* ko. 9oj. Krain nnd das Deutschthnm. Entgegnung auf die Flugschrift: J)as Deutschthum in Krain. a Von einein Freande der Wahrheit. „Nwr die Anmassungen, Unicahrheiten, Verddchtigungen, die logischen Vnge~ heuer sind es, melche mir bekam]>fen. u „Dežm.an“ („Noten ohne Text— IIlyr. Blatt, 1849, S. 199). Laibach, 1862. Gedruckt bei Josef Blasnik. i Krain und das DeutsoMium. Entgegnung auf die Flugschrift: .,l)as Deutschthum in Krain. a Von einem Freunde der Wahrheit. „Nur die Anmassungen, tTnwahrheiten, Ver- diichtigungen, die logisclien Ungehener sind es, welche wir bekampfen. 11 „Dežinan“ („Noten ohne Text;“ — Illvr. Blatt, 1849, S. 199). Laibach 1862. Gedruckt bei Josef Blasnik. „Ohne Kenntniss der Sprache and Literatur eines Volkes gibt es keine Kenntniss des Volkes selbst; und doch massen sich so Viele, deren ganze Kritik nur in. einem Negiren alles Dessen besteht, was nicht uber ihren Leisten geschlagen werden kann, Urtheile uber ein Volk an, ivelches eie aus ivasserigen Beschreibungen einzelner Touristen oder aus den Ausbriichen man- cher Nationalitats-Renegaten kennen gelernt haben. Man muss in und mit deni Volke gelebt haben, in sein Denken und Fiihien, in seine Sprache und Literatur, in seine politische Geschichte und in die religidsen Anschauungen hineingedrungen sein, will man es verstehen, kennen, beurtheilen.“ Prof. Dr. Vinz. Fer. Klun. Is gibt keine gefahrlicheren Feinde des harmonischen Lebens der Volker unter einander, als Individuen, welche letzteren etwas vorpredigen wo!len, ohne sie selbst oder ihre Verhaltnisse zu kennen, oder wenn sie dieselben auch kennen, aus leicht erklarlichen Grunden ni elit mehr kennen wollen. Man moge mit allem Aufvvande der Ueberzeugungskraft solehen Individuen zu Leibe gehen, — man moge sie den Gegenstand, vvelchen sie mit der Hand greifen konnen, als greifbar darstellen: — sie bleiben sicli konsequent und verneinen Alles. Sie bleiben starre, blinde Egoist en. Die jungste Zeit hat ein ziemliches Kontingent von dergleichen Egoisten an das Tageslicht gebracht, welche nicht bloss an der phisischen und moralischen Zersetzung des grossen, einst so geachteten und ge- furchteten Staates Oesterreich mit allen moglichen sophistischen Mrtteln arbeiten, sondern auch theils als zufallige Biirger theils als Apostaten und Rene- gaten in den einzelnen Kronlandern Oesterreichs sich nichts Erhabeneres zu ihrer Aufgabe gemacht haben, als IV ihrem Egoismus zu frohnen, d. i. zu laugnen, zu liigen, zu ve r d a ch t i ge n, zu denunziren, — mit einem VVorte A p o s t el der Unvvahrheit zu s e in.— Krain und iiberliaupt die Provinzen, in welchen die Slo ven en wohnen, ist seit den letzten Jahren be- sonders zum Tummelplatze auserkohren worden, auf welchem diese Apostel der Unwahrheit unter der Maske zivilisatorischer M is si o n ar e ihr ehrbares Hand- werk treiben, zeitweise aber auch nach allen Weltge- genden in beliebte Tagesblatter Kunde liefern, dass sie existiren und — letztere dupiren! Einer der grossten dieser Apostel ist der Verfasser des Pamphletes ,,Das Deutscbthum in Krain,“ dessen Verdienst einzig in der Kunst besteht, die slo¬ veni seli e sowohl wie die deutsche Nation zu be¬ lil gen, die Tagespresse zu b e tli dren, ein Volk, das er n i c h t kennt oder ničli t mehr kennen will, eine Regierung, die ilin grossmiithig schiitzt, mit Koth zu bewerfen. — In der Ervvartung, dass sich eine geeignetere Peder far die Entgegnung des aller Logik und Ge- schichtskenntniss baren Pamphletes finden \verde, entschloss ich mich, da diese Ervvartung nicht in Erfiil- lung ging, dieses zu ubernehmen. Wenn vorliegende Blatter zur Entwirrung der Begri ffsverwirrungen, zur Klarung der Un- klarheiten, zur Verstandniss m i s s ver stan d e- ner Sclilagwdrter, zur Ausfiillung holiler Phrasen und zur Beleuchtung der allerhand in der Welt kursirenden und den gesunden Sinn des Volkes verriickenden Vorspiegelungen etwas beitragen konnen, so begniige ich mich, nach meiner schwachen Kraft ein Steinchen zum Baue des Tempels der segenreichen und dalier nothwendigen Eintracht unter den gleichberechtigten Nationen Oesterreichs beigetragen zu haben. — Der Verfasser des „Deutschthum in Krain“ nioge mich von etwaigen sprachlichen Siinden giitigst losspre- chen, indem ich — obwohl jede Nationalitat, hiemit auch die deutsche hochachtend — von Haus aus mit Leib und Seele ein S1 o v e n e bin. Laibach, Anfang April 1862. Der Verfasser. . - iiH.l 'M I. Usedel- als Politiker, noch als Geschichtsforscher, noch als Geschichtsschreiber muss ich doch der „mindestens unver- schamten“ Behauptung des Pamphletisten: „dass Krain iuinier zu Deutschland gehorte“ mit allem Ernste entgegentreten. Es sei mir erlaubt, diese magere Seite des fraglichen Pamphletes, namlich die politische Geschichte Krains nach dem logischen Zusammenhange der erwahnten Behauptung mit den nachfolgenden etwas niiher zur Anschauung des Lesers zu hringen. — DerVerfasser des „Deutschthum in Krain“ will dargethan haben, dass Krain iminer zu Deutschland gehort habe. Seine eige- nen Worte: „Wer die Ureimvohner (Krains) gewesen sind ; ob auch Slaven oder Kelten ; das hat man noch nicht nachweisen konnen (sic!). Jedenfalls sind ; bevor die Slaven erschienen, diese Lande sclioii bewohnt gewesen“ (sic!!), drticken ihm das glan- zendste historische Armuthzeugniss auf, und wenn er nur noch einen halben Zoll Mann ware, wiirde er ob seiner oben ange- fiihrten Phrase dasselbe reumiithig hinnehmen. Der Gallima- thias jedoch welchen er im weitern Verfolge seiner politischen Geschichte Krains den glaubigen Lesern auftischt, versperrt ihm den Weg zur Umkehr. Ohne logischen Zusammenhang, ohne historische Begrundung wirft er da herum mit Avaren, 8 Volkenvanderung, Herzogen von Friaul uncl Karnten *), Patri- archen von Aquilaa, ferner wieder mit den eben Genannten, bis dann plotzlich — jeder als wie eine Minerva aus dem Kopfe des Jupiter — die Grafen von Cilli, die Grafen von Orten- burg, die Herzoge von Meran, die Bischofe von Freisingen und Brixen auf der Btihne erscheinen; aber keine von diesen Induvidualitaten iiberbringt den Beweis, dass Krain desstvegen imnier ein deutsches Land sed, weil einzelne von ihnen tiber einzelne Theile des Landes die Ober- oder Lehenherrschaft aus- iibten, ohne je im Lande selbst ihren Sitz gehabt zu haben. Wir mochten wissen, welchen Weihrauch die Griechen, die Belgier, die Portugiesen, welche deutsche Konigs- und Fiirsten- sohne zu Konigen haben, einem Pamphletisten streuen moch¬ ten, der sieh unterstehen wurde, sagen zu wollen, Griechen- land, Belgien, Portugal sind desstvegen deutsche Bander, deutscher Besitz, weil ihre Konige deutscher Abkunft sind. — ,,Rudolf II. ( als Kaiser) bediente sich zuerst des Titels „„Herzog von Krain.