Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu. Preis ganzjährig! Österreich 2 50 8, Deutschland 2 Marl, Italien 8 Lire/ Ungarn 2'50 Pengö, Tschechoslowakei 12 öK, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2 50 Franken, ____________________________übriges Ausland 2 Goldmark. Unser Heiliger Vater Pius XI. hat rote schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Aposto-lischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Srifen, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz. Olmütz. Marburg. Trient, Triest und Wien und Druckerlaubnis des Generalobern. Äeft 4 April 1935 XXXVIII. Jahrgang Afrika an der Spitze der Missionsländer. Immer noch sind in der Öffentlichkeit falsche Vorstellungen über das Wachstum der Katholischen Kirche im dunklen -Erdteil verbreitet. Das neue Mis-sionshandbnch der Propaganda „Führer durch die katholischen Missionen" räumt mit derartigen rückständigen Angaben auf, die noch von 2 Millionen katholischer Eingeborenen sprechen. Nur die Wahrheit kann der Wahrheit zum Sieg verhelfen und sie lautet: In den letzten 75 Jahren ist die Zahl der afrikanischen Katholiken von einigen 50.000 auf rund 7 Millionen gestiegen. Das Handbuch selbst hat diese Zahl mit 6,735.868 angegeben. Dabei ist zu bemerken, daß diese -Gesamtstatistik -auf den Einzelstatistiken des Berichtsjahres 1932/33 beruht. Nehmen wir die Fortschritte, die der Katholizismus seitdem vor allem in den Gebieten Zentralafrikas machte, wo die Be-kehrungsziffern in den letzten Jahren andern Gebieten immer um mehrere Zehntausend voraus waren, so sind wir zu dem Schluß berechtigt; 'für Ende 1934 ist die Gesamtzahl der Katholiken Afrikas mit 7 Millionen nicht zu hoch gegriffen. Zum Beweis bringen wir hier nur die letzten Ziffern von Britisch-Ost- und -Westafrika. Das Berichtsjahr 1933/34 weist 'für -Ostafrika folgende Zahlen auf: Kenya und Zanzibar 78.229, Uganda 514.270, Tanganjikagebiet 282.281, Ny-asaland 110.691, Nord-Rhodesien 98.000, Engl.-Ägypt. Sudan 19.016, Mauritius 143.450, Seychellen '25.150, zusammen 1,271.087. Die Katholiken Ostafrikas haben gegenüber dem Vorjahre um 88.569 zugenommen. Im gleichen Zeitraum bis 30. Juni 1934 ist das dortige Missionspersonal auf 913 europäische und 96 afrikanische Priester angewachsen. Sie haben einen Stab von 421 europäischen und 39 afrikanischen Brüdern, von 997 europäischen und 623 afrikanischen Schwestern, die noch von 10.972 einheimischen Katechisten unterstützt werden. In den kleinen Seminarien studieren insgesamt 1115 Knaben, während 230 bereits die philosophisch-theologischen Kurse besuchen. In Westafrika stellt fick, die Zahl der Katholiken aus 349.136, das bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 29.410 Seelen. Für die einzelnen Gebietsteile stellen sich die Ziffern wie folgt: Nigeria und Britisch-Kamerun 227.356, Goldküste und Englisch-To go 11.682, Sierra Leone 7198, Gambia 2900, zusammen 349.136. Volkscharakter, Klima und geschichtliche Vergangenheit erschweren das Missionswerk hier bedeutend. Auch kann sich der Missionsstab keineswegs mit dem des Ostens messen. Das Hilfspersonal kommt vor allem zu kurz. Es setzt sich aus 24 Brüdern, 138 europäischen und 6 afrikanischen Schwestern mit 2896 Katechisten zusammen. Die Führung haben 249 europäische und 6 afrikanische Priester. Immerhin arbeitet man auch hier sest auf die Schaffung eines einheimischen Klerus hin. Bereits zählen die kleinen Seminarien 128 und die großen 20 Studierende. Aussicht auf reiche Ernte bietet Nigeria, das dichtbevölkertste Gebiet Afrikas. Die Zahl der Kirchensprengel ist in den letzten Jahren von 5 auf 8 gestiegen. Es wurden die drei neuen Präfekturen von Benue, Jos und Calabar errichtet, und das letztere den irischen Missionaren der St.-Patricks-Missionsgesellschas-t von Kiltegan anvertraut. Die neue Mittelschule an der Goldküste darf als offenbarer Gewinn für die Mission gebucht werden. Die ausgezählten Gebiete von Ost- und Westafrika unterstehen der 1930 errichteten Apostolischen Delegatur Afrika „Für die Missionen". Der erste päpstliche Delegat Exz. Hinsley ist bekanntlich krankheitshalber im Alter von 69 Jahren zurückgetreten. Bereits ist ein Nachfolger in der Person des aus Monaco stammenden Erzbischofs Antonius Riberi seit August 1934 ernannt. In die Amtszeit Mons. Hinsleys fällt die Erhebung der Präfektur Kavirondo zum Vikariat Kisumi (Kenya), die Schaffung des neuen Vikariates Ruwenzori in Uganda, die Erhebung von Äquatorial-Nil zum Vikariat. In Tanganjika wurde das frühere Vikariat Nyanza in die beiden Vikariate Bukoba und Mwanza, die Präfektur Lindi in die beiden unabhängigen Abteien Pera-miho und Ndanda (deutsche Benediktiner) geteilt, Tukuyu neuerrichtet. Die Distrikte Dodoma und Kondoa-Jrangi wurden von den Passionisten, Ndola in Nord-Rhodesia von italienischen Konventualen, Livingstone von irischen Kapuzinern übernommen. Auch die unabhängige Mission Lwangaw ist neu, Kodak bedeutet einen Zuwachs 'für den Englisch-Ägyptischen Sudan. Mit den neugeschaffenen Präfekturen Benue, Jos und Calabar in Nigeria muß das neue Vikariat Kumasi an der Goldküste genannt werden, woselbst auch Navrongo zum Vikariat erhoben wurde. 1931 wurde die selbständige Mission Gambia errichtet. Mons. Hinsleys Wunsch, die Verehrung der seligen Märtyrer von Uganda zu fördern, fand letztes Jahr eine gewisse Erfüllung, da der Heilige Vater den seligen Karl Lwanga zum Patron der Katholischen Aktion für die afrikanische Jugend erklärte und gleichzeitig das Fest der Ugandamärtyrer zu einem Duplex 2. Klasse für die Delega-turen Afrika und Belgisch-Kongo erhob. Möge auch hier das Blut der Märtyrer zum vielfältigen Samen neuer Christen werden! Eine Statistik ist tot, wenn nicht Hand in Hand mit ihr die geistige innere Durchdringung eines Volkes geht. Man kann nicht sagen, daß diese Art von Apostolat vernachlässigt wurde. Es gibt genug Zeugen, die mit eigenen Augen den Feuereifer und den Glaubensgeist der afrikanischen Neuchristen erlebt haben. Weder aus dem Gebiet der Schule, wo es heißt mit den Nichtkatholiken konkurrieren, dem Bildungsbedürfnis der Schwarzen und :bm- Anforderungen der Regierungen gerecht zu werden, haben unsere Missionare es fehlen 'lassen, noch auf karitativem Gebiete, wo die Hospitäler, Armen-Apotheken, Aussätzigenheime, Waisenhäuser, Altersheime bestimmt sind, ein indirektes Apostolat auszuüben. Bischof Combonis Zukunftstraum, „Afrika zu bekehren", die Heranbildung eines einheimischen