.5" H M um. 8 ^ '749/ im Ienner. Canaoa erzählen tafsen, in was für eine unbeschreibliche Verwunderung und-ein Erstaunen, die Wilden gerathen sind, wie die Franzosen daselbst die erste Windmühle aufführen lassen. Sie stürmetcn von allen, sogar von den entferntesten Orten, in Menge herbey, «m ein solches Wunderwerk anzusehen, und konnten einige Tage auf dem Platze neben bey fitzen, um sie nur recht zu beschauen. Sie stunden lange in der Einbildung, daß sie nicht vom Winde, sondern von besondern Geistern, die barmn wohneten, getrieben würde. Eben dieß geschahe auch gewissermaffen, als die erste Wassermühle daselbst gebauet wurde. Sie zerstieffen vorher alles ihr Getraide, oder ihren Mays, in ausgehöhlten Vaumen, mit den erwähnten steinernen Stöjsern. Ein grosser Theil von ihnen bediente sich auch nur hölzerner Scisser zu dieser Absicht. Der schwarze Stein, wovon sowohl die erwähnten Veile als Stöjser gemacht worden waren, ist zu Wetzsteinen ungemein dienlich. Und wandten daher so« wohl die Schweden als die Engländer hierzu vornehmlich diese Veile und Stöffer der Indianer jetzt an, w/nn sie dieselben erhielten. Die ehemahligen Grapen der wilden waren theils von Thon, theils von verschiedenen Arten Topf-stein * verfertigt. Die ersteren bestunden aus einem dun/ keln Thon, der mit groben weissen Sand- oder Quarz« kornern vermischt, und darauf im Feuer gebrannt wurde. An dem obern Rande sind bey verschiedenen zwey töcher, eines an jedweder Seite, befindlich, wodurch die Wil« den einen Stock steckten, und den Grapen auf die Weise, wahrend - Tälgsien. Neu - Jersey. Bacoön. 9 während des Kochens, über das Feuk hielten. Sie sind fast alle ohne Füsse. Es ist besonders, daß man nies Nlahs Töpfe von dieser Art, weder an der äujsern, noch an der innern Seite glasiret gefunden hat. Einer und der andere von den ältesten Schweden konnte sich noch er« innern, daß sie die Wilden in ihrer Kindheit ihr Essen darinn kochen gesehen habeN. Diese ihre Grapen von Topsslein sind meisteytheils ganz dünn, und die Grosse ist verschieden. Sie sind theils aus einem grünlichen, theils aus einem grauen Topfsteine gemacht, einige aber auch aus einer Art Ahrenstein. * Der Voden und der Rand find öfters über einen Daumen dick. Ob sie gleich weder Eisen, Stahl, oder sonst ein Metall kannten, Haben sie doch ganz behende diese ihre Grapen von Topfstein auszuhöhlen und gleichsam auszudrechseln gewust. Die ehemahligen Tobackopfetfett der Indianer sind gleichfalls theils von Thon, theils von Topf- und Serpentinsteinsarten. Die erste Gattung hat ohnge« fähr die Gestalt wie unsere Tobackspfeifen, ob sie gleich weit gröber und nicht so nett gearbeitet sind. Der Schaft ist dick und kurz, kaum über die iänge eines Zolles, bisweilen aber doch zur iänge eines Fingers. Der Farbe nach sehen sie aus wie unsere Tobackspfeifen, wenn sie lange gebraucht worden sind. Ihre Topfsteinspftisen bestehen aus eben den Arten Topfstein, wie ihre Grapen. Einige von ihnen sind ziemlich nett ausgearbeitet, ob sie gleich weder Eisen noch Stahl hatten. Aber ausser den genannten Steinarten, wovon sie ihre Tobackspfeifen gemache haben / findet man noch eine andere Art Pfei- A 5 fen, "Säbsien. ic> i?49/ im Ienner. fen, welche gmiz könstlich aus einem feinen rothen Topf-stein oder einer Serpentinmarnior Art ausgearbeitet sind. Diese sind sehr rar, und werden selten von andern, als den Indianischen Königen, gebraucht. Diese feine rothe Steinart ist gleichfalls sehr selten, und wird blos in dem tande derjenigen Wilden, welche Ingouez genannt werden, gefundem Dieses ianb liegt auf der andern Seite des Misisippi, wie der Pater Eharlevoix * anmerkt. Die Indianer selbst halten gemeiniglich eine Pfeife von dieser Steinart so theuer und von eben dem Werthe, wie rin gleich grosses Stück Silber, /a oft noch theurer. Von dieser feinen Stemart bestehet auch fast allzeit ihre sogenannteFriedenspfeiA, ** der sie sich bei den Friedensschlüssen und Verbindungen bedienen. Es reden fast alle, die von diesen Völkern geschrieben haben, von derselben; und werde ich ihrer ebenfalls gelegentlich umständlich erwähnen. Als AsthanZel brauchten sie Hacken von Knochen und Vogelklauen. Ganz alte Schweden erzählten mir, daß in ihrer Kindheit eine Menge Indianer hier in dem neuen Schweden gewesen waren, welche in dem Fluß Dellaware mit den erwähnten Angeln Fische gefangen hätten. Sie versihasseten sich Feuer dadurch, daß sie bestandig das Ende eines harten Holzes gegen ein ande, res, das lockerer und trocken war, herumdreheten, und - hiermit * Manische sein F>«?"^ ö,)?o^«e ^«» voi^e ck /'s,«,,-. 2". 5^. /-. m. zu. und' den lzten Brief. ** Die Franzosen nennen sie c»!umer äs x«x. Neu,Jersey. Bacoon. « hiemit so lange fortfuhren, bis das Holz erst zu rauchen ansicng, und sich hernach entzündete. Die oben beschriebenen steinernen Werkzeuge der Indianer, findet man noch, wie ich schon gemeldet, dann und wann bey dem. Graben und Pfiügen, in der Erde. Daß sie aber jetzt seltener, als in der Kindheit bejahrter ieute sind, kommt davon her, weil sie theils vertilget, theils zu tief in die Aecker durch das Fahren hinunter getrieben worden sind; zum Theil hat auch die tange der Zeit sie tiefer in die Erde versenket, und einige sind durch das Alter zerrieben worden. Von dieser Beschaffenheit waren die ehemahligen Werkzeuge der Indianer, und der Gebrauch, den sie davon machten, ehe die Europäer Hieher kamen, und ehe sie die Vortheile des Eisens einsehen lerneten. Dieses tand ist voll von Eisenerzen, und die Indianer woh-neten vor der Ankunft der Europaer überall im iande herum, so daß man hier verschiedene Gegenden aufweisen kann, wo man nun Eisengruüen aufgenommen hat, und woselbst nicht völlig hundert Jahre zurück, grosse Städte von den Wilden gestanden sind. Um so viel merkwürdiger und bewundernswürdiger ist es, daß sie das Erz, das sie täglich sahen, und worauf sie täglich traten, nicht kannten, noch verstunden) wozu dieses Metall taugte. Sie fassen und wohneten selbst auf der Ei-sengrube, und qiengen doch oft lange Wege, nm sich ein solches elendes Veil, Messer u. s. w. von Stein, wie oben vorgestellet worden, zu verschaffen. Sie waren überdem genöthigt, einige Tage anzuwenden, um es durch das Schleifen gegen einen Felsen oder andere Steine, einigermassen zu scharfen, ob der Nutzen gleich bey !2 1749, im Ienner. bey weitem nicht ihre Arbeit belohnte. Denn mit einem solchen Veile konnten sie niemahls einen dicken Baum fällen, und kaum einen schmalen umhauen. Sie tonn» ten keinen Vaum ausgraben, und nicht den hundertsten Theil von den Arbeiten verrichten, wozu wir behende unsere eisernen Veile brauchen können. Demnach sehen wir, wie nachtheilig die Unwissenheit und eine freche Verachtung nützlicher Künste sey. Glücklich isi das iand, welches dieselben recht zu schätzen weiß! Vom fünften. Der Weihnachestag wurde heute sowohl von den Schweden als Englandern gefeyert; denn sie richteten sich beide nach der alten Zeitrechnung. Die von der Englischen Kirche machten kaum eine grössere Zubereitung zu diesem Tage, als zu einem andern Sontage. Und wenn er an einem Werkeltage einftel, wurde er kaum mehr, als ein Aposteltag bey uns, gefeyert. Noch weniger- Umstände machten die Quacker deswegen. Denn weil sie keine andere Festtage als den Sontag annehmen: so betrift dieß auch den Weihnächte, tag. Sie verrichten daher an demselben alle gewöhn, liche Arbeiten, wofern er nicht an einem Sontage einfällt. In den vorigen Zeiten haben die Schweden in dem Weihnachtsfeste iichter in «en Kirchen angezündet, und es auf eben dir Weise, wie in dem alten Schweden/ gefeyert. Run aber bedient man sich der iichcer weiter nicht, und die Feyer hat sehr abgenommen. Vom sichstett. Man sindet hier im iande Häsin in ziemlicher Menge. Sie sind aber von unsern Schwe, bischen in dem Stücke unterschieden, daß die Amerikanischen weit kleiner, und nur etwas grosser, als die Eanins chen, find. Sie haben beides den Winter und Sommer beinahe Neu - Jersey. Bacoon. . iz beinahe eben die graue Farbe, wie unsere Nordischen im Sommer. Die Spitze ihrer Ohren ist allzeit grau, und nicht schwarz. Eben so -ist tW Schweif auf der obern Seite zu aller Iahrzeit grau. Er wirft zu mehiern mahlen im Jahr Junge. Im Frühling soll er, nehmlich, wie man sagte, in hohlen Vaumen werfen, und des Sommers, im Iunius und Julius, in dem Grase. Wenn er erschreckt wird, nimmt er gemeiniglich seine Ausftucht in hohle Vaume. Von da nimult man ihn entweder mit Hülfe eines Stockes, der vorne einen Hacken hat, herF aus; oder man hauet eine Oefnung in den Vaum, dem Orlc gegen über, wo er sitzet; oder man treibet ihn vermittelst eines Rauches, den man äusserlich durch Feuer anrichtet, heraus. Die Hunde müssen bey allen diesen Fallen behülfiich seyn. Man erzählte von diesen Hasen, daß sie niemahls bissen, sondern daß man sie sicher anfassen konnte. Am Tage liegen sie mehrentheils in hohlen. Bäumen, und begeben sich alsdenn fast niemahls her« aus, wofern sie nicht von teuten und Hunden dazu ge, nöthiget werden. Zur Nachtzeit aber ist die rechte Zeit für sie, hervor zu kommen, und ihre Nahrung zu suchen. Wenn das Wetter schlimm ist, und es schneiet, seilen sie ein oder ein paar Tage still liegen, ohne heraus zu treten. In den Kohlfeldern verursachen si? bisweilen " .Schaden; insonderheit aber leiden dieAepfelbäume durch sie, an denen sie alle Rinde neben der Erde abschälen. Es berichteten alle einstimmig, daß dieserHase weit fetter drs Winters sey, wenn ein starker Frost einfallt, als wenn es mild und naß Wetter, oder eine gelinde Witte« rung, ist. Man könnte verschiedene Ursachen durch Rathen angeben. Wenn sie hier einen Hasen lebendig sicngen. 14 l?49/ im Ienner. fiengen, so brachten sie ihn gemeiniglich auf die Art um, daß sie ihn mit der linken Hand bey den Hinterfüssen ergriffen, und den RückenMr rechten Hand etwas abwärts zukehreten; alsdenn gadman ihm mit der rechten einen ober mehrere Schläge an den Nacken, wovon er alsbald starb. Das Fell dieser Thiere kann zu nichts gebraucht werden, weil es so los ist, daß man es nicht abziehen kann: sondern wenn man es abftndern will, so faßt man die Haare an, und alsdann folgen die Haurlappgen bey dem Ziehen zugleich mit. Man kann sie niemahls zahm machen. Sie waren allezeit, sogar mitten im Winter, von einer Menge der gewöhnlichen Flöhe geplaget. Vom sichszehntett. Mäusi von der gemeinen Art fand man überall, sowol in den Städten, als auf dem iande, in grosser Menge. Sie verursachen hier eben den Schaden, wie m den alten iandern. Oldmixon* schreibt, daß weder Mäuse noch Ratzen in dem nördli, chen Amerika gewesen, ehe sie mit den Schiffen von Europa dahin gebracht worden waren. Wie gegründet dieß sey, kann ich nicht sagen. Das aber ist gewlß, daß ich Verschiedentlich an wüsten Oertern, wo kein Mensch gewohnt hat, in Berg und Steinritzen die kleinen gewöhn» lichen Mäuse gesehen und umgebracht habe. Sollte man wohl glauben dürfen, daff alle diese, welche sich so verbreitet haben, ihrem ersten Ursprung nach, von Europa gekommen wären? Die Rayen gehören nicht zu d oder dem Gefrierungs-puncte. Weil die Stuben und Kammern hier ohne Klap-, pen, und ohne Füllung an dem Mitteldache, öfters auch die Fugen der Wände nicht mit Moos verdichtet waren, ja bisweilen keinen Heerd oder Feuerstätte hatten: so konnte der Winter bisweilen nicht anders, als demjenigen un-angenehm fallen, der sich an unsere warme Winterzimmer gewöhnt hatte. Der beste Trost aber war der, daß er hier nicht so lange dauert. In einigen Tagen dieses Monats war bas Zimmer, worinn ich mich befand, ft beschaffen, daß ich keine zwey Zeilen schreiben konnte, ehe die Dinte in der Feder zu Eis gefror. Ich duvfte nicht das Dintenfaß auf dem Tische oder Fenster, ausser« halb der Zeit, da ich schrieb, lassen, weil die Dinle so« gleich gefror: sondern ich war genöthigt, so bald ich ge« schrieben hatte, das Dintenfaß entweder in den Heerd zu setzen, oder es bey mir zu stecken. Aber so kalt es auch nun die ganze Zeit über war, wie aus den Wetter-geschichten, die ich zu Ende dieses Bandes liefere, erhellet, und ohngcachtet es bisweilen ganze Tage und Nachte so stark schneiete, daß der Schnee über eine Vier-telelle hoch auf dem Felde lag: so mußte doch alles Vieh unter freyem Himmel, Nacht und Tag, den ganzen Winter über, aussen bleiben. Denn niemand, weder von den Sckweden noch Engländern, halle einen Vieh Reisittil.Iheil. B Schaaf ' . !8 ^ l/49, im Ienner. Schaaf- ober Pferdcstall. Die Deutschen aber und Holländer hatten meistentheils die Gewohnheit ihres Vaters landes beibehalten, und bedienten sich gewisser Hauser für ihr Vi«h den Winter über. Fast alle alten Schwe-den'berichten, daß sie, wie sie in den ältesten Zeiten zuerst in das land gekommen waren, nach Schwedischer Art Viehsiälle angeleget hatten. Aber seit dem die Englander sich mit dahin begeben, und nach dcm Gebrauch ihres Vaterlandes ihrem Vieh den ganzen Winter kein Dach verstattet: so hatten sie von ihrer vorigen Ge, wohnheit abgelassen, und sich nach ihnen gerichtet. Sie gestunden gleichwohl, daß das Vieh nicht allein ick Winter Noth litte, wenn es sehr kalt wäre, insonderheit, wenn es erst regnete, und gleich darauf fröre, sondern daß es auch in dem langen Winter des Jahres 1741 an vielen Orten erfroren sey. Das Vieh gicng nun zur Mittagszeit in den Wald, woselbst noch an den /un, gen Eichen das iaub übrig war. Sie berührten aber das iaub niemahls, sondern bissen nur das äusserste von den Zweigen und den Gipfel der zartesten Eichen ab, und verzehreten es. Die Pferde gicngen in den Maysfel-dern herum, woselbst die Stengel noch verschiedentlich nachgeblieben warcn, und bissen die dürren Blätter da« ' von ab. Die Schaafe liefen im Walde, und aussen auf den Aeckern den ganzen Tag. Die Hühner fassen in der Nacht auf den Vaumen in den Garten; denn besondere Hühnerhäuftr halten sie nicht. Die Schweine lagen ^ auch unter freyem Himmel innerhalb einer kleinen Ver.-zaunung. Eine kleine Art Vogel, der von den Schweden SnösoFel ^ uny von den Engländern Chukbird genannt » Pork, gebrauchet, sind die von den Engländern so genannten Mormfellces. Sie erhalten diesen'Nähmen, weil sie, wegen ihrer Krümmungen, etwas mit den Würmern gemein haben. An diesen Zäunen bedienet man sich keiner Pfähle, fondern man leget die Zaunstangen, die alle von einer iänge, nehmlich beynahe von 2 Klaftern , ^ sind, an den Enden auf einander, fast auf eben die^^ ,' Weise, als wenn man zimmert; doch hauet man sie nicht in einander, sondern leget sie nur so los hin. .Wenn die Stangen ** A V, C D, E F, G H der Erde am nächsten hingeleget worden, so leget man aufdiese die Stan- 1» gen VE, DE, F G; und dann wiederum andere Stangen AV, C D, u. s. w. , Hiemit fähret man ft V 3 wech«5 '" *' Die Beschreibung beziehet sich auf die erste Zigur. ^ , b /H2 1749, im Ienner. ^ wechselsweise fort, bis der Zaun die Höhe, die man verlangt, erreichet, nehmlich zu 2 Ellen oder io V»cr-telellen, ja bisweilen zu z Ellen. Gegen die Zelt, daß b der Zaun die beliebige Höhe erhält, und nur noch eine Mlange auszulegen ist, sclzct man in jedweder Ecke, als bcv V, E, D u. s. f. 2 Stangen kreutzwclse, um dcm Zaune eine Stütze zu gebm, gegen einander. Dlese stosset man mit dem einen Ende »k die Erde nieder, mit ' dem andern aber Zehen sie quer über den Zaun hinüber, " und sind daran befestigt. Dle Stangen zu diesem Zaune werden von verschiedenen Bäumen genommen; es sind aber nicht alle gleich gut und dauerhaft. Der rothe Ee der * wird von allen für den dauerhaftesten geachtet, indem er zo Jahre und noch langer aushallen kann. Die« sey aber ist sehr selten, und ist nur Hieselbst an einem einzigen Orte besindlich, fo daß kein Zaun davon aufgeführet werden kal>n. Es ist zwar an dem, daß rings um Philadelphia die Zaune gröstentheils aus diesem Baume 'bestehen: er ist aber zu Wasser von Eggharbour, woselbst er in Menge wachsen soll, dahm geführet worden. Diese Eederzaune um Philadelphia sind auch von einer ganz andern Art, als die eben beschriebenen XVorms Defences/ und haben mit unsern sogenannten Fällkad- glor ** die gröfte Aehnlichkeit. Die in die Erde ein« geschlagenen Stützen bestehen aus dem hier so genannten weisen Eeder,*** und die Zaunstangen, die dazwischen » o liegen, * lunlperuz VitZinlana. ' ^ " Faltenketten. bung, auf der 28MN. Seile. Neu-Jersey. Bacoon. 32 liegen, aus rothem Ceder. Diese Stangen sind mit ihren Enden in die iöcher der Stützen eingefüget. Den» Eeder wird das Eichen- uud Castanienholz, der Dauer nach, am nächsten gesetzet. Doch schreibt man dem Ea-sianienholze noch Vorzüge zu. Es besindet sich aber an wenig Orten in dcr Menge, daß man daran zu den Zäunen genug haben sollte. Im Nothfall bedienet man sich auch anderer Arten von Eichen zu dieser Absicht. Wenn sie Verzäunungen anlegen wollen, so hauen sie nicht die kleinen und zarten Waldungen, wie bcy uns geschiehet, um: sondern sie fällen dicke Vaume, hauen sie an ver» schiedenen Stellen zu der nöthigen iam«e ab: und zerspalten sie in Stangen zu der gewöhnlichen Dicke. Auf diese Art erhalten sie von einem einzigen Vaume eine große Menge Stangen. Verschiedene bejahrte ieute, die hier paren, erzähltcn, daß die Schweden, als sie hier zuerst ankamen, solche Zäune, die überall in Schweden gebräuchlich sind, mit Pfählen und Stangen ange--leget haben.' Sie sind aber nach Verlauf einiger IahrW davon abzulassen genölhiget gewesen, weil sie dieselben nicht haben erhalten können. Denn eine wiederholte Erfahrung belehrte sie, welches noch täglich bestätigt wird, daß eine Stange, wenn sie in die Erde eingestecket wurde, kaunt 4 bis 6 Jahre aushielte, daß nicht der Theil davon, der in der Erde stund, gänzlich verfaulen sollte. Das vornehmste war aber dieses, daß sie hier keine dauerhafte Wieden bekommen konnten. Sie mach, ten sich zwar Wieden von Ackers welcher einer von den zähesien Bäumen, die man nur haben kann, ist, wie auch von weisser Eiche. Wenn aber ein paar Jahre ver-fiojsen, waren diese Wieden so verfaulet, daß der Zaun . . V 4 von « 24 i?49/ im Ienner. von selbsten aus einanden siel; weswegen sie auch ähnliche Zäune ganz haben abschaffen müssen. Verschiedene, die aus Schweden in spatern Zeiten hier angekommen sind, haben neue Versuche gemacht, Zaune von Pfählen und Wieden zu errichten; aber der Erfolg ist gleich fruchtlos gewesen. Es lassen sich also die Schwedischen Zäune hier ^nicht anbringen. Die oben erwähnten wormfences oder Krummzä'me sind daher hier unter die brauchbarsten zu zahlen; vornehmlich da man von den h«er wachsenden Vaumen keine solche Stangen erhalten kann, welche 4, 6 oder hsi'siens 8 Jahre, ohne in Fäulniß zu a/rasken, in der Erd? ausdauren können. Die Stangen sind überdem an diesem Orte an sich selbst sehr schwer, daß die Pfahle und Stützen sie nicht leicht tragen können, insonderheit wenn sich starke Sturm-Winde erheben, welche hier zu iande sehr gewöhnlich find.- Hierzu kommt, daß diese Zäune leicht aufzusühs «en sind. Eine mannigfaltige Erfahrenheit hat gezei-Hget, daß ein solcher Zaun von weissen Eichen oder Castanienholze, selten über 10 oder 12 Jahre stehen könne, daß nicht die Stangen so durch und durch faul lvürden, daß sie zu nichts gnders als zur Feurung gebraucht werden tonnen. Und wenn die Stangen von anderem Holze sind, so kann das Gehege kaum dle bestimmte Zeit erreichen, und selten alsdenn über 6 oder 8 Jahre stehen. Wenn man nun erwaget, daß diese AVormfences in Krümmungen fortlaufen, und folglich weit mehr Stangen erfordern, als wenn sie eben fortgicnqcn, daß sie übcrdem so kurze Zeit nur brauchbar smd; .so wird man sich vorstellen können, wie der Wald hier verzehret, und wie es hier nach zo oder 50 Iah- ' . ren, Neu-Iersey. Vacoon. 25 ren, wofern keine Aenderung geschiehet, aussehen werde; zumahl da man hier im iande das Holz auf eine unglaub« liche Weise Tag und Nacht, den ganzen Winter, oder fast das halbe Jahr über, in allen Zimmern durch daS Einheitzen verschwendet. Im HornunF. Vom aHren. Die Biesemrayen, welche wegm ihres Geruchs so hcissen, findet- man ziemlich häufig Über das ganze nördliche Amenka. Sie halten sich immer bey dem Wasser, insonderheit an den Ufern der Seen, Slröme, Flüsse und Väche auf. Wenn man nach den Gegenden, wo si? befindlich sind, hinreiset, so erblickt man die iöcher, die sie in die Erde gegraben, dichte bey oder etwas oberhalb der Wasserftäche. In diesen iöchern haben sie ihre Nester und ihren Aufenthalt, wenn sie sich nickt in dem Wasser befinden, ihre Nahrung zu suchen. Die Schweden hier zu iande'nann,^ ten sie Desmans 5 Rätter, die Englander Muek-Rars, und die Franzosen Rat mujquee. Ihr Essen bestehet vornehmlich in Muscheln, die auf dem Grunde der Ströme und Seen liegen. Man siehet eine Menge von diesen Muschelschalen bey dem Eingänge ihrer Höh, len. Man sagte auch, daß sie überdem verschiedene Arten von Wurzeln und Kräutern ässen. Diese Amerika« nischen scheinen etwas von den Europäischen " verschieben zu seyn. Die Zahne sind bey beiden gleich; der Schwanz ist bey den Amerikanischen von den Seiten zu- V 5 sanmicn- ? Diese heissen: ^assnr cauäil lonza Iznceolata plan».' /^'»». M. ,mt. 5.1. />. 59. 26 1749, ill! Hornung. sammendrilckt, so daß der eine scharfe Rand aufwärts, und der andere niederwärts gekehret ist. Bey den Hin-terfüffen sind die Jähen nicht durch eine bewegliche Haut vereinigt,* sondern diese Füffe sind darin merkwürdig, d.iß, ob sie gleich sonst mit ganz kurzen Haaren bedeckt sind, dennoch sich auf jedweder Seite des Fusses selbst, lange, weisse, ganz dicht an einander lieqende und wie bey einem Kamme, ** abstehende Haare befinden. Eben solche Haare nimmt man an beiden Seiten der Zähen wahr, welche bey dem Schwimmen eben den. Dienst thun, als hätten die Zähen eine besondere Haut zwischen sich Die G-osse ist eben dieselbe, wie bey einer kleinen Katze. Die iange des EörperS selbst ist gemeiniglich gegen eine halbe Elle; der SckWeif ist von eben der iange, wie der Eörper. Die Farbe des Kopfes, Halses, Rückens, der Seiten und des auffern Theils der ienden, ist schwarzbraun; die Haare sind weich nnd glänzend, und unter dem Halse, der Vrnst und den tenden einwärts grau. Sie bauen auch ihre Nester in solchen Erdwällen und Dämmen, die man an den Ufern der Ströme und Flüsse aufgeworfen hat, um das Waffer von den Wiesen abzuhalten. Sie verursachen aber öfters dadurch grossen Schaden, indem sie diese Wälle durch das Graben verderben, und dadurch das Waffer auf die Wiesen durchlaffen; da im Gegentheil der Bieder alle tocher in den Wallen verstopfet. "Sie bauen ihre Nester von Ruthen und andern dergleichen Dingen äusserlich, und tragen allerhand weiche Sachen für ihre Junge, um darauf und das iand stark angebauet haben: so sind die Vieber theils erschlagen und ausgerottet worden, theils haben sie sich auch weiter weg ins iand, wo wenige leute wohnen, hmbegeben. Es ist daher nun blos ein einziger Ort in Pensylvanien und dem neuen Jersey, WO «nan noch einige wenige Viebern findet. Ihre vornehmste Nahrung hieselbst ist die Rinde des Bieberbaumes, "^ die sie vor allen übrigen erwählen. Die Schweden pflegte» daher in den vorigen Zeiten, als eine Menge von Viebern hier im iande befindlich war, Stengel, Hölzer und Zweige von diesem Baume neben den Vieberdammen in hie Falle, die sie ihnen aussetzten, hinzulegen; da sie denn « ^znoUa. Man seht oben den 2ten Band, auf den ?24sten^eite. Neu-Jersey. Bacoon. 29 denn mehrentheils eines glücklichen Fangs gewiß seyn konnten. Einer und der andere in Philadelphia hat sie so zahm gehabt, daß sie öfters in den Strom zu sischen heraus gegangen, und immer von selbst zu ihren Eignem oder Herren zurück gekommen sind. Major Rodcrfert in Neu-Pork berichtete mir, daß er einen zahmen Vie-ber über ein halbes Jahr in seinem Hause gehabt hat. Er hat ihn los im Hause, wie einen Hund, gchen lassen. Das Essen, st er ihn» gab, war blos Brod, und bisweilen Fisch, nach dem er grosse Begierde hatte. Er hatte immer so viel Wasser in seiner Schale, als er zum Trinken gebrauchte; mehr aber auch nicht. Alle iumpen und andere weiche Sachen, die er auf der Diele gefunden, hat er zusammen geschleppet, und' in dem Winkel, wo er zu schlafen gewohnt gewesen lst, unter sich gebettet. Da die Katze Junge bekommen, hat sie sich in sein warmes Vette einquartieret, welches er auch gerne nachgegeben; und wie die Katze weggegangen, hat er oft die junge an sich genommen, sie oben zwischen den Forder« Füssen gehalten, an seine Brust, um sie zu crwarmen> gelcget, so daß er viel auf die junge Katze gehalten hat. So bald die Mutter zurück gekommen, hat er ihr die junge Mieder gelassen. Visweilen hat er zwar gcmur< melt, hat aber sonst keinen Schaden verursacht, und nies Mahls zu beissen versucht. tNinck wurde beides von den Schweden und Engländern ein anderes Thier genannt, welches hier im tande gefunden wird, und sich gleichfalls gemeiniglich in oder neben dcm Wasser aufhält. Ich hatte niemahls Gelegenheit, das Thier selbst, sondern nur seinen Valg, zu sehen. Aus dessen Gestalt abcr, und der einstimmigen Erzäh, ZO 174Y, im Hornung. Erzählung, konnte ich mit ziemlicher Gewißheit schlies-sen, daß es zum Geschlechte der Wiesel * gehörte. Der größte Valg, den ich sahe, war eine Elle, und ein kleinerer eine halbe Elle lang, und, da er noch unaufgefchnit-ten war, H einer Viertelelle breit. Die Farbe war dunkelbraun, und bey einigen fast schwarz; der Schwanz war haarig, wie bey einem Marder; die Haare des Felles waren dicht, und die Ohren kurz nu't kurzen Haa-ren. Die iange der Füsse an dem kleinst, Valge machte 9 Querfinger aus. Man sagte, er ware der stinkenden Wiesel ** so ähnlich, daß diese Thiere kaum von einander unterschieden werden können. Von der iebensaet dieses Thieres gaben mir alle folgende Nachricht. Man flehet ihn fast niemahls den Tag über, sondern zur Nachti-zeit kommt er zum Vorschein. Er halt sich meistentheils neben den, Stranden in hohlen Bäumen auf. Bisweilen befindet er sich auch in den Schifwerften oder Schifbrücken bey Philadelphia, wo er die Ratzen aufs grausamste verfolgt. Dann und wann gehet er bey der Nacht in die Hofe, und kriecht durch ein kleines ioch in das Hühnerhaus hinein, woselbst er alle Hühner, die darinn sind, zu Tode beijset, und das Vlut bey ihnen HUssauget; er ißt doch selten eines auf. Wenn er unter-wegenS Gänse, Hühner, Enten, oder andere Vögel, antrift, beißt er sie todt und verzehrt sie. Er lebt blos yom Fleische, nehmlich von Fischen und Vögeln. Wenn Ströme und Bäche nahe bey den Höfen sind, wo dieses Thier lebet, st kann man nicht leicht Enten und Gänse daselbst * IVlukela. »r" IVlulwlil?Utor!u5. Neu-Jersey. Vacoon. Zl daselbst haben; denn der Minck beißt die /ungen todt. er bringt erst so viele von ihnen, als er erHaschen kann, um, und hernach zieht er sie wcg, und frißt sie auf. An den Erddammcn und Wallen gcgen das Waffer, ent, weder neben den Wiesen, oder sonst wo, sollen diese gleich« falls Schaden verursachen, indem sie dieselben durch ihr Graben beschädigen. Um sie zu fangen, setzt man Fallen aus, in die man zur iockspeise Kopfe von Vögeln, kleme Vögel, Fische oder ähnlich^Fleischarten hinein geworfen. Der Valg wird in den Städten verkaust, und bezahlt man für einen solchen in Philadelphia 2Q Pences bis 2 Schillinge, nach dem sie groß sind. Von diesen Val-gen lassen sich einige wenige Frauenzimmer Muffe machen; gröstcntheils aber werden sie nach England verschickt, von wo sie nachgehends nach andern iändcrn verführet werden. Die alten Schweden sngtcn, daß die Wilden ehedem das Fleisch von allen übrigen Thieren, nur nicht von diesem, gegessen hätten. Man hat sie bis, weilen ganz zahm gehabt. ^ Von dem Varen, der Raccoon oder Ejpan gei nannt wird, habe ich schon vorher * etwas gemeldet. Hier will ich noch etwas von der iebensart dieses Thieres in seinem Geburtsorte hinzu fügen. Er wurde von den Engländern hier überall Raccoott genannt; ein Nahme, den sie ohne Zweifel von den Wilden entlehnet haben. Die Hollander nannten ihn Hespan, die Schweden Espan, und die Iroquois AttiZbro. Er hat gemeiniglich seine Wohnung und. Ausenthalt in hohlen Bäumen, " Man sehe die 246ste und niste Seite des 2ten Bandes in der Uebersttzung. Z2 1749, im Hornung. wen, liegt des Tages still, und geht zu der Zeit nie-Mahls aus, wofern es nicht sehr dunkel und trüb ist; in der Nacht hingegen wandert er herum, und sucht sei^ nen Unterhalt, Es haben mir viele erzählet, daß er, Venn das Wetter schlimm ist^ vornehmlich wenn es schneyet und dabey stürmet, die ganze Woche in dem Vaume, wo er stin Ncst hat, liegen könne, ohne sich hinaus zu begeben; und diese ganze Zeit soll er von nichts anders leben, als daß er seine Pfoten sauget und lecket. Seine Speise besteht in verschiedenen Arten von Früch« ten, als von Mays, wenn die Aehren noch weich sind. In den Garten richtet er öfters ein grosses Unheil an de« Aepfeln an. Die Castanien, Pflaumen und wilden Weintrauben sinh unter seinen angenehmen Gerichten. Wenn er über die Vögel oder Vogelnester geräth, so vergißt er alle Barmherzigkeit. In den Hühnerhausern ist er ein fürchterlicher Gast. Findet er die Hühner auf ihren Eyern, so beißt er sie erst zu Tode, und frißt hernach die Eyer auf. Er wird theils durch Hunde gefangen, die seinen Schlupfwinkeln und hohlen Bäumen, worinn er lieget, nachspüren, und dieselben entdecken, theils durch Sprenkeln und Fallen, in die man gemei-niglich ein Stück von einem Huhn, Vogel oder Fisch, zur Anlockung hinbin leget. Er wirft seine Junge in« May, macht alsdenn sein Nest in hohlen Bäumen, und bekömmt gemeiniglich 2 bis 3 Junge. ' Das Fleisch wird von einigen gegessen. Wenn er springt, lauft er mit allen Pfoten zugleich. Dieser und anderer Eigenschaf, ten wegen rechneten ihn viele an diesem Orte zu dem Va-rengeschlechte. Den Balg bezahlete man nun in Philadelphia mik 13 PenceS. Man sagte, daß diese Thiere sich Neu «Jersey. Bacoon. zz sich setzt sehr gegen die vorigen Zeiten verringert hatten: doch fand man sie tiefer ins iand hinein in Menge. Von dem Nutzen, den die Hutmacher von den Haaren ziehen, von der icichtigkeit sie zu zähmen, von ihrer besondern Begierde nach allem, was süß ist, u. s. f. habe ich schon vorher an den oben angeführten Stellen Erwähnung gethan. Unter allen wilden vierfüßigen Thieren im nördlichen Amerika ist keines, das so zahm, als dieses, ge« macht werden kann. Vom zehnten. Des Morgens reisete ich nach Philadelphia, und kam daselbst am Abend an. Bey der Ankunft zu der Fahre bey dem Flusse Dellaware, fanden wir den Fluß ganz mit Treibeis angefüllet, so das wir anfanglich nicht übersetzen konnten. Nachdem wir aber eine Stunde gewartet und neben der Fahre eine Oefnung gemacht hatten, brach es doch etwas los, so daß wir zugleich mit vielen andern Reisenden uns durch« arbeiten konnten, ehe noch mehr Treideis zustieß. Wie es diesen Winter so heftig gleich nach Neujahr (alter Zeilrechnung) zu frieren ansieng, belegte sich der Fluß Dellaware mit Eis, welches nachgehends von der strew gen Kälte so starck wurde, daß man bey Philadelphia mit Pferden hinüber fuhr. Dieses Eis blieb über den Fluß bis auf den Zten des gemeldeten Monats liegen, da es sich etwas zu lösen ansieng; und von dem erschrecklichen Sturm, der den Abend einfiel, zerbrach es, und wurde dergestalt weggetrieben, daß wir den folgenden zwölften des Februars keine einzige Eisscholle mehr indem Flusse fiiessen sahen, sondern blos hier und da ein Stück an dem Strande wahrnahmen. „ Reisen ii. Theil. C Die ?4 1749/ iin Hornung. Die ^rahen^ sahe man heute in grossen Hansen siiegen, und sich zu oberst auf den Vaumen niederlassen. Nährend der ganzen Winterszeit vorhero merkte man kaum eine einzige, doch sagte man, daß sie den ganzen Winter über hier befindlich warcn. Den übrigen Theil de.s Frühlings pflegten sie des Morgens in den Gipfeln hoher Baume nicht in Haufen, sondern vertheilt, auf verschiedenen Vaumen, zu sitzen. Diese rechnet man auch unter den schädlichen Vögeln; denn sie essen vornehmlich allerhand Arten von Getraide. Wenn der Mays gepfianzet wird, scharren sie die Körner auf, und essen dieselben. Wenn er zu reifen ansangt, hauen sie em.ioch in den Valg der Achre, wodurch der Mays verdirbt, indem der'Regen sich durch das ioch durchdringt, und die Faulniß zuwege bringt. Ausser dem Ge, traide rauben sie auch Hühner weg. Auf alte Aefer sind sie sehr verpicht. Vor einigen Jahren waren von der Regierung in Pensilvanien z, und in Neu-Jersey 4 Pen-ces auf jeden Krähenkopf ausgesetzet. Jetzt war abcr dieses Gesetz abgeschaffet, weil die Ausgaben zu sehr anwuchsen. Ich sahe an verschiedenen Ocrtern, daß die Jungen mit ganz zahmen Krähen, denen die Flügel abgeschnitten waren, spielten.- Diese hüpften auf den Feldern neben den Höfen, wo sie zu Hause waren, herum, und kamen wiederum zurück, ohne daß sie, bey aller der Gelegenheit, die ihncn offen stund, öcrsucht hätten, wegzugehen. Diese Amerikanischen, waren nur eine Abänderung vo» den Oehlandischen Krähen. Vom M5 Ich chabe von ihnen in. dem 2tenHande.auf der hosten Seite geredet- - U5 Neu-Jersey. Bacoon. 35 5 Vom Zwölfren. Zur Nachmittagszeit begab ich mich von Philadelphia nach Vacoon herunter zurück. Indem ich nach Bacoon zurück reisete, gab ich genau auf die Bäume Achtung, welche noch ihr L.aub übrig hatten. Das iaub war blaß und vertrocknet, war aber noch nicht völlig abgefallen. Hie Bäume waren folgende: " Die Buche. * Diese mochte groß oder klein seyn, so behielt sie dock einen grossen Theil ihres iaubes, den ganzen Winter über, bis auf den Frühling. Die grossen Bäume behielten das untere iaub. Die weisst Eiche.** Der größte Theil von den jungen Paumen, die weniger als eine Viertelelle im Durchschnitt betrugen, halten ihr meistes taub noch an sich. Die alten hatten aber glößtentheils schon das ihrige fallen lassen, ausgenommen an den Stellen, wo einige Nebenschösse ausgeschlagen; denn da war das iaub noch rückstandig. Die Fmbe der verdorreten Bläl/er war bey dieser weit heller, als bey der schwarzen Eiche. ' Die schwarze Liche;*** st wie man sie hier überall nennet. Sie ist diejenige, die der Herr Ritter tinnaus unter dem Nahmen der rothen Eiche beschreibet. Einem grossen Theil von den jungen war das verdorrete taub noch übrig geblieben. Die Farbe desselben war rochbraun, und dunkler als bey der weissen Eiche. E 2 Die **- l^uercüz alba. *** Euerem nizra/ Huercul nibtg, ^>». Hec. /»/«»5 j>..996. " 5 Z6 1749, im HNNUNg. Die Spanisihe Eiche, welche blos eine Abänderung- von dcr schwarzen ist. Die /ungen Baume waren gleichfalls noch mit iaub versehen. Eine seltene Art von il5iche, * welche sich durch ißre Vlättcr kenntlich machl. Diese haben nehmlich, eine dreyeckige Spitz«, deren Winkeln sich mit einem kurzen Vorste endigen,, und sind unten glatt und oben etwas woyichl. Bey den jungen war, noch das taub zu sehen. Kurz, wenn ich in Gehölze kam, wo die genannten Eichbäume nur 20 Iah«e, und datunter, alt waren, so fand ich noch alles iaub. Es scheinet, daß die Vorsehung, ausser andern Absichten, auch diese bey dcn Bäumen, die ihr dürres iaub im Winter behalten, sich vorgesetzt habe, daß verschiedene Arten von Vögeln, indem es diese Zeit sehr kalt und sehr stürmisch ist, zwischen und unter diesem dürren taube einen Schirm haben möchten. Ich sahe auch verschiedene mahle diesen Winter, wie die Vögel bcy der starken Kälte und anderem Ungewittcr sich vornehm-lich in diese mit altem iaube bedeckten Bäume verkrochen. Vom dteyzehmett. Indem ich heute eine Grube grabe« wollte; so fand ich verschiedene Insekte, die tief in die Erde hinein gekrochen waren, um daselbst den Winter im Schlummer zuzubringen. Als sie an das licht kamen, bewegten sie sich etwas, hatten aber nicht Kräfte * Huercuz lollnrum aplce trianPlls, 2NN1I8 lera breui ter. Neu-Jersey. Bacoon. 37^ Graste gen^,g zu gehen; die schwarzen Ameisen ausgenommen, welche etwas, obgleich nur langsam, krochen. D«fe Insekte waren folgende: Die schwarze Ameisi. * Von der Arr fand man ziemlich viele, und sie waren einigermassen munter. Sie lagen eine halbe Elle tief in der Erde. Der breite Erdkäfer. * * Der eine und der an« dere lag gleich tief. Dieser ist sonst sehr gemein über das ganze nordliche Amerika. Ein castanienbrauner Rafer/ *** der ziemlich viel Aehnlichkeit mit dem Vrachkäfer -f hat, aber doch in vielen Stücken von demselben abgehet. Ich fand ihn zu einer merklichen Menge in der Erde. Ein schwarzer Grashüpfer, ff Diese Art Insekte sahe ich eine halbe Elle tief in der Erde liegen. Sie waren nun ganz erstarret: so bald sie aber in die Warme kamen, wurden sie leRAdig und sehr munter. Ich habe im Sommer diese Grashüpfer in sehr grosser Menge an allen den Oertern d^s nordlichen Amerika, die ich durchreiset bin, wahrgenvmmen. Sie hüpften da ab und zu auf dem Felde, und haben einen solchen laut, wie unsere gewohnlichen Mauerheimchen, so daß es C 3 schwer * lormica nlssra, Q»«. A/?. T'.L />. 58a. »** 8candaeu5 «ftaneuz; tkorace znlolo; el^trizabäomine belmdu8. ^ 8car2daeu8 meiolontka. . - ^r ^zs 1749/im Hornung. schwer siel, nach dem laute sie von einander zu unter« scheiden. Sle erwecken bisweilen in dem Grase ein solches Geschrey, daß einem hie Ohren wehe thun, und daß der eine Mensch schwerlich vernimmt, was der an-dere saget. An den Oertern, wo °die Klapperschlangen sich aufhalten, sind diese sehr verdrießlich, und auf ge-wiffe Weise gefährlich. Denn durch ihr starkes Gesumme Und Geräusch verhindern sie, daß man nicht allezeit so genau das Wärnungsgethsne, das diese fürchterliche Schlange mit ihrer Klapper erreget, vernehmen, und dadurch sich vor derselben verwahren kann. Daß diese gleichfalls ihr Winterquartier in die Camine nehmen, habe ich vorher angeführet. * Sie lugen hier den Winter über still in der Erde. Zu Anfange des Merzen aber, als es in der iuft warm wurde, kamen sie aus ihren io-chern hervor, und fiengen ihre Musik an, ob sie gleich anfänglich ziemlich lahm ließ, und sparsam gehöret wurde. Wenn wir bey unsern Reisen durch wüste Oerter, in dein Walde übernachten mHßen, und da so gut als wir konn-- ten, für uns gebettet hatten, waren diese-in der Nacht beides unter die Falten her Kleider und in dieselben gekrochen, so daß wir jeden Morgen genöthigt waren, eine Stunde zu stehen, und unsere Kleider ganz sorgfältig zu schütteln, ehe wir sie von uns abbringen konnten. Die rothen oder bey uns in Schweden gewöhnlichen Ameijett, * * welche die grossen Ameishaufen aufwerfen , fand ich gleichfalls sowohl diesen als die folgen, hen Tage. Ich sahe sie aber nicht ad bahn maxillae superioris oblique pofitae, nudae; tuberculum corneum s. prominencia parua a la-tere superiori. Lingua acuca, apice bisida. Ocnhrym iris pallida. Capitis frons, pars. superior, nucha', ' colltim iuperne et ad latera obscure caeruleo-viridia, nitida; la-tera capitis sub oculis obscure caerulea. Dotfitt» torum, tectrlcesque alarum purpureae, fed non ira manjfe(le in parte superiori uropygii, fed ibi magis tuligine subni- grae. 44 1749/ im Hornung. Einige wenige von diesen sollen sich den ganzen Winter über in Morasten, die Mit einem dicken Gehölze überwachsen sind, aufhalten, und sich blos bey gelinder Witterung sehen lassen. - Die meisten aber ziehen zu Am fang des Winters weiter nach Süden. Heute sahe ich fie in diesem Jahr zum erstenmahl. Sie flogen schon in grossen Haufen. Ihre vornehmste und angenehmste Speise ist der Mays. Wenn der Mays im Frühling kurz vorher gepstanzet worden ist, kommen sie in grossen Schwärmen. Sie scharren mit dem Schnabel das Mayskorn auf, und verzehren es. So bald der Keim des Mays hervorbricht, fassen sie denselben mit dem Schnabel, und reissen iA, zugleich mit dem Korn auf; so daß sie schon im Frühling dem iandmanne viel zu schaffen machen. Um ihre iüsternheit für den Mays diese Zeit in etwas zu verringern, pstegen einige die Mayskörner in Wasser, das mit der weissen Nieswurzel * abgekocht worden, grae. Kerniges primariae 9 nigrae; ceterae secundarlae nigrae, margine exteriori purpürascentes. Rečirices 12 nigro purpureae, apice rotundatae; quo lateribus pro-piores, eo breuiores, intermediae longissimae. Cauda explicata versus apicem rotunda videtur. Gula obscure caeruleo - viridis, nitida; Pecs us etdam versicolor et pro varia inter lumen et oculum pofitura, iam nigrum, iatt» sinaragdinum. Venter fuligineus, tectrices inferiores caudae obscure purpureae. Peaty, et abdomen sub alis purpurea; testrices alarum inferiofes fuligineae. Alae inferius nigrae; Femora plumis fuligineis. Tibiae et pe-des nigri, nitidi. Digiti 4 more auium plurimarum. Vngues nigri, posticus ceteris maior, hit bitt bifätitbtntt Ober Monedula purpurea Catoth Iff fete Gracula Quiscula, Litm.syß. T. I. f. log, • Veratrum HeUeborus albus. Mu< Jersey. Bacoon. 45 Worden, (wovon ich weiter unten bey dem dreyzehnten des Merzen reden werde) einzutunken, und sie hernach zu verpflanzen. Wenn der Maysdieb ein oder cin Paar von diesen Körnern isset, wird er so wüst im Kopf, daß er taumelt; wodurch seine Cameraden erschreckt werden, und sich nicht, dahin wagen. Sie nehmen ihren Schaden aber um so viel reichlicher gegen den Herbst wieder, wenn der Mays reif wird; denn alstzenn feyern sie recht ihr Freudenfest. Sie sammeln sich alsdenn zu taufenden auf den Maysfeldern, und nehmen da ihre derbe Schätzung. Hier sind sie sehr unverschämte und dreiste Gaste. Denn wenn einer sie von da wegtreiben will, so ftiegen sie blos von der Stelle, wo man gehet, weg,.und setzen sich gleich auf einer andern nieder; so daß, wenn man. sich an der einen Seite des Maysseldes besind.et, sie sich alle nach der andern hinbegeben. Und dergestalt wechseln sie, so Wie man sie verfolget, um, ohne daß sie sich, ehe sie satt geworden, entfernen sollten. Sie- stiegen zur Herbstzeit in unglaublich grossen Haufen, so daß man kaum begreifen kann, wo eine so ungeheure Menge her-gekommen ist. Wenn sie sich in die Höhe schwingen. Werden die Wolken und die iuft bisweilen ganz schwarz und finster dadurch. Sie sind. alsdann in so grossen Schwärmen und so dicht zusammen, daß man sich ver» wundern, muß, wie sie Platz, die Flügel zu bewegen, finden. Ich habe selbst gesehen, daß, wenn jemand eine ganze Menge von ihnen auf der einen Seite, des Maysfeldes geschossen, die andern blos in die Höhe go° > flogen sind, und sich einen guten Büchsenschuß davon an dem andern Ende niedergelassen, und so bey der Annä-hernng ihres Verfolgers jedesmahl den Platz verwechselt haben. 4s 1749, lm Hornung. haben. Sie haben also eher den Schützen ermüden können, als daß er sie von dem Mays hat abschrecken können, ob er gleich deren viele bey jedem Schusse gefallet hat. Sonst essen sie auch gerne die Samen der im Waffer wachsenden Zizania, * wslcher spat im Herbst, nachdem der Mays eingeerndet worden,, mehrentheils ihre Speise ist. Die Beere von der glatten * * nehmen sie auch vorlieb. Vuchweitzen und Haber sollen sie gleichfalls essen. Einige behaupten, daß sie auch im Nolh^ fall Weitzen, Rocken und Gersten assen. Doch findet man niemahls, so viel mir bekannt worden, daß sie diesen Getraidearten Schaden zufügen sollten. Im Frühling fassen sie in Menge bey den Höfen in den Bäumen, und sungen ziemlich angenehm. Weil sie auf eine solche Weise den.Maysackern so nachtheilig sind, ist der Eifer auch hier so weit gegangen, daß man beides in den Pen-sylvanischen und Neujerseyschen Gesetze 3 Pences zur Belohnung für /edes Dutzend, das man todt aufweisen kann, ausgesetzthat. Noch mehr aber ist man in Neu, England wider sie aufgebracht. Denn Herr Franklitt berichtete mir im Frühling des Jahrs 1750, daß man vermittelst der Belohnungen, die man an dem letztge, nannten Orte ausgesetzet, sie dergestalt vertilget hätte/ daß sie nun an verschiedenen Orten selten zu werden ans fiengen. Als aber im Sommer vom Jahr 1749, sich eine gräuliche Menge Würmer auf den Wiesen gezeiget, welche das Gras verzehret, und dadurch einen grossen Schaden veran« * kol. Hvoine 2i22N»H ayuarica. t«m. . "* Ich finde in der Urschrift kein Wort, worauch sich bieseS beziehen sollte, ob gleich unter den Druckfehlern angezei, get worden, daß anstatt ruk, «ie im TeM siehet, ek» >« zu verstehen sey. Neu-Ierfty. Bacoon. 4? veranlasset hätten, wäre ihnen die Reue angekommen, baß sie gegen diese Vögel so rachgierig gewesen; denn sie haben zu bemerken geglaubt, daß diese Maysdicbe diejenige Zeit des sommers, da der Mays noch nicht reif gewesen, vornehmlich von diesen Gewürmen lebten, die sie folglich ausrotteten, oder wenigstens Hinberten, sich so stark zu vermehren. Sie scheinen daher gewiffcrmas-sen ein Recht m haben, sich wieder ein wenig dagegen bezahlt zu machen. Nachdem nun aber die Feir.de und" Verfolger der Würmer, die Maysdicbe, ausgerottet worden sind, haben die erstern mehr Freyheit, sich zu vermehren, bekommen; daher sie auch nachher so über-Hand genommen, daß sie nun weit grössern Schaden, als die Maysdiebe zuvor, ausübten. Im vorher genannten Sommer des Jahres 1749« liessen diese Würmer so wenig Heu in Neu-England übrig, daß die Einwohner nicht allein genöthiZt waren, sich Heu aus Pensylvanien, sondern auch sogar aus dem alten England in Europa, zu verschaffen. Diese Vogel haben, ausser den Menschen, auch andere Widersacher, nemlich kleine Habichte, welche sich sowohl von ihnen, als von andern kleinen Geflügel Hieselbst nähren. Ich sahe, wie einer oder mehrere vott diesen kleinen Habichten, als die Maysdiebc in der größten Sicherheit bey einander waren, kamen, diesel-ben von einander trieben, und sie in der Flucht erhäschten. Das Fleisch von den violetten Maysdiebcn soll von niemand gegessen werden; das/enme aber von denen mit den rothen Flügeln wird von einigen genossen. Alte Männer haben mir berichtet, daß nun in dem neuen Schweden eben so viel Maysdiebe, wie in ihter Kind' heit, vorhanden wären. Sie leiten die Ursache von dem 48 1749/ im Hornung. dem Mays, der /etzt in weit grösserer Menge als damahls ausgesäet wird, her; und sie meynen, daß sie es daher jetzt weit leichter nach der Nahrung, als vorher, hatten.'' Die Amerikanischen Brombeere " wachsen in grosser Menge über das ganze nördliche Amerika, an eben dcn Orten, wo unsere Brombeere in Schweden. Die Amerikanischen sind wohl etwas grösser, übrigens aber den unsrigen so ähnlich, daß sie mancher blos für eine Abänderung halten würde. Die Engländer nennen sie Cranberries, die Schweden Tranbar, und die Franzosen in Canada Aropa, ein Nahme, den sie von den Wilden entlehnt haben. Spat im Herbste bringt man sie hanfig auf die Markte, die /ede Mittewoche und jeden Sonnabend in Philadelphia gehalten werden. Man kocht und richtet sie fast auf eben diese Weise zu, wie wir unsere rothen Heidelbeere; ** und braucht sie hernach den ganzen Winter und einen Theil des Sommers über in Torten und andern Arten von Vackwerk. Weil aber die Beere ziemlich sauer sind: so fordern sie viel Zucker; welches doch in einem iande, wo man nach den Zuckcrgegenden eben nicht so weit hat, nicht so gar kost? bar ist. Man verschickt eine Menge von diesen Beeren eingemacht, beides nach Europa, und den Amerikani, fchen Inseln. ^Im Merzen. Vom Zweien. Muscheln"* fand man in Menge in kleinen Furchen, welche über die Wiesen hin« liefen. * Vaccjnimn bilhiäuium. ** Lingon. *** Sie waren völlig diejenigen, welche ^Uu5 amtmm (K»».M. 5.1. L.706) gmannt werdm. M. 5 Neu-Jersey. Bacoon. 49 liefen. Von aussen war die Schale oft mit einer dünnen Eisencrusie überzogen, in dcm Falle nehmlich, wenn das Wasser in der Furche'von einem Orte kam, wo Ei« scnerz gefunden wird. Die Schweden und Englander, die hier wohnhaft waren, gebrauchten diese Muscheln selten zu etwas: da aber die Indianer in vorigen Zeiten hier gewesen sind, haben sie dieselben gebraten, und daS inwendige Fleisch gegessen. Einw 'üt'.d der andere von den Europäern ißt sie doch auch bisweilen. ^ Der Schnee lag noch an einigen Stellen in dem Geholze, wo es schattig war, nach; doch war an den meisten das Feld schon blos. Das Vieh, Kühc, Pferde, Schaafe und Schweine gicngen in dem Walde, und suchten ihre Nahrung, welche noch ziemlich mager war. Vom dritrcn. Die Schweden nannten hier einen kleinen Vogel Snöfogel, ^ und die Engländer Snowbird, welches eben das bezeichnet. 'Die Ursache der Benennung ist diese, weiter sich niemahls ,m Sommer, sondern blos im Wintcr, wcnn der Schnee ge« fa-llen ist, und das Feld bedecket, sehen laßt. Er kommt zu verschiedenen Nintem zu cbcn der Menge wie die Maysdiebe, hervor, fliegt alsdenn um die Hauser und Scheunen herum und in die Gärten, und ißt die Ge- > traidekörner und Grassamen, die er auf den Hügeln ausgestreuet sindet. Diesen * Schneeoogel. Catesb/ hat ihn in seiner Naturgeschichte von Canada im istcn B. auf der z6sten Seite und Rupferplatte unter dem Nahmen von lesser niuaUz beschrieben, mid in zemer nntürlicken Farbe vorgestellet. Der Ritter ^innän^nennt ihn krin^iH» i^em>Ü5. /x/?. 1.1. Reisin li. Theil. D ^ 55 !?49/ im Merzen. Diesen Abend wurde man um 8 Uhr Neu - Jersey. Bacoon. 51 gieng der Frost nicht über eine Qucrhand hinunter. Heute aber halte er sich fast gänzlich weggezogen. Hie, durch wurde das Erdreich so weich, daß das Pferd überall, wenn man ritte, sogar in dem Gehölze unter den Vaumen, tief hinunter sank. Ich erkundigte mich sowohl heute, als sonst zu mehrern mahlen, bey verschiedenen alten Schweden und Englandern, ob sie nicht etwa bemerkt hauen, daß bey sehr strengem Winter, einige oder gewisse Bäume davon entweder ausqestorben wären, odcr einen besondern Schaden erlitten hätten? Mir wurde zur Antwort gegeben, daß bey sehr starker Kalte verschiedene von den jungen Hickerybäumen auszugehen vftegen. Eben dies Schick« sal pflegt auch alsdann jungen schwarzen Eichen zu wie-herfahren. Ja, bisweilen find auch schwarze Eichen, die eine Vierlelelle im Durchschnitt gehabt haben, bey einem sehr kalten Winter ausgcstorben; bisweilen, obgleich sehr selten, hat man auch einen einzelnen Maulbeerbaum davon ausgehen gesehen. Schr oft aber tragt es sich zu, daß die Pfirschenbäume davon umkommen, so daß sehr kalte Winter rncht selten alle Psirschcnbäume auf einmahl an verschiedenen Orten verderbet haben. ^Mcln hat bey diesen Vaumen zu mchrcrn mahlen bemerket, daß diejenigen, die an erhabenen Oertern stehen, in sehr strengen Wintern weit besser, als die, welche in Tha, lern gtpstanzet worden, fortkommen; sogar, daß, wenn die in den Thälern durch einen kalten Winter völlig aus-gestorben find, diejenigen, die auf den Anhöhen gestan« den, nicht den geringsten Schaden erlitten haben. Daß aber der schwarze Wallnußbaum Sassafras, oder andere Bäume, tM Winter sehr mitgenommen worden waren, ver- D 2 sicher« 52 ^?49/ im Merzen. sicherten sie/nicht b.'cl^chee't ztt haben. Was dm Frost im Frühling und Sommer anbelangt, so hatten sie verschiedentlich wahrgenommen, daß, wenn die Baume fchon mit einem ziemlich grossen taube versehen gewestn, eine oder di? andere Frostnacht eingefallen, wodurch ein ^' M grosser Theil des iaubcs erfroren ist. Es ist aber immer ein lnucs iaub in die Stelle des erfrornen hervor gewach-' sen. VcydiescnFrosinacktcn ist insonderheit, wenn sie in, May oder Iunius sich hicsclbst ereignen, werkwür.-dig, daß die Kälte vornehmlich den zärtern Bäumen schadet, und zwar auf di? Weise, daß das iaub von dem Boden bis ohngcfahr 4 bis 6 Ellen hoch fast durchge-hends von dem Frost angegriffen wird, oben aber ganz unbeschädigt bleibt. Dieß ist eine Beobachtung, von der ich nicht allein von verschiedenen alten Schweden und Engländern vergewissert'worden, sondern die mir auch-der sehr aufmerksame Ingenieur, Herr Aevis Evan?> in seinen geschriebenen Wahrnehmungen angemerkt ge-O wiesen hat. Eine solche Frostnacht ist hiesclbsi im Jahr « 1746 zwischen dem vierzehnten und fünfzehnten dcs Iu, nius, r.ach der neuen Zeitrechnung, mit eben dieser Wirkung Wingefallen, wie die Wahrnehmungen des Herrn tzvans ausweisen. Die Bäume, die alsdann in der Blüthe gestanden, haben beides das iaub und dieBlume, an dem Theile, der dem Voden am nächsten gewesen ist, verlohren; nachdem haben sie doch einig? Zeit hernach neues iaub, aber keine neue Blüthen erhalten. Es ist noch weiter bey den Frostnächten, die den Frühling oder Sommer einfallen, zu merken, daß sie. vornehmlich niedrig liegende und feuchte Oerter, selten aber die Anhöhen, * treffen, und daselbst Schaden anrichlen. Besonders ist ^ ' es Neu - Jersey. Bacoon. 55 es auch, daß diese Frostnachte an solchen Oertern vornehmlich merklich sind, wo der Kalkstein gefunden wirb. Dsnn wenn gleich das übrige iaud nichts empsindet, soll man doch daselbst gemeiniglich ein oder das anderemal die Frostnächtc des Sommers verspüren. Ja öfters liegen die Gegenden, wo der Kalkstein befindlich ist, ziemlich hoch: aber nichts desio weniger leiden sie von den Frosinachten, da doch das niedrigere iand ein Stück davon, wo kein Kalkstein ist, keine Uligelegenhcit leidet. Herr Evans hat zuerst diese Anmerkung gemacht, und habe ich die Wahrheit davon verschiedentlich auf meinen Rci-scn eingesehen, wovon ich weiter unten mich ausführlicher erklären weche. Vey solchen, Frostnächten nehmen die kleinen Hickerybäume eher als andere Baume, an ihrem iaub Schaden; und darauf junge schwarze Eichen, welches andere ersi beobachtet, und ich hernach mit eigenen Augen in den Jahren 1749 und 1750 gefunden habe. Vom eilftett. Von dem Geschlechte der Spechte fand man hier alle diejenigen Arten, welche Eatcsdy in dem ersten Vande seines kostbaren Werkes, der natürli-chen Geschichte von Carolina, beschrieben, und mit lebendigen Farben abgebildet hat. Ich will sie hier nur herrechncn, und kurzlich eines und das andere von ihren ^ Eigenschaften beibringen: die ausführliche Beschreibung aber von ihnen will ich für eine andere Gelegenheit aufbehalten. ^Der Röttigsspecht. "° Er wird hier, «b gleich .D 3 sehr 5, ?icu8 principal!« I.,'«». ober ?icu8 maximus» lokro Mo, 54 1749, im Merzen. sehr selten, und nur zu einer gewissen Iahrszcit, gefunden. , 7^t)er Spccdt mit dem Federdulch.* Ich habe seiner schon vorher erwähnet. Der Goldgttckguck. ** Er ^ an diesem Orte hausig gcnug, und wurde von den Schweden Hittock, und von andern piut genannt. Beide Nah, men sollen slch auf seinen besondern iaut beziehen. Er sitzt fast beständig auf dem Voden, und man nimmt nicht wahr, daß er in den Vaumen so hackt. Er nährt sich gemeiniglich von Insekten; wird aber bisweilen selbst den Habichten zur Beute. Meistenthtils ist er sehr fett, und hat ein wohlschmeckendes Fleisch. Weil er sich hier den ganzen Winter aufhalt, unt» zu einer Zeit, da er die Insekte nicht so leicht bekommen kann; so wird er ohne Zweifel alsdann einige Arten von Gras oder Kray, tern auf dem Felde ejsen. Sein Aussehen und andere Eigenschaften zeigen, daß er mit Recht von den Spechten getrennet worden ist. DerCarolinischeSpecht.*** Er lebt gleich--> » falls hier. Seine Farbe lst hochrolher und glänzender, , . / , als sie bey dem Eatesby vorgestellet worden. Hm, D« * ?icu5 püearuz, l.m». Man sehe meine Reisebeschreis , ^ bnng auf ver 2y2sten S. des zweyten Bandes. . * , ** 6uculu5 «lurarus, Lln». oder ?icuz.variuz maior, 2K5 am-e«. t?<,t«5. am angef Otte l^ö/. 1. P. i3- t-18-^*'* ?icuz CaralinuZ l.,'»». oder Picu5 variuz venrey rudlo. M M cHtttö. anNlngez.Ort. po/.i.^.i). e.19. *7""*"** Picus pileanis, t«». SRan set)« rt«»*c Xcifebeffttei* , \ ban$ das Dec 292f?en ö. öes jtoeyten Äftnöcs. ** Cuculus auratus, Linn, ober Picus.varius tnaior," alis anreis. C^«^. «m An^ey. (Pttc Fo/.i. p- IS- M8-w*** Picus Carolinus Lints, ofret Picus varius ventre rubro. jk c««*. anrangej» Drt, Vol.1.^.19. m9-4 •*' Reu-Jersey. Bacoon. 55 Der bunte gleichsam zottigte Speckt/ von der mittlern Grösse.« Man findet ihn hier in Menge. Den Aepselbaumen ist er bisweilen nachthcilig, indem er überall töchcr in sie einhackt. Der rochköpsige Specht. ** Er war hier im iande gar nicht selten, und.wurde von den Schweden schlechtweg Hackspik genannt. Diesen Nahmen gaben sie auch allen übrigen Vögeln, die ich jetzt nenne, wenn der Goldguckguck nur ausgenommen wird. Dieser ist beides den Maysfeldern und den Acpfelgarten schädlich; denn er zerhackt die Ma.ysähren und ißt die Aepfcl auf. In einigen Jahren findet er sich in grosser Mcnge ein, insonderheit wo süsse Aepfel wachsen; und diese verzehret er dergestalt, daß weiter nichts als die leere Schale nachbleibt. Vor einigen Jahren erhielt man 2 Pences für einen jedweden Kopf dieses Vogels aus der allgemeinen Easse, damit diese schädlichen Vögel ausgerottet wurden: nachdem aber ist dieses Gesetz aufgehoben worden. Es schmecken ihnen die Eicheln auch sehr gut. MeistentheilS reisen sie gegen den Winter nach Süden weg. Wenn sie aber zu Anfang des Winters häufig in den Wäldem zurück bleiben; so weissaget das Volk einen ziemlich gelinden Winter daraus. Der kleinere bunte Speckt, mic dem gelben Uttterleibe. * * * Vor diesem waren weit mehrere, als D 4 man- « rieU5 V2NU8 meäiu5 lMli villoluz. Q,l«b. am angez. Ort. N>/.I./,.I9. t.iy. Dieser dürfte so beschrieben werden tönNen: klcuz per meäiam longiruäinem äorü lubuiNa-luz, rekk-lce prim» lateral» rorz alka. " ^ ?ieuz eryrklcicepl^iuz, /^««. oder ?!cuz «pile rora ru« l?ro. t7s^«ö. l^o/.». ^. 20. t. 20. ' **» ?icu8 variu5 minor, vemr« lu«o. . 21. t.2I. ^ • Picus varius medius quasi villosus. Catcsb. iefer bürste fi> befcörteben werben fotttm: Picus per mediam longitudinem dorli subuillo- sus, rectrice prima laterali tota alba. •* Picus erythrocephalus, Unn. ob« Picus capite toto ru- bro, Cntcsb. Vo\.\. p.20. *.2O. *** Picus varius minor, ventre luteo. Catesb. aittättg.O* 1 Fo/. 1. p. 21. f. 21. . 56 1749, im,Merzen. U!ilnch?r wollte, vorhanden.. Denn dieser sowohl, als Ler nächst vorhergehende, und verfolgende, warenden Aepfclöäun:?n sehr schädlich. Dcr kleinste bunte Specht. * Diesin sscht man hier sehr hck'sig. Er lst unter allen Spechten dcnAepftl-ßärten anl schädlichsten, weil er dreister als die andern ist. Er hauet kleine iöcher dicht an einander, zu Z bis Linien tief, in t>ie Aepfelbämite. Und wenn er an einem Orte des .Stammes ein so!ch?S ioch eingchauen hat, so macht er gleich ein anderes neben dem ersten, nach einer horizontalen Nichllmg, und fährt gemeiniglich so fort, bis er ciucn Kreis von solchen iöchcrn rings um den Vaum gemacht hat. Dahcr sind die AeMbäumc hier in den Garten um den Stamm herum voll von Kreisen, die über einander liegen, und oft nur einen halben geometrischen Zoll unter sich entfernt sind. Zuweilen hauen sie diese iöcher so dicht neben einander, daß der Vaum dadurch vertrocknet. Diesem ist, wie Eatesby gleichfalls anmerkt, der bunte Specht von der mittlern Grosse, in Ansehung der Farbe und anderer Eigenschaften, so ähnlich, daß man si<5 leicht für einerley Vögel nehmen konnte, wofern jener nicht einen guten Theil kleiner, als « dieser, ware. Sie kommen beide darinn üderein, daß sie die schädliche Gewohnheit haben, iöcher in die Aepsel-bäume emzuhauen. / Es * Picus varius minimus. Catesb. .2Y b?F schrieben, und «uf der 29stm Rupferpl. abgemahlet. i Neu,Iersey. Bücoon. 59 findet man hier in ziemlicher Menge das ganze Jahr durch. Er ist aber sehr von demjenigen / den man in England mit dicsem Nahmen beleget, unterschieden. Er singt sehr lieblich, ist nicht sonderlich furchtsam, son, dern hüpft auf der Erde, dicht an den Häusern. In Philadelphia hale man ihn wegen feines Gesanges in Bauern. Die Hasilstauden * fiengen nun an zu blühen, Sie kamen am besten in einer reichen Gartenerde fort, und die Schweden sahen dieselben als Anzeigen eines guten Erdreichs an. Vom dreizehnten. Der Ellernbaum hatte eben zu blühen angefallen. Die stinkende Zehrwurz ** wuchs hausig in den Sümpfen, und ficng nun an Blüthen zu bekommen. Unter den Pflanzen, die einen sehr widrigen Veruch haben, ist diese fast die ärgste. Sie stank so stark, daß ich beynahe ihre Vlume nicht untersuchen konnte; /a so> daß wenn ich sie etwas zu lange anroch, davon Kopfschmerzen empfand. Die Schweden nannten sie Björns rettet oder B^örnblad, *** Die Engländer aber polecat-rot/ weil sie so übel wie die Polecat, von der ich vorher geredet habe, riecht, f Die Blumen sind von einer Purpurfarbe. Wenn sie am b.sten blühen, so fangen die Blätter erst an zu äusserst aus der Erde hervor zu kommen. Das Vieh läßt die Blätter davon des , Som» *" l)racolirium tnnnwm I *»» Bärcnwurzll oder Barenbladt. t In dem zweyten Theile, auf d und wächst auf den Wiesen, in einem guten Erdreiche. Die Wurzeln gleia. chen den Pottten oder Erdartischocken. Die Wilden kochten diese Wurzeln, und assen sie anßatt des Brods, sehr' beqierig. Einige von den Schweden hatten eben diese Wurzeln ehedem wegen Mangel des Brods gebraucht und gegessen. Einige Englander pfiegen dieselben annoch als Poteten zu gemessen. Herr Bareram berichtete, daß die Wilden, die weiter hinauf in dem lande wohnen, nicht allein annoch diese Wurzeln, welche dem Geschmack nach den Poteten nichts nachgeben, auf vorbenannte Weise assen, 'sondern daß sie auch die Erb, sen, die in den Scheten dieser Pfianze liegen, sammelten, und auf eben die Art, wie andere Erbsen; zubereite. Neu-Jersey. Bacoon. 65 reiteten. Diese Hopnisi der Indianer sind die sogenannten Indianischen Erdnüsse. * A(?Miß war eine andere von den Wilden söge« nannte Pflanze, deren Wurzel sie äffen, als sie hier ehedem wohnten. Die Schweden behalten noch diesen Nahmen bey. Sie wachst in seichten, schlammiaen und sehr nassen Gegenden. Die Wurzel ist von einer länglichrunden Gestalt, und uieistentheils anderthalb Grome« trische Zoll lang, und an der Mitte einen und einen Viertelzoll dick; einige sind aber auch. eine Faust dick gewesen. Die Wilden gebrauchten diese Wurzeln entweder gekocht, oder auch in Asche gebraten. Einer und der andere Schwede aß sie auch, als die Wilden hier waren, und schienen sie ihnen gut zu schmecken. Nun aber fand sich keiner, der sie gcnutzet hatte. Ein Mann von ein und neunzig Jahren, mit Nahmen Nils Go-stafson, erzahlcte, daß er diese Wurzeln oft in seiner Kindheit gegessen, und daß sie ih»m damahls gut geschmecket hatten. Er fügte auch hinzu, daß dle Wilden, insonderheit ihre Frauensleute, zur Psingstzett damahls nach Eylandern hingereiset tparen, und daselbst diese Wurzeln aufgegraben, und sie mit sich nach Haus geführt hätten. Und so lanqe sie dieselben gehabt, hätten sie nach keiner andern Nahrung verlanget. Man sagte, daß sie von den Schweinen, welche eine erstaun« licke Veglerde nach denselben tragen sollen, sehr ausge« rottet waren. Das Vieh liebt auch sehr die Blätter davon. * Glycine (Apios) folüs pinnatis ouato-lanceolaps. Htm. bort. Vps. 217.spec.7ift. • 66 i?49/ im Merzen. davon. Ich lies nachhero einige von diesen Wurzeln braten. Sie schmeckten nach meiner Empsindung nicht übcl, ob sie gleich etwas mehlig waren. Der Geschmack kam demjenigen der Polcten nahe. Wenn die Wilden M noch jetzt herunter kommen, und die Rüben der Euro, paer sehen ^ so nennen sie dieselben auch Katniß. Diese erwähnte Katniß ist ein Pfeilkraut, und wird blos eine Abänderung von unserm Schwedischen Pfeilkraut mit den pscilförmigen spitzigen Blattern * seyn. Denn die ganze Pstanze oberhalb der Erde ist derselben in allen Stücken ähnlich, nur Paß die Knollen unter der Erde bey der Amerikanischen einen gulcn Theil grösser sind. Herr Osbeck berichtet in feiner Chinesischen Reise, ** daß die Ehineser ein Pfeilkraut pflanzen, wovon sie die W::rzeln essen. Es scheint dieses ohnfehlbar einerley Abänderung mit dieser Katniß zu seyn. Sonst fand ich weiter nach Norden hier in Amerika die andern Abande, , rungcn des Pfeilkrauts, die wir bey uns in Schweden haben. Taaho, wie auch Taahl'm, wurde von den Wilden eine andere Art' Pfianzen genannt, davon sie die Wurzel gleichfalls zum Essen gebrauchten. Einige von ihnen haben auch dieselbe Tuckah genannt; bey den meisten Schweden hieß sie noch Taaho. Sie wachst an sumpfigen Orten und Morästen. Die Schweine sinh auf die Wurzeln, wovon sie ungemein fett werden, sehr verpicht. Sie besuchen daher die Stellen, wo diese Wurzeln * Sagittarla '(fagirtifolia)" folils sagittatis acutis, Lion. S- Fiar, Suec. 780. 