““ So kam Krain zu Oesterreich und ward ein Tlieil des grossen deutschen Reiches, wofilr die Masse Ur- kunden und Privilegien, von den deutschen Kaisern verliehen, eben so viele Beiceise sind.“ Unser Pamphletist vergisst, was er eine Seite friiher schreibt: „denn ein Blick auf die Geschichte des Landes geniigt, um darzuthun, dass Krain ininicr zu Deutschland gehorte.“ Also doch nicht erst seit Rudolf II.? Auch die Masse obge- nannter Urkunden und Privilegien sind noch keine Beweise daftir. — Verfolgen \vir den historischen Ideengang unseres Pam¬ phletisten, wie er ihn weiter zu Markte bringt, nur ganz ober- fliichlich, so muss jeder halbwegs denkungsfahige Mensch bei den Worten (S. 7.): „Seit es (Krain) zu Oesterreich und Deutsch- *) In Bczug auf letztere ersuchen wir die Geschichte vom „Herzog8stuhle am Saalfelde 11 in Karnten zu beachten. 9 land kam, kat es im ni er dazu gehort “ unwillkiirlich zur Frage veranlasst werden: Was versteht denn der Verfasser des „Deutschthum in Krain" unter dem Worte „immer?“ — Man sieht, dass ihm als Erfinder der Kunst, das „iinmer u wie einen elastischen Spielball nacli Belieben zu behandeln, eine gewisse Genialitat nicht abgesprochen werden kann; Niemand jedoch wird sagen, dass er bis jetzt durch irgend etwas be- wiesen hat, dass Krain ein „deutsches geschweige denn ein „uraltes deutsches Land“ sei. Die Nichtigkeit seiner hohlen Beweisversuche einsehend glaubte er zur Kettung seines Gelehrten-Nimbus doch noch nach einem sophistischen Argumente sich umsehen zu mussen. Und siehe da! er hat es gliicklich gefunden. „Deutschland mrd und kann aber auch nicht darauf verzicliten (namlich auf Krain); denn der Besitz Krains ist nothvoendig, um die Verbindung mit der Adria herzustellen. Es (\Ver?) ist in dem Besitze clieses Meeres und darf, will es nicht einen grossen politischen Felder begehen, dasselbe nicht aufgeben.“ — Wir tiberlassen dieses Sophisma dem Leser zur gebiih- renden Beurtheiliuig, mit dem Ersuchen, die Lachmuskeln moglic.hst zu schonen, und wollen ihn nur noch auf einen kleinen Umstand aufmerksam machen. Der Verfasser des „Deutschthum in Krain“ besitzt die Kunst zu dehnen, zusammenzuziehen, zu vervollstandigen, und s. w. Er moge seine so schon klingende Phrase in seinem Voiuvorte: „An der Seine sitzt der grosse Falschmunzer“ u. s. w. so wie sein Deutschthum noch „etivas vervollstandigen“ und er wird eine frappante Aehnlichkeit seiner Person mit jener seines Bruders „Falschmiinzer“ entdecken; denn beide mochten gern nach Belieben mit „Ldndern scha- chern,“ wenn es — ginge! — Eines nur moge der Verfasser des „Deutschthum in Krain" beziiglich seines eben citirten So- phismas sich noch zu Herzen nehmen, dass eben nach der gegenivdrtigen politischen Konstellation vorlaufig zum Gliick keine Aussicht auf die Realisirung seiner Projekte vorhanden sei und trotz aller Anstrengungen und Machinationen seiner Gesinnungs- genossen nie voi-handen sein wird, die deutsche Armada aus 10 Gotha iiber clie goldene Brucke „Krain“ in das adriatische Meer zu bugsiren. Denn dieses Krain iv ar nie, ist nicht und wird nicht sein ein „deutsches Land.“ Es ist seit der Ansiedlung der Slaven ein von slavischen Handen bebautes, vom slavi- schen Heldengeist vertheidigtes, vom slavischen Blute zur Ge- niige getranktes, an Oesterreich treu und fest haltendes, von Oesterreich beschiitztes und regiertes Land, — es ist ein sla- visclies, osterreichisches Land, obwohl nominel auch ein Theil des sogenannten deutschen Bundes. Und mit diesem siissen Beivusstsein begniigen wir uns, noch ferner — wie bis jetzt — als echte Slovenen und als treue Unterthanen Oesterreichs auf slovenischem Boden so frei zu sein, uns frei zu entwickeln, und nach ehrlich vollbrachter Arbeit unsere Glieder dem Schoosse unserer heiligen slovenischen „Zemlja“ anzuvertrauen! II. Wahrhaft zu bedauern ist der Verfasser des „Deutsch- thum in Krain“ wegen seiner sehr humanitaren Ansicht, die er in seiner Kulturgeschichte Krains kundgibt, namlich: dass, weil die ganze Masse (des krainischen Volkes) in einem von dem besitzenden Adel abhangigen Verhaltniss, — dann, weil der Adel durchgangig deutsch war, und endlich, weil die Slovenen keinen Adel haben, diese ganze Masse jetzt noch wie ehedem als Paria etlicher Individuen figuriren miisste. — Es wird sichNiemand beikommen lassen, dem in Krain sesshaften Adel — deutschen wie auch italienischen Ursprunges — nahe treten zu wollen. Die Heldennamen der Auersperge , Lam¬ berge, Rauber u. A., -— der in diplomatischen wie auch kleri¬ kalen Kreisen beriihmten Herbersteine, Kobentzel u. A. sind klangvolle deutsche Namen; aber nicht minder klangvoll sind die italienischen Namen: Coronini, Barbo, Horda, Valvasor, Zois, Codelli, Lazzarini u. s. w., welche nicht weniger als jene in verschiedenen Bichtungen den Ruhm Krains und somit auch Oesterreichs zu erhohen wussten. — Wenn aber unter allen 11 hochadeligen Namen nicht ein einziger slovenische zu finden ist, dafiir kann die slovenische Nation eben so wenig, wie die deutsche desswegen zur Verantwortung gezogen werden, dass Preussens Fritz als deutscher Filrst das Deutschthim griindlich zu ignoriren allergnadigst geruhte. Doch! wie jene traurigen Zeiten flir Deutschland voriibergegangen sind, werden auch fiir uns Slovenen bessere anbrechen. —• Alle die hochadeligen Geschlechter kamen nach Krain von deutschen Kaisei-n geschickt, oder aber kauften sie sich freiwillig und unabhiingig daselbst an, wie sie nocli heute es thun. Die Apologie auf die Krainer von Seite des Verfassers des „Deutschthum in Krain": „Welche Rolle Krain in dem Kampfe gegen die Tiirlcen spielte, ivie es in der Zuriickwerfung der Barbar en sich unvergdnglichen Ruhm erworben hat, ist hin- langlich bekannt“, klingt nicht bloss als Ironie, sondern als Satyre in den Ohren eines j eden Slovenen, wenn man bedenkt, dass