apie manu VOLKER WEBER Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin Diese Aufschrift1 träg t eine im B ritish M useum in London aufbew ahrte antike, ursprünglich fü r einen Ring gearbeitete ovale Gemme, veröffentlicht von H. B. W alters, Catalogue of the Engraved Gems and Cameos Greek Etruscan and Roman in the British M useum, rev. and enlarged ed. London 1926 S. I l l f. Catalogue no. 960 plate XIV (Photo des Gipsabdrucks in Original­ größe) und neuerdings vorgestellt und aus kunsthistorischer Sicht besprochen von W. M artini, Die etruskische Ringsteinglyptik, Heidelberg 1971 (Mitteil, des Dts. Archäol. Inst., Röm. Abt., 18. Ergänzungsheft) S. 106 f. 145 Katalognr. 155 Tafel 30 Nr. 3 (vergrößertes Schwarz-weiß-Photo des O riginals).2 Es handelt sich um einen Chalzedon (banded onyx W alters, Bandachat M artini) der Ausmaße 17 X 11 mm . Eingeschnitten ist eine Darstellung des die Sphinx tötenden Ödipus : Auf einer Grundlinie Ödipus leicht gebeugt nach rechts m it einem Schwert in der erhobenen Rechten, m it der gesenkten Linken den Kopf der Sphinx b erü h ren d ; diese ebenfalls nach rechts auf der Grundlinie u n ter der Schwertspitze vor ihm hockend. Im Rücken des Ödipus von Waden­ höhe bis Kopf liest m an am Gemm enrand von unten nach oben die hier in der Ü berschrift zitierte Inschrift. Der Gemm enschneider hat keine Rücksicht darauf genommen, daß Bild und Inschrift beim Siegelabdruck spiegelbildlich erscheinen: Ödipus schwingt auf dem Abdruck das Schwert m it der Linken; die Inschrift ist linksläufig. Das Stück entstam m t der Zeit der Römischen Republik. W alters rechnet es zu den italischen Gemmen etruskischen Stils der Zeit vom 3. bis zum 1. Jh. v. u. Z.;3 M artini stellt es zu den sog. »etruski- sierenden Gemmen« (d er von A. Furtw ängler geprägten Terminologie), die er im wesentlichen dem 1. Jh. v. u. Z. zuweist,4 verm erkt jedoch, wie vielfach, sei auch in diesem Falle die Bezeichnung »etruskisierend« nicht sinnvoll, da sich die Darstellung n u r noch them atisch, nicht aber m ehr stilistisch der etruskischen Glyptik verpflichtet erweise.5 Als N ichtfachm ann kann ich m ir darüber kein Urteil erlauben. Was ihre Sprache angeht, läßt sich die In­ schrift, wie ich meine, freilich nur vom E truskischen her verstehen. Und das ist wohl das besonders Interessante an dieser Gemme. Archäologische und linguistische B eurteilung stehen dabei nicht im W iderspruch: Im 1. Jh. v. u. Z. w ar das Etruskische keineswegs bereits eine tote Sprache.6 Die Schrift, in der die beiden deutlich voneinander getrennten W örter graviert sind, ist lateinisch: A PIE M A P IV Die eckige Form des P behauptet sich in den lateinischen Inschriften neben der bekannten und vorherrschenden runden (m it unten m ehr oder m inder geöffnetem Bauch) sicher bis in die zweite Hälfte des 2. Jh., ja bis in die erste Hälfte des 1. Jh. v. u. Z.7 Im vor­ liegenden Falle könnte die technische Schwierigkeit der Anbringung einer Inschrift auf dem in den Ausmaßen doch sehr beschränkten O bjekt für die Wahl der eckigen Form den