Ansprache der kirchlichen Wcihc !>cr neuen Fahne Marburg, 1896. Ar. Michael Mapatnili Ansprache anlässlich der kirchlichen Weihe -er neuen Fahne des llliulnirger katholische» rrbeiterverciucs. Gehalten vom Hochwürdigsten Herrn Fürstbischöfe Ar. Wichael' Wapolnill am 2. August 1896 in der Dom- und Stadtpfarrkirche. Marburg, 1896. Im Verlage der s. b. Ordinariatskanzlei. — St. CyrillnS-Bnchdrnlkerei. ! 12144 lil boo SIMO viN6S8. (Jnschriftzeichen auf der Schaft- spitze der zu weihcudeu Fahne.) Geliebte im Heern! ine so seltene wie bedeutsame Feier hat uns heute iu diesen heiligen Hallen ver¬ sammelt. Im verflossenen Jahre 1895 gründeten treffliche Männer, welche die (j^UN06lb!1 016 Zeichen der Zeit verstehen, einen katho- lischen Arbeiterverein in Marburg. Diese Gründung, eine sociale Nothwendig- keit, ist eine überaus große Wvhlthat, ist eine That von weittragender Bedeutung. Das neue 1* 4 -8- Werk kann unter Gottes gnädigem Beistände für unsere schöne Stadt Marburg und noch weit über ihr Gebiet hinaus von den segens¬ reichsten Folgen begleitet sein. Dem kräftig aufblühenden Vereine fehlte bislang ein sichtbares Zeichen der Zusammen¬ gehörigkeit, der Eintracht und Brüderlichkeit, des gemeinsamen Eiustehens für die gute, hei¬ lige Sache. Nunmehr erhielt der vielversprechende und hosfuungerweckende junge Bund durch die Munifizenz der hochgeborenen Frau Maria Gräfin Nugent das langersehnte äußere Zeichen, er erhielt eine sehr schone Vereinsfahne, lind weil an Gottes Segen noch immer für Alle Alles gelegen, bat die verehrliche Vereinsvor- stehung mich um die Vornahme der kirchlichen Weihe des prachtvollen Vereinsbanners, welcher Bitte ich um so lieber und freudiger nach¬ komme, als ich dainit meinen eigenen lebhaften Wunsch verwirklichen kann, meine vollste Sym¬ pathie für den neuen Verein offen vor aller Welt kundzuthun und durch die kirchliche Weihe das löbliche Werk zu krönen. Ehevor ich jedoch die kirchliche Weihung und Segnung vornehme, halte ich es für gut und nutzreich, Worte der Belehrung und Er¬ bauung über den Zweck des hierortigen katho¬ lischen Arbeitervereines und über die Bedeutung der zu weihenden Vereinsfahne an Euch, meine lieben christlichen Zuhörer, zu richten — - mit Hinweis auf das auf der Fahnenspitze strah- 5 -8- lende Monogramin Jesu Christi, das einst im Kreuze geschrieben dein großen Constantin znm Siege über seine Gegner und der Kirche zum Siege über ihre Verfolger verhalf. Gott der Dreieinige segne meine Worte! Er segne die ehrbare Arbeit! In Iroo sißno vinoos! I. i as ist denn ein Verein überhaupt"? Der I I Verein überhaupt ist eine Verbin- st-I I » düng von Mehreren zu einem gemein- famen Zwecke. Jeder Zweck, der er- laubt ist, kann in einem Vereine an¬ gestrebt werden. Was will nun der Marburger katholische Arbeiterverein? Worauf ist sein Sinnen nnd Trachten, sein Streben, Wirken und Schaffen gerichtet? Die ganze große Be¬ deutung unseres hoffnungsvollen Bundes ist genau gekennzeichnet in seinen Statuten, welche am I. Februar 1895 Zahl 270 vom fürst- bischöflichen Lavauter Konsistorium genehmigt und am 25. März 1895 Zahl 1080 von der hohen k. k. Statthalterei in Graz bescheinigt worden sind. „DerZweckdes katholischen » 6 Arbeitervereines", so lese ich gleich im ersten Paragraphe der Vereinsstatuten, „ist die Förderung der religiösen, geistigen und materiellen Interessen des Ar¬ beit e r st a n d e s. D e r V e r e in steht unter dem Schutze des heiligen Joseph." Unser Verein heißt also katholisch, er schützt und fördert vorab die religiösen Interessen der Arbeiter, und er steht unter dem mächtigen Schutze des hl. Joseph. Mit Uebergehung der übrigen erlaubten Ziele und Zwecke hebe ich nur dies hervor, weil wir uns an heiliger Stätte befinden, wo wir die religiöse Frage, die religiöse Seite des Vereines zu besprechen und zu behandeln haben. Nach den vorliegenden Statuten verfolgen die Vereinsmitglieder die nämlichen Ziele und Absichten, welche unser Hl. Vater Papst Leo XIII. in seiner denkwürdigen Arbeiterencyelika »klorum novurum« vom 15. Mai 1891 verfolgt und erreicht wissen will. Auf der Grundlage dieses herrlichen aposto¬ lischen Rundschreibens sind schon sehr viele christ¬ liche Arbeitervereine in's Leben gerufen worden. Ja, schon weit über dreißig Tausend Arbeiter sind seitdem in christlichen Vereinen organisiert. Ich wünschte es lebhaft, dass man auch in der Lavanter Diöcese die Nothwendigkeit solcher Standesbündnisse alsbald begriffe und selbe wo immer nur thunlich und möglich unverweilt und unverzagt einführte. Wie ein katholischer Arbeiterverein bereits in Sachsenfeld besteht, 7 wie ein ähnlicher jüngst in Weitenstein ge¬ gründet wurde und ein gleicher in Gonobiz im Entstehen begriffen ist, so könnten auch Cilli, Pettau, Rann, Wind.-Feistritz und mehrere andere Orte ihre katholischen Arbeiter- oder aber Gesellen-Vereine besitzen. Der vom weit¬ blickenden Arbeiterpapst Leo XIII. vernrtheilte, weil gottentfremdete Socialismus mit seinen gemeinschädlichen und gefährlichen Lehren und irrigen Anschauungen kann nicht so durch Ge¬ walt von außen, als wie durch eine große Be¬ wegung von innen heraus bekämpft und über¬ wunden werden. Christliche Arbeiter! Ihr habt recht gethan, vollkommen recht, dass Ihr Euren Verein auf dem Boden der hl. Kirche aufgebaut habt. Nur auf dieser Säule und Grundfeste der Wahrheit (I. Um. 3, 15) gedeiht und erstarkt ein Verein. „Denn einen anderen Grund k a n n N i e m a n d legen, als der gelegt ist, welcher ist Christus Jesus (I. 6or. 3, 11), der da derselbe ist gestern und heute und in alle Ewigkeit." (llobr. 