Kamstag oen 3. Werember 1831. Wtlavimir unv O^ossllra. Eingekerkert schmachtete in schweren Vanden Lang schon Wladimir der edle Königssohn, Und wohl keine Hoffnung war für ihn vorhanden, Daß er je bestiege seines Vaters Thron. Doch der fromme Jüngling trägt mit seltner Würde Seine Leiden und sein hartes Mißgeschick, Cc:n Gebet erleichtert ihm der Fesseln Nürde, Und erhellt den ncißumsiorten Thränenblick. Alev wie am Tage seinen stillen Kummer Seelenruhe lindcrt, Himmelsrrost umschließt, Eo wird auch sein stets ersehnter sanfter Schlummer Durch die liedlichsten Erscheinungen versüßt. O «on nie gefühlter hoher Lust durchdrungen Schläft er eines Abends ein — und rosig lacht Schon der Morgen, als sein Augenlied umschlungen ' Hält noch fest des schönsten Traumes Zaudermacht. Einen (5l'gel sieht er — eine Schrift entsprießet, D.le weissagend zeilenweise sich erhebt, — Doch die gold'ne Schrift zum duft'gen Glanz zerfließet, Und der Himmlische darin verklärt entschwebt. Noch im Schlafe sinnt er ltach dem Wundettraume. — Horch! da rasselt, knarrt es plötzlich ungestüm,— Lr erwacht, sieht um sich in des Kerkers Naume, Und ei» Engel wieder lacht entgegen ihm. Es ist der, der ih„ in, Schlummer crst entzücket. Alle Zuge, schön und mild, verrathen ihn - Es ist Cossara, die den vor sich erblicket, Der als Genius ihr'erst im Traum' erschien- Wie von Riesenkraft gefesselt, wie gegossen, Steh'n sie gegenüber sich bewegungslos, Vor Cut,ücken stumm, die Augen halb geschlossen, Cchamroth, wie Aurora im Apollos Echooß. Doch allmälig lüftet sich der holde Schleyer, Der im Smuentaumel sie umschattet hielt, '. Ihr Gefühl entfesselt sich, sie athmen freier, Thräncnthau aus ihren schönen Augen quillt. Selbst die stummen Seufzer werden nun zur Sprach,, Ein Gespräch beginnet, das nie cnden will. Denn gar weitumfassende und mannigfache Bilder lockt hervor ihr Phantasien Epicl. < Auch im Scheiden lallen sie, selbst schon geschieden Lispeln sie ein Lebewohl sich gegensc.itig zu, Suchen einsam wandelnd Nuhe stets und Frieden, Doch wohl beide fiieht der Friede, flieht die Ruh'. O nicht länger können sie die Pein ertragen, Wladimir sucht Lind'rung im Gebet zu Gott, Cossara will ihn für sich zu retten wagen, Ihrem Vater klagen des Geliebten Nolh. Und sse eilet hin an seincZLTHrones Stufen, Fallt auf ihre, m,d umfasset seine Knie: »Vater! Vater!« fängt sie an bewegt zu rufen — »Hor',z erhör' mein heißes^Flehen:" stammelt sie; —" 595 "----- »Habe« — fährt sie fort — »hab' Mitleid und Erbarmen »Doch mit mir und Wladimir, dem Königssohn! »Ihn laß' mich, sonst keinen als Gemahl umarmen, „Ihn mit mir besteigen seines Vaters Thron!" Und gerührt willfahret Samuel der Bitte Seiner Tochter, die sein liebstes Kleinod war, Freudig priesen seine Gnade, Huld und Güte Cossara und Wladimir als Ehepaar! I.N.Asch mann. A ü ln e v l u n g. Samuel, der sich zum Kaiser vo>» Bulgarien aufgeworfen, soll im .I. 978 dem servisch »dalmatischen Fürsten Zcüta, Terbimia undZachülnnen entrissen Haben, nachdem er ihn in einer Schlacht getodtet^und dessen Sohn Wladimir nach Prcspa verwiesen hatte, den er dort sodann gefangen hiclt. Eossara, Samuels Tochter, die aus Frömmigkeit die Gefängnisse besuchte, fand in einen den Prinzen Wladimir. Sie verlangte ihn zu ihrem Gemahle, und bewirkte für selben, daß er über das eroberte dalmatische Gebiet und das Land um Dm'azzo Vasallcnfürst ward. Vie neue Vriseis. (Erzählung aus Smyrna im New Momhly Magazine,) Schon oft hat man zwischen den alten Hellenen und den neuen Griechen Vergleichungen angestellt, und ungeachtet des tiefen Abgrundes von Jahrhunderten und