als Extra Beilage zur Laibacher Zeitung. ^U 3« Donnerstag am 25- Jänner. KG49, Gin Bild des crcianiskreichfn Jahres Wie „Times" stellt iu ihrer Neujahrsnummer fol-gende Betrachtungen an ! Es ist nicht ohne Interesse, zn erfahren, wie das älteste fteie Volk Europa's die Wirren und Freiheitsbestrebungen des Continentes- auffaßt. Der berechnende Engländer reiht die Ereignisse in ihrer nackten Wahrheit aneinander ui'd überläpt es dem denkende» und unbefangenen Leser die Moral aus ihnen zu ziehen. Der Anfang des Jahres glich dem Morgen eines Erdbebens. Man überließ sich der Überzeugung des Friedens, wahrend wirtliche Anzeichen eines Sturmes nahe, ten. Die Bewegung war eine allgemeine, die Staaten waren aber mir ihren Angelegenheiten zll sehr beschäf-tigt, lim das verstohlene Herannccheu allgemeiner Un-ordming zu bemerken. Die magyarische Aristocratic verlangte eine gettenute Constitution und der ungarische Landtag war eben eröffnet worden. Der König vou Preußen gewährte und berief ein neues Parlament, geigte sich demselben bald geneigt, bald ungünstig, vertagte es endlich, ohne seine eigene Popularität oder Achtung vermehrt zu habe». Der Papst öffnete die Gefängnisse, versuchte durchgreifende administrative Reformen, modificii te den geistlichen Charakter der Negierung, berief Volksvertretei m den Senat und gab der Hauptstadt eine Municipal-verfassmig. Der Konig von Sardinien hatte ebenfalls den Städte» Municipalvcrfassungen gegeben, auf sein? Anregung verbreitete sich e!i> Handels- und Z^ll^ercii' durch Icaüen, und das Iah:' ivurde mit ciner »eue,> Coustitlilion begrüßt Eicilien >var am Jahresanfang l'„ vollen, Aufstande zur Erluugung der Constitution vom Jahre l812. Zu Ende des ersten Monats erzwäng Neapel selbst eine Constitution. Zu gleicher Zeit erhielt der König von Baieru emeu argen Stoß von seinen Unterthanen. Die Straßen Mailands färbten sich am 3. Jänner mit Blut. In der Schweiz triumphirten im November die democratischen Cautone über die Unabhängigkeit der übrigen. I„ Frankreich verbreiteten sich im Jahre '847 socialistische Clubbs und Publicationen in außerordent. licher Ausdehnung. Seine Finanzen wurden unverbesserlich. Bedeutungsvolle Scandale und Catastrophe,' fan-dei, Statt. Bresson's Selbstmord, der schreckliche Wahnsinn Mor tiers, die Pr a sl i n'sche Tragodi/ die Angelegenheiten Teste's lagen schwer anf den Gemüthern aller Denkenden. Ein arabischer Häuptling lag in dei, Gefängnissen Frankreichs. 3 o u l t'hatte sich zurückgezogen ; Madame Adelaide starb. Der allgemeine und begründete Wunsch „ach Wahlreformen,lies, ttol) den Vorstellungen Join vi lie's, auf Widerstand bei Louis Philipp. P^is und die Provinzen über, boten einander in der Agitation. In Frankreich, wie i>> England und anderswo hinten Eisenbahnen und M,ß. ernten Zahlungsunfähigkeit und Mangel an Beschäftigung herbeigeführt. Myriaden nagten am Hungertu-che. Die Svarcassen wurdeu geleert. Iu England bemächtigte sich der öffeullichen Meinung der sonderbare Schrecken einer französischen Invasion, Alles dies; ins Gedächtniß rufend, kann man vom Continente im Allgemeinen sageu, mml>l,Äin ii»l'l lill.! t'ilit. Anzeichen »varen zur Genüge da. Die Donner.