Gewühl von Menschen, noch dazu lärmenden Orientalen, sehr vielen Juden, die Earavane znsammenznstelleu. Endlich gelang dies doch. Eine Abtheilung türkischer Eavallerie eröffnete den Zng, dann kamen nnr und nnsere Diener, znm Schlnß abermals einige Soldaten. In dieser Reihenfolge ritten wir dnrch einige enge Gassen über glatte, Pflaster vorstellende Steinplatten, dann an dem von Schmntz strotzenden Marktplatz vorbei aus der Stadt hinans. Anfänglich führt der Weg zwischen herrlichen Gärten, dichten Hecken nnd üppigen Orangegärten. Die Vänme bogen sich noch unter der Last der Früchte; man kann den großen Klima-Unterschied zwischen der Küste Palästinas nnd Egyptens dentlich bemerken. Ende Febrnar sahen wir die Orangenevnte in Kairo, Ende März hatte sie in Jaffa noch nicht begonnen. OiangN'-Marlt in Jaffa. 231 Gar bald verschloanden die dnftenden Gärton und wir gelangten in eine höchst monotone graugrüne Ebene; nichts als schlecht bebailte Felder, hie und da ein Ziehbrnnuen, einige Palmen, steinige Stellen, das wilde Durcheinander eines mohamedanischen Friedhufes, und w weiter Ferne als Abschluß des öden Bildes die blänlichen Höhen des Maischen Gebirges. Kameel- nnd Ziegenheerden, gehütet von farbig eostinnirten Lenten, nnd Bettler der ärgsten Sorte bildeten das einzige Pnbliknm, dem wir begegneten. Die Bettler Palästinas sind noch ärger als jene Egyptens, die gräßlichsten Krüppel, die man sich nnr vorstellen kann, viele noch mit dein echten altbiblischen Anssatz behaftet. Inmitten der Felder hätte man sich in Enruva geglanbt. Der Vegetation fehlt der schon tropische Anstrich der Nil^Landschaften, anch war noch alles im Wachsthnm znriick. Viele Störche standen anf den Feldern, sonst war wenig Thierwelt zu bemerken. Bald gelangten wir zu einigen kleinen, recht elend ,'i,,s der Etl'!ii1)ichn)u^,, anssehenden Dörfern; an Grabstätten nnd Wachthürinen fnr türkische Gendarmerie Posten führte der Weg vorbei, nnd nach Verlanf von drei Stnnden hatten wir die kleine rninenhafte Stadt Namle erreicht. Unsere Caravane passirte nnr an den letzten Hänsern des Ortes. Sonst ist Ramle die gewöhnliche Nachtstation der Iernsalem Pilger, doch U'ir hatten keine Lnst, in der Nähe der notorisch schmnhigen Stadt ,^n übernachten nnd beschlossen, nnseren Weg bis ,;n dem am ^iiße der Berge liegenden Dorfe ^atrnn fortMschen. In Namle selbst, loie gesagt, war ich nicht, doch so viel ich sehen konnte, schienen mir die Menschen nnd ihre farbigen, althebräischen Costüme das Interessanteste ^n sein. Christen sind nnr wenige da nnd die wenigen fast ausschließlich Bekenner der griechisch orthodox.en Kirche. Sehr viele Lente strömten ans dem Orte herans nnd liefen dnrch einige Zeit, neugierig gaffend, nnserer Caravane nach. Die Gegend begann allmälig einen anderen Charakter anzunehmen. Die Straße führte sanft '232 bergab ill eine U'eitgeslreckte Tlmlniederlmg. an derell enlgegengesehteln Rande die jlldäischen Gebirge sich erhoben. Die Felder N'aren schau hie und da mit Sleinen und Feloblöcken bedeckt lind Wischen einzelnen immergrünen Gebüschell blickten spiegelglatte Steinplatten hervor. In der !)(ähe eines Schech-Grabes gelang mir ein glückliches Coup-Donble anf ein Pärchen der schönen nnd großeit Steinhühner. Bald nach Sonnenuntergang erreichten wir den Ort Latrnn, der recht malerisch zwischen Felsen nnd grünen Gesträuchen ain Fnße des Gebirgszuges liegt. Neben den Nninen einer alten Festung — aus welcher Zeit sie stammen, ist schwer zn erkennen — stand nnser herrliches Zeltlager, eine Stadt von echt türkischen Zelten, in den schönsten Stoffen mit allem Comfort eingerichtet, lebhaft au die Tage des alten Soliinau erinnernd. Tie vielen Tragthiere, meist Manlesel, auch kleine Pferde uud die Schaaren von Dienern, Drusen aus dem Libanon (Sonnenanbeter) luugerten neben dem Lager zwischen deu Steinen nnlhcr. Der Unternehmer Herr Howard, der in wechselvollem Leben englischen Schntz lind Namen erhielt, ist ein echter branner Orientale, jetzt Dragoman in Beiruth nnd Arrangeur von Caravanen und Expeditionen on ^u^; wir lernten dessen unbeugsame Energie nnd vorzügliche Eigenschaften in harten Tagen kennen, wo schwere Anfgaben an ihn herantraten. Zwei Äedninen, einen Mohren, der in seiner frühesten Ingend in Afrika geraubt wurde nnd nnn mit einem Stamm asiatischer Araber herumzieht, uud eiueu echteu, im Gesicht fast europäisch gefärbten Jordan-Beduinen hatte Howard auch zur Caravaue geuommen, damit sie alltäglich Eteinhühner für die Küche liefern sollten. Beide waren in die bei den asiatischen Stämmen gebränchlichen, brauu uud weißgestreiften, dicken Kmncelhaar-Burlmsse gehüllt. Mit dem blassen Gesellen giengen nnn mein Onkel und ich uoch all demselben Abeud auf den Schakal-Anstaud. Ueber Hecken nnd Manern gelangten wir uebeu dem Dorfe vorbei zu eiuer Wasser Cisterue; leider war kein Mondschein nnd vor Beginn der vollen Dnnkelheit erschien nichts, nnr in der Ferne hörten wir die Schakale henlen. Anf demselben elenden Wege stolpertet! wir laugsmu ills Lager zurück; bei Latruu stauden viele in ihren langen Mänteln gespensterhaft anssehende Lente, die uns aufmerksam betrachteten. Dieser Ort soll seinen Namen vom lateinischen ,I^ro«, als der Gcbnrtsort des begnadigten Schachers Dismas, erhalten haben. An jedem Dorf kleben Erinnernngen, manche in der That großartig schön nnd für die Wahrheit zeugend, viele aber anch zum Ueberdruß nuwahrscheinlich. Im Lager wnrde nach unserer Rnckknnft im großen Speisezimmerzelt ein vollkommenes Diner eingenommen und dann folgte den: türkischeu Kaffee bald die wohlthätige Ruhe eiues verdieuten Schlummers. Des anderen Morgens herrschte schou in früher Stnnde reges Leben im Lager. Die Zelte wurden abgebrochen, alles anf die Manlthiere verladen uud nuter dem üblichen Glockengeklingel der Tragthiere, dem Geschrei ihrer Führer, dem Wiehern der Pferde setzte sich die Caravane ill Bewegnng. Anfänglich führte der Weg durch enge Gebirgsthäler; rechts nnd links steile Lehnen mit Felsblöcken nnd dichten, immergrünen Gebüscheu bedeckt. Iiu gauzeu Charakter nud iu der Flora trageu diese Gcgeudeu den echten Mittelmeer-Typns au sich, wie mau ihu an den Küsten Spaniens, Griechenlands, Italiens nnd den westlichen theilen Nord ^frika^, besonders in Marokko findet. In Palästina ist diese Empfang des Kronprinzen durch dic österreichischen Juden vor Jerusalem 235 Zone eine ziemlich schmale und l>ci Iernsalem verschwindet sic allmälig, nm östlich von Vetlehem der inn era statischen Eteppenvegetation zu weichen. An dem alten Brnnnen Vir Egynb (Hiobsbrunnen) vorbei gelangen wir dnrch die Schlncht des Wadi Ali, die Rnincn einer alten Moschee passircnd, gegen den Kamm des Gebirges. Der Typns ist immer derselbe, nichts als blendend weiße Felsblöcke, einer vom anderen durch stachelige Gesträuche getrennt, nnr hie nnd da tauchen halbverfallene Hänser nnd Rninen zwischen dein Gestein hervor; Felswände sind selten, hingegen sieht man viele lange, spiegelglatte Platten an den Hängen der Verge. Unzählige Adler nnd Geier kreisen in den Lüften; zwischen den Gebüschen bemerkten wir nnr wenig Vogelwelt, sehr vereinzelte Steiuhühuer liefen an den Lehnen pfeilschnell empor. Nach zweistündiger Reise versuchten wir mit nuserem Iagdaraber einen knrzen Pürschgang über den Kamm des Gebirges. Eine schöne Aussicht eröffnete sich nns in ein Gewirr von Gebirgsthälern nnd Vergkesselu; immer derselbe Charakter, die echte Mittelmccr-Flora, sehr ähnlich jener der Gebirge von Zante. Im fernen Osten sah man die graugelben Ränder nnd Klippen des Plateaus, ans den: Iernsalem liegt, nnd den Beginn der ganz verschiedenen Höhenzügc im Innern des Landes. Zwischen den unzähligen Felsplatten, Stcinklötzen und fast nndnrchdringlichen, mit langen Dornen bewehrten Gebüschen war das Gehen eben nicht sehr angenehm, nnd da keine Eteinhühuer angetroffen wurden nnd die allenthalben nmherkrcisenden großen Nanbvögel sich nicht anschleichen ließen, kehrten wir sehr bald anf die Caravanenstraße znrück. Der Kamm der Gebirge wnrde überschritten; die Gegend nahm einen immer öderen Charakter an; selbst die Gebüsche wichen dürrem Gras und malerische Felsen kleinem Gerölle. Vor nns breitete sich ein weites Thal ans; in Serpentinen schlangelt sich der Weg in dasselbe hinab. An einigen rninenhaften Gasthäusern für Pilger, die inmitten trostloser steiniger Oehlgärten standen lind mich lebhaft an die kleinen Fonda's der spanischen Hochgebirge erinnerten, kamen wir vorbei. Das Dorf Abn Gösch wnrdc nns gezeigt, wo Anfangs dieses Jahrhunderts die gleichnamige Familie eines berüchtigten Schech zum Schrecken aller Pilger hanste; später mußten wir auch deu Ort Söba, das autike Modin, die Heimatstätte der Makkabäer-Familie in weiter Ferne betrachten; cmf Schritt nnd Tritt kleben Geschichten ans der alten Iudenzeit; ich habe dieselben wie jeder Reisende anhören müssen, merken konnte ich sie mir gottlob nicht alle, und nnr jene, die halbwegs einen wahrscheinlichen Charakter tragen, werde ich in homöopathischen Dosen den gednldigen Lesern anftischen. Nach langer Reise erreichen wir gegen I I Ilhr Vormittags die Sohle des breiten Thales, genannt „Wadi Knlöniyc"; an den Berghängen liegt das gleichnamige Dorf. Am tiefsten Pnnkt steht ein einstöckiges europäisches Pilger-Gasthans. Palästina ist, so lange mau anf den normalen Heerstraßen der frommen Caravanen wandert, ein echtes Tonristcnland, die Schweiz in's Religiöse überseht; dort wird der Sinn nach Naturschönheiten der Reisenden, hier der Glaube und die Andacht ansgebentet nnd zn Geld gemacht. In Knlönine also hielten wir an, da nnsere Anknnft in Iernsalem erst für Nachmittag festgesetzt war. DieZeit, die erübrigte, wnrde zn einer Dnrchstreifnng der Berghänge benutzt. Nichts als grangrüne, staffelförmig angelegte Oehlwälder, einzelne Gebüsche uud Felsplatten. Die ärgste Mittagshitze glühte anf dem trostlosen Lande nnd nnr mühsam schleppten loir nns an den steilen Lehnen hernm; ein 3U* 236 asiatischer Nnßhöher nnd der grane syrische Hase U'aren die einzigen Wildgattnngeu, die wir zu Gesicht bekamen. Dor Großherzog schoß den armen Lampe an, konnte ihn aber im Geröll nicht finden; nicht besser gieug es Hoyos anf der anderen Seite des Thales mit einem Schakal. Ich erlebte einige jener ekelhaften, großen schwarzen Eidechseil, die, in den steinigen Theilen Palästinas in der That anf jedem Felsen kleben. Bald kehrten wir alle, da die Hitze ganz unerträglich wurde, nach dem Pilgerhanse zurück. Im Schatten einiger Oehlbänme, anf dem Platze, wo das nentestamentarische Emans stand und wo anch nebenbei David den berühmten Goliath erschlng, nahmen wir ein Frühstück ein. Unser General Consnl Graf Eaboga war ans Jerusalem entgegengekommen nnd eifrig besprachen wir mit ihm die Pläne für die nächsten Tage. Nach dein Frühstück warf sich die ganze Reisegesellschaft in volle Parade nnd mehrere Geistliche der verschiedenen Riten nnd Tragomaue der Consulate begrüßten nns schon hier, ritten aber dann nach Jerusalem für den großen Empfang vorans. Als die Zeit heranrückte, denn des Einzuges halber mußte alles nach der Minnte gehen, sehten auch wir nns in Vewegnng. Die Straße führt in Serpentinen längs der Berghänge anf das Plalean empor; die Gestränche und fast alle Spnren von Vegetation verschwinden immer mehr und mehr nnd eine traurige Steinwüste beginnt: Das verflnchte Land! Dieses Eindruckes kaun man sich nicht erwehren; ein eigenthümlich trauriger, zngleich großartiger Eharakter ift über die ganze Landschaft ansgegossen nnd nnheimlich mystische Gefühle bemächtigen sich jedes Wanderers. Zn Esel und iu Leiterwageu sieht man Pilger aller Länder nnd Stände, viele recht verkommene Individuell, auch Indeu aus dcu verschiedeusteu Theilen der Erde. Wir hatten noch nicht die Höhe erreicht, als zwei Franziskaner anf Pferden entgegengetrabt kamen. Dcr erste, der Enstode di Terra Santa, ein dicker Mönch mit schwarzen: Vollbart, eine große energische Gestalt, ans Toslana gebürtig, erinnerte mich lebhaft an jene wehrhaften Kempen des Glanl'ens, die mit liocherhobenem Erueifi),' den Kreuzfahrern in den Kämpfen voranschritten, die Ritter zu Heldenthaten anspornend; der zweite, ein Landsmann, ein Böhme, konnte sich vor Frende nicht fassen, als er mit mir, vielleicht nach Jahren znm ersten Mal, wieder Gelegenheit hatte, seine Muttersprache zu reden. Beide Mönche begrüßten nns anf das herzlichste und schlössen sich mm dem Zngc an. Die Franziskaner im gelobten Lande sind die eigentlichen Vertreter der lateinischen Kirche, wehrhafte Kämpfer für ihren Glanben, und im steten Zank nnd Hader vertheidigen sie den anderen Eoufessiouen gegenüber die Rechte ihres Ritus. Der Höheuzng ist erstiegen, das trostlos kahle Platean von Jerusalem liegt vor uns ausgebreitet; iu weiter Ferne erhebeu sich die graublauen Hochgebirge des Jordan-Thales. Gelbgrau ist der vorherrschende Ton der Landschaft, Vegetationslosigkeit das Hanptmerkmal. Die ersteu Anzeichen von Jerusalem werden sichtbar; der große Hänscrcomvlex. der Rnssen mit fnnfknppliger Kirche, der Oehlberg nnd rechts das griechische KrenMloster; die heilige Stadt selbst haben wir noch nicht erblickt. Am Wege erhebt sich ein großer Triumphbogen mit ungarischer Aufschrift. Die Indeneolonic mit Fahnen steht daneben, die Volkshymne singend; nnter vielen Eoinplimenten, dem üblichen Geschwätz nnd Lärm, nmringen nns patriotische Israelite», echte Judeu aus Norduugarn, in langem Kaftan, hohen Stiefeln, Sammttappen am Kopf, geringeltem Bart uud den nblicheu Haarlockeu; mau hätte sich iu irgend ein Karpathendorf verseht deuleu tonnen. Einzug in Jerusalem. 239 Selbstverständlich folgte uns von hier an die ganze Iudengemeinde; zu beiden Seiten nun- der Weg ohnedies mit Menschen dicht besetzt: Juden ans allen Ländern, kleinasiatische Christen, Griechen, europäische Pilger, orientalisch-christliche Fraueil, theils halb, theils gar nicht verschleiert; in den höchst malerischen Costümeu nnr mit dcn Trachten der alten Hebräerinnen vergleichbar, wahre Marien-Gestalten; daneben wieder Kopten, einige englische Tonristen mit ihrem alle Poesie raubenden Aenßereu, ferner mohamedmnsches Landvolk, verkrüppelte Bettler und undesiuirbarcs Pilgervolk ans dm verschiedensten Theilen der Erde, das alles lungerte an der Strafte herum, uus neugierig betrachtend. Nn dem Punkte, von dem ans mau zum erste» Male Jerusalem erblicken kaun, staud der Einzng schon gruppirt, unserer Ankunft harrend. Alles kniete nieder, mn mit entblößtem Haupte ein Gebet zn verrichten. Das heilige Sion mit seinen alten Manern, den granweißen runden Häusern, den Kuppeln der Grabkirche uud der groften Omar-Moschee war vor uns ansgebrcitet. Die Stadt, ans der nnser Glaube hervorgieng, in der mit dem Kreuzestod Christi die größte Veränderung der Weltgeschichte ihren Aufaug nahm, an deren Maueru Jahrtausende alte Erinnerungen der biblischen Geschichte, alle Traditwueu uuserer Neligiou hängeu, an deren Steinen das Blut unserer Ahnen, der tapferen Kreuzfahrer, klebt, diese Stadt hatten wir nahe vor nus. Ganz eigenthümlich Ulystische Gefühle religiöser Schwärmerei bemächtigen sich jedes Pilgers nnd man nähert sich dem Fanatismus. Mir ist es ganz begreiflich, wie sehr diese Stätte seit Iahrhuuderteu stets der Hauptsitz der Aeußeruugen des vehementesten Fanatismus war nnd es immer sein wird. Der Glaube und alle Traditionen, die man seit der Kindheit anfgesogen, treten eiuem deutlich sichtbar entgegen, umgebeu von einer unheimlich todten Gegend, an der der Fluch haftet, dein das Vulk, das hier geherrscht, für ewig weichen mußte. Wer lange in Jerusalem bleibt, muß endlich ein Fanatiker werden; mau lebt sich dort, vom ersten Anblick der Stadt augefangen, in einen mystisch-schwärmerischeu Gedankenkreis hinein, der leicht dauernde Macht erhält. Es sind dies dieselben Gefühle, welche die Kreuzfahrer keiu Opfer au Gut und Blut scheuen ließen und allen Religionskriegen jene wilde Kraft verliehen. Doch kehren wir zu unserem Einzug zurück. Voraus ritteu eiuige Kawasseu des Consulates mit langen Stöcken, iu eigenthümlichen theatralische:« Costümeu; dann kam ein Bataillon türkischerIufauterie mit Musikbande; merkwürdige ^nsammeustelluug, zum Eiuzug ill Jerusalem türkische Musik und fliegende Fahne mit dem weißen Halbmond; dann kameu wir alle iu voller Parade, reiteud, nmgeben von Geistlichen, Consnlats-Beamten, türkischen nnd christlichen Würdenträgern; zu beiden Seiten der Straße dichte Menschcnmassen. Der Weg führt au eiuem großen Gebäude vorbei, iu dem die russischen Pilger kaseruirt siud. Alljährlich kommen vor Ostern Tausende russischer Bauern unter Führung ihrer Popen nach Iernsalem, schon jetzt waren deren zweitausend auwesend; iu dichteu Haufeu staudeu sie da, lins neugierig betrachteud. Nebeu dem echten großrussischen Bauerutyvus, deu weiten Bwnsen mit Gürtel, Pumphosen, hohen Stiefeln, eigenthümlich ausgeschweiftem Eylinderhnt, deu Etumpfnasen, blondem Vollbart, schlaffen, fetten, laugen Haaren nnd dem unverfälscht nlirdslavischen Wesen sah man auch Gestalten iu lichtgraue Militärmäutel gehüllt, geschmückt mit Medaillen; deßgleicheu wimmelte es an Popel,, blenden russischen, schwarze,, echt griechischen uud südslavischen. 240 Man passirt cm Völkergenlenge, das höchst interessant ist, bis endlich das Stadtthor von Jaffa erreicht wird. Vor demselben steigt man vom Pferde uud geht durch deu alteu, graueu Ban in das Innere der heiligen Stadt. Hier steht der lateinische Patriarch, nmgeben von einem nugemein zahlreichen Clerus von Weltpriestern, Alniuueu nnd Mönchen; alles im Ornat, brennende Lichter haltend. Der Patriarch sowohl als anch seine Untergebenen tragen, wie alle lateinischen Priester im Orient, den Vollbart. Wir knieten nieder nnd küßten den Boden; nach kurzem Gebet hielt der Patriarch, ein gcborner Genneser, eine schöne italienische Ansprache, anf die ich französisch antwortete; hieranf stimmten die Priester Kirchenlieder an nnd paarweise gehend setzte sich die Proeession langsam in Bewegung; der Großherzog nnd ich schritten rechts nnd links vom Patriarchen; hinter nns folgten alle anderen, anch die türkischen Würdenträger; neben dem Zug gieng ein Spalier osmanischer Infanterie, welche bei jeder Gelegenheit den Coufessioneu die einzige Bürgschaft bietet, daß eine oon der anderen bei den betreffenden Festen unbehelligt gelassen werde. Die Gassen der Stadt sind ungemein eng nnd finster; eine kühle, kellerartige Atmosphäre, verpestet dnrch die schrecklichsten Gerüche aller Art, herrscht zwischen den engen steinernen Manern. Das Pflaster, ans unregelmäßigen Steinplatten bestehend, gestattet nnr den Fußgängern ein sicheres Fortkommen. Jerusalem trägt den nnverfälschten, düsteren althebräischen Charakter an sich nnd hat nichts gemein mit den heiteren, farbenprächtigen, an Bazaren reichen Städteu des Islam. Anf den Gassen, insoweit Platz war, und nnter den Thüren stand sehr viel neugieriges Pnblikniu aller Art, europäische Pilger, Juden, christliche nnd mohamedanische Orientalen. Allmälig gelangte der Zug, eine Neihe schmaler Gassen passirend, an eine Stiege; über dieselbe hinabsteigend, erreichten wir den Vorplatz der heiligen Grabkirche. Derselbe, mit Steinplatten bedeckt, anf zwei Seiten von hohen Manern, anf der dritten hingegen von der Haupt Facade der Kirche mit recht hübschen Sänlen und einem schönen Thor mit Hoheit Bogen eingeschlossen, stammt ans den Tagen der Kreuzfahrer. Ciueu eigenthümlichen, höchst ehrwürdigeu Eindruck ruft dieser erste Blick anf das größte Heilig-thnm der ganzen christlichen Welt in jedem Pilger hervor; schon die Seenerie trägt viel dazu bei: der einige Stnfen nnter dein Niveau der übrigen Stadt liegende alterthümliche Vorplatz, die grauen Hänser des düsteren Jerusalem nnd in ihrer Mitte die dnrch eine hohe Kuppel geschmückte alte, verwitterte Grabkirche. Im Vorhof hocken allenthalben Vertänfer heiliger Gegenstände im orientalischen Costume herum uud viele griechische nud russische Popeu staudeu, uuseren Zug nengierig betrachtend, da. Dnrch das Hanptthor traten nnr ein. Groß lind imposant erscheint das Innere der Kirche anf den ersten Blick, doch zugleich düster nnd ernst. Weihranch undRosenöhlgernch dnrchdringen die dumpfe, kühle, kellerartige Luft. Rechts nnd links sieht mau Cingäuge zu Kapellen, Stiegen, hohe Chöre, nnd bald wird der Pilger gewahr, wie sehr dieses große Gotteshans ein Conglomerat verschiedener Verehrungsarten und Liturgien, ein Compromiß zwischen den einzelnen Culten ist, und wie alle in einem Naum Platz fanden für ihre speciellen, ganz eigenen Gottesdienste. Iu der Mitte der Kirche, iu der großeu ruudeu Halle steht eiue Kapelle, eiu Gotteshalls für sich; das ist die eigentliche Grabkapelle, welche den orientalischen Kirchen und den Lateiuern zugleich gehört uud iu der alle die alteil Teeten ihre Gottesdienste abhalten; ganz ausgeschlossen sind nur die 241 neuen Neligionen, die Protestanten und ihre Gesinnungsgenossen. Noch ehe wir die Grabkapelle erreichten, kniete der Zng bei deui großen viereckigen, vou schweren Leuchtern umgebenen Salbnngs-stein nieder, lind flach am Buden liegend küßten wir ihn alle. Es ist derselbe Stein, anf dem der Leichnam Christi vun ^tieodemns gesalbt wurde. Wie die Schrift es sagt: „Darnach bat Pilatnm Joseph von Arimathia, der ein Jünger Iesn war, doch heilnlich, aus Fnrcht vor den Juden, daß er möchte abnehmen den Leichnam Iesn. Und Pilatns erlaubte es. Derowegen kam er, »nd »ahm den Leichnam Iesn hrrab. Es kam aber auch Nieodemus, der vormals bei der Nacht zu Iesn gekommen war, nnd brachte Myrrhen nnd Aloe untereinander bei hlindert Pfuudeu. Da nahmen sie den Leichnam Jesu nnd banden ihn in leinene Tücher mit Speeereieu, wie die Inden pflegen zn begraben." Nach kurzer Andacht schritten wir zum Eingang der Grabkapelle. Dieses ganz kleine Gotteshaus war durch lange ^eit im ausschließliche»! Besitz der orientalischen Kirchen, nnd so trägt es den vollen griechischen Typus von Anßen nnd 7mnen an sich: alles reich in Gold nnd Silber, mit in Metall eingelassenen, schwarz bemalten Heiligenbildern nnd jenem echten eigenthümlichen Charakter, der alle orthodoxen Kirchen von anderen unterscheidet, Vom Patriarchen geleitet, durften wir in das Innere der Kapelle gelangen; dnrch einen engen Vorranm kommt man an eine niedere Pforte, welche buchstäblich durchbrochen werden nmß. Nnn ist -man in dem eigentlichen Heiligthum, den« Wahrzeichen des christlichen Glaubens. Blanker Fels blickt überall zwischen den reich verzierten Wänden hervor nnd diesen kahlen Stein verehren wir, er ist derselbe, der den Sohn Gottes getragen! Rosendnft nnd Weihranch, griechische Pracht, der Schein röthlicher Lampen, das Gemurmel lateinischer Gebete, alles wirkt betäubend; die enge Gruft scheint die Welt, die Wiege nnseres Glanbens zn sein; in schwärmerisch gläubiger Stimmnng drückt der Pilger seine heißen Lippen an den kahlen Fels, der ihm sichtbar seine heiligsten Gefühle, Trust, Stärke nnd Hoffnung repräsentirt. — Der Patriarch führte nns nach einigen Minnten wieder hinaus nnd vor der Grabkapelle kniete alles nieder nnd der fromme Gesaug der Priester klang durch die majestätischen Hallen. Au dem Thore der Grabkirche verabschiedeten wir nn5 vom Patriarchen. Wir hatten eben nnr unsere erste Andacht an der heiligen Stätte darbringen wollen, die >iirche selbst gedachten wir den folgenden Tag erst im Detail zn besehen, nnd so werde ich später eine flüchtige Schilderung, denn eine gründliche würde ein vollkommen speeielles Stndiinn verlangen, folgen lassen. Dnrch einige enge Gassen giengen wir nnn, von den türtischen Würdenträgern geleitet und vun den Neugierigen gaffend umgeben, nach dem österreichischen Hospiz. Es ist dies ein ziemlich großes Gebände mit geräumigen Wohnzimmern nnd einer recht hübscheu Kapelle. Ueber eiue Stiege gelangt mau von der Gasse znm Hansthor; unter demselben erwartete mich ein Geistlicher, der Anfseher des Hospiz, ein echter, braver Tiroler. Bald nach unserer Ankunft mnßten wir die Eonsnln lind darauf einige türtische Würdenträger, anch Honoratioren drr Stadt, im orientalischen Eustnm, nud später alle christlichen nnd jüdischen Hänpter der .Nirchen empfangen. Es kamen der lateinische Patriarch, umgeben von Priestern und Mönchen, der griechische mit seinen Popen, einige echte Armenier, dann .Nopten und der syrische Patriarch. Es ist dies eine höchst interessante Kirche, welche der würdige Greis mit grauem Bart, faltenreichem schwarzen Ornat und einem von der Popen Mühe herabwalleuden Schleier, in Jerusalem vertritt. 