Preis ganzjährig: Österreich 2'50 S, Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2*50 Pengö, Tschechoslowakei 12 SK, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2'50 Franken, ____________________________übriges Ausland 2 Goldmark. Unser Heiliger Vater Pius XI. hat wie schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich helltge Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, Lettmerttz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien und Druckerlaubnis des Generalobern. Lest 7 Juli 1935 XXXVIII. Jahrgang Am White Niver. Bon Br. Alois Häring. Aberglaube. Es war ein schöner Sommernachmittag, als Hochwürden P. Tremmel mit mir und zwei Buben einen Sonntagsausflug unternahm. Unser Ziel war ein großer Kraal mit ungefähr zwanzig Hütten. Der Weg führte bergab, über Stock und Stein, durch hohes, dürres Steppengras. Bevor wir zu unserem Ziele gelangten, kamen wir zu einem Nachbarkraal. Da sich die Eingeborenen gerade mit lustigen Gesprächen unterhielten, mußten wir unseren Füßen ein wenig Einhalt gebieten. Um mir das Stehen gemütlicher zu machen, lehnte ich mich an einen Pfahl, der mitten im Hofe in den Boden gerammt war. Ich dachte mir nichts weiter dabei. Auf einmal fingen die Weiber unbändig zu lachen an. Ich wußte nicht, warum sie so lachten und kicherten, bis mir endlich einer der Buben sagte, daß sie meinetwegen lachten, da ich mich so ahnungslos an den Geisterpfahl angelehnt hätte. Ich schaute mir nun den Pfahl etwas näher an und bemerkte, daß er oben schön zugespitzt und rot angestrichen war. Solch ein Pfahl ist bei vielen Gehöften zu sehen, und es hat mit ihm. seine eigene Bewandtnis. Er wird vom Zauberer aufgestellt. Oben ist er mit einer feinen Spitze versehen, die mit einem weichen Rötel bemalt wird. Der Rötel wird zuerst mit einem gewissen Fett bestrichen. Der Geisterpfahl hat nach dem Glauben der Eingeborenen die Kraft, das Gehöft vor den bösen Ahnengeistern zu beschützen. Die Gewitter werden üblen Anschlägen schlechtgesinnter Ahnengeister zugeschrieben. Die Leute meinten, daß mich nun eine schwere Krankheit befallen würde, da ich den Geisterpfahl berührt habe. Auf diese Meinungsäußerung der Eingeborenen hin berührten P. Tremmel und ich noch einmal den Geisterpfahl, um ihnen zu zeigen, daß wir von diesem Aberglauben nicht angesteckt sind. Bis heute fühlen wir uns beide noch so pudelgesund wie zuvor. Wir gingen dann weiter und kamen zum großen Kraal, wo einer unserer Schüler daheim war. Nach dem Gerede der Leute sollten ihn die schlechten Amadlozi, das heißt bösgesinnte Geister von Verstorbenen, stumm gemacht haben. Der Bube war aber nicht daheim, sondern hütete das Vieh, und so trafen wir nur einige Frauen und ein Rudel kleiner Schwarzhäuter. Die Frauen waren Swazifrauen, wie sie leiben und leben. Besonderen Eindruck hinterläßt ihre Haartracht. Der Kopfrand ist ringsum mit feinen Löckchen verziert. Dann kommt bul zuckerhutförmige Haarbüschel, das eilte feste Masse zu sein scheint^ Unten am Haars zuckerhut waren zwei StachelschweinberßM als weiterer Schmuck angebracht. Die Seife chen stecken noch tief im Heidentum und im Aberglauben und wollen vorerst von Religion nicht viel wissen. Endlich kam auch der Bube heim. Aber er war nicht stumm, sondern hatte nur einen rauhen Hals. Vielleicht hatten ihn die bösen Geister schon wieder verlassen. Da wir schon einmal da waren und den Stummen redend fanden, so mußte uns der Bube, ein Prachtkerl von einem Swazi, zu den Buschmannsmalereien führen, die wir schon lange zu sehen begehrten. Wieder ging es bergab. Wir überschritten unten einen Bach und gelangten bald an einen großen Felsblock. Der Fels hängt etwas über nach der Seite, die gegen Wind und Regen geschützt ist. Dort an der gesicherten Stelle sind die berühmten Malereien der Buschmänner. Sie haben ein Ausmaß von ein und einem halben Quadratmeter und stellen Jagdszenen dar. Die Tierfiguren sind drei bis vier Zentimeter hoch. Die Farbe ist ein dunkles Feuerrot. Womit die kleinen Buschmänner ihre Malereien ausführten, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Die Tiere sind herrlich getroffen. Auch ein paar menschliche Abbildungen sind darunter, offenbar Jäger, die das Wild jagen. Nach Aussage alter Schwarzer und lange angesiedelter Weißer gab es in diesen Gegenden einst viel Wild. Im großen und ganzen sind die Farben noch gut erhalten und können dem Zähn der Zeit noch lange trotzen. Von einer Schrift ist nicht die leiseste Spur zu sehen. Auch im heutigen Flußbette zeigten uns die Buben noch einen Stein mit Malereien, die aber schon sehr beschädigt sind. Ohne das geübte Auge eines Eingeborenen hätte man sie wohl kaum wahrgenommen. Wir waren fast ergriffen, als wir von dieser Buschmannsstätte Abschied nahmen. Es schien uns, als hätten wir in längstverflossene Zeiten einen Blick getan, in Zeiten, die wohl für immer mit einem dunklen Schleier verhüllt sein werden. Auf dem Heimwege gingen wir noch auf eine aridere Negerhütte zu, da der Kraalherr ein Mädchen in unsere Schule schickt. Der Name des Mannes ist Udoti, das heißt auf gut Deutsch Dreck. Alle kennen ihn unter diesem Namen. Bei einem Weißen mußte er früher immer die niedrigsten Arbeiten tun, und das hat ihm diesen Lobestitel eingetragen. Udoti kam gerade vom Biertrinken heim, und uran merkte ihm wohl an, daß er etwas zuviel in den Biertopf geguckt hatte. Bei den Eingeborenen gibt es keine Maßkrüge wie in meiner Heimat, dem bierreichen Bayerlande. Ein bauchiger Eintopf macht bei den Schwarzen die Runde. Udotis Frau durfte nicht mit zum Biertrunk. Die Zeit ist zu gefährlich. Sie mußte in den Mais-feldern die Affen vertreiben. Diese grauen, langschwänzigen Treibauf kennen sich nämlich schlecht aus im siebenten Gebot. Ihr Grundsatz lautet: Stehlen, was nur geht. Udotis Töchter waren auch in den Feldern. Sie mußten im Kaffern-korn die Vögel verjagen. Diese federnbeschwingten Räuber der Stifte stehen an Schlechtigkeit den Affen nicht nach. Auch das Mädchen unserer Schule hatte diese lästige Arbeit zu verrichten. Affen und Vögel sind hier wirklich schreckliche Landplagen. Die bewaldeten Schluchten bieten ihnen ein sicheres Versteck. Die Buben hatten die Kühe und Geißen zu betreuen. Udoti war übrigens sehr erfreut über unseren Besuch. Zum Abschied beschenkte er uns mit einigen Maiskolben und einem schönen Kürbis. Weil es schon etwas zu dämmern anfing, mußten wir unsere Schritte eiligst heimwärts lenken. Wir hatten ja noch einen steilen Bergweg vor uns, da unsere Mission wie das himmlische Jerusalem aus dem Berge liegt. Am eine Seele. Von Anna Kayser. Neben der sterbenden Mutter stand der junge Pfarrer, die Augen dunkel und die Zähne gepreßt im harten Kampfe zwischen Sohnesliebe und Priesterpflicht. Unten harrte der Bote, der ihn zu dem