Preis ganzjährlich 2'50 S, Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2-50 Pengii, Tschechoslowakei 12 vK, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2 50 Franken, übriges Ausland 2 Goldmark. Unser Heiliger Vater Pius XI. hat wie schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien und Druckerlaubnis des Generalobern. &eft 8/9 August/September 1937 40. Jahrgang Meine Rückkehr in die Apostolische Präfektur Lydenburg-Transvaal. Von P. Josef Weillec F.S.C. (Fortsetzung.) Bei ruhigem Wetter gelangte unser Dampfer am 8. Dezember früh morgens in die Meerenge von Gibraltar, wo wir in einer Blicht in mäßiger Entfernung vom Lande haltmachten. Einige Passagiere verließen das Schiff, andere kamen neu an Bord. Unser dortiger Aufenthalt erschien mir zu kurz, um ans Land zu fahren und eine lohnende Fußtour zu machen. Ich blieb daher auf dem Schiff und benutzte die Gelegenheit, um von diesem Standpunkt aus die neue Umwelt näher zu besichtigen und kennenzulernen. Wir befanden uns vor einem mächtigen, kahlen Felsberg, der bis zur Höhe von 400 Meter emporragt und von drei Seiten vom Meer umspült wird, der daher zu einer Seefeste wie geschaffen erscheint. Es ist die Festung von Gibraltar. Sie ist bekanntlich im Besitz der Engländer, die sich schon im Jahre 1704 da festgesetzt haben und seitdem die in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht so wichtige Meerenge, beherrschen. Von unserem Schiffe aus ist eine hohe, massive Mauer deutlich erkennbar, die den englischen Besitz, ein Gebiet von 7 Quadratkilometer, von Spanien scheidet, mit dem es nur auf der Nordseite verbunden ist. Gibraltar heißt auch die Stadt, die auf der Ostseite des Felsberges liegt. Sie zählt 17.000 Einwohner nebst einer ständigen Besatzung von 3200 Mann und bildet den Hauptstützpunkt der englischen Flotte im Mittelmeer. Diesem Umstand verdankt offenbar die Stadt ihre Existenz und ihren gegenwärtigen Bestand sowie ihren gut ausgebauten Hafen, der sich in nordöstlicher Richtung an die Stadt anschließt, und dessen Reede durch eine weit vorgelagerte Mole geschützt ist. Für uns auf dem Schiff ist weder die Stadt noch die sie überragende Festung sichtbar, da beide durch den Felsberg von uns getrennt find. Wohl aber genießen wir einen freien Blick auf die spanische Ortschaft Algeciras; sie liegt offen vor uns auf dem anderen Ufer der gleichnamigen Bucht und macht einen recht gefälligen Eindruck. Die weißgetünchten Häuser und wohlgepflegten Gärten, die verschiedenartigen Fruchtbäume, wie Orangen-, Feigen- und Olivenbäume, besonders aber die Pinien und schlanken Zypressen, die Zwischen den Häusern hervorlugen oder darüber emporragen, erfreuen wirklich unser Auge und machen die Ortschaft zu einem ländlichen Idyll. Sie ist zugleich die südlichste Eisenbahnstation an einer der Hauptveckehrslinien des Landes und steht daher in direktem Verkehr mit den größeren Städten und Handelszentren des Inlandes. Und was bei der gegenwärtigen Lage Spaniens noch besonders erfreulich ist, Algeciras steht, wie die anderen Ortschaften der Südküste, allen kommunistischen Umtrieben durchaus fern, sie bekannte sich schon zu Beginn der politischen Wirren zur nationalen Partei, weshalb sie auch vor den Greueln des Bürgerkrieges und vor ernsten Unruhen bewahrt blieb. Viele Ordensleute, die bei Ausbruch desselben dem Terrorismus der roten