242 Die alten Iacubiten sind, so viel ich weiß, die erste Seete, welche sich schon in den ersten Iahrhnuderten des christlichen Glaubens von der eigentlichen Kirche losriß nnd seit diesen Tagen bis ans hente unr in Kleinasien ihren Sitz hat. Die Verehrnng, welche sie dem heiligen Iaeobus zollen, reicht über das Niveau der Heiligenverehrung der anderen alten Religionen hinans. Schließlich kamen anch die Rabbiner; an ihrer Spitze der Vorstand der Juden in Jerusalem, einer der höchsten Priester in der geistlichen Hierarchie der jetzigen Hebräer. Der alte Mann mit langem, blendend weißem Bart, wachsgelber Hant, schönen Zügen, ist aus Spanien gebürtig nnd trägt, wie die meisten in Palästina lebenden Rabbiner, das althebräische Costüm: den farbigen, faltenreichen Oberrock mit Pelz verbrämt, einen Turban am Kopf, lange Kleider, gelbe Pantoffel. Ich habe mir die Pharisäer niemals anders als jenen greisen Rabbiner vorgestellt. Nachdem alle diese nnlengbar recht interessanten Visiten nns verlassen hatten, giengen nur aus dem Hospiz durch eine Gasse zum altersgrauen Damascns-Thor. Gleich außerhalb der Stadtmauer, neben steinigen Plätzen und Schutthaufen, zwischen einem verkümmerten Oehlgarten, stand nnser stattliches Zeltlager aufgeschlagen. Die Diener hatten bereits alles ansgepackt nnd so richteten wir uus gleich recht häuslich eiu. Die Pferde uud Tragthicre weideten um deu Lagerplatz, die Leute schliefeu uud wälzten sich am Boden, daneben bivonakirte die türkische Eseadron, die seit Jaffa uns begleitete, während Infanterie ans Iernsalem Spalier nm das gauze Lager bildete, da das Publikum, besonders das jüdische nnd christliche, sehr viele mit Bettelbriefeil ausgerüstet, uus belästigen wollten. Nach der Hitze nnd den Austreuguugeu des Tages that etwas Ruhe recht wohl. Eiu kühler Abend mit schönem Sonnennntcrgang wirkte erfrischend nnd nach eingenommenem Diner herrschte bald Ruhe im Lager. Den Einschlafenden klangen noch in deu Ohren das unausgesetzte Gehenl der halbwilden Hnnde innerhalb der Stadtmaueru und jenes der bei Jerusalem massenhaft hansenden Schakale, die den gegenüber uuserem Lager jeuseits eines sanften Thales befindlichen Echinderplatz umgaben. Am 3<». in früher Stnnde gieugeu wir alle, Herren und Diener, nach dem Hospiz, wo der Bnrgpfarrer, der Geistliche des Hauses und einige deutsch sprechende Franziskaner die ganze Reisegesellschaft beichten ließen. Von dort pilgerten wir nach der Grabkirche, wo in der Grabkapelle am Grabstein der Burgpfarrer die Messe las nud allen das heilige Abendmahl daselbst gereicht wurde; zum Schlüsse der Messe nahm der Prälat anch die Weihe der vielen eingckanften frommen Andenken vor, die während des Gottesdienstes am Grabsteiu gelegen waren. Ans der Grabtapelle giengen wir dnrch die große Kirche nnd eine andere, den Franziskanern gehörende kleine Kapelle nach dem engen Franziskaner-Kloster, das anch noch zn den Gebänden der Grabkirche gehört. Ueber enge Stiegen, schnintzige Ränme mit schrecklich dumpfer Luft gelangten wir in eine bescheidene Zelle, das sogenannte Refceturinm. Daselbst bewirtheten nns die freundlichen Mönche mit einer sehr gnten Chokolade. Der Eustode di Terra Santa erzählte während des Frühstückes von den Kämpfen nnd Feindseligkeiten, die mehr oder weniger unausgesetzt zwischeu deu verschiedenen Glanbensgeuusfeuschaften bestehen, nnd erwähnte, daß es sogar manchmal zn Thätlichkeiten komme, die, falls es innerhalb der Kirche geschehe, von türkischen Soldaten, von den Ungläubigen also, auf euergische Weise geschlichtet werden müßten. Der rüstige Möuch sprach kampfestühn und wällte in kräftigen Ausdrücken die ganze Schnld auf die orientalischen Christen. Schwer ist zn 243 entscheiden, wm größere Schilld trifft; doch Eines ist geN'iß, das; die beständigen Zänkereien den Nimbus des Christenthluns iu den Augen der Mnöliulen nicht erhöhen. Nach dem Frühstück fahell wir nns das ganze Kloster an; in elenden Zellen leben die Mönche; eine kleine Plattform am Dache ist der einzige Platz, wo sie Luft schöpfen können. Das enge Glllblirche in Jerusalem. Franziskaner-Kloster sowohl, als anch auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche die Wohmmgen für griechische nnd armenische Popen sind innerhalb der Mauern der Grabkirche, die nur ein Thor hat, welches anlästlich großer Festtage oder ln'i Anknnft sehr vieler Pilger, anf Wnnsch eines oder aller Patriarchen, von den Türken, die die Ooeranfsicht ansnben, eröffnet wird. In den Zwischenrämnen, oft durch Wochen nnd Monate, ist die Kirche geschlossen nnd ans Eifersucht wohnt innerhalb derselben 244 eine gemeinsame Wache, Ans dem arme,, lateinischenKloster ebelisolvenig wie aus den Behausungen der Griechen dürfen Thore hinans in die Stadt führen; Speise und Trank müssen durch die Fenster mittelst Körben in's Kloster hineinbefördert worden. Neben diesen geistlichen Wächtenvohnnngen führen Gallerien innerhalb der Kirche, von denen nmherpatrouillirende (Geistliche den ganzen inneren Nanm übersehen können. Voin Kloster aus gicnge» N'ir in die Kirche hinab nnd betrachteten die verschiedenen Heiligthümer nnd historischen Pnnkte, alle die vielen Nebcnkapellm, die Plätze, ai^ N'elche sich die Legenden nnd Glaubenssätze knüpfen. Es ist ein wahrer Schatz interessanter Veobachtnngeu, die man da sammelt; deutlich läßt es sich erkennen, wie die verschiedenen Banten ans verschiedenen Epochen stammen nnd man findet viele gute. stylvolle Reminiseeuzen ans den Tagen des Mittelalters. Die einzelnen Kapellen nnd Plätze der Verehrung, deren es eine große Menge giebt, wechseln im Typus je nach ihren Besitzern: es giebt deren ganz lateinische, andere tragen den armenischen oder syrischen vder koptischen Typus; weitaus die meisten aber sind echt griechisch-orthodox glänzend in (hold und Silber, reich überladen mit dnuklm byzantinischen Heiligenbildern. Die Grabkirche in allen Details zn schildern, würde eine lange Arbeit nnd ein ganzes Vorstudium erfordern, mich findet sie jeder Wißbegierige in manchen Reisehandbüchern nut ziemlicher Genanigteit beschrieben. Ich beschränke mich daher anf die Wiedergabe der Eindrücke nnd Bilder, die sich lebhaft in mein Gedächtniß eingeprägt haben. Stiegen ans, Stiegen ab, oft über recht nnebene Steinplatten wanderten wir in der ganzen Grabtirche herum, nicht ein Winkel blieb, den ich nicht besah: allenthalben, besonders bei den specifisch griechischen Heiligthümern, fände» wir viele russische Pilger, die nnter tiefen Verbeugungen beständig das Krenzzeichen machten. Von der Kirche ans giengen wir dnrch eine Gasse zu dem nahen, recht großen San Salvature Franziskaner-Kloster. Die Kirche, das Nefecwrinm, einige Zellen wurden angesehen nnd mehr den Mönchen ein B.snch abgestattet, denn große Tehenswürdigkeiteu befiudeu sich ebeu nicht in diesem kahlen nnd ärmlichen Kloster, Der nächste Galig galt dem Patriarchen; er empfieug uns, umgeben von vielen Geistlichen, in seinem Hanse, das echt südländisch, kahl, mit wenig Möbeln, einigen sporadischen Vorhängen, Steinplatten als Fußboden, geistlichen italienischeu Gemälden an der Wand, eingerichtet ist: anch die, Kapelle, der Hof nnd die große Stiege sind schlicht, nnd beweisen, wie wenig reich die lateiuischeu Nirchenfürsteu im Orient find. Auch beim hochwiirdigen Patriarchen mußten wir eiue schreckliche Gewohnheit des Morgenlandes, nämlich die obligaten Getränke bei jedem Vesnch, durchmachen. Mit Chokolade hatten wir bei den Franziskanern begouneu, hier wurden wir zu fader Limonade nnd Mandelmilch vernrtheilt; es sollte au diesem Vormittage noch ärger werden. Anf der Stiege des Patriarchen trat ein Weib an mich heran, in echt orientalischer, mau möchte fast sagen althebräischer Kleidung, mit weißem Kopftnch, nicht verschleiert, eine hiesige Christin, eiue wundervolle Erscheinung: schöne Züge, herrliche Gestalt, blasse Gesichtsfarbe, wie man sich Maria Magdalena nicht schöner deukeu kann; sie gab nur eine Bittschrift nud verschwand hierauf hiuter einigen Säulen. Wir giengeii nun durch die eugeu Straßen, die voll Menschen waren, theils Pilger, theils handeltreibende Mnslims und ekelhafte Bettler, zum syrischen Patriarcheu. Er empfieng uus am Eiugang 245 der Kirche im schioarzeil Gewand; seine Priester hiilgegen waren il, weiten, reicheil Meßgewändern mit Cavuzen, wie man sie llur ails don Bildern aus der ältesten Ehristeuzeit sieht, nnd trugeu brennelide Fackeln. Zlvischen den Priestern und ebenfalls ähnlich evstümirten Chorknaben, welche in syrischer Sprache unsere Volkshymue sangen, hielten wir einen feierlichen Einzug in die Kirche. Das Gotteshaus selbst ist jenem der Griechen ähnlich, ebenfalls sehr reich, mit viel Verschwendnng an Gold nnd Silber, doch hat es nnlengbar anch einen ganz eigenthümlichen, spooifisch jaeobitischen Anstrich. Der Altar steht sehr hoch und in einer Seiteukapelle ruht unter einem Stein der Kopf des von ihnen fast als Gott verehrten heiligen Jacobus. Die Nische mit den Reliquien ist selbstverständlich sehr reich verziert. Nahe vom Altare befindet sich ein hoher, ganz vergoldeter Thron, neben dem die Priester stets nnr nut den Zeichen größter Verehrung vorbeihnschen: es ist dies der Sitz des heiligen Iaeobns, auf dem er beständig, natürlich unsichtbar, thront. In der Kirche waren eben ziemlich viel Pilger dieser Religion, die mal» ihrem Aeußeren nach ebensogut für Türken oder anderweitige Mnslims hätte halten können. In feierlicher Procession wanderten nnr anch ans dein Gotteshans hinaus durch einen offenen Säulengang nach der Wohnung des Patriarchen, die schlicht uud nnwohnlich eingerichtet, in einer Ecke ein Sopha nnd in der anderen drei melancholische Stühle anfweift. Der würdige Greis empfieng nns anf das freundlichste uud zwang nns, ein vollkommen nndefinirbares, rosenrothes Getränk hinunter-zuwürgen. Nach knrzem Besuch schten wir nus in Bewegnng nnd giengen nach dein Iudenviertel. In Jerusalem sind die einzigen Bazare in den Händen dcr Hebräer; um eine lauge, au Kaufläden reiche Gasse grnppiren sich die Behausungen des anserwählteu Volkes. Ein SchmnN, ein Gestank, ein !^ärm herrschen in jenen Strafn, von dencn man sich keinen Begriff machen kann. Halbnackte linder wälzen sich am Pflastcr herum, die jüdischen Weiber mit rasirtem Schädel, schlecht umgebundenen Kopftüchern, blickten aus deu Fenstern Hinalls. Die Männer kauften und vertanften, handelten und betrogen: es waren Inden alls allen Ländern, wenige iu einfacher Eivilkleionng, viele mit Talar, hohen Stiefeln und Sannutkappe, echte polnische Inden, die meisten aber in orientalischer, fast althebräischer Tracht: alle Sprachen konnte man hören, anch viel Deutsch nnd Hebräisch. Mit Mühe passmen wir durch dieses Gewühl bis zur Synagoge. Dort warteten Rabbiner nnd Vorstände der Cultnsgcmeinde, begrüßten nus mit deutschen Ansprachen und osferirteu iumitteu des Tempels eine Bank znm Ausruheu. Die Synagoge ist ein neuer Ball nnd sieht ebenso wie jene in nnserer Heimat ans; unr weuige der Israeliten waren in schönen Kostümen, die meisten trngeu den Kaftan nnd schienen ans Polen zu stammen. Während wir da saßen, stimmten sie anf einer ruuden Estrade einen Kircheugesang nnd ein Gebet in ihrer urkomischen Weise mit nervösen Bewegungen und Angenverdrehnngen an. Nach kurzem Aufenthalt verließen wir, verfolgt vou den überschwenglichsten Segenswünschen, die Synagoge nnd giengen dnrch die Stadt znrnck. Da das heilige Grab offen war, wogten eigenthümliche Menschenmenge!! auf deli Gassen anf nnd ab. Rnsfcu, Bnlgareu, Wallachen, Armenier, Kleinasiaten, Griechen, Kopten, neben deu verschiedentlichsten Pilgern lateinischer Konfession, bildeten ein interessantes Völtergemenge. Im ^iager angelangt, frühstückten wir, um bald darauf uusere Besichtigungen fortznscheu. Zu Pferd ritten nnr längs der altersgrauen Mauer des heiligen Sion bis znr berühmten, wundervollen Omar Moschee. 246 Ein großer, mit Raseu bedeckter Platz, von Mauern uu«gebeu, ist der sogenannte Haraui esch Scheris; iit desseu Mitte steht die Haupt Moschee Kubbet es Sachra, ulit hoher Kuppel und Säuleuvorhalle, eiu herrliches Oetogou, cine der berühmtesten orientalischen Banten. Kleine, halbverfallene Denkmäler nnd Brunnen befinden sich zwischen der Hanpt Moschee und den an der Umfassungsmaner stehenden Gebäuden, der ebenfalls sehr schönen Mevdjid-el-Aksa, einer unter Kaiser Iustiniau zn Ehren der heiligen Inugfran erbanteu Kirche, die dann Omar dem muslimischen Glaubeu weihte. Von dem Ober-Derwisch, einem alten, sehr energisch aussehenden, reich und bunt gekleideten Mohamedauer, wurdeu wir herumgeführt. Die Leute sind in Palästina sowie in alleu asiatisch mohamedauischen Ländern viel fanatischer als in EgyPteu, nnd Fremde müssen anf der Hut sein, sie in diesen Gefühlen nicht im Geringsten zn verletzen. Wir sahen uns beide Moscheen genau an. In der Mitte des großen Oetogons erhebt sich ein grauer Felsklotz; das Gotteshaus ist um ihu herum gebaut; dieser Felsen kauu die große Aehulichkeit der orientalischen Sageu beweisen. Die Iudeu verehren ihn anch. Dcr Talmnd spricht oou ihin llud die hebräische Neberlieferung lehrt, daß Abraham uud Melchisedeck hier geopfert habeu, das; Abraham hier deu Isak todten wollte uud Jacob diesen Fels gesalbt habe. Hier soll die Bnndeslade gestaudeu habeu. Ieremias hat sie daselbst verborgen und die Inden meinen bis heutzutage, daß sie noch dort sei. Anch betrachten sie diesen Fels als den Mittelpunkt der Erde; dieselbe Ansicht finden wir in der Grabkirche, wo auch ein kleiner Stein diesen Punkt bezeichnet. Interessant ist, daß die große Moschee auf dem Platze des alteu Salomouischeu Tempels steht, uud so übernahmen die Muslims alle hebräischen Traditionen mit iu den Kauf, fügten nur ihre Sagen hinzu. Er schwebt uach ihrer Meinnug ohue Stütze über dem Abgruud und wollen eö dem Wanderer anch beweisen, den sie unter dcu Tempel iu hohle Ränme führen, iu deueu mau noch Reste von alteu Mauern aus jüdischer Zeit sieht. Die Mohamedauer zeigen da Aetplätze von David uud Salomou, Abraham, Elias, auch Mohamed hat den Eindrnck seines Kopfes zurückgelassen. Alle Sageu, die mit dieser für die Kenntniß der altasiatischen Religionen hochwichtigen Stelle im Zusammenhange siud, aufzuzählen, wäre eine mühsame Arbeit. Um uur zu zeigen, wie sehr alle die im Morgenland entstandenen Religionen zusammeuhäugeu, sei erwähut, daß dieser Fels nach Ansicht der Mohamedaner die Stelle ist, wo am jüngsten Tage der Thron Gottes aufgeschlageu werdeu wird; uud da wird die Kaba von Mekka Hieher zur Sachrä kommeu, denu hier wird der Posauuenstoß erschallen, der das Gericht einleitet. Zn den ersten Zeiten der Mohamedaner hatte dieser Platz eine fast gleiche Bedeutung wie Mekka, die erst dann allmälig znrückwich, Bon diesem Stein ans unternahm Mohamed seine Himmelfahrt nnd der Erzengel Gabriel mußte den Stein zurückhalten, der dem Propheten uachschwebeu wollte. Indische und mohamedanische Traditionen fallen hier vielfach znsammeu nnd erhüheu das Interesse des Platzes. Die Barthaare Mohameds, seiue uud Omar's Fahnen uud der Schild von Omär'5 Oulel Hamsa, smvie anch sehr schöne uud alte Choraue werdeu da gezeigt. Kuustgeschichtlich höchst wichtige Mosaiken, schöne Glasfenster nnd allerlei architektonische Momente wären zn bemerken, doch hier ist uicht Raum für allzulange Schildernngen. Nnr der alteu kufischeu Inschriften sei noch Erwähnnng gethan, welche Chorauverse anf Iesn-? bezuguehmeud, vom muslimischen Staudpuukte aus enthalten uud in schöner Schrift auf der Waud 24? angebracht sind: Sür. XVll, 111: „Lob sei Gott, der keinen Sühn, noch einen Genossen in seinem Regiment gehabt hat nnd keinen Helfer braucht, der ihn von der Schmach errette; preise ihu" n'. :e. Hinanstretend anf den freien Plah, gelangten wir an die änßere llnlfassuugviillUter, sie fällt tief und senkrecht in eine felsige Schlncht ab. Weit hinüber iiber das Hochland genießt man eine herrliche Fernsicht nach den Gebirgen am Iurdau und am Todten Meere. Das sogenannte goldene Thor fällt nus in der Umfassuugsmaner auf. Indische nnd Sageil aus dem Leben Christi kuüvfen sich daran: mit Schntt nnd Steinen haben es die Mohamedaner zugemauert, denn ihrer Sage nach ist dieses Thor dasjenige, dnrch welches vielleicht ein blonder König ans dem Abendland einziehen wird in den Hof der Omar-Moschee, ihrer Herrschaft hier ein Ende bereitend. Nach langem Besuch verließen wir diesen höchst interessanten Plah; es ist die Stelle, wo der alte Tempel der Inden stand, der Salomonische Palast, der Glanzpnukt des alten, hochmltivirten Hebräer-Reiches, wo Christns später lehrte, an den sich die meisten Erinnerungen seiner Thätigkeit, Cardinalsähe unseres Glaubens knüpfen; wo darauf die Römer siegreich einzogen, die Inden mordend; wo ein Jupiter-Tempel stand und darnach eine Instiniauische, byzantinisch-christliche Kirche; und dann folgte der Islam und es wurde daraus eine große Moschee, in der sich noch hentc die Sätze und Sagen der drei größten Religionen denkwürdig vermischen, anf denselben morgenländischen Ursprung dentend. Nebstdem erinnert nns die Omar Moschee an das berühmte Bild Raphael's, die „Trauung Maria's". Au der Klagemaner der Inden vorbei, wo sie noch heute um das verlorene Reich an den Trümmern ihres Tempels weineil nud wehklagen, giengen wir dnrch die als „Via Dolorosa" bezeichnete Gasse quer durch die Stadt nach der Grabkirche. Tort hatten sich einstweilen viele katholische Pilger versammelt; jeder, auch wir alle, bekamen brennende Lichter und nnn wnrde, die Franziskaner vorans, von einer heiligen Stätte znr anderen singend als Proeession gewandert. Vei den besonderen Plähen der Andacht betete mau kuieud bestimmte Gebete uud erst uach ciuer Stuude war dieser Rundgang zn Ende. Die dnnkle Kirche, von deu Fackeln matt beleuchtet, der dumpfe, monotone Gesaug, der starke Wcihrauchgernch, das alles wirkt mystisch nnd gewaltig anf das menschliche Gemüth lind alltäglich nehmen viele Pilger an dieser Processton theil, die mit großen Ablässen verbunden ist. Von da giengen wir in das Lager zurück, um unsere Pferde zn besteigen und ritten nm die ganze Stadt hernul. Bei herrlicher Abeudbeleuchtnng tameu wir au den Königsgräberu der alten Inden, dem Grab Absalom's vorbei, sahen den Blntacker Hakeldama nnd das öde, steinige, großartig düstere Kydron-Thal; alles ist so, wie es ill der Schrift steht. Ich habe mir Jerusalem und dcsseu uächste Umgebung nie anders vorgestellt, als ich es dann faud. Die Dämmerung begann, nnd langsam, große Eindrücke nnd Bilder genießend, ritten wir längs der alten Stadtmaner zurück. Eiu interessanter, gut ausgefüllter Tag lag hinter nns. Am 5N. März begab sich die ganze Reisegesellschaft aus dem Lager iu die Grabt'irche, lim da in eiuer Seiteukapelle dem heiligen Meßopfer beizuwohnen. Der Cnstode di Terra Santa erwartete nns beim Hanptportal und von ihm geleitet gelangten wir über eine Treppe in ein duukles Heiligthn»!. Durch ein niederes Gitter sind zwei Altäre von einander geschieden. 248 Der eine, schlicht »nd einfach, gehört den Lateiueru, der andere prunkvoll, versilbert uud vergoldet, ist griechisch. Ersterer ist am Platze, wo Maria bei der .Ureuziguug gestanden, letzterer hat den Namen „Golgotha"; der blanke Fels blickt nnter deni griechischen Altarsteiu Heralis und sehr viele Pilger, meist russische Banern, kamen während der lateinischen Messe einer nach dem anderen, um die geweihte Stelle zn küssen. Auch wir folgten ihrem Beispiele nnd wnrden dafür von einigen Popen mit geweihtem Noseuwasfer förmlich übergössen. Die orthodoxe Kapelle war mit schwarzen Etoffeu verhängt, deuu eine Stunde später sollte eine Seelenmesse für den armen verstorbenen Ezar Alexander II. gelesen werden. Nach dem Gottesdienst verließen wir die Grabkirche nnd giengen dnrch mehrere Gassen nach dein vom bekannten Geistlichen Pere Natisbonue gegründeten Frauenkloster. Die dazugehörige Kirche steht au: Platze des ^cao-Immo" lind bietet sonst kein besonderes Interesse; es ist ein neuer Ban, ganz französisch eingerichtet; blendend weis; nnd sauber, daher nicht umstisch nnd wenig eiudrucksvoll, erinnerte er mich lebhaft au die protestantischen Bethäuser. Die im Kloster befindliche Mädchenschnle ist ein wahrhaft edles Institut, um welches sich der brave Priester große Verdienste gesammelt hat. Sehr reinlich und gnt eingerichtet, bietet diese Anstalt Unterricht reichen und armeu Htiudern, besonders Christinnen, doch auch jüdischen nnd mohamedanischeu Mädchen verwehrt der toleraute Geistliche deu Eintritt nicht nnd läßt sie die Segnungen der Bildung genießen. Von der Plattform des Hauses erfreut man sich einer herrlichen Fernsicht nach dem Oehlberge lind der ganzen Umgebung der heiligen Stadt. Im Sprechzimmer mußten wir die obligate Limonade hinunterwürgen nnd giengen hierauf in die naheliegende Flagellatious^tapelle. Nach einigen Schlägen au einem halbverfallenen Thor öffnet der Aufseher dieser heiligen Stätte, eiu alter nngemein verwahrloster Franziskaner, ein geborener Spanier, nud führt die Wanderer durch einen rniuenhaften Vorhof in die kleine Kapelle: ltt'tt» wurde dieselbe erst erbaut, ist daher von keinem Interesse; nur unter dem Altarsteiu sieht man das ^och, in welchem die Geißelnugssänle stand. Von da wanderten wir uach dem Negierungsgebäude, nm dem Pascha und Gouverneur unseren Vesnch abznstatten. Im Hof des großen, echt orientalischen Gebäudes stand eine Ehren-eompagnie, die uus mit klingendem Spiel empfieug, Der freundliche Hausherr führte seiue Gäste uach dem im ersteu Stock befindlichen Empfangsalon. Strohmatten liegen am Boden, die Wände fiud kahl uud au den vier Mauern stehende Divaue, mit hübschen Stoffeil überzogen, bildeten die einzigen Eiurichtnugsgegeustäude. Mit förmlicher orientalischer Etiquette wnrdeu nns die Plätze augewieseu lind famoser türkischer Kaffee, fowie auch Cigarretteu mit Libanon Tabak eredeuzt. Nach knrzem Befuch verabschiedeten loir uns vom Pascha und verließen abermals unter Trompetenbegleitung das Regiernugsgebäude. Nuu giengeu wir zum Eoeuaeulum, dem berühmteu Abeudmahlsaal, der sich am Nande der Stadt in einem uralteu, jetzt ganz mohamedauisch eingerichteten Hause befiudet. Das Gebäude sieht recht baufällig uud ruineuhaft aus. Der Saal felbst ist kahl uud verwahrlost, auch ohue jedes Äuzeicheu, das auf die Wichtigkeit dieser Stätte deutet. Im selbeu Hailse wird auch zwischeu Gestein uud Schutt das Grab David's gezeigt uud als solches hat der Platz eine Vedeutnug für die Muslims. Eiuer einst reichen Familie, die ihre direete Abstammung von Osumu beweisen will, gehörend, bietet das alie Jerusalem vom Oehlbeig aus gesehen. 251 Gebäude ein gewisses Interesse. Unter elenden Verhältnissen leben diese armen Leute, traben aber dennoch ^roße grüne Turbaue nnd farbige, sehr malerische, wenn mich schon etwas zerrissene Kleider. In der Erinnerung an den großen Ahnherrn cmpfieugeu sie nns, wenn anch freundlich, so doch nulengbar herablassend, gaben daher nnsereni Erscheinen nicht den Charakter der Besichtigung der historischen Stätte, sondern eines Besuches bei ihren erlauchten eigenen Personen; folglich mußte sich die ganze Reisegesellschaft auf einigen morschen Divans, die in einer halb offenen Gallerie standen, niederlassen nnd aus sehr schmutzigen Schalen Kaffee schlürfen nnd dazu Cigarrctten rauchen. Mit Pathos erzählten die braven, unleugbar vornehm ansseheuden Lente, mit schönen, edlen Gesichtszügen nnd langen Bärten, ganze Geschichten auf arabisch, denen wir durch freundliches Grinsen antworteten. Der Besuch dauerte Kl)bron Thal, nicht allzulauge uud durch das uaheliegeude Stadtthor eilten wir zu uusereu Pferden, die srhou früher dahin bestellt waren. Der Großherzog und die Herren ritten nach dein Lager zurück, währeud Graf Caboga und ich auf einem nichts weniger als gnten Wege die Richtung in das Kydron-Thal eiufchlugeu. Wir beabsichtigten den Oehlberg zn besichtigen. Im düsteren, unheimlichen Kydrou-Thale, au deu Häugeu des Oehlberges, befiudeu sich uuglaubliche Mengen von Grabstätteu; schon in den Tagen der alten Inden galt dieses Thal als uureiu, im Gegensahe zum uaheu Tempelberg. Vorchristliche Traditioueu lehren bereits, daß iu dieser Schlucht das Weltgericht stattfinden werde; die Muslimen haben dieseu Glaubeu vou deu Juden überuommeu, daher begraben sie ihre Todten au der Ostseite des Haram, während die Hebräer es an dem Westabhange des Oehlbcrges thnn. A2* 252 Beide ehren die Sage, das; bei den Posaunenstößeu des Weltgerichtes die Verge allseinandertreteu werden, um Platz zu Ntachen den Massen der auferstehenden Leiber. Ter christliche Glaube legt Hieher den Ort, Nw die Felsen sich öffneten nnd die Todten erschienen im Angenblick, als der Erlöser sterbend sein Hanpt neigte, die Sonne sich verfinsterte nnd der Vorhang des Salonionischen Tempels in zwei Theile riß. Der Oehlberg in seinen nutersteu Hängen felsig abfallend, weiter üben sanfter aufsteigend, mit Steinplatten, Geröll nnd nralten knorrigen Oehlbäumen bedeckt, bietet den Anblick eines grangrünen, düsteren Hügels. Anf einem schlechten, in Serpentinen sich emporschläugeluden Wege gelangten wir anf die Spitze des Berges. Eine kleine Kapelle mit cylindrischer Trommel nnd nnbedenteuder Kuppel überwölbt die Stelle, an der sich Christus gegen Himmel erhob. In einer Marmorplatte sieht man die Fußspur des Erlösers. Ter Platz gchört den Mohamedanern, wird oon ihnen ebenfalls heilig gehalten, doch erlanben sie den Christen an gewissen Tagen daselbst Messe zu lesen. Neben der Kapelle steht ein Minaret-die enge Stiege führt anfänglich innerhalb, dann wie gewöhnlich ansierhalb, das Geländer ist abgebrochen, die Steinplatten glatt, daher für Lente, die dem Schwindel unterworfen sind, nicht rathsam. Von der Spitze des Thnrmes genießt man eine herrliche Aussicht anf Jerusalem, die Höhenzüge, welche das Plateau, die nächste Ilmgebnng der heiligen Stadt, sowie anch Betlehem oon dem Jordan Thale trennen; es sind grangrüne Steppengebirge; in weiter Ferne erblickt man die Hochgebirge am östlichen Ufer des Jordan nnd des Todten Meeres nnd dnrch einen Thaleiuschnitt sah man ein kleines Stück des dnnkelblanen Wasserspiegels des einsamen Binnenmeeres. Der Oehlberg, sowie die Gebäude anf demselben, sind nngemein verwahrlost nnd nnr der berühmte Gehtseinane^arten an dessen Fnße trägt die Spnren guter Pflege, die ihm die Franziskaner als dessen Besitzer angedeihen lassen. Ein Mönch lebt als Aufseher in dem daneben stehenden kleinen Hänscheu. Oehlberg nnd Gethsemane erweckten ernste Gedanken ill mir; die Wahrheit der Ueberlieferung spricht ans jedem Stein und man glanbt die Passionsgeschichte in lebendeil Bildern zn sehen; mir dünkte, als hätte ich insbesondere diese zwei Pnntte scholl gekannt, so sehr stimmte die Wirtlichkeit mit derVorstellnng überein, die ich mir stets im Geiste bildete. Vom Kydron-Thal ritten wir längs der Stadtmauer gegen unser Lager zurück. Beim Schlachtplatz stieg ich ab und versuchte vergeblich einen Aasgeier anznschleichen. Hnuderte von großeu Geiern kreisten in den Lüften, Hunde nmlungerten die blntigschmutzige Stelle; ein ganz perfider Gestank zwang mich, einen flnchtähnlichen Rückzug anzutreten und dnrch einige Ochlgärten hindnrch und an Häusern vorbei gelaugte ich in das Lager. Bald darauf wurde gespeist, deun Graf Caboga und ich wollten noch Nachmittags Jerusalem verlassen und nach dem Malteser-Hospiz Tautur reisen; die anderen Herren hatten die Absicht, erst Tags darauf nach Betlehem zu folgeu. , VIII. Capitol. Jahr! mich Tcniwr. Wincninyd. ,losler, Ni!1 ,uich Nobi M»sn, NM nim Tul>1c,! Mocr und Hül-cö-Älilla». ^(o^- crnsalem mnßte ich mm verlassen; einen Abschiedsblick den grauen Mauern des ehrwürdigen Ä >) ' Sion zuwendend, fuhr ich mit Graf Caboga auf der recht guten Straße von Vetlehcm weg. M^^ Vmu Damaskils-Thor, wo unser Lager staud, fiihrt der Weg anfänglich um die westliche 'l Seite der Stadt herum, kmipp uuter der alten Mauer. Beim Vegiun des Kydrun^Thales , muß eine Niederung passirt nierdcu und zwischen steiuigen, weuig bebuschteu uud nur l,nni spärlichem Graswuchs bedeckten Flächeu, eiuigeu halliverfalleueu Gartelunauern, verkümmerten Ochlpflanznligen und rinneuhaften Hänsern schlangelt sich die Straße hindurch. Zur Rechten erblickt inau die kaseiiiartigcn Gebände der deutscheu Culmiie, zur liuken eiuen öden, verlasseueu Höheuzug; am hübschesten ist der Blick znrnck ans die hochragenden Zinnen, Mauern uud Thürme der heiligeu Stadt. Allmälig steigt der Weg au der entgegeugeschten Lehne der Niederung empor; ein kahler Hügel nahe von nns wird als der Platz bezeichnet, wo das Landhaus des Kaiphas stand; anch kommen wir über die Stelle, wo die Philister lagerten nnd David sie schlug; später au deu Ruinen des Hanfes des greisen Simeon nnd an dem Magierbruuuen, wo die Weisen ans dem Morgeulande deu Stern wieder erblickten, vorbei. Der Sattel des Bergrückens ist erreicht und nur befindet, uus neben der Garteumaner 254 des großen, zwischeu Oehlbäumeu stehenden griechischen Klosters Mar-Elyas. Die Aussicht von hier ist eiue reizende; eine loeite, von tiefen Einschnitten dlirchzogene, steinige, graugriine Niederung zieht sich bis zu den Höhen, auf denen Vetlehem inalerisch liegt. Die Racheln nnd kleinen Thaler, sowie die Sentungeu des Terrains verfolgen alle die Richtuug gegen die Randgelnrge des Jordan-Thales uud durch diese in Forin voll Schluchten hindnrch nach dem Todten Meere. Im Südwestcn erblickt man in wciter Ferne einen ziemlich bedeutenden Oehlwald, ans dessen Dunkel die Zinnen der Sommerrcsidenz des lateinischen Patriarchen emporragen. Nach Norden wird imn der Ausblick durch den eben überschrittenen Höhenzug abgeschlossen, während nach Westen ein Gewirr von steinigen Hügelu, kleinen Thälern und Plateaux, der Landschaft einen interessanten Charakter verleiht. Eine Viertelstunde noch bergab fahrend, erreichen wir die Mauern des Gartens der kleinen Malteser-Äurg Tantur. Au einem Berghauge steht das stylvoll gebaute mittelalterliche Schloß, all die Tage der Kreuzfahrer mahueud. Das weiße Kreuz Malta's weht als Flagge von den Zinnen, nnd die Nebengebände, als Hospiz eingerichtet, zeugen für die Mildthätigkeit des alten Ritterordens. Dnrch den Garten bergauf gelangen wir an die zweite Umfassnngsmaner nnd in den gepflasterten Schloßhof, in dessen Mitte ein tiefer Vrnnnen steht. Graf Calwga gründete dieses Schloß nnd das kleine Hospiz für kranke Pilger nnd Landvolk; das ganze Jahr hindnrch führt er da ein angenehmes Landleben, ernsten Studien nnd mildthätigen Werken gewidmet. Sein Diener Ferdinand Nieodemus, ein christlicher Syrier, ein recht gebildeter jnnger Mann, leistet als gelernter Apotheker im Hospiz gute Dienste, zngleich ist er ein überans geschickter Änrsche, tüchtiger Reiter, findig nnd geübt im Verkehr mit den Bewohnern des Landes; er begleitete nns auch auf der ganzen Reise dnrch Palästina, wo wir ihn alle sehr schätzen lernten. Als wir im Schloßhof angelangt waren, sprangen von allen Seiten große arabische Hnnde, schöne Thiere, unsereu ungarischen Wolfshunden sehr ähnlich, herbei und begrüßten freudig winselnd ihren Herrn. Graf Caboga ist ein Thierfreund und zähmt die verschiedensten Gattnngen. Dnrch lange Zeit hatte er eine vollkommen zahme Hyäne; jetzt lief ihm ein schönes asiatisches Schaf bis in die Zimmer nach nnd ein mit den Tanben frei am Schloßthnrm lebender Kakadu schwaug sich leichten Fluges auf die Schnltern seines Herrn herab. Nachdem ich das wohnlich eingerichtete Schloß besehen hatte, gieng ich, begleitet von Ferdinand und meinem Jäger, nach dem Platze, wo des Nachts ans Hyänen gejagt werden sollte. Wir mnßten den Weg, den wir gekommen waren, die Straße von Jerusalem, für ein knrzes Stück einschlagen. Mehrere hnudert Schritte nnterhalb des Klosters Mar Elyäs stehen einige alte, aus großen