verunglückten Müllersknecht ries. Die Hand der Mutter tastete matt nach der seinen: „Nun mußt du gehen, Vinzenz. Ich finde den Weg — zum lieben Gott — allein. Aber der. Hannes ..." Die Lider sielen zu zwischen den irdischen und jenseitigen Dingen. Die Sinne waren schon halb von der Ewigkeit gebannt. Ein schwa- cher Druck der Hand jagte Schauer von Leid durch die Seele ihres Sohnes. Die Liebe in ihm bäumte sich gebieterisch auf gegen die unerbittliche Pflicht. Zu einem Fremden soll er gehen, gar zu diesem finstern Menschen, der seit Jahren seine Hirtenwege unterwühlt und ihm manches Schäflein in die Irre gelockt hat. Und unterdes stirbt ihm hier die Mutter! Kann ein Schicksal so grausam sein und das von ihm verlangen? „Und wenn es denn sein muß, Gott im Himmel, so rufe sie jetzt, in diesem Augenblicke, daß ich ihr die Augen zudrücken und im Frieden meinen Hirtenweg gehen kann!" Seit Jahren ringt er mit Gott uni dieses ärmste Schäflein seiner Herde. Seit Jahren betet und opfert auch seine Mutter für dessen Seele. Der Pfarrer sieht gequält zum Kruzifix über dem Lager hin. „Wer ist mir Vater und Mutter . ..?" hat der Herr einstmals gesagt, als das Erlöserwerk ihn ries. Seine stumme Pein gibt Antwort auf das bittere „Warum". Die Liebe hehrster priesterlicher Opserstunden stürmt wie Pfingstglut im Herzen auf und verklärt das Weh um die sterbende Mutter. Der Pfarrer beugte sich noch einmal nieder zu ihr, die ihn der Erde und dem Altare geschenkt hatte, und sagte mit erstickender Stimme: „Mutter, wenn der liebe Gott dich unterdes ruft, dann sehen wir uns im Himmel wieder." Er hob die Hände, und der, der auch einmal bitterschweren Abschied von einer Mutter genommen hatte, sprach den letzten Segen über sie beide und ihr Opfer. Ihre letzten Worte waren wie ein Hauch: „Geh, und mach ihm — die Himmelstür offen. — Ich warte auf ihn. — Hab Dank für alles ..." Da riß er sich los. In der Tür noch ein letzter Blick, ein letztes „Mutter!" für alle Ewigkeit, und er stürmte, ohne noch einmal umzusehen, zur Kirche, und nach fünf Minuten mit dem verhüllten Heiland hinaus in den Herbsttag, der auch int Sterben lag. Schwalben zogen durch die klare Lust, den: fernen Sonnenlande zu. Ihr rastloser Flügelschlag wußte von nichts mehr, als daß sie keine bleibende Stätte mehr hatten und nach einer besseren strebten. -X- Der alte Müllersknecht tag in seiner Kammer wie eine niedergebrochene Eiche. Der Eisenschwengel der Hängewaage hatte ihn so jäh und wuchtig getroffen, daß er ohne einen Laut niedergesunken war. Der Arzt gab wenig Hoffnung auf ein Klarwerden vor dem Ende. Ein Wunder, daß er nicht gleich totgeblieben war. Die Augen, die den Pfarrer noch vor kurzem bei deut Versuch, einen Weg zu seiner vertnauerten Seele zu finden, düster und unheimlich angefackelt hatten, lagen reglos unter den geschwollenen Lidern. Nur die zuckenden Wimpern verrieten noch Leben. Der Mmrd, der so manchen wilden Fluch aus- und so manchen Rausch eingelassen halte, stand schwer röchelnd offen. Das schwarze Haar hing wirr und blutverklebt über die knitterige Stirn, die stier und düster das Geheimnis eines verlorenen Sb^bh^ Ijütete. An den kahlen Wänden sprach kein tröst- Lerbst in -Südwestafrika. — Ein Kafsernmädchen trägt die reifen Trauben, die Früchte des Herbstes, auf ihrem Kopfe. Das Bild stammt aus Windhoek, Südwestafrika, wo die deutschen Oblateumissionäre nach dem Vorbild alter Orden auch den Weinbatt betreiben. Überschwemmung und ihr Gegenteil, übermäßige Trockenheit,' dazu Heuschreckenplagen haben dort seit längerer Zeit einander abgelöst. Afrikanischer Büchsenmacher. — Die Szene stammt aus Lulna im südlichen Teil von Bel-gisch-Kongo an der Grenze von Portugiesisch-Angola. Der Eingeborene verfertigt einen Gewehrkolben für eine Büchse alten Kalibers. Ein belgischer Franziskaner, der mit feinen Ordensbrüdern dort arbeitet. Hat das Bild aufgenommen. liches Zeichen von Gotterbarmen über Menschensünde. Das kleine Kreuz und die geweihten Kerzen auf dem Holzschragen hatte die alte Magd gebracht. Der Heiland hatte es armer in dieser Kammer als einst im Stalle. Der Müller und seine Kinder hatten sich zwar tief vor ihm gebeugt, als er über ihre Schwelle kam, aber der düstere Gast mit der Sense hatte sie in ihre Stuben verschreckt. Sie saßen nun wohl und warteten, daß der Tod sie von dem Menschen erlöse, den sie nur aus Angst und Mitleid noch unter ihrem Dache geduldet hatten. Der Pfarrer saß am Bett des Bewußtlosen und hielt seine Hand in der seinen. Mit dieser harten Hand, so ging ein heimliches Gerücht, sollte er seine eigene Mutter geschlagen haben. Ihr Fluch habe ihn unstet gemacht. Der Priester lauschte auf jeden Atemzug aus der röchelnden Brust, nach einem einzigen lichten Augenblicke hungerte er. Die lange, lange Ewigkeit hing daran. Und auf jeden Augenblick wartete er, der ihm Kunde bringen könnte, daß seine Mutter heimgegangen sei. Ihm war, als raune es ihm eine heimliche Stimme zu, daß sie noch nicht fort könne, daß sie noch auf eine andere Seele warten müsse, auf die dunkle des schwarzen Hannes. Das Opfer ist ein Schlüssel zu ewigen Toren. Wie ein Räuber reißt es Verlorene vom Abgrunde und bezahlt für sie das Lösegeld. Langsam fiel die Dämmerung in die Kammer. Eine ge- witterhaste Schwere lastete auf der Mühle. Die Räder standen still. Ein Vogel strich schwer am Fenster vorbei. Der Müller schaute düster herein. Immer noch kein Zeichen? Wenn er so hinstarb, würden sie ihn an der Kirchhofsecke einscharren müssen. Zu jedem Ostern hat er ihn an seine Pflicht gemahnt; Spott und Verwünschungen waren die Antwort. Der Priester betete und wartete. Die Angelusglocke. läutete. Der Pfarrer lauschte mit angehaltenem Atem, ob nicht Kleppklänge folgten. Es blieb still. Die Mutter war noch auf der Erde. Er sank auf die rauhen Dielen nieder vor dem Heiland der Zöllner und Sünder, sein ganzes Herz legte er in den Schrei seiner Priesterseele: „Herr, erbarme dich seiner, wie du dich des Schächers erbarmt hast! Wirf deinen Zorn auf mich, auf ihn dein Erbarmen! Ich kann nicht in deinem Himmel sein, wenn diese Seele, die du meiner Hirtensorge unterstellt hast, in den Abgrund sinkt." Es war, als hätte der beschwörende Schrei die Seele des Hannes von dunklen Ufern zurückgerufen. Nun irrte sie in -ben wüsten Gründen ihres schuldvollen Lebens. Wirre Stammellaute kamen plötzlich über die blaugespannten Lippen. Der Priester legte sein Ohr an den offenen Mund. Er verstand nichts als ein gurgelndes: „O — Mutter! — O — Gott!" Er griff nach seiner Hand, er flüsterte ihm atemlos Worte zu, Stern der Neger 105 Heft 7 Kirche aus Bambus. — Die Kirche, ganz aus Bambusstäben hergestellt, befindet sich in der katholischen Mission Nyeri in der Kolonie Kenya, Britisch-Ostafrika. Die Consolata-Missionäre von Turin sind