Wolfgang Suppan, Graz Eduard von Lannoy - Eine Nachlese Avtor v prispevku obravnava nekatere zanimive podrobnosti iz življenja in dela avstrijskega skladatelja in dirigenta Eduarda von lannoya (1787-1853). Lannoyev oče je leta 1808 kupil grad Villaš pri Mariboru in tuje Lannoy pogosto bival v poletnih mesecih, sicer pa je deloval v Gradcu in na Dunaju. The author writes about several interesting details from the life and work of Austrian composer and conductor Eduard von Lannoy (1787-1853). In 1808 Lanoy's .fatherpurchased Villus, a castle near Maribor. Although Lannoy worked in Graz and in Vienna, he was often spending the summer months in this castle. In der slowenischen Steiermark, unweit von Marburg (Maribor) drauaufwärts, liegt Schloß Wildhaus (Viltovž). Hier lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Heinrich) Eduard (Joseph) von Lannoy, dessen Vater Peter Joseph Albert von Lannoy (1733-1833) nach seiner Pensionierung als niederländischer Staats- und Konferenzrat im Jahr 1808 das Schloß gekauft und zu seinem Alterssitz auserkoren hatte1. Der Sohn, am 3- Dezember 1787 in Brüssel geboren, kam erstmals 1796 nach Graz, wo er seine Studien der Philosophie, der Sprachen, der Dichtkunst, der Mathematik und der Musik fortsetzte, unterbrochen durch weitere Studienaufenthalte in Paris. 1808 wurde Wildhaus für den Einundzwanzigjährigen zur neuen Heimat. Doch hielt er sich in der Regel nur den Sommer über im Drautal auf. Den Winter über lebte er in Graz, vor allem aber in Wien, wo er das Konzertgeschehen sowohl als Dirigent und Komponist wie als Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde, als Direktor des Konservatoriums und als Leiter her »Concerts spirituels* (wie er sie in Brüssel und Paris kennengelernt hatte) entschieden 1 Zur Familiengeschichte der Lannoy vgl. Wolfgang Suppan, Eine Seitenlinie des altflandrischen Geschlechtes der Lannoy in der Steiermark, in: Neues Jahrbuch der heraldisch-genealogischen Gesellschaft ADLER 1961/ 63, 3. Folge, Band 5, Wien 1963, S. 75-80. mitgestaltete2. Vor allem die frühe Förderung des Schaffens von Ludwig van Beethoven ist ihm zu danken1. Von weiterem, vor allem von »volkskundlichem« Interesse mag sein, daß Lannoy sehr früh mit Erzherzog Johann in Kontakt kam, der ihn hoch schätzte - und vergeblich für die Lehrkanzel für Mathematik am Grazer »Joanneum-, der späteren Technischen Universität, vorschlug. »Dem Adel ist er ein Dorn im Auge (dieses ein Lob für ihn), weil er dessen Unwissenheit und Eigendünkel kennet und sich darüber ausließ«, sollte Erzherzog Johann damals bemerken'1. Als Lannoy sich 1819 auf Wildhaus mit Magdalena Katharina Josephine von Carneri verehelichte, kam Erzherzog Johann als Trauzeuge nach Wildhaus. Lannoy war es auch, der die Konzertreise Franz Liszts in die Steiermark 1846 organisierte und den Meister nach Graz, Marburg an der Drau und Rohitsch-Sauerbrunn (Rogaška Slatina) beglei-tete5. Lannoys frühromantisches musikalisches Schaffen ist heute vergessen, obgleich er zu seiner Zeit vor allem als Komponist von Melodramen höchste Anerkennung gefunden hat6. Darüber sind in meiner o. g. Dissertation (Anm. 3) genaue Angaben zu finden. Überraschenderweise ergaben sich jedoch in jüngster Zeit neue Einblicke in seine