Die zeitgenossischen Buchdrucker als Forderer von Trubers Werk (1550-1595) Von Dr. Friedrich Ahn Mit der Wende des 16. Jahrhunderts kam neues Leben iiber alle Lander der bekannten Welt. Die Konigin der Erfindungen hatte eine Fackel entziindet, welche mit nie verloschendem Flammenlichte den Erdkreis erleuchtete. Martin Luther nannte die Erfindung Guten- bergs in seiner tiefkraftigen Sprache „das legte Auflodern vor dem Erloschen der Welt“. Bald hatten „die Waffenschmiede der Bildung" in den grogeren Stadten ihre Druckerstatten eroffnet und trugen von nun an den Stromungen der geistigen Kultur und den politischen Verhaltnissen Rechnung. Der spekulative Geist der Typographen warf sich zunachst auf solche Werke, die im Geiste des Zeitalters geschrieben waren. Eine Bibel, ein Psalterium, Chorgesange, einige kleinere W6rterbiicher fiir die Schule, der Kalender mit dem Aderlag- tafelchen waren die ersten Produkte der neuen Kunst. Daran reihten sich theologische Werke; voli spigfindiger scholastischer Untersuchun- gen, endlich zeugen die trefflichen Klassikerausgaben von der emsigen Tatigkeit der ersten hochgebildeten Buchdrucker. Es kam das Jahr 1517, welches den Segnungen der neuen Kunst weiteren Stoff versprach und sein Versprechen glanzend erfiillte. Die Kirchenreformation Luthers hatte niemals solche Fortschritte in verhaltnismagig kurzer Zeit gemadit, wenn sie nicht die Budi- druckerkunst vorgefunden und zur Verfiigung gehabt hatte. Rasch warfen kunstgeiibte Jiinger, darunter auch viele Gelehrte, Bibeln, 2 Postillen, Katechismen, Gesangbiicher sowie gelehrte Abhandlungen aus beiden Lagern auf den Biidiermarkt. Nun wurden Biicher nicht nur verlegt und gedruckt, sondern auch eifrig gekauft und gelesen. Denn mit unglaublicher Schnelligkeit hatte sich die neue Lehre iiber ganz Deutschland und die Lander der osterreichisch-ungarischen Monarchie verbreitet. Nach Steiermark und Karaten kam Luthers Lehre aus Salzburg in das Enns- und Molltal, nach Krain aus Wien und Karaten. Schon 1527 bildete sich ein Kreis protestantischer Manner. Matthias Klombner, ein hochbegabter Mann, war der Mittelpunkt. Um ihn scharten sich jiingere Manner aus den besten Hausern von Laibach, wie: Leonhard Budina, Hans v. Khisl, Martin Pregl, Lukas Zweckl, Andreas Foresto, Georg Seyerle und viele andere. Audi unter der Domgeistlichkeit der Landeshauptstadt Krains gab es schon damals evangelisch gesinnte Manner, wie die Domherren Dr. Leonhard Mertlig, Georg Dragolig und Paul Wienerd Weder die Tiirkennot noch die scharfsten Befehle der geistlichen und weltlichen Obrigkeit vermochten hier wie anderwarts der Ausbreitung des Protestantismus Einhalt zu tun. Die tonangebenden Kreise der reformatorischen Bewegung in unseren Provinzen sahen sich bald nach Druckerstatten um; fanden sie keine im Lande, wie es so haufig damals der Fali war, so mugten sie mit den entlegenen deutschen Druckereien vorlieb- nehmen, und namentlich Siiddeutschland bot in vielen Fallen so mancher Provinz Osterreich-Ungarns hilfreiche Hand, bis es endlich der rastlosen Tatigkeit der Beteiligten gelang, den Bedarf an Biichem (in erster Reihe an Bibeln, Katechismen, Postillen und theologischen Streitschriften), die zur Weiterverbreitung des Evangeliums unter die grogere Volksklasse dienen sollten, im Lande zu decken. So lagen die Verhiiltnisse in dem von dem Christenfeind so arg heimgesuchten wehrhaften Landchen Krain. Wie wir bereits oben erwahnt, war hier