emilitUtp katholischeMsswnsAltslW Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu. Preis ganzjährlich 2"50 S Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2'50 Pengö, Tschechoslowakei 12 vK, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2'5V Franken, übriges Aus-____ land 2 Goldmark, Unser Heiliger Vater Pius XI. hat wie schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Aposto-lischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz, Olmlltz, Marburg, Trient, Triest und Wien und Druckerlaubnis des Generalobern, Äeft 2 Februar 1937 40. Jahrgang Misstonsbries aus Lydenburg. Lieber Pater Schriftleiter! Sie luden mich ein, von meinen Erlebnissen während des ersten Jahres in der Heidenmission etwas zu schreiben. Von Missionserfolgen kann ich natürlich noch nicht berichten. Da gilt das Wort: Erst lern', dann lehr'. Eine beredte Sprache führt mein Stundenplan, der für das Studium der englischen und der Zulu-Sprache täglich sieben bis acht Stunden vorsieht. Da man an den süssen Früchten der englischen Sprache schon in der Heimat etwas genascht hat, so ist sie dem Neuankömmling in der Mission bald liebwert. Der Genius der Zulusprache dagegen scheint seine Unerbittlichkeit von dem Zulutyrannen Tschako geerbt zu haben, so herzlos schwierig ist sein Wesen. Da betrachtet man es als einen wohlverdienten Ferientag, wenn man gelegentlich mit dem vielbeschäftigten Pater Rektor aus eine Außenschule fahren darf. Darf man gar an einer Schuleinweihung teilnehmen und den Zulu-und Englisch-Büchern auf einen Tag Lebewohl sagen, so ist das wert, daß man darüber berichtet. Am 27. September fand die Einweihung der St.-Fohannes-Schule in Klippfontein statt. Sie liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich von Lydenburg. Seit Monaten war Bruder Rainer mit dem Bau beschäftigt. Die Baugeschichte allein gäbe schon Stoff zu einem interessanten Artikel, ungefähr mit folgenden Abschnitten: Wasserbohren — und keines finden: Glänzender Erfolg im Bereiten der Erdziegel; Schlangenjagden: Ochsenangriff auf ein Ruhezeit; Freuden und Leiden infolge der Mitarbeit der Schwarzen; Die Küche brennt! Verlassen — vergessen; Das Auto überladen usw. Doch das ist sicher: Die fertige Schule lobt ihre Erbauer. Heute ist Sonntag, der Tag der Einweihung. Etwas nach 8 Uhr fahren wir von der Hauptstation Maria-Trost ab. Unser Auto läuft heute als Festwagen, das künden die Blumen vorne beim Führer, das deuten die blitzenden Blasinstrumente im Rücksitz an. Das Farmtor schließt sich hinter uns, eine Staubwolke folgt dem Auto den Bach hinab, über die enge Brücke und wieder den Berg hinauf. Oben stoßen wir aus die schwarzen Musikanten: „He, daß ihr es ja wißt, um 10 Uhr beginnt die Einweihung. Schaut, daß ihr zur Zeit dort seid!" Sie scheinen verstanden zu haben und radeln uns in achtungsvollem Abstand nach. Fn Lydenburg fassen wir Petrol, dann fahren wir mit guter Geschwindigkeit auf der Straße nach Pilgrimsrest dahin. Einige Autos quittieren unsern Staub und lassen uns ihren Staub schluk-ken. Nach Überwindung mehrerer Anhöhen biegen wir von der Hauptstraße links ab. Schulmädchen in Maria-Trost, 1936. (Foto: P. Zorn.) Jetzt geht der Jammer los: Aussteigen, Tor aufmachen, Auto durch, Tor zumachen, einsteigen, weiterfahren. Nach wenigen Minuten das gleiche Spiel . und so sechsmal während der letzten 20 Minuten, bis wir zur Schule kamen. In der Nähe derselben scheint schon etwas Feststimmung zu sein, das Jungvolk ist soeben beim Waschen am Weiher. Am Wege lagert eine große Viehherde. Ob die Gehörnten wohl auch auf die Schuleröffnung warten? Ihnen trägt sich Bruder Kley — an gewöhnlichen Tagen ein tapferer Schneider — als Lehrer an und gibt den ersten Unterricht in der Erzeugung von Baßtönen, die das ungeduldig hupende Auto in eine höhere Lage zu bringen sucht, um betn lieben Vieh wenigstens die wichtigsten Verkehrsregeln beizu-. bringen. Doch hatten beide wenig Erfolg. Ein besseres Verständnis zeigten die Buben am Weiher, die johlten und hüpften beim Herannahen des Autos. Ein paar Minuten, und wir sind aus dem Schulplatz. Die Schule steht am Abhang eines Hügels, der dicht besät ist mit Steinen von enormer Größe und ganz eigenartiger Form. Die herrliche Aussicht und die fernere Umgebung ersetzen reichlich den trostlosen Anblick, den die Nähe bietet. Nicht allzufern rauscht ein riesiger Wasserfall, der Lydenburg mit Elektrizität versorgt. Sofort gehen wir an das Ausladen der mitgefllhrten Blumen, Instrumente und Koffer. Zuerst wird der Schulraum für den Gottesdienst hergerichtet. Hundert Schüler faßt die Schule. Zahl- reiche Fenster schaffen Licht und gute Lüftung. Die Lehrerwohnung, bestehend aus einem schönen, großen Zimmer und Küche mit Vorratsraum, ist vom Schulgebäude durch einen schmalen Gang getrennt. Beide Gebäude haben Wellblechdächer. Nach einer halben Stunde ist der Tragaltar schon so herrlich hergerichtet und geschmückt, daß jedermann sieht: hier ist der Mittelpunkt des Festes. Von der Decke hängen sieben Girlanden herab, eine Prachtschau für die Schwarzen, die uns anstaunen wie Halbgötter. Für einen Großteil von ihnen soll es doch der erste katholische Gottesdienst sein, dem sie beiwohnen können. Inzwischen sammeln sich die Völker; von allen Seiten sieht man sie herbeiströmen. Einen Weg von mehreren Stunden nüchtern zurückzulegen, war unseren Katholiken nicht zuviel, um hier die Sakramente zu empfangen. Da es sich zeigt, daß wir noch länger zu warten haben, mache ich mit einem Schwarzen, der beim Bau der Schule half, einen kurzen Spaziergang auf den Hügel. Während ich nur Englisch spreche, antwortet er bald in Zulu, bald in Afrikaans, um dann doch wieder in Englisch zu schließen. Er spricht von seinem Glück, daß wir nun eine Schule da haben, daß ein Verwandter von ihm hier Lehrer ist, daß er alle Leute zum Fest eingeladen habe, daß unsere Religion sicher die beste ist. Kaum sind wir zurückgekehrt, da kommt der Farmherr, auf dessen Grund die Schule steht. Zu unserer Freude spricht er nebst Stern der Neger 19 Heft 2 Drei neue Lh listen auf dem Schoß ihrer Mütter. August 1936. (Foto: P. Zorn.) ■'Wi MW Englisch auch ziemlich gut Deutsch. Dieser Farmer besitzt hier ein so großes Gut, daß er selbst nicht wußte, wie er mit dem Auto zur Schule kommen könnte. Er ist höchst erstaunt, als er die fertiggestellte, schön geschmückte Schule sieht. Auf die Frage, ob er an unserem Gottesdienst teilnehmen werde, muß der Vielbeschäftigte ablehnen. Doch bevor er sich verabschiedet, läßt er alle seine schwarzen Arbeiter zusammenrufen und hält an sie eine Ansprache in Englisch, die sein Dolmetsch in Zulu übersetzt. Er muntert seine Leute auf, ihre Kinder in diese unsere Schule zu schicken, da er