schriftstellerischen, musikästhetischen und kultursoziologischen Arbeiten. So zählt ihn Kurt Blaukopf zu den »Pionieren empirischer Musikforschung« in Österreich und Böhmen, und zwar zu jenen, die an der Wiege einer modernen Kunstsoziologie stehen7. In der Tat ist Lannoys Denken empirisch begründet, praxis- oder besser: volksnah, wie dies von einem im Umkreis Erzherzog Johanns wirkenden »Josefiner« nicht anders zu erwarten gewesen wäre. Wenn er »Nationale Sing- und Tanzweisen des Österreichischen Kaiserstaates. Eine Sammlung charakteristischer Rondos für das Pianoforte« in zwei Heften (Österreich, Steiermark) drucken läßt8, dann gilt selbst für diese in stilistierter Form notierten Volksweisen, was er dazu im Artikel »Nationalmusik« im Ästhetischen Lexikon von Ignaz Jeitteles (Wien 1835/37, 11/199) schreibt: »Nationalmusik umfaßt diejenigen Lieder, die einer Nation eigenthümlich sind, in welchen sich der Charakter des Volkes ausspricht, und die sich durch Form, Bewegung und Tonart 1 Die Musikaliensammlung Lannoys in der Bibliothek ties Grazer Landeskonservatoriums wurde von mir geordnet und katalogisiert, darüber: Wolfgang Suppan, Die Musiksammlung des Freiherrn von Lannoy, in: Fontes artis musicae 12, 1965, S. 9-22. 1 Das Leben und Wirken Eduard von Lannoys habe ich in meiner Doktorarbeit bei Hellmut Federholer in Graz dargestellt: Wolfgang Suppan, Heinrich Eduard Joseph von Lannoy (1787-1853). Leben und Werke, phil. Diss. Graz 1959; verkürzt gedruckt, Graz I960 (Beiträge zur steirischen Musikforschung, Band 2). S. auch Hellmut Federhofer und Wolfgang Suppan, Artikel -Lannoy-, in: MGG 8, I960, Sp. 198-200; Wolfgang Suppan, Artikel -Lannoy-, in: Neue Deutsche Biographie 13, 1982. * Anton Schloss:»', Erzherzog johann von Österreich und sein Einfluß auf das Culturleben der Steiermark, Wien 1878, S. 114. s Wolfgang Suppan, Franz Liszt in der Steiermark, in: Studia musicologica 5, Budapest 1963, S. 301-310; desgl. in: Mitteilungen des Steirischen Tonkünstlerbundes Nr. 53/54, Graz 1972, S. 1-8. 6 Ergänzend zu dem von mir erstellten und in der mschr. Fassung der Dissertation veröffentlichten Werkverzeichnis von Lannoy kann ich hier auf folgenden Druck hinweisen: -Ouverture zum Melodrame: Ein Uhr, Componirt, und für das Pianoforte eingerichtet von Eduard Freyherrn von Lannoy. Wien, bei S. A. Steiner und Comp:, No. 3974- (o. J.). Original des Druckes in meinem Besitz. Das genannte Melodram war das in Wien am meisten aufgeführte Bühnenwerk Lannoys in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. - An Neuausgaben für die Praxis konnte ich 1970 bei MUSICA KARA, London, das »Grand Trio für Pianoforte, Klarinette und Violoncello- edieren, das mehrfach aufgeführt und von der Kritik als »Großes Werk eines kleinen Meisters* qualifiziert wurde. 7 Kurt Blaukopf, Pioniere empirischer Musikforschung. Österreich und Böhmen als Wiege der modernen Kunstsoziologie, Wien 1995 (Wissenschaftliche Weltauffassung und Kunst, Band 1), vor allem S. 76-88. * Werkverzeichnis in W. Suppan, Diss., s. Anm. 3, Nr. 126 und 127. von den, in anderen Ländern üblichen Melodien unterscheiden ... Eine gründliche Zusammenstellung der verschiedenen europäischen Nationalmelodien ... wäre ein ebenso lehrreiches als unterhaltendes Werk, und zugleich eine Fundgrube