»844 Vaterländisches. Freiherr Hans Katzianer im Tmkcnknege. >»^cieg mau einst aus dem Kärntner Land über die Alpen in Oberkrains nördliches Gebirgsland b>N' ab, da wo die Bergströme vom hohen Alp'Gebirge sich- in die 3a,e hinwinden, so traf man ost. wärts von dem Thale, durch welches dieser Strom sich se>n Bett gewühlt, auf ein? feste umwehrtc Burg, die in alter Zeit den Namen Vlgaun führte, vom Krainervolke Velins genannt. ?luf ihr hausete im Jahre 1338 der edle Ritter Nicolaus von Nain^ der Sprößling eines alten Rittergeschlechtes, der letzte seines Namens auf der altcn Burg, denn es war ihm nur eine einzige Tochter b,schieden. Sie gab nach des Vaters Tode ihre Hand dem Ritter Hans von Haunsberg, Herrn von RatmannSborf UNd Wallonbelg, ^Nd brachte ihm auch ihre väter. liche Burg V'gaun ZU. Sie erfreute sich a!?cr des ehelichen GlückcS nur kurze Zeil Sie waid bald Witwe. Da warb um sie im Jahre 1340 der edle Freiherr Georg Katziancr von Katzenstem. Er em. pfing mit ihrer Hand auch den Besitz der BurgVi« gaun, die seitdem ihren Namen änderte, und Kaz-zenst.'in genannt ward. Das Geschlecht der Katzianer rückt in seinem Alter, so weit cs zu verfolgen ist, über ßic M>',ce des dreizehnten Jahrhunderts hinaus. Wo es da» Mals seinen S'h gehabt, ist unbekannt. Wir finden aber, daß es um diese Zeit in der Umgegend des StifieS Oderburg schon das Vogtrecht übte, denn alS im Iah^ 1243 der edle Ritter Harcund von Potau dieses Stift mit einer ländlichen Vergabung aus dem Kivu,l)^g erfreute, ward den Katzenstei. ner» das Vogtiecht darüber vorbehalten, und wieder, um in ein,r andr,» frommen Vergabung des Her. zogj Otlokar von Oesterreich und seiner Ocmahlcnn Margaretha', einer Schwester des Herzogs Friedrich des Streilbasen, an das Frcisingische Gotteshaus, über die Vasallen WeichselvurgS, erscheint itl!I<,hre t'<54 das edle 3»lttergeschlecht der Kahianer schon hochgeachtet und weitverzweigt. Hundert Jahre aber gehen vorüber, bis zuerst^ wieder Georg Katzianer von Katzenstein aus dem Dunkel seines Geschlechtes hervortritt, und dt Bogen und Geschoß geübt; wie er seine erste Bildung ge, wonnen und die Lust zum KriegSwerke in ihm erweckt worden seylsen sich zuerst entwickelt und heranreift, unbewußt mit Natur und Schicksal seines Landes in steter inni» ger Wahlverwandtschaft; den Menschen erziehen nicht Menschen allein; auch Berg und Thal, Wald und Flachland, Ströme und Meere, Clima und Natur in ihrem gesammten großartigen Wechsel, und nicht minder die Zei^' lichcn Verlaufe ihrer Ereignisse bilden und bestimmen »e» Menschen zu >sm, was erwirb und was ec seyn soll, nach Kraft dcs Geistes, der in ihm lebt, In solch IN luntem Wechsel der Natur und Schicksale hatte auch Hans Katzianer seine Jugendzeit verlebt. Rings um die Burg lag in ziemlicher weiter Ausdehnung ein ebenes, liebliches Gefilde; im Cüden schweifte der Blick über ein weiteS, freundliches Flachland bis an den Thalgrund, durch welchen der wildbrau« sende Savefluß dahinströune; hier fand das Auge kaum eine Gränze; es erfreute sich der üppigen Fiuchtbarkeit uud der reichen Lebensfülle in Feldern und Auen , und der reißende Strom zog denGcdan» ken mir foit