ihnen keine bessere Schule und Kirche empfehlen könnte" als die römisch-katholische. Wirklich ein herrliches Zeugnis für unsere Kirche aus dem Munde eines Nichtkatholiken. Selbstverständlich wird dem Farmer von unserer Seite aufs herzlichste gedankt, worüber er ganz gerührt ist. Eine köstlich bereitete Torte von unseren Schwestern in Maria-Trost bringt den Dank in greifbarer Form zum Ausdruck. Schon ist es 11% Uhr, das bedeutet eineinhalb Stunden Verspätung, als endlich die lang vermißten schwarzen Musikanten ankommen. Schnell wird ein Marsch geblasen, damit alles in Stint« inung ist, wenn es gilt. Dann beginnt die Einweihung. Der Schulraum ist fast vollbesetzt. Rings um den Tragaltar knien oder sitzen die Kinder eng beieinander auf dem bloßen Boden. Dann folgen Iungmänner und Jungfrauen, denen sich die Männer und Frauen anschließen. Nur die Erwachsenen haben Sitzbänke. Alle sind gespannt, was nun folgt. Ganz im Hintergrund steht die Musikbande, bereit, jeden Augenblick mit Trompeten und Flöten zu beginnen. Der Priester beginnt am Altar und schon antwortet die Schar der Musikanten auf die Einladung zur Feier des heiligen Geheimnisses mit dem lauten Festklang der Instrumente. Das ist etwas ganz Einzigartiges, Nochniedagewesenes für die meisten der Anwesenden; kein Wunder, daß manche sich fast den Hals abdrehen, um die Spieler zu sehen, ja manche scheinen wirklich nicht zu wissen, was eigentlich die Hauptsache ist: der Priester vorne in seinen festlichen Gewändern oder die Musikanten mit ihren funkelnden Instrumenten. Doch der muntere Wechsel zwischen Spiel und Gesang und Gebet, die mustergültige Haltung der schwarzen Katholiken belehrt alle in wenigen Minuten, daß das geheimnisvolle Geschehen beim Priester vorne der Zielpunkt von allem ist. Unterdessen strömen immer neue Festgäste herbei. Sofort merkt man den Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten und Heiden. Während die Katholiken durch ihr sicheres Auftreten und ihre vollständige Kenntnis des Verhaltens während der heiligen Messe beweisen, wie vertraut sie mit unserem Gottesdienst sind, weiß der Heide gar nicht, was tun. Die Protestanten sind auch sofort erkannt, denn bevor sie eintreten, gehen sie in Hockestellung, verhüllen ihr Angesicht und scheinen etwas zu beten; während der Wandlung legen sie sich gestreckt auf den Boden, soweit es der Platz erlaubt. Wie ge- wohnlich machen die kleinen Kinder aus dem Rücken ihrer Mütter den anderen Teil der Musik, keiner Regel folgend bezüglich der Harmonien und Dissonanzen. Gegen Ende der heiligen Messe sind so viel Andächtige hier, daß die Musikanten fast die Rückwand durchdrücken müssen. Kaum ist die heilige Messe vorbei, hält P. Riegler die Festpredigt in Zulu. Die Schwarzen sind ganz gefesselt von den Worten des Predigers, der über den Wert und die Aufgabe der Schule spricht, als einer Stätte der Bildung, der Religion und somit des zeitlichen und ewigen Glückes. Die herrlichen Worte und Gedanken des Priesters sind um so eindrucksvoller, da sie von einem Weißen gesprochen werden, der ihre Sprache mit einfach erstaunlicher Gewandtheit meistert. Auf die gewaltige Predigt folgt noch eine kurze Andacht mit Gebeten für die Kinder und deren Eltern. Den großen Abschluß der herrlichen Feier kann natürlich nur das ewigschöne, mächtige „Großer Gott, wir loben Dich ' bilden. Die Ehre Gottes, das ist doch das Endziel von allem, besonders auch von dieser Schule. Kurz vor 1 Uhr ist es, als die letzten Klänge des Lobliedes verrauschen und wir das Schulgebäude verlassen. Nach einer kurzen Pause spielt die Musikkapelle wieder, jung und alt halten uns umringt, sie sind einfach verblüfft und kommen aus dem Staunen nicht heraus: sie reden nicht, sie lachen nicht, nur staunen können sie, und so schauen und schauen sie, bald auf die Trompete, bald auf die Flötenspieler, bald auf den Dirigenten der Kapelle. Es ist ratsam, vorher zu essen, bevor wir wieder mit der Musik beginnen, zudem ist es ja fast schon 2 Uhr und die Kochtöpfe stehen schon seit mehreren Stunden über dem Feuer. Ein schwarzes Mädchen, das bei den Schwestern aus der Hauptstation kochen lernte, hat uns ein herrliches Festessen bereitet, das ihr und ihrer Lehrerin größte Ehre macht. Während wir in der Lehrerwohnung nach europäischer Art essen, lagern sich die Schwarzen in Gruppen, geschieden nach Alter und Geschlecht, um ihre Töpfe, und greisen herzhaft hinein in den Reis, in das Fleisch, ins Gemüse. Der dickbauchige Bierkrug ist ständig aus Reisen die Runde entlang. Die zahlreichen Lehrer nehmen ihr Mahl im Schulraum ein, der inzwischen wieder seines gottesdienstlichen Festschmuckes beraubt wurde. So wird bei jedermann ein kräftiges Fundament gelegt, so daß nach einiger Zeit die Musikkapelle wieder beginnen kann mit ihren Liedern und Märschen. Diesinal mit besserem Erfolg. Die Leute kommen näher, betrachten! eingehend, wie die Finger so komische Bewegungen machen, hier bei der Flöte ein Loch zudrücken und im gleichen Moment an einer anderen Stelle eines ausmachen, dort bei der Trompete bald drei Klappen miteinander hinabdrücken, während die eine oder andere wieder losgelassen wird und Lust schnappen darf. Schon der erste Marsch trug uns einen Schilling ein. der Tageslohn eines Schwarzen; die Leute begannen lustig zu werden und ihre tanzbegeisterten Glieder singen schon an, die rhythmischen Bewegungen der Musik mitzumachen. Wäre ein schöner Platz dagewesen und hätten wir mehr Zeit gehabt, dann hätte es einen Tanzabend gegeben. Doch wir mußten scheiden und dem Farmherrn noch ein Ständchen bringen, um dann wieder heimzufahren — dieser zu seinen, Rektorsorgen, jener zu seiner Schneider-, Schreiner- und Gärtnerarbeit und ich zu meinen Zulu- und Englischbüchern. Maria-Trost besitzt nun sieben solche Außenschulen. Sie sind wohl einer der besten Beweise, daß es auf der ganzen Linie unserer Missionsarbeit vorwärts geht. Die Arbeiten und Opfer unserer Missionäre und Missionswohltäter find nicht umsonst. Darum arbeite jeder gern mit an diesem Heilandswerk, auch unter Opfern. Wo materielle Hilfe unmöglich ist, da soll die Hilfe des Gebets in verstärktem Maße einsetzen: denn wenn Gott segnet, dann sprießt die Saat des Gotteswortes. Aus der südafrikanischen Missionssront grüßt Sie und alle „Stern"-Lefer P. Richard L echner. 