für Com-ponisten, die in diesen Volkstönen eine Fülle neuer Gedanken finden würden ... der eigentliche Charakter dieser Volksmelodien wurde meistens von jenen, die sie sammelten verwischt, weil sie bessern und angeblich veredlen wollten, statt die Töne, ivie sie der wandernde Musikant spielte oder die Bauerndirne sang, genau und unverändert niederzuschreiben ... echte Volksliederurul Volkstänze werden immer seltener. Darum soll man auch eilen, diese einfachen Laute der Nationalität zu sammeln, ehe sie verschwinden oder durch fremde Beisätze verunstaltet werden« (Hervorhebung durch Kursivdruck durch den Verf.)9. Man könnte meinen, Lannoy hat bereits an den Formulierungen der Fragen in den Statistischen Erhebungen Erzherzog Johann 1811/ 1812 mitgearbeitet, wo es bei der Frage nach der vokalen und instrumentalen Volksmusik sowie nach den Volkstänzen heißt: »In diesem Fache wünscht man einfache, aber möglichst getreue Darstellungen« (desgl.)"’. Sehr früh hat demnach Lannoy erkannt, wie Pädagogik und Volksliedpflege das Sammelgut verfälscht und unterschiedlichen Ideologien dienstbar gemacht haben". Anderseits weiß Lannoy, daß eine “Unveränderte« Niederschrift von Volksmelodien im "modernen Tonsystem« nicht möglich ist. »Das moderne Tonsystem ist ein temperiertes, in welchem nicht alle Intervalle in ihrer ursprünglichen Reinheit gebraucht werden, und die Vierteltöne, so wie die kleinen Unterschiede, z. B. zwischen gis und as, dis und es u. s. w. verschwinden«. Gerade in den Zwischenbereichen der Töne des »wohltemperierten Klaviers« - einschließlich der zahlreichen Ornamentierungen und Verschleifungen der Töne bewegt sich aber die mündlich tradierte Musik, also die Volksmusik. Andererseits habe erst diese »Temperatur ... die Musik auf ihre jetzige Höhe gebracht«. Ansätze einer musikphysiologischen und musikanthropologischen Denkweise sind bei Lannoy dort festzustellen, wo er von der mächtigen sozialen Wirkung der Musik, von dem »heftigen« körperlichen Einfluß der Musik auf den Menschen spricht. Daher überrascht es keinesfalls, daß Lannoy vor allem im Bereich des in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts modischen Melodrams schöpferisch tätig und auch in besonderer Weise erfolgreich war. Das Wissen um Mensch-Musik-Zusammenhänge ist dort gefordert, wo dem gesprochenen Text Musik unterlegt wird, die die Aufgabe hat, im Text geschilderte Handlungen und psychische Befindlichkeiten zu verdeutlichen, zu verstärken, zu illustrieren12. Lannoys empirischer Ansatz wird bereits in zeitgenössischen Rezensionen des »Ästhetischen Lexikons« erkannt, so wenn die Leipziger Neue Zeitschrift ‘ Daß mit solchen und anderen Aussagen Eduard von Lannoy auch als Vordenker des erst zwei Generationen nach seinem Tod entstehenden Universitätsfaches -Volkskunde- anzusehen ist, habe ich an anderer Stelle bereits dargestellt: Wolfgang Suppan, Volkskundliches im -Ästhetischen Lexikon- von Ignaz Jeitteles, Wien 1K35/37, in: Hessische Blätter für Volkskunde 56, 1965, S. 75-85. " Wolfgang Suppan, Das steirische Volkslied des 19. Jahrhunderts im Spiegel seiner Forscher, Sammler und Pfleger, in: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 19, 1970, S. 75-95; tiers., Volkslied und Volksliedforschung in der Steiermark, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 64,1973, S. 5-16; ders., Volksmusik im Bezirk Liezen, Trautenfels 1984 (Kleine Schriften des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum, Heft 6), S. 17. 