Die „Marburger Seituna" erscheint jeden Sonntag. Mittwoch und Freitag. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fl.. halbjährig 8 si.. vierteljähria 1 fl. b0 kr: "_in« Hau» monatlich 10 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 8 fl., halbjährig 4 fl., viertelzährig 2 fl. JnsertionSgebühr 6 kr. pr. Zeile. für Zustellung Am Heschichte des Hages. Die Feudalen in Böhmen können sich ungeachtet drr letzten Wahlniedetlage mit dem Oedanktn nicht vertraut machen, ihre Rolle ausgespielt zu haben! — Diesem Ausspruch begegnen wir häusig iu sreisinnigen Blättern. Erwä-gkn wir aber die tresfliche Äliederung der Hoch» adelSpartei, die Ausdauer, die ungeheurrn Geldmittel derselben, die BundeSgenossenschaft der Tschechen und der Ultramontonen und die Nüst-slrömung in g'^wissen Kreisen. fo finden «vir eS bkgreiftith. daß diese Post,» ihre Pläne nicht auf. gibt. Nur die Rücksicht auf die Beziehungen Oesterreich Ungarns zu Deutschland, welche da» Ministerium Hobentvart gestürzt, hält die Feu^ dalen nieder ; fiel' heute diese Rücksicht, so ginge ivohl morgen schon der gesunkene Stern lvieder auf — trop Verfassung und Allen, die sie ver. theidigeu. DaS wichtigste Ereigniß im deutschen Reich ist die Eröffnung der Hochschule zu Straßburg, die heule stattfindet. Der Zudrang der Kestgäste übertrifft alle Crlvartungen. Die El-säßer Berühmtheiten bleiben kühl. Bezeichuend aber ist. daß dir Obmann der Slraßburger Handelskammer — Sengenwald — sich der dculschen Sacht rückhaltlos angeschlossen. 3« Frankreich wächst die Macht der ultramoutanen Partei. Die Bischöfe verkünden ohne staatliche Bewilligung die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit und die Regierung sieht dieser Gesetzverhöhnung mit größter Seelenruhe zu. Sthulbrüder und Schulschwestern bemächtigen sich Mkhr und mehr des öffentlichen Unterrichts und die katholisch politischen Bereine veiMkhren sich in überraschend schneller Weise. Sogar die Gerichte arbeiten dieser Partei zu Liebe: in Boideaux lvurde ein altkalljolischer Priester zu einer Kerkerstrafe von sechs Monaten Vcrurtheilt. weil rr dem Befehle dcS Vrzb^chofS entgegen daS geistliche Gtwand nicht abgelegt. Bermifehte Nachrichten. (S t r a f r e ch t S p f l e g e in China.) Bti Gerichtsverhandlungen der Chinesen ist es Sitte, daß der Ang'^klagte auf dem Bauche lirge und, die Nafe andächtig gfgen den Kußbod'N drückend, die Vortlage anhöie. Die chintstschen Richter plagen sich nicht mit seinen Untersuchungen, ob in einem gegebeneu Falle Gefängniß oder Geldstrafe zu verhängen. Ist der Angeklagte seines Vergehens schuldig erklärt, so ergreift der Borsitzende unverzüglich einen vor ihm stehenden Becher voller Schicks^lSstäbchen, »virft durch eine rasche Schwenkung eine geivisse Anzahl zu Boden, läßt sie zählen und dem Berurtheilten die entsprechende Summe von Hieben mit eine« Bambusrohr verabreich n. Die Piüg lstrase ist in China nicht Mit entehrenden Vorstellungen verbunden. Selbst höhere Beamte' lverden bei geringeren Verschuldungen nicht gleich vor ein Disziplinargericht g'stellt, deslen Ausspruch vielleicht ihre ganze künstige Existenz zU Grunde richten würde; der Departe? mentSchcf läßt d'N straffälligen StaatSdiener auf den Fußboden oiiSstkecken und feinen unteren Rücken in ausreichender Weise mit Bambus be-arbeitlU. Da jede dkrartige Tracht Prügel die bei uns landesübliche „Nase" vertritt, so ivird jedenfatls alljährlich eine Menge unnöthiger S hrei-derei erspart. Der Abgestrafte hat Übrigens zum Schluß der Feierlichkeit für den richtigen Empfang der Plügtl seinen Dank auszusprechen. (Die Presse in den Bereinigten Staaten von Nordamerika.) Die Ge-sammtzahl der öffentlichen Blätter, tvelche in den Bereinigten Staaten von Nordamerika erscheinen, beläust sich aus 5145, loovon 537 täglich, 107 dreimal in der Woche. 