13, 8). Verwirft man diesen Grund- und Eckstein, stürzt das Gebäude iu sich zusammen; verwirft man den gottmenschlichen Erlöser Jesus Christus, so ver¬ wirft man das Leben und schaufelt sich das Grab, weil es eineu anderen Heiland und Seligmacher nicht gibt, nicht geben kann. Nur Jesus Christus allein ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben", (lob. 14, 6). Darum schreibt mit Recht Papst Leo XIII. in -K' 8 --K» seiner obgerühmten Arbeitereneyelika : „Das religiöse Moment muss dem Vereine zn einer Grundlage seiner Einrichtungen werden. Die Religiosität der Mitglieder soll das wichtigste Ziel sein, und darum muss der christliche Glaube die ganze Organisation durchdringen. Andern¬ falls würde der Verein in Bälde sein ursprüng¬ liches Gepräge einbüßen; er würde auf gleiche Linie mit jenen Bünden kommen, welche die Religion aus ihren Kreisen ausschließen. Was nützt es aber dem Arbeiter, für feine irdische Wohlfahrt noch so viel Vortheil vom Verein zu gewinnen, wenn aus Mangel an geistiger Nahrung seine Seele in Gefahr kommt. „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet."" (Nattb. 16,26). Christliche Zuhörer! Wenn wir das Leben des göttlichen Heilandes betrachten, muss uns auffallen, wie Er die Arbeiter geehrt nud be¬ vorzugt hat. Dieser Zug des göttlichen Lehr¬ meisters zum Arbeiterstande offenbart sich gar deutlich im Folgenden. Der Sohn Gottes wird Mensch. Aus welchem Stande wählt Er sich feine Mutter? Die Verlobte eines schlichten und einfachen Zimmermannes aus Nazareth, die ist es, die Er zur Herrlichkeit und Würde der Mutter Gottes erhebt, und die Er über alle Engel, Heiligen und Menschen setzt. Die Frau eines ärmlichen Zimmermannes wird Königin über Himmel und Erde. Fürwahr eine Ehre für die Arbeiterwelt, wie sie größer nicht denk- -A" 6 K- bar ist, eine Ehre, welche die Frauen und Jungfrauen aus dem Arbeiterstande niemals vergessen sollten. — Der Sohn Gottes kommt und Er wählt sich einen Nähr- und Pflege¬ vater. Und wer ist der Glückliche? Ein Fürst, ein Reicher, ein Vornehmer? Nein. Ein Ar¬ beiter, ein Handwerker ist es. Und diesem Werk¬ meister von Nazareth, St. Joseph, war der Werk¬ meister Himmels und der Erde, Jesus Christus, unterthan, hat ihm gehorcht, hat bei ihm ge¬ lernt als Lehrling, hat unter ihm gedient als Geselle. Und dieser Zimmermann von Nazareth ist der Schutzheilige des größten Vereines der Welt, der heiligen Kirche, wie er auch Euer machtvoller Vereinspatron ist. Christliche Ar¬ beiter, dessen dürfet Ihr Euch mit vollem Rechte rühmen, darauf könnet Ihr wahrhaftig stolz sein. Und der Sohn Gottes wird Mensch und wählt sich einen Stand. Aber welchen? Euren Stand, meine verehrten katholischen Arbeiter. Seine Geburtsstadt war Bethlehem, ein Arbeiter¬ ort ; sein Zuständigkeitsort war Nazareth, eine Arbeiterstadt; seine Wohnung war ein armes, kleines Haus, wie es in Loreto noch heute steht. Sein Werkzeug war der Hobel, die Säge, das Beil, die Richtschnur, das Senkblei. Und dreißig Jahre lang gehörte der Sohn Gottes dem Arbeiterstande an. Kein Wunder, dass nachher die Leute einander fragten: „J st d i e s er nichtdesZimmermannsSohn? (Nattb. 13, 55). Und ist Er nicht der Zimmer¬ mann?" (Nara. 6, 3). O Hoheit, o Würde -K- 10 des christlichen Arbeiters! Wenn wir katholische Priester uns rühmen dürfen, den erhabenen Beruf Jesu gewählt zu haben, dann haben die christlichen Arbeiter um so mehr Anspruch auf den gleichen Ruhm; denn dreißig Jahre war Jesus Christus Arbeiter und drei Jahre war Er Lehrer, Priester und Hirte. Und der Sohn Gottes kam und wählte sich seine Umgebung. Und wer waren die so Seligen, die sich Ihm nähern, mit Ihm ver¬ kehren, Ihn umgeben durften? Die Hirten, die Arbeiter, die Werk- und Laudleute. Leute aus der arbeitenden Clasfe waren die eifrigsten Zuhörer seiner Predigten, deren wunderherrliche Parabeln Er aus der Welt der Arbeiter nahm; Er holte sie her vom Weinberge, vom Saatfelde, vom Rebstocke, vom Garten, von der Herde. Und seine ständigen Begleiter und nachmaligen Stellvertreter, die Apostel, wo hat Er sich diese geholt? Von den gelehrten Schulen, von der reichen und angesehenen Welt? Nein. Vom Fischerkahn, von der Zöllnerbank, vom Webstuhle. Ein Fischer aus Galiläa war es, zu dem Jesus die ewig denkwürdigen Worte sprach, mit denen Er den Grundstein zu seiner Kirche legte: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will Ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und dir will Ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was i m m e r du -Q- 11 binden wirst ans Erden, das soll auch im Himmel gebunden sein, und was immer du lösen wirstaufErden, das soll auch im Himmel gelöst sei n." Mattb. 16, 18. 