869- ^ * a«f to soot«» wn^ 2S3(?m ©nrt« Neu-Jersey. Bacos^ 6? . Wurzeln zu finden sind, fkißig, und siehet man die Schweine bisweilen so nach ihnen in dem Schlamme wühlen, daß sie oft mit dem ganzen Körper unter das Walser hinein fallen, und etwas weniges vom Hintertheil von ihnen nur hervor steht. Dergestalt ist es nicht M zu verwundern^ daß diese Wurzeln nun an den Orten, wo sich viele Schweine aufhalten, sehr ausgerottet sind. Die Wurzeln wachsen bisweilen zu der Dicke, wie die sende eines Menschen. Wenn sie frisch sind, beissen sie wie Feuer auf der Zunge, weswegen man auch unter den Umständen glaubt, daß sie dem Menschen ein Gift seyn. Daher wagten auch die Indianer niemahls, sie roh zu essen, fondern sie bereiteten dieselben auf folgende Art zu. Sie sammleten einen grossen Hausen von die« sen «Wurzeln, gruben hernach eine so grosse lange Grube, die bisweilen 2 bis 3 Klaftern und noch darüber, lang 5 war, daß die gesammleten Wurzeln dariun Platz finden konnten; in Hiese wurden die Wurzeln hinein gelegt und mit der aus der Grube aufgeworfenen Erde bedeckt; oben darauf zündeten sie ein grosses Feuer an, das sie so lange .' brennen liessen, bis sie glaubten, daß es.genug wäre. Hernach warf man das Feuer bey Seite, und grub die Wurzeln auf, welche begierig von den Indianern gegessen wurden. Diese Wurzeln sollen, wenn sie auf eine solche Weise zugerichtet werden, eben so gut Wie die Po-leten schmecken. Die Wilden pflegten sie niemahls zu trocknen und zu verwahren, sondern sie nahmen sie allezeit frisch aus dem Moraste, wenn sie ihrer nöthig hat-ten. Diese Taaho ist die Virginisthe ArHnervurz." E 2 Es HNAnliz obrulis. ^in». öe,/. t» Neu -Jersey.' BacooM '? Ich werde unten, bey dem sieben und zwanzigsten Mß. des Merzen, eines andern Gerichts, daß die Wilden ehedem, und noch jetzo, wenn es feyerlich seyn soll, ge- ^. brauchen, erwähnen. M> Vom achtzehnten. Das Wetter oder der wind war fast diesen ganzen Frühling so beschaffen, oaß des^ Morgens bey dem Aufgang der Sonne, eike Stille herrschte. Um 8 Uhr des Vormittags fieng es ziem- llch zu wehen an; und so dauerte es den ganzen Tag, bis die Sonne unter gegangen war, fort, da der Wind sich gemeiniglich lcgle, und die ganze Nacht über still war. Dieses geschahe mehrcntheils: aber biswei« ^5 len wütete auch der Wind, ohne Aufhören, einen, zwey ^. ^ oder z Tage, in eins fort. Zur Mittagszeit blies er gemeiniglich am stärksten. Mit dem Winde verhielt es sich ohngefahr auf folgende Art *. Des Morgens un, . 6 Uhr war eine gänzliche Stille; um 7.Uhr empfand man von Westen einen gelinden Wind; um 8 Uhr wurde ' er etwas starker; um 11 Uhr nahm er noch mehr zu; und um 4 Uhr nach Mittags war er eben so, wie um 8 Uhr des Vormittags, und nachdem nahm er mchrM'^ und mehr ab, bis es, etwas vor dem Untergnnqe der Sonne, ganz still wurde. Die Winde,. die diesen gan« zen Frühling bliesen, kamen meistentheils von Westen, fvie ans den Wettergeschichten zu ersehen ist. E 4 Man O 5 Der Herr Verfasser hat sich nur durch die nachstehenden Zeiche«/ die man bey der Ueberseyung nach der auf der 58lsten Seite des 2ten Theils gegebenen Anleiluna erklal r«t hat. ausgedrückt. Kl. 6 war W 0 Kl. 7. f. W. l. Hl. 8- V3..2. Kl. ii. W. 3. Kl. 4. n. m W. 2. ^ '»' ?2 1749, im Merzen. Man gab als cin Zeichen der bevorstehenden ' ^Vttlerun^, u;,d zwar als cines unter den gewisser« au-, daß, woftrn ein Gewölks unsen an dem Horizont in SW bey dem Untergänge der Sonne stehel, das nach« her nach einer Stunde des Abends herunter sinkt, den ^ Taq darauf ein Regen erfolgen würde; wenn sich auch -gleich der ganze Vormittag an dem Tage klar und schon endiqet. ' Wofern aber ein Gewslke in SM an dem Horizont steht, wenn bie Sonne untergehet, und dasselbe, weiter auf den Mnd hin, aussteigt, so würde gemeiniglich den folgenden Tag das Wetter klar. Vom zwanzigsten. Ein alter Schwede weissagte nun eine Aenderung in der Witterung, weil es heltte Ü5 nicht windig, sondern still war. Denn wcnn es einige >, Tage gewehet hat, und hernach gan^ still in der iuft ^ wird, so soll bald darauf Reqen oder Schnee oder sonst eine Aenderung in der iuft erfolgen. Ausserdem sagte -man, daß auch hier einige von der falschen Meinung waren, daß sich die Witterung gemeiniglich den Freytag veränderte, so daß, wenn es auch die ganze Woche z. E. ? *W gewehet oder geregnet hatte, und eine Aenderung qeschei H W^> hen würde, so solte sie mehrentheils des Freytaqs ein-treffen. Wie weit das vorige stich gehalten, erhellet aus , ^ den Meteorologischen Beobachtungen, die zu Ende dieses 'Theiles vorkommen. Vom ein und zwanzigsten. Derrochblümiye Ahorn! aum und der Amenkanisihe Ulmenbaum sienqen nun zu blühen an. Doch stunden auch einige von der letztern Art jetzt schon in voller Blüthe. Vom Neu - Jersey. Bacoon.' 7; Vom vier und zwanzigsten. Heute wanderte wcic hc«um, um nachzusehen, ob ich einige Gewächse in Blüthe finden könnte. Die trübe Witterung aber, und der viele Regen, der vorher gefallen, war Ursache, daß so gut als nichts hatte hervorkommen können. DaS iand-fieng doch nun ziemlich grün zu werden an. Die Gewächse, deren ich kurz vorher gedacht habe, blüheten nun am besten. Das Aeberkram * stund nun überall in Vlume. Es wuchs hler häusig und wurde von den Schweden Blablomsier genannt. Sie wüsten nicht, ob es zu etwas könnle gebraucht werden. An allen den Aeckern, die ich heute betrat, wurde ich keines einzigen Grabens gewahr, obgleich viele von ihnen solche erfordert hätten. Man hatte sich aber hier. durchgehends nach der Englischen Gewohnheit, keine Graben an den Aeckern zu ziehen, gerichtet, ohne zu bedenken, ob der Acker sie entbehren könnte, oder nicht. Die Dolge davon war diese, daß der neu gefallene Regen an sehr vielen Orten große Stücke von den mit Weizen oder Rocken.besäeten Aeckcrn weggespühlet hatte. Us waren keine Raine an den Aeckern, sondern nur ein schmahler neben dem Zaun, der doch fast überall so mit dem glatten Schlingbaume und der Vrombeerstaude ^ bewachsen war, daß das Vieh daselbst wenig oder gar kein Futter hatte. Die Aecker waren nach Broad 5 cast oder Stücken, die zehn Ellen breit, und durch Fur- E 5 chen * Anemone ltepatici. «* Nlm5 FIM2, Byörnbärsi busiar. 74 l?49/ im Merzen. chen von einander getrennt waren, angeleget. Dis Ackerstücke waren eben, und in der Mitte wenig oder gar nicht erhaben. Der Mavwurm * kroch hie und da auf den Anhöhen herum. Der Schmetterling, mit dem Zunahmen Atttl'opH siog in dem Gehölze herum, und lvar der erste Schmetterling, den ich dieses Jahr sahe. Der Schmetterling Euphroftne war. unter den seltenern. Die andern Amerikanischen Insekte, welche ich diesen und die folgende Tage beschrieb, will ich bey einer andern Gelegenheit anführen. In der Folge w,ll ich nur derfeniqen gedenken, welcke wegen einer besondern Eigenschaft merkwürdig zu seyn scheinen. Die Heustapellt wurden zwar Hieselbst metHen-theils auf eben dee Wcise, wie in Schweden, nehmlich in Gestalt eineS dicken und kurzen Kegels, ohne einige Decke darüber, gemacht. Wenn sie etwas Heu von da abholen wollten, so schnitten sie es gemeiniglich, mit «inem b«sonders dazu verfertigten Messer, los. Dennoch hatten viele, insonderheit um Philadelphia herum, die Gewohnheit, das Heu in solche Scheunen zu legen, die ich schon oben in meiner Relsegczchichle beschrieben und abgebildet habe**, und deren Dächer erhöhet und herabgelassen werden können, nachdem mm» mehr oder weniger Hen >* In dem ersten Theil, auf der nsim Slite^ Neu - Jersey. Bacooni 75 Heu hat. Nahe an der Erde lagen Stangen, worauf das Heu hingeworfen wurde, damit die iuft frey durchspielen konnte. Ich habe vorhero angeführt, daß man hier gemeiniglich weder Winter noch Sommer besondere Gebäude für das Vieh hat, sondern daß es allezeit unter freyem Himmel gehen muß. Dem ohngeachtet habe ich doch in Philadelphia und an wenigen andern Orten gesehen, daß diejenigen, welche sich dieser, mit Dachern ver, sehenen Stapeln, bedienten, dieselben dergestalt einge« richtet hatten, daß das Heu eine oder mehrere Klaftern von der Erde, auf einen Boden von Brettern geleget wurde, und daß die Kühe des Winters, und wenn es schlecht Wetter war, darunter stehen konnten. Unter diesem bretternen Boden waren von allen Seiten Wände von Brettern, die doch von einander so sehr abstunden, daß die iuft frey durchziehen konnte. Vom sieben und zwanzigsten. Des Morgens recsete ich weg, um mit dem vorher genannten schwebi« fchen Manne, Nils Göstafsftn, von ein und neunzig Jahren, zu reden. Ich wolle mich wegen des ehemahligen Zustandes des neuen Schwedens bey ihm erkundis gen. Das iand, wodurch ich mich jetzt begab, hatte eben die Beschaffenheit, wie die andern Oerter in Amerika, die ich durchreiset war. Es war nehmlich eine bestandige Abwechselung von langabhangigen Höhen und Tha,^ lern. Jene bestunden aus einer sehr blassen ziegelfarbe-nen Erde, meist von feinem Sande; doch war etwas Stauberde* mit darunter vermischt. Ich wprde hier " ^'keinU s^ ?6 1749, im Merzen. keiner Verge oder Steine gewahr, einige ganz kleine auf den Anhöhen ausgenommcn, welche von der Grösse eines Tauben, oder Hünereyes waren, und gemeiniglich aus einem wcijsen Quarz bestunden, der mehrentheils äusserlich glatt und von allen Seiten abgeschliffen war. Zu un» terst an verschiedenen Thalern stoß bisweilen ein Bach von klarem Wasser, woselbst es auf dem Boden vol! von solchen kleinen weisscn Steinen, die ich oben beschrieben, lag. Hier und da in den Thalern sahe man auch eiyen kleinen Sumpf oder Morast. Ab und zu erblickte man, ob gleich ziemlich weit von einander, einige Höfe, die öfters fast von allen Seiten mit Aeckern umgeben waren. Es stunden noch fast auf allen Aeckern Stümpfe von umgehauenen Vaumen nach, zu einem Zeichen, daß das iand hier nicht lange bebaut, sondern noch vor 40 oder 50 Jahren zurück mit Waldung bewachsen gewesen ^ ist. Die Höfe lagen nicht in Dorfschaften, oder so, daß mehrere an einem Orte beysammen gewesen wären, son, dern sie waren alle von einander abgesondert. Ein /edee iandmann wohnte besonders für sich, und hatte seinen eigenen Boden rings um seinen Hof herum, der von dem Eigenthum des andern getrennet und abgeschieden war. Zwischen diesen, ziemlich weit von einander abstehenden, Hsfcn, war der'größte Theil des tandes mit Waldung bewachsen, welche aus hohen laubtragenden Vaumen be-^stund. Die Bäume ließen doch einen weiten Raum zwlsthen sich, daß man mit Bequemlichkeit, in dem Waldc, wohin man wolle, reiten, und an den meisten Oertern mit einer Karre fahren, konnte; dabcy war der Voden ganz eben. ^Hin und wieder sahe. man umgestürzte Baume Neu-Jersey.' Bacoon. ?? Baume liegen, welche der Wind zu Boden geworfen hatte. Einige waren mit dem Stamme und der Wurzel aysgeriffen; bey andern hatte der Wind den Stamm quer abgebrochen. Verschiedentlich war das Gehölze groß und hoch; an andern Orten aber fand man lange Strecken von lauter kleinen Bäumen, die blos 20, zc, oder 40 Jahre alt waren. Diese Strecken sollen dis gewesen seyn, wo die Indianer ehedem ihre kleinen Pflanzungen gehabt haben. AtNioch sahe man keine Merk« mahle eines ausgeschlagenen iaubes, noch fand ich in den Waldern eine Vlume: denn der kalte Wind, der nun einige Tage nach der Reihe gewehet hatte, hinderte dies alles. Das Gehölze bestund gröstenteils aus verschiedenen Arten Eichen und Hickcry. Die Sümpfe 'waren ^nit dem rothblünngen Ahornbaum angefüllt, der nun überall blühete, so daß diese Plätze von weiten ganz roth aussahen. Dieser alte Schwede schien noch ziemlich frisch und munter zu seyn; er konnte, obgleich mit dem Stocke, herumgehen; klagte aber doch, daß er in den letztern Iahttn einige Schmerzen im Rücken und in den Gliedern empfunden hatte, und daß er im»Winter selten seine Füsse, wofern er nicht bey dem Feuer sasse, warm halten konnte. Er sagte, daß er sich sehr wohl aus den Zustand dieses tandes, als es noch in dem Besitze der Hollander gewesen, und in welchen Umstanden es sich vor der Ankunft der Englander befunden, besinnen könnte. Und fügte hinzu, daß er viel Bauholz und Balken nach Philadelphia, bey ihrer Erbauug hingeführt hätte. Er erinnerte sich auch noch ganz gut, wie 58 l?4y/ im Merzen. wie an beul Orte, wo Philadelphia nun steht, nichts als eine grosse Waldung gewesen sey. Der Vater des Greises war einer von den Schweden, die man zuv Vc-Wohnung und Anbauung des iandes hieher geschickt halte. Auf die Fragen, die ich ihm vorlegte, gab er mir hie Antwort/, die ich hier beyfüge. woher die erstett Sckweden, die Hieher kamen, ihr Vieh erhielten? Der Greiß antwortete, er hätte in seiner Kindheit von seinem Vater und andern vernommen, daß die Schweden allerhand Arten von Vieh, als Pferde, Ochsen, Kühe, Schafe, Schweine, Hüner, Gänse, Enten, mit sich hinüber gebracht hätten. Deren sind zwar anfänglich von jedweder Art nur wenige gewesen: sie haben sich aber nach, gehends hier im lande sehr vermehret. Er sagte, daß beydes Maryland, New-Pork, New »England und Virginien, noch eher als dieser Ort, von den Europäern bewohnt gewesen wäre; er wußte aber nicht, ob die Schweden jemahls Vieh von irgend einer Art, von den nun eben genannten Orten, ausgenommen etwas weniges von New-Pork erhalten, oder sich verschaffet hatten. In seine» Kindheit hatten die Schweden, so weit er zurück denken konnte, schon eine ziemliche Menge von allen diesen Arten. Die Schweine hatten sich da, zumahl so vermehrt, indem hier em so großer Ueberfiuß an Nahrung für sie vorhanden war, daß sie wild in den Waldern herum liefen, und daß man einige, wenn man sie nutzen wollte, erschießen muste. Er erinnerte sich gleichfalls, daß die Pferde an einigen Orten in dem Ge« holze wild herumgelaufen. Doch konnte er nicht angeben, Neu-Iersey. Bacoon. 79 ben, ob sonst eine Art Vieh verwildert- ware. Er meinte, daß das Vieh durchgehende hicr im iande, jetzt fast eben so groß, wie in seiner Kindheit, würde, wofern es nur Futter genug bekäme. Denn in seinen ersten Jahren war die Nahrung, für alle Arten von Vieh, so, zureichend und überfiüßig, daß es immer derbe feist einher gieng. Eine Kühe gab dazumahl mehr Milch als drey oder viere heut zu Tage geben: sie bekam aber alsdann mehr und bessere Nahrung, als drey oder viere jetzt erhalten. Denn jetzt (wie seine Worte lauteten) ist es klaglich anzusehen, wie wenig Gras und Futter das Vieh des Sommers erhalt. Die Ursachen davon habe ich schon oben * angezeiget. Woher die Engländer in penftlvanien und Neu^Ierse'j'ihr Vieh bekamen? Sie kauften das mehreste davon von den hier vorhero wohnhaften Schweden und Holländern; doch wurde etwas weniges von England herüber geführct. Die Gestalt des Viehes in diesem iande und die einstimmige Erzählung der Eng« lander bestätigten, was der Greis berichtet hatte. Von welchem Orte die Schweden hiesilbst zuerst ihre Getraidearten, wie auch ihre Baums früchte und Rüchenbrämer erhielten? Der Greiß gab zur Antwort, er hätte Mehr als einmahl in seiner Kindheit vernommen, daß die Schweden bey ihrer Ankunft allerhand Getraidearten, Wie auch Vaum-und Gartenfrüchte, oder auch Samen davon, mit sich gebracht hatten; und hielte er dies auch für eine ausgemachte ' I« dem 2ttn Theile, auf der 484sien Seite- 8o 1749, iw Merzen. machte Wahrheit. Denn so weit er zurück denken konnte/ waren sie hicselbsi mit cincr Menge von Weiyen, R.05 ckett, (Versen und Haber versehen. Die Schweden braueten dazumahl alle lhr B'cr aus Gerstcnmalz, und richteten sich auch ein gutes Doppclbier zu. Sie hatten auch schon damahls Vranntwemkpfanncn, und brannten einen guten Branntwein. Es besassen zwar nicht alle eine Pfanne: wenn sie aber brennen wollten, so liehe sie der eine von dem andern. Den Mays mu-sien sie anfänglich, beydcs zum Säen und zum Ejsen, von den Wilden kaufen. Da sie sich aber eine Zeit hier aufgehalten hatten, brachten sie es mit ihren MayS-pflanzunqen so weit, daß die Wilden hinwiederum einige Irrt hernach, zu ihnen hinkommen musten, den Mays zu erhandeln. Der Greis versicherte auch, haß die Wilden in vorigen Zeilen, und bey der ersten Ankunft der Schweden, fleißiger und arbeitsamer, allerhand Sachen zu verfertigen, als /etzt, wären. In seiner Kindheit hatten die Schweden eine Menge, und sehr guten weiskohl. Eben so war an HAnterPohl, der den ganzen Wmter aussen stund, kein Mangel. Mit Rüden waren sie auch sehr gut versehen. DeS Winters verwahrte ma/, sie in Gruben unter der Erde. Dem Greise gesiel aber diese Art nicht. Denn wenn sie in den Gruben etwas zu laHe im Winter gelegen waren, wurden sie schwammig. Diejenige Art hingegen zog er vor, der man sich nun, sie zu verwahren, bedient. Sie besteht darin. Nachdem die Rüben im Herbst aufgenommen, und der iuft etwas, blos gestellet worden; legt man sie in einen Haufen auf daS Rübenfeld, bedeckt sie oben und zu den Seiten sehr wohl wit Stroh, und Neu-Jersey. Bacoon. 8l und streut alsdann Erde darauf. Hierdurch kommen sie hier zu iande sehr gut fort, und werden nicht schwammig. Den Indianern haben die Rüben sehr gut geschmeckt, und sie sind von ihnen teils Hopnis, teils Katnis genannt worden. Von dem wurzelkohl, oder Rohlwurzeln wußten sie diese Zeit nichts, noch hatte der Greis jemahls von einem solchen Kohl reden geHort. Es ist zu merken, daß noch heut zu Tage sowol den Englander, Schweden, als andern, welche hier im iande wohnen, der Wurzelkohl, oder die Kohlwurzcln, unbekannt sind, und daß sie noch weniger wijsen, wie er zu brauchen sey, und wie er schmecke. Die tNöhren brauchte man in seiner Kind« heit. Unter den Fruchtbäumen halte man dazumahl Apfelbäume. Es waren aber deren nicht viele; son» dern es besaß blos einer und der andere einen kleinen Garten davon; einige aber hatten auch gar keine. Von den Schweden war keiner, der den Eider zu« gerichtet hatte, sondern er ist erst viele Jahre hernach in Gebrauch gekommen. Die Schweden braueten vor» her ihr gutes Doppelbier und Schwachbier, und war dies ihr Getränke. An/etzo giebt es hier sehr wenige die Doppelbier oder Schwachbier brauen, son« dern sie bedienen sich gemeiniglich des Ciders. An Rirschbäumm hatte man in seiner Kindheit eine Menge. Die pfirsihenbäume waren dazumahl fast zahlreicher als jetzt, und man machte sogar ein Vier aus der Frucht. Er konnte mir nicht anzeigen, woher die Schweden zuerst die Pfirschenbäume erhaltey haben. Reisitt«. Theil. K Die 82 1749/ im Merzen. Die wilden waren überall in diesem iande in der Kindheit des Greises ausgebreitet. Sie wohne, ten dazumahls unter den Schweden, und sonst allent, halben. Der Alte führte mehrere Beispiele von Schweden an, die dazumahls von den Wilden erschlagen worden, und zween seiner iandsleute nannte er, an denen die Wilden die Haut des Hauptes abgezogen hatten. Sie raubten zu der Zeit einige Kinder von den Schweden, die sie mit slch wegführten, und von denen man hernach nichts weiter vernommen hat. Einmahl kamen sie, und erschlugen einige Schweden, von denen sie den obern Theil der Hirnschadel mit sich nahmen. Vey eben der Gelegenheit streiften sie die Haut am Haupte, die mit Haaren versehen war, an * Trifolium melUoras cerulea. *♦ Acari pallidi, ouali - rotundi. •** cicindela capite, thorace, pedibus auro-viridique riy tentibus; abdomine inferne caeruleo vixidi nit^nte. •j- Cicindela campestris. •ff Cimex lacustris Linn. tft Dytiscus piceus Linn. 96 !749, im Aprill. mit Wasser. Es hat aber seit dcm eine so grosse Veränderung gelitten, daß sehr wenige Oerter seyn werden, an welchen eine ahnliche in so kurzer Zeit, geschehen ist. Denn nun waren die Walder an den meisten Stellen abgehauen, das Wasser in den Morästen durch Graben abgelassen, das iand gebauet, und entweder zu Aeckern, Wiesen, Weideplätzen, oder ftnst zu etwas, angewendet. Man scheint dahero Grund zu haben, wenn man glaubt, daß eine so greße und schleunige Veränderung ebenfalls einigen Einfluß auf die Witterung gehabt hat. Ich war dahero sehr begierig, von den alten Schweden, die am längsten hier im iande gelebet, und sich wahrend diesem Zeiträume der Verwandelmig an diesem Orte ausgehalten hatten, wie auch von andern, zu vernehmen, ob sie die jetzige Witterung in einigen Stücken merklich, oder ganz deutlich von der/enigen, die sie in ihrer Kindheit verspüret, verschieden fände? Die einstimmige Antwort, die mir hierauf gegeben wurde, ist die folgende. Der Winter kam ehedem zeitiger, als jetzt. Der Herr Isaac ^Tlorris, ein reicher Handelsmann, und zugleich einer von den vornehmsten der Regierung in Pensylvanien, bestätigte dies durch einen besondern Fall. Sem Vater, der einer von den allerersten ^ngländischen Kausteuten hier im iande war, hat nehmlich allezeit in seinen /üngern Jahren bemerke, daß der Fluß Dellaware gemeiniglich in der Mitte des Novembers, nach der alten Zeitrechnung, mit Eis ltleget worden, so daß die Kaufieule haben eilen müssen, Neu-Jersey. Bacoon. 97 müssen, vor dieser Zeit ihre Schiffe mit der Fluth hinunter zu bringen, weil sie sonst Gefahr liefen, den ganzen Winter liegen zu bleiben. Hingegen pfiegt zu gleicher Zeit dieser Fluß selten eher, als in der Mitte des Decembers, wenn man ebenfalls der alten Zeitrechnung folget, zuzufrieren. Im Winter schneiete es dazumahls weit mehr, als jetzt. Er war auch zu der Zeit nicht so unbeständig , als anjetzo; sondern, nachdem sich die Kalte oder der Winter eingefunden hatte, so hielt er bis zu Ende des Februars oder in den März hinein, nach den allen Stiel zu rechnen, in eins fort, an; und darauf fieng es gemeiniglich an, warm zu werden. Nun aber wechselt es, eben wenn eine scharfe Kalte eingefalle« ist, den andern Taq um, und wird warm. Ja die Witterung kann bisweilen sich an einem Tage einige-mahl ändern. Es waren fast alle alte teute der Meinung, daß der Frühling zu jetziger Zeit weit später als vorhero einträfe, und daß es vor diesem in der letzten Hälfte des Februars, und in dem ganzen May, bey weitem nicht so kalt, als heut zu Tage, gewesen wäre. In dem letztern Teil des Februars war es dazumahls über, all so grün und so warm, als jetzt im März, oder zu Anfang des Aprils; nach der alten Zeitrechnung zu zählen. Die Schweden bedienten sich damahls des Ausdrucks: past birtida, päsk sint, akid Gras. * Sie verstunden das auf die Weise, daß, ft * Ostern früh, Ostern spät / allzeit Gras. Reift« 11. lheil. G 93 i?49/ im April!. so früh auch die Oster kamen, ware doch das Gras so hochgewachsen, daß sie nicht mehr nöthig hatten, dem Vieh etwas zu Hause zu reichen, sondern es könnte sich schon auf dem freyen Felde ernähren. Vielleicht aber laßt sich das auf folgende Weise erklären. In den vorigen Zeiten fand sich hier weit weniger Vieh, als jetzt; und hingegen waren die Wälder voll an Grasern und Krautern, die nach dem einstimmigen Zeugniß der Alten, fast eine halbe Mannshöhe hoch stunden. Nun ist ein grosser Teil von den Grasartcn und Krautern, die nur ein Jahr dauren, durch das jährliche Weiden eines so zahlreichen Viehes, ganzlich ausgerottet worden. Diese haben zu Anfang des Frühlings grün seyn, und bey den ieuten den Wahn erwecken können, als wäre alles ehedem zeitiger als jetzt, hervor gewesen. * Des Sommers regnete es damahls gemeiniglich starker, als jetzt. Und mehrenteils siel in der Erndlezeit ein so häufiger Regen, daß es viele Mühe kostete, die Sasst und das Heu einzubringen. Jetzt war in einigen Jahren nach einander der Sommer sehr trocken gewesen. Einigen wenigen ieuten kam es doch vor, daß es nun fast eben so häufig, als vordem, regnete. Es stimmeten aber alle damit überein, daß die Witterung in ihrer Jugend bey weitem niche so abwechselnd und unbeständig, als es nun beynahe das ganze Jahr durch ist, gewesen wäre. Denn nun kann es sich oft zu jedweder Zeit im Iikhre zutragen, daß, wenn der eine Tag sehr warm ist, der folgende gleich darauf ziemlich ' Man vergleiche hiemit hie 4?4ste Seite, des Aen Teilk Neu, Jersey. Bacoon. 99 ziemlich kalt wird, oder auch umgekehrt. Ja mehr als oft geschieht es, daß die Witterung zu mehrern mahlen an einem Tage sich verändert, so daß, wenn es des Morgens ziemlich warm ist, noch eben den Tag um la Uhr des Vormittags der Wind N. W. wehet, und es ganz kalt wird; ein wenig nach Mittag aber kann wiederum ein warmes Wetter erfolgen. Daß nun aber solche schleunige Veränderungen in der Witterung an ei, nem Tage vorfallen, können meine meteorologischen Beob« achtungen zur Gnüge bestärken. Man schreibt diesen plötzlichen Abwechselungen viele Schuld zu, daß die leute hier überhaupt nun nicht so gesuud, als in den vorigen Zeiten, sind. Ich fand auch alle darin einstimmig, daß der Winter, der im Jahr 1697 im Herbste einfiel, und bis auf den Frühling des Jahres 1698 dauerte, der aller-kälteste und strengste, den sie erlebet haben, gewesen sey. Vom sichsten. Die Sangumaria, die hier Blodsrötter^ genannt wird, weil die Wurzel groß und roth ist, und zerschnitten wie eine rothe Vetwurzel ausstehet, und die Apigaa, welche einige die kriechende Ground - laurel nennen, halten nun zu blühen angefangen. Die erstere wuchs in einer auserlesenen Gartenerde, und die letztere an magern Oertern. Der Sommer s Lorbeerbaum, ** der von eini« gen den Namen Spice, wood erhielt, sieng auch zu jetziger Zeit zu blühen an. Das iaub war noch nicht G 2 hervor * Blutwurz. icx) 1749/ im Aprill. hervor gekommen. Cr siund gern auf feuchten Orten in den Wäldern. Vom neunten. XVilst Hampa * wurde von den Schweden eine Pflanze genannt, die sehr häufig in alten Aeckern, abhangigen Waldern, und erhabenen Waldwicstn wuchs. Ihr Name rührt daher, weil die Wilden sowol ehedem als jetzt, sie fast zu eben den Absichten, wozu wir uns des Hanfes bedienen, gebrauchen. Denn der Stengel last sich in Faden ziehen und leicht u« bereiten. In vorigen Zeiten, als die Wilden hier in Pensylvanien und Neu , Ierscn waren, machten sie Stricke davon, welche die Schweden kauften, um sie unter andern zu Zaumzügeln und Netzen zu gebrauchen. Diese Stricke waren starker, und hielten im Waffer langer, als diejenigen, welche aus dem gewöhnlichen Hanfe gemacht worden waren. Sie erhielten dazumahls gemeiniglich 5 Klafter solcher Stricke, für einen Kuchen Brot, von den Wilden. Verschiedene von den Europaern kaufen noch diesen Tag dergleichen Stricke von ih, nen, ihrer Dauerhaftigkeit halben. Die Wilden ver, fertigten ehedem und auch anjetzo noch andere Arbeiten davon, als grössere und kleinere Sacke, Beutel, Kamm-futter, Decken u. d. g. Auf meinen Reisen, durch das tand der Iroquois, sahe ich, daß die wilden Frauens, leute diesen Hanf fleißig fpanen und verarbeiten. Sie brauchten keine Spinnrscke darzu, sondern sie dreheten auf den blossen ienden Zwirn und Schnüre daraus, welche « Hanf der Wilden. Von den Kräuterkennern wird die Pstan. ze durch ^l>oc7numc2nn2buium.bezeichntt. Man sehe^,»ss. Neu «Jersey. Bacoön. iol Welche sie roth, gelb oder schwarz u. s. w. färbten, und davon verfertigten sie hernach ihre Arbeiten künstlich genug. Das Kraut wachst von Jahr zu Jahr aus einerley Wurzel hervor, und daher ist es nicht nöthig, daß man es jährlich aufs neue aussäet. Aus der Wurzel und dem Stengel des frischen Krauts, stießt ein weisser lwlchartiger Saft, der halbgiftig ist, aus. Das Fi-scherzeug der Wilden besteht bisweilen ganz und gar daraus. Die Europäer aber selbst nutzen es, so viel ich habe sinden können, jetzt weiter zu nichts. Flax, wie auch Cät« tail nannte man hier eine Grasart, welche neben und in dem Wasser der Meerbu« sen, Flüsse, wie auch in grossen tiefen Wafferstrudeln, wuchs. Hier pstegt man die Blätter davon zusammen zu weben oder zu stechten , grosse längliche Kränze oder Ringe daraus zu machen, und sie an den Hals des Pfers des zwischen den Bögen und dem Haarboden der Mähne* zu hängen, um zu verhindern, daß der Hals des Pferdes bey dem Ziehen von den Bögen nicht beschädigt wer, de. Der Boden oder Sitz bey den Stühlen, die eine Rückenlehne hatten, war an vielen Orten ganz und gar aus diesen Blattern zusammen geflochten. In vorigen Zeiten wandten die Schweden die Wolle, die um die Samen herum befindlich ist, anstatt der Federn in den Betten, an. Da sie aber in Zotten zusammen^el, und sich sehr wülstete, wenn man die Betten einige Zeit ges braucht harte: so hat man sie jetzt abgeschaft. Ich über« gehe den besondern Nutzen dieses Grases in der Arznei» kunst, und überlasse ihn den Aerzten. ** G 3 L.ands * Lokorne och Hästmanken. " Dieses Gewächs ist dielypka ktiloUa Q>». F/o?. 5vw. 83». IO2 1749, im Aprill. H^andlöck heiße eine Art iauch bey den Schweden, Welche nun fast auf allen mit Sand vermischten Acckern wachst, und sehr viel Aehnlichkeit mit demjenigen hatte, der bey uns in Schweden auf waldigten Anhöhen zeitig hervorzukommen pflegt. Die Englander nannten ihn Garlick. Auf einigen Aeckern wuchs er in sehr ssrosser Menge. Wenn die Kühe auf diesen Aeckern weideten, und den iauch frassen, nahm beides ihre Milch und die dapon gemachte Butter, einen so starken Geschmack dar« nach an, daß sie kaum zu genießen war. Bisweilen verkaufte man in Philadelphia auf den Märkten, welche Mittwochs und Sonnabends gehalten werden, Butter, welche so stark nach diesem iauche schmeckte, daß mal, sie gar nicht gebrauchen konnte. Man verstattet nicht den Kühen, sondern blos andere Arten von Vieh, an den Orten zu weiden, wo er in Menge wachst. Wenn das Vieh viel davon des Sommers gefressen hat, und her, nach im Herbste geschlachtet wird, schmeckt das Fleisch gleichfalls so stark nach iauch, daß es nicht gegessen wer, den kann. Dieser iauch last sich zeitig im Frühling sehen. Die Pferde giengen ihn immer vorbey, ohne ihn zu essen. * Es würde gar zu vielen Platz wegnehmen, und das WeW zu weitlauftig machen, wenn ich aus meinem Tagbuche hiereinrücken wollte, zu welcher Zeit ein jed, woes von den hier im iande wildwachsenden Krautern zuerst in Blüthe gekommen, in seiner Schönheit gestanden , reife Saamen erhalten, was es für ein Erdreich beson- * Es ist das ^Il'lum »ruenle, oöor« ßraui, ca^imliz bulbo, e»./Vor. l^F. Z?» Neu-Jersey. Bacoon.' loz besonders erforderte, anderer Umstände zu geschweige«. Die meisten teser dürften auch an einer solchen von ihnen so genannten botanischen Neugierigkeit, wenig Gefallen finden. Ich will dahero alles dieses auf ein anderes Werk, welches besonders von den Gewachsen des nordlichen Amerika handeln wird, »ersparen, und hier blos derjenigen Krauter und Bäume gedenken, welche, einer besondern Eigenschaft wegen / bekannt gemacht zu werden verdienen. Vom zwölften. Des Morgens reisete ich hin« auf nach Philadelphia und den Oertern daherum, um zu erfahren, ob Hieselbst mehrere Krauter hervorgekommen oder zu finden wären, als unten in Racoon und Neu. Jersey. Die nasse Witterung, welche nun einige Tage vorher gewähret, hatte ziemlich die Wege an niedrigliegenden und thonigen Oertern verdorben. Das L.aub/ daß in dem verwichenen Herbste abgefallen war, hatte die Erde zur Dicke einer Querhand bedeckt. Da nun dieses den Graswachs zu hindern schien, so hatte man gröstenlheils die Gewohnheit, dasselbe, im Merzen, oder zu Ende dieses Monats, nach dem alten Stil, anzuzünden und zu verbrennen, damit das GraS desto freyer wachsen könnte. Ich fand heute an vielen Stellen die Erde auf diese Weise abgebrannt. Wen« aber dies eines Theils nützlich ist, so schadet es aus vielfaltig andere Art. Alle junge Sprosse von verschiedenen Bäumen, werden zugleich verbrannt. Dadurch vermindert sich der Wald. Und an solchen Stellen, wo man dieses Brennen in eimgen Jahren ausgeübet hatte, stunden auch wirklich blos alte Baume noch, welche, G 4 wenn !c>4 i?49, im Aprill. Venn fie abgehauen werden, nur ein nackendes und von Waldung entblsstes Feld zurück lassen. Zugleich werden allerhand Baume und Krauter verzehret, oder wenig, siens verlieren sie durch das Feuer ihre keimende Kraft. Ein grosser Theil Pflanzen und die meisten Grasarten dauern hier nur ein Jahr über. Die Saamen von diesen liegen zwischen dem iaub, und müssen folglich, wenn das laüb verbrennt, zugleich mit verzehrt werden. Hier haben wir eine neue Ursach von der vorhero * erwähnten allgemeinen Klage, daß nun weit weniger Gras und Kräuter in den Wäldern, als in vorigen Zeiten, zu sin, den ist. Eine Menge dürrer oder holer Baume, brennt bisweilen zugleich auf, welche sonst anstatt des Holzes, und zur Ersparung der Walder, Hatten dienen können. Die Nahrungserde nimmt auch dadurch ab, anderer Nachtheile, die daraus entstehen, jetzt nicht zu gedenken. Um dies zu verhindern, hatte die Regierung an diesem Orte kürzlich ein Gesetz ausgegeben, wodurch ein solches Brennen gänzlich verboten wird. Dem ohnqeachtet folgte ein jedweder seinem Gutdünken, und alle tadelten dies Verbot. In den Wäldern fand man nun eine Menge von Waldlaujen. Sie sind ein sehr ärgerliches Geschmeiß. So bald man sich da auf einen Stumpf eines Baumes, bder einen abgehauenen Stamm, oder auf die blosse Erde niederließ, kam der ganze Schwärm auf die Kleider, und schlich so unvermerkt nach dem blossen Körper hin. Ich habe ihre schlimme Eigenschaften, und andere Umstände, ' Man sehe d«n 2ten Theil auf derbsten, und denkten auf der 98stm Seite- Neu-Iersey. Bacoon. 105 Umstände, in den Abhandlungen der Ksniql. Schwedischen Akademie der Wissenschaften * umständlich angeführt, woselbst man dasjenige finden dürfte, was die Wißbegierde in diesem Stücke befriedigen kann. Man gab mir heute ein Stück versteinertes Hol)/ das man in Racoon, tief in der Erde, gefunden hatte. In diesem Holze sahe man so wol die Fasern, als die innern Ringe, ganz deutlich. Es schien ein Siück vom Hikery gewesen zu seyn. Denn es war demselben in allem so ähnlich, als wäre es kurz vorher vom Stamme abgehauen worden. Ich erhielt auch heute MusckelsHaalett, von der Art, welche die Engländer Clam nennen, und wovon die Wilden ihr Geld und ihre Zierrathen machen (wovon ich in der Folge ein mehrers sagen will) zum Geschenk. Diese waren nicht neu, sondern solche, die man fast über ganz Neu Jersey tief in der Erde, wenn man Brunnen gräbt, findet. Die lebendigen findet man nun blos iu salzem Wasser an dem Meer: Diese aber hatten sie in Racoon 8 oder 9 englische Meilen vom Fluß Dellawara, und fast ioo Meile vom Meer, gefunden. Des Abends reisete ich zum Herrn Bartram. Vom dreizehnten. Ich wandte den Tag zu verschiedenen Beobachtungen, welche die Krauterkunde betreffen, an. G 5 ES * Man sehe das Jahr 1754, auf der i9ten Stitt. 106 1749, im Aprill. ' Es hiengen zwey Wespennester in einem hohen Ahornbaum, über dem Wasser. Sie waren völlig so wie unsere gewöhnlichen gebauet; nur daß sie grösser waren. Ein jedes Nest betrug eine halbe Elle im Durch, schnitt. In einem jedweden lagen 3 Kuchen, über einander, unter denen der unterste am grösten war, die «brigen aber nach der Ordnung an der Grösse abnahmen. Es befanden sich auch einige Eyer darinn. Der Durchschnitt des untersten Kuchens machte ^ Zoll, und der von dem obersten 4^ Zoll aus. Die Fächer, worinn die Eyer, oder die Jungen gelegen, waren sechseckig, und die Farbe des Wespennestes grau. Man sagte, daß sie diese Nester aus den grauen Flocken, die an alten Zäunen und Wanden hangen, verfertigten. Eine dunkel, braune Viene mit schwarzen Fühlhörnern, einem mit zwey schwarzen Ringen bezeichneten Unterleibe, und vio, letten Flügeln, * fiog hier zwischen den Bäumen herum, und dürfte ein Bewohner von diesen Nestern seyn. Eine andere Art Wespen, die grösser als diese sind, bauen ihre Nester ganz offen. Es bestehet blos aus ei« nem Kuchen, der keine Bedeckung um sich herum hat, und auf den Zweigen der Baume angelegt wird. Die Fächer sind Horizontal, und wenn das Ey oder die Jungen darin liegen, so hat das Fach eine Decke über sich, damit der Regen nicht hineintreiben kann. Wo aber die Mütter des Sommers bey Ungewittern seyn mögen, weiß «ch nicht, wofern sie sich nicht in den Vergritzen aufhalten. Der Theil des Kuchens, der nach oben gekehrt wird. * Apisfusca, antennis nigris, abctomine annulis duobus nigris, »Us violaceis. Neu-Jersey. Bacoon. 107 Wird, ist mit etwas Fett überzogen, so daß der Regen nicht durchdringen kann. Die Fächer sind durchqehends sechseckig, 5, 6 oder 7 geometrische iinien tief, und ihr Durchschnitt halt 2 solcher iinien. Der Herr Bartram bemerkte, daß dicse Nester aus 2 Dingen bestehen, nehm« lich aus den Flocken, die man auf alten Zäunen findet, und welche durch den Wind abgesondert worden sind; denn man sieht sehr oft die Wespen daselbst sitzen und sie abnagen. Die Seiten aber und der Deckel M Fächer rühren aus dem Thierreiche oder von einem Schleim her, den die Wespen von sich gegeben, oder den sie mit ihrem Munde aus einer Materie, die ihr abgegangen, zube« reitet hat. Denn, wenn die Materie, woraus die Seiten und der Deckel der iöcher bestehen, mit einer Kohle gebrannt wird, so faßt sie kein Feuer, sondern sie wird nur gesengt und kräuselt sich ab, und giebt einen Geruch von sich, als wenn Haare oder Horn gebrannt werden. ^Wenn aber mit diesem Kohlfeuer der Boden angezündet wird, so brennt er, als wenn man ieinwand oder einen trockenen halb verfaulten Stamm ansteckt, und giebt einen Geruch von verbranntem Holze von sich. Die Wespen, deren Nester in diesen offenen Kuchen sind, haben drey erhabene glänzende schwarze Puncte vor der Stirne, und an dem Rumpfe einen schwarzen fünfeckigen Flecken. * Diese Wespen kriechen spät in den Herbst in tiefe Vergklüfte ein, wo sie den Winter über ohne Empsindung liegen. Im Frühling aber, wenn warme Tage einfallen, kriechen sie aus, und * Apis punstis tribus eleuatis nigris nitidis fironüs, macuh . thoracis nigia, quinquangularis. n8 1749, im Aprill. und bleiben den Tag über aussen. Wenn die Nachte aber kalt werden, kriechen sie wieder zurück. Ich wurde zeitig im Frühling, bey Sonnenschein, dieser Thiergen in den Vergklüften, und rings um sie herum, gewahr. Man sagte, daß eine andere Art Wespen ihre Nester in der Erde anlegt. Der Wasserkafer mit dem Zunamen, des Schwimmers, * lief in Menge auf dem Wasser. T^M vierzehnten. Des Morgens reisete ich hin, unter nach Ehester. Es waren an verschiedesen Oertern Sägemühlen errichtet, woselbst man Bretter von allerhand Arten Eichen und anderen Bäumen zersägte. Ich kam heute bey zweyen solchen vorbey: keine von ihnen aber hatte mehr als ein Blatt. Ich fand auch hier, daß man mit dem Gehslze sehr unrathsam verfahren war. An sehr vielen Stellen hier im iande war die GewoÜubeit angenommen, daß, wenn jemand eine MehlmMe, Sagemühle oder Eisenfabrik anlegen wollte, und der Ort bey dem Falle, zur Errichtung des Gebäudes selbst, nicht bequem genug war, alsdann das Wasser noch ein langes Stück weiter hinunter geleitet wurde. Dies geschahe aber nicht mit Rinnen von Brettern, sondern sie hatten an der einen Seite des Flusses eine lange Bank von Erde aufgeworfen, oder zur Seite der Anhöhe einen kleinen Bach gegraben, der bisweilen sehr krumm lief. Und in diesen grossen Graben oder Bach wurde das Wasser fast hori-zontal geleitet, bis sie auf eine solche Stelle kamen, welche zur * v/nlcu5 natHtor. Neu-Jersey.' Bacoon. 109 zur Aufführung des Gebäudes dienlich schien. Wenn sie an der Seite der Anhöhe, der Steine und anderer Hindernisse wegen, nicht graben konnten: warfen sie in einiger Entfernung von der Seiten Erde auf, und machten wie eine Erdbank, zwischen der und der Anhöhe nachher das Wasser zu fiieffen kam. Der Damm selbst war bey dem Anfange dieser mit Kunst gemachten Rinne, mit Oefnungen versehen, wodurch das Wasser abgelassen werden konnte, wenn davon zu viel war. Vom sechzehnten. Des Morgens reisete ich nach Racoon. Man hatte hier zu iande viererley Arten Scbwal« den, nehmlich solche, die sich in den Scheunen, in den Schornsteinen, und in der Erde aufhalten, und dann noch eine Art, welche die Englander Martins heissen. Die ScheunenschrvalbeN/ oder wie einige von den Schweden sie nannten, die Hausschwalben, * sind die/enigen, welche die beiden langen Schwanzfedern, die Wie eine Scheere gestaltet sind, haben. Diese sindet man über das ganze nördliche Amerika, wo ich gereiset bin. Ob sie gleich der Farbe nach fast in allen Stöcken mit unsern Europäischen übereinstimmen, so scheint doch ein kleiner Unterscheid in dem Gesänge zu seyn. In diesem Jahr gab ich nicht Achtung, wenn sie zuerst sich zeigeten. Aber im folgenden Jahr 1750, ward ich sie zum ersten mahl im Frühling den zehnten des Aprils, nach dem neuen Stil, gewahr; den darauf folgenden eilflen sahe ich " Laou-Swalor, HausiSwalor, tlilmiäa rulkca. Maus/ schwalben. IIO 1749, im Aprill. ich eine Menge des Morgens auf Pfählen und Planken ßtzen, und waren sie noch ganz naß, als wenn sie aus der See gekommen wären. Diese bauen ihre Nester beides in den Häusern uyd unter den Dächern auf der äusser« Seiee, unter den Dachschwellen. Ich bemerkte aber auch, daß verschiedene von ihnen ihre Nester an dem untern Theile ven solchen Bergen und Klippen er, bauet hatten, welche nicht senkrecht waren, sondern deren oberer Theil sich neigte, und weiter hinaus, als der untere, trat. Eben so, wenn eine senkrechte Klippe eine kleine Ecke halte, so baueten sie ihre Nester darun, ter. Hieraus erhellet, wo und an welchem Orte die Schwalben ihre Nester, ehe die Europäer sich Hieher begaben und Hauser aufführten, müssen gemacht haben. Denn es ist bekannt, daß die Hütten der Wilden zum Aufenthalte für diese Schwalben nicht dienlich gewesen find. Eine angesehene Frau berichtete mir folgendes Mit ihren Kindern, welches sie versicherten mit eigenen Augen gesehen zu haben. Ein Paar Schwalben führten in dem Stalle dieser Frau ihr Nest auf, worin das Weib, gen nachher ihre Eyer legte, und sich auf dieselben setzte. Emige Tage darauf sahe das Gesinde, daß das Weib, gen zwar die Eyer noch unter sich hatte; das Manngen aber fiog bisweilen neben dem Neste herum ab und zu, keß sich auf einen Nagel zur Seite nieder, und gab bestandig einen iaut von sich, der eine Unruhe verrieth. Nach einer genauern Untersuchung, fanden sie das Weib, gen auf den Eyern todt liegen, das sie nachgehends weg, warfen. Das Männgen fiog darauf zum Neste, und setzte sich eine Weile auf die Eyer. Da er aber daselbst ohngefehr ein paar Stnnden gelegen war, und gleichsam. ^ meinte. Neu-Jersey. Bacoon. m meinte, daß die Arbeit zu mühsam Ware, flog er weg, und kam den Nachmittag mit einem Weibgen nach Haufe, welches nicht allein über den Eyern lag, und sie ausbrütete , sondern auch die Jungen bis sie groß wurden, und sich selbst versorgen konnten, ernährete. Von dem Aufenthalte der Schwalben den Winter über, hegten sie hier vrschiedene Meinungen. Ein grosser Theil von den Schweden glaubte, daß sie des Winters auf dem Grün« de der See lagen. Andere, sowol unter den Schweden als Englandern und Franzosen in Canada, hielten da« für, daß sie im Herbst nach den südlichen Orten hinzo« gen, und im Frühling wieder zurück kämen. In Albany versicherten mich einrge, daß man sie im Winter in tiefen iöchern und Klüften der Wege gefunden hätte, woselbst sie im Schlummer gelegen waren. Die Schornsieinschrvalben * sind bie andere Art, welche daher diesen Namen führen, weil sie in solchen Schornsteinen ihre Nester bauen, wo des Som» mers nicht eingeheizet wird. Bisweilen, wenn nicht zu' stark Feuer auf dem Heerde angemacht wird, kehren sie sich nicht sonderlich an den Rauch, sondern bleiben dem» ohngeachtet in dem Schornstein sitzen. Ich wurde sie in diesem Jahre nicht eher, als weit in den May hinein, gewahr: im folgenden Jahre 1750 aber, waren sie den dritten im May, nach dem neuen Stil, eben angekommen. Denn diese zeigen sich nicht so zeitig, als die andern Schwalben. Es ist bey diesen besonders, daß eine jede Feder im Schwänze sich mit einer steifen scharfen Spitze, fast wie die Spitze eines Pfriems, endiget. Mit * KorstenS,.Swalor. il2 1749/ im Aprill. Mit diesem Schwänze heften sie sich an die Seite der Schornsteinmauer an, halten sich mit den Füssen fest, und drucken den steifen Schwanz gegen die Steine an, von denen sie auf diese Weise eine Stütze erhalten. Sie erregen den ganzen Tag einen grossen iermen in dem Schornstein, durch ihr Aus- und Niederstiegen, so daß es bisweilen last, als wenn es donnerte. Diese sind unter allen gemeinen Schwalben, die sich hier aufhalten, die ersten. Da sie nun hier zu tande ihre Nester blos in den Schornsteinen anlegen, und man weiß, daß die Wilden nicht einmahl einen gemauerten Hcerd, vielwe, Niger einen Schornstein, in ihren Hütten haben, sondern das Feuer auf der Erde selbst in ihrem Gebäude anmachen: so fragt sich, wo diese Schwalben ihre Nester, ehe die Europaer Hieher kamen, und Schornsteine aufführten, gebauet haben? Es ist wahrscheinlich, daß sie dieselben damahls in grossen hohlen Vaumen angebracht haben. Eben dies nahmen Herr Varlram und viele andere hier an. Ealesby hat diese Schornsteinschwalbe beschrieben, und in ihren Farben nach dem teben abgemahlt. * Und der Ritter ^innäus " giebt ihre gleich lange Schwanzfedern , die an der Spitze pfriemförmig und kahl sind, als Unterscheidungszeichen an. Die Ardsihrvalben *** trift man überall in Ame-merika an. Sie machen ihre Nester in der Erde, wo die * Unt€r betn yiomitt/ rhrundo cauda aculeata americana. Natur. Hist, of Carol Vol. 3. p. 8- *• 8- *• Hirundo (pelagica) rectricibus aequalibus apice subalatis nudis» Syst. N. Edit. 10. p. 192. •*• gorb 1 ©tpaUj, ©tranbfc&roal&m* Hirundo [ripari» Neu-Iersiy. Bacoon. 113 -die Seitentheile der Ströme, Flüsse und Seen schräg ablaufen. Martins wurde hier von den Englandern eine Art Schwalben genannt, welche Eatesby * gleichfalls beschrieben und in ihren Farben vorgestellt hat. Diese sind hier nicht/o gemein, wie die vorhergehenden. Ich sahe an mehreren Orten, daß man mit Fleiß kleine Hauser von Brettern, aussen vor den Wänden, aufgeschlagen hatte, damit sie ihre Nester darin machen konnten. Denn es war den ieuten sehr darum zu thun, diese Schwalben neben dem Hofe zu haben, weil sie, so bald sie einen Habicht oder eine Krähe erblicken, dieselben entweder von dem Hose vertreiben, odcr durch ihr Geschrey und ihren iaut, die Hühner warnen, vor einem herbeynahenden Feinde sich in acht zu nehmen. Daher laufen auch die Hühner, so bald sie diese Schwalben schreyen hören, insgesamt geschwinde weg, und verstecken sich. Vom siebenzehttten. Die Schweden nannten eine kleine Staude Musträd/ ** welche auf den Anhohen gegen Moräste wuchs, und nun in der besten Blüthe stund. Die Englander nannten sie tNouseroood, welches eben das bedeutet. Die aber, welche zu Albany wohnten, gaben ihr den Namen L.eatherwood; weil ihre Rinde so zähe als leder ist. Bey den Franzosen in Canada hieß sie Boio de plomb; indem das Hoiz selbst ft * Nat. Hiß. of Carol. Vol. I. p. 51. t. 51. £r iKtmt ffe Hi-rundo purpurea. ** SJfdufc^OlS. Dirca palustris, ZLm». y^ff. 358. keifen iu C|)etU J5> 114 1749, im Aprill. so weich und zähe als Vley ist. Wie die Indianer ehe, dem hier unter den Schweden wohnten, haben sie aus der Rlnde dieses Busches Körbe, Stricke, und an, dere Dinge verfertigt. Sie laßt sich dazu wegen ihrer vorzüglichen Zähigkeit, und ihrer Starke, worin sie der Rinde der tinden nichts nachgiebt, sehr gut brauchen. An vielen Stellen hier im iande bedieneff sich ftwol die Englander und Holländer, als die Franzosen in Canada, der Rinde in allen den Fällen, wozu sonst die iindcnrin, de angewandt wird. Insonderheit verfertigt man Stricke daraus, oder man braucht sie sonst, wcnn etwas zu binden ist. Der Baum an sich ist sehr zähe, so daß er ohne Messer oder dmch das blosse Vrcchen nicht leicht von einander zu bringen stehet. Bey einigen sind die Zweige ein Werkzeug, womit man die Kinder züchtiger. Die Schlitten, die man hier brauchte, insonderheit im Winker, Holz mit nach Hause zu fahren, waren ziemlich ungeschickt. Gemeiniglich stunden die bey. den Kufen, zwey Ellen, oder etwas mehr, von einander ab. Vom achtzehnten. Beides die Schweden und Englander pflegten im Frühling Grünkohl von verschiedenen wilden Krautern zu sammlen, unter denen die folgenden insonderheit den andern vorgezogen wurden. Der kraust Pferdsampfer * wuchs auf unge-pstügten Ackerfeldern und andern Stellen in einem nie, drigllegenden Erdreich?. Sie wählten vornehmlich denjenigen , der grüne Blätter halle, und liessen den mit den * Riyncx criipus, Linn. Flor. free. 298. 314. Neu, Jersey. Bacoon. «5 den blaffen stehen. Denn nicht ein jedweder Pferdsampfer ist, da bey eimgen vie Blätter ganz bitter schmecken, hierzu tauglich. Vorerwähnte grün^ Blatter sammlete man zu jetziger Zeit überall, und einige richte« ten sie auf eben die Weise, wie wir in Schweden unsern Spinat, zu. Die meisten aber kochten die Blätter in eben dem Wasser oder der Brühe, worin man kurz vor-her Fleisch gekocht hatte, drückten darauf das Wasser aus, und äffen den Kohl hernach mit gekochtem Fleische, oder auch für sich allein. Hierbey ist zu merken, daß weder die Engländer, noch die Schweden, Hieselbst den Grünkohl, so wie es in Schweden geschieht, nehmlich mit iöffeln, sondern so, wie ich es schon beschrieben habe, essen. Sie legen ihn nehmlich, nachdem das meiste Wasser ausgedrückt worden, rund um das Fleisch auf der Schüssel herum, und nehmen mit dem Messer dann so viel, als gefällig ist, davon. Mehrentheils wird auch Eßig in einem Untcrschalgen auf den Tisch gebracht, damit derjenige, dem es beliebt, davon auf seinen Kohl etwas giessen kann. Ich kann nicht sagen, daß der Kohl von diesem Pferdsampfer so sonderlich gut schmeckte. Der rveisse Gänsefuß * wuchs hier verschiedentlich um die Höfe herum im fetten Erdreiche sehr hausig. Er war die zweyte Pfianze, die man hier in Menge, als Grünkohl, genoß. Man pflückte das Kraut ab, da es noch zart, und ohngefehr eine Viertelelle hoch war, und richtete es völlig auf die Weise, wie den vorhergehen« den Pferdsampfer, zum Kohl zu. H 2 Die * Chenopodium album, Linn. Fl. fvec. 212, 2i8> b&0 sonfl Atriplex syluestris , folio sinuato camlicante, ßsiitb. Pm. 119. genannt wirb» u6 1749, im Aprill. Die phytolacca * oder Packen war die dritte Pflanze, die man hier in diesem Frühling sehr stark zu diesem Endzwecke nutzele. Die Zubereitung kömmt völlig mit derjenigen, die ich von dem Pferdsampfer erwähnet habe, überein. Man muß die Blatter, wenn sie jung und zart sind, nehmen; denn wenn sie grosser werden, sind sie wegen ihres Giftes, gefährlich zu essen. Bisweilen kann die Pflanze wohl eine Elle, oder noch mehr, hoch seyn: es schieffen aber doch oft unten Blätter hervor, welche, ob der Stengel selbst gleich lang ist, doch ganz zarc sind. Diese neuen zarten Blätter können wie die andern, zum Grünkohl gebraucht werden. Ich aß verschiedene mahl diesen aus der Phytolacca zuberei, tcten Kohl, und er bekam mir gut. Dieser Pflanze habe ich auch oben " schon gedacht. Bisweilen besteht der Grünkohl blos aus einer einzigen von den erwähnten Pflanzen, als aus dem Pferdsampser, oder dem Gan, sefuß, oder der Phytolacca. Meistenlheils aber ver-tmschte man davon so viel zusammen, als man erhalten konnte. Vom zwanzigsten. Das Erdbeerkraut fand ich heute zun> ersten mahl in Blüthe. Die Schweden nannten die Beere Jordbar. Sie sind gemeiniglich grosser als unsere Schwedischen: scheinen aber nicht so süß und wohlschmeckend, sondern etwas säuerlicher, zu styn. Die jährliche Erndte soll allezeit so beschaffen seyn, daß o«e Einwohner gemeiniglich zureichlich viel Vrodt 5 /.,'«». //o,-,. p^/117. " Im 2ten Theile auf der zzysttn Elite- Neu-Jersey. Bacoon. 117 Vrodt haben, ob sie gleich in dem einen Jahre Vortheil' hafter, als in dem andern seyn kann. Ein angesehener Mann von den Schweden, mit Namen Aeke Helm, von einigen siebenzig Jahren, versicherte, daß wahrend seiner ganzen iebenszeit, hier niemahls ein wahrer Mis-wachs bemerkt worden; sondern daß das Volk allezeit mit dem Zuwachs, den Gott verliehen, gut ausgekommen wäre. Hiebey aber muß man wissen, daß das Volk hier allezeit reines Vrot von Weitzen, Rocken oder Mays, und niemahls schlechtere Getraidearten, vielwe« niger solche, die mit Halm, Hülsen oder Rinde vermischt sind, ijset. Eben dies bekräftigten auch viele ganz alte ieute, sowol unter den Engländern, als Schweden; und sie bezeugten, daß sie sich keines so grossen Miswach-ses entsinnen könnten, daß die ieute davon besonders Noth gelitten hätten, oder noch weniger, daß /emand, wenn er auf dem festen iande gewesen, Hungers gestorben wäre. Visweilen wäre wohl der Preis des Getrai-des durch cine einfallende Dürre, oder eine andere schwere Witterung, in dem einen Jahre hoher als in dem andern gestiegen: doch wäre demohngeachtet jederzeit Getraide genug für die Einwohner des iandes vorhanden gewesen. Es scheint auch eine allgemeine Hungersnoth nicht leicht hier geschehen zu können, woferne Gott nicht auf eine ganz besondere Weise das iand strafen wollte. Denn man weiß schon aus einer mehr als sechzig/ährigen Erfahrung, wie die Witterung hier beschaffen ist. Es fallen hier keine Frostnächte ein, welche dem Keime schad, lich seyn könnten. Die Nässe ist nicht langwierig. Die Dürre hält selten lang an. Und das, was noch für das wichtigste zu halten, ist dieß, daß sie hier zu so vielerley Hz . Getrai- "3 1749, im Apri'll. Gelraidearten Zugang haben. Diese werben zu ungleicher Zeit gesaet, und zur Reife gebracht, so daß, wenn es mit der einen Art fehlschlagt, die andere doch gedeihet und gut fortkommt. Denn der Sommer ist hier so lang, daß verschiedene fast dreymahl in einem Sommer reif werden konnten. Es ist kaum ein Monat im Sommer, von und mit dem May, bis und mit dem October, und bisweilen November, in dem sie nicht eine Frucht oder Getraideart einerndten sollten. Es würde auch ein grosses Unglück seyn, wenn ein Jahr einen merklichen Miswachs an Getraide mit sich führete, indem es hier so, wie in vielen andern Oertern, zugieng. Man samm-lete niemahls etwas in Vorrath, sondern war damit zu« frieden, daß man für die gegenwärtige Zeit zureichlich versehen war. Die pfirsihenbäume stunden nun überall bey al< len Höfen und Pflanzungen in Blüthe. Die Blatter waren noch nicht ausgeschlagen. Dahero konnten die Blüthen um so viel besser einem in die Augen fallen. Diese gaben durch ihre blaßrothe und dabey sehr schöne Farbe ein anmuthiges Aussehen, und sie sassen so dicht an einander, daß die Zweige fast gänzlich dadurch umhüllet waren. Die andern Fruchtbaume hatten noch keine Blumen bekommen. Doch fiengen sie bey dem Apselbaume sich ziemlich zu zeigen an. Currants, war ein Busch, welcher sowohl von den Englandern, als den Schweden, diesen Namen erhielt. Er wuchs an nassen Oerrern und neben Morasten und stund nun verschiedentlich in Blüthe. Diese war weiß, roch angenehm, und saß in länglichen Straußgen. Die Neu-Jersey. Bacoon. 119 Dic Frucht war wohlschmeckend, und wird von allen, wenu sie reif ist, gelicbl. Die Blume enthalt einen fadenähnlichen Sticl, der kürzer als die Staubfaden, und m der Mittein fünf Theile oder Narben getheilt ist. * Die Staude ist bey dem Gronov ** eine Mispel, und bey dem Ritter Amnäus ein Weißdorn. Vom zwev und zwanzigsten. Hrvipperiwill wurde von den Schweden, und XVHipspoHrrvill von den Engländern ein besonderer Nachtvogel genannt, der sich in dem nördlichen Amerika fast die ganze Nacht durch hören laßt. Cr ist sowol von Catesby als Edward ^** beschrieben und in den natürlichen Farben abgebildet worden. Der Ritter iinnaus macht ihn zu einer Abänderung von unserm Europäischen TaZjHlafer. *** Er ist auch der Gestalt, Farbe, Grösse und verschiedenen andern Eigenschaften nach, unserm Tagschlafer so ahnlich, daß man sie nicht leicht von einander unterscheiden kann. Der besondere iaut aber, der dem Amerikanischen eigen ist, unterscheidet ihn beides von dem Europaischen und andern Vögeln. Er ist den ganzen Winter über von hier entfernt, kommt aber bey dem ersten Anbruch des Som- H 4 mers * Stilus filiformis staminihus hrevuar, m medio diuisus in quinque parces feu stgmata. ** Mespilus inermis, solus ouato oblongis serratis subtus tQmentoiis Gron. Virgin. 55. . Crataegus tomentosa Lintt, Spec. pi. p. 476. •** Catesb. Nat. Hist, of Carolina. Vol^.p.i6.t. 16. Edward's Nat. Hiß. of Birds p. 63. t, 63. ©W ntmWtt t()tt Capri-mulgus minor Americanus. **** Caprimulgus Europaeus Syst, Nat, T. I p-193« WatU I2O I?49/ lm Aprill. mers wieder zurück. Heute horte ich ihn zum ersten mahl, und pflichteten auch andere, die ich darum ansprach, mir bey, daß sie ihn in diesem Jahre nicht eher als jetzt vernommen hatten. Er hat den Schwedischen und Englischen Namen wegen seines tautes, oder der Wörter, die er gleichsam ausruft, erhalten. Genau aber davon zu reden: so ruft er nicht Hwippcriwill, oder Hwippuriwill, sondern vielmehr Hn?'ipperlhn>ipp, da denn die erste Sylbe einen Accent hat, die zweyte und dritte ganz kurz ausgeführt werden, die letzte aber wiederum mit einem Accent versehen ist. Die Englander brechen etwas seinen iaut bey dem Namen, den sie ihm geben, wenn sie ihn, wie gesagt worden, Whip, voorwill nennen. Alsdenn aber finden sie in ihrer Epra« che gewijsermajsen eine Bedeutung für seinen Namen. Dcnn Whip poor.wlld heist so viel als den armen Wilden züchtigen. Man härt ihn weder, noch sieht man ihn bey Tage. Sondern eine kleine Weile nach Untergang der Sonne fangt er sein Hw'ipperihwipp zu rufen an, und setzt es also dicht an einander eine lange Weile fort,, wie t?er Guckguck in Europa mit seinem Rufen anhält. Wenn er an einer Stelle eine Weile gesessen und gerufen hat, ftiegt er davon nach einer andern hin, und fängt wieder an. Er kommt gemeiniglich ein oder mehrere mahl in jeder Nacht, und läßt sich dichte vor den Hausern hören. Ich sahe ihn nachher oft des Abends spat zu den Häuser» hinkommen, und bisweilen sich unter der Schwelle der Vorstube, /a oft auf derselben, niederse, tzen und rufen. Er war nicht sonderlich furchtsam vor leuten. Denn wenn man still stund, und sich mcht be, wegte, ließ er sich gleich daneben nieder, und sicng feinen Neu - Jersey. Bacoon. 121 «en gewöhnlichen iaut an. Die Absicht, weswegen er die Häuser suchte, war vornehmlich seine Nahrung, die in Insekten besteht, zu finden; und diese wüste er, Vaß sie sich des Abends neben den Hausern aufhalten. Als er nehmlich ganz stille saß und rief, und ein Insekt vor-beysireichcn sahe, fiog er geschwinde in die Höhe und fieng es, und setzte sich hernach wieder nieder. Es war gemeiniglich ein gewisser Vogel von diesen, der deS Abends zu den Höfen hinkam, derjenige nehmlich, der sein Nest da in der Nähe hatte. Nicht selten hörte man in der Nacht 4, 5 und mehrere nahe aneinander sitzen, welche zusammen in der Wette schrien, und einen starken Schall in dem Walde erregten. In den Städten ver« nahm man sie selten, weil sie durch vieles Schießen entweder ausgerottet oder weggeschreckt worden sind. Sie sitzen nicht gerne in Bäumen, sondern gemeiniglich auf der Erde, oder tief in den Gebüschen etwas von der Erde, oder auf den untern Stangen der Zaune. Sie siiegen immer nahe an der Erde. Mit einem solchen Rufen, wie ich beschrieben habe, fahrt er des Abends, bis es dunkel wird, fort; hernach ist er bis zur Dams merung still, da er wieder anfängt, und nicht eher als gcgcn der Sonnen Aufgang aufhört. Darauf laßt er sich nicht eher als den folgenden Abend, wenn die Sonne hinunter gegangen ist, hören. Es ist, als wenn die Sonne seinen Mund verstopfen, oder mit ihrem Glänze seine Augen so beunruhigen sollte, daß er still filzen muß. Ich konnte niemahls bemerken, ob ich gleich mit Fleiß darauf Achtung gab, daß er mitten in der Nacht ruft; welches auch andere bestätigten. Man sagte, daß er sich kein besonderes Nest bauete, sondern H 5 auf «2 1749/ im Aprill. auf offenem Felde seine Eyer legte, deren er nur zwey hätte. Mein Bedienter schoß nach einem, der nicht Weit von dem Hose in einem Busche saß. Ob nun gleich ihn der Schuß nicht traf, so wurde er doch von den, Knall so erschreckt, daß er zu Voden ficl, und eine Weile wie todt lag; er erholte sich aber wieder. Wie er ihn in denHänden hielt, versuchte cr niemahls ihn zu beissen, sondern er zuckte blos mit den, Körper um frcy zu kommen. Ueber und dicht untel den Augen sahe man verschiedene schwarze, langc, und ziemlich steife Haare, Wie bey andern Nachtvögeln. Wir liessen ihn nachmahls stiegen. Es wußte niemand, wozu er nützlich wäre. Noch wird er hier von den Europaern gea/ssen. Herr Catcsby berichtet, daß die Wllden behaupten, daß man diese Vögel niemahls gesehen, noch von ihnen gehört hatte, ehe eine gewisse grosse Schlacht, in der die Engländer eine Menge Wilden umbrachten, vorgefallen. Dahero glaubten sie, daß diese ächzenden und zur Nachtzeit unruhigen Vogel ihrer erschlagenen Voreltern See, len wären. Vom vier und zwanzigsten. An den Rirfch« bäumen * fiengen heute die Vlülhen an auszuschlagcn. Sie waren auch mit ziemlich grossen Blattern versehen. Die Apfelbäume ""* liessen gleichfalls heute ein> und die andere aufgeschlossene Vlume sehen. Doch hatten die Kirschbaume einen Vorzug vor ihnen. Sie fiengen auch an, von ihrem iaube grün auszusehen. Die "^ Census fat. *♦ Malus fat. Neu-Jersey. Pennsneck. 