^^D^WM der Gegenwart Deutsche Universal Mibliotyck Mr gebildete. Einzeldarstellungen ans dein Gcsamlgebiclc der Wissenschaft, in anziehender gemeinverständlicher Form, von hervorragenden Fachgelehrten Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Schlvciz. leäor Lllnll billlot ein 5ü> »leli 2bss«8el,lo88ene8 Lanie. — Die vänlie vs»0keinen in l-äum«n. — l-leyanle Ausstattung 8ol,äne8 papies u. 8sU88ßr liruek. Neioli illuztl-le^t. — Druok u. foi-mat ÄÜe,- Liincle «leiolimässig. — lese,- Lanil füllt ea l5 Luyen. — 8olille,- l.«in«ancl ^indanä. Jeder Zand ifl einzrln knufiich und kostet gebunden nur 1 Mark ^ 60 Kr. -- 1 Fr. 35 Eta. Das von nns eiu<^clcier Gegeuwnrt" dnrch dessen vlanmäszige Durchsührung die Ausgabe qclöst werdcn soll, dem Ocbildclcll ans jedem einzelnen Gcliicte wie auf dem GesauU^biele der Wissenschasl voin Standftuntte der hentisscu Forschnnq aus befriedigende Aufklärung, Belehrung und Anregung zn bieten, wird hiermit der allge-me'nu'u Teilnalnue empfohlen. Fnr unsere Sammlung ist vurläufia, ein Umsang von zwei bis dreihundert Vändcn in Aussicht genommen,' von denen jeder rinsrl«e em Ganzes für sich, zugleich al'er eine» Nansleiu zu cineiu (ÄcsanNgeliände bilden soll. Bei dein Plane des Unternehmens haben wir jene Zweiteilung, welche als herrschende unverkennbar dnrch die moderne Wissenschaft hindurchgeht, zum obersten Einteiiuugsgrnnde gemacht. Die Datulwissrnschllslen und die historischen Wissenschaft«^ die gleichsam wie glücklich gelegene Inseln immer mehr frnchlbarcs ^and ansetzen uud felbst widerslrebeuoc Disziplinen an sich heranziehen, werden, wie sie im Leben der modernen Wissenschaft selbst die Herrschnst angetreten haben, auch in uuserem Werke, welches dieses Leben klar abspiegeln will, die beiden aroßen Hauptgruppen der systematischeil Einteilung bilden. Die rein ab-strattcu Wissenschaften, welche eine dritte l^vnppe bilden löimleu, werden wir keineswegs ans unserem Weile ausscheiden, aber nicht sowohl vom dog< malischen als oom historischen Standpunkte ans beleuchjen. Und dies ans dem Dopvelgrnude, weil iu ciurm Teil dieser Wissenschaften, wie z. N. in der Mathematik, ein anderes Wisseil als ein durchaus vollständiges Fachwissen nicht denlbar ist, während in einem andern Teile, wie in der Metaphysik, positive Wahrheit nur insoweit, als es aus innere Geschichte ankommt, zu bieten ist. Wir bemerken nur ncch, das; wir die Länder- und Völkerkunde, die als selbständige Wissenschaft immer bedeutsamer hervortritt und die ualnrwisfen fchaftlichcn und historischen Elemenw iu sich schlicht, in uuserem Plane dcs^ halb der großen Gruppe der historischen Wifsenschaftcn angereiht haben, weil der Hauvtgcsichtspnntt, von dein die Methode dieser Wissenschaften ausgeht, nämlich die territoriale Abgrenzung, ein historischer ist. Inhalt der erschienenen Znndc: Äd 1. Oindcly, A.. Gesch. d, üNjähr. Krieges in trei Ableil^u. I. i«l«. ,. Hcr»!. I,, Allgemeine Wilternngslnndc. 2«,! Seiten. Mit «! Kürten, 2 Vollbildern und ,'!1 Abbildnngen in Hol.istich. Äd. 3. Olndcly, A., Geschichte deö ^»jähngen Niirges in drei Mleilnngeu. II. K!2ii-1d Schaden. i!0l Seiten, Mit ?O Abbildnnsseu. Vd, ». Oi»dcl»i, A., Geschichte dec« ^ojährigen Krienrs in drei Abtrilmizieu. III. Kill/! .16<«: Per schwedische und dcr schluedijch-französische Krieg l,ii z»,n westfälischen Frieden, '^0 Seilen, Mit !> Tuppeluolllnld, u. ^ PuNrätö in Holzstich, Bd. «. Iunn, Ns. Nnrl Emil, Der Weltteil Auslialien, I. Äl'tlg.: Der Aiis!ralko»!inent uud seine Äewol,»er. ^8<> Sciten. Mit 11 Bull' liildcr», 24 in ten Tert «edruaten Abbiidnusseu und ^ Karlen in Holzslich. Vd 7, T"schc»brr. l»r. ,Uarl Emil, Der Weltteil Australien. 11. Ablla,,: I. Die Nolonie» des AnslvallmUim'nlij i,, Taömanicn, II, Melanesien (I, Teil). ^12 Seilen. Wit 1» Vollbildern, ij» in de» Tc)j cirdnicuen Alil>ild,>nc>eu und <> ,«ar!cn in Holzstich, Bd^ !». Klaar. Mflcd, GrsÄ,ichto des muderne» Trainnö in Unnissen. I!20 Seite«, Niit 3 Porlrätö in Holzstich. Vd, w, Vcclcr, l»r. Äarl Emil, Tie Sonne und die Planeleu. 3W S, Mi! . I»»g. l»,-. N, Der Weltteil Australien, IN. Alttla,,- I. Melanesien (ll. T ). il. Pu>!,„esie» (I, T,)> 5!<>l 3. M, !.'? Volllüldern n, .'N in d, Ter! ssedruckt, Alwildgn. Bb, 1^, Gcrllind. l>>-. E., Licht nnd Wärme, ^Ä> Seilen, Mit l Portrlits und >2«' ssi^uren in Hulzstich. Nd. «. Juni,. !»<-. Karl Emil, 3rr Meltleil Äuslralien. IV. Adlig,- l, Pu<»,nesien (II, Teil). II, Neuseeland, lll, WiNones!e,l. lj?(! Seilen, Mit Itt Vollbildern und ü,'< i» deu lerl gedrnckleu Al'lnltmugen, Nd. K. Hllltmnnn, Prüf. Nr. N., I. Aliyssinien nnd dir ül>na,eu Oeli, b, Osttiiste Afrckas. !N2 S. M, l« Vulllnldcrn ». «3 i. d. Ter,! ^,edrnitt, Abliilbssil. Nd. 15. I>l»n, Inl., Leben nnd Eulen der Numer in der Naiscrzeit l. üü« Seilen, Mit !> VullliUderu und 7^ in den Text iiedrucklen Abbildungen. Nd. 1,;, Petcril, P,oj. Nr. (s. ss. W., Die Fixsterne. 1?« Seilen, Mit «ü Abbildnu.ien, Bd. !?. I«»n, Iul., Leben nud Silten der Römer in der Naiserzeil >>. L8U Selten. Mil U> Vollbildern und «3 in den Tert grdiurlten Abbildnugen. Bd. 18. Echu»<>, Prüf. »,-. A., Nnustgeschichle I. ^'^« Seilen. Mil l« Vollbildern und l.0 in deu Te^'t ssedonlleu Abbildungen, Nd. I». Willtümm, n,-. Muri«!, Die pyienäische Halbinsel I, 2,!) Eeilen. ÄI,l ^ Vollbildern nud l4 in den Tezt gedrückten Nbblduusssn. Bd. 2U. i!c>n»llii>i, Paxl, Die (!:de nnd der Mund. 25» Eeitcu. Mit U Vollbildern nnd 59 in deu Ter,t gedruckten Abbildungen. Vd. 2l. Cchüll«, Pri'f Nr, A, Knnst und Kunstsseschichte II. 502 Seiten. Mit 4l Vollbildern nnd 42 in den 3er,t gedlncklen Abbildnngen. Vd, 2^>. Ochfcnincl, C-, Chile. Land und Lcule. 26« Seilen. 2» Vullbildein. 5!» in beu Teit ssedr„c!lcn Abbildungen nnd 2 narte,l in Holzslich. Nd. 23. MNicr vo« Wnldcck, Rnszland. Einrichtungen, Sillcn und Gebriinche. 282 Seilen, Mit li7 Vollbildern und l>1 in dcu T )'t gcdrncüen Abbild,>u,^eu, Bd. 24. Hartmann, Prof. Nr. N.. Die Nilländer. 22l Seite». Mit u> Vollbildein nnd «5 in dcu Ter,t gcdrncllen Abbildungen. Inhlilt der erschienenen Dnnde: Äd, ^5, Wirt!>, Äln^, Das Geld, '^4 Neiie», Mit N>3 in den Tc^t neor, Äl,dilo„„g''„. Bd, ,»>!. Hopp, t^.O,. Orich, b Verein. Elnaten v, Äcurd Äinerila, 1, ^^ S.Mi»5N in den T^t ff^dr, ^lbviid, », Nnnen, Nr. 27, Palen linrr, Kometen und Met ore. 25« Seilen. Mit «2 in den Tert «ed>. Ab- dildnnge», Äd, 2«. Was!M!l Seiten. Mi! 1ü» in den lezl «edrncktcn Aliliiltmnnen, Äd, ^». ssalleüsteiu. l»>. I, Asrilaö Westküste. ^li2 Seiten. Mit «1 i» den Tr,t g«dl, Vlbliild, Äd, !l>, Gcschichlc des zlüustncwerbcii. l. Blnmxcr, Pros, l'r. H,, D>ii! «„»stn^werbe >,» ÄM'rtum, ^7l'ildung!'n. Vd, 31, Willlomm, »>'. W,, Mr v>N'on,ii!chcHüll!!>,k'<, N. ^»^ öclttn. Mit N VnNbüb. »!,d ^v Ü! dcn Tl^t !iedr. Al'vüdung«,, Bd. A2, Oeschichlc drs z«unftsscwcrlicö, !l, V. Otta vun, Dic Tcrti!tu„s!, ^n» Scitc». Mlt >!^ i» de„ Tt'^t «errucklen Abbildi>»gl'„. Bd, ^!l. Fritsch. »>r. GustnU, Oüdasril^i dis zum Zambrsi. I. ^il> S. Mit 50 in dcn Text gedi, Älib, u. 1 Kart>'. Äd. 35, Lippcrt, I»l.. All>iemci»e N!,l!n,ss«schich<^, I. 21« öctt'n. Mit l,? in tu'» T?z^t gedrncklr,, Abbildüngon. Vd. ,!>u Eciten, Mit 25! VoMnldl'r,,, ou in drn T^t ssrdriicktcn Abl'i!d>,„ssl'i, und 5 Karten, Vd. <«. Hanse«, !»r. Adulf, Dml>ru,!g dcr Pf>a„zn,, 2?2 Scite», M t 74 in dcn T,zt ss^vruckccn Avliildunge». Bd A,>>, Hupp, lk, O., «l'schiible dcr Vereinigt«»,! 2!aa!eii, !!, ^-'l Teücn. Mit 3.» i,i vcn Äb. >0. Geschichte dcr Vlnlcici m lii!,z,lbarstt'!l»„l,^!, I,: Wni^ach, l»>. A, u , Geich chtc ter holländischen M,i!eiei. 2,!ll Eeiie», Mit ?l ,n d^n Tl'^t »vdrnclten Aolnidiwaen. Nd, 4l. Tascheuliülss, I»>. Otto, N-Iber a„s tem Tlerlebc». i«6 Seiten. Mit «« in d.'n Te^t g'dvuttien Äll'vllduu^en. Äb. li! Vrosic», I»r. Her,».. Kail der Große, il^> Sci!>„ Mil 23 in den Text „e. oniclten Al,'bi>l>n,>!ie!!. Nd, 4^!, WiKsuinm !>>'. M., Die pure«. ^,!^ Eeiteü, Mit 4ü in dcn T>z> gdrucllen Ä»liildu»qel,, Nd, 44 !!. '!,, Oralitr. Prof. l»r. B., Dle älllzere» mechanic« Wert,!,cune ter Tiere. In 2 Ädteilursse». 4!!! Seilen. Mit 315 in den Text gedrückten Abliiltiinq''!!. Äd, >«. Hupp, ftrost Oitt». Geschichte der Vereinigten Swalcn vvn v,,.'rtan,enla, III, i^chlusl). !i?edi»ckte,i Abd>>s,l,l<;e!!, Vd. "l?. ÜiPPcr», I»l., A>l„cn>i!ine Knltniffcschichic.il. 2>2 Seiten. Mit 5 in d.n 2e>t- ncoruclt'-n Abl^ldungen. Bv "l8, L'Vpcrt, I»l.< Allssemeine ,>i»d, Eiiirichtniilie,,, Siüen m,d Oebimiche. II. 23« Eette,,, ^lit 18 Nullbildern >,>,d 31 in den Tl^l gedinckieii Äbbilouiissen, Äd, 50, Fonlmcr, Pll>f. l^'. A»ss,, Ätiiprlelln I, Ei»e Viogrnphie. I. 240 3ei!e„, Mil eiucin Purtmt. Vd. 5>>. Elsas, >»>'. A,< Der Cclall. Eine Dals,,ni der physikalischen Älllstit sn» inusi, talisch Oebildete. ^'1« Seile,,, Mit 8U Älibilc,!,,,^«',! „no ciiu», Purtrat, Äd. 5,ü, ,^rii!»mrl. Pn'j, >»>-, Otto, Der Ocean. Eine lHinInlmmss I» die a!l,iemeine Meeiestunde. .','l> Sei,>,n. Mit ?? in dc» Tezt nerrinkieu Äbbiltunge». Bd, 5^. Ogll, Prof. l»r, I. I., Die Echweiz. .>!« Seite«. Nil 1!< in den Text nctr,ickiei> Avbilb»»!!?!,, Äd, 5l, Vehaglicl, P,<,s. l»>. Otto. Die teutsche Sprache, Ä>0 Eeitcn. Nd, b5 u, 5«. Schllslcr, l»r, Max, 'Ästhetik. Orllnd^iige der Wissenschaft des Schönen und der Kunst. In 2 T<,ile», üL'.' Seilen, Vd. ',?. Hnrlmnnn, Prüf »r. !»!,, Vlndagarlar u,,d die Inseln Sn,chelkm Flächeninhalt, wogegen Neuguinea einen solchen von 785 3li^ <>1i,n und Borneo von 736 351 n Nordostcn ferner die Antongil-Vai, endlich eine Neihc unbedeutenderer, südlich von Tamatawc befindlicher Einschnitte der Küste. Gute Lauduugsplätzc finden sich in dem Hase»: Diego Soarez, zu Wohcmar, Maroauzcttra im Grunde der Autongil-Bai, zu Mawelona oder Foulpoiut, zu Tmnasina oder Tamatawe. Sonst existieren nur mehr offene Nhcden, deren einzelne, wie Antalaha und !)igonsi, wenige oder gar keine Sicherheit gewähren. Die Schiffe töimen manchem der östlichen Küstenplätzc nicht nahe kommen, sondern müssen auswärts ankern, wobei sie sich bei herrschenden Ostwinden sehr vor Havarien in acht zu uehmen haben. Im Norden zum Teil sehr felsig, zeigt sich die Küste im Süden meist flach und sandig. Längs der Ostküstc erstrecken sich zwischen Tamatawc und Masindrano schmale Inseln, Nehrungen und Küstoulaguncn, letztere mit teils sandigen, teils sumpfigen Umgebungen. Sie sind auch vielfach durch bald klare, bald sumpfige Wafferadern miteinander verbunden. Zwischen der Antongil-Vai und Fanoariwo ist das Mccresgcstadc recht klippenreich. Nach Darwins Darstellung wird die südwestliche Küste von St. Angustine und mehr noch die nordwestliche Küste vor der Pasandawa - Bai von mächtigen Korallenriffen umsäumt. Sehr ausgedehnt ist das nordöstliche, auch die Insel Ste. Marie einschließende, sich zwischen Kap Amber und Tamatawe erstreckende Riff. Dr. Allan hat in den Jahren 1830 bis 1832 das auffallend fchnelle Wachstum diefer riffbildcndcn Korallen vor Foul-Point auf expcrimcntcllcm Wege nachgewiefcn. — 3 — Madagaskars Binnenland ist tcils bergiger, tcils hügeliger oder ebener Natur. Das Innere läsit eine Depression, vielleicht den Nest früherer Erdbeben nnd Einstürze, erkennen. Das hiesige Gebirgsland erscheint nämlich in seine,! Nändcrn höher als das von diesen eingeschlossene Gebiet. Die Abstiege dieser Ränder sind hier schroff, durt allmählich nnd fallen alsdann ctagenähnlich gegen die Küste hin ab. Die beträchtlichsten Flüsse, unter denen der Vetsibuka besonders hervorzuheben wäre. nehmen ihren Lauf von Osten nach Westen. Dabei ist übrigens die Ostknstc keineswegs wasserarm. Ähnlich ihren meisten Nachbarn ans dem afrikanischen Festlande weisen die madagassischen Flüsse zahlreiche Fälle nnd Stromschncllen anf. Vuct bildet den malerische Ansichten darbietenden Katarakt von Fihcrcnane ab. Manche dieser Wasserstürze erzeugen mitten im Nrwaldc Szcncricen, welche nach Deckeus Zeuguis au diejenigen der üppigsten Tropen-landschaftcn Südamerikas nnd Südasicns erinnern könnten. Nnr wenige der madagassischen Flüsse sind für größere Fahrzeuge, und das nicht einmal alls weite Strecken, schiffbar. Nach Sibree könnte der Betsibota etwa anf 145 k,n Entfernung von seiner Mündung ans mit Dampfern von geringem Tiefgange befahren werden. Die östlichen Mündungen zeigen sich zum Teil durch große Sandbänke verlegt. In der trockenen Zeit erleiden diese Wasserläufe starke Verlnste durch Verdampfung. An Seeu ist kein Nbcrflnß. Die größten sollen der Aloatra in der Provinz Schemata nnd der Itasi in Imcrnc sein. Jenem schreibt man eine Lauge vou etwa 42 km und eine Breite von 6—7 kni zn. Auch führt mau noch den Autfihianak nnd den Banumcne als etwas beträchtlichere Wasserbecken auf. Grandidicr hat im Lande fünf Gebirgsketten aufgefunden. Die drei ersten wcrdeu voneinander durch Sandcbcncu oder dnrch trockene, vou wenig tiefen Rinnsalen dnrchfnrchte Hochebenen getrennt. Die beiden anderen, westlich vom 43." 20' östl. Länge (von Greenwich) gelegenen, bilden die von der Halbinsel Anurntsaugauc bis zum 22." s.Br. sich erstreckende, 1000—1200 in hohe und noch — 4 — cine andere, die Insel von Nord nach Süd durchschneidende, vou Wohcmar bis nach FortDanphin rcichcndcKcttc. Der beträchtlichere Teil dieser großen Insel ist ebenes oder hügeliges Land, von welchem sich jenes obcngcschildcrtc Gcbirgsland umschlossen zeigt. Die Höhe der madagassischen Gebirge ist keine sehr beträchtliche. Der höchste Vcrg der Ankaratra-Kctte mag 3000 ,n erreichen. Mch dein llrteil dcr ineistcn Reisenden existieren übrigens Gebirgslandschaften von höchst malerischer Wirknng. Sibrce verzeichnet eine vulkanische, wahrscheinlich in nnuntcrbrochencm Zngc von Sndost nach Nordwcst nnd bis zur äußersten Nordspitzc sich elstreckende Linie. „Es darf wohl angenommen werden," sagt jener Forscher, „daß diese vulkanische Strecke nur ein Teil jener großen Linie sei, die ihren östlichen Eudpnnkt in einem Vnlkan anf der Insel Munion hat, während das andere (nordwestliche) Ende durch die Komorengrnvpc geht, deren Inseln ans großen Massen hoch emporragenden vulkanischen (^'steins bestehen, nnd anf dcr Insel Großtomoro anfhört, wo sich, wie auch anf Mnniun, ein noch thätiger Vnlkan befindet. Es könnte fast scheinen, als wäre auf dcr dazwischenliegenden Strecke die Gewalt der unterirdischen Kräfte erschöpft; denn während fich cm den beiden Endpnnktcn der Linie die Thätigkeit derselben gelegentlich noch fühlbar macht, ist auf Madagaskar selbst kein speiender Vulkan mehr vorhanden. Indessen müssen die leichten, fast alljährlich vorkommenden Erdstöße sowie die verschiedenartigen, heißen Quellen, die an vielen Punkten der Insel vorhanden sind, doch als Zeichen noch nicht ganz erloschener vulkanischer Kräfte betrachtet werden." Westlich vom Itasy-Scc erstrecken sich große nnd kleine, kegelförmige Vertiefungen bildende, anch hufeisenförmige, an einer Seite mit (erstarrten) Lavaströmm besetzte Kratcrcn, deren Zahl von Mullens anf 40 angegeben worden ist. Dieser Berichterstatter bestieg den Iwoko, ebenfalls ein erloschener Vulkan, dessen Krater ",-, ! Durchmesser besaß. Nings umher befanden sich noch andere Kratercn. Ein zweiter größerer Vulkan war — 5 — dcr Iatsifitra. Überall zeigten sich daselbst Lavamassen und Aschcnhalden. Mullens zählte überhaupt anf einen: 144,8 1tü>^> I<>m<^, finden sich hier. Im Wasser halten sich blasenartig anf-getricbcnc, schwimmende Algen, Wasserrosen (^inp^nou nm^-^a«>>Mu,n u. s. w. sind jedoch in mehreren Arten vorhanden. Ihre Blütcnfarbc ist vorherrschend fahlgelb und weiß. Den der Banmrindc nnr angehefteten Orchideen und Bryovhyllcn znm Verwechseln ähnlich erscheinen die dem Stamme selbst entsprin^ genden Blutenstände einiger Bäume des Waldinncrn. Die Schößlinge eines andern Holzgewächscs ^in,1it».eoÄ?) ahnicn täuschend die Wcdelroscttc eines I'i^tvcm-imn nach. Nuch ist in einiger Entfernung das zierliche Blattwerk eines kleinen Bambns von dem einer danebenstchcndcn zwcrgigcn Pallnc launl zn untcr^ — 14 — scheiden. Das Stämmchen dcr letzteren ist scltcn nbcr 1,5 m hoch und nur kleinfmgcrdick. Wic in allen Gcbirgsurwäldcrn dcr Tropen sind Farne, Lhkopodicu, Moose und Flcchtell in großer Arteuzahl Vorhände»,. Die Gefäßkryptogamen frnktifizieren in dieser Jahreszeit (Frühling) meistens noch nicht, dagegen bieten sich Moose nnd Flechten iu reichhaltigster Auswahl dem Sammler dar. Einige Flechten nnd Algen sind nur während weniger, besonders regenreicher Tage voll entwickelt. Wie ein Bade-schwamm saugen sie dann das Wasser ein nnd die zierlichsten Fnlchttellcrchen erheben sich ans dcr schleimigen Masse, Hört der Regen auf, so trocknen sie zu cincm dürren Häutchen ei», das dcr Wind verweht." Madagaskar bcsiht außer den schon beschriebenen noch einige Aanmgcbildc, welche entweder dekorativ in dcr Landschaft wirken, oder sich scgcnsvoll für das menschliche Leben crweifcn. Obenan steht dic herrliche Fächcvbananc Nawcnala (Ui^m.l »i>^i<»^). Sic findet sich ans Ebenen, an Bcrggchängen, in Schluchten sowie in Thalnicdcrmlgen und verlangt nicht immer feuchten Boden. Erwachsene Exemplare treiben einen ziemlich hohen Stamm voller Blatternarben. Dic Blattstiele sind an ihrem Grunde scheidenartig erweitert und stehen einander zweireihig gegenüber. Die schönen breiten, an ihren Rändern vielfach ein-gerissenen Bananenblättcr bilden an dcr Stammhöhe eine nn-gchenrc, fächerförmige Krone (Tüclbl.). Die meisten Blüten, jcdc in einer zweiblättrigcn Kclchschcidc, brechen zu 10 — 12 hintereinander aus deu Blattwinkeln hervor und crzcugen hörnerartig gekrümmte Fruchtkapseln mit bohnengrohcn Samcn. Junge Excm-vlare zeigcn die aus dem Wurzelstock an langen Stielen aufschießenden Blätter (Figur), deren Eindruck dann ein sehr angenehmer ist, wenn ihre Nändcr nur noch wcnig vom Winde zerzaust erscheinen. Die Nawcnala wird seit alters „Baum der Reisenden" genannt. Jeder Blattstiel enthält nämlich cinc an seiner Oberseite befindliche, sich gegen die Sticlschcidc hin erweiternde Ninnc, in welcher sich das Wasser dcr feuchten Fig. 3. ^ussiÄ^<:u!n «««,ll!!>»>'l1a.lu und Farn, — 16 — Niederschlage ansammelt und daselbst lange Zeit hindnrch frisch und genießbar erhält. In wasserarmeren Gegenden ist dies von großer Bedeutung für reisendes Volk. Übrigens liefern die Teile der Rawcnala verschiedenartige Materialien zu bautechnischen Zwecken. Am Fuß der Stämme wuchcru nicht selten riesige, 10-1^ Fnß hohc ?lronstandeu, Wia genannt, mit dcu mächtigen Blättern und eßbaren Wurzclu (Titelbl.). Ein anderes interessantes, monokotylcdonisches Pflanzcu-gcbildc ist die in feuchter Umgebung auch der höheren Landesteilc Fig. 4. Raphia-Palmett. wachsende Nufia (kli^mi 1'iiMli), eine etwa l)0-70 Fuß hohe Palme. Ihr nicht schr hoher, von abgeschnittenen oder vertrockneten Blattstielen starrender Stamm treibt sieben bis zehn riesige Fiederblätter mit schr dicken stachligen Stielen (Fig. 0iiiLii8, Itamkusg, ^üormrsii, l6c1ii^08tlieti^uiii pu,i'vi-^OI'UIU, Oßpüalo^aoli^uin Oli^ßlisri und I^L68iiÄ «l.pitg,t.a die häufigsten sind. Auch finden sich lediglich auf Bäumen wachsende, dimnhalmige, an die Chusquccu des tropischen Amerika erinnernde Formen solcher edlen Gramineen. Von diesen Gewächsen wird hier ein ähnlicher ausgiebiger Gebrauch gemacht, wie in verschiedenen Gegenden Ostindiens. Fast noch merkwürdiger, noch mehr durch auscinandcr-weichcndc und seltsame Formen überraschend, als die Pflanzenwelt, erscheint die Fan na Madagaskars. Wir stehen angesichts der letzteren vor einem Rätsel der Tiergeographie. Ehe wir nun den schwachen Verslich unternehmen, in die Geheimnisse dieser anscheinend verworrenen, in Bildung uud Verbreitung barocken Lebewelt im Gegensatz zu anderen Faunen einzudringen, sei es uns gestattet, erst einen kurzen Blick auf die charakteristischsten Tiere der großen Insel zu werfen. Zu den wunderbarsten Vertretern der madagassischen Tierwelt gehören unstreitig oieHalbaffen (I.einnriälw), derenlebcnde Gattungen und Arten über das afrikanische Festland, über die Inseln und über Ostindien verbreitet sind. Sie erscheinen ihrer ganzen Organisation nach von den eigentlichen Affen verschieden. Der ihnen zugchörcnde Fuß mit der entgegcnstellbaren großen Zehe ist noch manchen anderen Tieren eigen, während ihre sonstige Hartmann, Madagasla«. ^ Fig. ü. IxttMN' üllläonnl, N! ucrschicd^uirligcr Körpeiynltlülss. - 19 - Organisation durchgreifende typische Unterschiede von den Affen erkennen läßt. Sie gehören nach C. Vogts vorzüglicher Darstellung zu den ältesten uns bekannten Sängeticrcn der Tertiärzeit, die eine nähere Beziehung zwischen ihnen und den Affen Fig. e. EichlM'muuti. wie auch Menschen (diese ist von neueren Forschern so oft in den Vordergrund gestellt), keineswegs erkennen lassen. Sie sind vorzugsweise Vamntierc, vermögen sich aber auch, aufrecht stehend und wie Kängurus auf den Hinterbeinen hüpfend, ziemlich schnell von dannen zu bewegen (Fig. 5), wobei den langschwänzigen — 20 — Arten der Schweif wie eine Art Balancierstange dient. Letztere Fähigkeit zeigt sich selbst beim madagassischen Zwergmati oder Ni0ro<:<ü)U8 entwickelt. Dicfe Tiere bewohnen Vaumhöhlen oder bauen eine Art Nester. Sie leben tcils von Pflanzenkost, teils von Insekten, von Vügclchen nnd deren Eiern, von Eidechsen u.s.w. Sie sind teils Tagestiere, teils lieben sie nnr das nächtliche Umherwirtschaften, wobei sie sich gern zusammenrotten nnd sehr verschiedenartige Töne von sich geben. Zu solcher Zeit vcr- Fiss. 7. Rechte Ha»d des Vichhormnali. 2, Dor dritte dmmo Fin>icl-. breiten ihre großen Augen, wie ich selbst an lebenden Makis beobachtet habe, den hellen Glanz eines selbst schwach reflektierten Lichtes mittelst ihrer äußerst entwickelten Lcuchtmcmbranen ^liipLwm 1nii!