dieses in der Treue unerschtitterliche, stets opferwillige Volk fiir die unzahlbaren Opfer, fiir die vielen Strome Blutes, welchc es zur Kettung Oesterreichs und daher mittelbar auch j Deutschlands heldenmiithig gebracht , nicht nur nicht Einen Mann aufzuzahlen hat, der sich in jenen Heldenkampfen die hochadeligen Sporen verdient hatte, sondern dass man dieser urwuchsigen, sehr bildungsfahigen aber auch sehr unterdruckten Nation noch zum grossten Spotte die humane Phrase: „Die Slo¬ venen haben bekanntlich keinen Adel“ in das Angesicht schleudert! Ungescheut und ohne Schamrothe sprechen wir es offen aus, dass die Slovenen (im Sinne unseres adelsscheuen und zugleich adelssuchtigen Pamphletisten) keinen Adel haben, geben auch zu, dass der Adel einst der Trager der Kultur und Bil- dung war, — dann dass er die Kunste und Wissenschaften 12 forderte und so aufgeklart war, dass gerade bei ihm die Refor- mation, die Lehre Luthers, die eifrigsten Anhanger fand, — ferner dass nach der Durchfiihrung der Gegenreformation der zuriickgeblielienc Rest (des Adels) auch ferner der Unterstiitzer und Forderer der Kultur und Bildung bis in die neueste Zeit geblieben sei. Aber eben so ungescheut fragen wir auch: Wo sind denn die Ergebnisse des Einflusses des Deutschthums auf die Kultur und Bildung gegeniiber der Masse des Volkes bis jetzt zu Tage getretenf Wir bejahen es nochmals , dass der durch Jahrhunderte dominirende Stand nicht allein deutschen, resp. italienischen Ursprunges, sondern auch, dass er der Verbreiter der deutschen Kultur war, setzen aber auch oline Scheu hinzu: „Was dieser dominirende Stand war, das war er nicht fiir das Land, nicht fttr das Volk, sondern er war es fiir sich und seines Gleichen. Es lohnt die Muhe, zur Ausfullung der vielen hohlen Phrasen, welche der Verfasser des „Deutschthum in Krain“ seinen Glaubigen auftischt, dieselben etwas genauer beim Lichte der Wahrheit nur oberfldcblich anzusehen. Um den Leser nicht zu ermuden, mogen sie hier absatzweise folgen und kurz be- leuehtet werden. * „Wer sich irgendioo auszeichnen icollte, wer eine Car- riere machen oder iiberhaupt auf dem Pfade der Bildung tcandeln icollte, sprach und las deutsch.“ Wir fragen: Welche Sprache musste den in jener Zeit jeder Deutsche sprechen und lesen, der den oben angefiihrten Anforderungen entsprechen icollte ? Sicherlich ware ihm mit der Kenntniss der alleinigen deutschen Sprache jede Carriere und iiberhaupt der Pfad zur Bildung verschlossen geblieben, hatte er nicht in Klostern und spater auf Universitaten — und dazu 13 nocli meist in Italien und Frcmkreich — seinen Geist abge- schliffen und sich sein Wissen gesammelt. Jedem gebildeten Deutschen war damals die lateinische das, was heutigen Tags dem Slovenen die deutsche Spraclie, dem mehr gebildeten Slovenen aber neben jener die italienische und franzosische, ferner mindestens noch ein Paar slawische Dialekte sind. Wdhrlich ein Vortheil, um den um jeder wahr- haft gebUdete Deutsche mit Redit beneidet! — * „Industrie und Gewerbe wurden besonders v on Deutschen gepjlegt; deutsche Handiverker Hessen sich Uberall nieder, wurden sogar herbeigerufen.“ Dem widerspricht Niemand; warum jedoch scbildert unser Pampbletist spater den gegemoartigen Zustand des slove- nischen Volkes als gar so traurig, wenn sein Dcutsclitlium durch so viele Jahrhunderte so allmachtig gewesen isti? — Eben in diesem Zweige hat das Dcutsclitlium , seine zivilisatorische Mis- sion gegeniiber dem armen Volke der krainischen Slovenen ausser Acht lassend und selbes stets als ein Volk von DUmmlingen betrachtend, sich auf Unkosten seiner Rohheit breit gemacht, wie es auch heutigen Tages nicht minder es zu thun sich be- strebt. Und kann man ihm dieses verargen? Gilt irgendwo das Sprichwort „Vollenti non jit injuria so hat es hier seine volleste Geltung. Warum? — Wegen Mangel an loahrem, aufopfernden Patriotismus, wegen Verken- nung des an die Pforten der Nationen pochenden Zeitgeistes, und in Folge dessen ivegen Mangel an Anstalten, durch welche die Industrie nicht bloss in Krain, sondern unter den Slovenen uberhaupt gehoben werden konnte. — In den von den Slovenen bewohnten, bekanntlich nicht reichen Gegenden, ist kein Mangel an Bildungsfiihigkeit, — und das ist das Stammkapital eines jeden Volkes; allein dieses 14 Kapital bleibt todt — todt, solange nicht der Geist der Intel- ligenz die im Verborgenen schlaffenden Krilite der Nation be- fruchtet, — solange man sich in der Zentrale des mit dem Deutschthume gleichberechtigten Slovenenthums wegen Errichtung einer Oberrealschule, den Zweck einer solchen Anstalt verken- nend oder nicht einselien -vvollcnd — streitet und sti-eitet und dadurch unseren Gegnern die erwiinschte Gelegenheit darbietet, „humunculos minimi pretih' als Reprasentanten und Referenten auf Unkosten eines terrorisirten Landes und einer saumigen Ge- meinde zu Weltindustrie - Ausstellungen bereitwilligst senden zu \vollen. Traurig aber wahr! daher cogitent etvideant consules! — „Der Handel, molite er prosperiren, musste den VerJcehr mit Deutschland unterhalten.“ Wer die Kommunikations-Wege und Mittel der Zeit, in welche uns der Pamphletist versetzt, halbwegs aus den topo- grafischen und kommerziel-historischen Werken derselben Zeit- periode kennt, muss obige Beliauptung nur als eine hohle Phrase erklaren. Denn der Handel Krains „prosperirte“ auf eine sehr originare Weise —mittels Sclumer und Saumrosse nach und aus den nachstgelegenen Provinzen; weiter aber nicht. Dass sich der Handel Krains seit jener Zeit in Polge leichterer und schnellerer Mittel zu seinem Vortheile modifizirt habe, ist be- kannt. Wie viel aber Krain mit Deutschland damals verkehrt hatte , erhellt aus dem oben Gesagten. Selbst in der Gegemvart diirfte er, mit geringen Ausnahmen, nicht weit tiber den Be- darf an Luxus- und Modearttkeln reichen, welche selbst deutsch zu benennen der Deutsche nicht weiss oder aber sich dessen schamt! — Es ist dacher die obige Behauptung eine krasse Unwahrheit, weil die Bedingungen dazu felilten. Wenn aber Krain jetzt den Handel auch mit Deutschland unterhalt und dieses mit jenem, so liegt dieses in der durch die National- Oekonomie als unentbehrlich anerlcannten Wechselseitigkeit, ohne welcher die materielle Wohlfart eines jeden, und wenn auch f§ des miichtigsten Staates eine Illusion ware, was jedem Zollner bekannt sein solite. — „Was die deutsche Sprache betrifft, so tvar sie neben der lateinischen das Mittel, mit loelcliem die Wissenschaften verbreitet wurden.