12z Die Maulbeerbäume * stunden noch ganz kahl, und waren noch nicht belaubt.; so daß ich mit Verdruß wahrnahm, wie dieser Baum eimr unter den letztenist, bey denen die Blatter ausschlagen, und hingegen unter den zeitigsten, die reife Früchte bekommen. Vom stchs und zwanzigsten. Des Morgens reisete ich nach pennsneck. Die Tulpenbäume siengen an ganz grün von ihrem taube auszusehen, diejenigen vornehmlich, die groß waren. Dieser Vaum ist also einer unter den zeitigsten, die im Frühling belaubt werden. Vey dem Sassafrasbaum waren heute zum er-sien mahl die Blumen zu sehen. Das taub war noch nicht sonderlich ausgeschlagen. Die Blume hat einen sehr angenehmen Geruch. Die fortdaurende Wolfsbohne ** wuchs in den Wäldern sehr häufig, und wird von den Schweden theils RruvZräs, theils Ringgräs, theils Willa Bönor genannt. Man fand sie beides in fettem und magerm Erdreiche. Ich sahe sie an vielen Stellen auf äusserst magern Sandfeldern und Tannenheiden, wo sonst andere Pfianzen nicht aushalten konnten, gut fortc kommen. Ihre Blumen, die in der Mitte des Mayen meist hervor sind, geben durch ihre schöne auf Purpur stossende Farbe ein hübsches Aussehen. Man erzählte, daß das Vieh ihre Blumen begierig ässe. Ich bemerkte aber * Moras rubra. ** Lupinus perennis. l24 1749, im Aprill. aber hernach zu mehrern mahlen mit Verdruß, baß es nicht so sehr darauf, wie man gesagt hatte, wofern es anders sonst etwas zum besten hatte, verpicht war; so grün, weich und hübsch auch diese Wolfsbohne aussah. Sie liessen sie meistentheils unberührt. Die Pferde assen dle Blumen, kehrten sich aber an die weichen grünen Blatter und Stengel nicht. Ich gestehe, daß das Vieh bisweilen im Frühling die Pflanze ißt: darüber muß man sich aber nicht verwundern. Die Noth hat kein Gesetz, bey dem Hunger schmeckt alles was vorkommt, es will niemand zu Tode hungern. Es giebt nicht hier im iande solche schone grüne mit Gras bewach, sene Felder zur Weide, wie- in Schweden. Das Meh muß hier das meiste Futter im Walde suchen. Der Boden in den Waldern ist hier meistmtheils ziemlich eben, so daß er verschiedentlich in langabhanqigen Erhöhungen abgeht. Die Baume in dem Geholze stehen sehr weit von einander., Die darzwischen liegende Erde ist nicht , mit Wasen befestigt oder überzogen. Denn es giebt hier in den Waldern sehr wenige Grasattcn. Der eine Halm steht hier, der andere dorr. Dle Erde ist hier sehr los, woran das iaub, das denVoden eine langezeit im I.chr bedeckt, und auf die Weise die Erde darunter luckcr erhält, nicht die geringste Schuld hat. Das Vlch sin, det also sehr wenige Grasarten im Gehölze, sondern es muß sich aus Mangel einer bessern Neide mit allerhand Kräutern, die daselbst wachsen, befriedigen. Es werden aber doch nicht alle die besten zum Futter für sie ftyn. Ich sahe auch lange Zeit in diesem Frühling, wie das Vieh, das in dem Gehölze weidete, das äusserste der Zweige an jungen Bäumen, wie auch junge Sprosse ab- nagele, Melt-Jersey. Pennsneck. 125 nagete, und sich davon fütterte. Denn es waren noch keine Pfianzen daselbst hervor, und ausserdem stehen die Kräuter, wie erwähnet worden, im Sommer hier sehr undicht. Es ist dann leicht einzusehen, daß sie in ihrem Hunger mit solchen Gewachsen vorlieb nehmen müssen, die ihnen sonst nicht gerne anstehen. Es scheint aber doch, als wenn es sich der Mühe verlohnte, diese Wolfs, bohne zur Verbesserung magerer Sandheiden anzuwenden. Man könnte schon Auswege erdenken, sie für das Vieh wohlschmeckend zu machen. Die Nchett hatten hier eben die Eigenschaften Wie in den alten iändern, nehmlich daß sie nicht allein das alte laub, den ganzen Winter über, hausig behiel, ten, sondern auch seh? langsam waren, neues hervorzubringen. Sie stunden annoch fast nackend und ohneiaub, und siengen nur an etwas weniges zu zeigen. Den Humming-bird, den die Schweden AlMISi-FoZel nennen und von dem ich im zweyten Theile * umständlich gercdt habe, wurde ich heute zum ersten mahl gewahr. Es war auch niemand in dieser Gegend, der ihn in diesem Jahr eher als heute gesehen hätte. Von dem Ma^nmrm ** sahe man eine Menge auf der weissen Nieswurz sitzen, deren Malter jetzt ihre Mahlzeit waren. Ich gab eine lange Weile Achtung, wie begierig sie frassr»!, so daß nach einigen wenigen Minuten ein halbes Vlatt von diesen hungrigen Gasten verzehret * Auf der ?54sten Seite. 126 1749, llN April!. zehret war. Einige von ihnen hatten schon so viel gegessen, daß sie kaum Kräfte zu gehen hatten. Denncch war dieses Gewächs eine angenehme Nahrung für sie, welches doch meistcnch-ils ein gewisser Tod für andere Geschöpfe i)7. Die Feuerfiiegett kamen heute zum ersten mahl zum Vorschein, und flogen zwischen dcnVaumen im Gehölze. Es sahe im Finstern aus, als wenn Feuerfun-sen hin und her fuhren. An einem andern Orte will ich eine ausführliche Nachricht von ihnen liefern. Des Abends reisete ich nach Vacoon. Im May. Vom ersten. In der gestrigen Nacht ficl eine starke Kälte ein, so daß der Voden, bcy dem Aufgange der Sonne, von dem Reif schneeweiß aussahe. Das Schwedische Thermometer stund dazumahls i^ Grad un, ter c>, oder dem Gcfrierungspuncte. Man bemerkte zwar kein Eis in fiiessenden oder einigermassen tiefen Gei wässern: auf demjenigen Wasser aber, das eine halbe Viertelclle zur Tiefe hatte, lag an einigen Oertern das Eis 4 von einer geometrischen iinie dick. Der Wind drehete sich zwar den Abend vorher nach Süden, es war aber die ganze Nacht völlig still. Die Aepfel und ^irsch-bäume stunden nun am besten in der Blüthe. Die Pfir-schenbaume hatten fast ausgeblühet. Der gröste Theil von den wildwachsenden Vaumen war mit zarten Vlät, tern belaubt, und die meisten blüheten, so wie auch fast alle Eichen, der hellblümige Kornelkirschenbaum, * Hickern. * Cornus floyda. Neu-Jersey. Bacoon. 127 Hickery, iandpstaumen, Sassafras, die Hainbuche, die Buche, und andere mehr. Die Gewächse, bey denen man gleich einen Schaden von dem Froste verspürete, waren folgende, i. Der Hickery. An den meisten jungen und zarten Baumln war das iaub verfroren, so daß es den Nachmittag ganz schwarz aussahe. Das iaub war gröstentheils an den Vaumen, wo es sich entwickelt hatte, durch die Kälte, verzehret, und zwar überall, auf den Feldern, neben den Morästen und in den Wäldern. 2. Die schwarze laiche. An verschiedenen jungen Bäumen war das iaub bezchaoigt. z. Die wei^e Eiche. Bey eincm und dem andern von den ganz kleinen Bäumen war das iaub verfroren. 4. Die Airschblüthen hatten verschiedentlich Schaden gelitten. 5. Die Blumen von dem lLNI? ländischen Wallnußbaume waren ganz und gar ver. froren. 6. Der glatte SchllNgbaum. * Vey eini, gen wenigen war das iaub ausgeschlagen, und dieses war durch den Frost verdorben. 7. Der wurzelsihlagende Schlingbaum. ** Einige zarte Baume litten durch die Kälce, und das iaub verjror zum Theil. Von den Wiesenrauten "' waren beides die Vjumcn und Blatter ziemlich verfroren. 9. Das podoph^llum mit Schildförmigen Blattern. "** Davon waren einige wenige angegriffen, so daß ohngefähr einer untsr 50a zu zählen war. ic>. Farrenkrämer. Es war eine v Menge * Rhus glabra. ** Rhus radicans. *•* Thalictra. **** Podopbylluin pekatum. 128 1749/ im May. Menge von denen, welche kürzlich ausgeschlagen, mitgenommen. Außerdem muß ich hicher eine und die andere Pflanze rechnen, welche ich doch, wegen ihres zarten Wachsthums noch nicht so genau unterscheiden konnte. Diesen Tag reifete ich nach verschiedenen Or, ten hin. Die carmesinroche Baresia * wuchs auf ver. schiedenen niedrigliegcnden Wiesen in grosser Menge. Die Blumenknospen derselben waren nun mit ihrer vor-trefiichcn Eoccionellfarbe geschmückt, und sie stund als eine Zierde auf den Wiesen. Es wüste hier niemand ihr einen andern Nutzen zuzueignen, als daß sie eine Weide und Zierde der Augen wäre. Es hatte einer von den Schweden mit Namen Mäns Keen einen EnIländischen Wallnußbaum ** in seinem Garten gepfianzet, welcher nun 2 Klaftern hoch warV Er stund /etzt in voller Vlülhe, und trug schon grosses ausgeschlagenes iaub ? da hingegen die schwarzen Wallnußbaulne, die hier im iande überall wild wuchsen, noch kein iaub hervorgebracht hatten, auch nicht in Blüthe gekommen waren. Der Frost, der in der vorigen Nacht einakfallen war, hatte fast alle Blumen an diesem Europaischen gänzlich verdorben. Der Herr Frank' lin berichtete mir hernach, daß man in Philadelphia Engländische Wallmlßbaume, die sehr gut fortgekommen wären, gehabt hatte; sie waren aber doch, wenn ein sehr kalter Winter eingefallen, von der Kalte ausgestorben. * Bartsia coccinea. •♦ Iuglans rcgi». Neu ^Jersey. Racoon. 129 Ich sahe mich heute genau nach den Bäumen, welche noch kein ^aub erhalten hatten, um, und fand, daß es die folgenden loaren: der schwarze Walls nußbaum; die Esche; der Ahornbaum mit zusammengefetzten Blättern, * der hier weisse Esche genannt wird; der Fischerbaum; ** der Persimon; *** die wilden Weinranken; ^" und der Sumach, f Die Baume, bey denen das H.aub auszusihla« Fen ansieNI, waren diese: der Maulbeerbaum, ff der Eastanienbaum, die Wasserbuche, ffs Sassafras, Hickery. Von der letzten Art waren einige Baume schon mit einem grossen iaube versehen; andere aber hatten noch gar keines. Bey den übrigen Abänderungen, die man von dem Hickery hat, wird wohl ebenfalls diese Uns gleichheit statt finden^ Der VirIlttijche Rirsibbaum wuchs hm und Wieder in den Waldwiesen und dem Geholze. Sie hatten schon ein ziemlich grosses iaub. Die Blumen aber waren noch nicht völlig ausgeschlagen. Der Sassafras blühete nun überall. Sein iaub aber hatte sich noch nicht völlig entwickelt. Ghllm? * Acer foliis compofitis. Linn* ** Nyssa. *** Diofpyros Virginianu. •*•* Vitis labrusca. f Rhus glabra. ff Moms rubra. ftt Platanus occidentalis. Relsm 11. Theil. I IZO 1749, im May. EhlleNträ wird hier von den Schweden derjenige Vaum genannt, der bey den Krauterkennern der Sto« raxbaum " heiffet. Die Englander nannten ihn Sweet gum. Er kam am besten in den Wäldern, an niedrigliegenden Orten, in und neben Wasserstrudeln, fort. Sein iaub war nun zum Thell an dem Gipfel des VaumS, ob es gleich sehr zart war, ausgeschlaqen. Dieser Baum wachst sehr dick, und öfters zu der Höhe, wie die gröstcn Tannen und Elchen. So wie er in die Hshe schlesset, so verdorren die untersten Zweige und fallen ab, der Stamm wird daher gröstentheils ganz glatt und entblößt von Zweigen, und gerade, so daß zu oberst an demselben eine grosse Krone zuletzt entstehet. Die Saamenkörner sttzen in runden zackigen Zapfen, welche im Herbste von dem Vaum herunter fallen. Und da der Vaum sehr hoch ist, so werden sie durch die starken Winde weit herum getrieben. Es ist dahero, wegen der ge, nannten zackigen Zapfen, oder Saamenbehälrnisse, nicht sonderlich angenehm, barfuß unter diesen Vaumen zu tanzen. Ich habe schon an eincm andern Orte * von dem Nutzen und den Eigenschaften dieses Vaums gehandelt. Dem kann folgendes zugefüget werden. Das Holz hat die Eigenschaft, daß es sehr glatt gemacht wer, den kann, indem einige Stamme sehr seinädrig sind; dabey aber ist es nicht sehr hart. Man kann mit einem Messer Buchstaben in dasselbe einschneiden, welche ft ehen aussehen, als wenn sie in Kupfer gestochen waren. Herr ievis Evans sagte, daß kein Holz Hieselbst so tüch, tig " Justin zweyten Tbtil«. Neu-Jersey. Racoon. 131 tig wäre, gegossene Arbeit darin zu verfertigen, als eben dieses; welches er selbst versucht hat. Uebrigens bestätigten die Tischler durchgängig dasjenige, was ich vorhero von diesem Baume angeführt habe, nehmlich, daß er eben die Eigenschaft, als der Tulpenbaum, an sich habe, sich von der Nasse an dem Rande auszudehnen, und hin, gegen von der Dürre sich zusammenzuziehen. Ich frug hernach den Herrn Johann Vartram bey meinen Reisen in Pensylvanien, ob er an diesem Baume das Harz, wel, ches in der Arzneykunst so sehr gerühmt wird, gefunden hätte. Er antwortete mir, daß ein sehr wohlriechendes Harz jederzeit ausstösse, wenn man in den Baum einhauet oder schneidet, es wäre aber hier in einer so geringen Menge besmdlich, daß sichs nicht der Mühe verlohnte , es zu sammlen. Dieses wohlriechende Harz hat den Englandische,« Namen des Baumes Sweet FUM, oder wohlriechendes Harz veranlasset. . Je weiter man aber nach Süden kömmt, desto mehr Harz giebt dieser Vaum, so daß man daselbst ohne Mühe eine ziemliche Menge davon sammlen kann. Er meinte, daß dieser Vaum eigentlich für das Earolinische Elimat erschaffen wäre, daß er aber durch vielfältige Schicksale weiter nach Norden, ganz bis Neu-Pork, wo seine äusserste Gränz, gegen Norden zu, ist, gebracht worden. In den südlichen Oertern füllet ihn die Wärme der Sonne mit Fettigkeit und Harz an; fo aber verhält es sich nicht in den nördlichen. Vom zweiten. Den Morgen reisete ich hinuns ter nach Salem, um das iand zu besehen. I H Der l32 i?49/ im May. Der Sassafras stund hier und da neben den Zau, «en, um die Aecker herum, und sonst an vielen Stellen in dem Gehölze. Man konnte ihn jetzt von weiten leicht erkennen. Denn er stund ganz gelb mit seinen Blumen, welche jetzt zum besten ausgeschlagen waren. Das iaub aber war noch nicht sonderlich hervorgekommen. Auf den XViesin war schon eine Menge langes Gras an verschiedenen Stellen aufgewachsen. Dies gilt aber nur von solchen, welche morastig waren, und auf die in diesem Jahre kein Vieh hat gehen dürfen. Sie mähen hier einige Wiesen zweymahl im Jahr, nehmlich zuerst im May, und zum andern mahl zu C'nde des Au, gustes, oder auch im September, nach der alten Zeitrechnung. Doch ist zu merken, daß auf die Wiesen, die sie zweymahl im Sommer mähen wollen, kein Vieh im Frühling zum Weiden hinzugelafscn werde. Ich wurde heule Wiesen von dieser Art gewahr, bey denen das Gras schon so stark in die Höhe geschossen war, daß es wohl hätte abgemähet werden können. Manche in Schweden haben in der rechten Mähezelt kein so langes Gras aus ihren Wiesen. Diese Wiesen lagen in cmge, baueten Morasten, in Thalern, wo die Sonne sehr wirksam war. Das Gras bestund aus lauter Rictgras. Die wilden pflaumen bäume stunden nun überall in Blüthe. Sie wuchsen hin und wieder in den Wäldern, doch gemeiniglich da, wo der Boden etwas säuerlich war, als insbesondere neben den Morasten, und an etwas nassen Orten. Man konnte sie an ihren weis, fen Blüthen von weiten erkennen. Die Frucht ist sehr schon, und wird, wenn sie reif ist, gegessen. Sonst ^ braucht man sie zu nichts. Der Neu-Jersey. Salem. y; Der hellblümige Rornelkirschenbaum* wuchs verschiedentlich im Gehölze, sowohl auf den Anhöhen, als wo es eben war, wie auch in Thalern, in Morasten, und neben fticssenden Bachen. Ich kann daher nicht mit Gewißheit ftgen, wo eigentlich sein' Geburtsort ist: doch scheint es ^ als wenn ebene, oder etwas niedrige, doch nicht nasse, Oerter in den Wäldern ihm vornehmlich gefallen sollten. Er war fetzt mit seinen, grossen schnee-weiffen Vlumenumschlagen, ** wovon der Baum ganz voll war, geziert, so daß er in einer sehr weiten Entfernung sich kenntlich machte. Es war zu dieser Zeit ein Vergnügen durch das Gehölze zu reisen, wegen der Zierde, die dieser Baum gab. Die Vlumen, die innerhalb ihren Umschlagen lagen, siengen heute zum ersten mahl sich zu ofneu an. Der Baum erreicht keine besondere Höhe oder Dicke, sondern ohngefahr, wie unser gewöhnliche Vogelbeerbaum. *** Es gab hier von diesem Kernel-^ kirschenbaume drey Abänderungen: eine mit grossen weif» sen Blumenumschlagen, eine mit kleinen weissen, und eine, bey der dieselben sehr stark ins Rothe fielen. Die Vögel flogen überall in den Wäldern in Menge herum. Ich sahe sie auch, insonderheit die kleinern, an allen Orten auf dem Boden in den Gebüschen laufen, ohne sonderlich furchtsam zu seyn. Es ist da-hero für allerhand Arten von Schlangen sehr leicht, ih, nen nahe zu kommen, und sie zu beissen. Ich halte dafür, daß die Klapperschlange, wenn sie nur stille lieaen I 3 will, * HlMd l trä, cornU8 ÜoriäIi "» lnuolucl2. *" 5orbu5. 134 i?49/ im May. will, nicht lange zu warten nöthig habe, ehe ein Vogel vorbey streicht, oder auf sie losrennt, und daß sie ihm foWch leicht, ohne eine andere Vezauberung anzunehmen , einen Hieb werde versetzen können. ' Salem ist eine kleine Handelsstadt, welche ein Stück von dem Flusse Dellaware abliegt. Die Häuser stehen weit von einander, und sind theils von Stein, theils von Holz, gebauet. Ein kleiner Strom laust da vorbey, nach dem eben genannten Flusse hin. Die Eim wohner ernähren sich vom Handel, so gut wie sie können. Hie und da um Salem, insonderheit gegen Dellaware, liegen sehr niedrige und fumpfigte Wiesen. Man hielt diesen Ort für sehr ungesund. Cine mannigfaltige Er, fahrung hat gezeiget, daß ieute, die von andern Ocrtern hergekommen sind, und sich hier niedergelassen haben, nach einiger Zeie ein blasses und krankliches Aussehen er» halten haben, wenn sie gleich gesund und, mit frischer Farbe angekommen sind. Und diese Schwächlichkeit haben sie fast beständig, so lange sie hier gewohnet, beHallen, und sind selten wieder zu ihrer vorigen Gesund-heit gelanget. Die Schuld davon schob man auf die vorerwähnten vielen Moraste und still stehenden Gewässer, welche des Sommers eine Fäulniß annehmen. Man kann sie auch mehr als deutlich an dem unangenehmen Gestank, den die sumpfige Gegenden diese Zeit von sich geben, erkennen. Die Dünste von diesem stinkenden Wasser werden den nächst wohnenden ieuten zugesühret, und schleichen sich mit dem Athem, und durch die Schweiß, löcher in den Körper, und sind auf diese Weise der Gesundheit nachtheilig. Vornehmlich herrscht das Wechselfieber Neu,Iersey. Salem. lz; fleber hier stark zu Ende jedes Sommers. Ich war mit einigen jungen ieuten bekannt, die zugleich mit mir von England nach Amerika kamen. Sie reiseten gleich nach der Ankunft gesund nach Salem,, wurden aber nach einigen Wochen krank, und ehe der halbe Winter vorbeygegangen, waren sie schon beide in das Reich der Todten gewandert. Der Safran wird hin von vielen qepflanzet. Man halt aber den hiesigen nicht für so gut und kräftig, wie den, der aus Frankreich und England kömmt. Vielleicht verbessert er sich, ebenso, als der Toback, wenn er einige Jahre gelegen hat. Diejenige Art Baumwolle* die ein Kraut ist, und jahrlich gepstanzet werden muß, hatten verschiedene Hieselbst zu säen angefangen. Einige hatten sich den Saamen von Carolina, wo mangrosse Pflanzungen da«, von hat, verschaffet. Andere hatten ihn aus der Baum« wolle, die sie gekauffet ausgepftückt, und in die Erde gesteckt. Sie sagten, daß sich anfanglich diese Schwierigkeit ereignete, daß der Saamen von den hier gesaeten Pflanzen nicht gerne zur Reife käme. Denn in Carolina, von da derselbe zuerst gekommen, ist der Sommer beides länger und warmer als hier. Nach der Zeit aber haben sie sich ebenfalls hier nach dem Climate zu richten anges fangen, und eilen nun gleichsam mehr als vorher, so daß ihr Saamen jetzt völlig reif wird. Die Rückreise gieng des Abends vor sich. I 4 Vom • Gossypium herbaceum. l;6 i?49, im May. » Vom vierten. Crabbs tra wurde sowohl von den Engländern als Schweden emeArt von wilden Apfel, bäumen genannt, die an verschiedenen Oertern in den Wäldern und Waldwiesen, insonderheit aber auf etwas erha. benen Flußhügeln wuchs. Hier in Jersey war der Baum* etwas selten; in Pensylvanien aber wuchs genug davon. Einige halten einen einzelnen Baum neben den Höfen, Wegen dcS schonen Geruchs, den die Blüthe giebt, ge-pflanzet. Er war nun vor ohngefähr einem oder höchst 2 Tagen in Plume gekommen; doch waren die meisten Blüthen noch nicht ausqeschlaqen Diese sind aufs ge, naueste denjenigen ähnlich, dlc sick bcy unsern gewohnlichen Apfelbäumen sinden. Nur stößt die Farbe der Vlu-men des Erabbbaumes etwas mehr auf roth, obgleich bey den zahmen viele Blumen fast eben so roth sind. Der Geruch aber unterscheidet sie deutlich. Denn bey diesen Wilden Lst er sehr angenehm, u^d hat etwas von dem Geruch der Hindbeere an sich. Die Aepfel wurden klein, und sind ziemlich sauer, so daß sie niemand essen konnte. Doch sagte man, daß sie zu Eßiq dienlich wären. Sie liegen hier unter dem Baume den ganzen Winter über, haben alsdenn eine gelbe Farbe, und nehmen selten eher/ als im Frühling, Schaden. Ich kann nicht unterlassen, eine Anmerkung hieben zu machen. Diese.Eradbbaume oder wilden Aepfel, bäume siengen erst gestern oder heute an, ihre Blüthen zu zeigen, da im Gegentheil die gewöhnlichen oder z« Hause " Clayean nennt ihn in 6>s»sv. /Vs^. N,F. 55. IVlaluz hl. uelkix, Noribu5 aäorack, und der Filter Ainnäps jN H>e5. s/. 480. ?/ru5 coroaaria. Neu ^Jersey. Racoon. i;? Hause gezogenen Aepfelbäume, die von Europa Hieher geführt worden waren, nun säst schon ausgeblühet hatten. Eben so siengen die wilden Kirschbäume erst den zwölften im Man zu blühen an, da doch die zahmen, * oder von Europa gekommenen, schon den vier und zwanzigsten des Apr«ls, (alles nach dem neuen Stil gerechnet) die ersten Vlüchen trugen. Mit den schwarzen WalinußdaumeN hatte es hjer imiande eben die Vewand, niß, nehmlich, daß sie weder taub noch Blüthen zu fr, kennen gaben, als bey den Europäischen hier gepflanzten Wallnußbäumen schon beide Theile fthr groß waren. Hleraus siehet man, daß Bäume von einerley Geschlecht, »die aus Europa Hieher geführt worden, weit früher blü> hen, als diejenigen von eben dem Geschlechte, welche hier seit langen Zeiten wild gewesen sind. Die Ursache, warum die Amerikanischen sich in Ansehung der Europäischen verspäten, kann ich nicht sagen, wofern sie nicht d»ese ist, daß die Europäischen ihre Blumen hervorbringen, wenn sie hier einen solchen Grad der Wärme bekommen, den sie in ihrem vorigen Geburtsorte gehabt haben. Es ist, als wenn es ihnen unbekannt wäre, daß hier nach einer solchen Wärme oft eine oder mehrere kalte Nächte sich ereignen, welche hernach ihre Blumen verderben können, nachdem sie dirselben gleichsam durch list hervorgelocket haben. Denn in den kalten iandern fallen nach einem ahnlichen Grade der Wärme selten ss kalte Nächte ein, daß die Blumen davon besonders Schaden nehmen sollten. Im Gegentheil scheinen die Mlden Bäume von uralten Zeiten gleichsam von der Er- I 5 fahrung, * cerzlm kr. « 138 1749/ im May. fahrung, ^wenn ich so reden darf) belehret zu seyn, daß es nicht rathsam ist, sich von der ersten Warme hintergehen zu lassen: sondern sie erwarten daher eine stärkere Hitze, da sie dann ziemlich vor den Frofinächten sicher sind. Daher geschieht es auch, daß die Blumen bey den Europaischen Vaumen oft erfrieren, sehr selten aber hey den wilden oder denjenigen, die dem iande ei« genthümlick sind, welche zu eben dem Geschlechte, als die Europaischen gehören. Wir erkennen hier die Weisheit des allweisen Schöpfers. Vom fünften. Des Morgens frühe reisete ich nach Rapaapo, welches ein grosses Dorf von fast lauter zerstreueten Höfen war. Es wurde einzig und allein von lauter Schweden bewohnt, so daß kein einziger Eng, lander oder jemand von einer andern Nation sich daselbst hatte niederlassen dürfen. Daher haben sie hier am allerbesten ihre Muttersprache, das Schwedische, beibe« halten, und bey der Rede mischten sie nicht eben viele Englische Wörter ein. Die Absicht meiner Reise war, theils den Ort zu besehen und Kräuter nebst andern merk« würdigen Dingen aus der Naturgeschichte aufzusuchen, theils auch die Stellen, wo der so genannte rveiste Wacholder * wuchs, zu finden. Die Maiblumen, so wie sie von den Schweden heissen, sahe man heute überall, wo ich reisete, in den Gehölzen auf dürren oder auch halb feuchten Orten wach, sen. Die Schweden haben sie mit diesem Namen belegt, weil sie im May am besten in Blüthe stehen. Andere * Hwita Entll/ cu^relluz tkxoi6e5. Neu, Jersey. Rapaapo. 139 Andere von den Schweden und Hottandern nennen sie Pmxeerbloem, weil sich die Blumen gemeinigllch zur Pfttlgstzeit in ihrem besten Schmucke befinden. Von den Engländern haben sieden Namen wild Honeysuckle. Denn sie sind, von weiten dem Gcißdlatte, * das von ihnen so genannt wird, sehr ähnlich. Sie trugen jetzt fast durchgangig Blumen, welche in ihrer Art eine Zierde waren, ja dem Geißblatts und dem Schildkrauce ** hierin wenig nachgaben. Die Blüthen sitzen an jedwe, der Stelle wie in einem Kreise, und sind von einer dunklern oder Hellern schönen rothen Farbe. Wenn siet 3vtfter JLinnws nennt ft< Azalex solus ouatis, co-rollis piloiis, staminibus longissimis. Spec, pi-, p. 150. ho 1749/ im May. Die Rockenähren kamen mir heute zum ersten Mahl in diesem Jahr zu Gesichte. In dem alten Schweden lassen sie sich zur Erichsmesse * nach dem alten Stil, sehen. In dem neuen Schweden versicherte man die Rockenahren im Aprill wahrzunehmen, der Frühling mag dann so spat, als er immer will, eintreffen. Doch bekommen sie in dem einen Jahr die Aehrcn im Aprill zeiti, ger, als in dem andern. Diesen Frühling rechnete man überall, für einen von den spatern. - tNattteskühe ** wurden von den Schweden eine Art Frösche genannt. Woher sie diesen Namen entleh-net haben, konnten sie nicht sagen, sie glaubten aber doch, daß er zuerst aus der Sprache der Wilden herge, leitet wäre. Die Englander nannten sie Bullfrog, das ist, Ochsenfrosch, ein Name, der sich auf ihren laut beziehet. Einige von den Schweden bedienen sich theils des Englandischen Namens, theils übersetzen sie ihn Schwedisch, und nennen sie Oxgrodor. Ich halte heute zum ersten mahl Gelegenheit, sie zu hören und zu sehen. Als ich geritten kam, und vor mir ein Blöcken vernahm, wußte ich nicht anders, als daß ein Stier jenseits einem Wafferdamme in den Gebüschen stund, und da seine Stimme erhob; indem ich damahls nicht an die, sen Frosch gedachte. Doch kam es mir vor, daß der taut etwas heiserer war, als sonst bey einem solchen Thier zu * Das ist/ um den i8ten im May. s-kor. Der Frosch heißt bey dem Ritter ^innäu/ 2N5, 5H/?. /V^l. ?. /. /,. 213. Catesby hat ihn it» ■•" SJJante&fer. £)er§rofc& ^ct§t bet) bent SiitttrSLinnfas Rana boans, Syst. Nat. J\ I. p. 213. tfitcaby fyat tbn in fptnec Nat. Hist, of Carol. Vol. II p. 72. untcr bcm IRQi mCfc()ttCt>(n/ URb in Oeu uaturlid;m garden akgcbtl&ct. Neu-Jersey. Rapaapo. 141 zu seyn pfleget. Indessen gerieth ich in Furcht, daß ein arger und stößiger Stier, ob ich gleich keinen sahe, in der Nähe wäre. Ich blieb auch in den Gedanken, bis ich ein paar Stunden hernach mit einigen Schweden von diesen Fröschen zu reden kam. Da entsann ich mich gleich, daß es einer von diesen gewesen, der so gewaltig blöckete, als ich unterwegens war; denn die Schweden berichteten mir, daß hier in dem Damme eine Menqe von ihnen vorhanden wäre. Ich stellte nachher daselbst eine starke Jagd nach ihnen an, damit ich eimge ertappen möchte. Unter allen Arten von den hler befindlichen Fröschen ist diese die größte. Man erzählte, daß sie, gegen den Herbst, so bald die Witterung etwas kühl wird, sich in den Schlamm, der auf dem Voden in Teichen und andern stillstehenden Gewässern liegt, vergraben, wo, selbst sie ganz stlll, und wie in einem Schlummer, den ganzen Winter über, liegen. So bald aber die Witterung im Sommer warmer wird, fangen sie an aus ihren Schlupfwinkeln hervorzukriechen, und ihre Stimme hören zu lassen. Wenn der Frühling sehr zeitig ist, so vernimmt man sie schon zu Ende des Merzen, nach der alten Zeitrechnung, wenn er aber etwas später einfallt, so kommen sie, nach Verschiedenheit der Witterung, entweder früher oder später im April! hervor. Die Stellen, wo sie vornehmlich ihren Aufenthalt haben, sind grosse Teiche, oder kleine Sümpfe von stillstehendem Wasser. Hieselbst trift man sie in ziemlicher Menge an; nicht aber gerne in fiiessendem Wasser. Es entstehet ein erstaun, liches Gerausch, wenn viele beysammen sind, und alle mit vollem Halse auf einmahl anstimmen. Ihr iaut hat völlig eine Aehnlichkeit mit dem Blöcken eines Ochsen oder 142 1749/ im May. oder Stiers, der etwas heiser geworden, so daß die Stimme nicht so recht rein ist. Sie schreyen bisweilen so stark, daß wenn zwey Personen neben dem Teiche sie, hen, die eine kaum, was die andere sagt, vernehmen kann. Sie lermen und blocken alle auf einmahl, halte« alsdann ein wenig ein, und fangen darauf wieder an. EZ scheint als wenn einer von ihnen Hauptmann oder Anführer seyn solte, so daß, wenn er zu blocken anfangt, alle die übrigen einstimmen, und wenn er aufhört, alle andere gleichfalls schweigen. Dieser giebt also gleichsam Anleitung, wenn sie insgesamt ihr Geschrey anfangen, und wenn sie es endigen sollen. Wenn ihr Anführer wie ein Zeichen giebt, daß sie aufhören sollen: so vernimmt man von ihm einen iaut, ohngcfahr als pup. Vey Tage lermen sie selten so stark, wofern das Wetter nicht trüb ist: sondern sie lassen sich vornehmlich zur Nachtzeit hören. Des Abends, wenn es still ist, hört man sie bisweilen fast in der Entfernung einer Schwedischen Viertelmeile. Sie sitzen, wenn sie anstimmen, gemeiniglich in der Wasserfläche zur Seite in den Gebüschen, und stecken den Kopf aus dem Wasser in die Höhe. Wo« fern man dann leise und behutsam gehet, so kann matt ihnen ganz nahe kommen, ehe sie weghüpfen. So bald sie sich unter das Wasser tauchen, wenn es gleich ganz seicht ist, so glauben sie, daß sie gesichert sind. Bisweilen sitzen sie ein Stück von dem Teiche oder dem Sumpfe ab: so bald sie aber eine Gefahr bemerken, eilen sie mit grossen Sprüngen nach dem Waffer. Sie find sehr geschickt zu hüpfen. Wenn der Frosch von der rechten Art ist, so legt er dann und wann ein paar Klaf, ter Neu - Jersey. Rapaapo. 14Z ter und noch darüber bey jedem Sprunge zurück. Ich hörte zu mehreren mahlen von den alten Schweden eine lustige Historie, die sich zu der Zeit zugetragen hat, als die Wilden hier mit den Schweden zusammen wohnten. Es ist bekannt, daß diese Indraner sehr geschwinde laufen können. 'Ich habe sie bey dem Obersten Johnson dem besten Pferde, in seinem stärksten laufe, aufs ge, naueste folgen, und demselben fast vorbey laufen gesehen. Um nun zu zeigen; wie gute Springer diese Frö^ sche waren, hatten einige von den Schweden mit einem jungen Indianer gewettet, daß er durch iaufen die Man-teskuh nicht einzuholen im Stande wäre; nachdem sie sich nur vorbehalten hatten, daß die Manteskuh ein paar Sprünge voraus haben könnte. Sie führten daher ei« nen solchen Frosch, den sie in einem Teiche gefangen hatten, auf ein grosses Feld, und brannten ihn mit einem Feuerbrand an dem Schwänze, und liessen ihn so los. Das Brennen des Feuers, und der Indianer, der ihn dicht zu verfolgen suchte, hatten einen solchen Eindruck auf ihn, daß er nach der Hange des Feldes seine gewöhn, lichen langen Sprünge machte, so geschwinde als er im« mer vermögend war. Der Indianer sieng, zur bestimmten Zeit, ihm nach allen Kräften nachzusetzen an. Das Gethöne von seinem iaufen aber trieb dem Frosche einen desto grösseren Schrecken ein, indem er sich ohne Zweifel fürchtete, aufs neue, an empfindlicheren Theilen, vom Fsuer geqnälet zu werden, und daher verdoppelte der Frosch seine Sprünge. Dadurch erreichte er eher seinen Teich, als der Wilde nachkommen konnte, welcher darauf sich genöthiget sahe, die ausgesetzte Wette zu be« zahlen. M 144 1749/ im May. In einigen Jahren findet man ihrer mehr, in andern weniger. Es wüste niemand zu sagen, ob die Schlaugen sie zu essen gewagt haben, ob sie gleich hj« kleinern Arten häusig umbringen und verzehren. Die Frauensleute sind nicht immer mit diesen Fröscken zufrieden. Denn wenn sie über /unge Gänse und Enten gerathen, beiffen sie dieselben todt, und essen sie auf. Bisweilen haben sie auch kleine Küchlein, die sich dem Tei-che zu sehr genähert, weggeschleppt. Ich habe mchr bemerkt, ob sie zu beissen versucht haben, wenn man sie in den Händen halt, ob sie zwar mit kleinen Zahnen versehen sind. Wenn sie jemand schlagt, so schreyen sie fast wie Kinder. Man erzählte, daß einige ihre Schenkel und Hinterfüsse zu» Speise, die ziemlich wohlschmeckend seyn soll, zubereiten lassen. UebrigenS wußten sie ihnen keinen Nutzen beyzulegen. Der weisst Wacholder * ist ein Vaum, der von den Schweden diesen Namen führte, und hier und an mehrern Orten in seichten Sümpfen wuchs. Dem Stamme nach sieht er fast wie einer von unsern alten grossen und geraden Wacholderbaumen in Schweden aus. Die stachelichen Blatter sind aber verschieden, und m-wendia. ist der Baun, weiß. Die Engländer nannten ihn White Cedar, oder weiffen Eeder, weil er in, Winter grün ist, und die Bretter, die davon gemacht werden, denjenigen von Eeder ähnlich sind. Es kann aber weder der eine Name, noch der andere, gebilligt werden. Denn dieser Baum ist ein (^ preß. HhwitaEnen. Neu-Iersey. Napaapo. 145 preß. ^ Er wachst allezeit in ganz nassen und seichten Sümpfen, so daß man schwer hat durchzukommen; weil es meistentheils zwischen den Erdhügeln voll von Waffer ist. Diese Eypreßbaume stehen daselbst sowohl auf den Erdhügeln, als in dem Wasser selbst. Hier wuchsen sie ganz dicht aneinander, mit geraden und ziemlich dicken und hohen Stammen. Sie waren hier aber schon stark abgehauen. An andern Orten, wo sie in Frieden wach, sen können, sind sie gemeiniglich so hoch und dick, als die größten Tannen. Sie behalten ihre grünen Blatter beides Winder und Sommer. Der untere Theil des Stammes ist bey den grossen ohne Zweige. Von den Engländern werden die Sümpfe, worinn sie wachsen Cedars Swamps genannt. Solcher Cypreßsümpfe giebt es hier in Neu Jersey viele, wie auch an verschiedenen Stellen in Pensylvanien, und in Neu Pork. Die äusserste Gränze nach Norden, wo man den Baum wachsen bemerkt hat, ist bey Goschen in der Provinz von Neu-Pork, ohngefähr unter dem ein und vierzigsten Grad, und der fünf und zwanzigsten Minute der nordli« chen Breite; wie mir der Doctor Colden berichtete. Denn nach Norden ausserhalb dem genannten Orte, soll er nicht mehr wild wachsen. Dieser so genannte weisse Wacholder ist Hieselbst einer von den Bäumen, die der Faulniß am stärksten widerstehen, und in so ferne hält er mehr aus, wenn er über als unter der Erde stehen kann. Daher * *Dü&« nenn* i^Il tttitlct:, ttt feinem Gardeners Dictionary, Cypressus Americana, fručlu minimoj unt> bfC DttttCC fLinnzus Gupressus (thyoides) foliis imbricatis, ixoniü-bus ancipitibus, Spec, plant. />. 1003. 146 1749/ im May. Daher wird er zu allerhand Absichten gebraucht. Zur Vcrzäunung und Stäben ist er sehr dienlich, wie auch zu Pfählen, die in die Erde gesteckt werden. Doch hat der so genannte rothe Wacholdcrbaum darin einen Vor, zug. Zq Eanoen oder Nachen laßt er sich auch gebrauchen. Die schmalen und dünnen wendet man zu Ton. nenbandern und dergleichen an; weil sie weich sind und sich gut biegen lassen. Aus den dicken und erwachsenen Bäumen hauet man Zimmer und anderes zur Vöttgcr-arbeit. Man zimmert auch Häuser davon auf, welche in der Dauer diejenigen, welche hier von Amerikanischen Eichen, sie mögen auch seyn, von welcher Art sie wollen, aufgeführet sind, übertreffen. Es waren sehr viele Hauser in Rapaapo hievon erbauet. Die Dielen von diesem Holze nahmen sich gut aus.» Der vornehmste Nutzen aber, den dieser Cypreß hat, und warum er hier so beliebt ist, ist dieser, daß man aus demselben die allerbesten hölzernen Dachschindeln verfertigt. Diese Schindeln werden den andern wegen verschiedener Ursachen vorgezogen. Zuerst widerstehen sie dcr Fäulniß langer , als andere Holzarten an diesem Orte, wenn der rothe Wacholder ausgenommen wird. Sie sind auch sehr leicht, so daß das Gebäude keiner starken Sparren nöthig hat, um das Dach zu tragen. Und aus eben der Ursache ist e5 üb«u fiüßig, st dicke Mauern zu errichten; iveil sie von keinem schweren Dache gedrückt werden. Vey Feuerobrünsien ist auch die Gefahr geringer, neben oder unter den Dächern zu gehen, wenn sie niedergerissen werden; indem diese Schindeln, wegen ihrer besondern ieicheigkeit, bey dem Herunterfallen keinen sonderlichen Schaden verursachen können. Sie saugen zwar Neu-Ierscy. Napaapo. 147 zwar das Wajser, in soserne sie etwas schwammig sind, an sich; so daß die Dacher bey Feuersbrünsten bald naß gemacht werden können, wenn man dem Feuer Einhalt thun will. -Ihre Fettigkeit aber macht doch, daß die Nässe ihnen nicht schädlich wird, sondern leicht wegdün-stet. Wenn sie brennen, und vom Winde herumgeführt werden, so haben sie gemeiniglich eine so genannte todte Kohle, welche nickt so leicht, wo sie hinfällt, zündet. Es können auch diese Dacher bey Feuersbrünsten leich, ter als andere, wofern es nöthig ist, durchgehauen wer« den, weil sie dünn, und dem Veile nicht zu hart sind. Diese Eigenschaften machen, daß den ieuten, sowohl auf dem iande, als in den Städten, so viel daran gelegen ist, ihre Hauser damit zu bedecken, wenn das Holz nur einigermassen zu erhalten stehet. Daher find beides die Kirchen und die Wohnhäuser der bemittelten ieute in den Städten mit solchen Dachern versehen. An vielen Orten in Neu Pork, wo dieser Vaum nicht wachst, hat man doch Hauser, die mit Schindeln von dieser Art bedeckt sind, welche sie sich von andern Gegen« den verschast haben. So werden jährlich eine Menge, aus Eggharbour und andern Oertern in Neu-Jersey, nach der Scadt Neu-Pork verführt, von wo sie nachher in der Provinz dieses Namens weiter herumgebracht werden. Es wird auch /ährlich eine Menge davon nach den Westindischen Inseln, zu Dachschindeln, Faßdauben, und dergleichen, verschiffet. Dergestalt arbeitet man hier auf verschiedene Art, diese Väume nicht allein zu verringern, sondern sie auch zu vertilgen. Sie richten hier, wie an vielen andern Orten, wenn die Sache den Wald betrift, blos ihr Augenmerk auf ihren K 2 eigenen 148 i?49/ im May. eigenen und den gegenwärtigen Vortheil, nicht aber auf die künftige Zeit. Daher sind auch schon an vielen Stellen die Wacholder oder Eypreßsümpfe ganz ausgele, ret, und stehen blos einige kleine Sprösse hier und da noch übrig. Daß diese sich "ber nicht in der Geschindig, keil erheben, sondern Zeit erfordern, ehe sie zum Zimmerwerk gebrauche werden können, merkte ich zur Gnüge, als ich bey verschiedenen die Saftringe zählete. Denn es ist bekannt, daß ein Vaum nur einen Saftring im Jahr erhalt. Ein Stamm, von drey Viertelellen im Durchschnitt, hatte an dem dicken Ende ic>8 Saftringe; ein anderer, von zwey Viertelellen und 5 Zoll im Durch, schnitt, hatte daselbst 116; und bey einem andern, von einer Elle im Durchschnitt, konnte man bis 142 Ringe zahlen. Es werden daher wenigstens 8c) Jahre erfordert, ehe ein vom Saamen erwachsener Vaum von dieser Art zum Zimmerwerk taugen kann. Unter den Vortheilen, welche die von diesem Vaume geschnittenen Schindeln haben, rechnete man den/enigen auch, daß sie sehr leicht sind. Aber diese sonst an sich selbst so gute und nutzbare Eigenlast, dürfte doch hinkünftig in Philadelphia, und an andern Orten, vielen, die ihre Steinhauser mit Eyvreßschindeln gedeckt haben, nachtheilig werden. Denn weil diese Schindeldacher ihrer groffen teichtigkeit wegen, die Mauern sehr geringe drü, cken und beschweren: so haben sie bey dem Baue die Mauern zur Ersparung darnach eingerichtet, und sie folg. lich sehr dünne gemacht. Ich maß hier ihre Dicke bey verschiedenen Häusern, die drey Wohnungen, ohne den obersten Voben und den Keller mitzurechnen, hoch waren; und fand, daß sie bey den meisten eben 9^ Zimmerzoll, Neu - Jersey. Rapaapo. 249 merzoll, bey einigen aber gegen io solcher Zoll, betrug. Es war daher kein Wunder, daß man bey den starken Stürmen ganz deutlich sehen konnte, wie selbst die steinernen Glebel hin und her schwanketen, vornehmlich an solchen Hausern, welche etwas frey stunden. Da nun dlese Eypreßbäume bald hier im tande mangeln werden, und man hinkünftig, wenn die jetzigen Dacher verfault sind, schwerere, entweder von Ziegeln, oder anderm schweren Holze aufführen muß: so kann leicht geschehen, daß die erwähnten dünnen Mauern, nicht eine solche Schwere tragen können. Sie muffen alsdann entweder zerbrechen; oder man muß, die Mauern zu unterstützen, neue Pfeiler aufmauern, die das Dach tragen sollen: oder man muß auch das ganze Haus niederreissen, und dickere Mauern errichten. Dies haben auch schon andere vor mir angemerkt. Einige bedienten sich der Spane anstatt Thees, und versicherten sie, daß sie, was den Nutzen für die Gesundheit anbelangt, besser, als der ausländische Thee, wären. Es hielten alle dafür, daß das Wasser, welches man in diesen Eypreßsümpfcn sin, det, sehr gesund, und zuträglicher, als sonst etwas, zu trinken wäre. Es erweckt eine grosse Eßbegierde, wel« ches sie mit verschiedenen Beispielen zu bestätigen suchten. Diese Eigenschaft schrieben sie theils dem Wasser, das mit dem Harze von diesem Baum angefüllt ist, zu, theils den Ausdünstungen, welche von diesem Baume kommen, und durch den Gcruch sehr gut erkannt werden können. Sie meinten, daß die gelbliche Farbe des Waffers, welches zwischen den Bäumen steht, von dem Harze, das die Wurzeln des Baumes von sich geben, herkäme. Darin kamen auch alle überein, daß dies Wasser im heis, K 3 ftn i;o i?49/ im May. sen Sommer ebenfalls sehr kalt ist. Dies bürste zum Theil von dem Schatten, den es beständig hat, herrüh, ren. Ich redte hier im iande mit verschiedenen, welche sich vorgesetzt hatten, um ihre Eßbegierde wieder herzustellen, nach solchen Eypreßsümpfen hmzurcisen, und da. selbst einige Zeit von diesem Wasser zu tr.nken. Herr Vartram hatte einen solchen Vaun, an einem trockenen Ortegcpfianr; es hat aber daselbst nicht mit ihm fort gewollt. Er hat ihn darauf in ein sumpfiges Erdreich versetzen lassen, woselbst er gleichsam neues teben erhak ten, und sich gut angelassen hat. Und ob er gleich niche über eine Mannshöhe gewachsen war, so stund er doch voll von Zapfen. Eine Sache ist doch bey seiner Fortpflanzung merkwürdig. Der Herr Bartram hatte zwey Jahre nach einander im Frühling die Zweige an ihm abgeschnitten, und sie in nasse Erde gesteckt, wo sie Wurzeln geschlagen haben und gut fortgekommen^ sind; ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Der röche Wacholder ist ein anderer Vaum, desscl, ich in dieser Relsedeschreibung an mehrern Orten gedacht 'habe. Er hat daher den Namen des rothen Wacholders von den Schweden, die hier wohnctcn, erhalten , weil das Holz dieses Vaums inwendig sehr roth ist, und hübsch aussiehet. Die Englander nennen ihn Red Cedar, oder rothen Ceder, und die Franzosen in Canada Cedre rouge. Doch ist der Schwedische Name der beste. Denn der Vaum ist kein Ceder, sondern ein Wacholder. * Wenn er zuerst aufwachset, hat er ziemliche Aehnlichkeit mit unserm Schwedischen; nachdem er aber * Iuniperus Virginiana. Linn Spec. 1039. Neu-Jersey. Rapaapo. 151 aber etwas grosser geworden ist, bekommt er ganz andere Blätter. Die Veere sind, beides der Gestalt und der Farbe nach, so wie bey unserm Schwedischen beschaffen; doch sind sie gemeiniglich nicht völlig so groß, obgleich die« ser rothe Wacholder zur Höhe eines grossen Vaums gelangt. In Racoon sand man sie nur einzeln stehen, und zwar nicht sehr groß. An andern Orten aber habe ich sie in grosser Menge gesehen. Meistenlheils gefallt ihm an solchen Stellen, wo unser Schwedische, zu wachsen. Vornehmlich auf den Anhöhen neben Flüssen und Strömen, wie auch auf andern^Anhöhen, in einem dürren und öfters ziemlich magern Erdreiche. Ausser dem aber habe ich ihn in Menge, und zwar zur Dicke und iänge, wie fast die höchsten Tannen, auf dürren und magern Sandheiden, wachsen gesehen. Gegen Canada zu, oder da wo ich ihn am meisten nach Norden gesehen habe, hatte er vornehmlich Vergklüfte zu semer Wohnstelle gewählet, und Hieselbst wuchsen der rothe Wacholder und der gewohnliche Schwedische unrer einander. Der Ort, wo ich ihn am längsten gegen Norden wild gefunden habe, war in Kanada, 18 französische Meilen südwärts von der Vcstung St. Jean, oder ohngesahr unter dem 44sten Grad und der zosten Minute der nördlichen Breite. Sonst sahe ich ihn auch in einem Garten auf der Insel Magdalena, welche in'dem iaurenzfiusse gleich nebenher Stadt Montreal in Canada liegt, und dem damahligen Gouverneur in der erwähnten Stadt, dem Baron ion-gueil, zugehörte, sehr gut fortkommen. Er war aber von Oertern, die weiter nach Süden gelegen sind, ge, höhlet, und da gepflanzt worden. Unter allen Holzarten, die man hier zu iande sindet, wird diese für die K 4 dauer- 152 1749, im May. dauerhafteste, und welche der Faulniß am stärksten widersteht, gehalten. Man gebraucht sie daher vornehmlich m solchen Fallen, wo das Holz leicht in Fäulniß gerath , insonderheit zu allerhand Arten Pfählen, welche in die Erde gesteckt werden sollen. Seine Dauerhaflig, keit wurde von vielen so sehr gerühmt, daß sie glaubten, ein Hebeisen konnte, wenn es zugleich mit einem Pfahl von dem rothen Wacholder in die Erde gesetzt würde, eben so balb verrosten, als ein Pfahl von diesem Holze verfaulen wurde. An vielen Orten sind beides die Zaune und ihre Pfahle davon gemacht. Die besten Eanoen oder Nachen, welche aus einem einzigen Stücke Holz ausgegraben werden, bestehen aus dem rothen Wacholder. Denn sie halten langer, als sonst ein anderes Holz wider dieFäulniß aus, und schwimmen dabey sehr leicht auf dem Wasser. In Neu - Pork habe ich ziemlich grosse Jachten gesehen, die ganz und gar von diesem Wacholder erbauet waren. Verschiedene Iachte aber, welche von der erwähnten Stadt den Hudsonsftuß hinauf nach Albany gehen, find auf eine andere Weise, wie ich oben * beschrieben habe, wegen der daselbst angeführten Ursachen, erbauet. In Philadelphia zimmert man keine Jachten oder Fahrzeuge davon, weil der Vaum zu einer solchen Grösse und Menge daselbst nicht zu erhalten stehet. Aus eben der Ursache sind auch nicht die Dächer mit Schindeln von der Art beleget; an den Orten aber, NW er in Menge gefunden wird, ist er zu Vordachern vortrefiich. Der reife Kern von diesem Wacholder ist von » In dem 2ten Thtile auf der 264sten und ber folgenden Seite. Neu-Iersey. Napaapo. 15z von'elner'schonen rothen Farbe, und die Arbeit, st man daraus macht, sieht anfänglich sehr gut aus, zu geschweige«, daß sie zugleich einen angenehmen und gesunden Geruch von sich giebl. Die angenehme Farbe aber wird immer schwacher, je älter die Sachen werden, die man daraus verfertigt hat. Ware dieß nicht, so würde es ein köstliches Holz, zur Tischlerarbeit seyn. Ich sehe bey dem Herrn Morris, einem von den vornehmsten der Pensylvanischen Regierung, und Quäcker, auf seinem iandgute einen Saal, welcher vor vielen Jahren an den Wänden inwendig mit Brettern von diesem rothen Wacholder überzogen worden. Herr Norris versicherte, daß sie anfänglich sich sehr gut ausgenommen hatten: jetzt war aber die Farbe so verblichen, daß diese Bretter ganz heßlich aussahen. Insonderheit hatte die Sonne neben den Fenstern die Farbe ganz ausgesogen, und war das Holz da so hell geworden, daß er Mohogonyholz in die Stelle hatte müssen hinsetzen lassen. Doch versicherte wan, daß man dieser Veränderung der Farbe in etwas vorbeugen konnte, wofern das Holz, wenn es noch neu ist, und eben gehobelt worden, mit einem dünnen Firniß überzogen wird, und man hernach verhütet, daß es keine Stösse bekömmt. Wenigstens thut dieß so viel, daß das Holz weit langer seine hübsche Farbe behält. Weil es anfänglich einen angenehmen Geruch hat, so pficgen einige die Hobelspäne davon in Kasten oder Schränke, lvo sie wollene Kleider verwahren, um sie wider den Wurm zu sichern, hinzulegen. Andere lassen iaden in Vyroen und Schränken von dem rothen Wacholder, zu eben der Absicht, machen. Dieser Nutzen aber ist nur so lange, als das Holz frisch ist, zu erwarten. Denn K 5 mit 154 i?49, im May. mit der Zeit verliert es seinen Geruch, und tauget als, dann nicht mehr, dieses Ungeziefer abzuhalten. Nach England wird bisweilen Bauholz davon versandt, wel, cheS ziemlich gut bezahlt wird. An vielen Orten um Philadelphia, wo jemand von den Vornehmen und ieu, ten von Stande, die in der Stadt wohnten, ihre Höfe hatten, war gemeiniglich von der grossen iandstrasse ganz bis zum Hofe hinauf, eine Allee von diesen Vau-men gepsianzt. Die untern Zweige waren abgehauen, und oben war derVaum gezwungen in eine hübsche Krone zü wachsen. Er sah zur Winterzelt, als das iaub pon allen andern Bäumen abgefallen war, schon aus. Dieser Baum steigt auch nicht in der Eil in die Höhe, sondern erfordert gleichfalls seine Zeit, ehe er zu einer beträchtlichen Dicke und Reife gelangt, welches aus dem folgenden erhellet. Ein Stamm, von 2 Viertelellen, und ij Zoll im Durchschnitt, hatte 188 Saftringe: zwey andere, von ) Viertelellen im Durchschnitt, hatten zu, verläßig über 252; denn eine Menge Saftringe waren so fein, daß ich sie nicht mit Sicherheil überzählen konnte. Dieser Baum wird auf eben die Weise, wie unser? ge, wohnlichen Wacholder, hier fortgepflanzet, nehmlich, insondecheit durch Vögel, welche die Beere essen, und die Steine oder Saamenkörner ganz von sich abgehen lassen. Um die Fortpflanzung dieses nützlichen Baumes hier im iande zu befördern, war in einem Pensylvani, schen Calender, oder einem so genannten Poor Richard improved, für das Jahr 1749 eine Beschreibung von dem Herrn Vartram eingerückt. Diese gab die Art, diese Baume zu pftanzen, und zu vermehren, an die Hand , und erwähnte auch mit wenigen Worten eines und Neu-Jersey. Racoon. 155 und des andern Nutzens, den man von demselben ziehet. Des Abends stellte ich meine Rückreise an. Vom stchsien. Die Maulbeerbaume * fien- gen nun zu blühen an; das taub aber derselben war noch sehr klein. Die ieut? an diesem Orte theilten sie in männliche und weibliche ein, und sagten, daß diejenigen mannlich wären, welche niemahls Frucht trugen; alle die/enigen aber, die Frucht trugen, nannten sie weibliche. . Die stechende Baumwinde mit Lorbeerblatt tern ** wuchs in der größten Menge in allen Sümpfen an diesem Orte. Die Blatter fiengen nun an hervorzukommen. Den Winter aber verliert sie dieselben insgesammt. Sie klettert neben den Bäumen und Büschen in die Höhe, und lauft so kreutzweis hin und her von dem einen Baum oder Busche zu dem andern. Auf diese Welse versperrt sie dergestalt alle Oefnungen zwischen den Gebüschen, indem sie sich mit ihren Gabeln *** überall umwindet, und zugleich sich um sich selbst schlingt, daß man die größte Mühe hat, in den Morästen und Wäldern, wo sie häufig wächst, durchzukommen. Denn der Stengel ist unten voll von langen Stacheln, die so stark, Wie an den Rosendornen sind, diese haaken sich in die Kleider ein, und zerreiffen sie. Dieser verdrießliche Busch, kann bisweilen, wenn man sich nach Kräutern umsie- * Morus rubra. ** Smilax laurlfolia. ' •*• Cirrhi. ^,) 156 1749/ im May^ umsiehet, oder sonst in dem Geholze gehet, einen ln grosse Verlegenheit und Gefahr setzen. Denn ohne daran zu gedenken, daß man seine Kleider, wegen der vielen scharfen Stacheln, die er hat, aufopfern muß; ft verursacht er durch seine besondere Art in das Creutz und in die Quer zu wachsen, einen starken Schatten und Dunkelheit in den Wäldern. Daher muß man sich bücken, und garMweilen auf allen vieren durch die klei, nen Oefnungen, die er neben dem Boden frey gelassen, durchkriechen. Unter diesen Umständen kann man sich nicht so genau vorsehen und in acht nehmen, oder sich besinnen, ehe sich eine versteckte Schlange, an denen hier zu iande ein grosser Vorrath ist, in die Stellung setzt, einem einen Hieb mitten ins Gesicht zu geben. Der Stengel hat eben die Farbe, wie die jungen Rosendornen. Er ist nehmlich ganz grün und glatt zwischen den Stacheln, so daß ein Unbekanter im Winter, wenn das iaub weg ist, ihn für eine Art Dornen halten wurde. Daher wird der Busch auch von den Schweden grön Tome genannt. Vom achten. Es waren hier jetzt auf dett Bäumen eine erstaunliche Menge Würmer, welche die Engländer Caterpillars nennen. Insonderheit nahm man eine Art von ihnen wahr, die noch für schlimmer, als alle die andern, gehalten wird. Diese zogen gleichsam grosse weisse Spinnweben zwischen den Aesten der Bau« we, so daß man sie weit weg erblicken konnte. Innerhalb einem jedweden derselben fand man Würmer oder Raupen zu lausenden, welche anfanglich sich in ihrem Gewe, be versteckt hielten, hernach aber heraus zu kriechen und sich, vornehmlich auf den Aepfelbaumen, zu verbreiten pstegten. Neu-Jersey. Racoon. iz? pflegten. Dabey frassen sie alles taub auf, und ent-blöffeten öfters ganze Aeste. Man berichtete mir, daß sie in einigen Jahren einen so grossen Schaden erregt hätten, daß die Aepfel-und Psirschenbaume so gut als keine Frucht gebracht haben, indem sie das iaub verzehret, und darauf die kahlen Bäume dem starken Brennen ,der Sonne bloSgestellet, wovon verschiedene ganzlich ausgegangen sind. Die leute psiegten diese Würmer auf die Weise zu verbrennen. Sie steckten eine Stroh - oder Flachsgarbe an eine Stange, zündeten sie an, und hielten sie unter diesen Geweben oder Nestern, wodurch ein Theil verbrannte, die andern aber herunter fallen mu.« sten. Es krochen aber demohngeachtet sehr viele wieder zu dem Baum hinauf, welches man doch hätte verhindern können, wenn man sie entweder zertreten, oder auf andere Welse umbringen wollen. Ich lockte Hühner zu solchen Stellen hin, wo sie herunter gefallen waren , und auf dem Boden zu lausenden krochen: sie lief, sen sie aber unberührt. Den Vögeln stunden sie auch nicht an. Denn die Väume waren voll von Spinnwe, ben, obgleich ganze Schwärme von Vögeln ihre Nester in den Gärten angelegt hatten. Vom achtzehnten. Ob man glelch schon einen Theil des May zurückgelegt hatte: so waren doch die Nächte an diesem Orte sehr finster. Ohngefähr eine Stunde nach dem Untergang der Sonne, war es schon so dunkel, daß man ohnmöglich aussen in einem Buche lesen konnte, so groß auch die Buchstaben darin mochten gewesen seyn. Und um ic> Uhr des Abends hatte die Finsterniß, wenn es klar war, so zugenommen, daß es, wie 158 1749/ im May. wie in den dunkelsten, aber doch sternklaren Herbstnachten bey uns aussahe. Mir kam auch vor, daß die Sterne, wenn es gleich klar war, dsch nicht die Nachc so gut, als bey uns in Schweden, erleuchteten. Und als die Nachte diese Zeit trüb, und der Himmel mit dicken Wolken überzogen waren, möchte es wohl hier ft finster gewesen ftyn, wie bey uns in einer trüben und dunkeln Herbst' oder Winiernacht. Es fiel daher hie. selbst, so gar zu jetziger Iahrzeit, bey trüben Nächten, fehr schwer zu reisen, indem weder teute noch Pferde den Weg findet konnten. Die Nächte schienen mir, der ich der hellen und herrlichen Sommernächte in Schweden gewohnt gewesen war, ganz garstig zu seyn. Wir meinen bisweilen aus Unverstand, daß unser Vaterland Schweden nicht so gut als andere tander sey. Wofern aber andere iänder ihre Vortheile besitzen, ft hat auch Schweden die seinigen. Und wenn alle Vortheile und alle Unbequemlichkeiten, die sich an beiden Orten finden, genau mit einander verglichen weroen: ft bleibt Schweden immer so gut, als jedes anderes Reich. Ich will kürzlich anführen, worin ich meine, baß dieser Theil von Amerika Schweden nachgeben muß, und warum ich, wie es Ulysses mit seinem Ithaka machte, meinem alten Schweden den Vorzug vor dem neuen einräume. In dem neuen Schweden bemerkt man sols gende Mängel. Die Nachte sind daselbst den ganze« Sommer über dunkel, und den Winter wohl so finster, ja finsterer, als zu eben der Zeit, in Schweden. Denn hier hat man keinen Nordschein, keine Nordlichter, und die Neu-Jersey. Racoon. 159 die Sterne geben eincn schwächern Schein von sich. Wenn sich etwa ein paar mahl im Jahr ein Nordschein zeigen sollte, so ist es viel. Es fallt kein Schnee ,m Winter, der die Nächte erheiteren und das Fahren erleichtern könnte. Demohngeachtet ist die Kälte öfters so scharf, wie bey uns, Der Schnee, der da fallt, bleibt blos wenige Tage liegen, und vergeht hernach beständig mit vieler Nasse. Die Klapperschlangen, Hornschlangen, * Rothbauche, ** grüne Schlangen und andere giftige Schlangen, gegen deren Viß öfters keine Hülfe »st, halten ßch hier häufig auf. Hieher muß ich auch die Waldläuse rechnen, wovon die Wälder verschiedentlich so voll sind, daß man kaum durch einen Vusch gehen kann, ehe ein ganzer Schwärm von ihnen auf einen geräth, und daß man ihrethalben sich oft in den Geholzen, so angenehm auch der Ort seyn mag, nicht niederlassen darf. Wie beschwerlich sie sind, und wie grosse Ungelegenheit das Vieh auch von ihnen verspüret, habe ich in den Abhandlungen der Königl. Schwedischen Akademie der Wissenschaften beschrieben. Die Witterung ist hier so unbeständig, daß es eben, wenn man den eis nen Tag vor Hitze verschmachten möchte, den andern Tag so kühl wird, daß man über Kälte zu klagen Ursa, che hätte. Ja diese geschwinde Veränderung geschieht öfters an einem und demselben Tage. Daher kömmt es, daß fast niemand diese Abwechselungen aushalten kann, ohne an seiner Gesundheit zu lciden. Die Hitze ist hier im Sommer entsetzlich, und die Kälte im Winter bisweilen * Horluormar. " Röd-bukar. I6o 1749/ im May. Veilen sehr durchdringend. Doch kann man sich vor der Kalte allezeit verwahren: wenn aber die erstaunliche Hltze heftig zusetzt, und lange anhält, so ist kaum einige Hüt, fe zu finden. Man wird abgemattet, und weiß kaum, wo man sich lassen soll. Daher hat es sich oft zuqctra. gen, daß die ieute von der heftigen Hitze todt zur Erde gefallen, wann sie auf dem Felde gegangen sind. Es herrschen auch viele Krankheiten, welche jahrlich zunehmen. Insonderheit entgehet fast niemand dem Wechsel-sieber mehr, sondern viele muffen es jahrlich, nebst an. dern Krankheiten, ausstehen. Die Erbsen können wegen dcr Würmer nicht gesäet werden. An dem Rockens keime befinden sich Würmer; eben so sind ihrer an den Kirschbaumen sehr viel. Die Würmer an den Bäumen verzehren pst alles iaub, so daß sie für das Jahr keine Frucht tragen, und daß eine Menge sowohl Frucht, als andere Baume davon ausgehet. Das Gras auf den Wiesen wird von den Würmern verzehrt. Sie verursachen auch, daß die Pflaumen, ehe sie halb reis werden, abfallen. Die Eichen sind zum Bau bey weiten nicht so gut, als die Europäischen. Die Zäune halten nicht über '8 Jahr aus. Die Häuser stehen nicht lange. Die Wiesen sind elend, und mit einem schlechten Heu bewach, sen. Die Weide für das Vieh in den Wäldern besteht aus lauter untauglichen Gewachsen, welche sie nicht, ohne die größte Noth, antasten wolttn. Denn es ist oft, in ganz grossen weiten Gehölzen von weit abstehenden Bäumen und schöner fetter Erde, schwer, einen einzigen Grashalm zu finden. Aus der Ursache ist das Vieh fast den ganzen Winter und lange im Sommer genöthigt, sich mit neuen Schößlingen und Zweigen von Bäumen zu füttern. Neu-Jersey. Racoon. 161 füttern, welche bisweilen mit keinem iaube versehen sind. Ja, daher giebt das Vieh nun so wenig Milch, und nimmt jährlich an der Grösse mehr und mehr ab. Die Hauser sind aufferst schlecht, zur Winterwohnung. Sehr oft ereignen sich Orkane oder Sturme, welche eine Men» ge Bäume umstürzen, Dacher und Hauser wegführen, und sonst einen mannigfaltigen Schaden verursachen, u. s. f. Einigen von diesen Beschwerlichkeiten könnte zwar durch Kunst abgeholfen werden; viele aber lassen sich gar nicht, oder nur mjt grosser Mühe andern. Also hat ein /edes iand seine Vortheile und Mängel. Glücklich ist der, so mit dem seinigen zufrieden seyn kann.' Der Rocken stund auf den meisten Acckern sehr undicht und schlecht, . welches aröstentheils von ihrem unachtsamen Ackerbau, und von den magern Aeckern, welche selten oder niemahls gedünget wurden, herkam. Nachdem sie ein tand, das in einigen hundert Jahren eine Waldung gewesen war, und woselbst also gemeiniglich cine dicke Gartenerde liegt, zum Acker aufgenommen hatten: so wurde es, so lange es tragen wollte, zur Aussaat des GetraideS gebraucht. Und wenn es kein Getraide weiter hervorbrachte, ließ man es zur Weide liegen, und nahm einen neuen Acker an einer andern Stelle, wo eine solche in langen Zeiten ungebrauchte Gartenerde zu finden war, auf. Diese Art den Ackerbau zu treiben, kann sich zwar eine Zeit ausüben laffen. Sie Wird aber künftig schwere Folgen mit sich führen; welches ein jeder leicht einsehen kann. Der eine und der andere gieng doch etwas besser mit seinem Acker um. Die Eng, Länder haben es überhaupt in dem Acker- und Wiesenbau Reisin ". Theil, t weiter 162 I?49/ im May. weiter als sonst eine andere Nation gebracöt. Aker das fette Erdreich und die dicke Gartenerde, welche dll-jelii-gen, die aus England Hieher gezogen ware', vor sich fanden, als sie ein fast mit einem ewigen Gehölze überwachsenes iand zum Acker zubereiteten, hat sie vcrwäh-net, und sie zu unachtsamen Ackerslcuten gemacl t. Es ist bekannt, daß die Wilden vor der Ankunft der Euro, päer, von undenklichen Zeiten her, dieses iand bewoh, nee haben, wie auch, daß sie fast gar keinen Acker gebrauchen, sondern sich vornehmlich mit Jagd und Aschen ernähren. Es ist wahr, daß sie Mayü und eimge Arten von Bohnen und Kürbissen pfianzcn: aber so ist e< auch zugleich gewiß, daß die ganze Pfianzung von diesen Gewächsen, die eine ganze Familie unter den Wilden das Jahr über hat, kaum mehr Erde, als ein Bauer bey uns zu seinem Kohllande anwendet, einnimmt. Wenigstens ist das Kohl- und Rübenland von unsern Bauern zusammengenommen, allezeit so groß, /a grösser, als der ganze Acker undKüchcngarten einer Familie von Wilden. Daher würden die Wilden kaum einen Monat von dem allen, was ihr Acker und Küchengarten abwirft, leben können, gemeiniglich sind auch die kleinen Där, fer der Wilden 2 bis z Schwedische Meilen von einan, der entfernet. Hieraus kann man schliessen, wie wenig iand sie in vorige» Zeiten zu Aeckern angebauet haben. Alles das übrige liessen sie stehen, und mit hohen und dicken Gehölzen überwachsen. Und ob sie gleich auf die nun übliche Weise von dem ungebrauchten iande ncue Aecker anbauelen, so bald der alte entkräftet war: so wollte doch ein so kleines Stück iandes nichts gegen die grosse Weite des andern Waldes sagen. Die Garten, erde Neu-Jersey. Racoon. 