dort die Seelsorger. die den ärgsten Gotteszorn besiegen, wenn die Reue sie spricht. Wie im Krampf preßte des Hannes harte Hand die seine. Ein Schluchzen stieß aus der Brust. Dem Priester war es der Reueschrei des verlorenen Sohnes: „Vater, ich habe gesündigt . . ." Das war nicht mehr der böswillige Sünder, der ihm so manchen Stein unter die Herde geworfen hatte. Ein an Gottes Hürden Zusammengebrochener lag da. Als die letzten tröstlichen Worte der kirchlichen Seg-nungm ausgeklungen waren, lag der Körper ganz still. Der schwarze Hannes stand vor seinem Erlöser. „De profundis clamavi ad te, Domine. . betete der Priester erschüttert. „Wenn du der Sünden gedenken willst, Herr, wer wird vor dir bestehen?" Dann drückte er dem Toten die Augen zu mit einem stummen Bitten, daß das ewige Licht ihm heller leuchte als das der Erde. Wie ein Sturmwind jagte er heim. Gott, wenn sein Mütterlein doch noch lebte! Schauer von Glück und Angst stürmten durch ihn hin. Am Pfarrtor begegnete ihm der traurige Bote. Er kam eben recht, auch der toten Mutter die Augen zuzudrücken. Der Schmerz erstickte ihm die Worte des Segens im Muüde. Es zwang ihn nieder, überwältigt von dem Frieden, der im leise lächelnden Angesichte der Toten lag. So zufrieden hatte er sie in ihrem langen Leben noch nie gesehen. Im Westen standen die abendlichen Wolken gegeneinander wie offene Tore. Mond und Sterne zogen wie tröstliche Boten einer überirdischen Lichtwelt herauf und besiegten das Dunkel der Erde. Die Viehzucht bei den Bapedi» Von Br. August Gogol. (Schluß.) Oft weiden mehrere Herden in nächster Fallen, sowie in der Herstellung von Schutz-Nähe, so daß die jungen Hirten sich gegen- dächern gegen den Regen unterweisen kön- seitig in der Verfertigung von Waffen und nen. Sie lernen Namen und Eigenschaften von Pflanzen und die Spuren und Gewohnheiten wilder Tiere kennen, lernen Schlingen legen und jagen. In dieser rauhen Schule sammeln die Knaben Erfahrungen fürs Leben. Sie halten Scheingefechte ab, wirkliche Schlägereien sind auch keine Seltenheit bei ihnen. Junge Rinder zu reiten ist täglicher Zeitvertreib. Oft veranstalten sie Wettkämpfe zur Erprobung ihres Wagemuts, ihrer Stärke, Schnelligkeit, Behendigkeit, Sehschärfe, Ausdauern und Geschicklichkeit. Eine beliebte Unterhaltung sind aufregende Stierkämpfe. Der rote Afrikaner-Stier ist ein beachtenswerter Kämpe, dessen große, spitze Hörner gefährliche Waffen sind. Der angreifende Bulle wird immer versuchen, seine Hörner dem Gegner unter die Rippen zu rennen, was dieser seinerseits zu verhindern trachtet. Kaffeepflanzung. — Bischof Josef Sweens von den Weißen Vätern, der frühere Apostolische Vikar von Viktoria-Nyanza in Britisch-Ost-afrika, 'besichtigt gerade eine Kaffeepflanzung auf der katholischen Mission Rubya. In Ostafrika werden große Mengen ausgezeichneten Kaffees gewonnen, besonders in Kenya und Tanganjika, wo eine hochfeine Qualität wächst. Viehhüten gehört zu den Übungen der Mannbarkeitsschule des Stammes. Das scheint keine besonders geeignete Beschäftigung für die heranwachsende Stammesjugend zu sein. Es ist dies aber eine Überlieferung früherer „besserer" Zeiten, da die Bapedi große.Rindviehräuber und die Hirten gleichzeitig die Krieger des Stammes waren. ^ Seit den Tagen, da unter den Bantu-Stämmen Viehraubzüge häufig vorkamen, wird bei den Bapedi die „Mafischa"-Sitte beobachtet. Diese besteht darin, daß der einzelne Viehbesitzer seinen Viehbestand nichi in einem einzigen Kraal beisammenhält, sondern ihn auf verschiedene befreundete Gehöfte verteilt und selbst fremdes Vieh in Verwahrung übernimmt. Auf diese Weise stach der Reichtum des einzelnen nicht in die Augen und reizte nicht die Habsucht der Großen und Neider, wie auch der einzelne nie seinen ganzen Viehbestand auf einmal einbüßte, wenn auswärtige Viehräuber vereinzelte Gehöfte oder Dörfer plünderten. Diese Sitte hat sich wegen ihrer Vorteile auch heute noch erhalten. Der Freund, bei dem Vieh eingestellt ist, kann dieses benutzen und die Milch. desselben verwerten, doch gehört ihm der Zuwachs von Kälbern nicht. Der Besitzer des Viehs hat für die Unkosten des Schutztauchens und dergleichen auf-zukommen. Wenn ein Tier eingeht, hat der Freund den Fall zu berichten, sonst kann er dafür verantwortlich gemacht werden. Jedenfalls ist er zum Schadenersatz verpflichtet, wenn er das Fleisch des toten Tieres verbraucht. Die Bapedi sind große Liebhaber von Fleisch, und verzehren selbst Tiere, die ein Seuchen eingegangen find. Wenn aber ein Tier vom Blitze erschlagen wurde, darf sein Fleisch nicht gegessen werden. Es ist jungen Leuten verboten, Hirn, Eingeweide oder Fett zu essen, Leckerbissen, die den Alten und Zahnlosen Vorbehalten sind. Außer bei festlichen Gelegenheiten bringen die Bapedi es schwer über sich, ein Rind zu schlachten; dagegen töten sie gerne Ziegen oder Hühner. Der Hausvater nimmt die Tötung vor, indem er das Tier schäch-tet; Hühner werden durch Abschneiden des Kopfes geschlachtet. Bei der Größe des Landes kommt es nicht Heft 7 Stern der Neger 107 selten tior, daß das eine oder andere Stück Vieh verloren geht, i). h. sich verläuft. Der Eigentümer entlaufenen Viehs hat dem Besitzer der Weide, wo es erwischt wurde, dem Gesetze nach eine Geldbuße zu zahlen, die um so größer ist, je länger das Vieh sich auf unberechtigter Weide aufgehalten hat. Gegen Sonnenuntergang werden die Herden den Kraalen zugetrieben, wo die Tiere in Pferchen nächtigen. Diese sind von Steinmauern, Holzzäunen, Dornverhauen oder lebenden Hecken eingeschlossen. Der Rinderpferch nimmt häufig die Mitte der Gehöfts-anlage ein. Das Rindvieh findet wie in früheren Zeiten auch- vielfach- jetzt noch als Tauschmittel Verwendung. Vor allem dient es bei Abschließung von Heiraten als Brautpreis, ohne dessen Erlegung keine regelrechte Pedi-Ehe denkbar ist. Bei allen Bantustämmen hat der Mann die Zustimmung der Frau durch einen „Brautpreis" gn erlangen. Der Sinn dieser Sitte ist der, die Frau soll sich dem Manne „nicht au den Hals werfen", sondern muß bewogen werden, ihm aus freien Strikten ihr Herz zu schenken. Der „Brautpreis" ist das Zeichen und Siegel, das öffentlich auf das beiderseitige Übereinkommen gesetzt wird. Der Empfang dieser Gabe seitens der Familie des Mädchens ist deren öffentliche Anerkennung der Beziehungen zwischen dem Freier und ihrer Tochter. Diese Heiratsgabe macht die Ehe gültig und berechtigt den Mann zur Unterstützung seitens der Familie seiner Frau, im Falle letztere seiner überdrüssig werden sollte, wie sie auch der Frau eine gute Behandlung seitens ihres Ehemannes zusichert. Sie verpflichtet ferner den Ehemann, sich so zu benehmen, daß seine Frau keinen Grund habe, ihn zu verlassen; denn in diesem Falle kiese er Gefahr, des für sie bezahlten Viehes verlustig zu