schon friihzeitig — kaum zehn Jahre, nachdem Martin Luther seine Thesen an die Schlogkirche zu Wittenberg angeschlagen hatte — ein neues Geistesleben ervveckt worden. Primus Truber war der Pfleger und Hauptforderer desselben. Ihm verdanken die Slovenen ihr Schrifttum, Truber ist der Luther der Slovenen. Freilich war unser Reformator nicht in so giinstigen Verhaltnissen tatig, wie sein deutsches Vorbild. Fiir seine reformatorische und- organisatorische Arbeit fehlte ihm eine Druckerei - in ganz Inner- osterreidi gab es noch keine solche —, „unser literarischer Kolumbus“ 1 Elze im Jahrbuch der Gesellschaft fiir die Geschichte des Protestan¬ tismus, Jahrg. I S. 22, schreibt: „Schon 1525 lassen sich die Anfange der reformatorischen Bewegung, und zwar unter dem Klerus nachweisen.“ 3 mugte sich daher nach augen umsehen, um seine grundlegenden Arbeiten, das Abecedarium und einen Katechismus, im Drucke er- scheinen zu lassen. Zu Niirnberg und Sdiwabisdi-Hall war die Drucklegung der genannten Opuscula Trubers wegen der strengen Zensurbestimmun- gen wahrscheinlich unmoglich. Johann Brentius diirfte nun Truber an Ulrich Morhart in Tiibingen gewiesen haben, der Professor der Tiibinger Universitat Matthias Gerbiz sowie der herzoglich wiirttem- bergische Rat Michael Tiffernus werden die Fiirsprecher Trubers bei Morhart gewesen sein. Dieser, ein gebiirtiger Augsburger, hatte in den Jahren 1519 bis 1522 seine Kunst in Stragburg ausgeiibt und war seit 1523 zu Tiibingen in der Burgsteige in seiner Offizin in hervorragender Weise tatig. Unter dem Einflusse seiner Umgebung edierte er hier zahlreiche Schriften der bekanntesten Gegner Luthers und Zwinglis bis zur Einfiihrung der Reformation in Wiirttemberg. 81 Werke, darunter solche von Dr. Eck, Faber, Cochlaus, Schagger, Dietenberger, Tuberinus, Neudorffer und anderer Katholiken, waren die Frucht der Tiitigkeit Morharts in der ersten Periode von 1523 bis 15^5, wahrend alle Pressen ringsum im Dienste der Reformation standen. 1 Nach 1535 sehen wir gerade diese Offizin im Dienste der Kirchenreformation Luthers als eine der eifrigsten. Als sich nun Truber 1550 um einen willigen Typographen umsah, um sein Abece¬ darium und seinen Katechismus erscheinen zu lassen, erklarte sich Morhart, wie wir schon oben gesagt haben, bereit, die Erstlings- werke unseres Reformators unter fingiertem Namen des Druckers und Druckortes zu iibernehmen. „Jernej Skuryaniz in Siebenbiirgen 11 lesen wir als Drucker und Druckort auf beiden genannten Werkchen. Audi der Verfasser ist unter dem fingierten Namen: „Philopatridus Illyricus“ verborgen. Diese Opuscula Trubers, noch mit gotischen Typen gedruckt, sind die Erstlingsdrucke in der slovenisdien Sprache, 2 1 Steiff, Der erste Budidrudi in Tiibingen S. 46, sdireibt: „Wahrend ringsherum so ziemlich alle Pressen im Dienste der Reformation standen, war die Tiibinger Druekerei allein noch in Siidwestdeutschland der katho- lischen Sache zuganglich. Denn katholisdh war damals noch das Regiment im Lande, katholisdi also audi die Universitat . . . und so kam es, dag dank seiner Presse Tiibingen im 2. Jahrzehnt des 16. Jahrh. einen Haupt- waffenplag der Reaktion gegen die von Nord und Siid eindringende neue Lehre bildete.“ — liber Morhart vgl. Roth, Das Biidiergewerbe in Tiibingen. — Falkenstein, Gesch. der Buchdruckerk. S. 201 ff. - Dimig, Gesch. Krains I S. 205 ff. — Osterr. Revue II 1864 S. 84 ff. — Der Aufmerksame, Jahrg. 