Hieip-Nibel. Laiöcrchev Gurn-Msrein. Laibach ^SSZ. Wer diese Kneipbibel nicht kauft, schädigt den Kneipsäckel; wer aber diese Kneipbibel kauft und sie nicht in die Kneipe mitbriugt, der verfällt dem Zorne des Kneipwartes und muss vom Kneiphamster gegen Zahlung eines Kreuzers eine solche ausborgen. Druck von Jz. v. Kleinmayr u. Fed. Bamberg in Laibach. Kegeln ^ür clie Turner^neixe. I. Allgemeines. 8 1. Kneipe ist die regelmäßige Versammlung der Turner zur Besprechung turnerischer Angelegen¬ heiten und zu geselliger Unterhaltung. Es wird nur deutsch gesprochen. Z 2. Sie findet wöchentlich an dem hiezu be¬ stimmten Abende statt, beginnt nach der Turnstunde und wird nach Belieben geschlossen. 8 3. Eröffnet wird die Kneipe über Auffor¬ derung des Kneipwirtes mit dem Kneip-Salamander. Z 4. Sodann verliest auf Verlangen des Kneip- wartes der Kneipschreiber den Bericht über die letzte Kneipe. 8 5. Der Kneipwart übergibt die aus dem Fragekasten entnoinmenen Schriftstücke und Briefe dem Kneipgelehrten zur Prüfung und Verlesung und berichtet nach deren Erledigung über allgemeine Angelegenheiten des Turnvereins. Jedem Kneipbruder steht das Recht zu, ge¬ schäftliche Gegenstände des Turnvereins sowie der Kneipe zur Sprache zu bringen. 4 ß 6. Nach Beendigung dieser <> geschäftlichen» Angelegenheiten wird zum gemächlichen Theile des Abends geschritten. Z 7. Der Kneipwart darf nur solche Vorträge zulassen, welche keinen unmoralischen oder beleidi¬ genden Inhalt haben. H 8. Zu Vorträgen für die nächste Kneipe werden drei Kneipbrüder vom Kneipwart bestimmt, und zwar geschieht dies in der Reihenfolge nach der Buchstabenordnung. ß 9. Der Kneipwart darf einem Kneipbruder bloß dreimal in ein und derselben Angelegenheit das Wort ertheilen. Im übrigen gelten auch hier die allgemeinen Regeln jeder geschulten öffentlichen Versammlung. II. Mitgliedschaft. Z 10. Mitglied der Kneipe kann jedes Turn¬ vereinsmitglied werden, muss sich jedoch an einem Kneipabende der Taufe unterziehen, welche der Kneip¬ wart in würdiger Weise vorzunehmen hat. An Taufgebür hat der aufgenommene Kneipbruder 10 kr. zu berappen. Z 11. Gästen ist der Zutritt in die Kneipe gestattet. Dieselben müssen durch ein Mitglied ein- gcführt und dem Kneipwart vorgestellt werden; sie unterstehen gleichfalls den allgemeinen Kneip¬ regeln. 5 III. Kmipnnirden. Z 12. Die Kncipwürdenträger, sechs an der Zahl, werden durch Stimmenmehrheit an dem letzten Bersammlnngsabende eines jeden Monats aus der Mitte der Kneipe gewählt und Pertheilen die Wür¬ den unter sich. Letztere sind folgende: s.) Kneipwart, b) Kneipschreiber, e) Kneipgelchrter, cl) Kneiphamster, e) Kneiphader, zugleich Gegenpunkt, 1) Kneipbüttel. Abgehende Würdenträger sind wieder wählbar. Z 13. Der Kneipwart hat für die Aufrecht¬ haltung der Ordnung zu sorgen und etwaige Strei¬ tigkeiten zunächst zu entscheiden. Gegen seine Ent¬ scheidung steht den Streitenden die Berufung an ein Schiedsgericht zu. Z 14. Der Kneipschreiber hat über jede Kneipe einen gewissenhaften Bericht zu verfassen, den er in der nächsten Kneipe zu verlesen hat. Ferner hat er die in der Kneipe vorkommenden schriftlichen Ar¬ beiten zu besorgen. Z 15. Der Kneipgelehrte hat bei aufgewor¬ fenem Zweifel darüber, ob ein Wort ein Fremd¬ wort sei oder nicht, zu entscheiden, und sein Aus¬ spruch ist unfehlbar. Auch können streitende Thcile 6 sein Urtheil anrufen, haben demselben sich dann aber zu unterweisen. 8 16. Der Kneiphamster hat über die Ein¬ nahmen und Ausgaben ein genaues Verzeichnis zu führen und am Schluffe seiner Amtsthätigkeit Rech¬ nung zu legen. 8 17. Ter Kneiphader hat demjenigen, welcher den Anordnungen des Kneipwartes nicht nachkommt oder die auferlegten Geldbußen nicht zahlt, das Ge¬ tränke auszntrinken und dies so lange sortzusetzen, bis der Verdonnerte seiner Pflicht nachgekommen ist. Der Kneiphader hat als Gegenpunkt des Kneipwartes mit diesem für Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Z 18. Der Kneipbüttel steht zur Verfügung des Kneipwartes, überwacht das richtige Eingehen der Gelder während der Kneipe und ist zugleich Stellvertreter des Kneiphnders. Z 19. Ist einer der Würdenträger am Be- snche der Kneipe verhindert, so hat er dies dem Kneipwart bekannt zu geben. Im Falle der Abwesenheit des Kneipwartes übernimmt zuerst der älteste Kneipbruder den Vorsitz und lässt einen Kneipwart-Stellvertrcter wählen. IV. ChrriümMstungen. 8 20. Die Ehrenbezeugungen können sein: ein Ivackcr, ein Lütcrrtä und ein Gut Heil. Für ein Ivackcr sind 5 kr., für ein Täterctä 10 kr. und für ein Gut Heil 20 kr. zu berappen. 7 V. Strafgesetze. Z 21. Einen Kreuzer berappt: и) wer sich in der Kneipe des Wortes «Herr¬ oder eines Fremdwortes bedient (bei Bericht¬ erstattungen und bei Vorträgen sind jedoch Fremd¬ wörter gestattet); к) wer bei Beifallsbezcugungen ein anderes Wort als «Wacker», bei Missfallsbezeugungen ein anderes als «Oho» und beim Grüßen ein anderes als «Gut Heil» gebraucht; e) wer in der Kneipe flucht oder rülpst. Z 22. Zwei Kreuzer berappt: s.) wer einen Redner unterbricht oder während eines Vortrages diesem keine Aufmerksamkeit schenkt; b) wer ein Lied nicht mitsingt, bei einem ausgebrachten «Wacker», einem «Tätcretä» oder einer Anmurmelung aussteht oder bei einem «Gut Heil¬ sitzen bleibt; e) zu zwei Kreuzer wird wegen falscher Aus- mutzung derjenige verdonnert, der einen Kneip¬ bruder fälschlich anklagt und im strittigem Falle seine Anklage nicht durch zwei glaubwürdige Zeu¬ gen beweisen kann. Z 23. Fünf Kreuzer hat zu berappen, wer eine Anmurmelung verlangt. Jedem Kneipbruder steht nämlich das Recht zu, einen andern anmurmeln zu lassen, wenn er sich dnrch denselben gekränkt fühlt oder glaubt, 8 dass sich derselbe eine Unschicklichkeit hat zuschul¬ den kommen lassem In besonderen Fällen kann über Antrag des Kneipwartes und mit Zustimmung der Kneipe der Schuldtragende auf eigene Kosten angemurmelt werden. Auch können mehrere Anmur¬ melungen gegen einen und denselben vollzogen werden. Das Stehen des Angemurmclten gilt als Verschärfung. Z 24. Zehn Kreuzer (ein schweres Geld) berappt: s.) wer zu einem Bortrage bestimmt wurde und ihn nicht gehalten hat. Ein solcher Bösewicht zahlt die Strafe jeden Kneipabend so lange, bis er besagten Vortrag endlich loslässt. — Wer aber gleich sagt, dass er einen Vortrag nicht halten kann, be¬ rappt nur einmal zehn Kreuzer; l>) der Kneipschreiber, wenn er den Kneip¬ bericht nicht erstattet; v) derjenige Würdenträger, welcher ohne Ent¬ schuldigung aus der Kneipe ausbleibt. VI. Kneip-Gericht. Z 25. Gegen eine Entscheidung des Kneip¬ wartes steht jedem Betheiligten die Berufung an das Kneipgericht zu; die Einsetzung desselben muss jedoch sogleich geschehen. Jeder streitende Theil wählt einen Richter und den dritten wählt die Kneipe; diese haben abseits ihr Richteramt aus¬ zuüben und die Strcittheile zu verhören. Letzteren 9 steht es frei, sich selbst zu vertheidigen oder sich einen Vertheidiger zu wählen. Jeder Vertheidiger darf nicht länger als fünf Minuten sprechen. Nach Anhörung beider streitenden Theile fällt der Gerichtshof das Urtheil, welches binnen weiteren fünf Minuten gesprochen sein muss. Dem Verurtheil- ten steht die Berufung an die Kneipe zu. 10 I. Nbtheilung. Daterlandslioder. i. Bekannte Weise. Gott erhalte, Gott beschütze Unfern Kaiser, unser Land! Mächtig durch des Glaubens Stütze Führ' er uns mit weiser Hand! Lasst uns seiner Väter Krone Schirmen wider jeden Feind. Innig bleibt mit Habsburgs Throne Oesterreichs Geschick vereint. Fromm und bieder, wahr und offen Lasst für Recht und Pflicht uns stch'n, Lasst, wenn's gilt, mit frohem Hoffen Muthvoll in den Kampf uns geh'n! Eingedenk der Lorbeerreiser, Die das Heer so ost sich wand. — Gut und Blut für uusern Kaiser, Gut und Blut fürs Vaterland! Was des Bürgers Fleiß geschaffen, Schütze treu des Kriegers Kraft! Mit des Geistes heit'ren Waffen Siege Kunst und Wissenschaft. 