kommunistischen Regierung weichen und sich ins Ausland flüchten mußten, sind wieder an die Stätten ihrer früheren Wirksamkeit Zurückgekehrt, um nach wie vor zum Besten ihrer hilfsbedürftigen Landsleute tätig zu sein. Diese gewiß tröstlichen Einzelheiten berichtete mir eine spanische Ordensfrau, die selbst eine Zeitlang in Gibraltar geweilt und gegenwärtig in einem Eingeborenenspital unserer Mission als Krankenpflegerin tätig ist. Möge der unheilvolle Bürgerkrieg, der dem Lande schon unermeßlichen Schaden gebracht, dem schon so manche Tausende kostbarer Menschenleben zum Opfer gefallen sind, endlich ein Ende nehmen, mögen dem schwergeprüften Lande recht bald geordnete Verhältnisse, und — was dadurch wesentlich bedingt ist — ein dauernder Friede und blühender Wohlstand beschieden sein. In dieser Hoffnung sagte ich der Süd-küste Spaniens Lebewohl, als unser Dampfer die Bucht von Algeeiras verließ und die Fahrt durch die Meerenge in westlicher Richtung fortsetzte. Die Tageszeit war schon weit vorgerückt, die Sonne goß ihr volles Licht auf die ruhig daliegende Meerenge und ihre beiderseitige Küste. Und nun sehen wir auch klar und deutlich die afrikanische Küste, die wir bei unserer Einfahrt in die Bucht nur in ihren nebelhaften Umrissen erkannt hatten. Wir kommen ihr immer näher. Es ist die nördliche Küste von Marokko, die nicht bloß in der Geschichte der Neuzeit und des Mittelalters, sondern schon in der des Altertums ihre Rolle gespielt hat. Wurde sie ja schon in vorchristlicher Zeit von den Phöniziern besiedelt, dann nacheinander von den Römern, den Mauren und Portugiesen beherrscht, bis sie im Jahre 1580 unter die Herrschaft Spaniens kam, der sie noch heute unterworfen ist. Vor uns liegt auf einer Landzunge die Hafenstadt Ceuta, Gibraltar gerade gegenüber und wie dieses stark befestigt, mehr landeinwärts Te-tuan, die Haupisladt des spanischen Ma-rokko, beides Städte, die ein spezielles Interesse erwecken. Denn neben den einheimischen Bewohnern, den Mauren und Berbern, bilden auch die Europäer einen starken Prozentsatz der Bevölkerung, und so kömmt es, daß die Städte wie alle andern an der afrikanischen Küste einen europäischen und zugleich einen maurischen oder afrikanischen Charakter haben. Da sieht man in der Tat stattliche öffentliche und private Bauten, seine Hotels, große Warenhäuser und reichhaltige Kaufläden, wie auch hübsche Gärten und Parkanlagen und alle modernen Verkehrs- oder Transportmittel,' aber daneben zeigt sich auch die afrikanische Eigenart, die in dem Baustil der Häuser, noch mehr im geschäftlichen Verkehr, in seltsamen Trachten, überhaupt in einem bunten Straßenleben zur Geltung kommt. Und diese Mannigfaltigkeit, dieser bunte Wechsel, ist das, was diesen Städten des Mittelmeeces einen besonderen Reiz verleiht, weshalb sie auch alljährlich von vielen Touristen besucht werden. Leider ist es mir nicht vergönnt, das spanische Marokko auch nur zu betreten und aus eigener Anschauung kennenzulernen. Wir fahren an dieser Küste eilends vorbei, eine Zeitlang gewahren wir nur kahle, unwirtliche Felssnberge und hinter denselben in nebelhafter Ferne das sie alle überragende mächtige Atlasgebicge, das die alten Griechen und Römer als die „Säulen des Herkules" gekannt, bewundert und besungen haben. Nachdem wir zuletzt noch die Stadt Tanger, den Endpunkt der Meerenge, passiert