Mit Approbation des Hochwtirdigsten F.-B. Lavanter Ordinariates vom 14. Juni 1900, Nr. 18, Praes. Marburg, 1900. Im Selbstvorlage des Vereines. — St. Cyrillus-Buchdruckerei. ’ >'V>'V .vV, *\V^V^V, A ^ A ^ .fo_ s'£ 45573 Venite, adoreiiiiis! Der Verein zur bestandigen Anbetung allerheiligsten Altarssaeramentes zur Ausstattung armer Kirehen in der Lavanter Diocese, dargestellt in seiner achtzehnjahrigen segensreichen Thatigkeit / Das heilige Abendmahl von Leonardo da Vinci. Einleiturig*. Das Sacrament des Altars ist das grobe Geheimnis der Liebe Gottes zu dem Menschen; in demselben scheint die Liebe des alhveisen und allmachtigen Gottes es bis zu den aubersten Grenzen seiner Weisheit und Allmacht gebracht zu haben; denn in seiner Weisheit kann Er nichts Kostbareres ersinnen und in seiner Allmacht uns nichts Besseres geben als sich selbst; diese Hingabe das ist derHimmel; denn die unendliche Freude des Himmels besteht in dem Besitze Gottes. Und waren die Worte der heiligen Schrift in Bezug auf die heilige Eucharistie nicht so klar, so deutlich, so unwiderlegbar, niemals hatten die Menschen sich zu dem Gedanken versteigen konnen, dass der Gottmensch ihnen sein eigenes Fleisch und Blut, seine Gott- heit und Menschheit zur Speise geben, sich taglich ftir sie opfern und unablassig mit Seiner Wesenheit unter ihnen ver- weilen wurde. Und dennoch ist es so; was dem menschlichen Fassen unmoglich schien, hat die Liebe moglich und wirklich gemacht. In der heiligen Eucharistie will sich Gott mit dem Men¬ schen vereinigen; Vereinigung ist ja das Streben der Liebe; die Erschaffung, die Menschwerdung, die Erlosung, die Heili- gung, ali diese groben Thaten Gottes haben schlieblich keinen andern Endzweck, als die Vereinigung Gottes mit dem Menschen. Welch’ innigere Vereinigung aber ist denkbar als diejenige, welche sich in der heiligen Communion zwischen Gott und dem Menschen vollzieht? »Wer mein Fleisch isst und me in Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ih m; g 1 e i c h w i e mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich durch den Vater lebe, so wird der, welcher mich isst, durch mich leben«. 1 Also zwei Leben, ein gottliches und ein menschliches; zwei Seelen, eine gottmensch- liche und eine menschliche, eine Gottheit und eine Menschheit, die gleichsam wie zwei mit einander verschmolzene Wachs- stiicke in einander aufgehen; das ist das tiefe, anbetungs- wurdige Geheimnis der heiligen Eucharistie. 2 Lasst uns denn in Staub verehren Ein so grobes Sacrament; Weichen muss der neuen Sonne Nun des alten Bundes Schatten; Und der Glaube muss erganzen, Was der Sin n uns nicht bewahrt. 1 ,Joh. 6, 57. — 2 Der heilige Geist. Dogmatisch-ascetische Erwagungen UD er sein Wesen und seine Wirksamkeit in der Kirche und in den Seelen < j er Llaubig en) von I. Deutz, Pfarrer und Dechant. Dtilmen i. W. 1896. A. Laumann’sche Buchhandlung, pag. 148. Kurze Erwagung vor der Besuchung des heiligen Sacramentes. Wenn es einen Ort auf Erden gabe, in welchem Jesus in sichtbarer Gestalt wandelte, wie einstens in Palastina, wie wiirden wir uns sehnen, zu ihm zu eilen, ihn anzubeten, Hilfe in allen unseren Anliegen und Leiden bei ihm zu suchen und zu finden! Nun ist aber jede katholische Kirclie, so arm und so klein sie auch sein mag, zu einem so gliickseligen Orte, zum Paradiese geworden, in welchem wir vertraulich mit Jesus verkehren, Hilfe und Trost finden konnen! Und wir sollten ihn allein lassen? Geht nicht ein Kind gerne zu seinem Vater, eine treue Braut zu ihrem Brautigam, ein Armer zu seinem machtigen Konig, der ihm alle seine Schatze zur Verfiigung stellt? Der Tabernakel ist der Thron der Gnade, von welchem aus Jesus seine giittlichen Gnaden an Jene austheilt, die ihn besuchen, die mit Vertrauen zu diesem Gnadenthrone hinzutreten. Oft geniigt eine einzige Viertelstunde, in Anbetung vor dem heiligen Sacramente zugebraclit, einer trostlosen Seele Frieden und Ruhe zu geben, eine matte und kalte Seele mit den Flammen seraphischer Gottesliebe zu entztinden. Der heilige Alphons von Liguori sagt: »Nichts trOstet mehr in der Todesstunde, als die Augenblicke, die wir vor dem heiligen Sacramente zugebracht haben.« Was aber thut die liebende Seele vor dem Tabernakel? Sie betet an, sie lauscht dem Worte Jesu, sie spricht mit ihm. Hiire in tiefer Ruhe auf die Worte, die Jesus zu dir spricht, und bevvahre dieselben in deinem Herzen. Sprich mit ihm, trage ihm alle deine Bitten. alle deine Anliegen vor; \vas immer du in seinem Namen begehrst, du wirst es empfangen; hoffe nur und vertraue. Bete deinen verborgenen Gott in zartlicher Liebe an: bete ihn an mit der lieben Gottesmutter Maria, mit allen Engeln und Heiligen. Folge der siifien Einladung deines gbttlichen ErlOsers : Kommet her zu mir Alle, ich will euch erguicken. Hore das Wort der heiligen Kirche, das sie tiiglich in ihrer Liturgie ihren Kindern zuruft und auf deren Lippen legt: »Venite, .adoremus — Kommet, lasset uns anbeten!« r 5 # \ w \ Seine F.-B. Gnaden, der Hochwiirdigste und Hochgeborne Herr Dr. Michael Napotnik, Fiirstbisdiof von Lavant, hoher Protector des Anbetungs-Vereines in der Lavanter Diocese. & M ;> Venite, adoremus! Dor Vereiri zur bestandigen Aribetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung armer Kirehen in der Lavanter Diocese, dargestellt in seiner achtzehnjahrigen segensreichen Thatigkeit. Mit Approbation des Hochwiirdigsten F. - B. Lavanter Ordinariates vom 14. Juni 1900, Nr. 18, Praes. Marburg, igoo. Selbstverlage des Vereines. — Druck der St. Cyrillus-Buchdruckerei. 45573 Christus Deus Homo vivit, regnat, imperat in Sanctissimo Sacramento defenditque plebem suam ab omni malo. LoZ. Christus der Gottmensch lebt, regiert und herrscht im allerheiligsten Sacramente und vertheidigt vom jeglichen Ubel sein Volk. Nr. 18/ Praes. An den hoclrvviirdigen Herrn Laurentius Herg, infulierten Dom- dechant, F.-B. Consistorialrath, decoriert mit dem Verdienstkreuze »Pro Ecclesia et Pontifice«, Obmann des Anbetungs- und des Priester-Unterstutzungs-Vereines in Marburg. Unter Bezugnahme auf die erfreuliche Eingabe vom 27. Marž 1900 crtheile Icli bereitrvilligst die oberhirtliche Erlaubnis, dass das sehr sorg- fiiltig ausgearbeitete Manuscript: »Der Verein zur bestandigen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung arrner Kirchen in der Lavanter Diocese, dargestellt in seiner achtzehnjahrigen segensreichen Thatigkeit«, als ein trefflich geeignetes BefOrderungsmittel der Anbetung und Lobpreisung des eucharistischen Heilandes im Sinne der apostolisclien Constitution Officiorum ac munerum vom 25. Janner 1897, cap. VII. in Druck gelegt werden kann. Desgleichen ertheile Ich mit dankbarem Herzen und unter lobender Anerkennung der grossen Mtihewaltung die gew!inschte Genehniigung der pietatvollen Widmung. lesus Christus, der im allerheiligsten Altarssacramente lebt, regiert und herrscht, verleihe seinen allesvermogenden Segen dem Werke, das nur seiner Verherrlichung geweiht sein m5ge! Marburg, am hochheiligen Frohnleichnamsfeste, den 14. Juni 1900. L. S, f Michael m. p. Ftirstbischof. Venite adoremus! Kommet, lasset uns anbeten Jesum Christum, unseren Gott und Erlčser im allerheiligsten Altarssacramente! jP) a s heiligste Altarssacrament ist das grofite Wunder der gottlichen Liebe. Es ist Jesus Christus selbst, die ewige Sonne der Gerechtigkeit. Der wesensgleiche Sohn des himmlischen Vaters, unser Herr und Gott ist wirklich, we- sentlich und wahrhaft, mit seinem Leibe und mit seiner Seeie, mit seiner Gottheit und Menschheit im Altarsgeheimnisse bei uns Menschen gegenwartig. Im Himmel hat Jesus den Thron seiner Glorie; auf Erden hat er im Tabernakel den Thron seiner Gnade. Darum sagte die heilige Theresia in einer Er- scheinung nach ihrem Tode: »Diejenigen, die im Himmel und jene, die auf Erden sind, miissen vollkommen gleich sein in der Reinigkeit und in der Liebe; und was wir im Himmel gegen das gottliche Wesen thun, eben dieses mtisset ihr auf Erden gegen das hochwiirdigste Sacrament thun.« Deshalb haben auch die Heiligen das heilige Altarssacrament fur ihr Paradies auf Erden gehalten; deshalb hat sich auch zu aller Zeit die Andacht der glaubigen Christen in diesem geheimnisvollsten Mittelpunkte des ganzen Gottesdienstes vereinigt; deshalb haben frornmglaubige Seelen fesum Christum in diesem Geheimnisse seiner unendlichen Liebe zu allen Zeiten verehrt und angebetet. Wie lieblich ist daher die Einladung des Psalmisten, die er an uns richtet: > K o m m e t, lasset uns anbeten und nieder- fallen und weinen vor dem Herrn, der uns gemacht hat! Denn er ist der Herr, unser Gott; und wir sind 1 2 das Volk seiner W e i d e, u n d die Schafe seiner H a n d.« 1 »L o bet den Herrn alle Volker, lobet ih n ali e Nationen! Denn es ist bestatiget ii b e r u n s se in e Barmherzigkeit; u n d die Wahrheit des Herrn blei- b et in E wigkeit.« 2 § 1 - Was ist die ewige Anbetung? In des Wortes vollem Sinne besteht die ewige Anbetung darin, dass Jesus, unser Gott und Erloser, im allerheiligsten Altarssacramente ohne Unterbrechung bei Tag und Nacht angebetet wird. In diesem Sinne wird sie gehalten in der Congregation der Eučharistiner in Božen und in vielen weib- lichen Orden, so z. B. im Kloster der Franciscanerinnen in Marburg, Lemberg und Wien, in der Herz Jesu-Kirche auf dem Montmartre in Pariš und in Rom. Im weiteren Sinne wird unter der ewigen Anbetung auch die fromme Ubung der Weltleute verstanden, welčhe wenigstens an Sonntagen vom Morgen bis zum Abend ohne Unterbrechung das allerheiligste Altarssacrament anbeten; oder welche monatlich eine Stunde zu beliebiger, selbstgewahlter Zeit der Anbetung des allerheiligsten Sacramentes widmen. Jedermann ubernimmt eine Stunde, die er zur bestimmten Zeit halt; auf diese Weise wird Jesus in dem Geheimnisse seiner unendlichen Liebe be¬ standig bei Tag und bei Nacht angebetet. O C” O Wie das heiligste Messopfer in den verschiedenen Gegen- den derWelt zu jeder Stunde bei Tag und bei Nacht dargebracht wird, so wird Jesus Christus bestandig im heiligsten Altars¬ sacramente angebetet. Ebenso wird Jesus Christus auf dem weiten Erdenrunde bestandig in der heiligen Communion als Seelenspeise genossen und ihm dadurch immerdar von seinen treuen Glaubigen Liebe, Verehrung und Danksagung darge¬ bracht. Aber auch die Mitglieder des Anbetungsvereines, welche in allen Weltgegenden sich befinden und ihre Betstunden zu verschiedenen Zeiten bei Tag und bei Nacht halten, erweisen auf diese Weise dem gottlichen Erloser bestandig die schuldige Danksagung und Anbetung. So geht die Weissagung des Propheten Malachias buchstablich in Erfullung: »Vom Aufgange der Sonne bis zum Untergange wird mein Name grofi werden unter den Volkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert, und ein reines Opfer Ps. 94, 6. - 2 Ps. 116, 1. 2. -•-§-* 3 —i - *" d a r g e b r a c h t w e r d e n ; d e n n g r o 6 w i r d m e i n Name werden unter den Volkern, spricht der Herr der Heerscharen.« 1 § 2 . Woher stammt die ewige Anbetung? Die ewige Anbetung stammt a us dem Hi m m el. Denn die Engel loben Gott seit ihrer Erschaffung; im Himmel iibt Jedermann die ewige Anbetung; iibst du sie sehon jetzt, so besitzest du ein Zeichen der ewigen Auserwahlung und ein neues Anrecht auf den Himmel. Seit unser gottlicher Heiland im allerheiligsten Sacra- mente weilt, ist Er bier stets von vielen anbetenden Engeln umgeben. Ist es demnach nicht ein grofies Gluck, dass auch wir uns denselben beigesellen und Jesum anbeten im heilig- sten Altarssacramente? § 3 . Wann haben die Menschen die ewige Anbetung begonnen? Die ewige Anbetung Gottes durch die Menschen begann eigentlich im Paradiese, bei Erschaffung der Welt, denn alle Geschopfe hat Gott zu seiner Ehre erschaffen, dass sie ihn loben und preisen, ihm dienen. Darum spricht der Psalmist: »O m n is terra adoret te et psallat tibi; psalmu m dicat no mini tuo!« — »Die ganze Erde bete dich an und singe dir; lobsinge deinem Namen!« 2 — »Lobet den Herr n alle Volker, lobet ihn alle Nationen!« 3 Die Anbetung J esu hat aber begonnen gleich bei seinem Erscheinen in der Welt; denn der Weltapostel schreibt in seinem Briefe an die Hebraer: »Da Gott den Erstgebore- nen abermals in die We 11 einfiihrt, spricht er: Es sollen ihn anbeten alle Engel Gottes.« 1 Und wirklich gleich bei der Geburt des Heilandes stimmten die himmlischen Geister den herrlichen Lobgesang an: »Ehre sei Gott in der Hohe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens si n d.« 5 Im Stalle zu Bethlehem beteten ihn als holdseliges Kind in der Krippe zuerst an seine hochgebenedeite Mutter Maria und ihr keuscher Brautigam, der heilige Joseph. Ihnen gesellten sich bei die frommen Hirten; ‘ Maiach. I, 11. - 2 Es. 65, 4. - 3 Ps. 116, 1. — 4 Hebr. 1, 6. J Luc. 2, 14. 1 sie giengen auf die Kunde des Engels eilends zum Stali, fanden Maria und Joseph, und das Kind, das in der Krippe lag, und priesen und lobten Gott. 1 Hernach »kamen Weise aus dem Morgenlande nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neu- geborene Konig der Juden? Denn wir haben seinen Štern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten.. . Und sie giengen in das Haus, fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und beteten es an. Sie thaten auch ihre Schatze auf, und brachten ihm Geschenke: Gold, Weih- rauch und Myrrhen.« : Soli das nicht auch uns aneifern, dass wir gerne und oft- mals zu Jesus in die Kirche eilen, wo er im Tabernakel wohnt, vor welchem das ewige Licht brennt, welches gleich dem Sterne uns seine Wohnung anzeigt? »Ecce tabernaculum Dei cum hominibus et habitabit cum eis. Et ipsi populus eius erunt, et ipse Deus cum eis erit eorum Deus: et absterget Deus omnem lacrymam ab oculis eorum. — Siehe, die Hiitte Gottes bei den Menschen. Erwird bei ihnen wohnen; und sie werden sein Volk sein, und Er, Gott selbst mit ihnen wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen ali e Thranen von ihr en Augen.« 3 § 4 . Wie entwickelte sich die ewige Anbetung? Von den ersten Christen heilk es: »Sie ver h ar rt en in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft des B r o t b r e c h e n s (d. h. d e r h e i 1 i g e n C o m m u n i o n) und im Ge bet e.«' 1 Die ewige Anbetung, wie sie jetzt gehalten wird, ist dem- nach nichts anderes, als die schwache, schuchterne Einfuhrung eines uralten Brauches. Die ersten Christen hielten ihre An¬ betung des Tages siebenmal, d. h. in der Nacht, morgens friih, um 6, 9, 12, 3 Uhr tagstiber und abends. Zur Zeit der Verfol- gung geschah die Anbetung zu Hause. Im Mittelalter gab es manche Benedictinerkloster, in de- nen die ewige Anbetung bestand unter dem Namen »L a us p er en n is« (bestaridige Lobpreisung); viele Weltleute nahmen daran theil. Als im sechzehnten Jahrhunderte die Irrlehrer in Deutsch- land unter Anderem auch sogar den Glauben an das heiligste Altarssacrament zu untergraben drohten, da hat die Andacht der Rechtglaubigen sich noch herrlicher entfaltet und durch ’ Luc. 2, 14. — Matth. 2, 11. — Apoc. 21, 3. — ‘ Act. Ap. 2, 42. heroische Acte der Liebe dem heiligsten Sacramente fur den Irrglauben und den Kaltsinn der verkehrten Menschen Ersatz zu leisten getrachtet. In Rom, in der Metropole der Christen- heit, hatte sich damals an der Kirche der seligsten Jungfrau mit dem Beiworte sopra Minerva eine Bruderschaft vom heilig¬ sten Sacramente gebildet, welche der damalige Papst Paul III. durch eine Bulle unterm 30. November 1539 formlich bestatigte und mit zahlreichen Ablassen begiinstigte. Die Errichtung des Vereines aber, wodurch eine bestan- dige ununterbrochene Anbetung des heiligsten Sacramentes erzielt wurde, blieb erst dem folgenden siebzehnten Jahr- hunderte vorbehalten. Die Vorsehung wollte sich hiezu einer heiligmafiigen Jungfrau, der seligen Mechtildis vom heiligsten Sacramente, bedienen. Zu derselben Zeit ftihrte in Frankreich die fromme Konigin Anna von Oster- reich die Regierung des Reiches; sie stellte sich an die Spitze des guten Werkes, nachdem Gott ihr Gebet erhort und dem Reiche den ersehnten Frieden geschenkt hatte. Am 12. Marž des Jahres I654 wurde die ewige Anbetung zu Pariš im neu- errichteten Kloster der ehrvviirdigen Mechtildis feierlich eroffnet; die Konigin selbst hielt wie eine Biifierin, mit einem Strick um den Hals und einer Kerze in der Hand, die erste feierliche Abbitte vor dem Allerheiligsten. Von dem neuen Kloster der ewigen Anbetung verbreitete sich diese Andacht des Stundengebetes zum heiligsten Sacra¬ mente immer weiter. An die betenden Nonnen schlofien sich bei Tage auch Laien an und hielten gewisse Stunden der An¬ betung, wahrend die Anbetungsstunden der Nacht die Manner allein hielten. Im Jahre I674 hat Papst Clemens X. den so entstandenen Laienverein zur bestandigen Anbetung des Aller¬ heiligsten als Bruderschaft feierlich bestatigt und mit vielen Ablassen betlieilt. Das Werk der bestandigen Anbetung nahrn so einen erfreulichen Fortgang. Heilige Manner, wie der heilige Vincenz von Paul und der gottselige Pfarrer Olier, forderten es kraftig. »Ich wollte«, so schrieb Olier, »ich hatte tausend Priester zu meiner Verftigung, damit ich sie allenthalben aus- senden konnte, die Liebe Jesu Christi und die dem allerheiligsten Sacramente gebiirende Verehrung zu verbreiten.« Im achtzehnten Jahrhunderte war die Bruderschaft der bestandigen Anbetung auch schon in Osterreich verbreitet. h>ie grofie Kaiserin Maria Theresia selbst forderte die Verbreitung derselben, schrieb sich selbst als erstes Mitglied der Bruderschaft des heiligen Sacramentes in Tyrnau ein und lieft die auf die ewige Anbetung Bezug habenden Biicher in die verschiedenen Sprachen des Reiches tibersetzen. So wurde denn das allerheiligste Altarssacrainent in der zweiten Halfte des vorigen Jahrlnindertes vem Hunderttausenden eifriger Seelen, -I- 6 -s- theils aus dem Ordens-, theils aus dem Laienstande, Tag und Nacht angebetet. Auch an vielen Pfarren der heutigen Lavanter Diocese bestanden zahlreiche Bruderschaften des heiligsten Altarssacramentes, welche aber bei Ungunst der Zeiten wieder aufhorten. 1 In diesem Jahrhunderte entstand ein Verein der bestan- digen Anbetung des allerheiligsten Sacramentes, der sich auch die Ausstattung der armen Kirchen zur Aufgabe setzt. Ein solcher Verein wurde zuerst zu Briissel im Konigreiche Belgien im Jahre 1843 errichtet und fancl schnelle Verbreitung auch in anderen Landern. 1 In Lembach z. B. hatte die Bruderschaft einen eigenen Altar aus VVeinreben gebildet, der noch besteht. Das Vereins-Vermogen wurde aber bei der Aufhebung der Bruderschaft dem Pfarrarmeninstitute einverleibt. — Am Ausgange des 16. Jahrhundertes wurde von den Seelsorgern an der Pfarre St. Michael bei Schonstein eine Bruderschaft nomine St. Corporis Christi (Bruderschaft der thatigen Liebe unter dem Schutze Jesu Christi in der Pfarre St. Michael aufier Schonstein — Bratovšina djanske ljubezni bližnjega ali presvetega Rešnjega Telesa pod varstvom Jezusa Kristusa. V Smihelski fari pri Soštajnu. V Celju 1854. Natisnil Jeretin) gegriindet, welche aber im Jahre 1783 aufgehoben wurde. Diese Bruderschaft wurde im Jahre 1807 von dem damaligen Pfarrer Vincenz Kolar abermals in’s Leben gerufen, bezw. neu begriindet. Die Mitglieder dieser Bruderschaft verpflichten sich entweder zu einem jahr- lichen Beitrage per 12 Kreuzer oder zu einer einmaligen Einlage von 4 fl. Die Zahl der Mitglieder betrug im Jahre 1880 liber 5000, die sich auf alle Pfarren des Schallthales vertheilten. Die Entstehung des Vereines zur bestandigen Anbetung des allerheiligsten Altars sacramentes und zur Ausstattung armer Kirchen. § 5 . [jl^er heilige Benedict, dieser grobe Vater nicht mu 1.7 nach ihm genannten, sondern im gewissen binne a — abendlandischen Orden — denn aus seiner goldenen k . schopften sie alle mehr oder weniger — stellt dann al;s °JC b Grundsatz auf: »Ora et lab o ra« (Bete und arbeite). ‘ ein weiser, goldener Ausspruch! Er zeigt den sichersten g zum Himmel. Diesen Grundsatz haben sich auch die u n g . Ordensstifter, z. B. schon vor dem heiligen Benedict der nei- lige Basilius der Grobe, den alle morgenlandischen Grden ais ihren Urheber verehren, gegenwartig gehalten und da_s s. g. beschauliche Leben mit dem thatigen in harmonisc er Weise zu vereinigen verstanden. , Auch der Verein der bestandigen Anbetung hat aes- gleichen gethan, und so gesellte sich zum ersten »Bete« der Gott nicht minder angenehme zweite. » r Namlich: bete a n den in Brotgestalt gegenwartigen imme unter den Menschenkindern wohnen wollenden el a11 V-^ten wirke auch etwas zu seiner Lhre. rrage bei an durch eigene Handearbeit, dab das Haus sei • ^ nung wurdig sei; dass das heilige Opfer, m ^eichem er si^ vom Himmel auf die Erde herab labt, nic 1 s V an behre, was u seiner anstandigen Darbringung , • • kirchlichen Paramenten und Gerathschaften, n _ ^ j ^ Dieser zweite Zweck des Vereines, den es sich hanc e« hat sich gleichfalls aus den Zeitumstanden wie von seli), t ergeben. -I- 8 Als das kirchliche Leben abzunehmen, dafrir aber die Gleichgiltigkeit gegen Religion, Kirche, Gottesbauser, Gottes- dienst und was dazu nothwendig gehort, zuzunehmen begann, da musste es dahin kommen, dass die reichen Schatze an kost- baren Kirchen gerathen und reichen Mefigewandern, welche eine glaubensstarke Zeit angesammelt hat, durch Verbrauch mehr und mehi zu Gruncle giengen, und weil Neues wenig beigeschafft wurde, die Kirchen in Stadten und am Lande allmahlig so verarmten, dass viele derselben dem armlichen Stalle zu Bethlehem nicht unahnlich waren. Altere Priester be- wahren diesbeziiglich gewiss noch manche wehmutbige Erinne- rungen aus ihrer Jugendzeit. Was war natiirlicher, als dass dieser verwahrloste Zustand vieler Kirchen und diese unwiirdige Feier der erhabensten Geheimnisse zunachst den Vereinen der ewigen Anbetung zu Herzen gieng, und dass gerade diese sich entschlossen, nach Kraften auf Beseitigung dieser beklagenswerten Zustiinde hinzmvirken, dadurch, dass sie mit dem hauptsachlichen Zwecke der ewigen Anbetung auch noch den nebensachlichen der Ausstattung ar m er Kirchen verbanden? So geschah es zuerst in Brussel im Jahre 1843, spater in Baiern, im Jahre 1 1857 in Wien.' § 6 . Die Errichtung des Anbetungs-Vereines in Brussel. In Brussel vereinigten sich zuerst mehrere Personen, welche sich die Wiederbelebung des Glaubens an die Gegenwart Jesu in der hi. Eucharistie zur Aufgabe stellten, und zwar: 1. Mittelst der Anbetung Jesu Christi im allerheiligsten Sacramente Tag und Nacht durch Tausende von Seelen, die sich verpflichten sollen, jeden Monat eine Betstunde zu halten und ein jahrliches Almosen fur die armen Kirchen zu spenden. 2. Durch die Erhohung des aufieren Cultus mittelst der Anfertigung und Spendung der zur Feier der gottlichen Ge¬ heimnisse nothigen Ornamente. 3. Durch die Ergreifung aller Mittel, die zur Verherrli- chung des allerheiligsten Sacramentes und zur Suhnung der Ihm angethanen Unbilden beitragen konnen. Der Verein hat sich im Jahre 1848 zu Brussel in Belgien gebildet, und feierte durch Spendung von Kirchenparamenten an arme Kirchen am hohen Frohnleichnamsfeste im Jahre 1848 sein erstes Griindungsfest. Da aber der Verein aufier Stande war, einen so weitgehenden Zweck entsprechend zu verfolgen, ' Hirtenbrief des Hochwilrdigsten Ffirstbischofes Jacob Maximilian vom 27. Janner 1881. -g- 9 lieb sich schon im. darauffolgenden Jahre a - , , u unc i religiosen Genossenschaft ftihlen, welche er P . , ^ die Sffitze des Vereines werden und sich u er 7rott- weihen solite, die Erkenntnis, Liebe und n j t> mdo-hche lichen Eucharistie nach allen Seiten und au j ^ Weise zu verbreiten und zu vermehren. _ F dem Diejenige, welche so gluckhch war, sic^ weihte sich Vereine zu widmen, Frau An n a \o . T V 1857 in demselben ganz und fur immer, uidem sie 11 J ■ en ^ n . Briissel die Genossenschaft der Schwestern der * betung griindete, deren erste General-Obenn^urde^^U^ die Ausbreitung des Vereines hat sich S. j. grofie Verdienste errvorben. i f t Up n Der Verein, welcher der religiosen Geno.ssenscha Ursprung gegeben hatte, wurde demnach lhi >u i n sc ihr vorzugliches Hiilfsmittel. Durch ihn trach e 1 - schaft den Glauben und die Liebe an die gottliche Eucl nicht nur in den armen unterstiitzten I farreien c ‘ , \vieder zu beleben, sondern auch in der Stadt, m w Verein besteht und selbst in den entferntesten • ' Darauf wirkt sie hin mittelst der Anbeter, die ste h gewinnen sucht, durch die Arbeit fur die armen kirc i ,, Sendungen heiliger Gewander, durch Ausschmuckung ’ welcbe die Processionen durchschreiten, und dure u ie pf p. • ste Feierlichkeit bei der Abhaltung der Anbetung m den t tarreie und beim 40stiindigen Gebete. , n Der Zweck der Genossenschaft besteht dann, cu diese Werke nicht nur in sich selbst, sondern auch m i zu bewerkstelligen, dass die Liebe zu Jesus Christus nn ' heiligsten Sacramente und der Eifer fur seine Verherr ic g, in den Seelen immer mehr auflebe. Zu diesem Zwecke s e i die Kirchen der Genossenschaft immer offen und da.s a heiligste Sacrament ist in denselben an jedem dage J e , den ortlichen Umstanden entvveder den ganzen lag un oder wenigstens mehrere Stunijen lang ausgesetzt. § 7 . Die Erhebung des Anbetungs-Vereines in Briissel zum Erzvereine. Der Verein von Briissel wurde mittelst Breve vom 6. Mai 1853 fur die Diocesen Belgiens zu eineni Erzverein erhoben, um aber seine Verbindung mit den Vereinen der fremden Lunder, welche die belgische Einrichtung annehmen, zu befestigen , wandte er sich nach Rom und erhielt auch eni *f" 10 —!-*■ besonderes Breve unter dem Datum vom 16. Juni 1863, welches ihm fiir immerwahrende Zeiten die Vollinacht ertheilt, die Vereine, welche sich in fremden Landern bilden, sich einzu- verleiben. Nachdem einige ganz providentielle Umstande die Noth- wendigkeit und den Vortheil klar gezeigt liatten, in Rom den Mittelpunkt des Erzvereines zu errichten und daselbst ein Haus zu haben, wurde diese Angelegenheit Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. unterbreitet, welcher die Griindung eines Hauses der Genossenschaft in Rom guthiefi, damit der Erzverein, der erste, der zu dem genannten Zwecke gestiftet wurde, von Briissel dahin verlegt werden komite. Auf diese Weise wurde auf die Genossenschaft der folgende Ausspruch in Anwendung gebracht, welchen der heilige Vater in mehreren ahnlichen Fallen gethan hat, namlich: Jede Genossenschaft muss auf dem ganzen Erdkreise das Centrum sein, fiir das besondere Werk, um dessentwillen sie gegriindet worden ist. § 8 . Der Anbetungs-Verein in Briissel wird nach Rom verlegt Decret, * durch welches Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. sich gewtir- digt hat, den Sitz der Erzbruderschaft nach Rom zu ver- legen. Societas sororum, quae ab Adoratione perpetua Sanctissimi Sacramenti et ad pauperiores ecclesias sacra supellectili instru- endas nomen habet, in Belgia instituta ab eximiae pietati.s matrona Anna de Meeus, in alma hac Urbe domum nuperrime constituit supplices admovens preces Sanctissimo Domino Nostro Leoni XIII., ut šibi integrum foret Archiconfraternitatem Soci- etati adnexatn Romam transferre^-Haec enim Archiconfraternitas nomine et institutu cum Societate cohaeret, Societati ceu capiti subest et subesse tenetur vi Constitutionum a Sancta Sede probatarum. Sanctissimus has preces benigne excipiens mandavit prae- fatam Archisodalitatem Romam transferih. lam vero alia Archisodalitas eiusdem nominis et instituti hic Romae in aedibus ad cjuatuor Fontes cura et studio piae ac nobilis matronae Carolinae de Courballay reperiatur erecta, cumque ex Constitutione a Clemente VIII. edita, quae incipit »Quaecumque«, duae Archiconfraternitates eiusdem nominis et instituti nequeant in uno eodemque loco consistere; Idem Sanctissimus volens huius legis impedimento occurrere -I- 11 -f- decrevit Archisodalitatem Romae in aedibus ad quatuor Fontes constitutam, utque quae posterius erecta est, uniri cum Belgica Romam translata, ita ut unum cum ea corpus efficiat, unam eamdemque Archisodalitatem constituat et sit Archisodalitatis Societatis Adorationis Perpetuae et ad pauperiores ecclesias sacra supellectili instruendas. Indulgentiarum vero et privilegi- orum communicationes, quae Confraternitatibus aggregatis hactenus factae sunt, tamquam ab hac sic unita factae habe- antur. Huic tandem Archisodalitati, quae in unum coaluit, Kadem Sanctitas Sua facultatem tribuit ceteras Sodalitates eiusdem nominis et instituti ubique terrarum aggregandi servata forma et tenore Constitutionis Clementis VIII. Non obstantibus regula de iure quaesito non tollendo ceterisque quamvis speciali atque individua mentione de dero- gatione dignis in contrarium facientibus quibuscumque. Hoc propterea Decretum Sanctitas Sua lieri, et iis, quorum tnterest, communicari mandavit. Datum Romae ex Secretaria S. Congregationis indulgen- dis Sacrisque Reliquiis praepositae die 1. Februarii 1879. Al. Card. Oreglia, a. S. Stephano, Praef. A. Paniči, Secretarius. Dieses Decret lautet in deutscher Cbersetzung: Die in Belgien durch eine Frau von besonderer Frommigkeit, An na von Me e us, gestiftete Genossenschaft der Schwestern, w elche den Namen ftihrt: von der immerwahrenden Anbetung des allerheiligsten Sacramentes und zur Ausstattung der arme- r on Kirchen mit heiligen Gerathen, hat vor Kurzem in dieser ^eheiligten Stadt ein Haus errichtet, und Sr. Heiligkeit unserem Herrn Papst Leo XIII. die demiithige Bitte zu Fiifien gelegt, dass ihr die volle Befugnis ertheilt werde, die mit der Ge- sellschaft verbundene Erzbruderschaft nach Rom zu tibertragen, da diese Erzbruderschaft dem Namen und ihrer Einrichtung n ach mit der Genossenschaft zusammenhangt, und der Ge- nossenschaft untersteht, ja zu Folge der vom heiligen Stuhle gutgeheiftenen Constitutionen unterstehen muss. Seine Heiligkeit hat dieses Ansuchen gnadig aufgenom- me n und angeordnet, dass vorgenannte Erzbruderschaft nach Kom tibertragen werde. Da aber hier in Rom in den Gebiiuden zu den vier Brun- ne n (alle cjuattro Fontane) schon eine andere, zu Folge eifriger Sorge und Bemiihung der frommen adeligen Dame Caroline de Courballay, errichtete Erzbruderschaft desselben Namens und gleicher Bestrebung (eiusdem nominis et instituti) sich vorfand, und da nacb der von Clemens Vlil. erlassenen Con- stitution, welche mit den Worten »Quaecumque« anfangt, zwei Erzbruderschaften desselben Namens und gleicher Bestrebung an einem und demselben Orte nicht bestehen dtirfen, so bat Seine Heiligkeit, um dieser Sclrvvierigkeit abzuhelfen, bestimmt, dass die in Rom bei den vier Brunnen bestehende Erzbruder- schaft als die spater errichtete mit der von Belgien nacb Rom iibersetzten vereiniget werden sobe, so dass sie mit ihr Eine Korperschaft bilde und eine und dieselbe Erzbruderschaft ausmache, und sie sei die Genossenschaft zur bestandigen Anbetung und zur Ausstattung armerer Kirchen mit heiligen Gerathen. Die bisher geschehenen Verleihungen der Antheil- nahme an den Ablassen und Privilegien an die aggregierten Vereine sollen angesehen werden, als waren sie von der sol- cbergestalt vereinigten Erzbruderschaft geschehen. Schliebbcb ertheilt Seine Heiligkeit dieser Erzbruderschaft, welche nun zu Einer geworden ist, die Befugnis, die ancleren Bruder- schaften desselben Namens und gleicher Bestrebung auf dem ganzen Erdkreise mit sich durch Aggregation zu verbinden, jedoch mit Beobachtung der Form und der Vorschriften der Constitution Clemens Vlil. Dem soli nicht entgegenstehen die Regel von der Niclit- aufhel>ung errvorbenen Rechtes, noch irgend etwas dagegen Bestehendes, wenn auch zu seiner Entkraftung eine besondere und ausdriickliche Erwahnung erforderlich ware. Deshalb hat Seine Heiligkeit angeordnet, dass dieses Decret ausgefertigt undjenen, die es betrifft, mitgetheilt werde. Gegeben zu Rom von dem Secretariate der fur die Ab- lasse und heil. Reliquien aufgestellten heil. Congregation am 1. Februar 1879. § 9 . Die Statuten des Anbetungs-Vereines werden vom heiligen Stuhle bestimmt. , Die Statuten (Regolamento) des Erzvereines der ewigen Anbetung und der Ausstattung armer Kirchen waren schon vom Anfang an mit der Gutheiftung aller Bischofe Belgiens und der Bischofe der verschiedenen Lander, wo der Verein nach und nach Eingang gefunden hatte, versehen. Uberdies mirden sie dem Inhalte und ihren Grundregeln nach zugleich mit den Constitutionen der Genossenschaft gutgeheifien, aber in Folge des vorstehenden Decretes, nach welchem der Erz- verein ein romisehes Werk geworden war, schien es unerlass- - 1 — 13 — lich und von hochster Wichtigke.it, dass seine Statuten von nun an mit der Genehmigung des heiligen Stuhles versehen seien. Deswegen richtete die Generaloberin der Genossenschaft die demiithige Bitte darum an unseren heiligen \ater rapst Leo XIII., und Seine Heiligkeit nahm dieses Gesuch gnadig auf und bevollmachtigte die heilige Congregation der Bischo e und Ordensgeistlichen, die genannten Statuten zu bestatigen. Diese Sanction, die hochste und wertvollste, welche der Erzverein sich erwarten konnte, wird das Band immer engc i kniipfen, welches die Vereine untereinander verbindet. Die Veroffentlichung der Annalen des Vereines, \velcre Berichte iiber seine Thatigkeit in den verschiedenen Landern, wo er besteht, enthalten, sind ein wirksames Mittel, die Einheit zu erhalten und den Eifer Aller anzuregen; es ware gut, wenn jeder Verein sich daran betheiligen wiirde. § 10 . Die Statuten des Erzvereines der ewigen Anbetung und z ur Ausstattung armer Kirchen lauten: 1. Der Zweck des Vereines besteht darin: dahin zu wirken, dass Jesus Christus, im allerheiligsten Altarssacramente erkannt, geliebt und immervvahrend angebetet werde; die Beleidigungen zu siihnen, welche Ihm im hochheiligen Sacramente zugefiigt werden; die armen Pfarreien zu unterstiitzen, deren Kirchen die nothwendigen Gegenstande zum Guttesdienste entbehren, sei es im Lande selbst, wo der Verein besteht, oder auch in den auswartigen Missionen. 2. Die Glaubigen des einen und des anderen Geschlechtes konnen an dem Vereine Theil nehmen. Um einverleibtes Mit- glied zu sein und die Ablasse zu gewinnen, muss man: sich einschreiben lassen; _ das allerheiligste Sacrament eine Stunde hindurch jeden Monat anbeten; jahrlich ein Almosen zu Gunsten der armen Kirchen geben. Der Betrag dieses Almosens ist je nach den Verhaltnissen emes jeden Landes bestimmt. Gewohnlich besteht es in einem Francs lur Perspnen, die einen Erwerb haben und in 25 Cent. tur ( le Ulasse der Armen. 3. Jene Personen, welche sich zu einem jahrlichen Almosen 1dr die armen Kirchen verpflichten, werden als Wohlthater ~§- 14 -§- (Theilnehmer) des Vereines betrachtet und nehmen dafiir in besonderer Weise an den Gebeten Theil, welche an allen Orten, wo der Verein besteht, und in den von ihm beschenkten armen Pfarreien verrichtet werden. Jene Mitglieder, welche Gott mit Reichthiimern gesegnet hat, sind gebeten, ihrem jahrlichen Almosen eine Subscription von einem Francs beizufugen (d. h. sich zu 2 Francs zu ver- pflichten). 4. Die monatliche Anbetungsstunde, wird sie nach der Wahl der Mitglieder in der Nacht oder bei Tag gehalten, kann auch zu Hause geschehen, wenn ein Hindernis vorhanden ist, in die Kirche zu gehen. Es wird den Mitgliedern empfohlen, eine bestimmte Stunde an einem festgesetzten Tage des Mo- nates zu wahlen, damit die Anbetung unter den Mitgliedern des Vereines eine ununterbrochene sei; jedoch unumganglich notliwendig ist die bestimmte Stunde nicht und die Mitglieder konnen sie auch frei. haben, wenn sie es vorziehen, sie vor dem ausgesetzten FIochwurdigsten zu halten, insbesondere an den Tagen der ewigen Anbetung und beim vierzigstiindigen Gebete. 5. Es wird den Mitgliedern empfohlen, jede Woche oder wenigstens jeden Monat, in Abtheilungen, das grofie Officium des allerheiligsten Sacramentes nach dem romischen Breviere zu beten, wie es von Anfang an frommer Gebrauch unter den Mitgliedern des Vereines war. 6. Jeden Monat wird ein Versammlungstag gehalten, an welchem das Hochwtirdigste entvveder den ganzen Tag oder nur eine Zeit lang ausgesetzt ist. An diesem Versammlungs- tage wird eine heilige Messe auf die Meinung der Vereins- mitglieder aufgeopfert. Bei dieser heiligen Messe wird eine Unterweisung vor dem allerheiligsten Sacramente gehalten und die Mitglieder pflegen zur heiligen Communion zu gehen. Die Untervveisung kann auch Nachmittag stattlinden. Bei den ver- schiedenen Functionen des Versammlungstages wird eine Samm- lung zu Gunsten der armen Kirchen veranstaltet. 7. Die Mitglieder des Vereines, welche der Tod von dieser Welt abruft, werden an den Versammlungstagen bei dem hei¬ ligen Messopfer eingescMoben und nehmen auf ganz besondere Weise an der .Communion und den Gebeten der Mitglieder theil. Der Director des Vereines wird es sich iiberdies an- gelegen sein lassen, alles das dem Gebete und dem Eifer der Mitglieder zu empfehlen, was zur grofieren Verherrlichung Jesu Christi im allerheiligsten Altarssacramente beitragen kann. 8. Zu dem Zwecke, die armen Kirchen zu untersttitzen, wird ein Depot errichtet, in welchem die Gegenstande jedweder Art untergebracht werden, welche zu diesem guten Werke bestimmt sind. Alles wird mit Dankbarkeit angenommen und -I- 15 mit a Uer Sorgfalt in Verwendung gebracht. Wenn man einst- mals die Weiber Israels ihre Armbander und Ohrgehange ab- legen sab, um sie dem Schmucke der Stiftshiitte zu weihen, emem emfachen Vorbilde unserer Kirchen; darf man dann mcht hoffen, dass die cbristlichen Frauen gerne bereit sein werden, zur Verherrlichung des auf unseren Altaren gegen- wartigen Gottes, Gegenstande aus ihrem Eigenthume zu opfern, kluger Eifer wohl zu beniitzen weifi ? mehrmals des Jahres findet eine Ausstellung Kirchen verfertigten Gegenstande oder em- Die Arbeit \vird immer unentgeltlieh tragen den Namen Gleich nach der die em 9. Ein oder der fur die armen pfangenen Gal)en statt. verrichtet. Alle ausgestellten Gegenstande der Kirchen, fur \velche sie bestimmt sip d. ~ , ^ rc hen Ausstellung vverden die Gegenstande an t ,1 die abgesendet. In den grofien Stadten isi . , =' - j tpn zweiter Ausstellung alle drei Monate zu rnachen, m e . h r g e deu- Cta»e alle sechs Monate; und an Orten von ‘"'"‘'X “gen- tung soli der Verein wenigstens einmal m J _____ v , rr .\\« stande ausstellen, tiber die er zu Gunsten „„ so veranstalten, wie es die Priester geleitet, den der aus einer Schriftfuhrerin, einer r r-- , _ der armen Kirchen o, , f’ 611 k & nn, und die Ausstellung a u en des Vereines fordern. -feder Verein wird von einem Pischof des Ortes ernennt. p .. -! 1 ' P er pirector hat einen Rath zur Seite, Vi einer Vice-Prasidentin, einer Schrift , ‘j , "nlttuhrenn, einer Schatzmeisterin, einer Vice-Schatz eisterm und aus eimgen Beirathen (Assistentinnen) besteht. welrhr> HiVprvrr' nC ' ^ e , rn ? r dieaneifernden Frauen (Verbreiterinnen), sie MitcrlifaU haben, den Verein zu verbreiten, indem snrhen^ c* «•’ ,j scribenten (Theilnehmer) und Arbeiterinnen p l ’ , e versc haften u. s. w. Sie nehmen die jahrlichen b n und die subscribierten Beitrage in Empfang. ' Id. D as Frohrileichnamsfest ist das Haupt- und Titularfest ues Erzveremes. z1weiten Ranges sind die Feste: Herzens Jesu, des unbefleckten Herzens heiligen Joseph und die Feste jener Des heiligsten Maria, das Fest des Heiligen, welche wegen ihrer besonderen “erebrt heiligsten Sacramente vom Erzvereine als 1 u e jpo- en werden: der heilige Paschalis Baylon, als ar

ie Einnahmen betrugen in diesem Jahre 1665 fl. 85 kr., woftir nachstehende Kirchenparamente beschafft wurden: 18 Messgewander, 13 Schulter-Vela, 22 Stollen, 6 Versehmantelchen, 3 Ciborium-Mantelchen, 9 Alben, 12 ChorrOcke, 32 Humeralien, 18 Corpo- ralien, 36 Palen, 106 Purificatorien, 80 Lavabo-Tuchlein, 9 Cingula, 14 Al- tarpOlster, 6 Altarantipendien, 6 rothe und 10 schwarze Ministranten - Kittel, 11 rothe und 13 schwarze Ministranten-Kriigen, 1 Gemalde, die Mutter-Got- tes von Lourdes darstellend, 1 Messbuch. § 42. Fiinfter Jahresbericht pro 1886. Wenn man das kirchliche Leben in unserer Stadt be- trachtet, so rnuss man bekennen, dass diesbezriglich in die¬ sem Jahre hierorts eine rege Thatigkeit geherrscht hat. ~J~ 102 -> Die altehrwiirdige Dom- und Stadtpfarrkirche, welche im Laufe der Zeit derart baufallig geworden ist, dass man nicht wusste, ob man sie reconstruieren oder demolieren soli, wurde in diesem Jahre von Innen und von Aufien solid und stylge- recht hergestellt und prangt nun wie neu geschaffen in ihrem Schmucke vor unseren Augen. Die Restaurierungs-Kosten be- trugen uber 50.000 H. Weiters wurde in diesem Jahre bei den Schulschwestern ein gar liebliches Klosterkirchlein neu erbaut und schon aus- gestattet. Die feierliche Einweihung desselben fand durch Seine Furstbischoflichen Gnaden und Exzellenz am Feste Maria Ge- burt statt. — Die schon gebaute Aloisikirche wurde ebenfalls heuer einer durchgreifenden Renovierung unterzogen, und wie man hort, wird dieselbe im nachsten Jahre ein neues Stein- pflaster erhalten. — In der St. Magdalena-Vorstadtpfarre wurde am 9. September d. J. bei dem allgemeinen Krankenhause zur Erbauung einer Kapelle fiir die barmherzigen Schwestern und die dort befindlichen Kranken der Grundstein gelegt und geweiht. So sieht man allenthalben einen regen Eifer fiir die Her- stellung und wiirdige Ausstattung der dem offentlichen Gottes- dienste dienenden Gotteshauser. Dieses beweist uns, dass guter chiistlicher Geist und edle kirchliche Gesinnung noch unter uns wobnen. Zeuge dessen ist auch der seit ftinf Jahren in unserer Diocese bestehende Anbetungs-Verein, welcher sich immer mehr und mehr ausbreitet. Dieser Verein hat die schone Aufgabe, durch die entsprechende Ausstattung der Gotteshauser und durch Herbeischaffung von Kirchen-Paramenten und Uten- silien eine wiirdige Feier des offentlichen Gottesdienstes zu fordern; aber auch dafiir zu sorgen, dass dem gottlichen Er- loser im allerheiligsten Sacramente iiberall die schuldige Ehr- furcht und Anbetung erwiesen werde, wodurch der Glaube belebt und auf diese Weise immer mehr Seelen zum gottlichen Herzen Jesu gefiihrt werden, wo sie allein den wahren Trost und Frieden finden, den die Welt nicht geben kann. Die Vereins-Mitglieder sind abermals in diesem Vereins- jahre dieser schonen Aufgabe nachgekommen, sie haben bei jeder Gelegenheit dem gottlichen Erloser im allerh. Altarfesakra- mente die schuldige Ehre und Anbetung erwiesen, sie haben ihre milden Gaben auf den Altar der gottlichen Liebe gelegt, wodurch die Vereinsleitung in den Stand gesetzt wurde, die hier ausgestellten Kirchen - Paramente und Utensilien zu ver- fertigen, welche nach geschlossener Ausstellung an diirftige Kirchen vertheilt werden. Die Vereinsleitung sieht sich daher angenehm verpflichtet, allen Vereins-Mitgliedern und Gonnern, namentlich aber dem verehrten Frauen-Comite fiir ihre opferwillige Mitwirkung und -S- 103 -f- Muhewaltung den verbindlichsten Dank auszusprechen und die ergebenste Bitte beizufugen, dieselben mochten auch fernerhin dem Vereine gewogen bleiben und die schone Aufgabe des- selben fordern, damit der Name des Herrn immer mebr und mehr erkannt, durch thatige, opferwillige Liebe bekannt und durch andachtige Theilnahme an der Feier des offentlichen Gottesdienstes geheiliget und verherrlichet werde. Der Verein zahlt gegenwartig 7602 Mitglieder. Die Ein- nahme betragt 1595 fl. 69 kr., wofur nachstehende Kirchen- paramente verfertiget worden sind: 25 Messldeider, 9 Alben, 14 Priester-ChorrScke, 6 Ministranten-Chor- rocke, 144 Purilieatorien, 78 Lavabo-Tiichlein, 36 Corporalien, 72 Hume- ralien, 7 Cingula, 9 Vela, 6 Ciborium-Mantelchen, 4 Verseh-Beutel mit Mantelchen, 15 Predigt- und Beichtstolen, 7 Ministranten-Kittel, 18 Altar- kissen, 7 Antipendien, 1 Rauchfass. Die ubliche Ausstellung dieser Kirchenparamente wurde im Monate September veranstaltet, bei welcher der Vereins- Obmann an Seine Fiirstbischofliche Gnaden, als Vereinsprotector und die zahlreichen Anwesenden nachstehende Worte richtete: Der Anbetungs-Verein feiert heute den funften Jahres- schluss seines Bestandes mit einer Kirchenparamenten - Aus¬ stellung. Die hier ausgestellten Gegenstande bezeugen, dass dieser schone Verein in der Stadt Marburg, aber auch in der Dio- cese immer mehr Freunde und Anhiinger gewinnt. Denn die schonen Stickereien an den Messkleidern, Ciborium- und Ver- seh-Mantelchen, dann die Spitzen an den Alben und Chor- rocken, wer hat sie verfertiget? Die frommen Frauen und Fraulein Marburgs haben es gethan. Leider hat der Verein in diesem Jahre einen schweren Verlust zu verzeichnen, es ist demselben eine der eifrigsten Mitarbeiterinnen, die verehrte Frau Rak, durch den Tod entrissen worden. Dieselbe hat fur den Verein sehr viel gearbeitet; noch am Krankenlager war sie thatig, drei Tage vor ihrem Hinscheiden hat sie an einer Casula mit Blummenkranzen gearbeitet, und wir holfen, dass sie hiefiir unverwelkliche Blumenkranze in der himmlischen Herrlichkeit erhalten hat. Dieselbe sei daher dem. frommen An- denken der Vereins-Mitglieder bestens empfohlen. Wenn man die hier ausgestellten Kirchensachen betrach- tet, so wird man unwillkurlich zu der Frage veranlasst: Diese Kirchenparamente reprasentieren einen bedeutenden Wert, kosten viel Geld, wie sind nun die Auslagen hiefiir bestritten worden? Ich antworte: Das hat die Ldebe zu Jesus im heilig- sten Sacramente gethan. Denn aus allen Pfarren der Diocese haben die Vereins - Mitglieder mit wahrem Bienenfleifie ihr Scherflein beigetragen, wodurch die Vereinsleitung in den Stand gesetzt wurde, die Kirchenstoffe anzukaufen und das andere -I- 104 -š- Nothwendige zu besorgen. Aber auch andere Wohlthater haben den Verein mit besonderen Spenden bedacht, wofiir ihnen hiemit der innigste Dank ausgesprochen wird. Insbesondere sei aber der verbindlichste Dank abgestattet Euer Furstbischoflichen Gnaden fiir die bisherige dem Vereine stets gewahrte Wohl- gewogenheit; desgleichen danke ich bestens dem hochverehrten Frauen-Comite fiir ihre Miihewaltung, als auch allen Freunden und Gonnern fiir die Untersttitzung und empfehle auch ferner- hin den Verein ihrem Wohlwollen. § 43. Sechster Jahresbericht pro 1887. Der Zweck des Anbetungs-Vereines ist ein doppelter: 1. die Erkenntnis, Liebe und Anbetung Jesu Christi im allerhei- ligsten Sacramente des Altares in sich und anderen zu fordern und dadurch den Glauben zu beleben und ein christliches Han- deln und Wandeln zu erzielen; 2. zur wiirdigen Feier des oftentlichen Gottesdienstes die erforderlichen Kirchenparamente und andere Utensilien herbeizuschaffen, um auf diese Weise die aufiere Gottesverehrung zu fordern und in den Glaubigen die Andacht zu heben und dieselben zur erbaulichen Theilnahme an den gottesdienstlichen Handlungen zu stimmen. Dieser doppelten Aufgabe suchte der Verein auch in diesem Jahre gerecht zu werden. Es wurden wahrend des Jahres zu diesem Zwecke Vortrage gehalten und allmonatli.ch eine hi. Segenmesse gelesen fiir alle lebenden und verstorbenen Mitglie- der, nach welcher noch besondere Gebete sind verrichtet worden fiir das geistliche und leibliche Wohl derselben. Fiir die wah- rend des Jahres eingegangenen milden Gaben hat dieVereins- leitung entsprechende Kirchenparamente anfertigen lassen, wie dieselben in der Ausstellung zur Ansicht vorliegen, und her- nach an diirftige Kirchen zum Gebrauche beim oftentlichen Gottesdienste werden hintangegeben werden. Dass der Anbetungs-Verein fiir unsere Zeit sehr wohl- thatig ja nothwendig sei, kann nicht bezweifelt werden, wenn man bedenkt, wie sehr die Welt sich bemiiht, das katholische Bewusstsein und die Liebe zu einem diesem entsprechenden christlichen Leben in den Herzen der Menschen abzuschwachen. Und doch ist es eine strenge Pflicht, dass der Mensch als Geschopf Gottes Gott seinen Herrn erkenne, ehre, liebe und ihm diene, und ihm als dem Herrn Himmels und der Erde die hochste Verehrung und Anbetung erweise. Wie soli aber diese Gottesverehrung beschaffen sein? — Dieselbe soli sein 1. eine innerliche, welche darin besteht, -I- 105 -§*■ dass wir in unserm Herzen an Gott glauben, auf ihn hoffen, ihn lieben und anbeten; 2. dieselbe soli auch eine aufier- liche sein. Weil wir aus Leib und Seele bestehen und von Gott an Leib und Seele alltaglich unzahlige Gnaden und Wohl- thaten erhalten, so miissen wir ihm mit Leib und Seele dienen und ihn auch durch aufierliche Acte verehren und anbeten; dieses geschieht aber eben durch die aubere Gottesverehrung. Was thut nun der Anbetungs-Verein in clieser doppelten Hinsicht? Vor allem sorgt er hiefiir, dass die Vereinsmitglieder recht fleifiig sogenannte Siihncommunionen und andere Stihn- andachten verrichten, um Christus dem Herrn ob der vielen Krankungen, die er gerade in diesem Sacramente der Liebe erfahrt, mindestens einige Genugthuung zu leisten. Sodann eifert er die Vereinsmitglieder an, durch ihr eigenes Beispiel, was den tleifiigen und andachtigen Besuch des Gottesdienstes uberhaupt, und insbesondere der hi. Segenmessen und des nachmittagigen Segens an Werktagen in den Stadten betrifft, den iibrigen Glaubigen vorzuleuchten. Endlich will er, dass seine Mitsrlieder auch unter ihren Anverwandten und Bekannten durch freundlichen Zuspruch in dieser Richtung wirken; lhre Pflegebefohlenen aber mit Ernst zum regelmabigen Besuche des Gottesdienstes verhalten und deren Benehmen im Gottes- hause iiberwachen. Christus der Herr spricht: «Wenn ich von der Erde erholit sein werde (am -Kreuze namlich) w i 11 ich a 11 e a n mich ziehen»'.... Wenn er in der hi. Monstranze tiber dem Altare erhoht wird, da ist es nun vorzuglich, wo er die Herzen der Glaubigen mit aller Gewalt seiner gottlichen Liebe an sich zieht. —Edle Vereinsmitglieder! Der Anbetungs-Verein ist insbesondere berufen, der Gehilfe des Herrn bei diesem Zuge der Liebe zu sein; dadurch, dass wir — dessen Mitglie- der — uns unablaliig bemiihen, durch Gebet und Wohlthun, durch Wort und Beispiel, die Herzen recht vieler, — ja wenn Gott es geben mochte — aller Menschen zu Jesus im aller- heiligsten Sacramente hinzuziehen! Die Einnahmen dieses Jahres betrugen 1843 fl. 39 kr., wofiir nachstehende Kirchenparamente und Utensilien ange- schafft wurden: 56 Messkleider, 33 Stola, 8 Ciborium-Mantelchen, 1 Vespermantel, 7 Versehmantelchen mit Zugehor, 12 Vela, 32 ChorrOcke, 84 Humeralien, 190 Purificatorien, 111 Lavabo-Tiichlein, 2 Opfer-Kannchen, 40 Corporalien, 2 Messbiicher, 2 Kelche, 3 Rauchfasser, 1 Ciborium, 5 Cruzi(ixe, 8 Altar- Leuchter, 2 Monstranzen, 1 Weihbrunn-Kessel, 2 Lampen, 4 Glockenziige, 4- Altar-Tticher, 16 Altar-P5lster, 7 rothe Ministranten-Kitteln, 10 Ministran- ten-Chorrbcke. Joh. 12, 32. Das sojahrige Priester-Jubilaum Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII. im Jahre 1887. In clieses Jahr fiel die Feier des 50jahrigen Priester-Jubi- laums Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII. Dass auch hiebei die guten Lavanter Uiocesanen als treue und opferwillige Kinder cler katholischen Kirche sich bewiesen, zeigt nachstehender Ausweis iiber die milden Gaben zur Jubelfeier des heiligen Vaters Leo XIII. Spende fiir das Messstipendium zur Secundizfeier. 