Ausschlag gegeben haben; auch das R besitzt infolge der Auflösung des Bauches in eine wagerechte und eine senkrechte H aste eine eckige Form , so daß alle B uchstaben aus geraden Elementen zusammengesetzt sind.8 Im übrigen w eist der Umstand, daß die schräge H aste des R an der senkrechten ansetzt, ebenfalls in die Zeit vor der Mitte des 1. Jh. v. u. Z. ; in der folgenden Periode ist die schräge Haste in der Regel in einigem Abstand von der senkrechten unten an den Bauch angefügt.9 Un­ gewöhnlich fü r eine im lateinischen Alphabet angefertigte Inschrift der re­ publikanischen Zeit ist die Form des M m it senkrechter Führung der Hasten 1 und 4 und Bildung des Winkels der H asten 2 und 3 nicht auf, sondern über der Grundlinie etwa in der M itte des Raum es zwischen dieser und der Ober­ linie. Der Buchstabe entspricht dam it w eitgehend dem, der in den etruskischen Inschriften den heute als š um schriebenen Laut bezeichnet ; doch ist dies wohl n u r Zufall. In der altlateinischen Schrift liefen bekanntlich die H asten 1 und 3 sowie 2 und 4 des M jeweils parallel und in gleicher Neigung zur Grund­ linie, wobei sich durch ihren Zusam m enstoß drei gleiche W inkel bildeten. Diese »ideale« H astenführung w urde allerdings nicht im m er erre ic h t:1 0 Man vergleiche etwa CIL I2 30 = Dessau, ILS 3422 in der Abbildung bei Degrassi, Imagines 63, eine Inschrift des 3./2. Jh. v. u. Z., die auch für P und annähernd fü r Ru Parallelen zu der behandelten Gemmeninschrift bietet — ohne daß m an daraus angesichts der kunsthistorischen W ertung der Gemmendarstellung fü r die Datierung des Gesam tobjektes • etwas Entscheidendes ableiten darf. Etw a seit den zwanziger Jahren des 1. Jh. v. u. Z. ist im übrigen die beschrie­ bene Parallelität der H astenführung im B uchstaben M aufgehoben : Die Hasten 1 und 4 werden etwas steiler gestellt, so daß der Winkel zwischen den Hasten 2 und 3 etwas größer w ird als die beiden anderen.1 2 Und in der Zeit von Augustus bis Nerva beobachtet m an bereits vereinzelte Beispiele des M m it senkrechter Führung der H asten 1 und 4.1 3 Daß sich die Hasten 2 und 3 bei steilerer oder gar senkrechter F ührung der Hasten 1 u nd 4 teilweise unter, teilweise über der Grundlinie treffen, ist eine technische Folge der Vergrößerung des durch sie gebildeten zweiten Winkels : N ur so w ar eine allzu unproportionale Brei­ tenausdehnung des B uchstabens zu verm eiden.1 4 Auch diese Erscheinung läßt sich an der erw ähnten republikanischen Inschrift gut beobachten.1 5 Nun zum Inhalt der Gemm enaufschrift, apie ist regelrechte etruskische Entsprechung des lateinischen Vornamens (sekundär auch Gentilizes) Appius. Soweit ich sehe, ist in den etruskischen Inschriften bisher kein Beleg bekannt ; in der etruskischen Inschrift M. Pallottino, Testimonia linguae Etruscae, editio altera Firenze 1968 (Biblioteca di Studi Superiori, XXIV) (= TLE ) 777 liest m an die unveränderte lateinische Namensform. Zu vergleichen sind die zahl­ reichen italischen Individual- bzw. Vornam en m it io-Stamm, die durch die