haben, gelangen wir ganz unvermerkt in den Atlantischen Ozean, wo wir tagelang nichts als den Himmel und die in jeder Richtung unermeßliche Wasserfläche erblicken. Alle landschaftlichen Schönheiten existieren jetzt nur mehr in unserer Vorstellung und Erinnerung, herrliche Parkanlagen, prächtige Bauten und sonstige Kunstwerke kommen auf hoher See nicht in Betracht. Und doch hat auch das Meer seinen eigenen Reiz, es besitzt einen Zauber, den das Festland nirgendwo zu bieten vermag. Wer staunt nicht, wenn er sieht, wie die Sonne, die Königin des Tages, am frühen Morgen als feurige Kugel am fernen Horizont aus der uferlosen Wasserfläche auftaucht und ihren stets frischen, ungetrübten Farbenglanz auf sie ausgießt, wie sie dann langsam aufwärts schreitet, überall Licht und Wärme spendet und neues Leben weckt, bis sie kurz vor ihrem Untergang nochmals ihre ganze Farbenpracht entfaltet und auf die tiefblauen Fluten ausschüttet und hat das blendende Tagesgestirn seine Laufbahn vollendet, so erscheinen am nächtlichen Himmel der Mond und zahllose flimmernde Sterne, um auch ihrerseits mit ihrem milden Licht die hin und her schwankende Wasserfläche zu beleuchten. Ebensowenig wie das Festland ist das Meer eine tote unbelebte Maste; es ist vielmehr — wer weiß es nicht — mit den verschiedenartigsten und seltsamsten Lebewesen angefüllt, mit solchen, die jene des Fest- landes an Umfang weit übertreffen, mit Fischen, die durch ihren Farbenglanz oder dadurch unser Staunen erregen, daß sie geheimnisvolle elektrische Kräfte besitzen und fortwährend betätigen, sogar mit solchen, die in der Lust eine Zeitlang einherfliegen und dann in ihr nasses Element zurückkehren. Wer könnte all die Wunder des Meeres beschreiben oder auch nur aufzählen, Wunder, von denen wir nur eine sehr mangelhafte Kenntnis haben und wohl auch immer haben werden. Und doch erweist sich auch auf dem Meere der Mensch als das edelste und allen körperlichen Wesen überlegene Geschöpf, als König und die Krone der ganzen sichtbaren Schöpfung. Er hat ja auch das Meer erobert und sich dienstbar gemacht. Mittels des Kompasses findet er, mag er auch noch so weit vom Festland entfernt sein, den Weg zu den entlegensten Ländern; er hat Schiffe zu bauen verstanden, die man schwimmende Paläste nennen kann, weil sie auf das eleganteste eingerichtet und mit allen Dingen, die den Bedürfnissen der LMd • i M Unser Dampfer „Duilo" in der Meerenge von Gibraltar. Blick auf die spanische Ortschaft Algeciras. (Kongreg.-Archiv.) Menschen dienen, aufs reichlichste ausgestattet sind, und die er, der Mensch, mit solchem Geschick und solcher Leichtigkeit zu lenken versteht, daß sie den stärksten Stürmen trotzen und mitten durch hochgehende Wogen sich ans der Bahn fortbewegen, die sie dem Ziele der Fahrt entgegenführt und dieses glücklich erreichen läßt. Während ich diesen Gedanken nachgehe, hat unser Dampfer einen süd-westlichen Kurs genommen: wir passieren nacheinander Madeira und die Kanarischen Inseln und befinden uns bald darauf in der heißen Zone. Die ungewohnte Hitze macht, daß jedem der Schweiß von der Stirne rinnt und aus allen Poren des Leibes hervortritt. Von diesem Schwitzbad bleibt niemand auf einer solchen Reise verschont, zum Glück! Denn es ist sicher der Gesundheit eher zuträglich als nachteilig. Die Hitze wird übrigens wesentlich gemildert und leicht erträglich