“ Man braucht mit keinem Vergrosserungsglase obige Be- hauptung zu untersuchen, um z ud seli e n den Zeilen zu lesen, dass in Deutschland damals die lateinische Sprache das eigent- liche Mittel war, durcli welches die Wissenschaften verbreitet wurden, — oder nach genauer Anschauung des Zustandes der damaligen Entwickelungsstufe der deutschen Sprache und Lite¬ ratur gerade auszusagen, dass die lateinische Sprache der grosste Stiitzpfeiler der Kultur nicht bloss der deutschen, sondern jeder andem Nation in Europa gewesen ist. Daher ist die Phrase des Verfassers des „Deutschthum in Krain“ nicht bloss eine der hohlesten, sondern sie ist geradezu hanal! Es moge hier nur der Schlusssatz dieses geistigen Mon- strums aufgefiihrt werden: ,,Das Volk komite damals iveder lesen noch schreiben.“ Unbescheulenheit mit Unkenntniss gegebener Verhaltnisse, jedoch mit einem guten Willen gepaart, wird zu deutscli Einfalt geheissen. Wenn sich aber Anmassung mit loirklicher oder nur fingirter Unkenntniss der Geschichte und der bestehenden Ver¬ haltnisse eines Volkes vermahlt, dann muss jeder verniinftige Mensch ganz offen sagen, dass der Beistand bei dieser Ver- mahlung der bose Wille war. Und diesem lasst unser Pamphletist — ich halte ihn nicht Pur so kulturhistorisch umvissend — nach Herzenslust den vollesten Lauf, wenn er dem Slovenenvolke die Sottise ins 16 Antlitz schleudert: „T)as ( Slovenen-) Volk konnte damals weder lesen nocli schreiben.“ Kulturhistoriker der damaligen Zeit haben zum Leid- wesen der neuern unterlasscn, genaue statistische Ausweise zu hinterlassen: ivie viele Menschen in Deutschland damals lesen und schreiben , und ivie viele nicht lesen und nicht schreiben kannten. * „Wenn gegemvartig slovenisch geschrieben und gedruckt wird, so hat man es vor Allem den Deutschen zu verdanken; denn sie ivaren es, welche den Anfang machten.“ Es ist noch nie Jemanden eingefallen, die Erfindung der Buchdruckerkunst den Deutschen absprechen zu wollen; bedauern jedoch muss man unseren Pamphletisten, dass er seiner Vervollstiindigungskunst so untreu geworden ist, dass er vergass, — beziiglich des Vordersatzes obigen Citates noch liinzuzusetzen, dass auch die „Deutschen“ es waren, welche die Slovenen slovenisch sprechen lehrten! Dieses wenigstens musste man aus seiner nachfolgenden Phrase folgern: „Truber stammt zwar von deutschen (!) Eltern *), wie der Name lehrt (!!), doch lernte er als Kind windisch und musste sich spater in Salzburg und Wien, wo er studirte, das Deutsche zu eigen machen.“ Durch welche Meister in Salzburg und Wien der windische Jiingling Truber sich das Deutsche zu eigen machen musste, blieb dem Pamphletisten in der Feder, und auch Schnurrer , erwahnt in seinem „slawischen Biicherdruck in Tiibingen" lcein Wortchen davon. — Wir tibergehen die Citate aus Truber (richtig Tvobar, im unterkrainischen Dialekte Trubar) und jene aus Valvasor beziiglich der Sprache der Gebildeten in Krain im 16. und 17. Jahrhunderte und stellen die ernste Frage: Wie harmonirt der Satz: „Kultur und Bildung in Krain sind rein deutsch“ Wir crsuclien um seinen Stammbaum! 17 mit der barocken Phrase: „Man kanu člen Deutschen nicht ver- anticortlich dafiir machen, ivenn Jahrhunderte lang das Volk umoissend blieh; er liat sich redlich bemitht, es zu sich heran zu ziehen, und hdtte man dem freien Denken*) nicht alles Terrain abgenommen, so stilnde das krainerische Volk auf einer andern Stufe als e s stehtf'‘ — Solche Bocksspriinge in der Logik diirften selbst in Tollhausern sehr seltene Erscheinungen sein! Als Krone der logischen Konsequenz stralilt aber nachstehender Humbug un- seres Pamphletisten: Ueberhaupt wenn von der Niederhaltung der Volks- bildung die Eede ist, soli man nicht dem Deutschen, sondern vielmehr dem ehemaligen Regierungssgsteme und der Geist- lichkeit Vomviirfe machen.“ Weleh’ eine prachtige Escamotage! Um dem Deutschen den Pelz sclmeeweiss zu waschen ; muss das ehemalige Regie- rungssystem als Lauge dienen! Was ist denn das ehemalige Regierungssystem gegeniiber den Slovenen Anderes gewesen, als ein seit Jahrhunderten in Permanenz erklartes Gerrnanisi- rungssjstem , welchcs trotz sein er Permanenz kein anderes Re- sultat aufzuweisen hatte, als dass das slovenische Volk Jahr¬ hunderte lang umeissend blieb! Was die slovenische Geistlichkeit in Krain betrifft ; liat die Wucht des bosen Gewisscns dem Verfasser des „Deutsch- thum in Krain“ den Schmerzensschrei ausgepresst: „Was da gefrevelt icorden ist, steht auf einem andern Blatte.“ Statt dieses, zum Theile der Regierung zum Theile der slovenischen Geist¬ lichkeit aus Feigheit leergelassene Blatt mannlich auszufiillen, klammert er sich — zwar angstlich, aber doch mit einem ge- wissen innern Wohlbehagen — an das: „Je diimmer das Volk ist, um so leichter Ičisst es sich leiten,“ um das durch alle Jahr- VVir erinnern una gehort zu haben, Jass man irgendivo ira Jalirc 1848 auch um Gedankenfceiheit petilionirt liabc! 2 18 hunderte gleich stark gebliebene Bolhverk der slovenischen Na- tionalitat nnd ibrer moralischen Kraft — um die slovenische Geistlichkeit mit seinem Geifer zu besudeln und eben in dieser Beziehung seinen Karakter im schmachlichsten Lichte glanzen zu lassen. *) — Die Verdienste der slovenischen Geistlichkeit — von den letzten Landkaplanen bis hinauf zu den hochwur- digsten slovenischen Kirchenfursten um die Bildung desVolkes, um die Ausbildung seiner Sprache, um die Forschung seiner Geschichte, liberhaupt um die Forderung der Wissenschaften u. s. w. nach Wnrdigkeit aufzuzahlen, Avtirde es die Muhe loh- nen, mehr als ein Pamphlet zu schreiben. — Alle die zahlreichen Slovenen Krains, die auf dem Gebiete der Wissenschaft oder der Politik eine hervorragende Stelle einnahmen, waren gross gesiiugt an den Brtisten der Kultur, welche ein Gemeingut aller, aber kein ausschliessliches Privilegium Einer Kation ist. Franzosen, Italiener und Eng- lander werfen mit ihrer Kultur nicht so leichtfertig herum, und doch erobern sie mit ihrer Konsequenz in der Verfolgung ihrer Zwecke mehr geistiges Terrain unter den zu zivilisirenden