1. Sammlung der Fiirstin Salm-Spiegel in Neucilli 2. » der Comtesse Pia Zabeo, Herrschaft Faal. 3. Allgeineine Sammlung in den Pfarren . und zwei Dukaten in Gold. Summe 236 fl. — kr. 116 » 20 » 654 »61 » 1006 fl. 81 kr. Fiir die Vatikanische Ausstellung und die hi. Mi s s i- onen. 1. Seine Furstbischoflichen Gnaden und Excellenz 2. Sammlung der Fiirstin Salm-Spiegel in Neucilli 3. » der Frau Grafin Nugent . . . . 4. » der Frau Olga Baronin Hein O 5. Allgemeine Sammlung in den Pfarren . . und 10 Frcs. Summe 100 fl. — kr. 168 » — » 55 » — » 437 » 40 » 1430 » 18 » 2190 fl. 58 kr. Die Mehrzahl der in diesem Jahre verfertigten Kirchen- sachen wurde zur Vatikanischen Ausstellung in Rom fiir die Secundizfeier des heiligen Vaters Leo XIII. iibersendet. Zu diesem Zwecke haben ge\vidmet nachstehende Wohlthaterinnen. Die wohlg. Frauen: Baronin Godel-Lannoy ein goldge- sticktes Messkleid, La Princesse Victor Odescalchi ein Ciborium- Miintelchen und 2 Altartticher, Grafin Nugent eine Albe, zwei Messkleider, eine Monstranze und ein Rauchfass, Francisca Freiin von Hennet geb. Freiin Korb von Weidenheim, zwei Opferkannchen, Anna Grafin Des Enffans d’Avernas, geb. Grafin Platz, ein Rochet, Anna v. Gjujto, geb. von Maurer, 12 Purificatorien, 12 Lavabo, Schirza, mehrere Stiick Zwirnspitzen, Amelie Baronin Wittenbach, 6 Palen, Grafin Antonia Arco, 3 Lavabo, Bar. Helena Metencloit, 3 Lavabo, Nina Grafin Wurm- brand, geb. Grafin Somsich, 6 Palen, Paula Baronin Hacklberg, -g~ 107 -*► geb. Grafin Brigido, 3 Palen, Constantia Baronin de Traux, 6 Purificatorien, Theresia Allmayer, geb. von Beck, ein Velum, Beatrix Baronin Gagern, geb. Grafin Auersperg, ein Ciborium- Mantelchen, Serafine Baronin de Traux, geb. Baronin Zois, 1 Altartuch, Eleonore Baronin Puthon, 2 Alben, Eugenie Vetter- Doggenfeld, 1 Glockenzug, Fanny von Pongraz, 1 Stola, Grafin Valesko Barbo, I Stola, Grafin Leonie Sermage, 1 Chorrock und 1 Casula, Ida Baronin Moskon, geb. Baronin Ožegovič, 'I Casula, Hersilie Hofrathin von Baeck, 3 Altartticher und 1 Casula Blanca von Adamovich, geb. Grafin Wickenburg, 1 Casula, Marie Princesin zu Salrn, 1 Casula, Christine Furstin zu Salm, geb. Spiegel, 1 Casula, Rosa Princesin zu Salm, 1 Casula, Damen aus Cilli 12 Purificatorien und 2 Corporalien, Damen aus Praftberg 1 Stola und 1 Ciborium-Mantelchen, Frl. Marie Leschtina 6 Corp., 3 Purificatorien, 6 Lavabo und I Altartuch, Frl. Antonie Com- tesse-Molina, 12 Palen, Frl. Carolina Rondeau eine Stola und 1 Verseh-Mantelchen, Frau Albensberg in Marburg, 1 Stola, das Lavanter-Domcapitel, 1 silbernen Kelch, der kath. Frauen-Verein in Marburg, ein Messbuch, die Schulschwestern in Marburg, ein goldgesticktes Velum. Ein tausendfaches «Vergelt’s Gott» allen P. T. Wohl- thatern und Wohlthaterinnen tur ihre opferwillige Liebe.! § 45. Siebenter Jahresbericht pro 1888. Der Anbetungs-Verein hat das siebente Jahr seines Be- stehens vollendet. Wie viel derselbe in dieser Zeit zur Bele- bung des Glaubens, der Andacht und Liebe zu Jesus im alier- heiligsten Altarssacramente beigetragen, das ist Gott dem Allwissenden allein bekannt. Der schonste Bevveis, dass das Streben des Vereines, die innige Verehrung und dankbare Liebe zum gottlichen Erloser zu fordern, allenthalben in der Diocese Anerkennung findet, sind die reichlich eingeflofienen milden Gaben, wodurch die Vereinsleitung in den Stand gesetzt wurde, im Laufe der Zeit viele diirftige Kirchen der Diocese mit entsprechenden Kirchen- paramenten und anderen zur wiirdigen Feier des Gottesdienstes erforderlichen Utensilien zu betheilen. Der Verein hat sich immer gegenwartig gehalten den Ausspruch des konigliehen Sangers: «Domine, dilexi de- corem dom us tuae, et locum habitationis gloriae tuae — Herr! i c h liebe die Prač h t deines H a u s e s , Und den Ort der Wohnung d e in er H e r r li c h k ei t». 1 1 Ps. 25, 8. -I- 108 -i- Und die Mitglieder haben stets freudig gerufen: «Quam di- lecta tabernacula tua Domine virtutum; cone up iš¬ či t et deficit anima mea in a tria Domini. Cor meum et caro mea exultaverunt in Deu m vivum — Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr d er Heer- scharenlEssehnetsich undschmachtet meineSeele nach d en Vorhofen des Herr n. Mej n Herz und m e in Fleisch frohlocken in dem lebendigen Gott».‘ Wem haben wir aber dieses Alles zu verdanken, was der Verein bisher zur Verherrlichung Gottes gethan ? — Zunachst Gott dem Herrn, der die Thatigkeit der Vereinsmitglieder ge- segnet; und dann Seiner Fiirstbischoflichen Gnaden und E x c e 11 e n z, u n s e r e m H o c h w ti r d i g s t e n und i n- nigstgeliebten Oberhirten, Hochwelcher den Anbe- tungs-Verein in der Diocese eingefuhrt, mit dem Hirtenschrei- ben vom 27. Janner 1881 dem Seelsorgeclerus und den Glau- bigen aufs warmste empfohlen und fortan so vaterlich gepflegt hat. Mit gehobener Stimmung und mit innigster Andacht werden daher die Mitglieder dieses Vereines theilnehmen an der erhabenen Jubelfeier des 50 j a h r i g e n Priester- J u b i 1 a u m s, welches S e i n e F ti r s t b i s c h 6 f 1 i c h e n Gnaden, der Griinder und hochherzige Gonner des Vereines, demnachst begehen werden. Und wie gelegentlich des 50jahrigen Priester-Jubilaums desheiligen Vaters, Leo XIII. die Glaubigen des ganzen Erd- kreises in der vatikanischen Ausstellung ihrer kindlichen Ver- ehrung und Liebe gegen das Oberhaupt der Kirche Ausdruck gegeben, so veranstaltet der Anbetungs-Verein der Diocese Lavant aus Anlass des 50jahrigen Priester-Jubilaums mit Hilfe der milden Gallen aller Diocesanen die diesjahrige Paramenten-Ausstellung, um dadurch seine tiefste Verehrung und innigste Dankbarkeit gegen Seine FurstbischOfliche Gnaden ehrfurchtsvollst an den Tag zu legen. Betreffend die diesjahrige Thatigkeit des Vereines theilt die Vereinsleitung mit, dass auch in diesem Jahre die Mit¬ glieder in erfreulicher Weise ihre milden Gaben beisteuerten; und Derjenige, der die Witwe im Tempel, welche zwei Heller geopfert hat, belobte, hat auch gewiss mit LVohlgefallen her- abgesehen auf die Geber und hat die Gaben gesegnet, denn sie sind ja nur Ihm und zu seiner Ehre gespendet worden. Hiebei sei noch erwahnt, dass eine unbekannte Wohl- thaterin der Frau Prasidentin eines Tages in der Kirche den bedeutenden Betrag von 100 fl. zu Vereinszwecken in die Hand ' Ps. 83, 2. -I- 109 -§- gedriickt, und dass einige Pfarren der Diocese besonders reich- liche Beitrage geleistet haben. Diesen, sowie allen P. T. Gonnern und Wohlthatern, ins- besondere dem hochverehrten Frauen-Comite sei hiemit der verbindlichste Dank ausgesprochen, und der Anbetungs-Verein auch fernerhin auf das warmste empfohlen. Schliefilich sei noch bemerkt, dass die ausgestellten Para- mente grofitentheils von den ehrwurdigen Schulschwestern in Marburg sind verfertiget worden, welche eine bedeutende Auswahl von Kirchensachen fuhren und daher in der Lage sind, im Bedarfsfalle aufs reellste und billigste zu bedienen. An Einnahmen hatte der Verein in diesem Jahre zu ver- zeicbnen den Betrag von 1809 fl. 79 kr., wofur nachstehende Kirchenparamente verfertiget und an diirftige Kirchen in der Diocese vertheilt wurden: 20 Messkleider, 10 Alben, 15 Chorrocke, 4 Vela, 3 Ciborium-Mantel- chen, 16 Stola, 1 Vespermantel, 2 Dalmatiken, 84 Purilicatorien, 60 Lavabo- Tuchlein, 24 Corporalien, 24 kleine Corporalien, 46 Humeralien, 20 Cingula, 2 Messbticher, 4 Altarpulte, 9 Ministranten - ChorrOcke, 12 Ministranteu- ROcke, 8 Altar-Polster, 2 Antipendien. Die Vereinsleitung war bestrebt, nicht so sehr in grofier Menge Kirchenparamente zu beschaffen, als vielmehr auf die Soliditat und Dauerhaftigkeit der Stoffe Riicksicht zu nehmen. Zu wiinschen ware auch, dass uberall entsprechende Kasten angeschafft und die Paramente nach der Lange au.sgebreitet aufbewtihrt wiirden, denn nur auf diese Weise werden diesel- ben lange Zeit Dienste leisten. § 46. Achter Jahresbericht pro 1889. Der Bericht, \velchen der Verein zur bestandigen Anbe- tung des allerheiligsten Altarssacramentes den verehrten Mit- gliedern alljahrlich uberreicht, verfolgt, wie der Verein selbst, einen doppelten Zweck. Er soli. erstens ein lauter Mahnruf sein, um die Mitglie- der zu erneuter Liebe und Verehrung gegen das erhabenste Geheimnis des Glaubens anzuspornen, und immer weitere Kreise zu gleicher Liebe und Verehrung aufzumuntern. Ist ja das allerheiligste Sacrament des Altares der Mittelpunkt des katho- lischen Gottesdienstes und die Sonne der Andacht fiir den katholischen Christen. Um nun diesen ersten Zweck zu erreichen, sollen alle Mitglieder die bei ihrem Eintritte in den Verein ubernommene Betstunde gewissenhaft einhalten, so oft als nur moglich dem lil. Messopfer andachtig beiwohnen, die hi. Communion wiirdig empfangen, Jesum im allerheiligsten Sacramente besuchen, mit einem Worte: eine recht innige Liebe und zartliche Andacht zu Jesu im allerheiligsten Altarssacramente hegen. In der Dom- und Stadtpfarrkirche zu Marburg, als dem Sitze des Vereines, wird monatlich einmal — gewohnlich am dritten Sonntage im Monate — fiir die Vereinsmitglieder ein Vortrag gehalten, und eine hi. Segenmesse auf die Meinung des Vereines, fiir die lebenden und verstorbenen Mitglieder und Wohlthater, Gott aufgeopfert. Andererseits aber soli der Jahresbericht den Mitglie- dern einen Uberblick gewahren iiber den Stand und die Lei- stungen des Vereines im abgelaufenen Vereinsjahre. Und die Vereinsleitung muss mit freudigem Danke bekennen, dass die Hand Gottes auch in diesem Jahre die Thatigkeit des Vereines reichlich gesegnet hat. Die Zahl der Vereinsmitglieder hat in erfreulicher Weise zugenommen; aus allen Pfarren unserer schonen Diocese sind die Vereinsgaben reichlich eingefiossen; einige Pfarren, wie z. B. Sachsenfeld, Trifail, Maria Rast, St. Peter bei Radkersburg und Stranitzen haben sogar grofiere Betrage gespendet und konnten deshalb vom Vereine reich- licher bedacht werden. Fraulein Augustine Fortschnik gedachte des Vereines in ihrem Testamente und legierte ihm eine Staats- obligation pr. 100 II. Der Vereinsleitung sind aber auch so viele Bittgesuche um Unterstiitzung zugekommen, dass es ihr bei dem besten Willen nicht moglich sein wird, alle zu berticksichtigen. Indem daher die Vereinsleitung allen P. T. Mitgliedern, Woblthatern und Gonnern des Vereines, insbesondere dem verehrlichen Frauen - Comite, fiir ihre opferwillige Mitwirkung und Miihewaltung den herzlichsten Dank ausspricht, wiederholt sie die ergebenste Bitte, dieselben mogen auch in Zukunft nach Kraften bemttht sein, die Vereinszwecke zu fordern, auf dass «J e sus im allerheiligsten Sacramente i m m e r m e h r erkannt, geliebt und angebetet werde.» Ihren 8. Jahresbericht kann die Vereinsleitung nicht schlie- fien, ohne in kindlicher Verehrung und Dankbarkeit des Hochseligen Hochwiirdigsten Oberhirten zu geden- ken, Hochwelcher den Verein ins Leben gerufen und bis zu Seinem Tode so liebevoll gepflegt hat. Moge der gottliche Heiland Hochdemselben jenseits reichlich vergelten, was Er im Leben zur Verherrlichung des allerheiligsten Altarssacramentes gewirkt hat. Die Mitglieder aber wollen Seiner in ihren Ver- einsgebeten liebend gedenken. Die Einnahmen in diesem Jahre waren 2713 fl. 13 kr., womit nachstehende Kirchenparamente angeschafft wurden: ' -vi fv Jakob Maximilian Stepischnegg, Fiirstbischof von Lavant, 1862—1889, Grunder des Anbetungs-Vereines in der Lavanter DiScese. & 4 -1-111 -i- 27 Messkleider, 12 Alben, 12 ChorrOcke, 7 Vela, 2 Ciborium-Mantel- chen, 21 Stola, 2 Verseh-Mantelchen, 3 Vespermantel, 4 Dalmatiken, 170 Purificatorien, 100 Lavabo-Tuchlein, 48 Corporalien, 48 kleine Corporalien, 60 Humeralien, 16 Cineula, 1 Messbuch, 2 Messbticher fiir Requiem-Messen, 8 Mess-Pulte, 16 Ministranten - Chorrocke, 6 rotile, 6 blaue Ministranten- Kittel, 4 Altarpolster. § 47. Fiirstbischof Dr. Jakob Maximilian Stepischnegg. Nach dem Jahresberichte des Vereines der bestandigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsacramentes und zur Aus- stattung armer Kirchen in der Lavanter Diocese, in welchem zum letztenmale der Name desjenigen genannt wird, der den Verein in unserer Diocese zur Griindung und Einfiihrung ge- bracht, der denselben aus ganzer Seele geliebt und aufs kraf- tigste unterstiitzt hat, ziemt es sich, dass wir das Bild seines thatenreichen Lebens vor unseren geistigen Augen entrollen und ihm so auf diese Weise in dankbarer Erinnerung an alle unzahligen Wohlthaten, die er der Diocese iiberhaupt und un- serem Vereine insbesondere erwiesen hat, ein dauerndes Denk- mal setzen. Fiirstbischof Jakob Maximilian ward geboren in Cilli am 22. Juli 1815 und erhielt nach glanzend vollendeten Studien am 2. August 1838 in St. Andra in Karnten die heil. Priesterweihe. Drei Jahre (1836—1839) weilte er im hoheren Weltpriester- bildungsinstitute zum hi. Augustin in Wien, wo er auch zum Doctor ss. Theologiae promoviert worden ist. Ein Jahr diente er sodann als 1. Kajtlan in Neukirchen bei Cilli und sieben Jahre (1840—1847) als F. B. Hofkaplan und Consistorialsecretar unter den hochseligen Fiirstbischofen Ignaz Franz Zimmermann, Franz Xav. Kuttnar und Anton Martin Slomšek. Schon zu Flnde desjahres 1847 erfolgte seine Ernennung zum Domherrn des F. B. Lavanter Domcapitels, vvelcher Ernennung hierauf jene zum infulierten Domdechante am 21. November 1861 ge- folgt war. Zum Fiirstbischofe von Lavant wurde er vom da- maligen hochwiirdigsten Fiirsterzbischofe von Salzburg, Maxi- milian Josef von Tarnoczy, am 21. December 1862 ernannt, als vvelcher er am I7. Janner 1863 confirmiert und am 18. Janner desselben Jahres im Dome zu Salzburg consecriert worden ist. Er starb nach mehr als 26-jahriger, segensvoller Regierung seiner Diocese am Herz Jesu-Freitage den 28. Juni 1889, konnte somit noch im Jahre 1888 das goldene Jubilaum seiner Priester- Und das silberne Jubilaum seiner Bischofsweihe zur Freude seiner Diocesanen in feierlichster Wejse begehen. Se. Heilig- keit Papst Pius IX. ernannte ihn zu seinem Thronassistenten, -I- 112 Se. Majestat der Kaiser Franz Joseph I. aber verlieh ihm im Jahre 1879 das Grosskreuz des Franz Josephs-Ordens und im Jahre 1883 die Wtirde eines Geheimen Rathes. Was der hochselige Fiirstbischof Jakob Maximilian, der nebstbei aucb noch auf literarischem Felde eine sehr gesegnete Thatigkeit entfaltete, flir die Lavanter Diocese war, inoge aus nachstehenden Daten entnominen werden. Arn 17. December 1863 griindete er den Priester-Em e- riten-Fond zur Unterstiitzung dienstunfahiger Priester und spendete demselben im Ganzen 9850 fl. Der im Jahre I860 ins Leben gerufene »Katholische Frauenverein der werk- thatigen christlichen Nachstenliebe in Marburg« verehrte in ihm seinen langjahrigen grofien Wohlthater und Beschiitzer. Im Jahre 1863 fiihrte er die Schulschwestern vom III. Orden des hi. Franciscus von Assisi in Marburg ein und unter- stiitzte sie mit Rath und That aufs nachhaltigste. Im Jahre . 1878 berief er die Schulschwestern auch in seine Vaterstadt Cilli, kaufte ihnen ein Haus und liefi ihnen alljahrlich durch den katholischen Aushilfsverein in Cilli, der die Schwestern sammt der fiinfclassigen Madchenschule erhalt, bedeutende Geldsummen zukommen. Im November des J ah res 1871 be- griindete er den katholischen Prefiverein und spendete ihm 400 fl. Im Jahre 1873 rief er ins Leben den Priester-Un- terstiitzungs-Verein fiir die Lavanter Diocese und be- dachte ihn gelegentlich seines 50-jahrigen Priesterjubilaums mittelst einer herrlichen Widmungs-Urkunde vom 2. August 1888 mit einem Geschenke von 2000 fl. zum Zwecke des Baues eines Priesterspitales. Im Jahre 1877 errichtete er in Marburg das F. B. Kn ab ensemi n ar Maxim i lian u m- V i c to r in um und widmete ihm mit Schreiben vom 20. September 1877 den nahmhaften Betrag von 2000 fl. Im Jahre 1881 erfreute Furst- bischof Jakob Maximilian die Diocese mit der Einfuhrung des A n b e tungs - Ver ein es. Im Jahre 1883 feierte er mit segens- reichen Erfolgen eine Dioecesan-Synode. Zur Restau- rierung der Dom- und Stadtpfarrkirche in Marburg, die sich in denjahren 1885 und 1886 gliicklich vollzog, steuerte er als Patron der Kirche die grobe Summe von 10.000 fl. bei; aufterdem schaffte er das wunderliebliche mittlere Chorfenster im Presbyterium des Domes mit einem Kostenaufwande von 1846 fl. 03 kr. an; endlich liefi er noch in der genannten Kirche einen neuen gothischen Hochaltar (Fltigelaltar) aufstellen, fiir dessen Kosten er wiederum allein und zwar mit der Summe von 6000 fl. auf kam. Und wie edelmtithig der hochselige Oberhirt im Leben war, so war er es auch im Tode. Denn in seinem Testamente, vom 28. August 1886 datiert, setzte er das F. B. Knabenseminar Maximilianum-Victorinum in Marburg zum Universalerben seines -*§— 1 13 —§*- Vermčigens ein. Zudem legierte er in frommer Absicht noch Betrage fur andere wohlthatige Anstalten. Die Gruft, in der dieses so wohlthatige und grofimuthige Bischofsherz ruht, belindet sich in der Kapelle der schmerz- Jiaften Mutter Gottes auf dem Stadtpfarrfriedhofe in Marburg und es ziert dieselbe das Epitapbium, das der Hochselige selbst sich gewahlt: »Jacobus Maximilianus Stepischnegg, Princeps- Episcopus Lavantinus; natus Celeiae 22. Julii 1815, mortuus 28. Junii 1889. Orate pro eo!« Da also der im Herrn selig ruhende Furstbischof Jakob Maximilian ein so guter und liebevoller Hirte seiner Schaflein war, der nie und nirgends etwas anderes suchte, als einzig und allein nur die Ehre Gottes und das Heil der ihm anver- trauten Seelenherde, was Wunder, wenn die ganze Diocese Alles aufbot, um zum Beweise ihrer aufrichtigen Verehrung, Liebe und Dankbarkeit im Jahre 1888 das goldene Priester- und das silberne Bischofsjubilaum ihres geistlichen Vaters in der wurdigsten Weise zu begehen. Die Anregung hiezu gab das hochw. F. B. Lavanter Dom- capitel, indem es unter dem 17. November 1887 an die hochw. Seelsorgepriester ein Circulare versandte, welches die in gar herzliche Worte gekleidete Einladung enthielt: angesichts des Doppeljubilaums, welches Se. Excellenz der Hochwiirdigste Fferr Furstbischof Jakob Maximilian im Jahre 1888 zu feiern das Gliick haben wird, ihm, den doch liber die Halfte der Priester ihren geistlichen Vater nennen kann, da sie aus seiner Hand die heil. Priesterweihe empfieng, fur seinen goldenen Tag irgend ein sichtbares Zeichen ihrer kindlichen Ergebung zu iiberreichen, das da von Jahrhundert zu Jahrhundert den kommenden Priestern laut verkunden soli, dass zur Zeit der Regierung des Ftirstbischofes Jakob Maximilian der Clerus mit seinem Oberhirten «cor unum et anima una» war. Und zwar soli diesmal ein goldener Kelch dieses Symbol der Liebe und Dankbarkeit bilden. Mit welcher Begeisterung der hochw. Seelsorgeclerus diese Einladung aufnahm, geht wohl am schonsten und deutlichsten aus dem Umstande hervor, dass binnen kurzer Frist mehr Liebes- galren eingeflossen sind, als das pracht- und sinnvolle Jubilaums- geschenk zu kosten veršprach. 13ie Summe der Einnahmen er- reichte die ungeahnte Hdhe von 2796 11. 17 kr., wofur sodann angeschafft wurden: 1. Ein goldener Kelch im gothischen Stile. Seine Kuppa ist geziert mit der Umschrift: »Calicem salutaris accipiam et nomen Domini invocabo;« am Nodus er- glanzt der siifieste Name Jesus; auf der Oberflache des Fubes aber sind angebracht sechs Basreliefbilder, darstellend den gekreuzigten Heiland, die allerseligste Jungfrau Maria, den heil. Apostel Jacobus, den heil. Johannes den Taufer und die beiden 8 heil. Bischofe und Martyrer Maximilian und Victorin; auf der Innenseite des Fufies endlich erblickt man eingraviert das Chro- nogramm: »Antlstltl sVo IVbILantl DeDICat DeVote CLerVs LaVantlnVs«. Der aus reinstem und feinstem Golde ver- fertigte Kelch wiegt 1001 Gramm oder 286'/ 2 Ducaten und wurde von der Firma Brix und Anders in Wien um den Preis von 2434 fi. meisterhaft zur Ausfiihrung gebracht; 2. Ein Missale Romanu m in Goldschnitt und Silberbeschlag und mit prachtvollen Bildern von der Buchhandlung Friedrich Pustet in Regensburg, reprasentierend einen Wert von 132 fl. 40 kr.; 3. Zwei reich in G o ld gestickte Altarpolster, ange- fertigt von den ehrw. Schulsehwestern in Marburg um den Betrag von 135 fl. Das noch eriibrigte Geld wurde der Dom- und Stadpfarrkirche in Marburg zur Verschonerung derselben iibergeben. Auf diese Weise versuchte sornit der hochwiirdige Seel- sorgeclerus der Lavanter Diocese seine treue Anhanglichkeit an den Bischof zu bekunden. Und wie diese wiederum das vaterliche Herz des Oberhirten mit Freuden erfiillte, erhellt am klarsten aus dem liebevollen Dankschreiben, das er am goldenen Priesterjubilaums-Feste, den 2. August 1888, an seinen geliebten Clerus zu richten geruhte. Es lautet in deutscher Uber- setzung: Jacob Maximilian, Furstbischof von Lavant etc. Dem ehrvvtirdigen und sehr geliebten Clerus der Lavanter Diocese Grub vom Herrn! Schon anlasslich meines 25-jahrigen Bischofs-Jubilaums, das ich im Janner dieses Jahres feierte, brachtet ihr mir, theu- erste Brtider, eure Gliickwunsche entgegen. Und heute, da ich das goldene Priesterjubilaum d. i. jenen Tag feiere, an dem ich vor 50 Jahren die hi. Priesterweihe erhielt, habt ihr mir theils personlich, theils schriftlich wiederum eure Gliick- wiinsche zum Ausdrucke gebracht. Noch mehr. Auch kostbare Geschenke eurer Opferwillig- keit habt ihr mir gegeben, vorab einen goldenen Kelch mit Patene und sodann noch andere zur Feier der hi. Messe und zum Gottesdienste nothwendige Gerathe. Aus dem Grunde meiner Seele danke ich euch, theuerste Brtider, hiefiir: vorerst dem hochwiirdigsten Capitel meiner Kathedralkirche, sodann aber auch allen tibrigen und jedem, die irgendwie zur Verherrlichung meiner Jubilaums-Feier bei- getragen haben. Nicht als ob ich Gold und Silber begehrt hatte, nein, sondern cleshalb habt ihr mich mit grobter Freude erfiillt, weil ihr mich in der Uberzeugung und in dem Glauben bestarkt habt, dass zwischen mir, eurem Bischof, und euch, 1 15 — 1 ~ meinen Mitarbeitern, in der That wahre Einigkeit und gegen- seitige Liebe herrscht, wie sich solche fiir die Diener des gott- lichen Lehrmeisters ziemt, der da auch fiir uns betete, »dass alle Eins seien, wie du Vater in mir und ich in dir bi n«; 1 und gemafi der Mahnung des hi. Apostels Paulus, der daschreibt: »Uber A11 e s aber habet dieLiebe, we.lche d as Band der Vollkommenheit i s t.« 2 »Den Kelch des Heiles« den ihr mir gegeben, habe ich gerne empfangen. Und »anrufen werde ich den Namen des Herrn« bei der Feier der hi. Messe iiber euch, auf das euch Gott der All- machtige und Allgiitige gesund und unversehrt bis ins spate Greisenalter erhalte und euch sodann nach vollbrachter treuer Arbeit in die ewigen Wohnungen aufnehme. M ar b ur g, am 2. August 1888. Jakob M a x i m i 1 i a n, Fiirstbischof. Doch nicht lange solite der greise Oberhirt der Jubilaums- gaben sich freuen. Die gottliche Vorsehung hat es anders bestimmt. Ein Jahr darauf schon trauerte der Clerus an der Bahre seines besten und edelherzigsten geistlichen Vaters. Gott nahm die Seele seines treuen Dieners in den Himmel auf und tiberreichte ihm, wie wir demuthigst hoffen, fiir den Kelch zeit- licher Freuden den Kelch der ewigen Glorie! § 48. Neunter Jahresbericht pro 1890. »Gelobt und gebenedeit sei ohne End’ das heiligste und gottliche Sacrament«. Dieses Lobgebetlein, der Wahlspruch des Vereines zur bestandigen Anbetung des allerheiligsten Altars- sacramentes, kennzeichnet so schon und klar das Wesen und den Zweck des Vereines, dessen neunten Jahresbericht wir hiemit den verehrlichen Vereinsmitgliedern bieten. Der Gegenstand, welchem die Thatigkeit des Vereines gut, ist der erhabenste und heiligste, der iiberhaupt gedacht Berden kann: es ist das Geheimnis des Glaubens, das immer- 'vahrende Denkmal der gottlichen Liebe, — es ist Jesus Chri- stus selbst, wohnend unter uns im allerheiligsten Sacramente. Kann es demnach etwas erhabeneres geben, als beizutragen, dass der gottliche Heiland in diesem Geheimnisse der Liebe 1 namer mehr erkannt, geliebt, gelobt und verherrlichet werde? 1 Ioan. 17, 21. — 3 Coloss. 3, 14. 8 ’ -S- 116 -S- Und eben dieses ist der Zweck unseres Vereines. Diesen Zweck will der Verein erreichen: 1. Durch die bestandigeAnbetungJesuimaller- heiligsten Sacramente. Wie die seligen Čhore der Engel und Heiligen im Himmel vor dem Throne der gottlichen Ma- jestat das »Dreimal Heilig« ohne Unterlass durch alle Ewigkeit anstimmen, so bringen auf Erden die Mitglieder des Anbetungs- Vereines dem Konige der Konige, der im allerheiligsten. Sacra¬ mente sich einen Thron der Gnade (Hebr. 4, 16) aufgerichtet hat, auf dem er unter den Menschenkindern weilt, in ununter- brochener, von Stunde zu Stunde sich fortsetzender Reihen- folge den Tribut der schuldigen Anbetung dar, um durch dieses bestandige Gebet dem gottlichen Heilande einigermafien Dank zu sagen fiir die Erweise seiner maftlosen Liebe, und Ersatz zu leisten fiir die zahllosen Unbilden und Verunehrungen, welche Ihm in diesem hochheiligen Geheimnisse tagtaglich zu- gefugt werden. Mit dem Gefiihle der grobten Freude und des innigsten Dankes gegen Gott sei hier envahnt, dass unser Verein in allen Theilen unserer Diocese Mitglieder hat, wie dies aus dem angeschlossenen Verzeichnisse ersichtlich ist. Er zahlt im Ganzen 7957 Mitglieder; in diesem Jahre sind neu dazu gekommen 455. Gewiss aber gibt es auch solche Mitglieder, die in der Vereinsmatrik noch nicht eingetragen sind. Darum werden bei dieser Gelegenheit die hochwtirdigen Herren Seelsorger freundlich erinnert, wenigstens einmal alljahrlich das Verzeichnis der neu eingetretenen Mitglieder der Vereinsleitung zum Be- hufe der Eintragung in die Vereinsmatrik einzusenden, da die- selben sonst der geistlichen Wohlthaten des Vereines nicht theilhaftig wtirden. Zugleich wird der Wunsch ausgesprochen, dass wenigstens in jenen Pfarren, in denen die Zahl der Mit¬ glieder bedeutender ist, wenn nicht allmonatlich, wie in der Domkirche zu Marburg, als am Sitze des Vereines, so doch wenigstens einigemale im Jahre, etwa an .den Quatembersonn- tagen ein kurzer Unterricht mit gemeinsamer Betstunde ge- halten werde. 2. Durch Beschaffung der zur wiirdigen Feier des Gottesdienstes erforderlichen Paramente. Wa- rum entfaltet denn die Kirche so gerne Pracht, Reichthum und Glanz im Gotteshause und beim Gottesdienste? Das glaubige Herz des frommen Katholiken bedarf keiner weitlaufigen Ant- wort; ein Blick auf den Altar, auf welchen Tag fiir Tag der Sohn Gottes vom Himmel herniedersteigt im heiligsten Opfer, geniigt ihm, und erklart ihm dies und iiberzeugt ihn, dass es so sein muss und nicht anders sein kann. Das heilige Ge- heimnis ist so hoch und hehr, so gottlich, dass zur wurdigen -s- 117 -s- Feier keine Kostbarkeit der Erde kostbar genug ist. Sind etwa die kostbarsten Perlen und Edelsteine zu kostbar und zu schon fur den Dienst dessen, der sein kostbarstes Blut als theures Losegeld fur uns geopfert hat, und dessen unendliche Liebe fortdauert in dem heiligsten Sacramente des Altares? Je mehr Er aus Liebe zu uns sich erniedriget, indem Er seine Glorie unter den unscheinbaren, glanzlosen Sacramentsgestalten ver- hiillt, und in tiefster Verborgenheit und Niedrigkeit zu uns kommt und unter uns weilt; um so eifriger soli die dankbare Liebe seiner Kinder beflissen sein, mit dem Liebsten und Theu- ersten, was ihr zu Gebote steht, seine Altare zu schmiicken, seinen Dienst zu verherrlichen und auszuzeichnen. Mochte darum der Verein, der diese doppelte Aufgabe sich gestellt hat, recht grofje Verbreitung finden in allen Theilen unserer schbnen Diocese, auf dass mehr und mehr in Wort und That zur Wahrheit werde der Wahlspruch des Vereines: »Hoch- gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sacrament des Altars«. Schlieblich filhlt sich die Vereinsleitung verpflichtet, an dieser Stelle den tiefgefiihltesten Dank abzustatten Sr. F. B. Gnaden, dem Hochwurdigsten und allgeliebten Oberhirten, Hoch- welcher in Seiner vaterlichen Fursorge ftir Alles, was geeignet sein kann, das religiose Leben in der Diocese zu wecken und zu fordern, bereitwilligst das Protectorat des Vereines zu iiber- nehmen geruhte. Ebenso spricht die Vereinsleitung den gebtirenden Dank aus den verehrlichen Mitgliedern sowie allen, die auf irgend eine Weise die Vereinszwecke gefordert haben, — insbeson- dere den edlen Frauen ftir die so vielen Mlihen, welche ihi opferwilliger Eifer sich auferlegt hat, um abermals so Bedeu- tendes zu schaffen zur Unterstutzung armer Kirchen unserer Diocese. Sie ahmten nach jene thatkrilftige Frau, von der es in den Sprti chen Salamons heifit: »Sie erwirbtWolle und Flachs, und arbeitet nach ihr er H and e Kunstfertig- keit .... Ihre Hand legt sie an Wichtiges «. 1 Ja an an Wichtiges — denn etwas Wichtiges und Grofies ist die Zierde des Hauses Gottes, die Zierde seiner Altare; etwas Grofies selbst dann, wenn auch die Gabe an sich klein ware. Darum »m o g en ihre Werke sie lobpreisen in derVer- sammlung der Gemeinde«; — ja, dankend werden ihre Werke loben jene Gemeinden, deren Kirchen und Altare ge- schmiickt worden mit den Spenden ihrer Thatigkeit; und der liebe Heiland wird ihnen einstens liberreichlich lohnen, was sie edlen Herzens zu seiner Verherrlichung gethan. Prov. 31, 13. 19. -S- 118 -i- § 49 . Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwurdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, gelegentlich der feierlichen Eroffnung der Paramenten-Ausstellung, veran- staltet durch den Verein zur bestandigen Anbetung des allerheiligsten Altars- sacramentes und zur Ausstattung armer Kirchen in der Lavanter Diocese zu Marburg,- am 6. October 1890. Im Herrn Versammelte! Mit inniger Freude und frommer Rtihrung wohne ich heute das erstemal als Oberhirt des Lavanter Kirchensprengels der feierlichen Eroffnung der Paramenten-Ausstellung bei, die der lobenswerte Verein zur bestandigen Anbetung des aller¬ heiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung armer Kirchen in unserer Diocese nun schon das neuntemal mit so gesegnetem Erfolge veranstaltet. Vorab fiihle ich mich als Diocesanbischof im Innersten meiner Seele gedrangt, den verbindlichsten Dank zu sagen der rastlos thatigen Vorstehung, wie allen verehrlichen Mit- gliedern dieses ausnehmend schonen und heiligen Vereines. Mein oberhirtlicher Dank sei gesagt der sehr geehrten, best- verdienten Frau Prasidentin Anna Eichler, der stets opfer- bereiten Schatzmeisterin Fraulein Maria Schmiderer und der fromm-thatigen Assistentin Fraulein Theresia Poschl. Desgleichen zolle ich meinen bischofhchen Dank dem geschaftsgewandten Obmanne, dem hochw. Herrn Domcapitular Laurenz Herg, wie auch den beiden, ihn mit Rath und That kraftig unterstiitzenden Ausschiissen: dem hochw. Herrn Dom- und Stadtpfarrer Philipp Jakob Bohinc und dem hochw. Herrn Seminars-Director Karl Hribovšek. Ferner danke ich geziemendst den edelgesinnten Damen, den adeligen und biirgerlichen, den kunstverstandigen Frauen und Jungfrauen, die durch Gebet oder Geldopfer oder aber durch Nah-, Hackel- und Stickarbeit an der erfreulichen Tha- tigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre theilgenommen haben. Einen zweifachen Zweck sucht der lobliche Verein zu er- reichen. In Verfolgung dieses Doppelzieles treten die Vereinsmit- glieder in die Fufistapfen der allerseligsten Jungfrau und Mutter- gottes Maria, die da ihr gottliches Jesukind in seiner hilflosen Kindheit pflegte und kleidete, ih m aber auch unablassig im Gebete 4 - 119 -s* diente. Und diese doppelte Aufgabe alljahrlich genau zu er- fullen, ist die Vereinsleitung mitsammt den Vereinsmitgliedern nachhaltigst bemiiht und bestrebt. Denn zum ersten gilt die Vereinsthatigkeit einem Gegen- stande, der der hehrste und hochste ist: es ist Jesus Christus im geheimnisvollen, allerheiligsten Altarssacramente. Was kann es hoheres und erhabeneres geben, als Jesum in diesem immer- wahrenden Denkmale seiner gottlichen Liebe zu lieben und zu loben, zu verehren und anzubeten? Und diesen Zweck suchen die Vereinsmitglieder durcb Abhaltung von Betstunden vor dem Tabernakel zu erreichen. O, wie viel Segen muss doch aus den Tabernakeln hin iiber die ganze Diocese stromen, wenn gegen neun Tausend Mitglieder in aller Ehrfurcht, Liebe und Andacht ihre regel- mafiigen Stundengebete verrichten, wenn sie dem lieben Hei- land ein kleimvenig Dank sagen fiir die unzahlbaren Erweise seiner masslosen Liebe und ihm Ersatz leisten fiir die vielfacben Unbilden und Verunehrungen, die ihm seitens der undankbaren Welt zugefiigt werden im hochheiligen Altarssacramente, in dem er wahrhaftig, wirklich und wesenhaft gegenwartig ist! Die Mitglieder mogen immerdar Jesum Christum im wunder- baren Altarssacramente riihmen und preisen, wie es ein hi. Franciscus von Assisi, ein hi. Aloisius von Gonzaga, ein hi. Thomas von Aquin und ein hi. Paschalis von Baylon gethan, und sie werden hierin nie genug thun! Heifit es doch im herr- lichen Lobliede »Lauda Sion« zu Ehren des allerheiligsten Altars- sacramentes: Deinem Heiland, deinem Lehrer, D einem Hirten und Ernahrer, Sion, stimm’ ein Loblied an! Preis’ nach Kržiften seine Wiirde, Da kein Lobspruch, keine Zierde Seiner Grafie gleichen kann ! Indes ist auch die zweite Aufgabe des Vereines eine hei- lige. Die Vereinsmitglieder bemiihen sich namlich, die zur wiirdigen Feier des Gottesdienstes erforderlichen Paramente und Gerathe beizuschaffen; und damit legen sie dem lieben Jesukinde gleichsam Kleider in die Krippe, damit sorgen sie fiir zeitliche Bediirfnisse des eucharistischen Heilandes. Auch hierin kann man nie zu viel leisten. Denn das hei- lige Geheimnis ist so hoch und hehr und gottlich, dass zu dessen wurdiger Feier keine Kostbarkeit der Erde zu schon, zu theuer, zu wertvoll sein kann. Ja, etwas iiberaus Grofies ist die Zierde des Gotteshauses, die Zierde des Altares, die Zierde des Tabernakels. Die dafiir geopferte Gabe bringt tausendfaltige Entlohnung fiir Zeit und Ewigkeit. Der Herr tvird das Kirchengewand dem frommen Spender dereinst mit -I- 120 -1- dem himmlischen Hochzeitskleide vertauschen, wie er einstens dem hi. Martinus das einem Armen gereichte Almosen dadurch aufierordentlich entlohnte, dass er ihm, mit dem geschenkten Kleide selbst angethan, nachts erschien. Der Lobn, der den Vereinsmitgliedern winkt, ist wohl wert, dass sie alle mit gesteigertem Muthe und mit unentwegter Standhaftigkeit noch vveiter arbeiten. Ich aber wunsche leb- haft, dass der Verein, der sich eine soleh erhabene Aufgabe gestellt, immer mehr ausbreite und einlebe in der groben Dibcese. Er moge wachsen, gedeihen und recht reichliche Friichte bringen im kommenden Vereinsjahre! Nun aber erklare ich die reiche Paramenten-Austellung fiir eroffnet und ertheile am Schlusse allen anwesenden wie abwesenden Vereinsmitgliedern als Zeichen meiner innigen Dankbarkeit und als Unterpfand des himmlischen Segens den oberhirtlichen Segen. W. Sit nomen Domini benedictum! fl. Ex hoc nune et usque in saeculum. * V. Adiutorium nostrum in nomine Domini. II. Qui fecit coelum et terram. Benedicat vos omnipotens Deus: f Pater et -j- Filius et f Spiritus Sanctus! Amen. Die Einnahmen betrugen in diesem Jahre 1637 fl. 73 kr. Zur Vertheilung aber gelangten: 22 Messkleider, 13 Alben, 18 Chorrocke, 4 Vela, 10 Ciborium-Mantel- chen, 19 Stola, 2 Verseh-Mantelchen, 1 Pluviale, 102 Purificatorien, 78 La- vabo - Tiichlein, 52 Corporalien, 40 kleine Corporalien, 60 Humeralien, 8 Cingula, 2 Messbtlcher, 5 Messpulte, 8 rothe, 4 blaue, 3 schwarze Mini- stranten-Kittel, 5 Messner-Chorrfjcke, 12 Ministranten-Chorrocke, 4 Altarkisšen, 6 GlockenzOge, 2 Monstranzen-Schleier, 5 Pultdecken, 1 rother, 1 schwarzer, 1 blauer Messnerrock und melirere Kragen. § 50. Zehnter Jahresbericht pro 1891. Auch in diesem Jahre war der Verein zur bestandigen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes bemiiht nach Kraften beizutragen zur Forderung des edlen und erhabenen Vereinszweckes, der da ist: die bestandige Anbetung Jesu im allerheiligsten Sacramente und die Beschaifung der zur wiir- digen Feier des Gottesdienstes nothwendigen Paramente. Die Vereinsmitglieder haben durch Abhaltung der ihnen angewiesenen Betstunden Jesu im Geheimnisse seiner Liebe den Tribut der schuldigen Anbetung dargebracht, traten oft- mals mit heiliger Liebe zum Tische des Herrn und brachten freudigen Herzens milde Gaben zur Verfertigung der Kirchen- wasche und anderer Paramente, welche zur wiirdigen Feier des offentlichen Gottesdienstes nothwendig sind. Welch erfreuliche Fortschritte dieser fromme Verein macht, ersieht man daraus, dass auch im laufenden Jahre dem- selben 490 neue Mitglieder zugewachsen sind; im Ganzen zabit nun der Verein 8468 Mitglieder. Bei dieser Gelegenheit werden die P. T. edlen Freunde und Forderer des Vereines gebeten, alljahrlich einmal die Namen der neuen Mitglieder der Ver- einsleitung in Marburg behufs Eintragung in die Vereinsmatrik bekannt zu geben, weil sie sonst der reichlichen Wohlthaten des Vereines nicht theilhaftig werden. Es empliehlt sich auch bei jeder Pfarre ein Verzeichnis der dortigen Vereinsmitglieder anzulegen, um sich von dem Gedeihen des Vereines in der Pfarre alljahrlich Rechenscbaft geben zu konnen. Wenngleich der Anbetungs-Verein wahrend seines zebn- jahrigen Bestehens eine bedeutende Menge Kirchenwasche und andere Paramente an arine Kirchen vertheilt hat, so gibt es in unserer Diocese noch irarner arme Kirchen, denen es zur wiirdigen Feier des Gottesdienstes an dem Nothwendigsten gebricht. Darum ergeht an die hochwiirdigen Pfarrvorstehungen mit dem geziemenden Danke fiir ihre bisherigen Bemiihungen zugleich die dringende Bitte, dem Vereine auch in der Zukunft neue Mitglieder zuzufiihren, und auf diese Weise zur Belebung des religiosen Lebens nicht nur in ihren Gemeinden, sondern auch in der ganzen Diocese beizutragen. Ebenso sagt die Vereinsleitung gebiirenden Dank Allen, die auf irgend welche Weise die Verein.szwecke gefordert ha- ben, — insbesondere den edelherzigen Frauen und Jungfrauen, welche aus Liebe zu Jesu bei Verfertigung der Kirchenwasche und Paramente opferwillig mitgewirkt haben. Der gottliche Heiland moge ihnen iiberreichlich lohnen, was sie edlen Her¬ zens zu seiner Verherrlichung gethan haben. Die Einnahmen des Vereines waren in diesem Jahre 1864 fl. 73 kr., wofiir nachstehende Kirchen-Paramente angefertiget wurden: 24 Messkleider, 16 Alben, 14 Chorrocke, 6 Vela, 3 Ciborium-Mantel- clien, 10 Stola, 4 Verseh-Mantelchen, 2 Vespermiintel, 2 Dalmatiken, 120 Purificatorien, 84 Lavabo-Tuchlein, 50 Corporalien, 50 kleine Corporalien, 72 Humeralien, 10 Cingula, 1 Messbuch fiir Requiem-Messen, 6 Mess-Pulte, 14 Ministranten-ChorrOcke, 12 rotlie, 6 blaue Ministranten-Kittel, 2 Altar- Polster, 2 Altarantipendien, 2 rothe Messner-ROcke. Die jahrlich iibliche Kirchenparamenten-Ausstellung fand auch in diesem Vereinsjahre statt. Der Vereinsobmann begriiftte bei deren Eroffnung den Hochwurdigsten Oberhirten als Ver- -S- 122 einsprotector und die zahlreichen Theilnehmer mit nachfolgen- der Ansprache: Gelobt und gebenedeit sei ohne End’ Das heiligste und gottliche Sacrament! So ladet uns die beilige Kirche ein, zu preisen und anzubeten die gottliche Liebe im heiligsten Altarssacramente. Diesem Rufe entspricht der Anbetungs-Verein, indem er daftir sorgt, dass Jesus Christus, unser liebevoller Erloser, welcher Tag und Nacht bei uns weilt im allerheiligsten Sacra- mente, auch bestandig angebetet werde auf Erden, wie ihn die seligen Geister im Himmel am Throne seiner Herrlichkeit anbeten. Dieser Einladung entspricht der Anbetungs-Verein ferner dadurch, dass er durch Beschatfung von Kirchenparamenten daftir sorgt, dass das heiligste Messopfer und die iibrigen gottesdienstlichen Handlungen auf eine wiirdige Weise darge- bracht und gefeiert werden. Zu diesem Behufe hat der An¬ betungs-Verein heuer wieder eine stattliche Anzahl von Kirchen¬ paramenten besorgt, wie wir sie vor uns ausgebreitet sehen, und welche einen Wert von 2500 fl. reprasentieren. Wer hat aber diese betrachtliche Summe beigesteuert, damit dieselben bereitet werden konnten? Das haben wieder gethan die Mitglieder des Anbetungs-Vereines aus Liebe zu Jesus im heiligsten Al¬ tarssacramente. Aber auch andere Wohlthater haben sich daran betheiliget. So hat gespendet die hochgeborne Frau Grafin Nugent das schone Messkleid mit dem gestickten Kreuze, und eine Albe mit dem rothen Rande; eine Wohlthaterin in Polen- šak spendete 160 fl. fiir. zwei Messkleider; eine andere Wohl- thaterin schenkte 100 fl. fiir ein Messkleid und ein Velum mit der Bestimmung ftir St. Georgen in W. B.; eine unbekannte Wohlthaterin in Marburg libergab 100 fl. und die Pfarre Feld- dorf steuerte 140 fl. bei, woftir dieselbe entsprechende Paramente erhalten wird. Das Ubrige haben beigetragen die Mitglieder, deren Zahl sich auf 8299 belauft. Es sei nun allen Wohlthatern und Gonnern des Vereines im Namen Jesu der verbindlichste Dank ausgesprochen, vor allem aber Euer Fiirstbischoflichen Gnaden fiir die hohe Gunst und Gewogenheit. Ebenso statte ich den innigsten Dank ab der Frau Prasidentin, der Scbatz- meisterin und der Secraterin als auch den ehrwiirdigen Schul- schwestern fiir die thatige Mitwirkung, da sie sammtliche Paramente verfertigen. Deo gratias! Geruhen Euere Furstbischofliche Gnaden den Bericht des Anbetungs-Vereines in Gnaden entgegenzunehmen, die Aus- stellung fiir eroffnet zu erklaren und uns den oberhirtlichen Segen huldvollst zu ertheilen. Der neue Herz Maria-Altar in der Dom- und Stadtpfarrkirche in Marburg. ge -t- 123 ' § 51. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwiirdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, gehalten bei der feierlichen Eroffnung der zehnten Paramenten-Ausstellung des Anbetungs-Vereines in Marburg, am 5. October 1891. Im Herrn Versammelte! Mit nicht geringer Herzensfreude wohne ich das zweitem£il als Oberhirt der Lavanter Diocese der festlichen Eroffnung der Paramenten-Ausstellung bei, welche der unvergleicblich schone Verein zur bestandigen Anbetung des hochheiligen Altarssacra- mentes und zur Ausstattung armer Diocesankirchen nun schon das zehntemal mit so segensreichem Erfolge veranstaltet. Mit wahrer Wonne bin ich heute hier erschienen, um dadurch zu zeigen, dass dieser herrliche Verein, den ich kurz den Altarverein nennen mochte, meine volle oberhirtliche Fiirsorge verdient, da er mir in der Erfiillung einer der vor- nehmsten Pflichten, in der immer andachtsvolleren Anbetung des Liebessacramentes und in der immer wtirdevolleren Aus¬ stattung der Gotteshauser, fleifiig zu Hilfe kommt. Furwahr, alles Lob und allen Dank verdient der herrliche Verein, der da auf jenen zwei Grundfesten ruht, auf denen sich das kirchliche Ordenswesen aufbaut: es ist das der goldenen Regel des hi. Benedictus, des Vaters der abendlandischen Monche, entlehnte ora et labora! Ora, bete! Der Lavanter Altarverein hat sich als seine erste Aufgabe die immerwahrende Anbetung des anbetungs- wtirdigen Altarssacramentes gestellt. Die Mitglieder halten ihre Betstunden vor dem hochwiirdigsten Gute, sei es nun wirklich oder aber nur im Geiste vor dem Tabernakel, zu verschiedenen Tag- und Nachtzeiten. Sie wollen dadurch die bestandige An¬ betung der seligen Geister im Himmel nachahmen und dem gottlichen Heilande fortwahrende Genugthuung leisten fur alle ihm in dem Geheimnisse der Geheimnisse angethanen Kran- kungen und Beleidigungen. Zu dem wird monatlich ein be- lehrender und aufmunternder Kanzelvortrag gehalten und eine heilige Segenmesse fur die lebenden und fiir die verstorbenen Vereinsmitglieder celebriert. Wer aus euch, meine Lieben, vermag zu sagen, wie viele Gnaden und Trostungen fliefien von den Tabernakeln hin auf die ganze Diocese, wenn die Tausend und abermal Tausend Mitglieder in aller Demuth und Liebe ihre regelmaftigen Stun- dengebete verrichten, wenn sie dem eucharistischen Gott Dank -t- 124 -s- sagen fiir die vielen Erweise seiner unendlichen Liebe und ihm Siihne leisten fiir die mannigfachen Verunehrungen, welche ihm Tag fiir Tag zugefiigt werden im hocherhabenen Altarssacra- mente ? Ich sage nun meinen bischoffichen Dank der hochgeehrten Vereins-Vorstehung, wie auch allen Vereinsmitgliedern fiir die treue Erfiillung der ersten so hochheiligen Aufgabe, und bitte sie alle zugleich instandig, mit der ganzen Macbt und Kraft ihrer zum Liebessacramente brennenden Liebe dahimvirken zu wollen, dass unter ihrem voranleuchtenden Beispiele die Anbetung des Sacramentes der Sacramente sich immer weiter ausbreite und immer inniger werde, da wir in unserer so glau- bensarmen und so hoffnungsschwachen und liebeleeren Zeit des Segens aus dem allerheiligsten Sacramente sehr dringend bediirfen. Labora, arbeite! Der Altarverein will aber nicht blofi beten, er will auch arbeiten fiir Jesus. Darum hat er sich zu seiner zweiten Aufgabe gestellt: zu sorgen fiir entsprechende Aus- stattung armer Kirchen in unserer Diocese. Das ist seine zweite grofiartige Wirksamkeit, dass er namlich des gefeierten Psal- mendichters und Konigs David Wahlspruch zu befolgen be- strebt ist: Dilexi decorem do m us Dei. Ich liebe die Zierde des Hauses Gottes. (Ps. 25, 8). Meine Lieben, es hat gewiss ein jeder aus euch schon ge- lesen oder doch erziihlen gehort von der gegenwartigen Aus- stellung des heiligen Rockes in der Stadt Trier, wohin Hun- derte und Tausende frommer Pilger wallen, um der altehrwiir- digen Reliquie ihre Verehrung zu bezeugen. Zu jener denk- wiirdigen Ausstellung in Trier bildet die heutige Paramenten- Ausstelluna: in Marburg ein erbauliches Seitenstiick. Denn auch hier handelt es sich um die Bekleidung des Herrn in seinen Dienern und Stellvertretern beim heiligen Gottesdienste, zumal bei der Darbringung des hochheiligen Messopfers und bei der Ausspendung des allerheiligsten Altarssacramentes. Auch hier in unserem Vereine wird das heilige Gewand Christi gewebt, wie die Gottesmutter es mit jenem gethan, welches noch heute frommglaubige Katholiken in Trier andachtsvoll verehren. Ja, alle die Wege, alle die Sorgen und Miihen, die vielen Nadelstiche, die Stunden der Nacht, welche im Dienste des Vereines aufgeopfert worden sind, sind ebensoviele Handlungen und Obungen der Verehrung fiir das kostbare Gewand Jesu Christi. Liebwerte Anwesende! Wenn der gottliche Heiland ein weltliches, vielleicht schon abgetragenes Gewand, das wir aus Liebe zu ihm einem Arrnen schenken, um seine Blofie zu bedecken, uns so hoch anrechnet, als hatten wir ihn selbst damit bekleidet, wie groft muss dann beim Herrn das Verdienst -f- 125 -1- jener sein, die in reiner, guter Absicbt den Leih des Herrn selbst im hochheiligen Sacramente mit kostbaren Stoffen um- biillen und mit ihren nuihsam ersparten Pfennigen den Stell- vertreter Christi am Altare bekleiden helfen, damit er die er- habenste Handlung auf Erden in erhebendster Weise feiere. O, wie trostvoll und beseligend wird es sein, am grofien Ver- geltungstage, an welcbem der Menscbensohn im Ruhmesglanze Seiner himmlischen Herrlicbkeit auf den Wolken des Himmels erscheinen wird, von sich vernehmen zu konnen: Ko m m du Gesegneter meines Vaters, und besitze das Reich, das dir vom An begin ne der Welt bereitet ist; d en n ich war nackt, und du kleidetest m i c h; i c h war F r e m d 1 i n g, und du nahmest m ich auf. Ge h‘e e i n in das ewige Leben! Indem ich diesen ewig beseligenden Urtheilsspruch allen Vereinsmitgliedern aus dem Grunde meines Herzens wiinsche, will ich jetzt aus meinem sterblichen Munde den geburenden Dank sagen allen, die zur Losung der zweiten, ebenfalls hochst wichtigen Vereinsaufgabe wie immer beigetragen haben. Ver- gelts Gott sage ich also der wohlgeborenen, verdienstreichen Fran Prasidentin Anna Fbchler, der jederzeit opferbereiten Schatzmeisterin Fraulein Maria Schmiderer, der eifervollen Assistentin Fraulein Theresia Poschl, desgleichen dem geschafts- kundigen Obmanne, hochwiirdigen Domherrn Laurenz Herg, wie den beiden thatkraftigen Ausschiissen, dem hoctuvurdigen Herrn Dom- und Stadtpfarrer Philipp Jakob Bohinc, der auch die ublichen Kanzelvortrage fleifiig halt oder wenigstens fiir deren Abhaltung emsig sorgt, und dem hoclrvviirdigen Herrn Seminarsdirector Karl Hribovšek, Lehrer der kirchlichen Kunst- geschichte. Herzlichen Dank sage ich ferner den kunstsinnigen Frauen und Jungfrauen, die ehrwiirdigen Schulschwestern miteinge- rechnet, die da mit kunstverstandigen Handen die ausgestellten Paramente angefertigt haben. Ein tausendfaches V er gel ts Gott rufe ich auch den eifrigen Seelenhirten zu, welche in ihren Pfarreien den Anbetungsverein liebevoll hegen und pflegen, wie ich mich auf den alljahrlichen Visitations- und Firmungsreisen so angenehm iiberzeuge. Mein oberhirtlicher Dank gilt aber auch den geliebten Bisthumsglaubigen, welche zu Vereinszwecken im verflossenen Jahre gegen zwei Tausend Gulden hochherzig beigesteuert hal)en. Nach dieser Danksagung will ich aber mit vieler Freude noch den nicht unwichtigen Umstand hervorheben, dass die Vereinsleitung anhaltend bemiiht ist, in der Herstellung der Kirchengerathe und Paramente immer genauer den liturgischen Vorschriften in Stoff, Farbe, Form und Schnitt zu entsprechen, fiir welches Bestreben sie gleichfalls gesegnet sein wird, da ~£- 126 -f- auf dem Gehorsame gegen die heilige Mutter Kirche ein ganz besonderer Segen ruht, und weil die kirchlichen Rubriken oder Vorschriften so weise und heilig sind, dass die hi. Theresia erklarte, sie ware bereit fiir eine jede derselben ihr Leben hin- zugeben. Im Herrn Versammelte! Den Schluss rneiner heutigen Gelegenheitsrede bilde der ernste Mahnruf: Lasset uns niemals erkalten im werk- thatigen Glauben und in der opfervollen Liebe zu unserem Herrn und Heilande Jesus Christus! Nicht miissiges, nicht thatenloses Klagen wollen wir den vielen Ubeln der Zeit entgegensetzen, sondern thatkraftiges Bekenntnis unseres heiligen katholischen Glaubens. Bessere Zeiten miissen wir nicht erwarten, sondern machen. Treu und muthig wollen wir arbeiten im "VVeinberge des Herrn, bis sich der Abend unseres Lebens neigt und wir vom himmlischen Hausherrn den verdienten Liedlohn empfangen. Nunmehr erklare ich die reichhaltige Ausstellung fiir er- offnet und ordne im Herrn an, dass die hier aufgespeicherten Kirchenschatze vor der Vertheilung und Versendung an die betreffenden Bittsteller den kirchlichen Vorschriften gemaft benediciert werden rpogen. Letztlich ertheile ich allen anwesenden, wie abwesenden Mitgliedern des loblichen Vereines als Kennzeichen meines dankerftillten Herzens, als Unterpfand ferneren gedeihlichen Wirkens und als Anwartschaft des himmlischen Segens den hohenpriesterlichen Segen. Omni benedictione coelesti et gratia impleat vos ornni- potens Deus f Pater et -J- Filius et j- Spiritus Sanctus. Amen. § 52. Eilfter Jahresbericht pro 1892. »Herr! ich liebe die Pracht deines Hauses, und den Ort der Wohnung deiner Herrlichkeit«. 