19). Und ein Arbeiter aus Bethsaida erhielt unter Kaiser Tiberius am See Tiberias von Christus das Oberhirten¬ amt, das er am Tiberstrom einviertel Jahr¬ hundert segensreich ausübte. (lob. 21, t. 15 — 17). Und der Thron dieses apostolischen Arbeiters, vom vermeintlichen Zimmermanns¬ sohne Christus Jesus aufgebaut, ist und bleibt die Wurzel, das Band und die Krone des Christenthums. Nicht genug. Ein Zeltweber und Teppichmacher aus Tarsus, Namens Saulus später Paulus, war es, welchen der Herr zum Lehrer und Apostel der heidnischen Völker und Nationen so wunderbar berief. Und im Cen¬ trum der christlichen Einheit und dem Funda¬ mente der socialen Ordnung — in Rom wölbt sich die schönste und größte Kirche der Welt über dem Grabe der apostolischen Arbeiter St. Petrus und St. Paulus. So hat es der Herr gewollt, so hat Er die Arbeiter geehrt. Welche Ehre und welch hohe Würde! Je größer nun die Auszeichnung, desto größer soll auch die Bemühung sein, sich der¬ selben würdig zu zeigen. Möchten doch alle Arbeiter mit lebendigem Glauben, mit un¬ erschütterlichem Vertrauen und mit dankbarer Liebe zum größten und heiligsten Arbeiter aller Zeiten, zu ihrem göttlichen Meister und Herrn ^s-- 12 - Jesus Christus aufblicken, der die Arbeit durch seine gottmenschiichen Hände erhoben und geadelt, der sie geweiht, gesegnet und geheiligt hat. Dem göttlichen Lehrmeister folgten getreu seine Schüler. „Brüder", schreibt St. Paulus, der sich den Lebensunterhalt selbst erwarb, „bestrebet euch, ein stilles Leben zu führen, euren e i g e n e n G e s ch äft e n ob- tz u l i e g e n und euch mit eurer Hände Arbeit zu ernähren, wie wir e s euch befohlen haben, ehrbar zu wandeln vor denen, die draußen sind, und von Niemandem e t w a s z u b e g e h r e n." (I. '1'bs88. 4, II). Und anderweitig spricht dieser große christ¬ liche Sociolog noch ergreifender, indem er au die Thessalonicher schreibt: „Brüder, ihr selbst wisset, wie ihr unsuachahmen sollet; denn wir haben nicht un¬ ordentlich gelebt unter euch, und wir haben nicht umsonst von Jemand Brot gegessen, sondern mit Mühe und Beschwerde haben wir ge¬ arbeitet Tag und Nacht, um Nieman¬ dem unter euch lä st i g z u s a llen. Nicht als ob wir dazu kein Recht gehabt, sondern um uns s e l b st z u m V o r b i l d e euch darzugeben, damit ihrnusnach- ahmet. Auch als wir bei euch waren, haben wir dies euch gesagt: Wer nicht arbeiten will, soll nicht essen. Wir haben nun g e hö r t, d a s s E t l i ch e u n t e r -S- 13 e uch u u o r d e n tlich lebe n, n icht a rbe i t e n, sondern unnütze Dinge treiben. Sol¬ chen gebieten wir und ermahnen sie im H e rr n J e s u C h ri st o, d a s s s i e ru h ig arbeiten und ihr eigenes Brot essen. Wenn aber Jemand nicht gehorcht unserem W o r t e i n d i e s e m B r i e fe, den merket euch und bezeichnet ihn und habet keine Gemeinschaft mit ihm, auf dass er in sich gehe." (II. Hw88. 3, 7—14). Eine wunderbare, wie gerade für unsere Tage geschriebene Stelle. Wer nichtarbeiten will, soll nicht essen, ist ein gar ent¬ schiedenes apostolisches Wort. Arbeiter müssen wir also alle sein. Wer nicht arbeitet, der esse auch nicht und gehe zu Grunde. Allein damit Eure Arbeit, meine mir in: Herrn liebwerten Arbeiter, vor Gott verdienst¬ lich und Ihm wohlgefällig sei, verrichtet sie in guter Meinung, das ist, aus Liebe zu Gott und aus Gehorsam gegen seinen hochheiligen Willen. Denn wisset, Ihr seid von Gott in den Stand berufen worden, in dem Ihr lebet nnd wirket. Schreibt doch der heil. Apostel Paulus: „Wie eiuem Jeden Gott Zu¬ ge th eilt hat, wie Er einen Jeden be¬ ruf e n h a t, s o w a u d le er... In wel¬ chen Stand ein Jeglicher berufen ward, in diesem bleibe er. Warst du als Knecht berufen, sei n i ch t b e s o r gt. Denn wer im Herrn als Knecht be¬ rufen ward, der ist ein Freier des - » 14 Herrn. Desgleichen wer als Freier b e r n f e n w a r d , d e r i st e i n K n e cht C h r i sti. Brüder, worin ein Jeder berufen ward, darin bleibe und verharre er in Gott dem Herrn." (I. Oor. 7, 17. 20. 21. 22. 24). O wie leicht könnet Ihr in Eurem Arbeiterberufe Euren übernatürlichen Beruf erreichen, wie leicht könnet Ihr Euch im Arbeiter¬ stande den Himmel erarbeiten und verdienen, so Ihr nur die Arbeiten mit Gott und für Gott verrichtet, so Ihr stets trene Söhne der hl. Mutter Kirche bleibet. Ihr bildet bereits einen ansehnlichen Ver¬ ein, dessen Mitglieder zu sein und seine Statuten zu halten, Ihr stolz seid. Recht so! Allein bleibet auch gute und getreue Mitglieder des größten Vereines der Welt, der einen, heiligen, katho¬ lischen und apostolischen Kirche, jener wunder¬ baren Gesellschaft, über deren Einheit erst kürz¬ lich unser glücklich und glorreich regierender Papst Leo XIII. das großartige Nmlaufschreiben »8uti8 oognitum vobi8 o8t« vom 29. Juni dieses Jahres erließ. Diesem von Gott gewollten und gegründeten Vereine gehören alle heiligen Männer und Jünglinge an. Für diesen Verein der Vereine lebten, wirkten und starben die hl. Apostel, die hl. Märtyrer nnd Bekenner, die hl. Kirchenväter nnd Lehrer, die glänzend¬ sten Charaktere, die je auf Erden gewandelt. Danket, liebe Arbeiter, oft nnd auf den Knien liegend Gott dem Herrn, dass Ihr diesem seinen --tK- 15 --N-- Vereine angehöret, haltet treu dessen unabänder¬ liche Statuten, erfüllet gewissenhaft die Gelwte der Kirche. Denket kirchlich oder katholisch, wie Euer Verein sich nennt, fühlet katholisch, sprechet katholisch, handelt katholisch, lebet und wirket nach der unfehlbaren Lehre und im Geiste der hl. katholischen Kirche. Heiliget ihre Sonn- und Feiertage, empfanget die göttlichen Gnaden¬ mittel ihrer Sacramente, ehret und achtet ihre gottgesetzten Diener. Indem ich Euch in meiner oberhirtlicheu Liebe und in meiner steten Besorgnis um Euer wahres Wohl hiezu anfmuntere und ermahne, erfülle ich nur den Auftrag Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII., der in seiner mehrgedachten Arbeiter- eneyclika sich also vernehmen läßt: „Man erwecke bei den Mitgliedern Hochschätzung der Frömmig¬ keit und des Gottesdienstes; insbesondere halte man sie zur religiösen Feier der Sonn- und Fest¬ tage an. Man lehre den Arbeiter die Kirche Gottes als allgemeine Mutter verehren und lieben, ihre Gebote befolgen und die göttlichen Gnaden¬ mittel ihrer Sacramente, welche die Seele reinigen und zur Heiligkeit führen, öfters em¬ pfangen." Seid also eine feste Burg, was das schöne Stadtwappen auf der Fahne andeutet, seid ein starker Thurm des hl. Glaubens, der christlichen Sitte, der christlichen Tugend! Amen sage ich Euch, insolange Euer Verein in der Kirche wurzelt, wird er da stehen wie ein mäch¬ tiger, unverrückbarer Fels, an dem jede wuth- schäumende Woge zerschellt. 