1 Dazu konkret Julian von Pulikowski, Geschichte des Begriffes Volkslied im musikalischen Schrifttum, Heidelberg 1933. 2 Wolfgang Suppan, Melodram und melodramatische Gestaltung, in: Festschrift zum zehnjährigen Bestand der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz, Wien 1974, S. 243-250. für Musik hervorhebt, daß Lannoy »mehr aus eigener Erfahrung und aus dem Leben geschöpft [hat] als aus Büchern“11. Darauf beruft sich denn auch Kurt Blaukopf, wenn er einhundertundsechzig Jahre später Lannoys Position in der Geschichte des Musikdenkens bestimmt: "Das Ästhetische Lexikon und insbesondere die darin enthaltenen Beiträge von Lannoy dokumentieren ein bisher kaum beachtetes, eindeutig empirisch orientiertes Kunstdenken, das sich mit den Klischeevorstellungen von 'Biedermeier' und 'Metternich-Zeit' nicht leicht vereinigen läßt. Dieser Denkstrom rührt in hohem Maße aus den josefinischen Quellen her, die in Frag und Graz entsprungen waren«M. Lannoys umfassende geistes- und naturwissenschaftliche Erziehung in Brüssel, Graz und Paris (»in den Centralschulen der französischen Republik zu Anfang dieses Jahrhunderts, in Napoleons Lyceen und technischen Schulen, theils in den österreichischen Gymnasien und höheren Schulen-, Lannoy, S. 3 der u. g. Broschüre) drängte ihn aber auch, zu Fragen der Kultur- und Gesellschaftspolitik Stellung zu beziehen. Das schriftstellerische Oeuvre Lannoys ist in dieser Hinsicht noch nicht untersucht worden. Daher mag es von Interesse sein, auf eine bisher unbekannte Broschüre hinzuweisen, die mir zur Zeit der Abfassung meiner Doktorarbeit 1959 entgangen ist - und die ich nun, 1998, im Antiquariatshandel erwerben konnte. Die Broschüre trägt den Titel: Was wir errungen haben, Was wir erstreben, Wie wir uns verhalten sollen. Ein populärer Vortrag für Jedermann. Von Eduard Freiherrn von Lannoy. Wien. Verlag von Tendier et Comp. 1848. Das bedeutet: Im Revolutionsjahr 1848 meldet sich Lannoy mit einer Analyse der damaligen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Situation zu Wort, und er formuliert darin zudem Zukunftsvisionen, die uns Heutigen geradezu prophetisch erscheinen mögen. Der Erlös der Broschüre »ist zum Besten der armen Bewohner des Teschener Kreises bestimmt“15. Der Text setzt 1809 ein, das Jahr in dem die »schönste, edelste Begeisterung ... alle Gemüther (entflammte), der Enthusiasmus, dieses Zeichen der Gesundheit und der Kraftfülle, ohne welches ein Volk nur vegetirt, glühte in allen Herzen» (S. 3f )- Doch schon 1811 und schließlich 1814 folgte der Rückschlag, »denn das gegebene Wort wurde vergessen ... Immer tiefer sank seitdem die Stimmung des Volkes; theilnahmslos sah es den Ereignissen zu, Viele lasen nicht einmal die Zeitungen; die studierende Jugend schien jedes Aufschwunges unfähig, die in altdeutscher Tracht erscheinenden Ausländer wurden häufig ausgelacht, die Frauen und Mädchen lasen nur Notizen über Theater und Mode, und hatte man Geld, hübsche Kleider, konnte man die Unterhaltungen bezahlen, so kümmelte sich die Mehrzahl weder um Politik, noch um Literatur. - Wir wenigen lasen damals die Zeitschwingen, Beranger's[K)] begeisterte ” Neue Zeitschrift für Musik, Leipzig, 4. Band, Nr. 39, 13. Mai 1836. " Kurt Blaukopf, a.a.O., S. 88; alle Zitate des letzten Absatzes daraus. 