11 Segen sei dem Land beschieden Und sein Ruhm dem Segen gleich Gottes Sonne strahl' in Frieden Auf ein glücklich Oesterreich! Lasst uns fest zusammen halten, In der Eintracht liegt die Macht; Mit vereinter Kräfte Walten Wird das Schwerste leicht vollbracht. Lasst nns, Eins durch Brüderbande, Gleichem Ziel entgegen geh'n. Heil dem Kaiser, Heil dem Lande, Oesterreich wird ewig steh'n! 2. Wenn sich der Geist aus Andachtsschwingen Zum Himmel hebt, Durch Erdennacht zum Licht zu dringen Die Seele strebt, Dann fühlt die Brust ein heilig Drängen, Das aufwärts zieht, Und es ertönt in ernsten Klängen Das deutsche Lied. Erbleichen all' die kleinen Sterne Der Kindheit Nacht, Und kündet Morgenroth von ferne Der Sonne Pracht, 12 Dann fühlt die Brust ein felig Drängen, Das Lied erblüht, Und es ertönt in inn'gen Klängen Das deutsche Lied. Und lodern auf des Kampfes Flammen In heißem Brand, Wir scharen muthig uns zusammen Für's Vaterland, Dann fühlt die Brust ein mächtig Drängen, Die Freiheit glüht, Und es ertönt in Feuerklängen Das deutsche Lied. Das deutsche Lied aus deutschem Herzen Quillt stark und frei, Beschwingt die Freuden, heilt die Schmerzen, Schafft Jugend neu, Was nur die deutsche Brust niag drängen, Es lvird zum Lied, Drum töne fort mit ew'gen Klängen Du deutsches Lied. Dr. Weißmann. 3. Bekannte Weise. Stimmt an mit Hellem, hohem Klang, Stimmt au das Lied der Lieder, Des Vaterlandes Hochgesang; Das Waldthal hall' es wieder. 13 Der alten Barden Vaterland, Dem Vaterland der Treue, Dir, freies, unbezwung'nes Land, Dir weih'n wir uns aufs neue! Zur Ahnentugend wir uns weih'n, Zum Schutze deiner Hütten; Wir lieben deutsches Fröhlichsein Und alte deutsche Sitten. Die Barden sollen Lieb' und Wein, Doch öfter Tugend preisen, Und sollen biedre Männer sein In Thaten und in Weisen. Ihr Kraftgesang soll himmelan Mit Ungestüm sich reißen, Und jeder ecbte deutsche Maun Soll Freund und Bruder heißen! M. Claudius. 4. Bekannte Weise. Was ist des Deutschen Vaterland? Jst's Preußenland? ist's Schwabenland? Jst's wo am Rhein die Rebe blüht? Jst's wo am Belt die Möve zieht? O nein, nein, nein! !: Sein Vaterland muss größer sein! :i 14 Was ist des Deutschen Vaterland? Jst's Vaterland? ist's Stcierland? Jst's wo der Marsen Rind sich streckt? Jst's wo der Märker Eisen reckt? O nein, u. s. w. Was ist des Deutschen Vaterland? Jst's Pommerland? Wcstphalenland? Jst's wo der Sand der Dünen weht? Jst's wo die Donau brausend geht? O nein, in s. w. Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne mir das große Land! Jst's Land der Schweizer? ist's Tirol? Das Land und Volk gefiel mir wohl. O nein, u. s. w. Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne mir das große Land! Gewiss ist es das Oesterreich, An Ehren und an Siegen reich? O nein, n. s. w. Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne mir das große Land! Jst's was der Fürsten Trug zerklaubt? Vom Kaiser und vom Reich geraubt? O nein, n. s. w. Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne endlich mir das Land! 15 So weit die deutsche Zunge klingt Und Gott im Himmel Lieder singt. Das soll es sein, das soll es sein, Das, wack'rer Deutscher, nenne dein! Das ist des Deutschen Vaterland, Wo Eide schwört der Druck der Hand, Wo Treue hell vom Sluge blitzt Und Liebe warm im Herzen sitzt. Das soll es sein, das soll es sein, Das, wack'rer Deutscher, nenne dein! Das ist des Deutschen Vaterland, Wo Zorn vertilget sremden Tand, Wo jeder Frevler heißet Feind, Wo jeder Edle heißet Freund. Das soll es sein, das soll es sein, Das ganze Deutschland soll es sein! Das ganze Deutschland soll es sein! O Gott vom Himmel sieh darein Und gib uns echten deutschen Muth, Dass wir es lieben treu und gut. Das soll es sein, das soll es sein, Das ganze Deutschland soll es sein! E. M. Arndt. 5. Eigene Weise. Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt, Komm mit deinem Scheine, süßes Engelsbild! Magst du nie dich zeigen der bedrängten Welt, Führest Deinen Reigen nur am Sternenzelt? Ui Auch bei grünen Bäumen in dem luft'gen Wald, Unter Blütenträumen ist dein Aufenthalt. Ach! das ist ein Leben, wenn es weht und klingt, Wenn dein stilles Weben wonnig uns durchdringt. Wo sich Gottes Flammen in ein Herz gesenkt, Das am alten Stamme treu und liebend hängt; Wo sich Männer finden, die für Ehr' und Recht Muthig sich verbinden, weilt ein frei Geschlecht. Hinter dunklen Wällen, hinter ehr'nem Thor Kann das Herz noch schwellen zu dem Licht empor. Für die Kirchenhallen, für der Väter Gruft, Für die Liebsten fallen, wenn die Freiheit ruft. Das ist rechtes Glühen, frisch und rosenroth; Heldenwangen blühen schöner auf im Tod. Wollest auf uns lenken Gottes Lieb' und Lust, Wollest gern dich senken in die deutsche Brust! Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt, Komm' mit deinem Scheine, süßes Engelsbild! Freiheit, holdes Wesen, gläubig, kühn und zart, Hast ja lang' erlesen dir die deutsche Art. M. o. Achenkendorf. 6. Anheben lasst uns allzusamm' Ein Lied von starkem Klange, In Oesterreich den deutschen Stamm Lasst preisen uns mit Sange. 17 Die auf die Ostmark einst gestellt, Dem Feind den Weg zu weisen, Sie stehen heute noch im Feld Und halten blank ihr Eisen. Und gilt's auch nicht, den Hunnenschwall Mit Schwert und Schild zu stauen, Aus deutschen Leibern einen Wall Dem Türkenvolk zu bauen; Uns blieb so mancher grimme Gast Noch in den Sand zu fegen, Im Ostreich ward uns nimmer Rast, Hand in den Schoß zu legen. Mit Trommeln nicht und Feldgeschrei Wird heut' zur Schlacht geschritten, Der Feind schleicht leise sich herbei, Er wohnt in unsrer Mitten Und möcht' uns drängen gar zu gern Zur schimpflichsten der Thaten: Das Deutschthum, unsres Wesens Kern, Das sollen Ivir verrathen. Wir aber halten gute Wacht Und werden nicht erschlaffen. Wie einst in Noth und Sturm und Schlacht, So schallt's auch heute: Waffen! Und wo der kühne Ruf erklingt, Schart er die Kampfgenossen, Das Blut, das unsre Scholle düngt, Ist nicht umsonst geflossen. L 18 Ob wir im welschen Gau zufernst, Ob hoch in Böhmen Hausen, Ob Siebenbürgens Eichen ernst Um unsre Söhne brausen — Uns einet Sitte, Ehr' und Zucht, Die Sprache hold und süße, Und mahnend trägt durch Thal und Bucht, Die Donau Schwarzwalds Grüße. So lasst uns halten fürderhin An deutscher Sprach' und Treue, Dem deutschen Stamme, deutschem Sinn Gelobt euch an aufs neue. Der Osten kam in unsre Hut, Darnach thun wir uns schreiben, Doch deutsch sind wir in Mark und Blut Und wollen Deutsche bleiben. _ Josef Minter. 