^), der großohrige, nagezä'hnige, mit spindcl- — 21 — dünnem dritten Finger der Hand ausgerüstete Aye-Aye oder Eichhornmaki . attackierende Hunde u. s. w. empor. Sie vertilgen allerhand Insekten. Zur trocknen Zeit verfallen sie in den verschiedenen Tropcnticrcn eigenen Sommerschlaf. Die Hanptfarbc der Tendreks ist gelbbraun. Über den Nucken verlaufen dunklere oder weißmeliertc Querbä'lider. Ihr fettes, saftiges Fleisch wird von den Eingeborenen hoch geschätzt. Man nnterscheidct mehrere Tcnrekartcn, unter denen eine mit spitz-borstigem — 23 — Schwauzrndimcnt versehene Art ((üönwt«» ßOtosus) besondere Aufmerksamkeit verdient, während andere angebliche Spezics noch zweifelhaft bleiben. Sibree traf die Tcnreks in den Wäldern und besonders auf den mit vereinzeltem Gebüsch und mit Farnkräutern bewachsenen, abgeholzten Stellen dicht am Walde an. Die Raubsaugctiere Madagaskars weisen einige charakteristische Formen auf, unter denen die größte und wildeste Art, die Frcttkatze (O^to^i-ootn t^rox), dort Pintsala oder Kintsala genannt, nach Ansicht einiger Forscher den Übergang von den Katzen zu den Zibettiercn oder Vivcren vermitteln soll. Sowohl der längliche, stumpfschnauzigc Kopf, dessen knöcherner Van, wie auch die kurzen aber kräftigen, mit zurückzichbarcn Krallen der- Fiji. 10. SolM des Vorberfiches cmer F«lttatze, schenen Vcine erinnern an eine Katze, wogegen der langgestreckte Körper, der an der Wurzel dicke, gegen die Spitze hin sich verjüngende Schwanz (Fig. 9), die nackten Sohlen (Fig. 10), die ungewöhnlich laugen Spürhaare und eine am After befindliche Drüscutasche uns an Vivcrcn mahnen. Indessen nähert sich das Tier den Katzen so sehr, daß Grandidicr und Milne Edwards vorgeschlagen haben, daraus eine besondere Familie der katzcn-artigen Sohlengänger zu bilden. Der dicht- und schwellend-behaarte Pelz ist schön braungelb gefärbt. Man hält die Frctt-katzc in ihrer Heimat für ein sehr gefährliches Geschöpf, trotzdem dasselbe sich nur an kleinere Säugetiere uud au Vögel zu wageu Pflegt. — 24 — Die echten Zibettierc haben ihre Vertreter in den Fossa (ttsnßtw 5o88n.) und noch in einer anderen Art, einer nahen Verwandten der afrikanischen Genctten oder Ginsterkatzen. Marderartig sind die niedlichen Wantsiren oder Vontsiras ^ÄleHill. nlivaeea, cmis,o!«>r und 6ii1iäioti« «triftn,, vitt^ta,). Mitten zwischen diesen obenerwähnten Gattungen steht nach Gervais' Urteil ein gelbbraunes, mit breitem Kopf nnd sehr ?ut,»,m<><'1ln«l'U» I5t>,v»,rä8ii, spitzer Schnanzc versehenes Raubtier (Nupin-osftoulloUi), welches mit Vorliebe Insekten vertilgt. Sibrec und Andere führen noch eine wilde Katze als cm in vielen Gegenden der Insel sehr häufig vorkommendes Tier auf. Dies soll schön gestreift nnd dem zahmen Geflügel sehr verderblich sein Nach der Ansicht verschiedener Forscher ist diese Katze ursprünglich anf Madagaskar nicht heimisch, was freilich von Sibrec bcstrittcn wird. — 25 — Uuter den mchtwicderläuenden Huftiere fällt das dem ost-afrikanischcn Larvcnschweine ^owmooiioeru» larvatuZ) nahe verwandte Wildschwein ^otlnno^aLi-u» 8«u (üic»6i'u^otä.inu» Nä^ai'ä8Ü) durch seine gedrungene Gestalt, sein grobborstiges Haarkleid, seine breiten in einen schmalen Haarpinsel endenden Ohren, durch seine knolligen Auswüchse zwischen Auge und Rüssel, endlich durch den langen erst an seinem Ende quasten' Fiq. 12. iUriul-i! zi>,,Uc. />!ü!)p>>,rd von Mu'!,,, , > ,,, ^ ,,,.iov das gemeine rezente Flußpferd Asritro81'i>;vs»«tii. Zlt den Würgern gesellen sich die weiß- nnd dunkelgrün gefleckte Lan^«. c.urvi-ro.^t^i^ nnd die V^n^^iciulor. Zwischen Kncknckcn nnd Raken steht das oben knpfergrüne, nnten fast weihe, mit schwarzem Schnabel und roten Füßen versehene I^tosuuig. äisoolor. Eine Taube (?tii6pu8 ßo^nxonii) zeichnet sich durch weißen Kopf, stahlblauen Hinterkörper und rote Wachshaut aus. Im Südosten des Landes finden sich niedliche kleine Rallen ^u^orui», ^Vatormi), im Innern Frankolinhühner (Israels« por^onatu«), im Südosten Wachtelvögel (^nrnix ni^rieoiii»). Neben einem hübschen, sehr großfüßigen Taucher sl'oäicop» I'ßl^eini) tummeln sich schön gefärbte Wasserhühner und Goldschnepfcn. Sibree rühmt den ungehcilren Reichtum der zum Teil marschigen Provinz Antsihanaka und des Itasy-Sees an Enten, an Krick-, Moschusenten, an Wasserhühnern, Strandläufcrn, Reihern, Störchen, Ibisen, Tauchern u. s. w. Im Süden der Iuscln finden sich versteinert die Neste eines straußartigcn Vogels (At^orin» inaxiiQU8), welcher etwa die Größe des afrikanischen Straußes, aber dickere, plumpere Beine wie dieser, gehabt haben muß. Mau hat auch Eier dieses Niesenvogels aufgesammelt, deren Längsdurchmesser mehr als 300 rum betrug. Wallaee glaubt, daß der ^6p^«i-m8 noch vor ca. 200 Jahren gelebt habe. Auf diesen Ricsenvogel nehmen wahrscheinlich die Sagen vom Vogel Roch oder Nulh der ara--bischen Märchen, die Erzählungen des Seefahrers Sindbad?c. Bezug. Außer dem ^s^orn^ hat es hier noch andere kleinere Laufvögel gegeben, die in gewissen verwandtschaftlichen Veziehnn-gcn zu den neuseeländischen Moa'Z (Dmorm«) gestanden haben. Die Reptilien und Amphibien der Insel weisen sehr merkwürdige Formen anf, unter denen mehrere Amerika eigen-tümliche Arten vertreten sind. Die Schildkröten zeigen sich 5-ss- 14. Kopf des madagaisiichen Krokodiles, von der Zeite u:<> von oben gesehen. — 30 — ziemlich zahlreich, namentlich sogenannte Moorschildler (Idioms-äu«a ^itzai^) und die Doscnschildkröten oder die Vordcrbrust-klapper (^^xis). Letztere besitzen ein in zwei Teilen gegeneinander bewegliches Brustschild. Der Hauptvertreter der Panzercidechsen, das Krokodil, ist über Madagaskar weit verbreitet. Grey hat das Tier unter der Bezeichnung iÄoooäilu« NaägAasoariLii^ als besondere Art beschrieben. Er bezeichnet dasselbe als nut schlankerer, längerer Schnauze wie das Nilkrotodil und mit einer jeseitigen, schmalen Leiste seitwärts von der Mittellinie der Schnauze, versehen. Die Seiten des Unterkiefers sind falbbunt, mit unregelmäßigen schwarzen Flecken getüpfelt (Fig. 14). Es frägt sich ob eine solche Unterscheidung Berechtigung behagten darf. Sibree sah auf einer den Betsiboka-Fluß abwärts führenden Reise an einem Tage über 100 Krokodile, was allerdings die Erfahrungen des Schreibers dieser Zeilen in den krokodilreichsten Gegenden des blauen Niles weit übertrifft. Derselbe Reisende erzählt von einem kleinen Vogel, der sich von den Parasiten des Krokodils nähren und dasselbe vor jeder ihm drohenden Gefahr warnen soll. Vermutlich ist das der niedliche, stets geschäftige Begleiter auch der ostafrikanischen Panzercidechsen, der den Ägyptern heilig gewesene Regenpfeifer (11)^8 k«g^i)t,in,ou8). Das madagassische Krokodil scheint ein recht gefährliches Reptil zu fein, gegen dessen perfides Gebahren sich die Eingeborenen beim Wasserschöpfen durch ihre in den Fluß hineingebauten Stockaden zu sichern suchen. Die etwa 80 mm langen, 50 mm dicken, rauh- und weißschaligen Eier werden auf die Märkte gebracht. Im afrikanischen Festlande schreckt der widrige, halb fischige Duft des Dotters von dessen Genuß ab. Unter den Schlangen wurden die Gattungen der Vaum-nattern (Mor^wöi-)^) der kegclköpfigcn Vaumschlangcn (?ki1o-är^n.8) und Vcrschiedcnzähner (llßwroäon) außer auf unserer Insel nur noch in Süd- und in Nordamerika beobachtet. Die sonderbaren Nasenschlangcn (I^mj^liu. nu8uw) zeigen am Schnau- — 31 — zencndc einen beweglichen mit spitzigen Schuppen besetzten Ansatz. Ans der Familie dcr Nicscnschlaugen kommt hier die Gattung 8an^niH vor. Ihr wird die Fähigkeit zugeschrieben, nicht allein größere Säugetiere, wie Ochsen, sondern selbst Menschen zu töten. Erstcrc Angabe beruht auf Übertreibungen, welche fast allen Berichten über sogenannte Riesenschlangen anzuheften Pflegen, wogegen auch nicht abgelcuguct werden darf, daß in die Enge getriebene Felsenschlangcn und deren Verwandte gelegentlich die sie anfallenden Menschen zu umschlingen und ihnen die Glieder zu zerbrechen vermögen. Zu ihrem Glück wird die Insel von den furchtbaren Giftschlangen Afrikas, den Nashornvipern, Pnff-addcrn, Hornvipcrn, Brillenschlangen u. s. w. verschont. Die sehr gestaltenreichen Eidechsen nnsercs Gebietes sind zum Teil afrikanischen Ursprunges, wie die Drcizchcr (Hop»), die Stinte (M^ro^c^) u. s. w., zum Teil sind sie, wie die Vlattfiugcr (1'KMoäl!<;t^1u,8) sowohl amerikanisch als auch australisch. Man bemerkt ferner Chamäleonc (Oliamm^u ti^r^, .voäi), wird ihres giftigen Bisses wegen gefürchtet, welchen man, wie auch die Wirkung des Bisses cincr anderen Spinnenform, der Foka (Moniisus foka), sogar für tödlich erachtet. Dergleichen Angaben lauten jedoch übertrieben. Anch Hildcbrandt glanbt nicht an die große Gefährlichkeit dieser Tiere. Er fand, daß in verschiedenen Gegenden auch andere Spinnenarteu als tötend verschrieen sind und daß dort gefürchtcte hier als harmlose gelten. Die hiesige Fauna enthält übrigens kleinere Skorviomnten und zahlreiche Tansendfnßc, darunter gegen 15l)il,m lange, recht bissige Skolopcndrcn. Ein Geschöpf voll wahrhast abenteuerlichem Anssehen ist der bis 90 inm lange nnd 30 mm breite, unschädliche Tauscndfuß (VpiiAsrotiisi-iniii ^t,m>l,n), welcher sich bei nahender Gefahr wie eine Kugel zusammenballt nnd an gewisse fossile Trilobitcn (z. B. ^^eop») erinnert. Das Erwachen der besseren Jahreszeit nnd das alsdann wahrnehmbare Verhalten der madagassischen Tierc ist durch — 34 — Hildebrandt mit großer Wärme der Empfindung au einer l,userer Lesewelt nicht leicht zugänglichen Stelle geschildert worden. Einige Züge daraus haben wir schon weiter oben bei unserer Darstellung der dortigen Pflanzenwelt benutzt. Wir lassen hier noch etliche andere folgen. „Wenige Tiere beleben die Savanne im ersten Frühlinge, denn die Finken und viele Insekten die der Grasfrucht nachgehen (erstere füttern ihre Jungen mit Gewürm) sind noch uicht da. Aber die hiesige Lerche (^mäll, Iwvü) steigt, wie die unsrige, trillernd und schnarrend in die Lüfte. Sie hat ihre drei erdbraun gefleckten Eier in lockcrem, unscheinbarem Neste am Boden gelegt. Eine äußerst zierliche Bachstelze, Notaoilili tlavivonti-is, huscht über den Voden. Auf den Viehtriften findet der Sammler Prachtvolle metallglänzendc Dungkäfer (Anthophagen, wenige Aphodicn- uuo Hister-, aber mehrere Staphyliucnartcn). Ihre Larven sucht ltgitilmdil!, m»,-tl3H«,8cÄrisn8i8, graubraun mit schönen stahlblauen Schwingen, auf. Ihr Nest sindet sich im nahen Busche. Die Eier siud hellblau mit feinen braunen Tüpfelchen. Während die Lerche in einsamen Paaren lebt, geht ^rtilindia in Scharen zu 20 und mehr lärmend ihren Geschäften nach. Dagegen ist der häufige Ruf von lurnix nißroeoUi«, genau wie der Wachtcl-schlag, angenehm heimelnd. Die hiesige Heide ist, wie ja überall, nicht reich an eigenartigen Tierformen. Von Vögeln, die sich zeitweilig hier aufhalten, wären etwa lurnix luFi-ioolii^ der Brachvogel und ?ra-tinoniÄ ^dilia zu nennen. Letzterer brütet jetzt. An trüben Tagen steigen langsam und bedächtig abenteuerlich gestaltete Chamäleouc (Verfasser sammelte deren sieben Arten) an den Büschen empor. Stundenlang sitzen sie dann unbeweglich da. Nur das unaufhörliche Rollen und Drehen der Augen zeigt Leben und ihre Freßgier an. Wehe dem Infekt, das sich auf Spannenlänge in den Bereich der klebrigen Geschoßzunge niederläßt. Die jungen Sprossen der Gesträuche sind belebt von Insekten, namentlich hartschaligen Rüsselkäfern, welche durch sonderbare Gestalt und 35 — durch Haarbüschel auf dein Körper lind an dm Gliedern oft aufs Täuschendste fruktifizicrcndc Flechten, die auf dm gleichen Hcidegewächsen sprießen, ucichcchmm. Abcr auch blanke uud sammetnc Cetonicn, sowie rnehrere Arten Maikäfer zernage»: im analogen Monat November, ganz wie bei uns, das junge Laub. Die reichhaltige Sippe der Bienen, Hummeln nnd Wespen um-schwirren jede Blüte. Der Busch ist jetzt im Frühling voller Sang uud Klaug uud Lebenslust. Alles prangt im Hochzeitskleids Hier flattert und fnmmt und schleicht und kriecht es. Die Vögel der Savanne nnd Heide, die Insekten des Urwaldes, die im Raupen» uud Larvcuznstandc dort ihre Kinderzeit dnrchfraßen, und andere je nach ihrer Art, in die Blüten uud heranwachsenden Früchte anderer Gewächse ihre Eier ablegen — alles verlebt die Flitter-wocheu und die Freuden und Leiden des Brutgcschäftes. Der Kuckuck (<',<«:,ill«« lloc-ilii) macht es sich auch hierzulande am bequemsten. Er legt seine unverhältnismäßig kleinen Eier einzeln in die Nester kleiner und kleinster Vögel, z. B. in die von I'l'ittincui», 8^di11a,, (Äktieo^l, n^äaOakcnriensi«, Von Nekta-rinien u. s. w.; zu größeren Eiern, wie die von II^M^ßto« <)ni'0vnnF, brmgt er es nicht. Dieser Schmarotzer ist ein arger Schreier. Ehe noch die Sonne aufgegangen und bis spät in die Nacht hinein hört man seine Stimme. Sie klingt mir, als hätte sich unser heimischer Vogel, dem der hiesige znm Verwechseln ähnlich sieht, einen argen Stockschnupfen geholt. Die Stimmen anderer Vögel des Gebietes, abgesehen von den Krähet,, ^nuch der Schildrabe (Om'vu^ soapulaws) brütet jetzt > und von anderem Geschmeiße, klingen angenehmer. Selbst im Lärmen der 1)i<-rnu,'N8 iortwlltul> und einer ähnlich sich geberdendm 7',//a5-Nrt ist Mnsik. Klein aber niedlich ist die Sangweisc ber Nektarinien, der /u^tcrop.^, ^>xx^83, tenolll,., der Oisticulll nnd anderer Vögclchen, welche im lichten Haine blühender Bänme ihr Spiel treiben. Das Urwaldinnerc ist au Tieren nicht reich, wenigstens 3* — 36 — ist die Beobachtung derselben wegen dcr Dichtigkeit l«nd Höhe dcr Lanbmasscli sehr erschwert. Ain Bemerkenswertesten nlachcn sich die Halbaffen. Meist bleiben ihre Familien znsammen. Je nach Alter nnd Geschlecht knurren, kläffen oder henlcn sie bei ihren Spielen nnd Zwistigkeitcn oder nm ihren Frühliugsgefühlcn Alisdrnck zn geben. Anßcr einigen Igelartcn ^ontow», S. 23) gewahrt man keine anderen Säugetiere. An Vögeln beherbergt die Tiefe des Urwaldes die schöne ^olili. cc>0i'ui6H, deren gellender Lockton an den Schall einer übcrblascnen blcchernen Kindertromvctc erinnert. Von ähnlicher düsterer Färbung ist dcr Papagei (^0i'Ä«0M8 ni^r^) und eine einsame Waldtanbc sOon^ ni3,äÄFa8«^ri«n,8i8). Häufiger als ihren melancholischen Nnf hört man das Gurren der Lachtaube (lui-wr i'ictiiruiu!-!). Auch mehrere jener abenteuerlichen Vogel-Gestalten, die Madagaskar eigentümlich sind, bringt dcr Urwald hervor. Wem das Gluck günstig ist. dcr mag, geleitet durch das Quakeu des Waldibis (Idi» crist.^), einen gnten Schuß thun. I^tosoiim cli800ic)r (S. 28) hält sich, wie die vorerwähnten Vögel, hauptsächlich iu den Baumgipfeln auf. Im dichten Unterholz führt Zi-lu-ii^tLi-aoi^ le^W^oinn« ein halb-nächtliches Leben. Ihm verwandt ist dcr seltene ^t^ui-nis <'i'<>^n>vi. Die Betrachtung dcr Zunge dieser beiden Vögel läßt auf eine eigentümliche Lebensweise schließen. Sie ist nämlich gcgcn die hornige Spitze zn verflacht und tief, nuregclmäßig geschlitzt. Ein anderer merkwürdiger Urwaldvogcl ist 1'I,ii6^itt<^ jlllü. (S. ^!7). Haut- uud Fleischanhängscl und farbige, nackte oder befiederte Angenringe wie an diesem Tiere finden sich anch bei mehreren anderen Vögeln des madagassischen Waldes, so z. V. bei I^p<<>i'tl'r»8 vii-nii«, wo ein fleischiger Augcuring blangran erscheint. Ebenso ist er beim Fliegenschnäpper »,ii« (.-ri^lbü. und (>('!>!l^ IN!^I^^^«0U-vil-n^i« haben eine korallenrote nackte Hautstelle ums Auge. Am auffallendsten aber ist die nackte Haut um die Augen von X^ll einen Bazar des Geistes und der Aufklärung bilden, eine zentrale Wcrkstätte für Wiffenschaften und Künste, zu welcher man aus allen Teilen des Reiches herbeieilt, um sich in allen Zweigen menschlichen Wissens auszubilden und zu vervollkommnen." Nadama II. erteilte eine Amnestie, beschränkte die Gottesurteile durch Tangin-Genuß, beschränkte ferner die Frohnarbcit und bahnte mancherlei sonstige nützliche Reformen an. Indessen blieb dieser au. guten Entschlüssen so reiche Fürst nicht lauge im Besitze seiner Macht. „Der Auserkorene der Vorsehung, der prädestinierte Befreier und Apostel seines Voltes", wie der Abb6 Ioueu deu König betitelte, erlag schon im Jahre 1863 einer Verschwörung des auf den steigenden europäischen Einfluß eifersüchtigen Howa-Adels. Diesen: Herrscher folgte seine Witwe Nasohcrinn, welche sich übrigens deu Weißen nud dem Christentum geneigt erwies (Fig. 15). Nach ihrem 1868 eingetretenen Tode gelangte Ranowalona II., alsdann Ranowalona III., zur Herrschaft. Nachdem sie die Taufe empfangen, hat sie laut Beschluß vom 8. September 1869 die Götzenbilder niederreißen und verbrennen lassen. Die Würdenträger der Howa folgten dem Beispiele der Herrscherin. Das Missiunswescn blühte auf allen Wegen und die Missionsgroschen flössen von allen Seiten in die Schatnllcn der dazu bestellten Offizialen, Ellis heimste allein etwa 140 000 zn Missionszwecken bestimmte Mmk ein. Kirchen und Schulen wuchsen gleichsam ans der Erde. Katholische und protestantische Missionäre arbeiteten um die Wette darau, die Madagassen christlich zn machen. Nanawalona ehelichte 1869 ihren Premierminister Nainilaiariwoni und legte dem stetigen Fortschritt weiter keine Hindernisse in den Weg. Trotz ihres guteu Willens mit den Europäern im besten Einvernehmen zu bleiben, hat sie mit den Franzosen Streit bekommen, dessen Folgen lange Zeit unabsehbar blieben. Da dieser Streit in erster Linie die herrschenden Howa betrifft, so mnßtc es für den weiteren Verfolg M. 15. Vine Kdmgm der Howa. — 49 — der Ereignisse von Interesse sein, auf die Eutdeckungs- und Kolomsierungsgeschichtc der Insel zurückzugreifen. Madagaskar wird nicht allein in den älteren, arabischen Berichten, sondern im 13. Jahrhundert auch von dem venctiancr Reisenden Marco Polo erwähnt. Im Jahre 1506 entdeckte Dum Fernando Soarez, ein Kapitän des portugiesischen Admirals Francisco de Almeida, die Osttüstc Madagaskars. In demselben Jahre fand Ioao Gomez d'Abreu die Westküste der Insel, welche damals nach einem Kalenderheiligen die Ilha dc Sao Lourcn^o genannt wurde. Tristao da Cunha, Nodrigo Fereira Coutinho und Alfouso d'Albuquerque besuchten und beschrieben das Land genauer, dessen Name Madagaskar nach Sibrce ursprünglich eine fremde, vielleicht kontinental-afrikanische zu sein scheint. Die Insel heißt bei den Eingeborenen Nosin dambo d. h. Insel der wilden Schweine, Izao rehetra izao dies Alles, Izao tontolo izao dies Ganze, oder wohl auch Ni aniwon ni riaka d. h. Land inmitten der bewegten Gewässer. Portugiesen und Holländer haben nur wenig für die Ko-lonisiernng des neucntdccktcn Landes gethan. Dagegen sind die Franzosen bereits seit 1642 mit großen Ansprüchen hervorgetreten, indem sie schon damals durch Pronis, einen Agenten der französisch-ostindischcn Gesellschaft, kraft einer von Ludwig XIII. ausgestellten Vollmacht, die Insel für ihr Besitztum erklären ließen. Im Jahre 1l)48 sandte jene Gesellschaft Flacourt, noch später Chamargou ab, um das Land zu kolonisieren. Diese beiden ebenso rohen wie unpraktischen Agenten waren von fanatischen Priestern begleitet, deren plnmpe Bekehrungsvcrsuche keine Erfolge aufwicsen. Überhaupt waren die Kolonisicrungsbestre-bungen jener Leute nicht eben glückliche. Indessen hatte man immerhin das Fort Dauphin am Südostendc der Insel unter 2^)" südl. Vr. gegründet und mit einer Besatzung versehen. Im Jahre 1670 verwickelte sich dessen Komandant de la Haye in einen Hkrieg mit den Eingeborenen, welcher mit gänzlicher Nieder-wchelung der Franzosen, darunter Chamargou selbst, endete. — 50 — Erst achtundncunzig Jahre später, 1768, warf man unter dem Ministerium des Herzogs von Praslin den Blick von ncncm auf Madagaskar, indem man einen Sieur dc Demodavc mit fehr verständigen und humanen Instruktionen für Kolouisierungs-versuche dorthin dirigierte. Diese Pläne hätten gelingen können, wenn nicht ein aus Sibirien entsprungener Abenteurer, Graf Moritz Venjowski, die französische Regierung für sich eingenommen, Demodavc's Absichten durchkreuzt und unter Aufwendung eines kolossalen Schwindels sowie unter Vergeudung beträchtlicher französischer Summen es versucht hätte, selbstthätig in die Geschicke Madagaskars einzugreifen. Nachdem man in Frankreich sich über Benjowsti's Pläne, sich als Mpanjakabe oder höchster König unabhängig behaupten zu wollen, genügend unterrichtet hatte, ließ man den Abenteurer 1796 fallen. Der Kommandant Souillac stieß am 4. Juni 1786 mit dem Mpanjakabe feindlich zusammen, welcher letztere dabei durch die Kugel eines französischen Sergeanten tödlich verwundet ward und bald nachher starb. In jenen Zeiten wurde die Niederlassung auf der Insel Samte Marie oder Nossi Brahim im nördlichen Teil der Ostküste gegründet. Auch setzte man sich weit später, 1840, zu Nossibc am nördlichen Teile der Westküste fest. Im Jahre 1814 mischten sich die Franzofen in einen Streit der Fürsten von Foulpoint und Tamatawe ein. Kommodore Hamclin bombardierte bei dieser Gelegenheit den ersteren Küsten-ort uud legte französische Besatzung in beide Orte. Radama I. trat nun den Franzosen ziemlich brüsk gegenüber, indem er alle ihnen befreundeten Häuptlinge mit Krieg überzog und deren Gebiete besetzte. Ja der König nahm das Fort Dauphin weg und ließ daselbst die französische Flagge herabrcißen. Man begnügte sich damals mit erfolglosen Protestationen, welche dem Prestige der großen Nation gewaltigen Abbruch thaten. Nach Radama's I. Tode ergriff dessen Nachfolgerin, Ra-nawaluna I., energische Maßregeln gegen alle Häuptlinge, welche es damals noch mit den Franzosen gehalten hatten. Der dieser ^_ HI __ europäischen Macht geneigte Kommandant von Foulpoint, dcr Sakalawa Bafarla, wurde getötet. Die fortdauernden damals gegen die französischen Autoritäten geübten Nörgeleien veranlaßten endlich die Tuilcrieu-Regicrung, ein nicht unbeträchtliches Geschwader nach Madagaskar zu senden. Dies bombardierte zncrst Tamatawe und siegte bei Ambatu Malniu, gründete auch eine militärische Niederlassung zn Tentenge. Eine französische Abteilung unter dem Oberstleutnant Schocll wnrdc darauf in der Gegend von Foulpoint durch den Howa-General Raikcli, einen tapferen uud genialen Mann, total vernichtet, eine andere Abteilung Franzosen beschoß dagegen Pointe Larr6c mit etwa 30(X) Granaten und eroberte den Ort trotz aller verzweifelten Gegen^ wehr dcr Howa. Später siegten die letzteren abermals und blieben die Franzosen nach manchen weniger ruhmvollen An-strcnguugcu ihrerseits auf Stc. Marie beschränkt. Seit jener Zeit hat es an politischen Reibungen zwischen dem Tuilcrienkabinett uud dcr Regicruug dcr französichen Nepu-blik einer- sowie