115 halbwöchentlich. 4270 ivöchentlich. 96 zweimal, 621 einmal im Monat. 13 alle, zwei Monate und 49 vierteljährig herausgegeben werden. Diese Z^hl vertheiit sich. waS die Vertretung der Inlereffen betrifft, in folgender Weise: Politik.....' . 4328 Acker- und Gartenbau ... 93 Allerlei Gescllschaften und Orden . . 81 Handel uni> Finanzen . . 122 Zllustrirte und literarische Blätter . . 502 Nationalitäts-Interessen ... 20 Fachwissenschaft. Technik und Gewerbe . 207 Religion......402 3agd, Fischfang, Reitkunst u. dgl. . . 6 Anzeigegeschäst .....79. (Aus dem russischen Ministerium der B o l k S a u f k l ä r u n g.) DaS russische Ministerium der BolkSaustlärung hat den Rechenschaftsbericht für 1870 veröffentlicht. In demselben wird vor Allem hervoigehoben. daß in esthischen und lwländischen' Volksschulen der Unterricht in der ruffischen Sprache sehr darniederliege, daß ferner die Lehrer derjelben" weder eine genügende philologische noch allgemeine Bildung haben. Außerdem erklärt der Minister, daß er in mehreren Gymnasien deutsche Lehrl)ücher der Geschichte ab« geschafft habe, weil in denselben nicht Rußland, sondern Deutschland in die eiste Reihe gesetzt »var. und in tvelchen ..übelwollende und salsede Nachrichten über Rußland »n einem lügenhaften und für Rußland ungünstigen Lichte dargestellt lvaren." Als Hauptgrund dieser Uebelstände sührt der Asttitt et»«: Hin Deutscher. Von V. kuppius. (Fortsetzung). „Hier können Sie gleich eine andere Bekanntschaft machen, die nalje genug werden wird." lachte der zurückgebliebene Porter, auf einen großen Neusundländer Hund deutend, der langsam und sich streckend auS dem Hintergrui^de hervorkam, den dastehenden Ankömmkling gleichgüllig beroch Utid sich dann gähnend in den AuSgang stellte. „Der Kerl ist ivie ein Lamm am Tage, aber hat vkrteufelie Mucken deS Nachts. Ich hätte ein richtiges Gefecht mit ihm bestehen müssen, wentl ich ihm niebt seinen Willen mit dem Bett gethan — Sie wissen doch, daß Sie NachlS hier schlafen? können sich gleich die Gklegenheit ansehen, eS ist dort unter der Treppe — recht gut. ich habe nichlS daivider, nur zu dunkel und für mich ein BiSchen eng." „Ich denke, eS wird sich wohl AlleS erträg« lich einrichten lassen!" erwiderte Reichardt. „Erträglich — warum nicht? — der Mensch geivöhnt sich an Alles l" versetzte der Andere gut-müthig, hing eine große Lederschürze über und solgte den Uebrigen. Der Zurückbleibende suchte sich einen Sitz auf einem hervorstehenden Whiskeyfasse und schlug die Arine übereinander. Es war nicht die geringste Unsicherheit übei^ das, ivaS er zu thun hatte, in ihm; er wollte seine amerikanische Karriere „von der Pike auf" beginnen und sich durch alle Schwierigkeiten dnrch. arbeiten, wie eS schon so viele Andere vor ihm gethan ; er hatte sich selbst gesagt, daß der geringste Gelvinn, ivelchen er sich dadurch erringen konnte, eine praktische GeschäftSkenntniß sei. Dennoch hatte er mit sich selbst zu kämpfen, um nicht den Kontrast zwischen seiner jetzigen un-geivohnten Umgebung und dem GesellschaflSkreise, in welchem er sich »vährend der legten Wvchen bewegt, zu sehr zu empfinden. Schon daS letzte Nachtquartier hatte ihm einen Vor^j.schmack deS zu Erivartenden gegeben. Fünf Mann in drei Velten schliefen in einer Stube und der Kupferschmied hatte eS ariangiit, daß Reichardt a!