1 Nach dieser Devise des koniglichen Siingers haben sich die Mitglie- der der Bruderschaft des Anbetungs-Vereines in dem Hause, in welchem Jesus Christus fin allerheiligsten Altarssacramente in der demiithigen Gestah des Brotes weilet, eifrig versammelt, um demselben die schuldige Anbetung auf dem Throne seiner Herrlichkeit zu erweisen. Dieselben haben aber auch eifrig ihre milden Liebesgaben zum Schmucke der Kirchen und zur wiirdigen Feier des offentlichen Gottesdienstes beigesteuert. 1 Ps. 25, 8. -I- 127 -§- O wie schon, edel und erhaben ist der Zweck dieses Vereines! In unseren Kirchen wohnt ja unter der demiithigen Gestalt des Brotes Derjenige, der Himmel und Erde aus Nichts gebildet hat, der da alles erhalt und regiert; gegenwartig ist der aus Gott dem Vater von Ewigkeit eingeborene Sohn Gottes; das ewige Wort, das aus dem Leibe der Jungfrau Maria Mensch geworden ist; gegemvartig ist Jesus Christus, unser Herr und Heiland, der glorreich von den Todten auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, allwo er zur Eechten des Vaters sitzt, angebetet von den englischen Choren und den aus- erwahlten himmlischen Scharen; Jesus Christus wohnt in unserer Mitte als Gott und Mensch, mit Leib und Seele, unter der demtithigen Gestah des Brotes im allerheiligsten Sacramente, darnit er uns gebe die Erweise seiner bestandigen Liebe, mit der er uns geliebt hat bis ans Ende, und uns noch liebt ohne Ende, »denn es ist seine Wonne, bei den Men- scbenkindern zu weilen,« l er wohnt bei uns zum Andenken an sein bitteres Leiden und Sterben, womit er unsere Siindenschuld getilgt und uns das ewige Leben im Himmel erworben hat: »So oft ihr dieses Brot esset und diesen K e 1 c h trinket, w e r d e t ihr den Tod des Herr n v e r- kiindigen, bis er kommt,« 2 er wohnt bei uns, damit er sich selbst uns mittheile, zur Speise der Seele und zum Gegengift wider die Siinde und zum Unter p fan de der kunftigen Auferstehung: »Ich bin das lebendige Brot, das v o m Himmel h e r a b g e k o m m e n ist. W e r von d i e- sem Brote isst, der w i r d 1 e b e n in Ewigkeit; das Brot aber, welches ich geben werde, ist mein Fleisch fur das Leben der Welt«. :i Jesus Christus hat dieses heiligste Sacrament eingesetzt zum im m er w ah ren den Opfer und zum Andenken an das blutige Opfer, welches er dargebracht am Kreuze zur Erlosung der Welt. »Vom Aufgange der Sonne bis zum Unter- g a n g e w i r d m ein Name grofi werden unter den Volkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht werden; denn grofi wird mein Name werden unter den Vol¬ kern, spricht der Herr der Heerseharen.« 4 Dieses reine Opfer, welches nun dargebracht wird an allen Orten des weiten Erdkreises, ist das heilige Messopfer; durch dieses Opfer des neuen Bundes wird Gott dem Herrn dargebracht ein wurdiges Opfer der Verehrung und Anbetung; durch dieses Opfer wird dem Herrn dargebracht das gebiirende Opfer des Lobes und des Dankes, durch dieses Opfer erhalten wir die Gnade der Verzeihung unserer Siinden, wie auch alle noth- ' Spr. 8, 31. — 2 1. Cor. 11, 25. — 3 Joan. 6, 51. — 4 Mal. 1, 11. 128 — wendigen Gnaden zum Heile der Seele und des Leibes: denn durch dieses heiligste Opfer werden uns die Verdienste des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi zugewendet; wir werden derselben im vollsten Mabe theilhaftig. Dieses allerheiligste Sacrament wurde von Jesus Christus eingesetzt, auf dass er bestandig bei uns verbleibe in diesem unaussprechlichen .Geheimnisse seiner Allmacht und Weisheit, und damit er uns mittheile in diesem Thale der Thranen Trost und Schutz wider unsere Feinde. Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben, welch e s alle Siifiigkeiten in sich hat. »Du hast ein-en Tisch vor meinem Angesichte bereitet wider die, so mich qualen.«' Verkostet und sehet, denn der Herr ist sufi «. 2 Der Herr hat eingesetzt dieses Sacrament, auf dass er sich innig mit uns vereinige in der heiligen Communion; wir werden dadurch Glieder seines heiligen Leibes, wovon er das Haupt ist: »Denn E in Brot, E in Leib sind w i r viele, wir alle, die wir an Einem Brote theilnehmen.« 3 Von diesem wunderbaren Sacra- mente singt mit Recht die heilige Kirche: »O heiliges Gast- mahl, in welchem Christus genossen, das Andenken seines Leidens erneuert, die Seele mit Gnaden erfiillt und ein Unter- pfand der zukiinftigen Herrlichkeit uns gegeben wird !« Ist es denn nicht geziemend und notlrvvendig, dass wir uns gerne scharen um den Altar des Herrn, auf welchem Jesus Christus thront in diesem unaussprechlichen Geheimnisse un- seres Glaubens, dass wir ihn mit dankerftilltem Herzen anbeten in diesem wunderbaren Sacramente seiner gottlichen Liebe, und dass wir Sorge tragen fur die Zier und den Schmuck des Hauses Gottes, in welchem er seine Wohnung aufgeschlagen; dass wir bemiiht sind entsprechende Kirchenparatnente und Uten- silien zu beschaffen zur Feier des offentlichen Gottesdienstes ? Diese Erwagung moge dazu beitragen, dass die Mitglieder nicht ermiiden im eifrigen Besuche und in der Anbetung des heiligsten Altarssacramentes und in der Fdrderung des Ver- einszweckes. Die Vereinsleitung befindet sich in der angenehmen Lage, die Mittheilung zu machen, dass auch in diesem Vereinsjahre der hochwiirdige Seelsorgeclerus bestrebt war, dieselbe auf das kraftigste zu unterstiitzen, neue Mitglieder dem Vereine zuzu- fiihren und milde Gaben zu sammeln, mittelst welcher der Vereinsleitung die Mogliehkeit geboten wurde, durch Beihilfe des edlen Frauen-Comite’s und der ehrwurdigen Schulschwestern in Marburg eine stattliche Anzahl von Kirchenparamenten ver- fertigen zu lassen, welche nun an diirftige Kirchen unserer Diocese vertheilt werden. 1 Ps. 22, 5. Ps. 33, 9. — 3 I. Cor. 10, 17. -I- 129 -3- Es sei demnach der geziemendste Dank hiemit ausgedriickt zuerst Seiner Furstbischoflichen Gnaden, dem Hochwurdigsten Hochgebornen Herrn Fiirstbischof Michael, dem Protector des Vereines, fiir das hohe Wohlwollen und fiir die allseitige Untersttitzung; dann den liochherzigen, edlen Frauen und Jungfrauen der Stadt Marburg, wie auch allen Gonnern und Freunden des Vereines; den besten Dank und die reichlichste Vergeltung wird Ihnen zu Theil werden lassen Jesus Christus, unser Herr und Heiland selbst, dem zur Ehre alles dieses ge- schah. Es moge aber auch mit reichlichstem Segen entgolten werden allen Mitgliedern des Vereines, welche Jesum Christum im heiligsten Altarssacramente bestandig angebetet und so reichliche Liebesgaben zu seinem Lobe und seiner Verherr- lichung dargebracht haben! In diesem Jahre betrugen die Einnahmen des Vereines 2123 fl. 06 kr. Fiir diesen Betrag wurden nachstehende Kirchen- paramente angeschafft und an die Kirchen in der Lavanter Diocese vertheilt: 30 Messkleider, 14 Alben, 16 ChorrOcke, 5 Vela, 1 Ciborium-Mantel- chen, 9 Stola, 2 Verseh-Mantelchen, 1 Pluvial, 110 Purificatorien, 84 La- vabo-Ttichlein, 28 Corporalien, 36 kleine Corporalien, 72 Humeralien, 12 Ciugula, 1 Messbuch, 6 Messpulte, 24 Ministranten-Kittel, 3 Messner-Chor- rocke, 14 Ministranten-ChorrOcke, 8 Altarkissen, 1 Glockenzug, 5 Pultdecken, 2 schwarze Messner-Kittel, 2 Ol-Gefafie. Bei der Anfangs October stattgefundenen Kirchenpara- menten - Ausstellung richtete der Vereins - Obmann an Seine Fiirstbischoflichen Gnaden und die tibrigen Theilnehmer nach¬ stehende Ansprache: Wir sehen hier eine stattliche Anzahl von Kirchenpara- menten und Utensilien ausgestellt, ein Zeichen, dass in Marburg ein religioser Sinn fiir alles Gute und Schone waltet, welcher demselben zur besonderen Zierde gereicht. An diesen Para- menten haben viele Hiinde gearbeitet und sich abgemiiht, bis alles fertig geworden ist. Wir sehen vor uns 30 Casula oder Messkleider, deren Mittelstticke grobtentheils mit Stickereien versehen sind. Wenn wir bedenken, wie viele Kreuzstiche nur an einer Casel gemacht werden, bis sie fertig wird, und wie lange Zeit hat es dann gebraucht, bis alle fertig geworden sind! Es sei bemerkt, dass an dieser Casula ein Herr zwei Jahre gearbeitet hat, und zwar gratis. Diese Casula hat dem Vereine gespendet die hochgeborne Frau Grafin Nugent; die Stickerei zu diesem schonen Messkleid hat ein Fraulein in Marburg aus Eigenem bestritten, ein anderes Fraulein hat die Stickereien zu den Chorrocken unentgeltlich besorgt, ebenso hat ein anderes Fraulein dieses Altar-Antipendium gratis ge- stickt; die Spitzen zu den Chorrocken und Alben sind hier in Marburg gegen ein billiges Entgelt geheckelt worden. Alle diese Arbeiten hat die eifrige Frau Prasidentin mit Beihilfe der 9 -S- 130 -i* Schatzmeisterin besorgt, die Messkleider und Vela haben aber die ehrwiirdigen Schulschwestern ausgearbeitet. Selbstverstand- lich haben die Stoffe und das Zugehor zu diesen Paramenten bedeutendes Geld gekostet. Woher ist aber dieses gekoramen? Die Mitglieder sammtlicher Pfarren unserer schonen Lavanter Diocese haben ihre Sparpfennige beigesteuert, damit diese Kirchensachen beschafft werden konnten, vvelche nun air diirf- tige Kirchen in der Diocese vertheilt werden. Es haben aber auch einige Wohlthater mit ihren Gaben d'en Verein unter- stiitzt: so hat eine unbekannte Wohlthaterin dem Vereine testamentarisch 200 ti. vermacht und ebenso hat der verstor- bene Religions-Professor Herr Dr. Franz Zager zu diesem Zwecke I00 ti. gewidmet. Es moge dieser Opfersinn auch fernerhin alle Mitglieder und AVohlthater beseelen, denn es gibt noch viele Kirchen in der Diocese, welchen es an entsprechenden Paramenten und Utensilien gebricht. Heuer sind 45 Kirchenvorstehungen um Betlieilung mit Kirchenparamenten eingekommen; vielleicht werden nicht alle diesmal beriicksichtiget werden konnen. Es kommt mir vor, als wenn der gottliche Heiland aus dem Taber- nakel zu uns sprache: Harret aus bei meinern Vereine, sorget fiir die Schonheit meiner Wohnstatte, damit alle durch die Pracht meiner Wohnung angezogen werden und mit dem Psal- misten sprechen: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Pleerscharen! Es sehnet sich und schmach- tet m eine Seele nach denVorhofen desHerrn«. 1 Hier werden sie Ruhe, Trost und Zufriedenheit tinden, die ihnen die Welt nicht geben kann. Geruhen Euere Fiirstbischofliche Gnaden nun diese Para- menten-Ausstellung fiir eroffnet zu erklaren, und dem Vereine als Unterpfand der Huld und Gnade den oberhirtliehen Segen gnadigst zu ertheilen. § 53. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwiirdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, bei Gelegenheit der eilften Paramenten-Ausstellung des Vereines zur ewi- gen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung armer Kirchen in Marburg, am 2. October 1892. Im Herrn Versammelte! Mit vieler Freude bin ich heute hier erschienen, um die eilfte Paramenten-Ausstellung, die unser Verein zur immer- wahrenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und Ps. 83. -I- 131 ~§~ zur Ausstattung diirftiger Kirchen veranstaltet hat, feierlich za eroffnen und so zugleich die Generalversamrnlung; abzu- halten. Mit wahrer Herzenswonne unterziehe ich mich dieser Aufgabe, um so dem wunderschonen Vereine meine grofien Sympathien auch aufierlich zu bezeugen. Unsere altehrwtirdige Diocese zahlt gar viele Vereine und Bruderschaften; doch die Bliite dieser zeitgemafien, segens- reich wirkenden Genossenschaften ist zweifelsohne der Anbe- tungs- und Kirchenausstattungs-Verein. Und dies darum, weil er den ganzen Menschen beschaftigt, ihn mit Leib und Seele, mit geistigen und physischen Kraften Gott seinem Schopfer, seinem Erloser und Heiligmacher dienen lasst. Die Vereinsmitglieder dienen Gott mit ihrer Seele, indem sie Jesum Christum, der als Gott und Mensch unter den Ge- stalten des Weizenbrotes im hochheiligsten Altarssacramente wirklich, wahrhaft und wesentlich gegemvartig ist, fleifiig in der Kirche aufsuchen und ihn demiithig anbeten. Zudem em- pfangen sie gerne die heiligen Sacramente, gewinnen an den Vereinsfesten vollkommene Ablasse, horen bereitwilligst das Wort Gottes an und ftihren ein tugendhaftes christliches Leben. Die ewige Anbetung ist ein Engelsdienst und eine feierliche Anerkennung der Gottheit und des Konigthums Jesu Christi. Die Theilnehmer am Vereine dienen Gott aber auch mit ihren leiblichen Kraften. Sie gehen ihren Berufsgeschaften etnsig nach, arbeiten im Namen Jesu und verdienen sich miih- sam das Geld, welches sie hernach flir die loblichen Zwecke des Anbetungsvereines nach Mafigabe ihres Vermogensstandes opfern. Noch andere weihen dem Vereine ihrer Hande Arbeit, indem sie Kirchen-Paramente kunstvoll anfertigen, zu welchen namentlich jene kunstsinnigen Frauen und Jungfrauen von Mar- burg gehoren, die von Jahr zu Jahr dem Vereine staunenswerte Arbeiten liefern. Diese christkatholischen gottdienenden Frauen und Frau- leins gleichen den frommen israelitischen Frauen, welchen Moses auf Gottes Befehl den Auftrag gab, ihre Zieraten als Gold undSilber und andere Kostbarkeiten zum Schmucke der Stiftshiitte beizutragen. Und die Frauen uberbrachten Metallspiegel und opferten ihre Geschmeide und ihre Schmuckgegenstande, damit aus denselben heilige Gerathe und Gefabe frir das Bundeszelt hergestellt werden konnten; sie trugen aber auch noch durch Nahen, Sticken, Farben zur Errichtung und Aufstellung des heiligen Zeltes bei. Diese gottliebenden Vereins-Frauen und Jungfrauen ahmen hertihinte, heiligmafiige Frauen der katholischen Kirche nach. Die Kirchengeschichte erzahlt uns von glaubensstarken Kaiserin- n en und Koniginnen, von frommen Ftirstinnen und anderen 9 * -I- 132 -s- edlen Frauen, wie sie wetteiferten, um die christlichen Gottes- hauser als die Miinster, die Oratorien, die Kirchen und Kapellen zur wtirdigen Wohnstatte des Konigs der Zeiten, des unsterblichen, unsichtbaren und einzigen Gottes auszustat- ten. Ich erinnere nur an die grofie Kaiserin Maria Theresia, die zahlreiche Messgewander selbst anfertigte und sie den Kirchen spendete. So befindet sich in der Schatzkammer der Lavanter Pfarrkirche Sanct Xaveri bei Oberburg ein derartiges kostbares, von der gefeierten Monarchin eigenhandig gearbei- tetes Messkleid. Ja, viele christliche Frauen weihten ihre Edel- steine, ihre goldenen Ringe, Flalsketten, Armspangen und sonstigen Kleinodien, sie weihten und widmeten ihr theuerstes Andenken, ihr Brautkleid, der Kirche zur Anfertigung von Mess- und Altarkleidern. O, dieser fromme altchristliche Sinn ist keineswegs aus- gestorben, er lebt noch, er wirkt noch fort in gerauschloser Stille. Der beredteste Zeuge hiefiir ist unser Anbetungsverein mit seiner heutigen, gehaltvollen Paramenten-Ausstellung. Unser Verein ist der rettende Engel fiir armliche Kirchen, die sich die nothwendigen gottesdienstlichen Gerathschaften nicht an- schaffen konnen. Welch ein lobwtirdiges Beginnen! Gesetzt den Fali, der gottliche Heiland kame in unsere Mitte in aller Armut und Verlassenheit, und er wiirde uns um die noth- wendige Bekleidung bitten. Wer aus uns, meine Lieben, wtirde nicht den letzten Heller hinopfern, um dem gottmenschlichen Erloser eine wiirdige Aufnahme und eine wiirdige Bewirthung zu bereiten? Freilich, der liebe Heiland wandelt nicht in Menschen- gestalt unter uns, wohl aber in Brotesgestalt. Da bedarf es des Opfergeldes zur wiirdigen Feier der heiligen Messe, wo Jesus auf den Altar herabsteigt vom Himmel; da, wo er gna- denspendend wohnt im Tabernakel, da soli es schon und herr- lich sein. Und fiir diese Schcinheit, Pracht und Herrlichkeit sorgen die Mitglieder des Anbetungsvereines, die deshalb dem gottlichen Heiiande gewiss so lieb und theuer sind, wie es Maria Magdalena war, die mit kostbarer Salbe die Fiifie Jesu salbte und dafiir von ihm fiir alle Zeiten gelobt und geprie- sen ward. Ahnlich ist riihmlich vor Gott und den Menschen auch das fromme stille Wirken der Mitglieder des Anbetungs-Vereines. Der hochwiirdige Herr Domcapitular Laurenz Herg hat als Vereinsobmann zwar schon allen gedankt, denen der Dank gebiirt; aber ich wiederhole als Diocesanbischof den pflicht- schuldigen Dank vorab der verehrten Vereinsvorstandschaft, die mit hingebender Liebe und heiliger Begeisterung fiir die Zierde des Hauses Gottes arbeitet, und wiederhole ihn sodann allen thatigen und unterstiitzenden Vereins-Mitgliedern. Ihr -s- 133 -§~ schonster Lohn moge einst Jesus Christus selbst sein. Sie mo- gen alle eingehen zur bestandigen Anschauung und Anbetung Gottes! Indem ich nunmehr die ergiebige Ausstellung fiir eroffnet erklare und dem Vereine stetes Bliihen und Gedeihen wunsche, schliefie ich die Generalversammlung- mit der Ertheilung des hohenpriesterlichen Segens als Gewahr des himmlischen, alles vermogenden Segens. Es segne euch der allmachtige Gott -j- Vater und f Sohn und f Heiliger Geist! Amen. § 54. Zwolfter Jahresbericht pro 1893. Der heilige Glaube lehrt uns, dass Jesus Christus in der consecrierten ^Hostie wahrhaft und wesentlich unter der Ge¬ stah des Brotes zugegen ist, und dass er auf unseren Altaren, als dem Throne seiner Liebe und Barmherzigkeit weilet, um seine Gnaden auszutheilen, und dass er die grofie Liebe, welche er gegen uns tragt, klar damit beweiset, indem er Tag und Nacht also verborgen bei uns sein will. O mochten wir doch dieses beherzigen, unsern liebenswiirdigen Erloser in diesem Sacramente der Liebe recht oft besuchen, demselben unsere Huldigung und Anbetung darbringen! Gutiger Gott! wie oft wird dieses versaumt, wie oft rnuss der liebreiche Erloser noch mancherlei Unbilden in diesem gottlichen Geheimnisse von Denjenigen erfahren, denen zu Liebe er hier auf dem Altare hat verbleiben wollen. Wohl beklagte er sich deshalb bei seiner geliebten Die- nerin Margaretha Alacoque, da er eines Tages, als sie eben vor dem allerheiligsten Sacramente betete, ihr sein Herz wie auf einem mit Dornen umkranzten flammenden Throne, worauf ein Herz aufgerichtet war, zeigte und sie also anredete: »Siehe da jenes Herz, welches die Menschen ohne Unterlass geliebt, und im Ubermabe seiner Liebe zu ihnen sich gleichsam selbst verzehrt hat; doch, anstatt mir erkenntlich zu sein, uberhauft nrich in diesem Sacramente der Liebe der grofite Theil der Menschen mit Undank, durch Unehrerbietung, Kaltsinn, Gottes- lasterung und Verachtung, und was mich am meisten schmerzt, geschieht dies auch von Herzen, die sich mir geweiht haben«. Hierauf begehrte Jesus von ihr, dass am ersten Freitage uach der Frohnleichnamsoctave zur Verehrung seines anbetungs- Wtirdigen Herzens ein eigenes Fest eingesetzt werde, an welchem die ihn liebenden Seelen durch andachtige Verehrung die Un- 'hlden wieder gut machen sollen, die ihm von den Menschen in die- -s- 134 -s- šem Šacramente zugefiigt werden. Audi versprach er Den- jenigen reichliche Gnaden, welche ihm diese Ehre ervveisen wurden. Daraus lernen wir verstehen, was der Herr schon im alten Bunde durch seinen Propheten sprach: Dass er namlich seine Freude finde, unter den Menschenkindern zu wohnen, dass er sich nicht entschliefien konne, sie zu verlassen, obwohl sie ihn verlassen und verachten. Auch sehen wir hieraus, wie wohl- gefallig dem Herzen Jesu Diejenigen sin d, welche ihn in dem hochwiirdigsten Šacramente oft besuchen, seine Altare schmii- cken, und zur wiirdigen Feier seiner Geheimnisse behilfiich sind. Wer vermag zu schildern die tiberaus grofien Gnaden und Segnungen, welche den wahren Verehrern des heiligsten Sacramentes zu Theil werden! Der ehrwurdige P. Alvarez sah einst Jesum, wie er in dem allerheiligsten Šacramente die Hande mit Gnaden gefiillt hatte, und suchte, an wen er sie ausspenden konnte. O so lasset uns hinzutreten zum Throne der Gnade, damit wir Hilfe finden zur rechten Z^eit; lasset uns treu ausharren in der Verehrung und Anbetung des allerhei¬ ligsten Altarssacramentes, damit unsere Seelen erleuchtet, und unsere Herzen enflammt werden von der Liebe zu Jesus im heiligsten Šacramente! Kommet und verkostet, wie siift der Herr denen ist, die ihn oft besuchen und demiithig anbeten im Šacramente seiner gottlichen Liebe! Mit besonderer Befriedigung kann die Vereinsleitung her- vorheben und constatieren, dass auch in diesemjahre der An- betungs-Verein erfreuliche Fortschritte gemacht bat, indem die Zahl seiner Mitglieder sich vermehrt hat, und auch reichliche Beitrage zur Beschaffung von Kirchenparamenten und Uten- silien geopfert worden sind, wodurch dem Vereinsausschufte die Moglichkeit geboten wurde, eine stattliche Anzahl von Kirchenparamenten anfertigen zu lassen, welche an bediirftige Kirchen vertheilt werden. Es sei daher am Schlufie des Vereinsjahres der gebiirende Dank ausgesprochen zunachst Gott dem Herrn, von dem jede gute Gabe kommt, dann aber Seiner Furstbischoflichen Gnaden dem Hochwurdigsten Oberhirten Furstbischof Michael fiir die Erweise der Wohlgewogenheit, als auch allen Gonnern und Freunden, welehe den schonen Zweck des Vereines zu fordern sich angelegen sein liefien. Derjenige, dem zu Lieb’ und Ehr’ der Verein seine Thatigkeit zu entfalten bestrebt war, moge Allen mit reichlichstem Segen in der Zeit und Ewigkeit ver- gelten! Die Einnahmen in diesem Jahre betrugen 1934 fl. 02 kr. Fiir diesen Betrag sind nachbenannte Kirchenparamente ver- fertiget worden: -S- 135 • •;* 21 Messkleider. 16 Alben, 16Chorrocke, 6 Vela, 4 Ciboriummantelcheri, 17 Stola, 9 Versehmantelclien, 126 Purificatorien, 96 Lavabo-Tticliel, 30 Cor, poralien, 36 kleine Corporalien, 32 Humeralien, 12 Cingula, 4 Messbiicher- 6 Altarpulte, 20 Ministrantenkittel, 4 Altarkissen, 2 Glockenzuge, 20 Mini- stranten-Chorrocke, 5 Lavabo-Tassen und 6 Paar Opferkannchen. Die im Monate November veranstaltete Paramenten-Aus- stellung wurde mit nachstehender Anrede des Vereins-Obmannes eriiffnet: Der Anbetungs-Verein feiert heuer das zwolfte Jahr seines Bestandes durch eine Kirchenparamenten-Ausstellung, welche hier unseren Augen zur Ansicht sich bietet. Gottlob! der Eifer der Vereinsmitglieder hat auch in die- sem Jahre nicht nachgelassen. Dankend und lobend muss ich hervorheben, dass auch in diesem Jahre zahlreiche Theilnehmer sich dem Vereine beigesellt haben. Derselbe zahlt nun liber 10.000 Mitglieder in allen Pfarren der schonen Lavanter I)io- cese. Uberall wird Jesus Christus im Geheimnisse seiner Liebe zu allen Stunden angebetet und reichliehe milde Gaben werden beigesteuert zur Beschaffung von Kirchenparamenten. Auf diese Weise hat sich der namhafte Betrag pr. 1934 fl. 02 kr. ange- sammelt, fur welches Geld die hier ausgestellten Kirchen- paramente und Utensilien durch die Emsigkeit der edlen Frauen und Jungfrauen verfertiget worden sind. Die Stoffe und Leinwand wurden gekauft, die Mittelstiicke der Messkleider sind hier gestickt worden; so auch die Cibo- rium-Mantelchen, desgleichen sind sammtliche Spitzen der Alben und der Chorrocke hier in Marburg theils gratis, theils um ein billiges Entgelt geheckelt worden. Dieses geschah alles durch Mitwirkung der hochverehrten Frau Prasidentin, Anna Eichler, der Schatzmeisterin, Frl. Maria Schmiderer und der Assistentin Frl. Therese Poschl. Eine grofte Wohlthaterin des Vereines ist die hochgeborene Frau Graiin Nugent geb. Palavicini, welche in diesem Jahre wieder ein Messkleid sammt Zugehiir, eine Stola, ein Ciborium-Mantelchen, eine Alba und ein Altar-Anti- pendium dem Vereine gespendet hat. Wenn nun der Herr im Evangelium sagt, dass, wenn Je- mand ein Glas Wasser aus Liebe dem Nachsten reicht, er seinen Lohn nicht verlieren werde, und wenn der Heiland dem heiligen Martinus, als dieser die Hillfte seines Mantels, da er sonst nichts hatte, einem armen Bettler gegeben hatte, in der nachsten Nacht mit diesem Mantel bekleidet erscbienen und zu 'hm sprach: »Mit diesem Mantel hat mich Martinus, als Kate- chumen bekleidet« ; welchen Lohn haben erst jene zu ervvarten, Welche Jesum selbst bekleiden, indem sie Sorge tragen, dass seine Wohnung, der Tabernakel, wiirdig ausgestattet, seine Altare mit reiner Wasche versehen, seine Diener, die Priester, 'n anstiindigen, der Wurde der hochheiligen Geheimnisse ent- -*f— 136 —§~ sprechenden Kleidern erscheinen, wenn sie das heiligste Mess- opfer feiern und die heiligen Sacramente spenden! Wohlan, der Herr wird diesen Liebesdienst gewiss mit reichlichem zeit- lichen Segen hier und dereinst mit der himmlischen Herrlich- keit im Jenseits belohnen. Indem ich Euerer Fiirstbischoflichen Gnaden im Namen des Anbetungs-Vereines fiir die huldvode Anwesenheit innigst danke, unterbreite ich . die unterthanigste Bitte, geruhen Euere Fiirst- bischofliche Gnaden diese Kirchenparamenten-Ausstellung fur eroffnet zu erklaren, dem Vereine und allen Anwesenden den oberhirtlichen Segen gnadigst zu ertheilen. Dieser Bitte wurde von Seite des Ffochwtirdigsten Ver- einsprotectors mit herzinniger und aufmunternder Ansprache huldvollst willfahrt, die Kirchenparamenten-Ausstellung fiir er- eroffnet erklart, und allen Theilnehmern der oberhirtliche Se¬ gen gnadigst ertheilt. § 55. Dreizehnter Jahresbericht pro 1894. Als der gottliche Heiland am Tage seiner glorreichen Himmelfahrt auf dem (llberge von seinen Jtingern sich ver- abschiedete, sprach er die denkwiirdigen Worte: »Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis an’s Ende der Welt«. 1 Diesem Versprechen gernafi ist Jesus Christus bestandig bei uns: a) durch seine Lehren, die er vom Himmel gebracht und die er uns durch seine heilige Kirche mittheilt; b) durch seine Gnade, die er arn Kreuze erworben und die er uns in den heiligen Sacramenten spendet; c) insbesondere aber, und zwar wahrhaft und wesentlich mit seiner Gottheit und Menschheit im hochheiligen Sacramente des Altars, wo er sich tagtaglich in der heiligen Messe dem himmlischen Vater fiir uns aufopfert als das Lamm Gottes, welches die Siinden der Welt hinweg- nimmt; wo er in der heiligen Communion zu uns kommt, um unsere Seele zu nahren zum ewigen Leben ; wo er im Taber- nakel in der consecrierten Hostie, in der Gestalt des Brotes bestandig bei uns weilt, um uns alle fiir Leib und Seele noth- wendigen Gnaden mitzutheilen, Von diesem seinen Gnaden- throne ruft er uns zu: »Wenn jem and diirstet, derkomme zu mir und trinke!« 2 »Ich bin das lebendige Brot, das vom Flimmel herabgekommen ist; wer von diesem Brote isst, der wird leben in Ewigkeit.«j i » K o m m e t alle zu mir, die i h r m ii h s e 1 i g und b e 1 a d e n seid, und ich will euch erquicken.« 4 ' Matth. 28, 20. — 2 Ioan. 7, 37. — * Ioan. 6, 51. — 4 Matt. 11, 8. 137 -§- Da nun der gottliche Heiland Jesus Christus so liebevoll Tag und Nacht im allerheiligsten Altarssacramente bei uns tveilt und uns zu sich einladet, um uns seine Liebe, seine Gnaden, ja sich selbst mitzutheilen; ist es nun nicht billig und recht, dass auch wir gerne zu ihm eilen und gerne bei ih m verweilen, wo wir Licht und Gnade, Trost und Ruhe finden fur unsere Seelen; ist es nun nicht billig und recht, dass wir gerne erscheinen beim heiligsten Messopfer, durch welches er uns seine Erlosung zuwendet; ist es nicht billig und recht, dass wir gerne zu seinem Tische hinzutreten, uns mit ihm ver- einigen in der heiligen Communion und so verkosten, wie siifi der Herr ist fur diejenigen, die ihn lieben; ist es daher nicht billig und recht, dass wir auch Sorge tragen fur die Zierde seiner Wohnstatte, und fur die Schonheit der kirchlichen Para- mente, ohne welche die heiligen Geheimnisse nicht gefeiert werden konnen; dass wir mit Wort und That bestandig spre- chen: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Heerscharen! Es sehnet sich, und schmachtet meine Seele nach den Vorhofen des Herrn! 1 »Herr, ich liebe die Pracht deines Hauses, und den Ort derWohnung deiner Herrlichkeit«. 2 — »So lasset uns denn mit Zuversicht hinzutreten zum Throne der Gnade, damitwirBarmherzigkeit e r 1 a n g e n, und Gnade finden zur gelegenen Zeit.« 8 Mit freudiger Genugthuung lcann die Vereinsvorstehung constatieren, dass der Anbetungsverein dieser schonen Aufgabe nachzukommen auch in diesem Jahre bestrebt war. Die Mit- glieder-Zahl hat sich in diesem Jahre um 923 vermehrt, der Verein zahlt nun 11.308 MEgliedei*, welche an milden Gaben pr. 1946 fl. 66 kr. fur Vereinszwecke gewidmet haben. Aber auch die Zahl derjenigen hat zugenommen, die Hilfe suchen fur ihre Kirchen, da sie die erforderlichen Paramente und Utensilien zur wtirdigen Feier des Gottesdienstes und zur Spen- dung der heiligen Sacramente wegen Armut ihrer Kirchen nicht beischaffen konnen. Indem der Ausschuss des Anbetungsvereines allen Mit- gliedern und Beforderern, insbesondere Seiner Fiirstbischof- lichen Gnaden, als dem hochherzigen Protector des Vereines, und dem edlen Frauen-Comite hiemit den verbindlichsten Dank ausspricht, empfiehlt derselbe auch in Hinkunft diesen schonen Verein der Wohlgewogenheit und Unterstutzung aller edlen Gonner und Wohlthater. Der Verein hat in diesem Jahre nachstehende Kirchen- paramente mit Beihilfe des Frauen-Comites und der ehrwur- digen Schulschwestern verfertiget, welche an bediirftige Kirchen vertheilt werden: 1 Ps. 83, 2. — * Ps. 25, 9. — 3 Hebr: 4, 16. * ~f- 138 -š- 2 Vespermantel, 21 Messkleider, 17 Alben, 18 Chorrbcke, 7 Vela, 2 Ciborium-Mantelchen, 17 Stola, 6 Verseh-Mantelchen, 133 Purificatorien, 70 Lavabo-Tilchlein, 44 Corporalien, 30 Pallen, 85 Humeralien, 12 Gingula, 2 Messbtlcher, 6 Altarpulte, 24 Ministranten-Kittel, 10 Altarkissen, 4-Glocken- zilge, 20 Ministranten-Chorrocke, 5 Pultdecken, 3 Altar-Antipendien, 2 Mon- stranzen-Schleier, 2 Sacristei-Handtucher. Die Ausstellung dieser Kirchenparamente fand im Monate November statt, bei welch’ freudigem Anlasse der Vereins- Obmann nachstehende Begrtifiungsworte an den hochwiirdigsten Protector und an die zahlreichen Gonner des Vereines richtete: Bei der Kirchenparamenten-Ausstellung, welche der An- betungs-Verein am Schlufte des 13. Vereins-Jahres veranstaltet h at, haben wir uns heute zahlreich versammelt. Wenn uns der heilige Apostel Paulus im Briefe an die Galater ermahnt: »Lasset uns Gutes thun und nicht ermiiden; denn zu seiner Zeit tyerden wir ernten, wenn wir nicht er mii d e n«, 1 so konnen wir sagen, dass der Anbetungs-Verein dieser Mahnung auch in diesem Jahre treulich nachgekommen ist, wovon uns die gegenwartige Kirchen¬ paramenten-Ausstellung gar schbn iiberzeugt. Es haben auch in diesem Jahre die Vereinsmitglieder unter der Leitung ihrer Seelsorger ihre Liebesgaben im reichlichen Mafie an den Stufen des Altars niedergelegt, mit welchen die hier ausgestellten schonen Paramente beschafft worden sind; sie haben aber auch den gottlichen Erloser bestandig angebetet im Geheim- nisse seiner Liebe, im allerheiligsten Altarssacramente. Auf diese Weise haben sie viele gute Werke geiibt und sich Ver- dienste fiir Zeit und Ewigkeit gesammelt. Sie haben geiibt im eminenten Sinne die drei vorziiglichsten guten Werke, die da sind: Beten, Fasten’und Almosen geben. Diese guten Werke haben sie verrichtet, indem sie ihr Stundengebet vor dem allerheiligsten Altarssacramente gehalten, indem sie ihre rnilden Gaben unter Abbruch und Selbstverleugnung als den Ausdruck ilmes Glaubens, ihrer Ehrfurcht, Dankbarkeit und innigen Liebe gegen Gott gespendet zur wtirdigen Feier des Gottesdienstes. Wie grofi ist ihr Verdienst fiir Zeit und Ewigkeit! Denn nach der Lehre der Kirche bringt jedes gute Werk einen drei- fachen Nutzen hervor: a) es vermehrt die heiligmachende Gnade und erwirbt die ewige Gluckseligkeit; b) es bewirkt fiir die Siinde die noch zu leistende Genugthuung; c) es erlangt natiirliche und iibernatiirliche Gnaden. Ich muss hier bemerken, dass aus ali en Pfarren der weiten Lavanter Diocese reichliche milde Gaben eingeflofien sind, mit welchen die Kosten fiir die hier ausgestellten schonen Para¬ mente gedeckt worden sind. Wir sehen daher in dieser Kirchen- 1 Gal. 6, 9. -I- 139 ~§~ paramenten-Ausstellung die Sparpfennige und Liebesgaben der ganzen Diocese beisammen, welche die namhafte Summe von 1946 fl. 66 kr. erreichen, mit welchen das eifrige Damen-Comite im Vereine mit den ehrwiirdigen Schulschwestern die vor uns befindlichen Paramente und Kirchenwasche verfertiget bat. — Die hochgeborne Frau Grafin Nugent hat in diesem Jahre wieder eine Casula sammt Zugehbr, eine Albe und zwei Stola gespendet. Es sei allen Gonnern und VVohlthatern hiemit der bestverdiente Dank ausgesprochen! Grofi wird sein die Freude derjenigen, welche mit den liier ausgestellten schonen Kirchenparamenten werden bedacht werden. Moge aber auch diese Freude fernerhin andauern! Darum bittet die Vereins-Vorstehung um fernere Untersttitzung, damit dieselbe in der Lage sein werde, im nachsten Jahre aber- mals eine Kirchenparamenten-Ausstellung zu veranstalten. Schliefilich sei der verbindlichste Dank ausgesprochen Euerer Fiirstbischoflichen Gnaden fiir die huldvolle Wohl- gewogenheit und Unterstiitzung; dem hochwtirdigen Herrn Dom- und Stadtpfarrer fiir die salbungsvollen Vortrage bei den Vereinsandachten und dem hochverehrten Damen-Comite fiir ihre Mitwirkung. Geruhen Euere Fiirstbischoflichen Gnaden nun diese Kirchenparamenten-Ausstellung fiir eroffnet zu erklaren, und als Biirgscbaft fiir das fernere Gedeihen den Vereinsmitgliedern und allen Anwesenden den oberhirtlichen Segen gnadigst zu ertbeilen. § 56. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwiirdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, gehalten anlasslich der feierlichen ErOffnung der dreizehnten Paramenten- Ausstellung des Anbetungs-Vereines im F.-B. Priesterseminare zu Marburg, am 28. October 1894. Im Herrn Versammelte! Das fiinftemal schon bin ich als Oberhirt der Lavanter Diocese in der angenehmen Lage, die vom Diocesan-Anbetungs- vereine alljahrlich veranstaltete Paramenten-Ausstellung zu er- oflnen. 1 Ich that dies jedesmal mit lebhafter Freude, weil ich diesem auserlesenen Vereine die warmsten Sympathien entge- genbringe; heute aber thue ich es mit um so lebhafterer Freude, weil der Verein seit der letzten General-Versammlung uner- wartet grofie Fortschritte zu verzeichnen hat. Derselbe hat in dem Jahre um 923 Mitglieder zugenommen, so dass er gegen- 1 Die vierte Ansprache, gehalten anlasslich der zwolften Paramenten- Ausstellung am 5. November 1893 tiber die weittragende Bedeutung des Anbetungsvereines, ward nicht aufgezeichnet. -f- 140 -3* wartig 11,308 Theilnehmer zahlt, die fiir die dreizehnte Para- menten-Ausstellung 1946 Gulden 66 Kreuzer beigesteuert haben. Einzelne Pfarren opferten namhafte Summen, wie uns soeben der hochwiirdige Herr Vereinsobmann berichtete. Es fanden sich aber auch edle Wohlthater und Gonner, welche grofi ere Geldbeitrage spendeten. So die hochgeborene und hochherzige Frau Grafin Nugent, welche wie alljahrlich so auch heuer mehrere Paramente dem Vereine zukomraen liefi: wie' ein kunstvoll gearbeitetes Mefigewand mitsammt Zugehor, dann eine Alba und zwei Stola. Aus Lembach bei Marburg iiber- brachte eine Witwe 130 Gulden, die Dom- und Stacltpfarre sammelte 90 Gulden 40 Kreuzer, die Pfarre Schiltern 62 Gulden, die Deeanatspfarre Jaring 44 Gulden 72 Kreuzer, die Pfarre Reichenburg 65 Gulden 24 Kreuzer und so weiter. Die alljahrliche Paramenten-Ausstellung, mit welcher zu- gleich auch die Abhaltung der General-Versammlung erfolgt, ist fiir den Verein ein iiberaus wicbtiges Ereignis. Denn sie ist fiir den Verein das, was z. B. fiir den Seminaristen die Jahresschlusspriifung, was fiir die Armee die grofie Parade vor dem obersten Kriegsherrn, was fiir den Landmann der Herbst als Zeit der Ernte ist. Ja, die Tage der Ausstellung sind fiir den Verein der Herbst: die Zeit der Fruchte. Heute, es ist der 28. Tag des Erntemonates October, tritt zu Tage, was der Verein ein Jahr hindurch gearbeitet hat. Der Verein wird die Priifung glanzend bestehen, die Parade wird zufriedenstellend ausfallen, die Fruchte werden reichliche und vortreffliche sein. Dies bezeugen die ausgestellten Objecte, dies bestatigt der dreizehnte Jahresbericht, der uns hier am Tische gedruckt vorliegt. Die verehrliche Vereins-Vorstehung feiert heute ihren Ehrentag, wozu ich sie freudigst begliickwiinsche, und sie zu- gleich auch bitte, dass sie bei dem schonen Werke, um welches sie sich schon unvergangliche Verdienste erworben hat, getreu ausharre. Dasselbe oberhirtliche Ansuchen richte ich aber auch an alle an- und abwesenden Mitglieder, stelle es an die emsigen Arbeiterinnen, wie an alle Gonner und Gutthater und Forderer des Vereines. Insbesondere rufe ich mit aller Warme mein bischofliches Bittwort hinein in jeden Pfarrhof und in jede Pfarre, in jede Kirche und Htitte und Burg der Diocese, wie es einst Sanct Paulus an die Galater gerichtet hat: Bruder, lasset uns Gutes thun und nicht er mu d en; denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermtiden. (Gal. 6, 9). Meine lieben Verehrer des heiligsten Altarssacramentes, unsere Zeit ist eine Zeit der Vereine. Auch unsere Lavanter Diocese zahlt recht viele und gute, sehr zeitgemafie Vereine. Obenan steht der Anbetungs- und Kirchenausstattungs-Verein. —I— 141 ~-f~- Denn sein Zweck ist so erhaben und heilig, wie kaum ein anderer. Dieser Verein beschaftigt den ganzen Menschen, dessen Seele und dessen Leih. Das Vereinsmitglied dient Gott dem Herrn geistig und korperlich. Die Sodalen beten das aller- heiligste Altarssacrament an, empfangen gerne die heiligen Sacramente, wohnen den diesbeziehentlichen Kanzelvortragen bei, und befleifien sich eines gottgefalligen und auferbaulichen Lebenswandels. Zudem arbeiten sie auch fieifiig, die einen, um sich die alljahrliche Vereinsgabe zu erarbeiten, die anderen nahen, sticken, heckeln zugunsten des Vereines. Ja, jedes Vereinsmitglied ist bestrebt, Jesu Christo den Doppeldienst zu erweisen, den ihm das heilige Geschwisterpaar, die <£eschafti«;e Martha und die heilsbeflissene Maria erwiesen. Euch, Geliebteste, ist ja bestens bekannt jene anziehende Scene aus dem Leben des gottlichen Heilandes, die ruhrend schone Scene, wie der Herr bei Martha und Maria in Bethanien ein- kehrte und als Gast zu Tische safi. Es geschah aber, erzahlt Sanct Lucas, als sie dahinzogen nachjerusalem, dass Jesus in einen Flecken kam. Da nahm ihn ein Weib mit Namen Martha in ihr Ha us auf. Und sie hatte eine Schwester, die Maria hiefi. Diese setzte sich zu den Fiifien des Herrn und horte sein Wort; Martha aber maclite sich vi el zu schaffen, um ihn reichlich zu bedienen. (Luc. 10, 38—40). Beide Sclrvvestern dienten dem himmlischen Gaste: Martha durch ihr thatiges, Maria durch ihr beschauliches Leben. Die Mitglieder des Anbetungsvereines sind dienstbetlissen und heils- beflissen, sie vereinigen das thatige Leben mit dem beschaulichen Leben, was ganz der Natur des Menschen entspricht, dieser wunder- baren Verbindung des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren, des Geistigen mit dem Leiblichen, der Seele mit dem Korper. Wie die heiligen Dreikonige das gottliche Jesukind im Stalle zu Bethlehem zuerst angebetet und hierauf mit Gold, Weihrauch und Myrrlie beschenkt haben, ahnlich dienen die Vereinsmit- glieder dem unter Brotesgestalt im Tabernakel geheimnisvoll wohnenden und thronenden Heilande, und werden dereinst den Lohn empfangen, welchen Jesus seinen treuen Dienern verheifien mit dem Ausrufe: Wer mir dient, den wird m ein Vater e hren. (Ioan. 12, 26). Wie lieh und theuer dem Herrn der Dienst ist, welcher ihm bereitwillig erwiesen wird, erweist das ergreifende Beispiel der reumiithigen, vor Liebe zum Heilande entflammten Maria Magdalena. »Als Jesus zu Bethanien im Hause Simons des Aussatzigen zu Tische sass, kam ein Weib mit einem alaba- sternen Gefafie, worin eine Salbe von kostbarer Feinnarde tvar, und zerbrach das Gefafi und gofi sie auf sein Haupt. Es 'vurden aber einige bei sich selbst unwillig und sprachen: -I- 142 ~§~ Wozu ist diese Verschwendung der Salbe geschehen? Man hatte die Salbe um mehr als dreihundert Denare verkaufen und den Armen geben konnen. Und sie murrten iiber sie. Jesus aber sprach: Lasset sie! Warum belastigt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir gethan. Denn Arme habet ihr immer bei euch, und konnet ihnen, wann ihr wollet, Gutes thun: mich aber habet ihr nicht immer. Diese that, was sie konnte; sie salbte schon zum voraus meinen Leib zum Be- grabnisse ein. Wahrlich sage ich euch, wo immer dieses Evan- gelium in der ganzen Welt wird gepredigt werden, da wird auch, was sie gethan hat, zu ihrem Andenken erziihlt werden.« (Marc. 14, 3—9). So ward Maria von Magdala fiir diese edle Handlung der Liebe und Ehrerbietung, so ward sie fiir dieses Zeichen der grafiten Verehrung offentlich vom gottlichen Lehrmeister belobt und ist ihr das Lob auch fiir alle Zukunft verkiindet und gesichert. Ahnlich wie Magdalena bedienen Jesum auch die Mitglieder des Anbetungs- und Kirchenausstattungs-Vereines. Sie zieren und schmiicken ja die Altare, die da jene gesegneten Tische sind, an denen der eucharistische Heiland ais Gast und Gabe weilt. Wie wohlgefallig Jesu die Opfer fiir die Kirchen sind, erhellt klar und deutlicb aus dem zwar geringen aber best- gemeinten Opfer der evangelischen Witwe, von dem uns Sanct Marcus also berichtet: »Und Jesus safi im Tempel dem Opfer- kasten gegeniiber, und sah, wie das Volk Geld in den Opfer- kasten warf: und viele Reiche warfen viel hinein. Da kam auch eine arme Witwe, und warf zwei kleine Stiicke, das ist einen Pfennig, hinein. Und Jesus rief seine Jiinger zusammen, und sprach zu ilmen: Amen, sage ich euch, diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle, die in den Opferkasten geworfen haben. Denn alle haben von ihrem Ubertiusse hinein- geworfen; diese aber warf von ihrer Armut hinein alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt«. (Marc. 12, 40 — 44). Dieser opfermuthigen Witfrau gleichen gar manche Vereins- mitglieder und verdienen darum auch das gleiche Lob, da sie namlich ihre Sparpfennige der Ausstattung armer Kirchen zum Opfer bringen. Hier gilt das Schriftwort: Gib dem Aller- hochsten nach der Gabe, die er dir gegeben hat; gib mit frohlichem Auge nach deinem Vermogen: denn der Herr ist ein Vergelter, und wird dir’s siebenfaltig wieder vergelten. (Eccli. 35, 12. 13). Im Herrn Versammelte! Am Schlusse meiner Gelegenheitsansprache gebe ich un- zweideutigen Ausdruck dem Danke und der Anerkennung, die ich dem gesegneten Wirken des Anbetungs-Vereines und ins- / La disputa del Sacramento von Michelangelo, ' • 143 — besondere der verdienstvollen Thatigkeit des hochwiirdigen Herrn Obmannes und seiner beiden Ausschiisse, als auch den aufopferungsvollen Arbeiten der hochgeehrten Frau Prasidentin und ihrer Assistentinnen schulde. Diesem meinen bischoflichen Danke fuge ich die Bitte bei, die geehrte Vereinsleitung wolle ihre bewahrte und mit so erfreulichem Erfolge gesegnete Wirle¬ sam keit auch kiinftighin dem Werke unseres herrlichen Ver- eines zuwenden. Anlasslich einer Soldatenparade auf den elysaischen Fel- dern bei Pariš fragte Kaiser Napoleon der Grofie einen ergrauten Krieger ganz kurz: Bei den Pyramiden? Und dieser antwortete ebenso biindig: Dabei gewesen. Bei Arcoli? Dabei gewesen. Bei Rivoli? Dabei gewesen. Bei Marengo? Dabei gewesen. Bei Eylau? Dabei gewesen. Bei Austerlitz? Dabei gewesen. Bravo, rief der Kaiser und fiigte bei: Capitan ! Kreuz der Ehren- legion! Gliicklich und selig werden auch wir dereinst sein, wenn wir am Tage des Weltgerichtes dem Konige der Konige werden antworten konnen: Beim Anbetungs-Vereine? Dabei gewesen. Beim Sanct Vincenz-Vereine? Dabei gewesen. Beim katholischen Frauen-Vereine der werkthatigen christlicben Nachstenliebe? Dabei gewesen. Beim katholischen Gesellen- Vereine? Dabei gewesen. Beim Vereine der heiligen Familie von Nazareth? Dabei gewesen. Beim Bauvereine der Vorstadt- pfarrkirche zur hi. Maria Mutter der Barmherzigkeit? Dabei gewesen. Recht so, du guter und getreuer Diener, gehe ein in mein Reich und empfange die Krone des Lebens! Nun aber erklare ich die schon alle Anwesenden umvider- stehlich anziehende Paramenten-Ausstellung fiir eroffnet und ertheile der Versammlung den erbetenen oberhirtlichen Segen als Gewahr des himmlischen Segens, an den zu allen Zeiten fiir alle Alles gelegen. Sit nomen Domini benedictum! Amen. § 57. Hirtens chr eib en Seiner Fiirstbischoflichen Gnaden des Hochwiirdigsten Herrn Dr. Michael Napotnik, Fiirstbischofes von Lavant, liber das hoch- heilige Altarssacrament. Die Vereinsvorstehung rechnet sich zum besonderen Vergniigen, das Hirtenschreilren des Hochwiirdigsten Vereins- Protectors vom 20. Janner 1895, in welchem Hochderselbe die Glaubenslehre vom heiligsten Altarssacramente so ki ar, er- schopfend und tiberzeugend darlegt, in diesen Vereinsnach- r ichten zur Erbauung mittheilen zu konnen. Dasselbe lautet: -S- 144 -s- Geliebte Diocesanen! DerHeilige Vater, unser gliicklich und glorreich regierender Papst Leo XIII. sprach in seiner am 23. December des ver- flossenen Jahres an die Cardinale gerichteten Ansprache von der beiligen Eucharistie, in der das Leben des Christenthums sich concentriert und bestandig nahrt, die da ist das Sacra- ment der Einigkeit, des Friedens und.der Liebe. Hiebei driickte Seine Heiligkeit seine Freude aus iiber die eucharistischen Versammlungen, welche in den letzten Jahren an verschiedenen Orten mit grofier Pracht und Herrlichkeit abgehalten wurden, so in Pariš, in Jerusalem, in Briissel, in Neapel, in Turin und in Mailand. Die Dankbarkeit verlangt, schloss mit Nachdruck der Heilige Vater seine liebliche Weih.nachtsansprache, dass die Mittel verdoppelt werden, um die Unbilden zu siihnen, die der Gottmensch in diesem unaussprechlichen Geheimnisse erleidet, und ebenso verlangt die Nothwendigkeit, dass man mit un- endlichem Vertrauen an Ihn sich wende, um die Ftille der gottlichen Erbarmungen zu erflehen. Diese aufmunternden Worte des obersten Hirten und unfehlbaren Lehrers unserer heiligen Kirche brachten in mir den Entschluss zur Reife, vom Sacramente der Einigkeit, des Friedens und der Liebe zu Euch, Meine geliebten Bisthums- kinder, im diesjahrigen Fastenhirtenschreiben zu sprechen, um in Euch innige, unentwegte Liebe zum Liebessacramente anzu- fachen und um moglichst viel beizutragen zur Stihnung der dem gottmenschlichen Erloser in diesem unaussprechlichen Geheimnisse angethanen Verunehrungen und Beleidigungen. Im Convente Santa Maria delle Grazie zu Mailand bewahrt man von einem der beriihmtesten Maler ein so vollendet schones Wandgemalde, dass der Beschauer nicht ein tiefdurchdachtes und erhaben gefiihltes Kunstwerk zu sehen vermeint, sondern gleichsam eine Offenbarung von oben. So ergieng es wenig- stens Mir, als Ich im Jahre 1892 vor dem grofiartigen Bilde stand und dasselbe lange, lange betrachtete. Dieses vielbewun- derte Bild, das weltbekannte Abendmahl von Leonardo da Vinci, ist eine lichtvolle Darstellung der Bedeutung jenes ewig denk- vviirdigen Griindonnerstages, an welchem der gottliche Heiland mit seinen zwolf Freunden das letzte, aber auch das segen- vollste und gnadenreichste Abendmahl feierte. Geliebte Diocesanen! Wunderbar ist allerdings jene beispiellos demiithige Liebe, mit welcher der himmlische Lehr- meister sich zu den Fiifien seiner eigenen Schiller herabgelassen, dieselben gewaschen und gekiisst, ohne auch an jenem Unhold voriiberzugehen, von dem Er alsbald durch falschen Kuss solite schmachvoll verrathen werden, wunderbar, sage Ich, ist diese ruhrende Liebe, aber bewunderungswurdiger ist jene so iiber- 145 -f- grobe Giite, mit welcher Jesus vor seinem Hingange in den Tod den Seinigen das Brot gab, dessen Genuss unsterbliches Leben verleiht. Abgrundtief ist zwar die opfervolle Liebe, welche der liebreichste Welterloser durch seinen mablos bitteren Tod den Menschen bewiesen, aber der alljahrlich wiederkehrende hoch- heilige Griindonnerstag stellt uns ein Liebeswerk dieses grofiten Menschenfreundes vor Augen, welches alle anderen Liebes- thaten weit iiberragt, sie alle endgiltig kront. Denn ein Liebes- werk ist es, das sich nicht auf kurze Zeit wie das Leiden und Sterben beschrankt, sondern welches sich da bis an das Ende aller Zeiten erstreckt, indem es den Glaubigen aller Zungen und Zonen die edlen Friichte des vom gottlichen Lamme auf Calvaria’s Hohen vollbrachten Kreuzesopfers unaufhorlich geniefien macht. Durch die so klaren als wunderthatigen Worte: Nehrnet h in und esset, dies ist Mein Leib, der fiir euch hin- gegeben wird. Nehrnet hin und trinket, dies ist das Blut des neuen Testamentes, welches fiir euch und fiir viele vergossen wird zur Vergebung der Siinden. (Matth. 