Klerus, liegt auf dieser Linie, ebenso wie die Erstellung von Noviziaten für einheimische Brüder und Schwestern. Die Universitätsbildung afrikanischer Jugend aus katholischer Grundlage mag noch ihre praktischen Schwierigkeiten haben und kaum.unmittelbar zu verwirklichen sein. Aber sicherlich stehen unsere Missionsobern der Bedürfnissrage nicht gleichgültig gegenüber, wie sie auch wachsamen Auges die darauf zielenden Bemühungen der Regierungen verfolgen. Optimismus allein darf uns nicht leiten, wir dürfen nicht blind sein für die Tatsache, daß die Zahl der Übertritte zur Kirche im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung fast verschwindend ist. Unzählige Sekten ringen um die Seele des Afrikaners. Ihre Propaganda ist oft nur zu erfolgreich; sie heften sich an unsere Fersen und manchmal marschieren sie voran. Der Islam besticht immer noch durch seine Zugeständnisse an die Sinnlichkeit und seine seichte Glaubenslehre. Auch Materialismus und Neuheidentum machen sich mancherorts schon breit. Wird Afrika nicht rasch durch die Kinder des Lichts gewonnen, so fällt es in Bälde der Finsternis zum Opfer. Sage niemand, wir tun zu viel für diese Völker. Wenn das Unrecht der Vergangenheit gutgemacht werden soll, muß noch ibieT geschehen. Letztes Jahr konnte Sierra Leone die Jahrhundertfeier des William Wilber-fore, des großen Vorkämpfers für die Ab- schaffung der Sklaverei begehen. Was noch an Überresten der alten Sklaverei besteht, wollen wir jetzt außer acht lassen, aber Afrika hat einen -großen Anspruch auf Wiedergutmachung von seiten der Nationen, die den Afrikaner nicht höher als das Tier einschätzten und ihn wie das Vieh verschacherten. Die blutrünstigen Sklavenjagden, die Millioneg von Abkömmlingen afrikanischer Sklaven in Amerika. Westindien und an der Westküste sind ebensoviele Zeugen einer grausamen, unmenschlichen Vergangenheit. Aufgabe unserer Missionäre ist es, alle Neger, auch die Söhne der früheren Sklaven, der Freiheit der Kinder Gottes entge-genzüführen. Aus der Mission Barberton in Transvaal. Von P. Bernhard Zorn. In einem Schreiben an den hochwürdigsten P. Generalsuperior entwirft der unsern Lesern bekannte Verfasser ein anschauliches Bild von der Entwicklung der Missionsstation Barberton. 1. Die seelsorgliche Betreuung der Weißen. Die Kirche in Barberton wurde 1885 erbaut, zu einer Zeit, da man in den Bergen der Umgebung Goldminen aufdeckte. Unser altes Harmonium tränt die Jnlcbrift: „Made in Germany 1884" (Hergestellt in Deutschland 1884). Es war nach England verkauft und von dort 1885 nach Barberton verschenkt worden. Barberton war aber kein ständiger Seelsorgsposten. Zwei- oder dreimal im Jahre kam ein Wanderseelsoraer, um den wenigen Katholiken europäischer Herkunft Gelegenheit zum Sakramenten-empfang zu bieten. Erst 1924 erhielt das Städtchen einen Priester. Im März 1929 tour'be ich hi eher berufen. Vor allem mußte auch ich mich zuerst der weißen Katholiken annehmen. Manche aus ihnen batten viele Jahre lang ihre religiösen Pflichten vollständig vernachlässigt. Ich suchte die in der Umgebung zerstreut Wohnenden aus, unterrichtete sie von neuem, las in ihren Häusern, wenn nötig, die hl. Messe und war bemüht, ihnen den regelmäßigen Besuch des Gottes- dienstes in der Kirche auf alle Weise zu ermöglichen und zu erleichtern. Allmählich gelang es auch, sie wieder zum öfteren Empfang der hl. Sakramente zu bewegen. Allerdings versuchten einige der Gnade bis zum letzten Augenblick Widerstand zu leisten. So beispielsweise eine 78jährige Frau. Als junges Mädchen mußte sie nach dem Willen ihrer Eltern und entgegen ihrer persönlichen Neigung einen alten Protestanten heiraten. Der Sektenprediger, der die Trauung-vornehmen sollte, stand bereits am -Altare. Da wandte sich die Braut plötzlich um und verließ fluchtartig das Bethaus. Die Polizei brachte sie wieder ein. Die Trauung -fand statt; die Ehe toar indessen recht unglücklich. Schließlich beantragte und erreichte der Mann, der inzwischen -einige Profite eingeheimst hatte, die Scheidung. Die junge Frau war nun vogelfrei. Verlassen und verachtet streifte sie eine Zeitlang in der Gegend umher und wanderte dann aus. Nach Jahren fand sie eine Anstellung -als Lehrerin und heiratete wieder. Als dieser zweite Gatte starb, heiratete sie den dritten und nach dessen Tode verehelichte sie sich zum vierten Male. Inzwischen war sie wieder nach Barberton zurückgekehrt. Vom vierten Gatten erbte sie ein kleines Vermögen, bestehend in einem Häus- chen und etwas Bargeld. Zur Kirche kam sie nie, zeigte sich aber gelegentlich wohltätig. Jahrelang versuchte ich umsonst alle Mittel, um sie zuin Glauben ihrer Kindheit zurückzuführen. Eines Tages brach sie sich ein Bein und wurde ins Krankenhaus gebracht, wo ich sie besuchte. Alles Zureden blieb erfolglos. Auch nach ihrer Genesung mied sie beharrlich das Gotteshaus. Nach einiger Zeit brach sie sich auch das andere Bein Der Missionär als Schlangenbeschwörer. — P. Leigh, S. J., der Konservator des Museums am St.-Josephs-Kolleg in Trichinopoly, ist bereits in Europa und im Osten durch seine Schlangenstudien bekannt. Wir sehen ihn hier in vertrauter Gesellschaft mit vier Tigerschlangen, von denen die größte „nur“ 2'A Meter mißt, während die zwei kleinsten sechs Fuß lang sind. Alle zusammen haben ein Gewicht von 40 Pfund. 20 junge Pythons wurden im St.-Iosephs-Kolleg ausgebrütet. Die Schlangenmutter blieb sieben Wochen Tag und Nacht auf dem Nest, ohne zu fressen oder zu trinken. P. Leigh zog sechs dieser Tiere auf. Sie müssen zart angefaßt werden: jede hastige Bewegung versetzt sie in Verteidigungszustand, in dem sie gerne beißen. und mußte von neuem ins Krankenhaus geschafft werden. Zwar heilten die alten Knochen noch einmal leidlich zusammen, aber die Lebenskraft des Herzens ging zu Ende. Ich hielt eine Novene und betete für ihre Bekehrung. Beim nächsten Besuch fand ich sie wie umgewandelt, so daß ich ungesäumt mit der Vorbereitung auf ihre Wiederaufnahme in die Kirche beginnen konnte. An einem der folgenden Tage reichte ich ihr schließlich auch die hl. Kommunion, die erste nach 65 Jahren. — Bald darauf verschied sie in Frieden. Auch in Barberton spielt die Rassenfrage eine Rolle. Wie überall in Südafrika. Die Gegensätze zwischen den Weißen und den Schwarzen machen sich auch in den religiösen Belangen geltend. Trotzdem wünschte unser Apostolischer Präfekt, ich möchte sobald als möglich mit der Bekehrungsarbeit unter den Negern in Barberton und Umgebung beginnen. 