3m monor Muar miril unserem Mssmnsgehel Nie 3ugenö Wiens und Ceylons empfohlen. Was ist los? Im Zulu wird das Wort „schweigen" von „reden" abgeleitet. An das eine Wort setzt man eine kleine Endung hinzu und dann bedeutet es das Gegenteil. „Uhuti“ heißt reden, „ukutula" schweigen. So geht es auch mit „auf- und zumachen" und vielen anderen Wörtern. Man muß nun immer wissen, welches das ursprüngliche Wort ist. Sonst kann es vorkommen, daß man eine böse Verwirrung anrichtet. Von einem unserer Farmbewohner sagt man, daß er seine Buben immer auffordere, sie sollen die Augen schließen, wenn er ihnen etwas zeigt, anstatt sie sollen sie aufmachen. Eines Tages wollte ich in dieses Sprachgewirr Ordnung bringen und studierte tüchtig. Fängt da auf einmal ein Kerl an, vor meinem Fenster auf einer Blechkiste herumzuhauen wie nicht gescheit. „Dem werde ich helfen", denk ich mir, „der kann sich auch einen anderen Platz für seine Darbietung aussuchen." Ich auf und ans Fenster. Da sehe ich den Kerl laufen. Im nächsten Augenblick bin ich auch draußen. Von allen Seiten laufen da jetzt die Buben zusammen lind schreien und lärmen und hauen auf Kübel und Kannen. Ja, was ist denn los? Sind die verhext oder gehen sie zu einem großen Tanz? O nein, die Heuschrecken kommen! Gerade neben meiner Bude ist ein Feld mit jungem Weizen. Er blüht eben. Dieses junge, saftige Grün hat dem Ungeziefer in die Augen gestochen: das wäre so eine Abendmahlzeit! Zu Millionen kommen sie angeflogen, um das Feld zu stürmen. Wir richten uns zur Abwehr. Mit Lärmen richtet man auch bei ihnen viel aus. Darum sucht sich jeder etwas, was Krach macht. Ich wundere mich, woher all die vielen Kannen und Kübel kommen. Mit dem besten Willen kann ich nichts derartiges mehr finden und mache mich daher an. die Feuerung. Rings um den Acker find kleine Grashaufen. Diese werden angezündet und mit Erde überdeckt, damit es Rauch gibt. Das ist unsere Verteidigung: Lärm und Rauch. In großen Haufen kommt das Ungeziefer angeflogen. Eine Abteilung zieht schon wieder ab, der Lärm ist doch zu furchtbar, aber andere Haufen stürmen an, gehen zurück, die alten kommen wieder, gehen wieder, neue Schwärme kommen von ganz hinten, es ist fast zum Verzweifeln. Der Weizen soll zirka 800 Mark eintragen, wenn er reif ist, und die Heuschrecken haben so Hunger. Abend ist es auch schon, die Sonne neigt sich hinter die Hügel. Die Heuschrecken brauchen ein Nachtlager. Immer neue Angriffe folgen daher, immer mehr Lärm wird gemacht. Es dauert ja nur mehr, bis die Sonne vollends untergegangen ist. Wo sie dann hinsitzen, Werdende schwarze Schneider. Mit der Zentralschule am Hauptort der Abtei Peramiho im Tanganyrka-gediet ist u. a! eine Schneidersachschule verbunden. Wir sehen die jungen Schwarzen im Ve-fltifi,-in die Geheimnisse der Zunft einzudringen. Die Lehrkräfte sind aus der Zahl der nahezu 60 Tutzinger Schwestern genommen, die in der Mis-swn die Ottilianerpatres unterstützen. (Fides-Foto.j da bleiben sie die Nacht über und nichts vertreibt sie mehr. Sie fliegen dann nur mehr vor dem Fuß auf und fetzen sich hinter dem Rücken wieder nieder. Kleinkampf ist hier nutzlos, man muß auf die Masse schauen. Wir arbeiten und lärmen, daß der Schweiß von der Stirne rinnt. Der Angriff wird auch schließlich abgewehrt. Sie getrauen sich nicht, sich auf das Feld niederzulassen. Aber sie fallen gleich nebenan ins dürre Gras und trauern über den fetten Fraß, der ihnen entgangen ist. Wir aber gehen froh heim. Eine Nachtwache braucht man nicht, sie bleiben, wo sie find. Am andern Tag halfen wir ihnen noch ein bißchen weiter. Das war meine erste Begegnung mit dieser Landplage. P. Alois Höfer. Ein Kirchlein steht im Blauen . So heißt es in einem schönen deutschen Lied. Heute will ich aber nicht von einem armen, halb eingefallenen Negerkirchlein erzählen, deren es ja hierzulande zahllose gibt, sondern von einer stattlichen Kirche, die wie ein leuchtender Stern aus einem Hügel prangt. Sie liegt in einem großen Dorfe des Sekhukhunilandes, das unter dem burischen Namen Mooifontein bekannt ist. Tie englische Hochkirche ist im Besitze dieser Kirche. Oft hatte ich bereits von der ..Kathedrale der Engländer" von meinen Mitbrüdern erzählen hören, aber als ich vor der Kathedrale stand, war ich bitter enttäuscht. Das Mittelschiff ist ja viel zu groß und die zwei Seitenschiffe viel zu nieder. Windig und gedrückt hängen sie am Mittelschiff. An der Stirnseite sind drei Eingänge, über den Eingängen liegt ein dickes hölzernes Tragbrett und darüber ist dann aus Ziegeln ein Bogen gemauert. Oben am Giebel halten geschrägte Dickbcetter das Zeichen des Christentums, das Kreuz. So sehr ich von außen enttäuscht war, so angenehm überrascht war ich vom Innern. Ein schönes, weites Mittelschiff ließ das Auge unmittelbar auf den Altar schauen, der durch mehrere Stufen würdig erhöht ist. Freilich ist der Altar ohne jeden besonderen Schmuck. Aber als liturgische Opferstätte tritt er doch einzig hervor, trotz, vielleicht gerade wegen der Schlichtheit. Die zwei Seitenschiffe sind durch viele Bögen mit dem Hauptschiff harmonisch verbunden. Die Bögen sind von Ziegeln gemauert und machen den schwarzen Arbeitern alle Ehre. Keines weißen Mannes Hand half zum Bau. Ich zählte über dreißig solche Bögen. Die Eintönigkeit wird durch die Verschiedenheit der Bogengröße wirkungsvoll gebrochen. Auf dem einen Nebenschiff ist vorne das „Allerheiligste",* vor dem ein kleines Petroleumlämpchen slak-kert. Eine gestickte Fahne mit dem Bilde der Gottesmutter lehnt dort auch an der Wand. Ein leichtes Bambusrohr vertritt die Holzstange. Der Rückteil des anderen Nebenschiffes wird als Sakristei benützt. Alben, Chorröcke usw. erinnern sehr an katholische Kircheneinrichtung. Selbst ein Kreuzweg ist zu finden, und am Eingang hängt ein schmucker Weihwasserbcunnen. Wir kamen ganz unverhofft, aber doch war die ganze Kirche peinlichst sauber. Der Boden ist aus gestampfter Erde nach einheimischer Sitte hergestellt. Für die große Fläche ist er herrlich geebnet und kein Riß oder Sprung ist zu bemerken, was sonst meist bei Eingeborenenböden der Fall ist. Den Gesang der Gemeinde zu hören, wäre für mich in sprachlicher und auch musikalischer Hinsicht ein leckerer Ohrenschmaus gewesen, aber die Kirche war leer. Bei 500 Gläubige soll die englische Hochkirche nach dem Hörensagen um Mooifontein haben. Ihre Kirche dürfte dieselben wohl leicht fassen. Bänke gibt es selbstredend Anmerkung 5). Schriftleitunq: In der englischen protestantischen Hochkirche sind Bestrebungen am Werke, in den äußeren Kultfor-men sich dem Katholizismus zu nähern, wenn auch die maßgebenden Führer diese Bemühungen nicht billigen. So haben manche Geistliche auch das „Allerheiligste" eingeführt. Da die Weihen der anglikanischen Geistlichen ungültig sind, kann von einem Allerheiligsten im katholischen Sinn keine Rede sein. Vereinzelte englische Geistliche der Hochkirche ließen sich im Ausland von nichtunierten griechischen Bischöfe» weihen und in diesem Falle wäre auch ihre Konsekration bei der Meßfeier gültig. Stern der Neger 23 Heft 2 Erillenbraten. Ein Leckerbissen für die Insel