dem Howahofe zn Nntauanariwo andererseits keineswegs gefehlt. Die französischen Ansprüche an das Königreich Madagaskar, unter welchem nur das Howa-Neich verstanden werden kann, wnrden mit Waffengewalt unterstützt. Die schlecht bewaffneten Howa würden sich freilich an den Küsten kaum gegen die anerkannt vortreffliche Marineinfanterie ihrer Feinde behaupten können. Vorläufig steht indessen ein friedlicher Ausgleich zwischen beiden Nationen bevor. Auch die Engländer haben mehrfach versucht, auf dcr merkwürdigen Insel Boden zu fasfen. Sie haben sich aber mehr darauf beschränkt, in jener oben (S. 46, 4?) geschilderten Weise durch politische Agenten uud Missionare, als durch kriegerische Aktionen Einfluß zn gewinnen. Die tzowa selbst haben seit einiger Zeit auf weitere Aus-dchnuug ihrer Herrschaft verzichtet, das bis jetzt Erworbene aber zu festigen gesucht. Ihr Reich erstreckt sich über die erwähnte Provinz Imerna und über das Betsileo-Land. Nach 4* — 52 — Audebcrt habcu sic die Ostkiistc innc von Wohcmarc im Norden bis Farafangana im Süden. Im Westen reicht die Howa-Hcrrschaft ctwa bis gegen Menabc hin. Das Innere der Insel ist von ihnen unabhängig. Zu Fort Dauphin nnd an einigen anderen, zum Teil sehr abgelegenen Punkten, auch der Küsten, unterhalten die Howa kleinere Garnisonen untcr Kommandanten, welche die Zölle und Siencrn erheben. Audcbcrt glaubt richtig zu gehen, wenn er die Hälfte der ganzen Insel in ihrem Besitze wähnt. L. Die Howa. Die Howa sind von Mittelgröße oder kleiner (m. 1600 mni hoch), schlank und wohlgebaut. Hände und Füße sind gut geformt,, etwas kurzfingerig und kurzzehig. Nackte Jünglinge und Mädchen hatten auf die von mir darüber befragten Gewährsmänner im Durchschnitt einen recht vorteilhaften Eindruck gemacht. Der Kopf ist nach oberflächlichen, unmaßgeblichen Schätzungen brachycephal bis mcsocephal (kurz- bis mittclköftfig). Die Stirn der Männer ist ziemlich frei und hoch, nur mähig gewölbt. Der Naum zwischen den Augcnspaltcn hat etwas unschön Breites. Die Augenbrauen sind ein wenig bogenförmig geschwungen, die Augen sind nicht groß, aber von lebhaftem, intelligenten: Blick. Die Nase ist entwickelt, d. h. hervorragend, häufiger ist sie gerade als gebogen, selten eingedrückt, fast stets mit stumpfer Spitze und mäßig breiten Flügeln versehen. Der Mund ist ziemlich groß, die Lippen sind zwar fleischig, aber nur selten aufgewulstet. Das Kinn ist zurückweichend und gerundet. Das ganze Gesicht macht, von vorn gesehen, emeu fünfeckigen Eindruck, wobei man sich freilich die fünf Ecken ill ganz gefälliger Weise abgerundet denken mnß Das Ohr ist gut gebildet. (Fig. 16.) — 53 — Die Howa-Weiber haben ziemlich gewölbte Stirnen und Scheitel, im ganzen runde Gesichter, flache Nasen und einen breiten, etwas dicklippigen Mund. Das Kinn ist klein und gerundet. Indessen sind vorragende, zierliche Nasen und dünne H«wll« Offizier. Lippen doch auch Erbteil mancher Howa-Schönen, denen übrigens nicht selten ein etwas gekniffener Zug um die Mundwinkel bleibt. Die halbe Faceansicht eines jungen Howamkdchens. welche ich 1t?67 in Frankreich zu zeichnen versucht, erinnerte — 54 — mich trotz ctwas größerer Gesichtshöhc an die Photographiecn junger Samoanerinncn (Fig. 17). Dcr in der Jugend gnt-gcformte Busen welkt wie alle sonstigen Neize dieser Weiber schnell dahin. Sie alle neigen zur Fettleibigkeit. Dies thun zwar auch die Männer. Magere Personen beiderlei Geschlechts werden srühzeitig klapperdürr und sollen dann große äußere Fiss. ,7. ,Vm,M> Howa-Mibchc», «.'twa 15 Jahr alt. Ähnlichkeit mit alten Hottentotten verraten. Das Haar ist sehr kraus, aber gelockt, nicht so zu vereinzelten, verfilzten Büscheln gesondert, wie bei den gegenüberliegenden nigritischen Festlands-bcwohnern. Die Farbe ist gelbbraun mit starkem Stich ins Olivenbrauuc, öfters so hell, wie bei Südenropäern. Übrigens fehlt dieser Haut die schwellende Weiche der Afrikanerhaut, sie Fin. 18. Männliche Howa-Trachten. — 56 — ist häusig voll Finnen, Mitessern, Schrunden und Flechten. Zwar zeigen die Howa einen gewissen Anstand, eine leichte, anmntcnde Würde, sollen aber nicht selten durch ihren lauernden, tückischen Blick unangenehm auffallen. Die Kleidung dieser Leute ist in ihrer Ursprünglichkeit einfach und malerisch, bietet aber in der Jetztzeit leider häusig ein widerliches Gemisch von urtümlich - afrikanisch - indischen Draperieen und von europäischem Plunder dar. Nichts ist beklagenswerter, als der allmähliche Untergang der Nationaltrachten, mit welchem zwar öfter ein Steigen in voller oder halber Zivilisation, oft genug aber auch die Vernichtung jeder urwüchsigen Tüchtigkeit und der biederen Charaktereinfachheit, ein Verzicht auf jedwede Stammescigentümlichkeit verbunden sind. Das Haar der Howamänucr wird entweder kurz geschoren, so daß es bürstenartig-steif emporsteht, oder es bleibt einige Centimeter lang uud sieht dann der gewöhnlichen Haartracht eines krausen, fashionable« Italieners ähnlich (Fig. 16 u. 18). Um die Lenden wird ein Zeugschnrz gewunden nnd darüber wird ein langer breiter Überwurf, die Lamba, in fchoneu vollen Falten drapiert. Letzteres Kleidungsstück ist entweder aus Baumwolle, Seide oder Raphiafasern gewebt und ähnelt der Schama oder Ferda oder Tob der Abyssinier und Ost-Sudanesen. Vci den Geflochtene Kappe — 5? — Offizieren und höheren Beamten von Seide, wird cs für die Adeligen rot, für die Anderen weiß, mich mit roten oder bnntcn Streifen verziert. Tic Beine bleiben nackt. Manche tragen europäische oder indifchc Hemden mit langen Ärmeln. Auf dem Kopfe sitzt ein Strohhut oder ein abgelegter, von irgend einem europäischen Trödelmarkte stammender Cylinder, znwcilen anch eine jener bunten, ans Naphiafascrn niedlich geflochtenen Kappen, die selbst Somal und Sncchcl nicht verschmähen (Fig. 1!1). Die Frauen toupieren ihr Haar in nnzähligcn Flcchtchcn, Zöpfchen, Schnecken und Rosetten. Sie entwickeln darin fast die gleiche eitle Sorgfalt und Erfindungsgabe, wie ihre nnbisch sudanesischen Schwestern. Ans dem Körper tragen sie entweder den Saimbo, ein sackartiges, dem Sarong der Malaycn ähulichcs, an den Hüften festgeknotetes Kleidungsstück, ferner eine Ärmeljackc oder ein den sogenannten Missionshcmdcn (mi^ioimi-^ tods») der Südsceinsulancr entsprechendes weites Kattunklcid, das bis znm Hals und bis zu den Handknöcheln reicht. Die Lamba wird dann noch als Überwurf benutzt. Den Kopf bedeckt man mit einem Stroh- oder einem schäbigen europäischen Amazonenhnt. Taschentuch und baumwollener Sonn- oder Regenschirm verlassen weder Männer noch Fraucu. Das ist der Urtypus von Kostüm, wie er sich hier nnd da selbst noch hcnte permanent erhielt. Priuzen und Prinzessinnen stolzieren in Gcneralsnniform, in bauschigen Scidenroben nnd ti'mstlichcn Blumen umher, deren Schnitt freilich nicht immer der allernencste von Dussetot und Sesemann zu sein scheint. Höhere Staatsbeamte, Gouverneure u. dgl. benutzen den Frack, die langen Beinkleider nnd Lackstiefel, verachten auch nimmer fremde Ordcnskrachatc, schöne Stöcke mit metallenen Knöpfen nnd selbst veraltete Galanteriedcgen. Die Howa-Offizicrc füllen bei der Elitctrnpve, welche den königlichen Palast zu Antana-nariwo schirmt, samt ihren Soldatcu mit anständiger Gleichförmigkeit uniformiert sein. In den Provinzen dagegen paradieren sie nach den Darstellungen von Sibrcc, Iedina, Buet und Anderen — 58 — in den allerunglaublichsten Auszügen umher, welche'lebhaft an diejenigen der Bürgergarden in Kotzebueschcn und Houwaldschcn Komödicen erinnern müssen (Fig. ^0). Iedina erzählt: „Der Aufzug der verschiedenen Würdenträger war wahrhaft imposant. Der Gouverneur hatte einen schwarzen Sammtfrack, einen Hut mit französischer Kokarde und englischen Marine-Epauletten; mein Freund Ambulahery gefiel sich in einem einfachen braunen Fiq. 20. Madagassische Offiziere. Nucke, Ofsiziersdienermütze und Fäustlingen, dafür that sich wieder der Untcrkommandant der Truppen durch sciue malagassische Uniform, aus blauem und weißem Sammt und den Namenszug der Königin auf den unförmlichen Epauletten, hervor. Der Nest trug die verschiedensten Uniformen nnd Livreen mit Kopfbedeckungen jeder Art, den italienischen Garibaldihut nicht ausgenommen." — 59 — Die ursprünglichen Waffen der Madagassen bestanden in Lanzen und Schilden, Bogen und Pfeil. Unter den Lanzen finden sich solche von 620 mm. Lange, mit 50 inm langer, Fiss. -.>1. Fiss. 22, Schild der Betsimsnra, Fig. 23. Madagassische Lanze mit Spitze und unterem Schafteisen. Madagassische Axt. haarscharfer Klinge, fingerdickem Holzschaft und 36 mui langem, am Ende spatelförmig verbreiterten Eisen, mittelst welches letzteren man die Waffe in dem Erdboden aufrecht befestigen kann (Fig. 2l). — 60 — Der Schild ist rund, hat nur etwa 50l) mm Durchmesser und wird ans Holz mit Lcderüberzng oder auch aus Korbgeflccht verfertigt (Fig. 22). Bogen und Pfeil treten jetzt mchr und mehr außer Gebrauch. Nach Sibrce benutzen in einigen Gegenden die Knaben lange Internodicn des Bambusrohres als Blasrohre, ans denen sie kleine Pfeile schießen, nnd zwar zur Jagd auf Vögel n. dgl. Dies erinnert an den Gebranch des Samftitan (Blasrohres) unter den Malaien. Bei den Howa und Sakalawa herrscht jetzt die Anwendung des Fcuergewehrcs vor. Übrigens werden hier auch Säbel, Waldmesscr und Äxte als einheimische Arbeit (Fig. 23) und als fremde Einfuhrartikel, reichlich begehrt und ausgiebig benutzt. Die Wohnungen des madagassischen Volkes verraten zwar einen gewissen Grundplan, indessen lassen sich doch anch mancherlei Modifikationen desselben bei den verschiedenen Stämmen erkennen. Die tzowa-Häuser oder -Hütten sind oblong nnd werden in nordsüdlicher Richtung aufgebaut. Die Thür- und die Fensteröffnungen liegen an der Westseite, um konträren Winden den Eingang zu versperren. Die Wände werden aus dem wohl durchkneteten roten Thon des inneren Landes fest und dauerhaft ausgemauert. Das sehr steile Giebeldach ruht auf starken Pfählen nnd wird sowohl an seinen Längsseiten als auch an fciucn Giebeln mit Heu oder Binsen gedeckt. Dieses Material wird mit Vambuslatten festgelegt und mit Lehm verputzt. Die betreffenden Latten ragen oben an den Enden der Dachkantc übereinander hervor nnd werden manchmal in Form von Ochsenhörnern, Vogelköpfcn u. s. w. ausgeschnitzt. Das erinnert lebhaft an die Bauart der Bewohner von Kntei, Ost-Vorneo. Andere madagassische Häuser werden ans aufrechten, mit Palmhulz-Zapfen verbnnder.cn Planken aufgerichtet und mit demselben Material wie die Lehmhäuser gedeckt. Zn Tamatawc, Antananarivo und an anderen besser sitnierten Örtern werden an del, Längsseiten der Hänser hinlaufende, öfters noch vergitterte Verandas beliebt. Anch existieren, wie iin Indischen Archipel, sslg. 24. Madagassische Häuser mit Verandas und Pfahlsubsiruktion. — 62 — leichte auf Pfählen ruhende Hütten (Fig. 24). Die Thürfchwellc überragt den Boden und wird mit Hilfe dagegen gelegter Steine überschritten. In manchen Gegenden hält man die nordfüdlichc Längsrichtung der Howahäuser nicht ein, bringt nicht überall Fenster an und benutzt für die Vewandung sowohl wie Dielung Blattstiele, für die Bedachung dagegen Blätter der Nawcnala. Im Innern hält man wie in Afrika, z. V. in Nubicn, einige bombenförmigc Wasscrkrügc mit geflochtenem Deckel, ferner einen hölzernen Mörser, eine flache hölzerne Schüssel, einige Kochtöpfc, einige hübschgeflochtcnc Matteu, nettgcarbeitcte Körbe u. s. w. Auf ein oder zwei Konsolbrettcrn stehen wohl etliche importierte Gefchirrc, Glasflaschcn, Körbchen u. dgl. mehr. In Nähe der Westwand befindet sich eine im Viereck ummauerte Bodenstelle als Herd. Die Töpfe werden beim Kochen auf einige Steine gestellt und wird zwifchen diefen das Feuer angemacht. Der Nauch entweicht durch Thür, Fenster oder Dachritzen. Zur Aufbewahrung der wenigen bcfseren Bekleidungsstücke dient entweder ein größerer Korb oder eine hölzerne Truhe. Zum Schlafen wird eine festeingelassene, erhöhte, mit Matten umhängte Estrade benutzt. Feinere Matten bekleiden die Wände, gröbere bedecken den Fußboden. In Imerne befindet sich in der südöstlichen Hauseckc ein aus Lehm ausgemauerter Schweinckofcn. Über demselben nächtigen die Hühner. Sibree fand im oberen Hausraum unter dem Dache nicht selten noch einen Boden angebracht, dessen Grund mit Erde bedeckt war, um hier kochen zu können. Derselbe Berichterstatter erwähnt der kleinen Häuser mit engen Thüren, winzigen Fenstern, mit oberen Vorrats-, auch wohl Schlafräumen der Vetsilco, er veröffentlicht ferner Grundrisse von Hütten der Sihanaka, Bara, Tanosi, Mahafali u. s. w. Es würde hier zu weit führen, in diese Einzelnheitcn tiefer einzudringen. Um die Howa-Ansiedlungen her werden bald Palissaden, bald gemauerte Einschließungen aufgeführt. Selten fehlt ein dem Murach der oberen Nilländcr ähnlicher Pferch (Vd. ll, — 63 — S. 123) zur Unterbringung des Rindviehes, ein von Kuh-düngcr u. dgl. strotzender, modriger und übelriechender Platz. Zu Sihanaka legt man lebendige Hecken von Kochenillckaktus, in Betsilco solche von stachligen Akazien an u. s. w. Die Nahrung der Madagassen ist teils pflanzlicher teils tierischer Natur. Obenan steht der Reis, der im Mörser durch Stoßen vun seinen Hülsen befreit, auf dem Holzhafen geworfelt und in flachen Töpfen gekocht wird. Daneben verspeist man mancherlei einheimische Gemüse, Bataten, Kartoffeln, Mandiuka, Bohnen, mancherlei Früchte, selbst Melonen, Papaycn, Orangen, Pfirsichen, Weintrauben, Bananen, ferner Ochsen-, Schaf-, Ziegen-, Schweinefleisch, Hühner, deren Eier, Enten, Gänse, endlich selbst Heuschrecken. Man nimmt die Speisen von Baum-, namentlich aber von den schönen appetitlichen Bananenblättern, von geflochtenen Schüsseln oder von Thongeschirren ab. Man bedient sich geschnitzter Löffel oder hebt die Bissen mittelst zusammengebogener Wakoa- oder Rawcnalablätter aus oder man führt sie auch direkt mit den Fingern zum Munde. Die fürstlichen Personen, die hohen Beamten und reichen Lcntc unter der Howa benutzen nunmehr europäisches Tafelgeschirr, äffen die kulinarischen Leistungen der Fremden nicht ohne Geschick nach, kredenzen Liköre und Weine, toasten mit langen Nedcn und lauten Wclomas, das ist Vivats. Es fehlt bei Gastereien dieser Hochbcdcutsamen nicht an chromatischer Musik und an andercm (halb-?) zivilisierten Zubehör. Kaffee und Thee sind daselbst fashionable Nachtisch-Getränke. Übrigens rühmen Sibrcc, Audcbert und Andere mit warmen Worten die schrankenlose Gastfreundschaft der Howa und der sonstigen Inselstämme. Tabak wird hier nur geschnupft und gekaut; geraucht wird er selten, höchstens in Form von importierten Zigarren. Auch wird Bang oder indischer Hanf, ein äußerst narkotisches Produtt, das Licblingsrauchmittcl der afrikanischen Hottentotten, Buschmänner und Kaffern, benutzt. Die Vornehmen trinken aus feiner - 64 — Glasware, das Volk aus Ochscnhörnern oder aus importierten Bouteillcn und Näpfen. Die Madagassen sind tcils Ackerbauer, teils Viehzüchter. Ihr Landbau dreht sich iu erster Linie um die Reistultur. Die Howa säen dies Produkt zunächst ans künstlich bewässerten Boden-strecken ans und verpflanzen dasselbe erst dann auf die eigcnt« lichen Felder, welche unter Wasser gesetzt uud von den Rindern durchgetreten werdcu. Andere madagassische Stämme begnügen sich mit dem einmaligen Aussäen uud mit dem Durchtretcnlasfcn der Felder mittelst ihrer Herden. Außer Neis werden ferner Mcmdioka, Bataten, Jams, Erdnüsse, Bohnen, Liebesäpfel, spanischer Pfeffer, Ingwer. Kürbis, Melonen, Sesam, Ricinus, Tabak, Hanf, Baumwolle, Indigo, mehrere Aronartcn, u. a. auch das über die ganze Südsee verbreitete Saonio (^Vi-niu «8-oulsntum), Kaffee und Zuckerrohr kultiviert. Letzteres wird zum Teil nur gekaut, zum Teil aber auch znr Bereitung von Zucker, von einem dem südamcnkanischen Guarapo ähnlichen Getränk und von schlechtem Num benutzt. An Fruchtbäumeu uud fruchttragenden Sträuchern ist das Land sehr reich. Es werden hier Guyawen, Mclonenbäume, Bananen,Mangobäume, Ananas, Granatäpfel,Pfirsiche,Orangen, Citronen, Maulbeeren und selbst Trauben gezogen. Die Eingcborncn haben neben der einheimischen Seidenraupe (S. 32) die echte (Loind^x mori) eingeführt, welche auch hier hauptsächlich mit Maulbccrblättcru gefüttert wird. Man verfertigt auf liegenden Wcbstühlcn Vaumwollenzeug, man webt Seidenstoffe, deren Dauerhaftigkeit gerühmt wird und bereitet recht schöuc Zeuge aus den Vlattficdern der Naphiapalme. Auch stellt man Nindcnzcug (S. 4A) und Matten aus allerhand Gräsern, aus dem Bast des Papyrus und aus wirklichen Vinscu-artcn dar. Schreiber dieser Zeilen hat jahrelang einige schön gemusterte nnd änßcrst dauerhafte, aus Tamatawe stammende Matten benutzt, wie er sie von gleicher Schönheit selbst unter den viclberufencn Flcchterzcugnissen Ost-Sudans nicht hat anf^ — 65 — finden können. Die Madagassen wissen solche Erzeugnisse ihrer Hausindustrie recht hübsch zu färben und zwar meist mit ausländischen Farbstoffen. Äußerst geschickt sind sie in der Anfertigung von zierlichen Filigranarbeiten in Gold nnd Silber. Vom Bambusrohr wird, wie im indischen Archipel (namentlich ans den Philippinen) ein wahrhaft großartiger Gebrauch gemacht. Man verfertigt daraus Tragebalken, Latten zur Sicherung der tzäuserwünde und Dächer, man schneidet aus den zwischen den Knoten befindlichen Stücken Wassergefäße, wie sie sonst in Virma, Siam, Assam, ferner von Ceylon bis nach Timor hin gebräuchlich sind, man bereitet darans zierliche Schnupftabaksdosen, Vlasc-rohrc (S. 60), Pfeifen, Musikinstrumente, Zännc, ja selbst (höchst unvollkommene) Flöße. Auf Madagaskar werden Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner, Truthühner, Gänse, Enten, Tanbcn n. s. w. gezüchtet. Das Nind gehört einer fast vollkommen gebantcn Zeburasse an. Mit diesen Tieren führten die Howa und andere Stämme früher Sticrgcfcchtc auf, auch spielt dies Nind noch heute eine Rolle in der Symbolik dieser Menschen. Zur Ncnjahrszcit werden recht fcttgcmästcte Zcbns geschlachtet. Ich habe irgendwo gelesen, daß man früher kleine Kinder der Abends vom Wcioegangc zurückkehrenden Zebuhcrde vorgeworfen. Wurde das Kind von den ehrbaren Wiederkäuern zufällig verwundet oder ganz zertreten, so war es damit aus, wurde das Kind dagegen von den Hnfeu verschont, so stand ihm die Zukunft offen. Also eine Art Gottesgericht, wie deren bei diesem Iuselvolk so viele beliebt sind. Das Schaf ist das haarige, lang- und fcttschwänzige. Vuct bildet eine Gruppe dieser Tiere ab. Eins derselben, ein Bock, trägt scitlich-spiralc Hörner, ähnlich dem Zackelschaf (OI« 8t.i-6^. Äeoro»). Me Ziegen gehören verschiedenen, znm Teil sehr niedlichen, gazcllenähnlichcn Schlägen an. Die Schweine sind von vielerlei Seiten her eingeführt. Übrigens herrscht die sehr mä'stbarc chinesische Nasse vor. Dieselbe kann hier, wie nur versichert worden, recht beträchtliche - 66 — Dimensionen annehmen, was aber wohl hauptsächlich Folge einer Kreuzung mit den vom Kap und von Mauritius stammenden sd. h, ursprünglich englischen) Juchten, sein mag. Die hier seltener gesehenen, von Mauritius, vom K^p u. s. w. eingeführten Pferde scheinen absolut nicht zn gedeihen, wie denn überhaupt die klimatischen Eigentümlichkeiten der zwischen dem Äquator und dem 3" südl. Breite gelegenen, in den afrikanischen Vereich gehörigen Lande der Zucht dieses edlen Haustiers uatür-liche Schrauken zu setzen pflegen. Sind doch selbst in dein sonst pfcrdercichcn Kaplandc die Paardesigtc, Pfcrdcscuche und andere Noßleiden furchtbare Geißeln für die strebsamen Farmer. Bessere Resultate scheint man auf der Insel neuerdings mit der Einfnhr der sehr dauerhaften birmanischen (Pegu-) Nasse zn erzielen. Von den madagassischen Hundeu hört man wenig oder nichts. Der Kapitän eines deutschen Barkfchisscs, welches zu wiederholten Malen verschiedene Häfen der Insel angelaufen ist, versicherte mir, dort immer nur wenige, allen möglichen Formen angehörende Hunde angetroffen zu haben, welche den Stempel einer verschiedenartigen fremden Herkunft an sich trugen und nur als Spielgefährten der nackten Straßenjugend zu gelten fchiencn. Die Sprache der Howa ist, wie diejenige der übrigen madagassischen Stämme, eine recht merkwürdige. Sie scheint bei gefälliger Aneinanderreihung der durch einfache Konsonanten verbundenen Vokale wohlklingend, ja man möchte sagen musikalisch. Im allgemeinen rechnet man das Madagassische zur malayisch-polynesischen Sprachfamilie. Dasselbe scheint namentlich mit der philippinischen Tagalensvrachc nähere Verwandtschaft zu haben. Der grammatische Ban ist einfach und bietet dem Erlernen keine beträchtliche Schwierigkeit dar. Der Europäer findet nur einfache Lautformcn zu bewältigen. Bei der Aussprache mancher Namen wirkt zwar die starke Anhäufung von Silben anfänglich etwas ermüdend; so z. V. in Antananarivo, Foloaindahi, Fihatsarambelatsthi n. s. w. Indessen mildert sich auch dieser scheinbare Übelstand, sobald erst die richtige Be- — 67 - tonungswcisc gelernt ist. Tic Londoner Mifsionsgcsellschaft hat die lateinische Schrift für die Schreibung dcs Madagassischen eingeführt. Die häufig vorkommenden Silben wa, we, wi, wo, wu werden von den Engländern gewöhnlich mit dem Buchstaben v nnd den entsprechenden Vokalzcichcn, von den Franzosen vielfach mit den Vokalen on, z. B. Vazimba - Ouazimba u, s. w. umschrieben. Für die deutsche Transfkrifttion dürfte sich die (auch hier gebrauchte) Nnwcndnng dcs Konsonanten w empfehlen. Übrigens ist das Madagassische nicht frei von fremden, namentlich arabischen Lehnwörtern, wie auch z. V. die Monats- und Tagesnamen dieses llrsprnnges sind. Man erkennt aber neben europäischen, besonders französische und englische, ferner sogar einige hindustanischc und suahclischc Lehnwörter. Eine Verwandtschaft dcs Madagassischen mit afrikanischen Idiomen wird von manchen rundweg geleugnet, indessen dnrftc eine derartige Behauptung gegcuüber unserer recht mangelhaften Kenntnis der ostafrikanischcn Sprachen noch etwas verfrüht erscheinen. Man unterscheidet den Howa- und den Sakalawa-Dialekt. Diesen lassen sich einige andere Mnndartcn unterordnen. Die Madagassen sind