1856 S. 98 ff. — Primus Trubers Briefe in der Bibliothek des liter. Vereines 215. 2 Tiibingen brachte audi den ersten hebraischen Drudt im Jahre 1522: Die durch Reuchlin herausgegebenen Bug-Psalmen. 4 welche Truber, wie er selbst erzahlt, „verborgen, mit Gefahr und in seinem Abwesen, dag er’s nit hat mogen corrigieren, drucken lassen.“ Nach vierjahriger Pause — Ulrich Morhart war inzwischen 1554 gestorben — begann 1555 das eigentliche Werk des „slavischen Biicherdrucks“, als die Witwe Morharts unter der Leitung ihrer Sohne erster Ehe, Oswald und Georg Gruppenbach, das Geschaft iibernahm und weiterfiihrte. Truber hatte seinen Matthaus fertig- gestellt und dieser erschien 1555 auf Kosten des Herzogs Christoph von \Vurttemberg. 1 Ein Lieblingswunsch Trubers, wenigstens einen Teil der Bibel seinen lieben Landsleuten in ihrer Landessprache zu schaffen, war erfiillt worden. Dasselbe Jahr brachte audi noch ein Abecedarium und den Katediismus in Sedež. Weitere Teile des Neuen Testamentes brachten die folgenden Jahre aus der Druckerei der Erben Morharts zum Teil in geschaftlicher Verbindung mit Ungnads Bibelanstalt in Urach. 2 Der Herzog Christoph von Wiirttemberg hatte seinem Rate Hans von Ungnad das ehemalige Amandistift in Uradi zur Residenz eingeraumt. Ungnad diirfte bereits von Cilli her mit Truber verkehrt haben und als dieser, mit der Veroffentlichung der slovenischen Ubersegung des Neuen Testamentes besdiaftigt, ihm am 1. April 1560 meldete, dag seine neuen slovenischen Biicher 3 von zwei 1 Die Druckanstalt war mit ihrer Presse wegen der drohenden Pest- gefahr nadi Reutlingen iibersiedelt. Truber schreibt an Bullinger vom 13. September 1555: „Es gestet den hrn. Vergerium diser kleiner druckh warlich vili geldts von wegen das er die druckerei von Tibingen sterbs halben (d. i. der Pest wegen) auff sein aigen khosten hie er (hieher) gen Reuttling hat fiieren lassen.“ 2 Es sind dies: 1555. 1 . Ta Evang. Sv. Mateusha mit lat. Typen, 2. Abecedarium, 3. Katechismus in 16°; 1557. 4. Nov. Testam. I (die vier Evangelien und die Apostelgeschichte); 1558. 5. En Regishter (Postille); 1560. 6. Nov. Test. Ila (Romerbrief); 1561. 7. Nov. Testam. IIb (1. und 2. Korinther, Galater); 1562. 8. Articoli oli deili . . .; 1564. 9. Ordninga cerkovna (Kirdienordnung); 1566. 10. Ta celi Psalter; 1567. 11 . Nov. Test. Ilc (Epheser, Philipper, Kolosser, 1. und 2. Thessaloniker, 1. und 2. Thimotheus, Titus, Philemon), 12. Ta celi Catediismus (Kirdiengesang- budi); 1570. 13. Ta celi Catediismus, 2. A.; 1574. 14. Ta celi Catediismus, 3. Aufl.; 1575. 15. Try dukouske peisni, 16. Catediismus s dveima isla- gama; 1577. 17. Nov. Test. II d (Hebraer, Jacobus, 1. und 2. Petrus, 1. — 3. Johannes, Judas, Offenbarung in Oktavo); 1579. 18. Ta pervi Psalm; 1581. 19. Formula Concordiae; 1582. 20. Nov. Testament, 2. Ausg., 21. Ta slovenski kolendar. 3 Den erforderlidien Aufvvand der Druddegung hatte Truber teils aus eigenen, teils aus den vom Herzoge von Wiirttemberg und den Standen von Krain gewahrten Unterstiigungen bestritten. Das bis zum Jahre 1560 5 kroatischen Priestern ins Kroatische iibersegt worden seien und nun mit „krobatischen“, das ist mit glagolitisdien Typen gedrudct werden sollten, dag es aber an den notigen Geldmitteln fehle, Groges ware aber zu erreichen, wenn Ungnad von den evangelischen Fiirsten und Herren soviel Unterstiigung erwirken konne, um den Unterhalt der zwei Priester in Tiibingen beim Drucke und einen Teil der Druck- kosten zu bestreiten, da fagte Ungnad Trubers Idee mit Feuereifer auf und brachte Trubers Plan in noch grogerer Ausdehnung zur Ausfiihrung und vollen Reife. „Er war der machtige Stamm“, schreibt Klun, „an dem sich die junge Pflanze der slovenischen Literatur emporrankte, welche jedoch nur zu bald abgeschnitten ward, wahrend ihre Wurzel nach ein paar Jahrhunderten neue Keime trieb.