15 Hier ist wohl das nordmährische Česky Tesin gemeint. 16 Gemeint ist Pierre Jean de Heranger (1780-1857), jener erfolgreiche und populäre französische Liederdichter, dessen Lieder zur Verherrlichung Napoleons I. die Pariser begeisterten. Nach dem Sturz der Bourbonen wurde er als Nationalheld gefeiert. Lieder und die sparsam erscheinenden Werke und Broschüren im Sinne des Fortschrittes, gaben aber fast jede Hoffnung auf« (S. 4). Erst die Julirevolution 1831 begann daran einiges zum Besseren zu verändern, »und seit einigen Jahren besonders rührte sich mächtig die noch bei uns gefesselte Intelligenz ... Es war keine Verschwörung, kein Komplot, wie Manche meinen; die Zeit war da, das Bedürfnis dringend ... die studierende Jugend erhob sich wie Ein Mann, der Umschwung erfolgte« (S. 5). An dieser Stelle kommt die Grundhaltung der Aufklärung zum Ausdruck: «... denn eine wahrhaft [dem Kaiser] ergebene, intelligente, begeisterte Bevölkerung hat einen ganz anderen Werth, als eine Heerde Schafe [daher sei es notwendig, das Schulsystem weiter zu verbessern, aber auch die Geistlichen darauf hinzuweisen, daß sie nicht länger den »Aberglauben ihrer Pfarrsinsassen ausbeuten dürften; S. 17f.] ... Wir haben ferner eine Nationalgarde erstrebt, die bereits ihrer neuen Bestimmung entsprochen, die Ordnung gegen unwürdiges Gesindel vertheidigt hat... Die dritte und zwar nicht die kleinste Wohlthat und Errungenschaft ist die Freiheit der Presse, dieses Paladium der Freiheit, diese Egyde gegen alles Falsche, Gefährliche, Unvolksthümliche ... Die vierte Segensquelle eröffnet sich uns in der versprochenen Constitution« (S. 6f.). »Ich schreite daher furchtlos an die Erörterung des Wortes: Constitution oder repräsentative Verfassung« (S. 14). Bei allen Planungen und Diskussionen aber sollte man die Geschichte des Jahres 1789, nämlich die der Französischen Revolution, wohl im Auge behalten. Trotzdem: Die Monarchie bedrohen zwei Gefahren. Erstens sind die Verhältnisse zwischen den Gutsbesitzern (von denen Lannoy selbst einer war!) und ihren Unter-thanen noch keinesfalls geordnet. Lannoy erinnert dabei an die Französische Revolution und erkennt, daß sich auch in Österreich »die Gutsherren ... auf große Opfer gefaßt machen« müssen (S. 8). «Mit der gänzlichen Aufhebung der Patrimonial-Ge-richtsbarkeits, so wie aller herrschaftlichen Rechte, darf ja nicht gezögert werden« (S. 8f.). Sonst würde es zu grausamen Bauernkriegen kommen, die dem Vaterland tiefe Wunden zufügen könnten. Die zweite Gefahr für den Staat sieht Lannoy im »Separatismus der verschiedenen Provinzen«. Von geradezu unglaublich weiser Voraussicht ist jener Absatz in Lannoys Broschüre, in der er davon spricht, daß die »Proletarier ... demnächst zu berücksichtigen« sein würden, nämlich »alle Jene, die von der Arbeit ihrer Hände leben. Jeder Staatsbürger hat das Recht zu leben, folglich auch unbestreitbar das Recht, Arbeit zu erhalten, um sein Leben zu fristen; zugleich muß ihm dies heiligste Pflicht sein« (S. 11): So spricht ein Adeliger um