gemacht durch die mehr oder minder frische Prise, die uns bei der schnellen Fahrt wenigstens auf dem Verdeck und in den oberen Räumen des Schisses, falls diese nicht geschlossen sind, unaufhörlich entgegenweht. Dazu kommt, daß in allen Kabinen ein Ventilator zur Erneuerung und Abkühlung der Luft angebracht ist, daß es überdies eine beträchtliche Anzahl von Kabinen gibt, die mit einer Badewanne und einer Brause versehen sind und die jedem zur freien Verfügung stehen, der sich einer Abkühlung und körperlichen Auffrischung bedürftig fühlt. So gelangen wir also ganz wohlbehalten und in bester Stimmung nach Dakar, dem Hafen und der Hauptstadt der französischen Kolonie im Senegal. Es war am dritten Tag nach unserer Abfahrt von Gibraltar, am 8. Dezember, dem Feste der Unbefleckten Empfängnis Mariä, das wir in aller Stille begingen. Viele Passagiere, meist Franzosen, waren nun an ihrem Reiseziel angelangt und stiegen ans Land. Auch ich benützte mit vielen anderen Passagieren die Gelegenheit, um auf einer Barke die nahe Küste zu erreichen und Land und Leute kennenzulernen. Dakar ist eine Stadt mit über 30.000 Einwohnern, der Sitz des Generalgouverneurs der verschiedenen französischen Kolonien in Westafrika, und hat demgemäß auch eine militärische Besatzung. Mit einem Herrn aus Würzburg durchquerte ich zunächst das europäische Stadtviertel, das dem Hafen am nächsten liegt. Landschaftliche Schönheiten, wie eine Wiese, einen Park oder ein Gebüsch, findet man weder in der Stadt noch in deren Umgebung. Denn der Boden ist hart und sandig und macht einen landwirtschaftlichen Betrieb unmöglich, zumal in der trockenen Jahreszeit der Regen ganz ausbleibt. Gleichwohl gibt es einige hübsche Gärten und vereinzelte Bäume an der Hauptstraße der Stadt, die in einem besonders zubereiteten Boden ein immerhin kümmerliches Dasein fristen und natürlich auch eigens bewässert werden. Einen wohltuenden Eindruck machen auch manche stattliche öffentliche Bauten, reich ausgestattete Kaufläden und die vielen mit einer hübschen Veranda versehenen Wohnhäuser. Auch ist der städtische Autoverkehr für diese Gegend ein ausfallend lebhafter, was auf einen regen Handel schließen läßt. Das landwirtschaftliche Hauptprodukt dieser französischen Kolonie sind neben Baumwolle und Palmkernen die der Ölbereitung dienenden Erdnüsse, die in den landeinwärts liegenden Gegenden in großem Umfang angebaut werden und daher unter den Ausfuhrartikeln die erste Stelle einnehmen. Wie mein Begleiter, so hatte auch ich den Wunsch, noch schnell das Eingeborenenviertel zu besuchen. Dort waren wir bald angelangt. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß uns da nur Elend und Armut entgegentrat. Denn was wir sahen, waren elende Lehm- oder gar einfache Strohhütten, die gegen die Unbilden der Witterung nur den notdürftigsten Schutz bieten und ein behagliches Familienleben unmöglich machen. Bei diesen so primitiven Wohnungsverhältnissen ist das Alltagsleben dieser verlassenen Menschenklasse notwendigerweise mit Beschwerden und Unpäßlichkeiten aller Art angefüllt; ja sagen wir es frei heraus, eine solche Dürftigkeit, ein solch drückender Mangel steht zu einem menschenwürdigen, vom Schöpfer gewollten Dasein in einem schreienden Gegensatz. Wir besuchten darauf den Eingeborenenmarkt, da er in den Reisehandbüchern als eine Sehenswürdigkeit hingestellt