Etruskisierung italischer Bevölkerungselemente ins Etruskische gelangt und dort (wie teilweise auch im Lateinischen — z. B. Vibius, Trebius, Pacius — und anderswo, z. B. spuriis im Oskischen, bezeugt u. a. durch die Inschrift E. Vetter, Handbuch der italischen Dialekte, Bd. I, Heidelberg 1953 [Idg. Bibi., 1. Reihe: Lehr- und H andbücher] [ = V etter] 17) sekundär zu Gentilizia ge­ w orden sind, wobei die Endung masc. nom. sgl. *-ios ( = lat. -ius) im E truski­ schen zu -ie wurde, das sich im weiteren Verlaufe zu -i entwickelte.1 6 Als Bei­ spiele1 7 seien hier genannt osk. pakis (V ornam e) Vetter 6 — lat. Pacius (Gentiliz) CIL L 1970 = CIL XI 3674 — etr. paci (Gentiliz) CIE 2503, falisk. poplio (V ornam e) V etter 340 — lat. Publius (V ornam e) — etr. pupli (Gentiliz) CIE 2640, osk. spuriis (Vornam e) Vetter 84 (abgekürzt sp.) — lat. Spurius (V ornam e) — etr. spurie (V ornam e) CIE 4950, lat. Tiberius (V ornam e) — etr. Heprie (Gentiliz) CIE 2331, osk. vibis (V ornam e) V etter 99, viibis (Vor­ nam e) V etter 168 — lat. Vibius (Gentiliz) CIL III 2678 — etr. vipi (Gentiliz) CIE 3772 = TLE 584. Zu vergleichen sind aber auch die zahlreichen etruski­ schen Gentilizia auf -ie ~> -i, die italischen Patronym ika bzw. (aus diesen ent­ standenen) Gentilizia m it dem adjektivischen Suffix -io- entw eder in ihrem gesamten Sprachm aterial oder auch nur in ihrer Bildungsweise entsprechen und ebenfalls auf das K onto des italischen Bevölkerungselementes kommen, teilweise auch direkt auf den Einfluß des röm ischen Nam enssystem s mit seinen Gentilizia auf -ius zurückgehen.1 8 In diese zweite Kategorie gehört das etruskische Gentiliz marie CIE 2451, dem das lateinische Marius und der oskische Vorname marahis Vetter 5 C 6, von Livius 22, 42, 4. 23, 7, 8. 23, 35, 13 latinisiert zu Marius, entsprechen. Alle drei sind Ableitungen nicht von einem Appellativ, das als B eam tentitel im U m brischen und Faliskischen in der Form maro,1 9 im E truskischen, wie die Inschrift CIE 5453 = TLE 134 lehrt, in der Form maru2 0 verw endet wurde. Vielmehr sind sie Ableitungen von einem alten italischen Individualnam en m it o-Stamm, der als Marus in einigen latei­ nischen Inscriften verzeichnet ist, u. zw. in CIL I2 1716 = CIL IX 1015. CIL X 6555 = Dessau, IL S 3697. CIL XV 7490 als Vorname u nd in CIL III 1363 (dazu AE 1957 u n ter Nr. 273). CIL III 6798. CIL IX 652 = Dessau, IL S 6481. CIL X III 3862 (Individualnam e; christlich). CIL X III 7460 a. AE 1967 Nr. 388 als Kognomen, ferner als maras in der Funktion eines Vornam ens in den oskischen Inschriften, z. B. Vetter 5 C 8, auftaucht und endlich im E truski­ schen als zweifellos sekundäres, aus einem Individualnam en entstandenes Gen­ tiliz mare durch die Inschrift CIE 11452 1 bezeugt ist. In der hier behandelten Gemm enaufschrift liest m an m it mariu eine andere Ableitung m it dem Suffix -iu, die bisher sonst nicht belegt zu sein scheint. In der Annahme, bei den nicht besonders zahlreichen etruskischen Nam en auf -iu handle es sich um eine eigene Gruppe, folge ich Pfiffig,2 2 wobei dahingestellt bleiben mag, ob diese Namen wirklich, wie Pfiffig m eint, als Dim inutivformen anzusehen sind. W ir ken­ nen im E truskischen eine ganze Reihe von Individual- bzw. Vornamen, die iu- Ableitungen anderer Individual- bzw. Vornam en darstellen, etw a arnziu CIE 3865 = TLE 588. CIE 3867 von arn& CIE 2049, auliu CIE 1945 von aule CIE 6231 = Cristofani S. 153— 155 (sekundär als Gentiliz CIE 1792), velOuriu Viterbo, Museo Civico Inventarnr. 