2. Die Missionierung der Schwarzen. Meine Aufgabe bestand zunächst darin, die Siedlungen der Schwarzen und diese selbst kennenzulernen. Immer wieder streifte ich die ganze Gegend ab, um mit den Eingeborenen in Verkehr zu kommen und zugleich zu prüfen, welche Plätze zur Errichtung von Schulen geeignet wären. Endlich kam es 1930 zum Bau und zur Eröffnung von vier Schulen, nämlich in Tonetti, Noordkaap, Moodies und Barberton. Eine weitere Schule, die größte und schönste von allen, erstand 1933 in Nelsprnit. Sie zählt nahezu 100 Kinder. Kurz gefaßt: Als ich 1929 nach Barberton kam, fand ich zwei einheimische Katholiken vor. Zu Allerheiligen des verflossenen Jahres war die Zahl der katholischen Neger schon auf über zweihundert gestiegen. Und alle kommen regelmäßig zur Kirche und empfangen zum größten Teil fast jeden Sonntag die heilige Kommunion. Die Schulen lassen schon für die nächste Zeit eine weitere gute Ernte erhoffen. Während der Hungersnot des verflossenen Jahres ging die Schülerzahl freilich zurück, ist aber nach dem Aufhören der Plage wieder auf die frühere Höhe emporgeschnellt. Das Fortschreiten des Bekehrungswerkes wird auch durch die Kommunion- Ziffer gekennzeichnet, die sich verdreifacht hat. So wuchs im Laufe der letzten Jahre neben der weißen auch eine schwarze Katholikengemeinde heran. Um sowohl den einen tote den andern gerecht zu werden, hielt ich schon seit langem an allen Sonn- und Festtagen zwei vollständige Pfarrgottesdienste ab. Für die Weißen predigte ich englisch, für die Schwarzen in der Zulusprache. Soll sich jedoch das Missionswevk kräftig entfalten, so müssen hier zwei Priester tätig sein; der eine für die Europäer, der andere für die Neger. Möge dieser Wunsch sich bald erfüllen! Das Klima in Babberton ist großen Temperaturschwankungen unterworfen. In den Sommermonaten steigt das Thermometer auf über 40 Grad Celsius im Schatten. In den kühleren Monaten dagegen weht zuweilen ein so kalter Wind, daß die ungenügend bekleideten Eingeborenen vor Kälte zittern. Zwei- bis dreimal im Jahre hüllt eine leichte Schneedecke die fernen Berggipfel ein. Ernste Erkältungen kommen öfters vor. Das warme Klima hat zur Folge, daß während des ganzen Jahres Früchte reifen, bald diese, bald jene Gattung. Nicht selten aber ereignet es sich, daß eine hoffnungsvolle Ernte durch Heuschreckenschwärme oder furchtbare Hagelwetter vernichtet wird. Dann stehen den armen Schwarzen böse Wochen und Monate bevor. Zusammenfassend darf ich sagen, daß ein guter Grundstock zu einer Negerpfarrei gelegt ist. Die rührige Tätigkeit junger Kräfte wird, so hoffe ich, die Schwarzenmission Vorwärtstreiben und zu der ersehnten Blüte führen . . . Weihe der neuen (Smelo, ein schönes Städtchen im südlichen Teil der Präfektur Lydenburg, zählt etwa 100 Katholiken, die verschiedenen Nationen angehören: Engländer, Irländer, Holländer, Syrianer usw. Außerdem leben im Umkreis noch eine Anzahl Katholiken. Bis zum Jahre 1929 besuchte der Wanderseelsorger jährlich zwei- bis dreimal den Ort, um den Katholiken Gelegenheit zum Anhören der hl. Messe und zum Empfang Bambusbrucken.— Auf beit Kleinen Suirdainfeln muffen die dort wirkenden Steyler Missionäre bei ihren Streifzüigen sich solcher Bambusbrücken bedienen, um die Abgründe zu überqueren. Die Kleinen -Sundaeilande schließen sich gleich östlich an Java an. Sie werden mit Recht die „Perle der ostindischen Missionen" genannt. Seit dem Jahre 1912, da die Patres der Gesellschaft des Göttlichen Wortes das Gebiet übernommen haben, konnte man das Wachstum der katholischen Bevölkerung fast mit Händen greifen. Heute hat sie bereits die Zahl 212.000 überschritten. Kirche in Ermelo. der Sakramente zu geliert. Dann wurde ein ständiger Priester angestellt, der bett Gottesdienst in der Hauskapelle der deutschen Dominikanerinnen abhielt, die in Ermelo eine Tagesschule und ein Pensionat leiten. Im verflossenen Sommer gelang es nun dem hochw. P. August Steidle, den längst geplanten Kirchenbau aufzuführen. Am 9. Dezember 1934 konnte der Apostolische Präfekt Monsignore Alois Mohn die Weihe des schmucken, im gotischen Stil errichteten Gotteshauses vornehmen. Da auch Abordnungen der Katholiken aus Lydenburg, Witbank und Barberton mit ihren Priestern erschienen waren, wuchs die Feier über den örtlichen Rahmen hinaus. Besondere Anerkennung fanden die gesanglichen und musikalischen Aufführungen. Möge von der neuen Kirche reicher Segen auf die Christen und Heiden ausströmen! Der Ackerbau bei den Bapedi. Won Br. August Cagol. (Schluß.) Gleichzeitig mit den Vorbereitungen zur Bestellung der Felder werden die Regeu-bitt-Zeremonien begonnen. In dem trockenen Klima Südafrikas sind die Niederschläge von der größten Wichtigkeit für das Gedeihen der Saaten, die das tägliche Brot liefern sollen. Deshalb hat sich bei den heidnischen Bapedi ein eigenes Zeremoniell zur Erlangung der befruchtenden Regen herausgebildet, und deshalb steht der Moneschapula oder Regendoktor, der Macht haben soll über Blitz und Wolken, in so hohem Ansehen bei seinen Landsleuten. Das Regenmachen ist einer der höchsten Zweige einheimischer Zauberei und besteht u. et. in einem Gebet um Regen, das an die Ahnengeister der Herrscherfamilie gerichtet wird. Der Regendoktor wird zunächst ein „Regenfeuer" entzünden, das mittels Reibung zweier Hölzer hervorgebracht und durch grüne Laubäste unterhalten wird, so daß dichte Rauchwolken aufsteigen. Diese sollen einerseits die begehrten Regenwolken versinnbilden, anderseits wirkliche Regenwolken herbeiziehen. Weiters werden schwarze Ochsen geschlachtet und im Dunkel der Nacht am Grabe des verstorbenen Häuptlings verzehrt, über dessen Grabhügel auch große Töpfe Bier ausgeschüttet werden. Wenn die gewünschte Wirkung nicht eiu-tritt und die Felder wegen der anhaltenden Dürre nicht bestellt werden können, ergreift der Moneschapule schärfere Mittel. Er sucht in den Besitz eines kleinen Kindes zu gelangen, das er opfert. Außer den unglücklichen Eltern des Kindes kümmert sich niemand im Stamme über dessen Verschwinden; denn sein Schicksal wird von allen leicht erraten. Die Erfahrung hat aber die Bapedi belehrt, daß trotz all dieser Mittel Zeiten der Hungersnot in Afrika. — Katholische Missionäre, die sich der Hunger leiben« den Bevölkerung im Innern von Britisch-Ost-asrika annehmen. Auch von anderen Teilen des schwarzen Kontinentes kommen Berichte von Mißernte, Dürre und Heuschreckenplage. Bischof Kle-mann, der