Ereignissen, der sich zwischen ihnen aufgethan, in ihren guten wie in ihren dosen Eigenschaften sprechende Achnlichkeiten gefunden, so, daß es wohl keinen stärkeren Veiveis für die Unverwüstlichkeit der moralischen Natur des Menschen geden kann als dieses Volk, das in die tiefste Entartung versunken, mißhandelt, zertreten und als politisch todt in der Geschichte ringe? tragen, mit Einemmale wieder aufersteht, und durch seine Thaten wie durch seine innere Zwietracht, durch seine geistige und körperliche Schönheit wie durch seine wilden Leidenschaften, durch seinen Wankelmuth wie durch seine Arglist die schönsten und schlimmsten Zeiten des alten Griechenlands zu wiederholen scheint. Die folgende Geschichte, die sich zu Smvrna im Monat Mai dieses Jahres zutrug, ruft ledhaft das Andenken an Begebenheiten ins Gedächtniß, die uor fünf und zwanzig hundert Jahren sich ereigneten, und der Kampf um eine griechische Dienerinn mag wohl an den Zorn des Peliden um die'entführte Briseis erinnern. Lady S * *, eine Katholikinn aus Konstantinopel und an einen englischen Kaufmann von Smyrna vermählt, hatte ein griechisches Mädchen, eine Einge-dorne von der Insel Cerigo, in Dienst genommen. Das Mädchen war jung rmd schön, und besaß all die natürliche Anmuth, die dem griechischen Volke selbst bis zu den untersten Ständen hinab eigen ist; überdieß war sie voll Verstand, gehorsam und ehrerbietig, und hatte sich durch einen mehrmonatlichen Dienst die volle Neigung ihrer Gebieterinn zu erwerben gewußt, einer der liebenswürdigsten Frauen von der Welt. Geschäfte riefen ihren Gemahl nach Konstantmo-pel zurück, und er hatte bereits Anstalten getroffen, mit seiner Familie sich einzuschiffen, als eines Tages die schöne Cerigotinn, d^e bereits schon früher ihre Gebieterinn von den Verfolgungen ihrer Verwandten in Kenntniß gesetzt hatte, die ihr einen Mann aufdringen wollten, den sie nicht lieble, sich uor ihr auf die Knie warf, und mit Thränen und in der wildesten Aufregung sie beschwor, sie möchte sie mit nach Kon-stantinopel nehmen, und nicht hier zu einer Heirath zwingen lassen, die sie verabscheue. Als Lady S** Dieß verweigern zu wollen schien, gab sich die junge Griechinn der rasendsten Verzweiflung hin; sie zerschlug sich ihr schönes Gesicht, raufte sich die Haare aus und vermaß sich hoch und theuer, sie werde sich hinter de.m Schiffe, das ihre Herrschaft aus dem Hafen von Smprna führe, in die See stürzen; denn dieß sey der einzige Weg, auf dem sie dem verhaßten Zwange entgehen könne. Lady S * * that endlich, was jede gefühlvolle Frau an ihrer Stelle gethan haben würde, und versprach mit Einwilligung ihres Gemahles der schönen Katinko — so hieß das Mädchen — sie nach der Hauptstadt des türkischen Reiches mitzunehmen. Die Freude und Dankbarkeit der jungen Griechinn äußerte sich nun in eben so heftigem Ungestüm, als vorher ihr Gram; sie küßte ihrer Gebieterinn Hände und Füsse, und schwur, ihr bis zum letzten Hauche ihres Ledens mit Liebe und Gehorsam zugethan zu bleiben. Ein englisches oder deutsches Mädchen von etwas heißem Blute würde bei ähnlicher ^Gelegenheit nun > freilich wohl auch dieselben Worte gebraucht, und sich eben so gebärdet haben, allein sicherlich hinter der schönen Ccrigotinn in der stürmischen Heftigkeit, und wc»m ich so sagen darf, in der Anmuth der Leidenschaft wc'tt zurückgeblieben seyn. Während meines langen Aufenthaltes in der Levante hatte ich mehr als emmal Gc-legenheit, die leidenschaftliche Gluth in den Seelen der Griechinnen zu beobachten. Ich sah den Ungestüm ihres Schmcrzens, - die Naserei ihrer Verzweiflung und im schnellen Absprunge den Ueberczang