gehen. Sie bindet aber auch die Frau an ihren Mann; denn wenn sie ihn ohne triftigen Grund verließe, entständen Streitigkeiten mit ihrer eigenen Verwandtschaft, von der der Ehemann seine Heiratsgabe zurückverlangen könnte. Sie sichert schließlich der Nachkommenschaft die Rechtmäßigkeit, was in dem Sprichwort zum Ausdruck kommt: „Nicht vom Manne werden die Kinder ge- zeugt, sondern vom Vieh, das er für die Mutter gegeben hat." Die Bcipedi nehmen die Zumutung oder Behauptung, sie verkauften ihre Töchter, sehr übel. Sie betrachten- diese Sitte von einem ganz anderen Gesichtspunkte aus. Es ist des Weibes Pflicht, für die Nahrung des Mannes wie überhaupt für den Haushalt zu sorgen. Der Ehemann gewinnt also diese Dienste, während die Familie der Frau einen entsprechenden Verlust erleidet. Diese Dienste und die Fähigkeit der Frau, dem Manne Nachkommenschaft zu schenken, erwirbt oder bezahlt der Brautpreis. Kleine javanische Wasserträger. - Die Knaben verkaufen frisches Trinkwcisser. Eigentümlich sind die Wasserbehälter, die aus dicken, hohlen Bambusrohren bestehen. Java gehört zu šol-ländisch-Ostindien, wo die katholischen Missionen in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht haben. Das ausgezeichnete Jahrbuch der „Katholischen Mission in Riederländisch-Ostindien'' weist für das Jahr 1934/35 einen Zuwachs von 14.643 katholischen Erwachsenen in den dortigen Sprengeln auf. Die Gesamtzahl aller Katholiken beträgt jetzt 417.787, während weitere 36.323 sich als Tausbewerber auf den Eintritt in die Kirche vorbereiten. Javanische Seidenstickerei nach einem europäischen Vorbild. (Aachener Missionsmnseum.) Der Brautpreis (Bohadi) für eine gewöhnliche Frau ist fünf, sechs oder acht Stück Rindvieh (die Zahl sieben wird abergläubischerweise vermieden), die einen Geldwert von 500 bis 800 RM. darstellen. Bei Häuptlingsehen ist die Zahl der Rinder unbeschränkt. Ehescheidung ist bei den heidnischen Ba-pedi im Grunde nichts anderes als die Rückkehr des Heiratsviehs zum ursprünglichen Besitzer. Wenn ein Mopedi zur Bezahlung seiner Kopfsteuer kein bares Geld hat, so muß sein Viehstand dafür bürgen. Geht eine Kuh oder ein Kalb nach dem Verkauf ein, ohne zuvor zum Nutzen des Käufers gekälbert zu haben, so ist der Verkäufer nach Stammessitte verpflichtet, ihm ein Ersatztier zu geben. Die Verpflichtung fällt weg, wenn das Eingehen des Tieres ihm nicht berichtet oder wenn ihm vom Käufer der Verbrauch des Fleisches verweigert wurde. Wirft eine Kuh Zwillingskälber, so hat der Häuptling das Recht, die drei Tiere anzufordern und hat dafür eine Kuh mit einem Kalbe in Tausch zu geben. Das Rindvieh ist einem Hirtenstamme überaus teuer; er verwendet es deshalb auch zu liturgischen Zwecken. So ist zunächst der Ochse das ideale Opfertier, obwohl jedes andere Haustier als Opfergabe an die Ahnengeister in Betracht kommen kann. Oft wird Rindvieh den Geistern „gewidmet" und darf dann nicht verkauft oder sonstwie verwendet werden. Geschlachtet wird es erst, wenn die Geister den Wunsch danach durch des Zauberers Mund kundtun. Die Geister der Verstorbenen nehmen großen Anteil an den Dingen dieser Welt, besonders am Rindvieh. Sie werden zum Mitleid gerührt, wenn die Herden zur Zeit der Dürre nach Wasser brüllen, und wenden sich an den großen Geist (Gott), daß er Regen auf die Erde sende. Dem verstorbenen Großhäuptling wird dadurch ein würdiger Eintritt in die Gefilde der Götter gesichert, daß viele Ochsen bei seinem Begräbnis geschlachtet werden, damit einerseits das Trauerfest zu einer eindrucksvollen Kundgebung werde, und anderseits der „neue Gott" bei seinem Eintritt in die Geisterwelt von einer großen Rinderherde begleitet sei, wie es dem Vertreter eines Hirtenstammes zukommt. Die heidnischen Bapedi sind sehr abergläubisch. Sieht man eine Kuh oder einen Ochsen auf einem Termitenhügel, so ist ein Unglück zu gewärtigen. Wird ein Stier zur Zeit der wachsenden Saat geschlachtet, so entstehen heftige Winde. Schlägt ein liegendes Rind mit der Schwanzquaste den Boden, daß ein dumpfer Ton entsteht, so wird sicherlich ein Mitglied der Familie des Herdenbesitzers sterben. Die Bapedi benutzen ihre Ochsen zum Bespannen ihrer Pflüge und Wagen. Aus den Rinderfellen stellen sie Kleider, Sandalen und Schlaflager her. Stern der Neger 109 Heft 7 Llmschau. Die japanische Frau einst und jetzt. In den Grundzügen ihres Wesens ist die japanische Frau der Europäerin gleich. Klima, völkische Eigenart, Überlieferung und Kultur des Landes geben ihr allerdings besondere charakteristische Merkmale. Der Suden Japans hat Tropenhitze, der Norden, besonders die Insel Hokkaido, im Winter sibirische Kälte, im Sommer einige Wochen Tropenhitze. Starker, plötzlicher Temperaturwechsel, unberechenbare Witterungsumschläge kennzeichnen das Klima Japans und finden ihr Abbild im Charakter der Landesbewohner. Da findet fies) das Gefühlvolle, Warme des Südens, das kalt Abstoßende des Nordens, das ruhig Gelassene der lgemäßigten Zone, nicht immer in harmonischem Ausgleich, sondern in unnatürlichem Neben- und Durcheinander. Freilich ist erste Regel, die schöne Form nach außen zu wahren, die durch die buddhistische Morallehre „Tue das Gute in schöner Form" zu heroischer Selbstbeherrschung erzieht. Die Erziehung der Kinder ist in Japan in mancher Hinsicht anders als in Europa. Man nennt Japan das Kinderparadies. Eine große Kinderzahl ist vielfach noch das Glück und der Stolz der Familie. Eine kinderlose Frau wird oft verstoßen. Kaum ein Kind fühlt 'die Rute; und doch gibt es japanische Mütter, die aud), so ihre Kinder musterhaft erziehen, tüchtige Menschen bilden ohne Schelten und körperliche Strafen. Daneben zeigen sich auch böse Folgen des Verhätschelns und Verwöhnens: wie starker Eigensinn, heftiger Hang zur Bequemlichkeit, Mangel an Selbstbeherrschung. Für das japanische Mädchen bildet der Anstandsunterricht, der in den höheren Schulen vom ersten bis zum dritten Jahrgang ordentliches Lehrfach ist, ein starkes Mittel zur Erziehung und Willensbildung. Der Moralunterricht gibt die Begründung für die Pflichten, die die sozialen Beziehungen von einem vollwertigen Mitglied der menschlichen Gesellschaft fordern. Das ist aber auch die einzige sittliche Vertiefung für das starre System der japanischen Etikette. Religiöse Beweggründe fallen vollständig fort. Die Töchter der Vornehmen lernen zur Verfeinerung des Beneh- mens zudem noch! die langweiligen Teezeremonien und zur Schulung des Schönheitssinnes kunstvolles Blumeneinstecken. Dieser Unterricht erzieht sehr zur Ruhe. So kam vor Jahren eine vornehme Japanerin zur Leiterin einer höheren Mädchenschule. Die ratlose Mutter wußte kein Mittest mehr, um ihre Heranwachsende Tochter zu einem gesitteten Wesen zu erziehen. Auf dem Spielplatz mit Bällen spielen, am