Steinen flüchtig erbaute Manern; an einer derselben dicht neben der Straße war anf sehr geschickte und unkenntliche Weise ein Versteck erbant worden. Vor demselben lag in höchst übelriechendem Znstande, wie es die Hyäne liebt, ein alter Esel. Leider war mn diese Zeit kein Mondschein und ich mnßte wohl erwarten, daß jeder Versuch, die Raubthiere in der stockfiustereu Nacht zu seheu, geschweige deuu zu erlegen, vergeblich bleiben dürfte, daher hatte ich viel Gift, das probate Mittel Strychnin, mitgenommen, um doch eiuer Hyäue habhaft zu werdeu. Große Lederhandschuhe wnrden angezogen nnd darauf anf knnstgerechte Weise der Schlägel des Langohres todbringend präparirt; nach alter Jägersitte mußten einige kleine Fleischstücke, ebeufalls Betlehem, 2.')7 vergiftet, um den Hanptköder gelegt werden, da die meisten Ranbthiere die Gewohnheit haben, früher einige kleine Brocken zn verkosten, ehe sie sich auf die große Arbeit verlegen. Diese ekelhafte Thätigkeit des Präparirens war cben beendet und wir richteten noch die Schnßscharteu der Embuseade her, als ein Araber mit langem Gewehr erschien und nns seine Dienste, anbot; er wollte nm jeden Preis nns des Nachts auf den Anstand begleiten, gab viele gnte Lehren, erzählte über alle seine Erfolge bei der Hyäueujagd und nur mit Muhe konnten wir ihn zum Schweigen bringen. Da die Stnnde des Lauerus noch lange nicht da war, beschlossen wir in das Schloß zurückzukehren: den Araber, von dem wir fürchteten, er tonnte nns, in: Falle er fortgejagt würde, alls Nache den ganzen Anstand verderben, nahmen wir vorsichtigerweise mit. Ferdinand kannte ihn als eiuen nnverläßlichen, schlechten Menschen, der von der Jagd ans Steinhühuer lebt nnd vagabuudireud die (Hegend BetleheuiH durchzieht; das verschmitzte, heimtückische Gesicht sprach bestätigend für diese Annahme, und so war ich entschlossen, dieses Individuum für diese Nacht uuschädlich zn machen. Den jnngen Hodek ließ ich beim Versteck, damit er bis zn nnserer Rückkehr achtgebe und wache. Die Sonne gieng eben nuter, die steinigen Hügel, das Schloß Tantnr, die malerisch gelegene Stadt Betlehem nnd die Nandgebirge des Jordan Thales zanbervoll vergoldend. Ueber dem Todten Meer drüben erglänzten die schonen Hochgebirge mit ihren hohen, kahlen Wäudeu, im echten, au nnsere Alpen erinnernden Alpenglühen. Der Himmel war mit einzelnen dünnen Lämmerwolken bedeckt nnd ein kühler Luftzug wehte über das Hochplateau. Die Temperatur der Umgebung Jerusalems nnd des gesammten Küsteugebirges zwischen dem Meere bis Vetlehem ist nicht mit der milden, immer gleichen, herrlichen Luft Egyptens zu vergleichen. Nanhc Winde mahnen an die hohe Lage dieses kahlen Plateanr. nnd Schneefälle im Monat März sind bei der heiligen Stadt eine nicht allzn seltene Erscheinung. Bei Betlehem, schon eine Etnnde östlich dieses Ortes, ändert sich die Flora und das ,^lima nnd die fürchterliche dicke, schwere Atmosphäre des Jordan Thales macht sich da fühlbar. Mit nnserrm Araber schritten wir nach dem Schloß zurück; dort augelangt, wnrde er mit Speise und Trank erfrent, doch zugleich für zwölf Stnnden in einem wuhlversperrten Gemach seiuer Freiheit beraubt. Auch wir nahmen eiu sehr gutes Souper ein, das von den landesüblich gekleideten Dienern des Grafen servirt wurde. Hierauf eilte ich zn meinem Hyänen Anstand zurück. Die Nacht war einstweilen hereingebrocheu und leider verfinsterte noch anfthürmeudes Gewölk die ohnehin in tiefes Dunkel gehüllte Landschaft. Hodek kauerte iu der Hütte uud meldete mir das Erscheinen einiger Schakale kurz nach Souueuuntergang. Mit eiserner Geduld blieben wir bis Mitteruacht im Bersteck liegen, doch gar bald mußte mau die Hoffnungslosigkeit erkennen, denn kaum war die Stelle, wo der todte Esel sich befand, bemerkbar. Wäre blanker Fels oder wie in Egypten Wüstensand dcr Untergrund gewesen, so hätte ich bessere Anssichten gehabt, doch wie iu der ganzen Umgebung Jerusalems, so auch hier, lagen einzelne Steine nnd Feloplatten, getrennt dnrch dunkles Gras, nmher, mithin waren alle frohen Hoffnungen zerstört. Dafür aber standen wir iu diesem engen, dnmpfeu Naum wahre Qnalen aus: der Wind war für die Jagd gnt und blies vom Aas direct gegen nns, durch dieSchnßscharten die schrecklichsten Gerüche hereinwehend. Einigemal glaubten wir herumschleichende Thiere zu vernehmen; auch zogeu auf der Straße mehrmals Menschen, Lieder vor sich hin brnnnuend, vorbei und die Wachthunde des Klosters sowie jene des Schlosses heulten jämmerlich, nach echt orientalischer Weise. Um Mitternacht, wie gesagt, riß mir die Gednld nnd wir tappten alle vorsichtig nach dem Schlosse zurück. 258 Am l. April noch vor Eonnenanfgang ließ ich inich wecken nnd gieug hinans, nm die Wirknng des Strychnins zu sehen. Nicht gering war unser Erstannen, als dor Esel, das große, schwere Thier, einfach verschwunden war. Keine Spnr des Schleppens an» Boden loar zll bemerken, das Gras schien nicht gebogen, nnd so U»ar der Belveis geliefert, daß ein außerordentlich starkes Raubthier den schweren Esel einfach hinweggetragcn hatte. Da einige der kleinen brocken anch verschnuinden loaren, snchten n>ir die nächste Umgebnng ab nnd fanden anf höchstens zwanzig Schritte einen starken Schakal. Hochbeiniger, größer nnd mit kürzerer nnd buschigerer Ruthe als die egyptischen, nnd mit einem gelblichen Fell, das nur am Nucken dnrch eine blaugrane Schabrake unterbrochen war, erschien nur das merkwnrdige Thier verschieden von jenen Schakalen, die ich bisher gesehen uud erlegt hatte. Gar bald entdeckten wir anch eine Blntspur, die uns vom Platz direct an die Straße führte, über dieselbe hinweg an eine Mauer; da konnte man deutlich bemerken, wie der Esel über die Steine hiuweggezerrt worden war, anch klebten noch Haare nnd Blut an den scharfeu Kanten; anf der entgegengesetzten Seite wnrde das Aas wieder getragen; die Blutspur nahm nnn dic Richtnng gegen eines jener tief eingcschnittenen Thäler, die gegen die Randgebirge der Jordan Niederung führen. Vorsichtig schlich ich nach; über eine Kuppe hiuüberblickend, gewahrte ich auf beiläufig i>l) Gauge emeu dunklen Gegenstand nnd bei demfelben ein kleine« röthlichgelbes Thier. Einer jener wnnderhübschen niedlichen Feneks (Wüstenfüchse) mit ihren langen Fledermansohren verzehrte da gemüthlich sein Frühstück; ein glücklicher Kugelschnß streckte dcu kleinen Gesellen zn Boden. Als ich an den Platz eilte, fand ich meine Beute neben dein Kopf nnsercs Esels liegen; selbstverständlich wnrde nnn alles geuan nntersncht; der schwere, große Schädel eines ansgewachseueu alten Langohres der großen asiatischen Raee war einfach abgebissen, man sah den Riß der Zähne. Mit dem übrigen Körper war das Ranbthier verschwnnden; bis Hieher hatte es aber den ganzen Esel geschleppt, nicht gezerrt, souderu am Rücken getrageu. Die Hyänen sind sehr groß uud stark, doch dies zu leisteu sind sie uach meiuer Ansicht unmöglich im Stande; anch haben sie nicht die Gewohnheit, ihre Beute unberührt zn verschleppen, das ist echte Aärenmanier uud ich bin überzeugt, daß ein gelber syrischer Isabell-Bär, der, wie Brehm in seinem Thierleben sagt, auch in Palästina vorkommt, uus diesen Posseu gespielt hat. Wäre Vollmond gewesen, man hätte eine jagdlich herrliche Nacht erleben können. Aergerlich nnd schlechter Lanne gieng ich in das Schloß znrück, nm zu frühstücken. Auf der Straße herrschte reges Leben; die Earavaueu mit Lebensmitteln anf Eseln nnd Kauleelen zogen vom Lande znm Markt nach Iernsalem; mau sah buute Trachteu und interessaute Männer- nnd Franen-Typen. Bald kam auch nnjer Gepäck nnd die ganze Tragthier-Colonne mit Herrn Howard an der Spitze vom heiligen Sion, wo das Lager an diesem Morgen abgebrochen worden war, am Schloß vorbei, nm unterhalb Vetlehem nnseren nächsten Lagerplatz wieder anfzuschlagen. Die Herren wollten noch den Vormittag in der Stadt zubringen und erst gegen 12 Uhr nach Tantnr kommen. Ich benutzte die erübrigte Zeit, nm im Versteck anf große Raubvögel zu warten; der Kopf des Esels war indessen znr Hütte hinanfgeschleppt worden; ich hatte noch für die nächste Nacht Vergiftnngspläne mit diesem letzten Ueberrest unseres stattlichen Langohres. Störche zogen in großen Schaaren oon Süden nach Norden, bald folgte anch die alltägliche Geier-Caravane, welche von den Hochgebirgen am Todteu Meer nach den Städteit, insbesondere ^ernsalem, tommt, unl die >'leser anfznlesen. Hunderte vox Geiern, einer hinter dein anderen, auch einige Adler wnrden in den Vormittagsstnl,den in den Insten sichtbar. Lcid>,'r stand das Vcrstcck zu nahc an dcr Straßc, anf dl'r reges Lcbeu herrschte nnd s>.' »inkveisten Unmassen 0l.'it großen Ranbvö^eln die Stelle, ohne sich herabznwaqen. (Hin einher Aa^qeier Hatte de» Mnth, einige Male ganz neben der Hütte vorbeizuziehen, was er anch mit dein ^ebm bnßte. ssvn-l. Nach diesem lHrflilst qieng ich abermals znm Tchlos; znriick llnd erwartete da mit l>5raf Caboga die Ant'nnft meiner Reisegefährten, die anch bald erfolgte. In gestrecktem Schritt sprengten sie in den Schluschof nnd allsogleich mnsite ich meine Iagdgeschichten, die Erlebnisse der lchten Stunden znm Besten geben. Caboga bewirthete nn^ noch nnt einem gnten Oabelfrnhsti'lck, woranf alles theils zn Wagen, theils zu Pferd die knrze Reise nach Betlehem antrat. Der steinige, schlechte Weg schlangelt sich zwischen alten Manern, einigen Oehlgä'rten, neben halbverfallenen Hänsern, stets bergab gegen die steile Berglehne, an der die beriihmte Stadt, der (Geburtsort des Heilandes, liegt. 260 Der Name Vet lahcm ist uralt lind bedeutet im Hebräischen „Nrotort"; in der altbiblischen Geschichte war diese Stadt dnrch die Fruchtbarkeit ihrer Umgebung berühint und zugleich als Heimat der Familie David viel gepriesen; der auch an deu Neichthnm dieser Landschaft mahnende Name „Ephrata" wurde oft von den Propheten in ihren ahuuugsvolleu Gesängen genannt: „Und DuBetlehem, Ephrata, die Dn klein bisl liuter den Tausenden in Inda, ails Dir soll der kommen, der in Israel Herr sei, welches Ausgang von Anfang nnd von Ewigkeit her gewesen ist." Die Stadt liegt auf einem Bergrücken, an den steil abfallenden Hängen malerisch aufgebaut, doch zugleich lang gestreckt; zwischen den steinigen Lehnen sind plattformartige Oehl und Weingärten, welche dem ganzen Bild einen frenndlichen grünen Charakter verleihen, angepflanzt. Die ans weißem Stein erbanten Hänser mit flachen Dächern, die Knppeln und Thürme der Kirchen, die Plattformen nnd Klöster, das alles gibt diesem heiligen Ort den Anstrich einer größeren Stadt, die es eigentlich nicht ist. An den ersten Häusern vorbei, dringt ma» in eine enge Gasse ein: holperiges Pflaster, Winkel werk, düstere Wände, ununterbrochenes Bergauf uud Bergabfahreu siud die ersten Eindrücke, die der Wanderer erhält. Zngleich bietet sich aber Gelegenheit zu interessanten ethnographischen Stndien. In noch weit höherem Maße als Jerusalem ist Betlehem der Typus eiuer alten hebräischen Stadt. Die Menschen, die man anf den flachen Dächern ihrer Hänser, in den Gassen uud au deu Fenstern sieht, sind alte biblische Juden, wie die Phantasie dieselben nicht anders ausmaleu kaun: große Turbane, faltenreiche Gewänder, onnte Oberkleider; die Reichen in der Tracht der Pharisäer, die Armeu so wie jenes Volk, das zuerst ans dem Mnnde des Erlösers anf den Plätzen uud Straßen die segenliringenden Sähe seiner Lehre erhielt. Der Gesichts-Typus ist auch ein echt hebräischer: lauge, gebogeue Nasen, blasse Gesichtsfarbe, schwarze oder rothe Bärte, geringelt nnd in zwei Spitzen verlaufend, wie man es anf den Bildern Ehristi und seiner Apostel sieht. Die Frauen sind besonders auffallend: in weite, faltenreiche, farbige Gewäuder gehüllt, das weiße, äußerst malerisch drapirte Tuch am Kopfe; blasse Hautfarbe, die schöusteu Augen, Gesichtszüge nnd Haare, die man sich nnr deuten kann. Ich habe noch niemals so schöne Franen als in Betlehem gesehen, geschweige denn so viele in einer Stadt; eine Schönheit folgt der andern; die edelsten Mntter gottes-Typen, nnd wie man sich die herrlichsten Franengestalten des nenen Testamentes nur anomalen kann, wandeln da in Fleisch nnd Blnt nmher. Der erstaunte Pilger wähnt sich wie im Traume in die Tage des Heilandes versetzt, als Maria in ärmlicher Hütte deu Gottmeufch gebar nnd die Weisen ans dein Morgenlande, dem Steril folgend, ans den Niederungen des Jordan Thales kamen, wo ihre frewn Nomadenreiche bestanden, so wie sie heutzutage uoch bestehen. Noch weit mehr als Jerusalem entrückt Betlehem deu Wauderer alls der Gegenwart im Geiste iii jene Tage, die uns die Ueberlieferung lehrt' und wenn möglich noch drastischer erkennt man alles, als hätte man es schou einmal in den Kinderjahren gesehen. Vetlehem von Anßen nnd besonders seine heiligen Stätten, die ich gleich schildern werde, sind der Typns des Krippenspieles, so wie wir es anf den Bildern der gläubigen Maler ans dem Mittelalter sehen nnd wie es alljährlich zn Weihnachten, in bunten Farben bemalt, als fromme Spielerei den Kindern geschenkt wird. Die Stadt ist von Christen bewohnt; die Urbevölkerung ward hier christlich und von 5)000 Seelen sind nur 300 Muslimen. Die Gasse verlassend, kommen wir anf einen von echt orientalischen Hänsern umgebenen Platz, an dessen einer Seite sich die große Marien-Kirche mit allen dazu gehörigen Gebäuden erhebt. Die wichtigsten heiligen Stätteli sind auch hier nuter einem Dach vereinigt lind gehören don Lateinern, Griechen nnd Arineniern gemeinschaftlich; alle drei Religionen haben anch ihre nüt der Kirche in ummttclbaror Verbindung stehenden Klöster. An dev Hmiptpfurte ernmrtete uns der Cnstode di Terra Santa mit einigen seiner Franziskaner nnd am Platze war alles dicht gedrängt mit Menschen j unglaubliche Massen vmi Bittgesuchen wurden uns in wenigen Minuten aufgedrängt. Die Kirche ist nralt nnd schön, vmi byzautiuischem Ursprliug, ziemlich unversehrt, alls den Tagen Kaiser (5 ou stau tins stammend, der sie selbst erbanen lich. Im Inneru überrascht niis ein im Laufe der Zeiten entstandenes Wiukelwerk und viele so eii^e und niedere Pforten, dnrch welche man sich nnr mit aller Mühe durchzwängen kaun; sie habeu den Zweck, die heiligen Stätteu vor Invasionen der nicht allzuweit hauseuden, vollkommeu unbotniäßigen Araberstämme zu schützen. Die Kirche mit ihren Kapellen und Hallen trägt den vollen Charakter der ältesten christlichen, daher byzantinischen Zeit, leider sind viele der nralten Mosaikm nnd Malereim verwischt »nd abgrsalleu, 262 sowie auch Statuen gebrocheu; im Ganzen ist die Kirche nicht sehr gnt erhalten; in ihrem Innern sieht man ans Schritt nnd Tritt das zwischen den drei Niten geschlossene Couipromiß, nnd Altäre, Taufbecken nnd Stellen der verschiedenen Verehrnngsarten befinden sich nebeneinander. Franziskaner nnd Popen ivandeln in großer Menge iit den Hallen nmher; wenig Pilger, nur einige rnssische Banern waren an diesem Tage anwesend; desto mehr Volk, da die Stadt christlich ist, darunter die schönsten, malerischsten Weiber, die sich nnr die Phantasie ausmalen kann, folgten nns im heiligen Raume. Das Interessanteste nnd Wichtigste, sind die nnterirdischen Grotten. Ueber einc Stiege nnd durch Thüren gelangt man ans der Kirche in die durch viele Lampen hell erleuchtete Geburtskapelle; in einer Nische gegen Osten steht ein Altar, unter demselben ist ein silberner Stern in den Boden eingelegt, mngeben uon den Worten: ,IIic; 6e vii-^ins Nn,ria 5o3U3 tHi'i3tu8 nu,w5 ost." Dieser enge düstere Ranlll hat eine ganz eigenthümliche Wirknng anf jeden Pilger nnd der volle Mystieismns des alten Glanbens, die Macht der Ueberlieferung nnd die Ueberzeugung, hier sei das Christenthum geboren worden, von da sei die größte Veränderung in der Weltgeschichte hervorgegangen, ruft ernste erhabene Gedanken wach nud wie vl.ni selbst fällt man auf die Knie, den Stein küssend, au dein taufende von Lippen im langen Lanf der Zeiten in heißer Inbrnnst durch einen vielsagenden Kuß ihr Credo dargebracht haben. Ueber drei Stnfen noch tiefer hinabsteigend, gelangt man in die Kapelle der Krippe, wo, wie die Ueberlieferung lehrt, die Krippe mit dem Iesnkiudlein stand, nnd gegenüber wird die Stelle gezeigt, anf der die drei Weisen aus dem Morgenlande niedersanken, dem Gotteskind ihre Anbetnng zollend. Dnrch einen unterirdischen Gang kommen wir an einem Loch im blanken Fels vorbei, aus dem einst eine Qnelle für die heilige Familie hervorsprudelte; einc Thür eröffnet hier den Eintritt in einen neuen Gang, wo die Stelle gezeigt wird, an der Josef den Befehl znr Flncht nach Egypten erhielt; noch etwas tiefer ist die ganz höhlenart^ge Kapelle der nnschnldigen Kinder, wo Herodes einige daselbst durch ihre Mütter verborgene linder morden ließ. Unser Weg führt lins nnn weiter zum Altar und Gral« des heiligen Ensebins von Cremona, eines Schülers desheiligeuHicronvmns; nahe davon gelangen wir zum Grab dieses großen Kirchenvaters; etwas weiter wird die in den Fels gehauene Kapelle des Heiligen gezeigt, iu der er lebte nnd seine Werke schrieb. Der Weg durch die unterirdischen Nänme war somit beendet nnd über eine Stiege gelangteu wir dnrch die Katharinen Kirche iu das lateinischeKloster. Es ist dies ein einfach aber reinlich erhaltenes Gebäude: im Refeetoriumsaal bewirtheten uns die Franziskaner mit allerlei süßlichen Getränken. Nach kurzem Besnch forderte uns der griechische Bischof, ein Mann in den besten Iahreu mit laugem schwarzen Bart nnd schönen Gesichtszügeu, eiu echter Grieche, höflich nud geschmeidig, in den schönsten Phrasen anf, feiu Kloster zu bcsnchen. Es ist dies ein einfacher Ban, bewohnt von Mönchen der Ncgel des heiligen Basilins; vollkommen orthodox eingerichtet, vom lateiuischeu Typus ziemlich verschieden. Iu einem kahlen, recht nnwohulicheu Zimmer, vou dem alls man aber eine schöne Fernsicht über die Stadt nud die ganze Gegend genoß, mußteu loir nns alle niedersetzen, mein Onkel, der Bischof nnd ich anf den einzigen Divan. Kanm waren wir da, als auch schou Popen mit den schrecklichen Getränken erschienen. Soliald als nur möglich trachteten wir nns von da zu flüchten und gicngen mm zu der naheliegenden Milchgrotte. Durch einen weiten Eingang lind über einige Stnfen gelangt man in die eigentliche Grotte. Die Ueberlieferung lehrt, die heilige Familie habe sich dafell'st verborgen lind Nächtlicher Aufbruch. 205 einige Tropfen der Muttermilch Maria's seien auf den Kalkstein gespritzt; daher pilgern sehr viele Frauen an diese Stelle, denn ein Anfgnß anf den Stein vermehrt die Milch jenen, die sie benöthigen. Christen nnd anch Muslinien halten diese Grotte in hoher Verehrung; der Altar im Innern derselben gehört den Lateinern. Nachdem wir nns von den griechischen nnd lateinischen Geistlichen verabschiedet hatten, eilten wir an den letzten Häusern der Stadt vorbei zwischeuOehlgärteu nnd Steinmauern längs des Nerghanges nach unserem Lager, das anf einem freien Platze neben dem nugemeiu schmnhigen, aber malerisch gelegenen Torf Betsahnr aufgeschlagen war. Tie Bevolkernng drängte sich neugierig heran nnd nur mit Mühe konnten die türkischen Gendarmen das Lager frei halteil. Alles war schon ansgepackt nnd hergerichtet nud gar bald hatteu wir uns anch hier häuslich eingerichtet. Zwei Jäger erschienen, ihre Tienste anbietend; es war ein edles Brüderpaar, betlehemitische Bürger, vollkommene Juden im alten Costume: doch hatten sie auch viel Vagabuudeiiartiges an sich nnd schienen von der Steinhuhn-Iagd zn leben, Ter eine sprach gnt französisch nnd schien mit vielen Bedninen Stämmen in Iagdangelegenheiten in Verbindnng zn sein, versprach nus auch eine Steinbock Jagd zn arrangieren nnd junge, lebende Steinböcke zn verschaffen. Er war Christ wie alle Betlehemitaner nnd hatte in Frankreich als Soldat gegen Deutschland wacker gefochten. Herr von Lesseps lernte ihn anf seiuer Reise iu Palästina kennen nnd nahm ihn als Diener mit; in Frankreich übergab er ihn den Reibe» der Armee, die eben gegen den Rhein marschirte; anf diese Weise nahm er am Feldzug 187t) theil lind lehrte bald uach dem Friedensschlnst in seine Heimat znrück, nm da so wie einst anf Steinhühncr zu jagen. Mit diesen Leuten giengen nnu Hoyos uud ich hinaus, um iu deu Nachmittagsstnnden noch etwas die nächste Umgebnng zn dnrchstöbern. Im Thale in östlicher Richtnng schreitend, kamen wir an einigen Heerden vorbei. Tie malerisch gekleideten Hirten gefielen mir sehr gnt. Jene, die bei der Krippe als die Ersten dem Sohn Gottes huldigten, saheil gewis; anch nicht anders aus wie diese, die mit ihren Ziegen, eintönige Lieder singend, anf den Berghängen umherzogen. Tie Hügel nahmen hier einen höheren nnd steilereil Charakter an; anch lageil die Steine spärlicher imiliev und gelbgrünes Gras bedeckte alles; ich bemerkte scholl einen Unterschied in der Pflcmzen-Fanna. Betsahnr ist in dieser Richtnng das letzte Dorf, und mit dem Beginne der grangrünen Berge nnd der JordaN'Flora gelangt man in das Gebiet der Beduinen Stämme, 100 eine gewisse Vorsicht nicht gauz außer Acht gelassen werden darf. An den Hängen kletterten wir mit Eifer umher; eiuige Steiuhühuer wurdeu geseheu und gehört, doch die weuigen, die mau iu der Nähe Betlehems findet, sind schon so scheu, daß von einer Annäherung keine Rede ist. Wir streiften mit unseren laudesüblicheu Jägeru über einige Hügel gegen das Torf zurück; sobald man sich demselben nähert, beginnt wieder die Zoue der Oehlbäume und verwahrloster Gärten. Südlich von dem Höhenrücken, anf dem Betlehem nnd anch Betsahnr stehen, befindet sich eiu tief eiugeschuitteues Thal, dessen beiderseitige Lehnen staffelförmig augelegte Oehl- lind Weinpflanzungen anfweisen, zwischen denen Felswände mit karstartigem Gestein, Nischen, Muldell lind Höhleu bildend und mit immergrünen Gebüschen bedeckt, dem Ganzen einen recht malerischen Charakter verleihen. Tie schmale Thalsuhle ist mit Felsblöcken, alten Manern und Cisternen ansgefüllt; ein steiniger, für die Heerden bestimmter Pfad schlangelt sich an der dem i7rte entgegengesetzten Lehne empor. Hoyos nnd ich 34 266 kletterten zwischen den Oehlgärten lind Felswänden, einige rnfende Hühner fnchend, herum, als plötzlich der Großherzog nut einigen anderen Herren neben dcm Torfe drüben erschien und mis mit Zcichcn ucrständlich zu machen snchte, daß nntcr uns ctwas Jagdbares umherlaufe. Leider gestattete das staffelförmig abfallende Terrain keinen Uebcrblick und so eilten wir zn den Herren an die andere Lehne hinüber, wo nns mitgetheilt wurde, ein starker Schakal sei um eine Stnfe tiefer langsam vurbcigewcchsclt. Anf das hin vertheilten wir uns an verschiedenen Plätzen im Thale, nm bci Sonnennntergang anf die ansziehcnden Naubthiere zu lauern. Mein orientalischer Begleiter meinte, anch die Wani's hätten diesen Ort sehr gerne. „Wani" nennen die Araber Palästina's den Schakal, nicht „Thaleb" wie die Egypter, überhanpt weicht das hiesige Arabisch von dem der Egyptcr unverständlich stark ab. Der Abend war sehr schön, die Sonne gicng nntcr, Heerden kamen vorbei, von malerischen Hirten geleitet, der Ton der Glocken vermengte sich mit schwermüthigcn Gesängen nnd von Vetlehem klang das Ave-Maria-Geläntc herüber. Die Schatten wurdcu immer länger, das letzte Noth verschwand von den Bergen am Todten Meer, die Adler strichen ihren Schlafplätzen zn nnd ein Schakal schlich gespenstig dnrch das Thal; er nahm die Richtnng gegen mein Versteck, doch leider war der Wind nicht am besten uud so verschwaud das schlaue Thier hiuter einigen Felsen. Eine eigenthümliche, unheimliche Melancholie rnht iu den öden Schlnchten Palästina's, besonders des Abends, nnd man l'ann sich vorstellen, wie geeignet diese düsterm Plätze den Raubthiereu erscheinen, wo Hyänen, Wölfe nnd Schakale znsammen bei den alten Gräbern heulen. Vor Eintritt der vollen Dnnkclheit verließ ich den fenchten, kühlen Platz nnd eilte neben dem Dorfe vorbei nach dem Lager. Ein Schatten schwebte über nur hinweg, ich warf einen Schuß hin nud eiu armer Storch sank tödtlich getroffen herab. Im Lager angelangt, wnrde gespeist nnd dann bald znr Nnhe gegangen. Des anderen Morgens brachen wir ziemlich früh anf uud ritteu nach Vetlehem; abermals waren große Menschenmengen am Platze nnd nnr mit Mühe drängten wir nnsere wiehernden nnd umherspringenden arabischen Hengste bis znr Kirchcnthür dnrch das Gewühl. Die Franziskaner geleiteten die ganze Reisegesellschaft in die Gebnrtskapclle, wo der Burgpfarrcr die Messe las. Publikum war nns selbst bis in die unterirdischen heiligeu Stätten gefolgt nud auf dein blanken Fels knieten, dnrch den matten Schein der Lampen interessant beleuchtet, einige wunderschöne Betlehemitauerinuen, wahre Madonnen Gestalten. Nach dem Gottesdienst eilten wir anf den Platz hinans, wo nnsere Pferde standen. Eine große Ueberraschnug erwartete mich da. Anf der Terrasse eines Hanfes lagen eine kolossale Hyäne mit wnndervollem Fell nnd langen Mähnen nnd neben ihr zwei Schakale, tleiner nnd verschieden in der Färbung von dem des vorhergegangenen Tages, doch stärker nnd noch variirender im ganzen Anssehen vom egyptischeu <^M3 aureuL. Das Gift hatte diesmal gewirkt. Tags zuvor wnrde der noch übrig gebliebene Schädel des Esels mit starker Dosis Strychnin präparirt nnd als einzige Speise au deu Platz gelegt; selbstverständlich fielen die in jenen öden Gegenden arg ausgehungerten Thiere mit aller Gier über den leckeren Bissen her nnd fanden anf diese Weise einen raschen Tod. Die Vente sandte ich, anf den Rücken eines Esels verladen, nach dein Lager zurück, wo sie in das Zelt unseres Präparators wauderte. Wir rittcu hierauf denselben Weg wie Tags zuvor nach Tautnr in das hübsche Malteser-Schloß. Dort angelangt, wnrde beschlossen, einen der naheliegenden kahlen, steinigen Hügel regelrecht zn treiben. 267 Wir reqnirirten so viele Treiber als nur möglich. Diener des Grafen Caboga, unsere Pferdeknechte aus dem Lager, Hirten und fpazierengehcnde Landlcute, alles wurde mitgenommen. Ein Theil der Herren stellte sich als Schützenlinie im Thale am Südabhang des Bergrückens an, während Hoyos, die Jäger und ich die Trciberlinie postirtcn und aus ein gegebenes Zeichen den Trieb ausführten; mehrere türkische Geudarmen halfen auch mit und bekundeten viel Talent für dergleichen Unterhaltungen. Einige Steinhühner, eine arme Wachtel und ein Schakal flogen nnd sprangen vor uns auf, nahmen aber leider nicht die Nichtnng gegen die Schützenlinie. Erst zmn Schlnß des Triebes zogen mehrere Hühner über die Herren hinweg, wovon eines erlegt wurde; desigleicheu kam eiu Hase zum Schusse uud HZ ^'tVNdl'l^ H>)l!!!l', wnrde von Ehorinskl) erschossen: es war der echte grane, syrische Hase, etwas magerer und kleiucr ltnd nm vieles duukler gefärbt als unser Feldhase, doch diesem in allen: ähnlicher als dem afrikanischen Wi'lstcnh.'lsen. N,ich dem eben nicht allzu glänzend ausgefallenen Triebe giengen wir, Tantur rechts liegen lassend, au der Hyäueu-Embuscade vorbei nach dem Kloster Mar-ElyKs, von wo ans sich eine herrliche Fernsicht über Jerusalem darbot. Es war der letzte Vlick anf die heilige Stadt und dcreu Umgebung; von nnn au gicug es stets dem Osten nnd dann dem Norden wieder zu. Vom Kloster ans beschlossen wir einen langen Streif nach dem Princip der böhmischen Rebhühner-Jagden, in einem Zng bis zn uuserem Lagerplatz zu nnternehmen. Ein weiter Weg nnd recht stark conpirtcs Terrain standen nus bevor; ein Hügel erhob sich hinter dem andern und alle waren dnrch tiefe, steile Thäler getrennt. Die Treiber ließen wir anslanfen, zwischen ihnen theilte ich die Herren nnd Jäger ein uud auf diese Weise war eiu breiter Streifcu Laudcs jagcud gedeckt. Die Sonne bräunte ehrlich, kein Luftzug regte sich, und wolkenlos, in Dünste der Mttagshitzc gehüllt, breitete sich das blaue Firmament aus. Schon der erste Hügel kostete viel 34* 208 Schweiß; die steilen Lehueu, mit turzeiu Gra^? beivachseu, waren überaus glatt nud keiu Steiit leistete dem Fuß Widerstand nnd Stütze. Einige Steinhühner flogen in weiter Ferne auf: ein recht starker Schakal wurde von Chorinsky gefehlt und der Großherzog erlebte eiue ganz auffallend große Schlange, die eineu gnten Schliß brauchte, mn ihrer habhaft zll werden. Zwei grangrüne grasige Hiigel waren glücklich überklettert; die Treiber folgten faul; Unterbrechungen entstanden nnd das Bild einer richtigen Streifjagd nach europäischein Muster gieug immer mehr Und mehr verloren. Die Gegend begann einen anderen Charakter aufnehmen, Steinplatten, Felswände, Höhlen und Grotten, alte Manern, staffelförmig dazwischen angebaute Oehl- nnd Weingärten, felsige Thäler, in derselben Art wie senes hinter dem Dorfe Betsahur, traten au die Stelle der kahlen Hügel. >laum hatten wir dieses Terrain betreten, als auch schon ein Schakal dicht unter mir ueben einem Felsblock hervorsprang; ein nachgesandter Schusi warf ihn zn Boden, doch allsogleich verschwand das flinke Thier, tödtlich getroffen, in einem tiefen Ban. Da ich meiner Vente habhaft werden wollte, schickte ich meinen Jäger mit dem Auftrage, die Dachsel herbeizuholen, nach dem Lager zurück uud wartete nuu an dem Plahe, wo mich der treue Achmed, stets dienstbereit, mit Limonade labte. Die anderen Herren sehten den Streif bis nach Hanse fort; Graf Waldbnrg schoß auch noch ein Steinhnhn, das vor ihm aufflog. Bald erschien mein Jäger mit den drei Dachseln; „Scheck", der größte nnd stärkste, ein Slavonicr von Gebnrt, fuhr der Erste mit wilden» Eifer in den Bau; „Eroat" und „Opeka", seine eroatische» Genossen, folgten ihm nach. Einige Seennden waren kaum verflogen, als mau schou Gepolter uuter den Steinen vernahm; ich dachte anfänglich an einen .