7. Weise: „Die Wacht am Rhein." Es braust heran des Sturmes Drang, Es ruft der Schlachttrompeten Klang: Herbei, herbei du deutsche Schar, Dein altes Recht ist in Gefahr. : Bleib unverzagt mein Vaterland, :! Fest steht und treu die Wacht am Donaustrand. Erhebt den Blick zu Hermanns Bild, Der euch beschützt mit seinem Schild, Und schwört in edler Kampfeslust: Du Land bleibst deutsch wie meine Brust. !: Bleib unverzagt ....:! 19 So lang ein deutsches Lied noch klingt Ein deutscher Arm den Degen schwingt So lang noch deutsches Blut sich regt: Kein Gegner uns in Fesseln schlägt, i: Bleib unverzagt ....:! Aus allen Herzen driugt's hervor Und braust dahin in mächt'gem Chor: Für deutsches Recht und deutsches Sein Wir alle treten freudig ein. !: Bleib unverzagt . . . . : 8. Weise des Dichters. Deutsche Worte hör' ich wieder; Sei gegrüßt mit Herz und Hand, Land der Freude, Land der Lieder, Schönes, heit'res Vaterland! Fröhlich kehr' ich nun zurück, Deutschland, du mein Trost, mein Glück O, wie sehnt' ich mich so lange Doch nach dir, du meine Braut! Und wie ward nur freudenbange, Als ich wieder dich erschaut! Sei gegrüßt mit Herz und Hand, Deutschland, du mein Vaterland. Alles Guten, alles Schönen reiche, Sel'ge Heimat du! Fluch den Feinden, die dich höhnen, s* 20 Fluch den Feinden deiner Ruh! Weg mit fremdem Lug und Tand, Deutschland, du mein Vaterland! Hoffmann v. Fallersleben. 9. Bekannte Weise. Es braust ein Ruf wie Donnerhall, Wie Schwertgeklirr und Wogenprall, Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein, Wer will des Stromes Hüter sein? Lieb Vaterland magst ruhig sein, Lieb Vaterland magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein, Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein. Durch Hunderttausend zuckt es schnell Und aller Augen blitzen hell, Der Deutsche, bieder, fromm und stark, Beschützt die heil'ge Landesmark. Lieb Vaterland rc. rc. Er blickt hinauf in Himmels-Au'n, Da Heldenväter niederschau'n, Und schwört mit stolzer Kampfeslust: Du Rhein bleibst deutsch wie meine Brust. Lieb Vaterland rc. rc. Und ob mein Herz im Tode bricht, Wirst du doch druni ein Wälscher nicht, Reich, wie an Wasser deine Flut, Ist Deutschland ja an Heldenblut. Lieb Vaterland rc. 21 So lang' ein Tropfen Blut noch glüht, Noch eine Faust den Degen zieht Und noch ein Arm die Büchse spannt, Betritt kein Feind hier deinen Strand. Lieb Vaterland rc. rc. Der Schwur erschallt, die Woge rinnt, Die Fahnen flattern hoch im Wind, Am Rhein, am Rhein, am deutschen Rhein, Wir alle wollen Hüter sein. Lieb Vaterland rcl rc. Sch^^urg.r. 10. Weise: „Wir hatten gebauet." Ich hab' mich ergeben Mit Herz und mit Hand : Dir, Land voll Lieb' und Leben, Mein deutsches Vaterland! :> Mein Herz ist entglommen, Dir treu zugewandt, : Du Land der Freien, Frommen^ Du herrlich Hermannsland! u Wir halten und glauben An Gott fromm und frei! U Will Vaterland dir bleiben Auf ewig fest und treu! : 22 Ach Gott, thu' erheben Mein jung Herzensblut !: Zu frischem frend'gen Leben Zu freiem frommen Muth! : Lass Kraft mich erwerben In Herz und in Hand, b Zu leben und zu sterben Fürs theure Vaterland! n 23 II. Abtheilnng. Volks- und Turnerlieder. Grmulgkseß tler lleitislskeit Tiu»ei'sssiaft, in schöne Reime gebracht. Grundgesetz der deutschen Turnerschaft, Wie es auf dem Turntag trat in Kraft Am 26. Juli zu Dresden im Stadtverordnetensaal Nach langer Berathung und Sitzungsqual. Die deutschen Turnvereine, die dies Gesetz zu¬ sammenrafft, Bilden vereint die deutsche Turnerschaft. Der Zweck derselben ist des Turnens Hebung Als Mittel zur körperlichen und sittlichen Belebung. Die Bkittel, die zur Erreichung nützlich scheinen, Sind insbesondere und im allgemeinen: s.) Eintheilung der Turnerschaft in Kreise, In planmäßiger Gestaltung, Art und Weise; k) Der Tnrntag, e) ein Ausschuss, Erwacht sind die Geister Aus schmählichem Tod, !: Als uns der alte Meister Den deutschen Gruß entbot. :> Da brausten die Flammen Von tapferem Muth, !: Da schlugen sie zusammen In einer Seele Glut. :! Und ist auch versunken Das flammende Wort: U Es glüht ein guter Funken Noch in Ver Asche sort, n Uns flammt noch das Auge Von männlicher Lust, !: Uns glüht vom Freiheitshauche Die freie, frohe Brust. U s 34 Uns soll nicht vergehen Der Funke der Nacht, 1 : Bis einst der Freiheit Wehen Zur Flamm' ihn uns anfacht! :! Dann schweben uns wieder Die Geister voran, !: Und deine Burg bricht nieder, Du alter Meister Jahn. : 19. Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein, Bei einer Frau Wirtin da kehrten sie ein. «Frau Wirtin, hat sie gut Bier und Wein? Wo hat sie ihr schönes Töchterlein?» -Mein Bier und Wein sind frisch und klar; Mein Töchterlein liegt auf der Todtenbahr'!» Und als sie traten zur Kammer hinein, Da lag sie in einem schwarzen Schrein. Der Erste schlug den Schleier zurück Und schaute sie an mit traurigem Blick: «Ach! lebtest du noch, du holde Maid, Ich würde dich lieben von dieser Zeit!» Der Zweite der deckte den Schleier zu Und kehrte sich um und weinte dazu: 35 «Ach! dass du liegst auf der Todtenbahr'! Ich hab' dich geliebet so manches Jahr!» Der Dritte, der hob ihn wieder sogleich Und küsste sie auf den Mund so bleich: -Dich liebt' ich immer, dich lieb' ich noch heut' Und werde dich lieben in Ewigkeit.-> L. Mail». 20. Bekannte Weise. Ich möchte sie wohl sehen, Ach, nur ein einzig mal! Da ich sie nun gesehen, Möcht' ich sie wieder sehen Noch viele tausendmal! Ihr Händchen möcht' ich drücken, Ach, nur ein einzig mal! Da ich es nun gedrückt, Möcht' ich es wieder drücken Noch hunderttausendmal! O könnt' ich sie doch küssen, Ach nur ein einzig mal! Da ich sie nun gekllsset, Möcht' ich sie wieder küssen Noch millionenmal! Eckkrmanu. 3* 36 21. Bekannte Weise. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Dass ich so traurig bin! Ein Märchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließet der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzet Dort oben wunderbar; Ihr gold'nes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr goldenes Haar, Sie kämmt es mit goldenem Kamme Und singt ein Lied dabei, Das hat eine wundersame, Gewaltige Melodei. Den Schiffer im kleinen Schiffe Ergreift es mit wildem Weh; Er schaut nicht die Felsenriffe, Er schaut nur hinauf in die Höh'. Ich glaube, die Wellen verschlingen Am Ende Schiffer und Kahn, Und das hat mit ihrem Singen Die Lorelei gethan. Heine, 37 22. Eigene Weise. Ich zog zur Hellen Stadt hinaus, Im Bündel all das Meine, Die Fenster hell an jedem Haus Im klaren Morgenscheine. Da dacht' ich still im Herzen mir: Aus all' den tausend Scheiben Winkt niemand heitern Abschied mir, i: Kein leiser Wunsch zu bleiben. :! Was frag' ich, ob mir einer frommt Von all den tausend Wegen, Aus meiner lieben Heimat kommt Mir keiner doch entgegen. Ich steh' allein in weiter Welt, Mag wo ich will erscheinen; Und als ich kam ins weite Feld, i : Da musst ich heftig weinen. : Leb' wohl, geliebtes Vaterland, Lebt wohl, ihr trauten Haine! Ich zieh nun fort ins ferne Land Beim klaren Morgenscheine. Ich denk' an euch mit nassem Blick, Muss lange von euch scheiden; Doch kehr' ich einst zu euch zurück, i: Dann jauchzt mein Herz voll Freuden! :i Fischer. 