Apost. Vikar von Grotz-Namaqualand, erlieg einen Ausruf zugunsten der Eingebornen seines Sprengels, die dem Hunger zu erliegen drohen. Wir hören, daß dort Kinder feit Wochen vom Saft und der Rinde der Bäume leben. Heft 4 Stern der Neger 59 Schule im Freien. Dürre nicht ausbleiben. Das dient ihnen dann zum Beweise, daß ihre Regenmedizin abgestanden, kraftlos oder unrein geworden ist. Es müssen daher belebende Zusätze gemacht werden, um ihr die volle Wirksamkeit wiederzugeben. Zu diesem Zwecke werden gewisse Körperteile vom Klippspringer (Art Antilope) und vom Perlhuhn benötigt. Diese Tiere dürfen jedoch nicht von einzelnen Jägern getötet werden, sondern alle Männer müssen an der Jagd teilnehmen, da die Gemeinschaft von der Zauberkraft der Regenmedizin Nutzen ziehen soll. Der Häuptling, dessen Aufgabe es ist, eine solche Regenjagd anzusagen, wird aber die Sache von Tag zu Tag aufschieben, bis seine Räte ihm versichern, die Wetteraussichten seien hoffnungsvoll. Die RegenjagL ist der Ba-pedi letztes Mittel, weshalb ein weiser und vorsichtiger Häuptling seine Untertanen nicht unnötigerweise enttäuschen will. Er gewinnt aber sehr an Ansehen, wenn wenige Tage nach einer Regenjaqd reichliche Niederschläge fallen. Während des Monates Pato (etwa Dezember) ruft der Häuptling kleine Knaben zusammen und übergibt ihnen die Medizin zur Bewahrung der Saaten vor allerlei Krankheiten. Die Knaben zünden auf allen Ackern Feuer an und besprengen es mit der Medizin. Der Hausvater darf sein so behandeltes Feld nicht vor Ablauf von zwei Tagen betreten. Innerhalb dieses Monats muß die Maissaat dem Boden anvertraut werden, wenn anders die Frucht zur Reife kommen soll. Wenn des Häuptlings Felder zu behacken sind, benachrichtigt dessen Hauptfrau den ersten Morena, dessen Pflicht as ist, am folgenden Morgen die Acker zu besichtigen. Sieht er die Notwendigkeit der Arbeit ein, so kehrt er zum Hofe zurück und berichtet dem Häuptling, daß er seine Felder voll Unkraut gefunden habe. Alsdann wird der Häuptling anordnen, daß die Frauen des Dorfes aufgefordert werden, die Acker zu säubern. Der Berater begibt sich hieraus zu einem günstig gelegenen Punkte, von dem aus er das Dorf übersieht, und verkündet mit lauter Stimme, daß alle Frauen sich am folgenden Morgen mit ihren Hauen auf den Feldern des Häuptlings einzufinden haben, um sie zu behacken. Kein Bier und keine Nahrung wird diesen Frauen vom Häuptling geboten, weil dadurch die Sache zu einem gewöhnlichen „Letschüma" herabsänke und die Frauen nach Gutdünken kommen oder fortbleiben könnten. Jene Weiber aber, die sich nicht einfinden zur Säuberung der oberherrlichen Felder, müssen gewärtigen, daß ihnen die Kleider zerrissen und sie verprügelt werden. Wenn gewöhnliche Leute größere Feldarbeiten zu erledigen haben, laden sie Nach- barn zur Mithilfe ein. und verbinden die Arbeit mit einem „Letschsma". Das ist ein Biergelage, zu dem die Leute zusammenkommen, um eine Arbeit gemeinsam zu verrichten. Der Einladende wird vorher eine gehörige Menge Essen und Bier bereiten lassen und das abzuhaltende „LetschZma" kundtun, und die Leute werden sich, vom Bier angezogen, einfinden. Es wird dann abwechselnd gearbeitet und gezecht. Die Arbeitenden stellen sich in langen Reihen auf und behacken mit den langgestielten Hauen die Saaten. Die Mütter haben ihre Kleinen auf den Rücken gebunden und lassen sie alle Bewegungen mitmachen. Das erspart das Schaukeln einer Wiege und gefällt den Knirpsen. Größere Kinder liegen, behutsam in eine Kuhfelldecke gehüllt, schlafend im Schatten eines Baumes. Die Arbeit geht taktmäßig unter sroher Sangesbegleitung vor sich. Kurz vor Sonnenuntergang wird Feierabend gemacht, und die Leute kehren in ihre Gehöfte zurück. Während des Monats Legobije (etwa Januar) wird das Fest der Erstlingsfrüchte abgehalten. Es ist ein Jubelfest über die ersten Feldfrüchte, als da sind Frühmelonen und -kürbisse,. vor dessen Abhaltung niemand von diesen Früchten essen darf. Es wird sorgfältig vorbereitet. Zuerst wird der Häuptling den kurzen Befehl ausgeben: „Jedermann weiche die Hirse ein!" Das Die neue Kirche in Ermelo. (Photo P. August Stetoie.) wird von den Frauen gewissenhaft ausgeführt, welche die gekeimte Hirse dann auch zum Trocknen auf Felsplatten ausbreiten. Dann kommt der zweite Befehl: „Jedermann mahle die Malzhirse!" Unterdessen wird „bei Hofe" der Mond beobachtet. Am Tage des Vollmondes kommt der dritte Befehl: „Bringt das Bier herbei!" Endlich ist alles bereit. Der Festtrunk, das Hirsebier, steht in dickbauchigen irdenen Gefäßen im Schatten einiger Bäume aus dem freien Platze des Häuptlingshofes. Am Morgen vor Sonnenaufgang versammeln die Leute sich auf der Ostseite des Häuptlingskraals. Sie setzen sich nieder und erwarten, das Gesicht gegen Osten gewendet, die Morgenröte. Bald erscheint der Häuptling mit seinem Gefolge und dem Zauberer, der ein Gefäß trägt, das eine Brühe enthält, die aus verschiedenen Körperteilen der gefährlichsten und am schwierigsten zu erlangenden Tiere gewonnen wird, wie Leoparden, Schlangen, Paviane. Wenn das Tagesgestirn aufgeht, kniet der Zauberer nieder und bietet dem Häuptling das Gefäß dar. Dieser taucht seine Finger in den Inhalt, leckt sie ab und speit gegen die ausgehende Sonne aus. Dann stimmt er ein Lobgöbet zu den '©eiftern seiner Vorfahren an und bittet sie um gutes Wetter und gute Ernte. Das wiederholt er dreimal, und die Menge stimmt in den Gesang ein. Die Medizin wird von den Unterhäuptlingen unter das Volk verteilt und mit den Früchten vermischt, die schon reif sind. Am nächsten Tage wird dem Modino, dem höchsten Wesen, die Erstlingsfrucht geopfert. In der folgenden Nacht findet ein Tanzgelage statt und der Häuptling erscheint inmitten seiner Leute, die Loblieder auf ihn fingen. Bei Beschädigung der stehenden Saat durch Vieh muß der Besitzer des Feldes den Besitzer des Viehs zu einer Besichtigung des Schadens einladen. Stellt sich dieser innerhalb dreier Tage nicht ein, so wird angenommen, daß er die Verpflichtung zum Schadenersatz ablehne. Alsdann bringt der Geschädigte die Sache vor seinen Unterhäuptling, der die Parteien auffordert, vor dem Brüder des Häuptlings zu erscheinen. Während des Monats Sempe ke kutsche (etwa März) üben die Vogel-Verscheuche- rinnen ihre Tätigkeit aus. Es sind Mädchen, die mit der Vogel-Verscheuchungs-Medizin ausgerüstet sind. Scharen von Finken fallen über die Maisfelder her, deren Fruchtkolben im Milchsaft stehen. Die Wache haltenden