16 -8- Indem Ihr aber, christliche Arbeiter, un- entwegt zu Eurem Vereine stehet und dessen Interessen nach Kräften fördert und hebt, achtet auch die übrigen christlichen Vereine, die das¬ selbe Hauptziel verfolgen und anstreben, zu denen insonderheit die um das Jahr 1855 ge¬ gründeten katholischen Gesellenvereine gehören. Diese Vereine sind noch immer sehr zeitgemäß und werden es noch lange, lange bleiben. Die Berufung des edlen Adolf Kolping aus dem Schuhmacherstande in den Priesterstand lind zur Gründung des katholischen Gesellenvereines war eine providentielle, sie kam vom Himmel. Weit schlimmer und viel ärger noch wäre es um die Arbeiter bestellt, wenn nicht die 933 katho¬ lischen Gesellenvereine mit ihren Tausenden von Mitgliedern sich fast schon in allen fünf Welttheileu dem zersetzenden Geiste unter den Arbeitern entgegenstemmten. Diese aller An¬ erkennung und alles Lobes würdigen Vereine bilden sozusagen den Anfang zur Rechristiaui- sierung der Ärbeiterwelt. Fürwahr, alle guten Vereine sollen und sie können auch ganz leicht friedlich neben¬ einander, mit- und füreinander wirken und untereinander wie im edlen Wettstreite um die Erhaltung der höchsten und heiligsten Güter der Arbeiterwelt sich messen. Die Kirche Gottes, ein lebendiger Organismus, zeitigt immer neue lebensfrische Gebilde, ohne die bereits bestehen¬ den überflüssig zu machen. So gibt es uralte, neue und neueste Orden und Congregationen, 17 --St¬ aber alle sind der liebenden Mutter Kirche liebe und theuere Kinder und haben ihren eigenen Wirkungskreis; nur das Hauptziel ist allen das gleiche: die Beförderung der Ehre Got¬ tes und des ewigen Heils unsterb¬ licher Seelen. Auch die Feldarmee besteht aus mannigfaltigen Truppen; allein alle beseelt derselbe Geist, erfüllt der gleiche Wunsch, für Gott, Kaiser und Vaterland muthig einzusteheu, den gemeinsamen Feind vereint zu schlagen. Aehnlich können auch die christlichen Arbeiter verschiedenen katholischen Vereinen angehören, aber sie sollen einmüthig ringen und kämpfen für dieselbe heilige Sache, für den Wiederaufbau der menschlichen Societät auf christkatholischer Basis, für die Rechristianisierung der Arbeiter und ihrer Familien. Ja, Einheit und Einigung aller guten Elemente erweist sich in unseren Tagen als nothwendig, da neue Parolen, neue Losungs¬ worte ausgegeben werden, die auf eine Um¬ gestaltung der Dinge auf neuen Grundlagen ohne Gott, ohne Glauben, ohne Sitten abzielen. Unter dem Einflüsse dieser listig ausgeklügelten Schlagworte schwindet das christliche Leben und mit ihm die Achtung vor der elterlichen, geist¬ lichen und weltlichen Obrigkeit. Es fehlt nicht an Versuchen der Auflehnung und des Un¬ gehorsams, und es bildet sich eine greuliche Verwirrung der Begriffe und eine Unordnung heraus, die zur völligen Anarchie oder Ord- nnugslosigkeit führt, geradezu führen muss. In 2 -K- 18 --Sch. solchen trüben und traurigen Zeiten ist Ein¬ tracht aller Gutgesinnten eine absolut noth- wendige Sache, damit den drohenden Gefahren rechtzeitig vorgebeugt wird. Ja, die ganze christ¬ liche Gesellschaft muss sich sammeln und einigen, sie muss sich entschieden auf dem Boden der hl. Religion den feindlichen, zerstörenden Ele¬ menten entgegenstellen, sie muss den hl. Glauben beleben und anfachen, wo er wie abgestorben und erloschen ist, sie muss auf Mittel und Wege sinnen, um zu heilen, was erkrankt ist. Dies sei der leitende Gedanke und die Aufgabe der katholischen Arbeitervereine. In boo siZno vinooul. In diesem Zeichen werden sie siegen. Und darum auf, christliche Arbeiter, zum heiligen Kampfe für Gott und seine Kirche, für Kaiser und Vaterland, für Euer zeitliches Wohl und für das ewige Heil Eurer unsterblichen Seelen. Oralo st laborals. Liebet das sich gegenseitig so mächtig unterstützende Geschwister- paar: dasGebet und die Arbeit. Traget unter der Arbeitsblouse auch das Kleid der heiligmachenden Gnade. Es beseele Euch der Geist lebendigen Glaubens, unentwegter Hoff¬ nung und hingebender Liebe zu Gott und dem Nächsten. Durch Euer muthiges Eintreten für die Sache Gottes wird so mancher Schwan¬ kende aufgerichtet und so mancher Furchtsame gekräftigt, und wird ebenfalls unerschrocken zur Fahne Christi schwören und selbst praktisch in die sociale Wirksamkeit eingreifen. Treffend be¬ merkt unser Hl. Vater Papst Leo XIII. in der oft belobten Arbeiterencyclika: „Die Verbreitung dieser Arbeitervereine würde auch denjenigen Arbeitern zu Gute kommen und ihre Rückkehr zu besserer Gesinnung erleichtern, welche Glauben oder Sittlichkeit daran gegeben haben." In der zuversichtlichen Hoffnung nun, dass alle Mitglieder des katholischen Arbeitervereines in Marburg in dem gedachten Sinne und Geiste wirken werden, empfehle ich Ihren Verein der Gnade Gottes, dem Schutze des hl. Joseph, der Wohlgewogenheit der hohen und löblichen Behörden, der Liebe der Be¬ wohner Marburgs, der Obsorge des hochwür¬ digen Stadtelerus, dem Entgegenkommen aller guten Vereine, zumal aber der weisen Umsicht, Klugheit uud dem Starkmuthe des hochw. Herrn Präses. Und ich meinerseits verspreche dem Vereine meine oberhirtliche Unterstützung und Beschützung, insolange er treu bleibt seiner Devise, seinem Programme. -8-- 20 -8- II. ielgeliebte