“ Vor allem wurden im Sommer 1560 der Punzenschneider Johann Hartwadi und der Schriftgieger Simon Auer zu Niirnberg beauftragt, unter Stephan Consuls Anweisung die notigen Typen herzustellen. * 1 Mit diesen legte Ungnad in Uradi eine eigene Druckerei an 2 und begriin- dete hiemit seine beriihmte kroatisdie Bibelanstalt, fiir welche Beitrage von Konig Maximilian, Herzog von Wiirttemberg, den protestantischen Kurfiirsten, Fiirsten, Herren usw. sowie audi von einigen osterreichischen Provinzen geleistet wurden. Trogdem beruhte die Erhaltung dieser Bibelanstalt auf Vorsdiiissen, welche Ungnad aus seinem Vermogen leistete. Zumeist unter Trubers Oberleitung — auf Ungnads Vermittlung erhielt Truber vom Herzog Christoph eine Pfarrerstelle in Uradi, 1566 die zu Derendingen bei Tiibingen, wo er bis zu seinem 1586 „von den Creinern bei 1000 gulden erbettelte und zu tallern ersamelte" Geld hatte Truber „umb windischen druckh ausgeben" (Kempten, 1. April 1560). Doch diese Gelder nebst seinen eigenen Mitteln reichten nidit aus, die Druckkosten zu decken, so dag er in Sdiulden geraten war: „ich will mich nun hinfttr hiietten vor sdiulden", sdireibt Truber am 19. Marž 1560. Erst im August desselben Jahres trat er mit Ungnad in Verrechnung. 1 Sobald die Typen fertig waren, wurden Probezettel noch in Niirn- berg gedruckt und zu Sachverstandigen nach Wien, Laibadi und anderwarts versdiidit. Vgl. Arkiv za povžstnica jugoslav. I S. 142: »Tablica azbukom glagol, sa očenašom ... i sa 117 Psalmom tiskana u Niirnbergu god 1560.“ 2 Der Zeitpunkt der Erriditung ist nidit genau zu bestimmen, wahr- scheinlich fiel .sie in die Mitte des Jahres 1561. Nach R. Roth, Das Biidier- gewerbe in Tiibingen S. 12, sind die im Sommer 1560 hergestellten glagolitisdien Typen wenigstens ein Jahr friiher in die Morhartsdie Anstalt gekommen, als die Uracher Presse in Betrieb gesetzt wurde. Tat- sache ist, dag dieselben Stephan Consul von Regensburg zu Weihnaditen 1560 nadi Tiibingen gebradit hatte. Im Oktober 1561 kam in Uradi noch 6 erfolgten Tode blieb — arbeiteten bei derselben Stephan Consul, Anton Dalmata, Georg Juričič, Mate Popovič, Ivan Maleševič, Leonard Merčevič u. a. Eben wegen der vielen Mitarbeiter kam es haufig zu Uneinigkeiten und Beschwerden. Truber, dessen Beschwerden nach Ungnads Ansidit nur „vermeinte“ waren, der an allem schuld, ein Urheber alles Zankes, ein Gegner und Verhinderer seiner „lieben“ Biicher war, hatte in Krain nur die evangelisehen Gemeinden im Sinne, er wollte und konnte nicht fiir Personen sorgen, die in Uradi unterkommen und versorgt werden woliten. Aus dieser Anstalt, dem „Schage“ Ungnads, den er auf seinem Totenbette seiner Frau auf das warmste empfahl, gingen 31 Werke in kroatischer Sprache, die teils mit glagolitischen, teils mit cyrillischen und teils mit lateinisdien Typen gedruckt wurden, und sechs in lateinischer Sprache hervor. Nach dem Tode Ungnads geriet die Druckerei ins Stocken. Die Sohne des Begriinders derselben, Hans und Ludwig, erklarten sich zwar in einem Schreiben vom 12. August 1565 dem Biirgermeister