geborene, in langem Wortfluß sich bewegende Redner. Ihre Poesie bcschränkt sich meist anf willkürliche, die einfachsten Tagcshandlunqcn verherrlichende Improvisationen, seltener vertieft sie sich in bedeutendere, eine gewisse Volkstümlichkeit gewinnende Dichtungen. Will ein Howa heiraten, hat er einen Gegenstand für seine Neigung gefunden, so sucht er die Ehelichung in völlig geschäftlicher Weise abzuschließen. Jeder der beiden Ehepartner sichert sich das eigene hinzugetragcnc Heiratsgut. Obwohl die Howa und ebenso ein gnter Teil der übrigeu Madagasscu, Christen geworden sind, so halten sie doch häufig an der Vielweiberei fest oder schaffen sich wenigstens Konkubinen an. Zur Hochzcitsfcicr versammelt man sich im Hause des zukünftigen Schwiegervaters und alsdann im Hause der Familie dcs zukünftigen Eheherrn. Die Kopulation geschieht unter der Zerc- — 68 — monic der gemeinschaftlichen Umschlinguug mittelst einer Camba. Nllch essen die Brautleute zusammeu Ncis u. s. w. aus einer Schüssel uud mit einem Löffel, Dann wird ein in klingender Müuzc bestehendes Geschenk an die Vrautcltcrn gezahlt. Vci anderen madagassischen Stämmen herrscht die unter den Nigriticrn, namentlich Abantu herrschende Sitte, die Vraut scheinbar ans dem elterlichen Hanse zn entführen. ^Dergleichen Hochzcits-scherze kehren freilich bei allen möglichen halbwilden Vülkcr-stämmcli, z. V. den Morlackcn, Tnrkmanen, Tschcrkcsscn u. s. w. wieder.) Die Sakalawa bewcrfcn den Freier mit Speeren, welche dieser zwischen Arm und Seite auffangen muß. Bewährt sich der Geprüfte, so wird er angenommen, zeigt er sich dagegen ungeschickt, so wird er abgewiesen. Vci diesem Volke waren in gewissen Fällen nnd nntcr besonderen Beschränkungen auch Gc-schwistcrchen gestattet. Vci den Howa kann cincr Frau, deren Mann lange Zeit hindurch abwesend zn sein gezwungen wird, die Erlaubnis zum zeitweiligen Verkehr mit anderen Manucru erteilt werden. Geschlechtliche Vermischung ist Liebesleutcn auch schon vor der Hochzeit gestattet. Die Scheidung wird dem Mauuc sehr erleichtert. Er taun seiner Frau die Wicderuerehclichung verbieten, muß ihr aber alsdann eine entsprechende Entschädignng zahlen. In solchen Fällen unterliegt die Frau öfters einer von sciten des Mannes ausgeübten und dnrch die Sitte geheiligten, unzarten, ja man könnte sagen — gemeinen — Behandlung. Nach Sibrcc und audcren wird bei den Sihanaka eine Witwe Monate hindurch, ja selbst ein Jahr laug, von den Verwandten schändlich mißhandelt, bis endlich eine Freisprechung seitens der würdigen Sippschaft erfolgt. Unter den tzowa scheint daher kein Paradies für die Sittlichkeit zu blühen. Dagegen rühmt man die Zuthunlichkcit der Eltern zn ihren Kindern nnd die Ehrfnrcht der letzteren vor ersteren. Von geregelter Erziehung ist natürlich bei solchen Dreiviertelbarbarcn mit ihrem bißchen übertnnchtcr Kultur tcinc Nede. Audebcrt widerspricht auf thatsächliche Vorkommnisse — 69 — sich stützend dcr vielfach verbreiteten Ansicht, daß Ehescheidungen unter den Howa selten vorkämen. Die Howa führen gleich den übrigen Madagassen hänfig Namen, welche, wie Spitznamen klingend, keineswegs die neckisch-geistvolle Bedeutung der altrömischen nnd arabischen zu entfalten Pflegen, welche gewisse persönliche Eigenschaften dcr mit ihnen belegten Individuen charakterisieren. Vielmehr wählen die Howa nicht selten entschiedene Ekelnamen wie Nafiringa, d. h. Misthanfe oder Rabctay d. h. viel Mist, um, was Nudebcrt uus lehrt, damit die böse Schicksalsfüguug, dm Neid des Geschickes, von schönklingcndcn Namen, abzuwenden. Sonst nimmt der Vater, wie bei den Arabern vorkommt, nicht selten den Namen seines Sohnes an, z. B. Naina Dciua, Vater des Dcma, Naina Voto, Vater des Boto (arab. Abül Hasan, Abül Ibrahim u. s. w.). Die auch in Madagaskar übliche Bcschnciduug wird als ein Akt der Aufnahme eines Knaben unter die Männer betrachtet. Früher wurde dieser Brauch bei den Howa zu bestimmten Zeiten an allen für die Beschncidung rcifgewordcnen Kindern mit großem zermoniellcm Gepränge, nntcr Anwendnng zahlreicher abenteuerlicher und abergläubischer Einzclnheiten, vollzogen. Nach Einführung des Christentums scheint der Brauch allmählich zu verschwinden. Auf Madagaskar wird die Falotra, die auch in Afrika fo verbreitete Blutsverbrüderung, fleißig geübt. Jene Personen, welche ein Verhältnis beiderseitiger Freundschaft und Opfer-Willigkeit für einander eingehen wullen, bringen sich eine kleine Wunde bei. Einer schlürft dann das mit allerlei fchönen Dingen gemischte Blut des Anderen und verwünscht dabei jeden etwa stattfinden füllenden Vündnisbruch. Anch Europäer siud gewisser Vorteile halber derartige Verbrüderungen mit cinfluß-reichcu Häuptlingen eingegangen. So hat vi-. Aurcl Schulz ein solches mit Nesnmaneri, dem Könige des Autcnossi nud Stcrn-dcutcrci. Vergebens hat man aber bei diesem Volk nach dcnt-lichen Spnreu einer wirtlichen Gottcsvcrehrung gesucht. Die nntcr ihnen Christen Gewordenen hängen ihrer neuen Religion znm Teil mit Überzeugung nnd mit Innigkeit an. wie man das z. V. bei der unlängst nach Deutschland geschickten Howa-Gcsandt-schast bemerkt haben will. Indessen scheint anch dieser Stamm ^uach Audebcrt), von Hause aus hcnchlcrischen Charakters, im ganzen weit mehr nnr die Vorteile des Verkehrs mit den wohlunterrichteten und technisch geschickte» Missionären als die natürliche Liebe zur Religion im Auge bchalteu zu wollen. Unter — 73 — dem christlichen Deckmantel, welcher z. B. die Heiligung des Sonntags begünstigt, wuchert noch der unsinnigste Aberglaube. Man veranstaltet jetzt nach wie vor alte stockhcidnische Nugurien von der ubcn beschriebenen Art. Vci dem auch in Madagaskar allgemein herrschenden Glauben an das Fortleben der Geister der Verstorbenen haben sich umständliche Vcstattnngsfeierlichkeiten entwickelt. Der Tod an sich wirkt angcnommencrmaßen verunreinigend auf die Umgebung. Die selbst nur einmal benutzte Totenbahre wird als unrein weggeworfen, die Kleider der Zengen eines Begräbnisses müssen gereinigt werden. Erst einen Monat nach stattgehabter Bestattung dürfen die Teilnehmer derselben das Königshaus betreten oder sich ihrem Herrscher nahen. Vci den Howa werden nach Sibrec und anderen die Gräber mit rohen, durch langsame Feuerwirkung los-gcsprengtcn Platten von angeblich augitischcm Gestein ausgefüllt, deren Transport nach entlegenen Ortschaften mit vielen Beschwerden verknüpft ist. Alt und Mg, Freie und Sklaven, beteiligen sich unentgeltlich an derartigen Transporten. Der Gräbcrplatz wird bei Vornehmen für deren Familie mit einer Lehmmauer eingehegt. Ein solcher liegt manchmal auf oder neben dem Huf des Besitzers. In den Gmbhöhlm selbst Pflegte man früher die roh zugerichteten Platten ohne Mörtel in hohen Bauten zusammenzufügen, jetzt aber mauert man für angesehene Personen wirkliche Grabmonnmcnte, selbst umfangreiche Mansolcen auf, und versieht sie mit architektonischen Zieraten nach europäischen oder arabischen Mustern. Die Leichen werden in möglichst viele Lambas eingewickelt, welche bei angesehenen Leuten aus roter Seide bestehen müssen. Die alte, bei den südafrikanischen Damara oder Hcrcro noch heut bestehende Sitte, alle Gräber mit Votivpsählen zu bepflanzen und an diese die Schädel der bei den Totenmählcrn geschlachteten Ochsen auf-zuhäugen, ist auf Madagaskar jetzt in Abnahme gekommen. Innerhalb der Stadt Antananarivo darf kein Toter mehr beerdigt werden. Über dem Grabe eines vornehmen howa errichtet — 74 — man hölzerne fensterlose Hänscr, in denen häufig der wertvollste Besitz des Verstorbenen niedergelegt wird. Die Könige werden in silbernen, aus zusammeugcschweisten Thalern hergestellten Särgen beigesetzt. Nach dem Tode eines Herrschers wird eine große Landestrauer veranstaltet uud auf zum Teil recht absonderliche Weise ansgeübt. Die Vctsilco schmücken ihre Gräber mit Stein- und Holzbauten, auch mit zierlich geschnitzten Holzvfahlcn. Diese könnte an die vulynesischen Mora'i's erinnern. Das Gerichtsverfahren der Madagassen beruhte früher zum großen Teil auf der Auwendung von Ordalicn oder Gottesurteilen. Obenan stand die Verordnung des Tangella oder Taugen, eines Gifttrankes, mittelst dessen man Zauberer und Ve-zaubcrte entdecken, Diebe uud Mörder entlarven, auch Entscheidungen über das Besitzrecht treffen zu köuncn glanbte. Taugen« ist ein kleiner Baum aus der Familie der Avocynaccen s'i'm^kinin, ventmito,'^), mit sechs Zoll langcu, fleischigen, an den Zweigcnden befindlichen, und steif emporgerichteten Blättern, sowie mit zwei bis drei Zoll langen ruudlich-eiförmigen, grün und purvurgctüvfelten Steinfrüchten. Ans letzteren wurde der betreffende Gifttrank bereitet, welchen man bei geringeren Bcsitz-strcitigkeitcn den hcrzngebrachten Hunden, Hühnern oder dergleichen eingab. Starb eines der Versnchstierc, so wurde sein Besitzer verurteilt. In schwereren Fällen mnßtc aber der Verklagte den Trank selber zu sich nehmen. Blieb die Person am Leben, so war sie unschuldig. Starb dieselbe, so galt ihre Schuld als erwiesen. In Antananariwo wurde während der Hcidcnzcit das Tangeuagift nur dauu als Beweismittel angesehen, wenn es als starkes Brechmittel wirkte. Der Angeklagte mnßtc hierbei eine große Portion Neis, alsdann drei etwa thalergroße Stücke von der Haut einer bestimmten Vog^lart und endlich eine Probe von der gestoßenen, mit Vanancnsaft gemischten Tangenafrucht zu sich nehmen. Eine Art Fetischpricster und Hexenbeschwörcr, der Panazn ooha, le^tc die Hand auf den Koftf — 75 — dcs Angeklagten nnd rief ihm die Verwünschungsformcln zu, wclchc ihn im Falle der Schnld persönlich treffen sollten. Bald daranf bekam der Angeklagte viel Reiswasscr zn trinken. Dar-anf erfolgte starkes Vomieren. Fand man nun in dem Erbrochenen die drei Stücke Vogclhant wieder, so lag die Unschuld zu tage; fand man sie nicht, so war die Schuld klar erwiesen. Die angeblich überführten Sklaven wurden iu entfernte Orte verkauft. Dagegen wurden die Sklaven dcs königlichen Hofhaltes ebenso wie die Freien, wclchc iu dem Gottesurteil unterlegen waren, mit Neisstampfcn erschlagen, erdrosselt, znm Hungcr-odcr selbst zum Fcucrtode verdammt. Indessen wirkte das Gift häufig so schnell und so stark, daß der es Genießende noch während der Prüfung verstarb. Am 29. März 1830 gab mau zu Antauanariwo einer großen Anzahl Personen, darunter hohen Würdenträgern, den Tangcnatrank. Die hierbei befindlichen Adligen wußten die üblen Folgen von sich abzuwenden, wogegen die Geringeren sämtlich starben. Die siebzehn Überlebenden hielten dann, hoch zn Palankin, unicr dem Jubel der Menge ihren Einzug in die Stadt. Wie bei den meisten Hcxcnprozesseu in Afrika uud selbst ill der europäischen Vergangenheit, spielt die Habsucht des Richters cinc hervorragende Nolle. Wird der Ski, oder Beamte, welcher den Trank zu machen hat, vorher gehörig bestochen, so mischt er das Gift in so günstigen Verhältnissen, daß der Angeklagte durchkommt. Mau hat es also in seiner Gewalt, zu retten oder zu opfern, wen man will. Stirbt der dem Ordal Unterworfene, so erhält der Ski den vicrundzwan-zigstcn Teil dcs fast immer mit Beschlag belegten Vermögens dcs Geopferten. Kommt der Angeklagte durch, so hat er dem Ski Geschenke an Geld und Naturalien einzuhändigen. Arme Leute verlieren in den meisten Fällen das Spiel. Sibrce erzählt, das Volk habe fest an die übernatürliche Macht dieses Gottesurteils geglaubt und öfters selbst von den Behörden verlangt, durch den Trank geprüft und dadurch von irgend einem Verdacht gereinigt zu werden. Dies geschah, trotzdem die Leute - 76 — mit Sicherheit voraussehen konnten, daß einige von ihnen ihrer Leichtgläubigkeit zum Opfer fallen würden. Da manchmal ganze Dürfer sich dem Gottesurteil unterwarfen, so war die durch dasselbe veranlaßte Sterblichkeit sehr groß. Leute, welche zur Zeit der Christeuverfolgung zum Tangenatraut verurteilt wurden waren, hatten zwar die oben erwähnten Haufttstücke unverletzt von sich gegeben, wurden aber nichtsdestoweniger noch zwei Tage lang scharf beobachtet. Sie durften uicht einmal ans-speien, um sich von dem bitteren Geschmack im Mnnde zu befreien. Hätten sie dies gethan, so würden sie nachträglich doch mit dem Tode bestraft worden sein. Seit 18!>5 ist zwar das Tangena verboten, indessen taucht es selbst im Howa-Gebiet immer wieder von neuem auf. So z. B. haben nach Sibrcc im Jahre 1876 die Einwohner eines unfern Antananariwo gelegenen Dorfes bei Gelegenheit einer Fieberepidemie das Tangena zu sich genommen. Mehrere sind daran gestorben, die übrigen Dorfbewohner wnrdcn indessen von der Negiernng strenge bestraft. Die Howa unterhalten in jeder größeren Ortschaft einen Richter nebst Beisitzern. Die Bestechlichkeit dieser Beamten soll alle Grenzen übersteigen. Dies Volt teilt sich in drei ziemlich scharf voneinander gesonderte Klassen ab, 1) Andriana oder Adlige. Sie heiraten nur unter sich und verdanken ihre Entstehung wohl teilweise fremden Eingeborcncnstämmcn. In gewissen Gebieten der Insel scheinen die Andriana von arabischen und komorischen Einwanderern abzustammen, d. h. von jener Art Leuten, wie sie sich durch Klugheit uud zähe Energie hier und an anderen Stellen sowohl Afrikas als auch Asiens, eine bevorzugte Stelluug zu erwerben verstehen. Eiu übriger Teil der Adligen der tzowa schreibt sich von alten fürstlichen Landcsfamilien und von geringeren aber verdienstvollen Leuten her. Wieder andere verdanken ihr Emporkommen der Herrscherlannc. Unter dem ersten Radama wurden eine Menge Wohinanitra kreiert, eine Art Bevorrechtigter, welche man aus der Zahl verdienter Beamter und __ ^7 __ Kriegsleutc wählte. Indessen waren diese Wohinanitra keine erblichen Andriana. Letztere zerfallen wieder in Miramila oder Krieger nnd in Borizano oder Civilpersonen. Ihnen gehören die Minister, Gouverneure, Offiziere, höheren Zollbeamten, Richter nnd großen Kaufleute an. Die geringeren Kaufleute, die Handwerker, niederen Militärpcrsonen, Jäger, Fischer, Schiffer n. s. w. zählen zu einer geringeren Klasse. Dieselben bilden 2) die Howa, d. h. den Mittelstand, die Bürgerlichen. Obwohl Freie, sind die Howa dennoch zn unentgeltlichen Frohndienstcn, Fananpoana, gegen die Königin und deren Negiernug verpflichtet. 3) Die Sklaven, Audewo, stammen meist von Kriegsgefangenen aus den Zeiten Nadama I. nnd seiner bösen Witwe Nanowa-lona I. sowie von eingeführten afrikanifchcn Schwarzen, endlich von solchen Howa ab, welche als Zazahowa wegen Schulden oder Vcrgehungen der Sklaverei verfallen sind. Diese drei Klassen der Andriana, Howa und Nndcwo vertreten insofern wirkliche Kasten, als die ersteren nicht Howa, diese nicht Nndewo zn heiraten pflegen. Manche Untcrklnffcn der Andriana besitzen eine Art von besonderen Adelsprivilcg. Die eingeführten Afrikaner stud jetzt meist Freie geworden. Übrigens ist die Sklaverei hier sowenig wie auf dein afrikanifchcn Festlande irgend wie drückend. Baron v. d. Decken beklagte sich mir gegenüber bitter über die Impertinenz verschiedener madagassischer Sklaven, welche sich als zur Familie gehörig betrachtet und stets eine Nrt Privileg zu ihrer Arroganz gesucht hätten. Von allen Seiten Hort man es übrigens bestätigen, daß die Andriana im Verkehr niemals auf ihre Stclluug und Privilegien Pochen. Sie thuu sich in nichts Besonderem vor den nbrigcn Gliedern ihrer Nation hervor. Das Howa-Neich ist ein despotisch regierter Staat, in welchem der Herrscher, zur Zeit wie wir wissen ein weiblicher, sciucu obersten Willen diktiert. Dieser Wille aber zngelt und zwingt das ganze Land auf ciuc cbcufo geheimnisvolle wie starke Weise. Zwar fehlt es dem Howa-Regimcnt nicht an jenen vielseitigen Schwächen nnd In- — 78 — korrckthcitcn, die wir mit dcm Kollektivnamcn: „orientalische Wirtschaft" bezeichnen wollen; indessen muß man doch anerkennen, daß sich ihr Staatsorganismus mit leidlicher Festigkeit dnrch-arbeitct. Hier scheint eine überlieserungsgcmäßc Richtschnur zu existieren, welcher die Beamten unbedingt Folge leisten. Da allerhand schreckliche Strafen an Leib nnd Leben, die Ungehorsamen und Saumseligen bedrohen, so üben die Beamten mit halb instinktiver Folgerichtigkeit ihre Befugnisse ans. Die Königin beutet, wie Audcbcrt uns kennen lehrt und was auch v. d. Decken ausgesprochen hat, ihre Untergebenen auf schonungslose Weise aus, indem sie alles was sie im Besitztum dieser Leute auskundschaftet, zum Gescheuke heischt. Eine Ablehnung würde schwere Ahndung nach sich ziehen. Wie furchtbar und wie unheimlich rücksichtslos der hiesige Despotismus waltet, das erzählt Audcbcrt in folgender wahrhaft erschütternden Weise: „Hat ein hoher Beamter den Verdacht auf sich gezogen, den höchsten Interessen entgegen zu handeln, oder wird ein Truftpeubefchlshabcr zu einflußreich, dann ist sein Schicksal stets entschieden. Die ganze Geschichte wird aber so gcränschlos nnd höflich abgemacht, daß man jahrelang auf Madagaskar leben taun, ohne davon Kenntnis zu haben. In einem solchen Falle nämlich erscheint eine Gesandtschaft der Königin, welche vorerst dcm Betreffenden deren Zufriedenheit ausfpricht und ihren Dank für seine gewissenhafte Amtserfüllung. Darauf findet ein Festessen statt, woran alle am Platz befindlichen Offiziere teilnehmen. Hier wird dem Verurteilten nuil eine Frucht oder ein Becher mit einer Flüssigkeit überreicht als Geschenk der Königin und Zeichen ihrer Gnade mit dcm Ersuchen, die Frucht zu essen oder den Becher auf ihr Wohl zu leeren. Jetzt geht allerdings dem Unglücklichen, der wohl schon früher ähnlichen Fällen beigewohnt haben mag, ein Licht auf, und nun tritt das Uucrhörtc ein, welches beweist, von welch' allmächtiger Gewalt der Despotismus sciu kann, wenn er von Jugend an die Freiheit des Denkens und Handelns unterdrückt hat. Zitternd setzt der dcm Tode Verfallene den __ 79 __ Becher an die Lippen, trinkt mit dem Rufe: Es lebe die Königin? und zieht sich dann zurück, um zu sterben. Freilich wäre er im Weigerungsfälle gleichfalls verloren, denn unter dem Vorwande, nicht auf das Wohl der Königin trinken zu wollen, würde er sofort als Verräter von Lanzen durchbohrt niedersinken. — Man sollte meinen, ein Mann und hauptsächlich ein Soldat würde letzteren Tod vorziehen; es ist aber kein Fall bekannt, daß ein zum Giftbecher vielleicht schuldlos Verdammter diesen in einem Gefühl entrüsteter Aufwallung zerschmettert hätte. Nein, der Howa bleibt gehorsam und — anständig bis in den Tod! Sich zu widersetzen kommt ihm gar nicht einmal in den Sinn." Nach Lacaze überreicht den mißfällig gewordenen Personen ein Simandoa oder Abgesandter der Königin nicht selten ein eisernes Stäbchen mit dem Ersuchen, es sich von unten her in den Körper einzuführen. Hat nun der also Verurteilte nicht den Mut zur Ausführung der eigenhändigen That, so übernimmt der Simandoa dieselbe und es stirbt der Betroffene an den Folgen einer solchen Operation, ohne wesentliche (vom Volke stets vcrabschcuetc) Vlutspnren zu hinterlassen. In diesem sonderbaren Staate werden beim Antritt der Regierung eines neuen Herrschers die abergläubischesten Huldi-gungsccrcmonicen geleistet. Höhere Personen vollziehen nach Sibree das Lefonombi oder das Spießen des Kalbes, indem sie ein solches Tier schlachten, ihm die Knochen zerbrechen und bei den hineingesteckten Speeren schwüren, wie das verstümmelte Tier zu werden, falls ihrerseits ein Trcubruch begangen werden sollte. Das geringe Volk begnügt sich mit dem Wclirono oder dem Schlagen und Beschwören eines Tcichwassers oder eines mit Wasser gefüllten Kahnes, wohinein man vorher allerhand unsinnigen Kram geworfen hat. Erteilt die Königin einem ihrer Unterthanen oder einem Fremden Gehör, oder vollführt irgend einer ihrer Würdenträger als ihr Stellvertreter eine feierliche Amtshandlung, so wird der Hasina, ein spanischer Kolonnaden- oder französischer Fünffran- — 80 — kcnthalcr unter Segenswünschen für das Gedeihen der Herrscherin als Geschenk dargebracht. Sobald die Königin ihren Palast verläßt, wird sie von den Würdenträgern, von Soldaten nnd Dienern nmringt und geleitet. Über ihr wird, wie bei den afrikanischen Despoten in Dahome, Afchanti, Wadai, Bagirmi, in Myssinicn n. s. w., ein Sonnenschirm gehalten, der die fcharlachnc Lcibfarbc des Howakönigtnms zeigt. Alles was auf den Straßen geht, auch die Fernstehenden, verneigt sich ehrfurchtsvoll, reckt die Hände ans, spricht Begrüßnngs- und Segenswünsche aus, sobald nur der königliche Nufzug sichtbar wird. Die Herrscherin rnht auf hohem Trag-scsscl, steigt aber, von weiteren Ncisen zurückkehrend, alls dem in Antananarivo befindlichen heiligen Stein ab, von wo aus sie die Parade der Truppen abnimmt und dem Donner der Geschütze lauscht, welche zu ihrer Begrüßung abgescncrt werden. In jeder Versammlung besteigt sie den am höchsten gelegenen Platz, so z. V. in der Kirche die höchste Galerie. Wird ein Hans aufgebaut, so spendet der Eigentümer dem höchsten anwesenden Truftftcnbcfehlshaber, einen Hasina oder Thaler uud vollzieht damit die symbolische Anerkennung der Oberhoheit des Herrschers über allen Grund und Boden. Die Ehrfurcht vor dem Herrscher ä'nßcrt sich ferner bei jedem Gastmahl, möge es noch so fern von der Hauptstadt abgehalten werden, indem sich dabei der Toastende nach der Richtung des königlichen Palastes hinneigt. Tritt eine Trnppe, anch anf dem entferntesten Wachtposten des Landes, nntcr Gewehr, so wendet sie sich beim Präsentieren der Waffe ebenfalls der Richtung des Königspalastcs zu. Wird königliches Eigcntnm durch die Straßen getragen, so weicht jedermann, das Haupt entblößend, auf die Seite. Läuft gerade ein Hund vorbei, so wird er ohne weiteres niedergestoßen. Sibrcc vergleicht diesen Gebranch mit einem ähnlichen Zeremoniell am Hofe des alten Hawaikönigs Kameamea. Bei jeder am Königspalast vorzunehmenden Arbeit wirkt Fig. 25. Äxdicnz einer kritischen (^sandtschnfl iwr d^r Ho,vn ,Uü!n,,iü z» Äntanooariwo, — 82 — hoch mid niedrig aus freiem Antriebe und mit möglichstem Eifer. Hat die Königin eine öffentliche Votschaft auszurichten, so geschieht dies in der Kabari oder Volksversammlung, in welcher Einige mit vollem Unrecht die ersten Anfänge einer Ncpräsen-tativvcrfassung erblicken wollen. Diese Kabari werden vum ersten Minister eröffnet, der stets die königliche Votschaft verkündet. Die Vertreter der verschiedenen Klassen antworten in stnndcnlcmgcn wohlgesetzten Neden. Dabei geraten sie manchmal in lebhaften Affekt, werfen das Umhängetuch ab, greifen zu den Waffen, tanzen, springen umher und brüllen. Die ganze Versammlung stimmt dcmn in die Begeisterung ein, welche sich gegen wirkliche und eingebildete Feinde der Königin zu wenden Pflegt. Dies crrinncrt an Szenen, wie sie an afrikanischen Höfen, bei Abyssi-nicrn, Gala, Waganda u. s. w., wie sie in der Khotla, in Schauris und Palavern vor sich gehen. Manchmal hält die Königin selbst, unter großem Gepränge, ihre Kabaris ab. Der geistvolle Reverend W. Ellis bildet in seinen „Vi8iw w Nl!