im Herrn! Wer aus Euch kennt nicht die große Bedeutung der Fahne im Leben der Völker, in der Geschichte der Nationen, in den Ge¬ schicken der Reiche und Staaten, in der Entwicklung der Zünfte und In¬ nungen? Die Fahne wird aufgepflanzt im Kampfe, damit die Kämpfer unter ihrem Schutz und Schatten sich sammeln, streiten und siegen. Zur Fahne schwört man. Der Fahnenschwur ist heilig. Die Fahne hält man hoch und heilig, und muss bereit sein, sie mit dem Leben zu schützen. Fahnenflucht entehrt und schändet. Schon die Israeliten hatten bei ihrem Auszuge aus Aegypten und bei ihrer Wan¬ derung durch die Wüste in das gelobte Land ihre Paniere und Zeichen. Gott selbst befahl dem Moses, dass die Scharen des Heeres unter Feldfahnen und Zeichen sich sammeln und lagern sollten, das Bundeszelt inmitten dieser Paniere. (IV. Nos. 2, 1. 2). So soll das Pa¬ nier des Stammes Juda ein Löwe gewesen sein, und dies ob der Worte Jacobs: „Ein junger Löwe ist Juda. Zur Beute hebst du dich, mein Sohn. Du ruhst, du lagerst dich dem Löwen gleich und gleich der Löwin." (I. Nos. 49, 9). — Gar geheimnisvoll ist die Fahne, die der große Prophet Jsaias in wunderbarem Gesichte schaute. 21 Er sah den Messias, wie Er ein Panier unter den Völkern aufrichtete, und wie das gedrückte Volk beim Anblick der hochwehenden Fahne frohen Muth schöpfte, wie die zerstreuten Kinder Gottes von allen Seiten der Welt sich um die Fahne als um ihr gemeinsames Rettungs¬ zeichen scharten, und wie sich die entzweiten Stämme Juda und Israel aussöhntem „An diesem Tage", schreibt der Prophet so schön, „wird die Wurzel Jesses, der Mes¬ sias, zum Panier für die Völker stehen, und die Nationen werden ihn an beten.. . Und Er wird ein Panier unter den Völkern aufrichten, und die Verzagten Israels zusammen¬ bringen und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde. Dann wird aufhören die Eifer¬ sucht Ephraims, und die Feinde Ju¬ das werden um kommen. Ephraim be¬ neidet nicht mehr Inda, und Juda kämpft nicht mehr gegen Ephraim." (Is. 11, 10. 12. 13). Was ist doch dies für ein Panier? Es ist die Fahne des auferstandenen Heilandes, des Löwen aus dem Stamme Juda, des Siegers über Tod, Sünde und Satan; es ist die Fahne des hl. Kreuzes, des Zeichens unserer Erlösung, unserer Versöhnung mit Gott. Es ist das Zeichen des Menschensohnes, das einst am Himmel erscheinen wird. Larodit 8ignuln kilii üonainis in ooolo. (Naltü. 24, 30). 22 Als diese Fahne, das hl. Kreuz auf Golgatha, durch das kostbare Blut Jesu Christi geweiht wurde, erhielten auch die christlichen Fahnen ihre Taufe, ihre Weihe. Bedeuten doch auch sie den Kampf für eine gute und heilige Sache, für eine große und heilbringende Idee. Welt¬ geschichtlich ist da die Fahne des Kaisers Con¬ stantin des Großen, des gefeierten Sohnes der hl. Kaiserin Helena, der zuerst der blutig ver¬ folgten Kirche den Frieden gab und die christ¬ liche Religion auf den Thron der Caesaren erhob mit Hilfe der Kreuzesfahne, die auch stets das Waffenschild der Kirche war, ist und sein wird. In boo sizno vielt st vinsst. In diesem Zeichen siegte sie und wird siegen. Die Fahne ist das Symbol und das Signal des gemeinsamen Einstehens für eine gute und große, für eine wichtige und heilige Sache. Der Marburger katholische Arbeiter¬ verein besitzt nun auch ein derartiges sinn¬ bildliches Zeichen. Es ist ein wahres Pracht¬ stück. Das schwerseidene Fahnentuch trägt auf der Frontseite das Bild des heil. Joseph, in dessen Rechten die Lilie, das Sinnbild der Keuschheit, und auf dessen linkem Arine das göttliche Jesukind segenspendend ruht. Die Kehr¬ seite ziert in vorzüglicher Weise das sinnreiche Wappen der Stadt Marburg, welches zwei Thürme init silberuem Stadtthore und eine daraufliegende Taube, das Sinnbild des hl. Geistes, darstellt, mit der Zahl 1896 als dem Jahre der Altschaffung und Weihe der Ver- --S-- 23 einsfahue. Der zierliche Fahnenschaft läuft iu ein reichlich vergoldetes Herzblatt aus, auf dessen einer Seite der Namenszug Jesu und auf der anderen das Monogramm Mariä ein¬ graviert ist, alles von tiefem Sinne und von hoher Bedeutung. Die prächtige Fahne erhält auch ein schmuckes Band in Landesfarben, dessen eine Schleife die goldene Ueberschrift trägt: „Kathol. Arbeiterverein in Marburg", und dessen zweite Schleife die Inschrift schmückt: »katoliško ckola^ako ckruZtvo v Nariboru«. Bei Lesung dieser Doppelinschrift gedenkt man unwillkürlich der isaianischen Prophezeihung: „Ephraim beneidet nicht mehr Juda, und Juda kämpft nicht mehr gegen Ephraim". Gewiss, die Fahne ist auch ein Zeichen des Friedens, der Freude und der Ver¬ söhnung. Und wenn den glaubensfeindlichen Soeialisten Arbeiter aus allen Zonen und von allen Zungen willkommen sind, warum sollen sich gerade christliche Arbeiter verschiedener Sprachen befehden und anfeinden? „Laßt uns fest zusammenhatten: - In der Eintracht liegt die Macht. Mit vereinter Kräfte Walten Wird das Schwerste leicht vollbracht. Laßt uns, Eins durch Brüderbande, Gleichem Ziel entgegengeh'n." Welche Sache stellt nun Eure schone Fahne vor, meine christlichen Arbeiter? Eine gute, eine große, eine hochwichtige Sache. Vorab be- 24 deutet sie die Hochhaltung des hl. Glaubens, ohne welchen wir nicht zeitlich glücklich und nicht ewig selig werden können. Der hl. Glaube ist für Jedermann die allererste und aller- wichtigste Sache, wie er das Fundament der ganzen bestehenden Rechtsordnung ist. Schreibet darum den christ-katholischen Glauben und das Leben nach demselben auf Eure Fahne. Seid stetsfort gute Christen. Ein guter Christ weiß, dass