38 23. Steirisches Lied. Hoch vom Dachstein an, wo der Adler Hansl, Bis zum Bette, wo die Save braust, Wo die Sennerin frohe Jodler singt Und der Jäger kühn sein Jagdrohr schwingt, Liegt ein schönes Land, 's ist mein Heimatland, 's ist mein liebes, theures Steirerland. Wo Schallmeien-Klang früh den Schläfer weckt, Wenn der Nebel noch die Thaler deckt. Wo auf dunklem Pfad frohe Rinder zieh'n, Wenn im Sonnenstrahl die Alpen glüh'n: Dieses schöne Land rc. Wo der Gemsbock leicht über Felsen jagt Und der Büchse Knall das Echo weckt, Wo dem Steirer laut jede Scholle sagt: 's ist dis Erde, die dein Liebstes deckt. Dieses schöne Land rc. 24. Im Krug zum grünen Kranze Da kehrt' ich durstig ein; Da saß ein Wand'rer drinnen Am Tisch beim kühlen Wein. Ein Glas ward eingegossen, Das wurde nimmer leer; Sein Haupt ruht' auf dem Bündel, Als wär's ihm viel zu schwer. 39 Ich thät mich zu ihm setzen, Ich sah ihm ins Gesicht, Das schien mir gar befreundet Und dennoch kannt' ich's nicht. Da sah auch mir ins Auge Der fremde Wandersmann Und füllte meinen Becher Und sah mich wieder an. Hei, wie die Becher klangen, Wie brannte Hand in Hand: «Es lebe die Liebste deine, Herzbruder, im Vaterland!» W. MA-r. 25. Bekannte Weise. In einen: kühlen Grunde Da geht ein Mühlenrad, Mein Liebchen ist verschwunden, Das dort gewöhnet hat. Sie hat mir Treu' versprochen, Gab mir cin'n Ring dabei; Sie hat die Treu' gebrochen. Das Ringlein sprang entzwei. Ich möcht' als Spielmann reisen Weit in die Welt hinaus, Und singen meine Weisen Und zieh'n von Haus zu Haus. 40 Ich möcht' als Reiter fliegen Wohl in die blut'ge Schlacht, Um stille Feuer liegen Im Feld bei dunkler Nacht. Hör' ich das Mühlrad gehen, Ich weiß nicht, was ich will, Ich möcht' am liebsten sterben, Da wär's auf einmal still. I. v. Eichmdorff. 26. Bekannte Weise. Mädels ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite, I hab' di gar so gern, i kann di leide. Bischt so lieb und guet, Schön wie Milch und Bluet, Du musst bei mir bleibe, Musst mir d' Zeit vertreibe. Modele ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite, I hab' di gar so gern, i kann di leide. Mädele guck, guck, guck in meine schwarze Auge, Tu kannst dei lieblich's Bild'le drinne schaue; Guck no recht drei nei, Du musst drinne sei; Bischt du drinne z'Haus, Kominst au nimme raus. Mädele guck, guck, guck in meine schwarze Auge, Du kannst dei lieblich's Bild'le drinne schaue. 41 Mädele du, du, du musst mir den Trauring gebe, Denn sonst liegt mir ja nix an meinem Lebe; Wenn i di nit krieg', Gang i fort in Krieg, Wenn i di nit hab', Jscht mir d' Welt a Grab. Mädele du, du, du musst mir den Trauring gebe, Denn sonst liegt mir ja nix mehr an mei Lebe. Schwäbisches Volkslied. 27. Volksweise. Morgen muss ich fort von hier Und muss Abschied nehmen; O du allerschönste Zier, Scheiden das bringt Grämen. Scheiden macht mich so betrübt, Dass ich dich, die mich geliebt Ueber alle Maßen, Soll und muss verlassen. Wenn zwei gute Freunde sind, Die einander kennen, — Sonn' und Mond begegnen sich, Ehe sie sich trennen. Wie viel größer ist der Schmerz, Wenn ein treu verliebtes Herz Muss von Seinesgleichen Eine Zeitlang weichen. 42 Küsset dir ein Lüstelein Wangen oder Hände: Wisse, dass cs Seufzer sei'n, Die ich zu dir sende. Tausend schick' ich täglich aus, Die da wehen um dein Haus, Diese da zu finden, Die mich konnte binden. Anaden Wimdkrhor». 28. Volksweise. Muss i denn, muss i denn zum Städtele 'naus, Und du mein Schatz bleibst hier? Wann i komm, wann i komm, wann i wiederum Kehr' i ein, mein Schatz, bei dir. skomm, Kann i gleich net aü'weil bei dir sein, Hau i doch mein' Freud' an dir. Wann i komm rc. Wie du weinst, wie du weinst, dass i wand're muss ? Wie wenn d' Lieb jetzt wär' vorbei; Sind au draus, sind au draus der Mädele viel, Lieber Schatz, i bleib' dir treu. Denk du net, wenn i ein' and're seh' So sei mein' Lieb' vorbei. Sind au draus re. Uebers Jahr, übers Jahr, wenn me Träubels Stell' i hier mi wiederum ein; sschneid't, Bin i dann, bin i dann dein Schätzele noch, 43 Dann soll die Hochzeit sein. Nebers Jahr, da ist mein' Zeit vorbei, Ta gehör' i mein und dein; Bin i dann rc. Schwäbisch» v-lksiier. 29. O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter! Tu grünst nicht nur zur Sommerszeit, Im "Winter auch, wenn's sriert und schneit. O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter! O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüthe! Du schwurst mir Treu' in meinem Glück; Nun arm ich bin, gehst du zurück. O Mägdelein rc. Die Nachtigall, die Nachtigall nahmst du dir zum Exempel! Sie bleibt, so lang der Sommer lacht, Im Herbst sie sich vondannen macht. Tie Nachtigall rc. Ter Bach im Thal, der Bach im Thal ist deiner Falschheit Spiegel! Er strömt allein, wenn Regen fließt, Bei Dürr' er bald den Quell verschließt. Ter Bach im Thal rc. 44 30. Wenn die Schwalben heimwärts zieh'n, Wenn die Rosen nicht mehr blüh'n, Wenn der Nachtigall Gesang Mit der Nachtigall verklang, Fragt das Herz Mit bangem Schmerz: Ob ich dich auch wieder seh'? Scheiden, ach Scheiden, Scheiden thut weh! Wenn die Schwäne südlich zieh'n, Dorthin, wo Citronen blüh'n, Wenn das Abendroth versinkt, Durch die grünen Wälder blinkt, Fragt das Herz n s. w. Armes Herz, was klagest du? O, auch du gehst einst zur Ruh'. Was auf Erden muss vergeh'«, Gibt es wohl ein Wiederseh'n? Fragt das Herz u. s. w. Darum, frag' nicht, armes Herz, Trag' geduldig deinen Schmerz! Wohl gibt es ein Wiederseh'n Oben in den Himmelshöh'n. Freu' dich, Herz, Zu deinem Schmerz, Denn das Scheiden ist auch schön, Weil es gibt ein Wiederseh'n. Herloftsshn. 45 31. Bekannte Weise. Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein aus der Haiden, War so jung und morgenschön, Lief er schnell, es nah zu seh'n, Sah's mit vielen Freuden. Röslein, Röslein, Röslein roth, Röslein auf der Haiden. Knabe sprach: Ich breche dich, Röslein auf der Haiden; Röslein sprach: Ich steche dich, Dass du ewig denkst an mich, Und ich will's nicht leiden. Röslein rc. Und der wilde Knabe brach 's Röslein auf der Haiden. Röslein wehrte sich und stach: Half ihm doch kein Weh und Ach, Musst' es eben leiden. Röslein rc. Goethe. 32. Bekannte Weise. Schier dreißig Jahre bist du alt, Hast manchen Sturm erlebt; Hast mich wie ein Bruder beschützet, Und wenn die Kanonen geblitzet, Wir beide haben niemals gebebt. 46 Wir lagen manche liebe Nacht Durchnässt bis auf die Haut. Du allein, du hast mich erwärmet, Und was mein Herz auch gehärmet, Das hab' ich dir, Mantel, verrraut. Geplaudert hast du auch nimmermehr, Du warst mir still und treu; Du warst getreu in allen Stücken, Drum lass ich dich auch nicht mehr flicken, Du, Alter, würdest sonst neu. Und mögen sie mich verspotten, Du bleibst mir theuer doch, Denn wo die Fetzen 'runter hangen, Sind die Kugeln hindurch gegangen; Jede Kugel macht ein Loch. Und wenn die letzte Kugel kommt Ins deutsche Herz hinein: Lieber Mantel, lass dich mit mir begraben, Weiter will ich von dir nichts haben, In dich hüllen sie mich ein. Da liegen wir zwei beide Bis zum Appell im Grab. Der Appell macht alles lebendig, Da ist es denn auch ganz nothwendig, Dass ich mein Mantel hab'. A. v. HoUei. 