zur Extase der Freude und Hoffnung; und in allen diesen Abstufungen der Gefühle ward ich in Erstaunen gesetzt üocr die Lebendigkeit, in dcr die griechische Scele auflodern kann, obgleich ich auch das, Volk des südlichen Italiens und Siciliens kennen gelernt hatte, dem Niemand Phlegma vorwerfen wird. Bei allen Aeußeruu? aen ihrer Leidenschaft war es vorzüglich die plastische, oder, um m'ch eines andern Wortes zu bedienen, die classische Schönheit in jeder Bewegung und Stellung , was mich bezauberte. Eine der gewöhnlichsten Bewegungen ihres Schmerzes war, die in einander geschlungenen Hände über dem Kopfe zu erheben und in dieser Stellung zu bleiben, gerade so, roie wir auf alten Vasreliefs und Vasen die Frauen bei Leichenbegängnissen und dergleichen abgebildet sehen. Ich sah in dem griechischen Quartier von Smyrna eine Gruppe Weiber über den Tod eines Kindes Klage erheben, mit Gebärden und Worten, die, obgleich diese Weider dem gemeinsten Volke angehörten, mich mächtig an Homer und die griechischen Trauerspieldichler erinnerten; und auf dem kleinen Eilande Milo wohnte ich einmal einem Leichenbegängnisse bei, das nicht nur von allen Ceremonien begleitet war, wie sie uns die Altertumskunde berichtet, sondern die wehklagenden Gestalten des Zuges bildeten wahrhaft Gruppen, die tin classischer Meißel geschaffen, und dann durch den promcthcischen Funken mit Leben und Bewegung beseelt zu haben schien. Nichts wird den Eindruck verlöschen, den insbesondere die gedungenen Klageweiber auf meine Seele machten, die der mit Blumen bekränzten Leiche voranschrittcn, indem sie auf ihre Vrü-sie schlugen und das Haar zerrauften, und den Namen des Verstorbenen riefen; über alle Beschreibung erhaben und rührend aber waren jene letztm Augenblicke, bevor die Leiche dem Schooße der mütterlichen Erde zurückgegeben wurde; da faßten die Verwandten noch einmal die theure Hülle des Entseelten, schlössen ssc in ihre Aline und weinten und schivclgtcn gleich An-dromache in dem Uebermaße des Schmerzes. — Aber selbst im leidenschaftslosen Zustande ist die Hallung und das Wort der griechischen Frauen voll Leben und Beredsamkeit, man kann auf sie anwenden, was Gibton und Petrarca sagte: »In ihrer Brust wird jedes Gefühl zur Leidenschaft,« und unbedingt darf man die folgende Stelle eines- Engländers unterschreiben, der mehr als je eine brittische Seele, die das Land der Mnrthen und Cypressen betrat, von classischem Geiste durchdrungen war'. »Der Ausdruck der Lebhaftig: l'cit verläßt nie die griechischen Mädchen. Das Feucr d?s Gcnlus und der Natur ersetzt bei ihnen die Erziehung. Die Spuren der Eloquenz in der Unterredung, durc.) welche die Alten so berühmt waren, finden sich noch am meisten bei den Weibern, und die zärtlichen Liebkosungen ihrer Worte, die stets auf ihren Lippen schweben, geben selbst- ihren trivialsten Unterhaltungen Leben und Interesse. «Meine Augen,« „mein Herz,« „meine Seele,« sind bei ihnen nichts weiter als die gewöhnlichen Ausdrücke eines warmen und gefühlvollen Herzens.« ^ Die schöne Cerigotinn verbarg ihr.Vorhaben, Sm,)r- na zu verladen, sorgfältig vor iyrer Ha,nilie, d.e auH " nichts davon erfuhr, bis einige Hausgenossen ausplauderten, Lady S. werde nach Konstantinopel gehen, und Katinko mit sich nehmen. Die Mutter des armen Mädchens rannte auf diese Nachricht in die Wohnung der Lady S. und verlangte unter Worten und Drohungen einer Furie ihr ungehorsames Kind. Die gutherzige Lady würde gern eingewilligt, und Katinko entlassen haben, wenn ihre Mutter das feierliche Versprechen gegeben hätte, ihre Tochter nicht mehr mit der Heirath zu verfolgen; allein