^lampf mit dem kranken Raubthier, doch bald wnrde ich eines Besseren belehrt und ein Blick iu die Röhre überzeugte mich von der Tüchtigkeit der braven Hunde. Mit aller Anstrengung zerrten sie deu todten Schakal au das Tageslicht. Nuu wurde der Heimweg über eiueu recht arg zerklüfteteu Vergrückeu augetreteu; eiuige Höhleu, vor dereu Eiugaug frische Fuchs-, Schakal uud bei eiuer sogar Hyäueuspureu zu bemerke» waren, lies; ich von den Hnnden absnchen. Leider blieben diese Versuche erfolglos; auch brannte die Souue fürchterlich uud die Dachsel ermüdeten rasch auf del, heißen Steinplatten. Bald hatten wir das Lager erreicht; eiuige Stunden der Ruhe thaten wohl. Vor Sonnenuntergang kletterten Waldbnrg nnd ich noch an den Hängen desselben Thales herum, iu dem wir den Abend zuvor cincn Schakal-Anstand bezogen hatten. Sowohl die Snchc mit den Huuden,als auch eifrige Vemühnngen, eiuen alteu Steinhahn, der anf einer Platte balzte, anznschleichen, blieben erfolglos nnd so begnügten wir nns damit, die eutgegeugesehte Lehne nnd den Höhenkamm zu erkletteru, um die schöne Anssicht nach deu Gebirgen am Todten Meer zu genießen. Mit Eiubruch der Dunkelheit kehrten wir iu das Lager zurück, iu dem bald Ruhe herrschte, als wohlthätige Vorbereitung für die kommenden Reisetage im Iordan-Thale. Am .'!, Morgens verbreitete sich schon in früher Stuude reges Leben im Lager. Die Zelte wnrdeu abgebrochen nnd alles Gepäck anf die Tragthiere verladen; auch waren zwei Hyänen ans Tantnr angelangt, schöne, starke Exemplare, welche sich des Nachts bei demselben Eselskopf vergiftet hatten. Eiuige B^duiueu von deu Naudgebirgeu des südwestlich.'!! Todteu Meer Ufers kameu iu das Lager; 2tirch^ wurde hieranf vom Eustoden di Terra Santa und seinen 270 Franziskanern Abschied gencmuueu; dichte Menscheumengcn hatten sich augesammelt; ueugierig oetrachteteu uns die schönen Vetlehemitaueriuueu nnd nochmals vun cinem Ncgen von Bettelbriefen überhäuft, verließen wir die heilige Gebnrtsstadt Christi. Die letzte Stadt, die letzten biederen Bewohner eines cnltivirten Landes lageu hinter uns; für einige Zeit sollten Nur nun dem Gebiete der freien Nomaden, den echten Vedninen angehören. Von Vetlchcm ans mnßten wir denselben Weg an unserem früheren Lagerplatz vorbei einschlagen. Während wir in ein enges, von graugrünen Hügeln eingeschlossenes Thal ritten, entschwanden bald Vetlehcm, Tantur, Mar-Elyäs, die steinigen Gebirge, die Plateaux nnd cnltivirtcn Hänge unseren Blickeu. Der Mittelmeer-Typus und der Charakter der asiatischen Steppe, die monotonen, mit knrzem Gras bedeckten Verge, die gewundenen, jede Fernsicht versperrenden Thäler nahmen nns anf. Anfänglich war der Weg recht gut, manchmal konnte mau sogar auf kleinen Wiesen in schärferem Tempo reiten, doch je weiter wir kamen, desto höher wurden die Berge nud eugcr der Fußsteig, welcher vou nnn an immer au deu steilen Häugeu führte, da die Thalsohlc nur aus ciuer felsigen Schlucht bestand. Ein echter Vednine auf einem nicht sehr gut gewarteten, aber recht hübscheu Vranu ritt uits als Wegweiser voran; es war der Schech eines Stammes aus dieseu Bergen; seine Kleidung, ein weiter dunkler Mantel über lichte Unterkleider gehängt, nud ciu einfacher Säbel, sowie gelbe Pautoffcl zeigten die Spnren einer gewissen Aermlichkeit. Der Ritt durch die schmalen Thäler bot nicht viel Abwechslung; hie nnd da erregten cuge, recht schlechte Passagen vorsichtige Aufmerksamkeit nnd in der That hatten wir häufig Gelegenheit, die Geschicklichkeit der arabischen Pferde Zn bcwnndern, mit welcher sie über glattes Gras und schiefe Steinplatten schritten, an Stelleu, wo jeder Fehltritt ciueu Fall weit iu die Tiefe nach sich gezogen hatte. Auch die Thicrwelt war in jenen öden Gebirgen nicht stark vertreten; Geier, Adler nnd hie nnd da einzelne Störche zogen nns über die Köpfe, sonst blieb alles rnhig. In weiter Ferne sahen wir auf der Spitze eines Hügels ein Beduiucn-Lagcr. Mau irrt sehr, wenn man sich die Zelte als hohe, spitzige, aus bleudcud weißen Tüchern errichtete lnftige Gebände vorstellt; im Gegentheil, es sind duuklc, ans Thicrhäutcn verfertigte niedrige Hütten; eine bläuliche Rauchsäule stieg aus dem Lager anf nnd Menschen nnd Hccrden trieben sich um die flüchtige Niederlassung hernm. Nur arme Stämme lebeil zwischen den mltivirten Theilen Palästina's in dieser Gegend, z. V. Vetlehem uud dein Iordan-Thalc; sie ziehen ill dcu Randgcbirgen mnhcr, lassen ihre Heerdcn, die Pferde uud Ziegen an den grasigen Hängen weiden, wechseln je nach d^n B^d.irf die Lagerplätze, kommen manchmal bis in die Nähe dcr Städte, wo sie mit Vieh Handel treiben, sich aber nicht lange anfhalten dürfen; erkennen, insoweit sie dies uicht belästigt, die Oberhoheit des Snltaus au und zahleu Steneru, so viel es ihneu eben beliebt, meistens gar uichts. Untereinander bekämpfen sich diese kleinen Stämme oft, zumeist wegen gegenseitiger Räubereien an Vieh oder gar einer Stnte. Das wahre Vedninenlebcn der großen, mächtigen nnd reichen Stämme begiuut erst am Jordan-Ufer. Drübeu an den östlichen Gestaden dieses Flnsses leben jene wilden Schaarcn, die vollkommeu uubotmäßig, deu Sultan uud sein Chalifenthnin uicht auerkenuen und so oft als es nur dcr Mangel au türkischer Militärmacht crlanbt, über den heiligen Flnß herüberschwimmen und das gelobte Land beunruhigen. Nach langem Ritt endet das enge Thal und der Fußsteig führt anf den Kamm eines hohen Vcrgrückeus, von wo aus eiue herrliche Fernsicht sich erschließt. 271 Dicht unter uns ein steiler Hang, an dessen Fnß ein rnndcr Thalkessel, nmgcben von hohcn Vergen, rechts nnd links unzählige Kuppen, Nucken nnd langgestreckte Hügel, alle einförmig, graugrün, echte Steppenlaudschaft; aus dein Thalkessel führt nur ein schluchtartiges Thal in südöstlicher Nichtuug hinaus; durch dasselbe gewinnt man einen eng begrenzten Wck auf den tiefblauen Wasserspiegel des Ein schwerer Mstiry. Todten Meeres uud die kahleu, weißeu Felswände der schön geformten Hochgebirge des entgegengesetzten Ufers. Am jäh abfallenden Hang unter unserem Staudplatze zieht sich der Fußsteig iu Serpentinen hinab. Der grüßte Theil der Tragthiere der großen Caravaue machte ebeu unter unaufhörlichem 272 Glockengelänte diesen schloeren Abstieg während die schnellsten schon iin Thalkessel angelangt waren, nw die nnermüdlichen Diener anf einer steinigen Wiese die ersten Zelte anfschlngen. Die Herren setzten ebenfalls den Weg fort nnd nnr der Großherzog nnd ich wollten am Bergrücken warten, bis das ganze Lager anfgeschlagell sei nnd indessen ein Zicklein schlachten nnd dasselbe hinter einer 5!npve, die gedeckte Annäherung erlaubte, als Köder anslegen. Hnnderte von Geiern nnd Adlern kamen von den Hochgebirgen am Todten Meer dahergezogen und strichen, einer hinter dem andern, alle in derselben Richtung. Mit pünktlicher Genauigkeit verfolgten sie ihre tägliche Marschroute gegen Jerusalem. Unser Zicklein würdigten sie keines Blickes nnd nnr zwei Kolkraben uud eiu Aasgeier »mitreisten den Platz, ohne sich aber niederzulassen. Tie Soune brannte fürchterlich, kein Lüftchen regte sich und nicht die geringste Wolke trübte das dunkelblaue Firmament. Nach einer Stunde verließen wir die ungünstige Stelle und giengeu, das Zicklein, welches wir Tags darauf noch auslegen wollten, mitschleppend, zu Fuß nach dem Thalkessel hinab. Je tiefer wir kamen, desto schwerer und drückender wnrde die Lnft und durch das Seitenthal drang als erster Gruß vom Todten Meer und dem Jordan-Thal eine bleierne Atmosphäre herauf, die wir in deu nächsten Tagen fürchten lernen sollten. Bald hatten wir den Thalkessel erreicht, wo unser Lager indessen vollends anfgeschlagen war; eine kleine Stadt stand da nnd reges Leben herrschte in der sonst ganz öden Gegend. Tie zwei Jagdaraber, welche seit Latrnn der (iaravane jagend folgten, erschienen mit reicher Bente für die Küche. Außer vielen Steinhühnern brachten sie anch einige der kleinen, hübschen Mppenhühner; es war das erste Mal, daß wir deu Verbreitungskreis dieses schönen Vogels erreicht hatten. Tie Araber, welche »lit ihren unvollkommenen Waffen nnr anf sitzendes Wild schießen können, schleichen die Hühner, gedeckt dlirch einen brann nnd gelb bemalten Vorhang an, der mittelst Znckerrohrstäben gespannt wird nnd nnr dnrch zwei Oeffnnngen für die Angen nnd eine für das Gewehr Ausblick uud Ausschuß gewährt. Die dummen Vögel sehen keinen Menschen nnd gaffen so lange stier den beweglichen Vorhang an, bis ans demselben der todbringende Schnß fällt. Gleich nach nuserer Ankunft wnrde ein Frühstück verzehrt, während die orientalifchen Diener mit viel Geschick den Lagerplatz für die Nacht ermöglichten. Jeder Stein mnßte anfgehoben und auch das ganze Gras gnt abgesncht werden; allenthalben saßen große, dicke Seorvione, deren bösartige Eigenschaften wir leider in den letzten Tagen der Reise noch gründlich kennen lernen sollten. Nach dem Frühstück wurde beschlossen, dein berühmten Felsenkloster Mar Saba einen Besuch abzustatten. Der Weg führt vom Lagerplatz iu das vorerwähute enge Thal; rechts nnd links fallen steile, mit Gras bewachsene Lehnen ab, die plötzlich ihre Form verändern nud als senkrechte Felswände in einer tiefen, steinigen Schlncht endigen. Der Pfad schlangelt sich stets oberhalb der Wand am letzten Rand der grünen Lehne; das Gestein nnter nns in der dnnklen grausigen Schlucht ist unterwaschen, voll Höhleu nnd Nischen, in denen viele Felsentanben nnd Röthelfallen friedlich neben einander brüten. Auf Schritt und Tritt jagt man diese befiederten Bewohner auf, die dann ängstlich von einer Seite der engen Schlucht zur andern flattern. Nach einer halben Stnude gelangten wir zn einem alten Wachtthurm, der am Rande der Felswand steht; von oben koinmend, gewahrt malt sonst keine Spnr der großen geistlichen Ansiedelnng, die wohlversteckt an die Felsen der Echlncht angebaut ist. Äiiji'chlageu des Lagers bei Mar-3aba, 275 Beim Thürme muß der Wanderer mit aller Vehemenz an die wohlverriegelte Thür klopfen, ehe es sich unten hinter den festen Mauern rührt nnd die Pforte allmälig mifgeht. Die arntell Mönche mußten viele Vorsichtsmaßregeln zu ihrem Schntze ergreifen, denn schon hänfig spielten ihnen die Muslimen bös mit< Im Jahre l>14 wnrde das Kloster zum ersteu Mal von den persischen Schaaren nnter Chosrocs geplündert; 796 nud 842 folgten andere asiatische Völker demselben Beispiele und nach wiederholten kleineren Ueberfällen erfolgten in den Jahren 1832 uud 18A4 große Massacres, bei deuen die wilden Stämme des linken Jordan-Ufers alle Mönche niedermetzelten. Jetzt mnß jeder Pilger, der Einlaß begehrt, au dein Thurme ciuen Brief dlirch eiu Feuster deiu loachehaltendeu Popen übergeben, der ihn dann mittels einer eigeneil Vorrichtung uach dem Hanptgebände des Klosters hiunuterläßt; ails dem nämlichen Wege kömmt die Antwort mit der Erlanbniß empor nnd erst dann darf das Thor geöffnet werden. Nach Sonnennntergang wird Niemand mehr trotz Briefes eingelassen, sonne auch Franeu wegen der strengcu Regel der griechischen Mönchsorden niemals das Innere dieser frommeu Culonie betreten dürfen. Durch das Thor nnter dem Thurm gelangten wir über eine steile Treppe zu eiuer zweiten Thür, von da abermals über viele Stnfen anf eine schmale, gepflasterte Plattform. Hier theilen sich die Wege uud mau gewinnt den erstcu Einblick in das Innere dieser höchst merkwürdigen Gebäude. Ein Conglomerat von Stiegen, Plattformen, Terrassen, an den Fels angebanten Wohuräumeu, alten Holzhütten nnd durch Balten getragenen Gängen, Kapellen, Höhlen und Grotten erstreckt sich längs der Felswand vom obersteil Thurm bis nahe zur Sohle der Schlucht; das letzte Stück ist nur durch eiue Stiege vom Kloster herab in Verbindung; natürlich sind anch gegen den unteren Eingang zu feste Thüreil uud ein Labyrinth von Gängen, die vor Eindriugliugen ans dem Thale heranf schuhen. Me Ränme dieses merkwürdigen Gebändes zn schildern, wäre eine langwierige Arbeit. Ein Gewirr enger Stiegen, viel Schmntz, wenig Licht uud allenthalben hervorblickender blanker Fels sind die Charaktereigenschaften dieses Klosters. Auf der ersteu Plattform empfieng nns der griechische Bischof von Vetlehcm, umgebeil vou sehr vieleil, recht ärmlich ausseheudeu Mönchen. Inmitten dieses Platzes steht ein kleines Gebände, von eiuer Kuppel überdeckt; dariu befiudet sich das reich verzierte Grab des heiligeu Sabas, nahe davon steht die enge Nicolmis Kirche, mehr oder weniger eine einfache Felshöhle, in der die Schädel der nuter Chosroes gemordeten Märtyrer liegen. Die Hanpt'Klosterkirche, eine echt altgriechische Basilika, enthält viele auf Goldgrund gemalte schwarze Heiligenbilder uud all' die reich vergoldeten uud versilberten Gegeustäude, wie mall sie iu deu orthodoxen Gotteshänsern findet. Der Bischof sprach vor uns am Altar eiu griechisches Dankgebct, dem ein Chorgesang der Mönche folgte, welcher in den alten Gemäueru recht effeetvoll klang. Das Grab des heiligeil Damaseenus-ChrysorrlMZ, eines der größten altgrichischen Kirchenväter, wnrde uns auch gezeigt. Natürlich mußte mail viele geweihte Steine und Plätze küssen und argen Nosenöhl nnd Weihrauch geruch eiuathmcu. Von hier ans begann nun die eigentliche Besichtigung des Klosters. Die l?i> Mouche lcbcu in deu Zellcu des Hauptgebäudes iu mehr oder weniger wohnlich eingerichteten Höhleu nud auch ill Holzhütteu, die sie sich an die Felswand geballt haben. Anf den Plattformen und Terrassen, und wo immer eiu Plätzcheu sich nur faud, legten die frommeu Leute iu mühsam herbeigeschaffter Erde kleiue Gärtchen an; 35°- 2?s, aus einein derselbe» ragt ein alter Palmbanm hervor, den der heilige Sabas selbst pflanzte und der bis heute noch kernlose Datteln trägt. Das Tnrchstöbern aller Nänme ist eine mühsame Arbeit und fort geht es Stiegen anf, Stiegen ab nnd oft durch so niedere Gänge, die nur eine vollkommen gebückte Haltuug gestatten; uebstbci dnrchdringt ein schrecklicher Gestank alle Theile dieser Ansiedelung. In einem eigenen kleinen Gebäude befindet sich ein armselig eingerichtetes Fremdenzimmer, in dem nns die freundlichen Mönche mit fürchterlichen, roseufarbigcu, faden Getränken bewirtheten. Von da aus gelangt man über eine offene Stiege znm Eingang in die Hohle des heiligen Sabas; mehrere in den Felsen gehauene, fenchte Räume müssen passirt werden; iu zwei Grotten lebten der Legende nach der Heilige nnd sein Löwe, den er dnrch Gebete gezähmt hatte, friedlich nebeneinander. Frisches Stroh zeigt an, daß besonders fanatische Mönche noch jetzt von Zeit zu Zeit in diesem düsteren Orte Hansen, nm dem Heiligen zu gleichen. Nahe an dieser Stelle erblickt man eine andere Höhle in der Felswand; ein alter Mönch, mit blaffen, von religiöser Leidenschaft dnrchfurchten Zügen, in elende Lumpeu gehüllt, wählte sich diese Behansnng. Ueber eine senkrechte Stiege uud ein schmales, an der Wand angebrachtes Brett gelangt er in seine Wohnnng; alltäglich mnß er diesen gefährlichen Weg znrücklegen. Wir sahen ihn ans der Kirche über den verhängniswollen Steg nach Hanse gehen. Von einer der größten Plattformen ans genießt mau einen guteu Ueberblick in die Schlucht. Die gegenüberliegende Felswand befindet sich höchstens in einer Entfernnng von 15i<) Schritten; auch drüben sind Grotten und Höhlen, jetzt hausen darin Schakale, Falken nnd Taubeu; ciustens waren sie von Eremiten bewohnt. Auf deu Felseu, iu numittelbarer Nähe des Klosters, lebt ein Vogel in großer Menge, den ich sonst nirgends in Palästina antraf; es ist dies ^.in^6i^> Ii-^wiimi, der Berg Glanzvogel. Alle Zinnen, Plattformen, Dächer und Felsen sind von diesen glänzend blauschwarzen Vögelu mit rothbranueu Schwingen förmlich bedeckt nnd von allen Seiten erschallt ihr hübscher Gesang. Ein Mönch hat sie gezähmt; wenn er tagtäglich nm dieselbe Stunde pfeift und rnft, dann kommen sie herbeigeflattert, sehen sich ihm vor die Füße uud selbst auf Kopf und Echultrru nnd nehmen Brotkrnmen aus seinen Häuden. Auch die Raubthiere werdeu herbeigelockt; deuu allabendlich nm die Stnnde des Gebctläutens erscheinen die Schakale iu der Schlucht und warten, bis ihnen Brotstücke herabgeworfeu werden. Wie man alts alledem ersieht, ist hier das orientalische Christenthnm anf der ältesten Stnfe der Ascetiker der ersten Iahrhnndertc stehen geblieben. Unwillkürlich wähnt sich der Wanderer in die Tage der Anfänge des Christenthums der alten Eremiteuansiedclnngeu der Berge Athos uud audercr heiliger Plätze zurückversetzt, wo die frommeu Männer, die feither alle heilig gesprochen wnrden, im fernen Orient, in ununterbrochenem Gebet wie Füchse iu Höhlen hausten. Das ist die alte erste christliche Kirche, sie war ja orientalisch, uud das heutige Mar^Saba erhielt sich reiu nud nuvcrfälscht am Standpunkt jener frommeu Eiusiedler des dritteu und vierten Jahrhunderts. Es ist kein Kloster nach europäischen Begriffen, sondern eiue Ansiedelung vou Eremiten, eine Schaar selbstständig lebender Einsiedler, die durch Gefahreu auf einen engen Ranm zusammengedrängt wnrden. Weder die Wissenschaften, noch üppiges Leben olühcn anf diesem Berge, uichts als Gebet, tagtäglich dieselbe stete Anbetuug Gottes, vollkommene Ascese uud Abtödtuug. Eiu Kiud des ucuuzehutcu Jahrhunderts, eiu echter West-Europäer kauu sich nicht mehr in dieses Leben hineindenken, nur der Orieut kounte solchen Fanatismus erzeugen Mar-2llba. 27!) und bis auf den hcntigen Tag erhalten. Die Rabbiner, welche au der alten Tempelmaner honten, die ihr ganzes Leben hindnrch hockenden, die drehenden nnd die sich selbst verstümmelnden Derwische, sind sie etwas anderes? Nein, das Wesen ist dasselbe, nnr die Form ist eine verschiedene. Die Ascetiker von Mar-Saba genießen niemals Fleischuahrung, nnr Gemüse und Brot; alltäglich rnft der helle Klaitg der Glocken alleEil^siedlerin die Kirche zusammen zn gemeinsamein Gebet, allnächtlich nin die zwölfte Stnnde feiern sie ein Hochamt nnd die alten griechischen Gesänge verstummen erst, wenn der Morgen dämmert. Unter den frommen Brüdern fand ich einige Rnssen, Siebenbürger Wrilachen, Slavonier, Serben, Vulgären, doch weitans die meisten waren Griechen ans Enropa nnd anch Klein-Asien. Die Erzahlnng von den allabendlich erscheinenden Schakalen reizte mich sehr nnd mir die Erlaubniß der Eremiten verschaffend, kroch ich über alle Stiegen und Gänge in die Schlucht hinab. Neben einer alten Cisterne bei zwei großen Steinen, kancrte ich mich hin. Der Punkt war nnheimlich ernst; vor mir die kahle Felswand, hinter mir die Felseuausiedelungen der Mönche, ober meinem Kopfe nur ein schmaler Ansblick nach dem blauen Firmament. Als der Abend heranrückte, flatterten die Glanzstaare, Falken und Tanben in ihre Höhlen, nnr hie nud da erscholl noch ein knrzer Vogelsang; «nan konnte sich in den Tagen des heiligen Sabas wähnen. Es begann zn dämmern; die hellen griechischen Glocken riefen zum Gebet; kanm waren die letzten Töne verklnngen, als ein Stück Brot dicht neben mir herabsanste; gleich daranf stand anch fchon ein Schakal auf höchstens zwanzig Schritte vor mir. Ein glücklicher Schnß streckte ihn zu Buden; ich war froh, mit meiner Bente der schrecklichen Schlncht, die im Niveau des Mittelmeer-Spiegels liegt, zn enteilen. Eiue bleierne Luft, wie ich sie iu meinem Leben früher iwch nie gefühlt, wirkte hemmend beim Athmen nud drückte erschlaffend anf deu ganzen Körper; iu den nächsten Tagen sollten wir noch tiefer gelangen nnd es demzufolge noch ausgiebiger bekommen. Durch das gauze Klostergelnet kletterte ich nnn, von den frommen Männer» Abschied nehmend, bis zum Thurm, nnd hinanseilend, gelangten wir bald bei vollkommener Dlmkelheit in das Lager. Das Diner wurde noch eingenommen nnd die weiteren Pläne für die nächsten Tage entworfen; gegen 10 Uhr kehrte volle Stille iu das öde Thal ciu. Mit Sounenanfgang verfannuelte sich die Reifegesellschaft zum Frühstück. Wir saßen eben beim Tische, als eiu Aasgeier die Keckheit hatte, in das Lager hereinznstreicheu uud sich zwischen die Zelte, einige Küchenabfälle verzehrend, zu setzen. Der Großherzog holte rasch seiuc Flinte uud schoß deu dreisten Vogel nieder. Für die ersten Morgenstunden beschlossen nnr, nns nach verschiedenen Richtungen zn vertheilen. Der Großherzog nnd ich bestiegen einen der höchsten den Thalkessel einschließenden Berge, um da anf der Kuppe das Zicklein abermals auszulegen; dic andereu Herrcu gieugcn auf Felsentauben jagend, in der Schlncht nach Mar-Saba. Wir hatten einen langen uud recht mühsamen Aufstieg; die Lehnen waren glatt und steil, einige Felsenplatten uud röthliche Fenersteinwäude mnßten erklettert werden und die Hitze war schun sehr fühlbar. Anf der Bergspihe angelangt, fanden wir ein recht gntes Versteck, das den Nachmittag zuvor von meinen Jägern hergerichtet worden war. Wir saßen durch zwei Etnnden lauernd, vom Ungeziefer unerbittlich verfolgt; außer eiuigeu Aasgeiern, anf die wir nicht schießen wollten, kam gar nichts. Der Zug der großen Raubvögel begann abermals Vormittags, wie immer die genane Marschroute uach Jerusalem einhalteud; keine Berlocknng ist im Stande, sie von ihrem Weg abzuhalten. 280 Unverrichteter Dinge kletterten wir wieder, die kiirzeste Linie verfolgend, zum Lagerplatz hinab, wo eiilstweilen die Zelte abgebrochen mtd der größte Theil der Earavane schon ill Bewegnng gesetzt worden war. Bloß cm Thcil der .'»tiichc und mi kurzes Frühstück blieben noch da, um nils vor der Weiterreise zn stärken. Die Herren hatteii in der Schlncht eine bedeutende Zahl Tauben, Falken und verschiedenes kleines Zeug erlegt. Nach frugaler Mahlzeit nahmen wir nun Abschied vom Grafen Eaboga, desseu Gefälligkeit loir viel verdankten; er wollte denselben Tag noch nach Tantur zurückkehren, ließ mW aber für die ganze weitere Neise seinen Diener Ferdinand und das gute Pferd, einen wnnderschönen arabischen Hengst, den er von einein Bedninen-Stamme gekauft hatte uud welchen ich seit dem Einzug in Jerusalem täglich ritt. Ich war für diese Aufmerksamkeit des Grafen sehr dankbar, denn das hübsche Thier gieng in den Gebirgen sehr sicher und in den Ebenen nngemein schnell, vertrug anch gut die schweren Strapazen der täglichen Arbeit nud die Nächte im Freien. Als alles zu Pferde saß, begann die Weiterreise der Kolonne, den Beduinen an der Spitze. Aufäuglich hatte die Gegend denselben Charakter wie jene in der Nähe unseres Lagerplatzes, doch gar bald wnrden die Thaler noch enger, die Berge höher, an die Stelle bloßen Grases trat kahles, gelbes Erdreich und spiegelglatte lauge Steinplatten mnßten überritteu wcrdeu. Auf einer kleiuen, von Felsen umgebenen Wiese inmitten dieser Einode standen zwei Störche, sie waren wahrscheinlich am Znge und richten sich da aus; den einen schoß ich, als er cmfflug, heruuter. Für die Pferde war der Fußsteig überaus beschwerlich und sie mnßten mit aller Vorsicht gehen, denn allenthalben war der Platz darnach, daß ein Abfallen in die Tiefe leicht möglich gewesen wäre. Wir kaineu an nnzählig vielen Bergspitzen, Kuppen, über Bergrücken, dnrch Thäler nnd Schluchten hindurch, unaufhörlich bergauf nnd bergab reitend; das Terrain ist dort so eoupirt, wie man es sich nicht ärger vorstellen kaun, dabei vollkommen baumlos uud ohne die geringste Spnr menschlicher Thätigkeit. Nach langem Ritt änderte sich die Bodengcstaltnng, die Hänge wnrden sanfter, die Steine verschwaudeu gauz, hohes grüues Gras und blühende Blumen keuuzeichueteu die echte Steppe im Frühlingsschmnck. Die grangelben Gebirge, die wir früher durchkletteru mnßten, ziehen sich vom Süden nach Norden gerade fort, in westlicher Richtnng jeden Ansblick verwehrend. Ein dnftendes Plateau voll Vlumenpracht nimmt uns anf und wird im Galopp Passirt, der Boden ist gnt nnd die Pferde springen lnstig ninher, froh, den Felsplatten nnd abschüssigen Pfaden entronnen zn sein. Die Steppe ist großartig, doch unleugbar eiutönig, aber dabei nicht tranrig, wie die viel imposautere Wüste; der Blumenschmuck verleiht im Frühling der ersteren den Vorzng, letztere kaun nnr buute Steine aufweisen nnd die Vegetatiouslosigkeit ist ihr Merkmal. Abermals tancht ein Berg vor nns anf; noch zum Gebirgszng der sogenannten Berge „Iuda" gehörend, ist er von der Nichtnng der anderen abgewichen nnd tritt in steilen Contouren, gauz eigenthümlich geformt uud gefärbt, iu das Plateau hinaus. Der ganze spitzige Kegel ist ein Conglomerat von gelbem Lehm, rotheil Felswänden nnd brannen und grauen Steinen, dabei vollkommen pflanzenlos. Zwischen ihm nnd den anderen Nandgebirgen müssen wir dnrch eine tiefe Echlilcht passiren. Es ist ein böser Uebergang, nichts als glatte Platten neben abfallenden Wänden; ilnser Beduine selbst steigt ab; an einer Stelle können die Pferde sogar nicht geführt werden, die tlngen Thiere folgen frei ihren Herren; iu solchen Momenten lernt man das arabische Pferd nnd seine hohen Geistesgabcn ungemein schätzen. Eines nnsercr Tragthiere fiel an jener bösen Stelle nnglanblich weit in die Tiefe, kam aber zum Glück auf das Gepäck mit dem Nucken zn liegeil uud trug wunderbarer Weise nur eiuige Eontusionen davon. 