26, 26—28). Thuet dies zu Meinem Andenken (Luc. 22, 19) — durch diese hochfeierlichen, ewig gesegneten VVorte ertheilte Christus, der ewige Hohepriester nach der Ordnung Melchisedechs, den Aposteln sowie allen ihren recht- mafiigen Nachfolgern im Priesteramte die geheimnisvolle Macht und Kraft, jenes grofiartige Wunder in der Kirche immerdar zu erneuern, welches Er beirn Bundesmahle durch Verwand- lung des Brotes in seinen heiligsten Leib und des Weines in sein kostbares Blut gewirkt hat. Durch Ertheilung dieser auber- ordentlichen Gewalt hat sich aber Jesus in Liebe verpflichtet, solange unter den Menschen zu leben, bis diese selbst zu leben aufhoren. Furwahr meine Theuersten! Es ist dies eine Liebe, der- gleichen noch keine aufErden ist gefunden worden, noch wird jemals gefunden werden. Der ITerr hat die Seinigen zwar alle Zeit geliebt, bemerkt der Liebesjiinger Johannes im ersten Vers des liebeathmenden dreizehnten Capitels seines Evangeliums, aber am Ende seines thatenreichen, ruhmbedeckten, die ganze Welt begliickenden Lebens hat Er seine Menschenliebe in’s strahlendste Licht gestellt durch Einsetzung des hochheiligen Abendmahls, dieses unverganglichen, ewigbleibenden Denkmals ewiger, gottlicher Liebe. Und so gibt es wohl keinen edleren, keinen heiligeren Gegenstand der Betrachtung fiir die heilige Fasten- und Osterzeit als die Versenkung in die unendliche Liebe Jesu im Sacramente des Altares. Eine tiefere Erkenntnis derselben vermag wohl Geist und Herz des katholischen Christen 10 -S- 146 ■-§- unwiderstehlich anzuregen zur innigdankbaren, zur werk- nnd thatkraftigen Gegenliebe. Moge die Erweckung innig wahrer Andacht und warmer Liebe zum Liebessacrament die goldene Frucht Meines heurigen Send- und Lehrschreibens sein, dessen Worte das Fleisch ge- wordene Wort Gottes, Jesus Christus, der Hirt und Bischof unserer Seelen (I. Petr. 2 , 25 ), reichlichst segen wolle! Tantum ergo Sacramentum veneremur cernui! I. Um die unberechenbare Grobe der im Heiligsten aller Sacramente verborgenen Liebe einkleinwenig zu erfassen, miissen wir, Geliebte im Herrn, die Person des Liebenden wie die des Geliebten, aber auch die besondere Art und Weise, wie sich diese Liebe offenbart, betrachten. Denn sonnenklar ist es, je grofier und hoher derjenige, welcher Liebe erweist, und je geringer und niederer, dem sie erwiesen wird, und auf je offenkundigere Weise dies geschieht, desto grofier, desto bewundernswerter ist diese Liebe. Erwagen wir nun eingehender das Gesagte! 1. Der im preiswiirdigsten Altarssacramente wahrhaft, wirklich und wesentlich Gegemvartige ist der ewige Sohn des ewigen Vaters, ist das getreue Bild seiner Wesenheit, ist der Abglanz seiner Herrlichkeit. Durch Ihn ist alles erschaffen, und ohne Ihn ist nichts gemacht, was gemacht worden, wie sich der Fiirst der Evangelisten, der hi. Johannes ausdriickt im Prolog zu seinem geistvollen Evangelium (1, 3). Jener ist es, der, nachdem Er sich bis zum Tode am Kreuze erniedrigt hatte, ist von seinem Vater erhoben und mit einem Namen begabt worden, der iiber alle Namen ist, so dass im Namen Jesu alles die Knie beugen muss, was im Himmel, auf Erden und unter der Erde ist, wie dies St. Paulus, der weisheitsvolle Volkerlehrer, nach- drucksvollst betont. (Philipp. 2, 9. 10). Und Jener ist es endlich, der voli Macht und Herrlichkeit zur Rechten des himmlischen Vaters thront als das sieggekronte Haupt der hi. Kirche, als unser Mittler und als der zuktinftige Richter der Lebendigen und der Todten. Doch, o Konig der Glorie, wie sowenig ist mit diesen schwachen Worten Deine glanzvolle Pracht und Herrlichkeit aufgedeckt, von der nur das begreiflich, dass sie unbegreitlich ist! Und dieser hoheitsvolle Herr Himmels und der Erde ver- birgt sich aus grenzenloser Menschenliebe unter der unansehn- lichen Hiille des Weizenbrotes und des Traubenweines. Ein tiefes, iiber alle Sinne und Begriffe erhabenes Mysterium ist allerdings die Menschwerdung des gottlichen Sohnes; aber ein hoheres Geheimnis ist das anbetungswiirdigste Altars- -s- 147 -s* sacrament. Denn im ersten Geheimnisse verhiillte Jesus den Glanz seiner gottlichen Majestat doch unter menschlicher Ge- stalt; aber im zweiten verschleiert Er seine Gottheit und seine Menschheit unter den leblosen Brot- und Weingestalten. Ein ■tt. .O - VVunder so hehr als wahr, dass bei dessen Betrachtung die Classiker der katholischen Kirche, die hi. Vater, an die Worte Davids, des unsterblichen Psalmendichters auf dem Konigs- throne, erinnern: Ein Denkmal seiner Wunder hat der giitige und erbarmungsvolle Gott aufgerichtet. Speise gab er jenen, die ihn mit Ehrfurcht anbeten. (Ps. 110,4.5). Und der grofie Heilige von Hippo, der gefeierte Augustinus, that den ktihnen Ausspruch: Gott in seiner Allmacht ko n n te nicht mehr geben; in seiner W e i s- heit wusste nicht mehr zu geben, und in seine m Reichthum hatte nicht mehr zu geben — als dieses wundervolle Sacrament. (Tract. 84 injoannem). O dieses Sacrament, das ist so hehr, es ist so wunderbar! 2. Indes, meine lieben Diocesanen, das Meer der gott¬ lichen Liebe im glorwiirdigsten Altarssacramente wird noch weiter und tiefer im Hinblick auf denjenigen, dem diese Liebe gilt. Und sie gilt dem Gebilde aus Staub und Asche, gilt dem undankbaren Geschopfe, gilt dem siindigen, schuldbeladenen Menschen. Dem liebreichen Heiland war es nicht genug, drei- unddreifiig Jahre in schweren Drang- und Miihsalen unter Siin- dern zu weilen und ftir sie zuletzt am Kreuze den martervollsten Tod zu sterben ; sondern in seiner unermesslichen. Liebe wollte er das blutige Opfer, das Er auf Golgotha, diesem schmerz- vollsten Punkte der Erde, vollbracht, immerwahrend im un- blutigen Messopfer erneuern zur fortgesetzten Siihnung und Versohnung des gefallenen Menschengeschlechtes. Wie wenn die Sonne uns nach dem Untergange ihre sichtbare Gegenwart entzieht, aber dennoch fortwirkt, wie wir dies im Geiste erkennen, indem sie durch das an die Himmels- korper abgegebene Licht in stillen, heiteren Nachten unseren dunklen Erdtheil beleuchtet, so wirkt auch Jesus Christus, das Licht der Welt, die Sonne der Geister, nach volilmachtem Lrdenlaufe fort, indem Er sich vom Aufgange der Sonne bis z um Untergange Gott darbringen lasst in der hi. Messe (Mal. L 11), diesem Brennpunkte des katholischen Gottesdienstes; und indem Er im Altarssacramente, dieser Centralsonne alles kirchlichen Lebens und Gedeihens, stets gegenwartig ist zur Erleuchtung des durch die Stinde umnachteten Geistes der Menschenkinder und zur Erwarmung ihrer in Leidenschaft er- starrten Herzen. 3. Nicht genug meine Theuersten! Die Bewunderung der urbarmungsvollen Gtite, wie sie das hochgebenedeite Altars- 10 * -I- 148 -§~ sacrament offenbart, steigert sich noch um vieles, wenn auch die Art und Weise dieser Offenbarung naher erwogen wird. Schon dies bekundet eine wahrhaft groISmiithige Liebe, dass der im Glorienschein himmlischer Unsterblichkeit ver- klarte Heiland auf die Worte eines sterblichen Menschen, des katholischen Priesters, auf den Al tar herabsteigt. Und dies geschieht wie in schonen, kunstvoll gebauten Domen, so in styllosen Kirchen und kleinen Dorfkapellen, wo sich die Be- wohner der armsten Ortschaft versammeln. Ja noch mehr. Er der Herr der Kriegesheere steigt inmitten katholischer Armeen auf den Feldaltar und lasst sich herab auf die Schiffe katho¬ lischer Nationen, Er, der einst Sturm und Wellen geboten. Allenthalben auf Bergeshohen und in Thalgriinden, auf allen Meeren und in allen Welttheilen wird Er dem himmlischen Vater geopfert in der hi. Messe zum ew.igen Wohle und Heile der Seinigen. Und sowie Er einst in Palastina, seinem Mutter- lande, Segen und Wohlthaten spendend, von Stadt zu Stadt gezogen, von einer Landschaft zur anderen dahingewandelt, so wandelt Er noch heute, getragen von seinen Dienern den Priestern in feierlichen Processionen, durcli Stadt und iiber Land; lasst sich geleiten in prachtvolle Palaste und armliche Htitten, in Spitaler und Kerker, wie in ferngelegene VVinkel und Weiler. Und er besucht den Menschen im Augenblicke, der fiir eine Ewigkeit entscheidet, besucht denselben in jener verhangnisvollen Stunde, wo dem Menschen die ganze Welt nicht mehr rathen und nicht mehr helfen kann. Ali das Gesagte diirfte fiir uns, geliebte Lavantiner, wohl ein vollgiltiger Beweis sein, wie das allerheiligste Altarssacra- ment jene Tugend machtvoll predigt, welche die Vollendung, welche die Konigin der iibrigen Tugenden ist, Ich meine die christliche Liebe, welche das Element der christlichen Welt- ordnung und das Cement der christlichen Gesellschaft bildet. Mit vollstem Recht nennt unser Heiliger Vater Papst Leo XIII. die Eucharistie das Sacrament der Liebe, der Einigkeit und des Friedens. Und das hochheilige Concil von Trient nennt sie das Zeichen der Einigkeit, das Band der Liebe, das Sinnbild der Eintracht. II. Geliebte im Herrn! Der Blick auf Jesus als das vollkom- menste Muster wahrer Menschenliebe, wie solite er nicht jeden Christusglaubigen Geist und jedes Christo ergebene Herz kraf- tigst anspornen zur treuen Gegenliebe. Wie sich aber die Liebe des Herrn und Meisters verschieden aufiert, so soli sich auch der Seinigen Gegenliebe mannigfach bethatigen. Betrachten wir auch diesen Punkt genauer! «4- 149 1. Zu einer Art der Bethatigung wahrer Gegenliebe gab uns der gottliche Heiland selbst einen nicht undeutlichen Wink, den namlich, dass dem Liebessacramente die hochste Aus- zeichnung und allergrofite Ehrfucht geburt. Denn Jesus Christus nahm in einem wurdevoll ausgestatteten Saale, gelegen am Sionsberge, die erste Consecration der Hostie vor und reichte daselbst seinen Tischgenossen die erste heilige Communion dar, nachdem Er sie zuvor ebendaselbst zu Priestern des neuen Bundes geweiht hatte. Er, der sonst nur Armut liebte, dem die Krippe zur Wiege, das peinvolle Kreuz zum Sterbebette und zum Ruhekissen eine stachelige Dornenkrone diente, hier wo Er das vornehmste und vorziiglichste aller Sacramente stiftete, wo Er das Sacrament einsetzte, welches die Krone unseres heiligen Glaubens, die Centralachse unseres Gottesdienstes, der hochste Ruhm und die schonste Zierde der katholischen Kirche ist, da begeht der Erloser diese denkwiirdige Feier in einem grofien, hohen, mit Teppichen und Polstern herrlich belegten Saale, wie es im Evangelium wortlich heifit (Luc. 22, 12; Marc. 14, 15), begeht diese Festlichkeit im Obergelass oder Hochsaal, 6rcepipov, wie ihn die Apostelgeschichte nennt (Apostelg. 1, 13) — und dies den Glaubigen zur Belehrung und heilsamen Mahnung, jederzeit mit dem Gefiihle grofiter Hochachtung und pietatsvollster Verehrung zu begegnen diesem erhabensten, \veil gottlichen Sacramente. O, erweiset darum, theuerste Didcesanen, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit dem hochwiirdigsten Altarssacramente die geburende Ehrfucht, die erforderliche Hochachtung. Beuget alle Zeit, so oft Ihr das Gotteshaus betretet und es wieder verlasset, vor dem Tabernakel, dem Gnadenthrone des sacra- mentalen Gottes, demiithig Euere Knie; denn in der Eucha- ristie ist der namliche Gott gegenwartig, den der ewige Vater in die Welt eingeftihrt hat mit den Worten: Und alle Engel Gottes sollen Ihn anbeten (Hebr. 1,6); vor dem die Weis en niederfielen und Ihn anbeteten (Matth. 2,11); welcher, wie die hi. Schrift bezeugt, von den Aposteln in Galilaa angebetet worden ist. (Matth. 28, 17; Luc. 24, 52). Die andachtige und erbauliche Kniebeugung vor dem geheiligten Sacramentsaltare tragt uns sicherlich einen grofien Lohn ein. Wenn der Satan, welcher recht gut den Wert und die Bedeutung der Kniebeugung kennt, dem gottlichen Heiland ftir eine einzige Kniebeugung alle Konigreiche der Erde mit ali ihrer Pracht und Herrlichkeit anbot, was wird dann nicht Jesus Christus dafiir geben, so oft wir unsere Knie vor Ilun in aller Ehrfurcht beugen? Da ist es jedesmal, als ob Er vom Tabernakel heraus zu uns sprache: Siehe, alles, was du fiir Leib und Seele brauchst, will Ich dir geben! Griifiet und ver- ehret ferner das verehrungswiirdigste Sacrament in aller De- ■« 150 — muth und mit aller Dankbarkeit, so oft es getragen wird hinaus auf Gassen und Strafien und hinein als Wegzehrung zu Kranken! Weigert und schamet Euch nicht, auf offenem Platze vor Dem niederzuknien, der im offentlichen Garten in seiner Todesangst auch fiir unser Heil, wie St. Lucas schreibt, knieend betete. (Luc. 22, 41). Feiert das wunderliebliche Frohnleichnamsfest mit thunlichster Pracht und mit hingebungsvoller Liebe zu Dem, der in der Procession voruberzieht. Griifiet und betet Jesum wenig- stens im Geiste an, so oft Ihr an einer Kirche voriiberkommt, in der Er in stiller Einsamkeit personlich wohnt und die Seinigen liebevoll einladet: K o mm e t h er zu Mir alle, die ihr miihselig und beladen seid, Ich will euch e r- quicken. (Matth. 11, 28). Insonderheit wende Ich Mich an Euch, vielgeliebte Mit- briider im Herrn, mit der herzinnigsten Bitte: Bezeuget der anbetungswtirdigen Eucharistie immer und iiberall die aus- gezeichnetste Achtung und Verehrung, celebrieret die hi. Messe mit innerer und aufierer Andacht, besuchet gerne und recht oft das Sanctissimum, eifert fiir dessen \vurdige Aufbewahrung und wiirdige Behandlung. Bedenket, dass das Wesentlichste des Priesterthums ist, dass Ihr Priester des heiligsten Sacra- mentes seid. Dieser Gedanke begeisterte den Priester Mermillod, nachmaligen beriihmten Bischof von Lausanne und Genf, zur riihrenden Verehrung des allerheiligsten Altarssacramentes, liber dessen Einsetzung und Wesen, Bestimmung, Wirkung und Verehrung er gelegentlich einen ganzen Cyclus von herriichen Predigten hielt. Unter den Zuhorern befand sich auch eine Protestantki, die von seinen Worten so ergriifen ward, dass sie sich entschloss, dem Irrthum zu entsagen und dieWahrheit anzunehmen, wenn sie nur noch erfahren wtirde, ob der Pre¬ diger selbst das beobachte, was er von seinen Zuhorern hin- sichtlich des hochgelobten Altarssacramentes so strenge verlangt. Sie verbarg sich in der Kirche, um das Benehmen des Predigers vor dem Tabernakel ungestort belauschen zu konnen. Mermillod kam nach seiner Gewohnheit in die Kirche zu einer Zeit, wq er sich ganz unbemerkt glaubte, gieng geraden Weges zum Sacramentsaltar, machte dasselbst mit aller Wiirde die vor- geschriebene Kniebeugung, warf sich hierauf auf sein Angesicht nieder und betete seinen Herrn und Heiland im allerheiligsten Sacramente inbrunstig an. Von diesem Anblicke war die Frau so geriihrt, dass sie laut zu schluchzen begann, dem Irrthume entsagte und unverweilt um die Aufnahme in die Kirche bat, welche da allein ist im Besitze. der wahren Lehre iiber das hochheilige Altarssacrament. Indes muss Ich es mit vieler Freude bestatigen, dass die Priester der Lavanter Diocese grofte Verehrer und Liebhaber des lobwtirdigen Altarssacramentes sind. Vor zwei Jahren -S- 151 -s- ordnete Ich an, dass die Kirchenaltare, auf welchen das hoch- heilige Sacrament bewirkt und als Opfer dem dreieinigen Gott dargebracht wird, den liturgischen Vorschriften vollkommen gemafi hergestellt werden sollen. Dieser oberhirtlichen Anord- nung wurde allenthalben bereitwilligst und nicht selten mit namhaften Opfern entsprochen, so dass nunmehr in den meisten Kirchen der weitschichtigen Diocese die Altare den dies- beziehentlichen kirchlichen Vorschriften entsprechen, dass sie einladende Tische des Herrn geworden sind, ahnlich dem Con- secrationstische im Conaculum des letzten Abendmahles. — Zudem geschah und geschieht noch immer in der groben weiten Diocese sehr viel ftir die Ausschmuckung und Ver- schonerung der Gotteshauser, fur die Beschaffung entsprechen- der Paramente, fur die wurdige Feier des Gottesdienstes. Be- deutende, anerkennenswerte Verdienste erwarb sich hierin der am 16. Juni 1881 gegriindete Verein zur bestandigen. Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung armer Diocesankirchen, welcher wunderschone Verein bereits 11,308 Mitglieder zahlt, die ihre Betstunden und ihre Ehrenwachen vor dem Tabernakel abhalten, und die bisher an milden Gaben 22,137 Gulden ftir Vereinszwecke beisteuerten. O wie viel Segen, Trost und Starke muss doch von den Tabernakeln hinstromen auf die ganze Diocese, wenn die vielen Tausende von Mit- gliedern in Ehrfucht, in Liebe und frommer Andacht ihre regel- mafiigen Stundengebete verrichten, wenn sie dem gottlichen Heiland ein kleinwenig Dank sagen ftir die unzahlbaren Erweise seiner mablosen Liebe und Ersatz leisten ftir die vielen Un- bilden, Krankungen, Schmahungen, Lasterungen und Unehr- bietigkeiten, die dem hochheiligen Sacramente zugefiigt werden. Diese Gebete wie auch die Liebesgaben, welche die Mitglieder nach ihren Kraften ftir die erhabenen Zwecke opfern, wird Gott der Herr sicherlich vielfaltig entlohnen, da er selbst durch den Mund des Siraciden betheuert: Gib dem Allerhocli¬ sten nach derGabe, die Er dir gegeben hat; gib mit froblichemAuge nach deinemVermogen. De n n der Herr ist ein Vergelter und wird dir’s sieben- faltig wieder vergelten. (Eccli. 35, 12. 13). 2. Ein anderer Beweis aufrichtiger, hingebender Gegen- liebe ist’s, meine christlichen Diocesanen, mit freudigem Herzen theil zunehmen an dem edelsten Gastmahle, das der edelste Gastgeber bereitet. Vortiber sind zwar jene wonnevollen Tage, wo der mit- leidsvolle Heiland ganze Schaaren Volkes durch wenige Brote als Vorgeschmack eines noch besseren Brotes so wunderbar gespeist, dass man Ihn zum Kbnige ausrufen wollte (Joh. 6, 1- — 15); jene goldenen Zeiten, wo der menschenfreundliche Jesus Hochzeitsgaste mit kostlichem Weine als Vorgeschmack -I- 152 -s*- eines noch besseren Trankes hochbegliickt (Joh. 2, 1 — 11); wo Er, der gastfreundliche Heiland, selbst in der Wohnung des Pharisaers Simon (Marc. 14, 3), des Oberzollners Zachaus (Luc. 19, 2 — 6), wie im Hause seines theuren Freundes Lazarus (Joh. 12, 2), um den Er Thranen geweint (Joh. 11, 33. 35), als Gast zu Tische safi — nicht mehr, sage Ich, sind diese gltickseligen Zeiten. Aber die gnadenvollen Zeiten seiner wirklichen, fiir das leibliche Auge zwar unsichtbaren, doch fiir das Auge des Glaubens vollends erkennbaren Gegemvart unter Brotes- und Weinesgestalt dauern noch und werden fort dauern bis zum letzten aller Tage. Denn auch hier gilt und vielleicht ganz vorzugsweise die trostvolle Verheifiung: Siehe, Ich bi n bei euch bis an das Ende der Welt. (Matth. 28, 20). Unsere Tempel aber sind jene verehrungswurdigen Hauser, wahre Gotteshauser, wo er ohne Unterlass als Gastgeber und als .Gabe weilt, und unsere Altare sind jene geheiligten Tische, auf wel- chen das wundersame Festmahl bereitet wird, bei dem Engel dienen und durch dessen Genufi der Keim der Unsterblichkeit und der zukunftigen Glorie in die Seele des Menschen ge- senkt wird. Einst wuchs im Paradiese der Baum, von dem es hiefi: wenn du von diesem Baume essen wirst, wirst du des Todes sterben (Gen. 2, 17). Nun aber wachst im Lustgarten der hi. Kirche ein wunderreicher Baum, von dem der Wahrspruch des Flerrn gilt: Amen, sage Ich euch. Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich w e r d e ih n am jungsten Tage wieder auf- erwecken. (Joh. 6, 55). Einst fiel Manna vom Himmel als Speise fiir die Israeliten, wie geschrieben steht: Er regnete Manna iiber sie zur Speise; und Brot vom Himmel gab Er ih n en. (Ps. 77, 24). Zur dankbaren Erinnerung an diese wunderbare Speisung wurde das Manna im Allerheiligsten in der Bundeslade in einem goldenen Gefabe aufbewahrt. (Hebr. 9, 3. 4). Die Vater haben das Manna gegessen, und sind ge- storben. (Joh. 6, 49). Nun aber wird in der hi. Kirche ein Manna wunderbarerweise bereitet und sorgfaltigst aufbewahrt, von dem Jesus in der Synagoge zu Capharnaum so eindringlich sprach: Ich bi n das Brot des Lebens; wer zu Mir kommt, der wird nicht hungern, und wer an Mich glaubt, derwird nimmermehr diirsten... Ichbindas lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. W e r v o n diesem Brote isst, der w i r d leben in Ewigkeit. Das Brot aber, welches Ich geben werde, ist Mein Fleisch fiir das Leben d e r W e 11 . . . W a h r- lich, wahrlich sage Ich euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, werdet ihr das Leben nicht -HH 153 in euch haben... Wer Mein Fleisch isst u n d Mein Blut trinkt, der bleibt inMir undlch in ihm. Gleich- wie Mich der lebendige Vater gesandt hat, und Ich um des Vaters Willen lebe, so wird auch der, wel- cherMich isst, um Meinetwillen lebe n. Dies ist d as Brot, welches vom Himmel herabgekommen ist, nicbt wie das Manna, das eure Vater gegessen ha¬ ben und gestorben sind. Wer dieses Brot isst, wird ewig leben. (Joh. 6, 35. 51. 52. 54. 56—59). Geliebte Diocesanen! Konnet Ihr Euch wohl vorstellen, wie es zur Zeit gewesen sein mag, als der liebreiche Heiland lehrend, Wohlthaten spendend und Wunder wirkend in seiner Heimat Palastina umherzog, und der Ruf erscholl: Der Heiland kommt! Bei dieser Kunde stromten die Menschen von allen Seiten herbei und drangten sich hin zum groben Wunderthater aus Nazareth. Der Heiland kommt! Bei diesem Rufe kam ein Aussatziger herbei, betete Ihn an und sprach: Herr, wenn Du willst, kannst Du mich reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rtihrte ihn an und sprach: Ich will, sei gereinigt. Und alsbald ward der Aussatzige rein. (Matth. 8, 1 — 3). Der Heiland kommt! Bei diesem Rufe eilte der heidnische Hauptmann herbei, warf sich hin in den Staub vor den Messias und rief demtithig: Herr ich bin nicht wiirdig, dass Du unter mein Dach gehest, aber sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund. Und der mildreiche Heiland staunte (iber den demuthigen, glaubens- starken Hauptmann und heilte seinen kranken Knecht. (Matth. 8, 5 ff). Der Heiland kommt! Und bei dieser Nachricht sturmte die kananaische Mutter heran, in Schmerz aufgelost ob der schweren Erkrankung ihrer Tochter, und flehte und beschwor den lieben Heiland, dass Er ihr das geliebte Kind gesund maehe. Jesus pries ihren felsenfesten Glauben und erhorte ihr die dringende Bitte. (Matth. 15, 22 ff). Der Heiland kommt, rief die freudig bewegte Menge! Und Jairus, der soeben sein liebes Tochterlein durch den Tod verloren, gieng Ihm schmerzer- ftillt entgegen und bat Ihn, dass Er das theure Kind wieder zum Leben erwecke. Der hilfreiche Heiland begab sich un- verweilt in’s Haus der Trauer und verwandelte es in ein Haus der Freude. (Matth. 9, 19 ff). Der Heiland kommt, rief man in Jericho, und der Blinde am Wege horte es und rief vertrauens- Voll: Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Und Jesus, der barmherzige Samaritan, hatte Erbarmen mit ihm und gab ihm sogleich das Augenlicht wieder. (Marc. 10, 46 ff). Ahnlich erscholl es unter den Kranken amTeiche Bethesda, und der achtunddreifiigjahrige Bresthafte flehte den Menschen- sohn um Hilfe, da er keinen Menschen hatte, der ihn zur rechten Zeit in’s heilbringende Wasser fiihren wollte. Jesus heilte ihn plotzlich. (Joh. 5, 2 ff). Der Heiland ist da, hiefi es •'! ■ 154 —§* vor der Stadt Naim, als man gerade den einzigen Sohn einer armen Witwe zu Grabe trug. Und Jesus erbarmte sich der weinenden Mutter und gab ihr den Sohn lebend wieder. (Luc. 7, 12 ff). Der Heiland zieht voriiber, jubelte die Menge! Und Zachaus stieg vor gliihender Sehnsucht, Jesum zu sehen, auf einen Feigenbaum; und als Jesus heran kam, blickte Er hinauf und sprach liebevoll: Zachaus steige herab, denn in dein Haus muss Ich einkehren; deinem Hause ist heute Heil wiederfahrep. Und der Ubergluckliche war bereit, alles gut zu machen, zwei- und vierfach zu begleichen, was er verschuldet. (Luc. 19, 2 ff). Der Heiland kommt! Und auf diese frohe Botschaft hin zog clas heilsbeflissene Volk in unabsehbaren Schaaren hinaus in die Wiiste und hinauf auf die Berge, wo es mit dem Brote des gottlichen Wortes genahrt und mit dem wunderbar vermehrten leiblichen Brote gespeist und gestarkt wurde. (Matth. 14, 15 ff). Der Heiland ist angekommen, rief man in der Stadt Jerusalem. Und die besorgten Mutter bracbten ihre unschuldigen Lieblinge herbei und baten Jesum, dass Er sie segne. Als die Apostel sie abwehrten, verwies ihnen dies der gottliche Kinderfreund mit Worten, welche seither noch immer wiederhallen in der christliehen Welt: L as set die KI einen zu Mir ko m m en und w e h ret es ihnen nicht, denn solcherist dasHim- melreich. (Matth. 19, 13 ff; Marc. 10, 14). Und der Heiland nahm den Muttern die Kinder von den Armen, legte ihnen die Hande auf, segnete sie und gab sie gesegnet den glticklichen Muttern zuriick. Geliebte Bisthumskinder! Nicht wahr, wenn es heute hiefte, der Eleiland kommt, wie wiirdet Ihr Seiner sehnsiichtig harren, wie wiirdet Ihr Euch auf dessen wiirdigen Empfang vorbereiten und wie wiirdet Ihr selig, ja iiberselig sein, so Er, der Vielersehnte, in Euer Haus einkehrte. Wie wiirdet Ihr Ihn zuvorkommencl aufnehmen, Ihn sorgfaltigst bewirten, Ihm alle nur mogliche Ehrfurcht, Liebe und Huldigung erweisen. Und doch ist es heute noch \vahr, der Heiland kommt, und zwar ganz derselbe, der einst von Landschaft zu Landschaft in Palastina gewandelt, der die Kranken geheilt, die Hungrigen gespeist, die Kinder gesegnet, die Todten zum Leben erweckt. Ganz derselbe, wie Er lebte und leibte, kommt wirklich und wahrhaftig, als Gott und als Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut zu Euch in der heiligen Communion. Hier konnet Ihr Ihm alle Anliegen vortragen, und hier, wo Er weilt voli Gnade und Walirheit (Joh. 1, 14), hier wird Er Euch alle Bitten erhoren nach seinem hochheiligen Willen. Bereitet Euch in der hi. Fastenzeit, dieser besonderen Zeit der Gnade und des Heiles, der Zeit unserer Bufie und der Erbarmungen Gottes, durch eine reumtithige Beicht zum wiirdigen Empfange der hi. Oster-Communion vor, wie dies das vierte Kirchengebot -HI-* 155 * vorschreibt: Du solist deine Siinden dem verordneten Pr lest er jahrlich wenigstens einmal beichten und zur osterlichen Zeit das allerheiligste Sacrament des Altars empfangen. Es ware dies der grofite Trost und die allergrofite Freude ftir Mich in Meinem pflichtenreichen, verantwortungsvollen Oberhirtenamte, wenn Ich Mir mit Zuversicht sagen konnte, im laufenden Jahre haben alle deine herzensguten Diocesanen die bi. Osterbeicht verrichtet und haben die hi. Ostercommu- nion empfangen. Machet, dass Meine Freude voli und unge- trtibt sein wird. Ich er mahne, ermuntere, bitte und beschwore Euch in vaterlicher Zuneigung, um mit dem heiligen Concil von Trient zu sprechen, dass alle und jeglič h e, die den christlichen Namen tragen, im A11 a r s s a c r a m e n t e, in d i e s e m Z e i c h e n derEinigkeit, in d i e s e m Bande d e r L i e b e, in d i e s e m S i n n b i 1 d e der E i n t r a c h t s i c h v e r e i n i g e n u n d ti b e r e i n s t i m m e n und eingedenk sein mochten der so grofien Majestat und der so ausgezeichneten Liebe Jesu Christi, unseres Herrn und Meisters, der sein geliebtes Leben zum Preise unseres Heiles, und sein Fleisch uns zur Spe is e hi n ga b, dass sie diese heiligen Ge- heimnisse seines Lei bes und Blutes mit solcher Standhaftigkeit und Festigkeit des Glaubens, mit solcher A n d a c h t des Herzens, mit solcher Fr o m- migkeit und Verehrungglauben und in Ehren halten m 6 g e n, dass sie dieses ubernatiirliche B r o t ofter empfangen konnen, und dass es ihnen wahrhaft zum Leben der Seele und zur bestandigen Gesundheit des Geistes gereiche, und sie, durch dessen Kraft gestarkt, von dem Wege dieser armseligen Pilger- schaft zum himmlischen Vaterlande zu gelangen vermogen, um das namliche Brot der Engel, das sie jetzt unter heiliger Verhiillung essen, ohne alle Ver- hiillung zu genieften. (Sitz. 13. Cap. 8. Von dem hochh. Sacram. des Altars). 3. Da das allerheiligste Sacrament des Altars das Hochste aller Giiter, das Theuerste aller Geschenke Gottes, der kost- barste aller Schatze der Kirche ist, was Wunder, geliebte Dio¬ cesanen, dass alle gottliebenden Seelen sich zu diesem wunder- barlichen Vermachtnisse der Liebe Jesu so unwiderstehlich hin- ■ gezogen fiihlten. So vergoss der hi. Franciscus von Assisi, dieser Seraph in Menschengestalt und Brautigam der Armut, Strome von Freudenthranen in Gegenwart des im Taljernakel sacramentalisch wohnenden Erlosers. Ja, er beneidete die Kerzen, tveil sie, fiir die Ehre des Herrn brennend, sich verzehrten. Wenn er die Liebe des Heilandes in diesem Sacramente be- 156 —§~ trachtete, konnte er sich oft nicht mehr halten; er stiirmte durch die Strafien und liber die Platze und rief: O die Liebe, sie wird nicht geliebt. In seinem »Testamente« befahl er seinen geistigen Sohnen mit eindringlichen Worten, die Priester zu lieben und zu verehren aus Ursache ihrer Priesterweihe, kraft welcher sie die Hostie consecrieren und empfangen und anderen austheilen; er befahl ihnen, dieses hochheilige Ge- heimnis liber alle Dinge zu ehren und hochzuschatzen und an kostbaren Orten aufzubewahren. Dem Beispiele und der Lehre seines Meisters folgte getreu der Schiiler, St. Antonius von Padua, der oft ganze Nachte vor dem allerheiligsten Sacramente zubrachte. Heuer am 15. August feiert der Franciscanerorden und mit ihm die ganze katholische Welt die 700jahrige Jubelfeier seit der Geburt dieses Helden der menschlichen Societat, welcher nicht nur einer Stadt, Gegend oder Nation, sondern der ganzen Welt angehort, wie auch Papst Leo XIII. in seinem Breve sagt: Der hi. An- tonius von Padua ist der Heilige der ganzen Welt. — Eine feurige Verehrerin des hochheiligen Altarssacramentes war die im Jahre 1381 geborene, im Jahre 1446 selig im Herrn gestor- bene und am 24. Mai 1807 heilig gesprochene Coleta Boelet, welche viele Frauen-Kloster vom zweiten Orden des hi. Fran- ciscus grlindete und mehrere reformierte, indem sie ihnen die bestandige Anbetung und Verehrung des Allerheiligsten zur besonderen Pflicht machte. Ein derartiges Kloster von der immerwahrenden Anbetung des hochheiligen Altarssacramentes besteht auch in Meiner Residenzstadt Marburg seit dem 30. September 1893. Im Alter von vier Jahren flihlte sich Coleta bereits machtig hingezogen zu Jesus im Liebessacra- mente. Wenn die fromme Mutter Margareta vom Tische des Herrn aus der Kirche heimkehrte, eilte ihr das Kind entgegen und rief voli Freude: Ach liebe Mutter, wie du wohlriechend bist, und konnte sich von ihr, die den Leib des Herrn empfangen, nicht trennen, und bat sie unablassig, ihr doch auch bald die stihe himmlische Speise reichen zu lassen. Der selige Thomas von Kempen (j- 1471) widmete in seinem goldenen Buche liber die Nachfolge Christi, ftir dessen Verfasser ihn die neuesten gelehrten Untersuchungen offen erklaren 1 , widmete, sage Ich, in seiner Nachfolge Christi der Verehrung und Anbetung des hocherhabenen Sacramentes achtzehn wunderherrliche Capitel, welche im Laufe der Zeiten unbeschreiblich viel zur Verbreitung und Erhohung der gnaden- reichen Andacht zu diesem Sacramente beitrugen. — Die Lilie von Gonzaga, der engelgleiche hi. Aloisius war von solcher 1 Siehe Joseph Pohl, Thomas von Kempen ist der Verfasser der Bttcher de immitatione Christi. 4° 28. SS. Kempen, 1894. -j- 157 -i- zartlichen Liebe gegen das Altarssacrament durchdrungen, dass er nnr mit Muhe vom Altare zu tfennen war; und noch beim Weggehen wandte er sich immer wieder um, um es nochmals and abermals zu begriifien. — Und der Fiirst der Theologen, St. Thomas aus dem Grafengeschlechte der Aquinaten, ver- faftte in seiner glutwarmen Liebe zum hochwiirdigsten Gute jene beriihmten, unvergleichlich schonen Lobgesange, echte Liebeslieder, mit welchen die Kirche nie mude wird, ohne Ende das hochheilige Sacrament zu loben, zu lieben und anzubeten. Der Herzog Franz Borgia, Ordensmitglied und General der Gesellschaft Jesu, war von solcher Hingebung und Ehr- furcht zur heiligsten Eucharistie erfiillt, dass er taglich sieben- mal in die Kirche gieng und derselben seine Verehrung und Anbetung darbrachte. Uberall wo.erWohnung nahm, wahlte er das Zimmer, welches der Kirche zugekehrt war, und wendete sich dann bei seinen Gebeten und Andachten mit dem Gesichte gegen den Ort, wo der Heiland seinem glorificierten Leibe nach wohnte. Wenn der heilige Ordensmann die Messe cele- brierte, gliihte sein Antlitz von der Wandlung bis zur Com- munion vor Andacht zur consecrierten Hostie. — In unseren Tagen ist durch seine gliihende Liebe zum allerheiligsten Altars¬ sacrament weit und breit beriihmt geworden der franzosische Priester Peter Julian Eymard, der mit Gutheiftung Papst Pius IX., seligen Andenkens, im Jahre 1856 zu Pariš die heute schon viele Kloster zahlende 'Congregation der Priester vom aller¬ heiligsten Sacrament grundete, deren Oberer er bis an sein Lebensende blieb. Im jahre 1862 stiftete Eymard die ebenfalls schon weitverbreitete Congregation der Dienerinnen des aller¬ heiligsten Sacramentes. Um auch aufterhalb des Klosters den eucharistischen Cult zu befordern, rief er die sogenannte Aggre- gation des allerheiligsten Sacramentes fiir Weltpriester und Laien in’s Leben. Zudem sorgte er fiir die allerfeierlichste Abhaltung der ersten hi. Communion der Kinder und nament- lich jener armen Erwachsenen, we.lche aus irgend einem Grunde den Sacramenten ferne geblieben waren. Reich an Verdiensten starb die s er eifervolle Apostel der Eucharistie am I. August des fahres 1868. * * * Vielgeliebte im Herrn! Wenn wir nun zum Schlusse nochmals die ganze Grofie der freigebigen Giite Jesu im Altars- sacramente mit den Augen des Glaubens iiberschauen, so miissen wir uns angetrieben fiihlen, unumwunden zu bekennen, dass dieses Sacrament ein unvergangliches Denkmal der wohlthatigen Liebe des Gottmenschen ist. Dieses Bekenntnis muss uns aber zur Einsicht bringen, wie billig und gerecht, wie geziemend und geboten es ist, dass wir in diesem Sacramente unserem -S- 158 -l~ Gott Anbetung darbringen, unserem Wohlthater Dank sagen, unserem himmlischen Freunde Gegenliebe erweisen, unserem schwergekrankten Heilande Abbitte und Stihne leisten. Hierin konnen wir nie so viel thun, dass es hiefie: Nun ist es genug. Der hi. Thomas singt mitRecht: Quantum potes, tantum aude, nec laudare sufficis. Lobe, so viel du kannst, und du vermagst nicht genug zu loben. So kommet denn zum eucharistischen Thron, vorab Ihr Reichen und Vornehmen, und lernet Nachstenliebe und Wohl- thatigkeit von Dem, der in Wohlthun umhergieng und nicht nur hingab, was Er hatte, sondern auch hingibt, was Er ist. Kommet und betet Eueren Herrn und Heiland demtithigst an, und der irdische Reichthum wird Euch das himmliche Reich eintragen. — Kommet sodann Ihr Armen und Verlassenen, und lernet Geduld und Entsagung von Dem, der vollig arm geworden, da Er doch reich war, und der als allmachtiger Schopfer Himmels und der Erde unter der unscheinbaren Htille des Brotes im Sacramente der Eucharistie verborgen ist. Kom¬ met und betet dieses Sacrament ehrfiirchtig an, und Euere Armut wird bleibender Reichthum. Kommet ferner Ihr lieben Hausvater und Miitter, Ihr Lehrer und Erzieher, und lernet den Wert der Euch von Gott an- vertrauten Seelen von Dem, der dieselben mit eigenem Blute erlost, und der sie nun zum ewigen Leben nahrt im hoch- heiligen Sacramente des Altars. Kommet, verherrlichet und betet Jesum im Tabernakel an, und lasset Ihn von Eueren Ptlegebefohlenen anbeten; und es wird Euch nie fehlen an Frieden und Haussegen. — Kommet Ihr liebwerten Kinder, und lernet Gehorsam von Dem, der seine Eltern ehrte und seinem himmlischen Vater gehorsam war bis zum Tode am Kreuze, und der immerfort gehorsam ist, da Er sich von seinen Dienern heben und legen, tragen und reichen lafit, wie sie nur wollen. Kommet und jubelt Euerem gottlichen Freunde zu, und Ihr werdet Theil haben an seinem Triumphe im himmlischen Jerusalem. — Kommet Ihr gottgeweihten Klosterbewohner, und 1 >etet in aller Liebe und Demuth Den an, der Euch speist mit dem Brote der Engel und Euch erquickt mit Wein, der Jung- frauen sprossen macht. — Kommet alle meine vielgeliebten Diocesanen, ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes, des Standes und Ranges, und schopfet eifrig aus dem un- erschopflichen Born der Gnade und des Segens, der da so reichlich quillt im hochheiligsten Altarssacramente. Kommet und betet tur Euch und die Eurigen, fiir Euren Bischof und Euere Priester, fiir Papst und fiir Kaiser, fiir die Lebenden und fiir die Verstorbenen. Zuletzt vviinsche Ich vom Elerzensgrund allen die Fiille des himmlischen Segens, und schliefte Mein Hirtenschreiben -g- 159 -§► mit den vertrauensvollen Bittworten: Gutigster Herr und Hei- land, jesus Christus, riihre unsere Herzen durch Deine Gnade zur unentwegten Liebe gegen Dich in der heiligsten Eucha- ristie, damit wir einst gewtirdigt werden, Dich im Reiche des Lichtes ohne Hulle von Angesicht zu Angesicht zu schauen, und im Himmelssaale Theil zu haben an Deiner koniglichen Tafel (Luc. 22, 29. 30), die da umklungen ist vom Jubelgesange der seligen Geister: Dem dreieinigen Gott sei Lob und P r e i s, E h r e und M a c h t und R u h m und Herrlichkeit durch alle Zeiten der Zeiten. (Apoc. 5, 13). Amen. § 58. Vierzehnter Jahresbericht pro 1895. Am zweiten Tage nach der Taufe Jesu stand Johannes der Taufer wieder am Jordan und zwei seiner Jtinger waren bei ihm. Als er nun Jesum kommen sah, sprach er: »Siehe, d as Lam m Gottes!« 1 Als die Jtinger dies horten, folgten sie Jesus nach. Jesus aber wandte sich um, und fragte sie : »Was suchet ihr?« Sie sprachen zu ihm: »Magister, ubi h a b i t a s ? — M e i s t e r, w o w o h n e s t D u ? « Er sprach zu ihnen: »Kornmet und sehet e s.« Da kamen sie und sahen, wo er sich aufhielt, und blieben denselben Tag bei ihm.' 2 Diese beiden Jtinger waren der hi. Apostel Andreas und der hi. Jo¬ hannes der Evangelist. Und wenn wir heute Jesum fragen: »Meister, wo woh- nest Du?« wird der Verein zur bestandigen Anbetung im Namen der heil. katholischen Kirche uns antworten: Jesus wohnt als der Herr Himmels und der Erde im Himmel zur Rechten Gottes des Vaters in seiner Herrlichkeit, wo ihn alle Engel und Heiligen Gottes anbeten; auf Erden aber wohnt Jesus als Gott und Mensch in der demiithigen Gestah des Brotes im allerheiligsten Altarssacramente, auf dem Throne seiner gottlichen Liebe, wo ihn Alle jene verehren und anbeten, welche.ihn kennen und lieben: »Ecce, tabernaculum Dei c u m hominibus — Siehe, die Hiitte Gottes bei den Menschen, er wird bei ihnen wohnen, und sie w e r- denseinVolksein, und er, Gott selbst mit ihnen wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Thranen von ihren Augen.« 3 »Venite, adoremus — Kom met lasset uns anbeten und niederfallen, und Weinen vor dem Herrn, der uns gemacht h at. Denn er ist der Herr, unser Gott; und wir sin d das Volk seiner Weide, und die Schafe seiner Han d. 4 1 Joan. 1, 29. - * Joan. 1, 37-39. — 8 Apost. 21, 3. — 4 Ps. 94, 6. 7. 160 -§- Dass die Menschen um Gott und um die Ehre Gottes so wenig sich kummern, liegt zumeist die Ursache darin, weil sie Gott und seine Liebe nichtkennen; — ignoti nulla cupido — was man nicht kennt, darnach veri ang t man auch nicht; daher auch die Verachtung Gottes und der gottlichen Dinge und die Hintansetzung der gottlichen Gebote. So spricht schon der Prophet Oseas im alten Bunde: »Non est scientia Dei interra — denn keine Erkenntn is Gottes ist im Lan d e: Fluchen, Liigen, Morden, S t e h 1 e n, Ehebrechen hat iiberhand genom men, und eine Blutschuld reiclit an die andere.« 1 Wer Gott und seine Gebote recht erkennt, der muss ihn lieben und anbeten und seine Gebote erfiillen; sind doch seine Gebote nicht drtickend und schwer. »Nehmet mein Joch auf euch,« ... sprichtJesus, »denn meinjoch ist siifi, und meine Bur d e ist leicht.« 2 Einst machte Johannes der Taufer den Juden den Vorwurf: »In medio vestrum est, quem vos nescitis — In euerer Mitte stehet der, denn ihr nicht kennt;«' 1 so konnte man auch heutzutage rufen und sagen: In euerer Mitte ist Jesus, der Heiland derWelt; hier im Tabernakel ist Jesus, hier auf dem Altare ist er, wo er fiir euch sich hingibt im Opfer der hi. Messe: aber gar Viele kennen ihn nicht, und darum beten sie ihn nicht an und wohnen an Sonn- und ge- botenen Feiertagen dem heil. Messopfer nicht bei. O wurden sie recht ihn erkennen, sie wiirden hineilen zu ihm und wi\rden ihn kindlichfromm anbeten im allerheiligsten Altarssacramente, ' diesem Geheimnisse seiner gottlichen Liebe; und wtirden gerne kommen zur Feier der heiligen Messe, und wtirden in der Kirche, dem Hause Gottes, sich immer recht anstandig betragen, und wtirden gerne dem Tische des Herrn sich nahen, um zu stark en und zu sattigen ihre Seelen zum ewigen Leben. Von den Juden spricht der hi. Weltapostel Paulus so wahr, »dass sie Jesum, den Flerrn der H e r r 1 i c h k e it niemals wtirden g e- kreuziget haben, so sie ihn erkannt h a 11 e n — Si enim cognovissent, nuncjuam Domin um gloriae crucifixissent.« 1 Bemuhen wir uns daher Jesum immer mehr und mehr zu erkennen, denn dies ist uns unumganglich nothwendig, um einstens ewig selig zu werden. »Ha e c est autem vita ae- terna — Das ist aber das ewige Leben, dass siedich, den allein w a h r e n Gott, erkennen, und den du g e- sandt ha st, Jesum Christum.« 5 Handeln wir nach dem Beispiele jener Heiden, die, als sie seinerzeit nach Jerusalem zu den Festen gekommen waren, lautriefen: »Volumus Iesum 1 Oseas 4, 1. - 2 Matth. 11, 29. 30. — 8 Joan. 1, 26. — 4 I. Cor. 2, 8. — 6 Joan. 17, 3. -I- 161 -§■ videre — wir verlan^en Jesum zu sehen,« 1 und die Apostel haben ihnen Jesum gezeigt. Also zeigen auch jetzt noch die Priester, die Hirten unserer Seelen, Jesum mit Freuden den- jenigen, die nach ihm verlangen und fragen. Und wie einst Martha zu ihrer Schwester gerufen, »Dominus adest, et vocat te — Der Meister ist da, und ruft dich,« 2 so spricht auch der Verein der immerwahrenden Anbetung: Der Herr Jesus Christus ist hier im Tabernakel, unser liebens- wiirdiger Heiland ist hier im allerheiligsten Altarssacramente: kommet und betet ihn an. »Quam dilecta tabernacula tua Domine.—Wie lieblich sind deine Wohnungen, du Herr der Heerscharen! Es sehnet sich, und schmachtet meine Seele nach den Vorhofen des Herrn.« 3 — Jesus opfert sich in jeder heil. Messe fur uns: so kommet denn auch ihr zu ihm und opfert mit ihm auf, danket ihm fur seine unendliche Liebe, in der er fur uns am heil. Kreuze gelitten hat und gestorben ist, und in der er das heil. Messopfer als immerwahrendes Denkmal seiner Liebe, seines bitteren Leidens und Sterbens eingesetzt hat, wodurch er uns die Verdienste seiner Erlosung zuwendet. — Jesus ver- kiindet uns durch den Mund seiner Diener in den Predigten und Christenlehren das gottliche Wort: kommet und horet gerne die gottlichen Lehren. »Wer ausGott ist, der horet auf Gottes Wort.« 4 — Jesus zeigt uns sein gottliches Herz und ruft uns entgegen: »Kommet zu mir Ali e, die ihr miihselig und beladen seid, und ich wi 11 euch er- quicken.« 5 »Lernet von mir, denn ich bin sanftmii- thig und demuthig vomHerzen, so werdet ihrRuhe finden fur eure Seelen.« 6 So kommet denn Alle zum gottlichen Herzen Jesu im allerheiligsten Altarssacramente, betet Jesum in Ehrfurcht an und bittet ihn, dass er euch helfe, die taglichen Kreuze und Leiden geduldig zu ertragen, ihm nach- zufolgen auf dem Wege der Tugenden und der Gebote Gottes, um einstens zu erlangen das ewige Leben. Ich schliefie den Jahresbericht mit der herzinnigen Bitte und Einladung zum zahlreichen Beitritte in diesen so iiberaus schonen Verein. »Dominus adest et vocat nos. — Der Herr ist da und ruft uns! « »Regi saeculorum immortali — dem Konige der Ewigkeit aber, dem Unsterblichen, dem Unsicht- baren, dem alleinigen Gott sei Ehre und Herrlich- keit in alle Ewigkeit! Amen.« 7 Im verflossenen Jahre traten dem Vereine 1030 Mitglieder bei; die Gesammtzahl derselben betriigt sonach seit dem Jahre 1881 12.348. Viele 1 Joan. 12, 21. — 2 Joan. 11, 28. — 2 Ps. 83, 2. — 4 Joan. 8, 47. — 5 Mattli. 11, 28. - 6 Matth. 11, 29. — 7 I. Tim. 1, 17. 11 4- 162 -g- davon sind bereits im Herrn selig entschlafen, trotzdem wurden sie nicht aus dem Vereinsbuche gestrichen, da wir hoffen, dass sie Jesum, wie einst hier im allerheiligsten Altarssacramente in der Gestalt des Brotes, so nun anbeten und schauen von Angesicht zu Angesicht in seiner Herrlichkeit. — Aus allen Tlieilen unserer schonen Lavanter Dibcese flossen reichliche Opfergaben ein. Unter Anderen haben gespendet: Eine ungenannte Wohl- thaterin filr die Pfarrkirche in Dobova 100 fl.; eine zweite ftir die Markt- kapelle in Polstrau 135 fl. und ein Wohlthater 152 fl. 96; und die Pfarre St. Georgen am Tabor ftir 2 Fahnen 90 fl. Die Hochgeborene Frau Grafin Nugent spendete heuer wieder ein kostbares weifies Messldeid sammt Zugehbr, eine Feiertagsstola und eine Alija; ebenso haben die Hochgebornen Comtessen Nostitz-Rieneck ein sehr schSnes weifies Messkleid sammt ZugehiSr ftir die Domkirche in Marburg gespendet; ferner die Hauptpfarre Gonobiz ftir ein weifies Messkleid 155 fl. Der verstorbene hochw. Herr Dr. Josef Muršec tibersandte jiihrlich 5 fl. ftir Vereinszwecke. Der Vereinsausschuss spricht hiemit seinen schuldigen, herzinnigsten Dank aus vorab Sr. FtirstbischOflichen Gnaden dem Hochwurdigsten Herrn Ftirstbischof Michael fiir das dem Vereine stets bewiesene Wohlwollen, sodann dem verehrten Frauen-Comite und den ehnviirdigen Schulschwestern fiir ihre Muhe und Arbeit; schliefilich allen lieben Wohlthatern fiir die reichliche Untersttitzung. Gott vergelte tausendfach alle Wohlthaten und Gaben hier auf Erden und dereinst im Himmel! Die Kirchenparamenten-Ausstellung pro 1895 musste un- gunstiger Witterung und anderer unvorhergesehener Umstande wegen im genannten Jahre unterbleiben. Dafiir wurde aber dieselbe , im Jahre 1896 mit desto grofierer Feierlichkeit am AVeifien Sonntage nach dem solennen Hochamte in einem von der hochwtirdigen Direction des F.-B. Priesterhauses bereit- willigst iiberlassenen Saale begangen. In Anwesenheit Seiner Fiirstbischoflichen Gnaden und zahlreicher Freunde desVereines begrufite der Vereins-Obmann die Anwesenden mit nachstehen- der Ansprache: Wir haben uns heute hier versammelt, um der Eroffnung der vierzehnten Kirchenparamenten-Aussteilung beizuwohnen, welche der Anbetungs-Verein der Lavanter Diocese fiir das Jahr 1895 veranstaltet hat. Diese Ausstellung hatte eigentlich schon im Herbste des vergangenen Jahres stattfinden sollen, aber ungtinstiger Witterung und anderer Umstande wegen musste dieselbe auf diese Zeit verschoben werden. Dafiir wurde dieselbe nun desto reichlicher ausgestattet. Wegen Dringlichkeit hat der Verein bereits \vahrend des laufenden Jahres einige Paramente an die Pfarren abgegeben, so z. B. nach Gonobiz eine weifie Casula im Werte von 155 fl., welchen Betrag die dortigen Mitglieder zusammengebracht haben; an die Marktkapelle zur schmerzhaften Mutter Gottes in Polstrau: 1 Marien-Krone, 1 Messbuch, 1 weiBe Casula, 1 Messkelch und 8 Altarleuchter, wofiir die Auslagen im Betrage von 286 fl. 96 kr. ein Wohlthater und eine Wohlthateri.n gedeckt haben; ferners nach Pernizen eine weifie Casula, sowie nach •4- 163 -b Ober-St. Kunigund eine griine Casula und nach St. Johann am Draufelde ein Velum. Nebst reichlichen Beitragen von den Mitgliedern aus allen Pfarren der Diocese sind dem Vereine noch einige grofiere Spenden zugekommen. So haben die Hochgebornen Comtessen Nostitz-Rieneck ein sehr kostbares Messkleid sammt Zugehor ausgearbeitet und fur die hiesige Domkirche gespendet; die Hochgeborne Frau Grafin Nugent hat in ihrer bekannten Grofi- muth die Ausstellung fur dieses Jahr abermals mit einer schonen weiflen Casula sammt Zugehor, einer Alba und einer Festtags- stola beschickt; eine Wohlthaterin hat dem Vereine 100 fl. fur die Pfarrkirche in Dobova iibergeben; die Pfarrsgemeinde St. Georgen am Tabor hat fur zwei Kirchenfahnen den Betrag per 90 fl. der Vereinsleitung iibersendet. Zudern haben mehrere Frauen und Fraulein der Stadt entweder umsonst oder gegen sehr geringe Entlohnung ge- arbeitet, indem sie Stickereien flir die Messkleider, Ciborien- Mantelchen und Altarpolster, dann Spitzen fur die Alben und Chorrocke besorgten. Unter den Ersteren mogen genannt werden die Fraulein: Marie Scheikl, Karoline Wolfling, Mizi Ruhri, Anna Majciger und Clotilde Bohm; dann die Frauen: Amalia Holiček, Aloisia Radič, Josefine von Kanz, Katharina Seidl, Anna Trethan, Anna Hartnagl, Wilma Edle von Scbulheim und Gisela Weitzinger. Unter den Letzteren seien erwahnt die Fraulein: Maria Lopitsch, Maria Meško, Maria Bromm, Flaring, Gisela Weitzinger, Pia Kometter, Eberl, Neuwirth, Wilhelmine Loschnig, Johanna Nowak, Amalia Puch, Bohinc, Maria Fuchs und Josefa Slivca. Das hochverehrliche Damen - Comite war aber eifrig be- miiht, im Vereine mit den hierortigen ehrw. Schulschwestern und den ehrw. Franciscanerinnen sammtliche Paramente und Kirchenwasche zu verfertigen und zu ordnen. Die hier aus- gestellten Paramente und kirchlichen Gerathschaften reprasen- tieren einen Wert von 2381 fl. 20 kr., und zwar wurden hiefur angeschafft: 2 Pluviale, 22 Messkleider sammt Zugehor, 3 Vela, 4 Stola ftir Feiertage, 7 Beichtstola, 6 weifi-violette Taufstola, 5 Ciborien-Mantelchen, 6 Versehmantelchen, 2 Messbiicher, 8 Altarpulte, 22 Chorrocke, 15 Alben, 34 Flumeralien, 115 Puri- ficatorien, 72 Lavabotiicher, 25 Corporalien, 25 Palen, 8 Altar- pblster, 12 rothe und 12 schwarze Ministrantenrocke, 12 violette Ministrantenkragen, 1 schwarze Stola, 1 Bahrtuch,. 