ö der Sechste zu ihm gelegt lvard. Es herrschten ein Humor und eine Zwang losigkeit unter den Stubengenoffen. die sichtlich von allen Seiten gepflegt lvuiden, nur daß Reichardt sich nicht so schnell an die direkten, plastischen Ausdrücke, an die verschiedenen austauchenden Gerüche und den herischenden Ton im Allgemeinen gewöhnen konnte. . Selbst Meißner schien eine Ahnung von den Empfindungen des Freundes zu bekommen, als dieser, um allen äusjeren Eindrücken zu entgehen, die Bettdecke über die Ohren zog Und flüsterte ihm zu: „Well, Proseffor. Sie müssen jetzt die Verhältnisse nehmen, wie lle sitid, wir halien hier noch die anständigste tAesrllschast im ganzen Hause." Jetzt erschien es ihm fast tvie ein Glück, daß er seil e Schlasstelle im Slo^e beklim und unwillkürlich richteten sich seine Augen »ach snnem künftigen Gesellschafter, dem großen Hunde, der noch ilttmer. die^Llr^che b.obichlend, in riner dcr offenen Thüen jap. Reichardt war immer ein Hundrfleund gc« Wesen und es berührte ihn ivie ein guteS Vorzeichen, als das schöne Thier leicht seinem Locken solgte, ihm ivährend seiner Liebkosungen ausmerk-sam in'S Auge sah und dann mit seiner Nase Minister die Selbständigkeit der Volksschulbe-Hörden in Esthland und Livland an. die seiner Ansicht nach, „ohne offenkundigen Schaden des VolksunterrichtS und der politischen Interessen Rußlands" nicht fortbestehen könne. (Oesterreichis chm ngarischiS Heer.) Das österreichisch ungarische Heer zählt im Dienste: 2 Feldmarschalle, 17 Feldzeugmeister und Generale drr Kavallerie. 53 Feldmarschall-Lieutenante, 109 Generalmajore und 29(1 Oberste. Außer Dienst befinden sich 30 Feldzeugmeister, 135 Feld-Marschall-Lieutenante, 199 Generalmajore und 427 Oberste. Marbnrger Berichte (Gewerbe.) Im April wurde beim hiesigen Stadtamte nur ein Gkwerbe angemeldet — nämlich: Anfertigung und Verkauf von Kleidern, Stadt, Hkrrengaffe, Johann Grubitsch. (Räuber alS Reisegefährten.) Der Grundbefi^er Franz Graschitsch in Roßwein ging dieser Tage nach Pettau, um dort einen Handel abzuschließen. llnterwegS gesellten sich ihm zwei gerichtSbekannte Gauner bei. wovon einer so eben aus dem Strafhaus entlassen worden. Eine Stunde vor Pettau. in der Nähe eineS Gebüsches, begab sich dieser auf die Seite; der andere Begleiter blieb scheinbar deßwegen zurück, warf sein zu einem Stricke gedrehtes Socktuch dem Franz Graschitsch von rückwärts um den HalS, riß denselben nieder und würzte mit Hille seines Genossen so lange. biS der Ueberfallene daS Bewußtsein verlor. AlS Graschitsch nach einer Stunde wieder zum Bewußtsein gekommen, befand er sich ganz allein und gewahrte, daß ihm die Brieftasche mit 105 fl-Banknoten und eine silberne Cylinder-uhr gestohlen worden. (Gegen Jesuiten und Lazaristen.) „Der Deutsche Berein in Cilll erwartet von dem Ministerium, daß eS die Einwanderung der Jesuiten vom Auslande hindern u»nd endlich auch ernstlich dafür Sorge tragen werde, daß der Orden Jesu auch auS Oesterreich vertrieben werde." So