281 Der Aufstieg ails der Schlucht war besser als der Abstieg mid über eine grasige Fläche gelangten wir längs des N»rdfnf;es des Berges nach )iebi-Mnsa. Es ist dies ein bedentender Wahlfahrtslirt der Äiohainedaner, welche da das Grab des Propheten Mmses zeigen; eine kleine, halbverfallene Moschee Abgestürztes Tla„thicr. und ein erbärmliches Pilgerhans kennzeichnen den Platz, den alljährlich Tansende von Pilgern besnchen. In diesen, dem Propheten geweihten Tagen, darf kein Christ es wagen, jene Gegend zn betreten, er wäre dann seines Lebens nicht sicher. Als wir dahin gelangten, war Niemand da, ausgenommen eine türkische Familie, welcher dic Anfsicht der heiligen Stätte anvertraut ist. 36 282 Unser Lager stand nahe von der Moschee anfgeschlagen. Der Platz liegt äußerst malerisch; es ist rill kleilies, init Gras lind Gebüschen bedeckte« Hochplateau in südlicher Richtnng von dem röthlichen Berge, in westlicher von den das Jordan Thal begleitenden grangrünen Gebirgen eingeschlossen; nach Norden zu fällt das Plateau sanft, nach Osten hin steil, in Form schiefergraner Lehmwände in die ^ordail Niederiiug ab. Ein herrlicher Ueberblick über die breite, saftig-grüne Ebene, das üppige Jordan-Thal, bot sich lins dar; glücklich waren wir, die Nähe wenigstens des heiligen Flusses, der segen- und uns jagdspeudeudeu Lebensader dieses Landes, erreicht zu haben. Alleuthalben schrieen Steinhühner und wir vertheilten nns noch, um dieses schöne Wild zn snchen, doch leider war die Sonne schuu untergegangen nnd die Dämnierilng begauil. Einige Wachteln stieß ich im hohen Grase ans und große Züge kleiner Vögel schwirrten von eineln Busch zmu andern; von erfolgreicher Jagd war keine Rede mehr nnd so kehrten wir alle in das Lager zurück, mn in unmittelbarer Nähe des Grabes des großen Weisen uud Propheten Moises rnhig zn speisen nnd zu schlafen. Am folgenden Morgen vor Sonnenaufgang brach die ganze Reisegesellschaft wieder auf. Die große Earavaue wurde iu kürzester Linie über Jericho nach Am es Sultan dirigirt, während wir von unseren Beduinen geführt und mit mehreren Gendarmen als Begleitung den interessanten Ansflng znm Todten Meer uuternehmeu wollten. Von Nebi Musa ans ritten wir in gerader östlicher Richtuug über steile Verghänge, sehr schmale Pfade, durch ausgewaschene Erdrisse, über ein schiefergranes, poröses, vollkommen vegetationsloses Terrain. Ginige Adler nnd Geier saßen anf den schmaleu Rippen nnd Kanten, welche an dieser Stelle, vom Berge parallel eine von der andern durch kleine Schlnchteu getrennt, herablanfen. Nach einer Stnilde beilänfig hatten wir den Fuß des Gebirges erreicht uud wie mit eiuem Schlage befand man sich iumitteu dichter Gebüsche, auf sandigem, vortrefflichem Reitboden, lleppige Gebüsch Eomplexe wechselteu mit grasigen Flächeil nnd im raschen Galopp wnrde diese Strecke vassi'rt; durch einen alten, jetzt ansgetrockneten Gießbach reitend, gelangten wir zwischeu hohem Rohr, langem Gras uud emporragenden Gesträuchen au das sandige, flache Ufer des Todten Meeres. Jeder Tritt des Pferdes ist vernehmlich wie auf der zerbrechenden Decke gefrorenen Schnee's; der ganze Sand ist hier von einer SalpeterM'nste überzogen, deßgleichen hernmliegende ausgeschwemmte Holzstncke. Der Bahr Lüt (Lot-See), wie die Araber das Todte Meer nennen, da Mohamed die Erzählung des Lot in den Ehorän anfgeuommen hat, ist ein wundervoller Hochgebirgssee; tiefblau, groß, schöu geformt, östlich von den zackigen graugriiueu Gebirgen, die wir in den letzten Tagen kennen lernten, westlich dnrch wahre Hochgebirge mit Weißlichgranen Wänden eingeschlossen. Das Wasser selbst, ein dicker, schwerer Brei, mit mineralischen Bestandtheilen stark durchsetzt, macht jedem lebenden Wesen die Existenz unmöglich nnd der See ist in der That ganz todt und ansgestorben. Einige der Herren versnchten zn baden; Ertrinken ist dabei allsgeschlossen, denn kein menschlicher Körper kann untergehen, das Wasser trägt voll selbst, hingegen aber legen sich dichte Salzkrusten an die Hallt an, welche das Vergnügen eben »licht erhöhen. Die Lnft am Todten Meer ist bleiern schwer, ähnlich jener in tiefen Bergwerken, und erschlaffend wirlt sie anf jeden Meuschen; diese Erscheinnng ist eine Folge der tiefen Lage, denn der Spiegel des Todten Meeres liegt 3!)4 Meter nuter jenem des Mittelländischen. Eine kurze Strecke hindnrch ritteil wir knapp am Ufer, bogeil dann in nördlicher Richtung ein, über lehmige und sandige Flächen. Arennender Rohrbruch. 285 Zu unserer Rechten bemerkten wir eiue Ebene, die sich bis zu den dichten Iordan-Anen erstreckte; zu unserer Liukeu unter einen, brüchigen Erdabfall eine sumpfige Niederung, mit fast uudurchdriuglicheu Compleren von Rohr- und Gestrüppbeständen ausgefüllt. Nahe vor den Neitern wechselte ein starkes Wildschwein in eine jeuer dicht bebuschtcu Parccllen. Als ich des machtigeu Thieres ansichtig wurde, sprang ich von: Pferde uud folgte auf der Spur nach; das nur weuigc hundert Gänge große Gebüsch umgehend, fand ich die Bcstätignug, daß das Wild noch uicht durchgewechselt sei; nun stellte ich rasch die Herren an nud ließ dnrch die Gendarmen treiben; gar bald ward es nus klar, wie schwer es sei, aus dieseu iu der That undurchdringlichen Gesträuchen, Rohr- und Grasmasseu, weun selbst der komplex noch so klein ist, ein Stück herauszujagen. Alle Versnchc blieben fruchtlos, selbst das Anzünden; deuu uur die grasreicheu Theile brauuteu iu hoheu Flanuncn, riesige Nauchsäuleu iu die Lüfte seudeud; die iuuerstcu Dickichte, im vollen Saft des Frühlings strotzend, begannen nicht einmal zu glimmeu, boten daher dein Wild sichere Schlupfwinkel. Schade, daß diese Jagd mißglückte, deuu aus Steppen, öden Gebirgen nnd Felsenregionen ist die Thierwelt in jene herrlichen, üppigen nnd von Menschen vollkommen ungestörten Dickichte der Jordan-Ebene zusammcngedräugt und an dieselben angewieseu. Die Fährten, die ich im weicheil Lehm faud, sprachcu für dcu Wildreichthmu dieses Platzes; ans engem Raum sah ich die Spuren mehrerer Wildschweine, Hyänen, Wölfe, Schakale, des asiatischen Pauthers, Luchses uud kleiuerer Naubthiere, die ich uicht unterscheiden tonnte. Von einer Wasserlache flogeu zwei Wildgäuse uud mehrere Strandläufer auf, uud in den Nauchwolkeu ober dem Feuer kreiste ciue Schaar Pelekaue uud ein neugieriger Flußadler. Die Pelekane kamen plötzlich längs des Todten Meeres dahergczogen, umschwärmten von vergeblichen Büchsenschüssen begrüßt, durch ciuige Minuten das Feuer und zogeu hierauf schweren Fluges im Thale uordwärts fort. Da die Zeit dräugte, verließ ich dieseu Platz uud ritt, unausgesetzt am herrlicheu Vodeu galoppirend, über sandige Stelleu, grasreiche Haiden, zwischen dichten Gebüschen, kleinen, ganz uiedereu Äaumeompleren, man könnte sie fast als Miniatur Wälder bezeichueu, über einige dem Jordan zueilende Gcbirgsbäche mit brüchigeu Ufern, großeil Steinen uud üppigem Pflauzeuwuchs, bis zum Dorfe Jericho. Das jetzige Jericho besteht mir ans einigen erbärmlichen Hütteu, von cleudeu, durch das schlechte Klima verkommenen Leuten bewohnt, die ihres stark ausgeprägten Diebssiuues halber berüchtigt siud. Dichte, mit langen Dornen bewehrte Zäune umgeben das Dorf; ein Thurm, als letzter Ueberrest aus den Tagen des fränkischen Königreiches ragt empor nud daueben soll die Stelle seiu, au der das Haus des Zachäus staud. Eiue alte Sikomore wird als der Vaum bezeichnet, vou dem aus der fromme Mann den Erlöser betrachtete. Elend nnd herabgekommcu ist der Ort, au dem eine blühende Stadt in den Tagen des Alterthums sowohl, wie bis zu den Zeiten der Kreuzfahrer stand. An den letzten Hütten ritten wir vorbei und gelangten dnrch die in der That gartenähnliche Vegetation über wilde Hafcr-feldcr uud zwischeu blumeureicheu Gesträuchen an den Fuß des westlichen Naudgebirges. Das nächste Ziel, die herrliche berühmte Sultausquelle Aiu es Sultau, lag vor uns. Von hier sollte die eigentliche Erpedition im Jordan Thale beginnen. IX. Capitel. Am ca-5mlw!!, Cl-^udic, Äbd-cl-Kndcr, C^ismi, Ocrg Tiüwr, N,^nrc1h, Jahr! lmch f>nift. EiitschissniüZ. ^M^. m Nande der Vegetationsgrcnze, wo dichtes Vllschiverk in scharf gezogener Linie dcm steinigen 5MllM Gebirge weicht, sprudelt eine Quelle in üppiger Fiille ans dem Boden hervor und läuft iu '^.W^ ein altes, steinernes Becken. Wo Quellen der Erde entspringen oder Gießbäche aus dem ^Mi^ Gebirge segcnspeudend herabsinkeu, findet mau Vegetation, Wald, Bnsch und Feld. Längs l ^,inm!5idl'chs>'. Stamme» war geung, nm den Wanderer der Wnth des anderen preiszugeben. Jetzt hat fie fast alle der weise Greis nnter seine Herrschaft vereinigt nnd unendlich groß ist das Gebiet, dessen Nomaden-völker ihm blindlings gehorchen. Tausende von Reitern, ünupfeskühne Wnstensöhne, folgen seinen Winken nnd eine Art Chalifat hat sich da herausgebildet. Nach kurzer Unterredung verließ uns 294 Schech-Ali unter ceremoniösen Abschiedsgrüßen; eine vornehme Ruhe kennzeichllet dasBcnehmeu dieser Lente nnd ein stolzes Selbstbewllßtsein, die man in Europa selten in diesem Maße findet. Die edlen Rosse wnrden bestiegen nnd ningeben von einem treneu Lanzenloald ritt der Nomadenkönig heiin in seine endlosen Steppen. Der Gouverneur von Nablus, ein echter Turkmene, ein angenehmer, recht gebildeter Mann, stets beflissen, nnseren Wünschen nachzukommen, erwartete nns desgleichen bei den Zelten. Er trug das Pascha-Gewand, aber über den Fez, der Hitze halber, weiße Tücher gespannt. Ein knrzes Frühstück wnrde eingenommen, doch Niemand konnte viel Speise zn sich nehmen; die drückende schwere Lnft steigerte sich in den Mittagsstunden in nnerhörtem Maße nnd ewiger, unstillbarer Dnrst verdrängte in diesen nnter dem Meeresspiegel liegenden Gegenden jeden Appetit. Nach einstiindiger Rast brach ein Theil der Reisegesellschaft abermals auf, nm die Nachmittags- nnd Abendstnnden znr Jagd zu benutzen. Salim, der Führer einer Bande Iagd-Vedninen, sollte nns wildreiche Plätze zeigen. Er war ein tüchtiger, braver Geselle, den ich bald lieb gewann lind als Jäger achten lernte. Am Pferd, ans der Jagd nnd im Kampf aufgewachsen, tonnte er als Typns eines echten, nnbedingt freien Arabers gelten. Seine Gestalt war klein aber sehnig, das Gesicht, dnrch energische Züge, einen knrzen Vollbart nnd ein Paar echter Falkenangm geziert, hatte eine für diese Landstriche auffallend dnnkle Farbe, ähnlich jener afrikanischer Araber. Die Kleidnng bestand in einem weißen, hochaufgeschnrzten Bnrnnß, einem kleinen Turban nnd gelben Schuhen, in denen die mageren Beine steckten; als Bewaffnung trug er nnr ein kurzes Mcfser im Gürtel nud eine Peitsche in der Hand. Seine Begleiter, es waren deren beilänfig fünfzehn an der Zahl, lange, hagere Bnrschcn, die meisten bärtig, von brauugelblicher Gesichtsfarbe, zerfehteu Kleidern und Tnrbanen am Kopf, alls theils weißen, theils brann nnd weiß gestreiften Stoffen erzeugt, mit langen Gewehren, alteu Pistolen nnd kurzeu Messern bewaffnet, Stöcke oder Peitschen schwingend, waren seeleugute, aber nngemein jagdlustige Gesellen. Hnnde folgten; raeelose, wolfartige Köter, die wir aber dann achten lernten. Einige der Bednincn hatten gekranstes Haar lind auffallend dnnkle Hallt; deutlich konnte man an ihnen die Spnrcn von Negerblut erkennen. Mit dieser Gesellschaft verließen wir das Lager. Ein ziemlich langer Fnßmarsch stand bevor; Reiten war leider numöglich, denn die Pferde waren seit Sonnenaufgang in scharfer Bewegung gewesen und wir benöthigten sie in voller Kraft nnd Gesnndheit für die nächsten Tage. Anfänglich führte nns Salim dnrch die sogenannten Wälder; es sind dies eigentlich üppig grüne Wiesen nnd wilde Haferfelder, mit Gebüschen nnd niederen, verkümmerten Bänmcn bald mehr bald weniger überdeckt. Alles hat im Iordanthale Dornen, das hohe Gras im Frühling lange Stacheln mit Widerhaken, die sich in das Fleisch der Thiere und Menschen festsetzen, jeder Busch, jeder Banm ist mit Spitzen bewehrt; man kaun sich denken, wie Kleider nnd Hant aussehen, nnd wahre bittere Leiden mnß der jagdlustige Wanderer in diesen Gegenden mit Resignation erdnldeu. Auf den Bänmen lind Sträuchen regte sich alles von vielartiger Vogetwelt; in jene gesegneten Landstriche sind die Thiere eng zusammengedrängt, nnd so fand man allerlei schöne, für nns neue Exemplare. Die echt asiatische Girrtanbe ließ allenthalben ihre Stimme erschallen und die liebenden Tauber führten Flugknuste iu deu Lüften ans; der große Hesperidenwürger sowie viele Singvögel schmetterten ihre Lieder alls den dnntlen Gebüschen herans, und auf Schritt uud Tritt entflogen 295 Wachteln dein wilden Hafer. Anch an Raubvögeln, Adlern, Milanen und Falken war kein Mangel. Das Kleingcthier schien deßgleichen in großen Mengen vertreten zn sein; schlanke Eidechsen, Plnmpe Frösche nnd große nnd kleine Inseeten in Hnlle nnd Fnlle niachten die Gegend nnsicher. Nach einiger Zeit verließen wir diese Gartenlandschaft nnd gelangten in die Steppe; gelber Graswnchs bedeckte den Boden, der mich lebhaft an die Heimat, an die nngarischen Pnßten erinnerte. Unzählige Hcnschrecken schwirrten da vor nnseren Füßen ans nnd man konnte einen Begriff davon erhalten, wie dieses Thier in 296 Asien zu gewissen Zeiten zu einer wahren Landplage sich gestaltet. Plötzlich hielt Saliin inue und erklärte, wir seien ain Ziele unserer Reise. Ein Gießbach, vom Gebirge kommend, iu gerader Liuie durch die Ebene zun: Jordan fließend, lag zioischen steilen Lehmwänden vor uns da. Interessant geformt sind diese Wasserlänfe; auf beiden Seiten von senkrechten, einige Klafter tiefen, brüchigen Wänden eingeschlossen, bieten sie in ihrem Inneren das Bild eines wilden Durcheinander. In der Mitte fließt ein um diese trockene Jahreszeit nur schmaler Bach, um ihn hernm ist ein Gewirre von Felsblöcken, lehmigen Stellen, dichten, in der That nndnrchdringlichen Gebüschen, Bänmen, nwrschen Stämmen, Moder nnd Schutt aller Art, ein Urwald auf engem Raum; an den breitesten Stellen beträgt die Entfernung von einem Ufer znm anderen höchstens 200 Schritte. Einige Schützeil sollten nun an der rechten, andere an der linken Seite am oberen Rande der Lehmwändc gehen, während die Vedninen, mit ihren Hunden auf gleicher Höhe bleibend, die Gesträuche nnd Steine in Form eines Streifes durchstöberten. Salim blieb neben mir lind leitete die ganze Jagd. Anter nnnnterbrochencm Geheul nnd Schleudern von Steinen giengen nnd sprangen die Treiber im Bache umher; bald krachten lustig die Schüsse, denn ein Hnhn nach dem andern flog auf, um bald wieder in den Gebüscheu einzufallen. Stein- nnd Klipvenhnhner, sowie Wachteln uud Singvögel verschiedener Nrt entflogen den Verstecken; ill den brüchigen Uferu uisteteu Mandelkrähen nnd Biencufresser. An lehmigen Stellen fanden wir Spnren von Wild- nnd Stachelschweinen, von letzteren auch Stachelu und ihre Vanc; leider verkriecht sich dieses schene Thier beim geringsten Gercinsch nnter die Erde und wird daher bei Tage fast niemals erlegt. Wir hatten schon einige Zeit gejagt nnd ein großes Stück längs der Ufer znrückgelegt, als plötzlich die Hunde in eiuem fast lmdurchdringlichen Gebüsch Lant gaben. Ich suchte ciu geflügeltes Klivvenhnhn und war daher glücklicherweise in der Thalsohle. Da fiel ein Schuß von der anderen Lehne nud einer der Herren rief mir zn, ein Gürtelthier sei eben gefehlt worden uud laufe vor den Hunden. Die Beduinen lind ich folgten in großen Sprüngen der Jagd, die plötzlich verstummte. Bei eiuem Baum faudeu wir, um dessen Stamm uud Wurzeln hernmgebant, einen mehrere Schnh hohen, aus Aesten verfertigten, biberbanähnlichen Thurm; mau kaun diese Constructiou vorzüglicher Thier-Architektur nicht auders bezeichueu; auf zwei Seiteil waren ruude Eingänge. Als die Beduinen diese Behausung erblickten, wichen sie ängstlich zurück. Salim postirte mich nun neben dem eiueu Alisgang, währeud er seineu Leuten befahl, bei dem anderen ein Feuer anzulegen. Als die Flammen hell aufloderten nnd das Gebände schon zu prasseln begann, kroch eil, eigeuthümliches lindwurmartiges Thier von gelbröthlicher Färbnng, wohl über vier Schuh lang, behntsam hervor und wollte sich eben iu eiuen höchst komischeu Zotteltrab versetzen, als em wohlgezielter Schuß seinem Lebeu ciu Ende machte. Meine interessante Vente war eine Eidechse. Ich kenne mich unter den Reptilien nicht gut aus, doch so viel ich glaube, lag eiue jeuer großen Varan-Eidechsen vor nns da. Run hieß es, das seltene Exemplar nnversehrt nach dem Lager zurückzusenden nnd da die Araber sich energisch weigerten, das kalte Thier mit den Händen zu berühren, mnßten wir eine kleine Tragbahre alls Stäben constrmren, den großen Todten darauflcgeu uud unu durch eiuen Beduinen heimwärts schicken. Wir setzten die Jagd indessen fort; doch bald bemerkten wir, die Hühuer seien dnrch die vielen Schüsse verscheucht, nnd mit Wildschweinen schien nns diesmal kein Glück bcschiedcn zn sein' daher suchte die ganze Jagdgesellschaft nnter einem großen Baume eine schattige Eberjllgd. 299 Stelle, wo sich alles, durch die drückende Hitze ermattet, im Grose niederlegte; die Beduinen sogar und ihre stämmigen Hunde kenchten nach Wasser lechzend. Im Bach war nur wenig und eben kein sehr reines vorhanden, doch der treffliche Achmed hatte wie immer einige Flaschen Limouade bereit, die er in einem Hochgebirgs Rucksack am Rückeu schleppte. Nach halbstündiger Rast forderte nns Salim zu einem neuen Iagdzug aus. Der Großherzog mit Hoyos, Eschenbacher uud Räth beschlosseu, jagend nach dem Lager zurückzukehren. Choriusky uud ich waren noch thatendnrstig und folgten den Veduiueu in die Steppe hinaus. Nach langem Marsch kamen wir zu einigen kleinen Gebüschen, denen bald eine feuchte Stelle nud eiu ruuder, uur einige hundert Gänge langer Rohrcomvlex folgte. Salim postirte uns auf der einen Seite, während er auf der anderen die Treiber anstellte; was iu diesem Verstecke lag, mußte, sobald es dasselbe verließ, zu Schusse kouuueu. Achmed ist ein braver Mann, doch wilde dämpfe mit wehrhafteu Thiereu liebt er nicht und als er die Sitnation überblickt hatte, bat er mich, sich in einer gewissen Entfernuug hinter einem Vnsch ausruhen zu dürfen, nud eiue Antwort nicht abwartend, verschwand er eiligen Schrittes. Ich hatte wich bei einem stark ausgetretenen Schwarzwildwechsel aufgestellt. Kaum wareu die Huude iu das Rohr eiugedruugeu, als auch schou eiue wilde Hatz begauu. Jagd- uud Standlant wechselten iu rascher Folge uud das Gebell der Huude vermengte sich mit dem infernalischen Geschrei der Treiber; endlich nach einer laugen, anfregenden Viertelstunde brach ein starkes Wildschwein aus dem Dickicht hervor und nahm in voller Flncht den Wechsel au, an dem ich stand. Hohlgeschosseu mit einer Kugel unter dem Kreuz, brach es auf mcineu Schuß im Feuer zusammen, erhob sich gleich wieder uud setzte wuthschuaubeud dcu Weg fort. Der gute Achmed, die Tragweite eines Wildwechsels nicht erkennend, hatte sich quer über denselben niedergelegt; nun kam das angeschossene Thier dahergebraust und griff in blinder Wuth den armeu Mann an. Zmn Glück war ich, so schnell ich nur laufen konnte, gefolgt; ich fand auch Nchmed schreiend, nüt hochgeschwnugenem Tascheumesser uur mehr auf einem Veiue stehend, das andere streckte er »oie zur Wehr dem bösen Thiere entgegen. Das Schwein rüstete sich zum entscheidenden Angriff, doch ehe es noch unseren Helden erreicht hatte, lag er schon flach am Boden. Die große Gefahr erkennend, sandte ich der starken Bachin, die eben die weiteu Beinkleider Achmcd's mit dem Wnrf untersuchte, eine glücklicherweise mmneutau tödtliche Kugel. Nuu lagen Schwein nnd Egypter friedlich nebeneinander, letzterer grün vor Angst nnd an allen Gliedern schlotternd; für ciuige Miunteu hatte er die Sprache verloren. Bald erschienen auch die Beduiueu mit vor Freude funkelnden Augen am Platze. Das Wildschwein, den unseren, besonders jeueu mächtigen Exemplaren aus deu ungarischen Wälderu sehr ähulich, ist grundverschieden vom uordafnkauischen, viel tleiuereu uud feiner gebauteu Pechschwarzen Eber. Mein Jäger weidete das Thier regelrecht ans, worauf die Araber es auf ihre zusammengebundenen Stöcke legten, und vier Maun trugeu uun die schwere Bente zurück. Ein weiter Weg stand nns noch bevor. Zwischen den Gebüschen fehlte Choriusky einen echten Wüstcnhasen, jenes kleine gelbe Thier, das wir in Afrika kennen gelernt hatten. Der Marsch durch die Steppe bei sengenden Sonnenstrahlen war eben nicht allzu angenehm. Als die Sonne zwischen ru'thlichgelben Dünsten hinter den Naudgebirgen untergieng, hatten wir die Wälder und Gebüsche erreicht, wo uns noch ein einstündiger Weg erblühte. Wachteln flogen auf Schritt uud Tritt auf, doch wir wareu zu müde, um zu schieheu und dachteu nur 38' 300 an das Lager; ein lustig plätschernder Nach mit ziemlich reinem Wasser gewährte momentane Labnng, dann gieng es wieder weiter. Die Nacht war vollkommen hereingebrochen, einige Feller funkelten zwischen den Gebüschen, es war das Lager der nns zugetheilten Bedninen; gespenstisch nahmen sich die hohen Gestalten in ihren langen, weißen Bnrnnssen im matten Schein verglimmender Feuer ans, hoch ragten die Lanzen, ranhe arabische Kehllaute nnd schwermnthigcr Gesang klangen dnrch die Nacht, die Pferde wälzten sich im Grase nnd kläffend sprangen nns die Hnnde entgegen. Chorinsky nnd ich giengen mitten durch die uns freundlich begrüßenden nnd frischen Trnnk reichenden Wüsteusöhuc hindnrch. Noch eine Viertelstunde nnd wir kamen zn nnseren bnnten Drusen, deil Dienern Howard's nnd den Manleseln: daneben lagerte die türkische Cavallerie. Hundert Schritte nnd wir hatten nnsere Zelte erreicht. Das Dinev uiurde gleich eingenommen; nach Sonnennutergang nahm die schwere Hihe dermaßeu zn, daß selbst des Nachts jeder von uns wie im Schweiß gebadet lag; anch waren einige der Herren und Diener durch die dicke ungewohnte Lnft uuwohl geworden. Trotz der höchst interessanten Erlebnisse des Tages uud der schönen Iagderfolge herrschte eine nnlengbar gedrückte Stimmung in der Reisegesellschaft, die in den nächsten Tagen noch zunehmen sollte. Das Klima der Jordan Niedernng wirkt beängstigend auf jeden Enropäer ein. Am s>. Früh nach dein Frühstück beschlossen wir nns jagend zn vertheilen, mehrere der Herren giengen nach derselben Nichtnng, wo wir Tags znvor waren, der Großherzog nud ich ritten, begleitet von Salim nnd seinen Lenteu, durch die üppige Garteulaudschaft gegen Jericho. In der Nähe des Ortes fließt eil, Gießbach vom Gebirge durch die Ebene zmn Jordan. Abermals steile Lehmnfer, große Felsblöcke, plätscherndes Wasser nud noch viel dichtere Vegetation als an jenem Bach, dm wir gestern durchstöbert hatten. Der Großherzog blieb am linken, ich stieg an das rechte Ufer. Die Beduinen drangen in die Dickichte ein nud ein lustiges Jagen begann. Nach wenigen Minntcn hatteu wir schon einige Hühner erlegt, doch bald gaben wir die niedere Jagd anf, da die Beduinen viele frische Wildschweiuspuren fanden. Knrz daranf schlagen die Hnnde an, ein starkes Stück Schwarzwild poltert dnrch die Gebüsche weg, doch nnr ans einen Blick sichtbar, kein Schnß kann angebracht werden. Ihn« folgt bald ein zweites, wie ein Hase im hoheu Gras vor deu Treibern aufspringend; der Großherzog streckt es mit eiuer Kugel uieder. Eine mittelstarke Vachin wird aus dem Bach heransgezerrt nnd anf einem Esel in das Lager zurückgesendet. Wir setzen die Jagd fort, noch einige Wildschweine entkommen nns, entweder im dichten Unterwnchs zwischen den Treibern znrückbrechend oder zu weit voranoeileud. Der Großherzog fehlte eiues iumitteu des Baches. Bald daranf geben die Hunde wieder Laut. Mit lautein Poltern lind Brechen erklimmt ein sehr starler Becker, geschmückt dnrch lange blendend weiße Waffen, die Lehne zwischen mir lind den Treibern und versucht in die Steppe zn entwischen; ein glücklicher Blattschliß streckt ihn zn Boden. Hocherfreut sende ich die herrliche Beute nach den: Lager zurück. Nun begannen wir wieder auf das in großer Menge vertretene niedere Wild zn schießen. Roth-nnd Klippenhühner, Purpur- uud Nachtreihcr, sowie auch Wachteln nud Bceassiuen wurden erlegt, einige Adler ill zn großer Entfernnng gefehlt. Da die Mittagshitzc sich recht fühlbar zn machen begann, beschlossen wir die Jagd zn nnterbrechen; iu den Bach hinabsteigend, entdeckte ich allsogleich anf lehmigen Stellen Hyänen-, Wolfs- nnd Schakalfährten, anch jene von Lnchsen lind kleineren Katzen. Die hnndeartigen Thiere kommen nach Aussprnch der Vedninen nnr des Nachts aus den Gebirgen Vci den Beduinen. 303 zum Wasser, während die katzenartigen in dcn dichten Gebüschen nnd hohlen Bäumen Hansen, doch niemals, selbst dnrch Hunde nicht ans ihren Verstecken zu jagen sind. Die Fährten der Stachelschweine waren anch in bedeutender Zahl vertreten, einmal jagten sogar die Hunde bis zu eiuem Van, vor welchem wir die frische Spur dieses komischeu Thieres und einige Stacheln fauden. Nun beschlossen wir das Stachelschwein in seiner Wohnung aufzusuchen uud schickteu daher meinen Jäger auf einem guten Pferde mit dem Auftrage, die Dachshuude und einige Schaufeln zn bringen, in das Lager zurück. Indessen lagerte sich die Jagdgesellschaft im Schatten einiger Bäume nieder, wo Limonade getruuken und Cigarretten gerancht wnrden. Der Großherzog hatte an diesen: Morgen ein eigenthümliches Thier, nämlich die käugnrlihartige Springmaus erlegt. Als die Dachsel kamen, ließen wir sie gleich in den Bau. Alsbald vernahm man Knurren und Bellen, doch leider eilten die sonst so tapferen Huude mit eiugeklemmtcr Rnthc ängstlich an das Tageslicht hervor, wollten anch nicht wieder in die Röhre hinein. Nun befahlen wir den Beduinen zu graben, was aber bei der sengenden Hitze nicht eben allzn rasch von statten gieug; freie wilde Jagd ist mehr ihrem Geschmack augemesseu als knechtische Erdarbeit. Die Erfolglosigkeit unserer Bestrebungen erkennend, brachen wir diese Unterhaltung ab, nachdem wir deuu doch eineu iuteressauteu Fuud gemacht hatteu. Iu der Röhre des Baues wurde eiu wahrscheinlich vom Thier, uach Art vieler Höhlenbewohner, hinein geschlepptes protestantisches Psalm buch aufgedeckt. Die echten evangelischen Lieder nnd Psalmeu: „Eiue feste Burg ?c." und ein Gebet für deu Kaiser Wilhelm standen darinnen; im Ganzen war alles, Einband so wie Ter.t, gut erhalten, nnr klebten einige rothe, blutige Fleckeu am Papier. Weiß Gott, wie dieses europäische Werk iu jeue öden Gebiete gekommen war nnd wie es dessen Besitzer verloren hatte; vielleicht dörren seine Gebeine anch wo in der Nähe in uudurchdriuglicheu Gebüschen. Auf uuseren Pferdeu trateu wir die Heimreise an, voran ritt Salim im gestreckten Galopp; ohuc Sattel und Decke saß er am nackten Rücken eines kleinen Braun, das lustige Thier nur durch einen einseitig angebrachten Strick leitend. Unmittelbar neben Jericho bemerkte ich eiueu Schlaugeuadler, der sich im Bache badete; durch die überhängende« Ufer gedeckt, war ein glückliches Anschleichen ermöglicht, was ich anch allsogleich that nnd das prächtige Exemplar nach wenigen Minuteu erbeutete. Nach diesem kurzen Intermezzo sehte ich den Ritt fort und erreichte, Dank der großeu Geschwindigkeit meines Schimmels, gar bald unser Lager. Die audereu Herren hatten anch eine ansehnliche Zahl, doch nur uiederen Wildes erlegt; eiue regelrechte Strecke wurde hergerichtet und hierauf das Frühstück eingenommen, leider bestand dies mehr im Wegjagcu der Fliegeu als im Essen; von dieser Masse der gegen unsere Speiseu einstürmenden Insecten kann mau sich keiue Vorstellung macheu. Die heißesten Stnnden brachten wir im Lager zu, der Ruhe pflegend; leider gestaltete sich dies bei der schrecklichen Hitze zu einer unansgesetzten Qual nnd nur mit Mühe konute mau insoweit seine Gedanken sammelu, um die uothweudigeu Notizen zu Papier zn briugeu und einige Briefe in die Heimat zu schreiben. In den Mittagsstunden geuossen wir alltäglich im Jordanthale die augenehme Temperatur von 40 Grad Reaumur. Gegen 5 Uhr Nachmittags brach ich wieder anf, diesmal allein in Gesellschaft Salim's uud einiger Beduinen; aufäuglich jagte ich zwischen den Bäumen auf Girrtauben, dann durchstreiften wir 304 einige wildc Hafcrfelder, wobei ich eine ausgiebige Portion Wachteln für die Küche erlegte, was schon recht nothwendig war, da die Vorräthc bereits ziemlich übel rochen nnd besonders die vielgepriesenen Conserven eine perfide Ausdünstung im Lager verbreiteten. Dnrch Gebüsch nnd Haag streifend, hatte ich Gelegenheit, die herrliche Vegetation dieses Landstriches zn beobachten. Am meisten fielen mir anf die Arten: Nxxplws I^owZ nnd 3pina (ükrisli, ans deren Früchten nnsere, jedem zn Katarrhen neigenden Enropäer wohlbekannten Injnben geinacht werden, ferner der Zakkmn' oder Balsambanm nnd 8oluiiuln slincwm; die bernhmten Ierichorosen ^n^Ltuti^a Ilieracimnticli findet man nnr knapp an den Ufern des Todten Meeres. Mit Sonnenuntergang kehrte ich in das Lager znrück, wo bald gespeist nnd dann zur Rnhe gegangen wnrde. Ioibau-Vcdninen. Rücktchr von der Eberjagd. 