die Arbeit Pflicht vor Gott ist, dieweil der Mensch zur Arbeit wiederVogel zum Fluge erschaffen ist. (llob. 5, 7). Ein guter Christ ehrt den Papst und liebt den Kaiser, gehorcht der kirchlichen und weltlichen Auctorität, gehorcht seinen Vorgesetzten, ist dienstfertig gegen den Nächsten. Ein guter Christ weiß, dass er auf der Erde, die die Heimat des Kreuzes und ein Jammer- und Thränen- thal ist und bleibt, mag der Mensch was immer thun, der gute Christ weiß, sage ich, dass er hier auf Erden das Paradies vollkommenen Glückes nicht haben kann; allein ein Paradies des Gottes- und Seelenfriedens, ein Paradies der Tugend und des frommen Lebens kann er haben und damit auch die irdische Seligkeit, ohne die ewige zu verlieren. Ja, erst dort jen¬ seits erwartet ihn das wahre Paradies als ewiger Lohn für seine zeitlichen Mühen und Plagen, für seine irdischen Leiden und An¬ strengungen. Stehet also, christliche Arbeiter, fest und treu zur Fahne oder zur Sache Christi, die -S- 25 immer siegreich war und bleiben wird. Viele feindliche Fahnen wurden im Laufe der Jahr¬ hunderte wider sie aufgepflanzt, aber sie blieb unbezwinglich. Auch in Hinkunft werden sich solche gegen sie erheben, da ja Jesus ge¬ setzt ist als ein Zeichen, dem man widersprechen wird (Uno. 2, 84), aber seine Fahne wird 0on Golgatha aus fort wehen und wallen über die ganze Welt. Denn Jesus Christus ist unüberwindlich und seine Fahne ist unverwüstlich und unsterblich. Haltet Euch ferne von allen eitlen Bestrebungen gegen die Sache Christi, gegen den hl. Glauben, gegen die christliche Moral und gegen die sociale Wohlfahrt. Hütet Euch vor den Feinden des Kreuzes Christi; ihr Ende ist Verderben. (I'bilipp. 3, 18. 19). Bekämpfet beharrlich die grimmigen Feinde des Arbeiterstandes: den Unglauben, die Svnn- nnd Festtags-Entheiligung, die Genusssucht und Unlauterkeit, den Neid und Classenhass, das un¬ geordnete Familienleben. Wenn Ihr Enre sicht¬ baren und unsichtbaren Feinde mit den rechten Waffen bekrieget als mit dem Schilde des Glau¬ bens, mit dem Helme des Heiles, nut dem Feuer der Liebe, mit dem Schwerte des Wortes Gottes, mit dem Panzer der Gerechtigkeit und Wahr¬ heit, mit der Waffe der Mäßigkeit und Keusch¬ heit, mit der unwiderstehlichen Waffe des Ge¬ betes (llptws. 6, 13—18), dann werdet Ihr sicherlich obsiegen und werdet mit der Krone der Gerechtigkeit gekrönt werden. (U. löna. 2, 3. 4). 26 --K- Auf der Vereinsfahne prangt das Bild des HP Joseph, des bescheidenen Zimmermannes von Nazareth, des verehrnngs- und nachahmungs¬ würdigen Vorbildes der Arbeiter. St. Joseph arbeitete mit Jesus, in Jesus und für Jesus; er arbeitete im Vereine mit Maria und für Maria, die jungfräuliche Mutter Gottes. Der hl. Joseph war ein treuer Diener Gottes und ein guter Unterthan. „Stehe auf und nimm das Kind und seine Mutter, und fliehe nach Aegypten", befahl ihm der Eilgeldes Herrn. (Nnllb. 2, 13). Und schon stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter bei Nacht und zog fort nach Aegypten. (Nallb. 2, 14). Er gehorchte willig dem Gesetze; geleitete Maria in den Tempel zur Aufopferung des göttlichen Jesukindes, und gieng alljährlich nach Jerusalem auf das Osterfest (lma. 2, 41). — Und kaum ergieng der Befehl des Kaisers Augustus zur Beschreibung des ganzen Landes (Uua. 2,1 sgg), und schon zog St. Joseph mit seiner hoch- gebenedeiten Braut von Nazareth nach Beth¬ lehem, um den kaiserlichen Befehl zu erfüllen. Ja, St. Joseph war gerecht. (Naltb. 1, 19). Gewissenhaft erfüllte er die Pflichten gegen Gott, gegen sich selbst und gegen den Nächsten. Er schaute nicht nach den Gütern der Neichen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut, dieses göttliche Gebot war seinem Herzen tief eingeprägt. Das Familien¬ leben war ihm höchst heilig. In der Mitte seiner Pflegebefohlenen fand er sein stilles Glück, fand -8-- 27 -8- er seine süßeste Wonne. Demüthige Verehrung und getreue Nachahmung dieses rechtschaffenen, gvttliebenden Zimmermannes von Nazareth vermöchte wohl die christlichen Arbeiter vor soeialer Verirrung und Unordnung zu bewahren. Sehr beherzigenswert sind die Worte unseres Hl. Vaters Leo XIII. im Umlaufschreiben über St. Joseph vom 15. August des Jahres 1889: „Der hl. Joseph war mit dem Wenigen, das ihm gehörte, zufrieden und ertrug die mit seiner Lebensstellung verbundenen Beschwerden mit Muth und Ergebung nach dem Beispiele seines Sohnes, der Knechtesgestalt annahm, und der, obgleich Er der Herr aller Dinge war, frei¬ willig Noth und Entbehrung ertrug. Durch solche Gedanken sollen die Armen und Arbeiter sich aufrichten und beruhigen lassen; wohl ist es denselben erlaubt, auf rechtmäßigem Wege ihr Los besser zu gestalten; aber Vernunft und Gerechtigkeit verbieten in gleicher Weise, die von der göttlichen Vorsehung gewollte Ordnung umzustoßen. Die Armen sollen also wohlweis¬ lich den Einflüsterungen aufrührischer Menschen kein Gehör schenken, sondern auf das Beispiel und den Schutz des hl. Joseph vertrauen, so¬ wie auf die mütterliche Liebe der Kirche, welche ihrem Stande eine immer größere Sorgfalt zuwendet." Eifert also, meine lieben Arbeiter, St. Joseph Eurem Meister und leuchtendem Muster in der Hebung jeglicher Arbeitstugend nach, und Jesus selbst wird Eurem Vereine au- 28 gehören, wird in Eurer Mitte weilen, da Er versichert: „Wo zwei oder dreiversam¬ melt sind in meinem Namen, d a biu Jchmittenunterihne n." (Muttü. 