ä^«.8tnr" schr hübsch eine Prozession von königlichen Prinzen nnd Prinzessinnen sowie eine Audicnzszcnc zu Antananariwo ab. Unter den Howa-Bcamten werden nur die Schullchrer regelrecht besoldet. Alle anderen, vom höchsten bis zum niedrigsten, leben von Privatcinkünftcn, von der Hasina (S. 7!>), von sonstigen Geschenken, von Erpressungen und Dicbstählcn, welche sie an den Negicrungskasscn begehen. Die nicht unbedeutenden Einkünfte der Gouvcruemcnts erwachsen aus den Zöllcu und Steuern. Sie werden entweder vom Hofhalte verschlungen oder verschwinden auf dem Wege der Veruntreuungen, Die bisher scheußlich gehaltenen Wege (Fig. 26) sind erst jetzt bchnfs allmählicher Verbesserung in Angriff genommen worden. Nur sehr wenig Geld wird auf Unterhaltung und Armierung der im Lande zcrstreueten, aus Stcinwällcn oder festen Palissadenreihen bestehenden Forts oder auf die Bewaffnung und Eauipicrung des Heeres verwendet. Weder Offiziere noch Soldaten erhalten Löhnung. Kein Wunder, daß auch diese Fiss. 2ß. Naunisl^ aus Äad„.,^>.,iur, Ng. 27. Tllmlltawe vom Meere aus gesehen. Fiss. 28. Stratzenszcne in Tamatawc. - 86 — armen, oft schwer geplagten und ausgcbentetcn Menschen sich auf Erpressung, Plünderung und Diebstahl verlegen. Mit ihrer schlecht disziplinierten und halbverhungerten Armee vermag die Howa-Negierung höchstens den eingeborenen Horden zu imponieren, curopäischcu Feinden gegenüber aber nur dann etwas zu leisten, wenn sie sich die Unwegsamkcit des Landes nnd die Ungesundheit namentlich des KüstenllimaZ geschickt zu Nutze zu machen versteht. Der Handel Madagaskars ist nicht unbedeutend, ruht aber meist anf den Plätzen der Ostküstc. Hier ist Tamatawc das Hanptcmporium. Hervorragende Ausfuhrartikel sind Häute, Hörner, Talg, Wachs, Rinder, Schweine, Schmalz, gesalzenes Fleisch, Federharz, etwas Kaffee und Vanille, viele Matten und alls Schraubcuvalmblä'ttcrn verfertigte Säcke zum Einballieren des Rohrzuckers, des Kaffees, Tabaks und Reises. Eingeführt werden dagegen granc nnd gebleichte, auch farbige Banmwoll-gcwebe, fertige Kleidungsstücke, Schirme. Wäsche, Glaskorallen, Quincaillericn, Porzellan, Steingut, Glaswarc, Wein, Rum, Liköre, Petroleum, Eisengerät, kleineres Hausgerät, Pferde n. f. w. Während nun zur Zeit Franzosen und Engländer heimlich miteinander um die politifchc Hegemonie hadern, habeu nach F. Robert die Amerikaner den größten Teil des madagassischen Handels an sich gebracht. Sie monopolisieren jetzt zum Nachteil der früher eingeführten Manchcstcrgewebc den Vertrieb der Vaumwolleuartikcl. Auch dcntsche Handelshäuser entwickeln znr Zeit einige Rührigkeit. Der Handel mit dieser Insel würde sich noch weit günstiger gestalten, wenn deren Eingeborenen minder faul nnd indolent, minder mißtrauisch gegen Fremde, in Handclsangelcgcnhciten nicht so entsetzlich neidisch und im Gcldansgcben nicht so knauserig wären. Nach Tamatawc schaffen übrigens die an kleineren Küstenplätzeu vcrstrcnctcn europäischen Kaufleute ihre Exportartikel mittelst Küstenfahrzeugen. Ein guter Teil der natürliche,: Erzeugnisse des Landes bleibt unbenutzt. Man läßt zahllose Häute von Rindern und Ziegen verfaulen, Waldhölzcr und Früchte verkommen u. s. w. — «7 — Haupthindernisse für den Aufschwung des Handels bilden der Mangel an ordentlichen Verkehrswegen, sowie die Umständlichkeit nnd die mangelhafte Entwickelung des Transportes von Personen nnd Sachen. Gebahntcrc Straßen bereist man anf Tragscsscln, Filanjana, welche von 8—12 Lenten, welche sich Fig. 29. Iilanjana. alle Augenblicke ohne anzuhalten ablösen, in schnellster Gangart von danncn bewegt werden. (Fig. 29.) Solche Träger schaffen täglich an die 60 Kilometer Weges. Übrigens reitet man auch Zelms nnd Pferde. Europäer müssen, nm unterwegs kampieren zn können, Neisezclte, Thee nnd Kaffee, Kochgeschirr nnd Prooisioncn mit sich führen. Waren werden wie in Afrika, auf den Köpfen dcr Träger — 88 — weitcrgcschafft. Diese rekrutierelt sich meist ans dcni Stamme der Besauzano. Sibrce rühmt den guten Willen dcr Personen-und Lastträger. Die Fllißreiscn werden auf etwa 49 Fuß langen und drei Fuß brcitcu Kanocs, Einbänmen aus dem Holze des Warongi (Onlo^ii^Uuiu inopkMuin) zurückgelegt. Jeder derselben wird mit einigen spatelförmigeu 9iudcrn fortbewegt. Die Howa-Rcgierung erhebt iu Waren zahlbare Einfuhrzölle von !()"/<>. Ausgeschlossen vom Imftort sind Pulver uud Blei, welche bloß das Gouvernement einführen darf, vom Export sind Kühe und Bauholz ausgenommen. Die lO-I^/y betragenden Ansfuhrzölle werden uach einem bestimmten Tarif erhoben. Man unterscheidet Wolatsiwaki, d. h. unzcrtciltcs Geld, d. s. ganze Kolonnaden- oder Fünffrankcnthaler und geteiltes Geld, indem mau )en Thaler zunächst in vier Stücke teilt uud diese einzeln abwägt. Andere kleinere Münzeinheiten werden bei den Howa durch uoch feinere Müuzzcrstückelungcn uud durch Reiskörner beglichen. Gern vergräbt der geizige und habgierige Madagasse sein dares Geld. Die Anzahl des Howa-Volkcs wird sehr verschiedenartig angegeben, dürfte aber uach Graudidier in Imeruc allein eine halbe Million betragen. Ihre Hauptstadt Antcmanariwo, d. h. die Tausend-Stätte, ist auf hügeligem Terrain gelegen. Terrassenförmig sich erhebend bietet die Stadt mit ihren vielen Hütten, ihren größeren Giebelhäusern und ihren Kirchen natürlich einen imposanteren Anblick als die übrigen Ansiedelungen dar. Der königliche Palast ist mit einem hohen schmal zulaufenden Giebeldach und mit luftigen, von starken Balten gestützten Verandas umgeben (Fig. 25). Dergleichen zeigen auch andere bessere Gebäude (Fig. 30). Nnr wenige derselben bestehen aus Stein, die meisten sind aus Holz, Bambns, Viuscn und Lehm aufgebaut. Die Schindclbedachnng ist selten, meist sieht man nur die auf S. 62 erwähnte Art von Dachwerk angewendet. Die Straßen sind bei der völligen Regellosigkeit der Gebäudeaulagen hin- und hergebogen, steil, holprig und nach schlechtem Wetter kanm Fiss. 30. Anwnanariwo. — l)0 — passierbar. Auf dm hiesigen Marktplätzen geht cs lebhaft her: nach einem Bericht vom 15. Mai 18<^ wurden daselbst Neis, Mais, Kaffee, Wachs, Zucker, Roheisen, Nindcrhäute, Hausgeflügel, Zeuge, Seife, Rinder, Schafe, Niudstalg, Klauenfett, Nind- und Schafflcisch, Schmalz, Nizinnsöl, Hanf, Ziegel und Kartoffeln feilgeboten. Eine Aufzähluug der damals üblich gewesenen Marktpreise dürfte jedoch hier zu weit führen. Tamatawe ist eben gelegen nnd zeigt zwischen seinen vun luftigen Pergolas umgebenen Hänsern ein reges Verkchrslcbcn. (Fig' 28.) d Die außer dem Howa-Rcich gelegenen Gebiete und Stämme uon 3)iadagaskar. Der mächtigste lind interessanteste Stamm nächst den Howas sind die Sakalawas (das a in der Mitte weniger hörbar). Dieselben nehmen fast die die gesamte Westküste ein. Der Name Saka-lawa ist eine Sammelbezeichnung, mittels deren man die vielen Stämme des Wcstlandes, welche früher ein jeder von eigenen Fürsten beherrscht wurdcu, zu umfassen Pflegt. Der spezielle Name Sakalawa dürfte eigentlich nur auf einen ursprünglich an einem gleichnamigen Flusse augcsicdclt gewesenen Stamm des Südwcstcns Anwendung finden. Dieser Stamm hat die übrigen Weststämmc allmählich unterjocht und ihnen den oben aufgeführten Gesamtnamen hinterlassen. Man teilt jetzt die westlichen Stämme der Insel in die Sakalawa von Mcnabe oder diejenigen des Südens und in die Sakalawa von Iboina oder die Sakalawa des Nordens ein. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts waren diese Leute ein sehr mächtiges Volk, welches verschiedene andere Inselstämme unterjocht hatte und welchem im Beginn dieses Jahrhunderts selbst noch die Howa gehorchten. I. Prior erzählt, daß zur letzteren Zeit die Sakalawa einen lebhaften Handel mit Europäern und Komoranern trieben, ja ssiss. 31. Bai von Bembatot. Fig. 32. Nossibe. — 93 — daß sic mit ihren wetterfesten und gut bcmmmtcn Kanocs sogar die cinsain gelegenen Küstenortc von Mosa>nbiqnc bennruhigt hätten. Ein Sammelplatz ihrer Kanoc-Flottillcn war die Vem-batok- oder Bombetok-Vai (Fig. 31). 8iadama I. hat mm seinerseits wieder die Sakalawa nnter-jocht, welche noch hcnte, soweit der Einflnß der Howa-Garnisonen sich erstreckt, der Königin zn Anlananariwo scheinbar huldigen, sich übrigens aber, namentlich im Süden der Westküste, gänzlicher Unabhängigkeit erfreuen. Ein Teil der nördlichen Sakalawas hat sich, um der tyrannischen Herrschaft der Howa zu entgehen, in den Schutz der französischen Ansicdelnng zn Nossibc (Fig. 32) begeben. Fig. 33. Sakalmva. Hildcbrandt, welcher die Sakalawa nach wissenschaftlich-anthropologischer Methode untersucht und eine Anzahl derselben gemessen hat. beschreibt dieselben als mittelgroße, schlanke aber dennoch kräftige Leute mit breiter, platter Nase, dicken Lippen nnd geringem oder gänzlich fehlenden: Bartwuchs. Der Kopfbau ist nach den uon N. Virchow veranstalteten Schädelmessungen mittelköpfig mit einer Hinneignng zur Kurzköpfigkcit Das Gc-sichtsprofil ist nach Hitdcbrandt negroid, d. h. demjenigen nnscrcr Nigritier ähnlich. Nach Aurel Schlllz haben die südlichen Sakalawas eine breite aber vorragende Nase, zeigen jedoch nicht so breite nnd wulstige Lippen wie die Kaffcrn. Weder die nach — 94 — Berlin gesendeten Sakalawa-Schadcl noch das beifolgende, angeblich einem echten Sakalawa-Mannc angehörende Profil (Fig. 3!^) lassen eine sehr ausgesprochene Schicfzähnigkeit (Prognatic) erkennen. Wenn Hildebrandt daher von einer dnrchwcg prognaten KiefcrstellllNss dieser Menschen spricht, so glaubt Virchow dies daraus erklären zu können, daß jener Gewährsmann anßer der Stcllnng der Kieferknochen auch die der Lippen in Betracht gezogen habe. An dem hier abgebildeten Profil fällt die starte Wölbnng der ziemlich hohen Stirn und die ziemlich hohe Scheitelentwickelung anf. Virchow bemerkt von den Sakalawa-Schädeln, daß deren beträchtliche Höhe das Gesicht entschieden drücke, so daß, da zugleich die hohen Angenhöhlen einen großen Teil Fin- 34. Füße eines männlichen Takalania. des Raumes wegnehmen, für den Kicferanteil ein verhältnismäßig beschränkter Platz bleibt. Dic Iochbogeu stehen an den Schädeln stark hervor nnd sind sehr gebogen; die Seitenteile des Gesichtes werden dadurch um ein Beträchtliches verbreitert. Die Schultern sind breit, die Waden meist entwickelt. Hildc-brandt rühmt die schöngeformtcn Füße dieses Stammes. Beifolgende Abbildung läßt jene unter den Nigritiern so verbreitete ausgetretene Fußbildung mit etwas vorstehenden Hacken und zwar karzcn aber wohlgcglicdcrtcn Zehen erkennen (Fig. 34). Das Haar der südlichen Sakalawa ist lang, wellig, mit nur geringer Neigung znr wollartigen Aufrollung. Das umfangreiche dichte HaartonvÄ dieser Lente erinnert im ganzen an die — 95 — (natürliche) Tracht dieser Bedeckung unter den verschiedensten Stäunnen Ostafrikas (Fig. 35). Die Frauen flechten ihr Haar in viele kleine lockenartige Vündclchcu (Fig. 36). Dem dunklen Hautkolorit dieser Leute liegt ein an das Vandyäbraun uuscrcr Malerateliers erinnernder, in Bister- und Asphaltbraun variierender Ton zu Grunde. Die im allgemeinen afrilauisch-nigritisch organisierten Satalawa Fig. 35. Haavlnicht ^in^ (d^>„ Ä^chi,,n,n Volt ung^hrrig^n) ViaittaU »üdasrilns. dürfen, wie wir S. 42 bereits angedeutet haben, weniger mit den Vantu oder Kaffern als mit nördlicher von diesen wohneu-deu Stämmen in Einklang gebracht werden. Sie verdanken als iudividueureichcs kompaktes Volk — I. Mullens fchätzt ihre Anzahl auf 50MXX> — ihren Ursprung keineswegs eingeführten afrikanischen Sklaven, sondern höchstens einer echt-afrikanischen Invasion. Wann diese etwa stattgefunden haben könnte, bleibt vor der Hand noch völlig dunkel. Daß übrigens die Sakalawas — 96 - hier und da einer Mischung mit fremden, nichtafrikanischen Bc-völkerungselcmentcn anheimgefallen sind, bclucisen die physischen Züge nicht nur vieler Individuen, sondern sogar ganzer Familien. Koniorancr, Araber und Malayen dursten bei dieser Mischnng ein Hauvtkuutingcnt geliefert haben. Die Satalawa gürten sich mit einem Lcndenschurz, welcher Fig. 3« Talalawn-Irau. nach Hildebrandt einem dunkelgefärbtcn, cigentiimlich gemusterten Gewebe der Naphia-Palme (S. 16) angehört. Außerdem tragen sie die landesübliche Lamba über der Schulter. Nm den Hals wird eine Schnur roher Glasperlen, um die Knöchel wird eine Kette vun Eiseudraht mit zollgroßcn Gliedern gelegt. Seitlich an der Stirn wird eine Fcla, d. i. der geschliffene weiße Deckel eines Seeschncckcngehäuscs, oder ein blankes, gebuckeltes und — c>7 — mit Perlen besetztes Knftferschild getragen. Ill die Haare werden Perlschnürc, Bcrgkrystallc u. s. w. geflochten. An dcr frei-getragenen Brust, am Oberarm oder Handknöchel befestigen sie merkwürdige Amulette, mit Perlen verzierte Zähne des Larvcu-schweius, Knochen vom Krokodil, gcweihcte Holzstncke, mit Arzneioder Zanberinitteln gefüllte Zicgenhöruer u. dgl. Als Waffen dienen zwei lauge Lanzen, eine mächtige Stcinschloßmustetc nnd eine Neihe Patronenhülsen, an deren jeder ein kleines Messer befindlich ist. Solch ein Satalawa-Kriegcr gleicht nach Hildcbrandts Idee so sehr einem Kaffer, daß der Reifende keinen durchgreifend den Unterschied zwischen Beiden zu machen gewußt hat. Die mcisteu Sakalawa-Do'rfcr liegen im Schatten einiger höheren Vänme. Unter einem derselben befindet sich der mit Steinen im Kreise belegte Versammlungs- nnd Oftfervlatz. Die Hütten werden ans den Blattstielen der Nawcnala gebaut und mit den Blättern desselben Banmcs gedeckt. Sie stehen der Negcngiisse halber anf Pfählen. Zur Dieluug dienen ebenfalls die Blatttsticle jener Mnsacce. Jedes Grundstück ist mit einem hohen Zaun von Nohr oder Nawcualablattstielen umgeben. Die verlängerten Gicbelsvarrcn der Howa-Häuser fehlen hier. Die Südsakalawa und die in Südmadagaskar wohnenden Antenossi schmieren nach A. Schulz — ihre Zähne mit einem schmutzfarbenen Tabaksprävarat ciu. Eiuc sehr beliebte Haar-tour besteht hier darin, die Haare in cigroße Knoten zu wickeln und mit einer weißen ans Fett nnd Thon bestehenden Masse einzuklcistern. Audcre trageu kleine Flechten oder lassen das ziemlich lange Haar wüst cmporstehen. Die Mädchen schmieren ihre Gesichter öfter mit farbigem Thon ein. Wenn Lentc alls diesen Stämmen heiraten, so wird ein Ochse geschlachtet und es fließt dabei die Toakka, d. i. süßer gcgohrcncr Zuckerrohrsaft in Strömen. Der Mann bringt ein Stück urbaren Landes, die Frau das Hansgerät zur Mitgift. Die Hütten werden aus Schilf nud Stroh gebaut. Statt der Thüren dienen verschiebbare Strohmatten. Jedes Dorf wird Fig. 37. Madagassische Schmiede. — W — von cincm Zaun, gewöhnlich Kochcnillc-Kaktus, (Fig. Z?, im Hintergründe) nmzogen. Sic bczichcn ihr Eiscn von dm Händlern dcr Kiistc nnd schmieden darans säbclartigc Sicheln znm Kornschneidcn, sowic kleine an geraden Stielen befestigte Spaten. Znm Schmelzen dcr Eisenerze werden cylindrische, an diejenigen dcr Papna ci> inncrndc Blasebälge nnd niedrige, aus Lchmpatzcn nnd Stcinell aufgebaute Herde bemcht (Fig. 37). Subald hier cinc Fran niedcrtonnncn will, legt sic sich fest iil Vaumwollentnchcr gewickelt, vor ein hcllbrennendcs Feuer. Während des Aktcs tanzen und singen dic Verwandten nm dic Hütte her. Als Hcbeammcn fnngicrcn alte Weiber. Ist das Fig. 38. Handtrommel a unterworfen. Die lmabhängigcn Tauala leben unter dem Köuigc Iowaua. Ihre Hauptstadt Ikongo breitet sich auf cinein 1000 Fuß hohen isolierten Verge aus. Der steile Zugang zu diesen: kaun von wcuigeu Mäuucrn verteidigt werden. Ein anderer unzugänglicher Vergort, Iwohibe, wird von Sümpfen umgeben. Die neuerlich durch Missionär Peake näher geschilderten Tantai oder Vczanozano bewohnen ein lichtes Land, Hai, auf dcm nur niedrigere Väumc uud Sträucher, Zanozano, wachsen. Dies Gebiet erstreckt sich wie eine längliche Insel dnrch den nördlichen Teil des vorhin erwähnten Waldlcmdcs. Es ist fruchtbar, aber heiß nnd uugcsnnd. Seine Bewohner, kräftige dnnkclgefärbtc Lente, leben meist von der Befördcrnug der Waren zwischen der Knste nnd dcm sehr bergigen Innern. Mitten in dem nördlichsten Teile jenes Waldgürtels hausen die Sihanaka. Ihr Name bedentct Sccbcwohncr nnd zwar nach dem in ihrem Lande befindlichen Nlaotra-Scc. Dies Gebiet ist teils Snmvf, teils waldloser Strich. Das Volk hängt nach Sibrec init den östlichen, bis hierher vorgedrungenen Betsilco zusammen. Es ist den Howa unterthau. Die Dörfer der Sihanaka breiten sich namentlich im nordöstlichen Teile der Sccufer aus. Sie betreiben Fischfang, etwas Ncisbau nnd große Viehzucht. Viele weiden die Herden wohlhabender Leute von Auta-uauariwo, welche über je 5000, ja 10000 Stück verfüge». Die Sihauaka sind gastfrei, aber faul, abergläubisch nnd trunksüchtig. Sie vertilgen gewaltige Mengen der S. 97 erwähnten Toakka. Längs der Ostlüste wohnen eine Anzahl Stämme, unter deuen die Vetsimisaraka die Hauptmasse bilden. Diese ähnclu den Huwa und zerfallen in die beiden Abtcilnngen der Antewa und Worimo. Andere dieser Stämme, wie die Taimoro, sind von dunklerem Hautkolorit. Alle sind den Howa unterworfen — 102 — nnd werden als Leute geschildert, welche sich zivilisatorischen Einflüssen zugänglich erweisen. Man spricht übrigens auch von früheren Nrbcwohncrn Madagaskars, unter denen wir zunächst die Wazimba nennen. Diese sind angeblich ein lang- nnd schmaltöftfiges Volk von geringer Größe gewesen, welchem der Gebrauch des Eisens unbekannt geblieben war. Ihre Gräber, kleine, nnregelmäßige Steinhaufen, finden sich häufig auf den kahlen Hügeln von Imerne zerstreut. Nach Guilain lebt noch jetzt ein Nest der Wazimba im Sakalawa-Lande zwischen den Flüssen Manambolo und Tsiribihina. Nach Shaw werden die iin Süden der Insel befindlichen Wazimbagräber als Stcinkreisc beschrieben. Das Volk hat überall abergläubische Furcht vor solchen Stätten und sucht die angeblich von ihnen ausgehenden unheimlichen Einflüsse durch dargebrachte Opser zu beschwichtigen. Übrigens existieren auch noch andere, die Wazimba betreffende Traditionen unter den heutigen Inselbewohnern. Ein zweites Volk von Ureingcborenen wird Kimos genannt. Wir verdanken unsere Kenntnisse über dasselbe den Berichten der Franzosen Eommcrson und Modave. Als ihre Heimat wird die Mitte des Südteils der Insel, etwa uutcr dem 22." sndl. Vr. angegeben. Wenn man die eingehenden Darstellungen von diesen wie es heißt pygmäcnhastcn, hellfarbenen Wesen mit wolligem Haar n. s. w. liest, so wird man dadurch unwillkürlich an die Buschmänner erinnert. Wie letztere gegen die Hottentotten uud Kaffcrn, sollen sich die Kimos auch gegen die übrigen Madagassen mit Lanzen, Bogen und Pfeil entschlossen gewehrt haben. Ein Rest von ihnen scheint heute nicht mehr vorhanden. Nach Angaben des Missionär Cousins hausen etwa sieben Tagereisen weit westlich von Antananariwo in einem von Mu-janga bis Mahabo reichenden Waldlande die schwarzen, den Sakalawa ähnelnden Kalio oder Behost. Sie sind sehr schell, flechten Netze ans Schnüren, fangen Fische, sammeln Honig, überlisten die Halbaffen in Fallen und mästen sie für ihren — 103 — Bedarf. Sie springen, wie man sagt, ähnlich den Affen, von Vaum zu Baum. Diesen bestimmt auftretenden Nachrichten über Pygmäcn-stämmc Madagaskars muß doch wohl etwas Wahres Zu Grunde liegen. Haben wir in ihnen Verwandte der afrikanischen Pyg-mä'cnvölkcr (Vd. II, S. 191) und außer diesen im weiteren Sinn auch der philippinischen MtaZ und vielleicht gar der Andamauesen anzuerkennen? Das sind Fragen, die wir vorläufig zwar zu stellen uns berechtigt fühlen, die aber zn beantworten späteren anthropologischen Erforschungen nnscrcr Insel vorbehalten bleiben muß. II. Die Seychellen bilden 29 Inseln, welche sich 559 Seemeilen nordöstlich von Madagaskar unter dem 3." 33' und 5." 35' siidl. Breite, 55.« 15' und 56." 