Mädchen suchen die beflügelten Feinde durch Schreien, Singen und Schwenken von Tuchfetzen zu verscheuchen. Sie leben während dieser Zeit ganz auf den Ackern, und während der ersten zwei Tage darf kein Mann sein eigenes Feld betreten. Nach der Vogel-Verscheuch-ung soll niemand stehend auf dem Felde essen, sondern alle sollen sich niedersetzen, ehe sie einen Bissen in den Mund nehmen. Im Monat Hlakola dihlare (Mai) wird die Ernte eingebracht. Das Getreide, Maiskolben und Negerhirsebüschel, wird in Riesenkörben aufgespeichert. Dann feiert man das Erntefest. Die Frauen brauen Bier. Dem Häuptling ist es unter keinen Umständen erlaubt, von den neuen Feldfrüchten zu genießen, ehe er nicht dieses Fest verkündigt hat. Den gewöhnlichen Leuten aber ist es nicht untersagt, neuen Mais oder neue Durra vorher zu gebrauchen. Das bereitete Bier wird dem Häuptling am Festtage über-reicht. Sobald genügend Bier vorhanden ist, beginnt das Fest, das in Essen, Trinken, Singen und Tanzen besteht. Die Bapedi sind vielfach unvorsorglich in bezug auf ihr Getreide. Häufig genug verkaufen sie es zu billigem Preise an weiße Händler, ohne das zur Selbstversorgung benötigte zurückzubehalten. Das hat dann wohl zur Folge, daß sie einen Dienst antreten müssen, um Geld zu verdienen und Getreide kaufen zu können, etwa gar ihr eigenes, aber zu weit höheren Preisen! Künstliche Bewässerung wurde im Seku-kuniland zum ersten Male im Jahre 1882 vom lutherischen Missionär I. A. Winter eingeführt. Selbst wenn die Bapedi die Vorteile künstlicher Bewässerung einsehen, sind sie nicht leicht zu deren Anwendung zu bringen, da -sie befürchten, ihre auf solche Weise verbesserten Ländereien würden ihnen abgenommen und den Weißen gegeben. Gewisse Häuptlinge sind soweit gegangen, alle Versuche künstlicher Bewässerung in ihren Reserven zu untersagen. Ein aus Mais und Hirse bereiteter Brei bildet die Grundlage der Ernährung, das tägliche Brot. Als Mühle dienen zwei Steine, ein größerer, länglicher, der als Unterlage dient, und ein kleinerer, der quer Schulkinder in Nclspruit. (Photo P. Bernhard Zorn.) ■auf dem andern liegt. Die mahlende Frau schüttet handvollweise die Körner auf den Mahlstein und zerreibt sie, indem sie den mit beiden Händen festgehaltenen und gegen den Mahlstein gedrückten Reibstein auf und ab schiebt. Jenseits des Elefantenflusses zerstampfen die Pedi-Frauen den Mais auch in einem kurzen, ausgehöhlten, in den Boden eingelassenen Holzklotz mit einem schweren Stößel aus Hartholz. Zur Bereitung des Breies wird Wasser zum Sieden gebracht und das Mehl darin eingerührt, das dann zu einem steifen Mus eingekocht wird. Da verhältnismäßig wenig Wasser verwendet wird, kocht sich die Speise mehr durch den sich entwickelnden Dampf und wird dadurch viel wohlschmeckender, als wenn sie als dicke Suppe bereitet würde. Zum Mehlbrei wird Fleisch genossen, wenn vorhanden, oder Milch aber Gemüse oder Zucker oder Honig. Ihr hauptsächlichstes geistiges Getränk stellen die Bapedi aus Durra- oder Maismehl her, dessen Geschmack an Bier erinnert, dem man Asche und saure Milch zugesetzt hat. Nach einer guten Ernte wird in vielen Haushaltungen Bier geibraut, und manche durstige Seele geht dann von einem Gelage zum andern. Da wird so ein dunkelhäutiges Büblein nicht mehr gefragt: „Wo ist dein Vater heute?", sondern: „Wo trinkt dein Vater heute?" Das Bier wird in großen Tonkrügen vor die Gäste gestellt. Vor dem Ausschank muß zuerst ein Familienmitglied davon genießen, um damit allen zu beweisen, daß es nicht vergiftet ist. Amschau. Katholische Missionen inmitten einer sterbenden Rasse. Brisbane (Australien). Die Ureinwohner Australiens sind dem Unter- MM m 1 H - V W Jj, Ein von den Brüdern gefertigter Altar in Maria-Trost. gang geweiht. Ihr Abstieg fällt mit dem ersten Auftreten der weißen Ansiedler im ausgehenden 18. Jahrhundert zusammen. P. Gsell, ein Missionsveteran und guter Kenner der Eingeborenen, schätzt die Gesamtzahl der Ureinwohner vor hundert Jahren auf ungefähr eine Million. Nach der letzten amtlichen australischen Statistik sind sie auf 6188 zusammengeschmolzen. Dazu kommen noch 16.000 Mischlinge. Die enge Verbindung mit den europäisch-britischen Kulturbringern, die sich- soviel höher dünkten, bekam den Nomadenvölkern nicht gut. Sie wurden aus ihren Jagdgründen verdrängt und immer mehr in das Hinterland nach West-Mittelaustralien und an die Nordküste geschoben, wo Geburtenverminderung, Seuchen und die dadurch bedingte hohe Sterblichkeitsziffer unter ihnen aufräumten. Wenn man sie vielfach falsch beurteilt hat, war es die Schuld der Europäer, nicht ihre eigene. In der Tat zeigen diese „Wilden" im freien Spiel der Kräfte eine bemerkenswerte Intelligenz und eine wunderbare Anpassungsfähigkeit, besonders auch auf religiösem Gebiete. Obwohl eine einfache, kindliche Rasse, sind sie im Besitz einer hochentwickelten Re-gierungs-form, "die in einer Verwaltung durch die Ältesten besteht und sich gerade für ihr Stammessystem sehr gut eignet. Bei ihrem hohen Begriff von Familien- ehre werden Vergehen gegen die Stammes-gesetze streng und stets im Verhältnis zur Größe des Vergehens bestraft. Die älteren Krieger Wachen eifersüchtig über ihre Rechte. Sie würden sich schämen, die jüngeren Leute in den vorderen Reihen kämpfen zu lassen, solange sie noch am Leben sind. Ihre Wahrheitsliebe, ihre Tapferkeit, ihr religiöser Sinn machen sie höchst empfänglich für religiöse Wahrheiten, besonders aber wenn es ihren Lehrern gelingt, sich ihr Vertrauen zu erwerben. So bestehen jetzt die Missionen von Beagle Bay und Lombadina in Westaustralien (Apostolisches Vikariat Kimberley), Bathurst Island im Norden, Drys-dale River (Nordwestaustralien), Neu Nor-cia urtib Palm Island. Die Beagle-Bay-Mssion itounbe 1890 zur Christianisierung der Eingebornen gegründet. Sie ist heute den deutschen Pall'ottinerpatres anvertraut, die 250 Einheimische betreuen. Auch das 80 Meilen entfernte Lombadina gehört hieher. Dort werden achtzig vollblütige Schwarze missioniert. Die Schwestern vom hl. Johannes von Gott, die bereits eine Schule für die Eingeborenen von Beagle Bay unterhielten, haben auch eine Schule für Lombadina ausgemacht. Den gleichen Zweck verfolgt die Benediktinerniederlassung am Drisdale River. Sie wurde 1908 auf Verlangen des Konzils von Sidney gegründet, das sich mit der Evangelisation der Eingeborenen von Nordwestaustralien beschäftigte. Die Statistik spricht von 41 Christen und 151 Taufbewerbern, während weitere 600 Schwarze zum Bereich der Mission gehören. Die Benediktiner von Neu-Norcia unterhalten ein Waisenhaus mit 38 Knaben. Die Oblatenschwestern vom hl. Benedikt haben 45 Waisenmädchen in ihrer Obhut. Der Apostolische Administrator von Bathurst Island, Mans. Gsell, ein geborener Elsässer, kam 1897 nach Australien. Nach sechsjährigem Wirken unter den Papuas gründete er vor 27 Jahren die Mission Bathurst Island, 60 Meilen von Darwin entfernt. 