47 33. So viel Stern' am Himmel stehen, An dem güld'nen, blauen Zelt; So viel Schäflein, als da gehen In dem grünen, grünen Feld; So viel Vöglein, als da fliegen, Als da hin und wieder fliegen: So viel mal sei du gegrüßt! Mit Geduld will ich cs tragen, Denk' ich immer nur zu dir; Alle Morgen will ich sagen: O mein Schatz, wann kömmst zu mir? Alle Abend will ich sprechen, Wenn mir meine Aeuglein brechen: O mein Lieb, gedenk' an mich! Ja, ich will dich nicht vergessen, Enden nie die Liebe mein; Wenn ich sollte unterdessen Auf dem Todtbett schlafen ein; Auf dem Kirchhof will ich liegen, Wie das Kindlein in der Wiegen, Das die Lieb' that wiegen ein. 34. Volksweise. Warum bist du denn so traurig? — Sum, sum, — Bin ich aller Freuden voll? — Sum, sum, — 48 Meinst, ich sollte dich verlassen, Sollte dich verlassen, Du gefällst mir gar so wohl. Morgen will mein Lieb abreisen, Abschied nehmen mit Gewalt; Draußen singen schon die Vögel In dem Wälde mannigfalt. Saßen da zwei Turteltauben, Oben auf dem grünen Ast; Wo sich zwei Verliebte scheiden, Ta verwelket Laub und Gras. Laub und Gras, das mag verwelken, Aber treue Liebe nicht, Du kommst mir zwar aus den Augen, Doch aus meinem Herzen nicht! AUlS Lied. 35. Volksweise. Was hab' ich denn meinem Feinsliebchen gethan? Es geht an mir vorüber und schaut mich nicht an; Es schlägt seine Aeuglein tief unter sich — Und hat einen andern viel lieber wohl als mich. Das macht ihr stolzer, hochmüthiger Sinn, Und weil ich ihr nicht schön und nicht reich genug bin; Und bin ich auch nicht reich, so bin ich doch so jung! Herzallerliebstes Schätzele, ist das dir nicht genung? 49 Die tiefen, tiefen Wasfer, die haben keinen Grund, Lass ab von der Liebe, sie ist dir nicht gesund! Ihr hohen, hohen Berge, du tiefes, tiefes Thal, — Heut' seh' ich dich, mein Schätzele, zum allerletztenmal. 36. Wer hat dich, du schöner Wald, Aufgebaut so hoch da droben? Wohl den Meister will ich loben, So lang' noch mein' Stimm' erschallt. Lebe wohl, lebe wohl. Du schöner Wald! Tief die Welt verworren schallt. Oben einsam Rehe grasen, Und wir ziehen fort und blasen, Dass es tausendfach verhallt: Lebe wohl, lebe wohl, Du deutscher Wald! Banner, das so kühle wallt! Unter deinen grünen Wogen Hast du treu uns auferzogen, Frommer Sagen Aufenthalt! Lebe wohl, lebe wohl, Du schöner Wald! Was wir still gelobt im Wald, Wollen's draußen ehrlich halten, Ewig bleiben treu die Alten; Deutsch' Panier, das rauschend wallt, Lebe wohl, schirm dich Gott, Du schöner Wald! L 50 37. Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein! Ade nun, ihr Lieben, geschieden muss sein! -: Ade nun, ihr Berge, du väterlich Haus! Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus! n Die Sonne, die bleibet am Himmel nicht steh'n, Es treibt sie durch Länder und Meere zu geh'«! !: Die Woge nicht haftet am einsamen Strand, Die Stürme, die brausen mit Macht durch das Land. :! Mit eilenden Wolken der Vogel dort zieht, Und singt in der Ferne manch heimatlich Lied; >: So treibt es den Burschen durch Wälder und Feld, Zu gleichen der Mutter, der wandernden Welt, n Da grüßen ihn Vögel bekannt über'm Meer, Sie flogen von Fluren der Heimat hierher; !: Da duften die Blumen vertraulich um ihn, Sie treiben vom Lande die Lüfte dahin. :! Die Vögel, sie kennen sein väterlich Haus, Wo Blumen einst pflanzt er der Liebe zum Strauß; i: Und Liebe die folgt ihm, die geht ihm zur Hand, So wird ihm zur Heimat das ferneste Land. :! I. A-rmr. 51 38. Volksweise. Zu Mantua in Banden der treue Hofer war, In Mantua zum Tode führt ihn der Feinde Schar; Es blutete der Brüder Herz, Ganz Deutschland, ach! in Schmach und Schmerz, Mit ihm das Land Tirol. Die Hände auf dem Rücken der Sandwirt Hofer gieng Mit ruhig festen Schritten, ihm schien der Tod gering; Der Tod, den er so manchesmal Vom Jselberg geschickt ins Thal Im heil'gen Land Tirol. Doch als aus Kerkergittern im festen Mantua Die treuen Waffenbrüder die Hand' er strecken sah, Da rief er laut: «Gott sei mit euch, Mit dem verrath'nen deutschen Reich Und mit dem Land Tirol!» Dem Tambour will der Wirbel nicht unter'm Schlägel vor, Als nun der Sandwirt Hofer schritt durch das finst're Thor. Der Sandwirt, noch im Banden frei, Dort stand er fest aus der Bastei, Der Mann vom Land Tirol. Dort sollt'er niederknien; ersprach: -Dasthu' ich nit, Will sterben, wie ich stehe, will sterben, wie ich stritt, So wie ich steh' auf dieser Schanz'; Es leb' mein guter Kaiser Franz, Mit ihm das Land Tirol!- 52 Und von der Hand die Binde nimmt ihm derCorporal, Und Sandwirt Hofer betet allhier zum letztenmal; Dann ruft er laut: «Nun trefft mich recht! Gebt Feuer! — Ach, wie schießt ihr schlecht! Ade, mein Land Tirol!-- 39. Steh' ich in finstrer Mitternacht So einsam auf der stillen Wacht, So denk' ich an mein fernes Lieb, Ob mir's auch treu und hold verblieb. Als ich zur Fahne fortgemüsst, Hat sie so herzlich mich geküsst, Mit Bändern meinen Hut geschmückt Und weinend mich an's Herz gedrückt. Sie liebt mich noch, sie ist mir gut, Drum bin ich froh und wohlgemuth; Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht, Wenn es ans treue Lieb gedacht. Jetzt bei der Lampe mildem Schein Gehst du wohl in dein Kämmerlein, Und schickst dein Nachtgebet zum Herrn Auch für den Liebsten in der Fern'! Doch wenn du traurig bist und weinst, Mich von Gefahr umringet meinst — Sei ruhig, bin in Gottes Hut! Er liebt ein treu Soldatenblut. 53 Die Glocke schlägt, bald naht die Rund' Und löst mich ab von dieser Stund'; Schlaf wohl im stillen Kämmerlein Und denk' in deinen Träumen mein! 40. Diandle geh' her zum Zaun, Lass' dir in d' Aeuglau schau'n, Wie deine Aeuglan sein, Schwarz oder braun. I geh' nit her zum Zaun, Lass' nit in d' Aeuglan schau'n, Bist lei a Schlange!, Bua, Trau' dir nix zua. Hab' dir in d' Aeuglan g'schaut; D' Aeuglan war'n trüab, Und i hab' mir's nit sagen traut, Wia i di liab. Hiaz bin i da beim Zaun, Kannst mir in d' Aeuglan schau'n, Wia meine Aeuglan sein, Schwarz oder braun. _ Fraydl. 41. Diandle ties d'runt im Thol, Jauchz herauf zu mir amol, !: Denn es ist ja fchon lange her, Dass i dei Stimm nit hör. : 54 Mei Herz kennt nur zwa Tön, Die Glocken und dei Stimm so schön, U Und tönen's tief vom Thal herauf, Thut sich der Himmel vor mir auf. n O wär i Herrgott auf a Stund, Dass i di glücklich machen kunnt, U I schaffet di zu an Engel g'schwind, Der mir und der Welt mei Glück verkündt. : ! _ AärutnerUed. 42. Mei Diandle is sauber, Das is just ka Schaud; Der Pfarrer hat gmoant gar, S' wär d' Rarste im Land, Drum hab' i dem Diadlan Ganz hoamlich was g'sagt; Is G'spaß oder Ernst, Bua? Hat's mi nacher g'fragt. Mei Schatzcrl, mei herzigs, Wia kunnt i denn liag'n? Mei anziger Wunsch war, Als Weib di zu kriag'n! Geh' schau mir in d' Augen, Greif d' Wangen, wia haß! Dö sagen dir deutlich, Is Ernst oder G'spaß. Im Wald schreit der Kuckuck, Do Nachtigall schlagt; Da hat mi af amol Dö Eifersucht plagt; 55 I geh' glei zum Hüttlan, Das mei'm Diandlan g'hört, Und schau mi stad uma, Ob mi niemand hört. Da siech' i, wia's Engerl Beim Böttstatlan lahnt, Wia's d' Handlan schön faltet, Wia's betet und Want: Gott gib' mir mein Hansel, Und dann hab i gnua! Das z'hör'n und noch Harb sein, Ah, das kunnt ka Bua! _ Aärntnerlied. 43. Mei Muada sagat's gern, I sollt' a Geistler Wern, Sollt dö Diandlan lassen, Das war ihr Begehr'u. Der Muada folg i nöt, Ka Geistler wer' i nöt Und dö Diandlan lass i erst recht nöt! Juch holdio, Holdiaido, holla diado! Und wann die Sunn aufgeht, Und wann da Halta blast, Wann da Kuckuck drauß' im Wald Sich hören lasst, Da thuat's mir gar so weh, Da thuat's mir gar so and! Denn i bin halt nöt im Karntnerland! Juch holdio, Holdiaido, holla diado! 