lautet der einstimmige Beschluß, der von diesem Vereine in der leßten Sitzung desselben gefaßt wurde. Ein anderer Gegenstand der Tagesordnung betraf Ableger der Jesuiten — die Laza-ristln auf dem Josephiberge bei Cilli uud »vurde eine genauere Inspektion der neuen Bekanntschaft vorzunehmen schien. Ein kurzer Husten in seiner Nähe machte ihn aufsehen und sein Auge traf auf l)ie Gestalt eines, kleinen ältlichen ManneS. welcher einen scharf musternden Blick über den Wartenden gleiten ließ und dann die Treppe nach der Offize hinaufstieg. Das war. Meißner'S Andeutungen nach, jedenfalls der Buchha^er und nach Verlauf einiger Minuten folgte Reichardt. Eine Art heimisches Gefühl überkam ihn, als er in daS helle, von dem frei durchlaufenden Lager-Räume deS obern Stocks abgeschlagene Komptoir trat. Die drei eleganten Pulte mit ihren Sesseln, welche ihm entgegenblickten, wie der eigenthümliche SchreibstubeN'Geruch mahnten ihn lebendig an eine vergangene Wirksamkeit, die er in übsxmü' thigem Leichtsinne von sich geworfen und er fühlte jetzt erst recht, wie glücklich er wäre, in dem alten Berufe feine ganze Genuglhuung suchen zu dürfen. Der alte Buchhalter stäubte eben in sichtlicher Mißstimmung sein Pult ab und wandte sich mit sragendem Blicke nach dem Eingetretenen. „Der neue Porter, welchen Bil! empfohlen hat!" beeilte sich dieser zu melden. beschlossen den Gemeinderath dringendft aufzufordern. ^daS Gebühren dieser seonimen Bäter, welche sich auf einem Benefiziat'Grunde der Ge-meiudc Cilli seßhaft gemacht, einer ernstlichen Prüfung zu unterziehen, und zu untersuchen, ob dasselbe Vielleicht mit den Bestimmungen deS StistS-briefes im Widerspruche stehe. Dem Bernehmen nach ist der Besitz der Lazaristen ein erschlichener, da die EinräumungS'Urkunde nur von einem klerikalen Bürgermeister auS der ersten Zeit Bach'S und von zwei Gemeinderäthen, welche zugleich Kirchenpröbste waren.ohne vorhergehen denGemeinde» rathS-Beschluß uuterfertigt ivorden. Die L »zariften halten ohne Erlaubiiiß Schule. Einen Hauptpunkt dürfte auch der Umstand bilde», daß nach dem StiftSbriefe ein Eillier der Inhaber des Bene-fiziateS sein soll, was eben gegenwärtig nicht der Fall. Endlich wurde die Gemeinde aufgefordert, allfällige „Annektirungen" von angrenzendem Ge-meindegrund seitens der Lazaristen vorzubeugen. Die Bevölkerung des Unterlandes bringt eine Menge Baargeld in dieses Kloster, welches daS Geld ins Ausland an den O^dens-Gcnerai verschickt. Dazu kommt noch, daß diese Männer jeden Augenblick Kirchenfeste veranstalten, welche eine Meng? Volkes heranziehen. Männer und Weiber, rvelche in der Kirche keinen Platz haben, lagern im Walde neben der Kirche. AbendS nach dem Feste kehren Betbrüder und Betschwestern in die Stadt zurück, besaufen sich und treiben auf offener Straße Un» fug. Die Masie der Wallfahrer zu diesen Festen ist so groß, daß die heimische Polizei zur Aufrechthaltung der Ordnung gar nicht ausreicht. (Arbei terfest.) Der Arbeiter-BildungS-verein hat beschlossen, Sonntag den 9. Juni Abends 6 Uhr in der Götz'schen Bierhalle sein Gründungsfest zu feiern. /(Zu den G e m e i n d e w a h l en.) In der Wählerverfammlung, tvelche am Sonntag in der Götz'schen Bierhalle stattfand, wurde ein Wahlausfchuß eingesetzt; dieser besteht auS folgen« den Herren: Karl Flucher, Fetz. JuliuS Psriemer, Anton Hohl, Nagy, Badl. Janschitz, Direktor Gutscher. Simon