300 Eingeborene werden hier im Ackerbau geschult, um Selbstversorger zu werden. 110 Kinder besuchen die Schule der Schwestern U. L. F. vom hl. Herzen, andere sind im Waisenhaus untergebracht. Auf der Ostseite des Kontinents, auf Palm Island, hat die Queensland-Regierung vor einigen Jahren eine Niederlassung zum Schutz und zur Erhaltung der Eingeborenen geschaffen. Bischof Guire hat dort mit 15 Eingeborenen vor vier Jahren eine Mission begonnen, heute sind es über 250 Katholiken. ©r weiß eine große, Üjeiiliigie Geschichte. — Der Keine Äthiopier ist daran, seinen Freunden die Geschichte vom heiligen Kreuz zu erzählen, wie er sie vom „Pater" gehört hat. Im 4. Jahrhundert wurde der katholische Glaube bereits nach Äthiopien verpflanzt. Leider verfiel das Land im 5. Jahrhundert der Eutpchianifchen Irrlehre. Der Katholizismus wurde geächtet. Kein katholischer Priester durfte das Land betreten. Erst nach unsäglichen Mühen und Anstrengungen konnten unsere Missionäre wieder dort Fuß fassen. Unter den Päpsten Pius X. und Pius XI. haben sich wieder freundschaftliche Beziehungen zum Haupt des Äthiopischen Reiches angebahnt. Missionsbischof bei der Grenzkommission. — Eine aus Vertretern Brasiliens, Perus und Columbias bestehende Kommission wurde nach Puerto Asts entsandt, um die Verhältnisse Letizias zu studieren. Bischof Monconill, 0. M. Cap., dessen Missionäre dort arbeiten, wurde beigezogen. Wir sehen ihn auf dem Bild, das in den Wäldern bei Puerto Asts aufgenommen wurde. Die an der Staatsstraße Pasto—Putumayo gelegene Stadt wurde 1912 von einem Kapuzinermissionär gegründet. Blühende Missionsgebiete. Für Belgifch-Kongo, Ruanda und Urundi liegen die neuesten Statistiken für das Berichtsjahr 1933/34 vor. Wir verdanken sie der Apostolischen Delegatur in Leopoldville. Auf einem Raum von 2,500.000 Quadratkilometer, also nahezu fünfmal so groß wie Deutschland, leben 14 Millionen Angehörige verschiedener Rassen. Nach der kirchlichen Einteilung handelt es sich um 18 Vikariate, 5 Präfekturen und zwei selbständige Missionen. Diese letzteren, Voma und Beni, wurden erst am 30. Juni dieses Jahres von größeren Missionsgebieten losgetrennt. Auf 255 Stationen arbeiten 805 weiße Priester und 37 einheimische, 465 weiße Brüder und 38 schwarze, 1057 weiße Schwestern und 67 einge-borne. Die vier Regionalseminarien zählen 180 Studenten, während an 20 kleinen Seminarien insgesamt 1025 junge Leute studieren. In einheimischen Noviziaten finden sich 43 Novizenbrüder und 103 Novizenschwestern. In der Seelsorge für die 1,232.018 einheimi- schen Katholiken und im Unterricht der 1,032.660 Taufbewerber werden die Missionäre von 18.307 Katechisten unterstützt. Die 8152 Volksschulen werden von 440.816 Kindern besucht, an 27 Lehrerbildungsanstalten studieren 1558, und an 15 Mittelschulen 848 Studenten. Die 65 Gewerbeschulen werden von 2310 Lehrlingen besucht. Es stehen 9275 einheimische Lehrkräfte zur Verfügung. In 347 Hospitälern und Armenapotheken wurden in einem Jahr 5,170.688 Kranke verpflegt. 26 Leprosenheime nehmen sich um 544 vom Aussatz Befallene an. 391 Kirchen und 11.101 Kapellen stehen für den Gottesdienst zur Verfügung. Im Verlauf dieses Jahres wurden 19,668.104 Kommunionen ausgeteilt und 24.203 Ehen eingesegnet. Es wurden 121.109 Erwachsene und 71.917 Kinder getauft. Dazu kommen 59.742 Nottaufen. In einem Jahr haben die Katholiken um 151.061 zugenommen, die Taufbewerber um 288.602. Man sieht, auch in diesem Jahre haben die Missionen von Belgisch Kongo, Ruanda und Ürundi ihren Ruf gewahrt (Fides.) Im Banne der 9?giL* Ein Roman aus Kamerun von Hermann Skolaster. (Fortsetzung.) Eine Gestalt, der ftie Hände auf den Rücken gebunden waren, hob sich mühsam vom Boden auf. Er erkannte den Zwilling. Ein wilder Schrecken durchzuckte ihn. „Was ist geschehen?" fragte er, den Knebel aus * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Herder & Co. in Freiburg (Breisgau), Baden. des Sohnes Munde entfernend, obwohl er es ahnen konnte. „Ntonga hat mich überwältigt", antwortete der junge Mann kleinlaut und beschämt. „Du hast ihm die Fesseln abgenommen", verwies der Häuptling streng. „Ich hatte es verboten." Stern der Neger 65 Heft 4 „Nein", verteidigte sich der Zwilling, „er hat sich selbst befreit, und als ich es verhindern wollte, würgte er mich-." Kopfschüttelnd hörte Jsaue zu. „Wie war das möglich? Die Stricke waren so fest geschnürt." „Ich weiß es nicht. Wer kann 'Unbegreifliches verstehen? Glück und Unglück kommen ohne uns. Wer kann sie rufen oder vertreiben?" „O ihr guten 'Geister, helft!" stöhnte bei Häuptling auf. „Das Unglück, das der Tausendfuß verkündete, heftet sich an meine Fersen. Wehe uns allen! Die Rache des Ngil ist uns gewiß." Als Vater und Sohn die Hütte verließen, wartete ihrer eine neue Überraschung, ein noch größerer Schrecken. * Misa lief, nachdem sie den Vater geweckt hatte, zu der Hütte, in der Bogle lag. Ruhelos wälzte sich der Ngil auf seinem Lager. Um ihn zu ehren, hatte Jsaue eine geflochtene Matte auf das niedrige Holzgestell breiten lassen, das aus armdicken Bambusstangen zusammengefügt war. Gewöhnliche Leute leisteten sich solchen Luxus nicht. Sie schliefen auf bett harten Stangen ebenso sanft wie die jungen Webervögel in ihrem federgepolsterten Nest. Bogle schlief nicht. Der gewaltige Ngil, den das Volk fürchtete wie einen bösen Geist, vor dem die Häuptlinge zitterten und sich beugten, verkostete in dieser Nacht die Folterqualen der Hölle. Sein Gesicht war entstellt, die Nase und die linke Gesichtshälfte geschwollen, das Auge blutig unterlaufen. Der junge Banoho hatte ihm mit grober Handschrift den Beweis ins Antlitz geschrieben, daß es Menschen gab, die seiner Macht und seines Hasses spotteten. Dazu die Schmach! Ein Ngil, dessen Person als heilig und unverletzlich galt, war geschlagen worden, geschlagen von einem jungen Menschen, von dem man sonst nicht viel mehr wußte, als daß er Diener aus einem Schiffe der Weißen gewesen war. Nun wird man spotten über sein entstelltes Gesicht, spotten über