liebsten mit dem Fußball der Brüder, war ihr eine Lust.. In Gegenwart von Besuch auch nur fünf Minuten still und artig zu hocken, brachte sie nicht fertig. Die Schulleiterin, eine Ordensfrau, gab der Mutter folgenden Rat: „Lassen Sie Ihre Tochter Teezeremonien lernen!" Die Tochter kam zum Unterricht; es kostete manchen inneren Kamps, Javanische Stockpuppen, wie sie auf der ganzen Insel Java verbreitet sind und die alten Göttersagen lebendig bleiben kaffen. (Aachener Missionsmuseum.) Javanische Wajang-Figuren, wie sie bei den verbreiteten Puppenspielen auf Java (Nieder-ländisch-Indien) benützt werden. Die Figuren werden aus Büffelleder hergestellt und dann mit dem Meißel ausgeschlagen, damit sie im Schattenspiel wirken. (Aachener Missionsmuseum.) aber nach zwei Monaten war aus dem Wildfang eine ruhige, vornehme Japanerin geworden. Wohl kaum ein Mädchen des modernen Europa brächte soviel 'Geduld und Ausdauer auf, als diese Fächer von der jungen.Japanerin fordern. Bis zum letzten Jahrzehnt hatte die Erziehung des Mädchens nur den Zweck, auf eine möglichst gute Verheiratung vorzubereiten. Rach der Schulentlassung blieb die erwachsene Tochter im Elternhause. Kimono (Kleider) anfertigen, ganz mit der Hand genäht, Teevisiten machen und dergleichen Spielereien bildeten die Hauptbeschäftigung der Haustochter. In der Stadt wenigstens, denn auf dem Laude arbeitet die Tochter auch heute nocEji in langen Stiefeln und Beinkleidern, die sie über dem Kimono trägt, in den sumpfigen Reisfeldern und auf dem Gemüseacker. Die Töchter werden meist im Alter von 19 bis 24 Jahren verheiratet, das heißt von den Eltern einem Bewerber zur Frau gegeben. Früher gaben die Eltern das Heiratsversprechen zumeist schon in der frühen Jugend der Kinder. In konservativen Kreisen hält man auch noch an der Sitte fest, daß die Braut den Bräutigam am Hochzeitstage zum erstenmal sieht. Bleibt die Frau kinderlos oder gefällt sie dem Manne oder den Schwiegereltern nicht, so kann sie auf Verstoßung rechnen. Jni Süden Japans war es früher Brauch, daß die Mutter der Tochter vor der Hochzeit eilt großes Messer zum Geschenk gab. Das Messer sollte sie mahnen, alle Schwierigkeiten bis zum äußersten zu tragen. Käme es aber.zur Verstoßung, sollte sie damit Selbstmord verüben; denn die Verstoßung ist eine Schande für die Familie. Wir verstehen, daß eine gewisse stumpfe Gleichgültigkeit bezüglich des eigenen Schicksals die junge Japanerin beherrscht. Sie wird noch, erhöht durch die den Orientalen eigene Passivität. Darin findet das fast sprichwörtlich gewordene japanische Lächeln seine Haupterklärung. Die Japanerin muß lächeln bei frohen Ereignissen wie bei Unglücksfällen; selbst beim Tod naher Verwandter muß das Gesicht ein Lächeln zeigen. Es ist das Lächeln Buddhas — gefühllos, wie eine Maske die zerrissene Seele verdeckend. 'Wird das Leid zu groß, das Unglück zu tragisch, dann greift die japanische Frau viel-fad) zu dem im Lande so beliebten Selbstmord. Augenblickliche ist es Modesache, sich in einen alls der Insel Qshima bei Tokio tätigen Vulkan zu stürzen, ©aä gilt als „schöner Tag", als heroische Tat. Doch lebt in manchen japanischen Frauen sehr viel Seelenstärke. Wie könnten sie sonst ihr schweres Los tragen, schweigend tragen? Unter den Neuchristeu gibt es Monikaseelen, die auch im bittersten Leid nicht verzagen, die für die ganze Familie und für ihr Volk Vermittler des wahren Glaubens werden. Eine gewisse Verschlossenheit ist den Japanern eigen, die durch Empfindlichkeit noch verstärkt wird. Darum ist es auch sehr schwer, namentlich für Ausländer, das Innenleben der Japaner zu verstehen. Der religiöse Typus ist unter den Frauen Japans stark vertreten. Pilgerfahrten zu den berühmten buddhistischen und schintoisti-schen Heiligtümern, häufige Tempelbesuche, tägliche Opfer vor den Hausgötzen sind die gewöhnlichen Äußerungen der religiösen Betätigung. Bei größeren Tempeln bestehen oft auch Klöster für buddhistische Nonnen. Ill Heft 7 Stern der Neger Durch strenges Bußleben wollen sie nach dem Tode zu einem glücklichen Leben als „Hotoke" (zur Gottheit erhobene Seele) gelangen. Wie schade um dieses irregeleitete Sehnen und Streben! Erscheinen solche Menschen wie vorbereitet für den christlichen Glauben, so gibt es, hier wie überall auf der Welt, auch unter den Frauen oberflächliche Charaktere, die scheinbar ohne tieferes religiöses Bedürfnis genug haben an schönen Kleidern und langweilstillenden Teegesellschaften, Kinos und Reisen. Mit der Regierungszeit des berühmten Kaisers Meiji hat eine völlige Wandlung der japanischen Verhältnisse eingesetzt. Hatte Japan bis dahin fast ganz den ausländischen Einfluß ferngehalten, so öffnete es sich, jetzt der Welt. Die von Osten und Westen hereinschlagenden Wellen haben auch das Leben der Frau zum Teil umgestaltet. Bis dahin konnte man überhaupt nicht von Rechten der Frau sprechen. Bis zu ihrer Verheiratung mußte sie dem Vater gehorchen, nach seinem Tod dem ältesten Bruder ober einem Onkel. Die verheiratete Frau war eigentlich nur Sklavin des Mannes. Jetzt kann auch die Frau Eigentum erwerben. Aber eine alleinstehende Frau ist auch heute noch, selten zu finden. Immer noch soll jedes Mädchen, gesund oder nicht, heiraten: wohl mit ein Grund für die hohe SterblichkeitsZiffer in Japan, vielleicht die höchste der Welt. Die Teilnahme an Industrie und moder-nem Berkehrsleben trägt weiter zur Änderung der Lage der Japanerin bei. Das junge Mädchen arbeitet im Büro, am Postschalter, am Telephon, als Schaffnerin im Autobus. Soweit es sich nur irgendwie ermöglichen läßt, besucht das japanische Mädchen eine höhere Schule, lernt Englisch, um später selbst sein Brot verdienen zu können. Das Schulwesen Japans hat sich nach amerikanischem Muster geformt. Die japanische Hochschule zeigt deutschen Einschlag. Für die Frau haben sich erst vor einigen Jahren die Tore der Universität geöffnet. Für die Ausbildung der Frau zur Ärztin bestehen schon länger Fachschulen. Fähige junge Ärztinnen suchen an Universitäten Vertiefung und Erweiterung ihres Wissens, haben aber noch manche Schwierigkeiten, um sich durchzusetzen. Im vorigen Sommer hat an der Universität Sapporo die erste Frau ihr Staatsexamen in Naturwissenschaft gemacht. Sie ist jetzt Lehrerin an der höheren Mädchenschule der deutschen Franziskanerinnen. Bereits kann man von einer Krise der japanischen Frau sprechen, hervorgerufen durch das Aufgeben der Häuslichkeit, durch überstürzte Emanzipation. Das Haar wird geschnitten, der Kimono durch moderne europäische Kleider verdrängt. ^ Die weißen Socken werden mit farbigen Strümpfen vertauscht und die Geta (japanische Holzschuhe) müssen den Stöckelschuhen weichen. So gibt die japanische Frau, auch Lächeln des Kannibalen. — Es ist einer vom „Kateipe"-Typ aus dem