und dem Rate der Reichsstadt Kaufbeuren bereit, das Bibelwerk mit Unterstiigung der Stande nnd Fiirsten weiterzufiihren und Stephan Consul sowie Anton Dalmata blieben noch das ganze Jahr 1565 in Urach. Erst am 2. Marž 1566 meldeten sie sich in Stuttgart beim Herzog Christoph um ihre Entlassung, die sie audi mit einem ehrenvollen Zeugnis und einem Reisegeld erhielten. Ohne die pekuniare Unterstiigung lieg sich der bisherige Geschaftsbetrieb nicht weiter fortfiihren. Trogdem arbeitete Truber rastlos weiter. Bis zum Jahre 1595 war Tiibingen immer nodi der Druckort zahlreicher slovenischer Werke. Das Jahr 1595 brachte die legten zwei slovenischen Drucke aus Tiibingen; es ist dies die: Hishna postilla Dr. Martina Luthera. Windisch von Primož Truber, eine zweite Presse hinzu. Ungnad schreibt an Konig Maximilian vom 22. Oktober 1561: „Und gewarten teglich noch ainer truckherpress aus Nurnberg, dass man hie in meiner behaussung mit zwo und zu Thubingen mit einer press alle drey sprachen und geschrifften, windiseh, glagolisch und cyrulisch furderlich wirt truckhen mogen.“ Und Truber schreibt an die Herren Jobst von Gallenberg . . . Hanns Joseph von Eckh von Uradi (10. Februar 1562): „man hat druckht bisher auff zwaien pressen 13.000. Dreizehen tausent pogen wochenlich.“ Die Kosten miissen wohl erstaunlich grog gewesen sein, wenngleich Truber in seiner Uneigenniigigkeit nie etwas fiir seine hervorragende Tatigkeit annahm. „alle monat hat man umb papyr, den druckhern und segern allein, an h. Stephans, Anthoni, und zwen Usskoken, und eines pueben besoldung muessen geben 226 gulden . . . Ich hab vom ersamleten geld auf meine person nicht ein phennig empfangen, beger aučh nichts davon . . .“ (10. Februar 1562). 7 herausgegeben von Felizian Truber, in Folio und das Betbiidilein windisdi (nach Andreas Musculus) 2. Auflage, ebenfalls durch Felizian Truber. Nicht unerwahnt lasse ich an dieser Stelle das Druckersignet unseres Typographen. Es ist dies das Lamm der Eucharistie, mit der Siegesfahne auf dem iiberwundenen Drachen stehend, herum die Umschrift: Victoria. Dieses Druckerzeichen fiihren auch die Nach- folger, Georg Gruppenbach, von 1571 an allein Inhaber des Ge- schaftes, nur in vollerer Ausfiihrung und etwas verandert. Johann Mannel war in Laibach der Forderer der Bestrebungen Trubers und dessen Nachfolger. Bereits im Dezember 1561 war der Typograph Augustin Frieg in der Absidit von Stragburg nach Laibach gekommen, um hier mit Unterstiigung der Landschaft die Kunst Gutenbergs einzufiihren, aus- zuiiben und Werke der neuen Lehre im Drucke erscheinen zu lassen. Wie wir wissen, kam es nicht zur Verwirklichung dieses Vor- habens, da Primus Truber selbst jede Verwendung fiir die Unter- nehmung bei der Landsdiaft kurzweg abschlug und Frieg unverrich- teter Dinge abgezogen war. Gunstiger gestalteten sich die Verhaltnisse fiir die neue Kunst, als Georg Dalmatin fiir seine emsige Tatigkeit eine Druckerei im Lande benotigte und Georg von Khisl warmstens fiir die Einfiihrung der Segnungen der neuen Kunst eintrat. Johann Mannel 1 erhielt die Erlaubnis zum Betriebe eines Buchdrucker- und Budihandels- geschaftes und bereits im Sommer 1575 war die Druckerei im Gange und der Flerbst 1575 brachte das erste in Krain gedruckte Buch, Dalmatins slovenische Ubersegung des Jesus Sirach. Sechs Jahre emsiger Tatigkeit unseres Typographen gaben 29 Druckschriften das Leben. Wegen Herstellung und Herausgabe der