Vol- kern als die pliilosophirenden Deutschen! Allen diesen Nationen, und speciell allen hervorragenden Mannern dieser Nationen war die alte klassische Literatur die Quelle, aus welclier sie alle ihre Kultur schopften, und unserem Pamphletisten als Kulturhi- storiker darf es nicht unbekannt sein, in welcher Sprache noch im er sten Viertel des 19. Jahrhundertes fast alle Fachwissen- schaften auf Lyceen und Universitaten gelehrt worden sind. Uns Slovenen jedoch glauben gewisse Individuen und Renegaten mit vornehmer Uebersehung der Worte unseres Kaisers — an denen Niemand miikeln solite — ein „Veto“ diktiren zu miissen. — Diese Egoisten und Denuncianten mogen dieses „Veto“ gegen sich selbst kchren, und es moge unter den gleichberechtigten Volkern Oesterreichs das Wort des 20. Oc- Als weitere Vervollstiindigung des „Deutschthum in Krain“ erschieu aus der namlichcn Phrasenfabrik „dev Slovenismus und der Ultramonta- nismus^ in der guten „Triester Zeitung“ und aus ihr in der gleichge- sinnten „Presse w nachgedruckt. „Similis simili gaudet! c< 19 tober 1860 und des 26. Februar 1861 zu Fleisch und Blut werden. Dass es werden wird und zum Theile auch sclion ge- worden ist, bat das hohe Ministerium — Dank den Reichsrath- Abgeordneten Dr. Toman und Černe! — bereits Beweise ge- liefert zur Beruhigung und zur Freude der slovenischen Nation und zum Verdrusse unserer Feinde. Aber auch diese wider- strebenden Eintagsfliegen und Geister gar keinen Werthes, welche gegemvartig ihr ehrbares Geschaft in Liigen, Verdach- tigungen und Denunciationen mit solcher Virtuositat betreiben, welche die Geschichte und die unerbittliche Logik der That- sachen so starr liiugnen, — auch diese mtissen zur Einsicht kommen, dass sie mit ihren gemeinen Machinationen vor der gebildeten Welt nur ihren wahren Karakter entb illlen ; der slo¬ venischen Nation aber den unberechenbaren Vortheil gewahren, dass ihr nationales Bervusstsein mehr und mehr geweckt und gekraftiget wird. Zum Danke sogar sind wir diesen Leuten verpflichtet, denn sie eben haben durch ihr Treiben dazu ver- holfen, dass die Welt es weiss ; dass eine slovenische Nation besteht! III. Nachdem der Verfasser des „Deutschthum in Krain“ weder in seiner politischen noch in seiner Kulturgeschichte Krains etivas von dem berviesen hatte, was er bevreisen ivollte und eigentlich hatte beiveisen sollen, fangt er in III. seines Pam- phletes wieder dort an, wo er hatte aufhoren sollen, jedoch mit der letzten Anstrengung seines Geistes — namlich beiin verstarkten Verdachtigen und Ehrabschneiden. Ich erachte es daher als Pflicht, aus Achtung vor meinen Stammesgenossen, aus Achtung vor der Regierung und ihren Organen, aus Achtung vor offentlichen Anstalten und aus Ach¬ tung vor Mannern hochachtbaren Karakters, feierlichst gegen Alles zu protestiren, was der Pamphletist in dieser Beziehung schreibt. 2 * 20 Hat er seme Tgnoranz, oder vielmehr seine durch nichts gerechtfertigte Animositat gegen Alles, was nicht in seinen Kram passt, in dem bister in I. und II. Angefiihrten rnehr als zur Geniige zn Markte gebracht, so muss ih m, was den Ursprung des Slovenismus betrifft, jeder Gymnasial-Schiiler offen sagen , dass er weder die slovenische Literaturgescbichte kennt, noch sein Citat aus Kopitar *) versteht. Ware Letzteres der Fali, so hatte er begriffen, was Kopitar unter dem Gesammt- namen der Kation (Slovenen ), und was unter dem Speciesnamen (Krainer) versteht. Die Fragen des Verfassers des „Deutschthum in Krain“: „Wie kam es nun, dass in Kram, in dem nach Geschichte und Kultur deutschen Krain, der Slovenismus auftauchte, dass Krain der Herd der slovenisclien Beicegung ivurde f Und ide verhielten sich die Deutsclien d.azu ? tiberlassen wir der billigen Beurthei- lung der in die Verhaltnisse Eingeweihten und unparteisch Denkenden beider so viele Jahrhunderte briiderlich mit einander lebenden Nationalitaten — der slovenischen und der deutschen. Zur Erklarung der „allerhand“ durch unseren Pamphletisten und seine Gesinnungsgenossen „in der Welt in Kurs gesetzten und den gesunden Sinn des Volkes (!) verrtickenden Vorspie- gelungen“ zwingt uns jedoch die Wahrheitsliebe tiber die Ge- nesis des Slovenismus etwas weiter auszuhohlen, um ihm zu beweisen, dass der ^Slovenismus nicht aus dem Jahre 1848 datirt , am allenvenigsten aber seit demBestehen des „Aushilfs- kassa-Vereins" in Laibach! — Im Jahre 1844 widmete der slovenische „Schiller“ Ko¬ seski zur Verherrlichung der Ankunft Ihrer k. k. Majestaten, des Kaisers Ferdinand und der Kaiserin Maria Anna in Laibach sein klassisches Gedicht „Slovenija“, so zu lesen in einer be- *) Za staunen, dass er nicht „Kopitcr“ schreibt und diesen Oelehrten nicht a la „Ti'uber“ von deutschen Eltern herstaramen lasst! — Wir verweisen iibrigens auf De&mans „Noten ohne Te.rt. oder: Diirfen die Krainer ihre Landesspraclie die slovenische nennen? 11 — zu lesen im illyrisehen Blatte, 1849, S. 199 u. f. 21 sonderen Beilage zur ,,Novice" Nr. 36 des Jalires 1844. Der slovenisclie „Byron“ Prešern sang im Jahre 1836, veranlasst durch die von Slovenen herausgegebene treffliche „Carniolia 44 ein deutsches Sonett „An die Slovenen, loelclie deutsch singen“, so zu lesen im „Illyrischen Blatt 44 genannten Jalires; der liocli- gelelirte, fiir die slovenisclie Literatur hochverdiente selige Professor „der slovenischen Philologie Fr. Metelko verfasste ein imJalire 1825 gedrucktes „Lehrgebaude der slovenischen Sprache 11 , und um noch weiter zuriick zu gehen, Miren ovir hier die ei- genen Worte unseres Meisters Vodnik in lateinischer Sprache an: „„Hlyriam redivivam““ seguetur „„IUyria magnijicata““, ceu antitliesis, jam tum concepta in mente poetae, in laudem ejus, qui linguam excolli juberet slovenirani, atgue gentem erudiri, quod fecit Franciscus. Nomen carminis erit: ,,Slovenija zveličana 44 . Vodnik, m. p. *) Es wiirden diese Anfulirungen geniigen; um jedocli zu beweisen, dass der Slovenismus an Alter unseren Pampbletisten weit iiberragt, sagen wir ibm als Kulturbistoriker, dass selbst sein ,,deutsclier“ Truber in allen seinen Werken die Sprache der Krainer schon „slovenski jezik 44 nennt, was alle seine Nacli- folger bis Vodnik hinauf aucb tliaten. Diese Umstande sollten dem Verfasser des „Deutschthum in Krain 44 bekannt sein; damit er sein Miitbcben jedoch etvras abkiihlt, muss er noch einiges von „von aussen eingesclimugelten politischen Ideen, (als ob man in Oesterrcich keine liaben diirfte!) von jugendlichen Pbantasten, (als ob es andenvarts keine gabe) von Fausten der Bauern 44 u. d. gl. als Praludium vorausschicken, elie er auf seinem schon kaum keuchenden Rosinante den letzten Versuch macht, die guteMeinung der Welt mit Sturm zu Grunde zu richten, u. z. die gute Meinung von — ihm selbst! Dass wieder hoble Phrasen und Verunglimpfungen seine elenden Waffen sind, — wer solite das nicht envarten? Wir ivollcn daher einige derselben iviedcr absatziveise naher besehen. * *j Dr. E. H. Coeta’s „Vodnik-Album“ S. 27. 