der Eingeborenen von Uganda in Mittelafrika sind an der Sonne getrocknete oder am Feuer geröstete Feldgrillen. (Fides-Foto.) Keine, da die Schwarzen nach ihrem Herkommen auf dem Boden sitzen oder auch knien. Wer betreut die Kirche? Das find schwarze Nonnen der Hochkirche. Diese haben Zölibat und Ordensregel und einen graublauen Habit, der bei den Schwarzen viel gilt. Die Schwestern werden von einem schwarzen Geistlichen der Hochkirche betreut. Freilich ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Nach der Kirchenbesichtigung redeten wir mit einer schwarzen Schwester. Als ich ihr sagte, daß ich von Deutschland komme, machte sie ein etwas mürrisches Gesicht. Als sie aber hörte, daß wir alle „Römer", das heißt hierzulande Katholiken, feien, huschte ein freundliches Lächeln über ihr Gesicht. Wir erzählten ihr dann, daß es in Deutschland noch zweimal soviel Katholiken gäbe, als hierzulande die Weißen und alle Schwarzen zusammen zählen. Auch auf katholische Schwestern, Schulen, Kirchen und andere Einrichtungen kamen wir zu sprechen. Bald mußte die fünf Mann starke römische Kolonne wieder an das Heimwärts denken. Still wie ein Dämmernebel stieg in meine Seele der Wunsch, die katholische Kirche möchte auch einmal eine große Kirche voll von schwarzen Betern haben, vielleicht mit schwarzen Brüdern, Priestern und Schwestern. Heimwärts, um wieder am Reiche Gottes zu arbeiten! Vielleicht sehen unsere Nachfolger einmal eine schöne Gottesblume im Ackerfeld des dichtbevölkerten Sekhukhunilandes aufsprießen. P. Fr. S. Tremmel F. 8. C. Amschau. Unser Herr auf Fahrt in der Arktis. Von P. O'C o n n o r, 8. J., Mulurak-Wlaska. Es gibt kaum ein Verkehrsmittel, das Unserm Herrn und Heiland im heiligsten Sakrament nicht schon zur Verfügung gestellt worden wäre. Flugzeug und Luftschiff haben den Segen und Vorzug Seiner eucharistischen Gegenwart erfahren. Liegt etwas Majestätisches darin, wenn das Al-lerheiligste in den Lüsten dem Himmel nah sich wiegt, so bedeutet es fast den höchsten Grad der Erniedrigung, wenn Unser Herr sich herabläßt, dem Hundeschlitten sich anzuvertrauen. Ostern war wieder vorbei. Die Tage nahmen zu und waren fast in ständiges Licht getaucht, als der Ruf zum Versehgang an mich erging. Ein ehemaliges Schulmädchen, jetzt eine junge Frau in den zwanzig, liegt im letzten Stadium der Auszehrung. Die vergangene Nacht hatte der „mukluk" (Telegraph) die letzte Nachricht gebracht. Fch war also bei Tagesanbruch 24 Stern der Neger 1 Heft 2 . — um 2 Uhr — auf den Beinen. Um vier Uhr waren Messe und Frühstück vorüber. Eine halbe Stunde später war das Allerheiligste unter meinem Pelzmantel geborgen und ich bereit, den Schlitten zu besteigen. Es war doch etwas Bestrickendes an dieser Fahrt, und das rührte daher, daß es ein tadellos funktionierendes Gespann war, das den Weltenschöpfer über die vollkommene Schneespur führen durfte. Um diese Jahreszeit sind die Hunde trainiert durch tausendstündige Fahrten. Es gibt keine Fetzen und Knoten am Geschirr wie in den ersten Wintertagen. Die Hunde wissen, was man von ihnen verlangt, und sie leisten es auch. Ich hatte das Gefühl, Der Diener Gottes Josef Freinademetz. In Penchowsu, China, begann der Seligfpre-chungsprozetz für den Diener -Gottes P. 'Joses Fr-einademetz, 8. V. D. — P. Freinademetz wurde am 15. April 1852 in 33 ab in (früher Abtei), Provinz Bozen, geboren, kam im März 1879 nach China und -arbeitete von 1882 his 1908 unermüdlich als Missionär in der Provinz Shantung. Als er am 28. Jänner 1908 starb, stand er bei allen, -die ihn kennengelernt hatten, im Rufe eines Heiligen. (Fides-Foto.) daß sie von ihrer Wichtigkeit an diesem schönen Alaska-Frühmorgen erfüllt waren. Wir gleiten über die zarte geräuschlose Fläche, der Erlöser und ein armer fahrender Missionär der Tundra. Kein Motorengeräusch unterbricht die Stille heiliger Sammlung, keine Gefahr, daß die Maschine pustend versagt. Alles ist hier Ruhe, ! alles in heiteren Frieden der Natur ge- i taucht. Gewiß hat es Unser Herr bei seinen Morgengängen im alten Palästina nicht besser getroffen. Die Morgensonne hat kaum glänzender gestrahlt als hier an diesem leuchtenden Morgen in der Arktis. Dort, wo wir vom Bach abbiegen und hinauf durch den Waldpfad hasten, haben zwei kräftige arktische Hasen Wache bezogen. Ihre dicken Ohren bewegen sich nicht, da meine graue Meute rasch vorbeirennt und nur mit der Nase die Witterung anzeigt. In nicht ganz zwei Stunden kam ich an sechs solchen tadellosen Schildwachen vorbei. Sie waren an diesem heiligen Morgen ihres Lebeps sicher. Keine Flinte sollte die feierliche Stille unterbrechen, da Jesus Christus, Unser Herr, unterwegs war. Wir trafen kein anderes Gespann, kein Bellen drang aus dem kleinen Dorf, als wir an feinen schlafenden Igloos vorbeizogen. Unser Weg führt zu der Sterbenden, und auch die unvernünftige Kreatur schien das zu ahnen. Wir erreichen Kwimlilurh gerade, als die Dorffeuer aufleuchteten. Ein Mann rannte heraus, um ebenso schnell wieder ins Zelt zu schlüpfen. Er brachte der todkranken Frau die willkommene Nachricht: „Agayulerta t'kitok", der Priester kommt mit der Wegzehrung. Beichte, letzte Ölung und Wegzehrung folgten schnell aufeinander; noch kurze Worte des Trostes, und mein Werk war getan. Ich mußte aus der Stickluft der Hütte wieder hinauseilen in den Sonnenschein voll leuchtenden lebendigen Glücks. Schwer fiel es, sich an den Gedanken zu gewöhnen, daß ein Menschenkind an einem solchen Tag sich zum Sterben hinlegen sollte. Ein kleiner Bursche kommt vorbei. Ich frage ihn nebenbei nach seiner Mutter. Da erzählt er mir in seiner hellen Kinderstimme auf Innuit, die Mutter erwarte ein neues kleines Gefchwifterchen. So durfte ich also an diesem Morgen ein anderes heiliges Sakrament spenden. Ich laufte den kleinen Schreihals und gab ihm den Namen Joachim. Wie anderswo in der Welt, so geht es auch in Alaska zu: Leben und Tod stehen dicht beieinander und der Priester ist für beide Mittler. Ausspender der Geheimnisse Gottes. Grouard (Kanada). (Apostolat im hohen Norden Kanadas.) über ungeheure Flächen rote Punkte zerstreut, bildet für die Einsiedler-Missionäre im hohen Norden Kanadas der Besuch des Bischofs oft die einzige Berührung mit der zivilisierten Welt. Von Zeit zu Zeit, ganz selten — denn der Verkehr ist äußerst schwierig —, erfreut sie der Bischof mit seiner Gegenwart, mit Briefen von den Angehörigen und Neuigkeiten, die meist über ein Jahr alt sind. Die Missionäre des Apostolischen Vikariates Aukon und Prinz Rupert mußten oft auch diese Freude entbehren. Das Alter verbot ihrem ehrwürdigen Bischof Exzellenz Bunos mühsame Reisen. So erhielt er vom Heiligen Stuhl in der Person des jugendfrischen, kraftvollen Msgr. Coudert