10" östl. Länge erstrecken. Entdeckt von den Portugiesen unter F. Soarez, wurden sie 1742 von dem französischen Kapitän K. Picault im Namen des Statthalters der französisch-indischen Kolonieen, Mah6 dc Labourdounaye, für das Mutterland in Besitz genommen. Picault nannte die Gruppe Isles de Labunrdonnayc nnd die größte derselben Mal)6. Später wnrdeu sie zu Ehren des Seefahrers Hürault dc Seychelles mit dem ihnen noch heute verbliebenen Namen belegt. Der Fclsboden dieser Eilande wird nach Pclly hauptsächlich von Granit gebildet. Dieser ist, wie Kcrsten bemerkt, in den Thälern uud sauften Abhängen von fruchtbarer Erde überlagert, am Strande aber von Korallenriffen umsäumt: letztere bilden einen erhöhten Wall rings um die Inselgruppen uud greuzeu so ein Becken ab, dessen Tiefe nach der Mitte hin zunimmt. Wallace vermutet ciuen Zusammenhang zwischen dem Granit der Seychellen und demjenigen des Innern von Madagaskar. Aldabra besteht nach Darwin ans drei etwa 25 Fuß hohen Insclchcn mit roten, ein sehr seichtes Becken oder eine Lagune umgebenden Klippen. Das Meer ist dicht am Ufer äußerst tief. Die Klippen sind von Höhlen durchsetzt, anch hat das hiesige Korallcngesk'in eine verglaste Beschaffenheit. Es fragt sich, ob wir hier ein emporgehobenes ringförmiges Koralleneiland oder den Krater eines Vulkans vor nns haben. — 105 — Dcr Inseln sind folgende! Mah»1, die größte, ferner Sainte Anne, Aux Cerfs, Anonyme, Snd-Est, Longlle, Äloyennc, zwei Isles Nondcs, TH6r^sc, La Conception, Silhouette, dn Nord, Praslin, Ladignc, Curieusc, Aride. ^'Uicit^, les deux Socurs, Marianne, Aux R^eifs, Les Mammcllcs, Cousin, Confine, Nlix Frigates, Aux Vachcs Marines, Denis und La Plate. Das Klima ist im allgemeinen ein gleichmäßiges und gesundes. Die Tcmperatnr hält sich zwifchen ^O--^^" Fahrenheit. Znr knhlen Zeit sinkt sie nachts auf 70—74" und steigt während dcr heißeren Regenzeit von 84" bis zuweilen auf 1)2". Zwischen Mai uud Oktober weht der Südost-Monsnn, von November bis April der Siidwest-Monsun. Zugleich mit dem letzteren stellen sich Negcn, Hitze und Gewitter ein. Mau nahm früher vielfach an, daß die Seychellen von den über Manritins und Nlwuion, sowie über Madagaskar uud den Mosambique-Kanal tosenden Stürmen verschollt würden. Indessen hat sich diese Angabe in ihrer Nusschließlichkeit als trügerisch erwiesen. Im Jahre 1862 wnrdc Mah»' von einem fürchterlichen Cyclon oder Wirbelsturm heimgesucht. Derselbe entwickelte sich uach Pclly's und Kcrstens erschöpfender Darstellung aus dem Südost-Mousnu. nud giug durch Süd und West nach Nordwest über. Steile, von ungeheueren Regengüssen unterwaschene Abhänge sanken in die Tiese, Bäche schwollen zu reißeudeu Strömeu an nnd entführten Alles, was in ihren Strudel geriet, uach dem Meere hin, Bäume wurden gebrochen oder nnterwurzelt, Schiffe zertrümmert n. s. w. Anf der Insel kamen über sechzig Personen in den Echlammstvömen und auf soustige Weise ums Leben. Erst nach mehreren Tagen konnte man die Leichen dcr Verschütteten bergen. Dcr verursachte Schadeu wurde auf hnndcrt-tauseud Fraukeu taxiert. Die Vegctatiunsvcrhä'ltnisse dcr Inseln sind im all^ gemeinen recht günstige. Mau baut hier Baumwolle, Zuckerrohr, Tabak, Reis, Mais, Maudioka, Kaffee. Kakao, Gewürznelken, Zimmel, Ananas, Vrotsrncht, Tamarinden, Mangos, — 106 — Bananen, Gnyava, Zitronen, Orangen, Mams, Vatatcn u. s. w. Neben Kokosftalnicn wachsen hier Arcka- und Sagopalmen. Prächtig gedeiht das Bambusrohr (^»»tu« dordoniou«). Auf den Bergen wuchern im Schatten wilde Ananas, Baum- und Staudefarn, Värlavparteu, sowie Pandcmns und Kanncuftflanzcn ^<^>6iMi68). Letztere gehören bekanntlich zu den insektenfressenden und insektenvcrdauendcn, in ihren Blüten auch eine wässrigc Feuchtigkeit absondernden Gewächsen. Es fehlt diesen Inseln nicht an malerischen Punkten. Eine Art pflanzlichen Wnndcrs bildet die Seychellen-Kokospalme (I^cxioioßa Vs^oiiLiiAruin), welche aber unr auf den Inseln Pras-lin, Curieuse uud Nonde Früchte hervorbringt. Dieser Vanm ist durch Sonncrat nach Ile de France und durch die Engländer nach Indien verpflanzt worden, indessen gedeiht er doch nur gut an den erwähnten Hauptstclleu. Diese von den Por-tngiesen Coco do Mar genannte Fächcrpalme erreicht eine Höhe von 40 bis 120 Fnß, 12 —15 Zoll Stammesdurchmesscr und trägt gegen ein Dutzend je zwanzig bis dreißig Fuß langer Fächcrblättcr von gleichseitig-dreieckiger Form und sägcnför-migcm Nandc. Die Vlattfalten gehen hier nicht wie bei den übrigen Fächcrpalmcn, vom Ende des Blattstieles divergierend gegen den gerundeten Vlattrand hin, sondern sie wenden sich vom unteren Abschnitt des Blattstieles aus anf beiden Seiten gleichmäßig den Blatträndcrn zu (Fig. 39). Kcrchowe dc Deuter-ghcm nennt in seinem schönen Werk über die Palmen diese 1,0-6«lo«k die prächtigste Form ihrer Familie. Au den Blatt-basen wächst ein die weiblichen Blüten tragender Büschel hervor. Die Frucht ist erst rundlich oval, wird dann fast kngel-artig und birgt in ihrer dicken faserigen Hülle die sonderbare, doppcltniercnsörmig gebildete, auf einer Seite start konvexe Nuß. An der Verbindungsstelle der beiden nicrcnförmigcn Seitenteile brechen faserige Stränge hervor (Fig, 40), Die Schale der reifen Frucht ist hart, glatt, glänzend schwarz oder schwärzlich-brann und öfters mit gelbbrämüichen Adern durchzogen. Der ?!i q. 39, jüngere I.o,>>>il<'l, ,^,>^i,>>I.u!>,>>. — 108 — Kern, welcher aus einer bitteren, widrig schmeckenden Milch her vorgeht, ist hart, hohl, von iusipidcr öliger Substanz gebildet. Diese Nuß fällt wcnu rcif ab, rollt von den dicht an der Scc-küstc wachsenden Palmen ans ins Meer und wird zuweilcu an den maledivischen Inseln angeschwemmt. Daher hieß die Nuß im Mittclaltcr und noch in den Eutdeckungszeitcn Coco dc Mal-divia, maledivische Kokosnuß. Selten ist ein vegetabilisches Produkt so hänfig in sagenhafter Weise behandelt und verherrlicht worden, als unsere Seychellen-Kokosnuß. Nn sie 5. Flss. 40. «. EcyclMc» ,s>olo>°»uf!, ll. jung init ,^ül^, 1». Dic nu3gcwachft,n', von dcr Hüllo hcz«it>,> Nuß. kuüpften sich die sonderbarsten, abergläubischen Vorstellungen. Um sich ihrer angeblichen Heilkräfte zn versichern, soll Kaiser Rudolph II. fnr cm Stnck 400 Gulden geboten haben. Der auf dcu malcdivischcu Inseln gebietende Nana oder Fürst hat schon vor älteren Zeiten die Einsammlnng und den Verkauf dieser, wie man fest glaubte, wnndcrthätigen Früchte monopolisiert. Man strich dort pro Stnck etliche hundert Rupien, vielleicht gegen 10(X) Mark, ein. Auch iu Java und Sumatra ward sic bisweilen angetrieben. Dortige Hänptlmge haben für cms dieser fast wertlosen Produkte ein beladenes Prahn (Schiff) gegeben. Bei dm Orientalen und Chinesen war man in früheren Jahrhunderten wie vornarrt in diese 3insse, die im Meere wachfen sollten (daher Coco do Mar — Scekokosnnß —). Alle Gift-mittcl, selbst Sausteine und Vczoare galten nichts dagegen. Der schäbige 5lcrn, gegen dessen Geschmack niemand mchr denjenigen einer Haselnuß tauschen würde, galt, mit Wasser auf einem Stein gerieben und gctrnnken, gewöhnlich aber mit Blutkvrallen, Elfenbein und Hirschhorn versetzt, als Hauptmittel gegen Fieber, Hämorrhoiden, Schlagfluß, Lähmung, Gallsucht n. s. w. Die indischen Großen bewahrten in den Schalen ihren Betel, ferner Trinkwllsscr, in welchem beigebrachtes Gift unwirksam werden sollte, auch ließen sie aus diesem Material antidotischc Tassen verfertigen. Im Jahre 1602 schlug der holländische Kommodore Wolfart Hcrmanscn die portugiesische Flottille vor Vantam nnd cutsehte die von den Gegnern blokicrt gehaltene Stadt. Der Nadja von Vautam wußte seine Dankbarkeit nur durch Darreichung einer Scychellennnß au den siegreichen Seehcldcn auszudrücken. Durch Hcrmansen kam denn anch die Wnndernnß zuerst nach Europa. Zur ?>eit hat sie nur noch einen mäßigen Naritätcuwcrt. Ans den Blättern verfertigt man übrigens recht hübsche, angeblich den besseren Panama-Erzengnissen kaum nachstehende Summerhüte. Neben den Coco do Mar bringen die Seychellen noch einige Fächerpalmen mit dornigen Stämmen hervor, z. V. I^liooiiioo-s'ilm'ium 8<^<>Iio1Illrum, Voi'^IüiM'Itül ^»Il'mliäll, sodann Iv:».-tlniill. i'ul)i'l^ die herrliche I^vil-ck/mll oliin^i«i,^ und eine der Dornpalme Afrikas verwandte Form. Die Inseln entfalten einen nicht unbcträchtlichcu Neichtum an nützlichen, selbst znm Schiffban dienlichen Hölzern, Die Tierwelt der Infeln ist nicht bedeutend. Mau findet hier die schöne rothanbigc Taube (l^tlii-ooin^ jmicl^i-i-iink), einen Honigsaugcr (Xe,'l:n'iilin Du^niuici-i), mehrere eigentnm liche Sperlingsvögel, scrncr Vartley's Papagei (^orllcoM^ liln--l). — 110 — Man sieht sodann eine Schildkröte (8t^lQut,l!lU'i'u« «n!>n!^>i-) ill dm Marschen von La Digue, Silhouette und wahrscheinlich auch von Maho. Die großen Seeschildkröteen werden häufig gefangen. So wird die riesige lÄiolono Niäa8 in abgegrenzten Sccbcckcn gezüchtet, kriecht anch auf den Grasplätzen umher, neben ihr tummeln sich öfters Schweine. Man schlachtet diese Tiere für den täglichen Fleischkonsum. Auch Schupftcnschildkröten M^l<»^ inlbrion,tll,) werden ihres Schildpatts wegen gefangen. Haupt-Plätze für den Schildkrötcnfang bilden Aldabra (S. 112) und die niedrigen Korallcnbänke der Almirantcn-Insclu. Auf den Aldadra lebt nach A. Gordon u. a. eine riesige Landschildkröte (I^wäo intüea) im Busch. Sie ist wohl vor Zeiten auch über die anderen Inseln verbreitet gewesen. Man will sogar das indische Lcistenkrokodil (Ooo0<1i1u8 diporo^tu») gesehen haben. Unmöglich wäre das ja nicht, da dieses bösartige Geschöpf bis zn den Salomons- und Karoliucninseln hinüberschwimmt, Chamälcone, verschiedene zum Teil angenehm pfeifende Gckoncu, tombakglänzende Eidechsen ^nin^W oMnoFl^tL,-), eine grüne rot-bctüpfclte Eidechse s1'aro1^äu,«i)s1u80e^«äiinin8), einige Schlangen, alsdann Blindwühlcn (^oLoilia) und Frösche )'!' liam, »icoitoliuiu) gcbildet. Indessen möchten eifrige Forscher doch manche interessante Nachlese halten können. Tie meisten heutigcu Bewohner der Seychellen sind französische Kreolen. Nachkommen ehemaliger Scelcnte von den maskarcnischen Inseln, halten sie nur wenig von Ackerbau, von Viehzucht, und Industrie, sondern treiben viel lieber Handel und vcrbriugen die ihnen reichlich zugemessene Muße mit Vergnügungen. Kersten rühmt die geselligen Tugcudcn dieser Leute, namentlich das gewandte Benehmen der dortigen Damen. Der Vcr- — IN — kehr ist äußerst zwanglos, angeblich sogar alt Zügellusigkcit streifend. Es verschmähen selbst nur flüchtig vorübcrrcifendc Fremde nicht für die doch mcist nur kurz bemessene Zeit ihres Aufcut Haltes „ephemere Verhältnisse" mit hübschen Frauen einzugehen. Auhcr den Kreolen existieren hier Farbige in zahlreichen Schattierungen, namentlich freigelassene afrikanische Sklaven und mala-barische Kulis, endlich einige englische Beamte und deren Familien. Die Seychellen sind seit 1816 britisches Eigentum, bilden aber keine selbständig verwaltete Kolonie, sondern rcssorticren von der Statthalterschaft auf Mauritius. Ihr Flächeninhalt beträgt 264 Quadratkilometer, die Bevölkerung über 13 500 Seelen. Handel und Verkehr sind auf dieser Besitzung, welche dem Mutterstaate alljährlich einen beträchtlichen Zuschuß kostet, unbedeutend und sogar in stetigem Nüägange begriffen. Die AnZfuhrartikcl sind Kopra oder Kokoskernc und Kokosöl, Kakao und Vanille. Die Ausfuhr betrug 1877: 438 206, im Jahre 1879 aber nur 343 375 Rupien. Auch hatte die Einfuhr zwischen 1877 und 1879 um mehr als 53 000 Nnpicn abgenommen. Man schreibt dicseu Rückgang dem Stillstehen einer Kokosfaserfabrik ans Mah6, einer Krankheit der Kokospalmen und den gegenwärtig geringen Preisen des Kokosüles zn. Eine Hauptursache dürfte aber doch in der geringen Rührigkeit der Bewohner zu suchen sein. Hauptstadt der Seychellen ist Port Viktoria auf Mah.>. Hier ist der Sitz des Chief Civil Commissary. Der Ort liegt hübsch, hat saubere Straßen, einfache hölzerne, mit Pergolas nnd Rofengärtcn versehene Häuser und eiuen steinernen Hafendamm. Kerstcn fand den Markt schlecht versorgt: Fleisch von Schweinen und Schildkröten, magere Hühner, Fisch, Reis, Man-diuka uud etwas Gemüse. Rindfleisch giebt es nur, wcun ein Kriegsschiff im Hafen ankert. Die Preise für Lebensmittcl sind horrend. Anffallcnd ist die Zahl der Vranntwcinschcnken. Der größte Teil der Stcuererträge soll aus den Lizenzen für den Likörhandel gewonnen werden. Fürwahr eine puritanische Handelspolitik! Ill, Wnliril. Die schon erwähnten von del! Portugiesen entdeckten und von ihnen Ilhas do Areo genannten Aldabra-Insclu liegen etwa 400 Meilen weit nordwestlich von der Nordspitzc Madagaskars entfernt. Sie haben fruchtbaren Boden. Anf diesen Hansen anßer dcn S. 110 angeführten riesigen Schildkröten, unzählige Sccvögcl. Dieses bisher herrenlose Gebiet ist im Jahre i!-!82 von dcn Norwegern in Besitz genommen nnd ist mit einigen ,^olonistenfamilicn aus Bergen besetzt worden. Anßer ihnen hielten sich hier immer nur einige mit Fischfang u. dgl. beschäftigte Schwarze und Mischlinge auf. IV. Die Komoren bilden unter dem 11. und 13." südl. Vr. und 60" 30' uud 63" 10 östl. L. von Ferro eine Gruppe, die Inseln Groß-Komoro, Mohcli, Anjuan uud Mayotte. Dieselben liegen am Nordeude des Kanales von Mosambiquc. Sie sind vulkanischer Beschaffenheit. Groß-Komoro besitzt in seinem südlichen Teil einen 25>!»8 in hohen, noch jetzt thätigen Vulkan. Derselbe unterlag im Jahre 1858 einer vicrzehutägigen sehr heftigen Ernption. Durch die ausgcbrocheueu Lavaströmc, von denen manche bis znr Küste vordrangen, ist die letztere verschiedenartigen lokalen Veränderungen anheimgefallen. Im hiesigen Gestein finden sich Vasalt, Tra-chyt, Lava, Schlacke, Pnzzolan, Vimstein, Sandstein, Kalkstein nnd verschiedenfarbiger Thon. Versteinerungen sind bis jetzt nicht nachgewiesen. Groß-Komuro soll mit seinem im Verhält nis znr geringen Größe der Insel hochragenden Vnlkan einen ähnlichen imposanten Eindruck wie die nordische Insel Jan Mcycn hervorrufen, von welcher letzteren nns Lord Dnfferin in seinen „Briefen aus hohen Breitengraden" eine so interessante Darstellung gewährt hat. Der Küstcnsand dieser Inseln ist teils weiß, reich an Korallenfragmenten, teils schwarz von vnlkamschcn Beimischungen und nicht arm an Titaneisen, Jede Insel hat ihr Korallenriff. Das allem Anschein nach ringförmig geschlossene Riff von Mayotte ist drei bis fünf (englische) Meilen vom Lande entfernt. Anjuan's Korallenriff läuft von der nordwestlichen bis zur südwestlichen Spitze der Insel; dasselbe hält sich zwei Meilen vom Ufer, Httl'tmaiin, Madagaskar. 8 — 114 — ist aber, wie Darwin vermutet, an einigen Stellen angeheftet. Moheli scheint ebenfalls von einem Niff umschlossen zn sein. Dagegen ist Groß-Komoro nicht regelmäßig umschlossen, zeigt aber an den Landspitzen vorspringende Niffc von verschiedenartiger Form. Das komorische Klima weist eine trockene und eine nasse Jahreszeit auf. Erstere beginnt im Mai und endet im Oktober. Zu dieser Zeit fällt das Laub vieler Bäume und hält sich die mittlere Temperatur auf 25" 0. im Schatten. Die höchste Temperatur steigt dann wohl auf 29", die niedrigste fällt bis 180. Den Vormittag über weht jetzt der Süd oder Südost, von da ab bis Sonnenuntergang der Südwest. Zur nassen Zeit zwischen Oktober nnd April hält sich die Tcmperatnr im Mittel auf 2^',5, fällt auf 25 und steigt anf 35« d Der Wind weht im Oktober aus ONO., vom November bis März aus Nurd, im April aus SSO. und Süd. Um diese Zeit entsteht hänfig tagclange Windstille. Danu brechen wieder mit dem NO.-Monsun heftige Wirbclstürme herein. Der Regen fällt zn2—3nnn. Gewitter erscheinen fast täglich, Hagclschlägc kommen ans W., NW. nnd N. Alsdann machen sich auch Springflntcn bemerkbar. Der Vodcn dieser Inseln ist ungemciu fruchtbar. Die Küstenebcnen sind mit reichlichen Pflanzungen der herrlichsten Kokospalmen besetzt, welche gerade hier eine vorzügliche Entwickelung erlangen (Fig. 41). Die erfrischende Milch der unreifen Nüsse ist überall um ein billiges oder auch bei gastlichen Eingeborenen umsonst zu haben. Manche Küstenstriche erscheinen am Meere mit Manglebäumen oder Mangruven und Schoras sliiii/x^Iinra, ^vio^nnin.), Vd. I, (S. 14) bedeckt. Diese verworrenen, ungesunden Dickichte beherbergen zahlreiche Schlamm-hüpfer, Krabben nnd Anstcrn. Hier findet auch die Haupterntc der Färberflechtc Orseille (ItuocMa tinowri^) statt. In den die Höhen bedeckenden Wäldern entwickeln sich prächtige Holzarten, namentlich Feigenbäume. Arekapalmen, Baum- und Standen- — 115 — farn, Hülsenfrüchtler, sparrigc Grasarten, sowie eine sehr interessante Cycadcnform (O^e^Z Iimuni^ii). In der ersten Vegetationsperiode des eiförmigen Stammes zeigen sich zwei mit 5 bis höchstens 11 harschen Ficdcrblättchen besetzte Lanbblättchcn, deren Stiel entweder glatt oder mit 1—3—15 zu Stacheln vcr- Fiss. 41. ,Uüloü>,'alu!l,', !». Plllinc, l> )!us! von auß>,'!,, a dicftll,^ durchschüilten, kümmerten Fiedern besetzt ist. Spater entwickelt sich die Pflanze zu voller Stattlichfcit, liefert dann auch eßbare Früchte mit fleischiger Hülle nnd über 60 nun langen mchartigcn Steinen, Diese Pflanze hält sich in unserem Klima wunderbar hart, wie der Verfasfcr all einem zum Andenken an I. M. Hildebrandt 8* — 116 — seit 1878 gepflegten Exemplare erfahren hat. Sehr verbreitet sind überall die stattlichen, bei uns su vielfach in Warmhäusern gehaltenen O^oa» rsvoluta. Die Tierwelt der Inseln ist nicht eben reich. Man berichtet von einem hier lebenden Mali oder Halbaffen (I^omur ina^cMenßis). Auch der Tenrck (S. 22) und eine Spitzmaus (Oooiäura inäion,?) sollen vorkommen. Fledermäuse sind häufig. Unter den Vögeln finden sich ein Schimpanga genannter kleiner Habicht ^eei^iwr ^usiUu») und der auch hier überall wegen seiner grenzenlosen Frechheit mit Recht verschrieene, unter dem Namen Kusi bekannte Schmarotzcrmilan (Ni1vu8 xaralMen»). Durch Befiederung und anmutiges Wesen machen sich bemerkbar der Muam, Moran (Ooi-Miorui« vintLioiäo»), der bunte Honig-sangcr, Schctozi (^LeWi-iui^ omnoi-iengi»), der Nian Telighnan s/08tOi'0^i8 ^1^19,11611818) lind der Prächtige Flicgeuschuäppcr, Muschtatll (^8^>it.i-63, vni^inn.). Ferner zeigeir sich eine Drosselart Bambi (^in'äu» L«^«1>,ori), ein Webervögel Para,noran (I'loeeu« ^1ßonäg,6), eine Turteltaube, Schukcron Dungan genannt (^urtur ocimorieiiZi») und das in wilderen Gegenden Anjuans zahlreiche, hier uutcr dem Namen Couga bckanltte Schopfperlhuhn (^umiäli. initi-liw). Außerdem existieren Schild^ trötcn, Chmnälconeu, Geckonen, Eidechsen, Schlangen, unter diesen angeblich drei unschädliche und eine giftige Art, Frösche u. f. w. Die Iuscttcnwelt der Komoren ist noch wenig bekannt, scheint aber höchst interessante Formen darzubieten. Die Sccküsten sowohl der Komoren wie anch der Seychellen werden von Reihern, Strandlänfcrn, Albatrossen, Pclckancn, Tropikvögeln, Fregattvögeln, Tölpeln u. s. w. belebt. Das Meer ist überall reich an Schattieren uud an Prächtig gefärbten Fischen. Die Komoren waren schon den älteren Arabern bekannt. Klöden hat die hierauf bezüglichen Stellen bei Masndi, Albiruui, Edrisi, Ibu el Wardi, Ibn Said und Abdellatif, d. h. vom 10. bis 13. Jahrhundert, zusammengestellt und kommentiert. — 117 — Komr wurde von den Arabern Madagaskar genannt, der Kanal von Komr ist der heutige Mosambiqnc-Kanal. Von Komr ist anch Komor-o hergeleitet. Man nimmt an, daß diese Inselgruppe znerst von arabischen Einwanderern besiedelt worden sei, welche letztere sich mit den von der afrikanischen Ostküste herübergedrungenen Schwarzen gemischt hätten. Im ersten Vändchcn nnserer Schilderung Afrikas sind die Züge der Araber nach der Küste von Sansibar ausführlicher dargestellt worden. Im Jahre 360 der Hcdjra haben nach der Niederlassung der Bnidcn zn Schiras in Persien ausgewanderte Schirascr den Staat Kilwa (Quiloa) gegründet. Mit diesem Unternehmen war anch die Besitzergreifung der Komoren durch die Kilwacr vcrbuudeu. Zn Aufang des 16. Jahrhunderts erschienen die Portugiesen, ohne sich um den danernden Besitz dieser Gruppe zu bemühen. Um 1506 kamen abermals Schiraser unter dem Oberbefehl des Hakcm Mohammed Ben Aissa und ließen sich auf Groß-Komoru, Anjuan sowie auf Mohcli nieder. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts haben sich aber auch Sakala-was unter Führung des Diwn Mani auf Mayottc niedergelassen. Im vorigen und zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts sind die Inseln wiederholt von madagassischen Nänbcrscharcn. namentlich Sakalawas, mit Mord, Brand und Plünderung heimgesucht gewesen. Mohcli hat sogar einen keineswegs freundlichen Besuch von Howas gehabt. Neste der madagassischen Einwanderung sind hier bis heutigentagcs erhalten geblieben. Die herrschende Nasse bildet eine Mischung von Arabcru mit afrikanischen Elementen, nämlich mit herübergcwandcrten freien Schwarzen und mit hier eingeführten Sklaven. In diesen, nach Angabc eines intelligenten deutschen Handelskapitäns Moharri genannten Mischlingen herrscht das semitische 'Element etwas vor. Dieselben erinnern an die besseren Klassen der Suahel genannten Bewohner der Sansibarküste (Bd. I, S. 220, Fig. 56, 57 das.). Als Typus derselben möchten wohl die von Kcrsten in v. d. Dcckens Neise nach Photographicen sehr sorgfältig abgebildeten Komoro- — 118 — bcwohncr gelten. Die charakteristisch - arabischen semitischen) Züge gelangen unter diesen Leuten hier entschiedener, dort wenlger, zum Durchburch. Sie sprechen unter sich meist Kisuahcli, bc-dicnen sich aber in ihrer Kanzlei- und Gcschäftssprache des Schriftarabischcu, Sie sind äußerlich alglatte, anscheinend harmlose Leute, innerlich jedoch voll islamitisch-arabischen Hochmutes, heuchlerisch und unmäßig auf Gelderwerb versessen. Wie ihre meisten Stammesgcnossen in Ostafrika und selbst in Oman, stecken sie tief im Aberglauben nud häugen mit kindischer Ehrfurcht an ihren Amuletten. Sie kleiden sich in Kaftane, Simbus oder lange um die Hüften und Vcine gewundene Schurze, gestreifte nud bordierte Westen, sie bedecken den Kopf mit faltigen Turbanen oder seidenen Kcfics. An den selten bcstrnmpften Füßen tragen sie Sandalen, weniger saffianc Schuhe. Veim Ausgehen vergessen sie niemals die reich verzierten Dolche nnd Säbel umzugürten. Die Frauen der Ncichcrn wählen die Tracht der vornehmeren Araberinncn, feine Hemden mit fliegenden Ärmeln, Pluderhosen, bauschige Scidenrobcn, und beim Ausgehen den durchbrochenen Gcsichtsschleicr sowie Schuhe, welche letztere im Harem mit zierlich gestickten Pantoffeln vertauscht werden. Hier sind auch die seidene, reich bordierte Ärmeljackc und das gold-vcrbrämntc Käppchcn in Gebrauch. Ärmere Weiber schlagen ein weites Tuch um dcu Körper, welches die Schultcru und Arme frei läßt sowie ein anderes über den Kopf. Die Füße bleiben nackt. Alle lieben den Schmuck, Hand-, Finger- und Kuöchclringc von Gold und Silber, manchmal in schönster Filigranarbeit, Halsbänder von Korallen, Perlen, Goldmünzen, von Ambar und wohlriechenden Holzperlen. Die Nägel, Handteller nnd Fußsohlen werden mit Henna rot, die Augcnlicdrändcr werden mit Köchle (Antimonpaske) schwarz, die Lippen werden blau gefärbt. Männer wie Frauen kaucu Vctcl. Auch rauche«: die erstcreu gern Haschisch, seltener dagcgm Tabak, welches letztere Narcoticum sie desto fleißiger schnupfcu uud kaucu. Vctel färbt die Zähne schwarz und den Speichel rot. Er verleiht den diesem — 119 — Gcuussc fruhncudcu Personen jene scheußliche Ausdünstung ans dem Munde, welche Wcrnich bei den Anamitcn in su drastischer Weise schildert. Steinerne Häuser, von der auf Zanzibar uud au anderen afrikanischen Küstcnortcn üblichen Bauart finden sich an den größeren Plätzen. Sie sind viereckig und mit nur wenigen Fcusteröffnuugen, wohl aber mit Treppcuhäuschen und mit Pergolas versehen. An jcdcs Hans schließt sich ein ummauerter oder wenigstens umzäuuter Hosraum. Im Hause selbst findet man mit Moskitovorhängcn versehene Bettstellen und Stuhle von indischer oder persischer Arbeit, auch Tischchen, Trnhcn, Kannen, Kaffeegeschirr und Eßgerä't, wie sie auf arabischen Märkten dargeboten werden. Mitnntcr laufen europäisches Steingut und böhmisches Glas, suwic einheimische oder ostafrikanische Korbware. Neben diesen Bcgünstigtcreu erscheinen die den Hanpttcil des Komorovolkes bildenden, vielleicht nicht immer korrektcrwcisc sogenannten Autalots. Woher dieser Name kommt, ob seine Anwendung eine begründete, laßt Verfasser dieses Vnches un-crwiescn. Es sind diese angeblichen Nutalot diejenigen Bestandteile der gemischten Bevölkerung, iu welchen das afrikanische, rein nigritische Blut zum Durchbruch gelaugt. Das sind mittelgroße oder große, wohlgebildctc Gestalten mit hohem schmalem Kopf, hoher unten gewölbter, oben stark nach hinten zurückweichender Stirn, mit ziemlich breiten, stumpfen Nasen, vorstehendem großen, von wulstigen Lippen umsäumten Muud und zurückstehendem gerundetem Kinn (Fig. 42). Das bei den Moharri ganz krause, gelockte Haar zeigt sich hier in kleine, verfilzte Vüudel abgesondert. Viele Alitalot scheren das Haar wie es auch bei dcm ncbean abgebildeten Individuum der Fall ist, dcsscu Originalphotugraphic ich der Liebenswürdigkeit des Dr. O. Kcrsten verdanke. Die gelb- bis dunkelbraune Farbe der mehr arabisch gebildeten Bcvölkerungselcmeutc geht bei diesen Nntalot in Notbraun, Rost- und Schwarzbraun über. Übrigens — 120 — zeigen sich unter diesen Leuten viele Individuen mit variierendem Tyftns, d. h. solche mit feinerm Nasen und dünneren Lippen, ferner solche, welche in ihren platten Zügen dem ausgesprochensten Nigritier nicht nachstehen. Dergleichen individuell und selbst familienweise verbreitete Abänderungen sind bei einem so start gemischten Volke ganz erklärlich. Fig. 42. Mann von AnjMn. Diese meist den geringeren Klassen angehörenden Anwlot kleiden sich einfach, durchschnittlich wie die S. 117 beschriebenen ärmeren Moharri. Ihre Häuser sind viereckig und von Holz errichtet, zuweilen mit steinernem Unterbau versehen, öfter nur von Flechtwerk und Pfählen gebaut, mit Lehmbewurf bekleidet. Als Geräte dienen eine der abyssinischen Nlga (Bd. I, S. 79) — 121 — odcr dem nubischen Angareb gleichende Kibani oder Kitanda, d. h. ein mit Niemcn besponnener, auf vier Füßen ruhender Holz-rahmen als Bettstelle, außerdem einige Schüsseln, Töpfe, Matten, Wasserkrüge. hölzerne Ncismörscr u. f. w. Ein dritter Bestandteil der Komoren-Bevölkerung sind die Nachkommen cingewandertcr Howas, Sakalawas nnd anderer madagassischer Stämme, welche ihren Typus mehr odcr minder rein bewahrt haben und namentlich auf Mayottc und Moheli verbreitet sind. Die meisten Männer bedienen sich der Lamba (S. 57) als Schurz und bekleiden den Oberkörper mit jener Nrt kattnner Ärmcljacken, welche vom indischen Festlande aus nach verschiedenen Nichtungen hin Verbreitung gewonnen hat. Der Kops wird mit der S. 57 beschriebenen und (Fig. 1!