2452 3 von velftur CIE 5426 = TLE 129 (sekundär als Gentiliz CIE 2112). Eine entsprechende »Diminutivform eines GN« ( = Gentil- nom ens) sei, verm erkt Pfiffig in diesem Zusammenhang,2 4 allerdings selten. Als Beispiel nennt er n u r aniu, das w ir in CIE 1169 (im Genetiv als Androny- mikon innerhalb eines Frauennam ens). 1339. 1734. 1737 (im Genetiv als Andro- nymikon innerhalb eines Frauennam ens) als Gentiliz finden; es ist abgeleitet von dem Vornam en ane CIE 5438 = TLE 117, der auch in sekundärer Ver­ wendung als Gentiliz vorkom m t, z. B. in CIE 1711—1718. aniu an die Seite zu stellen sind die Gentilizia alpiu CIE 1661. 1662. 1663. 4613, *cuiu, belegt nur in der Femininform cuiunia in CIE 526, p ru d u CIE 1286 (Fem ininform pruciu- nia). 2607. 4813 (Fem ininform pruciu(nia))2 5 und das mariu der hier behan­ delten Gem m enaufschrift. An die Seite zu stellen sind aber auch einige Namen, die sowohl als Gentilizia wie als Kognomina bezeugt sind, nämlich claniu, Gentiliz in CIE 1130. 1131. 1132 (das clauniu dieser Inschrift ist wohl aus claniu verschrieben),2 6 Kognomen in CIE 1210. 1355. 1356 (Fem ininform claniunia), feftiu, Gentiliz in CIE 3039. 3507. 3523. 4319. 4373 (die letzten drei Inschriften bieten den Genetiv als Andronymikon innerhalb von Frauenna­ m en), identisch wohl m it fetiu,2 7 das als Kognomen in CIE 38. 39. 40. 155 verzeichnet ist, leftiu, Gentiliz in CIE 2082 (im Genetiv als Andronymikon in­ nerhalb eines Frauennam ens). 4594, Kognomen in CIE 2909 (Fem ininform leftiunia), nurziu, Gentiliz in CIE 963 (Fem ininform nurziunia), Kognomen in CIE 2589 (nurziunias Genetiv der Fem ininform als M etronymikon innerhalb eines M annesnam ens). 2590 (das nurzinias dieser Inschrift ist wohl n u r Ver­ schreibung der Fem ininform nurziunias, eines Genetivs als M etronymikon innerhalb eines M annesnam ens). 2911. 2912 (Fem ininform nurziunia). 4049. 4739, *resciu, belegt n u r in der Fem ininform resciunia als Gentiliz in CIE 1478 (Genetiv2 8 als M etronymikon innerhalb eines M annesnamens), als Kognomen in CIE 696. An die Seite zu stellen sind w eiter auliu, das ich in der Verwendung als Vorname bereits erw ähnt habe, wenn m an auliu in CIE 2245 w irklich als Gentiliz interpretieren darf — was allerdings nicht sicher ist,2 9 un d capiu, das in CIE 1276 = TLE 461 als Individualnam e, in CIE 1948 als Gentiliz erscheint. Der Umstand, daß bestim m te zu-Namcn sowohl als Gentilizia als auch als Kognomina bezeugt sind, läßt auch diejenigen zu-Namen in die B etrachtung einbeziehen, die w ir n u r als Kognomina kennen, näm lich caciu CIE 