seine Niederlage. Oh, es ist gewiß, man freut sich und gönnt es ihm, daß «er vor allem Volk so tief gedemütigt imtrbe. Freilich, öffentlich wird -es niemand wagen,. aber im geheimen.. . Wie werden sie die Köpfe zusammenstecken, flüstern, lachen. In allen Dörfern wird man es w-eitererzählen -als etwas Neues, Unerhör-tes. Man wird glauben, die Macht des Ngil sei im Schwinden begriffen, und darüber frohlocken. Wo waren nun alle seine Pläne? Ein Knabe hatte ihn durchschaut und verraten. Unter den wilden Stämmen Neuguineas. — Den Pfeilen der Eingebornen im Süden des Bismarckgebirges in Nordost-Reu-guinea fiel der 30 Jahre alte P. Morschheuser um die Jahreswende zum Opfer. Der Missionär, ein Münsterländer, wirkte erst seit zwei Jahr-en in dieser wilden Eegend. Wenige Tage später ereilte einen Zweiten Steyler Missionär, den Bruder Eugenius -Frank, auf der Mission Hagenbergen das gleiche Schicksal. Zwei treue Ein-geborne gingen mit ihm in den Tod. Auch die Missionäre von Holländisch-Neuguinea können nur mit Vorsicht ins Innere des Landes vordringen. Die Fäden, die er so schön geknüpft, waren zerrissen. Die -Malimba werden sich mit den Banoho und Bakoko verbrüdern. Sein Ansehen ist dahin. Was werden seine Kollegen von ihm halten? Wenn er daran denkt, wie geringschätzig sie ihn behandeln werden! ... Es ist zum Verzweifeln!... Aber nein, es kann noch nicht alles verloren sein. Man soll nicht über ihn triumphieren. Er wird -Rache nehmen an dem frechen Banoho, Rache! Noch besitzt er Macht genug, sie alle zu verderben. Sie sollen sich freitcjen unter den großen Ngil, sonst wird er sie zerbrechen, wie man einen Lehmtopf in Scherben bricht. Das Schicksal des Banoho wird das Volk erschüttern. Die Welt soll erfahren, wie ein Ngil die ihm angetane -Schmach zu rächen weiß. Mögen sie dann winseln vor Mitleid- mit diesem Hunde. Er wird ihn sterben lassen, wie noch niemand gestorben ist, langsam, gliedweise. Mit Wollust wird er ihn peinigen, tropfenweise sein Blut fließen lassen. Der Elende wird nach dem Tode schreien, aber der Tod wird nicht kommen. Ein lebendiges Ver-branntwerden soll ein Hochgenuß sein im Vergleich zu der Marter, die er ihm bereiten wird- . . . Plötzlich- wurde die Tür beiseite geschoben. Der Ngil blickte aus. Misas schlanke 'Gestalt war im Mond-schein sich-tb-ar. „Ah, des Häuptlings Töchterlein! Wie kommst du hie-her, Misa? Kind, willst du den kranken Ngil trösten?" „Still, still!" sagte das Mädchen. „Sprich nicht so laut, damit man nichts hört. Ja, trösten will ich dich. Ich wußte es, daß du nicht schlafen kannst." „Der Arger über den 'frechen Burschen läßt mich- kein Auge schließen." „Still, still! Er hört uns sonst. Weißt du's nicht, großer Ngil? Ich will dir's erzählen. Er hat meine Seele genommen und meines Bruders Seele. Ich bin so müde; du auch?" Mit diesen Worten nahm sie den Schemel, der in der Hütte stand, und stellte ihn nahe an das Bett, um sich dort niederzulassen. Der Ngil, der ihre Worte nicht zu deuten wußte, 'sah sie verwundert an. „Was willst du?" fragte er -Betroffen. „Ich will dich trösten", entgegnete sie. „Du bist müde, ich auch. Aber ich will dir ein Lied singen, damit du schlafen kannst und ausruhen... Ha, schlafen immerfort. Wie glücklich ist, wer das kann! ... Horch-!... Hörst du nichts? ... ]6r kommt." In scheuer Erwartung blickte sie nach der Tür. Auch der Ngil richtete seinen Blick dorthin. „Es kommt niemand", sagte -er, „du h-ast dich -getäuscht." „Ich täusche mich nicht", beh-arrte sie. „Er kommt. Er hat es mir versprochen." „Wer denn, Mädchen?" „Der Banoho. 'Sieh, da ist er. Wie? Du siehst ihn nicht? Komm, Nt-onga, der Ngil erwartet dich, er will mit dir gehen." Sie hatte sich erhoben und beugte sich über das Lager. Jetzt erst -gewahrte d-er Ng-il, daß ein blutiges Messer in ihren Händen blitzte. -Er wollte sie -von sich stoßen. Es war zu spät. Blitzschnell fuhr das Messer durch seine Kehle. -Ein Röcheln, Ächzen, Stöhnen... so endete d-er furchtbare Ngil der Bakoko. Als sich nach- den letzten krampfhaften Zuckungen die Glieder streckten, lachte Misa 'laut -auf. „-O Ngil, das Sterben hast du schön gemacht." Blutbespritzt, hoch, aufgerichtet wie eine Rache-göttin, trat sie vor die Hütte. In der Linken hielt sie den Bogen, die Rechte schwang. d-as Messer. Jsaue und sein Sohn kamen ihr entgegen. „Der Ngil ist tot", ries -sie, „der Zwilling lebt. Ntonga ist frei; nun wollen wir Hochzeit feiern." Sie tanzte und sang: „Malimbaleute, Banoh-o'leute, Bako-koleute, kommt herbei. Wir wollen Hochzeit feiern. Alle sollt ihr unsere Gäste sein. Singen, tanzen, Palmwein trinken. -Essen, lachen, Scherze machen..." Im glühenden Gesicht leuchteten die schönen Augen, froh, als -ob es zum Feste -ginge. Singend und tanzend zog sie zum Dorf hinaus. -Überall öffneten sich die Türen. „Was gib-t's?" scholl es von -allen Seiten. Das Volk strömte zusammen. Mitten -auf Bern Dorfplatz stand der Häuptling, wankend, auf seinen Sohn gestützt, leichenfahl vor Ent-setzen. Die Diener des Ngil trugen den Ermordeten ins Freie. Vor dem Odem des Todes wich das Volk zurück. Aus hundert Mündern quoll ein wilder Schrei. Die Totenklage begann. Die Trommeln rasselten. Die Frauen rausten sich, das Haar, warfen sich nieder, rieben Gesicht und- Körper mit feuchtem Lehm, um sich ein schreckhaftes Aussehen zu geben, und schrien, damit der Geist des Ngil, nachdem er dem Leibe entflohen, von dannen ziehe und ihnen nicht schade. Die Männer standen in Gruppen beisammen und besprachen das Ereignis. Vermutungen voll von Widersprüchen kreuzten sich.. Der Zwilling allein konnte Auskunft 'geben. Es währte lange, bis sie den richtigen Sachverhalt kannten. D>er Häuptling ging einher wie cm gebrochener Mann. „Ich bin ohne Schuld", rief er ein über das andere Mal. „Das Unglück waltet. Der Tausendfuß hat es vorausgesagt. Wer wird uns retten vor der Rache der Ngil?" * Bogles Diener bereiteten den Leichn>am für die Überführung in die Heimat. Ba-nanenblätter ttntrbcn herbeigetragen und über einem schwachen Feuer weich, und biegsam gemacht, nachdem der .armdicke Stiel durch einen kunstfertigen Hieb> des Messers losgelöst war. Damit umwickelten sie den Toten und umschnürten ihn mit den starken Fasern der Bananenstaude. Auf den stillen Wink des Anführers hoben sie ihren Herrn auf die Schultern, trugen ihn, begleitet vom Klagegeschrei der Frauen, zum Strande und betteten ihn aus den Boden seines Kanus. Ohne ein Wort zu reden, nahmen sie dann selber ihre Plätze