-wölke enclud sich eudlich in Paris, in der letzten Woche des Februars. In eiuigeu Stunden wurde die Dyna- stie von 1000jäl)>iger Dauer beseitigt und ein halbes Dutzend Redner und Schriftsteller wurden die BeHerr-' scher Frankreichs T h'u c y d i d e s sagt, das; Revolutionen Erfolge kleiner Anlässe sind, nicht aber geringer Ursachen wegen einlrecen. Die Insurrection in Mailand war ei» Anfiuhr wegen Ciga-ren, die französische Revolution ein Streit über ein Diner. Die U'sachen und Folgen waren etwas ernster. Das Feuer ergriff rasch die aufgehäufte» Brennstoffe In !4 Tagen war Berlin in Waffeu, Der König brachte es dahin, daß er >ich und das Volk demüthigte, aber letzteres gewann ihm den Sieg ab. Eine Democratie setzte sich breit mit einer Bürge,wehr, welche svater das Zeughaus nehmen uud Plündern ließ. Eine Woche darauf war Metter-nich. der Typus des Systems, auf der Flucht. De> Kai,er von Österreich verließ zweimal seine Hauptstadt, deren Zeughaus Bellte des Pöbels geworden. Vierzehn Tage nach der französischen Revolution entschied Rom dao Zweifelhafte seiner Stellung und erklärte sich revolutionär. Die deutschen Staaten wmden von der Revolution durchlogen. Sicilie» benutzte die Gelegenheit und verbannte die Bourbons von seinem Bodeu. Messina wu'de bombardirt, die Jusurrectiou in Neapel mit schrecklichem Blutvergießen unterdrückt. Gleich blutiger Triumph der Qrdnuug in Madiid. Diese bei» deu Städte hatten die Gelegenheit versäumt. Mailand war schneller, aber vergebens. Es levolcirte eineu Monat nach dem von Pans gegebenen Signale und hielt durch vier Monate mir Hilfe Carl Alberts, des italienischen Prätendenten, Nadctzky von sich ab. Der Eifrig des blutigen Feldzugs war die trinmphi-rende Nnckkchr Kieses Veteranen in seine Mailänder Quartiere und die Schmach Carl Alberts. Indessen wüthete ein Racen-, Principien- nnd Eroberungskrieg in Schleswig. Holstein zwischen Deutschen und Daneu. In dieser Zeit wurde in Frankfurt an der deutschen Einheit gearbeitet. Da war ein Parlament, eiue Constitution, eiu Verweser, eine Regierung __alles illusorisch! Das erste Kapitel in der Geschichte der Reform schrieb Pins IX. Seine Flucht ist der Gegenstand des letzten. Nach all' den Thorheiten und Unglücksfällen bleibt noch das Schlimmste zu sagen übrig. Die Revolution hat sich überall durch Ver-brechen besteckt; Wieu, Prag, Pesth, Frankfurt und Rom bieten eiue Reihe von schändlichen Ermordungen dar. Paris, voran im Tanze, zuerst commumstisch und rothrepublicanisch, organisirte die Arbeit iu erfolglosen Ateliers, errichtete ein Arbeiter-Parlamrnt, während es andern Ländern mit Propaganda, Sympathien »nd Waffen drohte. Es erntete bald die Frucht dieser socialen Spielereien und politischen Willfährigkeit, Kaum war die constituirende Versammlung zusammengetreten, >)Is sie auch schon, wie einst die Deputirtcukammer, angegriffen wurde. Die Gefahr wurde im Mai abgehalten, aber im nächsten Monate hatte die neue Regierung um ihre Eristenz zu kämpfe» und entriß Paris mit Schwierigkeit aus der Gewalt jener, die diese alls den Händen Louis Philipp's gespielt. Dann wurde alles conservativ. Eiu geschrecktes Parlament, ein ener, gischer Chef und ein Hundert Bataillone der Linie gaben ein erbauliches Schauspiel jene» Städten, welche i" der glücklichen Lage waren, Vortheil daraus zu ziehen. Damals trat eine europäische Reaction ei>>. Ra-detzky hatte die Oberhand. Iellaöiö und Wiudisch-grätz führten gegen die Mörder La tour's die mchtdeut- schen Truppen ') des Reiches und setzten die Humaniät in ihre Rechte mit deu Waffen der „Barbaren" wieder ein. Der König von Preußen schlug eine andere Richtung ein, dießmal die rechte und nahm die Regierung in seine Hand. Die neuen repräsentativen Körper veifielen in Mißcredit. Die Constituante,, von Wien und Berlin wurden aus den Hauptstädten verlegt (Iiijm«l, «al.emsche Truppen bewirkte» die Eimialimc Micns, Was de.» Ausdruck «Varl'aren" anbelangt. s° braucht wohl .lichter-wabnt zu werden, da« der c»<,lische Autor dn-sen ei>„r gewissen Partei geläufigen Ausdruck zur Bezeichnung unselcr braven croattschen Regimenter wahlle, um die Ironie ersichtlicher zu machen. 