22 „Die verkilndigte Gleichberechtigung der Nationalitaten vmrde so aufgefasst, als ob jede derselben ein geschlossenes Ganzes, einen Staat im Staate bilden diirfte.“ Wer die Gleichberechtigung im Sinne des von Sr. k. k. Apost. Majestat gegebenen Wortes richtig aufgefasst hat, muss als Mann von Karakter diese Gleichberechtigung der Nationali¬ taten Oesterreichs als ein heiliges Palladium der moralischen wie auch phisisclien Kraft Oesterreichs sehr liochachten — als heiliges Palladium des schonen Oesterreichs, dessen hochher- ziger, vielgepriifter Kaiser seinen weisen Wahlspruch „Viribus unitis“ nur dann erst venvirklicht sehen wird, wenn seine alle Zeit treuenVolker ganz iiberzeugt sein werden, dass die Worte: „Gleiche Lasten gleiche Rechte“ keine leere Phrase sind. So lange es aber Volkern niederern Bildungsgrades nicht vergonnt sein icird, sich auf nationaler Grundlage zu entwickeln, so lange sich gewisse Individuen das ausschliessliche Peclit zu „dominiren“ und zu „terrorisiren“ arrogiren werden, hleibt ein starkes, eini- ges, machtiges Oesterreich eine Illusion. — h: „Diese Ansicht (als ob jede Nationalitat ein geschlos¬ senes Ganzes u. s. w.) wurde am kraftigsten unterstiltzt durch das slovenische Blatt jjlVovice 44 , das bis 1849 Eigen- thum der landioirthschaftlichen Gesellschaft und nur land- icirthschaftlichen Zivecken gemidmet war, dann aber — aus ivelchen Grunden, ist nie redit bekannt icorden — in die Hčinde des Sekretar s der Gesellschaft kam, der es zu einem theihoeise politischen Organ umschuf.“ Die „Novice“ sind von ihrem Anfang bis zum beutigen Tage Eigenthum des um die Beforderung der slovenisclien Li¬ teratur hocbverdienten Buchdruckers Josef Blasnik in Laibach. Er ersclieint vom er sten Blatte dieser Wochenschrift an bis heute als „založnik“ d. i. Verleger gedruckt. — Es ware zu lang zu erortern, mit ivelchen Hindernissen, mit welchem Aufwande an Zeit und Geld der Eigenthumer der „Novice“ unter Sedlnitzkg zu kampfen hatte, um die Bewilligung zur Ausgabe des „slove- nischen Volksblattes“ zu erlangen. Ohne Intervention Weiland Sr. k. k. Hoheit, des unvergesslicben Erzherzogs Johann, un'd ohne Urgirung der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft, der De- legation des damaligen innerosterreichischen Industrie-Vereins in Laibach und der Direktion des eben genannten Vereins in Graz, welche die Nothvendigkeit eines popularen Blattes selu- gut einsahen und begriindeten, -vvaren die„Novice“ gewiss noch mehrere Jahre ein frommer Wunsch geblieben — zwar nicht zu Nutz und Frommen des von unserm Pamphletisten und Ge- nossen gepredigten Deutschthums, wohl aber zum unberechen- baren geistigen Nachtheil der slovenischen Nation. —• Die „No- vice“ liaben im ersten Blatte des Jahres 1862 in Bezug auf die Eigenthums-Verdachtigung die „Triester Zeitung“ nach Gebiihr abgefertiget und dieses Blatt zum Gestiindniss gebracht, dass nicht ihr Korrespondent, — der Verfasser des „Deutschthum in Krain“ — sondern die Redaktion der „Triester Zeitung“ selbst die Bemerkung in Betreff des Eigenthumes der „Novice“ hinzuzusetzen beliebte. Wahrlich ein Gestiindniss, wornach jeder ehrlich denkende Mensch die saubere Sippschaft beur- theilen mag! Um uns kurz zu fassen, diene zur Beruhigung des oft genannten Pamphletisten und der „Triester Zeitung“, dass ein Reskript des damaligen Gouverneurs von Illyrien ddo. 20. Februar 1843, Z. 249, beziiglich des Eigenthumsrechtes der „Novice“ in der Registratur der krainischen Landwirthschaft- Gesellschaft aufbewahrt ist, und dass Buchdrucker Blasnik mit einem Convolut von Akten seit 1838, in welchem Jahre er um Bewilligung einer Wochenschrift in der Landessprache unter dem Titel „Zora“ (die Morgenrothe) zuerst, aber vergebens sich bewarb, jedem die Einsicht in diese Akten gestattet. Es ist daher eine infame Ltige, dass „dann“ die „No- vice“ in die Hiinde des Sekretiirs der Landwirthschaft-Gesell- schaft kamen, so wie dass das Blatt „nur“ lancbvirthschaftlichen Zwecken gevddmet war. Wer Augen bat, zu sehen, und ver je nur ein Blatt der „Kovice“ gelesen und „verstanden“ hat, muss obige Behauptung mindestens stupid nennen. 24 Die Umschaffung der „Novice“ in ein theilweise poli- tisches Blatt war eine, in Folge der veranderten politischen Verhaltnisse Oesterreichs im Jahre 1848 auf' das Giesetz der Notlnvendigkeit und Klughe.it gegriindete Massregel. Der Ver- fasser des 77 Deutschthum in Krain“ wird freilich mit seinem „Je diimmer das Volk“ u. s. w. repliciren; das slovenische Volk jedoch ist Jioch viel kliiger und praktischer, als er es zu schildern beliebt. In einem kurzen Zeitraum von kaum fiinf Jabren (1843-1848) erklarte das Volk einstimmig die „Novice“ zu seinem Lieblingsblatte , — diese 77 Novice“ 7 welche er st vor zivei Jahren in der 77 Triester Zeitung“ als ein icahrhaft ausgezeich- netes Blatt gescliildert vorden 7 gegemvartig aber von gewissen Wetterhahnen mit allen moglichen Tonen der Verdachtigung und Liige alhvochentlich angekraht werden! — Die veranderten politischen Verhaltnisse also verlangten auch andere Anschauungen von Seite jeder Klasse der Gresell- schaft. Auch das slovenische Volk begriff die Stromung des Zeitgeistes. Diesen begreifend und aus eigenem Triebe ver- langte es nach politischer Kost. Konnte man ihm ividerstehen ? Es ivollte diese Kost haben und die „Novice“ gewahrten ihm diese Kost in einer fiir dasselbe sehr gut verdaulichen Weise 7 wie sie sie ihm noch heute gewahren. Unter der Redaktion eines Mannes , der mit einer all- seitigen wissenschaftlichen Bildung einen echten mdnnlichen Ka¬ rakter verbindet 7 — eines Mannes 7 dessen