307 Des anderen Morgens vor Sonnenanfgang brach die große Caravane anf, die Zelte wnrden verladen nnd nnter dein üblichen Lärm nnd Geschrei sehte sich die Earavane in Bewegung. Knrz nach dem Frühstück folgten anch wir, geführt von einein Beduinen nut langer Lanze nnd fliegendem Mantel; anf einem schönen Fnchshengsten reitend, konnte er als Muster eines echten Arabers gelten. Jener Schech, der von Betlehem bis Hieher als Wegweiser gedient hatte, war vom Pascha weggejagt worden; die Gründe, weßhalb dies geschah, sind nur nicht'bekannt. Anfänglich ritten wir am Fnße des Randgebirges an der Vegetationsgrenze; zwischen dichten Gebiischen kamen wir hindurch nnd nnter niederen Bäumen, die alle förmlich bedeckt waren mit eben erst vom Schlnmmer erwachenden Störchen. Nach einiger Zeit verschwanden die Stränche nnd die wilde Garteulaudschaft des Qnellengebietes von Snltan-Am nnd die echte Steppe nahm uns wieder anf. Im Ganzen war der Rcitboden gnt nnd man konnte fast immer galoppireu, nnr hie lind da mußten steinige Stellen nnd alte Wasserrisse in der Nähe des Gebirges passirt werden. Nach zweistündigen! Ritt eröffnete sich zn nnserer linken der Eingang iu ein ziemlich breites Gebirgsthal; im Inneren, weit am Begum desselben, liegt die Quelle von El-Andje. Ein Bach, frnchtbarcs Land spendend nnd erhaltend, fließt im Thale nnd ans demselben heraus dnrch die Ebene nach dem Jordan. Niedere Bäume nnd Gebüsche mnßteu dnrchschritten werden nnd am anderen Rande dieses hier schmalen Vegetationsstriches erwartete nns Salim mit seinen Lenten, jagdlnstig lind bereit, nns nach guten, wildreichen Gebieten zn führen. Die große Carcwane nud die meisten Herren bogen linls in da'? Seitenthal nach der Quelle von El-Andje ein. Der Großherzog, Hoyos nnd ich folgten den Bedninen. Auffallend viele Raubvögel standen hier anf den Vänmen nnd in Zeit weniger Minnten hatte ich einen Schlangen- nnd einen Zwergadler nnd Hoyos ebenfalls einen Zwergadler erlegt. Zwischen den Gestränchen erstreckten sich Flächen wilden Hafers nnd hohen Grases, in denen es von Wachteln wimmelte; anf Schritt nnd Tritt flogeu sie empor nnd hätten wir genügend Mnnition gehabt, wäre die Jagd auf dieses Wild brillant ansgefallcn. Steinhnhner fanden wir nur sehr spärlich vertraten nud Klippenhühner fehlten ganz; einen langen Streif, stets in gerader Richtung ostwärts jagend, kameu wir weit iu das Innere der Jordan-Ebene. Abermals am Nande der Steppe angelangt, ruhten wir im Schatten eines Vamnes durch eiue halbe Stunde ans. Dann wurden die Pferde bestiegen nnd von den zn Fuß nachlanfenden Vedninen gefolgt, ritten wir über die grasige gelbliche Ebene. Nach einer halben Stunde beilänfig kamen wir an den Rand eines tiefen Einschnittes im Hochplateau, weit nuten plätscherte ein Bach zwischen hohen, brannen Erdwändcn; ganz überraschend wirkte diese eigenthümliche, plötzlich erscheinende Landschaft. Die Pferde verlassend, nmßte nnn die steile Lehne hinabgeklettcrt werden; längs des Baches, der nns dnrch sein Salzwasser enttäuschte, in einer ganz engen Schlucht vorwärtseilend, erreichten wir einen kleinen, von einigen hundert Fnß hohen, fast senkrechten Lchmwänden eingeschlossenen Thalkessel; das Innere desselben war mit sumpfigen Grasflächen, niederen Gebüschen uud nnem Rohrbrnch ansgefüllt. Als einziger Answeg schlangelte sich an der Ostseite ein schmaler Wildwechsel an der Lehne nach dem Bergkamm empor. Salim forderte nns mm anf, am entgegengesetzten Rande des Röhrichts Stellnng zn nehmen, da er mit jeiuen Leuten nnd Hnnden das Schilf durchtreiben wollte. Wir hatten noch nicht nnsere Stände erreicht, als auch schon ein starkes Wildschwein das dichte Bersteck verließ lind den einzigen 308 Ausweg dm Gebirgswechsel anliehmend, auf demselben flink wie eine Gemse emporkletterte. Mehrere auf 400 Schritte nachgesandte Schüsse blieben ohne, Wirkuug. Nnn lief ich rasch in die Nähe dieser gczwnngencn Passage; n»ch loar ich in einer Entfernung von wenigstens 200 Gängen, als abermals cm schwerer Becker den schmalen Weg einschlug. Zwei Kngeln applk'irte ich ihui auf den Pelz, doch beide nicht unbedingt tödtlich; schwer krank, den Hinterlauf klageud, schleppte sich das angeschossene Thier langsam über den Kamm des Gebirges. Nnf das hin kamen alle Treiber herbeigeeilt und behutsam ließ ich sie in eiuer gewissen Entfermmg folgen, ich selbst wollte der Nothfährte nachschleichen. Anfänglich fand ich im Lehm die frische Spnr eines Panthers, gleich daranf jene des kranken Wildschweines, nmgeben volt ausgiebigem Schweiß. Der Kainm deö Höheuzugev war bald erstiegen; ein herrlicher Blick in ein eben nicht breites, aber an Vegetation aller Art, an Büschen, Wiesen nud hoheu Väumeu reiches Thal bot sich mir dar. Auf der gegenüberliegenden Seite erhoben sich ebenfalls steile Erdwände als Abschlnß des Bildes. Die Fortsehnng desselben Wechsels verfolgend, eilte ich sehr steil bergab, die Nothfährte einhaltend, nach der Thalsohle; daselbst angelaugt, führte mich die Spnr über eine Wiese, zwischen Gebüschen, einem steinigen Bach nnd lehmigen Stellen hindurch an den Rand dichter Gestrüppe. Dort wartete ich die Anknnft meiner beiden Begleiter nnd der Beduinen ab. Die Huude wurdeu uun gleich anf der Fährte gelöst nud wenige Augenblicke darauf veruahm ich den erfreulichen Klang eines sicheren Staudlautes nnd eifrigen Gefechtes. Dnrch den dichten Unterwnchs eilend, erreichte ich eine kleiue, von Wald nud Gestränchen eingeschlossene Wiese, inmitten derselben tobte ein heißer Kampf. Die Hunde hielten sich wacker, zerrten nnd bissen uuter wütheudem Geheul den sich tapfer und noch recht frisch wehrenden Eber. Einen günstigen Angenblick erhäschend, sandte ich dem starken nnd dnrch schöne Waffen geschmückten Wildschwein den tödtlichen Fangschuß. Erst jetzt hatte ich Gelegenheit, die nächste Umgebung zn betrachten; zwischen hoheu Bäumen nnd dichtem Gesträuch hiudurch glänzte in unmittelbarer Mhe vor mir ein blinkender Wasserspiegel, uud das Nauscheu eiues Flusses draug au mein Ohr. Schnell rief ich meine Gefährten, um ihnen die frendige Entdeckung mitzutheilen. Dank der Verfolgung des tranken Ebers war nnfer Wnnsch in Erfüllung gegangen nud wir hatteu deu uoch in weiter Ferue geglaubten heiligen Fluß, deu vielgepriesenen Jordan erreicht. Dnrch die üppige Vegetation hindurch, eiu brüchiges Ufer hinab, eilten wir an eine Sandbank, um vou uächster Nähe das Wasser uud die hübsche Umgebung betrachten zu köuneu. Au beideu Gestaden blühen dichte Auen mit hoheu Lanbgäugeu, Weidengebüscheu, blumenreichem Unterwuchs uud eiuer im Ganzen au die Auwälder Europa's erinnernden Flora. Der Flnß selbst trägt den Charakter eines echten Gebirgsgewässers, reißend, schnell, zwischen Felsblöckeu nnd Steinen lnstig plätschernd; man hätte sich an die Ufer der Enus oder Traun, in nusere schönen Alpen versetzt denken können. Während die Bedninen tranken nnd dann das Wildschwein anf den Nucken eines Esels lnden, den sie zn diesem Zwecke mitgeführt hatten, rnhten wir im Schatten der Bänmc ans, allmälig eine Hülle nach der anderen ablegend. Das Wasser des Jordan ist, im Vergleiche znr heißen Temperatnr der Luft, sehr frisch nnd so wird ein vorsichtiges Allskühlen vor dem Bade absolut nothwendig. Nach einer halben Stuude beiläufig gieugen wir in die herrlichen Flutheu, bis weit iu die Mitte des Flusses hinein. Es war nicht unr eine außerordeittlich wohlthätige Labung, sondern anch zugleich eiue interessante Neise Episode. All! Illldan. 311 Hier setzte das Volt der Israeliteu, dlirch eiu Wunder geschützt, über den reißenden Strom; David kehrte mit Varsillai in einem Boote in sein (Gebiet zurück uud Elia schlug niit seinem Mantel die Flntheu, so daß sic sich zertheilten. Später trug der große Christoph das Jesuskind durch dasselbe Gewässer; »ud was dem Christen am nächsten steht, ist die Taufe des Heilandes durch Johannes, der im härenen (Gewände in diesen Wüsten von Heuschrecken nnd wildem Honig lebte, deu Jesus von Nazareth besnrhen kam, sich von dem frommm Einsiedler nnd Vorläufer des neueu Glanbens taufeu M lassen. Und in diesen Auwäldern erscholl die Stimme des Herrn: „Dn bist mein vielgeliebter Sohu, an dem ich mein Wohlgefallen habe." Alljährlich kommen große Züge gläubiger Pilger, um im Jordan zu baden, desseu Wasser iu die Heimat zu briugen, lim ihre Kiuder damit taufen zn lassen. Die orthodoxen Griechen tauchen in demselben Hemde in die heiligen Flutheu unter, das sie in ihrer Todesstnnde wieder anlegeu. Nach dem Bade eilten wir gestärkt uud erfrischt, vou den Bedninen gefolgt, deuselbeu Weg, über den Wildschweinwechsel, dann durch den Thalkessel nnd hinanf an den Rand des Platean's, den wir früher herabgckommeu wareu. Die Pferde wlirden bestiegen und unter Salim's Führung ritten wir qnerfeldein iu gestrecktem Galopp über die Steppe. Nahe vom Eingänge in das enge Thal von El-Andje kam nns der Gonverneur mit einigen Gendarmen entgegen; das lange Ausbleibe:! und die Richtung, die wir nach dem Iordau eiugeschlageu hatten, ängstigten ihn sehr nnd so war er aus die Suche ausgezogen. Die Stelle, an der wir des Morgens zn jagen begannen, mußte passirt werdeu, worauf wir bald in das Innere des Thales eindrangen. Die Sohle ist mil üppiger Gartenlandschaft bedeckt, die einschließenden Höhen trageu den stets gleichbleibenden Charakter jeuer Randgebirge, lange, steile, nur spärlich mit Gras bewachsene Lehnen. Dnrch dichte dornige Gebüsche und mehrmals über einen steinigen Bach Ufer wechselnd, führte unser schmaler Weg eudlos lange im Thale fort. An den Hängen standen Störche in ganz nuglanblicheu Mengen. Ich habe noch niemals solche Massen dieser Vogel in einer Gegend vereinigt gesehen, wie besonders hier in dein Thale von El Audje uud überhaupt in der gauzeu Iordau Ebeue. Nach weitem Ritt erreichten loir endlich nusereu Lagerplatz; die Zelte standen am Fuß der Berge, doch noch am Steppengras uud wildem, stachligem Hafer, dicht uebcn dem Rande der üppigen Vegetation und au deu Uferu eiues kleinen Baches. Wir waren schou uahe vom Schluß des Thales, das in Form eiues von hohen Lehnen eingeschlossenen malerischen Kessels endete. Mit Heißhnnger fielen wir über ein Gabelfrühstück her; es war 3 Uhr nnd seit '» Uhr Früh hatteu wir keinen Bissen mehr gegessen, dabei aber recht ausgiebige Bewegnng gemacht. Die Nachmittagsstuudeu wurdeu im Lager zugebracht; das Leben mit der Caravaue im Freien nnd uuter Zelten hat seine großen Reize und einen vom Einerlei des schablonenhaften europäischen Lebens abweichenden Charakter. Leider bescheertc uns der Lagerplatz von El-Andje einige Unannehmlichkeiten. Die Zelte standen nämlich auf dem dürreu, höchst feuergefährlichen Haidegras uud eiue wcggeworfeue Cigarrette entwickelte m Zeitraum weuiger Angeublicke eineu Brand, der nur durch rasches Eingreifen gelöscht werdeu konnte. Bei dem großen Reichthum au Mnnition mußte dieser Frage doppelte Aufmerksamkeit geschenkt werdeu und so blieb nichts anderes übrig, als das Ranchen sehr einzuschränken, Ferners versiegte der für die Caravaue so unentbehrliche Bach gleich nach ihrer Aukuuft; man forschte nach und fand dessen Lanf 312 durch Böswilligkeit gehemmt nnd abgelenkt. Erst gegen Abend konnte or wieder in seilie alte Bahn geführt werden nnd den nach Trank lechzenden Maulthieren nnd Pferden Labung gewähren. Nicht ohne Grund hebten die Pascha's den Verdacht, der am vorigen Tage ans nnserer Caravane verstoßene Beduiueu-Schech sei der Urheber dieses Racheplanes gewesen. Des Abends gieugeu mehrere der Herren hinans, nm noch einen kurzeu, bewaffneten Spaziergaug zu unternehmen. Mir gelang es, einen balzenden Steiuhnhn-Hahn und eiuen nach den Schlafplätzen ziehenden Storch zu erlegen. Tausende dieser Langschnäbel tamen an unserem Lagerplatz vorbeigezogen, so viele als Platz fanden, schwangen sich auf den niederen Väumen ein, um da der Ruhe zu pflegeu. Mit Sounenuutergang kehrten wir alle znm Speisen zurück nnd bald herrschte Ruhe im Lager; einschlafend vernahm ich noch dicht neben den Zelten das Geheul hungriger Schakale. Am 8. April in früher Stuude brachen die Dieuer die Zelte ab uud bald darauf setzte sich die Caravaue in Beweguug. Aufäuglich mußte der langweilige Weg dnrch das Seiteuthal zurückgelegt werden; im Hauptthal gieug es dauu besser, uud über guteu Steppeubodeu, stets am Fuße der Gebirge galoppireud, erreichten wir nach zweistündigem Nitt eiue sumpfige Niederung. Einzelne Gebüschpareellen nnd ein leider uur allzugroßcr Ruhrbruch kennzeichneten diese Gegend als Iagdterrain. Salim nnd seine schuellfüßigeu Leute wareu schou zur Stelle, da aber hier sein Bezirk zu Lude gieug, harrte auch eiu auderer Trupp Beduiueu, gefolgt vou großeu Hunden uud uuter Führuug eiues sehr schöueu Schechs nnserer Ankuuft. Das Fußvolk war ebeuso gekleidet wie Saliiu'c' Leute, doch der Anführer schien vermögender zu sein; dafür sprachen ein gnter Fnchshengst, geschmückt mit reichem Sattelzeug, bnnte Gewänder, eiu großer, färbiger Turbau, hohe gelbe, aus Saffiauleder erzeugte Stiefel uud eiu fchöner krummer Türkeusäbel. Der ganze Mann hatte mehr den Typus der mnerasiatischen Volksstämme an sich und nicht mehr jenen der echten Araber. Mit großer Höflichkeit geleitete er den Großherzog, Hoyos uud mich zn nnscren Ständen an der entgegengesetzten Seite des Schilfdickichtes; die anderen Herren, sowie die ganze Caravane setzten einstweilen den weiten Marsch fort. Einige Wildschwein- nnd eine Hyäueufährte erfüllten nns mit gnten Hoffnungen, doch gar bald wurden wir arg enttäuscht. Der Rohrbruch erwies sich als zu groß nnd versumpft; die Leute konuten nicht eiudriugm uud der ganze Trieb bestand im Umherlaufen längs der Ränder, begleitet von großem Geschrei. Wohlweislich verließ kein einziges Stück das sichere Versteck. Auf das hili bestiegen wir nnsere Pferde nnd folgten den anderen nach: ein vorspringender Höhenrücken mit steinigem schlechten Boden mußte überritteu werden; vom Nordabhauge genossen wir eineu herrlicheu Vlick über die weite Ebeue, die graugrüiteu westlichem Naudgebirge und die hohen Felsenberge des östlichen Jordan-Ufers. Vor nns lag anch schon die Ausmüuduug des Thales uud Quelleugebietes vou Abd-cl ^iader, dem uächsten Ziel nnserer hentigen Reise; man sieht weit in jenen Ebenen und erreicht laugsam die heißersehnte Station, das mußteu wir an diesem Tage gründlich kennen lernen. Unaufhörlich führte uns der Weg über die Steppe, stets am Fuß der Berge bleibeud. Wohiu man blickte, nichts als Störche; anf wenige Schritte ließen sie die Reiter vorbei, ohne sie nnr eines Blickes zn würdigen. In den Lüften gaukelten anch einige Raubvögel uud ein Pärcheu jener großen, echt asiatischen Steppenadler strich mir niedrig über deu Kopf; rasch riß ich das Gewehr vou der Schulter, doch nur Kugelpatroneu, keiue Schrote wareu iu meiuem Sack zu fiudeu. Die Souue bräunte fürchterlich; die graue Wolkelidecke, welche iu deu Morgenstunden das Firmament verdunkelte, Tteppenbrand. 315 war leider vollkommeu gewichen. Die Caravaue hatte ich bald eingeholt. Sie bot cm jämmerliches Bild; einige hundert Gänge trennten ein Manlthier vom anderen, nnr mühsam schleppten sie sich, von ihren Führern weiter geprügelt, von der Stelle; die große Hitze, die angestrengten Märsche seit Latrun noch vor Iernsalem und der Wassermangel des letzten Tages ließen sich dentlich erkennen; fast alle hatten wunde, vom schweren Gepäck aufgedrückte Rücken und zerschlagene Kniee. Nach mehrstündigem Ritt erreichte ich den Eingang des sich zwischen hohen Bergen in nord westlicher Richtung erstreckenden Thales von Abd el-Kader; wie gewöhnlich rieselte ein Bach in dessen Mitte, au den Ufern wncherte eine hier ganz besonders üppige Vegetation, die sich läugs des Wasserlaufes vou da durch die Ebene wie eiu grimes Baud bis zum Jordan hinabzog. Da der Bach nnr an einer Stelle dnrchritten werden kann, mnßtcn wir am Südraud des Thales weit in das Innere desselben hineiuwandern, nm dann die nämliche Distanz am Nordrande bis zur Ausmünduug iu die große Ebene zurückzureiten, wo unter einem eigenthümlich geformten Felskegel au der Vegetationsgrenze das Lager aufgeschlagen werden sollte. Die Herren waren schuu zur Stelle, doch die Caravane noch lange nicht nnd so hatten wir das Verguügeu, iu eiuer kleiueu, etwas Schatteu gewährenden Höhle die Ankunft der Tragthiere abzuwarteu. Einige von nns beuühteu diese Zeit, um eiueu Badeplah zu sucheu. Der große Bach war dermaßeu vou saftigem Pflauzenwuchs, weit über mauushoheu, aromatisch riechcudeu Oleauderbäumen mit großen, rothen Blumen überwuchert, das; mau kaum bis zum Wasserspiegel gelangen konnte. Auch trug diese ganze theaterdccorationsartige Staffage den Typus eiuer südläudischeu Schlangengegend an sich, und vor den giftigen Reptilien jener Zonen habe ich großen Respeet; ich zog es daher vor, in einem engen, etwas schmutzigen Seitenbach, wo ich aber früher die Umgebuug gut visitireu konnte, in Gesellschaft einiger unschuldiger Kröteu uud Frösche zu badeu. Aus deu Fluthcu zurückkehrend, faudeu wir bereits eiu Zelt uud die Mche au Ort uud Stelle, kounten daher bald darauf ein Frühstück bei fürchterlicher Hitze nnd umschwärmt vou ekelhaften, dicken Flicgeu eiuuchmeu. Die Nachmittagsstnnden beschlossen wir der Jagd zn widmeu; ein Theil der Herren sollte längs des Baches hinaus iu die große Ebeue, während der Großherzog uud ich gegeu das Innere des Thales vurdriugen wollten. Unter Salim's und des anderen Schech's Führnng versnchten wir die dichten Ufcrgebüsche zu durchstöbern; einige Wildschweinfährteu bestärkten uus uoch iu diesem Vorhaben. Ein wahrer Garten nahm nus auf; reiche Blumeufülle, saftige Gesträuche, grußblätterige Pflauzeu und die höchsteu Spitzen blutroth gefärbt von den herrlichen Olcanderblüthen. Ein uie geahnter Duft, die wahren Wohlgerüche des gesegneten Morgenlandes, ein Paradies nach dem Reeept von tauseud und eiuer Nacht eutzückte uusere Siuue; doch uichts auf der Welt eutbehrt auch der Schatteuseiteu, alles war mit Stachelu nud Dorueu bewehrt, Baum, Busch, Blatt uud Gras. Die Hunde selbst versagten ihren Dienst uud vom Jagen war unter diesen Verhältnissen keine Rede. Jeder Schritt brachte neue Qualeu nud so rasch als nnr möglich entflohen wir diesem Paradies, vegetationsärmeren Strecken zueileud. Die große Meugc vielartiger, buuter Eidechsen in jenem Schmerzensgarteu war mir aufgefallen, auf Schritt uud Tritt raschelteu Neptilieu durch das Gras. Mit eiuem kleinen Umweg, einige Stück uiederes Wild erlegend, kehrteu wir des Abends iu das Lager zurück. Die auderen Herren hatten mehr Glück gehabt uud brachteu zwei jeuer großeu, Perlhuhuartig gefärbteu, durch ein rothbranucs Halsbaud 40* 3^6 geschmückten Frankolin-Hühner nach Hanse. Wir warm sonnt znr Verbreitnngsgrenze dieses nenen Wildes gelangt, in den nächsten Tagen sollten wir sie noch besser kennen lernen. Von Salim nnd seinen Lenten nahmen wir herzlich Abschied, die braven Gesellen kehrten in ihre Heimat znrück. Nach dem Speisen ergötzte ich mich am malerischen Anblick unseres Lagers; die Fener warfen schöne Reflexe anf die Felswände nild die daneben sich nmhertreibendcn bnnteu Gestalten der Diener nnd Aedninen. Für den nächsten Tag stand eine grosie Marschleistnng bevor, denn Nur beabsichtigten, .;wei Stationen in einem Zlige Mrückznlegen. Vor Sonnenaufgang, noch bei oollkommener Dunkelheit, herrschte schon reges Leben im Lager. Die Zelte wurden abgebrochen, alles verpackt nnd die große Caravane setzte sich in Bewegnng. Bald Tabor. 319 folgten auch wir nach und gelangten, um den Felskegcl reitend, in das Steppengebiet. Das Thal verengt sich ill dieser Gegend, dir westlichen Randgebirge treten in die Ebene hinein, nnd steile Lohnen, tiefe Schluchten nnd steinige Stellen mußten überritten werden. Wir genossen schöne Ueberblicke auf die hier dnrch Nacheln nnd Gebirgsbäche stark durchschnittene Jordan-Niederung nnd die herrlichen Gebirge des anderen Ufers init ihren hohen, granen Felswänden nnd malerischen Contonrcn. Anf einem dieser Berge steht ein alter Thurm; ich konnte nicht erfahren, ans welcher Zeit derselbe stammt nnd wer dieses Banwerk in jener uur von wilden Stämmen bewohnten Gegend errichtete. Nirgends im Jordan-Thale fanden wir eine so eonpirte nnd zugleich Vegetationsanne Strecke als in den ersten Reisestnnden dieses Tages. Sehr viele große Raubvögel kreisten in den Lüften; ein Steppenadler zog mir nahe über den Kopf; dnrch einen glücklichen Schnß holte ich ihn herunter, so daß er zwischen die Pferde mit schwerem Schlage herabfiel. Ein schmaler, ans den Randgebirgen hervorreichender Höhenrücken mnßte mühsam erklommen werden. Am Kamm angelangt, lag ein herrliches Bild vor nns ausgebreitet. Das Jordan-Thal erweitert sich von da an immer mehr nnd man sah die grüne Ebene bis zn dem Hügellande an den Ufern des Tiberias-See's, rechts nnd links die schön geformten Randgebirge nnd im Norden, als Abschluß, die hoheu Spitzen des Libanon nnd die weiten Schneefelder des Hermou; ein in der That merkwürdiger Contrast; loir schmachteten in der fürchterlichsten Hitze, wie sie nnr das Jordan-Thal bieten kann, nnd vor nns in weiter Ferne glänzte der Schnee krystallhell anf den Gebirgen. An diesem interessanten Aussichtspunkte wurde gehalten nnd etwas gerastet. Wir beschlossen, während die Caravane den langen, beschwerlichen Weg fortsetzt, hinab nach dem Jordan zn reiten, nm einige Stnnden an den Ufern des heiligen Flnsses znznbringen. Der Bednine im fliegenden Mantel, den langen Speer in der Hand, hatte nns bisher gut geführt, doch den nächsten Weg znm Jordan hinab kannte er nicht, erklärte dies anch ganz offen, nnd so vertheilten wir nns, die kürzeste Richtnng snchend, gegen Osten. Ich galoppirte über die Steppe, mußte eiuige Rachelu durchklettern, kam dann an eine Stelle, wo zwischen kleinen Felswänden und einem wahren Garten üppiger Büsche lind Blnmen eine kleine Qnelle lnstig hervorsprudelte; am obereil Rande der Felsen, dem Wasscrlanfe folgeud, erreichte ich den Rand des Platcan's; eine steile Lehne fiel vor mir ab. Unter derselben gewahrte ich zn meiner großen Frende grünende Wiesen, dichte Aueu nud zwischeu denselbeu das Silberband des Iordau. Gar bald war ich am Ufer des Flnsses angelangt. Die Herren kamen nun uach einander alle au uud wir snchten einen günstigen Bade- und Rastplatz. Der Jordan bildet an dieser Stelle ein ziemlich bedentendes Knie; die dadnrch entstaudeue Halbinsel ist mit einem Auwald ausgefüllt, der so dicht uud üppig emporwuchert, wie ich bisher etwas Aehnliches noch niemals gesehen habe. Am Rande dieser Au, im Schatten der letzten Bäume nnd Büsche, doch schon anf Wiesenboden, ruhten wir nns aus, ließen die Pferde grasen, packten ein bescheidenes Frühstück, bestehend ill Brot nnd kaltem Fleisch, ans nnd badeten uoch früher ill den rauschenden kühlen Wogen. Wie überall, so anch hier, trägt der Jordan den vollen Charakter eines Gebirgsflusses an sich nnd schänmt zwischen Felsen nnd großen Steinen bransend hindnrch. Nach der frngalen Mahlzeit beschloß ich den Anwald zn untersuchen, nm vielleicht eine kleine Treibjagd zn inscemren. Die erste Hälfte dieser Halbinsel ist bedeckt mit etwas über mannshohen Gebüschen; der Boden von großblätterigen Pflanzen aller Art wild überwuchert, die Gestrüppe dnrch Schlingpflanzen eng 320 vcrbnnden, nnd dieses ganze Gemenge so dicht und üppig, daß man t'anm durchdriugen kann nnd jeder Schritt nach vorivärts die Anspannnng aller K'räfte erfordert. Ist dieser erste Theil der An glücklich passirt, dann gelangt man anf eine den Wald in zwei Hälften theilende Lichtung; daselbst fand ich im Lehmboden eine unglanbliche Menge frischer Fährten; die Spuren des Panthers, des Luchses, der Wildkatze, des Wild- nud Stachelschweines, des Wolfes, des Schakales nnd zweier Hirscharten warm da vertreten; die Fährte eines kleinen, rehartigen nnd eines größeren dammwildartigen Thieres intercssirten nns sehr, insbesondere, da Herr Räth beim Herabreiten zum Jordan in einer jener Racheln mit einem, wie er sagte, kleinen Hirsch, geschmückt dnrch kurze Geweihe, zusammengetroffen war. Der zweite Theil der All bestand aus einem echten hochstämmigen Laubwald von ganz tropischem Charakter nnd ebenfalls fast undnrchdringlichem Unterwnchs. Den vielen Fährten znlieb drängte es mich, einen Trieb anfs Geradewohl versnchen zn lassen; die Herren stellte ich in der Lichtnng an den am meisten abgetretenen Wildwechseln an nud ließ nun die türkischen Gendarmen nud einige Diener, unter Führung meines Jägers, dnrch den Wald gehen. Bon einer geordneten Treiberkette war in jenem Uuterwnchs keine Rede nnd gar bald mnßten wir einsehen, daß hier alle Versnche, ein Wild ans den Dicknngen heranszujageu, vergebliche Mühe seien. Von Vogelwelt bemerkte ich in dieser An nnr , einige Pärchen des Triel nnd mehrere Milane. Nnn eilten wir zu unseren Pferden zurück, ließen sie satteln nnd ritten denselben Weg, den wir gekommen waren, nach dem Rande des Plateau's empor. Schon von nnteu hatten wir eigenthümliche, dnnkle Nebel beobachtet, die in den Lüften emporwirbelten, doch konnteil wir uns die Ursache davon nicht erklären. Als wir oben anlangten, genossen wir den Anblick eines sehr merkwürdigen Schauspieles. Die ganze Steppe, vom Jordan bis an den Fnß der östlichen Randgebirge, war in eine Ranchwolke gehüllt, ans deren schwarzem Qualm hie nnd da helle Flammen aufloderten; das Gebiet, welches wir des Morgens dnrchritten hatten, war nnn ein Ranch nnd Fenermecr. Das Steppengras brennt ganz nnglanblich rasch nnd wir konnten von Minute zu Minute die Fortschritte des Brandes wahrnehmen, wie die Nanchsänlcn sich nns verfolgend näherten. Iussuf, ein türkischer Cavallcrie-Offieier, ans Turkestan gebürtig, ein rüstiger alter Mann mit grancm Bart, die Ledertnntc als Zeichen der Gewalt nm die Hand geschlungen, ritt voraus, den kürzesten Weg weisend; es war ein schöner Galopp dnrch die Steppe, qnerfeldein gefolgt vom großen Brande, ein Schauspiel, das nnr die Großartigkeit der anderen Welttheile bieten kann. Ein ebenfalls vor den Flammen fliehendes Wildschwein lief nnr anf wenige Schritte neben meinem Pferde vorbei. Ein langer, ansgiebiger Galopp brachte nns rasch über die Steppe nnd dnrch ein Gebiet, bewachsen mit hohen, langstacheligen Disteln, welche nns nnd die Pferde arg peinigten. Nach zwei Stnnden begann der Charakter der Gegend sich zn ändern. Das Thal wnrde immer breiter nnd in dcsscn Mitte erhoben sich niedere grüne Hügel, mit Gebüschen nnd Zwergeichen bedeckt. Im Norden war das Bild dnrch schöne Gebirge abgeschlossen; die Ausläufer des Carmel, die Berge nm Nazareth, der hohe Tabor mit seiner eigenthümlichen Form, der Anti Libanon, der schneebedeckte Hermun, die Randgebirge des See Genezareth, dem Tadariye der Araber, und in nordöstlicher Nichtnng die Höhen des Djebel-Adjlüu konnten, alle in effeetvullen Belenchtnngen prangend, beobachtet werden. Unser Weg führte nns an einem kleinen Bedninen-Friedhof vorbei; zwei nralte Vedumcnlagcr in Baisan, 323 wundervolle Sikomoren verliehen dem düsteren Ort einen noch schwerniiithigeren Anstrich. Allmälig näherten wir nus dem Ziel der heutigen Reise, dem Dorfe Bmsän. In N'eitem Kreise um diesen Ort erstreckt sich dessen berühmtes Quellengcbiet; allenthalben rieseln kleine Wasserläufe vom Platean herab nnd dichte, niedere Gebüsche, hohes Riedgras, Rohrbrüche nnd sumpfige Stellen bedecken die ganze Umgebnng. Ueberall erschallt der Nnf der hier massenhaft hausenden schwarzen Hühner. Alte behauene Steine und Trümmer inmitten der jetzt wild wuchernden Smnpfvegctation sengen in unmittelbarer Nähe des jetzt elenden, ans einigen Steinhüttcn bestehenden Dorfes, für eine längst vergangene Cultur und Größe dieses Ortes. In altbiblischer Zeit hansten hier die Kanaaniter, später wnrde die Stadt von David erobert; von den Seythen dann unterworfen, erhielt sie bei den Griechen den Namen Scythopolis. In den Tagen der Römer war es ein blühender reicher Platz nnd Cleopatra hatte hier ihre Zusammenkunft mit Alexander Iannacns; Pompejns rückte dnrch Aaisan nach Indäa. In altchristlicher Zeit war es der Sitz eines Bischofes nnd berühmt als Geburtsort von Basilides nnd Cyrillns. Saladin eroberte die Stadt, nnd den Flammen Preisgegeben, verlor sie für immer ihre Größe nnd frühere Macht. Die letzten Ueberreste eines alten Theaters, einiger Tempel nnd viele, von Gebüschen und Sumpfgras fast verdeckte Basalt-Sänlen sind noch übrig geblieben. Es ist ein eigenthümlich düsterer, morastiger Platz; feucht nnd nngesnnd, vom unaufhörlichen Geschrei der Kröten nnd Unken erfüllt. Im erbärmlich schmntzigen Dorfe lnngerten verkommen aussehende Leute an den naßkalten Steinmauern, nnd linder uud Hunde wälzten sich am snmvf-durchtränkten Boden umher. Unser Lager fanden wir bereits aufgeschlagen nnd in bester Ordmmg anf einer grasigen Fläche an: Nordrande des Dorfes; gleich daneben fiel eine Schlucht steil ab, in deren Innerem eine Qnelle zwischen Felsplatten, dichten Gebüschen und breitästigen Sikomoren lustig plätscherte. Daselbst saheu wir die Spureu iu den Fels gehauener römischer Väder. Ober dein Lager, westlich vom Dorfe, befindet sich das Platean uud Quellengebiet. Gleich uach nnserer Auknnft gieug ich mit einem