in die Weite der Welt. Anders nach Norden hinauf; dort stieg ein mächtiges Schneege-birg empor, und setzte dem Blick eine scharfe Gränze. Je, Z höher man es erklimmte, um so mehr er-starb die Fülle der Natur, bis ewiger Schnee und Eis ihr allts Leben ertödtende Macht geltend mach. ten. Hatte abcr zur Sommerszeit der heiße, aus Süden ungehindert herzustiömende Südwind die Lebenskraft in der Natur wie im Menschen erschlafft und fast erdruckt und erstickt, so erfrischte, er« quiekte und stärkt? sie vom neuen die vcm Schnee-ßebirge h.n.- gewisse Originalität verlieh. In Karolinens Augen war die ganze Welt ein ungeheurer Noman, als dessen bald gliickliche, bald unglückliche Heldinn sie sich selbst erschien; sie lebte ein Fantasieleben in dem unendlichen Kaleidoskop, das durch den Zauber» stab Derjenigen, welche man Dichter nennt, belebt wird. Jung, schön und voN romanhafter Ideen, verdankte Miß Karoline dieser zweiten Existenz des Herzens und des Geistes in einer Welt, welche in der Wirklichkeit nicht gefunden wird, Eindrücke, de» ren Lebhaftigkeit oft ans Seltsame gränzte. Die rauhe Wirklichkeit des LebenS hienieden, setzte sie in Schrek-kc?>, nur zeternd trat sie daher, wenn sie sich lange in den weiten Räumen der Fantasie ergangen hatte, in das reale Leben wieder ein; sie hatte so vielHang, sich bei dem geringsten Geräusch erschrecken zu lassen, die unbedeutendste Sache konnte sie so leicht in Aufregung versetzen, daß ihre Freundinnen zu Brandsford ihr den Beinamen der Erregbaren gaben. Der Oberst Georges war ganz erstaunt über Ailcs, wH) cr sah, über ANeS, was er täglich in 1Z^ dem excentrischen Charakter der Miß KaroliT^e eindeckte. Er beunruhigte sich als Vormund darüber, aber er war jung, war Engländer und selbst ziem« üch originell, so daß eS Niemand wundern wird, wenn wir erklären, daß er bald über d,e Maßen verliebt wurde m seine romantische Mündel. Ihrerseits war M>ß Derby sehr erstaunt, in dem neuen Beschützer ihrer Jugend nicht einen alten, barschen Krieger zu erblicken, sondern einen schönen Oberst von dreißig Jahren, der Geist und Gefühl halte, und ziemlich geneigt war zu poetischen Thorheiten, die das Vorrecht der Jugend zu seyn pflegen. Eine Entdeckung der Art bezauberte M>ß Karolinens Herz. Und wiederum bin ich gcnöth'gt zu erklären, daß das junge Fräulein über olle Maßen verliebt in ihren Vormund wurde. Die zweifache Gefahr dieser uneingestandenen Liebe konnte weder der Achtsamkeit noch dem Tadel der MrS. Löwe entgehen,- die prosaische Schwester des Lord O'Dalit schwur auf das Evangelium, diese leiden in des Verborgenheit brennenden Flammen, welche weder ihren Grundsätzen, ihrem Stolz, noch »hier Ueberlegung convenirten, zuerstickcn, und wußte ihr feierliches Wort zu erfüllen; sie wandte sich offen an die schöne Schutzbefohlene ihres Bruders, ent' deckte ihr AlleS, was sie von ihrer thörichten Liebe in Erfahrung gebracht oder gerathen hatte; sie machte »hr die sanftesten Uolwürfe, mahnte sie, an den Abstand zu dcnt.n, der dos Haus e>neS demüthigen Dieners der Kirche von dcm stolzen Schloß eines künftigen Pairs von England tlenne; sie appellirce wechselweise an ihre Bescheidenheit, ihren Muth, ihre Erkenntlichkeit und Tugend; sie ließ als Vermittler in diesem Streit zwischen Eitelkeit und Liebe, das Gedächtniß eineS VaterS, der seine Tochter angebe.