2 Kirchen¬ fahnen, 6 Pultdecken, 16 Ministrantenchorrocke, 12 Cirigula und 2 rothe Messnermantel. Und mit diesen vielen schonen Opfergaben ftir den lieben Heiland Jesus Christus werden nicht weniger denn 48 Pfarrkirchen und 2 Kapellen der Diocese je nach den Bediirfnissen derselben bedacht werden. 11 * -I- 164 -s- Neue Mitglieder sind in diesem Jahre dem Vereine 1030 beigetreten; in der Vereinsmatrik .sind nun seit der Einfuhrung des Vereines, welche im Jahre 1881 erfolgte, 12.338 Mitglieder eingetragen. Diese alle sind bestrebt beizutragen, dass Jesus Christus im allerheiligsten Altarssacramente, diesem Geheim- nisse seiner gottlichen Liebe, Tag und Nacht angebetet werde; sie sorgen aber auch fiir die wiirdige Feier des Gottesdienstes und der gottesdienstlichen Handlungen durch ihre milden Beitrage, fiir welche dann die erforderlichen Kirchenparamente und Utensilien beschafft werden. Auf diese Weise ist der Verein bestrebt, seine erhabene doppelte Aufgabe zu Ibsen. Es rnoge alles gereichen zur groberen Ehre Gottes und zum Heile sammtlicher Mitglieder, Wohlthater und Beforderer des schonen Anbetungs-Vereines, welchen hiemit als auch allen Anwesenden fiir ihre Theilnahme der verbindlichste Dank aus- gesprochen wird. Zum Schlusse erlaube ich mir noch Euer F.-B. Gnaden im Namen des Vereines den innigsten und ehrfurchtsvollsten Dank auszusprechen fiir das giitige Wohlwollen, das bisher dem Anbetungs-Vereine stets in so reichlichem Mafie bewiesen haben, und daran die unterthanigste Bitte zu kniipfen, dem Vereine auch fernerhin die huldvollste Unterstiitzung angedeihen zu lassen. Geruhen Euere Ftirstbischoflichen Gnaden den Anwesen- den wie auch allen Mitgliedern des Anbetungs-Vereines zum ferneren Gedeihen desselben den oberhirtlichen Segen zu er- tbeilen und diese Kirchenparamenten - Ausstellung gnadigst fiir eroffnet zu erklaren. § 59. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwiirdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, anlafilich der vierzehnten Paramenten-Ausstellung der Genossenschaft zur bestandigen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Aus- stattung armer Kirchen in der Lavanter Didcese am Weii$en Sonntage im F.-B. Priesterhause zu Marburg, den 12. April 1896. Sehr verehrte Anwesende! Das sechstemal schon erlebe ich die grofie Freude, dass ich die vom lobwiirdigen Anbetungs-Vereine alljahrlich ver- anstaltete Ausstellung neuer Kirchenparamente und Kirchen- gerathe. feierlich erbtine und so auch die Generalversammlung des Vereines abhalte. Mein Priesterherz wallt iiber vor Freude im Hinblicke auf ali das Gute, auf ali das Schone und Erspriebliche, was dieser 165 herrliche Verein in den vierzehn Jahren seines Bestehens ge- schaffen und geleistet. Das hochheilige Frohnleichnams - Fest des Jahres 1881 war das Geburtsfest unseres Vereines. Am 16. Juni des genannten Jahres begann der Verein seine segens- reiche Wirksamkeit. Finem Senfkornlein gleich wuchs er bal- digst zum weitschattenden, mit goldenen Friichten beladenen Baume heran. Im verwichenen Vereinsjahre 1895 traten, wie wir soeben vernahmen, 1030 neue Mitglieder demselben bei, so dass sich bereits 12.338 Mitglieder in der Vereinsmatrik consigniert vorfinden. Und die milden Vereins-Geldgaben er- reichten im Jahre 1894 die bedeutende Hohe von 22.137 Gulden und 83 Kreuzer, abgerechnet die Spenden in Stoff, an Gefafien, Gerathen und an schon fertigen Paramenten. Die diesjahrigen Einnahmen beziffern sich auf 2381 Gulden und 20 Kreuzer, so dass die bisherige Gesammtsumme der Geldspenden 24.519 Gulden betragt. Welch ein Almosen von Gaben der Reichen und von Sparpfennigen der Armen fiir unseren lieben gottlichen Heiland Jesus Christus! Sehr verehrte Anwesende! Unser vortreffliche Diocesan- verein hat zwei Seiten, die sich einander erganzen und machtig stiitzen. Wie aus der sichtbaren Schopfung der unsichtbare Schopfer erkannt wird, wie sich das Reich Gottes auf Erden nach auben verbreitet und nach innen vertieft, wie der Mensch aus Leib und Seele besteht und mit Geist und Korper Gott dienen soli, ahnlich entwickelt auch unser Verein eine doppelte Thatigkeit, gleichsam eine sichtbare und eine unsichtbare, eine aubere und eine innere, indem seine Mitglieder Jesum Christum, unseren groben Gott und Heiland (Tit. 2, 13), sichtbar und unsichtbar bedienen, ihm irdische und himmlische Dienste leisten. 1. Die aubere Thatigkeit unseres seiner Intention nach so heiligen Vereines zielt ab auf die Beischaffung kirčhlicher Paramente, gottesdienstlicher Gerathe und Gefabe, kirchlicher Schmuckgegenstande und Utensilien. Diese lobliche Aufgabe suchen alle Vereinsmitglieder nach Kraften zu losen, die einen durch Opferung von Geld, 50 oder mindestens 12 Kreuzer per Jahr, das sie sich im Schweifie ihres Angesichtes miihevoll erwerben, die anderen durch Anfertigung von Paramenten und kirchlicher Wasche. Zu den Letzteren gehoren alle jene christ- lichen Frauen und Jungfrauen, welche unter der umsichtigen Leitung der Vereinsvorstehung zumal der hochgeehrten Frau Vereinsprasidentin und ihrer beiden eifervollen Assistentinnen die heiligen Messgewande und sonstigen Kirchenkleider mit ihren kunstgeiibten und beflissenen Handen ausarbeiten und anfertigen. Mit lobender Anerkennung hebe ich hervor, dass auch die ehrwtirdigen Schulschwestern bisher stets den regsten Antheil an dieser wichtigen Arbeit nahmen, und dass sich * S • 166 —1-*- Ihnen in jiingster Zeit die ehrw. Franciscanerinnen von der immerwahrenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes in Marburg bereitwilligst anschlossen. Es freut mich tiefinnerlich im Herzen, Mass sich edel- gesinnte, glaubigfromme Frauen und Jungfrauen dieser gott- gefalligen Arbeit so gerne unterziehen und dieselbe jederzeit zur allgemeinen Zufriedenheit verrichten. Diese hochherzigen Frauen und Fraulein gleichen den evangeliscben Frauen, welche den gottlichen Heiland liebevoll bedienten, Ihn auf den Calvarienberg begleiteten, seinen heiligen Leichnam einsalben wollten. Sie gleichen dem hi. Geschwisterpaare Martha und Maria, die den gottlichen Gast mit hingebender Liebe be- wirtheten. Sie gleichen jener beriihmten Maria, von der Jesus offentlich erklarte, dass sie an ihn ein gutes Werk gethan hat, als sie Feinnarde auf sein Haupt goss. (Marc. 14, 3 — 9). Ja, auch die edlen Frauen und Jungfrauen Marburgs haben ein gutes Werk gethan, da sie fitr die wtirdige Ausstattung der Wohnung des gottlichen Heilandes so Vieles leisteten, wovon die heutige reichhaltige und schone Ausstellung den besten, weil offen und laut redenden Beweis liefert. Auch sie salbten Jesum gleichsain zum Begrabnisse ein, indern Sie fiir den Schmuck des Altares, dieses Grabes des FTerm in der Kirche, Ihr Moglichstes thaten. Christliche Frauen und Jungfrauen! Ich weifi es und weifi es zuversichtlich, Ihr hattet dem lieben Heiland, wenn ihr an- wesend gewesen waret, als Er bluttriefend das schwere Kreuz auf den Berg Calvaria trug, ihr hattet ihm, sage ich, das schwere Kreuz nachgetragen, hattet Ihm die Dornenkrone vom heiligen Haupte genommen, hattet Ihm wie die hi. Veronica ein Schweifituch dargereicht, hattet ihn gelabt und aufgerichtet — indes ahnliche Liebesdienste konnet Ihr ihm auch heute noch und immerdar erweisen, so Ihr werkthatig liebet die Zierde des Altares, auf welchem der ewige Sohn des ewigen Vaters sich fiir uns in der heiligen Messe aufopfert. Zur Erhebung des Geistes und zur Erbauung des Ge- miithes will ich noch Einiges iiber gottesfiirchtige Frauen sagen. Der Anblick der vielen schonen und kostbaren Ausstellungs- Gegenstande ruft mir unwillkurlich die Worte des Spruchbuches in’s Gedachtnis, wo es von der thatkraftigen Frau heifit: »Quaesivit lanam et linum, et operata est consilio manuum suarum«. (Prov. 31, 13). Sie holte herbei allerlei Stotfwerk und arbeitete mit umsichtiger und emsiger Hand. »Manum suam misit ad fortia«. (Prov. 31, 19). An Grofies legte sie ihre Hand. »Manum suam aperuit inopi, et palmas suas extendit ad pau- perem«. (Prov. 31, 20). Sie offnete ihre Hand dem Armen, und streckte ihre Hande nach dem Diirftigen aus. Wahrlich, an Grofies legten die Frauen und Jungfrauen der Stadt Marburg 167 - 3 - ihre Hande. Denn etwas Grofies ist die Zierde des Hauses Gottes, die Zierde seiner Altare. Etwas Grofies ist’s fiir dtirf- tige Kirchen die nothwendigen Messgewande anzufertigen, wie denn schon im alten Testamente Gott der Herr mit dem Geiste der Klugheit jene erftillte, die die gottesdienstlichen Kleider anfertigten (Exod. 28, 3), und diese Kleider selbst fiir heilig erklarte. (Ezech. 42, I4). Et laudent eam in portis opera eius, heifit es am Schlusse des sogenannten goldenen Alphabetes der Frauen. (Prov. 31, 31). Darum sollen sie loben in den Pforten ihre Werke. Furwahr, dankend werden Eure Werke und Arbeiten, christliche Frauen, gelobt werden in den Pforten der Gotteshauser von jenen Pfarrsgemeinden, deren Kirchen und Altare geziert und geschmuckt worden mit den Gaben Eures Fleifies. Das Wort des groften Konigs und Psalmendichters David: Ich liebe, oHerr, dieZierde deines Hauses und den Ort der VVohnung deiner Herrlichkeit (Ps. 25,8) fand von j eh er machtigen Wiederhall im Flerzen des frommen Frauen- geschlechtes. So alt als das Christenthum ist die Liebe zur Zierde des Flauses Gottes in den Flerzen christlicher Frauen, die hierin den Frauen Israels gleichen, von denen wir im zweiten Buche Mosis lesen, dass sie sich zahlreich an der Auf- stellung des Bundeszeltes betheiligten, insonderheit jene, die zu n ah en verstanden. (Exod. 35, 25). In den ersten An- fangen der Kircbe Christi — wer war es, der den Aposteln fur die Feier der hi. Geheimnisse, fiir die Verkiindigung des gottlichen Wortes Hauser zur Verftigung stellte? Gottliebende Frauen waren es. In Jerusalem war es Maria, die Mutter des Johannes mit dem Beinamen Marcus, in deren Hause sich Viele versammel- ten und beteten, und wo auch der hi. Petrus nach seiner wunderbaren Befreiurig aus der Kerkerhaft Zuflucht suchte. (Apostelg. 12, 12—17). In Antiochien war es die Mutter des Rufus und Alexanders, der Sohne des Simon von Cyrene, in deren Wohnung die Apostel und ihre Schiller gastliche Unter- kunft fanden. In Rom war es die hi. Pudentiana, die im Vereine mit ihrer Schwester Praxedes dem ersten Papste St. Petrus ihr elterliches Haus zur Kirche einraumte. Und der gefeierte Vdlkerapostel Paulus fand er nicht auf seinen grofien Missions- reisen die hilfreichste Unterstiitzung von Seite heiliger Frauen? Offnet, verehrte Anwesende, die Apostelgeschichte, und ihr findet die hi. Lydia zu Philippi, die hi. Prisedla zu Korinth als die eifrigsten Forderinnen der apostolischen Thatigkeit. Und die altehrwiirdigen Namen der hi. Phobe, der hi. Evodia und Syntiche, der lil. Tryphana und Tryphosa, der hi. 01ympias und so vieler anderer frommen Frauen sind uns bekannt aus den paulinischen Briefen, zumal aus dem Sendschreiben an die Romer. (Rom. 16, 1. 3. 6. 12. 15). In den nachapostolischen Zeiten glanzen die hi. Flavia Domitilla, Caecilia, Prisca, Lucina und mehrere Andere als leuchtende Vorbilder der Hingebung an die Unterstiitzung und den hi. Dienst der Kirche. Ja, in allen Jahrhunderten hat das christliche Frauengeschlecht mit der Liebe einer Mutter und der Dankbarkeit einer frommen Tochter seine heiligste Freude gefunden in der Sorge fur die Kirche als die Wohnung dessen, welcher die Jungfrau der Jungfrauen, Maria, zur Mutter sich wahlte. Nun dem Herrn zu dienen durch Beischaffung und An- fertigung der Erfordernisse fur armliche Kirchen — es ist der hierin sich kundgebende Geist derselbe, der einst den Aposteln die Feier der hi. Geheimnisse ermoglichte, der dem Herrn die Kirchen baute. Darum fuge ich dem herzinnigen Danke, den die Theilnehmerinnen an der Herstellung der hier angehauften Paramente von den damit beschenkten Kirchen zu gewartigen haben, auch meine oberhirtliche Anerkennung rtickhaltslos bei. Gott lohne allen ihre fromme Muhe und ihre Opfer! 2. Wichtig und vielwertig ist die eben besprochene aufiere, sichtbare Thatigkeit des Vereines. Aber nicht minder wichtig und bedeutsam ist seine innere, unsichtbare Thatigkeit. Ja, diese Aufgabe ist die weit wichtigere, weil von ihrer gewissen- haften Losung das Gedeihen und der Erfolg des Vereines ab- hangen. Soli das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben. Und um diesen alles vermogenden Segen Gottes bitten und flehen jene Vereinsmitglieder, welche in ihren Gebetsstunden den gottlichen Heiland, wie er unter der Brotes- gestalt wahrbaftig, wirklich und wesentlich gegenwartig ist, verehren, preisen und anbeten. Die Zahl dieser Arbeiter Gottes, dieser Streiter mit der Waffe des Gebetes, welche weiter reicht als die Krupp’schen Kanonen, wie sich ein Geistesmann ausdriickt, weil sie bis zmn Throne des Allerhochsten dringt und den Allmachtigen selbst besiegt, indem sie Gott den Herrn gnadig und barmherzig macht, die Zahl dieser Arbeiter und Streiter Gottes, sage ich, belauft sich bereits auf 12,338. Er, der die Menge der Sterne zahlt und alle bei ihrem Namen ruft, (Ps. 146, 4), und sie kommen, Er rief auch die Mitglieder des Vereines bei ihren Namen und sie kamen, und ihre Zahl ist liber zwolftausend, miteingerechnet jene, welche Er bereits abberufen, um ihr ewiger Lohn zu sein. Indes wiinsche ich sehnlichst, dass noch sehr viele von den 500.000 meiner lieben Diocesanen die Stimme des Herrn horen und dem schonen Vereine beitreten. Unser Verein kann mit dem Psalmisten sagen: O Herr, GottmeinesHeiles, a m Ta g e rufe ich und des Nachts vor dir. (Ps. 87,2). Die Mitglieder halten ihre Andachtsstunden vor dem Tabernakel in der Kirche oder im Geiste zu Hause -I- 169 -§~ bei Tag. Manche jedoch konnten infolge ihres zeitlichen Berufes eine Tagesstunde dafiir nicht finden, und gedachten der Mah- pung unseres gottlichen Meisters an seine Apostel: Konntet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen (Matth. 26, 40), und sie wahlten sich eine Stunde der Nacht, die sie ohne Versaumnis einer sonstigen Pflicht der Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes widmen. Hierin gleichen sie den frommen Hirten, welche in der hi. Weihnacht das Jesu- kindlein in der Krippe anbeteten. Sie versehen den Dienst jener Engel, die in dieser ewig denkwurdigen Nacht das Gloria in excelsis Deo sangen, welches seitdem fort tont durch die christlichen Jahrhunderte und fort tonen wird bis an das Ende der Zeiten. Welch ein Segen ftir den Verein und fiir die ganze Dio- cese, wenn Tausende und abermal Tausende frommer Vereins- niitglieder vor dem Tabernakel knieen und den lieben Heiland anbeten, ihm Siihne und Genugthuung leisten fiir die Unbilden und Verunehrungen, welche ihm in dem Sacramente der Sacra- mente zugefiigt werden! Strome von Segen, von Trost und Heil flieflen heraus aus den Tabernakeln der Kirchen und hinein in die Herzen der Diocesanen und hin iiber die ganze weite Diocese. Mogen nur alle Vereinsmitglieder diese Pflicht der Anbetung des Liebessacramentes freudig und gewissenhaft er- fiillen — die Kalte und die Starre im kirchlich-religiosen Leben wird dadurch gebrochen und neues Leben wird erbliihen und hohe Begeisterung fiir die Sache Gottes wird sich der Herzen bemachtigen. Dann wird der Erfahrungssatz unwahr werden: Es ist leichter einen Verein zu griiirden, als selben zu erhalten. 3. Nun habe ich aber, sehr verehrte Versammlung, noch ein paar Wiinsche. Finden sie Anklang, wird es inich unendlich freuen, konnen sie einstweilen nicht beriicksichtigt werden, so wird der gute Wille fiir’s Werk genommen werden. Der uns allen liebwerte Verein solite nach meinem Dafiirhalten eiir Zeichen der Zusammengehorigkeit besitzen, ich meine ein Vereinsbanner, unter dessen Schutz und Schatten die treuen Mitglieder sich sammeln, kampfen und siegen. Am Tage der Generalversammlung soli diese Pahne aufgerollt werden, in- sonderheit aber am hochheiligen Frohnleichnamsfeste. Fiir kunstgeiibte Frauenhande wiire es eine leichte und erfreuliche Arbeit, eine Fahne zu beschaffen mit den Emblemen auf der einen Seite: die Monstranze mit der Umschrift: Lob und Dank sei ohne End’, dem heiligsten Altarssacrament, und auf der anderen Seite: die Bewirthung Jesu durch das heil. Geschwister- paar Martha und Maria mit der Inschrift: Der Verein zur be- standigen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung armer Kirchen gegriindet 1881. Die neue Pahne wiirden wir in der Domkirche feierlich weihen, und -I- 170 hiebei ein kleinwenig rumoren und agitieren fiir die Sache Gottes, fiir das wahre Wohl unsterblicher Menschenseelen. Auch ein Vereinshaus wurde ich lebhaft wunschen und noeh lebhafter eine Vereinskirche, und diese ware die kiinftige Herz - Jesu - Kirche. Marburg ist ja ohnehin recht arm an Kirchen. Dies mein Wort sei nur so hin geworfen, wie man ein Samenkornlein hinwirft, das aber unerwartet aufkeimt, wachst, bliiht und Friichte bringt. Ich erklare nun im Namen Gottes die Ausstellung fiir eroffnet, und eile zum Schlusse meiner aufmunternden Ansprache. * * * Sehr ansehnliche Versammlung! Seid dank bar, ermahnt der hi. Apostel Paulus die Kolosser (3, 15). Dankbarkeit ist eine christliche Tugend. Darum danke ich als Diocesanbischof dem hochw. Herrn Domdechant, der das pflichtenreiche Amt eines Obmannes seit dem Bestehen des Vereines aufopferungsvollst versieht, wobei er von den beiden Ausschiissen dem Herrn Dom- und Stadtpfarrer und dem Herrn Director des Diocesan-Priesterhauses durch Wort und That kraftigst unterstiitzt wird. Insgleichen danke ich ver- bindlichst der hochverdienten Prasidentin des Damen-Comite’s, der Frau Anna Eichler, welche gleichfalls seit dem Griindungs- jahre 1882 Ihres schwierigen Arntes waltet, wobei Sie seitens der beiden stets opferbereiten Assistentinnen Fraulein Maria Schmiderer und Fraulein Theresia Poschl ausgiebige Unter- stiitzung findet. Ferner sage ich meinen warmsten oberhirtlichen Dank allen den Herrn Seelsorgern, welche den Verein in der Diocese so eifrig pflegen, wie auch allen thatigen und unter- sttitzenden Mitgliedern, Gonnern, Freunden und Wohlthatern des Vereines. Im Herrn Geliebte! Als mlch der Vereinsobmann um den bischoflichen Segen bat, da erinnerte ich mich einer riihrenden Begebenheit, die ich im zvveiten Buche Mosis gelesen. Als namlich die Arbeiten fiir das Bundeszelt oder die Stiftshiitte vollendet waren, versammelten sich die Sohne Israels um ihren Fiihrer Moses, der dann die vielen Arbeiten besichtigte. I) a nun Moses sah, heifit es im letzten Verse des 39. Capitels des Buches Exodus, dass alles dies herrlich vollendet war, segnete er sie. Ein schones Nachbild dieser Versamm¬ lung ist unsere heutige Generalversammlung. Die Arbeiten fiir das verflossene Vereinsjahr sind alle vollendet, sind alle herr¬ lich vollbracht. Und Ihr habt Euch, Verehrteste, um mich, Eueren Oberhirten, versammelt, um der Eroffnung und Besich- tigung der reichhaltigen Ausstellung beizuwohnen. Da ich nun Alles in guter Ordnung finde, ertheile ich der ganzen Ver- -I- 171 -f- sammlung, den anwesenden wie den abwesenden Vereins- mitgliedern, den bischoflichen Segen und dies zum Zeichen meiner Dankbarkeit, zur Kundgebung meiner groben Sym- pathien fur den Verein und als Biirgschaft des gottlichen Segens. V. Sit nomen Domini benedictum. R. Ex hoc nune et usque in saeculum. t. Adiutorium nostrum in nomine Domini. Iv. Qui fecit coelum et terram. Benedicat vos omnipotens Deus Pater et Filius et Spiritus sanctus. Amen. § 60. Dioecesan-Synode. Im Jahre 1896 wurde in Marburg in der St. Aloisikirche vom 28. 'September bis 2. October eine Diocesan-Synode feier- lich begangen. Zu den vielen zeitgemaben Constitutionen ist auch die Lehre »Von der Verehrung des hocliheiligen Sacra- mentes der Eucharistie — De cultu sanctissirni Eucharistiae Sacramenti« abgehandelt worden. Die diesbeziigliche Constitu- tion lautet im Auszuge: 1 Es ist zwar behufs gewissenhafter und heiliger Verwaltung sammtlicher Sacramente der katholischen Kirche, insbesondere aber bei der Spendung und dem Empfange des allerheiligsten Sacramentes des Altares grober und sorgfaltiger Fleib anzu- wenden, da die Kirche im Vergleiche zu demselben nichts wiirdigeres, nichts heiligeres, nichts wunderbareres besitzt, zumal in demselben enthalten ist das vorztiglichste und grobte Geschenk Gottes, die Quelle und der Urheber aller Gnade und Heiligkeit: Jesus Christus selbst. Der gottliche Heiland bat namlich, im Begriffe aus dieser Welt zum himmlischen Vater hinzugehen, die Seinigen, die in der Welt waren, weil er sie liebte, bis zum Ende geliebt und nach Vollendung des Abendmahles, bevor er zu leiden begann, das allerheiligste Altarssacrament eingesetzt, in welchem wahr- haft, wirklich und wesentlich sein Leib und Blut zugleich mit seiner Seele und Gottheit enthalten ist. Der Pfarrer trage demnach die grobte Sorge dafur, darnit sowohl er selbst dieses verehrungswiirdige Sacrament mit der geziemenden Ebrfurcht und schuldigen Verehrung behandle, bewahre und verwalte, als auch das ihm anvertraute Volk das- selbe fromm verehre, heilig und haufig empfange, besonders an grofieren Festtagen des Jahres. 1 Gesta et Statuta Synodi Dioecesanae, quam anno Domini 1896 constituit et celebravit Michael Napotnik, Princeps-Episcopus Lavantinus. Marburgi, 1897. Sumptibus Pr. Ep. Ordinariatus Lavantini. Typis typographiae S. Cyrilli. Pag. 274—286. -I- 172 -> Was immer also zu diesem gottlichen Sacramente und unblutigen Opfer in irgend welcher Beziehung steht: Die Altare, die heiligen Gefafie, die heiligen Gerathschaften, sollen, wenn schon nicht glanzvoll und kostbar, doch wenigstens nett, rein und anstandig sein. Nichts zerrissenes, nichts schmutzi- ges, nichts wertloses lasse der Priester beim heiligen Opfer zu. Der Kelch und die Biichse (pyxis) sollen, wenn moglich, wenigstens eine silberne, innen vergoldete Cuppa haben; dass gleiche gilt von der Patena. Die hi. Gewander sollen aus Seide, die tibrigen Kleider und Tiicher aber aus reiner Leinwand angefertigt sein. Die Kirche pflegt die heilige Eucharistie nicht nur ver- schlossen im Tabernakel fromm zu verehren, sondern auch zur offentlichen Verehrung der Glaubigen mit einem gewissen Ge- prange auszusetzen. Dies geschieht, um dem Sohne Gottes vor allen und in Gegenwart aller feierliche Ehren zu erweisen und die Herzen der Anwesenden zur Liebe zu ihm zu entziinden und zu entflannnen. Da aber die Kirche durch ein allgemeines Gesetz nicht bestimmt, sondern es vielmehr den Bischofen iiberlassen hat, zu bestimmen, wie oft in Anbetracht der Ortsverhaltnisse und Bediirfnisse der Glaubigen das Allerheiligste mit Nutzen aus- gesetzt werden soli, so rufen wir die fiir unsere Diocese dies- beziiglich herausgegebenen Vorschriften ins Gedachtnis zuriick und erklaren: Die offentliche und feierliche Aussetzung des allerheiligsten Sacramentes darf stattfinden und der Segen ge- geben werden in allen Kirchen dieser Diocese und in den Kapellen der Kloster und religiosen Genossenschaften unter strenger Beobachtung des vorgeschriebenen Ritus an allen Sonn- und gebotenen Festtagen des Jahres. An nicht gebotenen Festtagen ist zur offentlichen Aussetzung eine causa puhlica und die Erlaubnis ■ des Bischofes erforderlich; es ist namlich einzig und allein Sache des Ordinarius zu erwagen und zu bestimmen das Vorhandensein einer causa puhlica, sagt der hi. Papst Benedict der XIV. Eine causa puhlica ist die Feier- lichkeit des Festes, die Zusammenkunft des Volkes, eine Frie- densangelegenheit und Ahnliches. Diesbeziiglich ermahnt der hi. Carl Borromaus: Die hi. Eucharistie soli nicht aus jeder beliebigen Ursache, sondern nur aus offentlichen und wichtigen Griinden ausgesetzt werden. In der Frohnleichnamsoctav kann die Aussetzung sowohl bei der feierlichen Messe, als auch bei der Vesper geschehen und der Segen wiederholt ertheilt werden. Uberdies ist es gestattet, den feierlichen Segen zu ertheilen an allen Tagen zur Zeit der hi. Missionen, aru Feste des hi. Plerzens Jesu und uberall, wo die Andacht des 40stiindigen Ge- betes abgehalten wird; und an anderen vom Ordinarius be- -4- 173 stimmten Tagen. Falls der hi. Stuhl irgend einem Orden oder einer Congregation weitere Privilegien ertheilt hat, wollen wir dieselben umgeschmalert lassen. Ausgenommen ein derartiges Privilegium, woriiber dem Ordinarius eine zuverlafiige Urkunde vorzuweisen ist, darf weder der Segen gegeben werden, noch die Aussetzung ge- schehen, es sei denn, wie oben erwahnt wurde, mit ausdrucklicher Erlaubnis des Ordinarius und ohne Verletzung der diesbeziig- lichen Decrete der hi. Congregation der Riten. Alle aber er- mahnen wir eindringlich, niclits zu unterlassen, was nach den Rubriken und den Umstanden zum Erweise der gebtirenden Ehrfurcht erforderlich ist, denn es ist besser eine nicht zu haufige Aussetzung mit der gebiirenden Ehrfurcht, als eine oftmalige ohne die schuldige Ehrenbezeugung. In unserer Diocese wird das heiligste Sacrament aufier- dem durch eine Stunde ausgesetzt an den Quatember-Sonn- tagen. Es wird aber auch empfohlen, wie es schon an einigen Orten gebrauchlich ist, das heiligste Sacrament auch am Sonn- tage Quinquagesima und den beiden darauf folgenden Tagen als Mittel gegen die Faschingslustbarkeiten in Form des 40st. Gebetes so auszusetzen, dass es nur in den Tagesstunden, von morgens bis abends exponiert ist, wahrend der Nacht aber eingesetzt wird. Bei Aussetzung des heiligsten Sacramentes ist immer die grofite Feierlichkeit zu beobachten; es sollen wenigstens 12 Kerzen brennen, der Altar soli, in wie weit es moglich ist, mit naturlichen Blumen geschmiickt sein und wahrend der Dauer der Aussetzung sollen an dem Altare keine Messen gelesen werden. Uberdies erklart die hi. Synode von Trient, fromm und gottesfiirchtig sei in der Kirche Gottes der Gebrauch eingefiihrt worden, jahrlich an einem bestimmten Festtage dieses er- habene und verehrungswiirdige Sacrament mit besonderer Ver- ehrung und Festlichkeit zu feiern und in Processionen ehr- furchtsvoll auf Strafien und offentlichen Platzen herumzutragen. Die Seelsorger sollen daher trachten, dass an diesem Feste der Triumph Christi wurdig und mit Ehren den Katholiken und Akatholiken vergegenwartigt werde und alles ordnungsmafiig geschehe zur grofieren Ehre des Erlosers und ihm zum Danke. Sowohl die Procession am Frobnleichnamsfeste, als auch die sogenannten theophorischen Processionen am Sonntage in der Erohnleichnamsoctav bis zum Sonntage vor dem Feste des hi. Apostels Bartholomaus sind im Vespermantel, unter dem Baldachin oder einem kleinen Traghimmel und auf Altaren, errichtet gegen die vier Himmelsgegenden, abzuhalten und ist hiebei der im Lavanter Rituale vorgeschriebene Ritus genau zu beobachten. *f- 174 -f- Endlich wiinschen wir es sehnlichst, dass die Glaubigeri dariiber belehrt werden, wie vieler Gnaden sie theilhaftig wer- den, wenn sie den unter den sacramentalen Gestalten unter uns weilenden Heiland ofter besuchen. Pfiicht des Hirten ist es also, mit Wort und Beispiel zu diesem heiligen Ehrendienste die Seinigen einzuladen und aus diesem Grunde in aller Herzen das Feuer der Liebe gegen den lieben Heiland zu entztinden und zu nahren. Um diese Andacht immer mehr zu fordern, ist es sehr wiinschenswert, dass die Kirchen den ganzen Tag uber, oder am Lande durch einige Stunden den Gliiubigen geoffnet seien. Zur Beforderung der Andacht gegen dieses hochheilige Geheimnis tragen die frommen Bruderschaften vom allerheilig- sten Sacramente bei und zwar: a) Die Bruderschaft von der immerwahrenden Anbetung, welche in Unserer Diocese am 27. Mai 1881 in der Kathedralkirche St. Johannes Bapt. zu Marburg canonisch errichtet und am 1. Jžinner 1882 der Erzbruderschaft in Rom ordnungsmaftig angegliedert worden ist, und welche den Mit- gliedern die Ablasse und anderen geistlichen Gnaden vermittelt, wie dies im Rescripte der S. Congregatio Ind. vom 18. De¬ cember 1886 des weiteren ausgefiihrt ist. Diese fromme Bruderschaft hat den Zweck, die Erkennt- nis, Verehrung und Anbetung Jesu Christi im allerheiligsten Sacramente zu fordern; die Unbilden zu stihnen, welche dem allgiitigen Erloser in diesem Sacramente der Liebe zugefugt werden; und heilige Gewander zu Gunsten armer Kirchen anzufertigen, damit die gottlichen Geheimnisse mit der schul- digen Ehrfurcht gefeiert werden. Mit welchem glucklichen Erfolge dieser fromme Verein sein Ziel verfolgt, kann daraus ersehen werden, dass dem Vereine seit seinem Entstehen bis heute 19.000 Glaubige beigetreten sind und tur den obgedach- ten Zweck an Almosen beilaufig 30.500 fl. frommen Herzens gespendet haben. Da diese fromme Vereinigung bisher in unserer Diocese schon herrliche Frtichte hervorgebracht hat, beauftragen wir alle Seelsorger, dieser frommen Bruderschaft geneigten Herzens ihte Aufmerksamkeit zu schenken, sie den ihnen anvertrauten Glaubigen zu empfehlen, iiber die Pflichten zu belehren und die Ablasse, welche in reichlichem Mafie nach Erfullung der Pflichten gewonnen werden konnen, ordnungsmafiig zu erklaren und so beizutragen, dass die einzelnen Mitglieder von Tag zu Tag zu neuem Eifer und zu neuer Liebe gegen das hochheilige Sacrament entflammt werden. b) Die Bruderschaft der Priester von der An¬ betung des allerheiligsten Sacramente s. -S- 175 -Š- Diese Bruderschaft ist von dem ehrw. P. Eymard, dem Griinder der Versammlung der Vater des heiligsten Sacra- nientes, im Jahre 1858 zu Pariš eingefuhrt worden und hat ihre Filialen in Rom, Briissel, Marseille, Montreal und in der oster- reichischen Provinz Tirol. Sie breitete sich in kurzer Zeit weit und breit auf der ganzen Erde aus und besitzt gegenwartig schon 50.000 Mitglieder, welche Tag und Nacht Jesum Christum den giitigen Heiland in diesern heiligen Sacramente anbeten. c) Diesen Bruderschaften kann beigezahlt werden die sog. Associatio perseverantiae sacerdotalis unter dem Schutze des hochheiligen Herzens Jesu, welches im allerheilig- sten Sacramente unter uriš weilt. Diese Bruderschaft hat ihren Sitz zu Wien in Osterreich, wo sie im Jahre 1868 eingefuhrt tvurde, gegenwartig in 126 Diocesen verbreitet ist und ungefahr 12.000 Priester zu Mitgliedern hat, welche einmiithig taglich das hochheilige Herz Jesu anbeten, sprechend: Jesus, sanft und demuthig vom Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen! und ein »Vater unser« und »Gegrubet seist du Maria« beisetzen, um die Gnade der Beharrlichkeit in Erfiillung .der Pflichten des Priesterstandes bis zum Tode zu erlangen. Uberdies liest jedes Mitglied jahrlich eine hi. Messe fiir die lebenden und eine fiir die verstorbenen Mitbruder. Gar sehr wiinschen wir, dass alle Cleriker Unserer Dio- cese entweder der Bruderschaft der immerwahrenden Anbetung, oder der Associatio sacerdotum adoratorum, oder der perseve- rantia sacerdotalis beitreten, da in diesen sturmischen Zeiten nichts nutzbringender ist, als oftmals mit Vertrauen hinzu- treten zu dem Throne der Gnaden, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zur gelegenen Zeit. Lob und Dank sei alle Zeit dem heiligsten und gottlichen Sacramente, und gebenedeit sei die heiligste, reinste und un- befleckte Empfangnis der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria! (Ablass von 600 Tagen. Leo XIII.). § 61. Funfzehnter Jahresbericht pro 1896 . Medius vestrum stetit, quem vos nescitis. In euerer Mitte steht der, den ihr niclit kennet. (Joh. 1, 26.) Der Hauptzweck des Vereines zur bestandigen Anbetung ist: Die Erkenntnis, Liebe und Anbetung Jesu Christi im aller- heiligsten Altarssacramente in sich und anderen zu befordern. Darum hat auch die Berichterstattung diesen Hauptzweck im Auge behalten und den Sinnspruch: »In eurer Mitte steht der, den ihr nicht kennet « 1 — gewahlt, um so dem ' Ioan. 1, 26. -f- 176 ~§~ Irrthume vieler Menschen zu begegnen, als ob Jesus in \veitei' Ferne von ihnen ware, und es nothwendig sein wiirde, ihn durch Thranen und Seufzer und sehnsuchtigen Klagen endlich einmal zu sich heranzuziehen. Zu allen diesen kann man in Wahrheit sagen: »In eurer Mitte steht der, den ihr nicht kennet«, hier in der Kirche, im Tabernakel hat er seine Wohnung aufgeschlagen im allerheiligsten Sacramente. Wollen wir daher unseren Herrn und Gott finden, um uns mit fast leichter Muhe mit ihm recht innig zu vereinigen, lasset uns die Einbildungskraft ztigeln und nicht nach Dingen streben, die aufien und fern von uns sind; lasset uns vielmehr tief hinein in das Innerste unseres Herzens einkehren, zum r.eichen Schatze unseres heiligen katholischen Glaubens, und wir werden die zweifellose Uberzeugung gewinnen, dass Jesus Christus, unser Herr und Heiland lebendig und wahrhaft, nach seiner ganzen Wesenheit in dem heiligen Gezelte der Kirche, in der Brotesgestalt im Tabernakel wohne, um alle an sich zu ziehen. Dann wird es uns leicht sein, imrner, ob nun im Gedanken oder in der That, bei ihm zu weilen, ihn zu lieben, ihn anzu- beten, siifies Zwiegesprach mit ihm zu fiihren und ihn zu griiften viel tausendmal, bei Tag und bei Nacht. Thun wir das! Dann wird uns das Wort nicht treffen: »So lange Zeit bin ich bei euch, und ihr kennet mich noch nicht.« 1 Wir wissen, dass das Wort nicht kennen, wie in der heiligen Schrift, so auch im Alltagsleben eine doppelte Be- deutung habe. Die eine Bedeutung geht auf den Verstand und heifit so viel als nicht wissen, nicht verstehen: »Sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.« 2 Die andere geht aber auf den Willen und heifit so viel als sich nicht kummern, nicht achten, von etwas nicht w i s s e n w o 1- len: »Ich kenne euch nicht«. 3 Mochte doch dieses Wort in keiner der beiden Bedeutungen auf uns eine Anwendung finden, dass wir Jesum und seine ewige Liebe nicht kennen. Da wir das Gliick haben, Mitglieder des schonsten unter allen Vereinen zu sein, so kennen und erkennen wir unseren Herrn und Heiland, wie er ist unter uns und wie er wohnt unter uns im allerheiligsten Altarssacramente, und es kann uns seine tiefste, in der leichten Wolke der Brotes¬ gestalt verhullte Selbstentaufierung nicht beirren: ist und bleibt er doch der Konig der ewigen Herrlichkeit und unserer Liebe letztes Ziel und Ende! Wir sollen aber Jesum nicht nur kennen und erkennen, sondern auch mit Wort und That bekennen: »D en n mit dem Herzen glaubt man zurGerechtigkeit, und mit 1 Joh. 14, 9. — 2 Joh. 15, 21. — 3 Matth. 25, 12. -S- 177 -i- dem Munde geschieht d as Bekenntnis zur Selig- keit.« 1 »Wer im m er mich v o r d e n M e n s c h e n bekennen wird, denwill auch ich vor meinem Vater bekenn en der im Himmel ist«. 3 Von diesem Bekenntnisse geben die Mitglieder des An- betungs-Vereines dadurch Zeugnis, dass sie in sich und anderen nebst der inneren auch die aufiere Verehrung und Anbetung Jesu Christi im heiligsten Altarssacramente zu beleben und zu fordern bestrebt sind. Dieses geschieht dadurch, dass sie fleiftig an Sonn- und Feiertagen den offentlichen Gottesdienst besuchen, aber auch an Werktagen nach Thunlichkeit der heiligen Messe beiwohnen; dass siejesum im heiligsten Altarssacramente ofters besuchen und anbeten; dass sie oftmals zum Tische des Herrn hinzutreten und sich mit dem Heilande vereinigen in der heiligen Communion; dass sie sich in der Kirche immer anstandig und auferbaulich benehmen, an den Processionen gerne theilnehmen, bei den Versehgangen dem gottlichen Erloser die schuldige Verehrung und Anbetung erweisen, und insbesondere, dass sie Sorge tragen, dass die Kirchen reinlich gehalten, mit den noth- wendigen Utensilien versehen, die Altare schon geziert, die erforderlichen Kirchenparamente beschafft werden, damit die Priester in wtirdiger Kleidung bei gottesdienstlichen Handlun- gen erscheinen konnen. Auf diese Weise geben sie Zeugnis von ihrer inneren Liebe und Verehrung gegen Jesus im aller- heiligsten Sacramente und sie sprechen mit Wort und That mit dem koniglichen Siinger: »Herr, ich liebe diePracht deines Plauses und den Ort der Wohnung deiner Herrlichkeit«. 8 Mit Ehrfurcht und Liebe sollen wir gerne erscheinen in der Kirche, im Hause des Herrn, an dem Orte, von welchem Gott der Herr spricht: »Ich hab e mir diesen Ort erwahlt zumOpferhause. Den n ich habe diesen Ort erwahlet Undgeheiliget,dass meinName da e w i g 1 i c h sei, und meine Augen und mein Herz sollen da bleiben alle Tage. Auch sollen meine A n gen offen sein, und meine Ohren aufmerksam auf das Geb et de s j en i gen, der da betet a n diesem Orte«. 4 O lasset uns immerdar sprechen mit dem Psalmisten: »Ich freue mich, wenn man mir sagt: Lasset uns gehen zum Hause des Herrn! 9 Lasset uns aber auch ausharren in der Liebe und An¬ betung Jesu im allerheiligsten Sacramente des Altares, damit zu allen Zeiten und an allen Orten der Ruf erschalle: Hochgelobt und gebenedeit sei ohne End’ Das heiligste und gottliche Sacrament! ' RSm. 10, 10. - 2 Matth. 10, 12. — a Ps. 25, 8. — 4 II. Paral. 7, 15. 16. — 6 Ps. 121, 1. 12 -S- 178 -§- Dem Anbetungsvereine sind im Jahre 1896 wieder 1422 neue Mit- glieder beigetreten, und im Vereinsbuche sind nun 13.760 Mitglieder aus allen Pfarren der schčinen Lavanter DiOcese eingetragen, welche ohne Unterlass vereint mit den Engel-Chbren im Himmel Jesum Christum im heiligsten Altarssacramente, auf dem Throne seiner Liebe auf Erden anbeten und zugleich bestrebt sind zur wiirdigen Feier des offentlichen Gottes- dienstes die erforderlichen Kirchenparamente und Utensilien zu beschaffen. Zu diesem Zwecke ist im vergangenen Vereinsjahre an milden Gaben ein- gegangen der Betrag pr. 3113 H. 28 kr., fiir welchen nachstehende Kirchen¬ paramente fiir arme Kirchen der Lavanter DiScese durch das hochverehrte Damen-Comite im Vereine mit den ehrwurdigen Schulschwestern in Mar- burg sind verfertiget worden, als: 1 Vespermantel, 22 Messkleider, 7 Vela, 2 Dalmatiken, 5 Stola fiir Feiertage, 10 Beichtstola, 6 weifi-violette Tauf- und Versehstola, 3 Ciboriummantelchen, 4 Versehmantelchen, 2 Fahnen, 2 Messbiicher, 7 Altarleuchter, 12 Altarpulte, 7 Pultdecken, 22 ChorrOcke, 21 Alben, 48 Humeralien, 122 Purificatorien, 86 Lavabotiichlein, 48 Corpo- ralien und Palen, 4 AltarpOlster, 10 rothe und 6 schwarze Ministrantenrocke, 11 violette Ministrantenkragen, 20 Ministrantenchorrocke, 12 Cingula, 2 harm. Altarglocken, 6 Tassen, 1 Schleier fiir die Monstranze, 3 Altarantipendien, 1 Kanzel- und 1 Betschemmeltuch. Schliefilich sei noch der verbindlichste, herzinnigste Dank ausgespro- chen vorab Sr. Ftirstbischoflichen Gnaden dem Hochwiirdigsten Herrn Fiirstbischof Michael fiir das dem Vereine stets bewiesene Wohlwollen, dann dem verehrten Damen-Comite und den ehrwtirdigen Schulschwestern fiir ihre thatige Unterstiitzung, sowie auch allen lieben Wohlthatern und GOnnern fur ihre Liebesgaben. »N o n nobis, Domine, non nobis; sed no mini tuo da gloriam». »Nicht uns, Herr, ni c h tun s, so n der n deinem Namen gib die Ehre!« 1 Die Paramenten-Ausstellung fiir das Jahr 1896 wurde im Monate April des folgenden Jahres 1897 abgehalten und erfreute sich abermals der lebbaftesten Theilnahme seitens der Bevolke- rungder Stadt Marburg. Eroftnet wurde dieselbe vom hochwiirdig- sten Herrn Fiirstbischofe selbst, nachdem der Vereins-Obmann nachstehende Begriifiungsrede an dieAnwesenden gehalten hatte: Vor einigen Tagen haben wir mit glaubigem Sinn das Andenken an das bittere Leiden und Sterben unseres gottlichen Erlosers Jesu Christi begangen. Wir haben da gesehen seine grenzenlose Liebe gegen uns, die ihn bewog, sein Leben hin- zugeben im namenlosen Schmerze fiir uns, fiir unsere Erlosung. »Ihr wisset,« lehrt der Apostelfiirst Petrus, »dass ihr nicht mit verganglichem Golde oder Sil b er erloset sei d von dem eitlenWandel..., sond er n mit dem kos t- baren Blute Jesu Christi, als eines unbefleckten, tadellosen Lammes«. 2 Und der heilige Apostel Paulus schreibt diesbeztiglich in seinem Briefe an die Philipper: »Christus hat sich selbst erniedriget und ward fur uns gehorsam bis zum Tod e, ja bis zum Tode am Kreuze; darum hat ihn auch Gott erhoht, und i h m einen Namen gegeben, der iiber alle Namen ist; dass in demNamenJesu sich dieKnie beugen derer, 1 Ps. 113, 1. — 2 I. Petr. 1, 18. -I- 179 die im Hi m m el, auf der Erde, und unter d er Erde sind, und dass alle Zeugen bekennen, dass derHerr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des V a- ters ist.« 1 Auf die Leidenswoche folgte dann das schone Osterfest, tvelches wir mit frohlichem Muthe gefeiert haben zum freudigen Andenken an die glorreiche Auferstehung unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, der durch seinen Tod die Holle und den Tod besiegt, und am dritten Tage glorreich aus eigener Kraft von den Todten auferstanden ist und nicht mehr stirbt, sondern lebt als Mittler und Fiirsprecher bei Gott dem Vater. »Wir haben,« schreibt der heilige Apostel und Evangelist johannes, »einen Fiirsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, den Gerechten, und dieser ist die Ver- sohnung fiir unsere Stinden .« 2 Wie schon und herrlich war doch die Procession am Vorabende des hohen Osterfestes mit dem auferstandenen Heilande! Die Mitglieder des Anbetungs-Vereines haben gewiss gerne und andachtig besucht den gottlichen Erloser, als er im Grabe ruhte, haben jubelnd sich betheiliget an seiner Auf- erstehungsfeier und freudigen Herzens miteingestimmt in den herrlichen Lobgesang: »Grofier Gott, wir loben dich ; Herr, wir preisen deine Starke; vor dir neigt die Erde sich und be- tvundert deine Werke.« Aber auch wahrend des Jahres haben die Mitglieder des Anbetungs-Vereines nicht unterlassen des Plerrn immer zu ge- denken. Sie haben Jesum im Sacramente der Liebe Tag und Nacht angebetet; sind oft zu seinem Tische getreten und haben die Speise der Engel genossen, das Brot des Lebens, welches unsere Seelen nahrt zum ewigen Leben; sie haben aber auch fleifiig beigesteuert ihre Liebesgaben, womit die Kirchenpara- mente fiir diese Ausstellung beschafft worden sind. Moge diese Paramenten-Ausstellung gelten als das Be- kenntnis unseres Glaubens, unserer Liebe und Dankbarkeit gegen Jesus Christus den Auferstandenen, der da bei uns wohnt mit seinem verklarten Leibe im heiligsten Altarssacra- mente. Durch den Gebrauch dieser Paramente wird Jesus der Auferstandene verherrlichet und die Herzen der Glaubigen Werden machtig hingezogen zu seiner Wohnung, zum Taber- nakel, wo er bestandig bei uns weilet, um uns zu trosten und zu beschiitzen auf unserer Pilgerreise in das himmlische Vater- haus, wo er fiir uns Wohnungen bereitet hat. Den Mitgliedern des Anbetungs-Vereines gilt insbesondere seine Verheifiung: »Freuet euch und frohlocket, de n n euer Lohn wird grofi sein im H im m el «. 8 ' Philip. 2, 8. — 2 I. Ioan. 2, 1. — 3 Matth. 5, 12. 12 * *§”* I BO —f* § 62. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwiirdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, gehalten gelegentlich der feierlichen ErOffnung der filnfzehnten Paramenten- Ausstellung des Anbetungs-Vereines in Marburg, am 25. April 1897. Sehr verehrte Anwesende! Schon das siebentemal bietet sich mir der erfreuliche Anlass, die vom hiesigen, hochst lobenswerten Anbetungsvereine alljahrlich veranstaltete Paramenten-Ausstellung zu eroffnen und hiemit auch dessen funfzehnte Generalversammlung abzuhalten. Jedesmal richtete ich einige anregende Worte an die ver- ehrten Theilnehmer dieser lieblichen Feier. Diesmal glaubte ich, nicht reden zu sollen. Denn es reden laut genug die sechzehn Jahre des Bestandes und gesegneten Wirkens des herrlichen Vereines. Es reden vernehmlich die 13.760 Mitglieder und die bisher gesammelten 27.600 Gulden milder Gaben und Spenden. Es reden die vollbrachten Arbeiten des nimmer muden Vereins- obmannes und der beiden Vereinsausschusse. Es reden und predigen die Sorgen und gehabten Muhen der hochgeehrten Frau Vereinsprasidentin und des sehr verehrlichen Damen- Comites. Es reden iiberlaut die vielen Kirchen, die mit schonen Paramenten grofimiithig beschenkt worden sind. Eine beredte und deutliche Sprache spricht die heutige glanzende Ausstel- lung. Wenn ich schweige, so reden die hier vor uns auf- gespeicherten Schatze wie die Kelche, Monstranzen, Messkleider, Fahnen, Vespermantel, Altar-Tiicher und Altar-Polster, die Tep- piche, Glockchen und andere Kirchengerathe eine maehtig er- greifende Sprache. Indes, einige Worte will ich doch dieser packenden Predigt hinzufiigen. Im vorigen Jahre ward auf der zweiten Diocesan-Sy- node ein wichtiges Decret liber den Cult des Altarssacramentes erlassen, worin der Verein zur Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung arrner Kirchen in der Lavanter Diocese mit lobender Anerkennung erwahnt und Priestern und Laien warmstens empfohlen worden ist. Den heute hier anwesenden Herren Theologen empfehle ich ihn bestens. Alle mogen Apostel des Vereines werden. Im apostolischen Rundschreiben des Heiligen Vaters Exe- unte vom 25. December 1888 babe ich ein Wort gelesen, das mir nicht aus dem Sinne kommt: »In hoc posita malorum sa- natio est, ut.. privatim et publice remigretur ad Iesum Christum«. In dem Umstande liegt die Heilung der Zeittibel, dass man hauslich und offentlich zuruckkehrt zu Jesus Christus. -£- 181 -ii- ja, zu Christus, unserem Erloser und Seligmacher miissen Vir zuriickkehren, ihm miissen wir dienen, nach seinen Geboten miissen wir leben. In Christus muss alles erneuert und aufge- richtet werden. Christus muss herrschen und regieren wie in der Kirche, so in den Privathausern, in den Werkstatten, in den Fabriken, in den Schulen und Lehranstalten, in der Ge- meinderaths-Stube, im Landhause und im Abgeordnetenhause. Nun, im Anbetungsvereine lebt, regiert und herrscht Jesus Christus. Sein Thron ist der Tabernakel und seine Hofleute sind die Vereinsmitglieder, die ihn unablassig anbeten und ihm ihre Opfergaben darbringen. Was ich im ersten Buche Esdras lese, dies bewahrheitets ich auch in unserem Vereine. »N im m frei«, so spricht Konig Artaxerxes auf Eingebung des Allerhocbsten zum Priester Esdras, »alles Silber und Gold, was du fin- den kannst in der ganzenLandschaftBabylons und das Volk opfern wi 11, und was die Priester frei- w i 11 i g darbringen zum Hause ihres Gottes, das zu Jerusalem ist, und kaufe emsig Opfergaben und bringe sie dar auf dem Altare des Tempels eures Gottes, der zujerusalem ist. Undwas immer dir und deinen Brudern g u t d ii n k e t, mit dem ti b r i g e n S i 1 b e r und Gol d e zu thun, das thuet nach dem Willen Gottes... Alles, was zum Dienste Gottes des H i m- mels g eh o rt, soli fleifiiggespendetwerden im Hause Gottes des Himmels, dass er nicht etwa ztirne.« (I. Esdr. 7, 16—18. 