16z erde konnte also durch das /ährliche Abfallen des taubes in so viel hundert Jahren sich ansehnlich vermehren. Die Europäer fanden demnach hier ein so fettes iand und so schönes Erdreich vor, das in einigen hundert Iah, ren nicht von Getraidearten ausgemergelt worden war, und der Voden zwischen den Bäumen war so los/ als das beste bearbeitete Gartenbeet. Sie hatten weiter nichts nöthig als die Bäume umzuhauen, und sie in Haufen zusammen zu legen, und einigermassen das abge« fallene iaub weg zu harken. Darauf konnten sie gleich mit einem kleinen Pstuge ohne besondere Mühe das iand bepftügen und besäen, welches alsdann eine vortrefiiche Erndte gab. Diese Weise, ohne weitläuftige Muhe eine herrliche Getraideerndte zu erhalten, hat die Hieher gekommenen Englander und andere Europaer angereihet und verleitet, den Ackerbau der Wilden anzunehmen. Er bestehet aber darin, daß man ein unbearbeitetes iand, so lange es ohne Düngung Getraide tragen kann, ge, braucht: wenn es aber so ausgemergelt ist, daß es nichts weiter abwirft, lassen sie es zur Weide liegen, und nehmen eine andere Stelle auf, die mit einem alten Geholze überwachsen ist, und vim undenklichen Zeiten her niemahls vom Feuer oder Axt beunruhiget worden. Dieses macht auch, daß der Ackerbau und die Kenntniß desselben hier so gering ist, daß man in dem Stücke auf mehreren Tagereisen, fast gar nichts, sowohl von den Englandern als Schweden, Deutschen, Holländern und Franzosen erlernen kann; wofern es nicht dieses wäre, daß man aus ihren groben Fehlern und geringer Vesorgs niß füf die künftige Zeit, täglich eine vielfaltige Gelegenheit sindet, allerhand Betrachtungen anzustellen, und t 2 sich i64 1/43/ im May. sich zu befleißigen, durch fremden Schaden weise zu werden. Mit einem Worte, der Acker, die Wiese, das Gehölze, das Vieh u. s. f. werden hier fast überall mit gleicher Unachtsamkeit gehandhabet; so daß man hier die sonst in diesen Men der Haushaltung so erfahrne Englische Nation leicht verkennen kann. Kaum können wir in Schweden und Finnland mit dem schatzbaren Gehölze feindseliger umgehen, als es hier geschiehet. Sie sehen nur auf den gegenwärtigen Gewinn, und es träumt ihnen kaum von der Zukunft. Das Vieh wird taglich abgemattet, und nimmt an der Güte und Grösse, we, gen Hungers, wie ich vorher Oon oft erwähnet habe, ab. Ich sahe doch aus meinen Reisen hier im iande verschiedene Arten von den auserlesensten Kräutern und Grasern, welche die Pferde und Kühe vor andern erwählten. Sie wuchsen hier nicht allein wild, sondern sie ka,-men zum Theil auf dürren und magern Stellen, wo keine andere Gewächse aushalten wollten, sehr gut fort. Die Unempftndlichkeit aber, die Unwissenheit und die tiefe Dunkelheit in der Naturgeschichte, welche Wissenschaft auch hier, wie an andern Orten in der Welt, von vie, len für die größte Nichtswürdigkeit, und einen Zcitver, treib von halbklugen Menschen, angesehen wird, mach, ten, daß sie dieselben nicht zum Nutzen anzuwenden wuß, ten. Ich bin gewiß, und stütze meine Gewißheit auf unumstößliche Gründe in der Naturgeschichte, daß ich vermittelst dieser in einer Zeit von wenig Jahren im Stande gewesen bin, den magersten und dürresten Vo, den, wo eine Kuh nicht einmahl hat gefüttert werden können, in die fetteste und fruchtbareste Wiese, wo grosse Heerden von Vieh ihr überfiüßigesJutter gesunden ha-, ben, Neu, Jersey. Racoon. 165 ben, und vierschrötig geworden sind, zu verwandeln. Ich gestehe, daß! diese nützlichen Gewächse nicht an einem Orte, noch auf dem Eigenthum eines jedweden iandmannes, zu sinden waren. Derjenige aber, der nur eine geringe Einsicht in der Naturgeschichte hatte, würde ohne Schwierigkeit sie von den Orten, wo sie vorhanden waren, hnben sammlen können. Es ist wahr, daß ich aus Verwunderung erstaunte, als ick) den iand, mann über die schlechte Weide winseln hörte. Ich sahe aber zugleich ihre Schläfrigkeit ein, und bemerkte, was für vortrefiiche Gewächse bisweilen auf ihrem eigenen Vodcn wuchsen, welche nur etwas mehr iiebe und Hülfe von einem so kaltsinnigen und unerfahrnen Herrn forder« ten. Ich fand überall die Weisheit und Güte des grossen Schöpfers: ich vermiffete aber gar zu sehr die Kenntniß und den Trieb dieselbe recht zu schätzen und anzuwen-den. Wie glücklich ist daher nicht derjenige tandmann, der seine Güter kennt! * Zu dieser Abweichung von meiner Hauptsache, und zu diesen Betrachtungen hat mich der hier zu iande fajk überall versäumte Ackerbau geleitet. Ich habe auch zum Theil die Ursache dadurch anzeigen wollen, warum die nützlichen Haushaltungsvortheile in verschiedenen Theilen des iandbaues so sparsam und sehr selten in dieser Reise, beschreibung eingestreuet sind. Dabey leugne ich doch nicht, daß ich bisweilen einen und den andern geschickten Hauehalter hier angetroffen habe: sie waren aber doch ziemlich dünne gesäet. t 3 An * O fortunatos nunium, foa si bona norint^ Agricolas. 166 ,749, im May. An Raubvögeln, welche den Hühnern und an, derm zu Haus gezogenen Geflügel nachstellen, findet man hier eine Menge, und fast noch eine grössere, als bey UNS in Schweden. Sie geniejsen hier einer grossen Frey, heit, indem hier noch an vielen Gegenden ein so starkes Gehölze ist, daß sie von da die Hühner und Enten be, schleichen können. Den Raubvögeln ist es gleich viel, ob der Wald aus bessern oder schlechter« Bäumen besteht, wenn sie nur daselbst ihren Schatten haben können. In der Nacht ist das zu Hause gezogene Geflügel vor den Nachteulen, deren es hier einen grossen Vorrath giebt, in Gefahr. Sie halten sich mehrencheilö in Morästen auf, geben einen verdrießlichen iaut zur Nachtzeit, und über, fallen alsdann die Hühner unversehens, welche gemei, niglich ihr Nachtquartier in die Aepfel-Pfirschen. und Kirschbäume im Garten nehmen. Da man aber hier zu iande, so wie wir in Schweden und Finnland, mit allem Eifer den Wald vertilget: so dürfte daraus der Nutzen erwachsen, daß diese Raubvögel dadurch mehr blosqestellt werden, und daß ihnen die Gelegenheit be, nommen wird, so behende Schaden zu verursachen. Die Hirsche nimmt man hier zu iande, insonderheit in den dicken Waldern, in Menge wild wahr. Sie scheinen von unsern Europäischen der Art * nach, nicht verschieden zu seyn. Ein Englander besaß hier einen, den er zu Hause gezähmt hatte. Es ist zu merken, daß, so scheu diese Thiere auch in dem Gehölze sind, woselbst sie sich vornehmlich in den hier so genannten Wacholdermorasten, oder da, wo der oben erwähnte Cypreß wachst, auf. Neu-Jersey. Racoon. 167 aufhalten, sie doch, wenn man sie jung zu sich nimmt, so zahm werden können, daß sie von sich selbst zu ieucen, so gar zu fremden, hintreten. Diesen hatte man, wie er noch ganz klein gewesen, an sich gezogen. Es war eine Hinde. Die Farbe bestund über den ganzen Körper aus einem schmutzigen rothbraun, ausgenommen, daß sie unter dem Bauche und dem Schwänze auf der untern Semite weiß war. Die Ohren waren grau. Gegen die Schnauze war sie sehr schmal. Sonst sahe der ganze Körper geschlank und nett aus. Die Haare lagen dicht an einander und waren ganz kurz. Der Schwanz reich, te fast zur Beugung des KnieS. Bey dieser Beugung saß an einem jeden Hinterfuß auf der innern Seite etn Knote. Der Mann, dem sie zugehorle, erzählte, baß er verschiedene, dadurch daß er sie, wie sie noch jung gewesen, gefangen, zahm gemacht hätte. Diese hatte er drey Jahr gehabt. Sie war jetzt trachtig. Der Eig« ner hatte ihr um den Hals eine Schelle gehangen, damit wcnn sie im Gehölze gieng, die leute merkten, daß sie zahm wäre, und sie folglich nicht erschiessen möchten. Sie hatte Freyheit zu gehen, wohin sie wollte, und konnte auch über die höchsten Zäune wegsetzen, so daß es schwer gewesen wäre, sie einzusperren. Visweilen entfernete sie sich weit in den Wald, und blieb auch ab und zu ein Paar Nachte weg: sie kam aber, wie anderes Vieh, nachge-hends nach Hause. Wie sie in dem Walde gegangen, soll sie sich oft zu den wilden Hirschen gesellet, und sie bisweilen zu den Häusern hingelocket haben, insonderheit zu der Zeit, da sie lausig gewesen sind, so daß der Eigner durch diese Hinde die andern wilden Bocke dicht an seinen Häusern hat schiejsen können, Sie hatte einen star- i 4 ken i68 1749, im May. ken Geruch, wenn sie auf der Seite stund, wo der Wind Von den ieuten auf sie blasen konnte, denn ich sahe, wie sie sich erhob, und nach dem Winde die Augen hinwarf, wenn ich noch keiner icute auf dem Wege gewahr wurde, .ob sie gleich eine Stunde nachher zum Vorschein kamen. So bald die wilden Hirsche einen Geruch von Menschen merken, rennen sie ihre Wege. Im Winter fütterte der Mann sie mit Getraide und Heu. Des Sommers aber gienq sie aussen in den Wäldern und Wie« sen, und aß beides Gras und Krauter, wie anderes Vieh. Nun hielt er sie auf einer Wiese. Sie aß vornehmlich nuc Begierde Klee, die Blätter vom Hickery, die Blätter der kolbichten Andromeda, * und das fleckige Storchschnabelkraut. ** Auch nahm sie mit den Vlät-tern des Wegerichs, *" Gräsern und verschiedenen andern Gewachsen vorlieb. Der Mann sagte, daß er die Hirsche an Herrschaften in Philadelphia verkaufte, welche sie als Seltenheiten nach andern Oertern versendeten. Er halle für das Stück 25, 30 bis'49 SclMng in Pen, sylvlmischer Münze, nachdem er den Kaufmann gefunden hat, erhalten. Das Futter der wilden Hirsche im Sommer sind Gras und verschiedene Arten Krauter: in« Winter aber, wenn diese nicht zu bekommen stehen, essen sie daS Aeusserste und die Knospen von jungen Sprössen und Zweigen, welche im Walde wachsen. Daß sie ebenfalls zur Winterzeit ohne Gefahr den lsffelbaum f welcher * Andromeda panlculata. ** Geranium maculatum. *"* ©rob&Iab. t Kalmialatifolia, sjfo&frd. Neu-Jersey. Racoon. 169 welcher doch andern Thieren das ieben nimmt, essen, habe ich schon anderswo * gemeldet. . In dem langen und kalten Winter, der sich hier mit vieler Strenge den !9ten des Decembers im Jahr 1740 ansieng, und bis den izlen des Merzen 1741, beides nach dem alten Stiel gerechnet, dauerte, und in dem auch ein so häusiger und tiefer Schnee siel, fand man die Hirsche an mehrem Stellen im Schnee todt liegen, vornehmlich weiter hinauf in dem tande, wo der Schnee tiefer war. Ob dies denn daher geschehen, weil etwa der Schnee so häufig und tief gefallen, daß sie nicht haben durch oder heraus kommen können, oder ob die Kalte zu stark und langwierig gewesen, oder ob es ihnen an Futter gemangelt habe, wußte niemand zu sagen. Eben so berichteten alte teute, daß, als hier im Jahr 1705 der starke und ungewöhnliche Schnee fiel, dessen in den Kalendern für diese Oerter gedacht wird, und der über anderthalb Schwedische Ellen tief war, eine unglaubliche Menge Hirsche herunter gekommen wäre, welche man hernach in den Wäldern hausig todt gefunden; weil der Schnee so tief war, daß sie nicht durchkommen konnten. Man fand auch damahls eine Menge Vögel todt liegen. Zu Matsong kam eben den Winter ein Hirsch zu den Gebäuden, wo das Vieh gefuttert wurde, und aß zusammen mit ihnen von dem Heu. Der Hunger hatte ihn so bezwungen , daß er gleich zahm wurde, und nicht vor den teuten weglief. Er gieng nachher lange Zeit bey ihnen zu Hause, wie ein anderes zu Hause gezogenes Thier. Es bestätigten alle bejahrte Personen, daß in ihrer Kind, i 5 hsit 5 Im 2ten Theil auf der 479sien Seitt- I?o 1749, im May. heit weit mehr Hirsche hier zu iande, als jetzt, vorhan, den gewesen waren. Es war damahls nichts ungewöhn» liches ZO oder 40 von ihnen in einem Haufen zu sehen. Dle Ursache von ihrer Verminderung ist vornehmlich diese, daß das iand nachher stark bewohnt und die Wälder um. gehauen worden, und es jetzt weit mehr teute giebt, welche sie fällen und in Schrecken setzen, als zu der damahligen Zeit. Aber weiter hinauf in dem iande, wo grosse Gehölze und Wüstencyen sind, giebt es noch eine grosse Menge von ihnen. Zu ihren Feinden gehören die iuchse, die man in diesem iande findet, welche mit unsern in Schweden so genannten Wolftüchsen * von einerley Art sind. Diese klettern hinauf in die Vaume, und wenn der Hirsch unter denselben gehet: so werfen sie sich aus ihn, spannen sich fest, beiffen und zerfleischen ihn, sau« gen das Vluc aus, und verlassen ihn nicht eher, als sie ihn umgebracht haben. Man wurde verschiedene L.öcber in der ste, etwas in dem Frühlinge daselbst zu verweilen, um so viel mehr, da ich doch Zeit genug hatte, meine Reise nach der nördlichen Seite zu unternehmen. Neben dem Wege lag an einer Stelle eine von ben Schlangen, welche d,e Engländer Black «Snake uZd die i?2 l?49/ im May. die Schweden Swart s orm nennen. Wir schlugen sie todt, und maßen ihre tänge, welche eben drey Schwedi, sche Ellen ausmachte. Diese Schlange ist ihrer Gestalt und verschiedener Eigenschaften nach, von Eatesby * beschrieben, und in der natürlichen Farbe vorgestellt wor» den. Ich will hier eines und das andere, das ich von ihn aufgezeichnet habe, einrücken. Ihre iange ist ver, schieden, doch sind die erwachsenen gemeiniglich drey Ellen lang: sie ist aber doch sehr schmal. Die dickeste, die ich gesehen habe, war da, wo sie über den Körper die größte Breite hatte, kaum drey Querfinger dicke. Oberhalb ist sie der Farbe nach schwarz, woher sie auch den Namen erhalten hat, glänzend und sehr schlüpfrig; unter dem Kinn weiß, und schlüpfrig; unter dem Bauch weißlich, so daß die Farbe auf blau stößt, glanzend und sehr glatt und schlüpfrig. Es dürfte Abänderungen von ihnen geben. Eine von achthalb Viertelellen der Hänge nach, hatte 186 Vauchschilde ** und 92 halbe Schwanzschilde, welches ich nach mehrmahls wiederholter Rechnung so befand. Vey einer andern von der iange von 7 Viertelellen, zählte ich 184 Vauchschilde und blos 64 halbe Schwanzschilde, ebenfalls nach wiederholter Rechnung. Möchte wohl in ihrerIugend ein Theil des Schwanzes abgeschlagen, und das Ende hernach wieder zugeheilet seyn? Dieses kann wohl bisweilen geschehen. Von dieser schwarzen Schlangelnder man hier zu tande eine Menge. Sie ist eine von den Schlangen, welche » Man sehe s. N,e. ////?. »/ C<^o/. ^0/. //. />. 43. t. 4g, woselbst er ^nxu'u mZ« genannt wird- Neu, Jersey. Racoon. 173 welche erst im Frühling hervorkriechen; wobey sie bisweilen so hintergangen wird, daß sie, wenn warme Witte? rung einfällt, ganz zeitig sich zeiget. Wenn es aber gleich darauf kalt wird, so friert sie so, daß sie ganz steif wird, und erstarrt auf der Erde, /a bisweilen auf dem Eise selbst, liegen bleibt. Sie hatten sie zuweilen wenn sie erfroren auf dem Eise gelegen, zu sich genommen, und sie vor dem Feuer gefttzet, da sie dann nach einer kleinen Stunde wieder lebendig geworden ist. Ja es hat sich zugetragen, daß sie, wann zur Neujahrszcit einige wider die Gewohnheit warme Tage eingefallen sind, verleitet worden, aus ihrem Winterneste, aber zu ihrem Unglück, hervorzukriechen. Gemeiniglich kommt sie hier zu Ende des Merzen, nach dem alten Stil, hervor. Unter allen Schlangen, die man hier antrift, ist diese die geschwindeste. Denn sie fahrt so fertig hin, daß ein Hund sie kaum erHaschen kann. Daher ist es, wenn sie bisweilen Menschen verfolget, beynahe unmog-lich, ihr zu entkommen. Das Glück aber dabey ist, daß ihr Biß nicht giftig oder gefahrlich ist. Denn viele sind von ihr im Walde gebissen worden, sie haben aber kaum mehr Ungelegenheit davon verspüret, als wenn sie sich eben so stark mit einem Messer verwundet hatten. Die verwundete Stelle bleibt blos einige Zeit etwas empfindlich. Sie verursacht sonst keinen Schaden, ausgenommen im Frühling, wenn sie in ihrer Brunst ist. Denn wenn jemand ihr sodann hinderlich ist, wird sie so erzürnt, daß sie dem Menschen mit allen Kräften nachsetzt. Bekömmt sie dann einen furchtsamen vor sich, so ge« räth er in grosse Noth. Ich habe verschiedene gekannt, welche !?4 1749/ im May. welche bey einer solchen Gelegenheit ihr so stark zu entlaufen gesucht haben, daß sie geglaubet, ihnen würde der Athem vergehen, indem die Schlange, so geschwind, als ein Pfeil, hinter her ge/agt hat. Wofern man sich dann so gut fassen kann, daß man, wenn entweder die Schlange zuerst im Rennen ist, oder indem man aus den, Wege lauft, mit einem Stock oder sonst einer Sache sich zur Gegenwehr setzet; so kehrt sie gerne um, und er. greift selbst die Flucht. Bisweilen aber ist sie doch so kühn, daß sie dem ohngeachtet ganz auf einen zu rennt, und nicht eher stehen bleibt, bis sie einen guten Streich bekommen hat. Es wurde von allen versichert, daß sie sich, wenn sie einen einholet, der beständig vor ihr weglauft, und nicht Muth hat, sich zur Ge, genwehr zu setzen, um seine Füsse schlingt, so daß derjenige, der da fiiehet, nicht mehr laufen kann, sondern umfallen muß; alsdenn soll sie ihn einige mahl in daS Bein, oder was sie sonst zu fassen bekomme, beissen, unh hernach ihre Wege wieder fahren. Ich will zwey ErzZH, lungen anfuhren, welche dieses bestärken. Doctor Col-den berichtete mir, als ich mich in Neu Pork aufhielt, daß er im Frühling des Jahres 1748 auf seinem Gute nuf dem iande verschiedene Arbeitslcute gehabt hätte, unter denen einer gewesen ist, der kurz vorher von Europa Hieher gekommen war, und also mcht viel von den Ei, genschaften der Schlange wußte. Als die andern Ar, heiter eine grosse schwarze Schlange sich mit dem Weib, gen paaren sahen, verleiteten sie den Fremden dahin ;u gehen und sie zu todten. Dieß wollte er auch mic einem kleinen Stäbe bewerkstelligen. So bald er aber beynahe dahin kam, wo die Schlangen lagen, wurden sie ihn < gewahr, Nfu-Jersey. Racoon. 175 gewahr, da dmm das Männgen erbittert sein Vergnügen verläßt, und wie ein Pfeil gegen den Kerl losfahrt. Dieser, der nichts weniger als eine solche Hcrzhaftigkeit bey der Schlange erwartete, wirft erschreckt den Stock von sich, und fängt an so siark, als er kann und vermag, zu laufen. Die Schlange setzt ihm nach, erhäscht ihn, windet sich zu mehrern mahlen um seine Veine, so daß der Kerl umfiel und aus Schrecken bald seinen Verstand verlohren hätte. Er wurde der Schlange nicht ehcr los, bis er endlich so viele Entscklieffung gesaßt hatte, daß er sein Messer hervor nahm, und sie an zwey bis drey Stellen quer abschnitte. Die andern Arbeitsleute sahen die-scs Spiel mit Vergnügen an, ohne ihm den geringsten Beistand zu leisten, sondern lachten nur dazu. Verschie, dene in Albany erzählten mir eine Sache, die sich mit einer Jungfer zugetragen hat, welche im Sommer zu« gleich mit andern Madgen vor der Stadt gieng, und ihren Neger oder schwarzen Sclaven mit sich hatte. Sie setzte sich m dem Walde an einem Orte nieder, da die andern Herumliesen, und ehe sie sichs versähe, kommt eine schwarze Schlange, die in ihrem iiebesgeschäfte aestoret worden, und läuft unter ihren Rock, und schlägt sich mitten um den ieib, so daß das Mädgen aus Schrecken und wegen des Klemmens der Schlange umfallt und ohnmächtig wird. Der Neger trat hinzu, und wie er sie in diesem Zustande fand, so hebt er, entweder weil er besorgt hat, daß eine schwarze Schlange auf sie gerathen wäre, oder weil er die Mittel, der sich einige bedienen, um einen in Ohnmacht gefallenen wieder zu recht zu bringen, hat gebrauchen wollen, ihren Rock auf, und findet eine Schlange da, welche sich um ihren ieib so dichte als möglich ge, . , schlun- i?6 1749/ im May. schlungen hatte. Dcr Ncger war nicht im Stande, sie loszumachen, ohne sie abzuschneiden, worauf oas Mäd-gcn endlich wieder zu sich kam. Weil sie aber dcr Ncger bey der Gelegenheit zu nahe beschauet hatte: konnte sie ihn niemals mehr vor ihren Augen leiden, sondern sie bekam eine gleichsam auszehrende Krankheit, und starb endlich. Zu andern Zeiten im Jahr ist diese Schlange geneigter wegzulaufen, als auf die ieule los zu fahren. Doch hörte ich verschiedene versichern, daß sie gleichfalls weit im Sommer, und wenn sie nicht mehr in ihrer Brunst isi, die icute, insonderheit Kinder verfolgt, nemlich alsdann, wenn sie merkt, daß man bange ist, und vor ihr fliehet. Ja verschiedene behaupteten und beruften sich auf ihre eigene Erfahrung, daß man sie bisweilen reizen kan, sich zu verfolgen, wenn man etwas auf sie wirft, und darauf zu laufen anfangt. Ich kan dies mcht füg' lich in Zweifel ziehen, indem ich es von so vielen glaubwürdigen ieuten vernommen habe: mir aber hat es nie-mals glücken wollen. Ich habe allezeit, wenn ich sie wahr, genommen, theils wegzulaufen angefangen, theils etwas auf sie geschlenkert, und darauf bin ich aufs eiligste weg, gesezt: ich haW sie aber niemals vermögen können, nach, zukommen. Ob sie mich für einen arglistigen Versucher angesehen, oder was daran mag Schuld gewesen seyn, weiß ich nicht. Sie ist im Gegentheil gemeiniglich aus allen Kräften, wie ein Pfeil von mir weggefahren. Fast alle hier im tande legten dieser Schlange eine solche Kraft, die Vogel und Eichhörner zu bezaubern, bey, wie ich an verschiedenen Stellen meiner Reisebe, schreibung.* angemerkt und beschrieben habe. Wenn nehmlich * In dem 2ten Theil auf der «zten, 457sten u. d. folg. Eeite. Neu-Jersey. Racoon. n? lich diese Schlange unter einem Baum liegt, und auf einen Vogel oder ein Eichhorn, das oben sitzet, ihre Augen gerichtet hat: so muß es von dem Baum herab kommen, und ihr gerade in den Schlund fahren, da sie es denn verschluckt. Ich weiß nicht, was ich hievon urteilen soll. Ich habe es niemahls selbst gesehen. Doch habe ich in meinen Tagbuche einige zwanzig Personen aufgezeichnet, und unter denen verschiedene von den al-lerglaubwürdigsten Mannern, die man jemahls finden kann, welche dieß mit einem Munde, obgleich öfters an weit von einander getrennten Orten, berichtet. Sie haben mir auf ihre Ehre versichert, daß sie mit eigenen Augen gesehen, (und zwar einige zu verschiedenen mah< len) wie diese schwarze Schlange Eichhorner und Vogel, die oben m den Bäumen gesessen, bezaubert hatte, ins dem die Schlange unten gelegen, und ihre Augen steif auf den über ihr sitzenden Vogel oder Eichhorn, gehalten, da das Thier dann gewinselt und einen klaglichen iaut von sich gegeben hätte. Der iaut des Eichhorns oder Vogels soll bey dieser Gelegenheit so winselnd seyn, daß man, ehe man sie wahrnimmt, blos daraus mit Zu-verlaßigkeit schliessen kann, daß die Schlange im Begriffe ist, sie zu bezaubern. Das Eichhorn oder der Vogel fährt mit einem solchen Jammer auf und nieder in dem Baum, und kommt der Schlange immer näher, welche ihre Äugen unbeweglich auf ihn gerichtet hat. Es scheint, als wenn diese armen Thiere durch das taufen oder Hüpfen aufwärts in dem Baume suchen sollten, der Schlange zu entkommen: es ist aber, als wenn sie etwas zurückzöge. Sie müssen gleich wieder herunter, und jedesmahl, wenn sie zurückkehren, nähern sie sich ihrem Relsin ".Theil. M Feinde i?8 1749, im May. Feinde mehr, bis sie endlich unter eincm angstlichen Win, seln genöthigt werden, in ihren Mund hinein zu hüpfen, welcher zu dieser Absicht weit offen stehet, und schr groß ist; und darauf verschluckt dieselbe sie attmählig. Es springen beides Eichhörner uno Vögel beständig in Menge fast ohne alle Furcht, in den Wäldern, auf der Erde herum, wo Schlangen oft einen Hinterhalt stellen, und wo ihnen sehr leicht fallt, diesen Thieren und Vögeln einen lcdtlichen Hieb zu geben. Daher scheint es, als wenn diese so genannte und vermeinte Vezauberung auf die Weise ausgedeutet werden könnte, daß das Eich, Horn und der Vogel vorhero von der Schlange eine todt, liche Wunde bekommen; und daß die Schlange, die ihres Hiebs gewiß gewesen, deswegen liegen bleibt, weil sie versichert ist, daß das verwundete Thier alsdann vergiftet worden, oder von ihrem heftigen Visse Schmerzen verspüret, und daß es zuletzt gcnothiget seyn werde, sich immer näher und näher zu ihr hinzuziehen. Der ängstliche taut dürfte von dem Schmerze, welchen das Gift oder der Hieb verursacht, herrühren. Dagegen möchte man abcr einwenden, daß der Viß dieser schwarzen Schlange nicht giftig sey. Uebcrdem konnte man denken, daß, wofern sie einem Vogel oder Eichhorn so nahe gekommen wäre, daß sie ihnen einen todtlichen Viß gegeben, sie dieselben eben so leicht hätte fest halten kön, nen, ohne sie auf den Vaum hinauf zu lassen. Oder sie hatte sich nach ihrer gewöhnlichen Art in der Eil um sie herum winven, und sie, wie sie es bisweilen bey de« Hühnern zu machen pftegt, zu Tode drücken oder ersticken können. Das vornehmste aber, welches mache paß man die vorige angezeigte Auslegung nicht für zu, reich. Neu-Jersey. Racoon. 179 reichlich annehmen kan,ist dieses, daß die glaubwürdigsten Personen heilig betheuret haben, daß, wenn sie biswei« len die Vezauberüng eines Vogels oder Eichhorns von der Schlange angesehen haben, und es endlich so weit , damit gekommen gewesen, daß das arme Thier in den Rachen seines Verfolgers hat hinein rennen sollen: sie nicht allezeit Herz genug gehabt haben, es so weit gehen zu lassen, sondern alsdann zuletzt die Schlange er- l schlagen haben. Kaum haben sie der Schlange einen recht tödtlichcn Schlag geben können: so hat der zu seinem Untergange schon bestimmte Vogel, oder Eichhorn sein Jammern eingestellt, und sie sind gleichsam plötzlich von dem Netze, das sie gefangen gehalten, befreyt worden. In eben dem Augenblick sind das Eichhorn und der Vogel, wie ein Pfeil entflohen, als wenn das Feuer hinter ihnen her gewesen wäre. Einige sag» ten, daß, wenn sie nur einigermassen, wahrend der Vezauberüng, die Schlange berfchret, so daß sie sich ^hat umsehen, und die Augen von dem Eichhorn oder Vogel abkehren müssen, diese Thiere ohne Verzug, als waren sie aus ihrer Schlinge entlassen, davon geflohen Wären, ohne in einer weiten Entfernung stehen zu blei, ben. Warum sollten diese in der Eile nun, und nicht eher, sich wegbegeben? Wären sie vorhero von der Schlange entweder vergiftet oder so stark gebissen worden, daß sie nicht mehr von dem Vaume wegzukommen vermocht haben, sondern der Schlange immer näher und näher schreiten müssen: so würden sie ja nicht durch das Umbringen oder Berühren der Schlange, neue Kräfte gegen die tiefe Wunde, die ihnen beygebracht worden, Hesammlet haben. Es scheint daher, daß die auf sie M 2 gcrich- Iko 1749, im May. gerichteten Augen der Schlange, sie vorher bezaubert oder gefesselt haben. Dieses aber muß einem doch bei, deS ungereimt und unbegreifiich vorkommen, ob es gleich von vielen der allerglaubwürdigsten Personen erzahlet, und hier zu lande fast von allen für so gewiß gehalten wird, daß, wer es hier in Zweifel ziehen will, sich nur dem Gelachter von allen blosstellt. Es mögen daher andere diese Sache genauer untersuchen. Sie beißt die kleinern Frösche todt, und ißt sie auf. Wenn sie über die Eyer sowohl von Hühnern, als andern Vögeln geräth, haut sie iocher in dieselben ein, und saugt alles, was darin ist, aus. Wenn die Hühner über den Eyern liegen, schleicht sie sich in das Nest ein, windet sich um das Huhn, und zerdrückt es, und saugt die Eyer aus. Herr Vartram berichtete. daß er diese Schlange ofc in die höchsten Väume nacy Vogel» eyern und Jungen hinauf kriechen gesehen, und daß sie immer mit dem Kopfe voran gegangen, wenn sie sich Wieder hinunter hat begeben wollen. Ein Schwede er» zählte mir, daß eine von diesen Schlangen einmahl den Kopf von einer ihm gehörigen Henne in ihrem Rachen gehabt, und sich übrigens so vielmahl um sie herumgeschlungen, daß sie nicht aus der Stelle kommen können, sondern nothwendig ihr ieben habe zusetzen müssen, wenn der Mann ihr nicht zu Hülfe gelaufen wäre, und die Schlange umgebracht hatte. Sie war nachdem gleich gesund, als vorher. Nach Milch soll diese Schlange sehr begierig sey«, ft daß es schwer ist, wenn sie,sich an einen Milchkeller gewöhnt hat, sie davon abzuhalten. Man hat sie Milch «us Neu-Jersey. Racoon. M aus emer Schale mit Kindern essen gesehen, shne daß sie dieselben gehauen oder gebissen hatte, obgleich die Kinder bisweilen sie mit liem iöffel auf den Kopf geschlagen , wenn sie gar zu begierig die Milch mit ihnen hat theilen wollen. Ich habe sie nicht zischen gehört. Sie soll sich fast mehr als zur Hälfte an dem Ende erheben können, um sich herum zu sehen. Sie läßt jährlich ihre Haut von sich, welche man für sehr gut gegen den Krampf halt, wenn man sie entweder an einen Gürtel, oder an die Hosen- oder Rockqueder anneht, und beständig an dem Korper träget. Diese Haut soll auch mit Nutzen einer Kühe zerhackt eingegeben werden, wenn sie, nachdem sie gekalbet hat, nicht gereinigt worden ist. Der Rocken sieng nun zu blühen an. wie groß die Verschiedenheit bey den pflan, zen und dem Erdreiche ist, welche von Bächen u. si f. veranlasset wird, habe ich oft bey meinen Reisen mit Verwunderung gesehen. Oefters ist ein Vach nicht grösser, als daß man über ihn weghüpfen kann; und dennoch sind bisweilen ganz andere Gewächse auf der einen Seite, als auf der andern, befindlich. Daher erwartete ich fast jederzeit, wenn ich zu einem grossen Vach oder Strom kam, eine Blume zu sehen, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte. Ihre Saamen werden mit dem Wasser von entlegenen Orten herunter geführet worden seyn. Dabey aber ist auch die Erde nicht selten auf der einen Seite des Bachs oder des Stroms von ganz anderer Art, als auf der andern, so d«ß sie, wenn sie auf der einen Seite fett und fruchtbar, auf der andern trocken, sandig und mnger ist. Ein Fluß M 3 kann !82 1749, im May. kann dennoch einen noch grössern Unterscheid verursachen. So sehen wir, was für eine grosse Verschiedenheit zwi? schen Pensylvanien und Neu Jersey, welche iandschaf-ten von dem Fluß Dcllaware getrennt werden, statt sin, det. In Pensylvanien besteht der Voden aus Staub, erde, die mit Sand und Thon vermisst, und sehr fett und fruchtbar ist; und oben in dem Gehölze ist das iand daselbst verschiedentlich ziemlich bergigt und steinigt. Im Gegentheil besteht der Voden in Neu-Jersey vornehm-lich aus einem magern und dürren Sande, und ist nicht sehr fruchtbar, ausgenommen an gewissen Orten. Selten trist man da einen Stein, viel weniger Verge an. In jener iandschaft erblickt man selten eine Tanne; in dieser sind ganze Wälder davon voll. Des Abends kam ich in Philadelphia an. ^ Vom zwey und zwanzigsten. Die von den Engländern so genannten locusts, oder eine Art von Grashüpfern, siengen in der vorigen Nacht und hernach heute aus ihren iöchern in der Erde zu einer erstaunlichen Menge an, hervor zu kriechen. Sobald einigermassen ihre Flügel trocken waren, und sie sich zurechte hatten bringen können; siimmeten sie ihr Gesänge an, so daß der, welcher in den Waldern reiseee, nichts anders wußte, als daß er sein Gehör verlieren würde. In diesem Jahr gab es hier eine erschreckliche Menge. Ich habe in den Abhandlungen der Konigl. Schwedischen Akademie der Wissenschaften * eine umständliche Nachricht von ihnen, von ihrer tebensart und Eigenschaften u. s. f. geliefert. ',, Es .^ * Man sehe das Jahr 1756, auf der loisien Seite, nach .,,, der Schwedischen Ausgabe. Penjylphanien. Philadelphia. 183 Es ist daher überftüßig, dasselbe hier wiederum beyzubringen: sondern ich verweise den geneigten iescr nach dem angezeigten Orte. Vom fünf und zwanzigsten. Der Tulpen- bäum blühete nun zum besten. Die Blumen sind den Tulpen ähnlich, und sehen sehr schön aus. Ob sie aber gleich sich nicht durch einen besondern Geruch empfehlen: so war es doch ein Vergnügen, Bäume, die der Grösse und Höhe nach, unsern größten Eichen nichts nachgeben, mit Blumen dicht besetzt zu sehen, die in der Entfernung den Tulpen ähnlich waren. Ein unbewafneter fast olivenfarbener Aaser, bey dem die Nath und der Rand der Flügeldecken schwarz, und die tenden dunkelbraun waren, * befand sich häufig auf den Blumen des Tulpenbaums. Ob sie das Saa-menmehl gesammlet, oder sich begattet, oder was sie mögen vorgenommen haben, kann ich nicht mit Gewißheit jagen. Ich sahe hernach weiter in dem Sommer, daß eben dieser Käfer, als die Maulbeere zur Reife ka, men, tiefe iochcr in sie hinein gegraben, entweder um sie zu essen, oder dahin seine Eyer zu legen. Ich fand auch nachgehends, daß sie in gleich grosser Menge sich in den Blüthen der Magnolia einquartieret hatten. Die Erdbeere sahe man nun an vielen Stellen völlig reif aus den Anhohen. Die Rirschen führten die iandleute jetzt ganz reif in die Stadt. Es waren deren aber ltur einige we- M 4 nige » 5ca?-a5 . , 192 1749, im IIInills. mehrentheils mil Weitzen, Rocken, Mays, Haber, Hanf und Flachs besäet. An v«rschiedenen Orten sahen Wir grosse Stücke von dcn Aeckern mit Hanf besetzt. Wir fanden den ganzen Tag Casianienbäume, und zwar in ziemlicher Menge, in den Wäldern. Sie wuchsen oft auf einem ganz äusserst magern Voden, wo es weder zu naß, noch zu trocken war. Die Culpenbäume wurde man nirgends neben dem Wege gewahr. Doch berichteten die teute, daß man sie hier verschiedentlich fände. Der Bieberbaum * wuchs hin und wieder in den Morasten. Da er nun blühete und der Geruch ber Blume einer der angenehmsten in der Welt ist: so konnte man in der Entfernung, ehe man zu den Morasten hinkam, seine angenehme Düfte erkennen. Man konnte ofc, wenn man einem Moraste vorbey fuhr, diesen Baum nicht wahrnehmen: der herrliche Geruch des Baumes aber entdeckte doch, daß er in der Nahe stund. Die glatte Flammenblume " wuchs in ziemli, cher Menge hie und da in dem Gehölze, und gab durch ihre rothen Blumen ein schönes Aussehen. Sie nahm hier die Oerter und das Erdreich ein, worauf bey uns in Schweden die Pechblumen *** und die zwcyhaußigeren purpurfarbenen Kronnelken f wachsen. Auf nassen Stellen wuchs die fleckige Flammenblume ff häusig, welcke • Magnolia. f* Phlox (glaberrima, Linn, *** Lychnis Viscarla. | Lychnis diuica purpurea, ft Phlox maculata, Linn. Zwischen Philadelphia und Neu York. 19; Welche mit schönen rothen und wohlriechenden Blüthen angefüllt war. Diese vertrat auf niedrigliegenden Wie, sen die Stelle der Guckgucksblume * bey uns. Wofern man hiezu die coccinellsarbene Vartsia, die Cardinal-tobelia ** und die zweymächlige Monarda *** legt, welche alle hier im iande wild wachsen: so findet man ohne Zweifel diejenigen hier, welche mit der schönsten Rothe, die man sich nur erdenken kann, geschmückt sind. Der Sassafras war in dem Gehölze und neben den Zäunen gemem und häusig. Die -Häusir, denen wir vorbey fuhren, waren mehrentheils von Holz. An einem Orte beschäftigte man sich ein Haus aufzumauern, dessen Wände aus lau< ter Thon, wovon man auch hier die Backöfen bauet, gemacht wurden. ' Der Buchweizen hatte schon von selbsten an ver« schiedenen Orten sich fortzupflanzen angefangen. Wir so« hen den ganzen Taq einzelne Pflanzen davon, sowohl in dem Walde, als aujsen auf den Feldern: aber doch allezeit an den Wegen; woraus man schlieffen kann, daß er zuerst durch verstreuete Saamenkörner Hieher gebracht worden ist. Des Abends spat kamen wir in dem neuen Braun, schweig an. s Vom * I.?ckm8 ?lo5 cucull. ** l^odelia caräinal«. 5 Man kann die Beschreibung davon in be« 2ten Thtih auf der zöysten und folgenden Seite, lesen. Reisen ". Theil. N 194 l?49/ im Iunius. Vom dritten. Zu Mittag begaben wir uns von hier mit einer Jacht, welche nach Neu. Pork gieng, und den Fluß hinab segelte. Dieser hatte anfanglich zu beiden Seiten ziemlich hohe und steile Anhöhen aus dem rothen Steine, dessen ich schon an einem andern Orte * erwähnet habe. Hie und da stund auf dem erhabenen Ufer einer und der andere iandhof. Weiter unten zeigten sich zu beiden Seiten dicht an dem Flusse grosse Felder und Wiesen. Wir konnten nicht, wohin wir wollten , in dem Flusse mit unserer Jacht segeln. Denn er war verschiedentlich, und sogar bisweilen in der Mitte ziemlich seicht. Daher war auch der Weg, den wir durchfahren sollten, mit belaubten Zweigen angezeigt. Wir kamen endlich in die See, und sahen südwärts nichts als Meer vor uns: aber zur linken Hand hatten wir beständig das feste iand in einiger Entfernung von uns liegen. Als wir eben zu der Mündung des Stroms gelangten, hatten wir zwey Wege, die wir um nach Neu-Pork zu fahren, wählen konnten, nehmlich entweder innerhalb der Insel, dem Staate Eyland, oder ausserhalb derselben. Wir richteten uns nach dem Winde und der Witterung. Denn wenn es Sturm oder finsteres Wetter ist, wagt man nicht ausserhalb, wo das Meer selbst anstößt, zu segeln, Wir nahmen nun bey einem angenehmen Wetter den Weg ausserhalb, und ob wir gleich ein paar mahl in dem Grunde sitzen blieben, arbeiteten wir uns doch los, und kamen um 9 Uhr des Abends nach Neu-Pork; von welcher Stadt ich oben ** schon die Beschreibung geliefert habe. Vom * In dem 2ten Th.auf bereisten u. 0. folg.Seite. " Man sehe dm -ten Th.auf der 338sie»lu,d. folg, Seite. Neu - York. 195 Vom vierten. Man fand hin und wieder in den Gärten wemranken, welche sie sich zuerst aus den alten tändern verschaffet hatten. Diese tragen fast jährlich eine Menge der schmackhaftesten Trauben. Wenn die Winter kalt sind, verfrieren sie und ersterben ganz bis auf den Voden: den nächsten Frühling aber schlagen neue Sprösse von der Wurzel wieder aus. Die Erdbeere wurden nun täglich in die Stadt in grosser Menge zum Verkauf geführet. Man aß sie auf eben die Weise, als wir in Schweden, entweder für sich allein, oder auch mit süsscr Milch, oder mit ein wenig Wein nebst Zucker begossen. Man brauchte sie auch zu Confitüren auf die gewöhnliche Art. Ein /unger Engländer aus Jamaica berichtete, daß keine Erdbeeren daselbst wüchsen. Hier in Amerika haben sie gemeiniglich die Eigenschaft, daß die Beere an dem Kelche festsitzt, und nicht so leicht davon zu trennen ist, als bey unsern Schwedischen. Die Schlangen sollen nach diesen Beeren sehr begierig seyn. Ob es nun gleich deren an verschiedenen Stellen eine ziemliche Menge giebt, so kommen sie doch denjenigen, derer wir uns in Schweden und Finnland erfreuen können, bey weitem nicht nahe. Clover oder der grosse rothe Klee, war hin und wieder auf den Anhöhen aussen vor der Stadt gesäet. Man war jetzt zum Theil mit dem Abmähen der Wiesen beschäftigt. Einige waren auch schon abgemähet, und der trockene Klee in Schobern geleget, um mit dem er, sten weggeführet zu werden. Na Die 196 i?49/ im Iunius. Die Airsihbäume halte man häufig vor den Höfen neben der iandstrasse von Philadelphia bis Braun, schweig gefetzet: hernach aber wurden sie ziemlich selten. Wie ich zu dem Staate Island, in der Provinz Neu, Pork kam, wurden sie wieder neben den Garten sehr gc-mein. Es gab aber hier nicht so viel Abänderungen davon , als in Pensylvanien. Ich ward in der Provinz Neu-Pork sehr selten der schwarzen süssen, sondern meist der rothen sauren gewahr. Wenn ein Fremder einen Garten vorbey reiscte, worin die Früchte reif waren, so war ihm erlaubt stehen zu bleiben, und ohne jemanden etwas zu sagen, hineinzugehen, und so viel ihm beliebte, zu esscn, wofern er nur nicht die Zweige zerbrach. Niemand, 'und sogar der kargeste landmann, redte einen deswegen an. Denn er wußte, daß wenn er einen Reisenden davon abhalten würde, er nur lose Worte von ihm dagegen zu erwarten hatte. Ob gleich aber zwi, schen Braunschweig und dem Staat Island sehr wenige Kirschbaume vorhanden waren: so fand man doch desto grössere Aepfelgarten. Vom sechsten. Verschiedene Standespersonen und Handelsleute hieselbsi von 50 bis 6o Jahren, ver, sicherten einstimmig, daß sie wahrend der kurzen Zeit, da sie gelebet, ganz deutlich bemerket hatten, daß verschie, dene Arten Fische jahrlich an der Menge abnehmen, und daß sie jetzt bey weiten nicht so viele Fische als in ihrer Kindheit, erhalten könnten. Rum, eine Art Branntwein, welche aus Zuckerröhren zubereitet, und sehr stark hier in dem nördlichen Amerika in den Englischen Pfianzstadten gebraucht wird, wurde Neu-York. 19? wurde von vielen fur gesunder, als der/enige Branntwein, der aus Wein oder Getraidearten gemacht wird, gehal, ten. Um dieß zu bestätigen, führte man verschiedenes an. Sie sagten, sie hatten ein Stück frisches Fleisch in Rum, und ein anderes in Branntwein, der aus Ge-traide oder Wein gebrannt worden, geleget, und sie barin einige Monate gelassen. Als sie nun beide Stücke zugleich herausgenommen, soll dasjenige, so in Rum gelegen, fast wie vorher beschaffen, das andere aber in dem Branntwein, ganz zerfressen und durchlöchert gewe» sen seyn. Es dürste aber der Versuch nicht eben so rich« tig seyn. Der Major Roderfort berichtete, daß er, als er mit den Truppen auf die Eanadische Expedition gewesen, bemerkt hätte, daß wenn die Soldaten Branntwein einige Zeit getrunken oder gesoffen, sie gemeinig» lich gestorben waren: hingegen hätte ihnen der Rum gar nicht geschadet, wenn sie sich gleich täglich, und noch länger als die andern, an ihm besoffen hatten. 5^ang Island wird eine Insel genannt, welche gleich aussen vor und gerade gegen über Neu-Vork, an dem Meer selbst, lieget. Der nördliche Theil dieser Insel ist weit fruchtbarer, als der südliche. In vorigen Zeiten hat eine Menge von Indianern auf dieser In» sel gewohnt: und findet man auch noch jelzt verschiedene von ihnen da, welche doch /ährlich, indem sie davon wegziehen, abnehmen. Der südliche Theil der Insel ist zwar der magerste, dem Erdreiche nach. Dabey hat aber der allweise Schöpfer dieses durch eine Menge Au« stern, Hummern, Krabben, verschiedene AOen Fische, «ndvielerley Seevogel ersetzt, welche daselbst in weit N z grösserer 198 1749/ im Iunius. grösserer Menge, als aus der nördlichen Seite befindlich sind. Dieß ist auch die Ursache, warum die In, dianer ehemahls vornehmlich diese südliche Seite zu ih, rem Aufenthalte erwählt haben; indem sie insonderheit von Austern, und demjenigen, was das Meer reichte, lebten, Man kann annoch während der Ebbe bisweilen in der Elle eine ganze Karre mit Austern, welche eine einzige Fluch aus dem Meer auf das Ufer getrieben, an, füllen. Ueberall auf der Insel findet man eine Menge Austern - Muschel, und Schneckfchalen, welche die Indianer ist vorigen Zeiten, als sie von ihnen lebten, dahin geführt haben. Diese Schalen dienen den jetzigen Einwohnern zu einem guten Dünge auf ihren Aeckern. Der südliche Theil der Insel wird nunmehro zur Wiese, und der nordliche zum Acker angewandt. Der Winter soll auf der nördlichen Seite bestandiger seyn, und der Schnee im Frühling daselbst länger liegen bleiben, als auf der süylichen. Das Volk ist hier sehr fruchtbar, und mehrentheils lang und stark gewachsen, Vom zehnren. Zur Mittagszeit verliessen wir Neu - Pork, und segelten mit einem stillen Winde den Hudsonsfiuß mit einer Jacht, die nach Albany gieng, hinauf. Auf diesem Fluß sahen wir den ganzen Nach« mittag einen Hausen kleiner Vote, welche von Neu-Pork zurückkehreten, wohin sie heute ihre Eßwaaren und andere Sachen, an denen sie wegen des starken Handels und der Menge von ieuten in dieser Stadt einen gu» ten Abgang haben, zum Verkauf gebracht hatten. Der Hudsonsftuß licf hier von Norden nach Süden, doch stiessen einGe hohe Erdzungen hin und wieder aus. Seine Breit? soll bey dem Anfange fünfviertel Englische Mei, ' len Zwischen Neu-York urd Albany. 599 len seyn. Taumler oder Purpoisses welzeten sich im Flusse. Das icmd war anfänglich auf der östlichen, oder der Seite von Neu-Pork, voll mit steilen und hohen Anhöhen: aber auf der westlichen etwas lang abhängig und mit Gehölzen bedeckt. Doch erblickte man verschiedentlich auf beiden Seiten Höfe, die mit Aeckern umgeben waren. Die Erde, welche die steilen Ufer ausmachte , leuchtete einem mit ihrer blaffen Ziegelfarbe in die Augen, und einige kleine Felsen von grauem Felsstein , ragetcn hie und da hervor. Ohngefähr ic> oder 12 Englische Meilen von Neu-Pork bekam das iand von der westlichen Seite des Flusses ein ganz anderes Aussehen. Denn hier stellten sich hohe steile Verge dar, deren Seiten gegen den Fluß senkrecht, und fast wie Pfeiler, stunden, und völlig den steilen Seiten der Verge Hall und Hunnebarg in Westgothlemd ähnlich waren. Visweilen sahe man eine Ecke, wie bey einer Vestung herausgehen. Oben waren sie mie kleinen Eichen und andern Bäumen bewachsen. Eine grosse Menge grösserer und kleinerer Steine lagen neben dem Strande her, untergefallen. Diese hohlen steilen Verge liefen einige Englische Meilen auf der westlichen Seite des Flusses fort: aber auf der östlichen Seite gegen über, war das iand mehrentheils sehr erhaben, und bestund aus Stauberde, bisweilen auch aus einer Abwechselung von Hügeln und Thalern, die größtentheils mit einem taubwald bewachsen waren. Doch liessen sich hin und wieder Höfe sehen. Auf den Anhöhen lagen an verschiedenen Stellen lose Steine ausgestreuet. Ohngefahr i2 Englische Meilen von Neu - Pork kamcn uns Stohre, die sich aus dem Waffer in die Höhe warfen, N 4 aber 2OO 1749/ im Iunius. aber die ganze Zeit vorher die gemeldeten Purpoissen, zu Gesichte. Weiter weg war das land auf der östlichen Seite des Flusses stark angebauet, denn wir erblickten ab und zu eine Menge von schönen Höfen, die mit niedlichen Aepfelgärtön und wohlgclegenen Aeckern, welche jetzt mit einem die Augen erfreuenden Getraide angefüllt stunden, umgeben waren. Ohngefahr 22 Englische Meilen von Neu-Port enlferneten sich die erwähnten hohen Verge, welche hier gleichsam einen hohen Rücken von Osten nach Westen über das iand gemacht hatten. Und darauf verwandelte sich die westliche Seite des Flusses in eine Vermischung von niedrigen Abhängen und kleinen runden Bergen. Das iand war hier so gut, als gar nicht bewohnt und angebauet. Die östliche Seite aber hatte eben das angenehme Aussehen, wie ich nun gesagt habe. Da wir eine kleine Weile, nachdem es finster geworden war, gesegelt hatten, warfen wir An« ker, um so viel mehr, da auch die Ebbe anfieng, sehr stark gegen uns zu laufen. Und wir lagen hier die ganze Nacht still. Vom eilften. Des Morgens, als das Wasser seine Richtung änderte, und der Fluß mit uns fioß, setzten wir unsere Reise unter einem schwachen Winde fort. Wir kamen nun den Highlands Vergen vorbey, welche uns östlich lagen. Sie bestunden aus grauem Felsstein, waren sehr hoch und ziemlich steil, und mit iaubbaumen wie auch Tannen und rothen Wacholdern bewachsen. Auf der westlichen Seite des Flusses war das iand ganz voll von Klippen, die aber doch nicht die Höhe, wie auf der entgegengesetzten Seite, erreicht hatten. Wir konnten Zwischen Neu-York und Albany. 201 konnten nicht gut den Gipfel dieser östlich liegenden Berge wahrnehmen, indem sie ein dicker Nebel umhüllete. Man sahe auch keine neuangelegte iändereyen oder Höfe an den Seiten, weil das iand wegen seiner vielen Klippen -dazu untauglich war. Die Entfernung dieser Verge von Neu-Pork rechnete man auf 36 Englische Meilen. Von den hohen Bergen stieg nun ein starker Nebel, so wie,ein dicker Rauch eines Kohlmeilers, auf. Wir hatten noch einige Englische Meilen lauter niedrige Verge und Klippen auf der westlichen Seite, und auf der östlichen eine Abwechselung von höhern und niedrigern Vergen, und ab und zu Thäler, welche insgesamt mit kleinen Tannen, rothen Wacholderbaumen und Eichen bedeckt waren. Obgleich die Berge zunächst an dem Flusse gemeiniglich niedrig waren, so wurden sie doch immer hsher, /e weiter sie von demselben abstunden. Hernach kamen uns zu einigen Meilen nichts anders als sehr hohe gerundete Verge und Thaler, die beide mit Wal« düngen bewachsen waren, wechselsweise vor. DieTha« ler selbst waren auch nichts anders als niedrige Klippen und Felsen, die an vielen Stellen neben dem Flusse senkrecht gerichtet waren. Die Breite des Flusses war bisweilen 2 oder z Büchsenschüsse, mehrentheils aber nicht viel über einen, groß. Es hüpften ab und zu verschiedene Arten Fische in dem Wasser. Der Wind legte sich um 10 Uhr Vormittags, so daß wir uns mit Rudern forthelfen musten, weil die Fluth nun nicht mehr stark genug aufwärts gieng. An einem Orte sahen wir auf der westlichen Seite des Flusses ein roth bemahltes N 5 holder' 202 I?49/ im Iunius. hölzernes Haus, und man sagte, daß sich eine Säge, wühle etwas höher hinauf befände. Aber ausser diesem nahm man diesen Vormittag nicht das geringste von ei, nem Hofe oder angebauetem tande wahr. Das Wasser in dem Flusse schmeckte weiter nicht salzig. Doch sagte man, daß die Fluth bisweilen, insonderheit wenn ein Südwind wehet, das salze Wasser noch langer hinauf führcte. An der Farbe des Wassers ließ sich auch eine Veränderung spüren; den es schien jetzt dunkler, als vorher, zu seyn. ^ Den ersten Ursprung und die Entstehung der Flüsse oder Ströme zu erklären, ist wohl eine schwere, wofern nicht ganz unmögliche Sache. Einige Flüsse ha, ben wohl dann und wann von ohngefahr aus einer Was» sersammlung hervorbrechen können, welche durch einen starken Regen oder einen andern Zufall dürfte zugenommen , und über ihren alten Rand ausgetreten seyn, oder welche sich auch auf andere Weise mag durchgeschnitten,^ und ihren Ausfluß nach niedrigern Gegenden durch solche Oertcr, wo sie den geringsten Widerstand gefunden, ge, suche haben. Dieß ist vielleicht die Ursache, warum verschiedene Flüsse in so vielen Krümmungen, sowohl über Felder von lauter reiner Erde, als auch da, wo Verge, Felsen und Steine ihren Gang andern, fortlaufen. Es scheint aber dabey, daß einige ihren ersten Ursprung von der Schöpfung selbst herleiten, und daß der allweise Schöpfer damahls den Weg, den diese Gewässer neh, lnen sollten, bestimmt habe. Denn wahrscheinlich muß etwas mehr zu ihrer Entstehung, als ein von ohngefahr entstandener Ausbruch des Wassers, erfordert werden. 3« Zwischen Neu-York und Albany. 20; Zu dieser letztern Art dürfte man den Hudsonsfiuß rechnen können. Sein gleichsam bezeichneter Gang und sein Verschiedentlich so besonderes User, konnte nicht anders, als Verwunderung bey mir erwecken, Er fangt sich ein gutes Stück oberhalb Albany an, und gehr aufs genaueste in einer geraden iinie von Norden nach Süden, ganz bis nach Neu - Pork hinunter. Dieß ist eine iange vott ohngefähe 160 Englischen Meilen, wsfern nicht noch »nehr; denn die kleinen Beugungen, die er bisweilen macht, haben fast gar nichts zu bedeuten. A« verschie-yenen Stellen zwischen Neu-Pork und Albany tritt eine Reihe von sehr hohen Bergen ein, welche in einer Stre, cke von Westen nach Osten streichen, Das merkwürdig, sie hiebey ist, daß diese an einander hangenden hohen Berge ungestört und unabgeschnitten so lange fortlaufen, bis sie zu diesem Fluß hinkommen. Aber gerade neben ihm werden sie quer abgeschnitten, und zwar öfters fo, daß ihre Seitentheile bey und in dem Flusse senkrecht stehen. Hier wird dann eine Ocfnung oder Kluft von der Weite oder der Breite, die der Fluß gemeiniglich durchgängig hat, gelassen: aber gleich auf der andern Seite des Flusses fangt sich eben diese Reihe oder Kette von Bergen wieder an, und verfolgt in eben dem Wetter,» striche ungehindert ihren Weg. Das was noch ange, merkt zu werden verdienet, ist dieß, daß der Fluß in der erwähnten Kluft oder Oefnung, die dem Wasser ge« lassen worden, gleich tief, als an andern Stellen, /a bisweilen noch tiefer, ist. Es ist bewundernswürdig zu sehen, wie die Seite.itheile des Flusses an den Stellen, wo dieses Gebirge fortstreicht, oft aus sehr hohen senk, lechten Bergen bestehen.. Und scheint es, Yaß wenn dieser 204 1749/ im Iltnius. ser Durchfluß von der Vorsehung dem Wasser nicht ver, stattet wäre, das ganze oben stehende iand würde überschwemmet worden seyn. Denn dieses Gebirge würde dann, als verschiedene über einander stehende Dämme, das Wasser fortzufließen, gänzlich verhindert haben. Warum soll dieser Fluß in einer so langen Strecke in ge, rader tinie fortschreiten? Warum liegen diese vielen Oef-nungen die das Gebirge an vielen Orten dem Flusse laßt, .fast unter einem und demselben Meridian? Warum sind bey einigen von diesen Oefnungen entweder Wasserfalle, oder wenigstens seichtes Wasser, das einen felsigen Boden hat? Es kamen uns nun mehr und mehr entsetzlich hohe und steile Gebirge aus beiden Seiten des Flusses zu Ge, sichte, welche, als wir einen iaut erregten, einen starken Wiederschall gaben. So hoch und steil auch diese aussahen, so waren sie doch mit kleinen Vaumen bewach» sen. Von hier konnten wir nun weit vor uns nach Nor» den die so genannten Blew Mountains ober blauen Verge, welche überallenden andernhervorrageten,wahrnehmen. Das iand schien auch weiter weg ziemlich angebauet, und nicht so voll von Bergen zu seyn. Der Schiffer erzählte, daß man oft in einem von diesen, auf der westlichen Seite des Flusses liegenden Vergen, m der Nacht wie ein Laicht sahe, welches die ieute für einen Carbunkelstein hielten. Der letzze von diesen hohen westlich liegenden Ver, gen wurde Vutterhill genannt. Nachdem wurde das iand ebener und langer zwischen den Vergen. Die Höft wurden auch zahlreich, wie auch die Aecker zwischen den Anhöhen. » Zwischen Neu - York und Albany. 205 Anhöhen. Ehe wir diese Verge zurückgelegt hatten, fieng der Wind an, uns entgegen zu blasen; und mußten wir uns dahero mit taviren forthelfen, welches sehr langsam gieng, indem der Fluß hier kaum über einen Büchsenschuß breit war. Endlich da wir den Wind und die Ebbe wider uns hatten, waren wir genöthigt Anker zu werfen. Während der Zeit, da wir auf die Wendung des Windes und des Wassers warteten, giengen wir an das iand, um zu sehen, was da merkwürdig seyn könnte. Der Sassafras und Castanienbaum wuchs hier in Menge. Den Tulpenbaum sahe man hin und wie, der. Die breitblätterlge Ralmia fand sich gleich, falls hier an einigen Orten, und blühete nun bestens; ^)ch waren die Blumen schon weiß. Etwas nach Mittag fieng es an Südwest zu blasen, welches ein erwünschter Wind für uns war. Wir hoben daher Anker und setzten unsere Reise fort. Da wo wir vor Anker lagen, war eben das Ende von den steilen und erschrecklich hohen Bergen. Man gerieth leicht in Erstaunen, wenn man nach ihnen in die Höhe sahe. Sie bestunden aus grauem Felsstein, und neben ihnen lag an dem Strande eine Menge kleiner Steine. So bald wir sie verlassen hatten, wurde das iand freyer von Bergen und etwas erhab«,. Der Fluß nahm auch an der Breite, fast gegen eine Englische Meile, zu. Nachdem wir etwas gesegelt waren, verspürten wir wei, ter keine Berge neben dem Flusse, sondern auf der östli-lichen Seite gieng eine hohe Vcrgstrecke nach Nordost, deren Seitentheile mehr als zur Hälfte ihrer Höhe mit einem 2o6 1749, im Innius. einem Geholze bedeckt waren. Doch war der oberste Gipfel gemeiniglich kahl: vielleicht daß wegen der starken Sonnenhitze, der Dürre und der Heftigkeit des Windes, dem dieser Theil unterworfen ist, nichts daselbst hat fortkommen können. Auf der östlichen Seite des Flusses war das iand weit mehr angebauet, als auf der westlichen, woselbst uns selten ein Haus, sondern fast lauter Gehölze, obgleich das iand eben war, vorkam. Ohn, gefähr 56 Englische Meilen von Neu - Pork war das iand nicht sonderlich erhaben. Es war aber doch überall mit Waldung bewachsen, ausgenommen, daß hie und da eine ianderey neu angelegt worden war. Die vorher beschriebenen sehr hohen Verge, welche wir etwas nach Mittag verliessen, waren genau über dem andern Wald und tande zu sehen, so wie Kinnekulle in West, gothland über den andern Wäldern erhaben ist. Diefe hohen Verge, welche Highlands genannt werden, blir, ben an eben dem Orte und aus einmahl an den beiden Seiten des Flusses stehen, so daß sie nicht weiter nach Norden an der einen Seite, als an der andern, hinaus traten. Ihre Seitenthcile waren selten senkrecht steil, sondern der Gestalt nach, hatten sie mit den iaibbrölen Aehnlichkeit. Seitwärts waren sie gemeiniglich nicht abhangiger, als daß man, obgleich mit Mühe, siehalte ersteigen können. » Man brannte Aalt an verschiedenen Orten neben dem Flusse, wo dasiand etwas erhaben war. Der Schif, fer berichtete, daß man auf diesen erhabenen Feldern zu beiden Seiten des Flusses, in der iange einiger Englischen Meilen, einen schonen graublauen Kalkstein aus-. grübe Zwilchen Neu- York und Albany. 207 grübe, woraus Kalk gebrannt würde; hernach sollte man aber keinen Kalkstein eher als gegen Albany finden. Wir fuhren nun einer kleinen Erdzunge vorbey, welche westwärts an dem Flusse lag, und Dance genannt wurde. Diese Zunge soll daher ihren Namen er» halten haben / weil die Holländer ehedem einmahl sich dahin begeben und getanzet und sich lustig gemacht haben; mit denselbigen sind aber eine Menge Indianer dahin gekommen, welche sie fast alle umgebracht haben. Des Abends spät warfen wir Anker, indem der Wind ganz nachließ und die Ebbe uns zuwider war. Der Fluß war hier gegen 12 Klaftern tief. Man sahe die Feuerfiiegett in Menge' in der Nacht über den Fluß ziehen. Sie setzten sich oft auf die Segelstangen. Vom zwölften. Des Morgens setzten wir mit der Fluth, obgleich der Wind uns entgegen war, unsere Reise fort. Der Fluß war hier einen guten Büchsenschuß breit. Das iand war von beiden Seiten mehren« theils etwas niedrig liegend, und bestund aus lauter nie« drigen Klippen und sehr steinigten Feldern, war aber durchgehends mit Waldungen bewachsen. Es war so gebirgig, steinig und arm, daß sich niemand da niederlassen noch wohnen konnte. Denn es war kein Ort zu finden, wo man einen Acker hätte aufnehmen können. Von der Art war das iand zu beiden Seiten des Flusses über einige Englische Meilen, ohne daß uns ein einziger Pfianzort vorgekommen wäre. Um 11 Uhr Vormittags erreichten wir eine kleine Insel, die mitten im Flusse lag. 2O8 1749/ im Iunius. lag. Diese soll in der Mitte zwischen Neu-Pork und Albany liegen. Das iand war hier neben dem Fluß niedrig, steinig und klippig, wie vorher. Aber weiter weg nahm man oberhalb dem Walde, hohe mit Gehöl, zen bewachsenen Verge wahr, vornehmlich an der west, lichen Sei« des Flusses. Und noch weiter weg erhöbe», sich die so genannten blauen Verge über den übrigen. Gegen Mittag wurde es still, und gieng daher sehr langsam für uns. DaS tand war hier, vornehmlich ost, wärts, gut angebauet und voll von grossen Acckern: dcch schien das Erdreich sehr sandig zu seyn. Straoburg nannte man einen von den Flecken, welche hier auf eben der Seite lagen. Er war von einer Menge Teutschen bewohnt. Westwärts sahe man hin und wieder einige neu angebauete Plätze. Die blauen Berge waren von hier sehr deutlich wahrzunehmen. Sie schienen durch die Wolken durch, und ragten über alle die übrigen hervor. Der Fluß war unten vor Slrasburg eine gute Engl'sche Meile brcit. Zu Zunder oder Kork brauchte man hier einen gelben Kork emcs Platterschwamms, * der auf den Ahornbäumen wachst. Derjenige, welcher auf dem rolhblümigen Ahornbaume befindlich ist, wurde für den besten gehalten. Nächst diesem gab man dem/enigen der von dem Zuckerahornbaum genommen wird, den Vorzug, und schätzte ihn fast dem andern gleich. Die, sen Kork brauchte man zum Zunder. Campen Rheinbeck war ein Ort, der etwas von Strasburg weiter hmauf von dem Flusse entfernt war. Zwischen Neu York und Albany. 209 war. Er wird gleichfalls von einer Menge von Deutschen bewohnt, welche da eine Kirche haben. Diese kleine Stadt war doch nicht unten an dem Flusse sichtbar. Ihr gegenwartiger Prediger hieß Hartwig, und verstund das Schwedische einigermassen, indem er einige Zeit in Gothenburg sich aufgehalten hatte. Um 2 Uhr des Nachmittags fieng es wieder auS Süden an zu blasen, und konnten wir daher mit einem vortrefiichen Winde unsere Reise fortsetzen. Das land war zur ostlichen Seite des Flusses erhaben, und zwar mehrentheils von Erde, die fast überall gut angebauet war. Denn hier zeigten sich hübsche Accker, wohlqe-bauete Höfe, und schone Aepfelgarlcn. Auf der westlichen Seite war auch das 4and etwas hoch, aber noch mehrentheils mit Gehölzen bewachsen, nur daß ich hm und wieder, obgleich selten, einen kleinen Pfianzort wahrnahm. Der Fluß war an den meisten Stellen über eine Englische Meile breit, und gieng in gerader iinie nach Norden, so daß wir bisweilen das Ende desselben nicht bemerken konnten. Vom dreizehnten."' Der Wind begünstigte unsere Reise die ganze vorhergehende Nacht, so daß ich keine Gelegenheit hatte, mich nach der Beschaffenheit des . iandes umzusehen. Des Morgens Um 5 Uhr waren wir nur 9 Englische Meilen, wie man berichtete, von Albany entfernet. Das iand war von beiden Seiten des Flusses niedrig, und fast mit lauter Wald bewachsen, ausgenommen daß hie und da ein kleiner Pftanzort an-geleget worden war. Unter den Ufern des Flusses lagen nasse mit Rietgras bewachsene Wiesen, und in demsel« Reisttt il. Theil. O ben 2w 1749, im Iunius. ben hin und wieder kleine Eylandcr. Uns kamen kein« Verge zu Gesichte. Wir eileten mit unserer Reise nach Albany, und hatten auf beiden Seiten des Flusses meh, rentheils niedriges iand, welches doch, je mehr wir uns Albany näherten, desto sorgfaltiger'angebauet war. Hier war überall gebrauchlich, die Heusiapeltt mit Dachern zu versehen, welche man auf und nieder heben konnte, und die mit denjenigen, die ich schon beschrieben habe, * übereinkamen. Die Hauser, die man ab und zu erblickte, waren theils von Stein, theils von Holz. Der Fluß war selten über einen Büchsen, schuß breit, und hin und wieder fanden sich Sandbänke in demselben. Es war daher eine genaue Erfahrung nöthig, um mit einer Jacht hier den rechte.» Weg zu treffen; indem man bald nach der einen Seite, bald nach der andern, segeln muste. Endlich kamen wir deS Morgens um 8 Uhr glücklich zu Albany an. Die Jachten, mit denen man Mischen Albany und Neu - Pork segelte, sind alle von Albany her. Sie fahren das ganze Jahr durch, so lange der Fluß offen ist, beständig zwischen Albany und Neu - Pork. Von Albany führen sie vornehmlich Bretter und allerhand Arten Bau, holz, nebst Mehl und Erbsen, wie auch Fellwerk, das sie von den Indianern erhandele, oder sich insgeheim von den Franzosen haben bringen lassen, herunter. Sie reisen fast leer wieder zurück, ausgenommen daß sie ei, nige Kaufmannswaaren, wsvon Rum das meiste beträgt, mit * In dem ersten Theil auf der ^fien und 255sten Seite; «it auch in dlm gegenwärtigen/ auf der 74, u. 75ften Seite. Albany. <2il mit sich fuhren. Dieß letztere ist eine so hoch nöthige Waare für die Einwohner zu Albany, womit sie die Indianer in ihrem Handel hintergehen, und ihnen so gut als ganzlich die Augen verkleben, so daß der Indianer in Völlerey oft die Kaufleute aus Albany sein Fellwerk nach eigenem Willkühr schätzen läßt. Diese Jachten sind ziemlich groß, haben eine gute Kajüte, so Haß die Reisenden bequem sich darin aufhalten können. Sie sind gemeiniglich aus dem rothen Wacholder, oder aus der weiffen Eiche erbauet. Sehr oft besteht der Boden aus tveiffer Eiche, die Seitentheile aber aus rothem Wa« cholder, aus der Ursache, weil «der rothe Wacholder weit langer, als die Eiche, der Fäulniß widerstehet. Da jenes Holz sich aber leicht spaltet, wenn es gegen etwas anstößt, und der Hudsonsfiuß an vielen Stellen von Sandbanken und Gries voll ist, wogegen der Kiel der Jacht bisweilen anfahrt: so haben sie lieber Eichen, holz zum Voden erwählet, indem dies weicher ist, und sich nicht so leicht spaltet. Und da der Voden beständig ' unter Wasser ist, so gerath er nicht so leicht in Fäulniß, sondern hält länger aus. Die Canoen oder Kahne, welche diese Jachten nach sich haben, sind aus einem einzigen Stück Holz, das sie ausgehöhlet haben, gemacht. Sie sind an bei, den Enden scharf, und oft 3 bis 4 Klaftern lang, und so breit, als es die Dicke des Holzes hat erlauben wol» len. Die ieute rudern sie nicht sitzend, sondern gemei« niglich steht der eine Kerl vorne und der andere hinten, und ein jeder hat sein kurzes Ruder in der Hand, womit er den Kahn forttreibet. Der Jacht folgt jederzeit ein O 2 solcher 2l2 1749, im Iunius. solcher nach. Diejenigen, die hier in Albany gemacht werden, sind meistenthcils aus dem so genannten White Pine oder der weissen Tanne. Sie können 8 oder i, Jahre ausdauern, insonderheit wenn sie mit einer Mi, schung von Theer und Fett und einer Farbe äusserlich be-flrichen werden. Zu Albany werden sie aus dem oben genannten Holz gehauen, indem daselbst kein anderes dazu tüchtig ist. Bey Neu-^ork macht man sie aus dem Tulpenbaum, und an andern Orten aus dem rothen Wacholder oder weissen Eyvrcjsen. * Aber diese beiden letztem Bäume wachsen in dieser Gegend so klein, daß sie nicht dazu gebraucht werden können. Gemeiniglich sind keine Sitze darin, sondern man muß sich auf den blossen Voden setzen. Denn wenn sie mit Sitzen Verse« hey wären, könnten sie leicht umwälzen , wofern man nicht desto besser das Gleichgewicht in acht zu nehmen wüßte. Battoes wurde eine andere Art von Böten genannt, deren man sich vielfältig hier in Albany bediente. Sie sind aus Brettern von der weissen Tanne oder Föhre gemacht. Der Voden jst stach, wie an einer Rußischen Barke, damit sie desto besser auf seichtem Wasser fahren können, sie sind scharf gegen beiden Enden und etwas höher gegen das Ende, als in der Mitte. Man sitzt in denselben, und rudert sie eben so, wie wir unsere Vste. Sie sind ziemlich lang, obgleich nicht alle gleich, gemeiniglich zu 3, bisweilen auch 4 Klaftern. Die Hohe, von dem Boden bis auf den obersten Rand des Bords, (denn die Seiten stehen fast senkrecht) betragt 4 oder 5 (wxreiluz rkyoläee. Albany. 