2) Viehe Versuch ciuer Geschichte Kr^iins u»d der nb'iaen s"l" lichen Slaven -Österreichs, von Anton Linhart- Laibach. ,788. I. Bd. pax. .5l - .52. 3) 58^ — 52ü »ach Erbauung Noms. O Provinz gewordene Illyrien mochte sich als solche kaum so weit gegen Norden ausgedehnt haben, als das heutige Königreich gleichen Namens. Doch die deS Joches ungewohnten Illyrier empörten sich in Dalmatien schon nach zwölf Jahren gegen ihre Unterdrücker. Dieser Schild-erhebung für Freiheit und Unabhängigkeit folgten unzählige andere in den verschiedenen Gegenden Illy-riens und Pannomens bis zum l tt. Jahre ::ach Christi Geburt, wo es dem schlauen und unerbittlichen Tiberius nach unsäglichen Kraftanstrengungen und vergos. fenen Strömen Römerblutes, wie sie nur die puui-schen Kriege aufzuweisen haben, endlich gelang, das stolze Selbstbewußtseyn der Illyrier und Pannonier zu brechen, um sie hernach durch römische Sitttulosigkeit zu depraviren und zu willenlosen Werkzeugen Roms umzuwandeln. So fielen diese freien, heldenmüchigen Völker unter das Joch der Römer, nachdem sie über 200 Jahre hartnäckig ihre Freiheit vertheidigt und aus deren Lebensweise, in wiefern sie uns die Geschichte überliefert, und so viele» ganz slavisch klingenden Namen ihrer Heerführer, Sl^dte, Berge und Flüsse, jeder Unparteiliche schließen muß, daß sie slavischen Ursprun-' ges waren. Welche Wichtigkeit die sieggewohnten Römer dcr endlichen Bezwingung der Illyrier und Pannonier beilegten, leuchtet aus der Alles in dieser Art verdunkelnden Prachc des im 12. Jahre nach Chr. G. zu Rom gefeierten Triumphzuges des Tiberius hervor. Noch jetzt sprechen einige Denkmäler von diesem wichtigen Triumphe, zwei iu Trümmer liegende Siegesbogeu in Carmitu!»,, der vom Tib er iu s dem Iu p i t e r zu Vin-dobona gesetzte Gelöbnißstci» und eine prächtige Gemme die »Apotheose des Augustus." Die kolossalen Überreste des carnntische» Triumphbogens weiden ,icch jetzt bei Petronell bewundere. Es ist eiu mächtiger Denkstein des letzte» Freiheitskampfes und des moralischen Unter, ganges dieser kräftigen, durch ihre Heldenkampfe merk' würdigen Völker. Die Croaten und Serben, welche die Illyrier »ach Vertreibung der Avaren, unter deren Joch nach dem Zerfalle des abendländischen Römerreiches Illyrien kam, im 7. Jahrhunderte auf dem Schauplätze der Geschichte ablöste,,, — traten als ein eben so freies und keine Willküi Herrschaft über sich duldendes Volk auf De-oströmische Kaiser Hera kli us, der sie in die vo» Ava-reu unterjochte» illprische» Länder einlud, unterhandelte, wie die Geschichte uns berichtet, unnnttelbar mit dem Volke. Es geschieht keine Erwähnung weder eines Königs, noch eines Fürsten, dem das Volk Unterthan ge-ivesen wäre, wie e5 scho» denials und wohl auch noch vordem bei germanische» Stämme» der Fall war. Die fünf Brüder und zwei Schwestern, die die Croaten auf ihrem Zuge über die Karpaten leiteten, führten keine Titel, aus denen man schließen könnte, daß sie Herrfcher waren. Pro cop! us, der Byzantiner, sagt von de» Do-nauslaoen: »Die Slaven kannten nie die Al lein Herrschaft und hatten schon von Alters her eine volksthü mliche Regi erung." Ferner bestand nach byzantinischen Schriftstellern bei den Donauslaven ein Gesetz, dem zu Fola,e kein Slave einen Sclaven aus seinen, Stamme haben durfte. Daraus fol^t offenbar, das; sie alle unter sich frei waren, was auch durch die Behauptung der Byzantiner, daß die Slaven Gewöhn, heite» hatten, wie die Hunnen^), wieder bestätigt wird, denn die Hunne» waren es eben, die sich in den ältesten Zeiten rühmce», daß alle unter sich gleich wären, daß sie weder Herren noch Unfreie kannten >). Nach der Aussage der Imperatoren Mauritius und Constan-tin us Porvhirogen neta eristirte bei ihnen ebenfalls ein Gesetz, welcheS auch den gefangenen Fremd lingen einen Termin festsehte, «ach welchen sie unbedingte Freiheit erhielten'. Fürwahr ein Gesetz, das nur H) Siehe 8m'i' li^lol-, L^2»n. 5>, p. 6H. 5) Gicht II»^ II., l'- «"> 8l.