Jagd-Beduinen, der mich schou bei meinem Zelte erwartet hatte, nach den versnmpften fenchten Strecken. Ueberall rieselte Wasser, der Boden glich einem Schwamm; Rohr, Schilf und Gestränche entsproßten morastiger Erde. Viele Wildschweinfährten und vollkommen ausgetreteue Wechsel bewiesen den jagdlichen Reichthum der Gegend; eine alte römische Sänle war ganz abgewetzt vom Schwarzwild; allabendlich kamen sie hin, um sich da in Ermangelung von Bäumeu nach ihrer Art zu reiben. Der Beduine forderte mich auf, hinter einem Gebüsch versteckt die Anknnft der Thiere abzuwarten; doch ich verspürte nicht die geringste Lnst, inmitten jener mephitischen Sumvfatmosphäre den gefährlichen Moment des Sonnenunterganges znznbringen und kehrte rasch nach dem Lager znrück. Die große Caravaue bot einen traurigen Anblick dar; Pferde und Maulesel lagen todmüde herum nnd auch die Menschen waren eben nicht in gehobener Stimmung, wuzn der in der That nngemein lange Marsch und die beängstigend wirkende Luft dieses sumpfigen Ortes beitrngen. Nach dem Speisen zogen sich bald alle schlaftruuken iu ihre Zelte zurück. Am 10. April, dem Palmsonntag, waren wir mit Sonnenanfgang munter; das größte Zelt hatten wir als Kapelle hergerichtet uud so gut es gieug, geschmückt; der Burgpfarrer las die Messe und weihte hierauf die Palmzweige, welche an alle christlicheu Mitglieder der Caravane vertheilt wnrdeu. Nach dem Frühstück beschlossen wir einen Iagdzng. Ein Theil der Herren beabsichtigte nördlich des Lagerplatzes die Gegend zu durchstöbern, während der Großherzog nnd ich mit einem Trnpp 4,* 324 hiesiger Iagdbedninen, schöllen, wild alissehenden Gesellen, gegen den Jordan zu alls Wildschiveille jagell wollten. Durch das Dorf gelangten wir an die Osthänge des Platean's; zwischen dicht bebnschten, silmpfigeli Stellen erreichten wir einen Vach, dessen üppig grnne Suhle nnd steile Ufer eine Jagd in der Art, wie wir sie in den unteren Iordaugegeuden mit Salim unternommen hatten, erhoffen ließen; doch leider merkten wir nach langen vergeblichen Versuchen, daß weder die Beduinen, noch ihre Hnnde in die dichten Gestrüppe eindringen wollten, nnd so unternahmen wir eine lauge Streifuug über die Steppe bis zu einem von dem Schech als ausgezeichneten Platz geschilderten Rohrbrnch. »- Im Steppengras jagten wir anfänglich nnr einige Wachteln auf, später einen Flug Triel; je naher wir dein schon in weiter Ferne sichtbaren Rohre kamen, desto häufiger wnrdcu die Gebüsche; zwischen denselben sprangen zwei höchst merkwürdige kleine Thiere ans, kleiner als Rehe, von gelblicher Färbung, mit rehartigen Gehörnen, den hüpfenden Bewegungen nnd langen Wedeln des Dammwildes; leider waren sie zu weit, um eineu sicheren Schuß alibringen zu töuueu. Die Ränder des Nohrbrnches sind mit sumpfigen Stellen nnd hohem, saftig grünem Riedgras bedeckt; nnr erlegten in diesem fenchten Terrain einige scholl gefärbte Frankolin-Hähne nud eiue Henne im schlichten brannen Kleid, ähnlich der Fasan-Henne. Nim wnrde der Großherzog an den entgegengesetzten Rand des lichtgelbeu Nohrwaldes geschickt, während ich mit den Beduinen in das Innere desselben eindringen sollle. Uebermauushohes Schilf und Rohr schloß sich über unseren Köpfen; bis an die Waden wateten wir im Moor, Sumpf und Kolh, im Moder verwesender Pflauzensnbstanzeu. Nach langem Marsch dnrch dieses ekelhafte Terrain, das von Kröten wimmelte, erreichte ich eiue Lichtung, wo ich auf Wnusch der Bedninen, im Wasser stehend, den weiteren Verlauf der Jagd abwarten sollte. Massen voll ekelhaften Snmpfinseeten umschwirrteu mich nnd es war ein in der That höchst unangenehmer Platz, den ich nicht sobald vergessen werde. Die Araber versnchten nun das Rohr nach allen Richtungen durchzutreiben, doch blieb alle Mühe vergeblich; wir hörten die Wildschweine dnrch das Dickicht brechen, doch keines verließ das schützeude Versteck, nnr einige Purpurreiher nmflatterteu nus matten Flnges. Ich trachtete sobald als möglich diesen schrecklichen Platz zu verlasseu, deuu ich fühlte, wie sehr ich scholl das Sumpfmiasma uud den Gernch verwefenderStoffe eiugeathmethatte; Abends sollte ich auch die bösen Folgen davou kennenlernen. Nnch der Großherzog kam bald, von der schlechten Luft vertrieben, vom anderen Ncmde des Rohres zurück uud so bestiegen wir die vom trefflichen Ferdinand nachgebrachten Pferde nud schlngen dcn Heimweg ein. Mehrmals scheuchten wir im dichten Riedgras Frankoline auf uud erlegten noch einige derselben. Ueber Steppengras reiteud, wollte ich versuchen, wie schnell ein Brand entsteheil könne uud warf brennende Streichhölzchen vom Pferde herab; nach einigen Secunden schlug eine hohe Flamme empor, sich so rasch verbreitend, daß nnr gezwungen waren, in Galopp einznsprcngm. Den nächsten Morgen sahen wir noch ans der Ferne jeue Theile der Steppe weithiu in Ranchwolken gehüllt. Bald hatten wir Baisän wieder erreicht, wohin auch die anderen Herren mit einiger Bellte zurückkehrten. Eilt Gabelfrühstück wnrde eingenommen nnd nach demselben produeirte sich eine halbverhungerte egyptische Seiltänzerfamilie, die eben am Durchzuge war. lluter vielen mehr oder weniger mißglückten Kunststücken bekamen wir auch den von Egypten her wohlbekannten Bienentanz, von einer Fran am Seil allsgeführt, zu feheu. In den Nachmittagsstnnden verließen wir alle wieder das Lager uud vertheilten uns in den mit hohem Riedgras bewachsenen Stellen, neben den, Dorfe, in denen die Frankoline den ganzen Tag 327 über ihre Stimme erschallen ließen. Dieses schöne große Huhu ist leicht zu jagen und zugleich ein außerordentlicher Braten, daher für den wandernden Waidmann in doppelter Hinsicht ein recht erwünschtes Wild. Jeder von nns nahm einige Beduiuen oder Diener mit, um einen bestimmten Nanm abznjagen. Wir hatten die besten Plätze in der Nähe des Dorfes in vollkommene Rayons eingetheilt, damit nicht einer den anderen störe. Ich war eben im besten Jagen, als mich Plötzlich ein heftiger Schwindel befiel; ein Gefühl ähnlich einer Lähmung erschlaffte die Füße, heftige Kopfschmerzen nnd, trotz der Hitze, eisige Kälte am ganzen Körper zwangen mich, so gnt es gieng, nach Hanse zu schleichen. Ein Fieberanfall, wie er so rasch im Zeitraum weniger Minnten nnr in jenen Klimaten anftreten kann, hatte mich ans dem besteu Wohlbefinden plötzlich recht krank gemacht. Alle Mnskeln schmerzten, jeder Schritt war eine Pein. Im Lager angelangt, mnßte ich viel Chinin schlucken, worauf ich in jämmerlichem Zustand iu meiu Vett kroch. Die auderen Herren kehrten mit Frankolin-Hühnern recht reich beladen zurück. Während der Nacht wurde der arme Choriusky uud später auch Sachs vou eiu nnd demselben großen Seorpiou gebissen; ersterer erhielt noch die volle, nngeschwächte Giftdosis vou dem ekelhaften Thiere nnd mußte darauf uuter echteu Vergiftungserscheinnngen die besorgniserregendsten Zustände erdulden. Am nächsten Morgen herrschte eine trübe Stimmung im Lager; Niemand fühlte sich wohl; alle hatten etwas an den Folgen der schlechten Lnft zu leiden. Chorinsky und ich, noch matt nnd elend, mußten in die Nnbrik der Kranken gezählt werden; auch unter der Dienerschaft waren Opfer des Klimas; jede Stunde kouute nene Fieberalifälle bringen nud besonders die Erfahruugeu mit den asiatischen Seorpionen brachten eine gewisse Paniqne iu die Caravane. Der urfprüugliche Plau war, diesen Tag noch in Vaisan zuzubringen, hierauf eine Expedition an den See Genezareth Zu uuteruehmeu, von dort aber nach Nazareth zn wandern, nm daselbst an den Feiertagen der Charwochc bis znm Ostermoutag theilznnehmen. Urn nun dem Fieber zn enteilen, beschlossen wir, die nächste Nacht schon in der Gebirgslnft des Berges Tabor, auf desseu Spitze znznbriugen uud Tags darauf nach Haifa zu reiseu, wohiu Nur augenblicklich die in Beirnth vor Anker liegende Miramar bestellen wollten. Ein langer Weg stand daher bevor nnd gleich nach dem Frühstück brach alles anf. Ich konnte mich vor Mattigkeit kaum auf dem Pferde erhalten nnd werde diesen Ritt lange nicht vergessen; bei sengender Hitze mnßte eine höchst langweilige Gegend passirt werden. Der Steppen-Charakter der Jordau-Niederung ist gewichen; lauggestreckte stäche Rücken, endlose Thäler sind an dessen Stelle getreten. Steinige, mit wenig Gebüsch bedeckte Flächen wechseln mit schlecht eultivirtem Land, an Kameel- und Ziegeuheerden kamen wir vorbei. Das Bedninen-Gebiet liegt hinter nns; die Menschen sind hier noch bnnter nnd ich möchte sagen nördlicher nnd asiatischer gekleidet als in Jaffa. Große Turbane, bnnte Burnusse, pelzverbrämte Jacken, ganz eigenthümliche rothe Schnhe fallen uns auf. Die Reise zieht sich sehr in die Länge, da die Kraukeu nur Schritt reiten können, das einzig Erfrenliche ist der Blick über die nächste trostloseUmgebnng hinaus, nach deu schöueu Hochgebirgen. Eudlich haben wir den Fnß des kegelförmigen, überall gleich steilen nnd nirgends mit anderen Höhen zusammeuhäugenden Tabor-Vcrges erreicht, dessen Lehnen bis hinanf mit Steinplatten, Geröll nnd verkümmerten Eichen bedeckt sind. Dnrch ein elendes kleines Dorf, ans steinernen Hütten bestehend, schlangelt sich der Weg empor; uichts als blauker Fels nud steile Platten; man begreift es kaum, wie die armen Pferde da hinauf kommen könueu; zwischeu deu Felsen wachsen immergrüne Gebüsche uud die uiederm knorrigen Eichen bieten auch keiuen schöueu Aublick dar. Der Typus der Flora ist gauz und gar jener der Mittelmeer-Küsten; die weitaus interessantere asiatische Flora lag schon hinter uns. 328 Nach langer Reise ist als Schluß in dm Nachmittagsstnnden der Ritt auf den hohen Tabor-Berg hinauf nu sehr fragliches Vergnügen; rutschend nnd stolpernd laugten wir endlich auf den todmüden Pferden an der änßeren Umfassungsmauer des kleinen Klosters an; ich konnte vor Mattigkeit kaum mehr die Angen offen halten nnd litt noch sehr an den folgen des Fiebers. Der Großherzog war während des langen Rittes nnwohl geworden nnd in den Abendstunden stellte sich auch bei ihm dasselbe Leiden, aber noch in ärgerem Maße, als ich es den Tag Mwr erdnlden mnßte, ein. Ein Zelt war anf den Tabor vorausgeschickt worden; die ganze andere Caravanc blieb in Nazareth, da man die wenigsten der vielgeprüften Manlthiere lebend hinanfgebracht hätte. In dieses Zelt legten wir n»5 hinein, nm bis zum Speisen Abends zn schlafen. Wie mit einem Male hatten wir die drückend schwere Iordanlnft, die Atmosphäre der unter dem Meeresspiegel liegenden Gegenden verlassen. Frische Gebirgslnft. ein empfindlich kühler Abend imd scharfer Luftzug folgten der Hitze des Tages. Eine herrliche Fernsicht genießt man von der Spitze des Tabor^Vergcs. In südöstlicher Richtung breitet sich die weite Jordan Ebene, in Dünste der heißen Lnft gehüllt, ans; zn beiden Seiten die Nandgebirge, die westlichen grangrünen, mit ihren nnzahligen huppen nnd Kegeln, die östlichen hoch, kahl nnd ernst, das Gebiet der freie», edlen Beduiueustämme; im Nordosten erglänzt der Spiegel des großen Genezareth-See's von frenndlichem Hügelland umschlossen, im Norden erhebe» sich die schneebedeckten Häupter des Libanon nnd Hermon. Dicht nnter nns, am Fnß des Tabor beginnend, zieht sich ein hügeliges Land, von Thälern nnd Schluchten durchzogen, bis zu den Hochgebirgen, alles ist mit Steinen nnd Eichenwäldern bedeckt; im Westen reicht eine wellige, eigentlich nnscho'ne Gegend bis zn dem freistehenden hohen Gel'irgsstock des Djebel Mar-Clias- oder Carmel Gebirges. In den Abendstunden genossen wir dieses schöne Bild. Ober de» ruhigen, waldreichen Thälern kreisten einige Kaiseradler nnd Knttengeier schwebenden Flngcs; vollkommene Stille herrschte, nnr die hellen Glockeu des kleine» Klosters trngen das Ave-Maria in die einsame Gegend. Nnn erst war ich im Stande, langsam anf der Spitze des Berges hernmznschleichen, mn die interessanten Banten »nd Nuinen zn betrachten. Ein griechisches Kloster steht gegeiiüber dein lateinischen, in dessen Hofe wir nnser Zelt aufgeschlagen hatten. Zwischen diesen beiden Gebänden nnd nm dieselben hernm liegen halbverschüttete Mauer», Steinhaufen nnd die Reste eines alten, jetzt von Pflanzen wild überwucherten Schloßgrabens. Ein spitzer, noch recht gut erhaltener Thorbogen fesselte meine Anfmerksamkeit; neben demselben werden Trümmer aller Art als Neberreste einer a»5 dem arabischen Mittelalter stammenden Burg gezeigt. Im alten Testament schon spielt der Berg Tabor eine Rolle als Grenzpnnkt zwischen den Stämmen Issaschar nnd Sebnlon. Debora ließ hier ein Heer sammeln; von da ans zogen auch die Hebräer iu die Ebene nnd schlngen Sisera, den Feldhanptmann des Königs Iabin von Hazor. Unter Antiochns dem Großen stand eine Stadt Namens Itabyrion auf dem Gipfel des Berges. Im Jahre l>:l nach Chr. Geb. wnrde nnter Gambinins de» Inden hier eine Schlacht geliefert. Iosephns ließ später den Tabor befestige» nnd unter Vespasian erschlug dessen Feldherr Plaeidus daselbst viele Israeliten. Seit den ältesten Zeiten des Christenthums wird dieser Berg als die Stelle der Verklärung bezeichnet und verehrt. Schon Origenes nnd Hieronymns schildern ihn in dieser Weise. Die Krenzfahrer banten die ersten Klöster anf dem Tabor, welche aber dann von den Mnslimen wieder zerstört wnrden. Im Jahre l212 errichtete daselbst Melit el Adil, der Brnder Saladin's, eine Festnng, die später von den Christen vergeblich belagert wnrde, aber dann im Lanfe der Zeiten, als sie ihren Werth verloren Nazareth. .831 hatte, voll don Mllslnneu selbst U'ieder geschleift lvard. Die jetzigen Klöster stanlmen aus keiner alten Epoche und sind nnr anf den Ueberresten der ersten hier gestandenen errichtet wurden. Die ganze Gegend ist voll historischer Reminiscenzen nnd daher doppelt interessant. In der Nähe des Tabor erhebt sich ans den grüueu Thälern ein runder Felshügel, nnter welchem Saladin am .-;. nnd 4. Inli 11^l7 seinen größten Sieg errang. Die Macht der Kreuzfahrer wurde da für immer gebrochen, König Gnido von Lnsignan mit vielen anderen gefangen, die Ritter als Sklaven verkauft, die Templer und Hospitaliter alle hingerichtet. Den Großmeister der Templer erschlug Saladin mit eigener Hand. Derselbe Hügel wird anch als der Platz der Bergpredigt nud der wunderbaren Speisnng der 5l)00 Menschen bezeichnet. In den Abendstnnden speisten wir im größten Gemach des Klosters nud giengen dann bald zur Ruhe. Der Großherzog war recht leidend am Fieber nnd mnßte, so wie ich Tags znvor, viel Chinin zn sich nehmen. Am 12. April erwachten wir mit Sonnenanfgang. Die letzte Nacht im Zelte lag hinter uns nud nicht ohne wehmüthige Gefühle verließ ich meine lnftige Vehanfnng. Vom Moster ans stiegen wir zn Fnß den Berg hinab, da das Reiten hier kaum durchführbar wäre. Nur langsam bewegte sich die Eolonne mit den Kranken nud kaum Genesenen über all' die Steinplatten, das Gerölle und durch die Eichenwälder hinunter. Die Luft war kühl nud angenehm und von den Strahlen der Murgeusonne vergoldet, erglänzten die nmliegenden Hochgebirge in den schönste» Tinten. Nach einem mühsamen Fußmarsch hatteu wir endlich das Thal erreicht, wo die Pferde bestiegeu wurdeu. Eine zweite Hügelkette mit Steinplatten, Gebüschen nnd Eichenwäldern konnte überritten werden uud vou der entgegengesetzten Lehne genossen wir den ersten Blick anf das tief in einem steinigen, öden Thale liegende Nazareth. Dnrch einige sehr schlecht gepflasterte enge Gassen gelangten wir an das andere Ende der kleinen Stadt. Wegen des Fiebers hatte mir der Arzt verboten, in kühle kellerartige Räume zu gehen, daher konnte ich anch die Kirchen, die berühmte Verknndigungskapelle nnd die anderen heiligen Stätten nicht besuchen. Die Banart des Ortes erinnerte mich an Betlehem; die ans sehr vielen verschiedenen Neligionssecten zusammengesetzte Bevölkerung trägt einen auderen Gesichts typus als im südlichen Palästina. Die Hautfarbe ist uoch lichter, die Eostüme der Männer nud Frauen sehr bunt nnd malerisch. Auf einem freien Platz stand unser Speisezimmer-Zelt aufgeschlagen nnd ein Theil der Earavaue lungerte am Grase umher; die größere Hälfte der Manlthiere war mit nnserem Gepäck bereits voraus nach Haifa marschirt. Ein knrzes Frühstück wnrde eingenommen uud hierauf bestiegeu wir einige bereit gehalteue niedere Wägen, von kleinen Pferden gezogen. Ein Schweizer Unternehmer gründete vor mehreren Iahreu die Wagenverbinduug zwischen Haifa und Nazareth. Der Weg, wenn man dies so nennen darf, den wir fahren mnßten, spottet jeder Beschreibung. Ueber Geröll, Felsftlatten, an steilen Berglehnen hinanf nnd hinab, wurden wir ganz erbärmlich durchgerüttelt, Eiuige Hügelketteu, mit verkümmerten Eichenwäldern nnd immergrünen Büschen bedeckt, passirte der Wagen. In den dazwischen liegenden Thälern breiteten sich fmupfige Wiesen ans, in denen die Kntschen stecken zu bleiben drohten. Das Wetter war zum Glück schöu, aber uicht allzuheiß und die Gegend hat einen freundlichen Charakter, manche der Wälder sind sogar ziemlich üppig uud blumenreich. Nach langer Fahrt gelangten wir in eine weite Ebene, die sich längs der Bucht erstreckt, deren Nordeap durch die bekannte Stadt Atka oder Ptulema'is, hingegen das Südcap mit dem hohen, in das Meer steil abfallenden Carmel-Gebirge dnrch Haifa begrenzt ist. Die Fläche selbst ist recht gnt bebant nnd längs der Ufer des Flüßchens Nahr-el-Mukatta sogar ziemlich fruchtbar. Ein schrecklicher Weg 42* 332 mit tiefen Geleisen a,uälte uns noch in der letzten Stunde, die wir in Asien zubringen sollten. Schwere Wulken stiegen am Horizont anf, die Sonne verfinsterte sich und eine recht kühle Vrife vom Meere her erschien wie der erste Gruß aus dem kalten Europa, dem wir uuu bald wieder zuwaudcru sollteu. Die letzten Kameelheerden, die langohrigcu Ziegeu, arabische Pferde, die schöueuMäuuergestalteu iu ihren Bliruilsseu, deu buuten GeU'änderu uud großeu Turbaus, die orieutalischeu Häuser uud Friedhöfe, das gauze so eigenthüiulich auziehende Getriebe des morgenläudischeu Lebeus, welches nus durch lange Zeit so sehr iutcressirte und freute, an das wir nils gewöhut und es liebgewonnen hatten, wird noch eiumal mit Gier betrachtet, jeder will es durch den letzten Blick ins Gedächtniß eingraben, damit später, in kalten grauen Wiutertagen, wenn die Nordstürme deu armeu Europäer martern und peinigen, ieue Bilder wie im Traume am geistigen Auge vorbeiziehen uud mau sich versetzt deukt iu die Wiege des Menschengeschlechtes, dorthin, wo das Paradies stand, in den heiligeu, goldenen, farbenprächtigen Orient. Durch eine enge Gasse der kleineu Stadt Haifa, die staffelförmig au deu steilen Häugcu des Carmel-Gebirges angebaut ist, gelaugten wir rasch znr Nferstiege. Noch ein Schritt auf morgenländischem Boden, der letzte Blick in das färbige Menschengewühl, und der harte Abschied vom Orient, deu wir bewnnderu und lieben leruteu, lag hinter nns. Ein Boot der Miramar trug die Reisegesellschaft über die schauteluden Wellen zu dem veranl'erteu Schiff. X. Capitel. Heimreise längs Candm, I>antc, Cmml uon Älhalw, ^orsu. Emigc Ätiuiticil I.>lsen ich es schuldig, am Schlüsse der „Orientreise" als Anhang I. eine Schlußliste und !l. eine wrzc Abhandlung in Form ornithologischer Neiseskizzen folgen zu lassen. I. Liste aller erbeuteten Thiere. Hyäne............................. 3 Wolf............................. N 'Afrikanischer Schakal.................. 7 Großer asiatischer Schakal............... 1 Kleiner asiatischer Schakal............... 4 Fcnek (Wüstenfuchs).................... 1 Wüstcnluchs......................... 2 Ichneumon.......................... 2 Wnstenhasc.......................... 2 Syrischer Hase....................... 1 Springmaus......................... I Kleiner Vampyr...................... 1 Gazelle............................. 1 Wildschwein (Becker)................... 2 Bachin............................. 2 Säugethiere. . . . :l!» Stranh-Kukuk........................ 1 Grausischcr.......................... 25, Blanwangenspint..................... :ltt Mau^segler ......................... ü Zwcrgscgler......................... 8 Berbcrfalke.......................... 2 Röthclfalke.......................... 20 Sperber........................... 1 Steppenadler ........................ 1 Zwergadler.......................... N Flußadler........................... 2 Gleitaar............................ 5 Milan............................. 15 Schmarotzer-Milan.................... 16 Steppenweihe........................ 2 Nohrwcihe.......................... 20 Schlangenadler....................... 2 Adlerbussard......................... 2 Falken (liegen gelassen).................. 2 Aasgeier............................ 15 Kappengeier......................... 1 Gänsegeier.......................... 7 Steinkauz........................... ü Rothkehlchen......................... 1 Vlaumerlc.......................... H Trauerstcinschmätzer.................... 2 Steiuschmäher........................ N Ohreustemschmätzer.................... 1 Gilbsteinschinätzer ..................... 1 Nonnensteinschmätzer................... 7 Gelbbänchige Vnschdrossel................ 7 Geschuppter Droßling.................. 7 Bamnnachtigall....................... 2 5iaubsänger.......................... 1 Eisteusäuger......................... 1 Drosselrohrsäuger..................... 1 Tamariskenrohrsäugrr.................. 3 Biuseurohrsänger ..................... 2 Waldflnevogel........................ 1 Bachstelze........................... 5 Schafstclzc.......................... 1 Feldstelze........................... 5 Wiesenpieper......................... 2 Brachpieper ......................... 2 Lorbeerlcrche ........................ 19 Bogcnschnaliellerchc.................... 2 Stummcllerche....................... 1 Wüstenlerche......................... I 4»* 340 Sandlerche.......................... 1 Ortulan............................ 1 Nostainmer.......................... l> Nothlopffperlmg...................... 3 Halsbandspcrlinq ..................... 7 Wiistengiinpel........................ « Verg-Glanzvogel...................... 1 Staar............................. 'i Kolkrabe............................ 2 Nebelträhe.......................... 17 ^'lsiatischcr Schwarzkopf-Hrher ............ 1 Hesperidcn-Wnra,er.................... 11 Nothkopstunrger ...................... 1 Maskenwnra,cr....................... ^ Höhlenschloalbe....................... 1 Grottenfchwalbe...................... ^ Fclsenschwalbe........................ 5, Wiedehopf.......................... 12 Felsentaube.......................... <»l) Tnrteltanbe ......................... 1 Oirrtanbe........................... 10 Palmtanbe.......................... 2l, Zwergtaube ......................... 1 Steinhuhn.......................... 27 Aippeuhnhii......................... 40 Frankolin.......................... 22 Wachtel............................ 88 Triel.............................. 5 Snmpftieditz......................... 1 SM'ilkiebih......................... 2!> Flufzn'gl'upfeifl'r...................... ^ Halubanduferlmifer.................... <> Secregcnftfeifer....................... 1 Wüsteulüufer ........................ 1 Krokodilwächter...................... 2 Stl'iilwälzor......................... U Heerschnepfe......................... Ill Moorschnepfe........................ 4 Sanderlina........................... 2 Scestrandläufcr....................... 2 Sichlcrstrandlänfcr.................... 2 Alpenslrmtdlänfer..................... 15 Verqstrandlällfer...................... )j Sandlänferchen....................... )i Kampfläufer........................ 1 Terckwasserlänfer..................... 13 Tcichwasserlmlfer...................... 2 Waldluasferlänfer . . .,.................. 7 Vachwasserläufer...................... 2 Pfuhlfchnepfeil....................... 5 Liütose............................. 1 Säbelschnabler....................... 1 Storch............................. 9 Fischreiher.......................... « Pnrpllrreiher........................ A Seidenreiher......................... 2 Knhreiher........................... 22 Rallenreiher......................... 1 Nachlreiher.......................... 7 Goldralle........................... 10 Wasserhuhn ......................... 41 Stockente........................... 2 Knäctcnte........................... 4 Löffelente........................... 2 Weißangenente....................... i:; Reiherente.......................... 1 Granmanteluiiwe...................... 2li HäringömöVc........................ !1 Fischerinöve......................... 7 Lachinöve........................... 10 Hutülöve ........................... 1 Seeschwalbe......................... 2 Cormoran.......................... 14 Zwer^scharbe ........................ 1 Peletau............................ 4 Schopf-Pelekan....................... 2 Varan Eidechse (!)<» Zentimeter lang)....... 1 Große Schlange...................... 1 Große schwarze Eidechse................. 2 Hauptsnmmc: Stücke. . 1028 341 ll. Onnthologischr Ueiseskizzon. Egypten bis an die Grenze Nubiens und Palästinas bildet das Gebiet, welches ich durchreiste und su gnt es gieng durchforscht habe. Keine gründliche Fauna jener Länder, sonder» nnr ein Bericht ist es, was ich meinen Lesern vorführen werde. Ich trenne die Anfgabe, welche ich nur mithin gestellt habe, in zwei Gruppen. Erstens in eine Anfzählnng und Schilderung meiner Wahrnehmungen über alle jene Vögel, die von mir oder nieinen Reisegefährten erlegt wurden, nnd zweitens in eine Sammlung von Notizen, betreffend jene Gattungen, die Zwar beobachtet, aber nicht erbeutet werden tonnten. Bevor ich beginne, sei noch erwähnt, daß die Reise um eine Zeit stattfand, wo schon viele nnserer Zugvögel die Wintcrstationcn verlassen hatten nnd somit ist für Fachmänner das Fehlen einer Reihe von Gattungen, die man im Winter in EgYPtrn mit Sicherheit erwarten muß, erklärt. In der Aufzählung der erlegten Arten halte ich mich nach dem Systeme Vrehm's nnd mnß nnr fünf Species einschalten, die sich in Brehm's Thicrleben nicht vorfinden. Von fast allen erbenteteu Exemplaren wurdeu die geuanen Maße gesammelt, doch werde ich dieselben, um nicht zu viel Naum in Anspruch zn nehmen, nicht anführen. I. f>^^M5 s/iM8) Ma»wangenspint. Ill Unter-Egyptcn nnd auch in der ganzelt Umgebung Kairo's sieht man niemals diesen schönen auffallenden Vogel. -542 Die ersten nördlichsten Exemplare beobachtete ich, wie überall, zu einem kleinen Trupp versammelt, im Garten der Eisenbahnstation Abuksar Fajum. Längs des Nil in Ober Ägypten findet man diese Thiere an geeigneten Stellen überall, doch scheinen sie in der Wahl derselben recht heiklich zn sein; Gärten nut einzeln stehenden Palmen, dichte Gebüsche nnd Plätze zum Anfsitzen nach Art der Meropiden, vor allein Telrgrapheu-drähte, gehören zu ihren Bedürfnissen. Die unmittelbare Nähe der Menschen nnd Hänser meidet der ganz zahme Vogel ebensowenig, wie ihn selbst viele Schüsse von seinen Lievlingsplätzen nicht vertreiben könneil. Bloß ein einziges Mal, bei Kom el Emir, an einer Hecke nahe vom Nilnfer, sah ich schon ein einzelnes, gepaartes Paar; sonst immer Flüge, die vereinigt bis znr Zahl von 30 Stücken von einem geeigneten Platze zum anderen flatterten nnd die Vänme schmetterlingähulich nmschwirrten. 4. (^/iseitts ^a//«/ti6, WnllLseglrr. Ist sehr heiklich in der Wahl seiner Anfenthaltsorte, findet sich viel seltener als mau meinen sollte; doch da, wo er sich ansiedelt, hanst er in großer Menge. Seine Wohnungen sind an den steilen Randgebirgen des Nilthales, doch mehr in den nördlichen Theilen des Landes; so fand ich unseren Vogel in großen Schwärmen an den Felsen der Steinbrüche des Mokattam-Gcbirges bei Kairo. 5. <Ä/Meitts ^a^ott^ Zwergsegler. Er ist der eigentliche Segler Ober-Egyfttens; man findet ihn da an allen geeigneten Stellen, fo zum Beispiele in großer Menge bei den Nnincn von Karnak. In den Morgenstunden sah ich sehr viele dieser Vögel ober den wogenden Kornfeldern, nach Seglerart Mücken zagend. 