Wolf. Stauder. Profesior Schal-ler. Zum Obmann wurde Herr Nagy, zum Stellvertreter Herr Flucher, zum Schriftführer Herr Schaller gewählt. (Feuerwehr.) Die freiivillige Feuerwehr hat bekanntlich zu Fahrten aufS Land einen Mannschafs- und Geräthewagen angekauft; derselbe ist von hiesigen Meistern Verfertigt und „Ein Deutscher wieder?" entgegnete der Alle grämlich, einen neuen Blick über Reichardt'S ganze Erscheinung werfend, „werden wohl ebensowenig vom englisch Lesen und Schreiben verstehen, als der vorige „Ich hoffe, daß ich darin allen Ansprüchen genügen kann, Sir!" „Wird sich bald ausweisen, ich mag keine Roth mehr damit haben. Jetzt fegen Sie hier aus, aber nehmen Sie die Papiere in Acht — nicht Einem von den Andern ist eS eingefallen, daß mon sich nicht in Staub uud Schmutz hersetzen kannl" Mit einem ärgerlichen Husten öffnete der Sprechende einS der Fenster, dem jungen Manne den Rücken zukehrend. Reichardt sah einen Moment mit halb rathlosem Blicke um sich, er mochte seiner Brauchbar» keit nicht mit Fragen über Wo und Wie ein ttbleS Zeugniß geben und doch s«hlie ihm noch jede Lokalkenntniß. Im nächsten Augenblicke aber besann er sich, einen Besen in dem unteren Räume bemerkt zu haben und nach weni^^ Sekunden war er bereits an der ungewohntn Arbeit. Ehe er diese indksien in den äußern Räumen fortsetzte, begann er mit dem von dem Buchhalter gebrauchten Pfauentvedel eine sorgfältige ltteini- wnrde die Schmiedearbeit von Herrn Pucher, die Magnerarbeit von Herrn Bergler geliefert. Am. Montag Rachmittag ward eine Probefahrt bis ziim Felberhof in Proseck unternommen: der Wagen entspricht seinem Zwecke vollkommen und hat für 20 Mann sich ausgezeichnet bewährt. (W ä h le rv e r fammlun g.) Die Wähler« sawmlung. die Herr Karl Reuter einberufen, um Rechenschaft zu geben über seine Thätigkeit als Mitglied des Landtages und deS Abgeordnetenhauses, wurde Montag Abends im Saale zur Stadt Wien abgehalten. Nachdem Herr Professor Schaller zum Obmann und Herr Karl Flucher zum Schriftführer gewählt worden, ergriff Herr Karl RtUter das Wort. Der Redner dankte den Wählern, daß sie ihn zum zweiten Male in den Landtag gesandt; das Vertrauen sei desto ehrender, je größer die Stimmenzahl und er habe die Ueberzeugung, daß Jene, die ihn gewählt, auch wirklich die Mehrheit bilden. Herr Reuler erklärte, daß er sich für verpflichtet halte, namentlich bei der Wichtigkeit der Vorlassen, welche dem ReichSrathe gemocht werden, die Meinung der Wähler kennen zu lernen, um zu wissen, ob die Meinung, die er verfechte, auch die Billigung der Wähler finde. Er versprach, so lange er Vertreter bleibe, jedes Jahr die Wähler zu versammeln und Rechenschaft ab» zulegen. Bei der großen Masse der Gegenstünde sei eS diesmal nicht möglich, dieselbes eingehender zu behandeln und werde er sich daraus beschränken, jene Pu'itte hervorzuheben, welche daS besondere Jnterrsie Marburgs erregen und bei welchen er als AuSschußmitgÜed thätig eingegriffen. Dahin gehören im Landtage: der gegen daS Ministerium gerichtete Beschluß, daß die Regierung nicht berechtigt sei, durch eine Verordnung, betreffend die Anrechnung der Zuschläge beim AuS-maß der Steuerleistung eine Aenderung der Landes« Wahlordnung vorzunehmen — die Weinbauschule — der Gerichtshof — der Landeöbeitrag zur Ober-Realschule — die ZinSkreuzer —die Schul-geldsrage — die Straßenmauthen — daS