ein. Das Fahrzeug stieß vom Ufer ab und schoß, von kraftvollen Rudersch lägen getrieben, in den Strom hinaus. Sobald es den Blicken entschwand, verstummte die Totenklage. Das Bolk atmete auf, wie von einem schweren Alp befreit. Jeder lief, so schnell er konnte, ins Dorf zurück. Keiner wollte der letzte sein. Unterdessen hatten sich, durch, den Rief der Trommel angelockt, viele Männer aus den andern Dörfern eingefunden. Jsaue wurde umringt und mit Fragen bestürmt. Er winkte Schweigen und erstattete in neger-hafter Breite über das Vorgefallene Bericht. Je länger er redete, desto mehr erlangte er die Fassung, wieder, die er als Oberhaupt des Stammes nötig hatte, um über die. gegenwärtige Lage zu beraten. Die blutige Tat konnte nicht ungeschehen gemacht werden. Den Kernpunkt .der Rede bildete deshalb die Frage: Was muß nun getan werden, um die Ngil zu besänftigen, oder wenigstens den Stamm vor ihrer Rache zu schützen? „Wir werden ihnen eine Anzähl Schafe und Ziegen geben", riet einer, „dann sind sie zufrieden." Es war eines armen Mannes Rede, der weder Schaf noch. Ziege besaß. Man lachte darüber und bespöttelte feine Klugheit. Jsaue dagegen betrachtete die Sache von der ernsten Seite. „Wer ist bereit", fragte er, „den Ngil von seinem Kleinvieh abzugeben?" Niemand meldete sich.. Einer vertrat die Ansicht, der Häuptling allein solle die Ziegen stellen. Er sei der reichste Mann des Stammes, seine Tochter habe den Ngil .ermordet, er möge also auch, die notwendige Sühne, leisten, toenn er nicht wolle, daß die Rache der Ngil sich über seinem Haupte entlade. „Du bist im Irrtum", sagte Jsaue. „Die Ngil wissen, daß Misa von einem Geiste geleitet wird. Ihr werden sie nichts tun. Ihre Mache trifft euch, ebenso wie mich." „Warum sollen wir den Ngil Geschenke, machen?" fragte ein anderer. „Wartet doch erst, bis sie ettoa§. von uns verlangen." Die Ältesten schüttelten mißbilligend ihre Häupter. „Das ist gefährlich." — „Sollen wir warten, bis sie unsere Insel durch ihre Zaubermedizin verderben?" — „Sie werden uns mit Krankheiten schlagen, daß wir alle sterben müssen." „Auch die Ngil können sterben. Misa hat es.. Man überschrie ihn. „Schweige! damit der Geist ibe§ Gemordeten dich nicht höre." Je länger die Beratung, währte, desto mehr gingen die Meinungen auseinander. Zu einer abwartenden Haltung, konnte sich die Mehrzahl nicht entschließen; aber niemand wußte, wie in der schwierigen Lage zu helfen sei. „Redet nicht alle zusammen", mahnte Jsaue. „Es führt zu nichts. Wer guten Rat weiß, erhebe sich. Wer will reden?" „Sibong soll reden", schlug einer vor. Die anderen stimmten ihm bei. „Jawohl, Sibong, gib uns guten Rat." Aller Augen waren auf den grauhaarigen Alten gerichtet, der am Abend vorher so überzeugend für den Frieden mit den Banoho eingetreten war. Er erhob sich. „Malimbaleute, höret mich! Wer ein Rudel Wildschweine fangen kann, nimmt nicht den Eber allein. Ihr tauscht euch also, wenn ihr glaubt, die Ngil werden den Häuptling allein zur Rechenschaft ziehen. Ihre Rache wird das ganze Volk zu treffen suchen." .„So ist es", sagte Jsaue, „du hast recht." „Ihr täuscht euch ebenso", fuhr der Redner fort, „wenn ihr mit einigen Schafen Len Hunger der Nimmersatten zu stillen hofft. Sie werden die Schafe nehmen, aber ihre Rache nicht dafür aufgeben." „So ist es", rief ein Dutzend Stimmen. „Du sprichst wahr." „Daß die Ngil das Malimbavolk mit Krankheit verhexen, glaube ich nicht. Dafür find sie zu klug. Was igetoinnen sie dabei, wenn wir sterben?" „Nichts!" — „Still sein!" — „Was, meinst du, werden sie tun?" — „Hört doch!" — „Sibong redet", rief es durcheinander. „Kennt ihr die Ngil?" fragte der Alte mit erhobener Stimme. „Wovon leben sie? Von unserem Besitz haben sie sich fette Bäuche angefressen. Unsere Schafe ziehen in ihre Ställe, unsere Hühner wandern in ihre Kochtöpfe, unsere Sklaven werden von ihnen verkauft. Wenn die Ngil Rache nehmen, wollen sie zugleich gewinnen..." Zustimmender Lärm unterbrach den Redner von neuem. „Habt ihr vergessen, was ihr gestern gehört? Der Ngil" — er dämpfte die Stimme und sah ängstlich um sich —, „der Ngil erzählte, Häuptling Toko wolle uns mit seinen Leuten gegen die Banoho beistehen. Ntonga sagte, der Ngil habe den Banoho die Hilfe der Bakoko gegen uns zugesagt. Ich glaube, daß Ntonga die Wahrheit geredet hat. Und deshalb bin ich überzeugt, daß Jambascholl und sein Freund — jeder weiß, wen ich meine — den Untergang der Malimba beschlossen hatten. Die Bakoko und Banoho sollten fischen gehen, und die Ngil wollten die Fische heimtragen. Nach dem Unglück dieser Nacht haben sie einen ©rani) mehr, uns zu vernichten. Wenn die Bakoko und die Banoho ihnen die Hände leihen, gelingt es. Im Kampfe gegen die beiden starken Nachbarn müssen wir unterliegen. Dann verfällt das Malimbavolk der Sklaverei. Die Ngil haben sich gerächt und erhalten die meisten Sklaven." „Wehe uns!" — „Du hast recht!" — „So wird es sein!" — „Erbarmt euch, ihr guten Geister!" „Höret mich weiter!" rief der Redner. „Mein Rat ist dieser: Wir müssen uns überzeugen, ob Toko noch unser Freund ist, und das Freundschaftsbündnis mit den Bakoko erneuern. Es müssen auch die alten Zwistigkeiten aus der Welt geschafft werden, die zwischen uns und den Banoho bestehen. Wollt ihr Ziegen verschenken, so gebt sie den Banoho, damit sie wieder unsere Freunde werden. Dann gibt es keinen Krieg, und die Ngil können uns nichts tun. Ich bin fertig." Sibong setzte sich. Das Beifallsgeschrei der Menge bestätigte ihm, daß man mit seinem Vorschlag einverstanden war. Jsaue schöpfte neues Vertrauen. Des Alten Worte waren guter Wind, der in die schlaffen Segel seines Staatsschiffes blies. Sibong hatte ihm einen Weg gezeigt, der gangbar war, und er zögerte keinen Augenblick, ihn zu beschreiten. Sofort wählte er die Männer aus, die ihn zu Toko begleiten sollten. Die Vorbereitungen zur Reise waren bald getroffen. Um die Mittagszeit lag das größte Kanu, mit zwanzig Ruderern bemannt, fertig zur Absahrt am Strande, um die Gesandtschaft stromaufwärts ins Bakokoland zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu. Verwaltung: Missionshaus „Maria Fatima". Vosi Unterpremftätten b Graz. Stmt. Verantwortlicher Nedatteur für Österreich: P. Alois Wils» ling. F. S C.. GeneralasMent. Missionshaus „M iria Fatima". Vosi Unterpremstäten bei Graz: für Deutschland: P. Heinrich Wohnhaas.F. 8. C., Misstonsseminar St. Joses, Ellwangen-Jagft, Württemberg. — Universttäts-Buchdruckerei „Styria , Graz.