Verdienste um die slovenische Kation und um den Staat *) von jener selbst und *) Wir iibergehen mit Stillsclnveigen diese Verdienste im Allgemeinen, und fragen z. B. nur: „Wie ware es in Itrain im Jalire 1848 gewesen, als man ringsherum Landstiirme und allerlei politische Kravalle organisirte, wenn die ..Novice" nicht fortivahrend zur Ituhe, Besonnenheit und Mas- sigung gemahnt hatten? Wie ware die kitzlichste aller damaligen Tages- fragen, — die Grundlasten-Abldsungsfruge aufgenommen worden, vvenn die „Novice“ den allerorts auftauchenden Wiihlern gegeniiber nicht fort- 25 von unparteischen Mannern audi fremder Nationalitat ohne Widerrede anerkannt werden, wurden die zum Lieblingsblatte der Nation gewordenen „Noviee“ aus obgenannten Griinden ein theilveise politisches Blatt; sie varen es jedoch nicht gevorden, wenn der „Eigenthtimer und Verleger“ die durch das damalige Pressgesetz angeordnete Kaution nicht erlegt hatte. Verleger und Redakteur konnen aber heute mit stolzem Bewusstsein zu- riickblicken auf die Erfolge, welche sie, unterstiitzt von der ganzen Kation seit 1. Juli 1843 erreicht haben, — Erfolge, velche das von unserem Pamphletisten verherrlichte „Deutsch- thum in Krain“ so viele Jahrhunderte hindurch zu erlangen nicht im Stande var. — — Und wie anerkennt der Verfasser des „Deutschthum in Krain“, im grellsten AViderspruche mit seiner innern Ueberzeu- gung, diese vahrhaft glanzenden Erfolge ? — Dadurch, dass er die „Novice“, — dadurch, dass er ihren von der ganzen Nation nach Verdienst auf den Handen getragenen Redakteur, — da¬ durch, dass er Manner, velche zum Heile der Nation durch dieses Blatt grossgezogen worden sind, — dadurch, dass er Beamte und Lehrer, welche er veder personlicli noch nach ihren Handlungsveisen kennt, — dadurch, dass er Korpora- tionen, in velchen alle hier ansassigen Nationalitiiten briiderlich vertreten sind, — dadurch, dass er sogar den Mann, den das Vertrauen des Monarchen an die Spitze des Landes gestellt, mit seinem Geifer bespritzt, ohne nur ein e von seinen bloden Beschuldigungen zu begriinden. — * „Seit dem Oktober 1860 kat das Blatt (Novice) Tlass und Spott gegen die Deutscken in einem solcken Masse und in eincr solchen Dreschflegelmanier zur Sekati getragen , dass selbst Nationalgesinnte emp'ort dariiber waren.“ vrahrend aufkliirend, belehrend nnd kalmirend gewirkt liatten ? Wahrend sich in allen kritischen Zeiten die Gesinnungsgenosscn des Pamphle¬ tisten wie Grillen feige verkroohen, haben die „Novice“ allein Muth gc- habt, wirksam aufzutreten, weil sie das volleste Vertrauen des Volkes genossen! 26 Entweder sind diese Worte wahr oder sie sind nicht wahr. Ist ersteres der Fali, so haben sich die „Novice“ nach §. 278 des Strafgesetzes schuldig gemacht der TJebertretung gegen die offentliche Ruhe, und zwar der TJebertretung' „der Auf- reizung gegen die deutsche Nationalitat, wenn sie „Hass“ — und nach §. 491 der TJebertretung gegen die Sicherheit der Ehre“, wenn sie „Spott“ gegen die Deutschen in dem von unserem Pamphletisten erwahnten Masse und in „solcher Dreschflegel- manier“ zur Schau getragen haben. Diese Uebertretungen waren gewiss den betreffenden Behordcn und Privaten nicht entgangen, ven n es dem so ware. Es ist daher obige Phrase nicht bloss eine grobe Verlaumdung, sondern sie ist sogar eine eben so grobe Verdachtigung der das Presswesen handhabenden Behorde, und mit vollestem Rechte konnten die angefuhrten §§. statt auf die „Novice“ nur gegen unseren Ehrenmann gerichtet werden. — Auch den Korrespondenten der „Triester Zeitung“, der „Grazer Tagespost“, der „Presse“ u. s. w. wird es nicht scha- den, obige §§. zeitweise etwas genauer anzusehen. — Wir haben noch ein Phraslein unseres hochgelehrten Pamphletisten, welches er zum Besten der Geioerbsleute Laibachs, slovenischer wie deutsclier Abkunft, aus seinem verbrannten Gehirn ztu' Welt setzen zu mtissen vermeinte. Dieses Phraslein lautet: „T)er Ausliilfskassaverein in Laibach liat das Verdienst, zuerst die nationale Fahne entfaltet zu liaben. Seltsamer Weise war es ein Cehe, der Mer agitirte.“ Es ist wahrlich zu staunen, mit welcher Frechheit der Verfasser des „Deutschthum in Krain“ einen Verein anfallt, der dem Alter nach der ziveite in ganz Oesterreich ist, in dessen Yerwaltungsrathe alle in Laibach sesshafte Nationalitilten vertreten sind, — einen Verein, welchem in diesen misslichen Geldverhaltnissen mancher Geverbsmann sein gewerbliches Fort- kommen zu verdanken hat! Und dieser Verein soli das Verdienst haben, zuerst die nationale Fahne entwickelt zu haben! Also rumort der Slovenismus er st seit sechs Jahren? — seit dem 27 Bestande dieses im Stillen so segenreich vrirkenden, so muster- haft geleiteten Vereines, dass sogar Stadte wie Prag, Salzburg, u. A. nach seinem Muster ahnliche Vereine grundeten! Plat der Pampbletist in jedem von ihm bis jetzt geschrie- benen Worte eine Liige ausgesprochen, so setzen ihm die Schlussworte obiger Phrase als Virtnosen in der Verldumclungs- Icvkst die Krone auf. Der Vorstand des genannten Vereines ist in der That ein Čehe, und in der That ein Agitator; — aber er ist ein sehr edler Agitator; denn olme seine Agitation ware der Verein nicht zu Stande gekommen, ohne seine aufopfernde und um- sichtige Leitung ware der Verein nicht das, was er ist! Und solche Manner wagt der Verfasser des „Deutschthum in Krain“ in Ivoth zu ziehen und offentlich zu brandmarken! — Ueberhaupt stiirzt der Gotzentempel, in welchem er friiher in seinem „Deutschthum in Krain“ dem Adel, dem Biir- gerstande, der Industrie, ja dem Deutschthume selbst so wohl- duftenden PVeihrauch gestreut hatte, unter den Schlagen seines logischen Geistesliammors plotzlich in Kuinen zusammen und in den Staubwolken dieser Ruinen unterlasst er es nicht, dem Abgeordneten Dežman noch eine Hymne zu singen. — Prosit! Als Ulustration zu dieser Hymne dienen nachstehende Stellen aus einer Rede, welche der Gefeierte im damaligen slo- venischen Vereine vorgetragen und dann als Neujahrsgruss im ersten Blatte der „Slovenija“ 1849 unter dem Titel: „Slava SlavjanamD drucken Hess: „Slava Slavjanam!