Waffer-recht — daS Statut für Marburg. Kein früherer Landtag habe Gegenstände von folcher Wichtigkeit für Marburg behandclt und feien die Jnte-reffen der Stadt, so weit eS vom Landtag ab-hänge, vollkommen befriedigt worden. Der Redner habe redlich mitgeivirkt und werde auch fünf« tig das Jntereffe Marburgs in gleicher Weise vertreten. Herr Reuter ging dann auf den llieichSroth gung der Pulte, stieß die gefalzten Papiere in den auSgestäubten Fächern sorgfältig zusammen, legte die Schreibmaterialien in gefällige Ordnung und hatte die Genugthuung. daS Gesicht des Alten, welches seinen letzten Verrichtungen scharf gefolgt war. .zu allerhand sonderbaren Mienen sich verziehen zu scheu. „Ist hier noch etivaS für mich zu thun ?" fragte er, nach rascher Beendigung der Arbeit. „Kann noch nichts* sogen — weiß überhaupt nicht, ob Sie angenommen werden", erwiderte der Buchhalter, sich nach seinem Pulte wendend, „muffen ivarten, biS Mr. Johnson kommt — können sich dort auf den Stuhl fetzen." Reichardt nahm ruhig den ihm angewiesenen Platz ein, wenn auch die letzten Worte deS Alten eine neue Unruhe in seine Seele geworfen hatten. Nach den fortivährenden Fehlschlägen zur Erlangung eines dauernden Unterkommens schien ihm der jetzige Versuch dnrch den Kupferschmied fast zu schnell geglückt und eS wäre ihm kaum uner-wartet gekommen, ivenn selbst bei den niedern Ansprücheii. welche er jetzt machte, sich neue Hin-derniffe in seinen Weg gestellt hätten. Fortsetzung folgt. über, in welchem Stadt und Bezirk so vertreten seien, daß die Wähler betreffs der Vertheidiftunq ihrer Interessen beruhiqt sein können. DaS Mini« stkrium H9hn. in der Gießerei deS Arsenals zu Vokoska. — Der KönigSsee mit dem Watzmann. — Der Obersee mit dem steinernen Meer. — DaS Jagdschloß Bartholoms am KönigSsee. — Der Hinter- see in der RamSau mit dem Hohen Göll. — Junge Jtaliencrin. Nach einem Gemälde von Henri Regnault. Eingesandt Dr. I. G. Popp'sche« Anatherin» Mundwasser. Unter den wenigen kosmetischen Artikeln, ivelche Nicht aus die Leichtgläubigkeit berechnet sind und denen eS wirklich gelungen ist, sich zum Bsdürfniß deS großen Publikums emporzuarbeiten, nimmt sich erstlich das Popp'sche Anaiherin-Mund-wasscr, welches fich bereits durch 2? Jahre in der allgemeinen Gunst erhält und durch kein neu aufgetauchtes Mittel, durch keiiie Nachahmung hat verdrängt »Verden können, den ersten Rang ein. Dieser bedeutende Erfolj; rührt davon her, daß sich daS Popp'sche Mundwasser wie kein anderes Mittel belvährt hat. wenn eS rechtzeitig und vorschriftsmäßig gebraucht worden ist. Durch s^ine chemischen Eigenschafken ist es besäliigt. 0en schleim aufzulösen, dtr fich uus und zwischen den Zähnen abzulagern pfle>jt und bedingt dadurch die Unmöglichkeit feinrr Verhärtung. Aus dieser Ursache »st eS daS beste Zahnreinigui'gSmittel am Morgen und nach der Mahlzeit. Aber selbst in jenen Fällen, wo sich bereits Weinste n abzulagern beginnt, wird eS mit Vortheil angeivendet, indem es seiner Erhärtung entgegenarbeitet. CS gibt den Zähnen ihre schöne natürlich« Farbe ivieder, so »vie eS sich auch mit großem Bortheil zur Reinhaltung künstlicher Zähne verwenden läßt. Ebenso bewährt eS sich als BesänftigungSmittel bei Schmerzen von hohlen Zähnen, sowie bei rheumatischen Zahnschmerzen. Ueberaus schätzenSwerth ist daS Anatherin-Mundwasser zur Erhaltung des WohlgerncheS deS Ath'MS, so wie zur