-ilterN, p. 5., 28, H. VV. II,->l« 5,, r 64. ein Volk dicriren konnte, welches die Freiheit über AI-les liebte. Die alten Croaten hatten keine erblichen Würden, denn die Vorsteher (^upan) ihrer ll Kreise, deren jeder sich selbst autonom durch Familienhäuprer (8wre-ilna, Starosteu) verwaltete, wurden stets durch das Volk gewählt, welches sich bei wichtigen Augelegenhei' cen versammelte und die Fragen nach Acclamation oder Stimmenmehrheit entschied. Nur in Kriegszeiten wlnde mit diclatorischer Gewalt ein Groß-Xupan oder Ban ernannt, der nach beendigtem Kriege seine Würde niederlegen mußte. Mit welcher Aufopferima, übrigens die Croaten für ihre Freiheit focht»,», beweis't der heftige siebenjährige Heldeukanipf mil den Franke» linter L u d, wig dem Frommen"), den sie gegen drei an Zahl und Kriegskunst weit überlegenen Frankenheere siegreich bestanden, und der nach Ermordung des fränkischen Feldherrn Cotzilis und gänzlicher Aufreibung seiner mörderischen Schaaren der grausamen Frankenherrschaft in Croatien für immer ein Ende machte. Die alten Polen duldeten ebenfalls keine Vormundschaft über sich, sondern verwalteten ihre Staatsangelegenheiten selber in ihren Volksversammlungen. Sie betrachteteu sich wechselseitig als Brüder und vollkommen gleichberechtiget?). Von den Rechen sagt ei»e alte Chronik^): „Vsalc «6 »v^ cu!avaren die nämlichen Regierungen bei den Polen, Böh. ! men und Russen"), und sogar uoch in den christli-chen Zeiten lebten die Lausitzer '^) u„d Pommern iu ekler De m o cr at ie. Iu demselben Weike'^) lies'c man ferner Folgendes: »Gerade diejenigen, deren Religion die Leibeigenschaft und die Sclaverei verdammt, d. h. die Christen, haben die Slaven gelehrt, daß es recht-lich sey, mit menschlicher Freiheit zu markten und freie Menschen mit ihre» Nachkommen und Gatten in die Knechtschaft zu verkaufen. Die Ottonen verschenkten slavische Familien wie Heerdeu Viehes ") und sie führten zuerst die Leideigenschaft in den an der Elbe liegenden slavischen Ländern und in ganz Pommern ein. Von da ging die Sclaverei nach Böhmen, Polen und Rußland über. Zu deu hiuterkarpatischen Slaven kam sie r»o» Griechenland und Italien. (Wohl auch durch die Franken!) Wie ferne aber bekanntlich die Sclaverei dem Gefühle und der Denkart der Slaven lag, davon können wir. uns dadurch überzeugen, daß e>n langer 6) 823 - 83a. ! 7) Siehe LoZucliwuIii bei 8o!»il,Lrgk. II. p. 20, Qe^ülü« ci»! nullum le^nm «eu ^l-inui^em inl«l- 8« llunczuan, siuli'e« et 8) Das Gericht der I^idu^a, p»^- 5»i. g) Siehe Schlurr ll. z, 33 Ewers. p. 2,. 8. 9. >2. >o) I, p, 73, § 37. i!) Siehe Haj.k ll. p. 39. Schlötzcr II, r>- 3H. ,2) Viche Dittmar ^. >!»>> , ,3) I. i37< §, 7"- ,H) In lülnig ^'oclox llij,lli»!»til.'l,!