Karmen Teržan CDV 803.01/012: 801.56-2 GRIMMELSHAUSEN Maribor 0 DAS WORDEN-PASSIV ALS SYNTAKTISCHE VERST ARKUNG IM DEUTSCHEN Zur Problematik des althochdeutschen und mittelhochdeutschen Passivs* Auf der friihesten Entwicklungsstufe, welche durch schriftliche Oberlieferung belegt werden kann, d.h. in der althochdeutschen Zeit (Ahd.), wurde das Passiv mit Hilfsverben "sein" (ahd. uuesan/wesan) oder "werden", (ahd. uuerdhan/werdan) und dem Partizip II gebildet. Als altere Variante gilt die wesan-Periphrase; das Hilfsverbum werdan aber hat sich etwas spater, jedoch noch in der vorliterarischen Periode, aus dem urspriinglichen Aspektsystem losgel6st, um sich im System der GENERA VERBI zu integrieren, und hat schon im Althochdeutschen als eines der Hilfsverben zur Bildung des Passivs Fuss gefasst. (Nach z. B. OEberg 1907, Valen­tin 1986). Im Althochdeutschen (8. bis 12. Jh.) bildeten beide Konstruktionstypen des Passivs ein Paradigma, wobei anzunehmen ist, dass die semantische Dissimilation noch nicht eingetreten war. Es zeigte sich lediglich ein aspektueller Unterschied und gewisse tempo rale Abgrenzungen. Das Passiv wies auf dieser Entwicklungsstufe noch einen stark ausgepragten nominalen Charakter auf, d.h. Tempus und Aspekt wurden allein durch die Form des Hilfsverbums bestimmt, das Partizip II hingegen war lediglich eine nominale Er­ganzung. Beispiel: wirdit arslagan bedeutet w6rtlich er wird ein Erschlagener, nicht aber wird-sein. (So Behaghel, 1924-1932.) Auch die Entwicklung der Tempora hat­ noch nicht die Stufe erreicht, welche einen unmittelbaren Vergleich mit der heuti­gen Konzeption zuliesse. Einige Experten fiir das althochdeutsche Passiv befiirworten neuerdings die Theorie, nach welcher der Hauptunterschied zwischen den Hilfsverben werdan und wesan daring lag, dass ersteres einen Vorgang als solchen ausdriickte und dadurch die Fahigkeit besass, in Verbindung mit dem Partizip II einen Vorgang auszu­driicken, welcher in einem gewissen Augenblick in einen durch das Partizip II ausge­JWrge}jf".wahreild letzteres keinen zum Zustand fiihrenden Vor­'~g~b~nheiteines Zustandes ausdriickte. (So z. B. Rupp, 1956.) ; • . · .. ri})htase wies jedoch noch keinen Gebrauch in der Bedeutung von ·d.Kdieser temporale Bezug sogar im Aktiv noch fehlte und sich mittelhochdeutschen Zeit behauptete. Theorie zufolge sollten werdan und wesan noch keine richtigen Im gegenseitigen Verhaltnis zeigten sie sich nicht als zwei desselben Verbs, namlich werdan mit ingressiver und punk­hingegen wesan zur Bezeichnung eines durativen Vorganges. Fiir besassen sie wahrscheinlich noch zuviel an lexikalischer auch noch nicht grammatikalisiert, da sie an bestimmten Stel­Konjugationssystems in komplementarer Distribution, vor allem im Prateri­dagegen in Opposition zueinander standen. (So Valentin Gesagten is zu ersehen, dass das Verhaltnis zwischen den beiden Passivs im Althochdeutschen noch weitgehend ungeklart vor allem eingehendere Untersuchungen der Umstande, un­semantische Dissimilation und die Grammatikalisierung der beiden Mit Sicherheit konnen wir jedoch schon jetzt feststellen, dass mittelhochdeutschen Zeit eine wesentliche Veranderung im Konjugationssy­ verzeichnen ist. worden-Passivs Mittelhochdeutschen verzeichnen wir das Eintreten eines neuen Subsystems Passiv-Paradigma, welches bis heute weitgehend erhalten blieb. Es traten Perfektformen auf, und zwar in Analogie zu friiher entstande­Perfektformen. Analog mit der aktivischen Perfektform vom Typ nun auch die Passivkonstruktion vom Typ er ist gesch/agen Das Hilfsverb werden behauptete sich mittlerweile im Pra­parallel