“ (Ruhm den Slaven!) Konnen wir einen schonern Neujahrsgruss unsern slavischen Briidern und Schwestern zuschicken? Ruhm den Slaven! sei kiinftighin unser Gruss! — O siisse AVorte! Erschallet auf Bergen und in Thalern aus dem Munde des Schafers und des einfachen Landmannes, in *5tiidten, Markten und Schlossern, in Versammlungen und Unterhaltungen! Die slavischen Miitter sollen euch den Kjndern 28 in der Wiege Vorsingen , die slavischen Jungfrauen sollen mit euch von den Helden Abschied nehmen und jeder von uns soli sich so benehmen, dass in Wort und That ervviesen wird Ruhm den Slaven!-Unsere Feinde jedoch werden sagen : „Wie sind doch die Slaven ubermiithig geworden!“ Wir aber werden ihnen antworten: Uebermuth war unseren Herzen stets fremd und in unserer Einfalt \vollten wir fremden Nationen fruher als sich selbst dienen in der Meinung, dass uns dafiir die Liebe als Vergeltung zu Theil werde! Aber dieser Irrthum hatte uns bald zu Grunde gerichtet. Wir siechten dahin beim Brode, welches uns herzlose Stiefrniitter darreichten, unseren Dui’st loschten wir mit Pfiitzenwasser, und horten nicht, wie das Platschern der klaren slavischen Quelle an unsere tauben Ohren schlug; unterdriickt und verspottet wurden wir ohne Unterlass Nachdem er in seiner erwahnten Rede einen Ueberblick der allgemeinen slavischen Geschichte macht, sagt er ferner: „Es gentigen unseren Feinden diese Beweise, und ver- stummen werden sie vor dem schmetterndern Schalle der Dro- mete Klios, welche der ganzen Welt verkiindet: „Ruhm den Slaven!“ O dass besonders unter uns Slovenen dieser Schall wie- derhallen mochte, unter uns, die wir auf unsere gemeinschaft- liche Hutter fast vergessen haben 1“ —• — So hoch schwang damals Dežman die Fahne des Sla- venthums!! * „Der Krainer, an und filr sich Jclug und praktisch, ivill nichts ivissen von den grossslovenischen Traumen; er kennt den Werth der deutschen Bildung und schiclct seine Kinder in die Schide — dass sie Deutsch lernen.“ Ist das nicht ein wiirdiges Seitenstiick zu der in II. S. 11 angefuhrten Satyre auf die Slovenen Krains? Aus vollester Ueberzeugung sprechen wir dem Krainer und allen Slovenen eine, dieser Nation zur Ehre gereichende Klugheit und pr^ik- tische Verwendbarkeit zu, verweisen aber den Verfasser des 29 „Deutschthum in Krain'' wieder auf seine Schilderung des ge genwartigen Zustandes unseres Volkes, imd ermahnen ihn auch als alten „Novizen in der Politik 1 '', seine Hallucination iiber sein Grossslovenien sich bis zur Niichternheit auszutraumen und nie mehr so einen Unsinn drucken zu lassen, wie: Der Krainer schickt seine Kinder in die Schule •— dass sie Deutsch lernen! Die Glaubigen gewisser, von unserem Pamphletisten oder seinen Gesinnungsgenossen alhvochentlich mit Liigen und mit anlrrsinn granzenden Denunciationen par force bestiinnten Tagesblatter werden sicli iiber diesen weisen Spruch freudigst die Hande reiben. Wir aber glauben, dass die deutschen Eltern ihre Kinder aucb eben dessbalb in die Schule schicken, damit die vom Hanse aus deutsch redenden Kinder erst in der Schule deutsch sprechen, schreiben und dcnkcn lernen. Oder glaubt etwa unser Pamphletist, dass er mit seinem vom Elternhause mitgebracliten Deutsch je im Stande gevvesen ware, selbst sein in Rede stehendes Pamphlet zu vcrfasscn, oder gar eine Carriere zu machen? Zu seiner Beruhigung diene ihm die Thatsache, dass die Oberkrainer ihre Kinder nach Karnten, damit sie deutsch, — die deutschen Karntner aber ihre Kinder nach Krain schicken, damit sie slovenisch lernen. ■ Wenn aber der Slovene iiberhaupt seine Sohne in die Hauptschulen schickt, so hat er dabei einen anderen hoheren Ziveck im Auge, namlich aus seinem Sohne einmal einen „Herrn“ zu machen, mag es auf welchem Gebiete des offentlichen Lebens immer sein. Und die slovenische Kation ist, obwohl sie „keinen Adel“ besitzt, eben durch solche „Herrn“ genug geadelt! Den Verfasser vorliegender Blatter wiirde es in das Innerste seines Herzens schmerzen, wenn er horen miisste, irgend einen ehrlichen deutschen Mitbiirger beleidiget zu haben. — Jahrhunderte hindurch haben Slovenen und Deutsche bril- 30 derlieh mit und neben einander gelebt und in allen Verhaltnissen Freud und Leid getheilt; hoffentlich wird dieses innige Verhalt- niss die Zukunft niclit lockern. Was aber der Verfasser dieser Blatter sagen musste, gilt dem Verfasser des „Deutschthum in Krain“, der sich niclits Edleres zur Aufgabe zu machen wusste, als die auf der Bahn der Giesetzlichkeit sich bervegenden Be- strebungen der slovenischen Nation in verschiedenen Tages- blattern der Monarchie feige zu begeifern und diese Tagesblatter selbst bei allen billig Denkenden in Misskredit zu brin gen, den Samen der Zwietracht auszustreuen und dadurch der ohnebin in Verlegenheiten genug verstrickten Regierung noch grossere Verlegenheiten — und zwar nur aus boser Absicht — zu bereiten. Der Verfasser des „Deutschthum in Krain" rnoge aber auf seiner eingeschlagenen Ehrenbahn unter Begleitung seiner geistreichen Gresinnungsgenossen unverdrossen fortfahren, jedocb nicht vergessen, dass „der Krug geht so lang zurn Brunnen, bis er bricht!“ — Zum Schlusse wollen wir allen jenen Herren, welche sich als zivilisatorische Apostel des slovenischen Volkes in ver¬ schiedenen ,,deutschen“ Journalen geriren, nachstehende Preis- fragen aufstellen: 1. Welche sind, ihrem besten Wissen und Gewissen nach, die Grundschaden des slovenischen Volkes? 2. Welche sind die Ursachen dieser Grundschaden ? und 3. Welche sind die Radikcdmittel gegen diese Grund¬ schaden ? Wir nennen diese, tief in das psychische und staatliche Leben der Slovenen eingreifenden Fragen „Preisfragen“, weil dem glucklichen Loser derselben der hochste denkbare Preis zuerkannt werden muss, — namlich der ewige Dank einer ganzen Nation, und durch sie der Dank des grossen Staates, unter dessen Schutz und Schirm diese Nation zum Selbstbevvusst- sein envacht ist. 31 Nun, meine Herrn! frisch an die Arbeit! Der Preis ist gross — aber die Losung obiger Fragen! — — — Steigen sie, statt sich in Unwahrheiten, in Verlaum- dungen, in Verdachtigungen zu versteigen, guten Muthes, aber offen, unter das Volk selbst; lernen sie es kennen, lernen sie seine Spracbe, seine Sitten und Gebrauche; lernen sie seine Geschichte kennen, — und dann erst massen sie sich an, ein Volk und seine gesetzlich gestatteten Bestrebungen zu beur- theilen, ein Volk, welcbes ihnen so neu sein diirfte, wie jedem Bewohner der Erde die Bewohner des Mondes! M •-