23). Ahnlich wird auch im Anbetungsvereine Gold und Silber gesammelt und zum Dienste Gottes weise verwendet. Und heilig ist sowohl das geopferte Geld, als auch die angeschafften Ge- rathe, weil sie eben dem Hause Gottes geweiht und gewidmet sind. Die Gefafie sind heilig, heifit es etwas spater im selben Buche Esdras, und heilig ist auch das Silber und Gold, welches freiwillig geopfert worden ist dem Herrn. (I. Esdr. 8, 28). Gar viele Vereinsmitglieder arbeiten fiir den Konig der Glorie, indem sie Kirchenparamente, Kirchenwasche und ver- schiedene Kirchen -Einrichtungsstucke anfertigen, wovon die heutige so reichhaltige Ausstellung frohe Kunde gibt. Mogen die glaubigfrommen Frauen und Jungfrauen von Marburg auch in Hinkunft fiir Christus und mit Christus freudig, beharrlich und beherzt arbeiten! Liebwerte Anwesende! Nunmehr lenke ich mein und euer Auge hin auf die grobe Wichtigkeit, die unser Verein, welcher die Herstellung kirchlicher Paramente durch vereinte opfer- willige Thatigkeit sich zur Aufgabe stellt, fiir die kirchliche Kunst hat. Durch unseren Verein wird auch den armen Kirchen nie Armliches oder Unkirchliches, sondern nur Solches gereicht, -I- 182 -§~ was bei aller Einfachheit doch des Hauses Gottes wiirdig und den Vorschriften der Kirche entsprechend ist. Den vermogli- cheren Kirchen aber wird Gelegenheit geboten, durch den Verein die Ausfuhrung der nothigen Paramente besorgen zu lassen, wodurch die oft so nachtheiligen Anschaffungen durch Unerfahrene, selbst Unberufene unterbleiben und in die ver- schiedenen Kirchen wieder mustergiltige Paramente kotnmen. Hiedurch kann die Kirche wieder ihren wohlthatigen Ein- fluss auf die Industrie gewinnen. Unser Verein, dem Vieles von den Kirchenvorstanden zu beschaffen anvertraut wird, kann den besseren Bestrebungen auch der heimischen Industrie helfend entgegenkommen, den schlechteren die Thtire in die Kirchen schlieben. Er kann Oualitat des Stoffes, Farbe, die mustergiltigen Dessins (Entwurfe) dem Fabrikanten bestimmen. Er iiberwacht die Ausfuhrung hinsichtlich der Soliditat der Arbeit und der Richtigkeit der Form auch im Kleinsten, und vermag so allein der Willkur des Einzelnen zu steuern. Ferner kann unser Verein in den christlichen Frauen von Marburg den Sinn ftir kirchliche Handarbeit wiederwecken, und damit das sorgsanlere Interesse ftir Alles, was den Schmuck der Kirche betrifft. Gerade in den vornehmen Standen ist die weibliche Handarbeit vielfach zur Tandelei geworden, die nur der Eitelkeit dient, Geld und Zeit und Charakter raubt. Gewiss ist es eine der wiirdigsten Beschaftigungen und Unterhaltungen ka- tholischer Jungfrauen, ftir den Schmuck der Kirchen thatig zu sein. Mit dieser Handarbeit geht Hand in Hand die Regene- rierung der Kunstfertigkeit, die wir an den Werken friiherer Zeit bewundern. Denn nicht die spielende Geschiiftigkeit, son- dern nur die sinnige Opferfreudigkeit fiihrt zur wahren Kunst. Darum sind ftir die Arbeiten unseres Vereines nur gute Muster und edle Technik zulassig. Es wird Sache des Herrn Vereins- Obmannes und der Frau Vereins-Prasidentin sein, aus dem grofien Schatze das Beste und Geeignetste zu wahlen. In dem ich am Schlusse die schone Paramenten-Ausstellung ftir eroffnet erklare und allen, die diese Eroffnung ermoglicht haben, herzlichst danke, bitte ich den eucharistischen Gott- menschen Jesus Christus: Er moge alle Vereinsmitglieder mit allem himmlichen und irdischen Segen erfiillen! Ich sprach’s und Gott walt’s! § 63. Sechzehnter Jahresbericht pro 1897. Zur Belebung des Eifers bei der Anbetung des heiligsten Altarssacramentes wurde an die Vereinsmitglieder nachstehende Belehrung iiljer die Nothwendigkeit des Gebetes als jahres¬ bericht gerichtet: -I- 183 HH- Alleluja ! Lobet den Herrn ! »Omnis terra adoret te, et psallat tibi; psalmum dicat nomini tuo!« »Die ganze Erde bete Dich an und lobsinge Dir; lob- singe Deinem Namen!« 1 Der Weltapostel schreibt in seinem Briefe an Timotheus: »G o 11 w i 11, dass alle Menschen se!igwerden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.« a Damit aber alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen und selig werden konnen, ist es vor allem nothwendig, dass sie bete n, denn die allgemeine Gnade, die Gott dem Menschen gibt, ist die Gebets-Gnade; wenn der Mensch diese Gnade beniitzt und betet, so bekommt er dann alle iibrigen Gnaden, die zum Heile nothwendig sind. Derjenige, der betet, zeigt dadurch, dass er an Gott glaubt, auf ihn hofft und ihn liebt; er bekennt, dass Gott allmachtig, allwissend und hochst giitig ist, der unsere Bediirfnisse kennt, uns helfen kann und will, weil er uns liebt; er bekennt seine eigene Schwache und Armseligkeit, seine Abhangigkeit von Gott und sucht dort Hilfe, wo sie allein zu finden ist, bei Gott; darum betet er zu Gott, um dieselbe zu erlangen. Durch das Gebet erhalten wir alle nothwendigen Gnaden, um gottselig zu leben und im Guten bis ans Ende zu verharren; darum hat uns Jesus Christus das Gebet aus- driicklich befohlen und durch sein Beispiel beten gelehrt: »Bittet«, spricht er, »so wird euch g ege b en w er d en, suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan werden. Denn e in jeder, der bittet, empfangt; und wer sucht, der findet; und wer an- klopft, dem wird aufgethan werden«. 3 — »Alle Seligen im Himmel sind durch das Gebet selig geworden; alle Ver- dammten sind verloren gegangen, weil sie nicht gebetet haben«, lehrt der heilige Alphons M. von Liguori. Daraus kann man erkennen, wie nothwendig es ist, dass wir beten, dass wir gerne beten. Kein gutes Werk wird in der heiligen Schrift mehr empfohlen, keines ist von frommen und heiligen Menschen mehr getibt worden, keines ist auch in die- sem Leben nothwendiger, als das Gebet. Der heilige Chry- sostomus sagt hieriiber: »Wer solite nicht erstaunen iiber die grofie Giite Gottes zu uns, dass er uns wiirdigt, mit ihm zu reden und unsere Bitten ihm vorzutragen? Durch das Gebet treten wir in Gemeinschaft mit den Engeln und entziehen uns der Gesellschaft der unverniinftigen Thiere; denn das Gebet ist ein Geschaft der Engel« 4 und weiter sagt er: »Das Gebet ist gleichsam die Wurzel und die Grundlage der iibrigen Tu- genden. Wer oft mit tugendhaften und weisen Mannern umgeht, Ps. 65, 4. — ' l 1. Tim. 2, 4. — 3 Matth. 7, 8. — 4 1. B. vom Gebete. -t- 184 -> der eignet sich allmahlig ihre Tugend und Weisheit an; was wird also geschehen mit Jenem, der durchs Gebet haufig mit Gott verkehrt?« 1 Uber die Nothwendigkeit des Gebetes schreibt derselbe heilige Kirchenlehrer: »Wer nicht zu Gott betet und kein Stre- ben hat, haufig die Unterredung mit Gott zu geniefien, der ist todt, hat kein Leben und keinen Verstand in sich. Denn es ist ein sicheres Zeichen des Wahnsinnes, wenn Jemand nicht einsieht, wie grofi diese Ehre ist; wenn er keine Liebe zum Gebete hat, und nicht erkennt, dass die Seele ohne das Gebet dem Tode anheimfallt. Daniel wollte lieber sterben, als dreifiig Tage ohne Gebet zubringen. Man kann unmoglich ohne Gebet tugendhaft leben. Denn wie kbnntejener die Tugend iiben, der nicht bestandig sich Dem zu Fiifien wirft, welcher den Menschen alle Tugend verleiht? Wenn du vom Gebete ablassest, so handelst du ebenso, als wenn du den Fisch aus dem Wasser ziehst; denn was dem Fische das Wasser, das ist dir das Gebet«. Die heilige Theresia pflegte zu sagen: »Wenn es moglich ware, so wiirde ich auf einen hohen Berg steigen, dass mich alle Menschen der ganzen Welt sehen und horen konnten, und wiirde ihnen mit gewaltiger Stimme zurufen: Menschen, betet, betet, betet!« Was ist aber das Gebet? Die heiligen Vater erklaren das Gebet auf verschiedene Weise. Johannes Damascenus sagt: »Das Gebet ist ein Aufsteigen der Seele zu Gott, und eine Bitte zu Gott um das, was heilsam ist.« ! Der heilige Augustinus schreibt: »Es ist ein Aufsteigen der Seele vom Irdischen zum Flimmlischen, ein Aufsuchen des Hoheren, ein Verlangen nach dem Unsic.htbaren.« !l Der heilige Chrysostomus lehrt: »Es ist eine Unterredung mit Gott«. »Denn«, setzt der heilige Augu¬ stinus bei, »wenn du ein gutes Buch liesest, so spricht Gott zu dir; wenn du betest, so sprichst du zu Gott«/ Demgemafi ist das Gebet eine fromme Erhebung des Gemtithes zu Gott, um entweder die Gnade und die Kraft Gottes zu preisen, oder uns der hochsten und ewigen Majestat Gottes demiitbig zu untenverfen, oder mit Vertrauen zu begehren, was uns heilsam ist, oder fur die empfangenen Gnaden und Wohlthaten zu danken; es ist deshalb Anbetung, Flingabe, Aufopferung, An- rufung, Danksagung. Da aber Gott ein Geist ist, so sollen die, die ihn anbeten, im Geiste und in der Wahrheit anbeten. 5 Dieses geschieht beim frommen Gebete, denn im Gebete er- hebt sich die Seele mit allen ihren Kraften, mit Verstand und Willen, in Gedanken, Worten, Werken und Begierden zu Gott, ihrem Urheber: 1. um ihn zu loben und zu preisen; 2. um ih m 1 2. B. vom Gebete. — 2 De fide lib. 3. c. 24. — 3 Or. 230. de temp. — 4 hom 30. in Gen. — 6 Joli. 4, 24. — -s- 185 -S- zu danken; 3. um ihn um Wohlthaten und Gnaden, besonders aber um Verzeihung der Siinden zu bitten. Welche Kraft und Wirkung hat das Gebet? 1. Das Gebet reiniget die Seele von Siinden. — Das seben wir an dem Zollner, der durch das kurze Gebet: »Gott, sei mir Siinder gnadig! gerechtfertigt in sein Haus gieng.« 1 * Der heilige Chrysostomus spricht: »Wenn wir auch, ehe wir beten, mit Siinden bedeckt sind, so werden wir dennoch durchs Gebet bald gereinigt sein; der Aussatzige wurde rein, sobald er sich zu den Iuben Jesu niedervvarf«. 3 Denn das Gebet erleuchtet unsern Verstand, dass wir die Stin- den erkennen und bewegt unsern Willen, dass wir dieselben verabscheuen und bereuen und durch das Sacrament der Bube Verzeihung derselben erlangen. 2. Durch das Gebet tilgen wir die verdienten Strafen der Siinden. — Der Konig Manasses flehte zum Herrn mit Inbrunst, und Gott erhorte sein Gebet und fiihrte ihn wieder zuriick nach Jerusalem in sein Reich. So spricht auch der heilige Augustinus: »Die kleineren taglichen Siinden, ohne welche dieses Leben nicht zugebracht wircl, biibt das tagliche Gebet der Glaubigen«. 3. Durch das Gebet werden die sichtbaren und unsichtbaren Feinde des Leibes und der Seele be- siegt. — Der heilige Augustinus sagt: »Moses betete auf dem Berge, und Josua besiegte die Amalekiten; durch das Gebet wurde Jeremias im Kerker gestarkt; durchs Gebet blieb Daniel unversehrt unter denLowen; durchs Gebet wurde Job getrostet auf dem Aschenhaufen; durchs Gebet wurde Susana vor den beiden Alten geschiitzt; durchs Gebet erlangte der Schacher am Kreuze das Paradies.« 3 Ferner sagt derselbe Heilige: »Die Kinder Gottes treiben durch wahre Frommigkeit die feindliche Gewalt in der Beschworung aus, und besiegen durchs Gebet alle Versuchungen«. 4 Darum ermahnt uns Jesus Christus: »Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung f a 11 e t.« 5 4. Durch das Gebet erlangen wir Al le s, dessen wir fiir Leib und Seele bediirfen. — Der heilige Augu¬ stinus schreibt: »Durchs Gebet wird Ezechias geheilt und er- langt die Gesundheit der Seele und des Leibes;« 3 ja es werden ihm, wie der heilige Hieronymus bemerkt, »nach dem Gebete unter Thranen noch 15 Lebensjahre, um welche er nicht ge- beten hatte, zugesetzt, und zudem fiir seine Lebenszeit Ruhe im Lande verheiben«. —- »Elias betete und der Himmel gab Regen, und das Land seine Frucbt«. 7 Dieses Versprechen, dass 1 Luc. 18, 13. — 2 B. 1. — 3 Serm. 22 ad frat. - 4 10 de civ. c. 22. — r ’ Matth. 26, 41. — 6 Serm. 2. ad frat. — 7 Jac. 5, 17. wir durch das Gebet in unseren Nothen Hilfe hoffen diirfen, gab uns Jesus selbst, indem er spricht: »Walirlich, wahr- lich sag’ ich euch, wenn ihr den Vater in m e in e m Namen um etwas bitten werdet, so wird er euch g e- ben«.’ Und beim Psalmisten spricht Gott: »Ruf zu mir a m T a g e der Trubsal, s o w i 11 ich d i c h erretten, und d u solist m ich preisen«. a »Fehlet e s aber jemandem aus euch anWeisheit, der erbitte sich von Gott, we 1- cher allen reichlich gibt, und es n i c h t vorriickt; und sie wird ihm gegeben werden.d 5. Das Gebet durchdringt den Himmel. — »Das Gebet dessen, der sich verdemiithigt, durchdringt die Wolken, und steigt nicht herab, bi s der Aller- hochste es erhbrt«, sagt die hi. Schrift. 4 »Das Gebet«, schreibt Ludwig Blosius, »vertreibt die Traurigkeit, lindert das Elend, bringt Frieden, vereinigt den Menschen mit Gott und erhebt den mit Gott Vereinigten zur ewigen Glorie». s Eine besonders wichtige Frucht des Gebetes ist die Gnade der Be- harrlichkeit im Guten bis ans Flnde. »Das Gebet des PVommen ist ein wahrer HimmelsschlusseD, spricht del hi. Augustinus. »Das Gebet steigt hinauf, die Erhorung steigt herab. — Ob- wohl die Blrde tief und der Himmel hoch ist, so hort Gott doch die Stbnme dessen, der ein reines Herz hat«.' ; Damit aber das Gebet diese Wirkungen hervorbringe, muss es mit lebendigem und festem Glauben, auf rechte Weise und im Namen Jesu verrichtet werden; das heifit: wir miissen um das bitten, was zur Plhre Gottes und zu unseretn Heile gereicht; wir miissen andachtig, demiithig, vertrauensvoll, gott- ergeben und beharrlich beten. Aus dieser Erklarung konnen die Vereinsmitglieder einer- seits die hohe Wichtigkeit des Gebetes, anderseits aber die Nothwendigkeit desselben erkennen, um mit desto grofierer Freude, Liebe und Treue ihre Anbetungsstunden zu halten und so der zahlreichen Friichte des Gebetes theilhaftig zu werden. Der heilige Augustinus lehrt: »Wer recht zu beten weift, der weifi auch recht zu leben*. 7 Wenn die Vereinsmitglieder diese machtigste Waffe eifrig gebrauchen, so ist ihr zeitliches und ewiges Heil geborgen ; sie werden allen Versuchungen der gelehrten und ungelehrten Ungliiubigen leicht widerstehen, den heiligen katholischen Glauben, ohne den es keine Seligkeit gibt, unversehrt bewahren, indem sie mit dem Psalmisten sprechen: »Narraverunt mihi initjui. fabulationes, sed non ut iex tua; omnia mandata tua veritas«, — »Die Gottlosen scbwatzen nur eitle 1 Joh. 16, 23. — 2 Psalm 59, 15. - 8 Jac. 1,5. - 4 Eccl. 35, 21. — 6 c. 4. — 6 Hom. 226. — 7 Hom. 49. -S- 187 -f- Dinge; aber sie sind nicht wie dein Gesetz; alle deine Gebote sind Wahrheit«. 1 »Deine Zeugnisse sind uberaus glaubwiirdig geworden; deinem Hause ziemet Heiligkeit, o Herr, auf ewige Zeiten«. 2 Darum wollen wir das Gebet fleifiig iiben, und damit wir recht beten und erhort werdeii, wollen wir zu Jesus hintreten und mit den Aposteln rufen: »Herr, lehre uns beten!« 3 Wir wollen aber auch befolgen die Mahnung des Weltapostels : »Darum ermahne ich euch vor allen Dingen, dass Bitten, Gebet e, Flirbitten, Danksagungen geschehen f ti r alle M en s c h en, f ti r Konige und ftir alle Obrig- keiten, damit wir ein ruhiges und stilles Leben fiihren mogen in aller Gottseligkeit undEhrbarkeit. Denn dieses ist gut und wohlgefallig vor Gott un- serem Heiland, welcher will, dass alle M en s c h en selig werden und z ur Erkenntnis der W a h r h e i t gelangen». (I. Tim. 2, 1.) Dieser Aufforderung des Weltapostels wollen die Mit- glieder des Anbetungs-Vereines besonders in diesem Jabre nachkommen, da wir ein doppeltes Jubilaum begehen: Das diamantene Priester- und das 20jahrige Papstjubilaum des sichtbaren Stellvertreters Jesu Christi auf Er den, unseres glorreich regierenden heiligen Vaters Leos XIII., und das ŠOjahrige Regierungs-Jubilaum unseres allgeliebten Landes- vaters, des durchlauchtigsten Kaisers und Konigs Franz Josef I. Darum wollen wir besonders in diesem Jahre den heil. Vater und unseren Landesvater in unsere andachtigen Vereins- gebete einschliefien und mit der Kirche rufen: j. Lasset uns beten ftir unseren obersten Hirten Leo XIII. B- Der Herr bewahre ihn, erhalte ihn am Leben, mache ihn selig auf Erden und iibergebe ihn nicht in die Hande seiner Feinde. t. Lasset uns beten ftir unsern Kaiser Franz Josef I. B- Herr, mache selig unsern Kaiser und erhore uns am Tage, an dem wir dich anrufen. Wir wollen aber auch dankbar gedenken unseres Ober- hirten, des Hochwurdigsten Herrn Ftirstbischofes Michael, unseres Vereinsprotectors, sowie auch aller Gonner und Wohl- thater, welche wie immer bestrebt sind, die Vereinszwecke zu fordern, wir wollen zum gottlichen Heilande in allerheiligsten Altarssacramente flehen: Hf. Lasset uns beten ftir unsern Bischof Michael. B. Herr, erhalte ihn und beschiitze ihn vor allem Bosen. Hf. Lasset uns beten ftir unsere Wohlthater. 1 Ps. 118, 85. — 2 Ps. 92, 5. — 8 Luc. 11,1. -f- 188 -S- t}. O Herr! Du wollest allen unseren Wohlthatern um Deines Namens willen das ewige Leben geben. Schliefilich werden die Vereins-Mitglieder eingeladen, wahrend des Jubeljahres auf obige Meinung eine Anbetungs- stunde entweder gemeinschaftlich oder fiir sich allein zu halten. In Marburg wird diese Anbetungsstunde am Weifien Sonntage um 4 Uhr nachmittags in der Dom und Stadtpfarrkirche und in der St. Aloisikirche abgehalten werden. Gelobt sei Jesus Christus! — In Ewigkeit. Amen. Die Vereinsvorstehung befindet sich in der angenehmen Lage die Mittheilung zu machen, dass der Anbetungs-Verein in diesem Jahre aber- rnals namhafte Fortschritte gemacht habe. Die Mitgliederzahl ist von 13.760 auf 16.675 gestiegen und es flofien von allen Pfarren reichliche milde Gaben ein, welche zur Anfertigung der Kirchenparamente und anderer Kirchen-Utensilien verwendet wurden. Einige Pfarren haben grbfiere Bei- trage gespendet mit dem Ersuchen, dass sie mit wertvolleren Kirchensachen bedacht werden mbchten; diesem VVunsche wurde gerne entsprochen. Die Hochgeborne Frau Grafin Maria Nugent hat dem Vereine abermals in diesem Jahre gespendet: 1 weifie Casula, 1 Alba, 1 Feststola, Spitzen zum Communiontuch, und mehrere edle Damen und’Fraulein in Marburg und auch auswiirts haben fiir den Verein unentgeltlich gearbeitet; wofiir allen hiemit der verbindlichste Dank ausgesprochen wird, mit der freundlichsten Bitte, dieselben mSchten auch ferncrhin diesen schonen Verein unterstiitzen, damit derselbe seiner Aufgabe mit desto grbfierem Erfolge nachkommen konne. An milden Gaben hat der Verein in diesem Jahre erhalten die nam¬ hafte Summe per 3055 fl. 25 kr., wobei auch die besonderen grbfieren Beitrage eingerechnet sind. Mit dieser Unterstiitzung hat das hochverehrte Damen-Comite mit Beihilfe der ehrwiirdigen Schulschwestern nachstehende Kirchenparamente verfertiget, als: 3 Vespermantel, 24 Messkleider, 7 Vela, 3 Stola fiir Feiertage, 6 Beichtstola, 3 weifi-violette Stola, 3 Ciboriumman- telchen, 6 Versehmantelchen mit Bursa, 2 Messbucher, 1 Requiem-Messbuch, 21 Chorrocke ftir Priester, 24 Alben, 17 ChorrOcke fiir Ministranten, 70 Hu- meralien, 148 Purificatorien, 58 Lavabotiicher, 48 Corporalien und Palen, 12 Cingula, 18 rothe und 2 schvvarze Ministranten Ročke, 6 violette Mini- stranten-Kragen, 7 Altarpulte, 6 Pultdecken, 1 Altarantipendium, 1 Com¬ muniontuch, 1 Altarteppich, 2 Rauchfafier, 1 Bahrtuch, 4 Altarkissen. Schliefilich folgt die Mittheilung, dass in der St. Cyrillus-Buch- druckerei soeben ein neues Vereins-Biichlein, in welchem auch die Andachten fiir die Anbetungsstunde enthalten sind, erschienen ist. Dasselbe kann in der F.-B. Kanzlei um den Betrag von 10 kr. bezogen werden. Desgleichen ist ein solches in slovenischer Sprache zu haben mit dem Titel: Družba vednega češčenja. Osmi natis, v Mariboru, 1896. Bei der am 17. April 1898 im F.-B, Priesterhause abge- haltenen Kirchenparamenten-Ausstellung, welche zu Ehren der doppelten Jubelfeier: des diamantenen Priester- und 20jahrigen Pontificats-Jubilaums Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII., und des goldenen Regierungs-Jubilaums Seiner kaiserl. und konigl. Apostolischen Majestat Franz Joseph I. veranstaltet wurde, ge- ruhten Seine Fiirstbischoflichen Gnaden der Hochwurdigste Herr Fiirstbischof Dr. Michael Napotnik an die zahlreich an- wesenden Festtheilnehmer nachstehende Ansprache zu richten. -I- 189 -S- § 64. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwtirdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, aus Anlass der secbzehnten Kirchenparamenten-Ausstellung im F.-B. Priester- Seminare zu Marburg, am Weifien Sonntage den 17. April 1898. Hochverehrte Anwesende! Bereits das achtemal bietet sich mir der willkommene Anlass, die Kirchenparamenten-Ausstellung, und zwar diesmal die sechzehnte, feierlich zu eroftnen und damit auch die Gene- ralversammlung des hierortigen Kirchenvereines zur bestandigen Anbetung des anbetungswtirdigen Altarssacramentes und zur wiirdigen Ausstattung armer Kirchen in der Diocese Lavant festlich abzuhalten. Die diesjahrige Generalversammlung und Paramenten- Ausstellung des wunderschonen Vereines sind und bleiben ganz besonders denkwiirdig, wei.l sie veranstaltet sein wollen zur freudigen und dankbaren Erinnerung an das diamantene Priester- und zwanzigjahrige Pontificats-jubilaum unseres Hei- ligen Vaters Papstes Leo XIII. und an das goldene oder funfzig- jahrige Regierungs-Jubilaum unseres lieben und theuren Kaisers Franz Joseph des Ersten. Ich habe schon gleich zu Beginne des laufenden Jahres den lebhaften Wunsch geaufiert, esmogen alleVereine Marburgs und der Diocese diese beiden seltenen Jubilaen recht festlich begehen. Es ist ja nothwendig, zumal in unseren Tagen, wo man gegen die Autoritat und Ordnung lossttirmt, dass wir unseren beiden von Gott gesetzten Monarchen, unseren beiden fiirsorglichen Vatern, dem Heiligen Vater und dem Landes- vater, unsere unerschutterliche Treue und Ergebenheit, unsere unwandelbare Liebe und unseren unentwegten Gehorsam offen vor aller Augen, im Angesichte der Sonne bezeugen und be- kunden. So hat denn unser ruhriger Anbetungs- und Kirchen- ausstattungs-Verein iiberaus wohl gethan, dass er seine dies¬ jahrige Paramenten-Ausstellung zu Ehren des Papst- und Kaiser-Jubilaums veranstaltete, dass er sie diesem denkwiirdigen Doppelfeste weihte und widmete. Die gegenwa.rtige Ausstellung ist dieses hehren Festes auch vollkommen wiirdig. Sie ist ge- wiss die kostbarste und glanzendste von allen bisherigen. Die Belege hiefiir sind uns allen Anwesenden sichtbar und greifbar. Diese reichhaltige Kirchenparamenten-Ausstellung und diese zahlreich besuchte Generalversammlung ehren auf ganz wtir- digeWeise die beiden hohen und erhabenen Jubilanten. Zudem -I- 190 -i- werden clie Vereinsmitglieder heute um 4 Uhr nachmittags in der Kathedrale und in der Sanct Aloisius Kirche eine Betstunde fur Papst und Kaiser abhalten. Und furwahr, die Mitglieder des Anbetuhgsvereines baben alle Ursache fur den glorreich regierenden Papst Leo XIII. zu beten und sich ihm dankbar zu erweisen, da Seine Heilig- keit ein machtiger Beforderer, ein ganz aufierordentlicher Gonner, Freund und Liebhaber der Anbetungsvereine ist. Sie haben aber auch allen Grund, fiir Seine Majestat, unseren ruhmreich regierenden Kaiser zu beten, da Allerhochstderselbe wie das gesammte Herrscherhaus Habsburg ein inniger Ver- ehrer des hochheiligen, gottlichen Altarssacramentes ist. Sehr verehrte Anwesende! Gar oft bat der Heilige Vater Papst Leo XIII. sich iiber den kirchlichen Anbetungs- und Paramenten - Verein lobend ausgesprochen. Am 2. Mai des Jahres 1878 richtete er ein rtihrendes Breve an die Erzbruderschaft der ewigen Anbetung und zur Unterstiitzung armer Kirchen, die zu Rom in der Via Nomentana ihre prachtvolle Kirche und ihr reizendes Kloster besitzt, und der auch unser Verein am 1. Janner 1882 ange- gliedert wurde. Im Mai des Jahres 1897 besuchte ich personlich in Rom. die Congregation von der ewigen Anbetung. In der wunder- lieblichen Kirche betete ich vor dem Tag und Nacht ausge- setzten hoch\vtirdigsten Gute fiir das gute Gedeihen unseres Diocesan - Anbetungsvereines. Die ehrwtirdige Stellvertreterin der vom Hause gerade abwesenden Frau Superiorin erzahlte mir mit Begeisterung von der grofien Aufebreitung dieses Ver- eines der Vereine in allen Landen der katholischen Welt, wobei sie mit vieler Freude bemerkte, dass ja auch der Marburger Paramenten-Verein von hier aus das Aggregations-Diplom er- halten hat. In dem obbelobten apostolischen Breve heifit es unter anderem: »Unter den zahlreichen und wahrbaft edlen Werken der Religion und Frdmmigkeit, welche laut die Liebe und Hin- gebung an die heilige Kirche und an das Wohl des aposto¬ lischen Stuhles bezeugen, ist sicher die fromme, bliihende Genossenschaft anzuerkennen, deren Zweck darin besteht, die Verehrung und den Cultus des allerheiligsten Altarssacramentes immer mehr auszubreiten und zu fordern, sei es durch die fromme Ubung der ewigen Anbetung, sei es durch Beschaffung des nothwendigen Schmuckes fiir arme Kirchen . . . In Anbetung vor der gottlichen Eucharistie kniend, in Gottes Gegenwart Tag und Nacht eure Bitten ihm opfernd, siihnt ihr, soweit es von euch abhangt, alle diesem Sacramente der Liebe zugefugten Beleidigungen, wahrend anderseits euer -s- 191 -t- Fleifi und eure Arbeit die Kirchen mit geweihtem Schmucke versehen, die Austibung des heiligen Amtes erleichtern und ihr, am Heile eurer Briider arbeitend, zur Ausbreitung des Evangeliums beitraget und den Glanz des Cultus heben helfet. Auf diese Weise habt ihr hervorragenden Antheil an den reichen Friichten, welche Dank eurer grofimuthigen Mithilfe gesammelt werden, und euer Verdienst vor Gott wird nicht gering sein. Harret also treu und eifrig aus im angefangenen Werke, wie in eurem Vorsatze und Gott befestige euren Glau- ben, entflamme eure Liebe und uberschiitte euch so mit seinen Gnaden, dass ihr dereinst eine grofie, herrliche Vergeltung finden werdet.« Am 1. Februar des Jahres 1879 erliefi Seine Heiligkeit ein Decret, durch welches der Sitz der von der frommen Madame Anna von Meeus gegriindeten Erzbruderschaft von Belgien nach Rom verlegt wurde; und am 21. Juni 1881 ein apostolisches Breve, welches diese Ubertragung bestatigte und das Recht ertheilte, die anderen Genossenschaften zu aggre- gieren und Diplome hiefiir durch den Cardinal - Protector unterzeichnen zu lassen. Da es mir an Zeit gebricht, um noch andere zu Gunsten des Anbetungsvereines vom Papste Leo XIII. getrolfenen An- ordnungen zu besprechen, will ich die verehrten A.nwesenden noch erinnern an die Abhaltung der sogenannten eucharisti- schen Congresse, welche Seine Ideiligkeit mit allen Kraften unterstutzt, was sein herrliches Schreiben Providentissimus Deus vom 28. November 1897 hinreichend erweist, worin er sich iiber die eucharistischen Vereine und Congresse also aus- spricht: »Wir glauben, dass die hochste Gnade, die Uns vor Gott gewahrt worden ist, in den Fortschritten besteht, welche die Andacht zum Sacramente der Eucharistie bei den glaubigen Volkern gemacht hat, infolge der haufigen Congresse, welche zu diesem Zwecke in der letzten Zeit abgehalten wurden. Wie Wir bei anderen Gelegenheiten erklart haben, gibt es kein wirksameres Mittel, um die Katholiken zum lebendigen Be- kenntnisse ihres Glaubens, zur Bethatigung der den Christen geziemenden Tugenden anzueifern, als dasjenige, welches darin besteht, die Frommigkeit des Volkes gegeniiber diesem wunder- baren Unterpfande der Liebe, welche das Band des Friedens und der Einheit ist, zu nahren und zu vermehren.« Zugleich hat Seine Heiligkeit mit diesem Schreiben den heiligen Paschalis Baylon als besonderen Patron der eucha¬ ristischen Congresse und aller jener Vereine, welche die gottliche Eucharistie zum Gegenstande haben, sowohl derjenigen, welche bis zum heutigen Tage gegriindet worden sind, als auch der¬ jenigen, die in Zukunft gegriindet \verden, auserwiihlt, erklart und bestimmt. Gewiss ist es von besonderer Bedeutung, dass -f- 192 gerade dieser Heilige, dessen Fest alljahrlich am 17. Mai ge- feiert wird, ein armer Franciscaner-Laienbruder zum liimm- lischen Patron aller eucharistischen Vereine erkoren und erhoben worden ist. Warum hat Papst Leo XIII. nicht z. B. den Heldenjting- ling, den hi. Tharcisius, der gewtirdigt ward, ftir den hi. Frohn- leichnam sein Leben dahinzuopfern, hieftir auserwahlt? Warum hat er nicht einen der gefeierten Kirchenlehrer, weche die Glaubenslehre vom allerheiligsten Sacramente mit bewunde- rungswtirdigem Scharfsinne beleuchteten und verfochten, dazu erwahlt? Oder warum hat er nicht Mannern von hoher Abkunft, wie dem bohmischen Herzoge Sanct Wenceslaus oder dem hi. Ludwig, dem grofien Konige von Frankreich, diesen zwei gliihenden Verehrern der heiligen Eucharistie, diese Ehre zu- erkannt ? Leo XIII. wollte durch diese Wahl besonders die Armen und die Arbeiter einladen, wie Sanct Paschalis Trost und Zu- friedenheit, Labung und Lohn in der sclrvveren Arbeit sich vom Altare zu holen. Dem hi. Paschalis aber wollte er gleichsam das Amt iibergeben, seinen Genossen in dem harten Los der Armut und der schweren Arbeit ein Wegweiser zum Tische des Herrn und zum Opfer auf dem Altare zu sein. Wie der gottliche Heiland selbst beim letzten Abendmahle zuerst armen Fischern und Arbeitern das Brot des Lebens gezeigt, gebrochen und geschenkt, ahnlich hat sein sichtbarer Stellvertreter auf Erden zuerst an den armen, dienenden Stand gedacht, als er den eucharistischen Vereinen einen Beschiitzer und ein leuch- tendes Vorbild gab. Paschalis Baylon (geboren 1540 in Aragonien und ge- storben 1592) war ein Laienbruder aus dem Orden des hi. Franciscus, also ein Armer, der seine Zeit mit Gebet und Handwerk zubrachte. Schon als Hirtenknabe war er nie mtifiig. Sein reicher Gebieter fand Wohlgefallen an seinein Eifer und an seiner Frommigkeit, und wollte ihn von der Herde zu sich in die Stadt nehmen und ihn zum eigenen Sohn, da er selbst kinderlos und vermoglich war, adoptieren. Allein Paschal wollte lieber armer Schafer bleiben. Im dienenden Stande glaubte er Jesu auf dem Altare ahnlicher zu sein und im vertrauten Um- gange mit ihm fand er reichlichen Ersatz ftir das behagliche Leben, auf das er verzichtet hatte. Spater als Laienbruder suchte er in jedem Kloster nur die verachtlichsten und beschwerlichsten Arbeiten. Seine Nah- rung bestand in Brot und Wasser und Krautern. »Arm sein hat etvvas siifies«, pflegte er zu sagen. Wahr ist es, dass es unter den Millionen von Heiligen noch keinen gegeben hat, der im Reich sein eine Siifiigkeit gefunden hatte. Der Gedanke, dass Jesus Christus, sein reicher Herr und Meister, der in -1- 193 H§- seiner Nahe im Tabernakel wohnte, fiir ihn Arbeit und Armut auf sicb genommen habe und in der heiligen Communion sein demiithiger Diener sei, machte ihm jedes Opfer leicht und siifi. Zur heiligen Communion gieng er mit ruhiger und be- scheidener Miene ohne Verdrehung der Augen oder heftiger Seufzer; man las in seinem Gesichte die innigste Freude liber den hohen Besuch des eucharistischen Heilandes. Am Tage, an dem. er zum Tische des Herrn trat, war er ganz in Be- trachtung versunken und rief oft, von seligen Geflihlen ganz liberwaltigt, aus: O mein Gott und Herr, wer bin doc h ich, dass d u meiner gedenkest und m i c h so be- gltickest! O mein Heiland, ich opfere dir auf meine ar m e Seele und mein laues Herz! So konnten denn die eucharistischen Vereine keinem besseren Schutze anvertraut werden. Und »es moge das Beispiel und der Schutz dieses Heiligen zur Frucbt haben die Vermehrung der Zahl derjenigen, welche im christlichen Volke jeden Tag ihren Eifer, ihre Mei- nungen, ihre Liebe Christus dem Erloser, dem erhabensten und erleuchtesten Quell alles Heiles darbringen«. Mitdiesem vertrauensvollenWunsche schliefit PapstLeoXIII. sein obgeriihmtes Schreiben liber die eucharistischen Congresse und Vereine, wofiir ihm jedes Mitglied unseres Anbetungsver- eines danken und fiir sein Wohl und Heil beten soli vor dem Tabernakel, der die gottliche Eucharistie birgt. Sehr verehrte Anwesende! Wohl wiirdig, gerecht und billig ist es, dass die dies- jahrige Paramentenausstellung unseres eucharistischen Vereines auch der freudig-frommen Erinnerung an das goldene Kaiser- jubilaum gilt. Ist ja doch Seine Majestat unser allergnadigster Kaiser und Herr, treu den eucharistischen Traditionen des er- lauchten Hauses Habsburg, ein eifriger Verehrer des eucha¬ ristischen Gottkonigs Jesus Christus. Als vor mehr denn sechshundert Jahren die unheilvollen Tage, des Interregnums (1254—1273), der kaiserlosen, der schrecklichenZeit liber das heilige romische Reich herein- gebrochen waren, und als Angst und Verv/irrung auch die Muthigsten erfasst hatte, da in der auftersten Noth und Be- drangnis wandten sich die Menschen im Gebete an den, der allein zu helfen vermag, an Jesus Christus, der im allerheilig- sten Altarssacramente lebt, regiert und herrscht. Gott, der sich gewohnlich schwacher Werkzeuge bedient, um seine Absichten zu erreichen und seine Plane zu verwirklichen, offenbarte in der Mitte des dreizehnten Jahrhundertes einer armen Kloster- frau zu Liittich, der seligen Juliana, dass zur Verherrlichung des heiligsten Altarssacramentes ein eigenes Fest gefeiert wer- den solite. Infolge dessen wurde das Frohnleichnamsfest im 13 -g- 194 -g- Jahre 1246 im Bisthume Liittich eingefiihrt. Papst Urban IV. (1261 —1264) gestattete und verordnete imjahre 1264, dass das allerheil. Sacrament am ersten Donnerstage nach der Pfingst- octav uberall in der christkatholischen Welt offentlich und feier- lich in grofiartigen Processionen umgetragen werde und so in grofiartigen Glaubenskundgebungen die Huldigung aller christ- lichen Volker empfange. Gleich sanftem Fruhlingshauch durch- zog dies erste Wehen eucharistischer Bewegung die kalte, diistere Welt, Heil verkundend und Frieden bringend. Es war da eine giitige Fiigung der gottliehen Vorsehung, dass gerade Rudolf von Habsburg, dieser glaubensstarke, be- geisterte Verehrer der heiligsten Eucharistie zum romisch- deutschen Kaiser (1273 — 1291) erwahlt und damit der Anfang besserer, gliicklicher Zeiten herbeigefiihrt wurde. Wer aus euch, liebwerte Versammelte, kennt nicht die liebliche Geschichte dieses grofien Kaisers, des Stifters unserer erlauchten Habs- burger Dynastie? Und doch kann dieser edle, hohe Zug des mafiigen, gerechten, tapferen, wie innig frommen Fursten nicht oft genug erzahlt und beschrieben werden. Als einst Graf Rudolf von Habsburg in den weit aus- gedehnten Forsten seines Gutes sich mit Jagen vergniigte, horte er den Klang eines Glockleins und demselben folgend, traf er einen Priester, der den heiligsten Leib des Herrn als letzte Wegzehrung in die ferngelegene Hiitte eines sterbenden Mannes trug. Eiligst stieg der glaubensstarke Graf vom Pferde, kniete andachtig hin auf den Erdboden und entblofite demiithig das Haupt, sich tief zur Erde neigend. Als er aber bemerkte, wie der Priester sich anschickte, die Schuhe von seinen Fiilien zu losen, um das vorbeitliefiende, vom Regen hoch geschwellte Bachlein zu durchwaten, hob er ihn, schnell entschlossen, auf sein prachtiges Ross und reichte ihm die Ziigel, auf dass er eile und seine Pflicht nicht versaume. Im Tymp£inon des Hauptportales der Herz-Jesu-Anbetungs- Kirche, welche die mit allerhochster kaiserlicher Entschliefiung vom 28. Juni 1896 sich in Božen niedergelassenen Eucharistiner zu Seiner Majestat Regierungsjubilaum erbaut haben, stelit ein Relief von Kiinstlerhand die Scene dar, wie Rudolf von Habs¬ burg einem das Allerheiligste tragenden Priester Liebesdienste erwies. Bekanntlich hat Johann Christoph Friedrich Schiller diese rlihrende Begebenheit in einer seiner schonsten Balladen »Der Graf von Habsburg« meisterhaft besungen. Aufs Waidwerk hinaus ritt ein edler Fleld, Den fliichtigen Gemsbock zu jagen. Ihm folgte der Knapp mit dem Jagergeschoss, Und als er auf seinem stattlichen Ross In eine Au kommt geritten, -§- 195 Ein Glocklein hort er erklingen fern, Ein Priester war’s mit dem Leib des Herrn; Voran kam der Mefiner geschritten. Und der Graf zur Erde sich neiget hin, Das Haupt mit Demuth entblofiet, Zu verehren mit glaubigem Christensinn, Was alle Menschen erloset. Ein Bachlein aber rauschte durchs Feld, Von des Giefibachs reifienden Fluten geschwellt, Das hemmte der Wanderer Tritte; Und beiseit legt jen er das Sacrament, Von den Fiiften zieht er die Schuhe behend, Damit er das Bachlein durchschritte. Was schatfst du? redet der Graf ihn an, Der ihn verwundert betrachtet, — Herr, ich walle zu einem sterbenden Mann, Der nach der Himmelskost schmachtet! Und da ich mich nahe des Baches Steg, Da hat ihn der stromende Giefibach hinweg Im Strudel der Wellen gerissen. Drum, dass dem Lechzenden werde sein Heil, So will ich das Wasserlein jetz in Eil Durchwaten mit nackenden Fiifien. Da setzt ihn der Graf auf sein ritterlich Pferd Und reicht ihm die prachtigen Zaume, Dass er labe den Kranken, der sein begehrt, Und die heilige Pflicht nicht versaume. Als der Priester nach vollbrachter heiliger Handlung dem Grafen dankend das schmucke Pferd zuriickstellen wollte, er- widerte dieser voli demuthsvollen Glaubens: Fern sei es von mir, dass ich ftirder das Ross besteige, das meinen Herrn und Schopfer getragen, behaltet es zum Dienste der Kirche. Ge- riihrt von solcher Demuth und Ehrfurcht des reichen und an- gesehenen Grafen, nahm der Priester das Pferd und wiinschte dem grohherzigen Geber, Gott der Herr, dem er im allerheilig- sten Sacramente solchen Dienst erwiesen, moge ihn zu hochsten Ehren bringen hiiben und driiben. Nicht wolle das Gott, rief mit Demuthsinn Der Graf, dass zum Streiten und Jagen Das Ross ich beschritte fiirderhin, Das meinen Schopfer getragen! 13 ’ 196 -š- Und magst du’s nicht haben zu eignem Gewinnst, So bleibt es gewidmet dem gottlichen Dienst! Denn ich hab’ es dem ja gegeben, Von dem ich Ehre und irdisches Gut Zu Lehen trage und Leib und Blut Und Seele und Athem und Leben. So moge auch Gott, der allmachtige Hort, Der das Flehen der Schwachen erhoret, Zu Ehren Euch bringen hier und dort, So wie Ihr jetzt ihn geehret. Es wird erzahlt, dass Rudolf auf dem Hpimwege in ein armes Klosterlein einkehrte, in welchem eine gottbegnadigte Seh- eherin lebte, deren Gebete er sich und die Seinen empfehlen wollte. Wie erstaunte er, als diese bei seinem Eintreten vom prophetischen Geiste ergriffen zu ihm sprach: »Fiir die Er- furcht und Demuth, womit Ihr das allerheiligste Sacrament begleitet habt, wird der Herr Euch und Eure Nachkommen mit Ehren und Gliick iiberhaufen, und wisset, nach dem neunten Zeitabschnitte wird diese meine Vorhersagung erfiillt werden«. Und in der That, neun Jahre spater wurde der Gaugraf von Habsburg gegen alles Erwarten zum romisch-deutschen Kaiser erwahlt. Weil Rudolf sich zum Uiener des eucharistischen Gottkonigs erniedrigte, verlieh ihm dieser die Wurde eines Welt- inonarchen und machte ihn zum Stamm- und Ahnherrn einer lan- gen Reihe von Regenten, die mit Ruhm die Kaiserkrone getragen. Des grossen Kaisers erlauchte Nachkommen haben dies kostbare himmlische Kleinod: innige Liebe und Verehruhg des hochheiligen Altarssacramentes, als eiiren wahren Talisman, als Unterpfand des Gliickes fiir sich und ihre Unterthanen stets treu bewahrt und dafiir in guten wie in bosen Tagen Gottes reichsten Segen und machtigsten Schutz erfahren. Ich will euch, li.ebwerte Anwesende, zur Erhebung und Erbauung noch einige Ztige besonderer Liebe und Verehrung des aller- heiligsten Sacramentes aus unserer hohen Kaiserfamilie anfiihren. Allbekannt ist die Erzahlung, wie sich Kaiser Maximilian I. (1448—1519) als Jiingling auf der Jagd in den steilen Felsen der sogenannten Martinswand im Oberinnthale dermafien ver- stieg, dass er weder Ausweg noch Riickweg finden konnte. Das Gefolge fand ihn nach langerer Zeit in dieser Lage, konnte aber unmoglich zu ihm gelangen. Als Maximilian er- kannte, dass jede Hoffnung vergeblich sei, schrieb er, ganz ergeben in den Willen Gottes, auf ein Pergamentblattchen die Worte: »Holet mir einen Priester, dass er mir das allerheiligste Sacrament zeige und rnich auch segne, weil ich die heilige Weg- zehrung nicht empfangen kann», und warf das Blatt in die Tiefe. -I- 197 Alsbald erschien der Priester mit der Monstranze, voli einer zahllosen betenden und weinenden Volksmenge umgeben, und segnete Maximilian, der alle Krafte seiner Seele und seines Leibes sammelte und sich auf die Knie warf, um Jesum Christum anzubeten und dann im Angesichte seines gottlichen Herrn und Heilandes zu sterben. Aber siehe da, plotzlich steht ein Jiingling in der Landestracht neben ibm und sagt ibm, die Hand reichend: »Der Herr, den Ihr angerufen, lebt und regiert. Er schickt mich zu Eurer Rettung, folget mir!« Und sofort steigt Maximilian an der Hand seines Fiihrers die senkrechte Felswand hinab, unten von den Seinen mit Staunen und Be- wunderung begrufit. Der unbekannte Fiihrer war unerkannt verschwunden. Wohl war es der in der Monstranze thronende sacramentale Gott, der in der hochsten Gefahr einen Engel sandte, um seinen Verehrer und Anbeter sicher liber die Ab- griinde zu fiihren, dass sein Fub an keinen Stein stofie. Im kaiserlichen Schlosse Franzensburg bei Laxenburg wird die oberwahnte Monstranze noch aufbewahrt und wird den fremden Besuchern des ehemaligen Jagdschlosses gerne gezeigt. Ich sah das hochst einfache Kirchengerath zum ofteren. Ein grober Verehrer und Liebhaber des allerheiligsten Altarssacramentes war Kaiser Karl V. (1519—1556), der im Jahre 1530 in Wien das hohe Frohnleichnamsfest unter Ent- faltung grobten Glanzes und Pompes feierte. Bei der grofi- artigen Procession trug der Erzbischof von Mainz das hochste Gut, Konig Ferdinand, des Kaiseirs Bruder, und der Markgraf von Brandenburg trugen den Baldachin, nach welchem der Kaiser, gefolgt von allen Prinzen und hohen Herren, mit brennender Kerze in der Hand und versunken in tiefe Andacht einherschritt. Das glaubige Volk aber, von dieser ehrfurchts- vollen Unterordnung des machtigen Herrschers unter die Maj es tat des eucharistischen Gottkonigs tief geriihrt und hoch erbaut, folgte laut betend der Procession und jubelte nach derselben begeistert dem frommen Kaiser zu. Ubrigens bezeigte Kaiser Karl V. seine tiefe Verehrung und innige Liebe zum allerheiligsten Sacramente auch dadurch unverhohlen, dass er jedenTag der heiligen Messe mit riihrender Andacht beiwohnte. Als man ihm einst wahrend der heiligen Messe meldete, ein fremder Gesandter liebe ihn in einer auberst wichtigen und dringenden Angelegenheit um Audienz bitten, da antivortete Kaiser Karl: er sei jetzt selbst in Audienz bei seine m aller hochsten Herrn. Als dieser grobe Herrscher, in dessen Reiche die Sonne nicht untergieng, im Kloster San Just in Spanien auf dem Sterbebette lag, em- pfieng er mit unbeschreiblicher Andacht unter einem Strome von Thranen die heilige Wegzehrung, worauf er sprach: -I- 198 -§- Mein Herr Jesus, du wohnst nun in mir, gib, dass ich bald ewig wohne bei dir. Von herzinniger Andacht zum geheimnisvollen Altars- sacramente war durchdrungen Kaiser Ferdinand II. (1619 — 1637), der als Erzherzog im Jahre 1611 das Kapuziner-Kloster zur hi. Cacilia in Cilli erbaute und im Mausoleum zu Graz ruht. Als er eines Morgens auf der Jagd ein Glocklein klingen horte und vernahm, dass man die heilige Wegzehrung zu einem Sterbenden trage, ritt er sofort dem Priester entgegen, und als er diesen nahen sah, sprang er vom Pferde und erwartete am Wege kniend das Allerheiligste. Nachdem er den Segen empfangen hatte, begleitete er unter Gebet den Priester bis in die Wohnung des Kranken und kniete dort in einer Ecke des Kammerleins, wahrend der Priester seines heiligen Amtes waltete. Beim Verlassen der armlichen Hiitte sprach der Geistliche zum Kranken: »Freuet euch, fasset Muth! Zwei Konige sind heute in euer Haus gekommen: der Konig des Himmels, Jesus Christus, unser Herr, und Ferdinand, der Konig von Bohmen». Er sprach so, weil der glaubensmuthige und tugendkraftige Ftirst damals noch nicht Kaiser war; doch bald nachher wurde er zu dieser Wiirde erhoben, woriiber šelbst die Wahlfursten staunten. Als Kaiser zeigte Ferdinand einen noch grofieren Eifer fiir die Erhaltung des heiligen katholischen Glaubens in seinen Landen und insbesondere fiir die Verehrung und Verherrlichung des allerheiligsten Altarssacramentes. In den vielen Triih- und Drangsalen, welche diesen glaubensinnigen Fursten nieder- driickten, bei den groben Unruhen und Revolten in seinen Konigreichen und Landern, in allen Ndthen und Gefahren nahm der edle Monarch immer seine Zuflucht zum allerheiligsten Sacramente. Er lieft offentliche Andachten vor demselben abhalten, um Schutz und Hilfe von Himmel zu erflehen. Er kam selbst, umgeben von seinem Hofstaate, zur offentlichen Aussetzung und Anbetung des hochwiirdigsten Gutes und kniete oft stundenlang vor seinem Gott und Herrn in der consecrierten Hostie. Kaiser Ferdinand III. (1637—1657), der im Jahre 1647 Osterreich unter Mariens Schutz gestellt, wovon die schčine Marien-Saule »am Hof» zu Wien Zeuge ist, erwahlte das allerheiligste Sacrament zum Beschiitzer seiner Heere. Bei der Belagerung von Regensburg durch die Schweden liefi er die Frohnleichnams-Procession mitten im Lager unter den Klangen der Kriegsmusik und dem Donner der Kanonen abhalten. Ein zweiter Josua, wollte Kaiser Ferdinand unter Fiihrung der Bundeslade mit dem himmlischen Manna und dem gottlichen Gesetzgeber kampfen —• und der Herr derKriegesheere und der starke Helfer in derNoth verlieh seinen Waffen den Sieg. In vvenigen Tagen mussten die Schweden abziehen. 190 -* Die habsburgische Princessin Anna, Gemahlin Ludwig XIII. (1610 — 1643) von Frankreich, stiftete das erste Kloster der ewigen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes, als sie in sturmbewegten Zeiten fur ihren minderjahrigen Sohn Ludwig XIV. (1643 — 1715) das Scepter fuhrte. Ein klosterlich einge- richtetes Gebaude mit einer Kapelle ward der gottseligen Mechthildis vom allerheiligsten Sacramente eingeraumt, und am 12. Marž einen Donnerstag, der der Verehrung des Liebessacramentes geweiht ist, des Jahres 1654 begann mit erhebender Feierlichkeit die ewige Anbetung, welche die Konigin-Witwe selbst von ihrern Hofstaate umgeben und auf den Knien liegend vor dem Konige der Konige demuthsvoll eroffnete. Nach dieser dem ewigen Friedensftirsten dargebrachten Huldigung kehrten alsbald Ruhe und Friede wieder. Die fromme Griinderin der ersten Genossenschaft von geisthchen Jung- frauen, die Tag und Nacht hindurch das allerheiligste Altars- sacrament in Geiste der Siihne und Abbitte zum Ersatze fur alle gegen dasselbe begangenen Frevel, Unbilden, Lasterungen und Uneherbietigkeiten anbeten, starb sanft und sufi im Jahre 1666. Von der edlen glaubensinnigen Kaiserin Eleonora, Ge¬ mahlin Kaisers Leopold I. (1658—1705), wird erzahlt, dass sie immer wahrend aller heiligen Messen kniete. Einst stellte man ihr vor, sie solle sich doch nicht so sehr ermuden, und sich wenigstens theihveise hinsetzen, da entgegnete die hochsinnige Kaiserin: »Wie, niemand von meinen Hofleuten getraut sich in meiner Gegenwart zu sitzen, da ich doch nur eine arine Stinderin bin; und ich solite sitzen vor meinem Gott und Herrn?« Als diese gottliebende Fiirstin einst wahrend der heiligen Messe in dem Momente, da sie bei der heiligen Wandlung die heilige Hostie angebetet hatte, das Augenlicht verlor und man sie bernitleidete, dankte die hochedle Frau und^sprach: »Wie es geschehen, so ist es gut! Ich wtinsche mir das Augenlicht nicht zuruck. Mein letzter Blick ist auf das allerheiligste Sacrament gefallen; ich konnte in diesem sterb- lichen Leben wahrlich nichts Grolieres, noch Schoneres schauen.