die Mitte des 19. Jahrhunderts, lange, bevor die Arbeiterbewegung sich als eigene Gesellschaftsschicht zu artikulieren begonnen hat. Verständlich, daß ein solcher Mann - wie Erzherzog Johann betonte (s. o.) - in Adelskreisen wenig beliebt sein mochte. Das Thema dieses Beitrages für Frau Zmaga Kumer, mit der ich seit den sechziger Jahren von Freiburg im Breisgau (dem Deutschen Volksliedarchiv) und von Graz (dem Institut für Musikethnologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst) aus sowie im Kuratorium für die Vergabe des Europapreises für Volkskunst der Alfred Töpfer-Stiftung F. V. S. in stets angenehmer Weise Zusammenarbeiten durfte, scheint abseits ihrer Forschungsschwerpunkte zu liegen. Und doch mag es als Beitrag - auch -zur slowenischen Musik- und Kulturgeschichte verstanden werden; denn Eduard von Lannoy hat zweifellos viele seiner Erfahrungen aus dem Umgang mit seinen »Unter-thanen« auf Schloß Wildhaus im Drautal gewonnen. Menschen, slowenisch- wie deutschsprachige, die er selbst - und das zeigt vor allem die neu aufgefundene und hier erstmals vorgestellte Broschüre - nie als »Unterthanen« gesehen und behandelt hat. Povzetek Eduard von Lannoy — Dodatni izsledki Avtor v prispevku obravnava nekatere zanimive podrobnosti iz življenja in dela avstrijskega skladatelja in dirigenta Eduarda von Lannoya (1787-1853), o katerem je leta 1959 v Gradcu tudi ubranil doktorsko disertacijo. Lannoyev oče je leta 1808 kupil grad Viltu.š pri Mariboru in tu je Lannoy pogosto bival v poletnih mesecih, sicer pa je deloval v Gradcu in na Dunaju. Najprej izpostavi Lannoyev pogled na ljudsko glasbo, ki je za tisti čas izrazito nov. Lannoy ima za ljudske pesmi tiste, ki so lastne nekemu narodu in se v njih izraža njegov značaj, ter se njihove melodije v obliki, ritmu in tonaliteti razlikujejo od melodij drugih narodov. Meni, da jih je treba zapisati čim bolj zvesto in se jih ne sme potvarjati ter lepšati, kar je bila splošna praksa tistega časa. Vendar se hkrati zaveda, da z obstoječo notno pisavo ni mogoče zapisati vseh značilnosti ljudskih melodij. Eduard von Lannoy se je gibal tudi v krogu nadvojvode Janeza in je verjetno leta 1811/12 sodeloval pri oblikovanju narodopisne vprašalnice, ki so jo razposlali po tedanji deželi Štajerski. Dalje naglaša, da se v Lannoyevih člankih in skladateljskem delu že pojavljajo nastavki načina glasbenopsihološkega in glasbenoantropološkega mišljenja, saj se zaveda izredno močnega družbenega vpliva glasbe. To je opaziti posebej v njegovih skladbah spremne glasbe k melodramam, kjer se je kot skladatelj v 1. pol. 19. stol. močno uveljavil. Avtor ob koncu opozori še na brošuro, ki jo je Lannoy izdal v revolucionarnem letu 1848, in je bila odkrita šele leta 1998. V njej podaja analizo takratne družbene in gospodarske situacije ter na podlagi pridobitev francoske revolucije oblikuje vizijo prihodnosti, kjer opozori tudi na neurejene odnose med plemstvom in podložniki ter razloži, da so proletarci vsi tisti, ki žive od dela svojih rok. Morda so takemu gledanju botrovale tudi izkušnje, ki jih je dobil s svojimi slovensko in nemško govorečimi »podložniki« v Viltušu. zumMclodmuit': 1 Coinpojiirt tmn m/daj WJIEM. ./Wü ^*X^X JVv .\A 301 c n. S3 c 11 a g D o n SEcnbter el G o m p. 1848.