Enisernnng eineS et»va vorhandenen übelriechenden AthemS. Ebenso bewährt eS sich bei locker sitzenden Zähnen und bei leicht blutendem Zahnsleische ze. Wie man sieht, ist die Beliebtheit deS Popp', fchen Anatherin-Mundivasst^rS nur eine Folge seines tvilkllchen Werth s und kann dasselbe keines« ivegS zu jenen marktschreierisch auSposaunten Char-latanerien gezählt werden, tvelche vom Markte verschtvinden, sobald daS getäuschte Publikum ihren Unlverth erkannt hat. Lthrer-Maisahrt nach Ltib>itz am 2. Mai 1872. Die 1'. Th»ilnehmtr an der Maifahrt versammeln fich Donnerstag am 2. Mai Morgens ö Uhr iM Kaffee Pichs und ziehen um U'l)r zum Bahnhofe, wo die Absah,t nach V.7 Uhr swiifind,». Marburg am 30. April 1872. Johann Dominkufch. Vorstand deS Marburger LehreivereinS. Marburg, 27. April lWochenmarktßbericht.) Veizen fi. K SN. «orn K. 4.20, Nertte fl. 8.70, Hafer fl.2 So.Kntnrutz ft.4.10. Hirse fl. 3.60. Hiesebrein k. 6.20. Heiden Erdäpfel st. 2.—.Bohne» fl. 5.60. pr.Nej». Weizengries fi. 14.75. Mundmehl ft. 11.75, Semmelmehl s».10.75, Weißpohlmehl fl. 9.76, Schwarzpohlmehl fl.7.75, Kukurutzmeht fl. 7.75 pr. C-nt. Hen st. 1.50, Lagerstrol> fl. 1.50. tzntterftroh fl. 1.10, Streustroh fl. 1.—pr. . 29'/,, Lammfleisch 22. Speck, frisch 38. Rindschmalz 54. Schwein-schm.ilz44,Schmeer40. Btttter46. TopfeiikäselS, Zwiebel II Knoblauch 26, Krenn II. Kümmel 48 kr. pr. Pf. Tier 5 St. 10 kr. Milch frische 12 kr. pr. Maß. Hotz. t»art 18" ft. 5.80. dto. weich fl. 4.20 pr. Älafter. Holzkol^ten hart fl. 0.54, dto. weich fl. 0.S6 pr. viepen. Angekommene in Marburg. „Stadt Wien". Vom ZI.—27. April. Die Herren: Kolletnig. Kfm., Neiiftift. Wohak, GlaSfabr., Kärnten. Ge-ditz, Korstmtisttr, Nnterdrauburg. Bouffart, Wnssenfabrik.. Lüttich. Toncort, Kfm., s. Sohn, Graz. Graf WagenSperg, Privat. Graz. Schweiger, Wien. Günther, Gasthautbesi^.» Wind.-Gra^ Gr. Heinefetter, kk. Kintinzprok.-Konzip.. Graz. Ritter v. MerN Reinsee. kt. Ministerialrath, Wien. Jeitel, Wie». Singer, Kfm.. Wien. Meguscher, Kanzleidiener, Rad-Wansdorf. Van Eleeff, Paris. Gutmann, Kaufm., Wien. TurnowSky. Kfm, Wien. Dr. Steiner, s. Frau, Klagen' furt. Klenner, erzherzog. Privatkassier. Wien. — Frau Ch. v. Fay, GutSbefitz., m. Erzieherin u. Stubenmädch., Ofen. Arl. Th. v. Rtiymond, vosrathö-Tochter, Wien. Frl. M. Magino, Privat, Wien Kindergarttk-Maistst. Samstag den 4. Mai «m 3 Uhr Rachmittag findet im Fröbl'sche»» Kindergarttn ein Kinder-Maifest statt, wozu Eltern und Verwandte. sowie auch Freunde dieser Anstalt höflichst eingeladen sind. Bei ungünstiger Witterung wird das Fest auf einen der nächsten schönen Maitage vertagt. Hochachtungsvoll Mi»a Ktrdajö, 3S1)_Vorstkhiiin. Nr. S9K6 und 4202. (SöS Kundmachung. Das vom h. stciermärk. Landtage in der SiMg vom 10. Oktober 1871 licschlossene organische Statut für die l. technische Hochschule in Graz hat laut Erlasses Sr. Exzellenz des Herrn Minister für Kultus und Unterricht vom 20. April 1872 Z. 4444 die Allerhöchste Sanktion erlialten und dasselbe tritt daher mil. dem Studienjahre 1872/3 in Wirksamkeit. Nach den ZK. 27 und 28 desselben gelten folgende AusnahmS-Bedinguugen: Als ordentliche Hörer werden aufgenommen k) Diejenigen, tvelche an einer von der Regierung hiezu autorisirten Mittelschule ein MaturitätS-Zeugniß ertvorben habcn. w.oliei Gymnasial-Schüler noch eine hinreichende Fertigkeit im geometrischen und