einen Koadjutor. Am 7. Juni 1936 wurde der neue Bischof, der 21. Oblatenbischof in Westkanada, von Kardinalerzbischof Villeneufe über dem Grab des ersten Bischofs von Saint Albert, Msgr. Grandin, geweiht. Der neue Bischof hat eine ungeheure Diözese, zweimal so groß wie Frankreich, dabei fast ohne Verkehrswege. Im Süden verbindet die Eisenbahn Prinz Rupert aus dem Wege über Jaspar mit Edmonton, im Norden liegt die Bahnlinie Skagway (Alaska)—White Horse (Zjukon). Bald hören die wenigen Wege auf, die neben der Bahn herlaufen. Um nach den Stationen zu kommen, braucht es strapaziöse Touren in diesem gebirgigen waldreichen Land, das von Flüssen und Seen durchschnitten ist und wo im Winter das Thermometer bis zu 70 Grad unter Null herabsinkt. Fast übermenschliche Arbeitslast ruht auf den Schultern dieser Missionäre. Der Priester ist dort nicht bloß Diener Gottes. Er ist — wie bei der Verleihung des Ordens der Ehrenlegion an Msgr. Gouard gesagt Der Nordpolfahrer. P. Girard van den Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria ist als Missionär -in Ponds Inlet, Waffinland, stationiert und so dem Nordpol won allen Seelsorgern am nächsten gerückt. Die Pfarrei P. Girards erstreckt sich über eine Fläche von 140.000 Quadratkilometer. Bei einer Audienz überreichte der Missionär dem Heiligen Water ein seltenes Herbarium. Es enthält die Pflanzen, die P. Girard auf seinen Touren im Eis und Schnee des hohen Nordens gesammelt hat. (Fides-Foto.) tmiröe — zugleich Schiffsmann, Geograph, Städtebauer. Architekt und Maler, Komponist, Schriftsteller, Arzt und Ackerbauer. Die Missionäre, die einfachen Laienbrüder, haben als erste diese Wälder gelichtet, die ersten Holzsägeceien eingerichtet, die elektrische Kraft eingefangen, Mühlen gebaut, die ersten Brücken und Straßen angelegt. Verdankt ihnen die materielle Kultur viel, so dankt ihnen das geistig-sittliche Leben noch mehr. Ein protestantischer Professor, Herr Macoun, drückte das so aus: „Kein Vertreter einer anderen Kirche übertrifft irgendwie die katholischen Missionäre, die ich auf meinen zahlreichen Reisen östlich des Felsengebirges getroffen habe. Ihnen verdanken wir die Achtung vor den unauflöslichen Banden der Ehe, ihnen friedliche, geordnete Arbeit, das Rechtsgefühl im sozialen Leben." (Bericht an das Kolonial-Ministerium.) Wäre das Gebiet von Jukon und Prinz Rupert so dicht wie Frankreich bevölkert, so müßte es über 80 Millionen Bewohner haben; tatsächlich sind es bloß 40.000. Alle Nationen find dort vertreten. Man trifft dort Hindus, Chinesen, Japaner und eingeborene Indianer, die letzteren allerdings nur noch als schwache Minderheit. Diese Völker haben ihre Religionen mitgebracht. Die große Mehrheit, 82.000, gehören verschiedenen protestantischen Sekten an, es gibt aber auch Schismatiker, Juden und Heiden. Katholiken zählt man augenblicklich 8000. Naturnotwendig sind diese dünnen Bevölkerungsschichten weithin zerstreut und darum schwer zu erreichen. Das Missionspersonal besteht nur aus 17 Priestern. 14 Oblatenmissionären und 3 Weltpriestern, einem Bruder und 32 Ordensschwestern, die in Hospitälern und Schulen beschäftigt sind. „Wer von euch, der hundert Schafe besitzt und eines davon verliert, läßt nicht die 99 in der Wüste und geht dem verlorenen nach?" In Wirklichkeit ist den meisten ihre Ruhe lieber als das Schäflein. „Eins mehr oder weniger. Die Ruhestörung muß sich auszahlen, es muß ein gewisses Verhältnis zwischen Opfern und Resultaten bestehen." Die Missionäre denken nicht so. „Letzthin", schreibt Msgr. Bunas, „mußte ein Missionär 1500 Kilometer zurücklegen, um in Caribou' Hide seinen Iahresbesuch bei 39 .Wilden' zu machen. Ein anderer mußte einen ähnlichen Weg machen, um in White River, dem Quellgebiet des Findlayflusses, 45 Eingeborenen zu helfen . . ." Moshi (Tanganyika, Ostafrika). (J m Kampf mit dem Leoparden.) Kürzlich brach ein Leopard ins Gehege der Missionsstation Maranga im Apostolischen Vikariat Kilimandscharo-Ostafrika. In dem Kampf, der sich nun entspann und mit dem Tode des Leoparden endete, wur- den drei Eingeborene ernstlich verletzt. Sie zeigten einen erstaunlichen Mut in der Art, wie sie dem Raubtier zu Leibe rückten. Einer der Männer ging direkt auf den Leoparden zu. Als das Tier auf ihn lossprang, packte er es an den beiden Vorderbeinen und hielt es so in die Höhe, während die Hinterbeine auf dem Boden blieben. Die andern warfen nun ihre Speere. Leider kam die Katze dazu, dem ersten Angreifer den linken Arm übel zu zerfleischen. Ein zweiter Eingeborener traf die Tatzen, aber der Leopard biß nach seinem Kopfe und brachte ihm an der Stirn eine schwere Wunde bei. Jetzt steckte einer der Kampfteilnehmer dem Leoparden ein Dornbüschel in das Maul, um ihn an weiterem Beißen zu hindern. Noch wurde einer der Eingeborenen schwer am Kinn zerkratzt, ehe der Leopard, von Speeren durchbohrt, niedersank. Elisabethville (Belgisch-Kongo). (Affen im Refektorium.) Im Juli des vorigen Jahres wurden die Benediktiner der Mission Nguba im apostolischen Vikariat Katanga mitten in der Nacht plötzlich durch einen fürchterlichen Lärm aus dem Schlaf gerissen. Wie groß war die Überraschung der Missionäre, als sie die Türe zum Speisesaal des Klosters öffneten und dort ein Gewimmel von großen und kleinen Affen erblickten. Ein Prachtexemplar von einem Affen thronte in ihrer Mitte auf dem Tisch. Die Tiere waren durch das Dach eingedrungen, hatten die Speiseschränke geöffnet und machten sich lustig über die Vorräte her. Aber einige Gewehrschüsse unterbrachen jäh ihren Schmaus: unter Zurücklassung von sechs Toten flohen sie in wilden Sprüngen davon und kehrten auf demselben Weg, den sie gekommen waren, übereinander purzelnd ins Freie zurück. (Fides.) Leopoldville (Belgisch-Kongo). (A u s-st e I l u n g ch r i st l i ch e r K u n st in Belgisch-Kongo.) Die Ausstellung einheimischer christlicher Kunst, sorgsam vorbereitet, öffnete im Juni dem Publikum ihre Tore. Es ist wohl die erste Ausstellung ihrer Art, in der sich apostolische und künstlerische Motivs so eng ducchdringen. Gewiß existierten schon im 15. Jahrhundert litim Der Elefant als Haustier. Im Zirkus bewundert man die Kunststücke gelehriger Elefanten. Aber auch als brave Haus- und Zugtiere sind diese tropischen Riesen zu gebrauchen. Unser Bild zeigt einen Hauselesanten der Prämonstratenser ° Missio« näre von Buta, Belgych-Kongo, der gelassen seinen kleinen Wagen zieht. Wie Pferd und Esel nutzt er die Gelegenheit, da der Wagen stillsteht, um rasch noch einen Grashalm zu naschen. (Fides-Foto.) gische Gebrnuchsgegenstände, die kongolesische Technik verrieten. Ein Zeichen, daß die portugiesischen Missionäre an der Kongomündung an eine Verbindung und Angleichung der einheimischen