die grimmige Alt: bestand darauf ihre Tochter zu haben, und vermaß sich hoch und theuer, sie müsse den ihr von der Familie zugedachten Mann heirathen. Dieß bestärkte natürlich Lady S. in ihrem Entschlüsse, das in Thränen auf' gelöste ,und verzweistungsvolle Mädchen? nicht zu verlassen; man gebot der Alten das Haus zu verlassen.. Sie ging, aber ehe sie die Wohnung verließ, wendete sie sich mit ihrem bleichen, hagern Gesichte gegen die Frau des Hauses und ihre Tochter, erhob ihre kral. lenartigen Hände und stieß, wie eine wahnsinnige Cas-sandra anzuschauen, die gräulichsten Flüche über sie aus, so daß die übrigen griechischen Diener des Han« ses mit Speichel sich die Brust benetzten, damit nichts von den schrecklichen Verwünschungen an ihnen haften bleibe. Von diesem Augenblicke an durfte ssatinko nicht mehr das Haus verlassen, wo sie sich wie in einem Asyle sicher halten konnte; deiin die Wohnungen der reichen Franken werden in der ganzen Levante von Türken und Jedermann mit einer gewissen heiligen Achtung betrachtet. Endlich kam der Tag der Abreise,', alles Neisegeräthe war bereits eingeschifft; Lady S. befand sich mit ihren Kindern bei einem Besuche in der Nachbarschaft; ihr Gemahl und drei französische Herren waren in dem ausgeräumten Hause in einem Gc> spräche begriffen, und Katinko und die übrige Dienerschaft harrten nur des Winkes, um an Bord des englischen Schiffes zu gehen, das ganz nahe in der Vay vor Anker lag. Plötzlich wurde die Unterredung durch ein langes schrillendes Geschrei unterbrochen, sie sahen Katinko an ihnen mit den Worten vorüberstürzen: „Mein Bruder! Meine Verwandten! Sie besetzen das Haus!« Dann flog sie die Stiege hinab, und schloß die Thüre, worauf sie unter Händeringcn und Thränen flehte, sie in Schutz zu nebmen. Die fränkischen Häuser in Smyrna sind fast alli auf dieselbe Weise gebaut; ein Doppelthor, das bei Tage stcs offen bleibt, führt von der Straße in einen Hof, längs welchem sich die Wohnung hinzieht, eine zweite Thüre, die bei T>'ge gleichfalls offen sieht- — denn so fremdartig gemischt auch die dortige Bevölkerung isi, so Hort man doch selten von Einbrüchen — führt zu einer Stiege, auf der man in einen Corridor gelangt, in welchem die Zimmer nebcn einander liegen, mit der Thüre auf den Gang heraus wie die Zellen in einem Kloster. Ein Blick durch das Gitten-werk des Corridors zeigte Herrn S. und feinen Freunden den Hof mit Cerigoten gefüllt, die alle wohl bewaffnet waren, und Einlaß oder die Auslieferung der Katinko verlangten. Ohne viel Redens zu machen, gingen die wüthenden Insulaner daran, die Hausthüre einzubrechen, aber da sich diese nach Aussen öffnete, und zufällig starker war, als es in Smyrna gewöhnlich ist, so kamen sie damit nicht so leicht zu Stande. Plötzlich aber tritt ein griechisches Mädchen, die Tochter von Lady S. Amme, die nichts von dem ganzen Vorgange wußte, mit einem Kinde, ihrer Schwester, auf dem Arme in den Hof. (/^gleich stürzt sich. auf sie einer der Cerigoten wie ein Tiger auf seine Beute, entreißt ihr das Kind, he'ot es mit der einen Hand in die Höhe, zuckt mit der andern einen breiten Dolch und "schwärt, das Kind augenblicklich zu durchbohren, wenn nicht geöffnet werde. Dieß war ein Anblick, den ein Mutterherz nicht zu ertragen vermochte, und die Mutter der beiden Kinder, die Dieß vom Hause aus ansah, stürzte nach der Thüre und off; nete sie. Gegen dreißig Männer mit wilden Gesichtern drängten sich herein, jeder bewaffnet mit einem Dolch oder Yataghan; die Arme nackt, die Köpfe unbedeckt von dem KcUpak oder Feß, ihr schwarzes Haar wie Mähnen schüttelnd vor Wuth, aufdem