« Dies7erinnert mich an die Worte in der Kanonisations- bulle der seraphischen heiligen Theresia (1515—1582), die da lauten: »Da zur Erbauung eines hohen Gebaudes christlicher Tugenden nothwendig war, das Fundament des Glaubens zu legen, so befestigte ihn Theresia so standhaft und unerschtit- terlich, dass sie gemafi dem Worte des Herrn einem weisen Manne vergleichbar ist, der sein Haus auf Felsen gebaut, denn mit solcher Festigkeit glaubte und ehrte sie die heiligen Sacramente der Kirche und die tibrigen Glaubenslehren der katholischen Religion, dass sie, wie sie es selbst bezeugte, -§- 200 -i* von keiner Sache eine grofiere Gewissheit haben konnte. Von diesem Glaubenslicht erleuchtet, schaute sie de n Leib unseres Herrn Jesu Christi in dem a 11 e r- heiligsten Altarssacramente so deutlich mit den Augen des Geistes, dass sie behauptete, sie hatte gar keinen Gr und, das Gliick j en er zu beneiden, die mit leiblichen Augen den Herrn geschaut«. Von der vielgefeierten groben Kaiserin Maria Theresia (1740—1780) habe ich euch, verehrte Anwesende, schon im Jahre 1892 gelegentlich der feierlichen Erroffnung der Kirchen- paramenten-Ausstellung erzahlt, wie sie eine begeisterte Ver- ehrerin des anbetungswiirdigen weil gottlichen Altarssacramentes war, indem sie taglich der heiligen Messe und an Sonn- und Feiertagen dem ganzen offentlichen Gottesdienste beiwohnte; im haufigen Empfange des Himmelsbrotes Kraft und Starke suchte fiir alle ihre vielen und schweren Regentenpflichten, die sie mit Mannesmuth und bewunderungswiirdiger Einsicht erfiillte; indem sie ferner fiir die immerwahrende Anbetung des hochsten Gutes in den Kirchen Wiens und in der Mo- narchie sorgte, und mit eigener Hand allerlei kunstvolle Sticke- reien in Gold und Silber fiir den Dienst des Altares ausfiihrte und auch von den Frauen ihrer Umgebung ausfiihren liefi. Davon zeigen die vielen iiberaus kostbaren Messgewander in zahlreichen Kirchen der ganzen Monarchie; in unserer Dio* cese befindet sicli ein derartiges Messkleid in der Pfarrkirche zu Sanct Xaveri bei Oberburg. Der beriihmte, nun schon im Herrn selig ruhende Feld- marschall Erzherzog Albrecht liefi vor der blutigen Schlacht bei Custozza seine Armee mit dem Sanctissimum segnen, und nach der gowonnenen Schlacht kniete er mitten am Felde nieder und dankte tief zur Erde gebeugt fiir den glorreichen Sieg. Als Hofkaplan und Studiendirector in Wien celebrierte ich an einem Sonntage in der Sacristeikapelle der Augustiner- Kirche fiir Seine kaiserliche Hoheit die heilige Messe, wahrend welcher der Erzherzog ohne Unterlass kniete und mit grofiter Andacht die heilige Communion empfieng. Nach der heiligen Verrichtung sagte der verewigte Marschall (f 1895) zu mir: Ich danke ihnen herzlich, dass sie mir den Herrn dargereicht haben! Des verstorbenen Erzherzoges Albrecht nahe Verwandte, die osterreichische Erzherzogin Maria Christina, Gemahlin Konigs Alphons XII. von Spanien und nunmehrige Konigin-Regentin, ist gleichfalls durchdrungen vom Geiste der Habsburger, von der Liebe und Verehrung zur heiligen Eucharistie. Als die junge Konigin in den Strafien Madrids einem Versehgange l^e- gegnete, stieg sie unverziiglich aus ihrem Hofwagen und hiefi den versehenden Priester einsteigen, wahrend sie dann selbst 201 -t- zufub andachtig betend der verborgenen Majestat Gottes in der heiligen Hostie nachfolgte. Dieses schbne Beispiel befolgte Hoch und Niedrig, so dass diese Versehfahrt sich zu eninem wahren Triumphzuge des gottlichen Heilandes im Sacramente seiner mafilosen Liebe gestaltete, aber auch das glaubige Volk mit Liebe und Begeisterung fur das Konigshaus erftillte. So war das allerheiligste Sacrament immer ein starker Magnet, der die Herzen der Habsburger unwiderstehlich an sich zog, und an die Habsburger ihre Unterthanen. Dieser fromme Zug der Habsburger ist auch bei Seiner Majestat unserem allergnadigsten Kaiser und Landesvater Franz Josef dem Krsten anzutreffen. Bei den groben Mano vem, die 1885 in der Nžihe von Wien štattfanden, begab sich der Kaiser mit glanzendem Gefolge in das Lager. Da kam von der entgegen- gesetzten Seite ein Versehgang. Als beide Zuge sich begegneten, hielt der Kaiser sein Pferd an und erwies dem allerheiligsten Sacramente die militiirischen Ehrenbezeugungen, worauf der Priester Seiner Majestat und dessen Gefolge den heiligen Segen ertheilte, Von Jahr zu Jahr begleitet Seine Majestat mit brennen- der Kerze in der Hand, gefolgt von Erzherzogen, Ministern und anderen Wurdentragern, am Charfreitage das hochwiirdigste Gut in Procession aus der Hofburgkapelle in die Kammer- kapelle zum heiligen Grabe und am Charsamstage um 4 Uhr Nachmittag von da zuriick uber den Franzensplatz in die Hof¬ burgkapelle. Am Grundonnerstage empfangt Seine Majestat die heilige Communion, wie noch ofters unter dem Jahre. Anlasslich einer solchen Feier hatte man die Hofburgkapelle fur die Glaubigen abgesperrt. Seine Majestat befahl die Kirchen- thiir zu offnen mit dem Bemerken: Alle meine Unterthanen konnen ja dies sehen! Grofiartig ist alljahrlich die Frohn- leichnamsprocession in Wien, an der Seine Majestat stets theilnimmt mit allen Erzherzogen, Ministern und .seinem Hof- staate. Als ein belgischer Jesuitenpater vom Fenster des Augusti- naums die glanzvolle Procession betrachtete, rief er, iiberwaltigt vom kirchlichen und militarischen Geprange, laut aus: Fine so schone Procession kann man nur noch im Himmel sehen! So ist Seine Majestat unser allergnadigster Kaiser und Herr durchdrungen vom Geiste seiner glaubensvollen Ahnen, bewahrt treu die eucharistischen Traditionen des Hauses Habsburg, gibt vor aller Welt dem Allerhochsten die Ehre und seinen Volkern das schonste und edelste Beispiel. Recht hat also und Lob verdient dafirr der Marburger Anbetungs- und Kirchenausstattungs-Verein, dass er das Kaiser- jubeljahr besonders festlich feiert, dass die Mitglieder eifrig beten fur des Kaisers Heil und seiner Unterthanen Woblfahrt, -i- 202 -s- damit alle zur ewigen Anschauung der unermefilichen Majestat des dreieinigen Gottes im himmlischen Thronsaale gelangen. * * * Hochverehrte Anwesende! Ich eile nun zum Schlusse und mache nur noch einige Bemerkungen. Gottlob, der uns allen liebwerte Verein niachte im abgelaufenen Jahre unerwartet grofie Fortschritte. Die Mit- gliederzahl ist von 13.760 auf 16.675 gestiegen. Diese Verehrer des eucharistischen Heilandes sind in ihrem bestandigen Ge- bete vor den Tabernakeln die kraftigste und kampfgewandteste Heeresmacht gegen alle Widersacher der Diocese. Die milden Gaben erreichten die namhafte Summe von 3055 Gulden und 25 Kreuzern. Grofiere Beitrage leisteten unten anderem: Decanat Marburg L. D. U. 177-49 11.; Cilli 454-58A.; Gonobiz 426-18 fl.; Marburg R. D. U. 127-47 fl. und Sanct Marein 131-35 fl. Die bisherigen Opfergaben an Geld betragen 30.687 Gulden und 56 Kreuzer. Welch eine Liebesgabe, dargebracht dem lieben gottlichen Heilande im Tabernakel! Meine oberhirtliche Pflicht ist es nun, dem Vereine fur das gedeihliche Wirken zu danken und ihn zum weiteren erspriefilichen Wirken zu segnen. Vor allem schulde ich meinen bischoflichen Dank dem bestverdienten Herrn Vereins-Obmanne und den beiden unermiidet thatigen Herren Ausschiissen, wie nicht minder der hochsinnigen Frau Prasidentin und ihren beiden stets opfer- bereiten Assistentinnen, sowie auch den edlen Frauen und Fraulein, die um Gottes Lohn fur den Verein so fleifiig ge- arbeitet haben. Besonderes Lob verdienen die Damen: Grafin Apraxin, Grafin Ferraris, drei Baronessipen Teuchert, Baronesse Warnsberg, zwei Fraulein Fladung, Fraul. Julie Ulm, Fraulein Anna Eichler und Fraul. Maria Schmiderer, welche durch zwei Jahre hiedurch an dem schonen Teppiche fiir die Spitalska- pelle der barmherzigen Schwestern zu Marburg uberaus emsig ge- arbeitet haben. Ferner Frl. TheresiaPoschl, Frl. Schifko, Frl. Stark Lina, Frl. Wahlheger, Frl. Steger, Frl. Maria Schrottenbach, Frau Pernowschek, Frau Schneider mit ihren beiden Tochtern, Frl. Majciger, Frl. Maria Ruhri, Frl. Josefa Wenedikter, Frl. Maria und Antonia Stupca, Frau Josefa Slivca, Frau Muller- Naidegg in Božen, Frl. Hribar, Frl. Katharina Wressnig. Die hochgeborene Frau Maria Grafin Nugent spendete, wie alljahr- lich, so auch heuer eine Casula, eine Alba und eine Feststola. Weiters danke ich herzinnigst den ehrwiirdigen Schul- schwestern und den ehrwiirdigen Franciscanerinnen und allen fleiftigen Stickerinnen, die fiir den Verein gegen eine kaum nenneswerte Entlohnung gearbeitet haben. Insbesondere gilt mein oberpriesterlicher Dank allen den hochwurdigen Priestern der Diocese, welche den Verein nachhaltigst befordern. 203 -s- Endlich bitte ich Gott den Herrn, dass er den Verein auch kunftighin reichlichst segnen moge. Und als Unterpfand der gottlichen Gnade und des himmlischen Segens empfanget, hochverehrte Theilnehmer an der Kirchenparamenten-Ausstel- lunar, die ich nunmehr fiir eroffnet erklare, meinen oberhirt- lichen Segen! Sit nomen Domini benedictum! Amen. § 65. Anordnung eines Triduums. Zur dankbaren Erinnerung an das Jubeljahr des Anbetungs- Vereines in Brtissel in Belgien haben Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. die Abhaltung eines Triduums fiir Briissel am Ende des Jahres 1898 angeordnet, welches auch fiir die iibrigen Filial-Vereine abzuhalten empfohlen wurde. Das diesbeziigliche Breve lautet: Breve Sanctissimi Patris nostri Leonis P. P. XIII. occasione iubilaei Archiassociationis Perpetuae Adorationis et operum pro pauperibus ecclesiis. Leo P. P. XIII. A d futuram rei memoriam. Cum Nobis nihil antiquius sit, quam ut Christiani populi pietas hoc potissimum tam gravi Ecclesiae tempore, erga Sa- cramentum Arnoris magis magisque excitetur, pias societates quae sedulo studio eundem šibi finem propositum habeant, quantum in Domino possumus peculiaribus gratiis ac spiritu- alibus auxiliis augere solemus. Harum in numerum minime Nos latet arcessendam esse societatem religiosarum sororum ab Adoratione Perpetua cura praesertim dilectae in Christo filiae Annae de Meeus, quae ipsi instituta in praesens egregia laude praeest, in Belgica ditione Bruxellis intra dioecesis Mechli- niensis fines canonice erectam, ac postea, favente Deo, per plures Christiani Orbis dioeceses in Ecclesiae bonum atque emolumentum diffusam. Haec enim societas dum plurimis pie- tatis exercitationibus Augusti Sacramenti cultum provehere studet etiam in salutare ac frugiferum opus intendit, suppe- ditandi subsidia pauperibus Ecclesiis, easque sacra supellectili instruendi. Idcirco eidem societati ab Adoratione Perpetua cohaeret canonice erecta eiusdem nominis Archisodalitas, quam in Belgio similiter primum institutam, et pluribus a Decessore Nostro Pio PP. IX. rec. mem. indulgentiis ditatam, Nos deinceps per similes Apostolicas litteras Romam in catholici nominis sedem et centrum iussimus transferendam. Nune autem cum si- -f- 204 čuti ad Nos retulit Generalis supradicta Moderatrix, quinquage- simus sese vertat annus ab inito hoc pio opere Adorationis perpe- tuae, et pauperum Ecclesiarum, anno enim MDCCCXXXXVIll sollemni festo Corporis Christi die, primum sacra ornamenta pauperes ad Ecclesias missa sunt et insequentis Decembris ' mensis vigesimo octavo die operiš ipsius sodales in Sacellum Sanctissimi Sacramenti a Miraculo prima vice convenerunt, enixas Nobis ipsa Moderatrix humiliter preces adhibuit, ut auspicatissima occasione caelestes Ecclesiae thesauros, quorum Nos dispensatores voluit Altissimus reserare dignaremur. Nos vero ut societas tot tantisque nominibus optime de Christiana re merita novum sortiatur voluntatis Nostrae pignus piis hisce votis annuendum libenti quidem gratoque animo existimavimus. Ouae cum ita sint, de Omnipotentis Dei misericordia, ac Bea- torum Petri et Pauli Apostolorum eius auctoritate confisi con- cedimus ut a festivitate Sanctissimi Corporis Christi, ad novis- simam anni vertentis diem, tribus continuis diebus per unius cuiusque loči ordinarium semel designandis in qualibet ex Ecclesiis religiosarum Sororum a perpetua Adoratione, et in Ecclesiis, in quibus canon ice erectae extent eiusdem nominis societates Pri- mariae Almae huius Urbis Nostrae rite aggregatae, et ruri in curialibus aedibus in quibus instituta sit menstruae Adorationis bora ubique terrarum existentibus, sollemnes triduanae preces in gratiarum actionem peragi valeant, utque postremo illarum die, fidelibus qui dictis supplicationibus pro Christianorum Prin- cipurn concordia, haeresum extirpatione, peccatorum conversione ac S. Matris Ecclesiae exaltatione, pias ad Deum preces effun- dentes adstiterint, vel respectivae societatis Moderator, vel alius ab Ordinario delegandus sacerdos, servatis servandis, et cum unico Crucis signo, Nostro nomine et auctoritate cum plenaria peccatorum omnium indulgentia benedicere ličite possit. In contrarium facientibus non obstantibus quibuscumque. Praesen- tibus hoc anno tantum valituris. Volumus autem ut praesentium litterarum transumptis seu exemplis etiam impressis manu ali- cuius Notarii puhlici subscriptis et sigillo personae in eccle- siastica dignitate constitutae munitis eadem prorsus habeatur fides quae haberetur ipsis praesentibus si forent exhibitae vel ostensae. Datum Romae apud. S. Petrum sub annulo Piscatoris die XIV Maii MDCCCXCVIII Pontiticatus Nostri anno vigesimo primo. Alois. Card. Macclii. Litterae, quibus Eminentissimus Cardinalis-Protector Archi- associationis annunciat cunctis Associationibus filialibus Breve ordinatum a Sanctissimo Patre nostro Papa. Favor quo Sanctissimus Dominus Noster Leo Divina Provi- dentia PP. XIII., per has Litteras pias Sodalitates cultui Augusti Sacramenti provehendo et pauperibus Ecclesiis iuvandis dicatas 205 -§- prosequi dignatus est, quinquagesimo ab inito opere adveniente anno, prouti maxima Nos affecit laetitia, ita locorum Ordinariis eisque omnibus qui in collati beneficii partem advocantur accep- tissimus procul dubio erit, atque ut prompto gratoque animo excipiatur, quantum in Nobis est rogamus et commendamus. Romae, die 9. Iunii an. 1898. Vincentius Card. Vannutelli Instituti ab Ador. perp. Protector. Dieses Breve lautet in deutscher Ubersetzung: Da es fiir Uns von groftter Wichtigkei.t ist, dass die Ehr- furcht des christlichen Volkes gegen das Sacrament der Liebe, zumal in der gegenwartigen fiir die Kirche so schwierigen Zeit, immer mehr und mehr geweckt werde, so pflegen wir fromme Vereine, welche sich mit emsigem Fleifte dieses Ziel gesteckt haben, soviel wir im Herrn vermogen, mit besonderen Gnaden und geistlichen Wohlthaten auszustatten. In die Zahl dieser Vereine ist zu rechnen die Genossenschaft der Ordens- schwestern von der immerwahrenden Anbetung, canonisch er- richtet durch die Fiirsorge der in Christus geliebten Tochter Anna de Meeus, welche dem Institute noch gegenwartig mit hervorragendem Lobe vorsteht, in der belgischen Provinz Brussel innerhalb der Diocese Mecheln und spater unter dem Beistande Gottes in vielen Didcesen des Erdkreises verbreitet zu Nutz und Frommen der Kirche. Diese Genossenschaft bemiibt sich namlich nicht nur durch viele fromme Ubungen die Verehrung des hochheiligen Sacramentes zu fordern, sondern hat auch ein heilsames und fruchtbringendes Werk im Auge: arme Kirchen zu untersttitzen und dieselben mit heiligen Gegen- standen auszustatten. Deshalb ist dieser Genossenschaft von der immerwahrenden Anbetung angegliedert die unter dem gleichen Namen canonisch errichtete Erzbruderschaft, welche gleichfalls in Belgien zuerst gegriindet und von Unserem Vor- ganger Pius IX. mit vielen Ablassen ausgestattet, auf Unseren Befehl aber durch ahnliche Litterae apostolicae nach Rom, den Sitz und das Centrum des katholischen Namens ubertragen wurde. Wie Uns nun die obgenannte Generaloberin berichtet, sind seit dem Beginne dieses frommen Werkes von der immer- wahrenden Anbetung und zur Unterstutzung armer Kirchen, bereits funfzig Jahre verflossen, denn im Jahre 1848 am Feste des hi. Frohnleichnams wurden das erstemal hi. Paramente an arme Kirchen iibersendet und am darauffolgenden 28. December haben sich die Mitglieder dieses Werkes in der Kapelle des allerheiligsten Sacramentes a .Miraculo das erste Mal versam- melt. Die Generaloberin hat Uns die demiithige Bitte unter- breitet, bei dieser iiberaus giinstigen Gelegenheit die Schatze ~g- 206 -§* der Kirche, zu deren Verwalter Uns der Allerhochste bestellt hat, zu erschlieften. Damit nun die auf so vielfache Weise um die christliche Sache verdiente Genossenschaft ein neues Unter- pfand unseres Wohlwollens erhalte, so glaubten wir diesem Wunsche gerne und mit dankbarem Herzen entsprechen zu sollen. Bei diesem Sachverhalte gestatten wir, vertrauend auf die Barmherzigkeit des Allmachtigen und das Ansehen der hi. Apostel Petrus und Paulus, dass vom Feste des hi. Frohn- leichnams bis zum Schlusse des laufenden Jahres an drei auf- einander folgenden, durch den Ordinarius eines jeden Ortes zu bestimmenden Tagen in jeder Kirche der Ordensschwestern von der immerwahrenden Anbetung und in den Kirchen, in denen derartige der Erzbruderschaft in Unserer Stadt ordnungs- mafiig aggregierte Bruderschaften bestehen, und am Lande in den Vereins-Oratorien, in denen das monatliche Stunden- gebet eingefiihrt ist, feierliche dreitagige Gebete verrichtet werden und dass den Glaubigen, welche dieser Andacht an- wohnen und fiir die Eintracht der christlichen Fiirsten, die Ausrottung der Irrlehren, die Bekehrung der Siinder und die Erhohung der hi. Mutter Kirche fromme Gebete zu Gott empor- senden, entweder der Leiter des diesbezuglichen Vereines oder ein anderer vom Ordinarius delegierter Priester unter Be- obachtung der diesbezuglichen Vorschriften und mit einem einzigen Kreuze in Unserem Namen und Unserer Autoritat den Segen mit einem- vollkommenen Ablasse ertheile. Dem sollen nicht entgegenstehen alle gegentheiligen Anordnungen. Die gegenwartigen Verfugungen haben jedoch nur fiir dieses Jahr Geltung. Wir wollen abpr, dass die iibersetzten oder gedruckten Exemplare des gegenwartigen Schreibens, sofern sie von der Pland eines offentlichen Notars unterzeichnet und von einer in einer kirchlichen Wiirde stehenden PerSonlichkeit bestatiget sind, dieselbe Glaubwurdigkeit genieben, als ware das gegen- wartige Schreiben vorgewiesen worden. Gegeben zu Rom bei hi. Petrus unter dem Fisclierringe am 14. Mai 1898 und im 21. Jahre unseres Pontificats. Schreiben, mit vvelchem der Protector der Erzbruderschaft Se. Eminenz Cardinal Vanutelli allen Filial-Cenossenschaften das Breve des Heiligen Vaters mittheilt. Das Wohlwollen, welches der Heilige Vater Papst Leo XIII. mit diesem Schreiben den frommen Genossenschaften, welche die Verehrung des iillerheiligsten Sacramentes fordern und arme Kirchen unterstiitzen, aus Anlass des fiinfzigsten Jahrestages der Griindung dieses Werkes, zu erweisen geruhte, hat nicht nur mich mit der grofiten Freude erfiillt, sondern wird es auch 207 ohne Zweifel den Ordinarien und allen, die an dieser Wohl- that theil baben, sehr erwiinscht sein und wir bitten und em- pfehlen, insoweit es an uns ist, die geneigteste und dankbare Annahme dieses Schreibens. Im Hinblicke auf dieses Breve und im Sinne desselWen wurde in der Domkirche des hi. Johannes B. in Marburg als am Sitze des Vereines zur bestandigen Anbetung des aller- heiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung armer Kirchen in der Lavanter Diocese, an den drei letzten Tagen des Jah- res 1898, das ist: am 29., 30. und 31. December ein feierliches Triduum in Form der 40tagigen Andacht zur Anbetung des hochheiligsten Altarssacramentes und zwar jeden Tag von 6 Uhr friih bis 6 Uhr abends abgehalten. Solche feierliche Triduen sind auch fur die ubrigen Pfarrkirchen der Diocese angeordnet worden, welche entweder an den drei hohen Weihnachtsfesttagen, oder am Scblufie des Jahres abgehalten werden konnten, wobe.i entweder die Form der 40tagigen Andacht einzuhalten, oder aber taglich eine Stunde vormittags und nachmittags das hochwiirdigste Gut zur Anbetung mit Einhaltung der vorgeschriebenen Feierlichkeit auszusetzen war. (Kirchl. Verord. Blatt fiir die Lav. Diocese, 1898, IX, Abs. 57, S. 136—137). Auf diese Weise wurde das gnadenreicbe Jubeljahr 1898 auf eine wurdige und segenbringende Weise abgeschlossen. § 66 . Siebzehnter Jahresbericht pro 1898 . Eine der merkwiirdigsten Statten des heiligen Landes war die Sionskirchevo m H e i 1 i g e n G e i s t e, welche auf der Hohe des Berges Sion in Jerusalem stand. Hier war das sogenannte Coena- culum oder der Speisesaal, in welchem der Heiland das letzte Oster- lamrn afi und das heiligste Sacrament einsetzte. Nach uralter, sehr begrtindeter Uberlieferung stand hier das Haus, in rvelchem Jesus seinen Jungern in der Fufiwaschung das Gesetz der Demuth, Liebe und Reinheit einpragte und das heiligste Sacrament einsetzte, wobei er zugleich das neutestamentliche Priesterthum begriindete und dieses Haus zur ersten christlichen Kirche einweihte. Hier erschien er auch am Tage seiner Auf- erstehung, um seine Junger im Glauben zu bestarken und ihnen die Sendung zu iibertragen, die er von seinem Vater empfangen hatte, und um das heilige Bufisacrament einzusetzen. Hier erschien er acht Tage spater den Aposteln, um den Unglauben des Thomas zu heilen. Hier versammelte er seine Junger vor der Himmelfahrt, um ihnen seine letzten Auftrage zu geben. -I- 208 -s- Hier waren die Apostel und Jtinger einmuthig im Gebete ver- sammelt, um den Heiligen Geist herabzuflelien. Hier wurde Mathias zum Apostel erwahlt. Hier kam am Pfingstfeste der Heilige Geist liber die Apostel und ersten Glaubigen, wodurch die Kirche Christi ihren Anfang nahm. Hier hielt Petrus seine erste Predigt, die 3000 Menschen aus allen Theilen der Welt bekehrte. Hier wurde mit den ersten Diaconen der heil. Stephanus erwahlt und geweiht. Hier leitete Jacobus der Jlin- gere die Gemeinde von Jerusalem. Hier suchte Paulus nach seiner Bekehrung das Oberhaupt der Kirche, den hi. Petrus auf, »damit er nicht vergebens laufe«. Hier theilten die Apostel die Welt unter sich, und hieher kamen sie zurlick von ihren apostolischen Arbeiten. In einem Hause nebenan wohnte und starb die allerseligste Jungfrau, und bei diesem Heiligthume war die Residenz der Bischofe von Jerusalem, wie auch der erste Gottesacker der Christen, auf dem ein hi. Stephanus, Gamaliel u. s. w. begraben wurden. Kein Wunder, dass dieses hehre Heiligthum bei den Christen von jeher als »das heilige Sion« in hochsten Ehren stand. Im Kloster beim Coenaculum nahm auch der hi. Franz von Assisi seine Wobnung (1219), und da siedelten sich 1333 seine Sohne an, um sich fortan unter den groftten Opfern und bis zur Vergiebung ihres Blutes der verlassenen Heiligthumer des heiligen Landes anzunehmen. Mit diesem Coenaculum konnen wir jede katholische Kirche vergleichen, mag dieselbe noch so klein und arm sein, weil in jeder katholischen Kirche Jesus der gute Hirt und beste Freund weilt. Hier im heiligsten Sacramente ist Jesus gegenwartig als Gott und Mensch, mit Leib und Seele, als das Licht der Welt, der Troster der Bedrangten, die Zuflucht der Elenden, das Leben der Christen und als unser Vorbild. Hier im Tabernakel wohnt Jesus als auf dem Throne seiner Gnade, um uns seine gottlichen Wohlthaten mitzutheilen. Hier in der Kirche konnen wir so vertraulich mit Jesus verkehren, ihm unsere Anliegen und Nothen vortragen, Trost und Hilfe finden zu jeder Zeit. Venite ad me omnes — »Kommet alle zu mir, die ihr muhselig und beladen seid, und ieh wi 11 euch erpuicken.« 1 »Omnes sitientes, venite ad aquas .. . properate, emite, comedite; venite, einite absque argento, et absque ulla commutatione vinum et lac. — Alle, die ihr d ti r s t e t, kommet zum W a s s e r; und die ihr kein Geld habet, eilet, kaufet und esset; kommet und kaufet ohne Geld, und ganz umsonst W e i n und Milch!«’ Accedite, et illuminamini — : »Tretet herzu«, rnahnt der konigliche Sanger, und »1 a s s t euch e r le u c h t e n « — mit den Strahlen des Gnadenlichtes zur richtigen Krkenntnis 1 Matth. 11, 28. — 2 Is. 55, 1. -S- 209 -I* der Lebensweisheit und des Lebensernstes auf dem Wege des Lebens. Diese Ermahnung moge uns aufmuntern, dass wir der Einladung des Herrn Folge leisten und uns gerne bei Jesus als Wachposten vor dem Tabernakel einfinden, um fesu un- serem cjottlichen Erloser unseren Dank abzustatten, ihn unserer O ... . ' Liebe, Treue und Anhanglichkeit zu versichern, aber auch um uns zu erwarmen an seinem gottlichen Herzen, damit wir in seinem Dienste bis ans En de ausharren, denn nur wer treu bleibt bis ans Ende, wird gekront werden mit der Krone der ewigen Herrlichkeit. Gegenwartig scheint die Zeit gekommen zu sein, uber welche der hi. Weltapostel Paulus zu seinem geliebten Schtiler Timotheus also redet: »Ich besehwore dre h vor Gott und J e s u C h r i s t o, der die L e b e n d i g e n und die Todten richtenwird bei seiner Ankunft und seinem Reiche; predige d as Wort, halte an damit, es sei gelegen oder ungelegen, uberweise, bitte, strafe in aller Geduld und Lehrweisheit; denn es wird eine Zeit kom m en, da sie die gesunde Lehre nicht er- tragen, s on d er n nach ihren Gel ii sten sich Lehrer ti b e r Lehrer n e h m e n w e r d e n , w e 1 c h e die O h r e n kitzeln, undvon der Wahrheit werden sie d as Ge h or a bw en d e n, zu d en Fabeln aber h in w en d en.« 1 Auf un- sere Zeit lasst sich anwenden, was der Heiland den Aposteln ankundiget: »Es wird Volk wider Volk, und Reich wider Reich aufstehen... Al s dan n werden sie euch der Trubsal iiberliefern, und euch todten... Und dan n \verden sich viele argern, und einander ver- rathen, und einander hassen. Und es werden viele falsche Propheten aufstehen und viele verfiihren. Und w e i 1 die U n g e r e c h t i g k e i t ti b e r h a n d n i m m t, wird die Liebe bei vi el e n er k a lt e n. Wer aber a uš¬ li ar ret, bis an§ Ende, der wird se lig w er de n.« 3 Diese Mahnung mdge uns bestarken, dass wir im hi. katholischen Glauben und in der Liebe zur Kirche ausharren und uns nicht irre ftihren lassen, Gott und seiner Kirche untreu zu werden. Wer den katholischen Glauben und die wahre katholische Kirche verlasst, der kennt wahrscheinlich den hi. katholischen Glauben, die katholische Kirche und ihre Lehre nicht, denn sonst konnte er diesen Schritt unmoglich thun. O, wie schon ist doch die allein seligmachende hi. katholische Kirche, wie schon und trostreich ihre Lehre, ihr Gottesdienst, ihre gottliche Ein- richtung! Durch den auferstandenen Heiland Jesus Christus gegrtindet, wurde sie durch die Apostel in allen Landern der 1 11. Tim. 4, 1-4. — “ Matth. 24, 7-13. 14 •~t— 210 —S— Erde verbreitet, durch eine Unzahl von hi. Blutzeugen be- fruchtet, durch die grofiten Tugendhelden und Heroen der Wissenschaft vertheidiget: mit den herrlichsten Anstalten zur Linderung der geistlichen und leiblichen Noth versehen schreitet sie seit zweitausend Jahren auf dem stiirmischen Meere der menschlichen Leidenschaften einher, wie eine Arche Noe’s ruhig dahin schwebend und alle mit Freuden aufnehmend, die ihr Heil suchen und sich ibr anvertrauen, damit sie einst glucklich landen im Reiche der Verheibung, im himmlischen Vaterlande. Darum ist es kein Wunder, dass sie als die Saule und Grund- feste der Wahrheit von allen gesucht, und als eine glanzende Stadt auf einem hohen Berge stehend, von allen gesehen und gefunden wird, die eines guten Willens sind und ihr Leben ernst nehmen. »Icb liebe diejenigen nicht, welche die Religion wechseln«, sagte einst ein protestantischer Ftirst zum Grafen von Stollberg, der zur katholischen Kirche zuruckgekehrt war. »Ich eben so wenig«, erwiderte der edle Graf; » d e n n w e n n m e i n e V o r- eltern ihre Religion nicht gewechselt hatten, so w a r e ich nicht genothiget g e w e s e n, zum K a t h o 1 i- cismus zurtickzukehren«. Ein Protestant, der katholiseh wird, wechselt die Religion nicht, er kehrt nur zu derjenigen zuriick, die seine Vater mit Unrecht verlassen haben. Leider finden sich auch in unseren. Tagen Menschen, die dem Sonnenlichte des hi. katholischen Glaubens ihr Auge ver- schliefien und den wahren katholischen Glauben verlaugnen. Woher kommt das? Was ist die Ursache? Sie thun dieses entweder aus Leichtsinn, oder aus Unwissenheit, oder aus irgend einem andern unedlen Motive. Der Leichtsinn aber in einer so wichtigen Angelegenheit ist gewiss strafbar, und die Umvissenheit in den Heilswahrheiten ist gewiss ein bedauerns- wertes Ubel; ebenso sind alle ubrigen Riicksichten in dieser wichtigsten Angelegenheit, wo es sich handelt um den wabren Glauben und um die ewige Seligkeit, gewiss auch nicht zu loben, denn: »Was niitzt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewanne, an seiner Seele aber Sch aden litte?« 1 Darum lasset uns nicht irre werden, wenn in manchen Zeitungen und Biichern die hi. Kirche und Ihre Diener be- schimpft und gelastert werden. Das kann nicht anders sein, schlechte Menschen hat es immer gegeben, und schlechte Menschen schreiben schlechte Biicher und schlechte Zeitungen, die Unwahres uber Gott und sein Reich auf Erden, die hi. katholische Kirche vorbringen, sei es aus Unwissenheit oder aus Bosheit. Aber an uns ist es, dass wir solche Zeitungen Mai'C. 8, 36. -S- 211 -f- nicht halten, solche Biicher nicht lesen, damit wir nicht ver- giftet werden, und am Glauben Schaden leiden. Wir wissen, dass wir der katholischen Kirche zu glauben und zu folgen haben, denn sie ist ja von Jesus Christus dem gottlichen Heilande, welcher allein das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, gestiftet, der auch bis an das Ende der Welt bei ihr bleibt und die Pforten der Holle werden sie nicht iiberwaltigen. »Qui autem ecclesiam non artdierit, sit tibi sicut ethnicus et publicanus. — Wer aber die Kirche nicht hort, der sei dir wie ein Unglaubiger und offentlicher Siinder«. 1 Lasset uns festhalten an dem heiligen katholischen Glauben und an der heiligen katholischen Kirche, denn wir wissen, dass, wer die Kirche nicht zur Mutter hat, auch Gott nicht zum Vater haben kann.(hl. Cjprian). Zu diesem Ende wollen wir recht oft den Heiligen Geist um seinen Beistand anrufen und vor dem Tabernakel mit Herz und Mund sprechen: Komm, Heiliger Geist, erfiille die Herzen deiner Glaubigen und entzunde in ihnen das Feuer deiner Liebe, der du die Volker aller Zungen in Einigkeit des Glaubens versammelt hast. t. Sende aus deinen Geist, und Alles wird neu erschaffen werden. II. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Lasset uns beten. O Gott, der du die Herzen der Glaubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt hast, verleihe uns die Gnade, dass wir in demselben Geiste, was recht ist, erkennen und seiner Trostung uns allezeit er- freuen mogen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Zur Danksagung fiir alle Gnaden und Wohlthaten, die der Anbetungsverein in diesem jahre erhalten hat, und damit wir fiir uns und alle Glaubigen von Jesus Christus die Gnade der Standhaftigkeit im Bekennen des heiligen katholischen Glaubens erflehen, wird am 4. Sonntage nach Ostern um 4 Uhr nach- mittags eine Gebetstunde vor dem heiligsten Altarssacramente in der Domkirche gehalten werden. Fest und stark zu unser’m Gott Stehen wird trotz Hohn und Spott! Fest am Glauben halten wir, Uns’res Volkes schonster Zier: Drum geloben wir aufs Neue: Jesu Herz, dir ew’ge Treue! Die Thatigkeit des Vereines in diesem Jahre. Das Jalir 1898 war fiir den Anbetungs-Verein ein gesegnetes. Es haben aus allen Pfarren der SchOnen Lavanter Diocese die Mitglieder ihr Scherflein in reichlichem Mafie fiir Vereinszwecke beigesteuert; aber aucli andere besondere WohIthater haben dem Vereine ilire milde Hand auf- 1 Matih. 18, 17. 14 * -S- 212 -I* geschlossen uncl člen Verein unterstiitzt. So hat die Hochgeborne Frau Grafin Nugent in diesem Jahre wieder in hochherziger Weise nachbenannte Kirchensacben dem Vereine zukommen lassen, namlich: eine vveifie und sclnvarze Casula, drei Feststola, eine Alba und 2 Altarpolster; einige Pfarren haben grbfiere Beitrage eingesendet, so dass der Verein auf diese Weise in die Lage kam, ihnen wertvollere Gegenstande zu Theil werden zu lassen. Es sei hiemit allen Wohlthatern und GOnnern des Vereines der verbindlichste Dank ausgesprochen. Dem Vereine sind im verflossenen Jahre 1025 neue Mitglieder bei- getreten und die Gesammtzahl derselben betragt nun nacli der Vereins- Matrik 17.689, welche als Ehremvache TagundNacht dem gottlichen Erloser im heiligsten Sacramente ihre Liebe und Huldigung enveisen und den himmlischen Segen liber den Erdkreis herabflehen. Der Verein hatte im Jahre 1898 an Gesammteinnahmen erhalten im Betrage pr. 2937 fl. 62 kr. wofiir das hochverehrte Damen-Comite im Ver¬ eine mit den ehrwiirdigen Scliulschwestern nachstehende Kirchenparamente besorgte, und zwar: 4 Vespermantel, 28 Messkleider, 2 Dalmatiken, 5 Vela, 12 Stola ftir Feiertage, 4 Beichtstola, 5 schwarze Stola, 4 'faufstola, 3 Ci- borien- und 9 Versehmantelchen mit Bursa, 1 Messbuch, 15 Chorrocke fiir Priester, 19 Alben, 24 Chorrocke fiir die Ministranten, 42 Humeralien, 120 Purificatorien, 72 Lavabotiichlein, 40 Corporalien, 30 Palen, 22 rothe und 8 schwarze Ministranten-Rocke, 8 violette Kriigen, 6 Altarpulte, 8 Pult- clecken, 4 Altarantipendien, 3 Bahrtiicher, 1 Baldachin, 10 Altarpolster, 12 Cingula. — Hinsichtlich der Cingula wird bemerkt, dass dieselben nur in der iveilJen Farbe besorgt werden, weil sich solche fiir alle Falle am besten eignen, und zudem leicht gewaschen werden konnen. Die Ministranten- Rocke werden in rother und schwarzer Farbe verfertiget, weil diese Farbe fiir die meisten Falle ausreicht; fiir die Verrichtungen in violetter Farbe nimmt aber der Ministrant einen violetten Kragen, schwarzes ROcklein und ein Chorhemd. Der Anbetungsverein hat zwar wiihrend seines 17jahrigen Bestandes schon zahlreiche Kirchenparamente und andere Utensilien fiir arme Kirchen in der Lavanter Diocese besorgt und vertheilt, cloch findet sich noch so rnanche Kirche, die mit Kirchensachen schlecht versehen ist; darum ergeht an alle P. T. Wohlthater und Gonner clieses schonen Vereines die freund- lichste Einladung angesichts des so edlen Zweckes, den der Verein verfolgt, demselben die Wohlgewogenheit zu bewahren und auch kiinftighin den- selben unterstUtzen zu wollen. Die Paramenten-Ausstelluno; des Anbetungs-Vereines der Lavanter Diocese fiir das Jahr I898 fand im groben Saale des neuen Diocesanmuseums statt und erfolgte die feierliche Erdff- nung derselben durch Seine Furstbischoflichen Gnaden am vierten Sonntage nach Ostern, den 30. April 1890 in nach- folgender Weise: Nach Vollendung des Spatgottesdienstes in der Dom- und Stadtpfarrkirche begab sich der Hochwiirdigste Herr I^iirst- bischof in Begleitung des Vereinsobmannes in den Aus.stellungs- saal, woselbst Irereits mebrere Herren Domcapitulare, Vertreter des Stadtclerus, die Alumnen des f.-lt. Priesterhauses und eine ungewohnlich grobe Anžah! von Mitgliedern, Forderern und Freunden des Vereines des Hochwiirdigsten Oberhirten harrten. Nach einem kurzen, laut verrichteten Gebete begriibte der Vereinsobmann vor Allem den hohen Protector des Vereines, -S- 213 -i- Se. Furstbischoflichen Gnaden, dann aber auch alle ubrigen Anwesenden in herzlichen Worten und entrollte hierauf v or ihren geistigen Augen das Bild der grofiartigen Thatigkeit des Anbetungs-Vereines im verflossenen Jahre 1898, indem er unter An derem sagte: Die Thatigkeit und die Frucht des Vereines ist in der hier vor uns betindlichen Ausstellung der Kirchenparamente und Utensilien dargestellt. An Vereinsmitgliedern sind in diesem Jahre 1025 beigetreten und in der Vereinsmatrik sind einge- 'tragen seit dem Bestande des Vereines 17.700 Mitglieder. Bei unserem Vereine werden die verstorbenen Mitglieder nicht aus- gestrichen; sie bleiben auch nach demTode mit dem Anbetungs- Vereine vereinigt und erfullen ihre Vereinspflicht nur in einer anderen Weise, dass sie den gottlichen Heiland Jesus Christus, den wir auf Erden in der geheimnisvollen Gestalt des Brotes, im allerheiligsten Altarssacramente im Glauben anbeten, lieben und genieften, als den glorreich Auferstandenen in seiner Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht schauen und im Ge- nusse seiner Liebe loben und preisen. Jesus der Gekreuzigte ist ihr iibergrofter Lohn. Aber auch hier gedenken wir unserer verstorbenen Mitbrtider und Mitschwestern im Gebete und durch die Nachfolge ihres Tugendwandels und der Liebe zum gott- lichen Heilande. An milden Gaben von den Mitgliedern und anderen Wohl- thatern h at der Verein in diesem Jahre erhalten den Betrag per 2937 H. 62 kr., wofur die hier ausgestellten Kirchenpara¬ mente durch das emsige Damen-Comite mit Beihilfe der ehr- wiirdigen Schulschwestern, Franciscanerinnen und vieler ande¬ ren eifrigen hochverehrten Damen und Fraulein in der Stadt Marburg sind verfertiget wordend Die Namen aller dieser sind gewiss eingezeichnet im Buche des ewigen Lebens, denn Der- jenige, dem zu Lieb’ und Ehr’ sie sich abgemiiht haben, ist reich genug, um AUes hundert- und tausendfaltig zu entgelten. Aber auch hier sei allen Gonnern und Wohlthatern des Vereines der warmste Dank ausgesprochen. Insbesondere danken wir Euer Fiirsbischoflicen Gnaden fiir die liebevolle Protection und Wohlgewogenheit und empfeh- 1 So haben gestickt und gespendet: Frau Baronin Twickl 1 Feststola, Fran Baronin Lebzeltern 1 Messkleid, Frau Pernovschek 2 Altarpolster, Frau Grafm Apraxin 1 Messkleid, Frl. von Putzer 1 Messkleid, Frau und Frl. Fersch 2 Altarpolster, Altarspitzen und eine Pultdecke, Frl. Adele Sturm cin Altarantipendium, die Baronessinen Teuchert 3 Messkleider, Fraulein Flading 1 Pultdecke, Frl. Scliifko 1 Messkleid, Frau Schneider 1 Stola, Frl. Majciger 1 Pultdecke, Frl. Lina Stark 2 Versehmantelchen und 1 Stola. Ferners spendeten: Frl. Theresia Senekovitsch 6 Blumenbouquette, Fraulein Wollling gehackelte Altarspitzen, Frau Reichenberg 1 seidenes Messkleid, Frau Druckmuller rothen Seidenstoff fiir Altarpblster. Endlich arbeiteten noch gratis Frl. Wenedikter und Frl. Hribar. -I- 214 -$<■ len den Anbetungsverein auch fernerhin der gnadigsten Unter- stiitzung, Huld und Gnade Euer Furstbischoflichen Gnaden und bitten nun um den oberhirtlichen Segen und um die Er- offnung der Austellung. Der Hochwiirdigste Oberhirt dankte in bewegten Worten fiir die freundliche Begriiftung, gab seiner Freude Ausdruck liber die veranstaltete, so reichhaltige Ausstellung und rneinte, dass er sich in seinem Herzen gedrangt fiihle, vor der Eroff- nung derselben einige wenige Worte an die verehrte Vereins- leitung und an alle anwesenden Vereins-Mitglieder und Freunde noch richten zu miissen. § 67. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwiirdigsten Herrn Fiirst- bischofes Michael, anlafilich der siebzehnten Kirchenparamentenausstellung, veraristaltet vom Vereine zur immerwahrenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung armlicher Kirchen in der Dibcese Lavant im f.-b. Prie- sterhause' zu Marburg, am 4. Sonntage nach Ostem, den 30. April 1899. Hochverehrte Anwesende! Homo quidam fecit coenam magnam et vocavit multos. Ein Mensch bereitete ein grofies Abendmahl und lud Viele dazu ein. (Luc. 14, 16,’. Durch die Giite und Gnade der gottlichen Vorsehung, ohne mein Verdienst, leite ich nun schon fast zehn Jahre die meiner Hirtensorgfalt anvertraute Lavanter Diocese. In diesem bewegten Decennium ist es nun bereits das neuntemal, dass ich die Kirchenparamenten-Ausstellung hier in Marburg feier- lich eroffne. Bei dieser willkommenen Gelegenheit halte ich aber auch ab die Generalversammlung des lobenswerten Vereines zur unablassigen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramen¬ tes und zur wtirdigen Ausstattung arrner Kirchen in der La¬ vanter Diocese. Im Ganzen diirften schon siebzehn Hauptver- sammlurigen gefeiert worden sein; wenigstens ist der fiir das Jahr 1898 uns vorgelegte Jahresbericht der XVII. Die diesjahrige Ausstellung erscheint in Hinbličk auf die ganze Anlage, Mannighaftigkeit und Reichhaltigkeit der Gegen- stande wieder schoner, herrlicher und gefalliger zu sein, als die frtiheren von mir besuchten und eroffneten es waren. Recht so. Denn wir miissen in diesen traurigen Zeiten des Unglaubens, Kleinglaubens, der religiosen Gleichgiltigkeit offen und frei und laut unseren heiligen, alleinseligmachenden Glauben an Jesus -f- 215 -g- Christus bekennen und bethatigen. Und diese reichhaltige Kir- chenparamenten - Ausstellung ist so ein sichtbares Zeichen, ist so ein unzweideutiger Ausdruck des lebendigen Glaubens und der werkthatigen Liebe des hochgeehrten Vereinsvorstandes und der sehr verehrlichen Vereinsmitglieder. Der uns vorliegende siebzehnte Jabresbericht liber die gesegnete Wirksamkeit des Vereines ist in seiner Einleitung sehr zeitgemaft abgefasst. Kr spricht und handelt von der be- riihmten Kirche des Heiligen Geistes auf dem Berge Sion in Jerusalem, welche an der Stelle des Coenaculums oder des Abendmahlsaales war errichtet worden. Es gibt kaum eine denk- vviirdigere und geheiligtere Statte fiir die Christen, als es dieses evangelische Coenaculum ist, wie dies mit Recht der vorgelegte Jahresbericht betont und ausfiibrt. Hochverehrte Anwesende! Ein Umstand scheint mir in diesem schonen Berichte iibergangen worden zu sein. Unser gottlicber Herr und Heiland feierte an dieser Statte das letzte so gnadenreiche Abendmahl auf das Allerfestlichste. Der Saal war ein Hochsaal, imEpčBov, im Obergelasse und war mit kostbaren Teppiehen und Polstern wurdevoll ausgestattet. Diesem hoch- heiligen Coenaculum gleichen unsere Kirchen, unsere Gottes- hauser, die wahre Speisesale sind, in denen uns Jesus als Gastgeber und als Speisegabe zum ewigen Leben nabrt. Das heilige und erhabene Mahi im prachtvoll geschmiick- ten Coenaculum erinnert mich uirvvillkiirlich an das grofiartigste Gastmahl, von welchem uns das alte Testament Kunde gibt.’ Das Buch Esther beschreibt und scbildert es also: »In den Tagen des Assuerus, der von Indien bis Athi- opien tiber hundert sieben und zwanzig Landschaften herrschte, war Susan die Hauptstadt seines Reiches, da er sich setzte auf den Thron seines Reiches. Aber im dritten Jahre seiner Re- gierung gab er ein grofies Gastmahl allen seinen Fiirsten und Dienern, den Gewaltigen unter den Persern und den Herrlichen unter den Medern und den Landpflegern der Lander vor ihm, viele Tage lang, namlich hundert und achtzig Tage, damit er die herrlichen Reichthumer seines Reiches zeigte und die Grofte und Pracht seiner Macht. Und als die Tage des Gastmahls um waren, lud er das ganze Volk, das sich zu Susan fand, vom Grofiten bis zum Kleinsten, und liefi sieben Tage lang ein Mahi bereiten im Vorhofe des Gartens und Haines, der von koniglicher Hand ktinstlich ge[)flanzt war. Da hingen auf allen Seiten himmelblaue und rothe und veilchenblaue Tiicher, von leinenen und purpur- nen Seilen gehalten, die in elfenbeinernen Ringen liefen und an marmornen Saulen liefestigt waren. Aucb standen goldene und silberne Lagerpolster auf dem Pflaster, das mit smaragd- -I- 216 ui¬ granem und parischem Marmor eingelegt und mit wunderbarer Abwechslung malerisch geziert war. Die aber, so geladen waren, tranken aus goldenen Bechern, und die Speisen wurden immer in anderen und anderen Ge- fafien aufgetragen: auch ward der beste VVein in Uberfluss aufgesetzt, wie es koniglicher Hobeit geziemte. Und niemand nothigte einen wider Willen zum Trinken, sondern wi.e der Konig, der iiber jeglichen Tisch einen von seinen F Lir st en ge- stellt, geboten hatte, solite jeder trinken, was er wollte.« (Esth. 1, 1—8). Nichtwahr, verebrte Anwesende,einegrofiartigeSchilderung des groftartigen Gastmahles, welches der Perserkonig Assuerus, in der Weltgeschichte Xerxes I. (485 — 465) genannt, zuerst den Fiirsten seines Riesenreiches, das 127 Provinzen umfasste, durch 180 Tage und darauf dem ganzen Volke durch sieben Tage in seiner koniglichen Residenzstadt gegeben! Doch ein noch weit herrlicheres Gastmahl ist dasjenige, dessen Vorbild das so eben beschriebene wie auch das vom Evangelisten Lukas geschilderte Gastmahl (Luc. 14, 1 — 23) war; es ist dies das hochheilige, von Jesus Christus vor seinem Tode den Aposteln und in ihnen allen Erlosten bereitetes Abendmahl, das allerheiligste Altarssacrament. Unvergleichlich grofier ist es schon rticksichtlich des Gast- gebers. Assuerus war zwar ein iiberaus machtiger, aber sterb- licher Konig. Jesus aber, der das allerheiligste Abendmahl bereitet hat, ist der allmachtige und unsterbliche Konig der Zeiten, ist der unumschrankte Flerr Liber ali e Fleerscharen, ist der unentthronbare Gebieter Himmels und der Erde. — Un- ermesslich grofter ist es hinsiehtlich der Speisegaben. Der Perserkonig liefi seinen Gasten zwar die auserlesensten S])eisen auftragen und die besten Weine vorsetzen; doch viel Erhabeneres und Grčiberes bietet uns Jesus Christus an seinem Tische. Er ist selbst die Speisegabe, die uns dargereicht wird. Nehmet h in und esset, das ist m e in L e ib. (Matth. 26, 26). Ich bin das Brot des Lebens. Wer von diesem Brot isst, der w i r d leben in Ewigkeit. Das Brot, welches ich geben werde, ist m e in Fleisch ftir das Leben der Welt. (Joan. 6, 48. 52). Welche Speise konnte kostbarer und kostlicher sein, als dieses himmlische Brot, das zum ewigen Leben nahrt? Grofier ist das Gastmahl Jesu, als das Gastmahl des Konigs Achasverosch gewesen ist, beziehentlich der geladenen Gaste. Der Perserkonig lud die Fiirsten und Statthalter seines unge- heuren Reiches und dazu noch die Bewohner seiner Residenz¬ stadt zur Mahlzeit ein. Es mcigen daher gewiss Tausende von Unterthanen an diesem Reichsmahle sich betheiligt haben. Aber was ist diese Zahl im Vergleiche zu der Zalil derjenigen, -§- 2 f 7 -g- die Christus der Herr zu seinem Tische geladen hat? Alle, die er durch sein kostbares Blat erlost, hat er auch zu seinem Tische gerufen. Fiir alle hat Jesus dieses Sacrament eingesetzt, allen steht der Tisch offen, fiir alle ist er gedeckt. Und wenn auch alle kommen und immer wieder kommen, so wird doch jeder tiberreich genahrt und gestarkt, rvahrend der Perserkonig alle Bewohner seines Reiches nicht so hinreichend und aus- giebig bewi.rten konnte. Dass doch auch die geladenen Gaste beim Tische des Erlosers sich gerne und oft einiinden mochten ! Das Gastmahl des gottlichen Heilandes, ist unermesslich grofter als das des Perserkonigs in Ansehung der Zeitdauer. Das Gastmahl des Assuerus wahrte fiir die Groben des Reiches hundert achtzig und fiir das Volk sieben volle Tage. Diese Freigebigkeit ist bewunderungswiirdig und grenzt ans Fabelhafte, und wir wiirden Zweifel in die Wahrheit dieses Berichtes setzen, wenn ihn nicht die Heilige Schrift enthielte. Doch was sind 187 Tage zur Dauer, rvahrend welcher der Tisch des Herrn gedeckt bleiben soli? Er bleibt gedeckt bis zum Weltende. Denn gerade inbezug auf das allerheiligste Altarssacrament gilt vielleicht vornehmlich das Wort des Herrn: Ich bleibe bei euch bis ans Ende der Welt. (Matth. 28, 20). Derselbe Heiland, der in der heiligen Communion in unsere Herzen eingeht, kehrte in die Herzen der Apostel, der ersten Christen, der Blutzeugen und Glaubensbekenner der ersten Jahrhunderte, wie in die frommen Herzen der Christen bis auf die gegemvartige Stunde ein, und wird bei allen ein- kebren, die in den kommenden Zeiten im lebendigen Glauben dieses Brot des Lebens geniessen werden. Schliesslich ist das hochheilige Abendmahl Christi un- endlich grosser als das Gastmahl des Perserkonigs in Betreff der Wirkungen. Die Gaste des Assuerus wurden n ur korperlich gesattigt und benothigten bald weiterer Nahrung, um leben zu konnen. Das Mahi, das uns im Altarssacramente bereitet ist, nahrt aber die Seele und nahrt sie zum ewigen Leben. Wer dieses Brot ist, wird ewig leben. (Joan. 6, 59). Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn amjungsten Tage auferwecken (Joan. 6, 55), betheuert der Heiland selbst. Dieses Gastmahl belebt also, nahrt und kraftigt unsere un- sterbliche Seele und senkt hinein in den verweslichen Leib den Keim der Unsterblichkeit, den Keim glorreicher Auf- erstehung. Hochverehrte Anwesende! Aus dem Gesagten konnet ihr nun leicht entnehmen und unschwer folgern, welch ein hochheiliges und hocherhabenes Gastmahl jenes ist, in welchem Christus sel Ir st genos- -s- 218 -f- sen, das Andenken an sein bitteres Leiden btneuert, die S e el e mit Gnaden er fu 111 un d uns das Unt er p fan d der ktinftigen Herrlichkeit geschenkt wird. Wir sind selig und gliicklich zu preisen, dass wir an diesem gottlichen Mahle theilnehmen durfen. Aber wir mussen angelegentliche Sorge tragen, dass auch das Coenaculum, der Speisesaal herrlich und vviirdig ausgestattet ist. Und dafur sorgt der Diocesan-Anbetungsverein nun schon fast achtzehn Jahre. Heuer hat derselbe wieder 1025 neue Mitglieder ge- wonnen, so dass die Gesammtzahl 17.689 betragt — eine schiine Garde, die an den Stufen des Gnadenthrones Jesu, vor dem Tabernakel Tag und Nacht treue, FJirenwache halt. Die [ahreseinnabmen des Vereines betragen 2937 fl. 62 kr., die zu den friiheren Einnahmen gezahlt die erstaunlich hohe Summe von 33.625 fl. 18 kr. ergeben. Viele und theure Para- mente, Gerathe und Gegenstande wurden abermals angeschafft tur die diirftigen Kirchen der Dibcese. Der Verein ist eine wahre Schatzkammer fiir die Kirchen von Lavant, wie das allerheiligste Altarssacrament der groftte Schatz der katholischen Kirche ist, Der Verein ist ein Triumph fiir die Diocese, wie das Liebessacrament ein Triumph fiir die ganze Kirche ist. Und wir wollen heute triumphieren in der Kirche bei der Aus- setzung des hochwiirdigsten Gutes und wollen zumal triumphieren am kommenden Frohnleichnamsfeste. Der Flerr Vereinsobmann mit den beiden Flerren Vereins- ausschiissen und die Frau Vereinsprasidentin mit den beiden Assistentinnen, wie auch alle Frauen und Jungfrauen, die fur den Verein fteibig gearbeitet haben, triumphieren mit Kecht schon jetzt bei der glanzenden Ausstellung. Ich preise sie alle selig, wie auch die iibrigen Mitglieder, Gonner, Freunde und VVohlthater des Vereines, weil sie am jiingsten der Tage werden zu Jesus Christus sprechen konnen: Flerr, wir haben dich nicht bloft in der Person des Armen gekleidet und beherbergt, sondern wir haben dir auch im hochheiligen Sacramente des Altares in deiner eigenen Person bedient. Und das beseligende Endurtheil wird lauten: Kommet ihr Gesegneten meines Vaters, besitzet das Reich, welches seit Grund- legung der Welt euch bereitet ist. (Matth. 25, 34). Indem ich am Schlusse meiner Gelegenheitsansprache allen anwesenden und allen abwesenden Vereinsmitgliedern fiir die bisherige Unterstiitzung des lobwiirdigen Vereines danke und sie um weitere ausgiebige Hilfe bitte, weil es noch immer arme Kirchen gibt, die dem armlichen Stalle von Bethlehem nicht unahnlich sind, und indem ich die gegenwartige Para- menten-Ausstellung fiir erotfnet erklare, ertheile ich als Beweis meiner Dankbarkeit, wie auch als Zeichen meines fordernden -I- 219 -f Wohlwollens und als sichere Gewahr und Btirgschaft des himmlischen Segens den oberhirtlichen Segen. Benedicat vos omnipotens Deus Pater et Filius et Spiritus Sanctus! Amen. § 68 . Achtzehnter Jahresbericht pro 1899. Die Hauptaufgabe des Anbetungsvereines besteht darin: Die Erkenntnis, Liebe und Anbetung Jesu Christi im aller- heiligsten Altarssacramente in sich und bei anderen zu be- fordern; fiir die Unbilden, welche ihm in diesem erhabenen Geheimnisse zugefiigt werden, Ersatz zu leisten und auf diese Weise Jesum mit Wort und That vor der ganzen Welt zu be- kennen. »Mit dem Herzen«, lehrt der heilige Weltapostel Paulus in seinem Briefe an die Romer, »glaubt man z ur Gerechtigkeit, mit dem Munde geschieht aber das Bekenntnis zur Seligkeit«. (Rom, 10, 10). Die Schuld daran, dass es in unseren Tagen in der Welt so traurig aussieht, liegt hauptsachlich darin, dass die Menschen Jesum Christum und seine beseligende Lehre nicht kennen und in Folge dessen sich auch nicht bestreben, der Fruchte seiner Erlosung theilhaftig zu werden. Und doch gibt es fiir die Menschen kein anderes Heil, als in Jesu Christo, dem Gekreuzigten. »Das ist das ewige Leben«, sprach Jesus, als er in seinem hohenpriesterlichen Gebete zu seinem himmli¬ schen Vater fiir uns flehte, »dass si e Dich, den ali e in wahren Gott, er k en n en und den d u gesandt hast, Jesum Christum«. 1 Die wahre Erkenntnis Jesu Christi und seiner Heilsanstalten ist die Grundbedingung zur Besserung unserer gesellschaftlichen Zustande, denn, »wenn der Herr das Ha us nicht baut, so arbeiten die Bauleute u m- sonst; wenn der Herr die Stadt nicht behiitet, so wachet derHiiter umsonst«. 2 Merkwiirdig sind dieWorte, mit welchen der Prophet Oseas 700 Jahre vor Christus unsere heutigen Zustande gezeichnet hat, da er spricht: »Es ist keineErkenntnis Gottes im Lande, darum hat das Fluchen, Liigen, M o r d e n, S tehlen, Ehebr echen iiber Hand genommen, und e i n e B1 u t s c h u 1 d reiht sich a n die and er e«. 3 Um diesen Ubeln zu steuern, ist der Anbetungsverein bemtiht, die Erkenntnis Jesu Christi, des Sohnes Gottes und unseres Erlosers, imrner mehr zu verbreiten, damit alle Mensclien 1 Joh. 17, 3. — 2 Ps. 126, 1. - 3 Os. 4, 2. - 1 - 220 -§~ ihn uncl seine Lehre, den wahren katholischen Glauben ef- kennen, nach demselben ihr Thun und Lassen einrichten, und so durch das oftentliche Bekenntnis desselben das zeitliche Woblergehen liter auf Erden und die ewige Seligkeit im Jen- seits eriangen. Eine schone Art Jesum Christum offentlich zu bekennen, ist der katholische Gruss: »Gelobt sei Jesus Christus«, mit welchem Heil und Segen iiber Stadt und Land herabgefleht wird und welcher allen Mitgliedern tles Anbetungsvereines hiemit bestens empfohlen wird. »Wer immer«, spricht der gottliche Heiiand, »mich vor dem Menschen bekennen \vird, den will ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist«. 