21; i 4 oder 5 Viertelcllen, und die Breite in der Mitte ohn» gefahr ein paar Ellen. Man bedient sich derselben hier vornehmlich, um Waaren über den Flüssen zu den Indianern zu führen, in dem Falle nehmlich, wenn die Flüsse, oder das Fahrwasser, so rein sind, daß sie daselbst gut fortkommen können, ohne nothig zu haben, diese Battoes weit über iand zu ziehen. Denn die Böte von Rinden gehen so bald entzwey, wenn sie an Steine anstossen; und die Eanoen oder die ausgehöhlten Kähne tragen nicht viel, und können leicht umstürzen. Ich wurde keiner solchen Vöte gewahr, die man hier in Schweden und anderwärts gemeiniglich gebraucht. Die Rälte soll oft in Albany grossen Schaden zn wege bringen. Es ist kaum ein Monat des Sommers, in dem nicht Frostnachte eingefallen wären, ob dieß gleich nicht so allgemein ist. Gemeiniglich hat es mit der Witterung diese Beschaffenheit. Der Frühling kommt hier sehr spat, so daß im April und May mehrentheis viele Frostnachte sich ereignen, wodurch oft die Blüthen an den Bäumen und Küchengewächsen verfrieren. Man befürchtete, daß die Aepfelblüthen diesen Frühling vom Froste im May einen so betrachtlichen Schaden genom« wen, daß gegen den Herbst wenig Aepfel zu erwarten stünden. Selbst die Eichenblüthen verfrieren oft in den Waldern. Der Herbst währet hier lange mit warmen Tagew und Nächten. Doch fangen gemeiniglich die Frostnächte an, sich gegen das Ende des Septembers und hernach oft im October einzufinden. Sie müssen von dem Anfang, oder auch von der Mitte des Novembers, bis auf den Merz oder April, ihr Vieh in O 3 Gebau- 214 I?49/ im Iunius. Gebäuden halten / und sie diese ganze Zeit mit Heu füttern. * Die Witterung hat man nach einer langen Er, fahrung im Sommer so befunden, daß zu der Iahrszeit mehrentheils der Südwind blaset, der eine starke Dürre mit sich führet. Dann und wann pflegt aber doch et, was Regen zu fallen. Und so bald es geregnet, wirft sich der Wind fast immer nach Nordwest, von da er ge, meiniglich einen oder mehrere Tage wehet, und sich dann wieder nach seinem vorigen Quartier Süd hinbegiebt. Daß dieß mehrentheils ganz gcnau hier eingetroffen, habe ich zu mehrern mahlen sowohl dieses als das fol« gende Jahr Gelegenheit zu sehen gehabt. Vom fünfzehnten. Die Zäune, mit denen «an hier die Aecker, Wiesen und Anger umschloß, waren gemeiniglich aus lauter Föhrenbrettern gemacht, die über einander zwischen Stangen oder Stäben aus Fsh, renholz lagen. Denn hier halle man einen guten Vorrath bavon, in Ansehung des häufigen Waldes und der Vielen Sägemülen. Aepfelbaume von verschiedenen Arten sollen hier sehr gut fortkommen, und so schöne Früchte, wie sonst «n einem andern Orte in Nordamerika, tragen. Fast neben einem jedweden iandhofe waren grosse Aepfelgär« ten angeleget. Eine Art Aepfel fand sich hier, «oelch« sehr groß, und dabey sehr wohlschmeckend war. Diese verschickte man im Herbst als eine Seltenheit nach Neu- Pork * Hier wird burchgehenbs die alte Zeitrechnung verstanden. Albany. . 215 Pork und andern Oertern. Von den Kernern, die ich davon gesammlet und in Abo ausgesäet habe, sind eine Menge Baume aufgewachsen, welche fthr gut fortkom« men, und nicht den geringsten Schaden von unsern Wintern erlitten haben. Da sie aber noch nicht geblühet, so bin ich nicht im Stande zu sagen, ob die Frucht, welche sie hier tragen, der/entzen in Albany gleich kommen werde. Auf dem iande um Albany bereitet man zur Herbstzeit ei» nen sehr vortrefiichen Eider von den Aepfeln. Bisweilen schadet der Frost den Blüthen im Frühling ungemein, sowohl an den Aepfeln, als andern Fruchtbaumen. Die Rirsihbäume von allen den Arten, die ma» hier zupftanzen versucht hat, gedeihen gleichfalls aufs beste. Die Birnbäume wollen hier nicht fort. Dieß war eine Klage, die man an vielen Orten im nordlichen Amerika führete. Ich befürchte aber, daß man nicht allezeit Mühe und Sorgfalt genug wird angewandt haben, sie zu pflanzen und zu warten; da ich doch schone Birnbäume an vielen Orten in Pensylvanien sahe. Die pfirschenbäume sind hier zu mehrern mahlen gepflanzt worden: sie haben sich aber niemahls recht gut anlassen wollen. Die Schuld gab man theils dem Erdreiche, theils auch vornehmlich einem Wurme, der sich in der Erde aufhalten, und sich an der Wurzel durchbeifsen soll, wovon der Baum verdorret. Vielleicht tragen auch die strengen Winter viel dazu bey. Ausser den hergenannten Arten hatte man hier in Albany keine andere Fruchtbaume, die man pfianzete. O 4 Von 2l6 1749, im Iunius. Von dem Hanf und Flacks soll hier meistentheils so viel gesaet werden, als zum eigenen Gebrauch erfordert Wird. Der Mays wurde stark gepfianzet. Ein loser Boden wird für den besten dazu gehalten. In Thon kam er aber mcht fort, Von der Aussaat eines halben Büschels hatten sie 100 Büschels wieder erhalten. Matt schätzte ihn daher für eine gute Getraideart, weil der Keim, wenn er gleich oft im Frühling wegfriert, sich doch Wieder erholet. Sie hatten hier Beispiele gehabt, daß der Keim in einem Frühling zweymahl ganz bis an die Erde verfroren, und doch nicht allein m die Hohe gewach, sen ist, sondern auch in eben dem Jahr die glücklichste Erndle gegeben hat. Er hat auch den Vortheil, daß er gegen die Dürre weit länger als der Weizen, aushalten kan. Die grössere Art, welche hier eigentlich gepsianzet wurde, gelangt im September zur Reife. Der Weizen wird auf dem tande um Albany in Menqe gesäel, und zwar mit vielem Vortheil. Sie rechneten die Einnahmen, von der Aussaat eines Bw schels, auf 12 Büschels. Oefters erhalten sie in gutem Erdreiche so gar 20 Büschels wieder. Wenn sie hier un, ter IQ Büschels einerndten, so meinen sie, daß sie nicht Viel gewonnen haben. Diejenigen, die auf dem tande um Albany wohnen, sind theils Holländer, theils Deutsche. Die Deutschen bewohnen verschiedene grosse Dörfer, und säen so viel Weizen aus, der hier nach Albany verführt wird, daß jährlich von hier nach Neu-Pork viele mit Weizenmehl beladene Jachten hinunter geschicket werden. Das Weizenmehl, das hier bey Albany er- Hal. Albany. 217 halten wird, soll überhaupt für das beste im ganzen nordlichen Amerika angesehen werden, wenn man nur einen Ort zwischen Albany und Neu-Pork, der Sopus oder Kingstown genannt wird, von dem gleichfalls ein vor» trefiiches Weizenmehl kömmt, ausnimmt. Alles Brot hier in Albany ist von Weizen. In Neu-Pork soll man den Centner Weizenmehl von Albany mit einigen Schillingen mehr, als dasjenige von andern Oertern, bezahlen. Den Rocken säet man hier auch, ob gleich nicht ft hausig, als den Weizen. Gersten wird hier nicht stark gesäet, indem sie keinen besondern Nutzen davon zu erhalten vermeinen. DenMveil sie eine solche Menge Weitzen besitzen: so richten sie^Nalz davon zu. Aber um Neu-Pork sahe ich grosse Aecker mit Gersten besäet. Von dem Haber säet man nur so viel, als zum Fut-ter für die Pferde nöthig ist. Die ieute, die hier herum auf dem iande wohnen, und theils Deutsche, theils Hollander sind, säen Erbsen in Menge. Sie gedeihen hier gut, und werden /ährlich nach Neu «Pork zu vielen Tonnen verführt. Man hat sie in langen Zeiten vor schädlichen Insekten frey halten können. Aber nun in den letztern Jahren hat man ge« funden, daß eben das Ungeziefer, welches die Erbsen« scker in Pensylvanien, Neu Jersey und dem untern Theil der Provinz Neu - Pork gänzlich verderbet hat, und dessen ich schon an einem andern Orte * gedacht habe, O 5 nun - In dem 2ten Theile auf der zitten und den folgenden Veiten. 218 1749, im Iunius. nun gleichfalls sich hier hinauf gezogen hat, und llch weit mehr bey den Erbsen, als ehemahls sehen laßt. Es wie, Verfährt so wohl diesem Orte, als dem übrigen iande, das sich von hier mit vortrefiichen Erbsen zu eigenem Gebräu-che, insonderheit aber zum Nutzen der Matrosen und Seeleute auf den Schiffen, hat versehen können, ein betrachtlicher Schade. Sie hatten bemerkt, daß wenn sie sich unbeschädigte Erbsen von Albany verschasten, und sie bey Kingstown oder auch an andern Stellen in dem untern Theil der Provinz Neu-Pork aussaeten, dieselben zwar das erste Jahr ziemlich gut fortkamen, aber das zweite und alle die folgenden so voll von Würmern wur, den, daß sie niemand mehr weder essen wollte üoch konnte. Einige sollen hier die Kunst brauchen, daß. sie, H^fern die Erbsen nicht bald kochen und weich werden Wllen, etwas Asche unter denselben in den Grapen werfen; alsdann ftll es mit dem Kochen gleich besser gehen. Wie gesund aber und wohlschmeckend dieß sey, weiß ich nicht. Fast alle pflanzten die potetett. Einige zogen die Asche dem Sande vor, um sie den Winter über zu verwahren. Verschiedene ieute in Irrland sollen die Gewohnheit haben im Herbste die Poteten in einen Ofen zu werfen, und sie etwas zu trocknen. Alsdenn sollen sie zwar sich den Winter über gut halten; aber sie taugen nicht zum verpflanzen, sondern nur zum Essen. Die Bermüdisihen poteten * sind hier auch ge, pflanzt worden, und gedeihen so ziemlich. Die größte Schwierigkeit ist aber gewesen, sie den Winter über zu verwahren, weil sie mehrentheils in der Zeit verderben. - Der * Man sehe dm 2ten Theil, auf der znsien Seiten ^ Albany. 2l9 Der Hummingbird * soll sich bisweilen hier sin. den, aber doch von einer seltenern Art von Vögeln seyn. Die Dachschindeln, womit die Häuser in der Stadt fast überall bedeckt waren, wurden aus dem sogenannten White Pine, oder der weiffen Tanne gemacht, welche dazu für eben so gut und dauerhaft, als der weifse Eypreß, " ja fast noch besser gehalten wird. Man behauptete, daß ein solches Dach gegen 40 Jahre aushalten könnte. Diese weifse Tanne wird in Menge an solchen Stellen, wo unsere gewöhnliche Tannen gefunden. Aber in dem untern Theil der Provinz Neu-Pork, wie auch in Neu-Jersey und Pensylvanien bin ich sie nicht gewahr worden. Von dieser werden disseitS Albany jährlich eine unglaubliche Menge Bretter gesaget, welche hin« unter nach Neu - Pork geführt und von da ausserhalb ian-des verschiffet werden. Die wilden weinranken wuchsen häufig in den Waldern, und an steilen Ufern. Insonderheit fand man sie in unglaublicher Menge an den letztern Orten. Da, wo Väume auf den Anhöhen derselben wuchsen, kletterten sie hinauf, und bogen sie oft durch ihre Schwebe niederwärts. Wo aber keine Väume stunden, lagen sie nach der iänge auf dem steilen Ufer, und bedeckten es ganz« lich. Die Trauben iffet man, nachdem sie von dem Frost angegriffen worden sind. Denn vorhero sind sie zu sauer. Uebrigens braucht man sie wenig. NM » Man sehe den 2ten Theil, auf der z^sten Seite. «5 Cuprellu« lti^oiäez. 22O 1749) im Iuius. tNücken giebt es in unglaublicher Menge in den grossen Waldern und wüsten Oertern, welche zwischen Canada und Albany liegen. Die ieute, die daselbst Rei-ftn anstellen, werden oft von ihnen geplagt. Um sich ei« niger maffen wieder dieß Ungeziefer zu schützen, pftegten einige das Gesicht oft mit Butter oder anderem Fette zu beschmieren. Dieß macht, daß sie sich dann nicht so gerne auf eine solche Stelle hinsetzen. Wegen der starken Hitze hielte man nicht gerne aus mit Stiefeln zu gehen. Um aber vorzukommen, daß sie nicht durchbeissen möchten, wickelte man Papier um das Vein unter dem Strumpfe. Einige lassen sich Hauben machen, welche den ganzen Kopf bedecken, und vor den Augen haben sie Flor. Die Nacht über liegen sie in Zeltern, wenn dies selben mitgeführt werden können, und aussen vor dem Eingänge machen sie ein grosses Feuer an, durch dessen Rauch die Mücken vertrieben werden. Vom sichszehnrett. Die purpoisten sollen in dem Hudsons Flusse nicht leicht höher gehen als so Welt er Salz oder salzes Wasser enthalt. Nachdem vertreten die Stshre ihre Stelle. Doch soll es sich das eine und das andere mahl zugetragen haben, daß die Purpoissen ganz bis nach Albany hinauf gegangen sind. Man hatte hier eine Erzählung, daß ein wallfisih ehedem ganz bis zu dieser Stadt hinaufgekommen wäre. Die Heuerstiegen, welche von eben der Art wa, ren, welche im Sommer in Pensylvanien so gemein ist, fahe man hier jede Nacht in Menge. Sie flogen auf den Gassen und überall in der Stadt. In der Nacht kamen Albany. 22l kamen sie in die Häuser, wenn Fenster oder Thüren offen waren. Die Englander nannten sie Fire«Fhs. Vom neuttzehnten. Man vermißte an diesem Orte in den Waldern verschiedene Väume, die in Pensylva-nien sehr gemein sind; nehmlich den Vieberbaum, den Fischerbaum, den Güldenbaum, Perfimon, den Tulpen, bäum, den schwarzen Wallnußbaum, die Morasteiche, den Sallatbaum, den iocustbaum, den Honey - tocustbaum, den Nejselbaum, den Paparbaum, ohne eine Menge von Staudengewachsen, hie man hier ganz und gar nicht an« traf. Die weit mehr nördliche tage des Orts, das hohe Gebirge, welches die so genannten blauen Verge ausmachen, und der iauf der Flüsse und Strome, welcher von hier in daWNeer meistentheils nach Süden gerichtet ist, wodurch demnach die Saamen der Gewächse von hiernach Süden, nicht aber von Süden Hieher geführet werden, sind wohl grostentheils die Ursachen, warum man hier viele Gewächse umsonst sucht, welche in Pensylpanien ge« mein sind. Nachmittags reisete ich die Insel zu besehen, Wels che mitten in dem Fluß ohngefähr eine englische Meile unterwärts der Stadt liegt. Diese Insel ist gegen eine englische Meile lang, und nicht viel mehr als eine viertel Meile von der Art breit. Sie ist fast gänzlich zu Aeckern angewandt, und wird von einem einzigen Besitzer bewohnt, welcher ausserdem Eigner von zwey andern kleinen Inseln daneben ist. Hier sahe man weiter kein Gehölze, als nur einige Bäume, welche neben dem Strande rund um die Insel übrig waren. Diese machten hier wie eine grosse hohe Hecke aus. Der rochblümige Ahornbaum wuchs 222 !?49/ im Iunl'us. wuchs verschiedentlich häufig. Sein iaub ist auf der u„. tern Seite weiß und gleichsam versllbert. Wenn es we, het, so wird dasselbe auf und nieder gekchret, und alsdann sieht es von weiten aus, als wenn der Vaum voll von wcissen Blumen wäre. Die Wasserbuche * wuchs sehr hoch, und ist einer von den Bäumen, die hicselbst den stärksten Schatten geben. Der ortulack wuchs hier in größter Menge wild, und ließ sich aufs beste an. Vom zwanzigsten. Die Ebbe und Fluth geht in dem Hudsonsfiuffe ganz bis ohngefähr 8 oder io Eng, lische Meilen oberwärtS Albany, wo sie endlich aufHort, und also erstreckt sie sich bis auf 156 Englische Meilen von dem Meer. Im Frühling aber > wenn der Schnee schmelzt, soll hier bey der Stadt so gut als keine Fluth verspüret werden, sondern es ist alsdann fast lauter Ebbe von der grossen Menge Waffer, welche die Zeit im Jahr herunter fließt. Eben dieß soll auch geschehen, wenn es einige Zeit im Sommer stark geregnet hat. Die Aalte wurde hier von allen als sehr sireng im Winter beschrieben. Das Eis in dem Hudsonsfiusse ist denn gemeiniglich z oder 4 Fuß dick. Sie waren den zwey und zwanzigsten im Merzen, nach der alW Zeit rechnung, mit 6 paar Pferde über diesen Fluß gefahren. Das Eis löset sich hier bisweilen in der Mitte des Merzen 224 !?49/ im Iunius. zen, bisweilen auch erst zu Ende desselben. Es schief, sen dann grosse und dicke Eisschollen herunter, welche bisweilen die Häuser mit sich wegreissen. Das Wasser sieht alsdann sehr hoch im Flusse, weil sich das Eis bisweilen stocket, und weiter unten, wo der Fluß schmahl ist, stecken bleibt. Bisweilen war das Wasser hier in, Frühling z Klafter hoher senkrecht gestiegen, als sonst in der Sommerzeit gewöhnlich ist. Der Voden soll jeden Winter zu 3 und bisweilen gar zu 5 Fuß in der Tiefe gefrieren. Um den fünften des Novembers zieht man die Jachten hier auf, und in der Mitte oder zu Ende des Merzen, oder auch zu Anfang des Aprils ^ fangen die Jachten wieder an,«nach Neu. Pork hinunter zu gehen. Man wußte hier nichts von Kachelöfen oder Klappen, sondern der Schornstein war so aroß, daß man fast mit Pferd und Schlitten hatte durchkommen können. Das Brunnenwasser war in verschiedenen Vrun» nen hier in der Stadt diese Zeit zwar sehr kalt. Da man es abcr trank, bemerkte man einen säuerlichen Ge, schmack, der nicht sehr angenehm war. Als ich es ge« nauer zu untersuchen ansieng, fand ich eine Menge kleine Insekte darin, die vielleicht Riefenfüffe * waren. Ihre tange betrug anderthalb bis zwey, ja bey einigen gegen vier geometrische iinien. Dabey waren sie sehr schmal und von blasser oder heller Farbe. Der Kopf war schwarz und dicker, als der übrige Theil des Körpers, oder ohngefahr wie ein ganz kleiner Nadelknopf. Der Schwanz war in zwey Theile gespalten, und jedweder « Ast * Hier folgt man gleichfalls b»r alten Zeitrechnung Albany. 225 Ast endigte sich mit einem kleinen schwarzen Kugelchen. Als sie schwummen, warfen sie sich ab und zu in gewundenen iinien, fast wie die ganz jungen Frösche. Ich goß etwas von diesem Waffer in eine Schale, und mischte hernach so viel Rum dazu, daß er mehr als den vierten Theil gegen das Wasser ausmachte. Diese Kiefenfüjse aber frugen nicht das geringste darnach, sondern schwummen in dem mit Rum vermischten Wasser eben so hurtig wie vorher. Hieraus erhellet, daß wenn mit diesem Wasser Punck gemacht werden soll, so muß er sehr stark seyn, wofern anders diese Kiefenfüsse davon sterben sollen. Ob gleich die leute, welche dieses Wasser taglich brauchten, keine Ungelegenheit davon, wie sie sagten, verspürten: so glaube ich doch, daß es nicht so gar gesund für einen, der desselben fremd und ungewohnt ist, sey. Ich war ein und das andere mahl in diesem iande, aus Mangel eines bessern Wassers, gezwungen, meinen Durst mit diesem, worin ich deutlich solche Kiefenfüsse sich hin und her werfen sahe, zu loschen. Fast allemahl aber merkte ich ohngefähr einen Tag darnach unten im Schlunoe eine Empfindung, als wenn eine Erbse stecken geblieben wäre, oder als wenn ich eine Beule da hatte; und dieß währete auf diese Weise über eine Woche, ehe es vergieng. Dieß erfuhr ich dieses und das folgende Jahr in Albany, wie auch an einigen andern Orten. Mein Bedienter Iungstrom bekam ebenfalls einen starken Schmerz in der Brust, und eine Empfindung als von einer Beule. Ob aber diese Insekte, oder etwas anders, daran Schuld gewesen sind, kann ich nicht ge- ' wiß sagen. Doch habe ich seit der Zeit, wofern es nur möglich gewesen ist, dasjenige Wasser, worin ich der« Reisen ". Theil. P glel. 226 1749/ im Iunius. gleichen Kiesenfüsse wahrgenommen, zu vermeiden ge< sucht. Ich habe an mehrern Orten hier zu tande diese Kiefenfüsse in eiskaltem Wasser, welches aus den tiefsten Brunnen gcschöpfet worden, gesehen. Es kann seyn, daß viele unserer Krankheilen von solchen Wassern , die wir nicht so genau untersuchen, herrühren. Ich habe sehr oft eine Menge von ganz kleinen Insekten in Waffern, die man ihrer Klarheit wegen vorzüglich gerühmt hat, entdecket. Hier in Albany waren fast bey jedem Hose Brunnen, woraus man Wasser zuck täglichen Gebrauche schöpfete. Doch wählte man dasjenige zum Thee, zum Brauen und Waschen, vornehmlich aus dem Hudsonsftuffe, der dicht an die Stadt laufs. Dieß ist gemeiniglich ganz trüb, und im Sommer sehr warm; daher es erst einige Stunden in einem Eimer in den Kel« ler gesetzt wird, theils damit das Trübe zu Boden sin, ken, theils auch damit das Wasser sich etwas abkühlen möge. Der Vüchsenschmidt, bey dem wir unsere Herberge halten, sagte, daß die allerbesten Rohlen für einen Sckmidt hier zu iande diejenigen waren, die aus der schwarzen Tanne * gebrannt waren. Nächst die, sen rechnete er die aus der Buche. Er hielt diejenigen Büchsinstöcke für die besten und kostbaresten, und denen er den Vorzug gab, welche aus dem wilden Kirschbaum gemacht waren. Und nach diesen gab er denen, welche man aus dem rothblümigen Ahornbaum verfertigt hatte, den Vorzug. Mehrerer Holzarten bediente man sich hier nicht dazu. Der schwarze * Black Pine. Albany. 22? schwarze Wallnußbaum soll zu dieser Absicht, vortrefiich seyn: er wuchs aber nicht an diesem Orte. Vom ein und zwanzigsten. Albany ist die vornehmste, wenitFenö die reichste Stadt nach Neu, Pork in der Provinz dieses Namens. Der Grosse nach scheint sie mit Mariästadt in Westgothland «berein zu kommen. Sie liegt auf dem AbHange einer erhabenen Anhöhe dicht an dem westlichen User des Hudsonsfiujses. Man rechnet von hier nach Neu-Pork 146 Englische Meilen. Die Stadt erstrecket sich nach der iänge des Flusses, der hier von NNO. nach SSW. fiiesset. Die hohen Verge, welche oberhalb der Stadt westwärts lie, gen, benehmen einem alle Aussicht nach der Seite. Hier sind zwey Kirchen, eine Hollandische und eine Englische. Die Hollandische liegt etwas von dem Ufer ab, an der, östlichen Seite des Marktes. Sie ist von Stein, und hat einen kleinen Thurm in der Mitte, und eine Klocke darin. Es werden hier von einem und demselben Prediger zwey Predigten /eden Sonntag gehalten, nehm, lich beides Vormittags und Nachmittags. DP Englische Kirche ist auf der Anhöhe nach der westlichen Seite deS Marktes gleich unter dem so genannten Vestungs« werke gelegen, und ist gleichfalls von Stein erbauet, hat aber keinen Thurm. Hier wurde nun, weil kein Prcdi, ger da war, und alle, die Besatzung ausgenommen, hol, landisck verstunden, kein Gottesdienst gehalten. Sonst erhal?der Prediger bey dieser Englischen Kirche /ahrlich von England loo Pfund Sterling zum Gehalt. Das Stadt- oder Rathhaus liegt der Hotländischen Kirche etwas südwärts, gleich neben dem Flusse, und ist ein P 2 hüb- 228 l?49/im Iunius. hübsches Steinhaus von drey Stockwerken in der Höhe. Es ist mit einem kleinen Thurm, der seine Klocke, wie auch eine vergoldete Kugel und Flagge hat, in der Mitte versehen. Die Häusir in der Stadt sind ziemlich hübsch, und zum Theil von Stein erbauet, und gemeiniglich mit Schindeln von dcm weissen Föhrcnholze gedeckt. Eini-nige wenige waren mit Dachpfannen belegt, welche man hoch aus Holland hatte kommen lajsen, weil man in der Meinung stund, daß der hiesige Thon nicht dazu brauch, bar wäre. Fast alle Häuser warcn nach der alten Fran, tischen Art gcbauet, so daß sie die eine Giebelmauer gegen die Gaffe kehrten; einige wenige ausgenommen, welche in spatern Zeiten aufgeführt worden waren, und sich nach der nun gebrauchlichen Vauart richteten. Sehr viele Häuser waren hier nach der Art erbauet, die ich vorher bey Neu-Vraunschweig * beschrieben habe; nehmlich daß die Giebelmauer nach der Gasse von Ziegeln, alle übrigen Mauern aber von Brettern aufgeführet waren. Aeusserlich waren die Hauser niemahls mit Mörtel oder KaH beworfen, sondern die Ziegelsteine waren ganz blss. Diese Einrichtung ist in allen Städten, die ich im nördlichen Amerika gesehen, angenommen worden, und doch scheinen sie keinen Schaden von der iuft zu leiden. Unten bey der Dachschwelle waren fast immer Dachrinnen befestigt, welche sich weit über die Gaffe hinaus er« streckten, so daß das Waffer bey dem Regen au/ den Rinnen fast in die Mitte der Gaffe hinunter schoß. Hie, durch wurden zwar die Mauern vor den, Träufeln von den * Im 2ten Theile, auf der hosten S«te. Albany. 229 den Dachern gesichert; es siel aber einem bey dem Gehen, wenn es regnete, sehr beschwerlich, indem man sich fast nirgends, ohne von den Rinnen begossen zu werden, hinbegeben konnte. Mitten in dem Hause gegen die Gasse war allezeit eine Thür, und aussen vor derselben ein Altan von Brettern mit Banken zu beiden Sei, ten, um darauf zu sitzen. Hier pfiegten die ieute fast den ganzen Tag aussen vor ihren Thüren zu sitzen, wenn das Wetter anders gut war; und zwar nach dem der Schalten von der Sonne siel. Denn da, wo die Al, tane im Schatten waren, fassen ein Haufen ieute von beiderley Geschlecht: hingegen, wo die Sonne wirkete, erblickte man niemand. So bald aber die Sonne diejenigen Stellen besuchte, wo es vorher schattig gewesen war, eilctcn sie von da in die Hauser; so daß sie sich, so wie die Sonne den Schatten oder Schein warf, aus und ein begaben. Vornehmlich waren die Altane' des Abends mit ieuten von beiderley Geschlecht stark besetzt. Dieses war für die Vorbeygehenden sehr lastig, indem bey einer Mannsperson der Hut in beständiger Vewc- ^ gung seyn muste. Denn die ieute waren hier keine Quacker, bey denen die Hüte an dem Kopfe gleichsam festgenagelt sind: sondern es wurde hier für eine grosse Un» Höflichkeit angesehen, wenn man den Hut nicht abnahm und alle begrüssete. Die Gassen sind sehr breit und zum Theil gepflastert. An einigen Stellen stehen Baume an den Seiten gepflanzt. Die nach der iange laufenden Gassen gehen fast parallel mit dem Fuß, und die Quergassen schneiden sie in rechten Winkeln. Die Gasse, welche zwischen den beiden Kirchen liegt, ist fünfmahl so breit, als die andern, und thue die Dienste eines P 3 Markts. 2ZO 1749/ im Iunius. ^ Markts. Ucbrigens sind die Gassen hier ziemlich unsau, ber, welches daher kömmt, weil sie des Sommers das Vieh überall die Nacht durch aussen vor den Hausern stehen lassen. Es sind hier keine Stadtthore, sondern fast überall offene iöcher, wodurch man aus und ein kom, men kann. Es giebt auch hier ein paar so genannte Marktplätze, wo das iandvolk ein oder das andere mahl in der Woche verschiedene Eßwaaren absetzt. Das Vestungswerk liegt unter allen Gebäuden öberst, auf dem zur westlichen Seite der Stadt belege, nen hohen abhängigen Berge. Es ist ein grosses Stein, haus, das mit dicken hohen Mauern umgeben ist. Die Anlage desselben ist aber sehr schlecht. Denn es kann blos dazu dienen, streifende Partheyen abzuhalten, im geringsten aber nicht, einer Belagerung zu widerstehen; indem sehr viel hohe Anhshen von lauter Erde gleich zur westlichen Seite und oberhalb liegen, welche alle weit höher als die Vestung sind, so daß man von da, alles was auf demHofe selbst in derselben vorfallt, sehen kann. ' Die Anhöhe nehmlich, die der Vestung westwärts liegt, wird eine ziemliche Strecke immer höher und hoher. Es befindet sich hier gemeiniglich eitt Officier mit einer Menge Soldaten bestandig zur Besatzung. In ber Vestung soll eme Quelle seyn, welche allezeit Waffer enthalt. In Ansehung des Handels hat diese Stadt eine ziemlich bequeme iage. Der Hudsonsfiuß streicht ihr dtcht vorbey, und ist hier 12 bis 20 Fuß tief. Man hatte noch keine rechte Brücke bey dem Flusse zur iadung der Jachten angelegt, weil man befürchtete, daß sie im Frühling bey einem starken Eisgange sehr leiden oder auch ganz Albany. .2Zi ganz weggeführt werden möchte. Doch konnten die hier gebräuchlichen Fahrzeuge ziemlich nahe an dem Ufer geladen werden. Wenn man Bretter und andere schwere Sachen auf Jachten verführen wollte, band man zwey Canoen in der Breite zusammen, auf denen dergleichen Sachen sehr bequem fortgebracht werden konnten. Diese Stadt treibt insonderheit auf Neu-Pork einen sehr starken Handel mit allerhand Fellwerk, Brettern, Weizen, Mehl, Erbsen, und verschiedenem Vauholze, und so ferner. Es ist wohl nicht in allen Englischen Pflanz, sta'dten ein Ort, wenn ich Hudsons Meerbusen ausnehme, wo man von den Wilden so viel Fellwerk erhandelt, als hier. Denn fast alle Kaufleute hicselbst, schickten im Frühling einen Bedienten oderHaußling nach Osvego hinauf, welches ein Englischer Handelsort ist, wo die Wilden sich mit ihren Waaren einfinden, und der bey der grossen See Ontario liegt. Ich werde desselben hinkünftig in dieser Reisebeschreibung sür das Jahr 1750 umständlicher erwähnen. Hier halten sich die Kaufteute von Albany den ganzen Sommer auf, und treiben einen sehr starken Handel mit vielerley Wilden, welche mit ihrem Fellwerk dahin kommen. Verschiedene Hieselbst haben mir versichert, wie sie bisweilen bey dem Kaufe den Wilden, insonderheit, wenn er besoffen gewesen ist, hintergangen haben, daß er nicht den halben, /a biswei, len nicht den zehnten Theil des Wehrts, für dasjenige, das er mit sich gebracht, erhalten hat. Und daß dieß völlig seine Richtigkeit hat, habe ich ein und das andere mahl mit eigenen Augen zu sehen Gelegenheit gehabt. Denn die Kaufleute in Albany stellen gute Ehineser vor; und halt der sich für den besten Kerj, der erst ft braf den Wilden mit Branntwein betrunken macht, P 4 und 232 i?49/ im Iunius. und hernach für Nichtswürdigkeiten alles, das er mit derthalb oder zwey Klaftern abstehen. Die Hohe dieser Mauer, über die das Wasser hinunter stürzt, wird, Q 4 nach 248 1749, im Iuuius. nach meinem Augenmaffe zu urtheilen, io bis 12 Klaf, tern senkrecht scyn. Ich hatte diese Höhe damahls iw meinem Tagbuche angemerkt, und fand sie nachher ziem, lich genau mit der Nachricht, die mir der geschickte Ingenieur Herr ievis Evans in Philadelphia gab, übereinstimmen. Er ftgtc, daß er die Breite und die Höhe dieses Falles geometrisch ausgemcssen, und ihn 920 Eng. lische Fuß breit, und 75 Fuß, das ist ohngefähr 12^ Klafter, hoch befunden hatte. Der Umriß von diesem Falle, den der Herr Ingenieur verfertigt hat, ist derje, nige, der hier beygefüget wird. * Nun befand sich sehr wenig Wasser in dem Strom, so daß eS nur an ein paar Stellen herunter strömete. Da, wo das Wasser von dem Falle herab gestürzet war, hatte es unten tiefe tocher in die Klippe, an verschiedenen Stellen zu 2 bis 3 Klaftern tief, eingeschnitten. Unter dem Falle war nun der Grund des Stroms, welcher, wie schon vorher gemeldet worden, aus lauter Felsen bestund, ganz trocken; doch so, daß das Wasser sich nach der iange des Stroms in der Mitte einen Gang von der Breite zweyer, und in der Tiefe einer oder mehr Klaftern, ge, bahnet hatte, wodurch nun dasjenige Wasser, welches den Verg herab fuhr, ausftoß. Unter dem Falle sahe man in dem Felsen sehr viele iocher ausgefressen, welche völlig unsern in Schweden so. genannten Vergkesseln oder Riesentopfen ** -ähnlich waren. Vald waren sie grösser und tiefer, bald kleiner und niedriger. Aus diesem weni, gen Wasser, das nun bey dieser starken langwierigen Dürre herab- * Man sehe die 2te Figur. ** Bärg,ketlar eller Iätt,grytor. Zwischen Albany unk Saratoga. 249 herabsiel, konnte man leicht schliesscn, daß hier ein erstaunliches Brausen seyn muß, wenn der Fluß voll mit Waffer ist, und wenn dasselbe zu 12 Klaftern tief herunter schießt. Wir hatten nun den klaresten und reinsten Sonnenschein, den man sich wünschen konnte, ohne einen Wolkensteck aMdem Himmel wahrzunehmen; und dabcy war es ganz still. Dem ohngeachtet stund doch bey diesem kleinen Fall, wo nur wenig Wasser jetzt fioß, als wie ein bestandig hin und her getriebener Staubregen; welches von den Dunsten, die sich von dem Wasser bey dessen Falle trenneten, und hernach von dem Winde weit herum geführet wurden, herrühretch Wenn man daher sich diesem Falle auf einen Büchsenschuß näherte, doch so daß der Wind von da nach dem Orte, wo man sich befand, hinwehete: so wurden auf einmahl die Kleider äusserlich naß, als wäre man im Regen gegangen. In den Wasserstrudeln, die sich in dem Berge unter dem Falle durchgefrcssen hatten, fand man allerhand Arten von Fisch. Hier fassen nun einige ieute und angelten Fische. Die Felsen bestunden hier aus eben dem schwarzen Stein, als alle andern Berge um Albany. Dieser Sein ist in der iuft geneigt, in kleine Horizontelle Blatter, wie der Schiefer, zu zerspringen. Fimmerzäutte muß ich eine Art von Zäunen nennen, die wir vorher nicht gesehen hatten, welche aber hier überall, so weit wir neben dsm Hudsons-Flusse reise-ten, wo man eine Menge von Gehölzen hatte, gebräuchlich war. Der Zaun bestund aus dicken langen Zimmerhölzern, welche alle zwischen jedweder Abtheilung von gleicher iänge waren. Die Höhe des Zauns war 3 bis Q5 10 Vier- 252 1749/ im Iunius. io Vlertelellen. Da sie sich hier der Pfahle nicht bedie, nen konnten, so vereinigten sie dieselben folgender mas-sen an den C'nden. Wenn zum Exempel * der Zaun AD gemacht werden soll/der aus der iänge dreyer Hol, zer besteht, nehmlich aus AB, BC, CD: so legt man bey A, B und C einen kurzen Querbalken zu un, terst auf den Boden. Auf diese Querbalken legt man die Hölzer A B, BC, C D «n die Furchen, die an diesen Querbalken, damit sie sich nicht verschieben, ein« gehauen worden sind. Ueber diese Holzer legt man wie» derum bey A, B und C emen neuen kurzen Querbal, ken, de»gleichfalls eingehauen wird, damit sie sich nicht verrücken; und wieder andere Hölzer darauf. Hiemit fährt man so lange fort, bis der Zaun seine gehörige tange erreicht hat. An einigen Orten hatte man die in die iange liegenden Hölzer, auf die Weise, wie es bey D und tii abgebildet ist, umgewechselt; doch so, daß sie von ihren Querbalken unterstützt waren.^ Diese Art die Zaune einzurichten, kann da allenfalls statt finden, wo man einen so beträchtlichen Vorrath von Holz, als hier, hat. Denn sonst würden sie, wofern sie die Hol, zer, aus denen ein solcher Zaun bestund, zerspalten, und noch mehr, wofern sie dieselben von einander gesäget hatten, viele Zaune von gleicher Grösse und gleichem Nutzen daraus haben verfertigen können. Zur Mittagszeit setzten wir unsere Reise nach Canada den Fluß hinauf, in dem Eanoe, der lang und in einer weissen Fohre ausgegraben war, fort. Der Fluß wurde etwas oberhalb dem Hofe, wo wir übernachtet hat« * Man vergleiche hiemit die zte Figur. j ^ Zwischen Albany und Saratoga. 251 hatten, so seicht, daß sie mit den Rudern überall den Grund erreichen konnten > der bisweilen nicht über ein?, ja oft nur eine halbe Elle tief war. Das Ufer und der Grund des Flusses bestund nur aus Sand und kleinen Steinen. Der Strom fiel verschiedentlich sehr stark gegen uns, so daß die Ruderleüte Mühe genug hatten, um sich gegen denselben hinauf zu arbeiten. Die Anhöhen an dem Ufer waren überall von Erde, und an einigen Orten sehr hoch und steil. Das iand daneben hatte man theils angebauet, theils war es mit Wald bewachsen. Die Breite des Stroms belief sich mehrentheils auf ein paar Vüchsenschüjse. Sturgeons oder Stöhre findet man in grosser Menge in diesem Fluß. Wir sahen sie ganze Tage sich aus dem Wasser hoch in die tuft hinaufwerfen; noch mehr aber thaten sie dieß gegen den Abend. Unsere Wegwö^r und die/enigen, welche hier wohneten, be-richteten, daß man den Winter keine Sturgeons sähe, sandern daß sie alle spät im Herbste von hier den Fluß hinab nach dem Meer zogen, im Frühling aber wieder herauf kämen, und so den ganzen Sommer hier verblieben. Sie sollen sich hier im Flusse lieber in seichtem als tiefem Wasser aufhalten; welches auch ziemlich mit demjenigen, was wir hier bemerkten, übereinkam, in, dem wir sie selten an andern Stellen herausspringen sahen, als wo der Fluß seicht war. Ihr Essen soll vornehmlich in verschiedenen Arten von fädigten Meergräsern , * welche an einigen Stellen auf dem Grunde des Flusses häufig wachsen, bestehen. Denn wenn ein ge- fangei * Conferuac. 252 1749/ im Iunius. fangen« Sturgeon aufgeschnitten wird, soll der Magen gemeiniglich mit dem gemeldeten Gewächse bey ihm ange, füllt seyn. Sowohl die Indianer als die Holländer, welche hier wohnen, fischen steißig nach ihm. Wirwur, den nun alle Nachte während unserer Reise, auf und neben diesem Flusse, verschiedener Vöte gewahr, welche mit Stecheisen diese Fische siengen. Das Kienholz das sie hiezu anzündeten, nahmen sie am liebsten von der hier so genannten schwarzen Tanne oder Föhre. Ob nun gleich diese Zeit im Jahre diejenige war, welcke die kürz, sten Nachte hatte: so waren sie doch an einem so weit nach Suden belegencn Orte sehr dunkel, so wie in dem' Augustmonate bey uns. Die Ufer dieses Flusses lagen an vielen Orten, sowohl heute als die folgenden Tage, ziemlich voll von solchen Stöhren, welche bey dem Stechen zwar getroffen worden, aber doch entronnen und hernach gestorben waren. Vey der starken Sonnenhitze gaben sie einen unerträglichen Gestank von sich. Als wir den Fluß weiter hinauf kamen, erblickten Wir eine Indianische Frauensperson, welche mit ihrem Knaben in einem von Vork gemachten Voote saß, und einen Indianer, der durch den Fluß mit einer grossen Mütze von Baumrinde wadete. Es lag gleich daneben eine Insel, wo eine Menge von diesen Wilden sich nun des Stöhrsischens wegen aufhielten. Wir begaben uns nach ihren Hütten, um zu sehen, ob uns jemand von ihnen zum Fort St. Frederic begleiten wollte. Als wir dahin kamen, waren alle Mannsleute des Morgens in den Wald auf die Jagd gegangen: weswegen wir ihre Jungen überreden musten, sie aufzusuchen. Die Bezahlung Zwischen Albany und Saratoga. 253 zahlung, welche sie sich dafür vorbehielten, war Vrot. Wir waren daher genöthigt, ihnen 20 kleine runde Hrote zu geben. Denn da sie sahen, daß uns viel daran Hag, mit dcn Männern zu sprechen: so verstunden sie die Kunst, Schwierigkeit zu machen, wofern sie nicht das, was sie forderten, erhielten. Die Insel gehörte den Holländern zu, welche hier wohnten, und sie zu Aeckern angerichtet hatten. Nun aber hatten die Indianer sie gepachtet, und da Mays und verschiedene Arten Kürbisse gepftanzet. Sie hatten hier einige kleine Hütten, oder so genannte Wigwams, welche ziemlich ungekün, stelt aufgesetzt waren, errichtet. Es waren vier Pfahle senkrecht aufgeschlagen, über die sie SAlgen gelegt, und darüber ein Dach von Vork gemacht hatten. Die Wände fehlten entweder ganz, oder waren auch belaubte Zweige gegen die Stangen, welche die Dachschwelle ausmachten, aufgerichtet. Ihr Vette bestund aus Hirschfellen, welche sie über die Erde ausgebreitet hatten. Ihr Hausgeräthe waren ein paar kleine Kessel, ein paar iöffel, die wie halbe Küchenlöffel aussahen, und cin paar Eimer von Baumrinde, die so dicht waren, daß sie Waffer halten konnten. Das Fleisch der Sturgeons war in länglichen Stücken zerschnitten, und zum Dur-ren in die Sonne gehängt, damit sie den Winter davon zu essen hätten. Nun fassen die Frauensleute unö arbeiteten aussen auf dem Verge, und eine jede hatte cin Hirschfell unter sich. Sie bedienen sich niemahls der Stühle, sondern sitzen mit ihren Beinen auf die Erde. Doch haben sie nicht dieselben, wie es die Türken zu ma, chen pflegen, kreuzweis unter sich liegen: sondern ob der Fuß zwar hinterwärts gekehrt ist, so ist er doch auswärts gebo- 254 i?49, im Illnius. gebogen; so daß das Gesäß selbst fast zwischen beiden Füssen zu liegen kömmt. Die Frauensleute waren alle blos um den Kopf, und hatten pechschwarze Haa^e. Sie trugen einen kleinen blauen Rock, der bis auf das Knie herabhieng, und an dem unten rings herum an dcm Rande rothe oder andere Bander festgenähet waren. Ihr Hemd gieng äusserlich über den Rock. Sie hatten grosse Ohrringe, und die Haare waren hinten in einen grossen Bündel zusammen gelegt, und mit Vand umwickelt. Ihre Wampum oder Perlen und ihr Geld, das aus Muschelschaalen gemacht ist, hiengen von dem Halse auf die Vrust herab. Dieses war ihre ganze Kleidung. Nun fassen sie Md verfertigten verschiedene Arbeiten von Fellen oder dem bey den Wilden so genannten Hanfe, wo sie auf verschiedene Weise die Stacheln von den Ames rikanischen Stachelschweinen, welche sie schwarz oder roth gefärbt, oder bey ihrer weissen Farbe gelassen hatten, einhefteten. Gegen den Abend reiseten wir von da zu einem Hofe, der bey dem Fluß lag, und wo jelzt sich nur ein einziger Mann befand, um den Mays und die Aussaat zu besehen; indem die ieute nach dem Kriege noch nicht hallen dahin ziehen können. In kleinen Bachen fand man Hieselbst Arebsi, die völlig von der Art, wie die unsrigen, nur etwas kleiner, waren. Die hier wohnhaften Hollander wollten sie doch nicht essen. Vom drey und zwanzigsten. Des Morgens warteten wir lange aus die Ind,aner, die nach Hause zv kommen versprochen hatten / um uns den Weg nach dem Zwischen Albany und Saratoga. 255 dem Fort Anne zu zeigen, und uns zu helfen, ein Voot von Bork oder Baumrinde zu verfertigen, mit welchem wir unsere Reise fortsetzen könnten. Ohngefähr um acht Uhr kamen endlich drey Manner. Sie hatten auf gewöhnliche Weise pechschwarze und kurz geschnittene Haare, hellgrüne zottige Decken um die Schultern, ein Hemd, das über die lenden hieng, und Tücher oder Felle, die sie um die Veine und einen Theil der ienden, anstatt der Strümpfe, gewickelt hatten: sie giengen aber ohne Hut oder Mütze, und ohne Hosen. Zwey von, ihnen hatten den obern Theil der Stirne, und die beiden Wangen mit Zinnober gefärbt. Um den Hals war ein Band, von dem vor der Brust ein kleiner Beutel, worin sie ihr Schnittmefser verwahreten, herabhieng. Sie verspra, chen endlich uns für 30 Schillinge zu begleiten: änderten aber nach einer Weile ihren Entschluß, und giengen Mit einem Englander weg, der sie dazu überredete, und ihnen mehr gab, so daß wir bey dieser Reise kein Geleite erhalten konnten. Sie waren aber doch so aufrichtig, daß sie die 15 Schillinge, die wir ihnen auf die Hand gegeben hatten, zurückbrachten. Unser letztes Nachtlager war ohngefähr io Englis sche Meilen von Albany entfernet. Bey dem letzten und eben geschlossenen Kriege waren die ieute insgesamt von da nach Albany geflüchtet, weil die französischen Indianer, alle ieute, die ihnen vorkamen, ermordeten oder gefangen nahmen, an vielen Orten die Hauser in Brand steckten und die Baume fälleten. Es sah betrübt aus, als die ieute, welche nun zu ihren Wohnplqtzen zurückgekommen, gänzlich ohne Häuser waren, und unter einigen gegen 256 1749/ im Iunius. gcgen einander geneigten Brettern lagen. Der Fluß war hier beynahe einen Büchsenschuß breit, und dasiand an beiden Seiten angcbaur. Die Anhöhen neben dem Flusse waren steil und die Erde blaß. Der abendländische Hollunder * wuchs in unglaublicher Menge nach der iange der beschriebenen Anhö» hen, welche nun davon ganz weiß aussahen. Denn er stund jetzt in voller Blüthe. Wir hatten fast diesen ganzen Tag aufunserer Reise bey nahe nichts anders als Ströme auf Strome, die voll von Steinen waren, und grosse Hindernisse verursachten, hinauf zu kommen. Das Wasser in dem Flusse war rein und klar, und mehrentheils seicht, zur Tiefe von einer, anderthalb bis zwey Ellen. Der Strom oder das Wasser brauscte an den mehresten stellen stark wider uns. Das Ufer lag verschiedentlich voll von Kieselsteinen', und anderwärts von einem grauen Sande. Die Anhöhen bestunden aus Erde, und liefen in die Quer und hoch. Ein Paar Büchsenschüsse möchte der Fluß wohl breit seyn. Zu den Seilen war das iand bisweilen angebauet, bisweilen aber mit Wald bewachsen. Auf den Anhöhen neben dem Flusse fand man theils den rochen, theils den weissen Alee häufig. Wir sahen beiderley Arten heute und die folgenden Tage in Menge in den Waldern. Man dürfte daher nicht so gewiß schliessen können, ob er erst in den spätern Zeiten von Europa Hieher geführet worden sey, wie einige meinen, oder * Sambucus occidental)«« Zwischen Albany und Saratoga. 257 oder ob er sich von uralten Zeiten hier befunden habe, welches letztere die Indianer laugnen. Die portulack wuchs ziemlich stark auf sandigen Stellen. In den Küchengarten war sie eine von den ärgsten Arten von Unkraut. Die ieute kamen fetzt, überall zu ihrer Heimat und den Wohnplatzen, die sie des Kriegs wegen zu verlassen genöthigt waren, wieder zurück. Die Höfe waren gemeiniglich gleich neben dem Flusse auf den Anhöhen gebaut. Bey jedem Hofe war mehrentheils ein kleiner Küchengarten und ein noch klei» nerer Garten. Doch waren auch bey vielen Höfen ganz grosse Garten angelegt. In dem Küchengarten hatten sie verschiedene Arten von Kürbissen, Wassermelonen, und Vicebohnen gesaet. Der Garten bestund aus mehr oder weniger Apfelbäumen. In diesem Jahr befanden sich gar keine oder auch nur sehr wenige Aepfel aufden Bau» men. Für die Ursache gab man theils den Frost aus, der einige Nächte im May, nach dem alten Stil, als die Aepfelbäume geblühet, eingefallen, theils auch die anhal« lende starke Dürre, die diesen Sommer über gewahret hatte. Die Hausir, worin die ieute wohneten, waren bey sehr vielen Höfen aus nur in der Sonne und der iuft ge-trockneten und ungebrannten Ziegeln, und aus Balken auf folgende Weise erbauet. Erst hatten sie das Balkenwerk aufgeführt, und hernach einen Giebel darüber mit zweyen Giebelwanden und dem Sparrbalken errichtet. Die Wand an dem Giebel war von lauter Brettern. Das Reisen li. Theil. R Dach 258 !?49/ im Iunius. Dach hatten sie äusserlich mit, Schindeln von Föhrenholz gedeckt. Zwischen dem Balkenwerk waren hernach un» gebrannte Ziegeln, damit die Häuser warm seyn möchten, eingemauert. Da aber der ReKm und die tust leicht die Ziegeln verderben konnten, so hatten sie dieselben ausser, lich mit Brettern bekleidet. Unter dem Hause waren gemeiniglich Keller befindlich. Die Feuerheerde waren bey den Hollandern allezeit so gemacht, daß zu beiden Sei, ten des Heerdes, der neben der Mauer gebaut war, keine Ecken hervorstunden: sondern es sah aus, als wenn sie gegen die Wand selbst das Feuer angezündet hätten. Da, wo die Hofe nicht dicht an dem Flusse lagen, waren sie gemeiniglich auf den Anhohen angelegt. Neben dm Höfen nahm man grosse mit Mays bepflanzte Felder wahr. In dem Flusse befanden sich die Biesimrayett häufig. Wir sahen sowohl heute als die folgenden Tage überall an dem Ufer, sogar neben der Wasserfläche, eine Menge locher, von der Grösse, daß eine kleine Katze hätte hineinkriechen können. Aussen vor, wie auch in der Mündung der iöcher lag es voll von Muschelschalen, deren Bewohner sie verzehret hatten. Man soll sie mit Fallen sangen, die man nach der iänge der Wasserseite, wo sie sich aufhalten, setzt, nachdem man ein wenig Mays oder Aepfel hineingeworfen hat. Der Sassafras wuchs hier ziemlich häufig, er ist aber jederzeit klein. Der Castamenbäume wurde man hin und wieder gewahr. DerHahnsporsHagedorn* wuchs aufdenaller, dürresten und magersten Stellen mit sehr langen Stacheln, zur - Tupvsparr/Hagtorn. Zwischen Albany und Saratoga. 259 zur Anzeige, daß er zu Hecken an dergleichen Orten und Erdreiche mit Vortheil gepflanzt werden kann. Des Abends nahmen wir unser Nachtlager bey ei, nem Vauer, der neulich nach dem Kriege zu seinem Höft zurück gekommen war. Er hatte hier, ausser seiner grossen Scheune, keine andere Gebäude übrig. Die andern waren verbrannt. Vom vier ttnd zwanzigsten. Der Hof, indem wir übernachteten, war der letzte von der Provinz Neu, York gegen Canada, wo Häuser stehen geblieben waren, und ieute nun wohnten. Weiter hinauf waren zwar teute'noch: sie hatten aber keine Hauser, sondern nur Hütten von Brettern; indem die Häuser zur Kriegszeit verbrannt waren. Wir setzten unsere Reise fort. Das land zu beiden Seiten des Flusses war meistentheils eben, bisweilen auch etlpas bergig, And bestund verschiedentlich aus magern Tannenheiden. Hin und wieder fand man es in Aeckern oder Wiesen verwandelt: aber meisientheils war es doch mit Wald bewachsen. In dem Flusse hatten wir, fast ganz von Albany bis mehr als den halben Weg nach Saratoga, nichts anders als Strom gehabt, so daß es uns viel Mühe kostete, uns hinauf zu helfen. Hernach wurde der Fluß aber, zu einigen Englischen Meilen sehr tief, und das Wasser still; die Ufer vertieseten sich jah-ling, ob sie gleich nicht sonderlich hoch waren. Die Breite des Flusses ließ sich auf ein Paar Büchsenschüsse schätzen. Nach Mittag änderte sich die Richtung des Flusses. Denn bisher war er von N. nach S. gelaufen; R 2 nun 266 1749/ im Iunius. nun aber lief er von NNO. nach SSW. und bisweilen von NO. nach SW. Die Ameiohaufen waren ziemlich selten hier zu iande. Ich erinnere mich nicht einen einzigen in Amerika, ehe ich nach dem Cohoes Wasserfall hin kam, gesehen zu haben. Heute nahmen wir einige wenige in den Wäldern wahr. Die Ameisen waren völlig von einerley Art mit unsern gewöhnlichen *. Die Ameishaufen bestun. den größtentheils aus dem zerwilterten schieferahnlichen Stein, den man hier überall findet; indem ihnen sonst nichts zu Gebote war. Die Castanienbaume wuchsen ab und zu in den Wäldern. Eben so sollen die Maulbeerbaume " hier wild, obgleich seltener gefunden werden. Und hier war der Ort, wo diese am weitesten nach Norden hier in Amerika von sich selbst hervor kommen. Denn weiter nach Norden von diesem Orte hat man sie nicht bemerkt. Die pastinak trafen wir taglkh an sehr viel Stellen wild an; doch aber jederzeit da, wo das iand entweder jetzt, oder vor diesem angebauet gewesen war. Der Hans wuchs von sich selbst bey alten Pflanzungen, und zwar häufig. i Die XValdläusi hielten sich überall in den Gehol, zen auf, und machten uns viel zu schaffen. Die abendländlsihe Thu?a sieng nun an, neben den Ufern des Flusses zuwachsen. Vorher war ich ihrer nicht gewahr worden. Die • Formica ruse. *• Moms rabr». Saratoga. 26c Die neben den Ufern und auf den Anhohen des Flusses wachsenden Bäume, welche sich uns heute bey unserer Reise vorstellten, waren der Ulmenbaum, die Virke, die wcisse Tanne, die Eller, der Hundebaum, die iinde, die rothe Weide und der Eaftanienbaum. Der Amerikanische Hollunder und die wilden Weinranken zeigten sich nur an solchen Stellen, wo das iand etwas angebauet worden war, gleich als wenn diese beiden den Umgang mit ieuten geliebt hatten. Die iinden und weissen Wallnußbaume waren unter den häufigsten. Die Hainbuchen mit aufgeblasenen Samenbehältnissen kamen uns dann und wann zu Gesichte. Die Wasserbuche aber und die Wasserespe * hatten gänzlich Abschied genommen. Sowohl die schwarzen als die tLrd-Eichhorn ner, ** liessen sich oft in dem Walde sehen. Wir begegneten in einiger Entfernung von Saratoga zwcycn Indianern, welche beide in ihren, von Ritt-de verfertigten Böten herbeykamen. Diese ihre Vöte konnten kaum mehr als einen einzigen Mann tragen. Der Fluß wurde wiederum bey Saratoga etwas seicht, und das Wasser strömete ziemlich. Das ianh hier herum hatte man zu Aeckern und Wiesen angewandt, ob es gleich des Kriegs wegen wüste lag. Saratoga war gewisser massen eine Vestung gewesen , welche oie Englander aus Holz erbauet hatten, um den Anfall der Französischen Indianer gegen die Eng, R 5 lan« * Water Poplar, ** Ground-squirrel- 262 1749/ im Iunills. landischen, welche hier wohnten, zu verhindern, und auf gewisse Weise zur Vormauer für Albany zu dienen. Sie ist an der östlichen Seite des Hudsons Flusses auf ei« ner Anhöhe gelegen gewesen. Die Bauart ist darin be« standen, daß sie dicke Pfahle von anderthalb bis drey Klaftern der tänge nach in die Erde, als Pallisaden, ganz dicht neben einander eingeschlagen, und auf diese Weise das Vesiungswerk in Gestalt eines Vierecks, das an jedweder Seite einen kleinen Büchsenschuß lang gewesen, erbauet haben. An den Ecken sind die Blockhauser, und innerhalb den Pallisaden die Hauser der Soldaten gcwe, sen, und zwar alles von Holz. Es ist bis auf den letzten Krieg im Stande und mit Soldaten besetzt gewesen, da es denn die Englander selbst im Jahr 1747 in Brand steckten; indem sie nicht langer vermochten, dem Anfalle der Franzosen und der Franzosischen Indianer zu widerstehen. Denn so bald sie sich ein wenig vor der Vestung hinaus begaben, lagen einige von diesen ihren Feinden in Hinterhalt, und nahmen sie entweder gefangen oder erschossen sie. Unter andern listigen Kriegsstreichen, die man hier brauchte, will ich nur einen anführen, der mir sowohl von Englandern als Franzosen, welche damahls gegenwartig gewesen sind, zu mehrern mahlen erzahlet worden. Eine Parthey Franzosen mit ihren Indianern schlichen zur Nachtzeit in einen Wald von Gebüschen, der nicht weit von der Vestung ablag, und versteckten sich. Des Morgens giengen abgeredeter maffen einige wenige von ihren Wilden an die Vestung und sahen dieselbe an. Die Engländer siengen darauf an von weiten auf sie zu schiessen. Die Wilden stellten sich als wenn sie getroffen waren, fielen niedtzr, erhoben sich, liefen ein wenig, und Saratoga. 263 sielen wiederum nieder. Alsdann stürzte mehr als die Hälfte von der in der Vestung befindlichen Besatzung heraus , um sie gefangen zu nehmen. Sobald sie aber dieselben erreicht hatten: sprungen die Franzosen mit ihren übrigen Wilden aus den Väschen zwischen der Vestung und den Englandern hervor, umringeten sie, und nahmen sie gefangen. .Die in der Vestung zurück gebliebenen Englander hatten kaum so viel Zeit die Pforte der Ves stung zuzuschlagen. -Sie konnten aber keinen einzigen Schuß auf ihre Feinde geben, weil sie fanden, daß sie eb?n so leicht ihre eigenen ieute, als den Feind, welche nun mit einander vermengt waren, treffen könnten: sondern sie waren genöthigt mit Gram zu sehen, wie der Feind mitten vor ihren Augen, und unter ihren Eanonen ihre Cammeraden fest nähme und wegschleppte. Dergleichen Kunstgriffe machten die Englander ihrer übel an« gelegten Vestung ganz überdrüßig. Die abgebrannten Pallisaden stunden noch nach. Gleich bey der Vestung lag in dem Flusse eine Insel, welche zur Anlegung einer Vestung bequemer als der vorige Ort dürfte gewesen seyn. Das iand war auf beiden Seiten des Flusses bey Saratoga eben, und bestund aus guter fester Erde. Der Wald war fast überall umgehauen. Die Anhohen des Flusfts liefen hoch und steil und bestunden aus Erde. Von weiten nach Norden sahen wir Berge über dem Walde. Die ieute, welche hier wohnten, waren alle Hollander dem Ursprünge nach, und sie hegten einen an-gebohrnen Haß gegen die Engländer. R4 I« 264 !?49, im IuniUs. In der Nacht lagen wir bey einer kleinen Hütte von Brettern, welche die hiehergezogenen ieutesich errich, tet hatten. Vöm fütts und zwanzigsten. Vor dem Kriege waren hier verschiedene Sägemühlen gewesen, die ihnen, indem hier das Gehölze häufig ist, grosse Vortheile verschaffet hatten. 'Dle Bretter konnte man im Frühling, wenn das Wasser hoch stund, leicht nach Albany und von da nach Neu- Pork in Flossen hinunter führen. Jetzt waren sie aber alle verbrannt. M Des Morgens setzten wir unsere Reise den Fluß hinauf fort. Als wir aber etwas über eine Englische Meile zurück gelegt hatten, geriethen wir gegen einen ziemlich starken Wasserfall, der uns einen guten Theil deS Tages in Arbeit setzte, ehe wir den Eanoe über denselben hinauf bringen konnten. Gleich unter diesem Falle war her Fluß von dem Waffer, das sich bey dem Sturze tief eingefreffen hatte, sehr tief. Da, wo Klippen in dem Flusse lagen, merkte man daneben allezeit eine grosse Tiefe, zu zwey, drey, vier und mehrern Klaftern; indem sich das Waffer bey dem Anstössen gegen den Berg daselbst tief in die Erde durchgebohret hatte. Oberhalb diesem Falle wurde der Fluß wiederum sehr tief, das Wasser war still, und neben dem Ufer vertiefete es sich /ähling. An beiden Seiten, ganz bis auf das Fort Nicholson fand man das iand mit einem hohen Gehölze überwachsen. Nachdem wir einige wenige Englische Meilen gerudert hatten, stiessen wir auf einen andern Wafferfall, der sowohl hoher als langer und schlimmer, als der eben erwähnte war. Zwischen Saratoga und Nicholson. 265 Riesintöpfe/ * wie sie bey uns genannt werden, und welche ich in den Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften beschrieben habe, sahe man hier sehr häufig bey diesem hohen Falle in dem Felsen, der da quer durch den Fluß gicng, und über den das Wasser strömete. Jetzt war der Felsen meistentheils blos und trocken; da der Fluß diese Iahrzeit nur sehr wenig Wasser enthielte. Einige von den Riesentöpfen waren rund, die meisten aber länglich. Es lagen fast in allen auf dem Voden entweder Steine oder Sandgries, und zwar öfters in Menge. Einige betrugen im Durchschnitte anderthalb Ellen, andere waren kleiner. Die Tiefe war verschieden. Ich fand sie so gar drittehalb Ellen tief. Ich konnte ganz deutlich finden, daß sie auf die Weise entstanden waren, daß sich das Waffer um einen Stein herumgedrehet hatte, und daß der Stein selbst, nebst dem Sande herum getrieben worden war. Wir waren willens, mit dem Canoe ganz bis zu dem Fort Nicholson zu fahren, welches für uns sehr bequem gewesen wäre. C'S war aber unmöglich über den obern Fall wegzukommen. Denn der Eanoe war schwer, und in dem Flusse befand sich kein Waffer: sondern es strömete nur an einer einzigen Stelle über den Felsen; und da konnte man wegen des steilen und starken Stroms sich durchaus nicht hinauf arbeiten. Wir musten daher unsern Eanoe hier verlassen und unsere Sachen durch einen unwegsamen Wald und eine Wüstcney bis zum Fort R 5 Anne * Mte-grytor, Man sehe die Schwedischen Abhandlungen für das Jahr l/43. S. 122. 266 1749, im Iunius. Anne bey dem Flusse Woodcreek tragen, welches ohnge, fahr cm Weg von sieben oder acht Schwedischen Meilen ist; wodurch wir nicht wenig bey der starken Hitze abgemattet wurden. An einigen Orten hatten wir keinen andern Ausweg uns über tiefe Ströme weg zu helfen, als daß wir hohe Väume, welche an den Ufern wuchsen umhauen, und sie über den Strom hinwerfen musten, um nur fortzukommen. Das iand, wo wir diesen ganzen Nachmittag durchwanderten, war fast eben, ohne Verge und Steine, und durchgehende mit einem hohen und dicken Gehölze überwachsen. Uebcrall erblickte man eine Menge umgefallener Väume, indem der Wald hier von nieman. dcn genutzct wurde. Die folgende Nacht lagen wir in dem Walde, und waren sehr von Mücken, Schnacken, * Waldlausen geplagt, und schliefen in grosser Furcht vor allerhand Schlangen. Vom sichs und zwanzigsten. Des Morgens frühe zogen wir wiederum weiter durch dcn Wald neben dem Ufer des Hudsons Flusses. Hier war zwar ein aller Weg, der zu dem Fort Nicholson leitete: er war aber jetzt so verwachsen, daß es uns Mühe kostete ihn zu ent, decken. Hindbeere fanden w«r in Menge an einigen Orten, von denen schon einige zur Reife gekommen waren. Das Fort Nicholson war der Ort auf der östli, chen Seite des Hudsonsstujfes, wo ehemahls eine höl-zerne Vestung gestanden war. Wir langten etwas vor Mittag an, und ruheten uns hier eine Weile aus. Ganz * Knote. Das Fort Nicholson. 267 Ganz bis auf den Anfang des letzten Krieges wohnte der Oberste iydins hier, und hatte er vornehmlich das hie-bey zur Absicht, daß er einen so viel stärkern Handel Mit den Französischen Indianern treiben könnte. Ill dem Kriege aber brannten sie sein HauS ab, und nahmen seinen Sohn gefangen. Die Vesiung war hier auf einer Flache gelegen: jetzt war der Ort aber mit einer kleinen Waldung ganz überwachsen. Sie war im Jahr 1709 bey dem Kriege der Königin Anna mit den Franzosen aufgeführet worden, und hatte ihren Namen von dem damahligen tapfern Englischen General Nicholson erhalten. Sie war keine rechte Vestung, sondern mehr ein Magazin für das Fort Anne. Als im Jahr 1711 die Seeerpedition der Englander gegen Canada mislung, so wurde auch dieses von den Engländern selbst in eben dem Jahre in Brand gesteckt. Der Boden schien hier ziemlich gut zu seyn. Der Hudsonsftuß fioß hier dicht vorbey. Etwas nach Mittag setzten wir unsere Reise fort. Wir waren bis jetzt der östlichen Seite des Hudsonsfius, ses gefolget, und fast ganz nach Norden gewandert: jetzt verliessen wir aber denselben, änderten unsern Weg, und stellten denselben auf ONO. oder NO. quer durch den Wald und die Wüsteneyen, damit wir nach dem obern Ende des Flusses Woodcreek, der zu dem Fort St. Frederic hinläuft, und auf dem wir darauf mit einem Voole gehen konnten, kämen. Das iand oder die Wü« stcney, wodurch wir uns diesen Nachmittag begaben, war mehrentheils eben und etwas niedrig. Hier und da sahe man einen Bach, der doch jetzt auf den meisten Stellen 268 i?49/ iM Iuluus. Stellen vertrocknet war. Ab Und zu erblickte man eine tlcine Anhöhe, aber keine Verge noch Steine; überall war das tand mit grossen und hohen Waldern be« deckt. Die Vaume stunden dicht, und gaben daher ei. ncn starken Schatten. Dieß Vergnügen wurde aber von der unglaublichen Menge Mücken, wovon diese Wäl, her voll waren, verringert. Man fand hier verschiedene Pftanzen, welche aber weit von einander entfernt waren, fast wie in unsern Gehölzen, wo das Vieh sie verzehret hat; obgleich das Vieh Hieher niemahls gekommen war. Ucberall war der Vodcn stark mit iaub, das den Herbst zuvor gefallen war, bedeckt. An andern Orten hatte sich der Moos sehr eingerissen. Das Erdreich war fast durchgehende recht gut, und bestund aus einer dicken Gartenerde, wodurch die Pflanzen, die man hier fand, einen gedeihlichen Wachsthum erhielten. Es schien da-hcr, als wenn dieß ein sehr fruchtbares iand werden könnte, wenn man es anbauete. Doch nahm man silesscnd Wasser hlcr ungemein selten wahr. Was sollte demnach wohl nicht alsdenn geschehen, wenn der Wald aus dem Wege gcraumct würde, und die Sonne alle ihre Wirkung ausüben könnte? Wir nahmen unser Nachtquartier in der Wüste.-ncy neben einem Wasserstrudel, damit wir Wasser genug zu trinken hätten, welches einem zu dieser Iahrzeit eben nicht überall im Walde zu Gebote stund. Die Mücken aber, die Punching oder Schnacken und Waldlause setzten uns sehr zu. Die Furcht vor allerhand Schlangen und noch mehr vor den wilden Indianern, machte überdem unsere Nachtruhe weniger dauerhaft und sicher. PlM- Zwischen demFortNicholson u.St.Anne. 263 Vunchins wurden von den Holländern die kleinen Mücken oder Schnaken * genannt, die man hier in sehr grosser Menge antraf. Sie sind sehr klein, und ihre Flügel grau mit schwarzen Pünctgen. Diese waren zehnmahl schlimmer, als die grossen Mücken^ ^ denn sle waren so klein, daß man sie kaum sehen konnte, sie hielten sich überall hervor, waren nicht bange ums ieben, saugten sich voll von Vlut, und verursachten an dem Orte, wo sie bissen, emcn Schmerz, als wenn man sich an dem Feuer gebrannt hätte. Wir höreten in der Nacht grosse Baume von sich selbst umfallen, obgleich in der iuft die größte Stille, welche seyn konnte, so daß sich nicht einmahl eine Feder bewegte, herrschete. In der stillen Nacht erregten sie ein fürchterliches Krachen in dem Gehölze. Vom sieben und zwanzigsten. Unsere Reise wurde des Morgens fortgesetzet. Wir fanden das iand von eben der Beschaffenheit, wie. gestern, nur daß wir bisweilen einige kleine Anhöhen erblickten. Des Morgens frühe hörten wir einen Wafferfall oder ein Wasserbrausen ganz deutlich in dcm Hudsons Flusse. Es lag überall in dem Geholze eine Menge um? gefallener Baume, welche entweder der Sturm oder ihr Alter umgeworfen hatte. Es waren aber keine unn gehauen. Denn hier wohnen keine leutc; und so schon gleich der Wald ist, so gcrcickt er doch niemanden zum Nutzen. Es fiel uns recht schwer über diese umgefallene Baume * Culex pulicaris, Linn. Syfi. 603. ** Culex pipiem. 