Papuagebiet in Süd-Neuguinea, wo Kannibalismus und Kopfjägerei bis vor Jahren noch zu Äause waren. Neuguinea ist ein üppiges Tropenland mit schönen Vögeln, seltenen Tieren und starkem Menschenschlag. Vor 50 Fahren betrat der erste Missionär das eigentliche Land der Papuas; zuvor gab es nur Missionen auf den anliegenden Inseln. Im Vikariat Papua betreuen die Äerz-Iesu-Mis-sionäre zurzeit 18.000 Katholiken. Karineliterinnen aus Autun (Frankreich) haben letzten Dezember dort ein Kloster gegründet. ohne zu wissen wie, das Beste ihres Wesens preis, das sittsam Frauliche, das ihr so gut anstand. Dabei wird das soziale Elend größer, die Frauenfrage auch in Japan zu einem schweren Problem. Seitdem das katholische -Christentum in Japan Fuß gefaßt hat, ist das Ideal der gottgeweihten Jungfräulichkeit im Ordensstande mehr und mehr das Ziel edler Japanerinnen geworden. Die Neigung der Orientalen zum Beschaulichen, Geruhsamen, zur Innerlichkeit gibt schon gute Vorbedingungen für das Ordensleben. Daraus erklärt sich das rasche Aufblühen des Trappistinnen-klosters bei Hakodate-Südhokkaido. Trotz der äußerst strengen Lebensweise besteht die Klo-stergemeinde aus 19 ausländischen und 91 einheimischen Mitgliedern. Sogar Heidinnen, die noch nichts vom katholischen Glauben wissen, bitten nicht selten um Aufnähme. Erst kürzlich kam eine junge Japanerin an die Klosterpforte. Sie wollte Trappistin werden. Aus die Frage, wie lange sie schon katholisch sei, sagte sie erstaunt: „Katholisch, was ist das?" Sie kannte die katholische Religion nicht einmal dem Namen nach. In einer Zeitschrift hatte sie etwas von den Trappistinnen gelesen und sich für deren Lebensweise begeistert. Gerade das beschauliche Leben hat starke Anziehungskraft für die Japanerinnen. Spanische Anbetungsschwestern in Tokio, die vor fünf Jahren dort ein Haus eröffneten, haben schon mehr Anmeldungen von Kandidatinnen, als sie aufnehmen dürfen. Auch die einheimischen tätigen Genossenschaften mit ihrer Apostolats- und Karitasarbeit nehmen eine erfreuliche Entwicklung. Die blühendste unter ihnen, die Seishin- Aishi-Kwai („Töchter vom göttlichen Herzen") wurde vor vierzehn Jahren in Akita, von einer deutschen Schwester gegründet. Die Mitglieder abbeiten in Spitälern^ Altersheimen, Kindergarten und suchen Kranke in ihren Wohnungen auf, um ihnen für Leib und Seele Hilfe zu bringen, vor allem aber, um sie auf ibte heilige Taufe vorzubereiten. Es ist erstaunlich, mit wieviel Liebe, Geduld und Eifer diese jungen Japanerinnen, meist Neuchristen, von morgens früh bis abends spät den Werken der Karitas nachgehen. Die Behörden zeigen SBetftärtbmä für die selbstlose Arbeit der Schwestern und gewähren ihnen für ihre Unternehmungen finanzielle Beihilfe. Die Gründerin und jetzige Generaloberin dieser Genossenschast, Mutter Theresia Ellerhaus (mit japanischem Namen Misono) erhielt schon mehrmals ehrende Auszeichnungen vom japanischen Hof und, was wohl einzig dasteht in der japanischen Geschichte, im Herbst 1932 eine Einladung an den kaiserlichen Hof und eine Audienz beim Kaiser. Vor einigen Monaten hat die Regierung der Genossenschaft in Okayama ein Haus zur Verfügung gestellt, das sie unentgeltlich- für ihre Zwecke gebrauchen daps. Die noch junge Kongregation, die hier im Heidenland mit vielen Anfangs-schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist bereits über vier Diözesen verbreitet. Entstehung und Entwicklung der Aishi-Kwai ist so recht ein Beweis für das Walten der Vorsehung, die das Arme und Kleine gebraucht, um Großes für die katholische Kirche in Japan zu schaffen. Die Tochter eines früheren Ministers und eine Tochter des berühmten Admirals Wamamoto sind im Aishi-Kwai eingetreten. Im Banne der 9ZgiL* Ein Roman aus Kamerun von Hermann Skolafter. (Fortsetzung.) Neben dem Palmwein spielte aber der aus Europa eingeführte Branntwein eine große Rolle. Seit mehreren Jahren befand sich in der Nähe des Dorfes die Niederlage einer englischen Handelsgesellschaft. Mister Mill- * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Lerder & Co. in Freiburg (Breisgau), Baden. ner hatte durch große Geschenke von Dende die Genehmigung erkauft, dort zu wohnen und zu handeln. So groß aber auch die Freude war, europäische Waren gegen Gummi und Elfenbein eintauschen zu können, ebenso groß war Dendes Besorgnis, wenn er sah, daß bei einem Teil der männlichen Bevölkerung von allen Werkaufsgegenstän- den der Branntwein am begehrtesten war und welche Folgen er zeitigte. Es war Mode geworden, bei allen Veranstaltungen eine jener grünen Kisten zu kaufen, deren Inhalt zwölf viereckige Flaschen mit Gin bildeten. Man konnte sich kein Fest mehr denken ohne Branntwein. Dende selbst trank äußerst mäßig, aber viele Männer, die den Trunk des Rausches wegen liebten, waren mit Palmwein nicht mehr zufrieden zu stellen. Auf ihr Drängen verstand er sich denn auch heute fragil, die beliebte grüne Kiste holen zu lassen. Unter den jungen'Leuten, die dem Branntwein 'fernblieben, machte der Palmwein die Runde. Auch! Ntonga gehörte zu ihnen. Die allgemeine Fröhlichkeit hatte sein Gemüt wieder erhellt. Er hielt seinen Kameraden eine englische Rüde. Es war ergötzlich anzusehen, wie er den Mund verzog, um die englische Sprechweise wirksam darzustellen. Die Zuhörer verstanden natürlich! kein Wort. Mit gut gespieltem Ernst hörten sie zu. Die Verrenkung fr er Gesichtsmuskeln gefiel ihnen so sehr, fraß ijte zur Nachahmung angetrieben wurden. Wie auf Kommando brachen sie dann in schallendes Gelächter aus. „Ach, Ntonga", riefen sie, „das hast du gut gemacht! Gebt ihm zu trinken, er hat es verdient." Ein Bursche, der hinter Ntonga stand, schüttete den Kokosnußbecher voll Wein, nahm eine Fliege, deren es immer in den Kalebassen gibt, mit dem Finger heraus und reichte ihm den Becher hin. „No drink!“ Eine zarte Frauenstimme rief die Worte in die Gruppe hinein. Ntonga schaute nach den Hütten der Frauen hin. Er sah niemand. 01)116 Zweifel hatte Elesa gerufen. Nur sie hatte von ihm ein paar englische Worte gelernt. Da sprang des Häuptlings jüngster Sohn, ein mutwilliger Knabe und rechter Bruder Elesas, über den Platz. Schreiend, wie es die Kinder bei Fangspielen gewohnt sind, stürmte er zwischen den jungen Männern durch und stieß dabei an Ntongas Arm, daß der größte Teil des Inhalts aus seinem Becher verschüttet wurde. „Frecher Bengel!" rief man ihm nach. Doch der Knabe lachte nur und lief weiter. „No drink!