wird. Unsere Neupriester, geweiht am Feste der Apastelfürsten im Dom zu Brixen: (uott links nach rechts) Oben: P. Michael Wagner, Ritznmnsdorf; P. Alois Hirner, Bett-ringen ; P. Ludwig Schiffeneder, ErMng; p. Edmund Schümm, Altkrautheim. Unten: Pater Karl Mönch, Neuburg; P. Max Hummel, München; P. Rektor des Missionshauses Brixen; Pater Pius Zeifang, 6(1= wangen; P. Franz Koch, Neuburg. Das ist er in der Tat, aber eine solche, die nur Mitleid und Bedauern erregt. Denn an Stelle von Zelten, Buden oder Kaufständen, wie man sie auf einem Markt in Deutschland zu sehen gewohnt ist, sahen wir auch da die primitivsten Vorrichtungen, ja viele ärmlich gekleidete Weiber kauerten auf dem nackten Sandboden, wo sie ihre Waren, bestehend aus Feldfrüchten, selbstverfertigten Hausgeräten oder sonstigen geringwertigen Gebrauchsgegenständen zum Ankauf darboten. Wir gingen weiter und kamen auf einen breiten Platz, vermutlich einen Schulhof, wo viele teils schwarze, teils dunkel- oder hellbraune Schüler im Exerzieren und in der Gymnastik unterwiesen wurden. Es waren zwei französische Korporale, die sich dieser Aufgabe unterzogen und die darin augenscheinlich schöne Erfolge erzielten. Ein schönes Schauspiel bot sich uns dar, als diese jungen Neger ganz stramm einhermarschierten und in den verschiedenartigsten Übungen eine Beweglichkeit und Gewandtheit an den Tag legten, deren sich auch ein ausgebildeter Soldat nicht zu schämen brauchte. Solche Übungen sind ihnen zweifellos sehr nützlich und bilden, wie mir scheint, einen wichtigen Faktor ihrer Erziehung: denn so werden sie an Disziplin und Ordnung gewöhnt und erhalten zu gleicher Zeit eine körperliche Ertüchtigung, die ihnen für ihr ganzes Leben von Vorteil ist. Das bestätigten mir auch die beiden wackeren Korporale, mit denen ich, als die Übungen vorbei waren, ein vertrauliches Gespräch anknüpfen konnte. Sie hatten nur Worte des Lobes für die Negersoldaten, die den Hauptbestandteil der dortigen Garnison ausmachen. Das feien stramme Soldaten und besonders befriedigend seien ihre Leistungen in der Musik und im Trommel-schlag. Mit innerer Genugtuung konstatierte ich auch, daß diese jungen, Neger, wenigstens zum großen Teil, geläufig sran-zösisch sprachen und daß sie lebhaft und munter waren. Auf unserem Rückweg zum Hafen kamen wir an einer katholischen Kirche vorbei, die einfach, aber ziemlich geräumig und mit Statuen, Bildern und Blumen würdig geschmückt war, dicht daneben war ein Gebäude, worin gerade eine Abendschule für erwachsene weiße Jünglinge abgehalten wurde. Wir meldeten uns an der Pforte, und nun machten wir die Bekanntschaft mit zwei Missionären, die dort die Seelsorge ausüben. Es sind „Väter vom Heiligen Geist", von denen der eine ein Elsässer, der andere ein Rheinländer war. Letzterer hatte im Missionshaus in Knechtsteden bei Köln feine Studien gemacht und dort vor wenigen Jahren die heilige Priesterweihe empfangen. Beide vernahmen mit Interesse, was ich ihnen von diesem Missionshaus, das ich kurz vor meiner Abreise aus Deutschland besucht hatte, berichten konnte. In dieser Unterhaltung erfuhr ich auch einiges über den Stand der dortigen Seelsorge. Die Beteiligung der Weißen am Gottesdienste ist eine befriedigende, da die große Mehrzahl Katholiken sind. Für die eingeborene Jugend besteht u. a. ein Waisenhaus, das von französischen Ordensfrauen geleitet