2?c> 1749/ im Iunius. Bäume hinüber zu kommen. Denn sie hatten fast alle Durchgänge versperret; und neben ihnen war bey der Sonnenhitze öfterst der vornehmste Ausenthalt der Klap, perschlangen. Um zwey Uhr Nachmittags langten wir in dem Fort Anne an. Es liegt neben dem Flusse Woodcreek, welcher doch hier bey seinem Ursprünge wie ein kleiner Bach ist. Hier blieben wir diesen ganzen Tag bis auf den Sontags Morgen stehen, um uns ein neues Boot von Bork zu verfertigen; weil wir nicht aufandere Weise im Stande waren den Strom hinunter nach dem Fort St. Frederic zu kommen. Wir trafen auch zu rechter Zeit ein, indem der eine von den Mannern, die uns begleiteten, und unsere Wegweiser waren, des Morgens krank wurde, so daß er nicht würde ausgehalten haben, weiter zu wandern und seine Bürden zu tragen. Wäre er noch kränker geworden, so würden wir haben liegen bleiben müssen. Wir würden aber sehr übel daran gewesen seyn, wenn wir unser Essen verzehrt gehabt hat- , ten, indem wir uns in einer wilden Einöde befanden, in der es unter einer Zeit von drey bis vier Tagen für uns oßnmöglich gewesen wäre, dahin zu kommen, wo ieute wohneten. Es war aber unser Glück, daß wir nun unser Ziel erreichten, so daß der kranke Mann ausruhen und sich wieder erhohlen konnte. Vey dem Fort Anne traf man eine Menge Mäusi von der gewöhnlichen Art an. Diese dürften von denen herqestammet seyn, welche vielleicht mit den Soldaten in ihrem Proviante, zu der Zeit, als diese Vestung im Stande war, Hieher gebracht worden sind. Aepfel. Das Fort Anne. 271 Aepfel s und pflaumenbäume stunden noch hier. Sie sind ohne Zweifel, zu der Zeit, da sich die Vestung noch in ihrem Wohlstande befand, gepflanzt worden. Vom acht und zwanzigsten. Der Amerika-Nisihe UlmendaMN * wuchs in Menge hier in den Gehölzen. Man zahlte zwey Arten davon. Die eine wur, de der weisst Ulmenbaum genannt, weil der Baum inwendig weiß war. Hievon war eine grössere Menge vorhanden, als von der andern Art, die mawden ro? then Ulmenbaum nannte, weil das Holz auf roth stieß. Von der Rinde des weissen verfertigte man ge, meiniglich die hier gewöhnlichen Vorkböre, indem sie zäher, als sonst von einem andern Vaume, war. Mit der Rinde vom Hickery, die man hier anstatt des Bastes brauchte, nehete man die Ulmenrinde zum Boot zusammen , und mit der Rinde von dem rothen Ulmenbaum machten sie das Boot an den Enden dicht. Denn sie klopften die Rinde zwischen zwey Steinen, oder in Man, gel derselben, zwischen einem Paar hölzernen Klötzern. Die Verfertigung des BorkbSHtes beschäftigte uns gestern den halben und heute den ganzen Tag. Um ein solches Bool zu machen, sucht man einen dicken, hohen, und so viel möglich ist, astfreyen Ulmenbaum mit ebener und glatter Rinde, auf. Diesen hauet man um und fället ihn behutsam, damit die Rinde bey dem Falle, weder gegen andere Bäume noch gegen den Boden, Schaden nimmt. Einige, damit sie der Beschädigung der • Vlmus Americana. 272 1749, im Iunius. der Rinde bey dem Falle vorbeugen mögen, hauen nicht den Baum um, sondern klettern in denselben hinauf, und rllzen daselbst die Rinde aus, und streifen sie ab. So verfuhr unser Schifsbaumeister dieses mahl. Man ritzet mit einem scharfen Messer die Rinde an der einen Seite nach der iänge des Vaumes in gerader linie auf, und zwar zu der iange, die man dem Boote geben will. An einem jedweden Ende von dieser geritzten iinie, schneidet man die Rinde um den Stamm herum ab, damit sie desto leichter sich absondern möge. Die Rinde schälet man sehr behutsam ab, und giebt vor allen Dingen Achtung, d^ß sie kein ioch bekömmt, oder an einer Stelle zerreißt. Dieses Abschälen her Rinde ist zu der Zeit, wenn der Vaum den Saft von sich giebt, leicht zu bewerkstelligen, und zu den andern Iahrszeitcn wird der Vaum gegcn das Fcuer gcbahct, um eben den Iwcck zu erreichen. Die abgestreifte Rinde breitet man über die Erde an einer ebenen Stelle aus, so daß die inwendige Seite dem Boden zugekehret wird, die äussere aber und rauhe aufwärts zu liegen kommt. Damit sie nun desto ebener sich ausstrecken möge, legt man Klötzer oder Steine vorsichtig darauf, um sie niederzudrücken. Darauf biegt man die Seitentheile der Rinde behutsam aufwärts, um den Vord des Bootes zu machen. Ohnqesähr eine oder ein paar Ellen voneinander, schlagt man Stöcke in die Erde ein, nach der krummen iinie, in welcher der Bord rings um die aufgebogenen Seitcnlheile, gehen soll, damit man die zum Vord bestimmte Rinde unter, stützen könne. Die Seitentheile biegt man nachgehenos nach der Gestalt, welche das Boot haben soll, und die Stöcke werden dann entweder mehr ein oder auswärts verrücket. Das Fort Anne. 273 verrücket. Zu den Rippen des Bootes werden dicke Zweige vom Hickery genommen, indem dieß ein zähes Und sehr biegsames Holz ist. Diese schneidet man in fiache Schinnen, die einen Quersinger oder Zoll dick sind, und bicgt sie hernach zu Yer Gestalt, welche die Rippen, nach der breitern oder schmahlern Stelle, die sie in demVoote einnehmen, erfordern. Nachdem sie so gebogen worden, legt man sie quer über das Boot auf die Rinde oder dessen Boden, ziemlich dicht, ohngefahr eine Spanne oder halbe Elle von einander. Der oberste Rand eines jedweden Bords wird von zweyen schmalen und mit dem Voole gleich langen Stangen gemacht, welche man zu den Seitentheilen gegen einander legt, indem sie an der Seite, woran sie zusammengefügt werden, stach sind. Zwischen diese Stangen steckt man den obersten Rand der Rinde an dem Bord, welche bey oder zwischen den Stau« gen mit Fäden von Bast, Mäuseholzrinde, oder einer andern zähen Rinde, oder Wurzeln festgenehet wird. Doch ehe dieses Zusammennehen geschieht, werden die Enden der Rippen auch zwischen diese Stangen gesteckt; und paßt man es dabey so ab, daß die Rippen einigermassen weit von einander zu stehen kommen. Wenn dieß beobachtet worden, so nehet man alles gut zufam, men. Die Stangen, welche auf die Weise den Bord umfassen, werden nach der Krümme oder Richtung, welche der Bord hat, gebogen, und stoffen beide Stangen des Bords an jedwedem Schnabel mit den Enden an einander, woselbst sie mit Tauen stark zusammenge, bunden werden. Damit sich das Boot oben nicht erweitern möge, spannt man drey oder vier Querbander über dasselbe von dem obersten Rande des einen Bords zu dem Reisen n. Theil. S and«rn; 2?4 1749/ im Iunius. andern, welche Qucrbander ohngcfähr sober 8 Vier« telellen weit von einander entfernt sind. Diese Quer« bander bestehen gemeiniglich von Hickery, welcher, wie gesagt worden, sehr zähe und biegsam ist. Man »ieckc sie an den Enden, welche ziemlich lang sind, dicht unter den Vordstangen durch die Rinde durch, biegt sie über die Stangen in die Höhe, und darauf über sich selbst oder den Theil von ihnen, der innerhalb dem Borde ist, herum ^ und alsdann werden sie mit Tauen sorgfällig angestrengt. Da die Rinde an beiden Schnäbeln nicht so dicht zusammengefügt werden kann, daß das Waffer nicht solte durchdringen können, so werden die Oefnun, gen mit dem zerstoffenen Vork von dem rothen Ulmenbaum, der so zerflossen wie Werk aussieht, zugestopfet. Auf die Rippen in dem Voote legte man andere Vork" stücke, worauf man gieng; denn sonst konnte man leicht mit dem Fusse, oder auf andere Weise, ein ioch oder eine Ritze durch die dünne und schwache Rinde, aus wel, cher der Boden des Bootes bestund, stoffen. Zu desto grösserer Sicherheit sucht man gerne ein oder cin paar dünne Bretter zu bekommen, um sie auf den Aoden zu legen, damit man desto sicherer darauf treten und gehen könne. Die Seite der Rinde, die dem Holze zuge-kehrt gewesen, wird nun die äussere des Bootes, weil sie glatt und schlüpfrig ist; und leichter durch das Was, ser durchfährt. Es geht nicht immer so geschwind mit dieser Schifsbauerey. Denn bisweilen geschieht es, daß, wenn man die Rinde eines Ulmenbaums abgeschä, let hat, und sie genauer besichtigt, mc»« entweder schlim« me iöcher oder Ritzen in derselben erblickt, oder sie auch so dünn und gebrechlich befindet, daß man sein teben dersel- Das Fort Anne. 275 derselben nicht anvertrauen will. Alsdenn muß man einen andern Ulmenbaum aufsuchen. Und kann eS sich dabey wohl zutragen, daß man verschiedene Ulmenbaume, ehe man eine dienliche Rinde erhalten kann, abstreifen muß. Dieß ist also kürzlich die Beschreibung eines solchen Fahrzeuges. Dasjenige, so wir nun verfertigten, War so groß, daß es vier Personen, mit unsern Sachen, welche auch etwas mehr, als eines Mannes Schwere ausmachen konnten, zu tragen im Stande war. Vey dem Rudern in Strömen, Flüssen und Seen mit einem solchen Vorkboote, muß man alle mögli, che Vorsichtigkeit beobachten. Denn da beides in den Strömen und Flüssen,/a so gar in den Seen eine Menge umgefallener Baume liegt, welche mehrentheilS unter dem Waffer versteckt sind: so kann man leicht mit dem Boote gegen einen scharfen Ast oder Pfahl anstossen. Und wo, fern man dann mit Gewalt fortruderte, so könnte ein solcher das halbe Voo/ wegreissen: welches aber da, wo das Wasser sehr lief ist, eine gefahrliche Sache wäre, insonderheit, da ein solcher Ast oder Pfahl zugleich das Voot festhalten würde. Wenn man in ein solches gebrechliches Fahrzeug hineinsteiqen will: so muß es sehr behutsam geschehen. Desto grösserer Sicherheit wegen zieht man vorher die Schuhe aus. Denn wofern man die Schuhe an hätte, und noch mehr, wofern man einen schleunigen Sprung in das Boot thäte: dürfte man leicht mit dem Rande der Absätze an den Schuhen, die Füsse quer durch den Boden des Fahrzeuges durchstoßen. Dieß möchte nicht immer von so glücklichen Folgen seyn, vornehmlich, S 2 wenn 2?6 1749, im Iunius. wenn das Fahrzeug bey einer Klippe stünde, neben der eine jähe Tiefe befindlich wäre. Und dergleichen Stellen sind in diesen Flüssen und Seen nicht sehr selten. Die Mücken * hatten wir in Amerika an keinem Ortein so grosser Menge, als hier, gesehen. Sie waren als wie aus der Erde gegraben, und so bcqierig nach der Nahrung, daß wir die verwichcne Nacht keine Ruhe vor ihnen haben konnten. Wir machten Feuer rund um den Ort, wo wir lagcn, um sie abzuhalten, an. Es war aber alles vergebens. LValdläusi ** fand man an diesem Orte sehr häufig, und noch häusiger, als wir vorhcro die ganze Reise wahrgenommen hatten. Man hatte sich kaum auf die Erde niedergelassen, bevor eine ganze Schaar von ihnen die Kleider hinauskroch. Wir litten hier nicht weniger Ungelegenheit, die letztere Nacht und die ganze kurze Zeit, in der wir uns hieraufhielten, von ihnen, als von den vorigen. Sie waren in Ansthung ihres Visses sehr verdrießlich, und darin gefährlich, daß sie sich, wenn sie in die Ohren hinaufschlupfen konnten, daselbst einfraffen, und es schwer fiel, sie wieder herauszubringen. Man hat Veispiele, daß bey einigen das Ohr zur Grösse einer Faust, weil diese darin gesessen und gena, get haben, angeschwollen ist. Ein mehreres hicvon lie, set man in der Beschreibung, die ich der Königl. Schwedischen Akademie der Wissenschaften vorgeleget habe. "* ♦ Culex pipiens. ** Acari American!. "* Man sche die Abhandlungen derselben für das Jahr 1754. auf der iZten und den folgenden Seiten. Das Fort Anne. 277 Der wipperiwill ließ sich von allen Seiten, fast die ganze Nacht hören. Es ftogen auch die Feuersiiegett in Menge die Nacht über in den Gebüschen und dem Ge« holze herum. Das Fort Atttte, wo wir jetzt unser iager geschla? gen hatten, ist nach der Königin Anna in England so genannt worden. Denn zu ihrer Zeic hat es zu einem Ver-theidigungswerke gcgen die Franzosen gedienet. Man siehet den Grundriß davon in der gelieferten Abbildung. * Es liegt zur westlichen Seite des Stroms Woodcreek, der hicr nur wie ein Vach von der Breite einer Klafter, und diese Iahrszeit so seicht war, daß man, wo man gewollt, hätte durchwaden können. Dieß ganze Fe, stungswerk ist auf eben die Weise, wie Saratoga und das Fort Nicholson gebaut gewesen; nehmlich, daß man in die Erde dicht an einander nach den tinien, welche der Grundriß zeigt, dicke Pfahle oder Pallisaden, die zwey Klaftern lang, und an dem Ende zugespitzt gewesen, eingeschlagen hat. Innerhalb diesen haben sich die Hauser der Soldaten, und an den Ecken die Blockhäuser, wo die Officiere gewohnt haben, befunden. Es ist alles aus Holz bestanden. Denn man hat blos zur Absicht gehabt, sich hiedurch gegen streifende Partheyen zu vertheidigen. Es ist auf einer kleinen Anhöhe gelei gen, die etwas schrege gegen den Vach Woodcreek zulauft. Das tand hier herum ist theils eben, theils bergig, theils morastig. ' Es besteht aber ganz aus Erde, so daß man hier keinen einzigen Stein antrift, wofern man ihn auch bezahlen wollte. Dieses Fort Anne wurde zur Zeit der S 3 Königin * Inder vierten Figur.. 2?8 1?49/ im Iunius. Königin Anna, jm Jahr 1709, von dem Englischen General Nicholson, angelegt. Aber bey dem Schlüsse des Kriegs, den sie mit den Franzosen führte, hates eben das Schicksal, als Saratoga und das Fort Nicholson, erlitten; nehmlich daß eS im Jahr ,711 mit Fleiß von den Englandern selbst verbrannt worden. Es ver-hielt sich aber hiemit folgendergcstalt. Im Jahr 1711 beschlossen die Englander, Canada zu iande und zu Was» ser zugleich anzugreifen. Eine starke Englische Flotte fuhr den iorenzftuß hinauf, um Quebec zu belagern, und der General Nlcholson, der die Sache am stärksten ge, trieben, gieng mit einer zahlreichen Armee den iandweg Hieher, um zu einer und derselben Zeit Montreal von dieser Seite anzufallen. Aber ein grosser Theil der Englischen Flotte hatte das Unglück Schiffbruch in dem io-renzstusse zu leiden, und war daher genöthigt umzukehren. Bey der Zurückkunft nach Neu. England wurde dieß sogleich dem General Nicholson bekannt gemacht, mit dem Anrathen, sich wieder zurück zu ziehen. Der Capitain Vultler, welcher während meines Aufenthalts in Amerika Eommendant auf der Vestung Mohak war, berichtete, daß er im Jahr 1711 sich mit hier bey dem Fort Anne befunden hätte, und daß der General Nicholson eben im Begriffe gewesen wäre, hier bey dem Fort die Vote in den Woodcreek auslaufen zu lassen, wie die Nachricht eingetroffen, daß die Englische Flotte verunglückt wäre. Der General Nicholson ist hierslber so erzürnt geworden, daß er zuerst versucht hat, seine schwarze Perücke in Stücken zu rcissen. Wie aber die Perücke zu stark gewesen, daß er mit ihr nicht zurechle kommen können, so hat er sich auf die Erde geworfen, sie Das Fort Anne. 279 sie mit Füssen getreten und ausgeruffen: Schelmstncke, Schelmstücke; Verralherey, Verrätherey. Und darauf hat er die Vestung in Brand stecken lassen, und ist wieder Umgekehret. D»e Ueberbleibsel von den verbrannten Palli, faden sahe m n noch in de» Erde. Ich frug meine Begleiter, warum die Engländer erst so grosse Kosten angewandt, ein solches Vestungswerk aufzuführen, und hernach es ohne weiteres Bedenken verbrannt hätten? Sie antworteten in ihrer Einfalt, daß es blos deswegen geschehe, daß man noch ein anderes mahl Gelegenheit fände, von der Krone Geld zu erzwingen. Denn wenn ein solches neues Werk erbauet werden soll, schlägt die Regierung eine grosse Summe Geldes dazu an. Diese bekommen gewisse ieute unter Handen, und dürsten vielleicht den größten Theil davon in ihren eigenen Beutel stecken, und blos ein gebrechliches und elendes Vertheidigungswerk aufführen. Sie sagten, daß in dem letzten Kriege verschiedene von den reichsten in Albany gewesen wären, welche äusserst arme Verwandte gehabt hätten, denen sie aufhelfen wollen. Sie beförderten sie dahero zu dem Amte, Brot oder fönst etwas für die Kriegsmacht anzuschaffen; wodurch sie sich so bereichert haben, daß diejenigen, die vorher ganz arm gewesen sind, nun in Albany unter den reichsten ieus ten gerechnet werden. Die Hiye war heute ungemein stark, vornehmlich nach Mittag, als es ganz still in der iuft wurde. Wir hielten uns eben da, wo das Fort Anne gestanden, auf. Der Ort war klein und frey: aber rings herum überall mit Wald überwachsen. Die Sonne hatte daher hier sehr gute Gelegenheit, die tuft zu erwärme» und zu bren. S 4 nen. 28c> i?49, im Iunius. nen. Es wurde auch nach Mittag so warm, als ware ich auf einer Schwitzbank in der Vadsiube gesessen. Ich habe niemahls eine ähnliche Wärme verspüret. Das Athemhohlen fieng mir an schwer zu werden. Es schien, als wenn ich nicht Wind oder tust genug mit den iungen einziehen konnte. Als ich mich in die Thäler hinab begab , und insonderheit neben dem Waffer in dem Wood-creek, kam es mir vor, daß es etwas erträglicher würde. Denn oben an den erhabenen Orten in dem Schatten war es fast eben so warm und erstickend, als in der Sonnenhitze. Ich versuchte die iuft mit dem Hute an mich zu. wedeln: es wurde mir aber fast noch schwerer Athem zu hohlen. Ich fand die größte iinderung, wenn ich zum Bache hinab gieng, und von emer schattigen.Stelle oft das Wasser vor mir in die tuft hinauf sprützete. Meine Gefährten wurden auch sehr entkräftet: doch fanden sie bey dem Athemhohlen nicht völlig eben die Keschwerde^ als ich. Gegen Abend ward es etwas kühler, VHM neun und zwanzigsten. Nachdem wir endlich nach vieler Mühe und Arbeit unser Fahrzeug in Stand gebracht hatten; setzten wir nur am Sonntage des Morgens die Reise fort. Unser Eßsack erinnerte uns sehr^ eilfertig zu seyn. Denn weil wir durch diese Wüs steneyen bisher alles auf dem Rücken tragen musten: ft konnten wir nicht viel Essen mit uns führen; in Ansehung dessen, daß wir verschiedene andere nothwendige Sachen fortzubringen hatten. Nichts desto weniger hielten wir fast alle ziemlich gute Mahlzeiten. Da nun in dem Strom sehr wenig Wasser befindlich war, und in und über demselben hin und wieder umgefallene Baume lagen, welche hi« Zwischen den Forts Anne u. St. Frederic. 2gl die Fahrt des Bootes aufhielten: so ließ ich die Männer mit dem Vorkboote sich den Strom hinunter arbeiten, und gieng selbst nebst Iungström zu Fusse an dem Ufer dane« ben. Das iand war zu beiden Seiten des Stroms ganz niedrig, so, daß es im Herbste und Frühling unter Wasser stehen wird. Die verschiedenen Arten von Väumen> mit denen es überwachsen war, stunden doch ziemlich uw dicht, und hatten sehr viel Gras zwischen sich. Die Bäume gaben einen Schatten, der diese Heisse Jahres« zeit sehr nothig und angenehm gewesen wäre, wofern nur nicht die Menge Mücken, die sich in demselben befanden, ziemlich unser Vergnügen verringert hatten. Das Erd« reich war sehr fett. . Die Bieberdämme waren eine neue Hinderung, als wir weiter hinunter in dem Strom kamen. Die Vie-her hatten allerhand Zweige zusammen geschleppet, von diesen ihre Dämme quer über den Strom gemacht, und Schlamm und Thon darzwischen gesteckt, damit das Wasser dadurch gedämmt würde. Sie hatten die Zweige so nett abgebissen, daß es völlig so aussahe, als wären sie mit einem Beile abgehauen worden. Das Gras da herum war von ihnen niedergetreten worden. Wir fanden' nun anfänglich einen Vieberdamm nach dem andern vor uns, wodurch wir sehr aufgehalten wurden. Denn wir kamen nicht eher mit dem Boote durch, bis wir eine Oeffnung in dem Damme gemacht hatten. Bey und um die Dämme herum hatten die Vieber grosse Wege in dem Grase gebahnt. Ohne Zweifel werden sie da jhre Bäume fortgeschleppet haben. "' ' , ^erbe a L.apuce. Wenn man in den Stengel schneidet 6ber etwas von ihm abrclsset, so läuft ein weisser milchartiger Saft heraus. Die Franzosen eigneten dieser Pfianze alle die Eigenschaft ten zu, welche der so genannte giftige Vaum, oder Rhus Vernir, dessen ich oben schon ausführlich erwähnet, * in den Englischen Pfianzörtern hat: nehmlich daß diese Pflanze gleichfalls einigen ein Gift, andern aber unschädlich sey; oder daß einige sie, wie sie wol, len, angreifen und mit der Milch die Hände und den teib bestreichen können, ohne davon den geringsten Schaden zu empsinden. Andere hingegen dürfen derselben nicht nahe kommen, ehe sich an dem Orte eine Menge Blasen erhebt. Ich sahe hier mit eigenen Augen einen von den Soldaten, dessen Hände ganz voll von Vlasen wurden, blos davon, daß er die Pftanze mit der Hand abriß, um sie mir zu zeigen. Gewissen Personen soll sie so giftig seyn, daß wenn auch nur ihre Ausdünstungen dem Gesichte oder den Handen zugeführt werden, bei, de Theile davon ungemein ausschwellen, so daß sie sich derselben nicht gerne zu nähern wagen. Es kamen hier alle darin üderein, daß die Milch, die aus ihr hervor-quillet, wenn sie auf die Hände oder andere Theile des Körpers gestrichen wird, fast bey allen und jeden nicht allein ein Aufschwellen des Theils verursacht, sondern auch oft die Haut da wegfrißt, so daß man ganz krätzig Mssiehet. Wenigstens glaubte man, daß nur wenige waren, * In dem 2ten Theil«, auf der «Zsten Seite, und den folgenden. Zl3 i?49/ im Iulius.G waren, an welchen diese Milch cine ähnliche Wirkung nicht spüren liesse. Doch ist sie mir niemahls nachlheilig gewesen. Denn lch habe nicht ein, sondern mehrmahl, und zwar in Gegenwart vieler Personen, die darüber erstaunt sind, und mir alles Unglück prophczcihet haben, nicht allein die ganze Pstanze angegriffen, sondern mich auch mit dem milchichten Safte über beide Hände, so daß sie ganz weiß davon geworden sind, bestrichen. Ja ich habe bisweilen die Pflanze so lange über beide Hände gerieben, bis sie gänzlich zerquetscht worden ist. Und demohngeachtet habe ich, nach allen diesen Versuchen nicht das geringste Merkmahl oder eme Aenderung auf meiner Hand wahrgenommen. Das Vieh laßt sie un, verzehrt. Vom zwölften. Die Aletten * wuchsen an verschiedenen Orten um die Vestung. Der Eommendant berichtete, daß man im Frühling die ersten zarten Sprößlinge, welche der Stengel alsdann hat, reinigt, und die äussere Haut abzieht, und sie als Rettich ißt, nehm» lich so, daß man sie erst in fein Salz steckt. Das Canadiscke Giftn " wachst ziemlich häufig in den Waldern des ganzen nordlichen Amerika. Die Franzosen nannten es Cerfeuil stuvage und bedienten sich desselben überall, im Frühling zum Grünkohl, auf eben die Weise, wie eines andern Kerbels. Es wurde von allen ungemein gepriesen, und für sehr gesund, blut, reinigend, /a für eines von den besten Krautern, die man im Frühling an diesem Orte hat, gehalten. Der * Arctium Lappa. ** Sison (Canadenfe) foliis terstatis; Linn, Spec, pi.-t. 252. Das Fort St. Frederic. 319 Der von den Franzosen so genannte Csttonier * wuchs hier im iande ziemlich häufig an den Seiten der Anhöhen, die neben Flüssen, wie auch an andern Orten, lagen, und nicht weniger an dürren und offenen Stellen in den Wäldern, in einem guten, losen und fetten Erd« reiche. Wenn man den Stengel abschneidet, oder bricht, quillt ein tveifser milchähnlicher Saft in Menge hervor; weswegen die Pftanze für etwas giftig gehalten wird. Nichts desto weniger sammle« die Franzosen hier in Ea-nada zeitig im Frühling ihre zarten Stengel, wenn sie zuerst aufkommen, die sie als Spargel zurichten, und auf eben die Weise gemessen, ohne daß sie ihnen übel bekamen; indem diese zarten Sprößlinge so zeitig noch nicht etwas giftiges haben einsaugen können. Die Blumen geben in der Vlühezeit einen sehr angenehmen Geruch von sich, so daß man zu der Zeit mit dem größten Ver-gnügsn in den Amerikanischen Wäldern reiset, vornehm, lich des Abends, wenn der Geruch noch starker ist. Die Franzosen in Canada machen aus diesen Blumen auf folgende Weise einen Zucker. Man pflückt des Morgens frühe die Blumen, wenn sie mit dem Thau bedeckt sind, ab. Diesen Thau drückt man aus, von dem man hernach Zucker kocht, der braun, wohlschmeckend und sehr gut ist. In den vollkommen reifen Schoten steckt um den Samen eine Art Wolle, die der Baumwolle ahnlich siehet, von der auch das Kraut seinen Französischen Namen erhalten hat. Sie wird von den Armen gesammlel, welche damit, anstatt der Federn, ihre Betten anfüllen. Insonderheit stopft man diejenigen Betten, die für die Kinder * Afdepias Syriaca, Um. Spec. pi. p, 214« 32O 1749/ im Julius. Kinder gebraucht werden, damit aus. Die Pflanze blühet in Canada zu Ende des Iunius, und zu Anfange des Julius, und die Samen derselben werden in der Mitte des Septembers, überhaupt nach der neuen Zeitrechnung zu zahlen, reif. Diese Pflanze wird allezeit von den Pferden ungegessen gelassen. Vom sichszehttten. Des Morgens reisete ich über die See Ehamplain zu den hohen Bergen, welche an der westlichen Seite derselben liegen, um zu sehen, was für Merkwürdigkeiten an seltenen Krautern und andern Dingen daselbst sich sinden dürften. Wenn man auf den Felsen in einiger Entfernung von der Vestung stehet, und sich umstehet: so wird man gewahr, daß an der westlichen Seite der See Champlain eine Reihe von sehr hohen Bergen, von Süden nach Norden fort' laust. Und wenn man seine Augen nach Osten wirst, so kommt einem da eine andere Reihe von sehr hohen Bergen zu Gesichte, welche sich gleichfalls von Süden nach Norden erstrecken. Doch sind die an der östlichen Seite nicht dicht an der See, sondern wohl 6 oder 8 Schwedische Viertelmeilen von derselben entfernet. Aber ein niediiges ebenes iand liegt zwischen den erwähnten Vcrgen und der See, welches ganz mit Waldung üben wachsen ist. Die Berge selbst sind auch fast überall mit einem hohen Gehölze überzogen, ausgenommen da, wo das Waldfeuer hat durchfahren können. Zu den Sei« ten sind diese Berge vielfältig sehr steil, an andern Or« ten aber etwas abhangig. Wir fuhren über die See mit einem kleinen Eanoe, der nur drey Personen tragen konnte, und bey der Ankunft ans tand, wanderten wir von Das Fort St. Frederic. ^ 321 von dem Ufer die Verge hinauf. Ihre Seitentheile waren ziemlich steil, und mit Erde bedeckt, obgleich ab und zu grosse Felssteine lagen. Es war alles mit Wald überwachsen. Aber an einigen Orten war das Feuer ausgekommen, welches einen Theil des Waldes verbrannt hatte. Nach vieler Arbeit erstiegen wir einen von diesen Bergen, der an dem obersten Gipfel mitStaub, erde bedeckt war. Dieser war doch nicht einer von den höchsten, sondern es lagen andere weit höhere noch weiter weg, wohin wir doch nicht Zeit zu wandern hatten; indem der Wind zuzunehmen anfieng, und wir ein so klei« nes Voot hatten. Wir trafen hier weder seltene Kräuter noch sonst was merkwürdiges an. Vey der Zurükkunft zu dem Ufer hatte der Wind dergestalt zugenommen, daß wir nicht wagten, mit unserm kleinen Voote über die See zu fahren. Ich ließ daher den Mann zurück, um den Eanoe nach Hause zu führen, wenn der Wind sich legte, und wanderte selbst zugleich mit meinem Bedienten den iandweg rings um den Busen, welches eine gute Schwedische Meile ausmachte. Wir hielten uns an das Ufer, wo niemahls ein Weg gewesen war, und kamen bald über steile Berge, bald über scharfe Steine, bald durch dicke Walder, bald durch tiefe Moraste. Diese Gegend war vorher als ein Aufenthalt und die rechte Wohnstatte für tausend Klapperschlangen berüchtigt. Wir wurden aber zu unserer Freude keiner ge, wahr. Das Ufer war bisweilen sehr steinig, woselbst aber ziemlich grosse eckige Felssteine lagen. Diese waren bisweilen rundlich und gleichsam abgenutzt. Visweilen stellte sich eine kleine Stelle mit Sand dar, der theils von Reisen 11. Iheil. X der 322 1749/ im Iunilts. der grauen, theils auch, und zwar vornehmlich von der feinen hellrothen Art, der ich vorher gedacht habe, war. Ab und zu traf man auch schwarzen Eisensand an. Auf den Vergcn fand man Steine von einem feinkörnigen rothen Glimmer. An einigen Orten stunden die Va'ume senkrecht mit dem Berge neben dem Ufer, an andern aber war das Ufer mit Morast umgeben. Verstcmte Ammonshörner erblickte man an einem Orte in Menge in den Steinen und Felsen, welche neben dem Ufer lagen. Diese Felsen bestunden aus einem grauen Kalkstein, der nue eine Abänderung von dem schwarzen ist. Sie liegen eben so in Schichten. In einigen war es ganz voll von solchen Versteinerungen, beides mit und ohne Schalen. An einem Orte bemerkten wir erstaunt grosse Ammonshörner. Die ganze Vreite derselben machte über eine Schwedische Elle aus, welches wir mit dem Ellenmaasse genau untersuchten. Das Waffer hatte an einigen Stellen den Stein oben abgenutzet. Es hatte aber nicht dieselbe Wirkung bey diesen ausüben können; sondern sie lagen auf dem Steine erhaben, gleich als wenn jemand sie an denselben oben angeleimet hatte. Die Verge an dem Ufer waren erstaunt hoch und groß. Sie bestunden blos aus einem dichten grauen Felsstein, der so fest, wie die unsrigen, war, und nicht in Schichten, wie der Kalkstein lag. Ein grauer Quarz und ein dunkler Glimmer machte eigentlich ihre Bestand, theile aus. Da wo sie neben dem Ufel- standen, trat der graue Felsstein ganz bis zu der Wasserfläche hin. An den Orten aber, wo sie etwas von dem Ufer entfernt waren, lagen die grauen oder schwarzen Kalksteinsschich, lien Das Fort St. Frederic. 323 ten dem Waffer am nächsten. Ich fand aber nirgends daß grosse graue Felsen diese Kalksteinsgebirge bedeckten. Die Zizam'a * wuchs in dem Schlamm der Wasserwirbel und Bache, und stund /etzt in voller Blüthe. Vom siebenzehttten. Die Rrankheiten, welche bey den Wilden vor andern herrschen sollen, sind der rheumatische Schmerz und das Seitenstechen. Sie ent< stehen theils davon, daß sie oft genöthigt sind zur Nachtzeit im Walde und an feuchten Orten zu liegm; theils auch von den schleunigen Abwechselungen der Wärme und Kälte, denen die iuft hier zum öftern unterworfen ist; theils auch davon, daß die Wilden sich oft mit Brand-Wein besaufen, und sich so fast nackend unter freyen Himmel legen, es mag Winter oder Sommer oder was es für eine Witterung will, seyn. Die Franzosen, welche hier wohnen, sind auch vornehmlich mit diesen Krankheiten geplagt. Insonderheit ist das Seitenstechen hier sehr gangbar. Der Eommendant sagte, daß er mit dem letztern Uebel einmahl heftig befallen gewesen. Der Doctor Sarrasin heilete ihn aber auf die folgende Weise, die man hier die beste zu seyn befunden hat. Er gab ihm schweißtreibende Mittel ein, und ließ ihn so in einer Zeit von acht oder zehn Stunden schwitzen. Darauf ösnete er ihm die Ader, und ließ ihn aufs neue schwitzen. Nachdem rieth er «hm eine zweyte Aderlasse an. Wo» durch er wieder hergestellt wurde. Doctor Sarrasin war Königlicher Arzt in Quebec, l und Correspondent von der Akademie der Wissenschaften X 2 in * Fol. Avoine- 324 1749, im Julius. in Paris. Er besaß sehr. grosse Einsichten, sowohl in der Ausübung der Arztneikunde, als in der Anatomie und andern gelehrten Wissenschaften. Dabey war er ein angenehmer Mann im Umgänge. Er starb in Quebec an einem bösartigen Fieber, das durch ein Schiff dahin gebracht worden war; und wurde von demselben ange, stecke, als er die Kranken im Hospitale besuchte. Er hinterließ einen Sohn, der sich auch der Arztneikunde widmete, und nach Frankreich Him sich in derselben noch geschickter zumachen, hinüber reisete: er starb aber daselbst. An dem Wcchsilfieber sollen die ieute hier bisweilen krank liegen. Die Venusstuche soll sich Aer zu lande gleichfalls eingewurzelt haben. Die Wilden sind auch von dersel-ben angesteckt worden, so daß verschiedene sie gehabt, und sie noch haben. Sie verstehen aber auch, sie aus dem Grunde zu heilen. Man hat viele Beispiele, m unsern Zeiten, daß, wenn entweder jemand von den Franzosen oder den Wilden mit dieser Krankheit zu einem so hohen Grad behaftet gewesen, daß sie lies in alle Theile des Korpers hat eintreten können: sie doch von den Wilden innerhalb 5 bis 6 Wochen aus dem Grunde und vollkonl-men geheilet worden sind. Die Franzosen haben aber nicht erforschen können, was dieß für ein Mittel sey, dessen sich die Wilden bedienen um die Krankheit zu heben. Das wüsten sie, daß die Wilden niemahls Quecksilber weder auf eine noch andere Art zubereitet, gebrauchten sondern daß ihre vornehmsten Heilungsmittel in Wurzeln bestünden. Welche es aber waren, konnten sie nicht sagen. Hernach erfuhr ich, was diese für Krauter seyn; wo» Das Fort St. Frederic. 325 wovon mein Bericht an die Königl. Akademie der Wissenschaften * weitlauftig handelt. Die Plagen, welche der Bandwurm verursacht, sind uns in Schweden sehr bekannt. In den Englischen Provinzen im nördlichen Amerika war er etwas seltener. Hier in Canada sollen einige mit demselben geplagt seyn. Man beschrieb ihn mir so genau, als hätte man die Abhandlungen der Königl. Schwedischen Akademie der Wissenschaften gelesen. Er geht hier den ieuten oft zur iänge einiger Klaftern ab. Sie wüsten nicht, ob die Wilden ihn auch hatten oder nicht. Es waren keine gewisse Heilungsmittel wider ihn bekannt; noch konnte jemand die Ursache, von der er käme, angeben: sondern man muth« massete, daß er von dem Genusse gewisser Früchte entstünde. Vom neunzehnten. Das Forr Sr. Frederic ist eine Vestung an dem südlichen Ende der See ^am-plain, und liegt auf einem hervortretenden iandstkiche, welcher daselbst von der erwähnten See und dem Flusse, der von dem Woodcreek und der See St. Sacrement entstehet, sich herleitet. Dieser Fluß ist hier einen guten Büchsenschuß breit. Von den Engländern wird die Vestung CrowNPYMt genannt. Den Französischen Namen trägt sie aber nach dem Staatssecretär in Frank« reich, Frederic Maurepas, der bey ihrer Erbauung daS meist bey dem Seewesen in Frankreich anzuordnen hatte. Denn es ist zu merken, daß die höchste Gewalt von Canada dem Seestaate in Frankreich zugehört. Und es X 3 wird * Im Jahr 1750 auf der 284sien Seite. Z26 1749/ l'O Julius. wird auch der Generalguvernör hier von eben dem Staate hergenommen. Da die meisten Oerter in Canada nach einem Pabstlichen Heiligen den Namen führen: so hat die Gewohnheit gemacht, daß man hier daS Wort heilig * dem Namen der Vestung gleichfalls angefüget hat. Die Vestung ist auf einer Klippe aufgeführet worden, welche aus dem schwarzen Kalk-oder Schiefersteine, Wie vorher gemeldet worden, bestehet. Sie ist fastvier, eckig, hat hohe und dicke Mauern, die aus dem ebengenannten schwarzen Kalksteine gebauet sind, welchen man einen oder ein Paar Büchsenschüsse von der Vestung gebrochen hat. An der östlichen Seite in der Vestung ist ein etwas hoher bombenfreyer Thurm, mit sehr dicken und festen Mauern, der von allen Seiten fast bis zudem Hochsien Gipfel mit einer Menge Canonen versehen ist. In diesem Thurm rcsidiret der Commendant selbst. Auf dem Hofe der Vestung sind an der einen Seite eine kleine hübMe Kirche, und an den andern Seiten Wohnhäuser vol^tein für die Officiere und Soldaten. Zu allen Seiten gegen das feste iand liegen scharfe Felsen, zu mehr als einem Canonenschuffe von der Vestung. Doch find einige karunter, die an der Hohe den Mauern derselben nichts nachgeben, und welche dabey der Vestung sehr nahe sind. Die Englander behaupten, daß diese Vcstung auf ihrem Grunde gebauet worden, und daß die Gränze zwi, schen den Französischen und Englischen Pfianzörtern in' dieser Gegend, zwischen dem Fort St. Jean und de.r Prai' * Saint, Das Fort St. Frederic. 327 Prairie de la Magdelene befindlich wäre. Da hingegen wollen die Franzosen, daß die Gränze an dem Walde, mitten zwischen der See Saint Sacrement und den» Fort Nicholson seyn soll. Das iand um das Fort St. Frederic soll zu beiden Seiten des Flusses sehr gut und fruchtbar seyn. Und hat sich schon vor dem letzten Kriege eine Menge von Französischen Familien, vornehmlich Solba» ten, die Abschied genommen, niedergelassen, um da zu wohnen. Der Krieg nöthigte sie aber, theils sich nach Canada zu begeben, theils auch dicht an der Vestung zu wohnen, und in der Nacht in derselben zu schlafen. Nu» kam ein grosser Theil zurück, unt> man meinte, daß noch diesen Herbst gegen 42 oder ;c> Familien Hieher ziehen würden, um sich hier zu setzen, denen daher iand ange, wiesen werden müste. Einen, oder ein Paar gute Büchsenschüsse von der Vestung ostwärts ist eine Windmühle, die von Stein erbauet und mit dicken Mauern versehe» ist, in der das meiste von dem Mehl, das die Pestung erfordert, gemahlen wird. Man hat diese Windmühle so eingerichtet, daß sie gewisser massen die Stelle einer Schanze vertreten kann; denn oben in derselben liegen 4 oder 5 kleine Canonen. In dem letzten Kriege war da beständig eine Menge Soldaten, einquartiert, indem man von da den Fluß weit übersehen konnte, und bemerken, ob sich etwa Bste von der Englischen Seite näherten; welches nicht von der Vestung geschehen kann. Denn, wofern man nicht hier Wache hielte, konnte der Feind mit kleinen Böten dicht unter die westliche Seite des Flusses kommen; und alsdann würden die Anhöhen des Ufers verhindern, ihn von der Vestung zu erblicken. Man hat daher bey der Anlage dieser Vestung eine» X ^ Feh- O Z28 1749/ im Julius. . ^ Fchler begangen, der einem jedweden, der dahin kommt, gleich in die Augen fallt. Er besteht darin, daß die Vestung an eben dem Octe hätte angelegt werden sollen, wo die vorerwähnte Windmühle steht. Alsdann würde man nicht allein von der Vestung selbst den Fluß weit haben übersehen, und den Feind hindern können, auf demselben näher zu kommen, sondern man hätte auch mit einem kleinen Graben, wenn man ihn in dem losen schwarzen Kalkstein ausgehauen, und von dem Flusse, der von der See Sacrement kömmt, zu der See Ehamplain ge-zog?n hatte, die Vestung mit einem beständig fiiejsenden Nasser umgeben können, indem die Vestung auf dem aus, fersten iandstriche würde zu stehen gekommen seyn. In dem Halle würde man allezeit in der Vestung genug frisch Wasser gehabt haben, und alsdann würde auch nicht die-selbe den hohen Felsen se nahe gewesen seyn. Sie be, dauerten jetzt sehr, daß die Vestung nicht gleich anfangs an dem rechten Orte angelegt worden war. Nachdem wir einige Tage auf die Jacht, welche den ganzen Sommer über, zwischen dem Fort St. Jean und dem Fort St. Frederic, zu gehen vfieget, und nach deren Ankunft, in einigen Tagen auf guten Wind gewartet hatten: so wurden wir heute endlich fertig, uns von hier wegzubegeben. Wir hatten während unsers ganzen Aufenthalts Hieselbst mannigfaltige Gunst genoffen. Der gegenwärtige Eommendant der Vestung, der Herriouis-ignan, ein Mann von Gelehrsamkeit, und dabey von Vieler tebensart, überhäufte uns mit aller Höflichkeit und Güte, nicht allein als wären wir unter seinen ieuten zu rechnen gewesen, sondern als halte er uns zu seinen Ans gehö- Das Fort St. Frederic. 329 gehörigen gehabt. Ich hatte die Ehre, während der ganzen Zeit an seiner eigenen Tafel zu speisen, und mein Bedienter aß mit seinem Aufwarter. Wir hatten ausserdem unser besonderes Zimmer und Kammer, mit Bett und Aufwartung. Bey der Abreise versähe uns der Herr Eommendant reichlich mit Neisekost und andern Sachen bis auf das Fort St. Jean. Kurz er erzeigte uns mehr Gunst, als wir von unsern eignen tandsleuten hatten er-Varten und verlangen können. Die Herren Officiere und andere bewiesen sich uns ebenfalls auf alle ersinnliche Art gefällig. Wir setzten also um eilf Uhr Vormittags unsere Reise von hier fort. Der Wind war gut, zu beiden Seiten der See lagen hohe Gebirge, wie eine Kette an einander; doch mit dem Unterscheid, den ich vorher angezeigt habe, daß auf der östlichen Seite der See erst ein nie« driges mit Wald bewachsenes iand der See am nächsten war, und daß hinter diesem zu anderthalb bis zwey Schwe« bischen Meilen die hohen Berge lagen. Hinter densel« ben soll hernach alles iand dem neuen England zugeho-rcn. Dieses Gebirge bestund aus hohen Bergen, welche als eine Gränze zwischen den Französischen und Englischen iandern in diesem Theil des nördlichen Amerika anzuse, hen sind. Auf der westlichen Seite der See stiessen die Verge fast dicht an das Waffer. Die See war ansang, lich nur eine Französische Meile breit, sie erweiterte sich aber hernach immer mehr und mehr. ViS auf eine Franzosische Meile von der Vestung war das iand an der östlichen Seite der See bewohnt, hernach war es aber überall mit einem grossen Gehölze besetzt. In einer Ent- X 5 fer- M !?49,"im Julius. fernung von ic> Französischen Meilen von dem Fort St. .Frederic wurde da die See 4 solcher Meilen breit. Ab und zu erblickte man Eyländcr in derselben, Der Capi-tain der Jacht sagte, daß sich in dieser See zusammen 60 Eyländer, unter denen einige sehr groß waren, be« fänden. Er versicherte auch/ daß die See an den meisten Stellen so tief wäre, daß man mit einer ieine vsn loo Klaftern den Grund nicht erreichen könnte: und dicht an dem iande, vornehmlich wo quer laufende Verge lie-gen, soll sie öfters 80 Klaftern tief seyn, so, daß man an einigen Orten keinen Ankergrund antreffen kann. Es lagen vierzehn Französische Meilen von dem Fort St. Frederic vier grosse Eyländer in der See, welche hier sechs Französische Meilen breit seyn soll. Dieser ganze Tag war trübe und schienen die Wolken, die sehr niedrig Ahwebten, an verschiedenen Stellen g?gen diese hohen .Gebirge, welche an der See lagen, anzustofsen, so daß sie wie von einem Nebel umhüllet waren. Von vielen dieser Verge stieg der Nebel a!s der Rauch von einem Kohlmeiler in die Hohe. Hin und wieder warf sich ein kleiner Strom in die See. Hinter den hohen Verge« an der westlichen Seite, ist, wie man berichtete, das iand, auf einige Schwedische Meilen ganz eben mit einem hohen Gehölze überwachsen, von vielen Strömen und Bächen durchschnitten, mit verschiedenen Morasten und kleinen Seen versehen und sehr bequem bewohnt zu werden. Das Ufer war hier bisweilen felsig, und bisweilen bestund es aus Sand. Gegen Abend siengen die Berge allmählig an, abzunehmen. Die See war sonst sehr rein, und bemerkte man weder Klippen noch seichtes Gewässer in derselben. Des Abends spat legte sich der Sturm. Darauf D.ie See Champlain. z;r Darauf warfen wir neben dem lande Anker und blieben die Nacht über stille liegen. Vom zwanzigsten. Des Morgens fuhren wir mit einem gunstigen Winde weiter. Der Ort, wo wir übernachteten, machte etwas mehr als den halben Weg zum Fort St. Jean aus. Von dem Fort St. Frederic bis zum Fort St. Jean, rechnete man über die See Champlain 41 Franzosische Meilen. Die See war hier ohngefahr eine Schwedische Meile breit. Die Gebirge waren uns nun aus dem Gesichte gekommen, und sahen wir sie nirgends an der Seeseite. Im Gegentheil war das iand da niedrig, eben und überall mit Wald überwachsen. Das Ufer bestund verschiedentlich aus Sand. Die See war fast überall drey bis vier Schwedische Viertelmeilen breit. Sie war zwar breiter; die Inseln aber, die zur Seite lagen, machten sie an der Seite, wo »ir ihnen vorbeysegelten, schmähler. Man sahe an einem und dem andern Orte wilde oder Indianer an dem Ufer in ihren Vorkböten. Es wohnte aber niemand von ihnen hier an der See: sondern sie befanden sich nur hier, um Stöhre zu sischen, deren es auch in dieser See eine beträchtliche Menge Hiebt. Wir merkten bisweilen, wie sie aus dem Wasser in die Hohe sprungen. Diese Indianer führen eine besondere lebensart. Zu der einen Zeit im Jahr leben sie vornehmlich von dem kleinen Vorrathe von MayS/ Bohnen und Kürbissen, welche sie gepflanzt haben; zu einer andern, oder der jetzigen Zeit, sind Fische, ohne Brot und Zugemüß, ihre Nahrung; noch zu einer an, Hern besteht ihr Essen aus lauter Mdhrett, als Hir. Hey- zp ,749, im Julius. schen, Rehen, Viebern u. s. w. welche sic in dem Gehölze und in den Flüssen schicken. Demohnqeachlet le> ben sie lange, genicffcn emer starken Gesundheit, können weit mehr Beschwerlichkeiten, als viele andere aus-halten. Sie singen und tanzen, und sind lustig und allezeit vergnügt, so daß sie um wie viel ihre tebensart mit derjenigen, welche m Europa für die beste gehalten wird, nicht würden vertauschen wollen. Ohngefahr 10 Französische Meilen, ehe wir zum Fort St. Jem kamen, erblickten wir auf der westlichen Seile der See, neben dem Ufer Hausir, in denen die Franzosen kurz vor dem leylen Kriege gewohnt hatten. Die damahls einfallende Unsicherheit aber halle sie genöthigt , von da wegzuziehen. Doch waren sie jetzt sehr stark beschäftigt, sich wieder dahin zu begeben. Dieses war das erste Französische Haus und der erste Pstanzort, den wir gesehen, nachdem wir diejenigen verlassen halten, Hie neben dem Fort St. Frederic waren. ' Es ist ehedem einc VesiunF von Holz oder ein Vollwerk auf der östlichen Seite der See neben dem 'llfer vorhanden gewesen. Man zeigte uns die Stelle. Sie war aber jctzt völlig mit Wald besetzt. Die Fran, zosen hatten sie errichtet, um dem Einfalle der Wilden «ber diese See vorzubeugen. O?an versicherte auch, daß viele Franzosen an diesen Orten erschlagen worden wären. Sie erzählten zugleich, daß man vier Frauens, leute gegen eine Mannsperson von den Franzosen hier in Canada rechnete; indem jahrlich verschiedene von den Französischen Mannsleuten auf ihren Heisen, die sie wegen des Handels mit den Wilden anstellen, umgebracht werden. Ei^e Die See Champlain. z;; Eine von Steinen erbaute Windmühle stund an der östlichen Seite der See auf einem hervortretenden tandstriche. Es haben da Franzosen vor dem Kriege gewohnet; sie sind aber von da weggefiüchtet, und noch nicht zurückgekommen. Man zählte 8 Französische Meilen von hier nach dem Fort St. Jean. Die Englander hatten/ hier mit ihren Indianern verschiedentlich die Häuser- ver-hrannt. Die Windmühle war aber stehen geblieben. Die Jacht, auf der wir reiseten, war die erste> die man hier gebauet, und in der See Ehamplain ge-braucht hatte. Vorher bediente man sich blos grosser Vattoen, um darauf Proviant zu verschicken. Der Ea-pitain, der nun die Jacht führte, und hier in demianbe gebohren war, hatte sie selbst erbauet, und ist der gewesen, welcher zuerst den Weg aussindig gemacht, und die Tiefe ausgemessen hat, um mit derselben zwischen dem Fort St. Jean und dem Fort St. Frederic zu fahren. Hier soll es der Windmühle gerade gegen über z Klaftern tief seyn. Hernach aber wird das Wasser ganz bis zum Fort St. Jean etwas seichter. Man ward nun hin und wieder Häusir neben dem Ufer gewahr. Der Capitain hatte Otterfelle völlig von der Art und der Farbe, als unsere Europäischen, in der Kajüte hangen. Diese Ottern sollen in sehr grosser Menae in Canada angetroffen werden. Die Felle von Seehunden wurden hier stark gebraucht, um damit Koffer und Kasten zu überziehen. Ihre Cßsacke und andere Felleisen hier in Canada waren eben 334 1749/ im Julius. ebenfalls ost davon gemacht. Der gemeine Mann hatte auch die Veueel, worin er seinen zerschnittenen Toback trug, fast immer aus Fellen von Seehunden verfertigt. Sie waren der Gestalt nach/ denjenigen völlig ahnlich, welche man in Gothenburg, Bahus und Norwegen gebrauchet. Man wickelte sie zusammen, wenn man sie bey sich stecken oder von sich legen wollte. Das Haarige deS Felles wird auswärts gckehret. Der gemeine Mann war sonst ziemlich gewohnt, auf seinen Reisen und bey der Arbeit Toback zu rauchen. Ich merkte aber nicht, daß ihn jemand, wie die Seeleute der Englander und Hol, länder es ziemlich stark thun, gekauct hatte. Diese Felle von Seehunden waren völlig von der Art Seehunde, die wir in Schweden haben, und die mit grauen und schwarzen Flecken gezeichnet sind. Man soll sie in Menge in dem Meer unter Quebec finden, und sie sollen in dem torenzftusse so weit hinauf gehen, als sich die Ebbe und Fluch erstrecket, oder als das Wasser mit Salz vermischt ist; aber nicht weiter. Sie sind in keiner von den gros, sen Seen hier in Canada wahrgenommen worden. Die Franzosen nannten sie L.oup marin. Die Franzosen hielten überhaupt mehr auf das Beten und den aufferlichen Gottesdienst, als die Eng, länder und Hollander. Auf den Englischen und Holländischen Schiffen und Jachten, stellte man weder des Abends noch Morgens, Betstunde an. Man machte niemahls einen Unterscheid zwischen Feyertagen und Wer., keltagen. Niemahls oder nur selten segnete man das Essen, oder dankte Gott für die bescherten Gaben, wenn man zu oder von dem Tische gehen wollte. Aber hier auf der Die See Champlain. M der Jacht hielte man allgemeine Betstunde, beides de5 Morgens und ves Abends. Heute, da es Sonnlag war, betete man mehr als sonst. Sowohl vor als nach der Mahlzeit, beteten sie kurz, und schlugen darauf ein Kreutz vor sich. So bald der Eapitain des Morgens aufgestanden war, fiel er auf seine Knie bey dem Vette, und lag so eine lange Stunde, um sein Gebet zu verrichten. In der Vcstung St. Frederic kam gleichfalls die ganze Besatzung zum Morgen. und Abendgebete zusam-men. Der Fehler bestund nur darin, daß die meisten Gebete hier, so gar von den gemeinsten in iateinischee Sprache, die ein grosser Theil der ieute nicht verstund, gehalten wurden. So bald wir der erwähnten Windmühle vorbeyge-kommcn waren, wuche die See so schmahl, daß sie kaun^ Über einen Büchsenschuß in der Breite betrug. Sie' hätte daher mit einem Flusse grössere Aehnlichkeit als mit einer See. Das iand war zu beiden Seiten niedrig und eben, und mit einem taubwalde überwachsen. Wir sahen anfanglich eine und die andere kleine Hütte zu den Seiten der See; darauf lag aber das iand überall un? bewohnt. Die See war auch hier nicht über 6 oder ic> Fuß tief, und ab und zu schloß sie ein kleines Eyland ein. Fast während dieser ganzen Reise war die See von SSW. nach NNO. gegangen. An einigen Orten von Canada sind grosse landge, genden, die einzelnen Personen zugehören. Wenn dann ein Vauer die Freyheit erhält, einen Theil dieses iandes aufzunehmen, und ihm davon ein Stück, welches 40 Arpens lang, Und z Arpens breit isi, überlassen wird: f° 3;6 1749/iM Julius. so ist er verbunden, wenn er fich einigermassen eingerich, tet hat, hinkünftig dem Eigner des iandes 6 Francs jährlich zu bezahlen. Die Se.e wurde jetzt verschiedentlich so seicht, daß man mit laubichten Zweigen genöthigt war, den Weg, wo die Jacht gehen sollte, zu erforschen. Sie war aber an andern Orten etwas tiefer, ohngefähr zu zweyen Klaftern. Des Abends kamen wir endlich bey Untergang der Sonne glücklich zum Fort St. Jean hin, nachdem wir den ganzen Nachmittag beständig eine Abwechselung von Regen, Sonnenschein, Wind und Stille gehabt hatten. Dom ein und zwanzigsten. Samt Jean ist eine Vestung von Holz, welche dle Franzosen im Jahr 1748 an der westlichen Seite des Ausstusses der See^ « Ehamplain, dicht an derselben, angelegt und erbauet hatten. Die Ursache, warum sie dieselbe aufführten, war, theils um das land daherum, das nun mit Ve-wohnern sollte besetzt werden, zu bedecken; theils auch um einen Ort zur Niederlage für die Nahrungsmittel und Kriegsgerathschaft zu haben, welche jahrlich vorl Montreal nach dem Fort St. Frederic geschickt werden. Denn sie konnten ganz von hier zu dem letzt genannten Orte mit Jachten fahren. Aber weiter hinnunter können sie nicht dieselben fortbringen; indem ein paar Büchsen, schüffe weiter hinunter in dem Flusse strömend Wasser und eine Menge von Steinen befindlich ist; so daß sie slch nur mit Vattoen forthelfen können. Vorher wav das Fort Ehamblan, welches 4 Französische Meilen weiter Das Fort St. Jean. 3;? ter unterwärts liegt, eine Niederlage für die Nahrungsmittel. Da man aber alsdann Vattoen anfanglich hie, her, und nachdem Jachten von hier, brauchen muste, und dieß ausserdem ein krummer und längerer Weg war, die Nahrungsmittel zu iande von Montreal zu führen: so wurde diese angelegt. Sie liegt niedrig, hat ein san- ' diges Erdreich, und das iayd hier herum ist gleichfalls eben, niedrig und überall mit Wald überwachsen. Die Vestung ist viereckig gebauet, und nimmt einen Arpent in Quadrat ein. Unten gegen die See steht ein hohes Gebäude von Holz in jeder Ecke, welches vier Wohnungen hoch ist, aber einen Grund hat, weicher zu ändert« halb Klaftern in der Höhe von Stein aufgemauert ist. In diesen Gebäuden, welche nicht viereckig, sondern - nach verschiedenen Winkeln gebaut sind, hat man Stück« locher, wie auch Oefnungcn für kleineres Schießgewehr gentacht. In den beiden andern Ecken gegen das iand steht in einer /edweden ein kleines Haus von Holz, wel-ches zwey Wohnungen hoch ist. Die Absicht ist dabey, theils daß die Soldaten da wohnen, theils auch, damit man sich hier bcfser vertheidigen könne. Zwischen diesen Hausern sind von allen Seiten dritthalb Klaftern hohe und an dem freyen Ende zugespitzte Pfähle dicht an ein, ander in die Erde eingesetzt. Sie sind aus der Thuya gehauen, welche hier für das beste Holz, um der Fäuls niß in der Erde zu widerstehen, und in dem Stücke weit vorzüglicher als die Föhre., Zehalten wird. Unterwärts waren diese Pallisaden doppelt, die eine Reihe inner, halb der andern, gesetzt. Für die Soldaten waren in der Vestung rings herum neben den Pallisaden breite Brücken von mehr als einer Klafter in ber Höhe, mit Reistn 11. Theil. Y einem Z;8 I?49, im Julius. einem Gelander aufgeschlagen. Auf diesen konnten die Soldaten stehen, und mit ihren Handgcwchren durch dieiöcher schiessen und den Feind abhalten, ohne selbst eben von ihren Schüssen getroffen zu werden. In dem verwichenen Jahr 1748 zu Ende des Krieges, lagen hier ein Paar hundert Mann in Garnison. Iclzc aber im Frieden befanden sich nur ei, Commendant, ein Proviant-meister, ein Vecker und 6 Soldaten hier, um blos auf die Vestung und die Gebäude Acht zu haben, und über den Hieher geführten Proviant die Aussicht zu führen. Der Eommendant, der jetzt hier war, hieß Chevalier de (Fattnes. Ein sehr angenehmer Mann, und Schwager des Herrn iouisignan, Eommendanten von St. Frederic. Das iand rmgs um diese Vcstung war zu beiden Seiten des Flusses fett mU) von einem guten Erdreiche. Es wa^ doch annoch unbebaut. Man sagte aber, daß mit dem ehesten ieule Hieher kommen würden, um es zu bewohnen. tNarengoino wurden die Mücken pder Schnacken von den Franzosen an dicscm Orte und in dem ganzen Canada genannt. Ein Name, den sie von den Wilden sollen geborget haben. Von diesen Marengoins waren alle Wälder ringsum das Fort St. Jean so voll, daß man mit Zrosserm Rechte diese Vestung Fort de Mären-goins würde genannt haben. Die Moraste und die nie« drige tage des landes, wie auch die vielen Walder trugen sehr viel zu ihrer Erzeugung bey. Wenn das Ge, holze einmahl wird gefallet, das Wasser abgeleitet und das iand angebauet werden: so dürften diese wohl eben ft leicht hier, als es an andern ähnlichen Stellen vorher geschehen ist, sich verringern und verschwinden. Die Das Fort St. Jean. 339 Die Alappersthlange soll, wie alle einstimmig berichteten, nirgends in dieser Gegend, auch nicht weiter nach Norden, weder bey Montreal noch Quebec, sichtbar werden. Sondern die Verge, die das Fort St. Frede« ric umgeben, sollen der entlegenste Ort auf dieser Seite nach Norden seyn, wo man sie wahrgenommen hat. Von allen den Schlangen, die sich nördlich von diesem Orte hier in Canada besinden, soll keine so giftig seyn, daß ein Mensch von ihrem Visse einen besondern Schaden litte: sondern sie fiichen und eilen insgesamt weg, so bald sie Menschen erblicken. Die übrigen Bemerkungen, die ich von der Natur, den Eigenschaften, und andern Um-standen, der Klapperschlange gemacht, habe ich in den Abhandlungen der Konigl. Akademie der Wlssenschaf. ten ^mitgetheilet., Ich verweise die ieser demnach dahin, damit ich in dieser Reisebeschreibung nicht nöthig habe, das wieder anzuführen, was ich an einem andern Orte schon gesagt habe. Vom zwe? und zwanzigsten. Des Abends kamen Pferde von Prairie an, um uns abzuhohlen. Der Eommendant Hieselbst hatte nach ihnen auf mein Ansuchen schicken lassen, weil bey dem Fort St. Jean noch keine Pferde zu erhalten stunden. Denn der Ort war nur ein Jahr alt, und es hatte noch keiner Zeit gehabt, sich hier nieder zu lassen und zu wohnen. Die ieute, welche die Pferde führten, hatten zugleich Briefe an denEommen« danteu mit sich, sowohl von dem Gcneralguvernor über Canada, dem Marquis la Gallisoniere, unter dem sunf« V 2 zehn» " In dem Jahr 1752, auf der ?< 8ten Seite- 340 17.49/ im Julius. zehnten des Julius von Quebec, als von dem Vicegu» vernör in Montreal, dem Varon iongueuil, unter dem ein und zwanzigsten, eben des Monats. In diesen war geschrieben, daß ich besonders von dem Komgl. Franzöfi, schen Hose empfohlen worden wäre, und daß der Com-mendant mich mit allem, was ich begehrte, verschen und eiligst meine Reise befördern möchte. Ein Paar Anker Wein und andere Sachen, welche man glaubte, daß sie zu meiner Nothdurft und Verpflegung dienen könnten, wurden nun zugleich demEommcndalten zugeschickt. Des Abends trank man hier unter iösung der Eanoncn, beider Majestäten, sowohl des Königs in Frankreich, als des Königs in Schweden, wie auch des Generalguvernörs, nebst nnderer ihre, Gesundheiten. ^ Vom drey und zwanzigsten. Des Morgens setzten wir unsere Reise von hicr nach Prairie fort, um von da weiter nach Montreal zu gehen. Man rechnete von hier nach Prairie 6 Französische Meilen, wenn man zu iande reiset, und von da nach Montreal drittchalb iieues, wenn man dem lorenzfiusse folgt. Wir hielten uns anfänglich au das Ufer, so daß wir zur rechten Hand St. Jeans Riviere hatten. So nennt man den Aus-fiuß von dor See Ehamplain, der auch von einigen Chan,-» plains Riviere genennt wird. Nach einer ohngefthr eine Französische Meile langen Reise verliessen wir den Fluß, und lenkten uns zur linken. Das iand war hier überall niedrig, mit Wald bewachsen und ziemlich naß, so daß, ob wir uns gleich jetzt mitten in dem dürresten Sommer befanden, die Wege doch sehr naß waren, und wir sehr langsam fortkamen. Es ist aber zu merken, daß das Fort Das Fort St. Jean. 341 Fort St. Jean in dem vorigen Sommer erbauet, und daß dieser Weg alsdann erst gebahnt worden ist. Er hat daher in so kurzer Zeit nicht feste werden können. Es arbeiteten damahls 260 Mann, welche der König un» terhielc, und davon ein jeder für den Tag zo Hols bekam, in dreyen Monaten an diesem Wege. Und man sagte, das die Arbeit diesen Herbst noch weiter fortgesetzt werden sollte. Da das iand hier sehr niedrig und Wal-dig war: so hatten die Schnacken und Bremsen, welche uns in diesen dicken Waldern sehr beunruhigten, ihren rechten Sitz hier genommen. Nachdem wir drey Frau? zosische Meilen gereiset waren, wurde das iand frey von Waldung. Dieses schien in vorigen Zeiten ein Sumpf, der nun ausgetrocknet war, gewesen zu seyn. Man halle hier eine ziemliche Aussicht nach allen Seiten. - N3ir sahen zur rechten weit von uns weg zwey hohe Verge, welche sich hoch über den andern empor hoben, und picht sehr weit von dem Fort Ehamplain entfernt waren. Man konnte auch hier den hohen Verg, der gleich neben Montreal liegt, erblicken. Der Weg gieng hier fast in gerader iinie fort. Wir geriethen wiederum auf ein niedriges und nasses iand, nachher auf ein Gehölze, das vornehmlich aus den Fichten * mit den unterwärts gleichsam versilberten Blattern bestund. Das iand, wo wir heute durchfuhren, war fett und reich. Und kan es daher einmahl sehr fruchtbar werden, wenn der Wald umgehauen und das iand bearbeitet wird. Man ward keiner Felsen, und fast keiner Steine hier neben dem Wege gewahr. M * Abies solas fubtus argenteis. Z42 1749, im Julius. Weiter weg, ohngefähr vier Französische Meilen von dem Fort St. Jean, bckam das iand ein anderes Aussehen. Es war hier fast überall bewohnt. Wir sahen bey nahe nichts, als grosse weite und hübsche Aeckcr, welche nun mit den, herrlichsten Weizen angefüllt waren, und hin und wieder ein grosses Erbsenland, bisweilen auch ein mit Haber besetztes iandstück. Andere Getraide-arten kamen uns hier nicht zu Gesichte. Die Höfe stunden einzeln, und ein jeder hatte seinen Acker und seine Wiest daneben. Dic Hauser waren von Holz und dabey klein. Anstatt des Mooses, den man hier nicht fand, bediente man sich des Thons, um die Fugen der Wände dichte zu machen. Die Dacher an den Hausern waren sehr schreg laufend, und mit Stroh bedeckt. Hin und wieder wurde das iand durch einen Vach durchschnitten. Das Erdreich war fett. DaS iand war fast eben, und nur ab und zu erschien ein kleiner Vcrg. Wir konnten uns hier schr weit umsehen, und wohin man die Augen warf, kamen einem lauter grosse weite Anker und Wiesen, und abgesonderte Höfe, die überall verbreitet waren, zu Gesichte. Die Aecker waren alle besäet, indem man hier nur Sommersaat, sehr selten aber diejenige, die im Herbste ausgeworfen wird, brauchet. Das iand ist noch sehr ergiebig , so, daß es nicht brach zu liegen nöthig hat. Mei-stentheils ist es ohne Wald, und stehet daher zu befürch, ten, daß es hinkünftig an Holze mangeln werde. Die Aecker hatte man dergestalt bearbeitet, daß sie kleine schmahle Rücken hatten, und ab und zu mit einem Gra, ben versehen waren: vorMmlich zu beiden Seiten des Weges. Dieß war die Gestalt des iandes ganz bis auf Prairie und den iorenzftuß, der sich jetzt überall uns dar- Prairie. 343 darstellete. ^ Mit einem Worte, die Gegend war in meinen Gedanken hier eine von den schönsten, welche ich bisher im nördlichen Amerika gesehen habe. Zur Mittagszeit langten wir in Prairie an, welcher Ort auf der Anhöhe neben dem iorenzstusse liegt. Hier blieben wir heute stehen, weil ich die Oerter hier herum, ehe ich weiter reisen wollte, zu besehen willens war. Prairie de la tNagdelene ist ein kleiner Flecken, welcher an dem östlichen Ufer des iorenzftufses lieget. Man rechnete drittehalb Franzosische Meilen von hier nach der Stadt Montreal, welche man deutlich in NW. von da auf der andern Seite des Flusses erkennen kann. Das iand rings um Prairie ist ganz stach, und fast ohne die geringste Anhöhe. Zu allen Seiten stellen sich grosse Felder, entweder Aecker, Wiesen oder Weiden dar. An der westlichen Seite, wie vorher gemeldet worden, streichet der iorenzstuß vorbey, der hier anderthalb Französische Meilen, wofern nicht mehr, breit ist. Die Hauser in Prairie sind meistentheils von Holz erbauet, haben schrege Dächer von Holz, und die Fugen in den Wänden find, anstatt des Mooses mit Thon verstopft. Ich fand doch einige kleine Steinhauser von dem schwarzen Kalkstein, oder auch von Feldsteinstücken aufgemauert, in wel« chem letztern Falle man den schwarzen Kalkstein nur rings um die Fenster und Thüren gesetzt hatte. In der Mitte des Flecken steht eine hübsche Kirche von Stein, die ihren Thurm hat, der westwärts gekehret ist, und worin Klo-cken hangen. Gerade vor der Kirchthür ist ein hölzernes Kreuz, mit ieiter, Hufzangen, Hämmern und Nageln und andern Dingen darauf, aufgestellet. Es wer- P 4 dm 344 1749/ im Julius. den dadurch alle die Gerälhe, der man sich bey derKreu, zigung unsers theuren Erlösers bediente, und vielleicht noch überdem weit mehrere abgebildet. Der Flecken war mit Pallisaden umgeben, welche zwey big drittcbalb Klaftern hoch und in vorigen Zeiten gcgen die Streifereyen der Indianer gesetzt waren. Aussen vor demselben befanden sich kleine Küchen - und andere Garten, es waren aber wenige Fc-uchtbaume darinn. Die Anhöhen neben dem Strom waren hier nicht sonderlich hoch. Es hielt, sich hier ein Priester und ein Capitain auf, der den Na, men eines Eommendanten führte. Die umliegenden Aecker waren groß und eben und mit den vorher erwähn, ten Gelraidearten besäet. Von dem Rocken aber, Gersten und Mays, sahe man nichts. In dem iorenzfiusse ist in SW. von hier ein grosser Wasserfall, dessen Geräusche ganz deutlich hier vernommen werden konnte. Wenn das Wasser des Flusses im Frühling, da sich das EiS löset, zu wachsen anfängt, steigt es bisweilen so hoch, daß es einen grossen Theil der Aecker und Wiesen überschwemmet. Und anstatt, daß der Nilstrom durchweine Ueber-schwemmung das iand fruchtbar macht, so verursacht dieser Fluß mehr Schaden. Denn er führt eine Menge Graser und Pflanzen, deren Samen das ärgste Unkraut giebt, auf die Aecker mit sich, die dadurch folglich sehr verdorben werden. Bey dieser Gelegenheit sind sie genöthigt, ihr Vieh weit weg zu treiben, indem das Waffer zu der Zeit alles bedeckt. Es bleibt aber nur zwey oder drey Tage stehen, worauf eS wieder abstießt. Diese Ueberschwemmung wird insonderheit von der Stockuna des Eifts an einem Orte veranlasset. Hol. Montreal. 