“ schallte es noch einmal von den Frauenhütten herüber. Ntonga hielt deiw Becher noch in der Hand. Fragend schaute" In bett Bergen von Formosa. — Das auf Pfählen gebaute Laus steht im fast unzugänglichen Gebirge von Formosa, der japanischen Insel, die jüngst von Erdbeben, Vulkanausbruch und Feuersnot schwer heimgesucht wurde. Die dortigen Gebirgsbewohner suchen immer noch der Regierung gegenüber ihre Unabhängigkeit zu wahren. Ihre Turmhütte dient zugleich als Ausguck und Luginsland, wenn eine feindliche Annäherung befürchtet wird. Einem der 14 spanischen Dominikaner, die auf der Insel eine Gemeinde von 7000 Katholiken betreuen, ist das Bild zu danken. er den Burschen an, der ihm den Trank gereicht. Es war Suti, der Schieläugige, der wenig beliebt war bei seinen Altersgenossen. Er war auch den ganzen Abend nicht bei ihnen gewesen und hatte sich erst eingefunden, als Ntonga seine englische Rede hielt. Daß er als neu Ankommender sich einen Trunk gestattete, konnte man ihm nicht verweigern. So hatte er die Kalebasse noch in der Hand, als Ntonga endigte und zum Trinken aufgefordert wurde. ' Ntonga reichte ihm den Becher zurück. „Trink du selbst", sagte er. Höhnisch lachte Suti, ergriff den Becher und tränt ihn leer. Weiter rauschte die Freude, weiter kreiste der Becher. Nur Ntonga trank nicht mehr. Die Freunde drängten ihn, weiter zu reden. Aber seine frohe Stimmung war verflogen und kam nicht wieder. Der Ernst der Lage, in der er sich befand, stand im Vordergrund. Ein Wermutstropfen war in seinen Freudenbecher gefallen. Warum hatte Elesa gerufen? Drohte ihm Gefahr? Er wollte Suti im Auge behalten. Doch der war ebenso Plötzlich verschwunden, wie er gekommen war. * Während Dende mit Jsaue verhandelte, hatte Eles'a den Ngil bemerkt, der nach der Hütte des Schieläugigen schlich. Da Suti bet seinen Kameraden im Verdacht stand, ein geheimer Anhänger der Ngil zu sein, trieb sie die Neugierde, sich davon zu überzeugen. Durch eine Ritze der Hinterwand beobachtete sie einen seltsamen Vorgang. Der Ngil saß neben Suti auf dem Bett und redete leise auf ihn ein. Unterdessen entknotete er einen kleinen Lederbeutel, den er unter seinem ©etottnl) verborgen trug. Er nahm daraus ein wenig Salbe und bestrich Suti die Spitze des rechten Zeigefingers. „Nur eintauchen?" fragte Suti. „Eintauchen", war die Antwort. Mimm eine Fliege oder ein Blättchen aus dem Gefäß; das ist genug." — „Und er stirbt nicht davon?" fragte Suti wieder. „Hab keine Angst. Davon stirbt niemand. Aber schlafen wird er zwei Tage wie ein Holzklotz." Elesa fühlte ihr Herz pochen. Für wen war die Salbe, die so tiefen Schlaf bereitete? Gewiß war eine Schurkerei im Gange . . . War Ntonga ihr Ziel? . . . Sie wollte ihn warnen. Nachdem Jambascholl die Hütte verlassen hatte, ging sie zum Festplatz zurück. Dort wurde das Mahl gerüstet. Die Frauen hatten alle Hände voll Arbeit und benötigten ihre Hilfe. Sie hatte keine Zeit, Ntonga aufzusuchen; aber die Sorge um ihn verließ sie keinen Augenblick. AIs Suti kam und sich während der Rede Ntongas unter die jungen Männer mischte, ließ sie ihn nicht aus den Augen. So sah sie, wie er den Befehl des Ngil ausführen wollte, und ihre Warnung wurde verstanden. Der Schieläugige fürchtete, daß er verraten war, und zog sich deshalb bald aus der gefährlichen Nähe Ntongas zurück. Elesa, mutig gemacht dgrch die Gefahr, die sich über dem Haupte des geliebten Mannes zusammenzog, folgte ihm ungesehen. Suti ging zum Hause Jambascholls, um ihm von seinem Mißerfolg zu berichten. Der Ngil war nicht da. Er hatte sein Heiligtum ausgesucht, das weit außerhalb des Dorfes im Walde versteckt lag. Ungerufen durfte dort niemand erscheinen. Frauen hatten überhaupt keinen Zutritt. Immer in Furcht, entdeckt zu werden, schlich Elesa hinter Suti her. In der Mähe der Waldhütte verließ sie den Pfad und bahnte sich mühsam einen Weg durchs Gebüsch. Die Furcht vor den Geistern, die nach dem Glauben des Volkes den Ng.il umgäben, war ihr nicht fremd. Nur der Gedanke an den Gott der Christen, der über alle Geister herrscht, gab ihr die Kraft, weiter vorzudringen. Einmal wäre ifte beinahe in eine Fallgrube geraten. Nun ließ sie sich auf den Boden nieder und tastete ihn ab, ehe sie sich ihm anvertraute. Bei der Hütte angelangt, hörte sie drinnen den Ngil mit zwei Männern reden. „Vor allem laßt euch nicht erkennen", sprach der Ngil. „Nehmt diese Masken mit. Suti wird noch lange schlafen. Ob er mir in Zukunft überhaupt viel nützen kann, ist zweifelhaft, Man hat ihn im Verdacht. Sein Versuch ist mißlungen, macht i h r die Schlappe gut. Jetzt geht! Hier ist die Medizin. Sie schützt euch vor Entdeckung. Bringt ihn her, lebendig oder tot . . ." Der Ngil redete noch weiter. Elesa verließ jedoch, sobald sie das Furchtbare hörte, ihren Posten, um den Waldpfad wenn möglich noch vor den beiden Männern zu erreichen. Das gelang ihr aber nicht. Gerade im Begriff, aus dem Gebüsch herauszutreten, wurde sie durch den Bruch eines trockenen Astes zum Verweilen gemahnt. Die Männer schritten vorüber. Nun mußte sie ihre Eile mäßigen und langsam hinterher gehen. Erst kurz vor dem Dorfe verzweigte sich der Pfad. Sie wählte einen Weg durch die Farmen Dendes. Das war ein Umweg; sie wußte es. Bon Furcht getrieben, daß sie zu spät komme, stürmte sie in wilder Hast vorwärts. Spät nach Mitternacht erreichte das Friedensfest sein Ende. Die Dorfbewohner suchten ihre Hütten aus, um die wenigen Stunden bis Sonnenaufgang der Ruhe zu pflegen. Für die Fremden waren zwei Hütten bereitgestellt. Dende führte sie dorthin. Aber Jsaue, der des Guten zu viel getan, tonnte sich nicht so leicht von seinem Gastgeber trennen. Immer wieder umarmte er ihn. „Das ist eine Freude", lallte er mit schwerer Zunge, „weißt du, wie ich mich freue? Es ist kaum glaublich, solche Freude!" Dabei schluchzte er, daß ihm die hellen Tränen über die Wangen liefen. Nur mit Mühe gelang es Dende, ihn zu seiner Lagerstelle zu bringen. „Ich muß dir noch etwas sagen", begann Jsaue von neuem, „ich habe dir noch vieles zu erzählen . . ." „Morgen, morgen!" sagte Dende und schob das Rindenstück vor, das als Tür diente. Die Leute, die auf der andern Seite des Flusses wohnten, zogen singend und scherzend zum Lohove hinab. Ntonga bat seine Freunde, am Fluß aus ihn zu warten. Er wollte noch! mit Elesa reden, um zu erfahren, inwieweit ihre Besorgnis begründet war. Aber Elesa ließ ljtd> nicht blicken. So schlenderte er, in Gedanken versunken, langsam seinen Freunden nach.. Der Pfad zum Flusse führte an einem kleinen Gebüsch vorüber. Es war hier nur wenige Meter breit, dehnte fick) aber nctdj der andern Seite bis zum Flusse aus. Als Ntonga dieser Stelle sich näherte, kam Elesa wie ein gehetztes Wild über den Dorfplatz gerannt. Mit glühendem Gesicht, mit ausgelöstem Haar, das Kleid zusammengerafft. Wie ein Pfeil slog sie den Pfad hinab. Sie sah den Ahnungslosen im Mondschein wandeln, sah eine vermummte Gestalt aus dem Busch sich erheben und noch eine. Die Angst um den geliebten Mann umkrallte ihr Herz. „Anyambe, o Gott, Ntonga!" schrie sie hinaus. Dann wurde es schwarz vor ihren Augen. Sie taumelte einige Schritte