-tet, das Andenken an emen würdigen Mann, der sein Klnd der Mllde und Fürsorge deS Lord O'Da. I>t anvertraut habe, auftreten; genug, die Bered. samkeit der Mrs. Löwe hatte zuletzt einen Erfolg, der vielleicht selbst ihre Erwartung übertraf; Miß Karoline versprach ihr weinend, ihnn Bruder lncht mehr zu lieben und nicht mehr anzubeten, und um daS stolze Mißtrauen der MrS. mehr zu beseiti» gen, willigte sie ein, irgend einen reichen Baron aus der Nachbarschaft zu ehelichen. Die grausame Pfl>cht, deren Erfüllung man von der See Hoffnung ihre Illusionen und Träume; statt von ihrer Leidenschaft für Lord O'Dalit zu träumen, dachte sie mit Stolz an die Größe ihres Kümmels und »hrer Leiden; sie konnte nicht mehr glücklich seyn, und fand eine Lust darin, ihr wahrscheinliches Unglück sich noch größer vorzustellen; sie konnte nun in der Tiefe ihres Herzens den schönen Roman einer Liebe, die mit einer Heirath endet, .sich nicht mehr ausmalen, und begann daher in ihrer romantisch gestimmten Seele das Trauergedicht der Entsagung und Aufopferung. Der Oberst Georges, welcher in der Stille hörte und beobachtete, konnte die plötzliche Umwand» lung des jungen Mädchens nicht begreifen. Die Eile, mit der sie die Heirath mit einem alten Baron herbeizuführen schien, erfüllte ihn mit Eifersucht, zu der sich Betrübniß und Unwille gesellten; er zürnte über den schlichten Geschmack der Miß Karoline, und wenn er es ihr auch schon vergeben hatte, daß sie ihn nicht geliebt, so vergab er ihr doch nicht die offenbare Bevorzugung eines ungehobelten See» manneS, eines Baronets von frischem Datum, eines Sir Edward Ban ister, der den Geist, den Verstand und die Galanterie eines Piraten besaß. Nach manchen vergeblichen Vorstellungen, die er ihr machte, brachte er endlich seine Vormundschaft« lichen Rechnungen m Ordnung; er fügte dem kleinen Vermögen seiner Mündel eme beträchtliche Mitgift hinzu; er unterzog sich der Sorge für alle De« tails ihrer glänzenden Ausstattung; cr bat den Himmel für ein geliebtes Wes.-n, das m's Verderben ging; er begrub seine Liebe in dem feinsten Winkel seines Gedächtnisses, inmitten der schönen Eonne» rungen auS seiner frühesten Jugendzeit; endlich legte cr die zarte Hand dei M.ß Karoline Derby in die eineS früheren wilden Corsaren. Nach der Hochzeit reisten die beiden Neuver-malten nach Edinbuig, wo d,e Familie des Sir Edward Ban ister wohnte; der Oberst O'Dalit blieb zu» rück auf seinem Schlosse Brandsford bei feiner Schwester, der Mrs. Löwe, deren Einfluß auf die uner. kläiliche Handlungsweise derMiß Karoline er nie geahnt hatte. Einige Monate später verbreitete sich zu London ein seltsames Gerücht: man spiach m den, Salons des HofeS und der Stadt von dem plötzlichen Entschluß, den der Oberst Georges gefaßt habe; cr sey, sagte man, aus den. Reihen der Krie» ger ausgetreten, um sich ganz dem Studium der, Gesetze und den gefahrvollen Kämpfen der öffentlichen Beredsamkeitzu widmen; auch vertauschte wirklich dcr junge Officier gar bald