345 Fol. Avome wuchs hausig in dem Vache oder dem kleinen Strom, der etwas unterhalb Prairie stießt. Vom vier und zwanzigsten. Des Morgens begab ich mich von da weg, um weiter zu reisen. Wir stiegen in ein Vattoe bey Prairie, auf dem wir schief über den Fluß fuhren, und liessen den Strom uns allmählig niederwärts treiben, bis wir zuletzt Montreal erreichten. Man schätzet die Vreite des lorensftuffes bey Prairie auf etwas mehr als eine Franzosische Meile. Das Waffer strömt da stark, es ist aber nicht sehr tief, so daß die Jachten auf dem Flusse nicht weiter hinauf, als nach Montreal kommen können, ausgenommen im Frühling, da sie dieselben bis auf Prairie, aber auch nicht weiter zu bringen im Stande sind. Man kann die Stadt Montreal sehr gut zu Prairie, und hernach den ganzen Fluß hinunter, bis man dahin kömmt, erkennen. Bey der Ankunft in Montreal sahen wir eine Menge Volk bey dem Thore der Stadt, wo wir abtreten sollten, versammlet. Die Neubegierde uns zu sehen reihte sie dazu. Denn sie hatten vernommen, daß einige Schweden, ein Volk, von dem sie vorher nur reden gehört, das sie selbst aber niemahls gesehen hatten, heute ankommen würden. Es versicherten auch alle, mit denen ich hernach hier redete, daß wir die ersten Schweden wären, die sich bisher in Montreal gezeiget hätten. So bald wir landeten, und ich aus dem Vattoe trat, kam mir ein Eapitain, der besonders deswegen von dem hiesigen Guvernsr abgeschickt worden war, entgegen, und bat mich, ihm nach dem Hause des Guvernsrs zu folgen. Ich wurde sogleich in einen Saal, wo der Guvernör selbst mit einigen von seinen P 5 Freun« 346 1749/ im Julius. Freunden zusammen gekommen war, geführet. Der Baron ^onnueuil war zwar annoch Vicequvernör: er er« wartete aber täglich seine Vollmacht von Frankreich. Ich wurde von diesem Herrn mit grösserer Höflichkeit und Gnade bewillkommet, als ich beschreiben kann. Er zeigte mir Vriefe von dem Generalguvernör in Quebec, dem Marquis de la Galissoniere, worin der Generalguvernör berichtet, daß von dem Königl. Franzosischen Hofe Ve« fehl eingelaufen wäre, daß ich in allen Stücken frey ge. halten werden, und daß meine Reisen in diesem tande, auf Kosten Sr. Majestät des Königs in Frankreich ge« schehen sollten. Mit einem Worte: der Guvernör Va-ron ionqueuil ließ mich die ganze Zeit, in der ich mich sowohl jetzt, als hernach, nach meiner Zurückkunft von Quebec hier aushielte, weit grössere Gunst erfahren, als ich mir hätte vorstellen oder erwarten können. Die Lebensart der bellte in Montreal und diesem Theile von Canada war von der Engländer ihrer un« terschiedcn, fast auf eben die Art, wie diese Völker in dem Stücke in Europa von einander abgehen. Die Frauenzimmer waren hier wohl gebildet. Sie bezeigten viele iebensart und waren ehrbar mit einer kleinen unschuldigen Freyheit. Sie qiengen des SontagS sehr geschmückt, fast wie unser Schwedisches Frauenzimmer. An den Wcrkeltagen zierten sie sich zwar nicht so sehr. Doch lag ihnen allezeit viel daran, den Kopf zu putzen, dessen Haar allezeit in iocken gelegt und gepudert, und mit allerhand glänzenden und schimmernden Sachen, als wenn es mit Diamanten und kostbaren Stelnen besetzt gewesen, geschmückt war. In der Woche trugen sie ein klei- Montreal. , 347 kleines nett gemachtes Kamisol, und einen ganz kurzen Rock, der den halben Fuß und bisweilen nicht den ein« mahl bedeckte; und ließ es, als wcnn sie in dem Stücke sich nach den abgekürzten Röcken der Frauensleute bey den Wilden gerichtet hatten. Die Absätze der Schuhe waren ganz schmahl und sehr hoch, so daß man sich wun, dern musie, wie sie auf denselben gehen konnten. In der Haushaltung übertrafen sie bey weiten die Englischen Frauensleute, welche, ( die Wahrheit zu sagen ) sich die Freyheit ausgenommen haben, alle Beschwerden der Haushaltung auf die Mannsleute zu wälzen, und derge, sialt oft den ganzen Tag auf dem Stuhl mit den Handen im Schosse zubringen können, ohne daß sie zu arbeiten nöthig hätten. Diese Canadischen Frauensleute aber gnf, fen sich gemeiniglich besser an, insonderheit die gemeinen icute, welche sich überall auf den Aeckern, Wiesen, in den Viehstallen u. s. w. sehen liessen, und keine Arbeit fcheuetcn. In Ansehung der Reinigung der Gefässe und der Häuser schien man doch bey ihnen etwas zu vermissen. Die Fußböden, sowohl in den Städten als aufdem lande, säuberte man in den Zimmern, wo sich die ieute täglich aufhielten, bisweilen nicht einmahl alle halbe Jahr. Daher kamen sie demjenigen, der kurz vorher bey den Engländern und Hollandern gewesen war, wo das be« ständige Scheuern und Säubern der Fußböden fast eben so wichtig als die Religion selbst angesehen wird, ziemlich unangenehm vor. Um aber zu verhindern, daß der dicke Staub auf der Erde nicht zu sehr der Gesundheit schaden möge, so laufen die Frauensleute einige mahl des Tages mit einer Gießkanne herum, aus deren Röhre sie das^Wasser auf die Erde ausschlenkern, welches dann den 348 1743/im Julius. den starken Staub befestigt. So bald er aber trocken wird, und von der Erde aufsteigt: ft folgt eine neue Vesprenglmq wieder. UebrigenS lassen sie sichs nicht beschwerlich fallen, an allen Geschäften in der Haushaltung Theil zu nehmen. Ich sahe mit Vergnügen, wie die Töchter der Vornehmern, ja deS Guvernörs selbst, sich recht und schlecht kleideten, sich nicht sehr ausputzeten, und überall in den Hausern, in den Keller und die Küche, als Mägde liefen, um darauf zu sehen, daß alles gehörig verrichtet würde; und dabey trugen sie ihre Naht mit sich. Es war hier gewöhnlich, daß eine Mannsperson vor allen, denen er auf der Gaffe vorbey gieng, den Hut abliahnl und sie qrüssete. Dieß war für den/enigen etwas mühsam, dessen Bedienung erforderte, oft ausserhalb Hau« ses zu seyn, vornehmlich des Abends, da eine /ede Familie vor ihrer Pforte auf der Gasse saß. Ein anderer Gebrauch war, daß ich, wenn fünfzig oder mehr Personen an einem Tage bey mir Besuch abstatteten, den Tag da, rauf verpflichtet war, denselben bey ihnen wieder abzutragen , wofern ich nicht für einen Mann ohne iebenSart angcsehen werden wollte. Verschiedene, welche in einigen Jahren auf die Vleberfagd nach den nordlichen Oertern. von Canada zu den Wilden, die ohngefahr fünfzig Französische Meilen von dem Hudsonischen Meerbusen ab wohnen, gereiset waren, berichteten, daß die Thiere, um deren Bälge es ihnen insonderheit zu thun ist, und die man an dem even erwähnten Orte in Menge findet, Biebern,wilde Katzen * oder iüchse * Chats fauvageJ. Montreal.. 349 luchse, und Mardern sind. Man halt in Canada die Thiere, welche man wegen des Felles fangt, für desto besser, je weiter sie sich nach Norden aufhalten. Denn der Valg hat dichtere Haare, und er siehet besser aus, als bey denjenigen, die weiter nach Süden leben. Und dieß verhält sich in grösserem und kleinerem Grade so, nachdem das Fell weiter nach Norden oder Süden gefunden wird. Weissi Rebhütter * wurden von den ieuten in Canada eine Art Vögel genannt, die man im Winter neben der Hudsonischen Meerenge in grosser Menge sinden soll. Sie sind ohne Zweifel unsere Snöripor ** oder Schneehühner. Je mehr Kälte oder Schnee einfallt, desto häusiger sollen sie eintreffen. Man beschrieb sie, daß sie weisse rauhe Füsse halten, der Farbe nach ganz we"'ß wären, und drey bis vier schwarze Schwanzfedern hätten, und dabey ein sehr wohlschmeckendes Fleisch besässen. Aus Edwards Naturgeschichte dcr Vögel "* erhellet, daß unsere Schneehühner bey der Hudsons Vaye ziemlich gemein sind. Die Hasitt sollen gleichfalls bey der Hudsonische» Meerenge oder Busen in Menge vorhanven seyn. Man findet sie auch häufig in Canada selbst. Ich habe sie daselbst oft gesehen. Sie sind völlig und aufs genaueste von einerley Art mit unsern Schwedischen. Des Som-^ mers * Perdrix blanche. ** Tetrao (Lagopus) pedibus lanatis, remigibus albis, rectri-cibus nigris apice albis: intermediis duabus albis. Linn. Fn. Sttec. Ed. 1. (bee. ^nr>. I" Auf der 72sten Seite. z;o !?49, lM Julius. mers haben sie eine graubraune und im Winter eine schnee-weijse Farbe, eben wie bey uns. Mit den mechanischen ErfindunZen, der Vau, kunst, den Ziegelbrennercyen, Tischler.und Drcä)slerar-heilen und ähnlichen Ding", war es noch nicht hier so weit gebracht worden, als eS hatte scyn sollen. Die Englander hatten hierin vor den Franzosen grosse Vor. züge. Es dürfte dieß daher kommen, weil die meisten Handwerker hieselbst nur abgedankte Soldaten find, welche nicht viele Gelegenheit gehabt haben, etwas zu lernen, sondern nur dazu von der Noth oder einem Zufalle gezwungen worden sind. Man traf doch bisweilen einige an, die in ähnlichen Künsten ziemliche Kenntnisse hatten. Ich sahe hier einen, der sehr gute Wand-und Taschenuhren verfertigte, und diese Kunst doch fast von sich selbst gelernt halte. Vom siebett und zwanzigsten. Die Haus- flieaen sind, wie mir viele beides, hier in der Stadt und hernach in Quebec berichteten, niemahls vor ohngefthr 150 Jahren hier im iande bemerkt worden. Es sollen alle Indianer eben das bestätigen, und in den Gedanken stehen, daß die gewöhnlichen Fliegen zuerst mil den Europaern und mit Schiffen, die hier gestrandet sind, hieher gekommen seyn. Ich will dieß nicht bestreiken. Das weiß ich aber, daß, als wir uns in den Einöden zwischen Saratoga und Erownpoint oder dem Fort St. Frederic an einem Orte in dem Walde niederliessen, um entweder auszuruhen oder zu essen, allezelt eine Menge von unsern gewöhnlichen Fliegen geflogen kam und sich auf uns setzte. Es ist folglich zweifelhaft, ob sie nicht längere Zeit in Ame- Montreal. ?5l Amerika gewesen, und ob sie erst von Europa Hieher geführt worden sind. Es möchte dann jemand sagen wollen, daß der Stamm von diesen Fliegen in den erwähnten Einöden zu der Zeit zurück gelassen worden, als das Fort Anne noch in Wohlstand war, und die Englander sft hin und her reiseten, zu geschweige«, daß verschiedene andere Europaer sowohl vor als nachher daselbst Reisen angestellet, und durch ihr mitgeführtes Essen die Fliegen dürften angelockt haben mitzufolgen. wilde OckseN und Rühe trift man sehr hausig in dem südlichen Theile von Canada an, und haben sie sich da von uralten Zeiten her aufgehalten. An den W Orten, wo die so genannten Illinois wohnen, welche ohn-Hefähr unter einer Vreite mit Philadelphia liegen, soll sich sonderlich eine Menge von ihnen befinden. Weiter nach Norden wird man sie nicht sehr gewahr. Heute sahe ich eine Haut von diesen wilden Ochsen. Sie war so groß als eine von den größten Ochsenhäutcn bey uns, wa? aber haariger. Die Haare hatten eine dunkelbraune Farbe, oder fast eine solche, wie bey einem braunen Bärenfelle ist. Diejenigen, die zu innerst an der Haut fassen, waren so fein, wie Wolle. Dieses Fell war nicht sehr dick, und soll in Frankreich nicht so hoch, als ein Bärenfell geschähet werden. Unter andern braucht man es im Winter unter den Füssen in dem Zimmer, wo man sich aufhält, indem es sehr weich und warm ist. Verschiedene von diesen wilden Rindern sollen eine lange und feine Wolle ha, ben, welche der Schafwolle nichts nachgiebt, wofern sie dieselbe nicht übertrift. Sie hatten daraus Strümpfe, Kleider, Handschuhe und andere Arbeiten gemacht, welche sich 352 1749, im Julius. sich so gut als die besten von Wolle sollen ausgenom-mcn haben. Die Indianer verfertigen sich sehr vieles daraus. Das Fleisch soll dem besten Ochscnfieische an dem angenehmen Geschmacke und der Fettigkeit nicht weichen. Die Haut ist oft dick, und läßt sich zu alle dein, wozu die Europaischen Ochsenhäute, gebrauchen. Diese wilden Ochsen sollen auch grösser und stärker als die Europäischen, und der Farbe nach, braunroth seyn. Ihre Horner sind zwar kurz, aber an der Wurzel sehr dick. Durch diese und andere Eigenschaften, die sie mit dem andern gezähmten Rindvieh gemein und vor ihm voraus haben, sind einige an diesem Orte auf die Gedanken gebracht worden, zu versuchen, sie zahm zu machen. Man würde in dem Falle nicht allein die angeführten Vortheile erhalten: sondern da sie auch starker als anderes Rindvieh sind, so dürften sie auch bey dem Ackerbau gut zu statten kommen. Sie hatten dqher sich einige mahl kleine Kälber davon verschaffet, welche sie in Quebec und andern Orten unter dem zahmen Vieh groß werden lassen. Diese haben zwey, drey bis vier Jahr gelebet, sind aber nachher gemeiniglich gestorben. Und ob sie gleich täglich teute gesehen haben, so hat man doch immer etwas will des bey ihnen verspüret. Denn sie sind beständig sehr scheu gewesen, haben die Ohren aufgerichtet, und so bald sie einen Menschen wahrgenommen, gezittert oder sind wild herum gelaufen; so daß man bisher die Kunst sie recht zu zahmen, nicht hat aussindiq machen können. Es ist ihnen aucl? vorgekommen, als könnten sie die Kalte nicht so gut ertragen; worin sie ebenfalls dadurch bestärkt worden sind, daß sie, so warm auch die Sommer seyn mögen, selten weiter nach Norden, als ich oben gemeldet habe, Montreal. 35; habe, befindlich sind. Sie meinten, daß es, wenn das iand bey den Illinois etwas starker bewohnt würde, leichter fallen dürfte, sie zu zähmen; und alsdann konnte man hernach bequemer ihre Zucht weiter nach Norden verlegen. Ich habe ihrer schon vorher in dieser Reisebeschreibung * kürzlich gedacht. Die Horner wandten beides die Franzosen und Wilden in Canada häufig zu Pulver, Hörnern an.^ Der Friede, so zwischen Frankreich und England geschlossen war, wurde heute ausgeruffen. Die Soldaten waren in Gewehr. Man feuerte aus den Canonen auf den Wallen, und gab einige Salven aus dem Hands gewehre. Man zündete einige Feuerwerke an, und des Abends waren alle Fenster in der Stadt mit brennenden tichtern erleuchtet. In allen Gassen stromete es noch tief in die Nacht von Menschen. Des Abends erzeigte mir der Guvernör die Ehre, mich auf die Ahendmahlzeit zu sich einzuladen, damit ich an der Freude der Einwohner des iandes Theil nehmen mochte. Es fanden sich zugleich sehr viele Officiere und andere Vornehme ein: man war sehr aufgeräumt und trank spät in die Nacht. Vom acht und zwanzigsten. Des Morgens reisete ich in Begleitung des Guvel nors des Barons toy-gueuil und seiner Familie zu einer kleinen Insel, die Magdalena hieß und ihm besonders zugehörte. Sie lag im iorenzftusse fast gerade der Stadt gegen über an der östlichen Seite. Der Guvernör harce hier ein nettes ob« « Man sehe denken Theil, auf derbsten und 425^» Seite. Reisin il. Theil. Z 354 1749, im Julius. obgleich kleines Gebäude, einen grossen schönen Garten, und seinen Hofplatz. Der Fluß schneidet sich zwischen der Stadt und dieser Insel durch, und macht da einen ziemlich starken Strom. Der Stadt am nächsten ist das Waffer so tief, daß Jachten da durchlaufen können. Aber gegen die Insel wird es seichter, so, daß manmeh-renthcils mit Furken sich fortschieben muß. Die Mühle, die hier aufgeführet war, wurde von dem blossen Strom in dem Flusse getrieben, welcher von sich selbst, ohne einen besondern Damm so stark war. In dieser Mühle bemerkte ich folgendes, i. Die Mühl« steine bestunden nicht aus einem einzigen Stücke, sondern waren aus mehrern zusammengesetzt. Der obere war sehr groß und aus 8 verschiedenen Stücken zusammengesetzt, welche sie dicht an einander gepaßt, und äusserlich mit dicken eisernen Vanden zusammen gebunden hatten. Von der Art war auch der untere Stein. Der obere war von Frankreich Hieher geführt worden, den andern halle man aber hier im lande genommen. 2. Der Trog des Trichters, wodurch das Getraide hinunter lief, wurde auf die Weise geschüttelt, daß der obere Theil von der Achse des Trillings oberhalb dem Mühlsteine mit einem viereckigen Pfahl von hartem Holz, eine Querhand breit auf jedweder Seite befestigt war. Wie dieser herum gieng, stiessen seine vier Ecken gegen daS Ende des Troges, das an der einen Seite weit austrat, und dergestalt den Trichter schüttelte, daß das Getraide hinunter lief. z. Die Rader waren ganz und gar von wcisser Eiche gemache; und der Pfahl des Rades ebenfalls. Die Kämmen aber in dem Zahnrade und die Triebstöcke in dem Trilling waren Montreal. 355 ren vom Zuckerahornbaum oder den wilden Kirschbaumen. Doch soll der Zuckerahornbaum am gebräuchlichsten seyn. Das Holz von ihm wurde für sehr hart gehalten, insonderheit von derjenigen Art, welche an trockenen Orten wächst. Der glatte Schlittgbaum * wuchs hier in grosser Menge. Ich habe ihn sonst nirgend? von der Grosse gesehen. Denn er war verschiedentlich bis zu 4 Klaftern hoch, und die Dicke verhielt sich darnach. Der Sassafras war hier gepflanzt. Denn man findet ihn in dieser ganzen Gegend nicht wild, sondern nur weiter nach Süden. Das Fort Anne war derjenige Ort, wo ich den Sassafras am weitesten nach Norden wild wachsen gefunden habe. Diese, die man auf der Insel gepflanzt hatte, waren hier schon viele Jahre gestanden. Sie waren aber nun noch nur kleine Büsche, von der Hohe von vier oder sechs viertel Ellen, und kaum so groß. Die Ursache ist, weil der Vaum fast jeden Winter dem Stamme nach ganz bis zur Wurzel verfriert, und des Sommers wieder neue Sprößlinge giebt. Dieß bemerkte ich hier. Und eben so lizß er sich bey dem Fort Anne, dem Fort Nicholson und Osvego an. Dem zu Folge wird es umsonst seyn, den Sassafras unter einem sehr kal' ten Himmelsstrich zu pflanzen. Der eorhe Maulbeerbaum * war gleichfalls hier gepflanzt. Ich sahe deren vier bis fünf Stück, die drit- Z 2 tehalb * Rhus glabra. ** Moms rubra. 356 1749/ im Julius. tehalb Klaftern in der Höhe betrugen. Der Guvernör berichtete, daß sie an diesem Orte in 22 Jahren gestanden , un^zuerst aus weiter nach Süden belegenen Orten Hieher gebracht waren. Denn um Montreal wachsen sie nicht wild. Der Ort, wo ich sie am weitesten nach Nor» den von sich selbst wild wachsen gesehen habe, ist ohnge-fähr 20 Englische Meilen nördlich von Albany. Denn die Vauern, welche da wohnen, sagten, daß man noch einige von ihnen daselbst in dem Walde, obgleich nür selten antraft. Als ich aber die Nacht darauf bey Saratoga zubrachte, und mich erkundigte, ob sie diese Maulbeerbäume nicht in den dasigen Waldern gesehen hätten: so wurde mir von allen geantwortet, daß sie dieselben nie, mahls daselbst wahrgenommen, sondern daß der oben be, stimmte Ort, der 20 Englische Meilen nördlich von Albany liegt, ihre äusserste Gränze nach Norden wäre. Diese Maulbeerbaume, die hier aus der Insel gepflanzt waren, kamen gut fort, ob sie gleich in eine ziemlich scharfe und magere Erde gesetzt waren. Sie trugen ein grosses und starkes iaub; aber zu allem Unglücke keine Frucht in diesem Jahr. Indessen lernte ich, daß diese eine ziemliche Kälte vertrage» können. Die Wasserbuche * war hier an einer schattigen Stelle gevfia»izt, wo sie zu einem sehr hohen Vaume aus, gewachsen war. Von den Franzosen wurde sie überall Cottonier genannt. Man fand sie nirgends bey dem iorenzfluffe wild. Sondern ausserhalb dem Fort St. Frederic oder in einer geringen Entfernung von demselben, * Placanus occidenulis. Montreal. 357 ben, wo sie doch sehr selten ist, soll sie nicht mehr nach Norden verspüret werden. Der rothe Wacholder, * der von den Franzosen Cedre roucre genannt wurde, war ebenfalls in diesem Garten gepflanzt worden. Man hatte ihn aber auch zuerst von den südlichen Orten Hieher geführt. Denn in dieser Gegend findet man ihn nicht wild. Doch ließ er sich hier sehr gut an. Wir reiseten von dieser angenehmen Insel um halb sieben Uhr des Abends nach Hause. Der Baron von longueuil erhielt eine Stunde nach seiner Zurückkunft zwey erfreuliche Nachrichten zugleich. Die erste war, daß sein Sohn, der zwey Jahr sich in Frankreich aufgehalten hatte, jetzt zurück kam, und die andere, daß dieser sein Sohn die Vollmacht des Königs für seinen Vater, Guvernor von Montreal und dem dazu gehörigen iande zu seyn, mit sich führte. Es bedienten sich hier einige von Sonnettfachertt, die aus dem Schwänze wilder Kalekutischer Hühner gemacht waren. Sie hatten den Schwanz, so bald der Vogel erschossen worden, als einen Fächer ausgebreitet, und ihn so trocknen lassen, da er dann beständig diese Gestalt behalten hat. I« sahe sowohl Frauensleute als die Vornehmern von den Mannspersonen einen solchen, wenn sie bey starkem Sonnenschein oder Wärme in der Stadt spatzieren giengen, " der Hand halten. Zz Das • Iuniperus Virginian*. 358 1749/ im Julius. Das Gras auf den Wiesen rings um Montreal be, stund fast gänzlich aus einer Art von Poa. * Diese ist eine sehr feine und dicht wachsende Art Heu, und nimmt so gar mit den dürresten Anhöhen vorlieb. Sie ist aber nicht sonderlich reich an Blättern, so daß der feine Stengel hier das meiste Futter ausmacht. Wir haben viele Grasarten in Schweden, welche auf den Wiesen ohngleich grössern Nutzen als diese geben. Vom dreißigsten. Die wilden pflaumen« bäume wuchsen zu einer grossen Menge auf den Anhöhen der Väche aussen vor der Stadt. Sie waren jetzt so voll mit Pflaumen, daß dieAeste, und derVaum selbst, sich krünmeten. Doch trugen sie noch keine reife Frucht. Die Pflaumen waren roth, sollen so ziemlich gut schmecken, und von einigen eingemacht werden. Sckrvarze Weinbeere ^*^ sahe man häufig an eben den Orl'n wachsen. D«e Beeren waren ietzt reif und ziemlich klein. Dabey schmeckten sie bey weiten nicht so lieblich, als unsere Schwedischen schwarzen Weinbeere. Die pastinack wuchs in grosser Menge überall, sowohl auf dcn Anhohen dec Väche, als auf den Aeckern und andern Orten. Ich kam daher auf die Gedanken, daß sie eine ursprüngliche Bewohnerin von Amerika, und nicht erst aus Europa Hieher gebracht worden wäre. Als ich aber nachgehends bey meinen Reisen durch das iand der Iroquois, wo kein Europäer eine Pflanzung gehabt * Poa culrno subcompresso, panicula tenuisllma, fpiculis tri-floris minimis, flosculis basi pubescentibus. * Ribes nigrum. Montreal. )59 hat, nicht ein einziges mahl sie wahrnahm, obgleich da^ selbst fast überall die, beste Erde, die sie erfordern konnte, vorhanden war: so erhellet ziemlich deutlich, daß sie nicht in Amerika zuerst gebohren ist, sondern sich von Europa herschreibt. Daher man sie auch umsonst in diesem westlichen Welttheile an andern Orten, als wo Europaer gewohnt und das iand bebauet haben, suchet. Im August. Vom ersten. Der Generalguvernor über Canada hat gemeiniglich seinen Sitz in Quebec. Dennoch stellt er ab und zu eine Reise nach Montreal an. Mehrentheils bringt er hier einen Theil vom Winter zu. Des Sommers halt er sich fast allezeit in Quebec auf, indem die Schiffe des Königs zu der Zeit dahin kommen, mit denen er Briefe von Frankreich, die er zu beantworten hat, bekömmt, ausser verschiedenen andern Geschäften, die ihn zurück halten. Wahrend seines AuffenthaltS in Montreal wohnt er in dem so genannten Schlosse, welches ein grosses Steinhaus ist. Es ist ehedem von dem Generalguvernor Vaudreuil erbauet worden, und gehört noch seiner Familie zu, welche es an den König für eine gewisse Geldsumme vermiethet. Der General Galisso-niere soll ein grösseres Gefallen an Montreal als Quebec gefunden haben. Die tage des ersteren Ortes ist auch weil angenehmer. Das Geld, welches man hier in Canada gebrauchte, bestund fast aus lauter papiernen Zetteln. Ich ward beynahe niemahls einer andern Münze gewahr, ausgenommen einige kleine Französische Sols, die aus Kupfer Z 4 mit z6o 1749, im August. mit ein wenig Silber vermischt, gemacht, und ietzt so ab, genutzt waren, daß sie ganz dünn aussahen. Ein solches Geldstück galt hier anderthalb Sols. Die Papienettel waren nicht gedruckt, sondern geschrieben. Es hatte mit ihnen folgende Vewandtniß. Da der König in F rank-reich gefunden, daß es wegen der Kaper, Schifbrüche und anderer Unglücksfalle zur See gefährlich wäre, Geld zur Besoldung der Truppen und andern Absichten zu über« senden: so hat er verordnet, daß anstatt dessen, der Intendant in Quebec oder auch der Commissar in Montreal, wenn Besoldungen für das Knegsoolk oder auch für die Arbeit der Krone und so ferner, ausgetheilet werden sol, len, einen oder mehr Zettel, nachdem die auszuliefernde Summe groß ist, schreibet. Es wird darauf gesetzt, daß dieser Zettel für so und so viel bis auf den nächsten October gelten soll, welches hernach entweder der Intendant oder Commijsar mit seinem Namen unterzeichnet. Sie gelten alsdann wie anderes Geld. In dem Octobermo-nat ist zu einer gewissen Zeit einem iedwcden freygelajsen, seine Zettel entweder zum Intendanten in Quebec oder dem Eommijsär in Montreal zu bringen, und dafür von ihnen Wechsel auf Frankreich zu lösen. Wenn dieser in Frankreich vorgewiesen wird, so giebt die Königliche Renten, kammer in rechter Münze so viel aus, als in dem Wech« sel bestimmt worden ist. Hat man in diesem Jahr das Geld in Frankreich nicht nöthig, so kann man seine Zettel bis auf das folgende Jahr im October beHallen. Denn sie gehen und gelten eben so wie vorher. Und alsdann kann man sie von einem der erwähnten Herren in einen Wechsel auf Frankreich verwandeln lassen. Man kann nur im October diese Zettel einliefern, und Wechsel auf Montreal. z6i auf sie ausnehmen. Sie sind von verschiedenem Werthe, so wie unsere Vancozettel in Schweden. Doch giebt es hier auch kleinere. Denn man hat einige, welche nur für eine iivre gelten; und es kann seyn, daß sie biswellen noch geringer sind. Gegen den Herbst, wenn die Kaufmannsschiffe von Frankreich ankommen, geben sich die Handelsleute viele Mühe, so viel solcher Zettel zusammen zu bringen, als zu erhalten stehen, welche sie hernach in Wechsel auf Frankreich verrauschen laffen. Diese Wechsel sind zum Theil gedruckt, doch ist hin und wieder Platz gelassen die Summe, den Namen u. s. w. einzuschreiben. Da diese Vancozettel insgesamt ganzlich geschrieben sind: so ist es nicht zu verwundern, wenn sie zu zeiten der Gefahr unterworfen sind, von Schelmen nach, geschrieben zu werben; welches auch ein und anderes mahl geschehen ist, Doch halben die schweren Strafen, welche man auf diese Münzmeister geleget, und die gemeiniglich das ieben selbst getroffen haben, ziemlich die Ungezogenen abgeschreckt, so daß man jetzt selten weitere Beispiele davon hat. Dcr Sol war die geringste Münze, welche so viel als ein Penny in den Englischen Pftanz-städten galt. Eine Aivre oder Franc hielte 20 Sols. Denn sie waren völlig eins. Drey iivres oder Francs machten einen Ecu aus. Indem hier ein grosser Mangel an kleiner Scheidemünze war: so muste sich oft entweder der Käufer oder Verkaufer einen kleinen Schaden gefallen lassen, und kam es bisweilen nicht so genau auf eine iivre mehr oder weniger an. Zum Beispiel, wenn ich dem andern etwas, wofür er io iivres begehrte, abkaufen wollte, und ich eben keine Zettel hätte, die genau von dem Werthe wären: so wäre ich aus Mangel von Schei« Z 5 demün- Z62 1749/ im August. demünze genöthigt, eine oder ein Paar iivres über. die geforderte Summe zu bezahlen. Denn derjenige, dem es viel darum zu thun war, etwas abzusetzen oder von dem andern was zu kaufen, kam gemeiniglich dabey zu kurz. Der L.Hhtt der Dienstboten hier in der Stadt war gemeiniglich so beschaffen. Ein fieißiger und treuer Knecht bekam gemeiniglich 150 iivres jahrlich, eine Magd qber von eben den Eigenschaften, ino iivres. Ein Kerl, der ein Handwerk verrichtete, erhielt des Tages 3 bis 4 iivres, und ein gemeiner Tagelöhner 30 bis 40 Sols. Auf dem iande war das Iahrgeld für die Dienstboten und der Tagelohn für die Arbeitsleute gemeiniglich etwas geringer. Die Ursache warum die iohngelder so hoch waren, ist, wie man vorgab, der Mangelan ArbeitS« leuten. Denn ein /eder findet es in diesem unbebaueten tande so leicht Bauerngüter und Gründe zu erhalten, wo er gut, und ohne viele Ausgaben leben kann, und also andern zu dienen nicht nöthig hat. kNontreal ist der Grösse und dem Ansehen nach, die zweyte Stadt in der Ordnung in Canada; aber in Ansehung der angenehmen iage und des milden Elimats die vornehmste. Der iorenzfiuß hat etwas oberhalb der Stadt sich in verschiedene Aeste getheilet, und dadurch hier verschiedene Inseln gemacht, von welchen die Insel Montreal die größte und betrachtlichste ist. Sie ist zehn Französische Meilen lang, und gegen vier solche breit, da nehmlich, wo sie die größte Breite hat. An der östlichen Seite dieser Insel und dicht an einem von den groß« fen Aesten des iorenzstusses, liegt die Stadt Montreal "" stlbst, Montreal. 36z selbst, welche hiedurch eine schr angenehme und vortheilhafte iage bekömmt. Die Stadt ist in Quadrat gebauet, oder sie hat vielmehr mit einem Rechtecke Aehn, lichkeit, dessen eine lange und östliche Seite mit dem grossen Aste des Flusses gleich laufend ist. Aber an den andern Seiten wird sie von vortrefiichen Aeckern, Wiesen und iaubwäldern umgeben. Sie führt den Namen Montreal nach einem grossen Berge, der ohngefähr eine halbe Meile westwärts von der Stadt abliegt, und von Weiten hoch über dem Walde gesehen wird. Er wurde so von dem Monsieur Earlier, einem der ersten Fran« zosen, der Canada etwas genauer entdeckte, bey dessen ersten Ankunft zu dieser Insel im Jahr 1535, genannt, als er beides diesen hohen Verg und die dabey liegende Stadt der Indianer, welche Hochelaga heiffet, bejahe. Das Wort Montreal wird von den Franzosen in dem ganzen Canada wie tNoreal ausgesprochen, da der Accent auf die letzte Sylbe, nach der Französischen Sprache fallt. Die Priester, welche nach der Calholi« schen Art alle Oerter hier im iande nc.ch einem Heiligen haben benennen wollen, haben cs auch mit dieser Stadt versucht, und sie daher Ville^ Marie oder Mariastadt genannt. Sie sind aber nicht im Stande gewesen es recht einzuführen, sondern sie hat beständig den Namen, Mit dem sie von den ersten Franzosen belegt worden, be» halten. Sie ist nun ziemlich befestigt, und ringsherum Mit einer hohen und dicken Mauer umgeben. An der östlichen Seite hat sie den torenzstuß, und an allen den übrigen, gegen die iandseite einen tiefen mit Wasser an« gefüllten Graben, so, daß die Einwohner allezeit gegen streifende feindliche Partheyen sicher seyn können. Vey einer ;64 !?49/ im August. einer ordentlichen Belagerung dürfte sie aber nicht so lan, ge aushalten, dieweil sie wegen ihrer grossen Weile sehr viele Mannschaft erfordert, und ohnedem grostenlheils aus hölzernen Hausern bestehet. Es sind hier verschieb dene Kirchen, unter denen ich diejenige anführe, welche den Priestern des Ordens des heiligen Sulpitius zugehört, die Kirche der Iesuiter, Franciscaner und diejenige des Nonnenklosters und des Hospitals, von denen doch die erstgenannte für die schönste, sowohl dem äusserlichen als innerlichen Schmucke nach, nicht allein hier, sondern beynahe in ganz Canada anzusehen ist. Die Priester des Seminariums des Sulpitms haben ein grosses hübsches Haus, wo sie beysammen wohnen. Das Collegium der Franciscaner oder Vettelmönche ist auch groß und gut gemauert, obgleich nicht so prächtig. Das Collegium der Jesuiten ist nicht groß, doch wohl gebauet. Vey einem ieden von diesen drey zuletzt erwähnten geistlichen Gebäuden sind schöne und grosse Garten, theils zum Vergnügen, lhells zur Gesundheit und zum Nutzen in der Haushaltung angelegt. Die Häuser sind zum Theil von Stein: die meisten aber von Holz, dem ohngeachtet aber recht hübsch. An fast allen Hausern der Vornehmern , ist eine kleine Thür gegen die Gasse, die einen Altan um sich herum hat; woselbst sie des Sommers sitzen und frische iuft schöpfen, oder sich sonst frühe des Morgens und des Abends, nachdem die Sonnenhitze sich etwas vermindert hat, ein Vergnügen machen. Die nach der iänge hinlaufenden Gassen sind breit und gerade, und werden von den Quergassen fast nach einem rechten Win-ckel abgeschnitten. Einige sind gepflastert: die meisten aber sehr uneben. Der Stadtthore giebt es sehr viel an ' . . der Montreal. 365 der Anzahl. An der östlichen Seite gegen den Fluß sind fünf Thore, nehmlich zwey grosse und drey kleine. Eben so hat man verschiedene an den andern Seiten. Der Generalguvernör wohnt wie vorher schon gemeldet worden, wahrend seines Aufenthaltes in dem sogenannten Schlosse, welches die Krone zu der Absicht von der Vau-dreuillischen Familie miethet. Der Guvernor in der Stadt aber muß sich selbst sein Haus halten oder miethen, obgleich einige sagten, daß die Krone etwas zur Miethe beitrüge. : . 7 In der Stadt selbst befand sich ein NonneMo? ster, und gleich aussen vor, ein halbes. Denn dieß letz« tere war zwar schon eingerichtet: es hatte aber noch nicht von seiner Päbstlichen Heiligkeit die Bestätigung erhalten. In dem erstern nahm man nicht alle und /ede Madgett an, wie sie es etwa wünschten oder nothig hatten. Sondern ihre Eltern musten vorher ohngefähr 500 Ecus für sie bezahlen. Einige ließ man zwar für Zoo Ecus hineinkommen: sie musten aber fast wie Mägde, den andern, welche mehr bezahlt hatten, aufwarten. Man nahm durchaus kein armes Mädgen, welches gar nichts bezah, len konnte, hier auf. Der König hatte hier auch ein Hospital für kranke Soldaten einrichten lassen. Der Kranke genoß da, waS er nöthig hatte, und von der Krone wurden täglich für seinen Aufenthalt, und das andere, 12 Sols bezahlet. Die Feldscheere wurden von dem Konig besoldet. Wenn ein Officier Hieher geführt wurde, welcher in Diensten der Krone krank geworden war: so erhielt er hier das Essen und alle Verpflegung frey. Wofern er aber in eine Krank- ;66 1749, im August. . Krankheit siel, wenn er nicht in Geschäften, welche die Krone angehen, begriffen war, und sich hier hinbringen ließ: so muste er alles aus eigenem Beutel bezahlen. Wenn hier einige Stellen ledig waren, nahm man eben, falls andere von den Einwohnern, sowohl in der Stadt als auf dem tande, vornehmlich arme teute an. Sie hatten die Arzeneien und die Wartung des Wundarztes ,umsonst. Für das Essen aber und das übrige waren sie verpflichtet, 12 Sols täglich zu erlegen. Man hielte hier in der Stadt einmahl in jedweder Woche, nehmlich des Freytags, Markt. Diejenigen, welche auf dem iande wohnten, führten alsdann allerhand Eßwaaren und andere Sachen zum Verkaufe ein, und dagegen erhandelten sie, was sie bedurften. Ein /eder, welcher nicht von eigenem Hofe und eigener Zucht st viel Frisches und so viel Essen hatte als er gebrauchte, versähe sich gemeiniglich den Tag zur Genüge damit. Sonst muste er bisweilen die ganze folgende Woche leiden. Es kam auch alsdann ein ganzer Schwärm von Indianern in die Stadt, um theils zu verkaufen, theils auch zu kaufen. Die Abweichung der Magnetnadel war hier iO Grade und 38 Minuten nach Westen. Einer von den Geistlichen, mit Namen Billion, der vornehmlich für die Mathematik und Astronomie viele Neigung äusserte, hatte in dem Garten des Seminariums eine Mittags-, linie gezogen, welche er, wie er sagte, zu mehrern mah, len beides nach der Sonne und den Sternen untersucht und genau befunden hat. Ich verglich ganz genau mei, nen Eompaß damit, und gab mit allem Fleisse Achtung, baß kein Eisen in der Nähe war, welches eine Stöhrung oder Montreal. 367 oder Unordnung verursachen konnte, und bemerkte, daß die Abweichung just diejenige, die ich eben angezeiget habe, sey. Nach den Betrachtungen, welche der Herr Gillion gemacht hat, ist die Breire von Montreal 45 Grade und 27 Minuten. Thermomerrisihe Wahrnehmungen hatte in diesem Jahr 1749 einer von den Geistlichen mit Namen Pontarion hierin Montreal von dem Anfange des Jahrs, angestellt. Er hatte sich des Thermometers von Reaumur bedienet, welches er in ein bisweilen halb und bis« weilen ganz offen stehendes Fenster gehängt hat, und fol, glich wird es selten völlig die Kälte, die aussen inderiust wirklich gewesen ist, angezeiget haben. Ich will aber doch einen kurzen Auszug für die Wintermonate liefern. Die größte Kälte war im Ienner den i8len, da das Reaumurische Thermometer 23 Grade unter dem Gefrie-rungspuncte stund. Die kleinste Kälte war den zisttn, als dasselbe neben dem Gefrierungspuncte stehen blieb. Die meisten Tage war es bey dem 12 und 15 Grade. Im Februar siel den iZten und 25sten die größte Kalte ein, als sich das Thermometer 14 Grade unter dem Frost-puncte befand, und den zten die geringste, als es 8 Grade über denselben hinaufstieg. Die meisten Tage setzte es sich bey 11 Gr. darunter. Im Merz war es den zten am kaltsten, da das Therm, auf io Grade darunter; und den 22, 2), und 24sten, am gelindesten, als es aufi5Gr. darüber wies. An den meisten Tagen stund es 4. Gr. darunter. Im April äusserte sich die größte Kälte, den 7ten, «yd das Therm, sunk 5 Grade darunter; den^sten war z68 i?49/ im August. war sie aber am gelindesten, und stieg dasselbe 20 Gr. darüber. A« den meisten Tagen hielt es sich an den I2ten Gr. über den Frostpuncte. Dicß ist kürzlich der Inhalt seiner Beobachtungen von diesen Monaten. Ich merkte aber aus verschiedenen Berichten des Herrn Pon-tarion, wie er dieselben anstellte, daß die Kälte jeden Tag bey der Wahrnehmung selbst zuvcrläßig 4 bis 6 Grade stärker als angeführt worden, gewesen sey. Sonst halte er auch in seinem Tagbuche angeführt, daß das Eis in in dem iorenzfiusse bey Montreal den zten April, und bey Quebec erst den 2vsten, vom iande abgetreten. Den zten im May siengen sich Blumen bey Montreal an einigen Bäumen zu zeigen an; und den i2ten war der Frost da so stark, daß die Bäume von Reif so weiß, als von Schnee waren. Übrigens berichteten alle, die hier wohnten, daß das Eis in dem iorenzftujse nahe an der Stadt jeden Winter gemeiniglich einen und bisweilen 2 Franzo> fische Fuß dick sey. Was sonst die Witterung anbelangt, so berichteten verschiedene von den Geistlichen, daß der Sommer, nachdem das iand in Canada mehr angebaut worden ist, merklich langer als vorher wäre. Er kömmt zeitiger und dauert gleichfalls länger. Da hingegen find die Winter nun weit kürzer. Dabey meinten sie, daß die Kälte im Winter jetzt eben so stark als ehevem wäre, ob er gleich nicht so lange anhält; und daß der Sommer jetzt nicht heiffer als vormahls wäre, ob er gleich beträchtlich länger ist. Der Nord-und Nordwestwind sind in Montreal die kältesten. Vom Zwischen Montreal und Trois Rivieres. 369 Vom zwe^tett. Des Morgens frühe reiseten wir von Montreal nach Quebec auf einem Voote oder Vattoe, in Gesellschaft mit einem Second-Major von Montreal mit Namen de Sermonville. Das Vattoe wurde von iQ Soldaten gerudert. Wir fuhren den torenzfiuß, der hier ziemlich breit war, hinunter. Auf der linken oder nordwestlichen Seite lag die Insel Montreal, und auf der andern befanden sich bald kleine Inseln, bald festes iand. Die Insel Montreal war an dem Ufer des Flusses ganz dicht bewohnt, so daß ein Hof neben dem andern lag. Das iand war eben. Die Anhohen neben dem Flusse bestunden aus Gartenerde, und wa, ren ohngefahr eine oder zwey Klaftern hoch. Man hatte das Gehölze bey dem Ufer eine Englische Meile weit ganz umgehauen. Die Hauser, in denen die teute wohnten, waren entweder von Stein oder von Holz, aber von aussen geweisset. Pie Nebengebaude, als die Scheune, der Viehstall u. s. f. waren alle von Holz. Das iand nächst an dem Flusse hatte man entweder zum Acker oder zur Wiese angewandt. Wir erblickten ab und zu an beiden Seiten des Flusses, Kirchen von Stcin mit ihren Thürmern, welche recht oft an demjenigen Ende der Kirche, das sich nach dem Flusse hinkehrete angebracht waren. Man war hier nicht verbunden, den Thurm an dem westlichen Ende, wie bey uns zu bauen. Daher wurde ich hier oft Kirchen gewahr, welche die Thürmer bald gegen einander, bald hier bald dort hin gekehrt hatten. Anfänglich bis auf 6 Französische Meilen von Montreal waren verschiedene grössere und kleinere Inseln in dem Flusse, von denen der größte Theil bewohnt war. Und wo keine Hauser stunden, hatte man doch die Insel Reisen n. lheil. A a zu 3?O 1749/im August. zu Aeckern oder vornehmlich zu Wiesen angewandt. Diesen ganzen Tag sahen wir keine Verge, Anhöhen, Felsen oder Steine: sondern das iand war durchgängig eben und fiach, und bestund aus lauter Erde. Die Bauerhöfe waren in dem ganzen Canada von einander überall abgesondert, so, daß ein jeder Vauer sein Eigenthum oder seinen Voden, Acker, Wiest. Ge, holze und Weide völlig von den Gütern seines Nachbarn getrennt besaß: wodurch überaus grosse Vortheile erwuchsen. Es war zwar fast bey einer jeden Kirche ein kleines Dorf; dennoch bestund cs größtenthcils aus dem Pricsterhofe, einem Schulgebaude für Knaben und Madgen, Häusern für Handwerker und den Küster, und recht selten aus Vaucrhöfen. Und obgleich bisweilen einige Bauern neben den Kirchen wie in einem Dorfe bcysmn» men wohnten: so waren doch fast jederzeit ihr Acker, ihre Wiese und andere iändereyen von einander geschieden. Hier bey dem iorenzftuffe halte man die Hofe mehren? theils auf den erhabenen Ufern des Flusses, zu beiden Seiten, nach der iange uud dicht an demselben, oder auch nur in einer kleinen Entfernung von ihm errichtet. Der Zwischenraum zweyer Höfe betrug drey oder vier Arpens. Neben einigen Höfen lag ein kleiner Fruchtgarten, bey den meisten aber keiner. Doch besaß aber fast ein jeder Vauer seinen Küchengarten. ieute, welche nach den südlichen Theilen von Canada und dem Misisippi Reisen angestellt hatten, berich« teten einstimmig, daß in dem Walde daselbst eine Menge Pfirschenbäume mit schönen Früchten zu finden sey, und daß die Indianer, welche da wohnen, vorgäben, daß diese Bäume seit uralten Zeiten da gewachsen wären. Vey Zwischen Montreal und Trois Nivieres. z?l Bey den Häusern der Bauerhöft bemerkte man folgende Einrichtung. Sie waren oft von Stein, aber bisweilen auch von Holz mit drey oder vier Zimmern inwendig gebauet. Die Fenster bestunden zuweilen aus Glas, doch ziemlich selten: aber mehrentheils aus Papier. Anstatt des Kachelofens war ein eiserner Ofen in einem von den Zimmern, in den andern aber hatte man Camine, aber allezeit ohne Klappen. Das Gebäude war mit Brettern bedeckt. Diese lagen bisweilen wie bey uns, nehmlich, daß das eine Ende auf dem Sparr-balken, das andere aber auf der Dachschwelle ruhete; mehrentheils aber auf die Weise, daß das eine Vrett über dem andern und also mit dem Sparrbalken und der Dachschwelle parallel lag. Die Tenne und die Scheune waren wie in Westgothland * gebräuchlich ist, eingerichtet. Die Viehställe glichen denjenigen, die unsere Bauern gemeiniglich gebrauchen. Anstatt die Fugen mit Mooß zu verdichten, so hatten sie dieselben mit Thon verschmieret. Die Nebengebäude waren gemeiniglich mit Stroh bedeckt. Die Zäune wichen von den unsrigen gebräuchlichen fn keinem Stücke ab- Wir sahen ab und zu Rreuze, die neben dem Wege, welcher nach der lange des Ufers lief, aufgerichtet waren. Diese Kreuze sind hier in Canada bey den iand» straffen ziemlich gemein, und man hat dadurch die An, Aa 2 dacht * Die Westgothischen habe ich in meiner Reisebeschreibung von Bahus, auf der dosten Slit« beschrieben und abge« zeichnet. Z72 1749/ im August. dacht erwecken wollen. Sie sind von Holz gemacht und zwey bis drey Klaftern hoch, und in dem Verhältnisse darnach breit. An der Seite, die sich «ach der Straffe kehrete, war ein viereckiges tiefes toch ausgeschnitten, worin sie ein Gemählde oder ein Vildniß entweder von dem Erlöser am Kreuze, oder von der Jungfrau Maria mit unserm Erlöser, als ein kleines Kind auf den Armen vorgestellt, geselzt hatten. Aussen vor diesem war ein Glas befestigt, um zu hindern, daß die tuft und Nässe diese Gemählde nicht verderben möchten. Ein /eder von den Vorbeygehenden schlug ein Kreuz vor sich, zog den Hut, oder machte sonst eine Ehrenbezeugung. Einige von diesen Kreuzen, insonderheit die/enigen, die einer Kirche nahe waren, fand man sehr ausgeziert. Sie hatten alle die Werkzeuge, welche sie glaubten, daß die Juden bey der Kreuzigung des Erlösers gebraucht haben, als Hammer, Hufzange, Nägel, Eßigflasche, und vielleicht noch mehr, als man sich bey der Gelegenheit bedienet hat, dahin gesetzt. Der Hahn des Petrus stund öfters zu oberst auf dem Kreuze. Die Aussicht des iandes, wo wir heute reiseten, war sehr anmuthig. Es erweckte ein Vergnügen zu sehen, wie wohl und dicht das tand zu beiden Seiten des Flusses bewohnt war. Mann konnte es beinahe ein Dorf nennen , welches sich bey Montreal ansieng, und ganz bis Quebec, eine iänge von 30 Schwedischen Meilen, wofern es nicht mehr ist, fortgieng. Es war also ein ziem» lich langes Dorf. Denn der eine Hof lag fast überall dichte an dem andern, und man konnte nur beynahe 3, 4 oder höchstens 5 ArpenS dazwischen zahlen. Ich nehme doch Zwischen Montreal und Trois Rivieres. 37; doch einige Stellen aus, wo die Weite zwischen den Hosen grösser war. An den Orten, da der Fluß eine oder mehr Viertelmeilen in einer geraden iinie fort lief, nahm sich die Aussicht vornehmlich schön aus. Denn wenn man die Augen weit vor sich nach dem Flusse warf, sahe das land an beiden Seiten als ein langes Dorf aus; indem sodann die Häuser und die Höfe, welche eigentlich unter sich getrennet waren, dicht an einander zu liegen^schienen. Die Frauensleute auf dem lande hier in Canada, sowohl die Vauerweiber als Vauermagde, trugen allezeit Kopfzeuger, welche meisientheils zurück geschlagen waren, bisweilen aber auch herunter hiengen. Das Kamisol war kurz, und der Rock eng und abgestutzt, ft daß er kaum bis auf die Mitte der Füsse hinab hieng. Die Schuhe hatten öfters völlige Aehnlichkeit mit den so genannten Piaren, welche die Frauensleute in Finnland tragen; doch waren sie auch oft mit Absätzen versehen. An dem Halse hieng gemeiniglich vorne ein silbernes Kreuz. Einige waren recht fleißig. Dennoch traf ich auch zuweilen solche an, die sich nicht mehr last auslegten, als die Englischen, sondern auf dem Stuhle fassen, herum gafften, ohne Aushören plauderten und nichts vornahmen. Wenn sie zu Hause etwas zu besorgen hatten und im Zimmer von einem Orte zu dem andern herum wan» derten, leyerten sie, insonderheit die unverheyratheten, gemeiniglich an einem iiedgen, in dem nichts öfter als Amour und Coeur vorkamen. Auf dem lande wurde die Gewohnheit oft beobachtet, daß, wenn der Mann «inen Besuch von vornehmen leuten erhielt und mit ihnen bey Tische saß, die Frau hinter feinem Stuhle stund und Aa 3 ihm 374 '749/ im August. ihm aufwartete. In den Städten aber hatten die Frauensleute mehr zu sagen. Sie wollten sich gern eben die Herrschaft als der Mann, wofern nicht eine noch grössere, anmafsen. Wenn sie in der Stadt oder auf dem iande, entweder auf die Gasse oder in die Kirche giengcn, oder wenn sie auf Reisen waren: so trugen sie einen langen Mantel, den sie über alle die andern Kleider umgeschlagen hatten. Dieser war entweder von grauer, hellgrauer/' brauner oder blauer Farbe. Er war so groß und eben so als die Mäntel, welche die Mannsleute bey uns gebrau« chen, gemacht. Daher bemerkte ich auch oft, daß Mannspersonen, und so gar von sehr vornehmen Stande, einen solchen Frauensmantel umwarfen, wenn der Regen sie überfiel, da sie auf Vesuch. ausgegangen waren. Die Frauenzimmer hatten den Vortheil von diesen Mänteln, daß sie oft unter denselben ziemlich ungezwungen, ohne daß es jemand vermerkte, gekleidet gehen konnten. Man sahe ab unh zu Windmühlen neben den Höfen. Das Gebäude war meistentheils von Stein, und zu öbcrst mit einem gebogenen Dache von Brettern bedeckt, welches zugleich mit den Flügeln, so wie man es haben wollte, nach dem Winde umgedreht werden konnte. Die Breite des Flusses verhielt sich heute verschiedentlich. Da wo er am schmählsten war, mochte er ohngefähr eine Englische Viertelmeile ausmachen: an einigen Orten aber war er beynahe eine Schwedische Vier« telmeile breit. Das Ufer war bisweilen steil und etwas hoch, bisweilen niedrig oder lang abschüßig. Um Zwischen Montreal und Trois Rivicres. ;?5 Um drey Uhr Nachmittag fuhren wir dem Orte vorbey, wo der Fluß, welcher von der See Ehamplain kömmt, in den iorenzfiuß einfallt. Es lag hier in der Mitte des letzt genannten Flusses eine grosse Inftl. Die Jachten, die zwischen Montreal und Quebec fahren, nehmen den Weg an der südöstlichen Seite dieser Insel, wo es tiefer ist. Die Vöte aber wählen die nordwestliche Seite, indem die Fahrt dadurch verkürzt wird, und es doch da so tief ist, daß sie fortkommen können. Ausser dieser Insel lagen hier verschiedene andere, welche insge, sammt bewohnt waren. Weiter weg, und etwas ehe wir zum iac St. Pierre kamen, war das iand zu beiden Seiten an dem Ufer unbewohnt. Denn es hatte eine so niedrige iage, daß es von dem Waffer bisweilen ganz überschwemmt seyn soll. Aber weiter hinterwärts, wo es höher liegt, soll es eben so stark als an den Orten, wo wir heute vorbey gefahren waren, bewohnt seyn, L.ac St. Pierre ist eine grosse Oesnung oder Crs Weiterung, welche der iorenzftuß hier machte. Wir konnten kaum etwas anders als Himmel und Wasser vor uns sehen. Man sagte durchgehende, daß er sieben Französische Meilen lang und drey breit wäre. Wenn man sich mitten auf der See befindet, stellt sich von weiten nach Westen ein iand dar, das über den Wald hervorraget. Hin und wieder erblickte man in der See grosse Stellen mit Binsen *. Man wurde an keiner Seite der See Häuser oder Pflanzungen gewahr; indem das iand zunächst an derselben sehr niedrig ist. Denn im Frühling Aa 4 tritt ♦ Scirpus lacoflris. 376 1749, im August. tritt das Wasser so hoch aus, daß man zu der Zeit mit Voten zwischen den Oaumen soll fahren tonnen. Aber in einiger Entfernung von dem Ufer, wo das iand hoher ist, soll ein Hof neben dem andern liegen. Wir sahen heute keine Eylander: den folgenden Tag aber wurden wir einiger gewahr. Wir verliessen des Abends spat den lac St. Pierre, und ruderten einen kleinen Fluß hinauf, der Riviere de L.HUP hieß, damit wir uns in einem Hause über Nacht aufhalten könnten. Nachdem wir eine Englische Meile gerudert hatten, fieng das iand an zu beiden Seiten des Flusses bewohnt zu werden. Das Ufer desselben war etwas hoch, und das iand übrigens eben. Wir übernachteten in einem Vauerhofe. Bis Hieher hatte sich das Gebiete von Montreal erstreckt, und hier sagte man, daß sich das/enige anfange, welches unter dem Guvernör in Trois Rivieres, zu welcher Stadt man von hier acht Französische Meilen rechnete, stehet. Vom dritten. Des Morgens um fünf Uhr fien-gen wir an, unsere Reise weiter fortzusetzen, erst auf dem kleinen Flusse, bis wir zum iac St. Pierre kamen, und hernach nach der iange desselben. Als wir schon ein Stück zurück gelegt hatten, sahen wir von weiten in Nordwest eine lange Reihe von hohen Bergen, welche über dem andern niedrigen und ebenen tande sehr erhaben waren. An der nordwestlichen Seite des iac St. Pierre war nun das iand an dem Ufer an den meisten Orten ziemlich dicht bewohnt. Aber an der südöstlichen Seite sahe man keine Höfe, sondern nur ein niedriges mit Wald überwachsenes land, welches zuweilen unter Was. Trois Rivieres. 377 Wasser stehen, aber doch etwas hinter sich ziemlich viel Bau-erhofc haben soll. Gegen das Ende der See wurde der Fluß wiederum schmäht, so daß er nur ohngefähr eine Schwedische Viertelmeile betragen mochte, und weiter weg wurde er noch fchmähler. Von dem Ende der eben genannten See St. Pierre bis auf Trois Rivieres rech, nete man drey Französische Meilen. Um eilf Uhr Vor« mittags kamen wir nach Trois Rivieres, woselbst wir dem Gottesdienste beiwohneten. Trois Rivieres ist ein kleiner Flecken, der einem etwas grossen Dorfe glich. Doch rechnet man ihn unter den dreyen Städten, welche Canada besitzt, nehmlich Quebec, Montreal und Trois Rivieres. Man sagt, daß er in der Mitte zwischen den zwey erstgenannten, und zwar zo Französische Meilen von ihnen läge. Die Stadt ist an der nördlichen Seite des lorenzfiusses «uf einer ebenen aber etwas erhabenen Sandbank erbauet. Die iage hat viel anmuthiges. Unten lauft der ebengenannte Fluß vorbey, welcher hier eine Schwedische viertel Meile breit ist. An den andern Seiten ist die Stadt mit hübschen Aeckern umgehen, obgleich das Erdreich meistentheils sandig ist. Man trift hier zwey Kirchen von Stein, ein Nonnenkloster und ein Haus für Franciscanermönche an. Hier ist auch der Sitz des dritten Guvernörs in Canada, dessen Haus gleichfalls von Stein ist. Die meisten übrigen Hauser sind von Holz, ein Stockwerk hoch, mittelmäßig gebaut, und stehen sehr zerstreut. Die Gaffen sind ungerade. Das ganze Ufer des Flusses besteht hier aus Sand, und die Anhöhen sind verschiedentlich ziemlich hoch. Wenn es sehr windig ist, so wird dieser Sand Aa 5 so 3?8 !?49, im August. so herum getrieben, daß man bey dem Gehen kaum da, für die Augen offen halten kann. Die Nonnen, deren man ohngefähr zwey und zwanzig jetzt zählte, waren über, all für sehr geschickt in allerhand Frauenzimmerarbeiten, als Nehen, Vrodieren u. s. f. bekannt. Ehedem blühete diese Stadt, vor den andern in Canada. Denn die Indianer strömeten von allen Seiten mit ihren Waaren hie, her. Nachdem sie sich aber, sowohl des Kriegs der Iroquois als anderer Ursachen wegen, theils nach Quebec und Montreal, theils nach den Englandern gewandt haben: so hat ihr Wohlstand gar sehr abgenommen. Zu jetziger Zeit ernähren sich die Einwohner vornehmlich vom Ackerbau. Sie dürften auch etwa von dem in der Nähe befindlichen Eisenwerke einige Vortheile ziehen. Ohnge-fähr eine Englische Meile unterhalb der Stadt fällt in den iorenzfiuß ein anderer grosser Stron», welcher sich bey seiner Mündung oder seinem Ausflüsse in drey Aeste theilet, so, daß es einem Vorbeyreisenden vorkömmt, als wenn drey Ströme da heraus stürzeten. Dieß hat auch Anleitung gegeben, diesen Strom und die etwas davon abgelegene Stadt Trois Rivieres zu nennen. Die Ebbe und Fluch soll sich in dem lorenzstusse noch eine Französische Meile oberhalb Trois Rivieres er« strecken, ob sie gleich so gering angegeben wird, daß man sie kaum verspürt. Aber zur Zeit, da Tag und Nacht gleich ist, im Herbste und Frühling, wie auch zur Zeit des Neumondes und Vollmondes, ist der Unterscheid zwischen der Ebbe und Fluth zwey Fuß. Dem zu Folge geht die Ebbe und Fluth ziemlich weit hinauf in diesem Fluffe. Denn von dem Meer an werden bis auf die er« Wähn- Trois Rivieres. 3?9 wähnte Stelle, wenn man dem iorenzstusse folget, ohnge« fahr 150 Franzosische Meilen gerechnet. Mittlerweile, daß meine Gefährten sich ausruhe-ten, setzte ich mich zu Pferde, um das Eisenwerk in Augenschein zu nehmen. Das land, wo ich durchreiset?, war ziemlich erhaben, sandig, aber mehrentheils eben. Ich wurde hier keiner Steine, viel weniger einiger, Berge, gewahr. Das Eisittwerk, welches das einzige ist, so man hier im iande sindet, liegt drey'Franzosische Meilen von Trois Rivieres westlich. Es waren hier zwey gewöhnlich grosse Hammer, ausser zweyen kleinern bey einem jedweden von den grossen, oder unter einem und demselben Dache mit ihnen. Die Blasbalge Hütte man aus Holz gemacht, und alles übrige eben wie bey uns in Schweden Zebauet. Der Schmelzofen stund gleich neben den Hämmern, und war in allen Stücken von eben der Einrichtung , wie bey uns. Wenn ein Hammer entzwey gehet, so gießet man hier einen neuen in die Stelle. Das Erz holt man drittehalb Französisches Meilen von dem Eiftn, werke, und es wird im Winter auf Schlitten nach dem Schmelzofen hingebracht. Es ist eine Art Sumpf, «rz, * welches in Adern in der Erde liegt. Die Adern sollen nur eine oder zwey Viertelellen unter der obersten Erdkruste tief liegen, und hin und her laufen. Jede Ader ist eine, zwey bis drey Viertelellen tief unh barunter fängt hernach ein weisser Sand an. Zu den Seiten sind * Mineraferri subaquofa nigro - eaeruleseens. Waller. Mineral, p». 263. zgo !749/ ^ August.' sind die Adern von eben diesem Sande umgeben, oben aber mit einer dünnen Gartenerde bedeckt. Dieses Erz ist ziemlich reich. Man findet es in losen Klumpen, un. ter denen die meisten von der Grösse einer oder zwey Fäuste sind. Doch giebt es bisweilen einige wenige, die bis drey Viertelellen an der Dicke ausmachen. Die Erz« stücke sind locherig und die ischer ziemlich voll mit Ocher. Das Erz ist kaum harter, als daß es zwischen den Fingern zerrieben werden kann. Ein grauer Kalkstein, den man auch nicht sehr weit von hier brechen soll, wurde bey dem Schmelzofen gebraucht, um das Schmelzen zu befördern. Zu eben dem Endzwecke sollen sie sich auch eines Kalkthons, den man hier aus der Nahe höhlt, bedienen. Kohlen hatte man hier in der größten Menge, indem alles iand da herum mit einem Wald bewachsen war, welcher von undenklichen Zelten her ungestört hat stehen können, und blos von Sturmwinden und seinem eigenen Alter beunruhigt worden ist. Die Kohlen, welche aus Bäumen mit stachelichen Blattern gebrannt worden, w»ren für die Hammer am tüchtigsten. Diejenigen aber, welche man von den iaubbaumen machte, waren die besten für den Schmelzofen. Das Eisen, welches man hier schmiedete, wurde von allen als weich und geschmeidig beschrieben, so daß es nicht leicht zerbrochen werden konnte. Es soll auch die Eigenschaft besitzen, nicht so leicht den Rost anzunehmen. In dem Stücke soll bey dem Schiffbau zwischen diesem und dem Spanischen ein grosser Unterscheid verspüret werden. Dieses Eisenwerk wurde im Jahr !737 von Privatpersonen eingerichtet, welche es nachgehende dem Könige überliessen. Hier giesset man Cano-nen und Mörser von verschiedener Grösse, wie auch eiserne Oefen, Trois Rivieres. 38l Oefen, die in dem ganzen Canada anstatt der Kachelöfen im Gebrauche sind; nicht weniger Grapen von verschiedener Grösse, ohne zu rechnen, daß eiserne Stangen und sonst verschiedenes hier geschmiedet werden. Man hat auch versucht, hier Stahl zu machen: es aber noch nicht zu der Güte bringen können, wie man gewünscht hat; indem die beste Art es zuzubereiten, ihnen nicht recht bekannt gewesen ist. Es befanden sich verschiedene Ofsiciere und Aufseher hier, welche in hübschen Häusern, deren man sehr viele für sie gcbauet hatte, wohneten. Man stimmete darinn durchgrhends überein, daß die Einkünfte von dem Werke bey weiten nicht den Ausgaben gleich ka« men, so daß der König jahrlich bis auf diese Stunde Geld zusetzen muß. Die Schuld davon schob man dar, auf, daß das iand noch nicht genug bewohnt ist, und daß die kleine Anzahl von Einwohnern, welche sich hier aushält, genugmit dem iandbau zuthun hat; folglich hatte es ihnen viele Mühe und viel Geld gekostet, Arbeitsleute zu bekommen. So scheinbar dieß aber seyn mag, so ist doch .mehr als bewundernswürdig, wie die Krone mit Rechte dabey leiden kann. Denn das Erz ist leichtbm-chig, dem Werke sehr nahe, und nicht schwer schmelzig. Das Eisen ist gut, und dessen Verschickung über das iand sehr bequem. Dabey ist auch dieß Eisenwerk das einzige in dem ganzen iande, vön dem ein jeder fast alles was er von Eisenfachen nothig hat, nehmen muß. Allem Ansehen nach, schienen die Bediente bey dem Werke sich nicht übel dabey zu stehen. Von dem Eisenwerke lauft ein Strom in den lorenzfiuß, durch den man bequem alle Eisenarbeiten, welche hier verfertigt werden, hinunter bringen, und so weiter mit Voten zu allen Oerlern im tande ohne grosse Kosten versenden kann. Den Z82 I74Y/ iljl August. Den Abend reisete ich wieder nach Trois«Rivieres zurück. Die Zäune um die Aecker und Wiesen waren von besonderer Einrichtung. * Die Zaunstangen warcn ohn-gefähr drey Klaftern lang, von schmahlen Bäumen, und alle von gleicher länge. An dem Ende derselben siunden zwey Pfahle. Anstatt die Pfähle mit Winden zusammen zu binden, hatte man etwas von der Erde ab ein loch gerade durch einen jedweden Pfahl gamacht, in das ein dicker hölzerner Pflock von anderthalb Viertelellen in der lange, der die Pfähle vereinigte, gesetzt war. Sie stunden aber doch so weit von einander, daß die Zaunsiangen sehr guten Platz dazwischen hatten, wie bey CD in der Figur zu sehen ist. Oben waren diese Pfähle gleichfalls mit einem solchen hölzernen Pftocke verbunden, als bey AB. Die Zaunstangen wurden dergestalt dazwischengelegt, daß wenn die eine Stange zum Beispiel zwischen den Paaren der Pfähle, die ich mit i und 2 bezeichne, gelegt worden war, so legte man die andern zwischen den Pfählpaaren 2 und 3; doch so, daß sie mit dem Ende die erstgenannte bedeckte. Die dritte Stange wurde wiederum zwischen 1 und 2 gelegt, und so gieng es wechselsweise, bis das GeHäge seine gehörige Hohe erreicht halte. Diese Zäune waren in dem ganzen Canada sehr gemein, und hatten den Vortheil Mit sich, daß fie eine Menge Zaunstangen erspareten; indem jedes Paar Pfähle drey Klaftern von dem an, dern entfernt war. Es war auch leicht, wo man wollte, bey ihnen eine Oefnung zu machen. Ein ähnliches GeHage 'Mänschedte5tt Figur« Trois Revieres. 