Freihandzeichnen nachzuweisen haben; b) die ordenllichen Hörer ähnlich organisirter technischer Institute, welche an die Hochschule in Graz übertreten. — Die Entscheidung, ob ein technisches Institut als der technischen Hoch, schule in Graz ähnlich organisirt zu betrachten ist, steht über Vorschlag des Piosessorett-Kolle-giumS dem Landesausschusse nach Einvernehmen mit der Regierung zu. Als außerordentliche Hörer können Diejenigen aufgenommen werden, welche nicht die Qualifi-kation als ordentliche Hörer besi^en, oder tvelche nur einzelne Borlesungen in der Eigenschaft von außerordentlichen Hörern besuchen wollen. Bon denselben wird jedoch der Nachweis deS Alters von wenigstens 18 Jahren und derjenigen Vor-kenntnisie verlangt, welche füp daS Verständniß der gelvahlten Vorlesungen erforderlich sind. Die außerordentlichen Hörer haben keinen Auipruch aus FortgangSzeugnisse, Absolutorien und auf Befreiung vom UnterrichtShonorar und LaboratoriumStaxen. Dabei wurde lediglich als ausnahmsweise Uebergangs-Bestimttlung für das Studienjahr 1872/3 bewilligt, daß als außerordentliche Hörer auch Diejenigen aufgenommen werden können, tvelche von solchen Olicr-Nealschulen und Olier-Gymnasien kommen, an »velchen noch keine Maturitätsprüfungen bestellen, wenn sie ein Studien-Zeugniß des lej^ten Jahrganges einer solchen Anstalt mit mindestens erster Fortgang^tlasse beibringen und an der technisch. Hochschule selbst eine Aufnahmsprüfung aus Mathemcitik, Physik, den ElemerUen der darstellenden Geomeirie und Freihandzeichnen bestehen. Dies wird hicmil zur allgemeinen Kenntnip gebracht. Vom steiermärk. Landes'AuSschusse. Graz am 24. April 1872. Verkauf (359 von 150 Ztr. frischer Kornkleie in beliebigen Partien. Anfrage im k. k. VerpflegsMagazin. Wiihltlvcrsaliimlullg. Sämmtliche ?. 1. Wähler für die Gemeindevertretung der Stadt Marliurg werden hiemit ju einer allgemeinen Wählerversamm-luttg am Mittwoch den 1. Mai um 8 Uhr Abends in Thomas Götz' Bierhalle eingkladen. Marburg, am 80. April 1872. 862 Das Wahleomit4. Volmer 8tvrll empfiehlt ihre feuerfesten und einbruchficheren Kassen solidester Konstruktion zu billigsten Preisen. Centraldepot: ^I«n, Kärntuerring 8. 360 äes (351 ^«Ivoksten Vr. kot/mutli deünäet Lieli vom 29. ./^xril 1872 a» im Herrn v. k r i e d u d e r'seken Ususe, Ke^enüber äor VorLtaZt-^karrkiredv, l'eKettlioikgtrttgse, im er8ten Ktovic. Sonntag den 5. Mai Nachmittag findet im GasthauSgarten de» Gefertigten iZI bei günstiger Witterung ein mit statt. Für gute Speisen und Getränke wird be^en» gesorgt. Hierzu macht seine ergebenste Einladung ^857 Anton Pichl vlllgo Rischnig. in Ungarn. Baranyaer Kamitat, 2 Stunden von Küufkirchen, 1^^/, St. Don VilliUty. Saisoo vom 1. Mai bis i. Mtober. Dies»S ö0 Grad R. naturwarme Wasser gehört nicht nur zu den ersten Heilquellen Ungarns, sondern wett-eifert mit den ersten Heilanstalten deS Auslandes. Was die chemischen Bestandtheile anbelaugt, gehört eS. zufolge der augestellten Analyse de» Herrn Pro« fessor vr. VI»»» zu den Schwefelquellen mit Jod und SchwefeltohlenoLydgaS, ein bi» dahin nicht getanu-te» Gas in dieser Quelle. . Wirkt mit ausgezeichnetem Erfoge gegen: ÄlisumaUsmus, LIckox)»u1oss, elironiLvk» LkutIrrTvIe-Iivttsu, )Isiiatri»»1stijruvavn und von diesen verursachten Sterilität. Mvissev durch mechanische Verletzungen entstandene Uunasv, Assod^ülsto nnd (tssedvürs, ; ferner in i