>) abgebildeten Kappe bedeckt. Die Frauen benutzen ebenfalls eine Ärmeljacke, einen um die Hüften und die Beine geschlagenen Überwurf nnd eine Lamba. Sie putzen ihr Haar und schmücken den Körper auf dieselbe Weise wie in ihrer ursprünglichen Heimat. Bei der Verheiratung beobachten sie keine besonderen Ze-remonieen, trennen sich nach Belieben und teilen sich in die Kinder. Wenn sie und die Antaloten zu mehreren eine Arbeit verrichten, so singen sie dabei in einförmiger aber dennoch nicht ungefälliger. Weife ihre (meist improvisierten) Liebchen. Dies ist ja auch ganz die Art der Schwarzen des Festlandes. Sie fürchten wie letztere, die Schatten der Toten und opfern denselben. Leicht fallen sie den aberwitzigen Künsten ihrer Zauberer zum Opfer. Endlich existieren auf den Komoren zahlreiche cingewandertc Freie oder als Sklaven eingeführte afrikanische Schwarze, namentlich Makua (Bd. I, S. 266) von der Mosambiquc-Küste. Diese leben wie die ärmeren Nntalot und die Madagassen. Alan genießt in erster Linie Ncis, dann Mehlspeisen, Gemüse, Früchte, Fleisch voll Rindern, Ziegen nnd Hansvögeln, deren Eier. sowie anch Fische. Änf Mayotte sollen noch wilde, augeblich von Madagaskar stammende Schweine vorkommen. Sie werden von den anf dieser Insel wohnenden Sakalawas __ 122 __ mittelst gelber langhaariger Hunde gespürt und mit Lanzen getötet. Seitens der hiesigen Mohammedaner werden übrigens Hunde und Schweine verschmäht. Die Viehzucht beschränkt sich hauptsächlich auf Haltung von Zebus und von Ziegen. Die wenigen hier beobachteten Pferde und Esel stammen aus Oman, Mauritius und vom indischen Festlande her. Der Hauptlandbau erstreckt sich auf den Ncis, diese leicht verdauliche aber wenig nährende Univcrsalkörncrfrucht der warmen Länder. Um dieselbe zu säen, leiten sie Wasser über den Boden, lassen diesen von ihren Zebus durchtreten, führen das Waffcr ab und streuen die Reiskörner in den Schlamm. Oder sie brennen Wald und Busch ab, klären den Boden und säen. Dadnrch werden häusige das Land verwüstende Waldbrände erzeugt. Übrigens werden hier Ndansonien, Tamarinden, Bananen, Mango und andere tropische Frnchtbäumc kultiviert. Es giebt auf den Inseln Barbiere, eine Art von Naturärzten, ferner Zimmcrlcute, Maurer, Gold- uud Eiscuschmicdc, Kleidermacher, Schuhmacher und Bäcker. Man flechtet Matten, Kappen, Körbe, Zuckcrsäcke ans Pandanusblättcrn ?e. Die Kinder lernen vom sechsten Jahr ab den Koran lesen, das Kisuccheli schreiben und auch rechnen. Früher begrub man die reicheren Toten in zum Teil großartigen Grabmälern, d. h. in von Kuppeln überragten Würfelbauteu, zu deren Ausschmückung selbst Bidel i Tschini, persisches Porzellan mit blaugemalten Verzierungen, nicht geschont wurde. Zur Zeit legt man die Gräber zum Teil noch mit bchaueuen Stemm aus und bedeckt sie mit solchen, zum Teil schmückt man das Grab nur mit einer ovalen Stcinnmfassung, in deren Innern roter Lehm ausgebreitet, eine Muschel oder eine Topfschcrbe gelegt wird. Die Inseln werden durch Sultane von meist direkter arabischer Abkunft regiert. Wie in allen mohammedanischen Ländern bilden Korall und Zubehör (Bd. II, S. 32) die Gruudlagcn für das Landesrecht. Die Kadis, als Schriftgclehrte großen- — 123 — teils eingcwandcrte Araber, kaufen ihre Stellen und sollen dcr Bestechung sehr zugänglich sein. Zwischen dcn Inseln untereinander, sowie zwischen ihnen nnd benachbarten Inseln und Gebieten wird ein lebhafter Verkehr unterhalten. Dieser geschieht uuter Vermittelung der Dhaus oder Vutcrs, jener plumpen arabischen Fahrzeuge, welche, in einem Haupttyftns des Baues vertreten, den ganzen Indischen Ozean und das Rote Meer, hauptsächlich aber die afrikanische Osttüste, befahren. Die Mtcpc oder genährten Nindenfahrzeuge werden hier wie an dcr Ostküstc des Kontinentes nur zur Be-fahrung dcr inneren, zwischen den Riffen verlaufenden Kanäle benutzt. Die Komorer sind übrigens geschickte Schiffer, welche mit dem groben, in diesen Breiten gebräuchlichen Kompasse Bescheid wissen. Auch werden größere Eiubaum-Kauocs oder zusammengesetzte Piroguen mit je einem riesigen Segel und mit Auslegern zur Küstcnfahrt benutzt. Alles Scilwcrk besteht aus Koir, Kokosfascrn, welche in Mosambique und in Sansibar gedreht werden. Man spricht hier (wie schon bemerkt) das im ganzen wohllautende Kisuahcli uud daneben ein aus diesem, sowie aus der Sakalawa-Sprache, endlich aus verschiedenen Bantu-Dialekten zusammengesetzte Rotwelsch. Die Schrift ist eine nur wenig abgeänderte arabische. Man beschreibt den Charakter dcr Komoren im allgemeinen als heuchlerisch, unzuverlässig, mißtrauisch und gaunerig. Indessen macht Kcrstm mit Recht darauf aufmerksam, daß die früheren häufigen Einfälle besonders der Sakalawas und die vielen inneren Zwistigkcitcn zwischen den kleinen Inselsultanen uud deren Anhang, die Charaktereigenschaften dieser Leute verdorben hätten. Im übrigen stimmen alle Beobachter miteinander in der Angabe übercin, daß die Komorcr ein heiteres Völkchen bilden, in deren Vergnügungen das allgemeine, sorglose Sichgchcnlassen dcr Nigriticr Afrikas sich wiedcrspiegelt. Man liebt Einzeln- und Ncihentänze mit und ohne Waffen, bei — 124 — welchen die Tamtams, oder Gongs und Tamburins fleißig geklopft werden. Im übrigen lebt man mäßig. Das Klima dieser Inseln ist nicht besonders gesund, zum Teil werden dieselben, wie Moheli, von Wechsel- und von remittierenden oder selbst perniziösen Fiebern, von Dysenterie und Syphilis heimgesucht. Die Komoren enthalten bei einem Areal von zusammen 1972 Quadratkilometern etwas über 63 000 Einwohner, deren .32 auf einen Quadratkilometer kommen. Die Ausfuhr ist unbedeutend. An dieser ist hauptsächlich die französische Kolonie Mayottc beteiligt. Es gelten hier Kaffee, Reis, Zucker, Vanille, etwas Mais, Kopra, Ochsenhäute und Gcwürznäglein als Haupt-cxftortartikel. Die Einfuhrartikel erstrecken sich ungefähr auf die für Madagaskar erwähnten Gegenstände (S. 86). Es bleibt uns noch übrig, eiuen turnen Blick auf die hervorragendsten Inseln der komorischen Gruppe zu werfen. Groß-Komoro, arab. Gazizad, sonst auch Angasija genannt, enthält 1002 Quadratkilometer und etwa 35 000 Einwohner. Die Er-hclmngen seines Bodens steigen bis 300 Meter empor. Die Hauptortc sind Kitanda Mdjini und Mroni, beide an der Westküste gelegen. Ersterer Ort enthält ans Lavablöckcn errichtete, mit Kalk verputzte Häuser neben schlechteren Hütten, sowie eine Mauer mit sieben Türmen. Mroni hat ebenfalls eine mehr-türmige, allerdings verfallene Umfassungsmauer, eine leidlich gebaute Moschee, endlich aus Korallcnt'alk und Lehm gebaute Häuser. Mohcli, Mohilla oder Moali, enthält 231 Quadratkilometer und etwa 6000 Einwohner. Die Insel ist gut angebaut, besser als das durch seiuc Zebuzucht berühmtere Groß-Komoro. Hauptorte sind Fumboni, Nmna Schoa nnd Luala. Sie cnthalteu Mauern und etliche bessere, steinerne Hänscr. Die Einwohner der Insel sind großen politischen Wirren unterworfen gewesen. Berüchtigten Andenkens sind hier die Irrfahrten des französischen Abenteurers Lambert, eines jener politischen — 125 — Intriguante«, wie sie in Benjowski, im Könige von Arautamcn u. s. w. ebenbürtige Persönlichkeiten ausweisen. Auf dieser Insel setzte sich 1830 auch der Howa Namanatata, ein Verwandter Radama I., fest und erregte vielfache Unrnhcn. Anjnan, auch Hinzuan, Johanna, Iuanny u. s. w. genannt, enthält 373 Quadratkilometer mit etwa 12 000 Einwohnern. Hanvtorte sind das mit vicltimnigcr Mauer, mit einigen besseren Steinhäusern, einer Kasba oder Burg, Moscheen u. s. w. versehene Msamuda, dann Domoni und Wani. Der Handel ist hier bedeutender als auf Groß-Komoro und Mohcli. Es hcrrfcht auch größerer Wohlstand wie dort. Mayottc, arab. Mayata, enthält 366 Quadratkilometer und über 10 009 Einwohner. Diese Insel wurde im Jahre 1841 vom Sultan gegen ein Iahrgehalt an Frankreich abgetreten. Der zu Dsandsn rcsidicrcudc Gouvcrueur verwaltet zugleich Ste. Marie de Madagascar und Nossibe. Hier befinden sich drei einen rührigen Handel entwickelnde Freihäfen. V. Die Waskarenen haben ihren Namen, Mascarenhas, nach ihrem portugiesischen Entdecker (1505) erhalten. Es sind Mauritius, Nsunion und Rodriguez. ^. Die Insel Mauritius oder Ile de Franco liegt unter 20" südl. Vr. und 74« ö. L. Dieses Gebiet wurde von den Portugiesen Ilha do Ccrne genannt und von ihnen bis 1598 besetzt gehalten. Um diese Zeit ging sie an die Holländer verloren, welche den früheren Namen in Mauritius umwandelten und auf der Insel eine Niederlassung grnndetcn. Im Jahre 1715 nahmen die Franzosen Besitz von der Insel und nannten dieselbe Ile de France. Im Jahre 1810 ging sie in englischen Besitz über und wird seitdem wieder Mauritius genannt. Die Mastarenen sind vulkanischen Ursprunges. Auf Mauritius steigen die Berge unfern der Küste schroff empor und bilden ein das ganze Innere der Insel bedeckendes, gegen 500 ,n hohcs Plateau. Über dasselbe hinweg ragen mehrere Berge, so z. B. der ca. 790 ui hohe Pieter Botte oder Pictcr Boot. Seinen Gipfel bildet ein etwa 30 m hoher abgerundeter Block, der auf einem halsähnlich verjüngten hohen Bcrg-kegel aufsitzt und den Schissern schon von weitem als Land-markc dient (Fig. 4Z). Der ca. 750 in hohe Daumcnbcrg, Pouce, der zuckcrhutartig gebildete Piton du Milieu, sind andere wichtige Erhebungen. Die Insel ist von malerischer Schönheit. Von den Bergen rauschen Wasser nieder, welche zum Teil prächtige Fig. 43, T« Aorg Pict^r Voot. — 128 — Fälle bilden. Durch diese sind an einzelnen Stellen Gruppen der schönsten Basaltsäulen ausgewaschen, su z. V. an der Cascade de la Savanc unfern Port Souillac im südlichen Inselbezirk Savane. Nördlich von Souillac findet sich der Vuis- F'g. 44. Pilou dl^ la MoutaiM. See in unschöner Umgebung, während das weiter bergauf, 6tt? m Fuß über dein Meere, gelegene Grand Bassin höchst romantische Partieen darbietet. Diesem See, wahrscheinlich eine alte Kratcr-füllung, schreibt man an gewissen Stellen 20 und mehr Meter Tiefe zu. Ihm entströmen eine Anzahl nach allen Seiten hin- Hartmann, MndaaaZlar. Fiss. 45. ?^r Vllusflcur oder Spouting Nock. — 130 — abstürzender Bäche. Eine Naturmcrkwürdigteit von gewissen: Ruf ist auch der Souffleur oder Spoutingrock, ein etwa 40 Fuß hoher Vasaltfels, dessen Aushöhlung unmittelbar mit dem Meere in Verbindung steht. Bei stürmischem Wetter prallen die Wogen heftig gegen den Block, stoßen in dessen Höhlung aufwärts und verlassen dieselbe in der Gestalt von prächtigen, springbrunnenähnlichen Wassergarben (Fig. 45). N. Pike schildert auch noch den Pont Nature!, eine wie eine Naturbrücke gestaltete, durch die Meeresströmung bewirkte Auswaschung der Felsen. Sie befindet sich nicht weit vom Souffleur. Mauritius wird mit Ausnahme von zwei oder drei Stellen mit senkrechtem Küstenabfall ringsum von einem Korallenriff, einem sogenannten Saumriff, umgeben. Dasselbe liegt bald eine halbe, bald zwei bis drei (englische) Meilen vom Nfer entfernt. Nach Darwin bilden Porenkorallen (N3,är6pm^) die Hauptmasse des Niffs. Die Korallen leben hier in einer durchschnittlichen Tiefe von 7— 8 Faden. Das Niff öffnet sich einem jeden Flusse und Vache gegenüber ziemlich weit. Das Klima von Mauritius ist zwischen November und April sehr heiß. Die mittlere Temperatur beträgt alsdann 20" K. Die Regenzeit fällt zwischen Januar und April. Die Regenmenge beträgt zu Port Louis 39,25 Zoll. Der Südost-Monsun tühlt die Hitze in angenehmer Weise. Weht derselbe morgens, dann ist dessen Wirkung unbeschreiblich erfrischend und belebend. Während der Tagcshühc ist die Hitze in den wärmeren Monaten ungemein drückend. Erst abends wird dann die Luft wieder angenehm. Vom Dezember bis März giebt es nicht selten starke Orkane. Dieselben sind, wie Copeland uns lehrt, von Or. Meldrum, dem Direktor des Negicrungsobservatoriums und Sekretär der meteorologischen Gesellschaft von Mauritius, zum Gegenstande eines eingehenden Studiums gemacht worden. Man ist dadurch in den Stand gesetzt, bei nahenden Orkanen noch rechtzeitig Sturmsignale zu geben. „Ängstlich", sagt Copc-land, „erwartet man zu solchen Zeiten die Depeschen von dem — 131 — Observatorium; bei dem ersten warnenden Telegramm streichen die Schiffe im Hafen ihre Stangen und untersuchen die Sicherheit ihrer Ankerketten; sorgsame Hauswirte nehmen ihre Verandas, Dächer und Fensterläden in Augenschein und bergen ihr Vieh, und wenn endlich der elektrische Funke die Nachricht über die ganze Insel verbreitet, daß drohende Gefahr im schnellen Anzüge ist, so wird jede Wohnung so fest gemacht, wie nur möglich, und ganz zuletzt hören die Eisenbahnzüge auf zu gehen. Der letzte große Orkan erreichte seinen Höhepunkt am Morgen des 28. März 1874; aber schon am Morgen des 25. wurden die Warnungsdepeschen abgeschickt. Der Schaden, den dieser furchtbare Orkan allein den Zuckerplantagen zufügte, ist auf mindestens 50N000 Pfd. Sterl. zu schätzen." Copeland hat diese Notiz im Jahre 1877 veröffentlicht. Die Küstencbenen von Mauritius sind intermittierenden und galligen Fiebern ausgesetzt. Das Plateau ist gesünder. Als die Entdecker dies Land bestiegen, zeigte dasselbe schöne Waldungen. Diese wurden besonders gebildet durch Nubiaceen, Wolfsmilcharten, Winden, Malven, Büttneriacecn, Seifenbäume, Meliaceen, Orchideen, Gräser, Cyftergräser und Farne. Alle Wälder zeichnen sich durch ihr schattiges Wesen, durch das geringfügige Unterholz, das nur seltene Vorkommen von Palmen aus. Den größten Baum bildet die ^camÄ I^tero-pliMa. Sie verliert leicht die Fiedern, an deren Stelle die Blattstiele treten. Die nachsichtslose Verwüstung dieser Wälder hat böse Früchte getragen. Die Regen der Küstengegcnden sind infolge dessen zu unregelmäßig geworden, und das hat der Zuckerkultur bedeutend geschadet. Erny behauptet, daß überall, wo Durchhaue durch die Wälder veranstaltet sind, die Umgegend solcher Lichtungen von den Orkanen weit mehr zu leiden gehabt hat, als alle übrigen Teile des Waldes. Eine große Zierde der jetzt auf die Berge zurückgedrängten Wälder sind die herrlichen Baumfarn. Die Tierwelt bietet keine sehr große Mannigfaltigkeit dar. — 132 — Fledermäuse, auch die großen fruchtfressendeu, zeigen sich seltener als auf den Seychellen. Eine Spitzmaus (^rooiänra, inäilla) uerrät sich, wenn beunruhigt, durch ihren heftigen Moschusgeruch. Der vieles schädliche Gewürm vertilgende Tcnrek oder Borsten« igcl (S. 21) ist angeblich Kon Madagaskar aus eingeführt. Die schwarze Natte (Nus alexanärinus) mit zum Teil dicht bebehaartem Schwanz hat sich in die Nähe der Häfen eingenistet. In den Vergwäldern hausen aus Ceylon gebrachte Hirsche ((^sr-VN» inuich'g,k?). Einige der schiinen wcihgefleckten Axis-Hirsche (<Ü6rvu8 3,xi») hält man wohl nur aus Liebhaberei auf größeren Besitzungen. Der hier u. a. auch in der Nähe des Grand Bassin vorkommende Affe (Miaous <^noui0lFU8) stammt ebenfalls von den indischen Inseln. Schweine und selbst Ziegen sind ganz verwildert. Als die Entdecker die maskarenischen Inseln besuchten, wurden sie daselbst durch eine höchst eigentümliche, zum Fliegen wenig oder gar nicht taugliche Vogclwelt überrascht. Der merkwürdigste Vertreter derselben war die Dronte oder der Dodo (Diäus insptus), ein der Zahntaubc oder Mammca der Samoa-Inscln (Diäunculu »tri^iro^ti-i») nicht sehr fernstehender Kolumbide. Das Tier war größer als ein Schwan, hatte einen massigen runden Körper, einen langen dicken, an der Spitze wie bei einem Raubvogel z. B. dem Lämmergeier, gekrümmten Schnabel uud kurze, dicke, denen der Tauben ähnliche Füße. Der Kopf war vorn um die Augen her und bis zum Schnabel mit einer Wachshaut, hinten aber mit einer kapuzenähnlichcn, flanm-l'cdecktcn Hautwulstung versehen. Die Flügel waren verkümmert, znm Fliegen uupassend und mit Stcuerfedern besetzt, welche denen eines straußartigen Vogels ähnelten. Das Gefieder bot viel flaumige und wie beim Kasuar mehr haarähnlich gebildete Kielfedern dar. die in verschiedenen Nuancen von grau, graubraun und braun erschienen. Das Tier wnrde 1627 — 1658 von dem holländischen Arzt Bontius beobachtet und beschrieben, auch auf znm Teil recht vorzüglichen Ölgemälden abgebildet, deren an- — 133 — gcblich bcstcs nuch vorhandenes Strickland und Daua kopieren ließen (Flg. 46). Verschiedene Reste des Tieres werden jetzt noch in europäischen Mnseen aufbewahrt. Fig 46, V^'t«tl,'r d^' altm m>,..,l,,/,,,l!^, ,l >!ot>cl!vclt, Vorn die Drontr, im VN!tcV!i>'nndo dll' ^insi^^l^r und ^'il^s. Neben dicscin trägen und stupiden Vogel, welcher schon etwa 125 Jahre nach der Entdccknug den rücksichtslosen Nachstellungen brutaler Schiffsmannschaften erlag, fanden sich noch — 134 ^ zwei Gattungen nicht zum Fliegen befähigter Rallenvögel ^,pka-nkpt6i'U8 und VrMiroilln.eIiu8), sowie ein mit kurzen Flügeln versehener, nur selten sich in Flug setzender Reiher (^rcloli ino ^1oL6^1ia1a) (Fig. 46 rechts). Derartige fast wehrlose Geschöpfe wurden nicht von fleischfressenden Tieren beunruhigt, welche letzteren den Maskarenen fehlten. Die Drontc soll übrigens nach alten Berichten auch auf Neunion existiert haben, indessen ist es bis jetzt noch nicht gelungen, auf der letzterwähnten Insel Reste des Tieres aufzudecken. Da sein Fleisch sehr wohlschmeckend und es selbst nicht im stände gewesen ist, seinen Feinden zu entschlüpfen, so war seine Ausrottung nach verhältnismäßig kurzer Zeit vollbracht. Mit der Dronte verschwanden die übrigen absonderlichen Vögel der Maskarenen. Ihre Eier und Brutvögel wurden von den schon frühzeitig überhandnehmenden verwilderten Schweinen vertilgt, so daß ein Nachwuchs nicht aufkommen konnte. Gegenwärtig ist auf Mauritius eine Atzelart, der Mino (ftracula reii^io^), ein tiefschwarz gefärbter, metallisch glänzender, mit hochgelben Hautwülstcn hinter den Ohren versehener Vogel verbreitet, er nistet in der S. 131 erwähnten ^.cacm Ke>-tsi-u^M^ nnd halt sich vielfach in den Zuckerplantagcn auf. Auch soll ein inscktenvcrtilgender Staar (^nriäotiwi-e« tiiZti») eingeführt sein. Außerdem existieren Papageien (I'su^orni«), Arten der Fliegenschnäpper, der eßbare Nester bauenden Schwalben (^OiioLalia), endlich Raupenwürger (Ox^notu»). Eine Taube (^Iset!