56 Mei Diandl ist sakrisch fein, Das waß das ganze Land; Drum g'hört's a nur mein, Sunst war's für mi a Schänd. I bin a fescha Bua, Ich bin a Karntnerbua, Und das is halt für a Diandle gnua! Juch holdio, Holdiaido, holla diado! _ Kärntnerlied. 44. Verlassen, verlassen, Verlassen bin i! Wie der Stan af der Straßen Ka Diandle mag mi! Drum geh' i zum Kirchlan, Zum Kirchlan weit 'naus, i Durt knie i mi nieder Und wan mi holt aus! : ! Im Wald steht a Hügerl, Viel Bleamerln blüh'n d'rauf, Durt schlaft mein arm's Diandle, Ka Liab weckt's mehr auf. Durt hin is mei Wallfahrt, Durt hin is mei Sinn, : Durt merk i recht deutlich, Wia verlassen i bin. 57 III. Abteilung. Kneixlieder. ^5. Singw. : Krambambuli, das ist rc. Wenn wir gewippt und voltigieret, Wenn uns das Turnen müd' gemacht, Wird in die Kneipe froh marschieret, Dort wird geulkt und viel gelacht. Gebiegelt wird zwar auch sehr viel, Doch jederzeit mit Maß und Ziel, Beim Li- La- Lampenschein, Beim Lampenschein. Lilsutium, die Kneip' ist offen, Nanu vergesst die Regeln nicht; Wer jetzt bei einem Rülps betroffen, Wer irgend welches Fremdwort spricht, Auch wer da flucht und Herr tit'liert. Der schnell von uns verdonnert wird Zum Kri- Kra- Kreuzerlein, Zum Kreuzerlein. Weh deni, der sich zu zahlen sträubet, Der Kneiphader, er schreitet schnell Und trinkt, dass nichts im Glase bleibet, Den Bierstoff weg ihm auf der Stell'. 58 Drum lieber zahlt das Kreuzerlein, Als büßet so viel Bierstoff ein, 's ist Schi- Scha- Schade drum, 's ist Schade drum. Und ist ein Gast in unsrer Mitte, Was uns stets viel Vergnügen macht, Wird ihm nach echter Turnersitte Als Willkomm' ein «Gut Heil» gebracht; Das heißt, wenn er sich nobel zeigt Und uns in Barem überreicht Drei Zi- Za- Zehnerlein, Drei Zehnerlein. Wer nur zwei Zehnerlein lässt springen, Dem wird ein «Tätretä» gebracht, Und soll'n ein -Wacker» wir ausbringen, Wird gar nicht erst viel Sunrs gemacht; Es trägt ja nur ein Zehnerlein, Wer wird sich da erst heiser schrei'n. Das fi- fa- fehlte noch, Das fehlte noch. Ach wenn doch immer recht viel Gäste Bei uns erschienen, — wär' das schön! Und für den Säckel wär's das Beste, Der würde stets in Blüte steh'n. Drum ladet nur viel Gäste ein, Von wegen recht viel Zehnerlein, Und Gi- Ga- Gulden auch, Und Gulden auch. S9 46. Weise: „O Tannebaum." Im Russenland, im Russenland, Es grenzt ans Ungeheure, Im Russenland, im Russenland, Da trinkt man Schwefelsäure. Wir haben keinen Russenleib Und trinken Bier zum Zeitvertreib, Und singen froh zu jeder Zeit: Hoch leb', du edle Feuchtigkeit! Giraffe du, Giraffe du, Was nützt dir dein Gefälle? Giraffe du, Giraffe du, Trinkst du aus trüber Quelle! Den trüben Quell nicht lieben wir, Wir trinken alle Sorten Bier, Und singen froh rc. O Eskimo, o Eskimo, Im Kajak, deinem Kahne, O Eskimo, o Eskimo, Labst dich am Seehundsthrane! Den Eskimo bewundern wir Und trinken statt des Thranes Bier Und singen froh rc. Ja jedermann, ja jedermann Hat darin seine Weife; Ein jeder nährt sich, wie er kann, Durch Nank und auch durch Speise. Und Turnersleute, so wie wir, Die nähren sich von gutem Bier Und singen froh rc. 60 47. Kneipwirt! noch ein Bier herauf Frisch aus deinem Keller, Halt' dich unterwegs nicht auf, Lieber lauf was schneller. Spute dich, bring' Bier, bring' Bier Und vor allem merke dir: ! : Durst, den hab' ich immer. : ! Kleines Geld zwar fehlet mir Ziemlich alle Tage, Und mit Gold und Staatspapier Ich mich auch nicht plage. Mo- und Jmmobilia, Fehl'» mir zwar, doch eins ist da: !: Durst, den hab' ich immer. :! Wenn an manchen Tagen mich Schrecklich katzenjammert, Wenn der böse Ullerich Krampfhaft mich umklammert, Wenn im Essen auch nichts los, Bin ich doch im Biegeln groß, !: Durst, den hab ich immer, u. Geht die Reis' einst himmelan, Reit' ich auf 'nem Fasse, Vollgefüllt bis obenan Mit solch edlem Nasse. — Zieht dann Petrus ein Gesicht, Sag' ich: Bruder, brumme nicht, U Durst, den hab' ich immer. :j 61 48. Turnerbrüder, setzt euch nieder, Nehmt das volle Glas zur Hand, Lasst uns 'mal ein Liedchen singen Von dem schönen Turnerstand. Jeder wack're Turnersmann Stimme mit das Liedchen an: l: Frisch, fromm, froh, frei Von der Turnerei. Wenn der Turner morgens wach wird, Streckt er seine Glieder aus, Springt sodann mit einem Satze Aus dem warmen Nest heraus. Brennt sich die Cigarre an, Stimmt das hcit're Liedchen an: >: Frisch re. :! Hat der Turner sich ums Dasein Nun den ganzen Tag geplagt, Wird am Abend gar so gerne Turnerfreuden nachgejagt. Jeder gern die Gläser schwingt, Treu dem Liedchen, das da singt: !: Frisch rc. :i Kommt dem Turner, wie so häufig, Ein hold' Mägdelein in' Weg, Da wird ihm der Mund geläufig Und so manch Gefühle reg'. Denn der Turner kennt nicht Zwang, Auf ihn wirkt des Liedes Klang: !: Frisch rc. :t 62 Barren, Reck, Bock, Seil und Hanteln Sind des Turners Element, Darum strebe jeder Turner, Dass er sich dies angewöhnt; Denn das Turnen Kräfte bringt, Doppelt gern dann jeder singt: Frisch re. :! Frisch im Körper, fromm im Herzen, Froh im Geiste, frei in That, Sind des Turners schönstes Eigen, Das er treu zu Pflegen hat. Darum sei dies hochgeehrt, Damit stets das Liedchen währt: Frisch rc. :! 49. Bekannte Weise. Grad' aus dem Wirtshaus nun komm' ich heraus : Straße, wie wunderlich siehst du mir aus; Rechter Hand, linker Hand, beides vertauscht, Straße, ich merk' es wohl, du bist berauscht. Was für ein schief Gesicht, Mond, machst denn du? Ein Auge hat er auf, eins hat er zu! Du wirst betrunken sein, das seh ich hell! Schäme dich, schäme dich, alter Gesell! Und die Laternen erst — was muss ich seh'n! — Die können alle nicht g'rade mehr steh'n, Wackeln und fackeln die Kreuz und die Quer, Scheinen betrunken mir allesammt schwer. 63 Alles im Sturme rings, Großes und Klein; Wag' ich darunter mich nüchtern allein? Das scheint bedenklich mir, ein Wagestück! Da geh' ich lieber ins Wirtshaus zurück. H. o. Mühler. 50. Bekannte Weise. Turnersmann auf seiner Reis', juchheidi, juchheida. Ganz famos zu leben weiß, juchheidi, heida, Immer fort durch Dick und Dünn Schlendert er durchs Dasein hin, Juchheidi, heidi, heida, juchheidi, juchheida, Juchheidi, heidi, heida, juchheidi, heida. Hat der Turner auch kein Geld, juchheidi, juchheida, Ist er drum nicht schlecht bestellt, juchheidi heida. Manches feiste Pstffelein Ladet ihn zum Frühstück ein; Juchheidi rc. Kehr'n wir in ein Wirtshaus ein, juchheidi, juchheida, Trinken wir stets Bier statt Wein, juchheidi, heida, Deutsche Mädchen sind uns hold, Denn wir tragen Schwarz-roth-gold! Juchheidi rc. Bairisch Bier und Leberwurst, juchheidi, juchheida, Und ein Kind mit runder Brust, juchheidi, heida. Und ein Glas Crambambuli, Donnerwetter Paraplui! Juchheidi rc. 64 51. Singweise: „Weint mit mir. " Trinkt mit mir, ihr lieben Kneipkumpane, Treu dem Wahlspruch hier auf unsrer Fahne: Durst, den hab' ich immer — Tag und Nacht. Und wen soll auch solcher Stoff nicht locken? Wer lässt hier die Kehle wohl gern trocken? Wer nicht trinkt, der wird nur ausgelacht. Mögen Anti-Turnvereinler schimpfen Und Philister ihre Nasen rümpfen, Immerzu, uns kümmert's nimmermehr. Ist der Durst bei uns auch ganz unbändig, Sind wir doch stets nüchtern und anständig. Wer's nicht glaubt, der komm' nur selbst 'mal her. Wer da meint, dass wir hier Unfug treiben, Ernste Dinge unbesprochen bleiben, Ja fürwahr, der ist auf falschem Weg. Keiner von uns wird darauf vergessen: Obenan stehn des Vereins Jnt'ressen. Sie zu fördern ist der Kneipe Zweck. Drum die Kneipe lasst nicht untergehen, Mag's auch der und jener nicht gern sehen, Wenn sie blüht — wir kneipen deshalb doch. Das Bewusstsein, Gutes anzustreben, Mög die Kneipe immermehr beleben, Ein Gut Heil! die Kneipe lebe hoch! Auffiger Aneipbibel. 