6. ^tlico F«,'btt/'ll^ Berlierfallll'. Ein Pärchen dieser schönen Edelfalken beobachtete ich auf der Insel Bezireh Karnu des See's Birkel-el Karun, wie sie da den ganzen Tag hindnrch die Felsblöcke der höchsten Spitze der Insel umkreisten. Sonst wurde dieser Falke sehr selten nnd stets nur iu der Nähe der Gebirge gesehen. In Palästina sahen nud erlegten wir bloß ein Exemplar in Baisan im Iordanthale. 7. ^aiea cene/e^ Kölhelfnllle. Von Alexandrien bis hinanf nach Assuan ist der Nöthelfaltc überall nicht nuv häufig, sondern einer der gewöhnlichsten Vögel. Iu den Städten sowohl, al5 auf den Ruinen, in den Felsengebirgen nud den Palmenwälderu, allenthalben sieht man diesen Falken. In Palästina ist er im Ganzen nicht so häufig als iu Nord Afrika, uud ans einzelne für ihn geeignete Plätze beschränkt. So zum Beispiele fand ich in der Fclsenschlncht des Klosters MarEaba, nahe vom Todten Meer, eine vollkommene große Colonie von brütenden Röthelfalken. 8. ^.stl^ M.n<^ Sperber. Nur einmal gesehen. Er kam über die Steppe des Iordanthales herangezogeil nnd kreiste dann einige Male oberhalb einer tiefen, mit dichtem Gcbüfch bestandenen Schlucht, in welcher wir eben anf Wildschweine jagten. 343 9. ^FmVtt MM/s,l5i6, Ztepzicnadler. Wurde in Afrika gar nicht beobachtet; hingegen ist er in Palästina der geloöhnlichste nnter den großen Edeladlern. Zwischen Jaffa nnd Jerusalem in einem engen Gcbirgsthalc sah ich deren viele kreisen, die ich, anfänglich in weiter Ferne fnr Kaiseradler hielt. Anch zwischen Jerusalem nnd Vetlchem und besonders zwischen Betlehem nnd Mar-Saba wnrdcn mehrere beobachtet. Alle diese Adler flogen in kleineren und manchmal größeren Gesellschaften bis zn 20 Stiicken bereinigt; sie schienen am Zuge zu sein, oder besser gesagt nach Iagdgrüudrn auf die großen schwarzen Eidechsen nnd die Riesenhenschreckcn zu suchen; meinen Beobachtungen znfolge bilden in Palastina die großen Inseetcn und die so überaus häusigen Reptilien die ausschließliche Nahrung aller Adler. Im Iordanthale sah ich das erste Pärchen des Stepftenadlers längs der Höhenrücken ziehend. Es schien eben die Paarnng zn beginnen, denn Tags darauf kam einer dieser Adler, einen anderen verfolgend, so niedrig über unsere große Caravane gestrichen, daß ich ihn mit schwachem Schrott herabschießen konnte. 10. ^?«7tt I'nmaeia, Zwrryadlrr. In Afrika fah nnd erlegle ich einen Zwergadler der ganz duuklen, fast schwarzen Farbenvarietät, im Palmcnwalde nebelt der Stadt Sohag, wo, auf wenige Bäume zusammengedräugt, allabendlich große Mengen von Krähen, Kolkraben, Milanen, Nachtreihern, Falken, Tauben zur Nachtruhe sich versammeln. Es war dunkel, doch konnte ich erkennen, daß es kein Milan sei. Der Adler schlief schon fest auf den nntersten Aesten einer niedrigen Tamariske. In Palästina sah ich Zwergadler in solchen Quantitäten, daß ich meinen Augen nicht trauen wollte. Sie waren am Znge nnd jeden Tag konnte mau in allen Theilen des Landes große Schwärme, oft bis zu ttO Stiicken, in loser Unordnung, doch einer dem anderen folgend, ziehen sehen. Merkwürdigerweise »lachte ich mehrmals die Beobachtung, daß ^^«7a M„?/<« mit dem Hansstorch zusammen wandert, nicht nur den riesigen Schwärmen der Störche folgend, sondern sogar mit ihnen vermengt. Beide jagen nach Iusecten nnd Reptilien nnd snchen dieselben besten Plätze während des Zuges zum Fraße aus. Im Iordanthale sahen wir an einem Tage sebr viele Zwergadler, die mit Schlangcnbussarden zusammen auf deu niederen Bäumen und Sträuchen standen. 11. ^«)is//>i?i //«//>ctt6 cle/'?^M^'?<^ Uohrweihc. In ganz Egyfttcu und Palästiua in allen Kornfeldern, Hntweidcn, den Schilf, und Nohrwäldern und den llfer Gcbüfchen der Seen, in unglaublicher Menge. 17. Oi>6aK«i! 'n«^)te?'tt5, Achmuhgeler. In ganz Ägypten mehr oder weniger hänsig' in Kairo und der Umgebung der Stadt allenthalben verbreitet. In der Nähe der Städte Obei> und Unter^lHgyfttcns längs des Nil sieht man diesen Vogel anf Sandbänken sitzen, anf ausgeschwemmtes Aas lauernd. In- nnd außerhalb der Städte ist dieser Geier den Menschen gegenüber sehr dreist, weiß aber doch gcnan den Araber, der ihn, der Säuberung der Gegend von Aas und Schmutz wegen, schätzt, von den Alles mordenden Europäern zu nutcrschcidcu. In Palästina ist der Aasgeier häufig. Selbst in den menschenleeren Gegenden des Iordanthale» ist er der sichere Gast jedes Zeltlagers und benimmt sich da viel zntranlicher als in Egypten. Wir sahen Aasgeier zwischen unseren Zelten herumgehen, nach Küchenabfällen sucheud. 2l). ^Veo/?/^o« /n'/eaM.^ Kapzirngcier. Der Kapvengeicr wnrde uur eiumal uud da in Ober-Egypten beobachtet. Wir legteil ein Aas auf einer Sandbank am Nil aus, nm große Geier zu jagen. Znerst erschienen mehrere Aasgeier und bald darauf drei M^i/i,-ott^iitn?»,','. Es waren dies die einzigen, die auf der ganzen Reise beobachtet wurden. 21. 5^iu?-/le^«5, Gänsegeier. Die ersten Gänsegeier in Afrika beobachtete ich bei Kairo. Fast täglich sieht man diesen großen Raubvogel ober der Stadt kreisen. Aus dein Mokattam-Gebirgc kamen sie sehr regelmäßig nach der Stadt nnd einmal sah ich sie in ganz unglaublicher Menge beim Aas. Dnrch große Verfolgnng seitens der Enropäer verschencht, übernachten sie weder, noch horsten sie in den steil abfallenden Felswänden. Nach guten Bcobachtnngcn sollen sie Abends bis in das Ataka-Gebirgc, am Nöthen Meer, nahe der Stadt Snez ziehen und jeden Tag in der Mittagsstunde ober Kairo crscheiuen. Letzteres stimmt mit meinen Beobachtungen überein. Am Nil sieht man häufig Gänsegeier anf Sandbänken, besonders wo Hochgebirge in der Nähe ist. An gewissen Punkten, wie in Medinet-Habu gegenüber von Luxor, trifft man Gänsegeier in erstaunlicher Menge an. Dasselbe gilt von vielen anderen Gegenden Ober^Egyfttens. In Palästina sah ich einzelne dieser Geier schon zwischen Jaffa und Jerusalem. Um Jerusalem findet jeden Tag eine große Zusammenkunft von Hnndcrlcn von NHm' /«imes statt, die nach Aas suchen. In processionsartigen Wanderungen kommen sie täglich alle aus derselben Nichtnng dahergestrichen. Ich habe diese Züge nach Jerusalem in Netlchcm, bei Mar-Saba und vom Todten Meer beobachtet. Sie kamen alle aus den öden Hochgebirgen des linken Jordan- und Todten Meer-Ufers. 44 346 22. ^/,e«s «acitt«) Stelnllaltz. In don Gärlen und kleine» Wäldern in nnd um dm oberegyptischen Städten sehr häufig. 23. ^l/emiica/« c^a««^ Plaumerle. Eine ganz gewöhnliche Erscheinung aller egyptischen Gebirge nnd Nninen, selbst in dcr Nähe der Städte. In Afrika unterscheidet sich dieser Vogel durch großes Zutrauen zu den Menschen, während er in Süd-Europa zn den schcnestcn Thieren rechnet. 24. ^'<7,i"/c'o/tt /c/^'/i^ TrallrrÜriuslhumhrr. Dieser schöne Vogel wnrde nnr in der Umgebnug Assuaus auf der Gräberstadt in dem Wüstengebirge beobachtet. Zwei Exemplare wurden erlegt, das erste in der normalen Färbung, das zweite mit weißer Stiruplatte. In qauz EM'ten beobachtet, doch nirgends Iiäufig; sucht ähnliche LebeiMiedinqunqen nud (keilenden wie in Europa. 2li. />'a,r,'cs)/tt?-?,/c«cen.^ jlüihrlstfinschinnher. Iu Egypteu uirgeuds häufig, in der Umgebung de» Snez Eanales öfter beobachtet. 27. H?^,'m/tt siaM3MK, G>lbstcinsll)»tälzer. In Egyplen nicht hänfig, doch überall vereinzelt .zu finden; deßgleichm an den für Steinschmätzer geeigneten Plätzen in Palästina. 28. .^«.i'/cn/tt /e//lo/i?e/,s, ^.lonntnsttinslhmnher. Iu Egyplen ziemlich selten; in Palästina an geeigneten Plätzen überall zu fiudeu, in den öden Gebirgen zwischen Vellehem nnd dein Todten Meer sogar sehr gemein. 29. ^/-65 Hn«t//6^//^,>') «.rlblnilllhiys Z.lttschdrofsll. Dieser merkwürdige Vogel wurde iu dem ganzen Iordmtthale in den mit dichtem Gebüsche bestandenen breiten Wasserrissen anläßlich der Wildschweinjagd alltäglich beobachtet. Da ich diese Species nicht kannte, sandte ich ein Exemplar an Herrn v. Homeyer, der dasselbe als I^os anni/lo/Mo« feststellte und in Ermangelung eines deutschen Namens ihm die Bezeichnung „gelbbänchige Buschdrosscl" gab. Dieselbe Form soll auf einigeil griechifchcn Insel», speciell den Cycladen, vorkommen. Ich habe diese Thiere nnr anf bestimmt begrenzten Localitäten, stets anf denselben Gebüschen, anch zwischen dichtem Schilf nnd hohem Gras gefuudeu. Die Paare waren schon gepaart nud zeichnen sich durch große Scheu vor den Menschen ans. 347 30. Oa^e/^M« .^«ami'ee^ yeschnppter Droszliny. In denselben Gegenden des Iordanthales, unter denfelben Lcbensbedingungen N'ie die Buschdrossel fand ich diesen Vogel, nur in noch viel größerer Menge. Seine Lebensweise und sein Beilehmen hat etwas kuknkartigcs, auch ist er sehr scheu und weicht dem Menschen von weiten: aus. Die Jungen waren schon flügge nnd in acht bis zehn Exemplaren, meist in kleinen Zügen vereinigt, zogen sie von einem Busche zum anderen. Da ich diesen Vogel ebenfalls nicht kannte, wnrdc er von Homeyer bestimmt lind wieder ill Ermangelung eines deutschen Namens ihm die Bezeichnung „geschuppter Droßliug" von demselben Forscher gegeben. Es soll eine ähnliche Form ans der Sierra Nevada in Spanien gefunden worden sein, die ich aber aus eigener Anschauung nicht kenne. « ----------------- 31. ^l«?««/a,,tt7m,'l^ Vaumnachtlgnll. In Egypten, dort, wo dichte Gebüsche in einer flachen Gegend vorkommen, manchmal sehr vereinzelt zu finden. In Palästina, und da nur in manchen üppigen, dichten Gebüschstrecken des Iordanthalcs sehr häufig. 32. tHt/mia cm'nV«^ Eisten siwgtr. In den: Culttirlande Unter nnd in dem wohlbebauten Nillhale Ober Egypteus auf grünen Feldern sehr häufig. __________ 33. ^1<^oce/)/itt/us i«?-^«'^, Drossel-Hiohrsinlyrr. In Egypten und Palästina in naffen, mit dichtem Röhricht bewachsenen Strecken allenthalben häufig. 34. ^^ocs^/ltckes msitMtAt)lerll)e. Iu luaucheu: Wlistengebirge Ober-Egyptcus uiehrmals beobachtet, doch nirgends häufig. 349 47. Onbe/'isa /io/-t«/a>m, Ortolan. Im rechten, mit Grassteppen bedeckten Randgebirgcdes Iordanthales in Zügen vereinigt, wiederholt beobachtet. Wo einzelne Gebüsche sind, versammeln sich diese Flüge zu großen Mengen. Wahrscheinlich waren die Ortolaue eben anf der Wandcrnng. 48. /^,lbe/-/s« tnsn«) Zlostammcr. In ganz Palästina eine regelmäßige ^rscheiuuug, in dm mit dichtem Gebüsch und grusien Felsblöckcn bedeckten Strecken sogar sehr hänfig. 49. p<5ssi6t«?m, Tristams-Verg-Glnnzl'ogcl. Dieser merkwürdige, dnnkcl schwarzblane Vogel mit rostbranlten Schwingen wurde ebeu nnr in einer Felsschlucht, nnd da in der Nähe des Klosters Mar-Saba angetroffen nnd beobachtet. Er nistet in Felswänden uahc dem Kloster nnd mail sieht ihn anf den Dächern, Thürmen nnd Gemäuern der alten Gebände in großer Menge den ganzen Tag über sitzen uud hernmflattern. Die griechischen Mönche haben diese Glanzstaarc so sehr gezähmt, das; jeden Tag um dieselbe Stunde eiu Ordensbruder durch Rnfe sie uin sich versammelt und sie mit Brod fütterl; nur mit vieler Mühe gelaug es ein Exemplar zn erbeuten, da die Mönche nicht dnlden wollten, daß mau auf diese Thiere Jagd mache. Dasselbe übersandte ich Herrn v. Homeyer zur Vestimmnng. 53. O«^n«6 «m^a^s, Stanr. Nnr noch in den ersten Tagen nnserer Reise, also Ende Februar trafen wir den gemeineu Staar wiederholt in Unter^Egyptcn an. Am See Birket-el-Karun übernachte» große Züge in den Ufergebüschcn. 54. t7o?"Mt8 c»?-«^ Kolllralie. In ganz Vgypteu, ait allen geeigneten Plätzen inmitten der Städte, auf dem Wüstcngebirge, in der eigentlichen Wüste anf alten Rninen, an großen Seen, anf den Sandbänken des Nil wnrde unser Rabe 350 mehrfach beobachtet. Jin Inneren des Tempels von Edfu, iu der gedeckte», fast ganz dunklen Tciupclhalle nistete ein Pärchen. Am Ruthen Meer, in der arabischen Wüste wnrdcn Kolkraben anch beobachtet. Am Meeresstrande hält er sich wegen der Muscheln sehr gerne ans. In Egyptrn ist er nm vieles weniger scheu als bei nns, doch lauge nicht fo zutraulich als nz Asien. Iu Palästina beobachtete ich ihn allerorten; im Gebirge, auf Steppen und im Iordanthale. Auf der alten Stadtmauer von Jerusalem, nahe von unserem Lagerplatze nistete eiu Pärchcu. Nie dreisten Vögel stahlen zwischcu nusereu Zellen die Kücheuabfälle. Auf den griechischen Iusclu und iu Dalmatieu ist der Kolkrabe alleutyalbeu geinein. Der afrikanische Rabe ist etwas kleiner als der europäische und sciu Gefieder auffalleud bläulicher mit schönem Glanz; der asiatische ist iu allem dem nnseren gleich. 55. (7o?-lM5 co5-m^ Ucbelllvähe. In Egypten, von Alexandrien bis Assnan, überall int Cnltnrlandc ein ganz häufiger Vogel. Am 1. März wurden iu Obcr-Egypten fchou flügge, diesjährige Nebelkrähen beobachtet. Im Anssehcn nud in der Lebensweise ist die Ncbclkrähc ilt Afrika gleich der uusercu, uur fehlen ihr vollkommen Schen uud Vorsicht. Nahe den Städten ist fie fast znm Hansthiere geworden. In Palästina beobachtete ich sie uur zwischen Jaffa und dem Gebirge im Culturlandc nnd bei Ierufalem. 56. Aa,'?'tt/«F ms?amll»t/o ?'u/ttltt) Grottenschwalbc, bezeichnete. Von der egyptischcn Höhlcnschnialbe, welche denselben lateinischen Namen führt, ist sie vollkommen verschieden nud nicht zn verwechseln. Ich glanbe, daß dieser Fehler anf einer nicht genanen Kenntniß dieser beiden Arten beruht. 62. 6^/«/?s /'«Ms/f-i^ Jelsenftiwallle. In ganz Europa und Palästina an geeigneten Stellen, nämlich an Felswänden nnd selbst in: Wüstengebirge bei großeu Felsblöckeu sehr häufig. Wo Felsen fehlen, beguügt sie sich mit Ruinen nnd Bauwerken, so zum Beispiel bei den Pyramiden von Gizeh. 63. ?Hi?iM e^a/)8, Dirdehopf. In ganz Egypten, im Culturlande und in den Städten einer der gewöhnlichsten nnd zntraulichsten Vögel. In Palästina weniger häufig, da ihm in sehr beschränktem Maße günstige Gegenden geboten sind. 64. Coi«/mbcl iim«, Felsensaulie. In ganz Egypten nnd Palästina an geeigneten, hohen, mit Höhlen versehenen Felswänden hänfig, am meisten aber in Egypten in eigen« errichteten kleinen Städten von Taubenthürmen, der Eier nnd vorzüglich des Gnano halber, in unglaublichen Mengen in halbwildein Znstande vereinigt. Bleibt sich aber in Größe nnd Farbe dennoch immer gleich. 65. ?h«^tt?- am'/itts, Turteltaube. Nur im Iordanthale und da nur sehr vereinzelt gesehen. 66. I',,,',!«^ a,'iö^«//6) Girriaulie. Ausschließlich im Iordauthale iu deu mit uiedercn Bäumen uud Gebüschen bedeckten Streckeu, doch da iu großer Meugc. Die Paare waren schon gepaart. Die Tanber führten Flugkünste aus, wie ich sie bei anderen Tauben in solcher Vollkommenheit niemals gesehen hatte. Den ganzen Tag über erscholl ihr eigentümlicher Ruf. Im Ganzen ist es ein änßerst scheuer nud vorsichtiger Vogel. 352 67. I'iO'/tti' 8s«6t/«/e?i5/',^ ^lnllniaulic. In ganz Egypteu, im Eultnrlande, auf allen Wegen und Baunlgruppen, doch vorzüglich in den Gärten, selbst iumitlen der Städte ein äußerst häufiger Vogel. 68. 6Vtt,^o/?e/6m a/)n, Zwrr«)lnubr. Nur einmal, nnd das in Kom-cl-Emir in Ober-Egypteu beobachtet. Ein Pärchen auffallend kleiner nnd schöner Taubeu saß auf einein Lehmhaufeu zwischen Feldern, nahe vom Ufer des Nil. Das eine Exemplar flog schen bei meiner Auuäheruug hinweg, das andere blieb sitzen und fiel mir znr Veute. Es ist eigentlich eine Nubieu und Iuuer-Afrika angehörende Taube. 69. O«cca^,> sa^tti/i^ Stemhuhn. Die ersten Exemplare wurden zwifchen Jaffa nnd Latrnu, uud zwar uur ein gepaartes Paar beobachtet. Zwischen Latrnn und Jerusalem, auf dem mit großen Fewblückeu uud Gebüsch bedeckten Berge sahen wir deren mehr. Bei Jerusalem uud Bethlehem nnd am Wege zum Todten Meer findet man allenthalben dieses schöne Huhn, doch nirgends häufig, der vieleu Nachftelluugcu der Eiugcboreuen halber. Im Iordauthale lebt das Steiuhuhn vorzüglich iu den breiten, mit großen Stciueu und undurchdringlichem Gebüsch bedeckten Wasserrisseu, welche von deu Seitengebirgeu herab durch die Ebcue zuin Jordan führen. Iu dieser günstigen Lage findet mau auf engem Raume viel Hühucr uud kaun leicht ergiebige Jagd auf dieses weuig scheue Thier machen. Das asiatische Steiuhuhu ist zwar vollkommen dieselbe Art, aber dennoch schöner gefärbt und größer als das europäische der Balkanhalbinsel uud der griechischen Inseln. 70. (7ttceael»l5 ^ei,'osa, Klipurnhuhu. Die ersten noch sehr vcreiuzelteu Exemplare wurdeu auf dem Wüsteugebirge zwischeu Betlehein uud dem Todten Meer beobachtet. Im Iordanthale lebt das zierliche .Mippeuhuhn au denselben Plätzen, nur in größerer Zahl, mit den Stciuhühueru zusammen. 71. /^'a,-«^'/tt6 /tt'a/ltmi», Hnlsliand-Alferlinlfsr. An Wassertiimpeln, an geeigneten Stellen des Nil, sowohl in Ober- als Unter-Egypleu n,id an den großeu Stranden in bedeutender Menge. 45 354 78. llc>dilmiiö)irl'. In Ober-Egyftten, an den Ufern des 3iil eine regelmäßige, doch nicht eben hänfige Crscheinniig. Wir sahen nnr gepaarte Paare, lneist auf Sandbänken oder längs der brüchigen Ufer des Stromes. 81. 6^/).n'/c?« /^/>^)/'/aFa s/tt////iit/l,^ ^loorschnepfc. In Unter Egypteu bloß im echten Snmpse und auch da nicht häufig. 84. Ou//l//'/s a,'nm,-m, Zanderling. An Seen nnd am Nil eine regelmäßige, doch nirgends hänfige Erscheinnng. 85. !/>/,</^//i«, ^lpensirandlinlsrr. Sowohl in Ober- als auch Unter-Egypten an allen geeigneten Plätzen, an Seen, Canälen, Wassertnmpeln nnd Ufern des Nil sehr oft beobachtet. 88. 7>/?lms/a ^emme/ci^ SandllNlsrrlhen. An kleinen Inseln des Menzaleh-Sce's nnd in U'asserreichen, salzigen Sümpfen nahe Ismaulia mehrere große Flüge und auch einzelne Exemplare dieser «Gattung beobachtet. 9(1. Mcc/?e/65F>lt^?zm,«5'tt / ^/tt^ Pfuhlslijnepso. Am See von Virket-cl^Karnn, am Nil, in Obcr-Egyftten nnd anf den Inseln des Menzaleh-See's mehrmals gesehen. 96. ///mo«« ttle,'ea, Fischreiher. Am See Virket-cl-Karmi uud läugs dev Nil bis Assuau iu erstaunlicher Anzahl. Auf jeder Sandbaut uud alleuthalbeu am Ufer wareu Fischreiher eiuer uebeu dem audereu. 100. ^lf-ckea ^»tt^uT'sa^ Purpurreihrr. A»l See voit Birket-el-Karuu ziemlich häufig, soust uirgeuds iu Egypteu beobachtet. Iiu Iordanthale sowohl am Jordan, als auch iu deu mit dichtem Gebüsch uud grosien Steiueu bedecktcu Wasscrrisseu, doch uirgeuds häufig. 101. ^l>i^« ^tt/^ttc,^ Sridrttrrihtr. Am See Birket-cl Karuu uud am Meuzaleh-See ist dieser Reiher ziemlich häufig, soust wurde er nirgends beobachtet. 102. v1,'s/e« blralle. In einem kleinen Theile des großen Snmvfes bei Ismäiilia wnrdc anf cngbegrenztem Nanin eine große Menge dieser schönen nnd nnglanblich zntranlichen Vögel beobachtet. Wenige Schritte vor dem Menschen erhoben sie sich nnd flogen mit echt rallcnartigem sslnge, doch leichter als nnfere Wasserratte, eine kurze Entfernung hinweg, nm dann nicht im Fliehen nnd geschickten Lanfen nnd Verstecken ihr Heil zn suchen, sondern eine nochmalige Annahernng des Menschen abwartend. 106. /^,,-«s M'e/,tt/,e//^/^ Granulnntclmöue. Die hänfigste Move anf dem Adriatischen und Ionischen Meer. I>n Febrnar ficht man sie allenthalben nnd zn jeder Tageszeit ain ganzen Mittelmeer, dein Snez-Canal nnd den großen Strandseen. Am )iil nieinals anzntreffen. 113. Da/tt^/ttsctt,^ Hinillyümölie. I»l Adriatischen Meer uild län^s der griechischen Inseln vereinzelt. Im Hasen von Korsu ziemlich nnd im Hafen von Zante sehr hänfig angetroffen. Vei Alexandrien, am Menzaleh-^Sce imd am Snez-Canal feiten. 114. ^«/'«5 ic/tt'/// halten tonnte. //«//aF/llÄ «M«M beobachtete ich mehrmals an den Ufern des Nil, merkwürdigerweise sah ich nur junge Eremplare im dnnklen Kleide; eine Irrnng konnte nicht vorkommen, da ich einige derselben mit dem Fernglase ans höchstens zweihnndert Schritte betrachtete. l^itttt,' c'»ln'ett« wnrdc von mir in Afrika niemals beobachtet; in Palästina sah ich deren zwei in den Eichenwäldern des Monte Tabor nnd glandte anch einige unter einem Fluge vou Ne^e,' /il/p,c6 in den Randgebirgen des Todten Meeres bemerkt zu haben, kann aber letzteres nicht sicher verbürgen. Der große ?^i«>' au,-l'cuia^, welcher noch vor wenigen Jahren zu den regelmäßigen Bewohnern Ober-Egyfttens rechnete, ist jetzt fast ganz verschwunden. Ich sah deren nnr zwei Exemplare auf einer Saudbailk zwischen einigen l «tttt,-/«/ «ianimtt,',' iu Nord Afrika, nur ist er in der Färbung sehr verfchieden nnd seine Größe etwas geringer. Das erste Mal sah ich diesen schönen Uhu bei den Pyramiden von Gize'h. Wir ließen dieselben von Arabern der Schakale wegen austreibeu; ganz zum Schlnsse des Triebes flog von der dritten kleinen Pyramide ein Uhu scheneu Fluges in die Wüste hinaus; leider war die Entfernnng eine zn dedenteude, nm einen sicheren Schuß anbringen zn können. Bei meinem zweiten Znsammenlreffeu mil diesem schönen Vogel hätte ich denselben leicht erbeuten können; ich saß nämlich des Abends nnweil Medinct Halm iu Ober-Egypten am Rande des hohen Wüsten-gebirges; kurz nach Sonnenuntergang strich ein Uhn ganz langsam nnd niedrig vom Gebirge geqeil die Ebene dicht an mir vorbei, Die Waidmannslnst besiegte aber den ilrnitholoa.cn uud ich schoß nicht, um mir nicht dnrch einen Schuß eine meiner stets von gnten Erfolgen gekrönten Nachtjagden anf große Nanbthierc zu stören. 361 M>,'o/)5' ^i'a,^-, der europäische ^ienenfresser, wlirde v»n mir ill C'gypten nicht ailgetroffen. Bis an die nubische Grenze durchwanderte ich dieses Laud, ohne M,-oM ^ia«^,- zn scheu; mail tmm daraus erkennen, wie tief im Iuueren Afrika's dieser Vogel seme Winterherbcrgc bezicht. Als ich Ende März Egypten verließ, war der Bienenfresser noch nicht erschienen. Drei Tage nach meiner Abreise benachrichtigte mich ein Frcnnd ans Kairo über die in großen Schwärmen erfolgte Nnknnft dieser Vögel; die meisten wnrdcn im Schnbra-Garten unweit der Stadt gesehen. Wenige Tage daranf, in der ersten Aftrilwoche, hatte ich mehrmals Gelegenheit, M>-oM ^h?/^e,- im Iordanthalc zn beobachten; gepaarte Paare nmschluänuten die hohen brüchigen Lehmnfer der (Hießbäche, in welchen viele Nesthöhlen ans die alljährlichen Vrnt-Colonien schließen ließen. Oo?-acia5 n, Ritt nach Mar-Saba. Das Frlscnklostcr. Ritt nach Nebi< Mufa. Ritt znin Todten Meer nnd Aln es-Snltan 253 IX. Capitel. Mn-es Snltan, El-Attdje, Abd-el Kader, Baifan, Ver^ Tabor, Nazareth, Fahrt nach Haifa. Einschiffnn^ 2ttli X. Capitol. Heiinreife länc^s Candia, Zante, Canal von Ithaka, Korfu. Einige Stunden Aufenthalt in Korfu. Vocchc di Cattaro. Ragufa. Zara. Trieft. Fahrt nach Wien. Ende......................... 333 Anhang. I. Liste aller erbeuteten Thiere................. 339 II. Ornithologifche Reiseskizzen................ 341 VerzelchM der Text-Illustrationen. I. Capitel. 2,i,, Vignette (Arbeitszimmer des Kronprinzen)........ 1 Ueber den Temmcring........................ 2 Miramar................................... 5 Vor Zante.................................. !) Monte Skopo............................... 13 Schlnßvignettc (Möven)....................... U; II. Capitel. Vignette (Aasgrn'r).......................... 17 Antnnft in Ak'r,andrien...................... 1'.) Ein Abend in Alexandrian..................... 25 Unter Egypten............................. 27 Arbeitende Fellachen ......................... 30 Ein Abend am Wokattam...................... 31 Fackelzug .................................. 33 Zum Gebet................................. 35 Teppich-Bazar.............................. 37 Seite Ein Abend in der Schnbra-Allee................ 41 Egyptische Bettler............................ 43 Schakaljagd auf den Pyramiden ................ 45 Helioftolis.................................. 50 III. Capitel. Vignette (Jagdbeute).......................... 56 Marsch dnrch die Wüste m Fajmn.............. 5!) Frühstück in der Wüste........................ 63 ^nchöjagd.................................. 67 Der erste Pcleta»........................... till Ein Morgen am Virket ei Karun............. 73 Jagd anf Ichnenmo»......................... 77 Wettfahrt am Virket-el-Karnn.................. 7« Bentebeladen............................... 7!) Heiinkehr Von der Jagd in Fajnm nach Abntsar,. . 81 Strecke..................................... «3 46' IV. Capik'l. 2ntt' Vignette (Dumpalmen)........................ 84 Mlaufwärts............................... 85 Wasserschöpfer .............................. 8« Eiu Schöpfrad auf Elephantine................. 89 Bienentailz................................ <>2 Fl'llach Torf „lit Taubenhäusern bei Mydns....... 93 Jill Teniftel von Ablidus...................... 95 Cm glücklicher Schuß......................... 9l> Der blinde Antiquar in Abydus ................ 9? Ein Abend mn Nil........................... 99 Tendcra.................................. 1(13 Ruinenfeld oon Karnak....................... 107 Tempel von ktarnak.......................... 109 Theben.................................... Ill Ohrcngeier bei einem todten Vnffel.............. 115 Anf dem Tempel von Edsn.................... 118 Knin Oinbll................................ 121 Ababdc Tanz in Assuan....................... 125 Wolfsjagd ill Assnan ........................ 128 Nitt uou Assuan uach Phylae.................. 129 Phylae .................................... 133 V. Capitel. Vignette (Tempel in Phylae) ................. 135 Nubier schlviinmcn dlirch einen Nilt'atarakt........ 137 Schakaljagd ............................... 139 Anstand nnf Wölfe mit dem Zicklein ............ 141 Nitt durch einen Nilarm ...................... 14); Die Mcmnons Kolosse........................ 149 Nilufer in Erment........................... 153 Iassd in rineiu Palmenhaiil bei .ttcnrh............ 157 Ter Cfcl des Mudir.......................... 15!) Geier bei ihrem Schlafplatze ................... 161 Memphis.................................. 1l',5 Schlußvigncttc (Sphinx)....................... 171 VI. Caftitcl. Vignette (Flamingo's)........................ 172 Das Fest El Hossein......................... 174 Sturm am Mcuzale'h'See..................... l7? Eine flacht am Menzaleh See.................. 181 Vo^elschwärme am Mcnzalch-Scc............... 185 Citadelle vo» Miro .......................... 18!) Bei den Chalifen-Gräbern..................... 1!>:; DrehTerwische ............................. 111? Heulende Derwische.......................... 201 Nast iu der Wüste............................ 205 Die Moses-Quellen .......................... 21 l Jagd auf Gazellen......................... 21'l Auoritt zur Faltenjagd ....................... 221 VN. Capitol. Teile Vignette................................... 22ij Ankunft in Jaffa ............................ 225 Orangen-Markt in Jaffa...................... 229 Auf der Steinhuhnjagd....................... 2^1 Empfang des Kronprinzen dnrch die österreichischen Juden vor Jerusalem .................... 2!i!i Einzng ill Iernsalem......................... 3A? Grabkirche in Jerusalem....................,, 24!i Jerusateul vom Oehlberg aus gesehen............ 24i) M)drou Thal............................... 251 VIII. Capitel. Vignette (Disteln)............................ 253 Vetlehcm................................... 255 Fcnek.................................... 259 Fraimi von Bellchem......................... 261 Nächtlicher Aufornch......................... 263 Verendete Hyäne............................. 26? Araber bringen junge lebende Stcinböcke ins Lager., 26!1 Ein schwerer Abstieg ........................ 271 Aufschlagen des Lagers bei Mar-Taba........... 273 Mar-Saba................................. 277 Abgestürztes Tragthier....................... 281 Vremn'ttder ^,'ohrbrnch ....................... 283 IX. Capitel. Vignette.................................. 286 Quellen.................................... 287 SchechAli.................................. 289 Nach dein Marsche........................... 291 Tie Varan Eidechse.......................... 293 Achmed in Gesahr............................ 295 Eberjagd.................................. 297 Bei den Vedninen ........................... 301 Jordan Beduinen............................ 304 Rückkehr von der Eberjagd..................... 305 Am Jordan ................................ 309 Steppenbrand............................... 313 Baisall.................................... 316 Tabor.................................... 31? Bcduincnlagcr in Vaisän...................... 321 Fahrt nach Haifa............................ 325 Nazareth ................................. 329 Schwalben................................ 332 X. Caftitcl. Vignette (Bucht voll Ipsa) .................... 333 Vocche di Eattaro........................ - - 335