UDK 327(430:4-191.2) Deutschland und Mitteleuropa - geistige und politische Ursachen flir eine gestorte Beziehung HUBEKTUS KNABE, DEUTSCHLAND - SLOWENIEN POVZETEK NEMČIJA IN SREDNJA EVROPA - TEZE O NEKEM TEŽAVNEM RAZMERJU Medtem ko so države srednje in vzhodne Evrope, ki so po koncu komunizma postale neodvisne, z velikimi pričakovanji zrle na Nemčijo, je na nasprotni strani prevladovalo precejšnje nezanimanje in nepoznavanje. Vzrok za to leži v sukcesivnem "razpletanju" obeh kulturnih prostorov, ki se je od ustanovitve Nemčije odvijalo v večih korakih: oblikovanje novih nacionalnih držav kot rezultat prve svetovne vojne, izgon nemškega prebivalstva iz srednje in vzhodne Evrope kot posledica druge svetovne vojne ter postavitev železne zavese kot izraz konfrontacije med vzhodom in zahodom. Medtem ko so se tradicionalno intenzivni odnosi Nemčije z vzhodom in jugovzhodom v večji meri razbili, nov začetek odnosov - kot denimo s Francijo - pa je izostal, se je s povezavo Zvezne republike Nemčije z zahodom težišče nemških interesov in orientacij čedalje bolj prestavljalo proti zahodu. Ker povezava NDR z vzhodom ni povzročila niti približno primerljivih prepletanj v vzhodni in srednji evropi, je tudi združena Nemčija še vedno pretežno usmerjena na zahod. Prispevek, ki v tezam podobni formi skicira vzroke in posledice nemškega obrata na zahod, pride do sklepa, da bo podobno kot srednjeevropske države v procesu notranje transformacije - tudi Nemčija potrebovala veliko časa, da se bo politično, gospodarsko in predvsem duhovno ponovno odprla proti vzhodu. 1. Einleitung: GroBe Erwartungen aus Mitteleuropa an Deutschland - wirtschaftlich, politisch, Iculturell (fiir die meisten Lander wichtigster Handelspartner) Deutsche AuBenpolitik bemtiht sich, diesen Erwartungen gerecht zu werden -doch von einem lebendigen Austausch von Gedanken und Menschen weit entfernt (im Gegensatz zum Verhaltnis zu Frankreich, England oder USA). - evtl. Hinweis deutsch-poln. Jugendwerk In Deutschland: Desinteresse, Unkenntnis, Sprachlosigkeit - im Gegensatz zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg 2. Ursachen: Ursachen liegen auf verschhidenen Ebenen: Geschichte, Religion, politische Kultur etc. 2.1. Geschichte: Wahrend die Westgrenze des deutschen Sprach- und Staatsgebietes friih fixiert wurde und auch relativ stabil blieb, war die Ostgrenze jahrhundertelang flieBend -Ursache fiir gewaltsame Expansion, aber auch fur kulturelle Befruchtung und geisti-gen Austausch mit den Volkern Ost- und Mitteleuropas. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete diese ambivalente Beziehung: Hitlers gewaltsamer Expansionsversuch nach Osten fiihrte schlieBlich zur Aussiedlung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa und zur Errichtung des Eisernen Vorhangs. 2.1.1 Zweiter Weltkrieg: Schwere Hypothek lastete auf der Beziehung zwischen Deutschland und Mitteleuropa: - Unvorstellbare Verbrechen an vielen ost- und mitteleuropaischen Volkern - Ungeklarte Ostgrenze (kein Friedensvertrag) - GroBe Zahl von Vertriebenen Kein einfaches Ankniipfen an Vorkriegszeit moglich. 2.1.2. Eiserner Vorhang: Bildung des sowjetischen Blocks und sozialistischer Regime in Ost- und Mitteleuropa unterbrach die traditionellen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen. Kein Neubeginn - wie gegeniiber Frankreich - moglich. Teilung Europas fiihrte - trotz der Existenz eines "ostlichen" deutschen Staates -zu einer wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Umorientierung Deutschlands nach Westen: eine neue, westorientierte pohtische Kultur entstand und verdrangte das alte Selbstverstandnis Deutschlands als Mitte und Mittler Europas. A. BRD: 2.2. Pohtische Kultur: 2.2.1. Politik: Mit der Griindung der Bundesrepublik Deutschland verlagerten sich Deutschland und deutsche Politik nicht nur geographisch nach Westen (neue Hauptstadt: Bonn), sondern es entstand eine ganz und gar vorrangige Bindung an den Westen, wie es sie vorher nur in der Zeit Napoleons und des Rheinbundes gegeben hat: NATO-Mitglied-schaft, EG-Mitghedschaft, WEU-Mitghedschaft -Orientierung der deutschen AuBen-politik auf USA, Frankreich, England, Benelux. 