65 52. Es waren 'mal drei Gesellen, Die thäten sich was erzählen; Sie hielten unter sich Wohl einen weisen Rath, Wer unter ihnen wohl Das schönste Mädchen hat. Da war auch einer d'runter, Und nicht verschweigen kunnt' er: Dem hätt' auf diese Nacht Sein Liebchen zugesagt, Dass er bei ihr sollt sein In stiller, trauter Nacht. Das Mädchen stand Pförtchen Und hörte jedes Wörtchen. Du lieber juter Jott Verleih mir Muth und Kraft, Dass dieser Bösewicht An mir kein Antheil hat. Des Morgens um halb viere, Klopft er an ihre Thüre; Er klopft ganz leise an, Mit seinem Siegelring: Schläfst oder wachest du Herzallerliebstes Kind? Mag schlafen oder wachen, Ich thu' dir nicht aufmachen, Geh' du nur immer hin, 66 Wo du gewesen hast, Und binde deinen Gaul An einen dürren Ast. Wo soll ich denn hinreiten? Es schlafen alle Leuten, Es schlafen alle, Leut', Vieh, Menschen, Weib und Kind, Es regnet und es schneit Und weht ein kühler Wind. Das thut mich gar nicht rühren, Das dir thut das passieren, Denn wer ein Mädel hat Und sagt es jedermann, Der klopft denn auch, wie du, Sehr oft vergebens an. Da sprachen die Herr'n Hausknechte: Dem Kerl geschieht ganz rechte; Hätt' er geschwiegen still Und's Maul gehalten fein, So wär' er heute Nacht Beim schönsten Mägdelein. 53. Bekannte Weise. Ein lust'ger Musikante marschierte einst am Nil, 0 tsmporn, o moros! Da kroch aus dem Gewässer ein großes Krokodil, 0 tomporn, o moros! 67 Das wollt' ihn gar verschlucken, Wer weiß wie das geschah? Juchheirassassassa, 0 tsinpo-tsmpora! Gelobet seist du jederzeit, Frau Musika! Da nahm der Musikante hervor sein' alte Geig'n, 0 tsinporu oto,., Und thät mit seinem Bogen sehr fein darüber streich'n, 0 tsinporu ste., LcklsZro, äolcs, presto! Wer weiß rc. Und wie der Musikante den ersten Strich gethan, 0 tsinpora sta., Da fieng das Krokodile gar schön zu tanzen an, 0 teinporu ete., Menuett, Galopp und Walzer, Wer weiß rc. Es tanzte wohl im Sande im Kreise herum, 0 tsmpors. ste., Und tanzte sieben alte Pyramiden um, 0 tsmporu ste., Denn die sind lange wacklicht, Wer weiß rc. Und als die Pyramiden das Teufelsvieh erschlagen, 0 tsmporu ste., Da gieng er in ein Wirtshaus und sorgt für seinen 0 tsinporu sto., Magen, Tokaierwein, Burgunderwein, Wer weiß rc. s» 68 'ne Musikantenkehle, die säuft als wie ein Loch, 0 tsinpors. sie., Und hat er noch nicht aufgehört, so säuft er immer 0 tsmporn sic.. snoch, Und wir, wir trinken mit ihm, Wer weiß rc. E. Weibel. 54. Bekannte Weise. Der Papst lebt herrlich in der Welt, Es fehlt ihm nicht an Ablassgeld, Er trinkt den allerbesten Wein; Ich möchte doch der Papst auch sein. Doch nein, er ist ein armer Wicht, Ein holdes Mädchen küsst ihn nicht, Er schläft in seinem Bett allein; Ich möchte doch der Papst nicht sein. Der Sultan lebt in Saus und Braus, Er wohnt in einem großen Haus Voll wunderschöner Mägdelein; Ich möchte doch auch Sultan fein. Doch nein, er ist ein armer Mann, Lebt er nach seinem Alkoran, Er trinkt nicht einen Tropfen Wein Ich möchte doch nicht Sultan fein. 69 Getrennt wünscht' ich mir beider Glück Nicht einen einzigen Augenblick, Doch das gierig' ich mit Freuden ein: Bald Papst, bald Sultan möcht' ich sein. Drum, Mädchen, gib mir einen Kuss, Denn jetzt bin ich der Sultanus; Drum, traute Brüder, schenkt mir ein, Damit ich auch der Papst kann sein. 55. Was fang' ich armer Teufel an? Die Gelder sind verzehret; Mein Hab' und Gut ist all' verthan, Der Beutel ausgeleeret, Und daraus folgt der harte Schluss, Dass ich aus --wandern muss, O jerum, jerum, jerum, 0 (juus rrrutntio rsruin! Und Wäsche hab' ich auch nicht mehr, Als nur ein einzig Hemde, Das thut mir in der Seele weh, Und deucht mir gar zu fremde. Ein'n alten Gottfried hab' ich noch, Der hat am Arm ein großes Loch, O jerum rc. Nach Hause darf ich auch nicht mehr, Da hat man mich vergessen, Seitdem ich Doctor worden bin Im Saufen und im Fressen, 70 Gespielt, getanzt und commersiert Und die Gesundheit ruiniert. O jerum rc. Aufs Kirchgeh'n hielt ich auch nicht viel. Die Kneipe war mir lieber, Beim Bier-Ramps und beim Pereatspiel, Da gieng ich nie vorüber, Und statt in das Collegium, Zog ich bei Mädchen oft herum, O jerum rc. In meiner Stub' ist alles leer, Da ist nichts mehr zu finden, Als nur ein altes Mordgewehr, Das will ich um mich binden Und gegen die Franzosen zieh'n, Vielleicht wird da mein Glück mir blüh'n, O jerum rc. 56. Laurentia, liebe Laurentia mein! Wann werden wir wieder beisammen sein? «Am Sonntag!» Drum wollt' ich, dass alle Tag Sonntag wär' Und ich bei meiner Laurentia wär'! Laurentia! Laurentia, liebe Laurentia mein! Wann werden wir wieder beisammen sein? «Am Montag!» Drum wollt' ich, dass alle Tag Sonntag, Montag wär', Und ich bei meiner, bei meiner Laurentia wär'! rc. 71 57. Alte Weise. Das schwarzbraune Bier, das trink' ich so gerne, Und schwarzbraune Mädel, die küss ich so gerne; Ei du, ei du, ei du scharmantes Dudel dudeldei, Juvivallerallera, juvivallerallera, Du lässt mir keine Ruh. Das Mägdlein hat zwei Aeugelein, Die glänzen wie zwei Sternelein; Ei du rc. Das Mägdlein hat einen rosigen Mund, Und wer den küsst, der wird gesund; Ei du rc. 58. Ein Heller und ein Batzen war'n allzweibeide mein — !: Der Heller ward zu Wasser, der Batzen ward zu Wein. :! Die Mädel und die Wirtsleut', die rufen beid': O weh! 1 : Die Wirtslcnt', wann ich komme, die Mädel, wann ich geh'! :! Mein' Stiefel sind zerrissen, mein' Schuh', die sind entzwei, !: Und draußen auf der Heide, da singt der Vogel frei. :! Und gäb's kein' Landstraß' nirgends, da säß' ich still zu Haus, U Und gäb's kein Loch im Fasse, so tränk' ich gar nicht d'raus! 72 59. Bekannte Weise. Ein Vater mit seinem Sohne gung, Radibum, radibum, radibnm! Ein' Spitzbuben man an den Galgen hung, Radibum, radibum, radibum! Da hackten ihm die Raben in das Angesicht, Radibum, radibum, radibum! Hinauf kam er wohl, aber 'runter kunnt er nicht, Radibum, radibum radibum! U Mit ihm sein Land Tirol :s Der Vater zu dem Sohne spricht: Wünsch' dich auf keinen Galgen nicht! Da hacken dir die Raben in das Angesicht, Hinauf kommst du wohl, aber 'ruuter kannst du nicht, Radibum rc. Und als ein Jahr verflossen kaum, Der Vater Hieng an Galgens Baum, Da hackten ihm die Raben in das Angesicht, Hinauf kam er wohl, aber 'runter kunnt er nicht, Radibum rc. Und wiederum ein Jahr vergieng, Auch der Sohn nun an dem Galgen Hieng, Da hackten ihm die Raben rc. Und die Moral von der Geschieht': Wünsch dich auf keinen Galgen nicht, Da hacken dir die Raben in das Angesicht; Hinauf kommst du wohl, aber 'runter kannst du nicht. 