protestantischen Schriften in slovenischer Sprache, namentlidi wegen des Druckes des ersten Teiles der Dalmatinisdien Bibel, war die Laibacher Druckerei der erzherzoglichen Regierung schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Die Gelegenheit zum Einschreiten gegen die genannte Druckanstalt wurde daher von der Regierung auch bald gefunden. Dalmatins Uber¬ segung der Bibel in die slovenische Sprache war bereits 1579 vollendet und unser Typograph legte bereits 1580 ein Probeblatt derselben fiir die krainischen, karntnischen und steirischen Landstande gedruckt vor, als Erzherzog Karl diesen Druck verbot, Mannels Druckerei sperren lieg und ihn selbst aus Krain und allen Erblandern verbannte. Auf 1 Die genaue Quellenangabe iiber Mannel ist von mir in Magyar Konyoszemle, Jahrg. 1905 S. 134 ff., sowie in den Mitteilungen des Museal- vereines fiir Krain, Jahrg. 1906 S. 1 ff., angegeben. 8 diesen Befehl hin, welcher noch am 19. November und 30. Dezember 1581 wiederholt werden mugte, sah sich nun Mannel genotigt, seinen Buchhandel andern Standen zu iibergeben und seine neue, ihm lieb gewordene Heimat fiir immer zu verlassen. Auger einer Wegzehrung von 50 fl., die ihm der krainische Landtag unter dem 2. April 1582 gewahrte, erhielt er noch ein Empfehlungsschreiben von den Standen an den Herzog von Wiirttemberg und wandte sich mit seinen Typen nach Ungarn. Hier finden wir ihn ohne testen Wohnsig, wie wir es in der Erstlingszeit des Buchdruckes auch bei andern begeisterten Meistern der Kunst Gutenbergs verfolgen konnen, durch 23 Jahre hindurch auf Kreuz- und Querziigen in Kroatien und Ungarn als einen unsteten Typographen, der seine Werke bald da, bald dort druckte und auf den Markten selbst vertrieb. Doch in seinen beredi- tigten Hoffnungen getauscht, in der legten Zeit schon hodibetagt, scheint unser Buchdrucker 1605 vereinsamt und ohne Nachkommen aus diesem Leben geschieden zu sein. Wann und wo der rastlose Mann sein Wanderleben besdilossen hat, dariiber fehlt uns jede Aufzeichnung. Die deutsche Biographie weig schon seit seiner Aus- weisung aus Krain iiber ihn nichts mehr zu berichten. Die Heraus- gabe der slovenischen Bibeliibersegung war beschlossene Sache, eine Konferenz von Theologen und Philologen aus Innerosterreich war zur Revision der Ubersegung in Laibach zusammengetreten und tagte vom 28. August bis 22. Oktober 1581. Unter den Revisoren der Ubersegung befand sich auch der beriihmte Grammatiker Adam Bohorič, der einzige Schulmann neben den iibrigen Geistlichen. Eine der hervorragendsten Bibeldruckstatten der damaligen Zeit, die der Erben von Hans Krafft in Wittenberg, wurde ausersehen, dieses Monumentalwerk im Druck erscheinen zu lassen. Dalmatin und Bohorič wurden von der Landschaft nach Wittenberg geschickt, um dort den Druck zu iiberwachen. Das Neujahr 1584 brachte bereits in vornehmer Ausstattung dem slovenischen Volke die ganze Bibel. Gleichzeitig erblickte auch die erste slovenische Grammatik von Bohorič: „Articae horulae successivae de Latino-Carniolana litera¬ tura" in Wittenberg das Licht der Welt. Endlich brachte Wittenberg der jungen Nationalliteratur noch weitere zwei Druckwerke: 1584 die 5. Auflage des Kirchengesangbuches (Ta celi Catechismus eni Psalmi . . . inu nove kerszanske Peisni od P. Truberja, S. Krellia inu od drugih sloshena) in Oktav sowie ein Betbiichlein windisch nach Andr. Musculus (Meusel 1 ) (Karszanske leve molitve, sdai per- 1 Die zweite Ausgabe, von Felizian Truber besorgt, wurde zu Tiibingen bei Georg Gruppenbach 1595 als legtes Werk der protestantischen Periode der slovenischen Nationalliteratur gedruckt. 