18, 20). m Schlüsse des erhebenden, zeitlebens uns unvergesslichen Fahnenweihefestes werden wir das ambrosianische Loblied „Io üsum Iuu6amu8. Großer Gott wir loben Dich" austimmen und wer¬ den so Gott dem Herrn demüthig danken für den bisherigen Beistand und Ihn um fernere Hilfe inständig bitten. Gleich jetzt aber danke ich als Diöcesanbischof den Vereins¬ gründern für das zeitgemäße, löbliche Werk, das ich heute gleichsam kröne. Auch allen Freunden, Gönnern und Wohlthäteru und Beförderern des Vereines gilt mein bischöf¬ licher Dank. Zumal aber sage ich den verbind¬ lichsten Dank der hochgeborenen Frau Maria Gräfin Nugent für das kostbare Geschenk an die Arbeiter und für die Annahme des Liebes¬ dienstes einer Fahnenmutter, ja im vollsten Sinne des Wortes Fahnenmutter, weil die -K- 29 prachtvolle Fahne das höchst eigene Kind der hochherzigen Frau Gräfin zu sein sich rühmen darf. Nun aber wollen wir die Fahne entfalten und entrollen, auf dass sie wehe und walle, be¬ geisternd und anfeuernd die Arbeiter für die Sache Gottes nnd deren ewiges Seelenheil. Die hochflatternde Fahne überragt eine andere und zwar jene, die auf Calvaria ihre Weihe empfangen, und zu der wir alle beim Em¬ pfange der hl. Taufe und der hl. Firmung ge¬ schworen — es ist die Fahne Christi mit dem Jnfchriftzeichen: In boo signo vineos. Ich nun, selbst ein Arbeiter im Weinberge des Herrn, weihe und segne sehr gerne diese Arbeiterfahne, die mit der Fahne Jesu Christi eng verbunden ist. Ihr wisset, im Herrn geliebte Arbeiter, dass eine zierliche Stange, ein weißes Stück Seide, ein kunstvoll gearbeitetes Band zwar an sich freundlich anzusehen ist, dass aber alle diese Theile nur in ihrer rechten Verbindung und Vereinigung eine Bedeutung und durch die kirchliche Weihe einen bevorzugten Charakter erhalten. Durch die heilige Weihe wird der Fahne eine geistige Kraft verliehen, durch die sie den Segen des allmächtigen und allgütigen Gottes für das Gelingen edler Bestrebungen verschafft. So also vereint und geweiht sinn- bildet die Fahne eine große, wichtige Sache, repräsentiert sie einen hohen Wert, besitzt sie eine außerordentliche Ehre. 30 Ich weihe nun zuerst das Bild des hl. Joseph unter Abbetung des bezüglichen, so sinnreichen liturgischen Gebetes, das da lautet: Leliuiorium nosirum in nomine Domini, tzui keeit eoelum ei ierram. Dominus vobiseum. Li oum špiritu iuo. Oremus. Omnipoiens sempiterne Dons, gui 8ane- iorum iuorum imagines soulpi aut pinZi non reprobas, ui, guoiies illas oeulis oorporeis iniuemur, ioiies eorum aeius et saneiiiatem all imiianllum memoriae oeuiis melliiemur, baue, «guaesumus, imaZinem in llonorem et memoriam beati .iosepll allaptatam benelli- eere et sanetiüoare lligneris; et prassta, u-t, guieungue eoram illa saneium llosepb sup- plieiier eolere et llonorare stuäuerit, iliins meriiis et obieniu a iv Zratiain in praesenti et aeternam Zloriam obiineai in futurum. Der Okrisium Dominum nosirum. Lmen. Sodann weihe ich die Fahne mit allen ihren harmonisch vereinten Theilen, indem ich das diesbeziehentliche, so sinnvolle Weihegebet spreche: Aäiuiorium nosirum in nomine Domini, tzui keoit eoelum et terram. Dominus vobiseum. Di eum špiritu iuo. Oremus. Domine llesu Ollrisie, euius Deelesia est veluti eastrorum aeies orllinata, beneäie lloe 31 vsxillum, ul ON1N68 8ub 60 tibi Domino Dso militauts8, psr iutsros88iori6M ksati .lo86pb inimioo8 8U08 vi8ibil68 sl mvi8ibils8 in bos susoulo 8Upsrars sl PO8l viotoriam in 606Ü8 triumpburs msrsuutur. Dsr ts, ^S8U 0bri8ts, gui vivis sl reZnu8 eum Dso Dutrs si Lpiritu 8tmsto in 8g.ssulu sasoulorum. ^.MSII. Nach erfolgter Weihe erhebe noch der gött¬ liche Heiland, wie Er ja am Bilde erscheint, seine heilige Hand und segne durch meine bischöfliche Hand die Fahne und ihr Band: Dsusäiotio Dsi omni potonik ?alri.8 st Dilii sl 8pirilu8 8snsli lls8ssuäat 8upsr bos vs- xillum st 8upsr boo ligamsntum st munsat 86MP6U ^msn. Da ich weiters keinen Grund habe, an Eurem Willen, verehrte Arbeiter, zu zweifeln, dass Ihr fest zur Fahne stehen und ihr treu dienen werdet, darum befestige ich Eure Fahne mit dem ersten Hammerschlage im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes und rufe zu¬ gleich mit den Worten des Kirchenhymnus: Vexiliu rsZi8 proclsunt, kul^st oruoi8 m^8ts- rium. Des Königs Fahne wallt hervor, hell¬ leuchtend strahlt das Kreuz empor. H ') Schöner Sinnsprüche bedienten sich alle Festtheil nchmer, die einen Haimncrschlag auf die Fahnennägel führten. Sv sprach: Frau Maria Gräfin Nugent als Fahncnmutter: Maria sei Mutter der Arbeiter. -4S- 32 -«> So nun geweiht, gesegnet nnd befestigt übergebe ich die Fahne mitsamint dem Doppel¬ bande Euch, katholische Arbeiter, auf dass Ihr sie gebrauchet zur Ehre Gottes und Eurer Seelen Seligkeit. Wie war doch so geist- und gemüthserhebend vor Zeiten der Anblick, als christliche Handwerker bei feierlichen kirchlichen Umzügen und Processionen ihre Fahnen wehen und wallen ließen. In manchen Kirchen findet sich noch die Fahne dieser oder jener Arbeiter- inuung. Um das Jahr 1860 sah ich als junger Student bei der Frohnleichnamsprocession in Cilli viele große und schwere Zunftfahueu von Gesellen tragen, während die Meister und die Herr Professor Dr. Alois Mesko als Bereinspräses: Gött¬ liches Herz Jesu, schließe ein in deine unerschöpfliche Liebe alle Mitglieder nnd Gönner des katholischen Arbeitervereines in Marburg. Herr Professor Martin Matek als Bercinslehrer: Es gibt kein Heil für den Menschen als im Namen Jesu. Herr Professor Josef Zidanšek als Vereinslehrer: l(m so Kristus sam äsial in ilslo blagoslovil, rmto kli¬ cem : 8Iava cislu, (lslu esst. Herr Dompropst Ignaz OroLen: Jesu, Maria, Joseph, beschützet den