seine prachtvolle Uniform Mit 12 einem langen sch»uarzen Gewände; er erinnerte sich seiner Arbeiten und glänzenden Erfolge auf derMi» versität. Nachdem er mit dem Degen sich ausgeze'lch« «et hatte, beschloß er nun mit der Gewalt der Re, l>e zu kämpfen; er bestand im Jahre 18l3 siegreich die schwere Probe / die einst dem 3ord Erskine gelingen sollte, und der Oberst ward Advocat. Wahrlich! man hätte sagen mögen, daß er schon eine Vorahnung davon gehabr habe, wie er einst, in dieser neuen Laufbahn, der von ihm heiß geliebten Frau würde nützen können. (Ve'schluß folgt.) L. Verzeichniß 1844. der eingegangenen Mustal-Geschenke. Nr. 9. Vom Herrn Adam Heinrich Hohn, Realitäten'Besitzer, das schon m, Jahre 1839, Nr. 217, »M Museum hinterlegte, nun aber unbedingt überlassene Gemälde: H.mar und Vsuug, auf Ku-pfer gemalt von Hörlein, im Goldrahinen. Nr. 10. Vom Herrn Heinrich v. Costa, k. k. Cam.inä. H,iF. 1553 (im Appel nicht verzeichnet.) «^ Nr. 14. Von Ungenannten: a) ein Sechser, Schlesien-Oels, s^Ivius ^ri^ äsrieu«, 1674 (Apl. 3, 3317) ; __ ein Groschen, Mittelschli'N'en, Llegn,z und Brieg, Brüder, Her« zoge Gsorg, Lud. und Christian 1657 (Apl. 3, 3253); — und ein Groschen, Böhmen, Joseph I. I7l0. I>) Zehn Sllberstücke und eine Kupfermünze; — als: 3 tüikische Silbermünzen, 2 Iarimlle zu 20 Para, und ein Beschl,c zu 5 Para, von He. gn-a t223; -> ein Schüsselpfennig, ^Piilsa, 0tta-I)dnu8 ?atr.; — ein Groschen, Erzdischum Salz. buig, Maron. Gandolph v. Kyenburg, 1681; — e,n Silberkreuzer, M.ttelschlcsien, Oels . Bernstadr, Christian Ulrich, 1682; __ ein einseitiger Siiber-kreuzer, Steyermark, Leopolo I. 1674 (im Apl. nicht verzeichnet); — ein Görzer Dre« - Solos-Kupfer. stück, 1734; __ ein Venezianer vlicaw, IXicolÄii« Hl»ro6lli, 1473. (Apl. 3, 3954); — ein Groschen, Polen 8issi«m. III. 1621; __ eine Halblira, Sar, dinien, Vict. ^.maäsu», 1794. e) ein Groschen, Erzbistham Salzburg, Max. Gandolph von Kyenburg 168!;—> und ein Affig« nat der französischen Republik vom Jahre 2. ä) 37 römische Kupfermünzen, alS: — t) Imp. 0N3. V«3PH3'lÄNU3 ^U»'. d«3. IIII. --- l?0N00rll'H ^ussu»tl^ 8. 6.; — 2) ^sulia HlamVÄ ^u^ust», — l^» lioit»» puliliea, 8. 0.; —> 3) ^ursliauus ^Uss. — Ol'l6N8 ^llA.; — 4) Orispus 5lob. (ÜN3gl*. — Vie-toril« IiNl,N ?lmo. ?6rp. (im Eckhel «n dieser Zu« sammensehung nicht verzeichnet) ; — Z) ^lul. Oris-pu8 ?lab. (3. — Owgal-nm IVasti-nrum Vot. X< (Ekl. 484,59); — 6) Valsntmianu« ?. r.^u^. — tllal-ia komanorum; ___ 7) 0. ^. Vawns ?. l'. ^.u^.; ^s,-H.- wN3wntui8 ?. l'. ^„^. — V'ol. l6Mp. N,6pÄr2tio; — 10) kl. ^ul. (üon-«lmltiu« ^lod. O. — kl-avidentl« Ol«88. (Eßs. 493, 19); — 11) 0. ^. Oouswns ?. k'. ^,^. ^. li'el. ^6mp. ttspiU'gti». (Ekl. 489, 41); ^_ 12) Oollstautiuugjiin. IVol). 0. —I'rnviciynti« (!««». (Ekl. 486, 37); — 13) Oangtantimis ^lax. ^u«-. — 0. IV. l?0N8l,antinl Max. ^liF. Votum XXX. (Ekl. 479, 271); — Die übrigen 24 Stücke sin» zwar echte Imperial»Münzen, aber so verrostet, daß sie vorläufig noch nicht gelesen werden konnten. (Fortsetzung folgt.) Titel und Inhalt des Illyrischen Blattes vorigen Jahrganges 1843 liegt der heutigen Nummer bei. Verleger: Ignaz Alois Gdler v. Kleinmayr.