MlltZen inÄ Vergnügen. — >^ 46^ >°»—-— Freptag'den 12. November 182^. Die H a g e l a b l e i t e r. (Beschluß)., (Ane nicht minder beachtungSwerthe Hypothese, über,^ die plötzliche Erkaltung der Wolken ist jene, die sich auf nachstehenden Versuch gründet; wenn die. Luft unter einer Glasglocke, worin sich ein Thermometer beftndet, mittelst der, Luftpumpe- verdünnt wird, so fällt die Flüssigkeit desselben um einige Grade. Die Verdümning der Luft verursacht also Kalte. Gay». Lußac behauptet, daß die Luft/ die doppelt verdichtet wurde, die Kalte des Gefrierpunctes erzeugt, wenn sie wieder in ihre natürlichen Gränzen zumcktritti Wenn sich zwey Wolken, von denen die eine positiv und die andere negativ elekriisirt ist, begegnen, so wird die Elektricität, das Gleichgewicht herzustellen streben, au» einer Wolke in die andere übergehen, diese verdün, nen, und in der oh-nedicß kalten Hagelregion eine nach Verhältniß der, außer Gleichgewicht gewesenen-Elektncitat, größere ober geringere-Kalte verursachen.. Selbst daK Auge unterscheidet verdünnte und zusammen« gedrückte Wolken, indem die ersteren cin weißliches ober aschenfarbigts, die andern hingegen ein dunkles schwarzes ?luösehen haben. Die Bildung des Hagels geschieht i>, den erkalteten Wolken , wie oben gesagt wurde. Na, h^r betrachtet scheint sich die Erkältung durch Ausdün« stung oder Verdünnung auf ein,,, gemeinschaftlichen Grundsatz der Naturlehre zu stützen, und die Verdünnung der Wolken eine gemeinschaftliche Wirkung der Ausdünstung und Elektricität zu sepn. Mag imn die (TrlMung auf eine oder die andere Art bewerkstelliget werden, so unterliegt es keinem.Zweifel, daß ohne Mitwirkung der Elektricität der Hagel nicht gebildet werden könne, denn wenn die Kalre allein Hagel erzeugen konnte, so müßte es im Winter nur Hagelwetter geben. Wird daher der Überfluß der Elektricität den Wolken entzog?,«,. so kann die Bildung des Hagels nicht vor sich gehen. Die Wahrheit dieses Satzes ha» ben die meisten Physiker anerkannt, und die Franklini» schen Blitzableiter als-Hagelableiter anempfohlen. Die Kostbarkeit derselben stand jedoch der Ausführung die« fes Vorschlages entgegen. Daß das Strohseil dieses, durch seine nicht allein leitende, sondern auch die Elektricität zertheilende Kraftin einem höhern Grad» leistet,' als die Blitzableiter, kann sich jeder, der eine Elektriürmaschin^besilzt oder Gelegenheit hat, auf einer solchen eroerimentiren zu können,' durch nachstehende, ohne Auslagen sehr leicht zu bewerkstelligende Versuche überzeugen» z. Wird eine geladene kleistische Flasche mit einem Metalle berührt, sowird, sie mit einem Funken und einem Geräusche entladen. Der Elektrometer zeigt je« tzoch noch immer einen Elektricitatsrest der Flasche an. Wird hingegen di« nähmliche Flasche.mit einem Tho» lard'schen Strohseil entladen, so geschieht es ohne Funken und ohne Gerausch, und der Elektrometer zeigt gar keinen Elekmcitätsrcst an. Das Stroh^il zieht als vorzüglich giner Leiter die Elektricität an, und zertheilt sie zu gleicher Zeit durch die vielen Spitzen, die an selben von allen Seiten hervorstehen, so daß ihr keine Zeit gelassin wird, sich anzuhäufen, il'.dem sie immerfort mit dn Luft» Elektricität ins Gleichgewicht gesetzt wird-. --- i62 — D 2. Eine geladene klei'tisch«'Flasche wird mit einem Metallleiter fast gänzlich einladen, wenn man mit der linken Hand,zugleich die Oberflache der Flasche berührt. Unterläßt man das, so muß sie zu wiederhobltenMa.h> , len mit dem Leiter berührt werben,, bis sie entladen wird. Wenn man hingegen an der Stelle des Metall. leiters ein an einem gläsernen Cylinder, befestigtes., also ifolirtes Strohseil nimmt, so löirddie Flasche mit einer Berührung der Elektricität ganzlich beraubt. 