Arbeiterverein. Herr Domdechnnt Laurentius Herg: Göttliches Kind Jesu, segne die Arbeiter nnd die Arbeit. Herr Dom- und Stadtpfarrer Jacob Philipp Bohinc: Heiliger Joseph, schütze und schirme die Arbeiter. Herr Canonicus Dr. Josef Pajek: Sechs Tage sollst du ar¬ beiten, den siebenten Tag dem Herrn weihen, bannt er deine Arbeit segne. Herr Canonicus Dr. Johann Mlakar : Der Geist des Herrn sei der Arbeiter Tröster in ihren Nöthen. Herr Spiritual Jacob Hribernik: Fürchte Gott nnd halte die Gebote, das ist der ganze Mensch. -«-> 33 --K- Lehrlinge mit blumenverzierten und brennenden Kerzen betend nachzogen. Wenn man doch zu diesem löblichen Gebrauche zurückkehrte! Christliche Arbeiter, gelobet angesichts der geweihten Fahne, Eures Kleinod's, dass Ihr von heute an den heiligen christkatholischen Glauben stets hoch und heilig halten, ihn überall standhaft bekennen und Vertheidigen wollet. Gelobet, dass Ihr im Glück und Leid zur Fahne Christi halten, und seine Sache niemals verlassen und verrathen wollet. Fahnen¬ flucht entehrt; aber die Flucht vor der Fahne Christi macht dazu noch zeitlich und ewiglich unglücklich. Gelobet, dass Ihr wie echte Christen so auch echte Patrioten sein wollet, die in Herr Professor Dr. Franz JaueLiö: Hl. Joseph, erflehe unserer Diöcese viele katholische Arbeitcrveinc. Die Mitglieder des Festcomites, lauter Arbeiter, sprachen nachstehende Sprüche: Paul Heritschko, Hafner: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Alois Äet, Vergolder: An Gottes Segen ist Alles gelegen. Franz Konetschnig, Schriftsetzer: Wer ein Opfer von dein Gute eines Armen bringt, ist Ivie einer, der den Sohn im Angesichte seines Vaters schlachtet. Johann Plotjch, Kellermeister: Hl. Joseph, du Schutzpatron unseres Vereines, bitte für uns. August Weixler, Bahndreher: Die Arbeit dauert kurze Zeit, der Lohn der Arbeit aber hat kein Ende. Josef Brandl, Orgelbauer: Wie beschämend ist es, wenn man die Arbeit liebt, um den Sack zu füllen, und sie nicht liebt, um Gott zu gewinnen. Zalesjak aus Laibach: Vso su vero, ckam, oesurju. Karl Tratnik, Gürtler: Alles zur größeren Ehre Gottes. 3 4K- 34 treuer Ergebenheit zu Ihrem Landesfürsten halten, woran Euch ja die Laudesfarben des Fahnenbandes gemahnen. Bewahret Eintracht und Liebe untereinander, woran Euch das herrliche Fahnenband stetsfort erinnern wird. Ist doch die Liebe das Band der Voll¬ kommenheit. (60I. 3, 14). Ja, die wahre christliche Freiheit, Gleichheit lind Brüderlichkeit strebet an. Das Freiheitslied ist schon gesungen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frie¬ den denMenschen aufErden, die eines guten Willens sind." (Imo. 2, 14). Die Gleichheit ist schon hergestellt: „Alles, was ihr wollet, dass euch die Leute thun, das sollt ihr ihnen auch thun." (Nuttli. 7, 12). Der Bruderbund ist schon geschlossen: Arbeiter aus Graz: Der Gottlose flicht, wenn auch Nie¬ mand ihm nachsetzt, der Gerechte hingegen wird sein wie ein beherzter Löwe ohne Furcht. Ein anderer Arbeiter: Du bist die feste Burg der unbe¬ zwingbaren Wahrheit unseres Glaubens. Johann Hois, Bildhauer: Wenn Biele gottlos werden, so mehren sich die Frevel, doch die Gerechten werden schauen den Sturz derselben. Josef Saveskh, Präparateur: So ost du ein hartes Wort geduldig ertrügst, pflückst du Rosen an Dornen. Oskar Schmidt, Sollicitator: Wer das Gebot bewahrt, be¬ wahrt seine Seele: wer aber nicht acht hat ans seinen Wandel, wird des Todes sein. Ein anderer Arbeiter: Der Geist selbst gibt Zeugnis unseren: Geiste, daß wir Kinder Gottes sind. Josef Kregar, Möbeltischler: Bete und arbeite. Anton Kritzinger, Tapezierer: In diesem Zeichen wirst du siegen. Franz Kager, Gürtler: Die Arbeit hoch, sic sei geehrt, wie sie Christus lehrt. -HZ" 35 "8- „Ihr alle seid Kinder Gottes durch den Glauben, der in Christo Jesu ist . . . D a i st w e d e r J n d e n och Grieche, weder Sc lave noch Freier, da ist weder Mann noch Weib; denn ihr alle seid Eins in Christo Jesu." (llal. 3, 26. 28). Christliche Zuhörer! Ich forderte die Mit¬ glieder des katholischen Arbeitervereines drin¬ gend auf, sie sollen die Fahne der guten, hei¬ ligen Sache stets hochhalten. Indes, wir alle sind Arbeiter des Herrn. Darum gilt auch uns allen die gleiche Mahnung. So haltet denn hoch die Fahne des Herrn vorab Ihr, hochwürdige Priester als meine theueren Mitarbeiter im Weinberge des Herrn. Erweiset Euch Gott als bewährte Arbeiter (II. Mna. 2, 15), zumal die Ernte groß ist, und der Ar¬ beiter Wenige sind. (Imo. 10, 2). In boo siZno vincwtis! — Haltet hoch die hehre Fahne Jesu Christi, Ihr christlichen Familien - Väter und Mütter, Ihr christlichen Hausherren und Hausfrauen, Ihr christlichen Meister und Arbeit¬ geber. Seid selbst gute und treue Arbeiter des Herrn, und sorget, dass Eure Pflegebefohlenen sich auch als solche bewähren. In koa siZno vinoolis. In diesem Zeichen werdet Ihr siegen. Wenn einst der Feierabend kommt, an dem der Hausherr die Arbeiter sam¬ melt und einem jeden gibt nach seinem Tagewerk den Lohn, den er verdient h a t (Nattb. 20, 1—8), dann werden auch wir 3* -8- 36 für die gethane Arbeit reichlich entlohnt werden. Und wenn das Zeichen des Menschen¬ sohnes am Himmel erscheinen wird, nnd alle Geschlechter der Erde den Menschensohn werden kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit (Nattb. 24, 30), dann wird das hl. Kreuz das rettende Banner sein, unter dessen Schutz und Schatten wir in die Wohnung eingehen werden, wo es keine Leiden mehr gibt, sondern nur ewige Freuden. Ich sprach das Wort, Gott aber höre und erhöre es! Amen.