Kunst an die Bedürfnisse des Evangeliums dachten. Kaum sind noch Spuren aus jener Zeit vorhanden, nicht einmal in der Ausschmük-kung der Missionskicchen. Unter der Initiative ihrer Apostolischen Delegaten sucht die Kirche systematisch die künstlerischen Fähigkeiten der Einheimischen zu heben. Es handelt sich für sie nicht um eine Modesache von Ästheten, der sie Bürgerrecht geben möchte, sondern darum, auch in der Kunst ihr wahres Gesicht zu zeigen, das einheimisch und nicht fremd, katholisch und nicht europäisch ist. Es stehen also wirklich apostolische und künstlerische Interessen zugleich auf dem Spiel. Fast jedes Volk versieht seine Gebrauchsgegenstände mit einem mehr oder minder ausgebildeten künstlerischen Schmuck. Diese Kunst, noch stark im Handwerklichen befangen, die den alltäglichen Gebrauchsdingen einen gewissen Zauber und Reiz verleiht, existiert fast allenthalben in den Dörfern am Kongo. Töpfereien, Lanzen, Messer, Matten, Sessel sind mit einem künstlerischen Motiv versehen, das Geschmack und Stil verrät. Die Bazandes in Uele gehen weiter, sie verkaufen den Europäern kleine Elfen-beinfiguren, die die Madonna, das Göttliche Kind, Christus usw. darstellen. Nach europäischen Vorlagen gedacht, sind sie doch keine sklavischen Nachahmungen. Sie zeigen die wesentlichen Bestandteile eines arteigenen, des kongolesischen Stils. Die künstlerische Begabung liegt in der naiven, originellen Art, die einfachsten Dinge zu schauen: Boot mit Ruderer, Hütte, einheimischer Tanz, Träger mit seiner Last. Die charakteristischen Bewegungen der heimischen Tiere, des Elefanten, des Krokodils, der Schlange, sind richtig ersaßt. Schnitzer, Bildhauer haben ihr Handwerk von durchreisenden arabischen Händlern gelernt oder voll solchen, die sich vor etwa dreißig Jahren an Hauptorten niederließen. So gilt ein gewisser Gwado bei Bondo als erster Förderer und Lehrmeister aller Elfenbeinschnitzer und Kunstschreiner der Gegend. Viele Generationen von Handwerkern sind aus seiner Schule hervorgegangen. AIs 1933 Exz. Dellepiane Buta 'besuchte, erhielt er von den Handwerkern der Stadt ein prachtvolles Elfenbeinkruzifix. Altar und Krippe, die der Apostolische Delegat daraufhin in Auftrag gab, sind auch auf der Ausstellung vertreten. Tie Gewerbeschule der Prämonstratenser ist für die Ausführung verantwortlich. Der Holzaltar aus wertvollem Edelholz des Landes ist mit liturgischen Motiven geschmückt, die, modern Zugleich, einheimische Motive aufgreifen, ohne in gesuchte, gekünstelte, exotische Art ZU verfallen. Bei den Personen der Krippe half die Erfahrung den Künstlern, sich von europäischen Modellen freizumachen. So stellen die drei Könige mit ihren schwarZen Trägern oft gesehene SZeuen des Alltagslebens dar. Zwei Abteilungen vervollständigen die Ausstellung: die erste Zeigt Bilder und Pläne der vorhandenen oder geplanten religiösen Denkmäler. Die Zweite Sektion ist Kultgegenständen und Mobiliar gewidmet, die aufzeigen, was bisher alles an religiöser Kunst in den Missionen geschaffen wurde und was noch in naher Zukunft Zu erwarten steht. (Fide s.) Witbank (Transvaal.) (Kampf eines Stieres mit einem Löwen.) Vor einigen Wochen hatten zwei schwarze Burschen in Nordtransvaal ein seltenes Erlebnis. Beide waren im Buschfeld und hüteten eine Herde Vieh, als sie auf einmal ein seltsames Geräusch hörten und alsbald ein blondes Tier in einem Busch wahrnahmen. Da sie glaubten, es sei nur ein Ameisenbär, warfen sie Steine in den Busch. Plötzlich entpuppte sich der vermeintliche Ameisenbär als ein gefährlicher Löwe, der wütend auf die beiden Ruhestörer lossprang und einen der Burschen mit einem Schlag seiner kräftigen Tatze zu Boden warf. Der Knabe wäre unfehlbar verloren gewesen, wäre nicht der treue Stier der Herde zur Verteidigung seines Hirten mit voller Wucht auf den Löwen losgestürmt und hätte ihn nach erbittertem Kampf mit seinen Hörnern in die Flucht getrieben. Mota Saheb.* Von Erlebnis zu Erlebnis im Wunderland Indien. Von Johann Baptist Müller S. J. 1. Zum Mofussil. Nachdem mir der Auftrag geworden, meine Lehrtätigkeit in Bombay, dieser unvergleichlich herrlichen Stadt am Meer, aufzugeben und die Pfarrseelsorge an der Eisenbahnzentrale Vhusaval in Ost-Khan-desch und die Leitung der dortigen Mittelschule zu übernehmen, trat ich früh morgens mit dem Kalkutta-Schnellzug meine Reise dorthin an. Hinüber ging's von der reizenden Insel Bombay zum indischen Festland. Nur wer jahrelang auf diesem meerumrauschten, zauberschönen Fleckchen Erde gelebt hat, kann mir nachfühlen, was mein Inneres bewegte. Wie im Fluge schwebte der Zug leicht und schnell vorbei an all den wohlbekannten, lieblichen Vororten, hinaus aus dem Morgenqualm der Riesenstadt in die frische, meerdurchwürzte Luft des offenen Landes. Schon waren wir in Mofussil. Erquickend strich die kühle Seeluft durch die offenen Fenster meines Wagens. Eine schöne Szenerie wechselte mit der andern. Rechts Uefi ich meinen Blick schweifen * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Herder & Co. in Freiburg (Breisgau), Baden. über die an lieben Erinnerungen reiche Insel Trombay mit ihren üppigen Dschungeln, die wir als Scholastiker in früheren Jahren an unsern Villatagen (die wöchentlichen, schulfreien Donnerstage) auf der Suche nach unbekannten Tieren und Pflanzen durchstreift, und mit ihrem majestätischen Bergkegel, von dessen Gipfel wir so oft den überwältigenden Ausblick auf das offene Meer und die malerischen Inselgruppen genossen. Links dehnte sich in farbenprächtiger Morgenklarheit die leichtgekräuselte Fläche eines Meerarmes, aus dessen Fluten sich in der Ferne das mit Recht beliebte Seestädtchen Bandora mit seinen dichten Palmenhainen wie ein Feengarten traumhaft erhob. ■ Weiter ging's, der ersten Haltestation, ' Thana, entgegen. Was der Blick nur aufnehmen konnte, nahm er mit. Hoch von den mit Toddy-Palmen überragten Spitzen der dschungelreichen Kanheri-Berge glitt das unersättliche Auge hinab auf das saftiggrüne Waldmeec der Niederungen, dessen feierliche Stille hie und da unterbrochen wurde von dem Geschrei von Pfauen, die irgendwo in einer Lichtung radschlagend ihren Morgenreigen aufführ- Ein aus betn Felsen gehauener Tempel. Der indische Tempel üon Vemapuram, wie er sich Dom neuen Leuchtturm Seven Pagodas aus darstellt. Ungefähr 60 Kilometer südwärts von Madras an der Meeresküste gelegen, ist der Tempel völlig aus dem Natur-felsen Herausgehauen und ein hervorragendes Beispiel indischer Kunst. (Fides-Foto.) ten und ihre farbenleuchtende und goldblitzende Federpracht nur dem Sonnenauge zeigten. Rechts und links der Bahnlinie wechselten Palmenhaine mit Reisstoppelfeldern ab. die mit mächtigen Mangobäumen bestanden waren, in deren