1 Hier moge eine Begebenheit Envahnung finden, die sich in den Siebziger Jahren zu Bonn zugetragen hat. An der dortigen Universitat solite ein Professor der Medicin einen kranken Landmann an der Zunge operieren. Die Operation war sehr schcvierig und der Arzt eroffnete dem Patienten, dass er in Folge dessen sein Leben lang die Sprache verlieren werde. Weil der Krankheitsfall ein seltener war, hatte der Pro¬ fessor diese Operation vor den jungen Studenten vornehmen wollen. »Wenn Sie also Ihren Angehorigen noch etwas mit- zutheilen haben, thun Sie das jetzt«, so redete der Professor den Armen an, »denken Sie, es wird Ihr letztes Wort im Leben sein; nach der Operation sind Sie stumm«. Alle, Professor und Zuhorer, alle warteten gespannt. Einen Augenlilick senkte der Landmann sein Haupt, und dann klang es fest von seinen Lippen : »Gelobt sei Jesus Christus!« Eine tiefe Bewe- gung gieng durch die Reihen mitunter leichtfertiger Studenten und auch in den Augen des Professors zeigten sich Tliranen. Die Operation geschah und der Mann blieb stumm. Welch’ tiefen Glauben und welcb’ kraftige Liebe zeigt uns ein solches Verhalten; gewiss blieb ein solches Bekenntnis niclit unbelohnt. Ein soleh’ freimiithiges Bekenntnis Jesu Christi bestreben sich die Mitglieder des Anbetungsvereines liberall mit Wort und That zu verbreiten, indem sie Jesum Christum im aller- heiligsten Altarssacramente fleibig besuchen, ihre Gebetsstunden genau einhalten, in der heiligen Communion sich mit ihm oft- mals vereinigen und ihm, wo er immer in diesem Sacramente der Liebe erscheint, die gebiirende Ehre und Anbetung er- weisen. Dieses Bekenntnis des Glaubens und der Liebe geben die Vereinsmitglieder insbesondere auch dadurch kund, dass sie fitr die Verschonerung des Gotteshauses und fiir die wiirdige Feier des oifentlichen Gottesdienstes durch Beschatfung von entsprechenden Kirchenparamenten und Utensilien Sorge tragen. 1 Matth. 20, 32. -l- 221 -§- Mit welchem Erfolge dies bisber geschehen ist, karm aus den Jahresberichten und den bisher veranstalteten Kirchen- paramenten-Ausstellungen entnommen werden. Hievon gibt auch Zeugnis die in diesem Jahre angeordnete Paramenten- Ausstellung. Die Vereinsmitglieder, deren Gesammtzahl sich gegen- wartig auf 19.053 belauft, und andere Wohlthater haben in diesem jahre an milden Gaben die ansehnliche Summe von 6239 K 65 h beigesteuert, mit welchem Gelde die-hier ver- zeichneten Kirchenparamente und Utensilien angeschafft wurden. Hiebei sei bemerkt, dass mehrere Pfarren grofiere Beitriige einsandten mit dem Wunsche, hiefiir Paramente von be- deutenderem Werte zu erhalten, welchem Wunsche auch gerne entsprochen wurde. So spendete z. B. die Vorstadtpfarre St. Magdalena in Marburg 260 K, die Abtei-Stadtpfarre Cilli 140 K, die Hauptpfarre Gonobiz 408 K 40 h, die Pfarre St. Georgen am Tabor 126 K; viele andere Pfarren trugen je liber 40 K bei, und der in Schleiniz bei Marburg verstorbene Grund- besitzer Andreas Gojčič vermachte dem Vereine ein Legat von 100 K. Uberdies hatte die hochgeborene Frau Grafin Maria Nugent wie alljahrlich, so auch heuer wieder zwei Messgewander sammt Zugehor, zwei Feststola, ein Velum und eine Albe dem Vereine in hochherziger Weise gespendet. Es sei gleich hier der hohen Spenderin sowie uberhaupt allen edlen VVohlthatern und Gonnern des Vereines der verbindlichste Dank hiernit abgestattet. Bei der vorjahrigen Paramentenausstellung des Anbetungs- vereines regten Seine Fiirstbischoflichen Gnaden, der hoch- vviirdigste Protector des Vereines, den gewiss sinnvollen Ge- danken an, fiir die Dom- und Stadtpfarrkirche zu Marburg, die ja die Vereinskirehe ist, zwei herrliche Kirchenfahnen zu Ehren, des allerheiligsten Altarssacramentes. anzuschaffen. Der schone Gedanke des hochwurdigsten Plerrn Fiirstbischofes, der zu diesem Zwecke den Betrag von 50 K grofimiithigst spen¬ dete, wofiir ihm hiemit der innigste Dank gesagt sei, fand in den Herzen der Vereinsmitglieder in Marburg den freudigsten VViederhall und alsbald wurde im Wege der freiwilligen Samm- lung der namhafte Betrag von 473 K aufgebracht. Die Fahnen, die einen Wert von 542 K reprasentieren, wurden durch die ehrw. Schulschwestern in Marburg, die aufier der Kirchenwasche, welche nach gewohnter Weise wieder die Schatzmeisterin be- sorgte, auch die meisten Kirchenparamente mit liebevoller Bei- hilfe der frommen und edelsinnigen Damen von Marburg an- fertigten, in prachtvoller Weise zur Ausftihrung gebracht, Christus, Deus-Homo, vivit, regnat, imperat in Sanctissimo Sacramento, defenditque plebem suam ab omni malo. -S- 222 Christus, der Gottmensch, lebt, regiert und herrscht im allerheiligsten Sacramente und vertheidigt von jeglichem Ubel sein Volk. Jesus Christus im allerheiligsten Altarssacramente lohne Ali en ihre Liebe, Sorge und Miihe hundert- und tausendfach hier und im [enseits! Der Anbetungs-Verein lieft in diesem Jahre nachstehende Kirchenparamente verfertigen: 4 Vespermantel, 26 Messkleider sammt Zugehor, 4 Vela, 5 Ciborium- und 4 Ver$eh-Mantelchen, 8 Feststola, 9 Beichtstola, 6 Taufstola, 6 Altar- pulte, 4 Pultdecken, 6 AltarpOlster, 26 Alben, 26 Chorrocke, 132 Purifi- catorien, 40 Corporalien, 40 Palen, 25 Ministranten-ChorrOcke, 12 rothe und 6 schwarze MinistrantenrOcke sammt Kragen, 12 violette Kragen, 1 Messner- rock, 1 Bahrtuch, 2 Kirchenfahnen, 2 Communiontiicher, 4 Messbiicher, 1 Altarteppich. Mar b ur g, am 5. Mai 1900. Laurentius Herg, Obmann. Philip Jakob Bohinc, Karl Hribovšek, Ausschtisse. Anna Eichler, Prasidontin. Maria Schmiderer, Theresia Poschl, Assistontinncn. Der Anbetungs-Verein ist bestrebt nicht so sehr kostbare, als vielmehr dauerhafte, anstandige und den kirchlichen Vor- schriften entsprechende Kirchenparamente und Utensilien zu beschaffen, damit auf diese Weise recht viele Kirchen betheilt werden konnten. Hiebei wird der AVunsch ausgesprochen, dass tur eine gute Aufbewahrung der Kirchensachen Sorge getragen werden moge, weil dieselben sonst schnell abgeniitzt, be- schmutzt und beschadiget werden. Zu diesem Behufe ist ein entsprechender Kirchenparamenten-Kasten unumganglich noth- wendig. Dieser Kasten soli so beschaffen sein, dass die Mess- gewander entweder hangend oder besser liegend ausgebreitet aufbewahrt werden konnen. Werden die Messgewander liegend aufbewahrt, so miissen dieselben in einem Schrank und zwar in ganz niedrigen Schubladen, einzeln der Lange nach, aus¬ gebreitet sein. Der Schrank muss daher mehrere Facher be- sitzen, welche inwendig 0'70 m breit und 1 '20 m lang sincl. Dieselben miissen seicht und beweglich sein, damit man sie ohne Beschwerde verschieben und die Messgewander leiclit heraus nehmen kann; in der Regel sollen nicht mehr als hochstens drei Messgewander ubereinander gelegt werden; der Schrank wird mit zwei entsprechend breiten Thurflugeln geschlosSen. Rin so eingerichteter Schrank ist z. B. in der Sacristei der Domkirche in Marburg zu sehen. Sehr empfehlenstvert ist es, die Kirchenparamente wenig- stens einmal im Jahre durchzusehen, zu liiften und abzustauben. Bei dieser Gelegenheit konnen die schadhaften ausgebessert 223 -«~ und clie unbrauchbar gewordenen beseitiget werden. Audi ist Sorge zu tragen, dass die Kirchenparamente vor den Motten geschiitzt werden, und die Kirchenwasche rechtzeitig gewasdien wird. Uberhaupt ist eine gehorige Aufsicht in Betreff der Kirchenwasche und anderer Kirehen-Utensilien von grossem Vortheile, weil auf diese Weise mancherlei Unzukommlichkeiten vorgebeugt und die Kirche vor Schaden bewahrt \vird. 1 Schlieblich sei noch die Bemerkung beigeftigt, dass es nicht moglich ist, iiberall grossartige und kostspielige Kirchen aufzufiihren und mit theuren Einrichtungen zu versehen, da hiezu die Mittel nicht vorhanden sind, und auch ohne Be- druckung der Glaubigen nicht aufeebracht werden konnen; aber die dem Allerhochsten geweihten Cultusstatten konnen und sollen iiberall in gutem Bauzustande erhalten, von Staub und Spinngewebe gereiniget, die scliadhaften Einrichtungs- stiicke, als: Kirchenstiihle, Fenster und Thiiren ausgebessert und gehorig angestrichen werden, damit die Kirchen als wiirdige Wohnung fiir den Herrn Himmels und der Erde be- funden werden. »D o m um tuam decet sanctitudo Do¬ mine in 1 o n g i t u d i n e m d i e r u m — D e i n e m H a u s e ziemt Heiligkeit, o Herr, auf ewige Zeiten«.- Dasselbe gilt auch von den Kirchenparamenten und Uten- silien. Es ist nicht moglich, bei jeder Kirche auf dem Bande schone und sehr kostbare Kirchenparamente anzuschaffen; wohl aber ist es moglich und auch nothwendig, die Messgewander gut zu erhalten und nicht schadhaft werden zu lassen. Die Kirchenwasche soli rein gewasclien und nicht zerrissen, die Kelche und Monstranze gut vergoldet, die Altare abgestaubt, die Kirche ausgekehrt und die Kirchenstiihle abgewiseht sein. Audi soli Sorge getragen werden, dass das ewige Licht vor dem Allerheiligsten niemals erlosche, das Weihwasser am Ein- gange der Kirche niemals fehle, kurz: dass Reinlichkeit in der ' Wie nothwendig es ist, vvenigstens einmal im Jahre den Bau- zustand der Kirche, der kirehlichen Gebaude und der kirchlichen Gerath- schaften, zu besichtigen, geht daraus hervor, dass man auf diese VVeise kleine Beschadigungen ieicht behebt und die Kirche vor grossen Auslagen bewahrt; dass man dadurch Kenntniss erhalt, ob die nothwendigen Kirchen¬ paramente und Utensilien vorhanden sind, damit dieselben rechtzeitig an- geschafft und die scliadhaften ausgebessert werden kOnnen. Bei einer Kirche ist der Fali vorgekommen, dass man beim An- betungs-Vereine um Zusendung eines Pluvials bittlich geworden ist; als aber dasselbe anlangte und in den Sacristeikasten gelegt werden solite, wurde in einer Lade ein gut brauchbares Pluviale mit 6 Messgewandern gefunden, von welchen bisher niemand Kenntnis liatte. Eine gute Aufsicht liber die Kirche und ihre Einrichtung, oftmalige Reinigung und Ltiftung derselben, ist vom grossen Vortheile; dieselbe er- hiilt die Kirche und ihre Gerathschaften im guten Stande, beugt un- nothigen Auslagen vor, und sorgt auf diese Weise fiir die Reinlichkeit und SchOnheit des Gotteshauses und der zur wurdigen Feier des Gottesdienstes nothwendigen Gerathschaften und Utensilien. — 2 Ps. 92, 7. -I- 224 -§- Kirche und bei den kirchlichen Gerathschaften herrsčhe, wie dieses durch die kirchlichen Satzungen vorgeschrieben ist: >> Altaria, vaša sacra, sacraque supellex, si non splendida, et pretiosa, saltem nitida, munda et decentia sunto. Nihil lacerum, nihil scjualidum, nihil vilioris quam decet pretii, in re sacra facienda sacerdos. admittat. Calix et pyxis, si fieri potest, cuppam saltem habeant argenteam, intus inauratam; quod de patena pariter dicendum. Paramenta sacra ex holoserico, reli- quae vestes et tobaleae ex solo lino conficiantur.« ' Auf diese Weise wird der Wahlspruch des Anbetungs-Vereines zur Wahrheit werden: »Domine, dilexi decorem domus tuae, et locum habitationis gloriae tuae! — Plerr, ich liebe die Pracht deines Hauses, und den Ort der Wohnung deiner Herrlichkeit!« a § 69. Ansprache des hohen Vereinsprotectors, des hochwiirdigsten Herrn Furst- bischofes Michael, anliifilich der Fahnenweihe-Feier des »Vereines zur bestandigen Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur Ausstattung artner Kirchen in der Lavanter Diocese« gehalten in der Dom- und Staatpfarrkirche zum hi. Johannes Bapt. in Marburg, am Feste der hi. Monica als am 4. Sonntage nach Ostern, den 13. Mai 1900. Gelobt sei Jesus Christus! In Ewigkeit Amen. Im Herrn geliebte Glaubige! In diesem denkwiirdigen heiligen Jubeljahre, als dem Schlussjahre des neunzehnten Jahrhundertes nach Christi Ge- burt, wollen die katholischen Christen auf lebhaften Wunsch des gliicklich und glorreich regierenden Heiligen Vaters Papstes Leo XIII. ihrem gbttlichen Erloser Jesus Christus besonderen Dank sagen fiir die empfangenen Wohlthaten und Gnadengaben, wollen ihm ihr Homagium oder ihre Huldigung darbringen, ihm Siihne und Abbitte leisten fiir die ihm seitens der undank- baren Welt zugefiigten Beleidigungen, angethanen Unbilden, Krankungen und Lasterungen. Gelobt sei Jesus Christus, dieser schiinste und altehr- wurdigste Lobspruch und Gruss soli in diesem Jahre unauf- horlich wiederhallen von einem Ende bis zum anderen des katholischen Erdkreis.es. Er soli wiedertdnen vom Norden bis zum Siiden und vom Westen bis zum Osten. Gelobt sei 1 Gesta et Statuta Svnodi dioec. Lavant. anno Domini 1896 celebratae. Marburgi, 1897. Cap. IV. pag. 275. — 1 Ps. 25, 8. -1- 225 -s- Jesus Christus, so moge es auch durch die ganze grobe Lavanter Diocese unablassig hallen und schallen. Deshalb begann ich ja mein diesjahriges Fastenhirtenschreiben mit diesem erhabenen christlichen Lobspruche und handelte darin liber Jesus Christus, als unseren Herrn und Konig, und for- derte am Schlusse alle Bisthumskinder auf, dass sie zur Ver- herrlichung und Anbetung, zur Huldigung und Siihneleistung fur den Konig der Zeiten Festlichkeiten veranstalten mochten. Denn Lob und Preis und Ruhm, Ehre und Macht und Herrlich- keit geblirt allezeit und allerorts dem Konige der Konige, dem Flerrscher der Fterrschenden! Vielgeliebte im Herrn! Wie anderweitig in der Diocese so sind hier in diesem majestatischen Dome auch schon Huldigungsfestlichkeiten ab- gehalten worden. Am 24. April 1. J. feierte der hiesige ka- tholische Frauenverein von der werkthatigen christlichen Nachstenliebe das Jubilaum seines vierzigjahrigen Bestehens und gesegneten Wirkens. Es war diese erhebende und er- bauende Festfeier zugleich auch eine Huldigungsfeier fiir den lieben gottlichen Heiland, dessen hochheiliger Person die christkatholischen Frauen und Jungfrauen von Marburg dienen, indem sie fiir Arme, Kranke, Diirftige und Leidende sorgen und arbeiten mit vereinten Kraften. Dieses glanzend ver- laufende Jubelfest war ein lautes, eindringliches: Gelobt sei Jesus Christus! Am 30. April 1. J. begann eine zweite grobe Feier zur Anbetung, Erhohung und Huldigung des Welterlosers und dauerte bis zum 8. dieses Maimonates. Ich meine die von drei gottbegeisterten Missionaren 1 geleitete Jubilaums-Andacht in dieser Dom- und Stadtpfarrkirche. Ich hoffe zuversichtlich zu Gott, dass durch diese ausserordentliche Andacht wie die Ehre Gottes, so auch das Heil der Stadtbewohner machtig gefordert worden ist. Es erschienen doch nur in der Domkirche 2186 Communicanten am Tische des Herrn. Auch diese Feier war ein freudig-frohes: Gelobt sei Jesus Christus! Heute am Sonntage Cantate und zufallig am Feste der hi. Monica, der groben Mutter des groben Augustinus, haben wir uns, Vielgeliebte im Herrn, abermals zu einer den Geist er- bauenden und das Herz erhebenden Huldigungsfeier in diesem schonen Gotteshause versammelt. Ich stehe namlich im Begriffe, 1 Es waren die hochwiirdigen Patres aus der Gesellschaft Jesu: Wenzel Lerch, Superior der Residenz auf dem Freienberge bei Linz; Franz Ser. Pblzl, aus dem Collegium zu Lainz in Wien; Johann Nep. Sen- felder, Fruhprediger, Katechet und Leiter der Junglings-Congregation aus dem Noviziathause zu St. Andra in Karnten. 15 -f- 226 ~i~ zwei prachtvolle Kirchenfahnen zu weihen, welche die Marburger Mitglieder des Anbetungs-Vereines zur frommen Erinnerung an das grofie, allgemeine Jubilaum des heiligen oder goldenen Jahres angeschafft haben. Dieses Fahnenweihefest wie die heute zu eroffnende Paramenten-Ausstellung des lobwiirdigen An- betungsvereines wollen auch nur sein eine Huldigung fiir Christus, den Gottmenschen, der da lebt, regiert und herrscht im allerheiligsten Altarssacramente und von jeglichem Ubel sein Volk vertheidigt. Vielgeliebte im Herrn! Wer aus euch kennt nicht den allerschonsten der Vereine, den Verein zur immerwahrenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes und zur wiirdigen Ausstattung armlicher Diocesan-Kirchen ? Besteht doch dieser herrliche Verein in Marburg schon fast zwanzig Jahre und veranstaltet jahrlich eine reichhaltige Ausstellung von Kirchen-Paramenten, Gerathen und Gegenstanden. Mit hohem Erlasse des F.-B. Lavanter Ordinariates vom 27. Mai 1881 ward der Verein in der Diocese eingeftihrt. Ain 7. Juni desselben Jahres 1881 wurde er dem Wiener-Erzvereine angegliedert und am 1. Janner des folgenden Jahres 1882 der Erzbruderschaft in Rom aggregiert oder einverleibt. Die erste Paramenten-Ausstellung fand am 15. Juni 1882 statt, wobei der junge Verein schon 4433 Mitglieder zahlte und eine Geldein- nahme von 2826 K 16 h aufwies ohne Einrechnung und Ein- beziehung der gespendeten kostbaren Stoffe fiir Paramente und Kirchenwasche. Von Jahr zu Jahr machte der ruhrige Verein erfreuliche Fortschritte. Im verflossenen Vereinsjahre 1899 gab es in der Dio- cese 19.053 Mitglieder, welche zur Ehre Jesu Christi, des eucha- ristischen Fleilandes, eifrig beten, fleifiig arbeiten und opfern. Die Gesammteinnahmen erreichten die Hohe von 82.002 K 62 h ohne Bewertung der gespendeten Stoffe und der schon fertig gestellten Kirchenparamente, die sicherlich auch viel kosteten an Geld und Arbeit, so dass die Summe nach den angestellten Berechnungen gewiss hoher als 25.000 K angesetzt werden kann. Fiir die milden Beitrage der Vereinsmitglieder und Wohl- thater wurden alljahrlich Messgewander, Altarkleider, Fahnen, Leuchter, Baldachine und sonstige grofiere und kleinere Ge- genstande und Gerathe angeschafft und den armen Kirchen der Diocese geschenkt. Unter anderem wurden 444 Messgewander sammt Zugehor als Stola, Manipel, Kelchvelum und Bursa, ferner 294 Alben, 319 Stola, 334 Chorrocke, 10 Dalmatiken, 25 Vespermantel, 158 Altarpolster, 55 Altar-Antipendien, 23 Altar- leuchter — kurz gesagt 9506 grofte und kleine Gegenstande -s- 227 -s- angeschafft und vertheilt. Welch eine Thatigkeit, welch ein Segen! Und welch ein Segen ergiesst sich aus den Tabernakeln liber Stadt und Land, wenn vor denselben die Mitglieder Tag und Nacht den eucharistischen Gottmenschen Jesum Christum anbeten und verherrlichen! Ja, die Leistungen des lobenswerten Vereines in den neunzehn Jahren seines Bestehens sind grofiartige. Der Wert des opferwillig gespendeten Fleifies in der Nah- Hackel- und Stickereiarbeit ist unbezahlbar. Unbezahlbar ist die Liebe, die sich an den Hunderten und Tausenden von Palen, Purifica- torien, Manutergien und Ciborien-Vela erkennen lasst. Wie so wunderbar ist doch die Liturgie der Kirche, da zu deren Ver- wirklichung die christlichen Jungfrauen und Frauen berufen und zu einer Wtirde erhoben sind, welche jeden irdischen Reichthum, jede naturliche Schonheit und jeden natiirlichen Adel weit iiberragt und einen Ruhm verleiht, der hiniiberdauert liber alle Zeitlichkeit. Wie segensreich der Verein wirkt, beweist deutlich auch der diesjahrige 18te Jahresbericht vom 5. Mai 1900, der bei der heutigen feierlichen Eroffnung der Paramenten-Ausstellung zur Vertheilung unter die Festgaste gelangt. Ubrigens wird liber die segensreiche achtzehnjahrige Thatigkeit des Vereines ein eigenes Buch, das sich schon unter der Presse befindet, nahere Auskunft geben, eingehenderen Bericht erstatten. Darum sage ichjetzt demiithigen Dank ftir ali das Erreichte und Geleistete vorab dem dreieinigen Gott, von dem nach den Eingangs- worten der heutigen Sonntags-Epistel jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk ist, h er ab s teigen d vomVater derLichter, bei w e 1 c h e m k e i n e Verand e- rung und kein Schatten des Wechsels ist. (Jacob. 1, 17). Sodann sage ich ein tausendfaches Vergeltsgott der nimmer mliden Vereinsleitung, allen Mitgliedern, Freunden, Gonnern und Wohlthatern des Vereines. Der im allerheiligsten Sacra- mente wahrhaft, wirklich und wesenhaft gegenwartige Flerr und Heiland Jesus Christus lohne allen ihre Liebe, Muhe und Sorge auf das allerreichlichste diesseits und jenseits. Vielgeliebte im Flerrn! So habe ich euch in grofien Ziigen die hohe Bedeutung des wunderherrlichen Anbetungsvereines gezeigt und geschil- dert. Nunmehr ist es an der Zeit, dass ich von der eigentlichen Festfeier, von der Fahnenweihe spreche. Bei der im Jahre 1898 veranstalteten Paramentenausstel- lung wurde der Gedanke angeregt, flir die Dom- und Stadt- pfarrkirche, als die Vereinskirche, zwei Fahnen zu Ehren des allerheiligsten Altarssacramentes anzuschalfen, die am Frohn- 15 * -I- 228 -§«- leichnamsfeste, als am Hauptfeste des Anbetungsvereines zu beiden Seiten des hochwiirdigsten Gutes getragen werden sollten. Der gottgefallige Gedanke fand in den Herzen der Vereins- mitglieder den freudigsten Wiederhall. Alsbald ward im Wege freiwilliger Sammlung der namhafte Betrag von 444 Kronen aufgebracht. Die Priester opferten gegen 200 Kronen und das iibrige spendeten Frauen und Jungfrauen, Manner und gott- liebende Jiinglinge. Das Namensverzeichnis der frommen Spen- der wird sorgfaltigst bewahrt zur frommen Erinnerung an die Wohlthater, wie auch zur Aufmunterung und Erbauung der kommenden Geschlechter. Jede der beiden Fahnen, welche zusammen einen Wert von 542 K reprasentieren, besteht aus hochfeinem weifien Seidenmoirestoffe und ist beilaufig I '70 m lang und 1 '8 m breit. Die Tressen oder Borden, die Schniire, Quasten und Behange sind von echtem Golde. Der zierliche, 3.55 m lange Fahnen- schaft schliefit mit einem im Feuer vergoldeten Kreuze ab, das in der Mitte auf der einen Seite den heiligsten Namenszug Jesu und auf der anderen Seite das Monogramm Maria tragt. Die von den ehrwtirdigen Schulschwestern angefertigten Kirchenfahnen haben die hehre Bestimmung, zur dankbaren Erinnerung an das Papst- und Kaiserjubilaum des Jahres 1898 und zur Danksagung fur alle Wohltbaten und Gnaden zu die- nen, die Jesus Christus im Sacramente seiner gottlichen Liebe den Menschenkindern erwiesen im Laufe der 19 Jahrhunderte. Aus dieser loblichen Widmung erklart sich auch ihre ge- fallige Ausstattung. Die erste Fahne schmiickt das Herz-Jesu Bild mit der Aufschrift: 1900. Kommet alle zu mir! 1901. Das Bildnis stellt den gottlichen Heiland in der edlen, wurdevollen Haltung des liebevollen Entgegenkommens vor, und wirkt auf den Beschauer ungemein giinstig. Christus zeigt mit der Rech- ten auf sein mit der Dornenkrone umwundenes und in Liebe flammendes Herz, spricht von seiner Liebe zum Beschauer, der sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen fiihlen muss. Auf der Kehrseite knien zwei anbetende Engel vor der Monstranze mit der heiligen Hostie, oberhalb welcher die Aufschrift prangt: Kommet, lassetuns anbeten! Diese beidenSeraphime sinn- bilden jene Vereinsmitglieder, die Jesum ChristumTag und Nacht im heiligsten Altarssacramente anbeten, die ihm Siihne leisten fiir die Beleidigungen und Unehrerbietigkeiten seitens der schnoden, undankbaren Welt. Sehr zutreffend ist die Wahl des Herz-Jesu Bildes fur die Fahne des Anbetungsvereines, weil sich namlich die grenzen- lose Liebe Jesu, die in seinem Herzen den Sitz hat, vornehm- lich gegen uns Menschen durch die Einsetzung des allerheilig- sten Altarssacramentes oifenbarte und immerdar offenbart. Wo nun das Herz Jesu ist, da kann das Herz Maria nicht fehlen. -§- 229 Darum ziert die zweite Fahne das Herz-Maria Bildnis mit der goldenen Aufschrift: 1900. Siehe, deineMutter! 1901. Die Kehrseite tragt das namliche Symbol der Anbetung des aller- heiligsten Altarssacramentes wie die Kehrseite der ersten Fahne. Sehr passend und gut ausgewahlt ist dieses heilige Bild. Denn, meine lieben Christen, welches Herz liebte Jesum mehr und inniger als das reinste und schonste der Menschenherzen, das Herz Maria? Darum bereiten wir ganz gewiss dem gott- lichen Heilande die grofite Freude, wenn wir ihn lieben, ehren und preisen durch das heilige Herz seiner hochbenedeiten, jungfraulichen Mutter Maria. Jesus selbst bezeugte dies, indem er einstens zur hi. Mechtildis sprach: MeineTochter, wenn dumirgefallen wi 11 st, so opfere mir daS reinste, demiithigste und liebevollste Herz auf, das Herz meiner Mutter. So liehen wir denn recht gerne und innig zum allerreinsten Herzen Maria, dass es Ersatz leiste ihrem gottlichen Sohne, un- serem Erloser und Versohner, fiir unsere Siinden der Lauheit und Tragheit, der Gleichgiltigkeit und Unehrerbietigkeit gegen das hochheilige- Altarssacrament. Nahen wir uns stets in Begleitung der allerheiligsten Jungfrau und Muttergottes Maria, die wir in diesem Blumenmonate Mai als Konigin Himmels und der Erde verehren und anrufen, dem Sacramente der Sacramente, dem lebendigen Gottmenschen Jesus Christus, wie er da lebt und leibt, regiert und herrscht im allerheiligsten Altarssacramente. Im Herrn geliebte Glaubige! Ihr kennet die Bedeutung der Fahnen! Sie sind ein Zeichen des Kampfes, ein Sinnbild des Schutzes, ein Sinnbild der Treue, ein Sinnbild der Eintracht und Sammlung, ein Sinnbild des Einstehens fiir eine gute, edle Sache. So fassten auch die Culturvolker ihre Paniere und Feldzeichen auf, vom Adler der Romer bis zu den Kriegsfahnen der christlichen Nationen. Schon fruhzeitig bemachtigte man sich dieses Gedankens auch im heiligen Wettstreite um geistige Interessen, und so entstanden die Kirchenfahnen, so die Fahnen der Vereine und Innungen. Die zwei Fahnen, die heute hier wehen, wallen und geschwungen werden, und der kirchlichen Weihe und Segnung harren, sind Fahnen Christi, die uns sammeln zum Siege im Kampfe fiir die hochsten Giiter, fiir den hi. Glauben und fiir das Leben nach dem Glauben. In diesem Kampfe miissen wir treu und unentwegt bleiben und ausharren, woran uns der feste Fahnenstab erinnert, an dessen Spitze das hi. Kreuz, das Zeichen des Heiles glanzt und uns zuruft: In diesem Zeichen werdet ihr siegen! -I- 230 -s- Im harten und schweren Lebenskampfe schauen wir mit Vertrauen empor zum heiligsten Herzen Jesu, das uns liebe- voll zuruft: Kommet alle zu mir, die ihr muhsam und beladen seid, ich will euch erquicken! Blicken wir mit Zuversicht empor zum reinsten Herzen unserer Mutter Maria, die uns schiitzen und schirmen wird als Mutter des Herrn der Herrscher, des Konigs der Konige. Bevor ich die Weihe der prachtvollen Fahnen vornehme, will ich euch, Geliebte im Herrn, ein besonderes Andenken an das heutige Fahnenweihefest mit auf den Lebensweg geben. Aus der Dornenkrone, die das Herz Jesu umwindet, iibergebe ich euch einen Dorn. Er bedeutet die Abscheu vor der Tod- siinde, die das Herz des gottlichen Heilandes so tief und schmerzlich verwundet hat. Wer siindigt, der verwundet und kreuzigt Jesum aufs neue, lehrt der grobe Apostel Paulus. Aus dem Blumenkranze, der das Herz Maria umschlingt, iibergebe ich euch eine Rose. Sie bedeutet die christliche Tugend. Das Herz Maria zierte und schmtickte jegliche Tugend; will euer Herz dem Herzen Maria ahnlich werden, muss es umgeben werden mit dem Kranze der Tugenden als dasind: fester Glaube, uner- schiitterliche Hoffnung, wahre Demuth und lautere Keuschheit. Von den Flammen aber, die aus dem Herzen Jesu und aus dem Herzen Maria machtig hervorbrechen, mochte ich gar gerne einen Funken in euere Herzen einsenken: Er sinnbildet die werkthatige Liebe zu Gott und zum Nachsten. Das Schwert im Herzen Maria sei euch allen ein Symbol, ein Wahrzeichen christlicher Geduld in allen Leiden, Miihen, Anstrengungen, in allen Triih- und Drangsalen. So iibernehmet denn, meine lieben Christen, die von mir jetzt zu weihenden Fahnen und merket auf die beredte Sprache, die sie fiihren, mit der sie euch stets den rechten Weg weisen. Die geweihten Fahnen mogen eure Herzen begeistern zur Liebe und Nachfolge Maria, sowie zur grofitmoglichen Hoch- schatzung und glaubigen Ausniitzung des hochheiligen Sacra- mentes. Auf Jesus im allerheiligsten Altarssacramente bauet und vertrauet, und ihr werdet zeitlich siegen und ewiglich triumphieren. Das Schwert wird sich verwandeln in eine Sieges- palme, der Tugend-Kranz in eine hellstrahlende Krone, die Liebesflamme in ein himmlisches Glorienlicht. Amen. Die Kirchenparamenten-Ausstellung fand am 13. Mai 1900 im F.-B. Domcapitelhause statt, bei welcher Seine Ftirstbi- schoflichen Gnaden der Hochwiirdigste Vereins-Protector und zahlreiche Theilnehmer erschienen sirul. Der Vereins-Obmann begriisste die Versammelten mit nachstehenden Worten: •( Anton Martin Slomšek, Fiirstbischof von Lavant, 1846—1862, Griinder des Lavanter Biscliofsitzes in Marburg. -I- 231 -§- Euere Fiirstbischofliche Gnaden! Hochverehrte Versammlung! In gehobener Stimmung erscheinen wir heute in dieser Kirchenparamenten-Ausstellung, welche der Anbetungs-Verein in diesem heiligen Jubeljahre veranstaltet hat. Das heurige Jahr ist in mehrfacher Beziehung ein Jubeljahr, geweiht der Erinne- rung wichtiger Ereignisse. Dieses heilige Jubeljahr begann bereits am Schlusse des vorigen Jahres, wo der heilige Vater Papst Leo XIII. am 24. December in Rom die Porta santa — das heilige Thor — in der St. Peterskirche feierlich eroffnete und das gnadenreiche Jubeljahr verkiindete. Die Lavanter Diocese feiert in diesem Jahre den hundertsten Geburtstag des hochseligen Fiirstbischofes Anton Martin Slomšek, des Begrtinders des Lavanter Bischofsitzes in Marburg, beson- deren Wohlthaters und geistlichen Erneuerers der Diocese. 1 Euere Fiirstbischofliche Gnaden feiern heuer den fiinfzigsten gnaden- reichen Geburtstag, das 25jahrige Jubilaum des iiberaus ge- segneten Priesterthums und die Erinnerung an das vollendete zehnjahrige miihevolle und segensreiche oberhirtliche Wirken als Fiirstbischof vonLavant; in diesem Jahre wird gefeiert der siebzigste Jahrestag der Geburt Sr. kais. und konigl. Apo- stolischen Majestat, unseres allergnadigsten Kaisers Franz Josef I. Geruhen Euere Fiirstbischofliche Gnaden nun in diesem so hochheiligen Jubeljahre einen kurzen Bericht iiber die Thatigkeit des Anbetungs-Vereines im verflossenen Jahre gnadigst entgegenzunehmen. Mit dankerfulltem Herzen kann ich die erfreuliche Mit- theilung machen, dass der Anbetungs-Verein in diesem Jahre sich allseitiger Unterstiitzung erfreute. Die Anzahl der Mitglieder hat um 1572 zugenommen, und die Gesammtzahl betragt nun 19.053. An vielen Pfarren wird die Anbetungsstunde gewohnlich an Sonntagen gemeinschaftlich gehalten, in einer Pfarre ge- schieht diese Anbetung jeden Sonntag abwechselnd nach Standen. Die milden Gaben zur Verfertigung von Kirchenparamenten sind in allen Pfarren in reichlichem Masse eingeflossen. Die Jahres-Einnahme betragt 6239 K 65 h. Es sei besonders her- 1 Zur dankbaren Erinnerung an den hochseligen Fiirstbischof Anton Martin Slomšek ist in der Domkirche zu Marburg auf der Epistelseite ein Monument gesetzt, welches am 24. Juni 1878 feierlich enthiillt wurde und die Aufschrift triigt: Dem Grunder des Bischofsitzes zu Marburg — Antonio Martino Slomšek, ecclesiae egregio episcopo, pastori optimo — Narodnemu buditelju, pisatelju in pesniku — hvaležni Slovenci. -*f— 232 —§♦- vorgehoben, dass in Marburg ein Betrag von 466 K durch eine besondere Collecte fur die zwei Sacraments-Fahnen gesammelt wurde. Die edlen Damen von Marburg und Umgebung haben fleibig an Messkleidern uud Spitzen fur die Kirchenwasche gearbeitet, und die schone Kirchemvasche hat die Schatz- meisterin, wie in anderen Jabren, so auch in diesem Jahre besorgt. Es sei mir gestattet, noch zu erwahnen, dass die Hochgeborne Frau Grafin Marie Nugent in diesem Jahre abermals zwei kostbare Messkleider sammt Zugehor, zwei Feststola, ein Velum, und eine Albe dem Vereine hochherzig zur Verfugung stellte. Es sei daher dieser hohen Gonnerin, und allen Freunden und Forderern des schonen Anbetungs- Vereines hier gleich der verbindlichste Dank ausgesprochen mit der ergebenen Bitte, auch fernerhin den schonen An- betungs-Verein untersttitzen zu wollen: Komrnet, lobet ohne End’ — das heiligste Sacrament, — welches Jesus eingesetzet — uns zum Testament! Wie sollen wir aber Euer Fiistbischoflichen Gnaden den gebiirenden Dank abstatten fur die so vielen Gnaden und Wohlthaten, welche Euere Furstbischofliche Gnaden im Laufe der letzten zehn Jahre als Protector und Oberhirt dem Vereine erwiesen haben? Als Ausdruck des tiefgefiihlten Dankes und der innigsten Verehrung und kindlichen Liebe geruhen Euere Furstbischofliche Gnaden anlablich des funfundzwanzigjahrigen Priesterjubilaums, zur Erinnerung an das vollendete Decennium des Oberhirtenamtes und des gliicklich erreichten fiinfzigsten Geburtstages, alle Gebete und Muhen der Mitglieder und alle hier befindlichen Kirchenparamente und Utensilien gnadigst entgegenzunehmen, den Anwesenden und allen Mitgliedern den Apostolischen Segen huldvollst zu ertheilen und diese Para- menten-Ausstellung fur eroffnet zu erklaren. Dieser Bitte wurde huldvollst willfahrt und die reichhaltige Ausstellung nach vorher gnadigst ertheiltem oberhirtlichen Segen fiir eroffnet erklart und sodann mit grosser Zufriedenheit besichtiget. Deo gratias! -*f~* 233 *-!-•- § 70. I. Ubersichtliche Darstellung der Anzahl der Vereinsmitglieder und milden Gaben vom Jahre 1882 bis 1900. 234 -g- II. Ubersichtliche Darstellung der Kirchenparamente und Utensilien vom Jahre 1882 bis 1900. Fiir die oben angefiihrten milden Jahresbeitrage der Mit- glieder und Wohlthater wurden nachstehende Kirchenparamente und Utensilien vom Jahre 1882 bis 1898 angeschafft und an die lvirchen der Lavanter Diocese vertheilt: 444 Messgewander sammt Zugehor (Stola, Manipel, Kelch- velum und Bursa), 25 Vespermantel, 10 Dalmatiken, 70 Cibo- rium-Mantelchen, 77 Versehmantelchen mit Bursa, 941 Hume- ralien, 294 Alben, 334 Chorrocke, 228 Cingula, 319 Stola, 107 Schultervela, 773 Corpora'ien, 695 Palen, 2366 Purifica- torien, 1589 Lavabo-Tticher, 158 A’tarpolster, 80 Messpulte, 44 Pultdecken, 55 Altar-Antipendien, 12 Altartiicher, 30 Altar- Couvertdecken, 29 Messbiicher, 23 Altarleuchter, 1 Kelch, 1 Ciborium, 5 Crucifixe, 2 Monstranzen, 4 Rauchfasser, 4 Oel- gemalde, 2 Oelgefasse, 2 Lampen, 1 Weihbrunnkessel, 8 Paar Opferkannchen, 10 Lavabotassen, 2 harm. Altarglocken, 1 Ma- rien-Krone, 29 Sacristei-Glockenztige, 6 Kirchenfahnen, 2 Kanzel- tiicher, 5 Bahrtiicher, 2 Sacristei-Handtucher, 13 Monstranzen- Schleier, 5 Messner-Talare und 4 Chorrocke, 313 Ministranten- Rocke und 268 Chorrocke, 108 Ministranten-Kragen, 1 Baldachin. III. Ubersichtliche Darstellung der Mitglieder, geordnet nach den Decanaten im Jahre 1900. 1. Marburg 1. D. U., 1013; 2. Altenmarkt, 474; 3. Cilli, 855; 4. Drachenburg, 899; 5. Draufeld, 353; 6. Frasslau, 369; 7. Gonobiz, 1961; 8. Grossonntag, 538; 9. Jaring, 396; 10. St. Leonhard, 502; 11. Luttenberg, . 1040; 12. Mahrenberg, 381; 13. Marburg r. D. U., 472; 14. St. Marein, 1578; 15. Neu- kirchen, 2647; 16. Oberburg, 305; 17. Pettau, 1 119; 18. Rohitsch, 477; 19. Saldenhofen, 2; 20. Sauritsch, 519; 21. Schallthal, 133; 22. Ttiffer, 789; 23. Videm, 1521; 24. Windisch-Feistriz, 710. Zusammen 19.053. Sehlussbemerkung. Die Eucharistie ist nach der Lehre der Kirche die Wieder- holung oder eine wunderbare und ausserst liebreiche Fort- setzung der gottlichen Geheimnisse der Menschwerdung und der Erlosung. In der Eucharistie kommt in der That Jesus Christus auf’s Neue fiir uns zur Welt und zeigt sich uns unter den hochheiligen Gestalten des Brotes; und in der Eucharistie bringt er sich mittelst des unblutigen Opfers der heiligen Messe neuerdings fur uns als Buss- und Stihnopfer dar. Daher finden wir im Tabernakel vereint die Krippe Betlehems und den Kalvarienberg Jerusalems. Wir finden dort Jesus, der Gott preist und fur uns bittet, der anbetet und suhnt, der Priester und Opfer zugleich ist fur uns. O, wie unaussprechlich trost- reich und siifi ist daher das heilige Sacrament der Eucharistie! Durch diese vereinigen wir uns mit Gott, gehen vertraulich mit ihm um, erhalten ihn zur Speise und geniessen auf Erden schon die Wonne des Paradieses bei Gott. In den Christen die Liebe und Andacht zu Jesus im allerheiligsten Sacramente neu wecken, sich in Anbetung vor seinen heiligen Tabernakeln vereinigen und Seine Altare und Kirchen mit Gerathen und Paramenten neu ausstatten, heifit also die Engel nachahmen, welche Ihn ohne Unterlass anbeten; heifit die seligste Jungfrau und ihren keuschen Brautigam Joseph nachahmen, welche die grofite Sorgfalt fur Jesus trugen, und um Ihn herum stets liebevoll wachten. Vielleicht ist zu keiner Zeit so viel aufgeboten worden wie jetzt, um durch Hinterlist und Trugschltisse den Glauben an einen lebendigen und wahren Gott aus den menschlichen Herzen zu reifien. Nun denn, wollen wir, dass dieser Gott sich nicht von uns zuriickziehe und uns nicht verlasse, dann miissen wir glaubig das Knie beugen vor Jesus in der heiligen Eucha¬ ristie. Die Eucharistie ist der Emmanuel auf Erden, Gott mit uns. Nimmt man die Eucharistie hinweg, oder lasst man die Liebes- flammen verloschen, welche die Herzen der Christen zur Eucha¬ ristie hinreissen šoli, so ist damit die innige und wesentliche Vereinigung, die zwischen dem eucharistischen Gott und den Menschen besteht, entzwei gerissen, und der Glaube an den wahren wirklichen Gott getrtibt undbeinahe unmoglich gemacht. Dies ist der Grund, warum in den protestantischen Landern, wo der Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi im aller¬ heiligsten Sacramente schwand, auch der Glaube an den wahren Gott in vielen Seelen geschwacht wurde, oder ganz und gar abhanden kam. Daher schloss der Cardinal Alimonda seine Ansprache an die Rorner mit den bedeutungs- vollen Worten: »Die Religion, o Italiener, verlieh euch wahr- haftig die oberste Stelle in der modernen Welt; das Papstthum war das Centrum, der Fortpflanzer und das unzerstorbare Boll- werk euerer christlichen Grofie. Wollt ihr fortfahren grofi zu sein?... So betet Jesus Christus im allerheiligsten Sacramente an; das eucharistische Sacrament ist Gott mit uns. Besuchet oft und haltet in Ehren den katholischen Tempel, denn auf der Pforte dieses Tempels ist die Bliithe der Welt-Civilisation aufgegangen .« 1 ' S. L’opera deli’ adorazione perpetua e delle chiese povere. Notizie storiche racolte per Emidio Sac. Ruggiere. Roma, 1880. ->8- 236 -§<- Sehr erbauend und aufmunternd ist das Schreiben, wel- clies der Heilige Vater Papst Leo XIII. an den Director des eucharistischen Vereines in Tirol im Jahre 1896 gerichtet hat, dasselbe lautet: Ehrwiirdiger Bruder, Grufi und apostolischen Segen. — Die Nachricht, die du Uns gebracht hast uber die Zunahme der Andacht zum erhabensten Sacramente des Altares in den Gegenden der Schweiz, Osterreichs und Deutschlands hat Uns mit ganz besonderer Freude erfullt. Denn Wir sind der Uber- zeugung, dass nichts wirksamer sei, um die Herzen zu einem niichternen und christlichen Lebenswandel anzuregen, und nichts geeigneter, um die himmlischen Gaben in reichstem Mafte sich zu verschaffen, als die Andacht zu jenem Geheim- nisse des Glaubens, in welchem Christus die Reichthiimer seiner Liebe gleichsam ausgegossen hat. Was Unsere Freude noch vermehrt, ist der Umstand, dass diese Frommigkeit der Glau- bigen gerade zu gleicher Zeit machtig gefordert wird, wo zu Unserm Schmerz die Bestrebungen gottloser Menschen mit immer wachsender Wuth dorthin zielen, die dem aller- heiligsten Sacramente gebiirende Ehren zu unterdrucken und die Liebe zu Ihm und die Sehnsucht nach Ihm aus den Herzen der Katholiken zu reiben. Weil aber euer Verein auch den Zweck verfolgt, der so schwer bedrangten Kirche den Frieden von ihrem liebenden Stifter zu erflehen, welchen Jubel und Triumph haben Wir nicht zuerwarten, wenn so viele Tausend Glaubige jeden Alters und Geschlechtes ohne Unterbrechung beten in Gegenwart des liebendeten Erlosers? Wir halten es daher fiir Unsere Pflicht, sowohl den so weit verbreiteten Priesterverein der An- betung des allerheiligsten Sacramentes, als auch die ganz vor- treffliche Frommigkeit dieser Glaubigen lobend zu erheben und mit aller Kraft zu fordern. Christus selbst moge euch mehren an Zahl und an Eifer. Wir aber verleihen zum Zeugnis Unseres Wohlwollens und als Unterpfand gottlicher Gunst sowo.hl dir, geliebter Sohn, als auch sammtlichen Prie- stern und Glaubigen, welche sich vereint haben zur Anbetung des offentlich ausgesetzten heiligen Sacramentes den aposto¬ lischen Segen. Gegeben zu Rom bei St. Peter am 20. April 1896, im 19. Jahre Unseres Pontificates. Leo P. P. XIII. Gebet, welches beim Vereins-Gottesdienste in der Dom kirche gebetet wird. O heiliges Gastmahl, in welchem Christus genosšen, das Andenken seines Leidens erneuert, die Seele mit Gnaden er¬ fullt und ein Unterpfand der zukiinftigen Herrlichkeit uns ge¬ geben wird. 237 ~§. V. Herr erhore mein Gebet! Iv. Und lass mein Rufen zu dir kommen! Lasset uns beten: O Gott, der du uns in dem wunderbaren Sacramente das Andenken deines Leidens hinterlassen hast; verleihe uns, wir bitten dich, die heiligen Geheimnisse deines Fleisches und Blutes so 1 zu verehren, dass wir die Frucht deiner Erlosung stets in uns empfinden; der du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewig- keit. Amen. Gelobt und gebenedeit sei ohne Ffnd’ Das heiligste und gottliche Sacrament. (Ablass von 100 Tagen'. Gebet Ilir die Mitglieder der Bruderschaft. »Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind«, 'so hast du einst selbst gesprochen, gottlicher Erloser, »da bin ich mitten unter ihnen.« Siehe, es haben sich viele Tausende aus allen Geschlechtern und Volkern vereinigt, um dir, dem verborgenen Gott und Heiland im hi. Sacrament die schuldige Anbetung darzubringen. Schaue daher in Gnaden herab auf alle Mitglieder, die sich zur bestandigen Anbetung deines hi. Sacramentes vereinigt haben. Vermehre und befestige in ihren Herzen den Glauben an dieses grofie und unaussprechliche Geheimnis, entziinde in ihnen imrner mehr und mehr das Feuer der gottlichen Liebe, damit sie vom Verlangen und heiliger Liebe angetrieben, taglich vor dir im hi. Sacramente das Opfer der Anbetung und Lobpreisung darbringen. O, lass sie Alle die Siifiigkeit und den Frieden empfinden, welchen du deinen wahren Verehrern in so grofiem Mafie mittheilst. Je mehr die Siinde und Bosheit der Menschen zu wachsen droht, desto herrlicher moge sich der Eifer und die Andacht zu Verherr- lichung deines heil. Sacramentes bei allen Mitgliedern offen- baren. Deine Gnade treibe sie an zum taglichen Besuche deines Heiligthums und deine unaussprechliche Liebe und Barmherzig- keit lade sie ein zum ofteren wtirdigen Empfang deines hi. Fleisches und Blutes. Lass sie verabscheuen die Welt und ihre bose Lust, und allein Ruhe, Freude und Frieden finden am Fufie deines Altars. Erfiille sie mit der Liebe und Reinheit der Engel, mit dem Glauben der Apostel und Martyrer, mit dem Gebetseifer aller Gerechten und Heiligen. Erbarme dich auch besonders aller Wohlthater und Beforderer. der Bruderschaft von der Anbetung deines hi. Sacramentes, segne ihr Gebet und ihren Eifer ftir die Ehre deines gottlichen Namens, bekehre die, welche gesundigt haben, und maehe sie zu treuen Dienern des lil. Sacramentes; fiihre sie imrner mehr zu Erkenntnis der -s- 238 -s- Wahrheit und Gottlichkeit dieses Sacramentes; lass auch wach- sen die Zahl deiner Verehrer, damit zu allen Zeiten und an allen Orten der Ruf erschalle: Gelobt und gebenedeit sei ohne End’ Das heiligste und gottliche Sacrament. Amen. (100 Tage Ablass). Gebet fiir die armen Seelen, besonders fiir die Seelen der verstorbenen Vereinsmitglieder. Barmherziger Jesus, wahrer Gott und Mensch! Wir bitten dich durch das kostbare Blut, und durch dein bitteres Leiden und Sterben, erlose die Seelen aller abgeschiedenen Christ- glaubigen aus den Peinen des Fegefeuers, wo sie auch die kleinsten Siinden mit so schmerzlicher Liebesreue beweinen. Gib, dass sie durch die Ftirbitte deiner gebenedeiten Mutter Maria Barmherzigkeit und Gnade bei dir erlangen und zur ewigen Freude zugelassen werden. Insbesonders empfehlen wir deiner Barmherzigkeit die Seelen unserer verstorbenen Anver- wandten und der Mitglieder unserer Bruderschaft. Gedenke, o Jesus, dass sie wahrend ihres Lebens dich oft im heiligen Sacramente angebetet und ftir so viele Siinder im Glauben und Vertrauen ihr Gebet vor dir verrichtet haben. Wie sie dich im heiligen Sacramente auf Erden lobten und verherrlichten, so lass ^uch sie am Throne deiner Majestat mit allen Engeln dich loben und preisen in Ewigkeit. Amen. Vater unser. Ave Maria. Anrufung zur Lobpreisung Gottes, unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus und der allerheiligsten Gottesmutter Maria. Gott sei gepriesen! — Gepriesen sei sein heiliger Name! — Gepriesen sei Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch! — ■ Gepriesen sei der Name Jesus! .—• Gepriesen sei Jesus im allerheiligsten Sacramente! — Gepriesen sei die grofie Gottesmutter, die heilige Maria! — Gepriesen sei ihre heilige und unbefleckte Empfangnis! — Gepriesen sei der Name der Jungfrau und Mutter Maria! — Gepriesen sei Gott in seinen Engeln und in seinen Heiligen! (Fiir jedesmal Ablass von einem Jalire. Papst Leo XIII. 2. Februar 1897). Inhalts-Verzeiehnis. Venite, adoremus! Scite § 1. Was ist die ewige Anbetung?. 2 § 2. Woher stammt die ewige Anbetung?. ... 3 § 3. Wann liaben die Menschen die ewige Anbetung begonnen ? . 3 § 4. Wie entwickelte sich die ewige Anbetung?. 4 I. Die Entstehung des Vereines der evvigen Anbetung. § 5. Die Entstehung des Vereines zur bestandigen Anbetung des aller- heiligsten Altarssacramentes und zu Ausstattung armer Kirchen . § 6. Die Erriclitung des Anbetungs-Vereines in Brussel. 8 § 7. Die Erhebung des Anbetungs-Vereines in Brussel zum Erzvereine 9 § 8. Der Anbetungs-Verein in Brussel wird nacli Rom verlegt ... 10 g 9. Die Statuten des Anbetungs-Vereines werden vom heiligen Stulile bestimmt ........ .12 § 10. Die Statuten des Erzvereines der ewigen Anbetung und zur Aus¬ stattung armer Kirchen. ... . . 13 8 11. Breve des heiligen Vaters Leo XIII. an die Erzbruderschaft in Brussel.16 § 12. Der lil. Paschalis Baylon, Patron der eucliaristischen Vereine . 18 § 13. Breve Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII.19 § 14. Der lil. Paschalis Baylon, unser Vorbild.23 II. Die Einfuhrung des Anbetungs-Vereines in Osterreich. §15. Die Grundung des Anbetungs-Vereines in Wien ..... 27 § 16. Breve der Erriclitung des Vereines in Wien.28 § 17. Breve der Erhebung zur Erzbruderschaft.30 § 18. Die Thatigkeit des Wiener Erzvereines und die Erriclituug von Zweigvereinen. 33 § 19. Bestimmungen tiber die Anfertigung der Kirchenparamente nacli der Prager Synode.34 § 20. Aus den ersten Vereinsjahren des Wiener Erzvereines ... 38 § 21. Zweigverein zu St. Andra im Lavantthale in Karnten ... 41 III. Die Errichtung des Anbetungs-Vereines in der Lavanter Diocese. § 22. Umfrage an die Decanalamter. 44 § 23. Hirtenschreiben des Fiirstbischofes Jakob Maximilian . . 45 § 24. Statuten des Vereines zur bestandigen Anbetung des allerheilig- sten Sacramentes in der Lavanter Diocese.51 § 25. Warum sollen wir alle freudig dem Vereine der ewigen An¬ betung beitreten?.54 § 26. Warum ist die ewige Anbetung in unserer Zeit besonders noth- wendig ? 55 § 27. Welchen Nutzen gewahrt die ewige Anbetung einer Pfarre? 56 § 28. Welchen Segen bringt die ewige Anbetung den Mitgliedern? . 56 § 29. Vortheile fiir die Mitglieder.57 § 30. Die Thatigkeit des Vereines im Jalire 1881.59 § 31. Die Aggregation mit dem Wiener Erzvereine . .... 60 § 32. Ersuchen um die Aggreg. an deii rbmischen Erzverein ... 62 § 33. Aggregierung desselben an den rOmischen Erzverein .... 63 § 34. Verzeichnis der Ablasse und Privilegien . 68 § 35. Normen ftir die Verfertigung von Kirchenparamenten ... 71 § 36. Erster Jaliresbericht pro 1882 89 § 37. Zweiter Jaliresbericht pro 1883 . 90 § 38. Kirchenparamente fiir Bosnien.94 § 39. Anempfehlung des Anbetungs-Vereines.96 § 40. Dritter Jahresbericht pro 1884 . 97 § 41. Vierter Jahresbericht pro 1885 . 101 § 42. Fiinfter Jahresbericht pro 1886 . 101 § 43. Sechster Jahresbericht pro 1887 .104 § 44. Das 50jahrige Priester-Jubilaum Papst Leo XIII.106 § 45. Siebenter Jahresbericht pro 1888 107 § 46. Achter Jahresbericht pro 1889 . 109 § 47. Fiirstbischof Dr. Jacob Maximilian Stepischnegg.111 § 48. Neunter Jahresbericht pro 1890 115 § 49. Ansprache des hohen Vereins-Protectors.118 § 50. Zehnter Jahresbericht pro 1891.120 § 51. Ansprache des hohen Verein-Protectors. .123 § 52. Eilfter Jahresbericht pro 1892 126 § 53. Ansprache des hohen Vereins-Protectors.130 § 54. Zwolfter Jahrerbericht pro 1893 133 § 55. Dreizehnter Jahresbericht pro 1894 136 § 56. Ansprache des hohen Vereins-Protectors .139 § 57. Hirtenschreiben Seiner FurstbischOfliclien Gnaden . . 143 § 58. Vierzehnter Jahresbericht pro 1895 159 § 59. Ansprache des hohen Vereins-Protectors.164 § 60. Di6cesan-Synode .171 § 61. Funfzehnter Jahresbericht pro 1896 175 § 62. Ansprache des hohen Vereins-Protectors .180 § 63. Sechzehnter Jahresbericht pro 1897 .182 § 64. Ansprache des hohen Vereins-Protectors ...... 189 § 65. Anordnung eines Triduums.203 § 66. Siebzehnter Jahresbericht pro 1889 207 § 67. Ansprache des hohen Vereins-Protectors.214 § 68. Achtzehnter Jahresbericht pro 1899 219 § 69. Ansprache des hohen Vereins-Protectors.224 § 70. Ubersichtliche Darstellung der Vereinsmitglieder, milder Gaben und der Kirchenparamente.233 Schlussbemerkung. .... 234 Gebet, vvelclies beim Vereins-Gottesdienste gebetet wird . . 236 Inhalts-Verzeichniss.239 NARODNO IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA 8 0000050312