-06n»8) ist seit etwa 39 Jahren ausgestorben. Unter den Eidechsen finden sich Geckonen und zwar Halb-zeher (Hßmiäaet^iu»), dann eine auch in Australien vertretene Gattung (?oiopu«), sowie eine dieser letzteren Welt ebenfalls angehörende Art (^pWdit^ImrnZ. Man hat die fossilen Reste mehrerer Schildkrötenarten aufgedeckt. Schlangen fehlen. Unter den hier vorkommenden Fischen sind namentlich die Aale des Grand Bassin merkwürdig. Sie sollen eine sehr beträchtliche Größe erreichen und Badende gefährden! Pike erzählt von einem — 135 — hier vorkommenden Meeraal, welcher über zwölf Fuß lang sein und von den Fischern sehr gefürchtet werden soll. Unter den Insekten machen sich die Moskitcn, die Skorpione, Tausendfüße, die vielen Ameisen und eine der südamerikanischen Cucaracha nahe verwandte, große Schabcnart (Mattn. lßrruFinsa) in sehr unangenehmer Weise bemerkbar. Ein Insekt, dessen wissenschaftlicher Name dem Verfasser unbekannt geblieben ist, bohrt die Zuckerrohrstcngcl an und vernichtet deren zuckersafthaltiges Mark. Dies Insekt soll ursprünglich aus Ceylon stammen, wo dasselbe schon ungeheuere Verwüstungen angerichtet hat. Die Bewohner sind großenteils französische Kreolen, englische Beamte und deren Familien, freie Schwarze, eingewanderte malabarische Kulis oder Arbeiter, einige Chinesen uud Bastarde aller möglichen Hautschattierungen. Die Einfuhr resp. Einwanderung der Kulis ist von seitcn der englischen Regiernng strenge geregelt. Die Pflanzer dürfen nach erteilter Erlaubnis ihres Gouvernements durch eigene Vertreter in Indien Arbeiter anwerben lassen, deren Transport nach der Insel, deren kontraktliche Arbeitsvcrhältnissc, Lohn, Arbeitszeit u. s. w. obrigkeitlicher Beaufsichtigung unterliegen. Um diefe zu fördern, hat je ein eigener Beamter ausdrücklich für die in einem jeweiligen Distrikt untergebrachten Kulis zu sorgen. Die freien Schwarzen aus Afrika und deren Mischlinge betreiben Kleinhandel, Handwerke, verdingen sich als Kutscher, Grooms, Köche, Aufladcr ?c. Die größere Zahl der Einwohner beschäftigt sich mit dem Plantagenbau. Unter den Kulturpflanzen steht obenan das von Ceylon eingeführte Zuckerrohr. Nach Copelands Darstellung sind die Zuäervflanzungen sehr verschieden und zwar je nach ihrer Lokalität. In deu Alluvialteilcn der Insel wird ein Rohr nur drei Fuß von dein andern entfernt gepflanzt. Haben die Halme eine Höhe von vier oder fünf Fuß erreicht, so verschlingen sich die Blätter der nebeneinanderstehenden Reihen lind das ganze Nohrfcld wird eine fest ineinander verworrene grüne Fläche. In den steinigen Teilen der Insel, wo mitunter der — 136 — Boden bei einer geringen Zumischung von Erde aus ungeheueren Steinblöcken besteht, ist die Anlage eines Zuckerfeldes immer mit ziemlicher Schwierigkeit verbunden. Die Steine werden ausgegraben und in Parallel laufenden Reihen aufgerichtet; die zur Herstellung dieser endlosen Stein-Alleen erforderliche Arbeit muß sehr groß sein, denn einzelne Blöcke sind 6—8 Fuß lang. Zwischen diesen Steinmauern werden nun die Zuckerrohr-Schößlinge in Löcher, die ungefähr einen Fuß im Durchmesser halten, gepflanzt. Jeder Knoten hat alsdann Platz, seine Schößlinge auszusenden. Das Wachstum wird einerseits durch große Mengen Guano, andererseits durch die von den umgebenden Steinmauern zurückgeworfenen Sonnenstrahlen gefördert und ist, genügende Feuchtigkeit vorausgesetzt, ein sehr schnelles. In den Niederungen geschieht die Bewässerung durch kleine Kanäle. In manchen Jahren tritt eine völlige Mißernte aus Mangel an Wasser ein. In einigen Distrikten werden die überflüssigen Stciue zu großen Haufen aufgetürmt, wodurch also ein nicht unbedeutender Teil des Bodens der Nutzbarkeit entzogen wird; zuweilen auch werden diese Steinansammlungen als Fundamente für die Heerstraße,! benutzt, die gewöhnlich zu beiden Seiten mit Akazienbäumen bepflanzt sind. Übrigens produziert diese schöne Insel noch viele andere, bald durch ihre Form, bald durch ihren Nutzen ausgezeichnete Gewächse. Die herrliche Fächcrpalme der Maskarcuen (I^tiinia dordnnic^) schmückt so manches Plätzchen. Sie ist ja selbst in unserem kühlen Norden ein beliebtes Pflegeobjekt der Ziergärten und selbst der Zimmcrkultur geworden. Auf Mauritius gewährt der großartige, au riesigen Rawcnala-Boskets, an Seychellen-Kokospalmen, an Gruppen der berühmten Palma real (Oi-euäax^ r6Aia) der Antillen so reiche botanische Garten zu Pomplemousses eine ganze Allee der Lataniapalmeu. Wir hätten gern den Versuch gemacht, diese Allee nach einer gelungenen, an Ort und Stelle aufgenommenen Glasphotographie durch deu Schnitt wiedergebe« zu lafsen, mußten aber aus technischen Gründen abstehen. Baobabs, — 137 — Tamarinden, Bambusdickichte werden an vielen Stellen beobachtet. Der brennendrot blühende Flamboyant oder Flammenbaum, eine Art O^ai^inm, ist überall häufig. Der Pcmdanus wuchert üppig. Unter den uutzenbringenden, fruchttragenden Bäumen findet man alle die S. 274 des ersten Bändchens beschriebenen köstlichen Erzeugnisse der Tropcnländer. Die Kokospalme liefert auch hier Kopra oder Olmark und Ko'ir, d. h. zur Seilerei geeigneten Faservorrat. Auch die Viehzucht gedeiht sehr gut. Man züchtet sowohl die sich wohl anmästcnden Zebus als auch die wcuiger gut fortkommenden europäischen Rinderrassen, ferner kleine ausdauernde Pferde, sehr gute Esel, Eselbastarde, endlich Schweine, Schafe und Ziegen. Viele dieser Haustiere werden nach Java, Sumatra, Celebes, Sansibar, Mosambique, nach den Kapgegenden und nach Madagaskar ausgeführt. Die besseren Klassen der kreolischeu Eiuwohucr leben mit einer gewissen Aisance. Für Einführung von neuen Moden und von allerhand Luxusartikeln sorgt der rege überseeische Verkehr. Man wohnt in nettgcbautcn, von hübschen Gärten umgebenen Häusern, steht vor sünf Uhr morgens auf, badet und führt in der Morgenkühle die nötigsten Geschäfte aus. Man frühstückt gut, wie denn überhaupt für das leibliche Wohl und den eigentlichen, in sanitärer Beziehung mit Recht verschrieenen Luxustonsum hier wie in anderen tropischen Kolonieen mehr als zu viel geleistet wird. Über Tags zieht man sich vor der Glut in die kühlsten Winkel des Hauses zurück. Erst bei Sonnenuntergang wagt man sich hervor und nimmt die geschäftliche Thätigkeit von neuem in die Hand. Man speist dann noch zu Abend und verbringt danach einige Zeit mit geselligen Vergnügungen, mit Musik n. s. w. Die englischen Eingcwandertcn dagegen hnldigen mit der ihrer Nasse eigenen Zähigkeit der heimatsüblichen Weise, sucheu ihre Geschäfte währeud der Tagcshitzc zu crledigeu, leben in gastronomischer Beziehung recht üppig und verfallen dabei nicht — 138 — selten klimatischen, namentlich fieberhaften Leiden. Die afrikanischen Schwarzen nnd die Kulis leben außer ihrer Arbeitszeit frühlich in den Tag hinein. Letztere lieben, getreu ihren indisch-arischen Traditionen, das Schauspiel, bei welchem sie viele natürliche mimische Begabung entfalten. Die englische Negierung hat hier wie in allen ihrer Botmäßigkeit unterstehenden Kolonieen überaus viel für die Hebung der öffentlichen Wohlfahrt gethan. Die Vcrkehrsstraßen sind gut unterhalten und eine Reihe vortrefflicher, treu verwalteter Eisenbahnsträngc sind gebaut worden. Es fehlt nicht an öffentlichen Bildungsanftaltcn, an Schulen selbst für die Kulis, an Bibliotheken, lehrreichen Sammlungen, Klubs u. s. w. Mauritius verfügt über Zeitungen und Flugblätter, deren meiste Artikel in der hier herrschenden französischen Sprache geschrieben sind, wie denn im gesellschaftlichen Leben die Litteratur des älteren Mutterlandes als tonangebend gilt. Das Englische wird nur in den Bekanntmachungen und Verordnungen der Negierung, vor Gericht und in den englischen Familien gebraucht. Die Insel enthält 1914 Quadratkilometer Flächeninhalt und nach der Schätzung von 1881: 359 874 Einwohner, darunter 2370 Franzosen und französische Kreolen, 3558 Chinesen und 3558 indische Kulis. Der Handel dreht sich um die Ausfuhr vou Zucker, Vanille, Aloi'fasern, Kopra, Num, Häuten, einigen Droguen, Kalk, Kaffee -sacken, lebendem Vieh, getrockneten Fischen und einigen Früchten, sowie um die Einfuhr von Steinkohlen, Kaffee, Thee, Tabak, Thran, Getreide, Guauo, Wein, Wollen- und Baumwollenstoffen, Porzellan, Glassachen, Öl, Seife, Salz, Eisen und anderen nutzbaren Metallen, von Papier, kleineu Galanteriewaren u. s. w. Hauptortc der Insel sind Port Louis an der Nordwcstküste mit gegenwärtig gegen 30 000 Einwohnern und Mahichourg oder Grand Port an der Südustküste. Hier herrscht überall reges Treiben (Fig. 47, 48). Mauritius ist bekanntlich der Schauplatz von Bernardiu de St. Pierre's lieblicher, leider so tragisch Fiss 47. Port 5.'oms, — 140 — endender Idylle: Paul et Virginie Noch heute zeigt man zu Pomplemousses ein aus Kalk und gebranntem Thon aufgeführtes, vom Bambus beschattetes Denkmal, unter welchem nach einer nicht verbürgten Sage, die Reste der beiden Liebenden rnhen sollen. V. Die Insel Rsunion. Früher Ilc de Bourbon genannt, befindet sie sich seit 1644 im Besitze der Franzosen. Vorübergehend, 1810—1815, gehörte sie den Engländern. Auch diese maskarenische Insel ist vulkanischen Ursprunges. Als erloschener Feuerberg gilt mit Nccht der im NW. bclcgene Pitowdc Neige. Kcrstcn bestimmte dessen Höhe zu 8000 Fuß ü. d. M. Der Piton de la Fournaise erhebt sich im SO. der Insel, ist nach Berth über 7000 Fuß hoch und noch immer thätig. Im Westen und im Innern von Reunion zeigt sich Vasalt an verschiedenen Stellen. Nach Kcrstcn dehnen sich zwischen den erwähnten Haufttbcrgen weite, durch Kämme und Abfälle unterbrochene Hochebenen aus, von denen das Land sich gegen die See absenkt, hier allgemach, dort jäh, an anderen Stellen wieder in Absätzen oder Terrassen. Eine ganz eigentümliche Erscheinung, wie man sie auch auf anderen größeren Vulkaninseln findet, bieten die ungeheueren kcsselförmigcn Thäler und Schluchten, sowie die steilen, fast senkrechten Abstürze dar, welche das höhere Land von dem niederen trennen. Um den Piton de Neige, den Grand Wnard, Cilaos, Salazie und den (^irc^L äc- In, i'ivii>i-u ä«« ^-ilßtZ her öffnen sich geschlossene Kessel mit einem schmalen, schluchtähnlichcn Ansgang nach der See zu. Sie werden durch jäh abfallende, schmale Nucken voneinander getrennt. Diese uud andere Depressionen des Inselbodcns scheinen dem Einsturz einer durch vulkanische Ausbrüchc unterhöhlten Decke ihre Entstehung zu verdanken. Im festen vulkanischen Gestein öffnen sich zahlreiche Klüfte uud Rinnen, welche während der Regenzeit zu tosenden, alles mit sich fortreißenden Wild- Fig. 48. 3traßsns;c>n' in Port ^ouis. — 142 — bächen anschwellen. Überall treten ältere Coulees, Lavaströme, zum Vorschein, so z. B. der Grand Brul« dc St. Nose. Sie sind teilweise von üppiger Vegetation überwuchert. Im Innern der Insel, nicht weit vom Flecken Hellbourg, befindet sich die 0,12 o/s, kohlensaure Natron, Magnesia und Kalk enthaltende, 26" It. erreichende, stündlich 225 bis 350 Liter spendende Therme uon Salazie, jetzt ein mit gewissem Komfort ausgestatteter Badeort. Jenseits des Brul« de St. Paul, eines alten Lavafeldes, liegt das leidlich eingerichtete Schwefelbad Mafatte. Im Jahre 1828 wurden die Thermen von Cilaos entdeckt, sind aber erst nach der 1836—1846 erfolgten Anlage einer großartigen dorthin führenden Kunststraßc zugänglich geworden. Lavahöhlen zeigen sich häufig. Kersten denkt sie sich wohl mit Recht dadurch entstanden, daß auf Lavaströmen die Kruste früher erkaltet, unter ihr aber die zähflüssige Masse weitergelaufen fei und daß sich so unter der zurückbleibenden Kruste Höhlen gebildet hätten. Etwa dreitausend Fuß über Salazie befindet sich die Source Mrifiante, die versteinernde Quelle, in welcher sich die verschiedenartigsten Gegenstände binnen kurzer Zeit mit einer Smterschrift überziehen. Es sollen hier auch noch andere derartige Quellen vorhanden fein. Reunion ist bis auf einige Stellen im Südostcn frei von Korallenriffen. Die Insel zerfällt in einen heißen, trockenen, inneren Teil und in einen den Winden und Niederschlügen ausgesetzten Abschnitt. Nicht selten wird dieses Ländchcn durch die Raz dc Marse heimgesucht, d. h. durch Springfluten, welche manchmal von weitab vorübertoscnden Stürmen aufgewühlt werden. Sie entwickeln sich hauptsächlich zwischen April und November. Das ist zwar hier die bessere Jahreszeit, es giebt dann aber am Kap viele und recht heftige Wehen. Vom November bis März tosen manchmal furchtbare Wirbclftürme. Reunion ist eine malerisch-schöne Insel und bietet köstlichere Szcnerieen dar, als so manche „Perle der Südmeere". Sehr üppig ist die hiesige Pflanzenwelt entwickelt. Du Petit — 143 — Thouars fand 200 nicht auf Mauritius vertretene Pflanzenarten, wogegen 300 Arten beiden Maskarencn gemeinsam waren. Der gemischte Wald enthält schöne große Bäume, ferner viele Vaumfarn, prächtige Fächcrvalmeu (I^wnil; dorboniea) und Arekapalmen. Von den letzteren giebt es nach Kersten drei Arten, Ie ^g,1mi8to I)1n,no, ruu^o «t cl^in^ux ^rvea 3,II)a, ru^ra, oren^t«.), deren Kohl genießbar ist, die aber auch, um sich dieses Gemüses versichern zu können, auf schonungslose Weise gefällt und dadurch der Ausrottung preisgegeben werden müssen. Eine Art, Io paliniste s>oi«0n (^roc^ lutaoou») soll giftig seil:. Über dem Mischwaldc dehnt sich ein vollständiger, den Einwohnern zur Höhenbcstimmuug verhelfender Gürtel von Calumets, Bambusrohr (^g,8tu8 durdonionk) aus, dessen Halme mehr als 15 Meter Höhe erreichen. Dieselbe Art wird auch auf Madagaskar und anf Sumatra beobachtet. Übrigens existiert auf beiden Mastarenen und auf Madagaskar noch eine andere 6 bis 9 Meter hohe Art (Lawduga ^ouarsii). Oberhalb dieses Gürtels, bei 4800 Fuß, entfaltet sich die Region der ^.mdavilleg äs« k«.ut«, dichte Gebüsche und kleinere, schon nach Art eines Krummholzes wachscude Bäume, unter denen der lainarin ä68 Iiant« (^oaoia kstoro^iiMa, S. 131), ferner Hubertien, Hypericineen, Seriphien, Krautfarn und eine niedrige Schraubenpalme (?an-clonus ui0n,tanu8) bemerkbar werden. An den Zweigen dieser Bäume haften selbst noch bei über 6000 Fuß Höhe, tropische Schmarotzerpflanzen, wie Orchideen, Loranthus und Pigmacecn. Die Tierwelt ist wenig hervorragend. Einen guten Er« trag gewährt die hiesige Fischbrut. Besonders zur Zeit der Tag- uud Nachtglcichc dringen Myriaden junger Fischchen in die Flußmündungen hinein und schwimmen stromaufwärts in dichten manchmal über 1 Kilometer Lauge erreichenden Zügen. Die Brnt gehört mehreren Spczics an, besonders aber einer Bschiqne, Bischick genannten Gobius-Art. Sie gcheu aus den, einen großen Teil des Jahres hindurch sehr seichten Wasserabflüssen der Insel ins Meer und setzen hier, in Nähe der Mim« - 144 — düngen, ihren Laich ab. Sowie nun die Vrnt erscheint, gehen Hunderte von Menschen ins Wasser, um die Tierchen mit Netzen, Säcken, Tüchern und sogar Schürzen zu fangen. Die Beute wird in große runde Weiden- udcr VambuZkörbe gethan und als Delikatesse in den Ortschaften verkauft. Früher wurde Reunion außerordentlich von Heuschrecken geplagt, bis Poivre im Jahre 17l>5 die Staarc, Martins (^,ori-äotiisi-68 tristi»), von den Philippinen einführte. Durch sie sind die Insekten zum guten Teile vertilgt worden. Als Kcrsten in der Gegend von St. Denis auf die Kerfjagd ging, bekamen er und seine Begleiter Käfer nnd dergleichen selten und nur an geschützten Stellen, in Holz und unter Steinen zu Gesicht. Die Bewohner von Reunion sind zum großen Teil französische Kreolen, vom Mutterlande aus cingewandcrte, auch hier angestellte National-Franzoscn, einige Europäer anderen Stammes, afrikanische Schwarze, Madagassen, indische Kulis, Chinesen, Malaycn, Araber nnd Mischlinge. Die Kreolen sind körperlich wohl entwickelt, frühreif, lebhaft, intelligent und entgegenkommend. Unter den ehemaligen, 1848 frcigcwordencn afrikanischen Sklaven befinden sich viele Stämme der Ostküstc vertreten, selbst die Bd. I, S. 2l>4 erwähnten Makoaba. Man beschäftigt sich mit dem Anbau von Kaffee, Zuckerrohr, Gewürznelken, Vanille, Muskatnüssen, Kakao, Erdnüssen, Tabak u. s. w. Ein eigentümliches Erzeugnis sind der Vohea-Thee (^1i6ll VoiiLn.), sowie ein ans ^n^r^enni-Blättern gewonnener, aromatischer Thceanfguß (liis äk I'Iis äe Zoui-Kon). Die Banane erreicht hier sowie auf Mauritius eine seltene Entwickelung und fpcndet die kostbarsten Früchte. Außerdem gedeihen sehr schöne Melonenbäumc (tüarica I^^g,) (Fig. 49), deren Früchte bereits im I. Bande, S. 274 geschildert wurden, ferner Brotfruchtbäume, Mangos, Orangen, Ananas, Datteln u. s. w. Die hiesigen Fruchthändler, zum Teil malabarischc Einwanderer oder seßhaft gewordene Knlis, finden Gelegenheit, eine Fülle der fchönstcn Garten- und Feldprodukte auszustellen (Fig. 50). Die Fig, 49. Mrlonenbnum. H a r t in >i >l n, ^ladlissa>3tar. ^0 — 146 - privaten und öffentlichen Anlagen strotzen von den blühenden Caesalpinien, von Filaos oder Schachtelhalmbäumen ((^8UÄrii>u latßMon,,), von Poinscttien mit purpurroten Deckblättern, von groß- und gelapptblättrigen Astrapaecn, Pandanus, Cyeas u. s. w. Die Einfuhr und Behandlung der Kulis ist anch hier unter Obhut der Behörden gestellt. Nichtsdestoweniger hat, wie uns F. Robert kennen lehrt, schon seit Jahren die englische Negierung Klagen über die angeblich so schlechte Behandlung der Kulis durch die Pflanzer dieser Insel geführt, im Jahre 1880 sogar damit gedroht, die Kuliausfuhr nach Reunion gänzlich verhindern zu wollen. Die französische Kolonie würde dadurch, wie unser Gewährsmann meint, wegen Mangels an Arbeitskräften, — welcher sich ohnehin fühlbar macht — gänzlich ruiniert, die englische Kolonie Mauritius dagegen würde von einer gefährlichen Rivalin befreit werden. Hier würde also wieder „die englische Humanität mit dem britischen Interesse Hand in Hand gehen". Übrigens muß man es der französischen Regierung zum Lobe anrechnen, daß sie sich um das Wohl dieser ihrer Kolonie eifrig bemüht hat. An der Spitze steht ein Gouverneur, welchem ein Kolonial-Konseil beigegeben ist. Trotz der ungeheuren natürlichen Terrainschwierigkeitcn sind eine Anzahl von Kunststraßen gebaut, zu deren Herstellung allerdings der großartige und energische Gemeinsinn der zwar leichtlebigen, aber auch hochintelligenten Bevölkerung die Hauptsache geleistet hat. Selbst Eisenbahnbauten sind in Angriff genommen. Es fehlt hier nicht an naturgeschichtlichen Museen, an der allgemeinen Bildung dienenden Vereinen, an wissenschaftlichen und politischen Veröffentlichungen. Der in den Händen einer gerade hier hochachtbaren apostolischen Geistlichkeit rnhende Iugcndnnterricht wird mit Liebe gepflegt und bewegt sich auf der Höhe der Zeit. Von feiten der weltlichen wie auch der geistlichen Behörden und privaten Vereinigungen wird nichts verabsäumt, was der öffent- Fig. 50. 10* Malabarilche Fruchtverläuferin — 148 — lichen Wohlfahrt, der Witwen- und Waisenverpflegung, dem Hospital- und Rettungswesen irgendwie von Nutzen sein könnte. Dies wird von unserem Landsmann Kersten und von anderen mit großer Wärine anerkannt. Reunion hat 1979,5 Quadratkilometer Flächeninhalt und 176 648 Einwohner, d. h. 89 derselben auf einen Quadratkilometer. Die Insel zerfällt in zwei Arrondissements und in vierzehn Gemeinden. Die Ausfuhrartikel begreifen rohen und raffinierten Zucker, Vanille, Dünger, Kaffee, Orseille, Reis, Häute, Ochscnhörner, Kakao, Gewürznelken, Kautschuk, neuseeländischen Flachs, Holz, Rum, sowie etwas gedörrte und gesalzene Fische. Die Einfuhr umfaßt Liköre, Bier, Weine, Seiden-, Baumwollen- und Wollen-zeugc, Metalle und Metallgcräte, Maschinen, Quincaillerien, Seife, fertige Kleider, Papiere, Porzellan- und Glaswarc, Chemikalien, Mehl, Butter, Käse, Salz, Fleisch, Stockfisch, Sardinen, Petroleum u. s. w. Übrigens wird über schlechte Ernten und stockende Geschäftsverhältnisfc geklagt. Hauptort der Insel ist St. Denis an der Nordküste mit offener Rhede. Die Stadt erstreckt sich am rechten Ufer der Riviöre de St. Denis etwas amphitheatralisch und hat gegen 40000 Einwohner. St. Paul auf der West- und St. Pierre an der Südsüdwestküstc sind unbedeutender an Häufer- und Einwohnerzahl. Zu St. Gilles an der Westküste südlich von St. Paul befindet sich eine neuere Hafcnanlage. 0. Rodriguez liegt etwa sechzig Meilen östlich von Mauritius entfernt. Die Insel ist nach F. G. Hahn's kritischer Darstellung vulkanischen Ursprunges. Ihr Hauptgebirgc erreicht etwa 395 Meter Höhe. An ihm lassen sich viele Erosionsrinnen und alte Lavaströme erkennen, zwischen welchen letzteren Schichten von Asche, Schlacken — 149 — oder farbigem Thon lagern. Um diese Hauptinsel her zeigen sich auch viele kleinere Eilande, unter denen acht vulkanisch, die andern aber aus Korallenkalk und Sand aufgebaut sind. Der Boden von Rodriguez ist an sich äußerst fruchtbar. Im Jahre 1691 entwarf Leguat eine bestechende Schilderung von dem Pflanzmreichtum dieser Insel. Diese alte Flora ist aber durch Waldbrände, sowie durch weidende Rinder und Ziegen großenteils vernichtet worden und zeigt sich nur noch an einigen Stellen. Dagegen haben sich eine nicht unbeträchtliche Zahl neuer Pflanzen eingebürgert. So hat sich ein unnützliches Gewächs (I^ocwnn. ^i9,nl Noucl«, 5 I^mur ililKiLinn,, noch Krandidier. 6 Eichhornmali, nach einer Aquarelle von N. Harlmann. 7 Dessen rechte Hand, besgl. 8 I^ßz)>1«nu!r mn»t,c!iii,u5, nach Pollen. !> ^retttaye (Ni'vl't.oni'olltll lei-cix) nach einer Aquarelle von N. Hartmann. 10 Sohle eines Vorderfufteü der Frettkatze, nach Milne-Edwards nnd «raudidiev, 11 I'ntu.mocnoelu« ü!<^v«n'<1«ii, nnch den?ic»us6^i7iss« c>f I^nnNauwlNo. Ha«i6t,v ot^ondo», 12 Kleine« ssluhpferb von Malta nach Adaiiv? und gemeines sslnftpferd nach einer Photographic 14 Köpfe de3 madagassischen Krokodiles von der Seite und uon oben, dcZgl, 15 <5ine Kiwigin der Howa, nach '1'liu ttillMio, 18 Howa!2lsi,zicr, nach Ellis. 1? Junges Howa-Mädchen, nach einer Aquarelle von N. Hartmann. 1« Männliche Howll-Trachtcn, nnch ElliÄ 13 Geflochtene ,Napoe, nach R. Hartmann. 20 Madagassische Offiziere, nach I'll« ttlkpdio. 21 Madagassische Lanze, nack einer Aquarelle vou N. Hariinann. 22 Schild der Aetsimsara, desgl. 23 Madagassische Art, dcsssl. 24 Madagassische Häuser, nach U. d'Hnstrcl. 25 Audienz emer britischen ttesnndtschaft vor der Howa-Kllnigin zu Antananari,uo, nach Ellitz. 26 Nanmsteg auf Madagaskar, nach I^s 'laur cln UonÄ«, 1«>>io, 2« Straftenszene in Tamatawe, nach Ellis. 29 ^ilanjana, nach Iedina. 30 Äntananariwo, nach I'll« tti-l^Iiio. 21 Nai von Nembatol, desgl. 32 Nossibe, desgl. A3 Salnlawa, nach einer Photogravhie. !l4 Füße eines solchen, besal. 35 Haartracht eines dem Nechuana-Voll MMhm'enben Manwti («üdasrita» nach einer P!)utu. grauhie von O. Fritsch. 36 Salalawa-Frau, nach Pollen. 37 Vladagassische Schmiede, nach einer Aquarelle uon 3!. Hartmauu. W Handtiommel aus Bambusrohr, desgl. 32 Jüngere I.nclnioe», .^6>>Lli6!lu,N!lil, desgl. 4« Deren Früchte, desgl. >s^, 44 Le Piton be la Montagne, dcsgl. 45 Der Souffleur oder Spouting !i!oct, nach ^K« ttru,pliio.