2142, culpiu CIE 779, pestiu CIE 1924, scurfiu CIE 314 und *teltiu, belegt n u r in der Fem ininform teltiunia in CIE 456. Nicht fü r alle Gentilizia und Kognomina auf -iu läßt sich in dem uns bekannten etrukischen Sprachm aterial und bei unserer doch nicht sehr tiefgehenden Kenntnis des E truskischen das zu­ gehörige G rundw ort erkennen. Daß aniu zu ane dehört, auliu zu aule, mariu zu mare, habe ich bereits erwähnt. Ebenso sind Ableitungen leßiu von dem als Gentiliz z. B. in CIE 2404. 4381 bezeugten Individualnam en lede CIE 1204. 2413,3 0 der nach V etter3 1 ursprünglich ein Appellativ (»Knecht«) darstellte, w eiter w ahrscheinlich pestiu von dem Kognomen pestu3 2 CIE 3016 und scurfiu von dem Kognomen scurfu CIE 687 = TLE 520, das auch in CIE 688 (Genetiv als Andronymikon innerhalb eines Frauennam ens) eher als Kognomen und nicht als Gentiliz verw endet zu sein scheint (weil die in dieser Inschrift er­ w ähnte Hana herini scurfusa offenbar, w orauf C. Pauli im K om m entar des CIE aufm erksam m acht, die Gattin des in CIE 687 genannten a(rn)0 artni scurfu w ar). Ein gemeinsames Grundw ort besitzen möglicherweise fe&iu und das Gentiliz (?) feHi CIE 3607. claniu ist zweifellos Ableitung von dem be­ kannten etruskischen Appellativ clan »Sohn«. Spekulationen über die anderen hier aufgeführten Gentilizia und Kognomina auf -iu m öchte ich vermeiden, da sie für das mit m einem Beitrag verfolgte Anliegen nicht notwendig sind. Die gesicherten m-Ableitungen von Individual- und Vornamen (u. a. aniu, arnziu, auliu, velduriu), von im Etruskischen nur als Gentilizia bezeugten ursprüng­ lichen Individualnam en {lediti, m aria), vom Appellativ clan {cianiti) und die w ahrscheinlichen von Kognomina (pestiu, scarf in) zeigen nicht allein, daß im Etruskischen w irklich ein Suffix -ia w irksam w ar und dies offenbar, wie auch Pfiffig m it den Beispielen husiur »die Jungen« CIE 3754 = TLE 566, abgeleitet von husur »die Jungen« CIE 5181 = TLE 209 über *hasa-ia-r, und atia »Mütterchen« CIE 2767 = TLE 549, abgeleitet von ati »Mutter« CIE 6231 = Cristofani S. 153— 155, deutlich m acht,3 3 nicht streng beschränkt auf Ab­ leitungen von Individual- und Vornamen. Sie zeigen auch, daß ein etwaiger Endvokal des Stam m w ortes {aule, lede, m are) vor diesem Suffix verlorenging. Alle diese iu-Ableitungen sind also nicht einfach, wie das Rix tu t,3 4 m it den Individual- bzw. Vornamen, Gentilizia und Kognomina auf -a zu verbinden. Abgesehen von der Erkenntnis, daß das maria der Gem m enaufschrift einen neuen Beleg einer etruskischen iw-Ableitung von einem italischen Individual­ nam en darstellt, läßt sich das Ergebnis des Beitrages folgenderm aßen for­ m ulieren : Wohl im 1. Jh. v. u. Z. w urde eine Gemme m it einem traditionellen etruskischen Sujet geschmückt, die Darstellung jedoch nicht m ehr in etruski­ scher Manier ausgeführt; die Inschrift benutzt das lateinische Alphabet, ihre Sprache aber ist etruskisch. W ar es ein E tru sk er bzw. etruskisierter Italiker, der das nicht einm al m ehr »etruskisierende« Kunstwerk schuf? Oder gab ein solcher den Auftrag dazu und ließ seinen Namen einschneiden? Wegen ihrer großen stilistischen Vielfalt und ihres den etruskischen Steinen gegenüber deutlichen Stilwandels hält M artini es fü r wenig wahrscheinlich, daß die »etruskisierenden« Gemmen in E trurien entstanden.3 5 Ich kann m ir ein völ­ liges Erliegen der Glyptik in diesem Gebiet nicht vorstellen; das vorliegende Stück nährt meine Zweifel. 