2.2.2 Wirtschaft: Abgeschnitten von ihren traditionellen Handelspaitnern in Ost- und Mitteleuropa, orientierte sich die deutsche Okonomie nunmehr vorrangig nach Westen: Intensive Handelsbeziehungen, gut funktionierende internationale Zusammenarbeit, gemeinsame Investitionen fiihrten zu einem immer engeren Zusammenwachsen mit den westlichen Okonomien. Diese West-Einbindung hatte einschneidende kulturelle Folgen: 2.2.3 Kultur: Offnung Deutschlands gegeniiber westlicher Kultur (Sprache, Fremdsprachen, Lebensweise, wissenschafthcher und lcultureller Austausch): "Amerikanisierung" (in gcwisser Weise war darum die DDR zuletzt der "deutschere" Staat). Verlust des Be-zuges zu kulturellen Traditionen und Entwicklungen in Ost- und Mitteleuropa. Weitgehende Unkenntnis oder Gleichgiiltigkcit gegeniiber den dortigen Diskussionen, selbst wenn sie Deutschland betrafen (Mitteleuropa) 2.2.4 Reisen: Urlaub in Italien, Frankreich, England, Spanien; deutsch-franzosischer Jugen-daustausch; Schiilersprachreisen nach England und USA etc. Wer aber fuhr nach Prag, Warschau oder gar nach Bukarest? B. DDR: Paradoxerweise fand die West-Einbindung der Bundesrepublik keine auch nur annahemd vergleichbare Entsprechung in Form einer Ost-Einbindung der DDR. Trotz der Integration Ostdeutschlands in den RGW und den Warschauer Pakt, trotz intensiver wirtschafthcher Beziehungen nach Ost- und Mitteleuropa, trotz Spracherwerb, kultureller und wissenschafthcher Zusammenarbeit sowie Reisen ist die geistige und kulturelle Verankerung Ostdeutschlands in Ost-und Mitteleuropa merk-wiirdig schwach gebheben. Es war eine verordnete Bindung, keine von unten gewa-chsene, die das enge Korsett der zwischenstaatlichen Beziehungen im sowjetischen Machtbereich nicht sprengen durfte (Bestes Beispiel: Beziehungen zu den sowjetischen Soldaten). Selbst die kritischen Intellektuellen, Dissidenten und Oppositionsgruppen, die beim Sturz der sozialistischen Diktaturen in Ost- und Mitteleuropa eine SchlUsserolle spielten, fanden in der DDR auf merkwiirdige Weise zu ganzlich anderen Orientierun-gen als in den Nachbarstaaten und waren in den mitteleuropaischen intellektuellen Diskurs kaum eingebunden: Sie hielten an der soziahstischen Perspektive fest, als diese in Ost- und Mitteleuropa langst zu Grabe getragen worden war - oder sie gingen in die Bundesrepublik und verloren sich dort im westlich orientierten Diskurs. Die Opposition in dem ostdeutschen Halbstaat unterschied sich aber auch noch in anderer Hinsicht: Sie wurde gepragt und geschiitzt durch den Protestantismus, der im iibrigen sowjetischen Machtbereich nur eine marginale und in der Regel staatsloyale Rolle spiclte. Die gcistigcn Beziehungen aus dieser Zeit haben deshalb fur die Gcstaltung der Zukunft nur einen begrenzten Wert. 3. Perspektiven: Neue Situation: Vereinigung; Deutschlands neue Rolle in Europa als wichtigster wirtschafthcher und politischer Partner Ost- und Mittelcuropas. Gleichwohl fraglich, ob es gelingt, die Beziehungen zwischen Deutschland und Ost- und Mitteleuropa in kurzer Zeit auf eine neue Grundlagc zu stellen. - Deutschland ist zur Zeit vor allem mit sich selbst beschaftigt (Verei-nigungslasten) - wirtschafthche Kooperation stoBt an administrative und flnanzielle Grenzen - Ostdeutsche Wirtschaft hat ihre Markte in Osteuropa groBtenteils verloren - Unsicher, ob man EU und NATO wirklich nach Osten offnen will (Kon-sequenz: Verlangsamung des Integrationsprozesses) - Migrationsstrome belasten die Beziehungen - Tourismus beschriinkt sich auf wenige Reiseziele Anderungcn brauchen Zeit - so wie der pohtische und okonomische ProzeB der Neustrukturierung in Ost- und Mitteleuropa insgesamt.