5. Nicht nur einzelne Leydner Flaschen, sondern auch ein« ganze Batterie kann mit dem Strohseil ohne Funken und ohne Geräusch entladen werden ; selbst wenn das Strohseil zerschnitte", und mit einem feinen Faden in zollnxiter Entfernung verbunden wird. H. Wirb an den Coiibuctor emer Elzktristr-ma' schlne ein Stohseil befestiget, und dieses durch eine Kette mit einerLeydner-Flasche in Verbindung gesetzt, und, das Nad gedreht, so gibt dab Strohseil, wenn es berührt wird, kein Zeichen der Elektricität; wird hingegen die Flasche berührt, so giht sie alle Zeichen der Elektricität von sich. 5. Die eletlrische Erschütterung PNbet nicht Statt, wenn di« kleistische Flasche mit einem Strohseil entla. den wird, weil die elektrische Materie mittelst der Spi^ tzen des Strohseiles s» zerstreut wird, daß sie nicht m solcher Quantität fortgeleitet wirb, um die Erschüt» terung-verursachen zu können. 6. Um sich zu überzeugen, wie das Strohfeil die elektrisch« Masse zertheilt, und mit der Luft, Elektricität ins Gleichgewicht bringt, wird das Cabmett, in dem der Versuch angestellt n»'rb, versinstert. Sobald da« Strohseil mit demHanptleiter der Elektrisir«M«schine in VerbinHung'ist, und das Rad derselben gedreht wird, sieht man bey den Spitzen des Stvehseils bie Elektricität in Gestalt lichter Flämtnchen>hgen den Feind der Felder bewaffnete Gegenden. Das Lembartisch- VenetiaAische Konigliich hat aie? auch, die meisten practischen är' führungen in dieser Hinsicht aufzuweisen. Zweygtsße Besitzungen wurden im verstoßenen Ish» re, die ein« mit beyläufig Hoo und die anbe« mit ^oo Hagelabltitern versehen, von denen beyde zu veischiin 3 Linien oufgestellt hatte, 50g sich am »y.Illny d.I- ein heftiges Ungewitter zu« sammen, und entlud sich mit vielem Hagel. Innerhalb der ersten Linie siel etwas Hagel, ohne daß man den Schaben mit jenem dtrübriH«» Felder, wo sich kein« Hagtlableiler befanden/ hätt« vergleichen können; in der zweyten und dritten Linie löste sich d,r Hagel in schneeäHnliche Flocken auf. Als die Gewitterwolken nah^r an Altedo kamen, wo die Hagelableiter waren, geriechen sie in eine heftige Bewegung, senkten sich tiefer, theilten sich, eS fiel häufiger Regen und das Gewitter verschwand in geringer Entfernung. Seit die» sem Ereignisse versehen die hartnäckigsten Gegner ihre Felder mit Hageladleitern. DieNähmenindenFamilienReuß undBünau. (Aus dem Wanderer). Merkwürdig ist in den Familien Bimau und Reuß die seit uralten Zeit«! beobachtete Gewohnheit/ sich nur gewisser Mannsnahmen zu gebrauchen. Die Bünau's führe/i schon seit mehreren hundert Jahren keine an-deren Nahmen, «ls Heinrich, Nudolph undGün» ther, und das fürstliche und gräfliche HauS Reusi bloß den Nahmen Heinrich. Dieses beruht auf alcen, späterhin mehrmahls «rneuerten Familienoertragen,. ük>cr d«r«nHenHu« Befolgung eine Art Austrcigalin stanH wacht. In der Familie Bünau findet man seit dem eilf. ten Jahrhundert keine anderen Mannsnahmen, und die dießfallsigen Familienvertrage sind 1^17, i65o zu Zeitz, und im Jahre »706 zu Alcenburg erneuell. Der wesentliche Inhalt derselben ist: Ie^es Fanuliengüed ist bey gewissen Strafen verbunden, ihve Familienangelegenheiten und Zwistigkeiten unter eilnmde'r vor d«m jeweilige!! H^testen der Familie und dessen Beysitzern anzubringen, und sich deren Aulspruch^u fügen; bey den bestimmten VersammllMgs'tagen der Familie/ ohne gegründete Ursachen, nicht wegzubleiben ; in Hci?athen auf Ebendüttigkeir zu sehen; die-von Lehen her-kom« menden Gelber wieder zu Lehen ^1 verwenden, ödtt dir vormahligen Milbelehnten oder die Vlüdec und Vettern wieder an das Interesse des gesammten Hauses z«'knüpfen; wenn ein Lehen verkauft winde , den Brä« dern oder Vette«, die Vorhand zu lassen; bey Tur» nieren zu Ehren d«s Geschlechtes einen oder-zwey mit Zehrilng und Kleidung dahin abzufertigen; dasWape« vollkommen zu führen; die Söhne nicht anders, als Heinrich, Günther ober Nudolph taufen,zu lassen; nicht über Zoo Gulden Bürge,zu werden; nach vollendetem ein und zwanzigsten Lebensjahre bey dem Oe-schlechtsoltesten sich zu melden, und sein Siegel der Geschlech'tZ'ordnuna. beyzüdrücken, alte Mburts. und Todesfälle derFamilie, alle erlangten Vorzüge, Nech-te, Privilegien, Gerechtsame, Lehen, und das Haul insgesammt oder einzelne Glieder betreffende ttckun« be„ an die Negierer des H^!jses einzusenden, damit sie in den vier Büchern, die auf den vier Schlössern! Pilnitz, Wefenstein, Paaren und Treben verwahrt