9 vizh iz Bukovskiga in Nemshkiga jesika v nash Slovenski tolma- zhene . . . skusi Jurja Dalmatina. Betbiichlein windisch. Witte- bergae 1584. 8°). Von den genannten vier, bezw. fiinf 1 Druckstatten hatte die Bibel- anstalt Ungnads gewig die meisten Druckwerke zur Forderung von Trubers Werk erscheinen lassen. Nadi Schnurrer, Slav. Buchdruck S. 61-64, waren im ganzen 25.600 Exemplare aufgelegt worden. Die grogeren Werke, wie das Neue Testament, die Postille sowie die grundlegenden Abecedarien und Katechismen, hatten eine Auflage von 1000 bis 2000 Exemplaren. Zahlen wir die slovenischen in Tiibingen bei Morhart erschienenen Druckwerke dazu und nehmen wir die Durchschnittsauflage zu 300 Exemplaren, so gibt dies eine Summe von etwa 7200 Exemplaren; kommen noch die Erzeugnisse der Laibacher, Regensburger und Wittenberger Offizinen hinzu, so diirfte die Gesamtsumme der gedruckten Exemplare in den Jahren 1550 — 1595 von 50.000 nicht zu hoch gegriffen sein, wenn man er- wagt, dag man heute die Zahl der in den fiinf Jahrzehnten des 15. Jahr- hunderts gedruckten Werke auf etwa 25.000 rechnet und fiir jedes eine Durchschnittsauflage von 500 Exemplaren nimmt, was die statt- liche Summe von 12,500.000 Biichern ergibt. Nehmen wir nun an, dag von den etwa 50.000 Exemplaren viele, namentlich die fiir den taglichen Gebrauch und fiir die Schule bestimmten Biicher und Biichleins oft geradezu zerlesen worden sind, so drangt sich uns die berechtigte Frage auf, was geschah mit den vielen tausend Exemplaren, von denen eine groge Anzahl gar nicht in Gebrauch kamen; warum sind gerade die Werke dieser Periode der slovenischen Nationalliteratur bibliographische Seltenheiten geworden? Nach Eintritt der Gegenreformation sorgte die „jesuitische Refor- mationskommission" dafiir, dag kein Blatt, welches mit der geachteten Richtung in Zusammenhang stand, erhalten blieb. Bei der Ausrottung der neugeschaffenen slovenischen Literatur verfuhr die Kommission so griindlich, dag, als 1616 „die iibrigen zusammengesammelten kegerischen Biicher an einem offentlichen, durch Bestrafung der Verbrecher iibelberiichtigten Orte“ verbrannt wurden, sogar die unschuldige slovenische Grammatik von Bohorig diesem Schicksale nicht entging. 2 1 Audi’ Regensburg hatte Trubers Bestrebungen gefordert. Johann Burger druckte hier 1567 Sebastian Krels Obersegung der Spangenbergisdien Postille. Aus derselben Offizin folgte 1568 eine kroatische Obersegung der Brenzisdien Postille. 2 Vgl. Sillem, Primus Truber S. 93. 10 Fagweise waren die ersehnten Biicher aus Deutschland ins Land gekommen, wagenweise wurden sie ein Opfer des Fanatismus der kuhi redinenden Gesellschaft Jesu. Soweit ist es gekommen, dag uns manche Werke aus jener Zeit nur dem Namen nach bekannt sind; dag sie im Druck erschienen sind, wissen wir nur aus spateren glucklich erhaltenen Werken. Und audi von den legteren ist nach dem Gesagten die Anzahl der Exem- plare bis jegt so gering, dag wir dieselben mit vollem Redite als bibliographisdie Seltenheiten ansehen und behandeln miissen . 1 1 Vgl. meine Abhandlung: Bibliogr. Seltenheiten der Truberliteratur S. 1 ff. NARODNA IN UNIUERZITETNA KNJIŽNICA 00000077587 Sonderabdruek aus Carniola 1908 II Budidrudierei Ig. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg, Laibadi