1 Hingewiesen auf sie hat mich freundlicherweise mein Kollege Hans Krummrey, nachdem er bei der Über­ arbeitung eines von A. Degrassi f ver­ faßten Supplementes zu CIL P auf sie gestoßen war. 2 Die Gemme ist m ir nur aus diesen beiden Veröffentlichungen bekannt. 3 S. XLVIII—L. 4 S. 109 f. 5 S. 106 f. 8 Siehe A. J. Pfiffig, Die etruskische Sprache. Versuch einer Gesamtdarstel­ lung, Graz 1969 (= Pfiffig, Sprache) S.7, ds., Einführung in die Etruskologie. Pro­ bleme, Methoden, Ergebnisse, Darmstadt 1972 (Die Altertumswissenschaft. Ein­ führung in Gegenstand, Methoden und Ergebnisse ihrer Teildisziplinen und Hilfswissenschaften) S. 47— 49 und M. Cristofani, Introduzione allo stadio del­ l’ etrusco, Firenze 1973 (Pocket Library of »Studies« in Art, XXIII) S. 22. 7 Dies lehrt eine Durchsicht von A. Degrassi, Inscriptiones liberae rei publi­ cae. Imagines, Berolini 1965 {CIL, Aucta­ rium) (= Degrassi, Imagines). Aus der ersten Hälfte des 1. Jh. stammen Nr. 195 (Felsinschrift mit auch sonst teilweise schlecht gerundeten Buchstaben — wohl als Folge technischer Schwierigkeit). 338. 340. 342. 343. 344. 346. 347 (alles tesserae nummulariae). 8 Dasselbe Bestreben hatte der Schnei­ der des etruskischen Ringsteines Marti­ ni S. 135 Katalognr. 42 Tafel 1 1 Nr. 1 . Er verwandte in der lateinischen Beischrift PERIC das eckige P und löste den Bauch des R in eine wagerechte und eine an­ nähernd senkrechte, unten allerdings doch leicht einwärts zur senkrechten hin gebogene Haste auf; nur beim G konnte er die Ausführung einer Rundung nicht umgehen. Er arbeitete das Stück nach 312 v. u. Z. (Martini S. 121), denn tra­ ditionsgemäß wurde etwa in diesem Jahre das G in das lateinische Alphabet eingeführt (siehe E. Fraenkel in: RE XVI 2, Stuttgart 1935 Sp. 1661 f.). Übri­ gens finden wir ein ähnliches R mit Auf­ lösung des Bauches in eine wagerechte und in eine von dieser abwärts zur senk­ rechten Haste hin mehr oder weniger ge­ bogen geführte weitere Haste in den re­ publikanischen Steininschriften CIL I2 443 = Dessau, ILS 2961 = Degrassi, Imagines 56 (4-/3. Jh. v. u. Z.), CIL I2 389 = Dessau, ILS 3897 = Degrassi, Imagines 58 (3./2. Jh. v. u. Z.), CIL P 30 = Dessau, ILS 3422 = Degrassi, Imagines 63 (3,/2. Jh. v. u. Z.) und auf dem Erzplättchen Degrassi, Ima­ gines 123 b (3. Jh. v. u. Z.). 9 J. S. Gordon / A. E. Gordon, Contri­ butions to the Palaeography of Latin Inscriptions, Berkeley / Los Angeles 1957 (Univ. of California Publ. in Class. Ar- chaeol., voi. 3 no. 3) (= Gordon) S. 113 f. 211. 1 0 Gordon S. 106 f. 210. 1 1 Vgl. Anm. 8. 1 2 Gordon S. 106. 210. i» Gordon S. 107. 141. 210. 