werden, eingetragen würden. Wer sich diesem wider» setzt, und sich der auf das betreffende Vergehen bestimmten Strafe nicht-unce^ichl, gegen den soll ohne Einlagev (OdslIxium, B^strickung in einer offenen Herberge) vorgegangen , >und endlich gar sein Siegel von der Geschlechtsordnung abgeschnitten und ihm zu« rückgesendet werden. Heinrich III. Neuß von Plauen hatte mit seiner Gemahlinn Bertha, einer gebornen Herzoginn von Kärnthen, vier Söhne gezeugt, denen er auf ihr in« standiges Bitten in der Tauf«, zum Andenken an ihren^ Vetter, Kaiser Heinrich VI., den Nahmen Heinrich geben ließ. Auf ihr Einleiten brachte er in der Familie ^ auch einen Vertrag zu Stande, nach weichemalle künftighin von ihm abstammenden Söhne den Nahmen Heinrich führen sollten, was denn auch noch bis heutigen Tages unverbrüchlich gehalten wird. Damit nun keine Verwirrung emstehe, verglichen sich im Jahre 1664 sämmtliche Familienglieder auf einer Conferenz zu Gera dahin, 5aß sie bey beyden noch dazumahl blühenden Linien-, der älteren und jüngeren, und zwar ,'ede für sich, bey der einmahl angefangenen Zahl, als der Erste,, der Sweyte u. s. w. statt des Beynahmens fortfahren, und so mit ihren Söhnen, obgleich mchr llach der !^lHnung, wi« sie von einem Vater geboren^ - M - sondern, mlt Ubergehung dieser Ordnung, in i'ener derjenigen Zeit, Geburt und Anzahl, wie der damah» ligen und folgenden Gebrüder und Vetter, Söhne auf die Welt kämen,, gezahlt werden sollten. Käme z.B. in cer Linie Plauen ein Sohn>zur Welr, so sollie er^ Heinrich I.,,—und würde zunächst darauf ein Sohn in der Linie Greuz geboren,, so sollte dieser Heinrich-. II. heißen u.s. f., bis die Zahl XXX. erreicht würde, worauf wieder mit I. anzufangen wäre, wie denn dieß. Letztere bereitS wiedechohlt geschehen ist ^ ___ Jacob R e i n e g g s,, ode r die Schicksale eines Barbiergesellen. (Beschluß)., Im Wirthshause, einer kleinen Stadt Böhmens,, wohin ihn Durst und Hunger^ trieben, fand er ein« ziemlich große Gesellschaft,. Man trank Bier. Auf ein Mahl horte er ein«, weibliche, Stimme, die über die , Krankheit ihres Mannes klagte. „Nun sieh einmahl," ! schrie sie, „wie werden wir bestehen? Wir haben, in > der Stadt- angekündigt,, morgen den Prinz, Schnudi,' und die Prinzessinn Evakathel zu geben. ?lber mein ! Mann, der Prinz Schnudi,. ist krank, kann nicht,! spielen; was soll. ich anfangend" Der junge, Ehlich^ spitzte, hie Ohren, und sah bald, daß es, wanderndes Comödianten wären. Ein Blitz, wie vom Himmel,-' fuhr durch seine Seele. Sofort stand er auf/ prasen-tirte sich der Frau Evakathel, und sagte ihr nach vielen Complimenten: „Wenn Sie erlauben, so werde ich den Prinz Bchnudi spielen;,ich bin^vacirender, Comö, diant." —DaH war eine Freude! Madame nahm ihn beym Wort-, und so ward er plötzlich aus einem rele-girten Leipziger Studenren ein wandernder Comödiant^, spielte den,Printen Schnudi, verliebte sich indiePrins zessinn Evakathel, und zog mit ihrer Liebe und mit der> ehrenfesten Gesellschaft in Böhmen und Mohren herun^ Endlich ward- er dieser Comödianien-Bande und der- schönen Eo^kathel überdiüßig, ging über Mahren, wo er einige Mahle zu Iglau, Bnum und Znaim de< Mirte, nach Wien, und wurde hier im Jahre 1770 unter: dem Nahmen Remeggs, den er sich gab, als Schauspieler, angenommen. Aber auch diese Situation war beutenheit empfangen. Er wurde bald darauf von dem' Petersburger Hof wieder „ach Georgien geschickt, um die Unterwerfung,des Fürsten Heraklius unter den rus« fischen Scepter zu bewirken; di«se kam durch ihn auch wirklich im Jahre 1765 zu Stande. Zuletzt bekleidete er zu Petersburg den Charakter eines Collegienrakhs, Directors des Institutes für junge Wundarzte, und eines beständigen»Secrecars des medizinischen Colle--giums. ?lber im Jahre »7g3 machte ein plötzlicher Tod seinen Avantüren und. seinen Reisen ein Ende. Den k sp r u ch; Des Himmels König spricht nicht mehr,' Wie vormahls, unter Sturm und Blitzen; Doch Ehlffern seincs. höchsten Willens Sind, was in sich begreift die Schöpfung,, Waö er verhüllt,,erzählen seine Werke. Gedruckt bey Hgnaz AlpYs Edlen von Kleinmayr».