Munde Schaum stürzten sie in den Corridor, wo der Engländer und st!nc Freunde sich befanden. Kein Stuhl, kein Tisch war mehr im Hause, so völlig war es aufgeräumt, nicht einmal ein Stock war zur Hand, um sich zu vertheidigen, so erwarteten sie die eingedrungencn Griechen, eben nicht mit dem erfreulichsten Gefühle. Im nächsten Augenblicke befanden sie sich unter den Fäusten dieser verzweifelten Gesellen, die ihnen den Dolch auf die Brust setzten, und schworen, si.' auf der Sielle niederzustechen, wenn 'sie nicht Katinko herausgaben. Es war nicht Zeit, sich zu besinnen, oder zil wehren, die Zimmer standen offen, und Hcrr S hiesi sie gehen und das Mädchen suchen, drohte aber ihnen zugleich auch mit den Folgen, die für sie eine so unerhörte Verletzung des Hausfriedens haben würde. Ohne snne letzten Worte abzuwarten, ließen die Cerigoten die Franken los, und vertheilten sich durch das Haus, um das arme Mädchen zu suchen, das sich versteckt hatte, wobei sie ihre Waffen schwangen und die furchtbarsten Verwünschungen ausstießen. Während sie so nach ihrem Opfer umher schnaub tcn, eilten öle beiden Freunde des Herrn S. die Stiege hinab, in der Absicht, auf der Straffe Hülfe zu suchen; als sie dem Hofthore sich näherten, sahen sie eben so funkelnde und breite Dolche ihnen entgegen blitzen, als erst vor einem Augenblick auf ihre Brust gezückt waren, und ein Haufe Cerigoten, der den Eingang besetzt hielt, wies sie unter einem Strome von Drohungen und Fluchen zurück, woran das romaische Wörterbuch an sich schon reich genug ist, aber noch durch die »Kiopcks« — »Pezauinks« und »Karatas« ihrer guten Freunde der Türken Zuwachs erhielt, die den Griechen — wenn irgend worin — in obsconen Flüchen bei weitem überlegen sind. Inzwischen hatten die Cerigoten, die das ganze Haus durchstöberten, die verzweifelnde Katinko in einem Winkel gefunden, und ihr Wuth schnaubender Bruder wollte sie im ersten Augenblicke niederstechen, woran ihn aber seine Gefährten hinderten. Als die beiden Franzosen l'on ihrem unfreundlichen Empfang an der Hof«-thüre wieder heraufkamen, begegneten sie dem unglücklichen Mädchen, das von den Cerigoten hinweggeschleppt wurde. Der Anblick war herzzerreissend, die rohen Insulaner hatten ihre zarte Gestalt gepackt, als wäre sie gefühlloses Eisen, und höhnten sie mit allen gehässigen Vorwürfen, die ihnen ihre beredte Wuth eingab; das Mädchen ftlbst wand sich unter ihren ehernen Griffen mit convulsiuischcn Anstrengungen, während iht langes schwarzes Haar über ihr Gesicht und die sehnige« Arme ihrer Landsleute aufgelöst herabfiel; ihre schrillende Stimme ließ die schneidendsten Töne und Klagen . kören, und ihre Augen schössen durch ihre Thränen Blicke, die Vlltzen hinler Strömen von Negen zu vergleichen warm. Als sie den beiden Franzosen begegnete, flehte sse mit den rührendsten Worten, sie a^is den Handen dieser rohen Männer, dieser grausamen Verwandten, z!H retten, und mit der Kraft der Verzweiflung sich losreißend, stürzte sie sich zwischen beide; umklammerte mit krampfhasccn Händen den Arm des Einen, und beschwor sie um Gottes Barmherzigkeit willen, bei der Panagia und allen Heiligen im Himmel, sie nicht lli-rem verhaßten Liebhaber zuführen zu lassen. Allein so ritterlich auch das Herz der beiden Franken schlagen mochte für das unglückliche Mädchen, ihr zu helfen mußten sie die Waffen, mußten sie vor Allem die Krift der ritterlichen Niesenbändiger und Baumauswurzler der alten Zeit besitzen. Da sie- weder Eines noch das Andere hatten, so mußten sie die Entführung geschehen lassen. Nevactnlr: ^r. 5av. Meinrich. Verleger: Ignaz Al. Evler v. Rleinmayr.