> IX. Vanl>> i', 8,^, 855, fi,,- 0c» sich Urkunden vom Jahre 937, vermöge welche,, Otto I. einem von ihm gegründete» Kloster e,',ie Schenkn,,g mil fiuif. zig slavische!, Familien und deren sämmUichc» Vermöge» machte. Das Nämliche ist dort zum zweite» und drillen Male wiederholt. Zwischeuraum verstoß, ehe die Ausbrücke nsvoi.j» (Scla^ verei) N6voljnilc (Sclave) iu den slavische» Sprache» bekannt wurden '^). Durch die Einführung eines mißverstandenen Christenthums schlich sich auch der Despotismus jener durch römische und byzantinische Aftercultur bereits geknechteten Volker, von welchen die Slaven die neue Lehre schöpften, in die freien slavischen Länder ein, als wenn er ein nothwendiger Bestandtheil derselben wäre; doch wie sehr sich dagegen der markige Freiheitsgeist der Slaven sträubte, beweis't der Umstand, daß das durch das Christenthum in die meisten slavischen Länder eingeführte König- u»d Fürstentyum sich bis zur neuesten Zeit fast nirgends zur absoluten Macht ausbilden konn.< te'") So war es in Polen, Böhmen, Mähren, Croatien, Serbien und selbst in Rußland, welches letztere erst durch die Tlirtaren, u»d nachdem ihre Macht all-malig verschwunden, durch ihre unter der tartarischen Herrschaft ganz entslavisirten Großfürsten geknechtet werden koimte. Die Knute ist keine slavische Einführung, das ist der Kautschuk der Tartaren und die Peitsche oder der Kuoten der Kurländer, die sich der Zügel dcr Regierung unter Rußlands öare» bis in die neueste Zeit durch Augendienerei und Intriguen zu bemächtigen wußten. So lange die Slaven vom fremden Einfluß un» berührt geblieben, kannten sie, mit etwaiger Ausnahme der Bulgaren, die slaoisirte Tartare» sind, „icht die entehrenden Strafen der Geißclmig und der Prügel, welche erst du,ch fremde Herrschaft eingeführt wurden '^). I» emigen slavisch,'!! Gegenden war die Liebe zur democratischen Negierungsform iu dein Volkscharakter so tief eingewurzelt, daß sie selbst das damalige, die Monarchie predigende Christenthum «icht auszume» zen vermochte. So erhielten sich mehrere Jahrhunderte hindurch slavische Republiken. Die vorzüglichsten damn' ter waren: G ro ß. Nov g orod und die freien kosaki-schen Gemeinden in Rußland, und in Dalmatien Ragusa (Dubrowuik), die erst Napoleon auflöste. Über Groß, Novgorod, das im erprobten Selbstbewußtseyn in sein Schild die stolzen Worte eingrub: »Klo psoli lio^3 i v6llkl»Ati I^ovn'M'ftlla's)?" und das selbst unter den warägischen Fürsten seine volle Volkssouveränität zu behaupten wußte, sagt Karam-siu, Rußlands großer Geschichtschreiber, Folgendes: „Mehr als sechs Jahrhunderte hatte Novgorod, bevor es fiel, vor dem übrige» Europa de» hohen Namen „Republik" nicht nur getragen, sonder» auch beurkundet dlllch seiue rein volksthilmliche Verfassimg. — Der Nationalrath der Volksversammlima. übte nicht allein die höchste gesetzgebende, sondern auch die vollziehende Gewalt. Nach freiein Wille» wählte »nd entsetzte sie ihre Poßadniks (Consul») u»d Tißiatschiks (Volkstri. bunen) Selbst Fürsten, denen sie zwar großes, doch ihrer eigenen Obergewalt untergeordnetes Ansehen verlieh, wählte und entsetzte sie. Sie vernahm Anklagen, richtete und strafte Hauptoerbrechen. Mit den Groß-fü'sten Moskwa's, sogar mit Ivan Vasilieoitsch selbst, dem ihr vom Schicksal einst bestimmten Archon-ten, schloß sie Verträge, bestätigte solche durch gegen« seitigen Eid und übte im Fall des Treubruches das Recht der Rache mit dem Schwerte. — So war es und gleich dem Volke Athens herrschte diese Volksver-sammlung als Repräsentantin der mit dem Ehrentitel »SeIbstbeherrscherin" sich schmückenden Republik." (Fortsetzung folgt.) >5) Siehe 4- VV, Ni«l. 5,., p- 276. .6) Siehe NI^.^ov,^!'» slavische Rechlägeschichle. l. §. . i") Siehe Mac"tol'sli'ö slavische Ncchtsgcschichtc ll. Th. Abth. III. Über tie Vorschriften des vtrafrechtcs. >8) 0l>>« Conti'» veuln et, mn^nnin ^'avoxoi'u«!!»«, ? — Wer vermag was gegen Gott u»d Gros, - Novgorod? Verleger: Ignaz Alois Kleinmayr. — Verantwortlicher Redacteur: Leopold Kordesch.