vorwärts und sank zusammen. Ntonga erschrak von dem Schrei und wandte fid}. Im gleichen Augenblick sauste eine schwere Keule durch die Luft. Er bog sich blitzschnell zur Seite. Der Schlag war auf den Kopf gezielt, traf aber nur seine linke Schulter. Er war so gut geführt, daß er einem weniger stark gebauten Menschen das Schlüsselbein zersck)lagen hätte. Ein brennender Schmerz zuckte burdj Mongers Arm. Aber er achtete nidjt daraus. Im Nu riß er sein Dolchmesser aus dem Gürtel und ging gegen die Vermummten vor. Die aber hielten es für geraten, ihre Haut in Sicherheit zu bringen, und rannten davon. „Geht, ihr Feiglinge", ries er ihnen nach, „geht und fragt den Ngil, ob das die Geister. sind, die ihm helfen? Schöne Geister, die vor 'beut Messer eines Mannes die Flucht ergreifen." Dann eilte er zu Elesa zurück. Müde er- ' hob sie den Kopf, aber ihre Augen leuchteten vor Glück. „Ach, Ntonga", sagte sie, „ich bin so glücklich, daß meine Mühe nicht uinsottst war. . . Ich mußte so laufen ..." '6r= schöpft hielt sie inne. „Was ist geschehen?" fragte er. „Du atmest so schnell." „Das tat der Lauf . . . und der weite Weg . . . und die Angst." . „Ich verstehe das nicht. Wo bist du gewesen?" „Still!" bat sie. „Komm hinüber; dort erzähle ick) dir alles." Mit Hilfe Ntongas stand sie vom Boden auf. Er mußte sie stützen, sie schwankte. Drei junge Männer saßen am Ufer auf dem Rand ihres Kanus und warteten auf Ntonga. Erstaunt sahen sie, daß er nidjt allein war. „Was gibt's? Wen bringst du da?" fragten sie wie aus einem Munde. „Ach, das ist ja Elesa, die Perle der Banoho!" „Habt ihr nichts gehört?" fragte Ntonga zurück. „Was sollen wir gehört haben? Die Leute, die über den Fluß fuhren, sangen laut genug." „Elesa fährt mit uns. Sie will bei ihrer Tante übernachten. Auch wird sie uns nodj etwas Neues erzählen." „Gut, das hören wir gern." Schweigend nahmen sie Platz. Laittlos glitt das Kanu über die vout Mondschein erleuchtete Fläche.. Auf deut Wege erzählte Elesa, was sie erlebt hatte. „Seit die Sonne sank", rief Ntonga gerührt, „hast du mir zweimal das Leben gerettet." — „Der Gott der Christen", ent-gegnete sie, „half mir. Ihm werde ich immer danken." — „Auch ich danke ihm", sagte Ntonga, „aber auch dir gebührt mein Dank. Doch sieh, wir sind da. Geh ins Haus, du bedarfst der Ruhe mehr als wir." — „Gute Nacht!" wünschte sie, den Pfad zur Hütte ihrer Verwandten hinabschreitend. Die jungen Männer blieben noch beieinander stehen. Der Schlaf war ihnen bei Elesas Erzählung vergangen. Sie brauchten Zeit, das Gehörte zu erfassen. Der Ngil der Ba-koko war als Betrüger entlarvt; nun sollte Jambascholl ein noch größerer Bösewicht sein? Und diese Leute gaben vor, mit den Überirdischen im Bunde zu stehen. Wie war das möglich? Sie hatten den Beweis in Händen, daß Jambascholl einem der Ihrigen nach dem Leben trachtete. Das war mehr, als ihre kraftstrotzende Jugend ertragen konnte. Das reizte zum Widerstand, wenn es nötig war, mit List und Gewalt. „Der Kampf mit dem Ngil hat begonnen", sagte Mune, der jüngste von ihnen, indem er Ntonga die Hand reichte. „Ich stehe auf deiner Seite. Wenn der Gott der Christen uns den Sieg verleiht, werde ich Christ. Wenn dir der Ngil ein Leid antut, bringe ich ihn um." — „Ich bin auch dabei", nahm Pembe das Wort. „Jetzt wird sich entscheiden, wer der Stärkere ist, der Christengott oder der Ngil. Siegt der Christengott, dann werde auch ich ein Christ." j,Und du, Manga?" wandte sich Ntonga an den ältesten der Gefährten. „Ich? ... Ach so! ... Hm ... ja. W ernt" — er gab dem Wenn eine besondere Betonung — „wenn du glücklich der Rache des Ngil entgehst ... ja .. . dann kann man schon sagen, es ist der Mühe wert, darüber nachzudenken ..." Danach trennten sich die Freunde. Im einsamen Strandhause aber kniete Elesa auf ihrem Lager in heißem Gebete zu dem ihr noch unbekannten Gotte. „Du Großer, du Starker, rette ihn und mich; rette uns vor der Rache des Ngil." Das Weib, das vor wenigen Stunden mit dem Mute eines Mannes Heldentaten verrichtete, lag zitternd und weinend auf den Knien und klammerte sich bittend an die Kraft der unsichtbaren Allmacht.. . Ntonga blieb wach bis zum Morgen. Die Gefahr, in der er sich befunden, wurde ihm erst ganz klar, als er in der Stille der Nacht darüber nachdachte. Die Freude, ihr entronnen zu sein, vermochte die Furcht vor der Zükunft nicht zu bannen. Fortan mußte er sich auf Schritt und Tritt in acht nehmen. Vor der Hinterlist des Ngil war er keinen Augenblick sicher. Jambascholl gab trotz der mißlungenen Versuche feine Rache nicht auf; das war gewiß. Selbst wenn er ihr nicht zum Opfer fiel, was war erreicht? Wer sollte Elesa schützen vor der Gewalt des Ngil, der den Schein des Rechts auf seiner Seite hatte? Ohne sie schien ihm das Leben wertlos. Wenn er es verteidigte, tat er es in der Hoffnung, sie zu erringen. Was sollte er tun? Untätig verharren und ständig eines neuen Angriffes gewärtig sein, das vermochte er nicht. Er mußte etwas unternehmen... Ein abenteuerlicher Plan flog ihm durchs Gehirn... Er verwarf ihn wieder; er war zu gefährlich. Der Aufwand von Mut und Kraft stand in keinem Verhältnis zu dem Erfolg, den er günstigenfalls erreichte. Und doch, der Gedanke tauchte von neuem auf. Er mußte seine Freunde fester an sich ketten. Das Totenfest der Ngil bot ihm Gelegenheit dazu. Je länger er darüber nachdachte, desto mehr gefiel ihm der sonderbare Einfall. Als der Morgen dämmerte, war sein Entschluß gefaßt. Gleiche machte er sich auf den Weg,. um mit Mune darüber zu reden. Elesa stand draußen auf der Düne und blickte träumerisch übers Meer hinaus. Sie wartete auf Ntonga und kam ihm entgegen. Sie versuchte, heiter zu scheinen, aber man sah doch, daß sie geweint hatte. „Willst du nach Hause gehen?" fragte er. „Nein, nicht eher, als bis der Ngil seine Reise nach Ngumba angetreten hat." — „Er wird heute noch abreisen müssen." — „So lange warte ich. Das Dorf drüben ist mir unheimlich, wenn der Ngil in der Nähe ist." — „Du fürchtest ihn mit Grund", sagte Ntonga traurig. „Ich werde mich gegen seine Rache verteidigen bis zum letzten Blutstropfen; dich liefert das Gesetz ihm aus." — „Nie, Ntonga, nie wird die Hand dieses Schurken ungestraft mich berühren", entgögnete das Mädchen bestimmt. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer. Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionärs Söhne des heiligsten Herzens Jesu. Verwaltung: Missionshaus ..Maria Fatima", Post Nnterpremftätten b. Graz, Stmk. Verantwortlicher Redakteur für Österreich: P. Alois Wilf» ling, F. S. C., Generalassistent, Missionshaus „Maria Fatima", Post Unterpremftärten bei Graz; für Deutschland: P. Heinrich Wohnhaas.F. S. C., MissionSseminar St. Josef, Ellwangen-Jagst, Württemberg. — Untversitäts-Buchdruckerei „Sturia", Graz.