wird. Die Eingeborenen sind vorwiegend Bekenner des Islam, weshalb das Bekehrungswerk wie in allen anderen mohammedanischen Ländern mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. Es kommt selten vor, daß ein erwachsener Mohammedaner zum Christentum übertritt, die meisten Bekehrungen werden durch das Waisenhaus erzielt, weil die dortige Jugend vor dem verderblichen Einfluß des Islam möglichst bewahrt ist und zugleich in den Wahrheiten des christlichen Glaubens gründlich unterrichtet wird. Da die Zeit zur Eile drängte, nahmen wir von den guten Missionären Abschied und befanden uns bald darauf wieder an Bord unseres Dampfers, der auf der Reede vor Anker lag und sich schon zur Weiterfahrt anschickte, zur Fahrt nach dem südlichsten Hafen der afrikanischen Küste, nach Kapstadt, wo wir, so hoffen wir, nach weiteren zehn Tagen glücklich landen werden. (Fortsetzung folgt.) Gebetsmeinung für öen Monat August: z/i9a|$ öurch öen Glanz 6er hl. Liturgie öie Heiüen zum Glauben heimgeführt werüen/ Gebetsmeinung für üen Monat September: ^Daß überall in öen Missionen öie Teilnahme an öen hl. Exerzitien zunehme/ Südafrikanische Städtebilder. Von Br. August C a g o l, F. 8. C. K a p st adt. In wundervoller Umrahmung von See und Berg und Dal breitet sich die „Stadt am Kap" aus auf dem ansteigenden Gelände zwischen der Tafelbucht und den drei Felsenhäuptern des Tafelberges, des Löwenkopfes und der Teuselsspitze. Südafrika ist ein noch junges Land. Kapstadt entbehrt des Reizes mittelalterlicher Bauten, wie sie so manche unserer heimischen Städte aufweisen. Trotzdem hat Kapstadt eine Geschichte und ist stolz auf seine „Altertümer". Ist es doch die älteste Siedlung des Landes und wird die „Mutterstadl" Südafrikas genannt. Seine Gründung geht in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück und hängt zusammen mit der großen Idee der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien. Lange bevor Christoph Kolumbus den kühnen Plan gefaßt, das östlich gelegene Indien auf betn westlichen Seewege zu erreichen, dachte man im seetüchtigen Portugal daran, an das gleiche Ziel auf südlicher Fahrt — mit Umsegelung der Südspitze des afrikamschen Erdteils — zu gelangen. Die Seele dieser Idee war der gelehrte und fromme Prinz Heinrich, der Seefahrer genannt, der von 1394 bis 1460 lebte. Er hatte einen besonderen Grund. Ihm war es um Bekämpfung, Unschädlichmachung, Ausschaltung des fanatischen Halbmonds zu tun, der im Mittelmeer und in den südlich und östlich angrenzenden Landstrichen die Macht an sich gerissen. Als Großmeister des zur Bekämpfung des Islam gestifteten Christusordens rüstete er aus dessen Mitteln Jahr für Jahr zwei oder drei Schiffe aus, wahre Kreuzzügler zur See, deren Ausgabe einstweilen in der fortschreitenden Erforschung der langgestreckten Westküste Afrikas bestehen mußte. 1481 bestieg Johann II. den Thron Portugals, ein würdiger Erbe der hochherzigen Überlieferungen Heinrichs des Seefahrers. Am 1. August 1487 lief die denkwürdige Flotte aus dem Tejo aus, der es bestimmt sein sollte, zum ersten Male das Vorgebirge der Guten Hoffnung zu umschiffen. Sie war unter dem Befehle Bartholomäus Diaz' und bestand aus zwei Schiffen von je 50 Tonnen Gehalt. Das Geschwader erreichte eine Bucht, die Diaz „Angra Pequeüa", die Kleine Bucht, nannte, ,y / I Kapstadt Robbe« UND DIE Kaphalbinsel 1 4*’"?/