tiefem Schatten da und dort vereinzelt Zebukühe und Ziegen friedlich an den Stoppeln knusperten. Bald sah man Rehböcke, vom heranbrausenden Zuge aufgescheucht, mit Windesschnelle den Gebüschen zueilen, bald einen langgeschwänzten Affen Reißaus nehmen, der dann mit sicherem Schwung sich auf den untersten Ast eines entfernten Baumes schwang, mit den Armen den Stamm umhalste und mit einer Protestgrimasse dem vorbeieilenden Zuge nachschaute, als ob er sagen wollte: „Was hast denn du hier zu tun?" Bald war es ein Schwarm lebenslustiger, grasgrüner Papageien mit blutroten Schnäbeln. die mit wildem Gekreische und Gezeter in weiter gelegene Baumkronen die Flucht ergriffen. Auf einmal blißt es wie Wasser zwischen den nahen Bäumen durch. Der Zug macht einen Bogen, und im Nu öffnet sich wieder eine neue grandiose Szenerie. Wir sind am Thana-Creek, einem langgestreckten, stromartigen Meeresarm, der die Flanken der bewaldeten Berge rechts von uns bespült. Ein wunderbar schöner Ausblick! Jenseits der glänzenden Wasserfläche, auf welcher Fischerbarken mit vollgeblähten weißen Segeln ziehen, lugt am Ufer ein Fischerdörfchen aus den Bäumen heraus. Vor uns in naher Ferne erheben sich wie Riesen aus der Ebene die Berge des westindischen Hochgebirges, die Ghnts, während wir rechts an den frischgrünen Abhängen der Thana-Berge vorbeifliehen. Man wird unwillkürlich an die malerische Rheinlandschaft zwischen Rolandseck und Brohl erinnert. Endlich, aus all der kurzen Herrlichkeit heraus, erblicken wir uns wie aus einem seligen Traum Erwachte in der Station Thana, wo der Zug hält. Bahnhofszene wie gewöhnlich: die geräumige Halle voll von Verkäufern von Früchten, Erfrischungen, Zeitungen und Illustrierten,, ein betäubendes Gewoge von allerlei Rufen in allen Tonarten: Aaiß-Krihm (ice-cream), Limonade. Keks, Schokolade, Taaims (Times) usw., Reisende, die auf und ab gehen oder aus den offenen Fenstern lehnen. Immerhin eine kleine angenehme Unterbrechung. Nach-einigen Minuten fahren wir weiter durch eine plantagenreiche, wohlbebaute, dem Westgebirge vorgelagerte Ebene mit friedlichen, zwischen Bäumen versteckten Dörfchen der großen Station Kalyan zu. Dort ein noch lebhafterer Bahnhofsbetrieb. Zwei schwere Gebirgslokomotiven übernehmen jetzt die Beförderung des Zuges, der nun von der Puna-Linie abschwenkt und links direkt in die Gebirgswelt hinaufpustet. So geht's denn hinauf zum weiteren Mofuffil, zum Dekkan, der großen indischen Hochebene. Langsam steigen wir von einer Höhe zur andern die Höhenzüge hinan, die sich terrassenförmig, treppenartig hintereinander erheben. Daher auch der Name des indischen Westgebirges: „Ghats", d. h. Treppen. Auf vielen Windungen und durch zahlreiche Tunnels klettert der Zug durch die herrliche, bewaldete Gebirgswelt hinauf, an steilen Abhängen entlang, jetzt über kurze, dann über lange, Schluchten und tiefe Ravinen (bewaldete Täler) überspannende Brücken, bis endlich der Höhepunkt und damit das Hochplateau bei der Station Deolali erreicht ist. Nun fährt der Zug wieder im flotten Schnellzugstempo weiter. Und vorbei flogen wir an Nasik, dem uralten Nationalheiligtum der Hindus und der berühmten Brahminenstadt, vorbei an Manmad und Nandgaon. immer weiter durch die endlose Ebene, bald durch Dschungeln, bald durch Steppen und Gestrüpp, dann wieder durch reiche, wohlbebaute Striche, bis wir am Abend in die Bestimmungsstation, die große Eisenbahnzentrale Bhusaval, einliefen. Gott sei Dank! Es war eine lange, aber auch eine schöne, interessante Reise, und, was die Hauptsache ist, alles war gut gegangen. Kaum stand der Zug still, da erschien auch schon an meiner Wagentür eine kräftige Männergestalt mit langem Graubart und in weißem Talar. Es war mein ehrwürdiger Mitbruder, den ich ablösen sollte. Er begrüßte mich herzlich und hieß mich .willkommen. Neben ihm drängte sich diensteifrig der hagere braune Hausdiener Nurali heran, der sich in seinen besten Staat geworfen hatte und mit einem tiefen, respektvollen Salaam Saheb!!" mein Gepäck in Empfang nahm. („Salaam" heißt „Friede dir" oder „Heil!" und ist in Indien der gewöhnliche Gruß und steht für. Guten Morgen, Guten Tag, Guten Abend! Beim Grüßen macht der Indier eine tiefe Verbeugung und berührt mit der Innenfläche der rechten Hand seine Stirne.) Und siehe da, was mußte ich jetzt gleich erleben! Man kann sich kaum sehen lassen, flugs hat man auch schon einen Spitznamen' In meinen früheren Jahren hieß ich bei meinen Mitstudenten einfachhin der „dicke Müller", und später, in der Philosophie, legten mir die Herren von der andern Fakultät, die Theologen, sogar die erweiterte Bezeichnung „Quadrat-Müller" bei. Und nun steht da vor mir auf dem Bahnsteig eine Gruppe indischer Iungens mit roten Turbanen und weißen Beinkleidern (Dhötis) leicht geflaggt, die sich auf die Kunde von der Ankunft des neuen Padre-Saheb (— Herr Pater) aus Neugierde versammelt hatten und mich mit einem verschmitzten Lächeln aus ihren kaffeebraunen Gesichtern von oben bis unten beschauten — die hatten die Verwegenheit, mich auch sofort auf ihre Weise zu taufen! Wie abgemacht kam das einstimmige Wort des Staunens aus ihrem Munde: „Mota Saheb!", d. h. welch ein dicker, stämmiger Herr! Namen bleiben hängen, und diese Bezeichnung „Mota Saheb" blieb auch an mir haften all die folgenden Jahre hindurch, so daß ich in der näheren Umgebung einfach als der Mota Saheb bekannt war. „Menschen sind die Menschenkinder Aller Zeiten, aller Zonen", dachte ich, „Ob sie bleich sind wie ein Käse Oder braun wie Kaffeebohnen!" „Sehen Sie", sagte mein Mitbruder, „da haben Sie schon einen Titel, wie ich nie einen bekommen habe. ,Mota' kann alles Große, Staunenswerte heißen, wie groß, dick, stämmig, erhaben, angesehen usw. Machen Sie sich nichts daraus, sondern freuen Sie sich!" „Nun ja", erwiderte ich, „erfreulich ist es sicher, daß diese Iungens, wenn sie auch sonst im bürgerlichen Leben die abgefeimtesten Lügner sind, sich wenigstens jetzt ehrlich erwiesen und die Wahrheit gesagt haben. Es wird also dabei bleiben müssen, beim unleugbaren ,Mota Saheb'." 