73 60. Zwei Singweise.i. Als die Römer frech geworden, Zogen sie nach Deutschlands Norden; Borne mit Trompetenschall Zog der Gen'ralfeldmarschall Herr Quintilius Barns. In dem Teutoburger Walde, Huh! wie pfiff der Wind so kalte! Raben flogen durch die Luft, Und es war ein Moderduft, Wie von Blut und Leichen. Plötzlich aus des Waldes Duster Brachen krampfhaft die Cherusker. Mit Gott für Fürst und Baterland Stürmten sie, von Wuth entbrannt, Gegen die Legionen. Weh, das war ein großes Morden, Sie erschlugen die Cohorten, Nur die röm'sche Reiterei Rettete sich in das Frei', Denn sie war zu Pferde. O Quintili, ariner Feldherr! Dachtest du, dass so die Welt wär'?! Er gerieth in einen Sumpf, Verlor zwei Stiefel und einen Strumpf Und blieb elend stecken. 74 Da sprach er voll Aergernusien Zu Herrn Cmturio Titiussen: «Kam'rade, zeuch dein Schwert hervor Und von hinten mich durchbohr, Weil doch alles futsch ist.» In dem armen röm'schen Heere Diente auch als Volontäre Scaevola, ein Rechtscandidat, Den man schnöd' gefangen hat, Wie die andern alle. Diesem ist es schlecht ergangen; EH' dass man ihn aufgehangen, Stach man ihn durch Zung' und Herz, Nagelte ihn hinterwärts Auf sein Llorpus 4uris. Als das Akorden war zu Ende, Rieb Fürst Hermann sich die Hände, Und um sich noch mehr zu freu'n, Lud er die Cherusker ein, Zu 'nem großen Frühstück. Hui, da gab's westfäl'sche Schinken, Bier, so viel sic wollten trinken. Selbst im Zechen blieb er Held; Doch auch seine Frau Thusneld Soff als wie ein Hausknecht. 75 Nur in Rom war man nicht heiter, Sondern kaufte Trauerkleider. G'rade, als beim Mittagmahl Augustus saß im Kaisersaal, Kam die Trauerbotschaft. Erst blieb ihm vor jähem Schrecken Ein Stück Pfau im Halse stecken, Dann gerieth er außer sich Und schrie i Varns, Fluch auf dich! Usckcks Usgiouss! Sein deutscher Sclave, «Schmidt» geheißen, Dacht': -Ihn soll das Müusle beißen, Wenn er je sie wieder kriegt! Denn wer einmal todt da liegt, Wird nicht mehr lebendig.» Und zu Ehren der Geschichte Hat ein Denkmal man errichtet; Deutschlands Kraft und Einigkeit Verkündet jetzt es weit und breit: «Mögen sic nur kommen!» Endlich nach so vielen Mühen Bandel sieht sein Werk erblühen. Hermann ist jetzt ausgestellt, Zusammen kam die ganze Welt In dem Lipp'schcn Reiche! A. v. Scheffel. 76 61. Weise: „Brüder, zu dem festlichen Gelage." Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren? Sind wir nicht gar schnell emporgedieh'n? «Malz und Hopfen sind an euch verloren!» Haben unsre Alten ost geschrien. : Säh'n sie uns doch hier, vallera! Bei dem lieben Bier, valleralla! Tas uns Amt und Würde hat verlieh'n. :! Ganz Europa wundert sich nicht wenig, Welch ein neues Reich entstanden ist. Wer am meisten trinken kann, ist König, Bischof, wer die meisten Mädchen küsst. !: Wer da kneipt recht brav, Heißt bei uns Herr Graf; Wer da randaliert, wird Polizist. :! Im Olymp bei festlichen Gelagen, Brüder, sind wir uns einander nah; Wenn dann Hebe kommt, um uns zu fragen: «Wünschen Sie vielleicht Ambrosia?» n Ha! wie kommst mir für? Bring mir bairisch Bier! Ewig bairisch Bier, hallelujah! :! _ Wollheim. 62. Weise: „Bier her, Bier her." Stille, stille, kein Geräusch gemacht Bei der Nacht! Stille, stille, kein Geräusch gemacht! 77 Der Windmüller mahlt, Wenn der Wind weht, Und küsst seine Frau, Wenn's ihm ansteht: Stille, stille, kein Geräusch gemacht Bei der Nacht! 63. Allbekannte Weise. Mer her! Bier her! oder ich sall' um, juchhe! Bier her! Bier her! oder ich fall' um! Soll das Bier im Keller liegen Und ich hier die Ohnmacht kriegen? Bier her! Bier her! oder ich fall' um! 64. Singweise ist freigegeben. Allah ist groß, Allah ist groß, i: Und Mohamed, u. Mohamed—das ist sein Prophet!n Allah ist groß! — Allah ist groß. (Wird stehend gesungen. Erste Zeile- Handflächen gen Himmel; zweite Zeile- Freiübungen: dritte Zeile: Hand¬ flächen gen Hiinmel. Nach jeder Strophe kann der Vorsänger auch einen salbungsvollen Bittspruch einschälten. 65. Singw.: So leb' denn wohl du stilles Haus rc. Bald mahnt die Glocke uns zum Schluss, Drum singt ein Lied als Abschiedsgruß, Und eh' ihr müde geht nach Haus, Trinkt noch den letzten Tropfen aus. 78 Geleert ist nun so mancher Krug Und auch geulkt ward heut genug, Bekam auch mancher Eins darauf, Es nimmt's doch keiner übel auf. Stieg euch zu Kopf ein hitzig Wort, So werft den Aerger über Bord, Denkt, 's war so übel nicht gemeint, Und bleibt stets freundschaftlich vereint. Inhalts-Verzeichnis. Seite I. Regeln für die Turnerkneipe.3 II. Vaterlandslieder.10 III. Volks- und Turnerlieder.23 IV. Kneip- und vermischte Lieder.57 Ach, wie ist's möglich dann.29 Aennchen von Tharau ist's, die mir gefällt.27 Allah ist groß, Allah ist groß.77 Als die Römer frech geworden.73 Anheben lasst uns allzusamm' ..16 Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar .... 28 Bald mahnt die Glocke uns zum Schluss.77 Bier her! Bier her! oder ich fall' um, juchhe .... 77 Das schwarzbraune Bier, das trink' ich so gerne . . . 71 Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus ... 26 Der Papst lebt herrlich in der Welt.68 Deutsche Worte hör' ich wieder. 19 Diandle geh' her zum Zaun.53 Diandle tief d'runt im Thol.53 Drei Lilien, drei Lilien.32 Ein Heller und ein Batzen war'n allzweibeide mein . . 71 Ein lust'ger Musikante marschierte einst am Nil ... 66 Ein Rus ist erklungen.32 Ein Vater mit seinem Sohne gung.72 Es braust ein Ruf wie Donnerhall.20 Es braust heran des Sturmes Drang .18 Es ist bestimmt in Gottes Rath.31 Es waren 'mal drei Gesellen.65 Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein .... 34 Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt .... 15 Gott erhalte, Gott beschütze.10 Grad' aus dem Wirtshaus nun komm' ich heraus... 62 Grundgesetz der deutschen Turnerschaft.23 Hoch vom Dachstein an, wo der Adler haust .... 38 Seite Ich hab' mich ergeben.21 Ich kenn' ein' Hellen Edelstein.30 Ich möchte sie wohl sehen.35 Ich weiß nicht, was soll es bedeuten.36 Ich zog zur Hellen Stadt hinaus.37 Im Krug zum grünen Kranze.38 Im Rufienland, im Russenland.59 In einem kühlen Grunde.39 Kneipwirt! noch ein Bier herauf.60 Laurentia, liebe Laurentia mein.70 Mädele ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite .... 40 Mei Diandle is sauber.54 Mei Muada sagat's gern.55 Morgen muss ich fort von hier.41 Muss i denn, muss i denn zum Städtele 'naus ... 42 O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter.43 Sah ein Knab' ein Röslein steh'n.45 Schier dreißig Jahre bist du alt.45 Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren.76 So viel Stern' am Himmel stehen.47 Steh' ich in finstrer Mitternacht.52 Stille, stille, kein Geräusch gemacht.76 Stimmt an mit Hellem, hohem Klang.12 Trinkt mit mir, ihr lieben Kneipkumpane.64 Turnerbrüder, setzt euch nieder.......... 61 Turnersmann auf seiner Reis', juchheidi, juchheida . . 63 Verlassen, verlassen.56 Warum bist du denn so traurig.47 Was fang' ich armer Teufel an.69 Was hab' ich denn mein Feinsliebchen gethan .... 48 Was ist des Deutschen Vaterland.13 Wenn die Schwalben heimwärts zieh'n.44 Wenn sich der Geist auf Andachtsschwingen ..... 11 Wenn wir gewippt und voltigieret.57 Wer hat dich, du schöner Wald ..49 Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein.50 Zu Mantua in Banden der treue Hofer war.51