1 4 Gordon S. 137 f. 1 5 Vgl. außerdem z. B. CIL VI 9730 = Dessau, ILS 7419 vom Jahre 2 v. u. Z. (be­ sonders Zeile 4) in der Abbildung bei A . E. Gordon / J. S. Gordon, Album of Dated Latin Inscriptions. Rome and the Neighborhood, Augustus to Nerva, I: Plates, Berkeley / Los Angeles 1958 Plate 18 No. 30. 1 6 Siehe H. Rix, Das etruskische Cog­ nomen, Wiesbaden 1963 S. 219. 345 f. 375 f. und Pfiffig, Sprache S. 190. 192. 1 7 Im vorliegenden Beitrag habe ich — abgesehen von den Gentilizia und Kognomina auf -iu — keine Vollständig­ keit der Belege angestrebt; in der Regel schien mir zur Illustration ein Beleg aus­ reichend. Um notwendiges Belegmaterial zu finden, ist für das Lateinische neben den Indizes des CIL immer noch W . Schulze, Zur Geschichte lateinischer Ei­ gennamen, Berlin 1904 (Abh. der Kgl. Ges. der Wiss. zu Göttingen, Philol.-hist. Klasse, N. F. Bd. V 2 Nro. 5) von großem Nutzen; dort wird auch auf italisches und etruskisches Namenmaterial hinge­ wiesen. Ein Hilfsmittel zur Sichtung des letzteren bieten M. Fowler / R. G. Wolfe, Materials for the study of the Etruscan Language, vol. I—II, Madison / Milwau- ke 1965. Für die italischen Dialekte siehe das Wörterverzeichnis in Vetter. 1 8 Rix S. 222 f. 264 f. 346 f.; Cristofani S. 119. 1 9 Zum umbrischen Titel siehe A. Ro­ senberg, Der Staadt der alten Italiker. Untersuchungen über die ursprüngliche Verfassung der Latiner, Osker und Etrus­ ker, Berlin 1913 S. 46— 48. Einen faliski- schen Beleg bietet Vetter 287 a. 2 0 Siehe die Interpretation der ge­ nannten Inschrift durch Pfiffig, Sprache S. 254. 294. 2 1 Zu den etruskischen Kognomina auf -e, die sekundär auch als Gentilizia verwendet wurden und — von einigen möglichen Ausnahmen abgesehen — auf italische Individual- bzw. Vornamen mit o-Stamm zurückgehen, siehe Rix S. 197 bis 238. 342—356, vgl. Pfiffig, Sprache S. 185 f. 2 2 nrnrhp S 16Sf 2 3 Zitiert nach Pfiffig, Sprache S. 165 f. 2 4 S. 166. 2 5 Zur Ergänzung siehe Rix S. 168 Anm. 43. 2 6 Rix S. 156 Anm. 10. 2 7 Dieser Ansicht ist jedenfalls Rix S. 160. 2 8 In der Inschrift abgekürzt zu resciu- nia, zu ergänzen in resciunia(š)-, dazu Rix S. 167. 2 9 Rix S. 183. 3 0 Daß beide Namen zusammengehö­ ren, ist auch die Überzeugeng Rix’ S. 188 Anm. 104. 3 1 Die etruskischen Personennamen Ielle, ledi, ledia und die Namen unfreier und halbfreier Personen bei den Etru­ skern, in: Jahreshefte des Österr. Ar- chäol. Inst, in Wien 37 (1948) Beiblatt Sp. 57—112 in Sp. 67 f. 72— 74. 3 2 Die Zusammengehörigkeit beider Namen bezeichnet Rix S. 157 als un­ sicher, ohne einen besonderen Grund für diese Behauptung anzugeben. 3 3 S. 165 Anm. 203. S. 166. 3 4 Siehe dessen Behandlung der etru­ skischen Namen auf -u S. 153—197. 3 3 S. 110. APIE MARIU Povzetek Avtor obravnava napis na etruskizirajoči gemi iz 1. stoletja pred Kr., ki jo hrani Britanski muzej pod št. 960. Napis podaja v latinici dvočleno etruščansko osebno ime, ki pa izvira iz italskega onomastičnega kroga. Gentilicij mariu je nov primer za tip na iu izvedenih osebnih imen, kognomenov in apelativov v etruščan- skem jeziku.