2. Kein Sanssouci. Welch ein wohltuendes Gefühl, nach einer Tagesreise im Zug endlich die steifen Glieder bewegen zu können und das betäubende Bahngerassel hinter sich zu haben. — Nurali. der Diener, mit meinem Handkoffer auf dem Kopfe — die Indier Stern der Neger 31 Heft 2 tragen nämlich alles Tragbare, und wäre es auch nur ein leerer Teller, auf dem Kopfe —, marschierte feierlich, seine hageren. wadenlosen Windhundbeine schwingend. vor uns her. Was für kuriose Gedanken über den neuen Sahet, sein Denkerhaupt durchzogen, was für Sorgen um die nächste Zukunft seinen schmalen Busen bewegten, wer weiß es? „Ist das Pfarrhaus weit von hier?" fragte ich meinen betagten, langbärtigen Konfrater. „O nein", entgegnete er beruhigend, „gleich find wir da." Grad bogen wir um die Ecke des kleinen Bahnpostbüros in einen breiten Weg ein. „Da", sagte mein Begleiter, aus die links vor uns liegende Kirche mit schlankem Turm, die im Hintergrund anliegenden Gebäude und den baumreichen, bis an den Weg vorgelagerten Hof hinweisend, „das ist meine Residenz!" Am Pfarrhaus angelangt, warf ich einen flüchtigen Blick auf dasselbe und gewahrte, daß es oben flach war. „Aber was ist denn das?" wandte ich mich an meinen Herrn Konfrater, „das Haus hat ja kein Dach!" „Ach!" erwiderte er halb wehmütig, „das Haus hatte ein schweres Hohlziegeldach — Sie können die Ziegel noch sehen, sie liegen noch alle auf dem Hause —, aber es ist mir mit einem unheimlichen Krache über dem Kopfe zusammengefallen. Ich wollte es schon lange neu aufbauen, aber bis jetzt fehlte mir das nötige Geld. Sehen Sie, da bekommen Sie schon gleich eine sehr schöne und nützliche Arbeit, die aber bald in die Hand genommen und vor dem Monsun (die dreimonatige Regenzeit von Juli bis Oktober) unbedingt fertig sein muß. Hoffentlich wird dann Ihr neues Dach länger halten als das meinige." Die ganze folgende Nacht hindurch verfolgte mich das Wort des scheidenden Pfarrers^ „Da bekommen Sie gleich eine schöne Arbeit", und: „Es fehlt das nötige Geld." Daß die Aufrichtung eines neuen Daches eine nützliche, ja unbedingt notwendige Arbeit fei, war einleuchtend; daß sie aber eine „schöne" Arbeit sei, ohne das nötige Geld, das war nicht so leicht verständlich. Ich zerbrach mir den Kopf, was da zu machen sei. So war die erste Nacht im neuen Heim für mich keineswegs ruhig und wohltuend, sondern eine drückende Sorgennacht. Es begann in mir bereits dis Erkenntnis zu dämmern, daß ein solches Missions-Pfarrhaus wohl ein Sorgen-kasten. aber kein „Sanssouci", d. h. kein Hort „frei von Sorgen" ist. Während im Laufe des Morgens der alte Herr mit Packen beschäftigt war, ging ich im Schulhaus und in den andern kleinen Gebäulichkeiten, in Hof, Küche, Sakristei und Kirche, herum, um alles genau zu besichtigen. Wie vieles sah ich bei diesem Rundgange, das unbedingt aufgebessert, wieviel Fehlendes, das möglichst bald an- schwimmende Häuser in Niederländisch - Ostindien. Unser Bild stammt aus Djokjakarta, einer Mission des Vikariates Batavia auf Java. Die ganze tropische Schönheit der dortigen Inselwelt, vor allem der Ufer, bietet sich dem Beschauer. Freilich sind es zumeist nur Arme, die diese Art von Wohnung notgedrungen wählen. (Fides-Foto.) geschafft werden mußte. Da war die halb-hängende Treppe hinauf Zur Priesterwohnung höchst baufällig, da waren so viele Pfosten und Dielen der oberen Veranda schadhaft, da fehlte soviel notwendiges Lehrmaterial in den Schulräumen, da bedurfte die enge stallartige Küche sehr der Reinigung und Erneuerung, da sah es in der armen Sakristei trostlos aus, da standen auf dem Hauptaltar und den beiden Seitenaltären in Schmutz starrende hölzerne Kerzenständer und war das Altarleinen so flrcut, schmutzig und fadenscheinig, als ob es niemals heruntergenommen, gewaschen und ausgebessert worden wäre. Wie habe ich mich da bei diesem Anblick vor dem Allerheiligsten geschämt! Wie reich und sauber kamen mir da die Kirchlein und Kapellen in den eigentlichen Missionsstationen gegenüber dieser Pfarrkirche vor! Die Eindrücke, die ich so bei der ersten Besichtigung gewonnen, waren daher nichts weniger als ermutigend. Wie vieles harrte da der erneuernden Arbeit! Nach dem Mittagessen hielt ich mit meinem ehrwürdigen Mitbruder eine geschäftliche Sitzung, denn ich mußte noch über vieles Klarheit haben. Von dem, was ich am Morgen überall gesehen, erwähnte ich nichts, Fch fing also an: „Hochwürden, hier muß noch vieles geschehen, und da muß ich fragen: Wie steht es mit den Finanzen?" Halb ernst, halb jovial kam da die laute Antwort des Herrn Konfraters, der mich mit aufgerichtetem Kopfe von oben herab anschaute: „Was? Finanzen? Ja, hätte ich Finanzen! Das ist ja gerade der wunde Punkt hier! Wohl habe ich noch an die dreihundert Rupien Schulden, die Sie sobald wie möglich bezahlen müssen. Hier sind die Rechnungen." Damit legte er mir dieselben in einem Bündelchen vor. „Herrliche Aussichten das!" dachte ich, und mächtig pochte mir das Herz. — In kühler, sachlicher Weise fuhr der alte Herr fort: „Stiftungen sind keine da, keine einzige. Ein Gehalt für den Pfarrer hier gibt es nicht. Für den persönlichen Unterhalt, für die nötigen Auslagen für Kirche und Gottesdienst und für die Besoldung der Diener erhalten Sie vom Bischof monatlich eine Unterstützung von 35 Rupien (eine Rupie damals — 1.40 Mark), und die Stipendien für heilige Messen dürfen Sie für denselben Zweck verwenden. Dazu kommen noch die kleinen Sonntags-Kollekten. von denen Sie aber einen Teil an die Schar von Armen und Bettlern, die sich nach dem Gottesdienst im Hofe aufstellen, verteilen müssen. Feste Stolgebüh-ren für Taufen, Heiraten und Beerdigungen gibt es nicht, aber hie und da geben die Leute ein freiwilliges Almosen dafür, welches Sie benützen dürfen. An Sonn-unb Festtagen müssen Sie dreimal predigen: Fn der Frühmesse eine kurze Predigt in Hindustani, im Hochamt und am Abend je eine gute Predigt in Englisch. — Was den Schulbetrieb angeht, so bestreiten Sie die Auslagen für etwaige Anschaffungen und für die Besoldung der Lehrkräfte aus der jährlichen Unterstützung von der Regierung und aus den Schulgeldern der Schüler und Schülerinnen, die Sie durch Ausschreibung von Monatsrechnungen gegen Ende des Monats einzuziehen haben. Sie selber übernehmen die oberste Klasse (d. h. die sechste) und den Religionsunterricht in den drei obersten Klassen, im ganzen 26 Stunden wöchentlich. Dafür bekommen Sie Fhr Gehalt im Himmel." Das war allerdings eine sehr nüchterne und ernüchternde Darstellung der Lage. Da . wurde mir vieles von dem erklärlich, was ich am Morgen gesehen. Das war ein sehr fettes Pensum, aber ein sehr mageres, schier unzulängliches Budget. Das war ein ganz unhaltbarer Zustand für einen Pfarr-und Schulbetrieb in einer Zentralstation mit solchen Eisen- und Gaswerken und Reparaturwerkstätten, wo soviel verdient wurde. Dem ganzen Betrieb fehlte die sichere, zuverlässige finanzielle Grundlage. Hier mußte unbedingt eine gründliche „sanatio in radice“, d. h. eine Heilung von Grund aus, vorgenommen werden. Hier mußte die ganze verdienende Gemeinde und auch die bediente Eisenbahndirektion zur Mitarbeit herangezogen werden, wie dies auch später mit vollem Erfolg geschah. Vorläufig aber mußte ich mich in die obwaltenden Verhältnisse schicken und jeden Tag mehr fühlen, daß mein Posten kein „Sanssouci" war. (Fortsetzung folgt.)