38; Häge hat aber auch in einigen Stücken seine Ungelegenheit. Die Pfahle nnren hier allezeit von der abendländischen Thuya genommen, als von einem Vaume, welcher langer gegen die Fäulniß, als alle übrige, die man hier fand, aushielte. Und die Verzäunug selbst bestund vornehmlich aus den Fichten, die hier wuchsen, welche man dazu weit dauerhafter als die Föhren dieses iandes befand. Vom vierten. Des Morgens in der Dämmerung verliessen wir diesen Ort/ und begaben uns weiter. Das iand auf der nördlichen Scite des Flusses war etwas erhaben, sandig, und überall dem Fluß am nach? sten stark bewohnt. Man sagte auch, daß es eben so sehr an der südöstlichen Seite angebaut wäre, ob man gleich neben dem Strande nichts als Wald wahrnahm. Denn die Einwohner sollen etwas weiter hinein wohnen, weil das iand an dem Flusse niedrig ist, und im Frühling von Wasser überschwemmt wird. Bey Trois Rivieres hatte der Fluß sich ein wenig verengert; er erweiterte sich aber bald darauf etwas weiter hinunter, woselbst er ohn« gcfähr anderthalb Schwedische Viertelmeilen breit wurde. Die Franzosen hatten gemeiniglich auf ihren Reisen die Gewohnheit, jeden Morgen, ehe sie abrciseten, ein Kyrie Eleison und einige Gebete zu beten. Mcistcncheils, ja allezeit, da ich in ihrem Gefolge zu Wasser gewesen bin, erwählten sie das Kyrie Eleyson, welches in ihren gewöhnlichen Gebetbüchern auf den Sonnabend gefunden wird, und fast ganz und gar an die heilige Jungfrau Maria gerichtet ist. Es ist durchgehends lateinisch abge, saßt- 584 l?49/ im August. faßt. Und obgleich das Frauenzimmer und die gemeinen ieuce, ja auch die meisten von den Standespersonen in Canada kaum eine Zcile davon verstunden, so geschahe doch das ganze Morgengebet und der Segen in dieser Sprache. Wenn Frauensleute mit in der Gesellschaft waren, so suchte man die vornehmste von ihnen aus, um hart und mit lauter Stimme diese iitaney herzulcsen, und alle die Ehrentitel, welche man darin der heiligen Jungfrau. Maria beylegt, hcrzurcchnen. In Mangel eines Frauenzimmers aber wurde eben das von der vornehmsten Mannsperson verrichtet, da dann die andern allezeit bey einer jedweden Zeile mit Bitte für uns * antworteten. Wenn ein Geistlicher gegenwärtig war, so betete er die litaney mit allen ihren Titeln her. Nach ihnen vertraute man diffcs Geschäfte lieber den Frauen«, zimmern als Mannsleuten an. Die Frauenzimmer wüsten dicse lateinische iitaney so gut auswendig, daß sie bey keinem einzigen Worte anstieffen. Vey einem jedweden Ehrennamen, den sie der Jungfrau Maria gas ben, als wenn sie dieselbe zum Beispiel nannten: Mutter der göttlichen Gnade, mächtige Jungfrau, barmherzige Jungfrau, Spiegel der Geo rechrigkeir, Grund unftrer Freude, geheimniss Volle Roft, Davids Thurm, elfenbeinerner Thurm, das goldne Haus, die Bundeolade, Thür des Himmels, Morgenstern, Heil der Schwachen, Zufiuckt der Sünder, Troslerm der Nothleiden-den, Rönigin der Engel, * u. s. f. bey einem jedweden * Ora pro nobis. ♦ Mater diuinae gratiae, Virgo potens, Virgo clemens, Speculum iysticiae, Causa nastrae laetitiae, Rosa mystica, Turris Zwischen Trois Rivieres und Quebec. ;85 Weden von diesen, sage ich, antworteten alle die andern? Bitte für UNS. Es war beides verdrießlich und lustig zu sehen und zu hören, wie eifrig die Frauensleute und Soldaten ihr Gebet auf iatein hielten, und selbst meh-rentheils kein einzig Wort von allem, was sie sagten, verstunden. Wenn alle Gebete zu Ende waren, gaben die Soldaten ein Geschrey: Es lebe der R.omg. * Und dieß war fast alles, was sie von ihrer Morgenandacht verstunden. Ich habe bey dem papistischen Got« tesdienste bemerkt, daß er sich fast ganz und gar auf das aufferliche beziehet, und selten das Herz odcr das in« nere rühret. Es scheint, als wenn man ihn nur als eine Ceremonie anstellte. Indessen ist das Volk dabey se.hr eifrig, indem ein jedweder dadurch Gott in eine gewisse Verbindlichkeit zu setzen sucht, und etwas bey ihm zu verdienen meint. Indem wir heute unsere Reise weiter fortsetzten, kamen uns ab und zu Kirchen und zwar jederzeit von Stein, die zum Theil sehr schön waren, zu Gesichte. Zu beiden Seiten des Flusses, ohngefähr etwas mehr als zur Breite einer halben Schwedischen Viertelmeile, war das iand, wo wir heute reiseten, stark bewohnt. Aber da hinten fiengen hernach immer Waldungen und mehren-theils Einöden an. Wenn aber ein anderer Fluß, Strom oder Turris Dauidica, Turns eburnea, Domus aurea, foede-ris area, Jarma caeli, Stella matutlna, Salus infirmorum, Refugium peccatorum, Confblatrix aiBictorum, Regina angelorum etc. * Vive le Roi. k 386 1749, im August. oder grosser Bach in den iorenzfiuß einfiel, ft war das land daneben gemeiniglich auch zu beiden Seiten gut angebauet und bewohnt. Ich bemerkte fast überall, daß das bearbeitete iand hier in Canada blos neben dem to« renzfiusse und neben andern Flüssen und Strömen lag, ausgenommen an den Städten, rings um welche, zu einer 2 bis 3 Schwedischen Meilen, das iand überall angebauet und mit Einwohnern besetzt war. Da, wo einige Inseln oder grössere Eyländer in dem Flusse lagen, befanden sich auch fast immer ieute. Die Ufer des Flusses wurden nun sehr hoch, querlaufend und steil, sie bestunden doch meistentheils aus lauter Erde. Hin und wieder warf sich «in Strom oder grosser Vach in den Fluß; unter denen vornehmlich eine ft genannte Riviere puante zu merken ist, welche ohngcfähr zwey Französische Meilen unter Trois Rivieres an der südöstlichen Seitein deniorenzstuß einstießt, bey welchem Strom doch etwas weiter hinauf eine Stadt, die Beckancourt heiße, lieget. Diese Wird von lauter Wilden von Abenaki, die zur Catholischen iehre übergetreten, und von Jesuiten bedient sind, be-wohnt. Weit weg nach der nordwestlichen Seite des Flusses sahe man verschiedentlich eine Reihe von sehr ho« hen Vergen, die von Süden nach Norden gerichtet, und über dem ganzen übrigen iande, welches durchgehends eben, ohne besondere Höhen oder Verge war, erhaben stunden. Man halte hin und wieder zur Seite des Flusses Ralkofett aufgeführet. Der Kalkstein wurde auf den Anhohen daneben aufgegraben. Er war dicht und grau, und gab einen weissen Kalk. Ven den Oefen und dem Brennen nahm man nichts besonders wahr. Die Zwischen Trois Rivieres und Quebec. z87 Die Getraidearten, womit die Aecker vornehmlich besäet waren, bestunden aus Weizen, Haber, Mays und Erbsen. Kürbisse und Wassermelonen waren in Menge neben den Höfen gesetzt. Man aß hier zu iande nichts als Weizenbrot. Ein Hummjttgbirh oder Königsvogel kam, als wir auf dem iande waren, an einem Orte geflogen, und strich eine Weile durch die Gebüsche. Die Franzosen nannten ihn Oisiau mouche und sagten, daß er in^ Canada ziemlich gemein wäre. Ich erblickte ihn hernach ein und anderes mahl bey Quebec. Um fünf Uhr des Nachmittags nöthigte uns ein starker Gegenwind und Regen, Nachtquartier zu nehmen. Ich merkte, daß das iand je mehr wir uns Quebec näherten , desto freyer war, und daß man daselbst desto star, ker den Wald umgehauen hatte. Von unserer /etzt ge, nommenen Nachtherberge sagte man, daß Quebec noch 12 Französische Meilen entfernt seyn sollte. Bey dem Ufer bediente man sich hier einer beson» dern weisi Fisihe ZU sangen. Man hatte kleine GeHäge von zusammengeflochtenen Reisern, die so dicht waren, daß kein Fisch durchdringen konnte, und eine Hohe von 2 bis 6 Viertelellen, nachdem das Waffer tiefer oder seichter war, hatten, neben dem Ufer gesetzet. Dazu wurden solche Stellen erwählet, wo alles Wasser beyder Ebbe ausfiel, so daß dieß GeHäge, wenn das Wasser bey der Ebbe am niedrigsten stund, sich völlig im Trocknen befand. In dasselbe waren hin und wieder Fischerkörbe oder Fischreusen hineingesetzt, welche der Gestalt nach, Bb 2 als 388 i?49/ im August. als ein Cylinder, doch unten etwas breiter gemacht waren. Diese stunden aufgericht, und waren 6 Viertclcllen hoch und 5 weit. An der einen Seite neben dem Voden war der Eingang für den Fisch, der eben so wie der Eingang bey einer Fischreuse, mcistentheils von Wieden und Reisern, hiswellcn auch aus einem Netzgarne eingerichtet war. Und gerade gegen über auf der andern Seite dcs Fischerkorbes, welche diejenige war, die sich der untern Seite des Flusses, wohin der Strom gieng, zukehrete, Hiar ein anderer Gang aus diesem Fischerzaune, ebenfalls wie der Eingang bey einer Ncuse gemacht, welcher zu ei« ner viereckigen iade von Brettern, die zwcy Ellcn in der ta'nge, eine in der Höhe und ebenfalls eine in der Vreite betrug, hinführete. Vey einem jedweden Fischcrkorbe war ein schiefes GeHäge, welches mit dem langen Gcs Häge einen spitzigen Winkel machte. Dieses war daher eingerichtet, damit der Fisch in den Fischerkorb oder Fischerzaun hinein geleitet würde; und es war an derjenigen Seite des langen Gchages gesetzt, welche gegen den obern Theil des Flusses sich wandte. Wcnn es Fiuth oder hohes Wasser war, so giengen die Fische, vornehmlich die Aehle oben an der Seite des Stroms. Wenn aber das Waffer bey der Ebbe zu fallen ansieng, wur, den sie auch zurück getrieben, und blieben gegen diese Zaune stehen, an die sie sich so lange hielten, bis sie in die bretterne iade kamen. Oben hatte der Kasten eine Ocf-nung mit einem Deckel darüber, durch welche man den Fisch herausnahm. Diese Fischergerathschaft war insonderheit der Aehle wegen gemacht. An vielen Orten bestun-den diese GeHage aus Netzen, die fast wie Reusen gestellt waren. Die Zwischen Trois Rivieres und Quebec. 389 Die Seiten des Flusses waren hier nunmehro nicht von Erde, sondern sie bestunden aus einer Art Schiefer. Sie waren sehr steil und mehrentheils senkrecht, und so hoch, insonderheit an einigen Stellen, daß man darüber erstaunen konnte. Der Schiefer war schwarz, stieß aber doch etwas auf braun. Er war sehr los, so daß er sich mit den Fingern zerbrechen ließ, und lag fchichtenweise. Er trennte sich aber doch in so dünne Blatter, daß ein jedes nicht über einen Messerrücken dick war. So bald er frey in der iuft zu liegen kam, zerwittcrte er in sehr kleine Stücke, und das ganze Ufer lag voll von einem ziemlich feinen Sande, der aus der ZerWitterung dieses Schiefers entstanden war. Einige Schichten liefen Horizonte!!, andere etwas schrege/so, daß sie zuweilen höher gegen Norden und niedriger gegen Süden waren; bisweilen verhielt es sich umgekehrt. Ab und zu machten sie Krümmungen, wie grosse halbe Kreise. Bisweilen wurden die Schichten zu einigen Ellen von einer senkrechten iinie durchschnitten, so, daß der Schiefer zu beiden Seiten derselben, wie eine glatte Wand aussahe. An einigen Stellen fand man in diesem Schiefer eine Schichte zu der Dicke einer Querhand von einem hellgrauen, dichten, ziemlich weichen Kalkstein, aus dem die Wilden von uralten Zeiten, wie auch die Franzosen noch jetzt, ihre Tobackspfeifen machen. Vom fünften. Des Morgens setzten wir unsere Reise gegen einen hartnackigen Gegenwind, vermittelst des Rudern fort. Das iand hatte völlig das Auffehen, als gestern. Die Ufer waren sehr hoch, entweder ziemlich steil, oder auch senkrecht, und bestunden aus dem kurz Vb 3 vor' 39o i?49/ iM August. vorher beschriebenen schwarzen Schiefer. Das oben lie. gende tand war eben und ohne Verge, und dem Flusse am nächsten, etwas mehr als zur Weite einer Schwedischen Viertelmeile, überall dicht bewohnt. Indem Flusse befanden sich keine Eyländer: aber an vielen Orten wär es voll von grossen Steinen, die man bey hohem Wasser nicht sonderlich verspüren konnte, aber bey der Ebbe über« all wahr nahm. Es giebt verschiedene Stellen, wo man an diesen Steinen verunglückt ist. Die Breite des Flusses betragt zuweilen etwas mehr als eine halbe, zuweilen eine ganze, und zuweilen anderthalb Schwedische Viertel« weilen. Nach der lange des Ufers nahm man solche Ahlfischereyen, wie unter dem gestrigen Tage erwähnt worden sind, wahr. An vielen Orten bediente man sich der Netze anstatt der zusammen geflochtenen Reiser dazu. Die Wanzen * swaren in grosser Menge überall, wo ich, während meines Aufenthalts hier in Canada, mein Quartier hatte, sowohl in den Städten als auf dem iande vorhanden. Es wusie niemand ein anderes Mittel wider sie, a ls die Gedult, anzugeben. Die Heimchen ** fand man sehr häufig in Canada, vornehmlich auf dem tande, wo diese unangenehmen Gaste sich stark in den Kaminen gelagert, hatten. In den Städten waren sie auch nicht selten. Sie sollen sich hier beides Sommer und Winter aufhalten, und zum Zeitvertreibe oft die Kleider entzwey schneiden. Die * Cimex lectularitis. ** Gryllus domesticus. Zwischen Trois Rivieres und Quebec. 391 Die Hauosihaben * soll man hier niemahls in den Hausern wahrgenommen haben. Naher gegen Quebec wurden die Ufer des FlusseS langabhängig. Nach Norden hin, zeigte sich eine Reihe von sehr hohen Vergen. Ohngefähr drittehalb Französische Meilen von der letztgenannten Stadt, wurde der Fluß sehr schmahl, so daß man die Breite kaum auf ei» nen Büchsenschuß schätzen konnte. Das tand lief zu beiden Seiten schreg, war bergig und mit Wald bewachsen, und hatte viele kleine Klippen. Das Ufer war steinig. Des Abends um 4 Uhr kamen wir glücklich nach Quebec. Wir konnten die Stadt nicht eher sehen, als bis wir derselben ganz nahe waren, indem ein hoher Berg an der südlichen Seite die Aussicht hinderte. Doch nimmt man einen Theil des VestungSwerkeS, das auf eben dem Berge erbaut ist, von weiten wahr. So bald die Soldaten Quebec erblickten, riefen sie, daß alle die vorher daselbst nicht gewesen wären, getauft werden sollten, wofern sie sich nicht mit einem Trinkgelde löseten. Denn es war ein Gebrauch Hieselbst, dem sich so gar die Generalguver-nöre unterwerfen müssen, wenn sie zum ersten mahl nach Montreal reisen, und dieser Stadt gewahr werden. Wir hatten keine Ursache, uns einer so alten und für die Ruderleute so vortheilhaften Gewohnheit zu entziehen, indem sie dadurch in Stand gesetzt wurden, bey der An« kunft nach Quebec sich einen vergnügten Abend nach ihrer beschwerlichen Arbeit zu machen. Gleich nach der Ankunft zur Stadt wurde ich von dem Officier, der mich von Montreal begleitet hatte, nach Vb 4 dem * Blatta orientalis. zy2 1749/ im August. bem Schlosse zu dem damahligen Vicegeneralguvernör über Canada, dem Marquis L.a Gallisoniere, geführt. Cr war cin Herr von ungemeinen Eigenschaften, der mir Mit ausnehmender Gnade während der ganzen Zeit, da er noch hier in dem iande zurück blieb, begegnete. Er hatte schon Zimmer für mich bestellen lassen, und trug Soxge für alles, was ich nothig haben könnte. Es wie, derfuhr mir ausserdem fast täglich, oder so oft ich in der Stadt war und Zeit hatte, die Gnade, nach dem Schlosse geruffen zu werden und mit ihm zu speisen. Vom sechsten. Quebec, die Hauptstadt in Canada, liegt zu der westlichen Seite, eben an dem Ufer dcs lorenzstuffes, auf einer iandzunge, welche das selbst von dem erwähnten Flusse an der östlichen Seite, und von dem Strom St. Eharle an der nördlichen, entstehet. Südwärts wird der Berg, auf dem die Stadt gebauet ist, noch höher, und dahinter fangen hernach grosse Weiden an; und westwärts erstreckt sich der Verg noch ein gutes Stück. Man unterscheidet die Stadt in die untere und obere ^. Die untere Stadt liegt östlich ge« gen die obere an dem Ufer. Die gedachte iandzunge hat sich theils von dem Kothe und andern Dingen, die eine Zeit nach der andern dahin geworfen worden, und also nicht davon, daß sich das Wasser gegen die vorige Zeit verringert hätte, theils auch von einer Klippe, die daselbst hinaus tritt, erzeuget. Die obere Stadt liegt oberhalb der andern auf einem hohen Berge, und ist fünf oder sechs mahl so weit als die untere, obgleich nicht Völlig _* la basse Vffle Mb haute Vili§, Quebec. Z9Z völlig so stark bewohnt. Der Verg, worauf die obere Stadt gebauet ist, hat einc solche-Hohe, daß die Häuser in der untern, ob sie gleich drey oder vier Stockwerke hoch sind, doch nicht die Höhe desselben erreichen. Und wenn man von dem Schlöffe nach der untern Stadt hm-absiehet, welche zum Theil eben darunter liegt, mag einem dabey schwindelich werden. Eben so, wenn man von der untern Stadt nach dem Schlosse in die Höhe siehet, scheinet es oben in den iuft zu stehen. Es ist nur ein einziger Weg, auf dem man bequem von der untern Stadt zu der obern hinauf kommen kann, woselbst der Verg weggesprengt ist. Denn an den andern Stellen ist er so steil, daß man Mühe hat, hinaus zu klettern. Dieser Weg ist sehr steil, ob er gleich nicht gerade, sondern mehr krumm läuft. Dennoch fährt man ihn mit Wagen beides herunter und hinauf. In der untern Stadt wohnen fast alle Kaufteute. Die Häuser sind da sehr dicht gebaut. Die Gassen sind eng, uneben und fast allezeit etwas naß. Hier befindet sich auch eine Kirche und ein Feiner Markt. In der obern Stadt wohnen gemeiniglich die Vornehmen, ausser verschiedenen kleinen Beamten, Handwerkern und andern. Hier trift man auch die vornehmsten Gebäude oder Häuser der Stadt an, Mter denen hie folgenden vorzüglich zu, merken sind. I. Das Schloß. Dieses ist an der südlichen Seite des Berges, eben wo er so steil zuläuft, über dem einen Theil der untern Stadt gebauet. Es ist eigentlich kein Schloß, sondern ein langes Gebäude von Stein, zwey Wohnungen hoch, und erstreckt sich von Süden nach Norden. An der westlichen Seite dieses OMlHes. ist Vb 5 '"" der Z94 i?49/ im August. der Schloßhof, welcher abwechselnd mit einer Mauer und mit Häusern umgeben ist. Ostwärts oder gegen den Fluß ist ein Altan oder Spatziergang von eben der iänge als das Gebäude, ohngefahr ein Paar Klaftern breit. Er ist mit glatten Stemen belegt, und zu den Seiten aus» wärts mit einem eisernen Gitter umgeben, so daß man von ba in die Stadt, oder auch nach der iänge des Flusses, hinabsehen kann. Denn von da ist die schönste Aussicht, die man sich wünschen kann. Auf diesem Altan geht man gemeiniglich des Sommers, gleich nach der Mahlzeit, um frische iuft zu schöpfen, und sich zu vergnügen. Hier spatzieren die Herren hin und her, wenn sie mit dem Generalguvernör reden wollen und warten muffen. In diesem Schlöffe residiret der Generalguvernsr über ganz Canada, vor dem täglich auf dem Burghöfe und bey der Pforte eine Menge Soldaten Wache halt. Jedesmahl, wenn er selbst oder der Bischoff in oder aus dem Schlosse geht, kömmt die ganze Wache in Gewehr, und die Trom» mel wird gerühret. Der Generalguvernör hat auf dem Schlöffe seine eigene Kapelle, wo er Gebet hält, ob er gleich oft die Messe in der Kirche der Varfüffer *, welche dicht an dem Schlöffe liegt, abwartet. II. Der Kirchen hier in der Stadt sind 7 oder 8, welche insgesammt von Stein gebauet, und die folgenden sind: i. Die Cathedralkirche. Diese ist gleich zur rechten, wenn man von der untern Stadt zu der obern kommt, und dem bischöflichen Hause etwas vorbey gegan, gen * Recolets. Quebec. Z95 gen ist. Man war fetzt beschäftigt sie noch schöner als vorhe? zu machen. Sie hat an der westlichen Seite ei-nen rundlichen Thurm mit zwey Abtheilungen und Klocken in der untern Abtheilung; und an der östlichen Seite war ein' anderer kleiner gleichfalls gerundeter Thurm. Inwendig war die Kanzel und verschiedenes anderes vergoldet. Die Sitze waren hübsch. Die Orgel hatte man n«n des Vaues wegen herunter genommen. 2. Die Iesuiterkirche war eine Kreuzkirche, welche einen gerundeten Thurm mit drey Absätzen hatte. Sie war auch hier in der Stadt die einzige Kirche, welche mit einer Schlaguhr und Zeiger verschen war. Von dies ser werde ich unten noch weiter reden. 3. Die Barfüsser/ oder Recoletenkrche war gerade der Schloßpforte gegen über an der westlichen Seite. Sie sahe ziemlich gut aus, und hatte einen etwas hohen spitzigen Thurm mit einer Abtheilung unten für die Klocken. 4. Die Rircke der UrstlineN hatte einen gerün, deteu Thurm, welcher sich mit einer Spitze endigte. 5. Die Hospitalskirche. 6. DieCapelledesBisihoffs. 7. Die Airche m der untern Stadt. Diese ist im Jahr 1690, nach der Vefreyung der Stadt von den Englandern erbauet worden, und heißt Notre Damede Victoire. Sie hatte einen kleinen viereckigen und oben gerundeten Thurm mitten auf dem Dache. 5. Es )96 1749, im August. 8. Es kan auch die kleine Capelle des General« ttUvernöro auf dem Schloßhofe Hieher gerechnet werden, wohin er gehet, um des Morgens und Abends, wie auch zu andern Zeiten, seine Andacht zu halten. III. Das .Haus desBisihoffs, welches das erste zur rechten Hand ist, wenn man von der untern Stadt zu der obern hinaus gehet. Es ist ein grosses hübsches Gebäude mit einem weiten Hofe und Küchengarten auf der einen Seite, und mit einer Mauer umgeben. IV. Das Iejuiters Collegium werde ich an einem andern Orte ausführlicher beschreiben. Es hat ein weit prächtigere Aussehen, was die Bauart und die Grosse anbelangt, als das Schloß selbst, und würde sich besser dazu schicken, wenn nur die tage so angenehm wäre. Inzwischen ist es der Ausdehnung nach viermahl so groß, als das Schloß, und unter allen Gebäuden hier in der Stadt das schönste. Es liegt an der nördlichen Seite neben einem Markte, und an der südlichen 'Seite dieses Markts ist die Eathedralkirche. V. Das Haus der Barfüssermöttche oder Re? colets liegt westwärts neben dem Schlosse, gerade gegen dasselbe, und besteht aus einem grossen Gebäude mit einem hübschen geräumigen Baum- und Küchengarten daneben. Das Haus ist ein paar Stockwerke hoch. In einem jedweden derselben befindet sich ein langer schmaler Gang mit Zimmern und Sälen auf einer oder beiden Seiten. VI. Das Hotel de Dieu, wo die Krankey ver-pfiegt werden, werde ich unten genauer beschreiben. Die Nonnen Quebec. 39? Nonnen, Helche die Kranken warten, sind von dem Augustinerorden. ' VII. Das Haus der Geistlichen * ist ein grosses Gebäude an der nordöstlichen Seite der Cathedral, kirche. Hier ist an der einen Seile ein geräumiger Hof, und an der ander« gegen den Fluß ein grosser Vaum und Küchengarten. Unter allen Gebäuden ist keines in der Stadt, welches eine so schöne und anmuthige Aussicht hat, als die/enige von dem ebengenannten Garten ist, welcher auf dem erhabenen Ufer liegt, und in dem man weit hinunter nach dem Flusse sehen kan. Im Gegen« theil haben die Jesuiten die unangenehmste und beynahe gar keine Aussicht aus ihrem Collegia selbst. Die Reco« lets haben auch nicht eben Ursach mit derselben zu prahlen. In diesem Gebäude wohnen alle Geistlichen hier in der Stadt mit ih«m Vorsteher ^. Sie haben verschiedentlich hier in Canada grosse Stücke iandes, die ihnen von der Obrigkeit geschenkt worden sind, wovon sie Zinsen ziehen, und dadurch grosse Geldsummen und an< dcre Einkünfte sammlen, womit sie sehr reichlich auskommen können. VIII. Des Nonnenklosters der Ursilinett werde jch weiter unten umständlicher erwähnen. Mehrere öffentliche Hauser von einiger Erheblich« keit sindet man nicht in der Stadt, aber nach Nordwcst gleich aussen vor derselben ist IX. Das Haus des Intendcnten, welches ein öffentliches Gebäude von der Grösse und iänge iss. * Le Seminaire. * Supeneur. 398 !?49/ im August. ist, daß es viel besser sich zu einem Schlosse schicken würde. Es ist mit Blech bedeckt, liegt in der andern untern Stadt, welche südwärts an dem Strom St. Eharle gelegen ist, und hat nördlich einen grossen und schönen Garten. Hier werden alle Verathschlagungen, welche die Provinz betreffen, gehalten, und hier kom» men die Herren des Raths in Iustitz- und Polizeysachen zusammen. Der Intendent hat hier gemeiniglich den Vorsitz. Wenn aber eine Sache von grosser Wichtigkeit überlegt wird: so kommt auch der Generalguver-nor Hieher. An der einen Seite dieses Hauses ist das Magazin der Krone, und an der andern, das Gefängniß. Die Häusir sind fast durchgangig von Stein. In der obern Sladt sind die meisten (ausgenommen die öf, fentlichen Gebäude) nur ein Stockwerk hoch. Ich sahe zwar noch einige wenige hölzerne Häuser in der Stadt: wenn sie aber veraltet sind, dürfen keine neue von Holz in ihre Stelle gebauet werden. Die Steinhauser und Kirchen in der Stadt sind nicht von Ziegeln, sondern von dem schwarzen Kalkschiefer, woraus der Berg bestehet, auf dem Quebec liegt, erbauet. Wenn dieser Kalkschiefer lief in dem Berge gebrochen wird, ist er anfanglich so dicht und fest, daß man keine Scherben in demselben erblickt. Nachdem er aber eine Zeit in der iuft gelegen, zertheilt er sich in dünne Blatter. Dieser Stein ist weich, und leicht zu verarbeiten. Die Mauern um die Stadt und um die Gärten bestehen gleichfalls grossenlheils aus diesem Stein. Die Dächer an den öffentlichen Häusern sind mit Dachschiefer gedeckt. Doch hat Quebec. 393 hat man diesen Schiefer nicht hier im tande gefunden, sondern er ist auk Frankreich Hieher geführt worden. Diese Schieferdacher haben einige Jahre gegen alle Veränderungen der iuft und Kalte ausgehalten, und noch keinen Schaden gelitten. Die andern Dacher bestehen meistentheils aus Brettern, die entweder mit dem Sparr, balken und der Dachschwelle gleichlaufend sind, oder ft geleget worden, daß sie mit dem obern Ende auf dem Sparrbalken und mit dem andern auf der Dachschwelle ruhen. Die Ecken der Hauser, wie auch die Seiten« theile um die Fenster, waren oft von einem grauen feinkörnigen Kalksteine, der stark wie ein Stinkstein roch. Dieser war an solchen Stellen nutzbarer als der schwarze Kalksch'lefcr, der allezeit in der iuft sich in Blatter zertheilte. Die Häuser waren meistentheils mit Kalk beschlagen und äusserlich geweiffet. Die Fenster hiengen fast allezeit an der innern Seite der Mauer, so daß man in dem Zimmer nicht viele Gelegenheit hatte, et-was wegzulegen. Des Winters bediente man sich an einigen Orten doppelter Fenster. Das Mitteldach hatte zwey, höchstens drey Sparren, und lag keine Füllung, sondern nur Bretter darauf. Man erhitzete die Zimmer des Winters durch kleine eiserne Oefen, welche man des Sommers wegbrachte. Man hatte weder in den eiser» nen Oefen noch Kaminen Klappen. Der Fußboden war überall so schwarz, daß er wohl nicht mehr als einmahl im Jahr gesäubert wird. * Der Pulverthurm steht auf dem höchsten Gipfel des Verges, wo die Stadt liegt, und zwar etwas südlich vom Schlosse. Die 400 1749/'im August. Die Gasse»! in der obern Stadt sind zwar breit genug, aber wegen der Klippe und des Verges, worauf die Stadt gebauet ist, sehr uneben, so daß es ziemlich verdrießlich und unbequem ist, sowohl zu fahren als zu gehen. Denn der schwarze Kalkschiefcr ragt mit sei, ncn scharfen Ecken an vielen Orten hervor; daher man auch die Schuhe hier ziemlich abnutzen muß. Uebrigens ist auch keine Gleichmäßigkeit bey diesen Gassen, sondern sie gehen in Krümmungen hin und her, und schneiden einander nach allen Winkeln. Die vielen grossen Baum- und Küchengarten, die man sowohl bey den Häusern der Jesuiten, als andern öffentlichen und Privathausern wahrnimmt, »machen, daß die Stadt groß aussieht, ob in derselben gleich keine beträchtliche Menge von Hausern befindlich ist. Nach dem MaaZstabe soll sie von Süden nach Norden 6oo Toisen, und von dem Ufer der untern Stadt zu der wests lichen Mauer 350 bis 400 Toisen lang seyn. Man . muß aber merken, daß dieser ganze Raum nicht bewohnt ist. Denn beides wi der westlichen und südlichen Seite sind zunächst an der Stadtmauer grosse Plätze, wo gegenwartig keine Häuser stehen, und die man ohne Zwei, fel zu bebauen willens ist, wofern die Stadt hinkünftig mehr Einwohner bekommen würde. Der Bischoff, der hier seinen Sitz hat, ist der einzige in ganz Canada. Seine Herrschaft erstreckt sich bis aufiouisiana bey dem Mericanischen Meerbusen nZch Süden, und bis auf das Südmeer nach Westen. Kaum wird jemahls ein Bischoff, ausser dem Pabste, ein ausgedehnteres iand gehabt haben. Aber der geistlichen Schafe Quebec. 401 Schafe, die seine Stimme hören, sind in einiger Entfernung von Quebec sehr wenige, und das eine ist oft von dem andern über loo Meilen weit getrennet. Diese Stadt ist die einzige See- und Stapelstadt in ganz Canada, und von der alle Waaren, die aus dem iande gehen, verschickt werden. Der Hafen für die Schiffe ^ist in dem Flusse unter der Stadt. Er soll daselbst eine Französische Viertelmeile breit, und 25 Klaftern tief seyn. Der Voden ist ein guter Ankergrund. Man soll da vor allem Sturme sicher seyn. Doch ist der Nordost hier der schlimmste, indem er die größte Oefnunghat. Wie ich zuerst ankam, rechnete ich iz Fahrzeuge, grosse und kleine zusammen genommen, und man erwartete noch mehrere. Es ist aber zu merken, daß keine andere Schiffe und Fahrzeuge, als nur Französische an die Stadt kommen dürfen. Doch können diese von vielen Orten, als von verschiedenen Städten in Frankreich, wie auch von den Französischen Inseln in Amerika oder Westindien, wie diese Inseln hier gemeiniglich genannt wurden, her seyn. Es müssen alle Waaren, die in Montreal und andern Handelsplatzen in Canada befindlich sind, von hier genommen werden. Nicht weniger rejsen die Französischen Kauftcute aus Montreal, welche über ein halbes Jahr bey verschiedenen Wilden weg gewesen sind, um Fellwerk aufzukaufen, und zu Ende des Augusts zurückkommen, im September oder October hinunter nach Quebec , um sie da abzusetzen. Dem zu Folge sollte man denken , daß die Kaufleute in der letzt genannten Stadt, wegen einer solchen ihnen allein vergönnten Freyheit äusserst reich wären. Verschiedene aber laugneten es gänzlich. Reisin il. Theil. Cc Sie 4O2 !749/ llN Julius. Sie gaben zwar zu, daß hier sich einige wenige gut stehen dürften: behaupteten aber zugleich, daß sehr viele nicht mehr besassen, als was zu ihrem höchst nothwendigen Unterhalt erfordert würde, ja, daß verschiedene noch daz« bis an die Ohren in Schulden steckten. Die Ursache da» von versicherte man, daß die liebe Ueppigkeit wäre, und daß der eine nicht schlechter als der andere seyn wollte. Die Kaufteute wollten sich gut kleiden, gut essen und trinken , und bey jeder Mahlzeit viele Gerichte haben, und groß thun. Ihre Frauenzimmer giengen täglich so geputzt und geschmückt, als wollten sie stündlich zu Hofe gehen. Die Stadt ist jctzt fast von allen Seiten mit hohen Mauern, vornehmlich nach dem iande hin, umgeben. Doch waren sie noch nicht gänzlich fertig, sondern man war aufs eifrigste beschäftigt, sie zu Stande zubringen^ Sie werden theils von dem vorher gemeldeten dichten schwarzen Kalkschiefer, theils äusserst von einem dunkelgrauen Sandstein aufgeführet. Zu den Ecken der Thore wird ein grauer Kalkstein angewandt. Gegen die See« seite hatte man noch eben keine Mauern errichtet, sondern die Natuc scheint da das meiste durch den steilen Berg, den keiner ersteigen kattn, bewerkstelligt zu haben. Und ohnedem sind die Anhöhen der Verge daselbst so stark mit Canonen bepflanzt, daß es ohnmöglich scheinet mit Schiffen oder Böten zur Stadt zu kommen, ohne vorher in Grund geschossen zu werden. Zur iandseite liegen Wiederum lauter harte Verge. Es hat also den Anschein, als wenn die Stadt beides von der Natur und der Kunst ziemlich gut befestigt wäre. Die Quebec. 40; Die Stadt Quebec ist von einem ihrer ehemahligen Guvernöre Samuel de Champlam im Jahr 1603 ans gelegt worden. Die Geschichte läßt uns wissen, daß es mit ihrem Wachsthum sehr langsam gegangen ist. Im Jahr 1629 zu Ende des Julius ward sie von den Englan-dern iouis und Thomas Kerck mit Accord eingenommen, und ihnen von dem eben genannten de Champlain überliefert. Es war damahls an allen Nahrungsmitteln in Canada und Quebec bey der Ankunft der Engländer ein solcher Mangel, daß sie dieselben mehr für die Erretter, als Feinde des landes ansahen. Die erwähnten Kercks waren Brüder des Englischen Admirals David Kerck, der mit seiner Flotte etwas weiter hinunter lag. Im Jahr 1632 wurde die Stadt Quebec zugleich mit Canada durch den Frieden den Franzosen wieder zugestellt. Es ist sehr merkwürdig, was die Geschichte uns davon an die Hand giebt, nehmlich, daß man, nach dem die Englän« der Canada eingenommen hatten, in Frankreich in Zwei« fel gewesen wäre, ob es sich der Mühe verlohnen würde, Canada von den Englandern wieder zurück zu begehren. Einige, ja die meisten meinten, daß man es mit keinem Vortheil zurück fordern könnte; indem das iand kalt wäre; indem die Ausgaben die Einkünfte von dem iande bey weiten überstiegen; indem Frankreich nicht ohne Schaden ein so weit ausgedähntcs iand mit Einwohnern würde besetzen können, sintemahl es dadurch sich selbst nur schwachen dürfte; wobey man sich auf das Beispiel von Spa« nien berief. Es wäre besser, das Volk in Frankreich zu behalten, sie zu allerhand Handarbeiten und Fabricken anzutreiben; wodurch die andern Europäer, welche in Amerika Pfianzstadte haben, genöthigt werden könnten, 6e H mit 4. 147. l. IK «. /Nae. „,ei/. K. 116. H>ec. FVn/t. /,. 105z. Man 4O8 1749/ im August. Chinesischen Tartarey und in Eorea, woselbst sie jährlich gesammlet und nach China geführt worden ist, gewachsen. T5rp. du Halde "schreibt, daß sie die kostbarste und die nützlichste Pflanze unter allen in der östlichen Tartarey sey, und daß sie jährlich eine grosse Menge Kräuterforscher zu den Einöden daselbst hinlockte. Von den Tartaren Mantcheouf wird sie rhota, das ist die vornehmste oder Konigin der Pflanzen genannt. Sie wird so, wohl von den Tartaren, als Ehinesern wegen ihrer vor-trefiichen Kraft, theils verschiedene schwere Krankheiten zu heilen, theils die dutch die heftige Anstrengung des Korpers und der Sinne geschwächten Kräfte zu stärken und zu ermuntern, sehr gerühmet. Sie ist so theuer, daß eine Unze von gutem Gin - seng in Peking 7 oder 8 Unzen Silber kostet. Als die in Canada befindlichen Französischen Krauterliebhaber ihre Gestalt erblick« ten, erinnerten sie sich, daß sie hier im iande eine ähnliche Pftanze gesehen hatten. Sie wurden um so viel mehr in diesen Gedanken bestärkt, da verschiedene Pftan-zen in Canada unter eben der Pohlhohe liegen, als die Oerter in der Chinesischen Tartarey und China, wo^ die rechte Gin - seng wild wächst. Es schlug ihnen auch nicht fehl. Sie fanden dieselbe Gin - seng an vielen Stellen des nördlichen Amerika, sowohl in den Franzosischen als Englischen Pstanzorlern in Wäldern, wo es eben war, häu» Man findet sie ausserdem beschriebenen«!) angeführt in c^'resuv'z /V^t«»-. /^///?. t,/O/^o//»" I'). />. 16. t. 16 l. ^ ?> ? 11- >vv 6/n/? 51. 5. 1. p. l,» ^ k 1.2 v 0 lx /A/ss. - 24. bey welchen man zugleich ihre Abbildung sehen kann. SRan flnbtt ffe äuflserbem bcscftrieben^unb angefahrt in catesby's Natur. Hist, of Carolina T. 3. p. 16. 1.16 L a f-f 1 t a v Gins. 51. t. 1. p. cHARLEvoix f////. Sols daselbst. Während der Zeit, da ich mich jetzt in Canada aufhielt, empsiengen fast alle Handelsleute, sowohl in Quebec als Montreal, Briefe von ihren Freunden in Frankreich, worin sie ersucht wurden, diesen Sommer eine Menge Gin-. seng sammlcn zu lassen, und nach Frankreich zu «herschicken. Es war also der Sommer vom Jahr 1749, da man diese Wurzel mehr als gewöhnlich in Frankreich suchte. Daher sammlete man sie auch in Canada mit vielem Fleisse. Die Wilden rei, seten insonderheit emsig umher, um,so viel Wurzeln, als sie konnten, zusammen zu bringen, welche sieden Kaufieuten in Montreal hernach überliessen. Die rings um diese Stadt wohnenden Wilden, waren in diesem , Sommer mit dem einsammle» der Wurzeln so beschäftigt, daß die Französischen Bauern wahrend der ganzen Zeit nicht im Stande waren, einen Indianer zu miethen, um wie sonst immer gewöhnlich ist, ihnen bey der Erndte zu helfen. Manche befürchteten, daß, wenn man sie einige Jahre nach einander mit solchem Fleisse auftreiben wollte, ohne an jedweder Stelle einige Pflanzen zur Fort. Pflanzung stehen zu lassen, innerhalb kurzer Zeit wenig nachbleiben würde; welches sehr wahrscheinlich ist. Denn es berichteten alle, daß sie ehemahls in der Nahe um Montreal hausig gewachsen sey. Jetzt war sie aber da so ausgeremet, daß keine einzige Pfianze mehr daselbst zu Quebec. 4« zu sinden war. Daher waren die Wilden in diesem Sommer genöthigt, weit innerhalb der Englischen Gränze zu gehen, um diese Wurzeln aufzusuchen und zu sammlen. Sie erhielten nun von den Handelsleuten in Montreal 4O Francs für einen Minot, der mit diesen frischen Wurzeln angefüllt war. Man hatte hernach ziemlich viel Mühe mit ihnen. Denn die von den Wilden erhandelten Wurzeln wurden gleich auf den Böden ausgebreitet, um da zu liegen und eine lange Zeit zu trocknen. Gemeiniglich wurden zwey Monate und noch mehr erfordert, nach dem die Witterung dürre oder feuchte war, ehe sie so trocken, als nöthig ist, werden konnten. Wahrend dieser ganzen Zeit müssen sie ein oder ein paar mahl täglich gewandt werden, sonst werden sie schimmlich oder verderben. Etwas nördlich von Montreal hatte man sie niemahls wild wachsen gesehen. DerMorsteher der Geistlichen hier im tande und verschiedene andere erzählten mir, daß die Ehineser diese Eanadische Gin - seng für eben so gut, als die, Tartarische hielten; und daß noch niemanden völlig bekannt wäre, wie die Ehineser bey der Zubereitung dieser Wurzel verführen. Doch soll sie unter andern darin bestehen, daß wenn man die Wurzel ge, nommen und sie zu trocknen angefangen hat, ein Dc? coct von den Blättern der Pstanze gemacht wird, worin man die Wurzel einweicht. Die Wurzel, welche die Ehineser zubereiten, soll fast durchscheinend seyn, und wie Horn inwendig aussehen. Die Wurzel, die für tauglich erkläret werden soll, muß schwer und inwendig dicht seyn. Die 412 1749/im August. Die in Canada fast durchgehends so genannte -5>erba capillaris * war auch eine von den Gewachjen, womit Canada einen erheblichen Handel treibet. Sie wird von den Englandern in ihren Pfianzörtern Mais detthair genannt. Sie wachst m Menge in allen Eng. tischen Provinzen, die ich in den, nördlichen Amerika durchreiset bin. Und ist in dem südlichen Theil von Canada gleich gemein. Aber um Quebec bin ich ihrer niemahls D gewahr worden. Sie kommt eigentlich nur im Schat« ten in den Wäldern in ziemlich guter Erde fort. Ver, schiedene ieute beides in Albany und Canada berichteten, daß ihre Blatter sehr stark, anstatt des Thees, in der Schwindsucht, in dem Husten und allen Vrustkrankhei, ten gebraucht würden. Sie haben dieß von den Wilden gelernet, welche sie von uralten Zeiten her hiezu angewandt haben. Diese Amerikanische soll in der Heilungs» kunst besser als das Frauenhaar ^ welches in Europa gefunden wird, seyn. Daher wird jährlich nach Frankteich eine sehr grosse Menge davon verschicket. Der Preis ist verschieden, und richtet sich theils nach ihrer Güte, und nachdem sie bey dem Trocknen gehandhabet worden, theils auch nach der Menge, die man davon erhält. Denn wenn sie in grosser Menge gesammlet und nach Quebec hinunter gebracht wird: so fällt der Preis, und umgekehrt, wenn davon weniger einkömmt. Gemei- * Sie iss das ^äiannim peä^nim des Ritters ^innäns.' Man sehe 5/>ec. s/. P. i«95- Vom Cornm^ in dlssen O«^e«/I />/!mt. ä^,^ />. 7- wlrd sie ää^nim ämen. «num genannt. Er beschreibt sie daselbst und llchrt auf der 6ten Seite eine Abbildung von chr. •» Adiantum capülis venens. Quebec. ^p; Gemeiniglich ist der Preis in Quebec fur ein Pfund von 15 bis 5 Sols. Die Wilden begaben sich diese Zeit in Menge herum in die Walder, und fuhren weit oberhalb Montreal, dieses Kraut aufzusuchen und zu fammlen. Die Aüchenkrauter kommen an diesem Orte sehr gut fort. Der Weißkohl stund sehr schon, ob er gleich an einigen Orten ansehnlichen Schaden von den Wür, mern gelitten hatte. Der Rothlauch war hier stark im Gebrauche, wie auch andere Artest von L^auch. Nicht weniger bediente man sich häusig verschiedener Arten Aürbisse, der Melonen, des Sallats, der Hmdläufrwurz, verschiedener Arten Erbsen, Teutscher und Vicebohnen, der Mohren und Gurken. Man hatte auch ziemlich viel rothe BereN, Rettich, Rcddisin, Timjan und Majoran. Die Rüben> werden hier stark gesaet und vornehmlich im Winter ge, braucht. Die pastinakwurzeltt aß man verschiedene-lich, ob gleich nicht so gar häufig. Sehr wenige hielten etwas auf die Erdartischockett. Weder die gemeinen * noch die Vermudischen poteren ** pstanzte man in Canada. Auf die Frage, warum sie dieselben nicht pflanzten? antworteten sie, daß sie an keiner von diesen Arten Gefallen fanden, und lachten die Engländer aus, daß ihnen dieselben so gut schmeckten. Der wurzelkohl, oder die Kohlwurzeln, waren nirgends in dem ganzen nordlichen Amerika, weder bey den Schweden, Englän, dem, Hollandern, Irrländern, noch Teutschen oder Franzosen bekannt. Diejenigen, welche hier, in Canada in ♦ Solatium Tiaberosum. ** Conuoluulus Batatas. ^.14 i?49/ im August. in vielen Jahren mit allerhand Küchenkrautern gehandelt hatten, und in dem Gartenwesen Einsichten besas, sen, berichteten, daß sie jährlich genöthigt waren, neuen Samen aus Frankreich zu verschreiben; indem sie hier in Canada gemeiniglich in der dritten Abstammung ihre Kraft verlören , und nicht so gute und wohlschmeckende Gewächse hervorbrachten. Bey den Wilden, welche in dem nördlichen Ame-rika von uralten Zeiten gewohnet, und von einerley Volkarten und Sprachen sind, haben die Europaer niemahls einige Buchstaben vielweniger Schriften oder Bücher sin-den können. Diese Wilden haben daher in einigen Jahrhunderten in der größten Unwissenheit und Dunkelheit gelebet. Aus der Ursache wissen sie selbst nicht einmahl, wie cs mit ihrem lande vor der Ankunft der Europaer beschaffen gewesen, sondern alle ihre Kenntniß davon be« ruht auf lose Sagen und Fabeln. Es weiß niemand, ob vor den Wilden, die jetzt hier wohnen, ein anderes verschiedenes Volk sich vorher da aufgehalten habe, oder ob auch einige andere Völker diesen Wclttheil, ehe Eo« lumbus den Weg dahin entdecket, besucht haben. Eben so ist es unbekannt, ob die christliche iehre jemahls in ältern Zeiten hier gepredigt worden ist. Ich rodte mit verschiedenen Jesuiten, welche in diesem grossen iande weit herumreisen, und frug sie, ob sie jemahls bey den Wilden, die daselbst wohnen, einige Spuren, daß ehedem Christen da gewesen waren, gefunden hätten: sie laug, neten es aber insgesammt. So unwissend diese Wilden in Wissenschaften und der Schrift sind, und allezeit gewesen: so unerfahren sind sie auch in der Vau- Quebec. 4H Baukunst und den Handarbeiten gewesen. Man suchet bey ihnen vergebens wohlgebauete Städte oder Hauser, künstlich gemauerte Vestungen, hoch erhabene Thürmer und Pfeiler, mit andern ähnlichen Dingen, wel' che die alte Welt ganz von uralten Zeiten aufweiscn kann. Die Gebäude unserer Wilden bestehen in elenden Hütten von Baumrinden, wo fast von allen Seiten der Regen und der Wind einbrechen kann. Ihr einziges Mauer« werk besieht darin, daß sie einige lose graue Felssteine auf die Erde rund um die Feuerstätte in ihren Hütten legen, um zu verhindern, daß die Brände nicht zu weit in die Stube fallen, oder vielmehr, daß sie die Stelle in ihrer Hütte, wo die Feuerstatte ist, abzeichnen. Ein 'Reisender genießt hier nicht des zehnten Theils von dem Vergnügen, dessen er sich in unsern alten iändern bey seinen Reisen erfreuen kann. Denn fast /eben Tag kömmt ihm ein Denkmaal des Altherthums vor. Bald sieht er eine alte berühmte Stadt; bald Ueberbleibsel von einem alten Schlosse; bald ein Feld, wo vor einem oder mehr hundert Jahren eine blutiges Treffen zwischen den mächtigsten und klügesten Königen oder Generalen vorgefallen ist; bald eines grossen gelehrten oder auf andere Weise weitberühmten Manns Geburtsort oder ehemahligen Aufenthalt, u. s. w. Man kann an solchen Orten seine Gedanken auf mannigfaltige Weise ergetzen, und sich alle vergangene Begebenheiten gleichsam lebendig vorstellen. Hier in Amerika hat man aber ein solches Vergnügen nicht. Man darf in der Geschichte kaum langer, als auf das, was sich seit der Ankunft der Europaer zugetragen hat, zurückgehen. Das was vorher vorgefallen ist, hat mit einer Erdichtung und Traum grössere Aehnlichkeit, als 416 1749/ iM August. als mit einer wirklichen Begebenheit. Doch hac man in spätern Zeiten ein und anderes Dcnkmaal des Alther-thums gefunden, worans sich schlieffen liesse, daß Nord-Amerika entweder in ältern Zeiten von einem ältern und in den Wissenschaften mehr erleuchteten Volke, als dasjenige, welches d« Europäer bey ihrer ersten Ankunft da angetroffen, bewohnt gewesen, oder daß von der alten Welt nach diesem iände ein Heerzug angestellet worden sey. Dieß wird durch eine Nachricht bestätigt, die mir der Herr Verandrier, der selbst die» Expedition zum Südmeer, der ich gleich gedenken werde, anführte, bey der Tafel des Generalguvernörs Marquis ia Galissonicre, über der Mittagsmahlzeit mittheilte.' Ich habe eben das hernach verschiedene mahl von andern erzählen gehört, welche selbst Augenzeugen davon gewesen sind. Es besteht kürzlich in dem folgenden. Einige wenige Jahre vor weiner Ankunft in diesem iande, wurde von dem,da-mahligen Generalguvernör über Canada, Chevalier de Veauharnois, dem erwähnten Ofsicier, Herrn Veran-drier Vesehl gegeben, mit einer Menge Mannschaft eine Erpedition von Canada quer durch das nördliche Amerika zudem Sudmeer vorzunehmen, um zu untersuchen, wie weit diese Oerter von einander entfernet wären, und zu erforschen, was für Nutzen entweder Canada oder ioui-siana durch die Verbindung mit diesem Meer haben könnte. Die Reise wurde zu Pferde von Montreal, und zwar aufs genaueste, oder so viel es sich wegen Ströme, Seen, Berge u. s. f. thun ließ, nach Westen angestellt. Als jie lief in das iand hineinkamen/ und vielen Arten von Volk Quebec. 417 ^ Volk vorbey gereiset waren: stellten sich ihnen zuweilen ^grosse von Gehölzen entblößte Felder dar, die voll mit einem hohen Grase waren, und einige Tagereisen in eins fortliefen. An vielen von diesen Feldern war die Erde durchgangig mit Furchen bezogen, als halte man sie ehemahls mit einem Pfluge so zugerichtet, und als wenn in alten Zeitrn Aecker da gewesen waren. Es ist zu mer- l < ken, daß die Erde von denen jetzt in Amerika befindlichen wilden Völkern nicht dergestallt hat bestellet werden können , indem sie niemahls Pferde, Ochsen, Pfluge und ahn, liche Ackergeräthschaft weder gebraucht haben, noch jetzt brauchen; noch vor der Ankunft der Europaer jemahls ^ einem Pflug gesehen haben. An zwey oder drey Stellen, dvch weit von einander, sind in den Felsen gleichsam Eindrücke von Füssen, sowohl von erwachsenen Menschen als von Kindern, zu sehen gewesen. Dieß ist aber ohnfehl« bar als ein Spiel der Natur zu betrachten. Als sie weil nach Westen gekommen waren, wo, so viel man weiß, kein Franzose oder Europäer gewesen ist, fanden sie an einem und dem andern Orte, beides in dem Walde und auf wei- ^ len flachen Feldern, grosse Pfeiler von Steinen, die sich gegen einander lehtteten. Die Pfeiler bestunden aus einem Stücke, und konnten die Franzosen nicht anders sehen, als daß sie von Menschenhanden errichtet waren. Verschiedentlich haben sie solche Steine auf einander gelegt, und gleichsam gemauert, angetroffen. An einigen Orten wo solche Steine gestanden sind, haben sie keine andere Steine in der Nähe wahrgenommen. Sie haben an kei, nem von diesen Steinen eine Schrift oder Buchstaben entdecken können, so sorgfältig sie auch darnach gesuchet. Endlich aber sind sie auf einen grossen Stein gerathen, Reistn n. Theil. Dd der 4!8 i?49/ im August. der einem Pfeiler geglichen, und in dem ein anderer kleiner Stein, den man mit unbekannten Buchstaben an beiden Seiten beschrieben, eingefügt gewesen ist. Diesen Stein, der ohngefähr die länge eines Französischen Fus-ses, und beynahe die Breite einer Hand gehabt hat, brachen sie los, und führten ihn hernach mit sich nach Canada, von da erdemStaatssecretair in Frankreich, dem Grasen Maurepas, zugeschickt worden. Wohin er nachher gekommen , wusie keiner zu sagen, sondern sie glaubten, daß er noch in seinem Eabinctte aufgehoben würde. Ver« schiedene von den Jesuiten, welche selbst hier in Eanaoa hiesen Stein gesehen und in Händen gehabt haben, berichteten einstimmig, daß sie die Buchstaben, die an ihm eingeritzet gewesen, mit denjenigen, die in Büchern von der Tatarey als Tatarische Buchstaben abgezeichnet stehen, verglichen, und sehr viele völlig von einerley Art gefunden hätten. Ob nun gleich die nach dem Südmeer abgeschickten Franzosen sich alle erdenkliche Mühe gaben, von dem da wohnenden Volke zu erfahren, wenn und von welchen diese erwähnten Steinpfeiler errichtet wor, den? was sie für Sagen und Gedanken davon hatten? wer derjenige gewesen, der die Buchstaben geschrieben? was dadurch verstanden würde? was für eine Art Buchs staben es wäre? und in welcher Sprache sie geschrieben worden? mit andern Umständen: so konnten sie doch von ihnen nicht die geringste Erläuterung davon erhalten, sondern diese Wilden waren selbst so unwissend in dieser Sache, als die Franzosen. Das einzige, was sie darauf zur Antwort zu geben wüsten, war dieß, daß diese Steine daselbst von uralten Zeiten gestanden wären. Die Oerter, wo die erwähnten Pfeiler stunden, waren bis 900 Fran- zösi- Quebec. 419 .zösische Meilen westwärts von Montreal entfernet. Die rechte Absicht bey ihrer Reise, nehmlich nach der Westsee hinzukommen, und die Entfernung derselben von Canada zu untersuchen, wurde doch nicht von der abgeschickten Mannschaft erreichet. Denn sie wurden verleitet, an einem Kriege, welchen die am weitesten weg wohnenden Wilden Volker unter einander führten, Theil zu nehmen, ' in welchem einige von den Franzosen gefangen genommen, die andern aber genöthigt wurden, auf die Rückreise sich zu begeben. Von den letzten und langst nach Westen wohnenden Wilden, bey denen sie waren, erfuhren sie doch, daß von da nur wenige Tagesreisen nach dem Süd« meer wären; daß sie öfters mit denen bey dem letzgedach, ten Meer befindlichen Spaniern Handel trieben; daß sie auch zuweilen nach dem Hudfonischen Meerbusen reiseten, und mit den Engländern handelten. Einige von diesen Wilden hatten Hauser, die von Erde aufgeführet waren. Viele Völker von ihnen hatten niemahls einen Franzosen vorher gesehen. Sie waren meistentheils in Fellen gekle«, dct; viele giengcn aber ganz nackend. Es waren alle in Canada, die eine Reise weit in das iand, entweder nach Süden oder vornehmlich nach Westen angestellt hatten, darin einstimmig, daß man daselbst an vielen Orten grosse fiache von Waldern entblößte Felder antrift, wo die Erde mit Fachen bezogen ist, als wäre sie vorher mit einem Pfiuge so bestellet wori den, und als wenn ehemahls Aecker daselbst gewesen wären. Auf was Weise die Erde zuerst so zugerichtet worden, kann niemand sagen. Denn die Aecker eines ganzen und sehr grossen Dorfs oder Stadt der Wilden, Dd H kön. 42O 1749, ill! August. können gemeiniglich ihrer Weite nach nicht ein viel grösseres iand einnehmen, als was mit 4 oder 6 unserer Morgen überein kommt; da gleichwohl die genannten mit Furchen bezogenen Felder bisweilen einige Tagereisen ausmachen sollen, ausgenommen, daß man eine kleine ebene Stelle hin und wieder, oder auch einige kleine Anhöhen, erblickt. Mehrere Denkmäler des Alterthums konnte ich in Canada nicht erfragen, so sorgfaltig ich mich auch dar!-nach erkundigte. In der Fortsetzung meiner Reifebe-schreibung für das Jahr 1750 sinde ich Gelegenheit von zweyen andern Merkwürdigkeiten zu reden. Daß aber unsere Scandinavier, vornehmlich die nordischen, lange vor den Zeiten des Columbus Reisen nach dem nördliches Amerika unternommen, hat unter andern der Herr Magister Georg Westmann klarlich und umständlich in seiner gelehrten, zur Erhaltung der Würde, im Jahr 1747, in Hbo vertheidigten Streitschrift dargethan; wohin,ch daher den geneigten ieser verweise. Vom achten. Des Morgens besähe ich das gros, sere Nonnenkloster hier in der Stadt. Es wird sonst bey höchster Strafe einer Mannsperson nicht verstattet, daselbst Vesuch abzulegen; ausgenommen, in gewissen Zimmern, welche durch ein Gitterwerk abgetheilet sind, wo entweder die Mannspersonen oder auch Frauensleute, die nicht zum Kloster gehören, an der aujsern, und die Nonnen an der innern Seite stehen, und so mit einander durch die löcher des Gittcrwerks reden. Um aber die vielfäl, lige Gunst und Ehre, welche die Französische Nation mir, als einem Schweden erzeigte, zu vermehren, verfügte Ouebe c. 421 fugte der Gcneralguvernör Maquis ia Galissoniere es dahin, daß mir der Bischofs erlaubte, in das Kloster selbst hinein zu gehen und die Einrichtung zu sehen. Der Bischofs allein kann den Mannsleuten diese Freyheit ertheilen, es geschiehet aber auch sehr selten. Doch hat der Königliche Arzt wegen der Kranken, wie auch ein Wundarzt, die Erlaubniß, so oft als sie nothig erachten, hineinzugehen. Der Herr Gaulthier, ein Mann von grossen Einsichten sowohl in der Arzneigelahrheit als der Kräuterkunde, war jetzt Königl. Arzt Hieselbst, und folgte mir bey diesem Besuche. Wir besahen erst das Hospital, welches gleich beschrieben werden soll, und darauf gien» gen wir hinauf ins Kloster, welches einen Theil des Hospitals ausmacht. Es war ein grosses Steinhaus, von dreyen Stockwerken, das man inwendig in lange Gange, mit Kammern, Sälen und andern Zimmern zu beide» Seiten der Gänge, abgetheilt hatte. Die Kammern der Nonnen waren in dem obersten Stockwerk zu beiden Seiten an dem langen Gange. Sie waren ziemlich klein. Inwendig waren sie nicht bemahlt, sondern es hiengen nur einige Bilder von Papier, welche Heilige und was ähnliches vorstelleten, wie auch das Vildniß des Erlösers am Kreuze, an der Wand. Ein Bett mic Vorhängen und guten Betten, ein kleines schmahles Pulpet, und ein paar Stühle, waren alles, was man in der Kammer antraf. Es wurde niemahls in einer derselben geheizet, sondern die Nonnen sollen auch im Winter in der Kälte liegen. Auf dem langen Gange stund gleichwohl ein ei-ftrner Ofen, der im Winter geheizet wird; und indem alsdenn die Stubenthüren offen gelassen worden, so kan einige warme iuft da hinein kommen. In dem mittlern Dd 3 . Stock- 422 i?49/ im August. Stockwerk befanden sich Ke Zimmer, in denen sie sich taglich aufhielten, wenn sie beysammen waren; als das Zimmer , worin sie arbeiteten. Dieses war groß, hübsch bemahlt und ausgeputzt, und hatte einen eisernen Ofen. Hier beschäftigten sie sich mit allerhand, sie neheten, bro« dierten, vergoldeten, verfertigten Blumen von Seide, die mit den natürlichen sehr viele Aehnlichkeit hatten. Mit einem Worte, die Nonnen gaben sich mit allen den feinen Arbeiten ab, die man von dem Frauenzimmer erwarten kann. In einem andern Zimmer oder Saal ka-me-l sie zusammen, um ihre Verathschlagungen zuhalten. In einem andern lagen diejenigen, die einiger massen krank waren. Diejenigen aber, die mit einer schlimmern Krankheit behaftet waren, hatten ihr besonderes Zimmer. In einem andern unterwies man die neuen Ankömmlinge und die, welche den Nonnenorden anzunehmen willens waren. Ausserdem war noch ein besonderer Saal zum Speisezimmer bestimmet. Hier stunden Tische zu allen Seiten. An der einen Seite war eine kleine Kanzel errichtet, auf der ein Vuch in Französischer Sprache, von dem ieben der Heiligen, deren die heilige Schrift erwähnet , lag. Wenn sie essen, so ist es überall still, und niemand redet ein Wort. Darauf tritt eine von den ältesten auf die Kanzel, und liefet ihnen im Stück aus dem gemeldeten Vuche vor; und wenn dieß zu Ende gebracht worden, nehmen sie ein anderes geistliches Vuch. Während der Mahlzeit sitzen sie nur an der innern Seite des Tisches gegen die Wand; an der äuffern Seile aber sind keine Stühle, noch sitzt jemand da. Fast in einem jedweden dieser Zimmer und grossen Säle stund ein ver-ßoldtter Tisch, weraus iichter und ieuchter, sammt dem ' » Bild. Quebec. 423 Bildnisse des Erlösers, und einiger Heiligen daneben, gestellt waren; bey welchem Tische sie ihre Gebeter verrichteten. An der einen Seite war die Kirche, und ne» ben derselben ein grosser Saal, den man mit einem Gitterwerk von der Kirche abgeschieden hatte, so, daß die Nonnen nur nach der Kirche hingucken, nicht aber hin» ein kommen konnten. Wenn Gottesdienst gehalten wird, sind die Nonnen in diesem grossen Saale, und der Priester ist in der Kirche neben bey. Wenn der Priester seine Kirchenkleider anziehet, so reichen die Nonnen ihm dieselben durch ein ioch zu; und ist ihnen niemahls erlaubt, in die Sacristey mit zu gehen und mit dem Prie, ster in einem Zimmer zu bleiben. Es waren hier über-dem noch verschiedene andere Zimmer und Säle, auf deren Nutzen und Absicht ich mich nicht so recht besinnen kann. In der untersten Wohnung war die Küche, das Backhaus, verschiedene Speisekammern, u. s. f. Auf dem Boden zu oberst hatten sie ihr Getraide, und da trock- -neten sie auch ihr ieinenzeug. Bey dem mittlersten Stockwerke war an der äusser« Seite oder aussen vor, als ein Altan fast rings um das Haus gesetzet, wo die Nonnen hinaus gehen konnten, um frische tust zu schöpfen und sich umzusehen. Die Aussicht von dem Kloster war fast zu allen Seiten sehr schon. Man konnte von da über die See, wie auch über die Felder und Accker, die aussen vor der Stadt lagen, hinsehen. An der einen Seite des Klosters war ein grosser Garten besindlich, in den die Nonnen gleichfalls sich hinzubegeben, um daselbst zu spatzieren, Freyheit hatten. Der Garten gehorte den Nonnen zu, und war mit einer hohen Mauer umgeben. Man nahm da eine Menge von allerhand Arten von Küchenfrüchten, von Aepfel-Kirschen, und wilden Wallnußbäu, v Dd 4 men, 424 l?49/ im August. men, wie auch rother Iohannisbeerbüschen, nebst andern Gewächsen, wahr. In diesem Kloster waren, wie man berichtete, ohngefähr 50 Nonnen, die schon meistentheils ihre Jahre hatten, so daß kaum eine unter 40 Jahren alt war. Es hielten sich jetzt ein paar junge Frauenzimmer da auf, welche in den Stücken, die eigentlich zur Nonnenwissenschaft gehören, unterrichtet werden sollten. Diese neuen Ankömmlinge nimmt man nicht gleich an, sondern man hat sie in zwey oder drey Jahren auf die Probe, um zu versuchen, ob sie gesetzt und beständig werden wollen. Denn in dieser ganzen Zeit steht es in ihrer Freyheit, aus dem Kloster wieder wegzugehen, wofern sie keine Nei« gung finden, da zu bleiben. Wenn sie aber einmahl als Nonnen aufgenommen und dafür erklart worden sind, so sind sie verbunden, ihre ganze iebenszeit da zuzubringen. Merket man, daß sie ihre iebensart verandern wollen, so steckt man sie in ein Zimmer, aus dem sie niemahls wie, der heraus kommen können. Die Nonnen in diesem Kloster entfernen sich niemahls weiter vom Kloster als ins Hospital, welches daneben liegt, und einen Theil des Klosters ausmacht. Dahin gehen sie, um die daselbst befindlichen Kranken zu pfiegen und ihnen aufzuwarten. Vey dem Abschiede frug mich die Aebtißin, ob ich mit allen ihren Einrichtungen zufrieden wäre. Und nachdem ich mich erklaret hatte, daß sie mir gesielen, ob die iebens« art gleich sehr gezwungen wäre, sagte sie mir weiter, daß sie mit ihren Schwestern Gott für mich herzlich bitten wollten, daß ich gut Rsmisch - Eatholisch gesinnt würde. Ich antwortete darauf, daß mir noch mehr darum zu thun wäre, ein guter Christe zu seyn und zubleiben, und vaß ich zur Vergeltung für ihre mir ertheilte Ehre und ihre Quebec. 425 ihre Gebete, nicht unterlassen wollte, Gott eifrig anz,u ruffen, daß er aus ihnen gleichfalls gute Christen machen mochte; denn dieß wäre die höchste Stuffe einer wahren Religion, zu der man hier in der Sterblichkeit gelangen könnte. Worauf sie mit einem angenehmen iächeln Abschied nahm.^ Verschiedene hier in der Stadt, ft gar unter den Frauenzimmern sagten, daß sich selten eine von den Nonnen in das Kloster begeben hätte, ehe sie schon zu einem solchen Alter gekommen wäre, welches ihr einen starken Zweifel erwecket, weiter verheyrathet zu werden. Fast in allen 3 Klostern hier in Quebec sahen die Nonnen sehr alt aus, so, daß der erwähnte Ausspruch nicht völ« lig ungegründet seyn wird. Man war hier überall darin einig, daß in Canada, sowohl auf dem iande, als in den Städten, bey weiten nicht so viele, Mannspersonen als Frauensleute wären. Dem, viele Mannspersonen sterben auf ihren Reisen; viele fahren nach den Westindischen Inseln, und sterben da entweder, oder lassen sich da nieder ; viele kommen in dem Kriege um u. s. f. Hieraus scheinet für einige Frauenzimmer eine Nothwendigkeit zu entstehen, in das Kloster sich zu begeben. Das Hsjpital machte, wie schon gemeldet worden, einen Theil des Klosters aus. Es bestund aus zweyen grossen Sälen und einigen Zimmern neben der Apotheck. In diesen Sälen nahm man an jedweder Seite zwey Reihen mit Betten, die eine innerhalb der andern, wahr. Die innern Betten neben der Wand waren mit Vorhangen verschen, die äussere aber waren offene Bettladen. In einem jedweden Bette lag ein schönes Bettzeug, mit . doppelten reinen tacken. So bald der Kranke das Bett Dd 5 ver- 426 !?49, im August. verlassen hatte, wurde dasselbe sogleich zurecht gebettet; damit alles hier im Hospital sauber, rein und ordentlich Ware. Die Betten stunden drey oder vier Ellen von einander ab, und neben einem jedweden war ein kleiner Tisch zugestellet. Es waren in diesem Saale gute eiserne Oesen und hübsche Fenster. Die Nonnen warteten den Kranken auf, und brachten ihnen Essen und alles was sie nöthig hatten, zu. Ausser ihnen befanden sich hier einige Mannspersonen zur Aufwartung, und ein Wundarzt. Der Königl. Arzt war auch verbunden, ein oder mehr mahl des Tages Hieher zukommen, nach allem zu sthen, und das nöthige zu verschreiben. In dieß Hospital werden gemeiniglich kranke Soldaten aufgenommen, deren es vornehmlich zu der Zeit, wenn die Schiffe des Königs ankommen, welches mehrentheils im Julius und August geschiehet, und zur Kriegeszeit, eine grosse Menge giebt. Zu andern Zeiten aber, wenn unter den Soldaten nicht Viele krank sind, können auch andere Arme, und zwar so viele, als Stellen und Betten ledig sind, eintreten. Der König giebt hier alles, was zu der Verpflegung der Kranken, dem Essen, den Arztneimitteln, der Warme, u. s. f. erfordert wird. Man hatte besondere Zimmer für dieje« nigen, die sehr krank waren, damit sie nicht von dem Geräusche, das indem grossen Saal vorfallt, beunruhigt werden mochten. Es war hier überall gewohnlich, daß, wenn/emand niesete, die Gegenwartigen eine Verbeugung machten. Bey den Engländern und Hollandern geschahe dieß aber fast niemahls. Es mögen andere urtheilen, welches von beiden mehr zu billigen sey. Auf der Gaffe nimmt man den Quebec. 427 den Hut blos vor Bekannten und den Vornehmen, nicht aber vor allen ab. Junge ieute behielten oft den Hut in dem Zimmer, wo Frauenzimmer waren auf; doch nah» wen ihn die meisten, vornehmlich die Aeltern, bey der Gelegenheit ab. Die Frauenzimmer kräuselten und pu-' derlen ihre Haare täglich, und legten sie jeden Abend mit Papier in iocken; womit aber die Frauenzimmer in den Englischen Kftanzstadten fast niemahls ihre Zeit verderben. Die Mannsleute trugen meistentheils ihre eige, nen Haare mit umgebundenen Beutel. Einige giengen auch in einer Veutelperücke. Die meisten von den ältli-l chen hatten entweder lock - oder glatte Perücken. Sehr ' wenige von den Vornehmen trugen einen Zopf in den Haaren. Bey den vornehmern Mannsleuten war es stark in Gebrauch, aMnierte Kleider anzuziehen. Alle, ^ die sich in den Diensten der Krone befanden, giengen mit Degen. Wenn die Mannspersonen, so gar die vornehm« sten von ihnen, den Generalguvernor ausgenommen, in der Stadt ausgiengen, und es sich nach dem Regen an, ließ, so trugen sie ihre Mantel selbst auf dem linken Arme. Wenn jemand in ein Haus kam, wo er Bekannte hatte, und einige Zeit nicht da gewesen war, so grüssete er sie, von welchem Geschlechte sie auch waren, mit einem dop» pellen Kusse. Die pflanzen/die ich hier in Canada fast jeden Tag sammlete und anzeichnete, und zum Theil beschrieb, gehe ich nun, wie vorher mit Fleiß vorbey, und will dir Gedult meiner ieser mit deren Hererzählung nicht ermü« den, Ausserdem würde diese Reisebeschreibung, wofern ich meine fast täglich gemachten Botanischen Wahrneh- M MUN' !> 5 428 !?49/ i" August. mungen, und die Beschreibungen von verschiedenen Thieren , Vögeln, Insekten, Erd - und Vergartcn, mit andern ahnlichen Merkwürdigkeiten einrücken wollte, zuverlaßig sechs, wofern nicht zehnmahl grösser und wcitläuftiger, als sie jetzt ist, werden. Welcher Buchdrucker aber hier in Schweden wollte und konnte ohne grossen Schaden ein solches Werk auf eigene Kosten verlegen? Ich verspare daher dieß alles, welches meistentheils in trockenen Beschreibungen von Sachen, welche die Naturgeschichte be, treffen, bestehet, auf eine Eanadische Flora, und auf andere Nebenarbeiten. Eben dieß sage ich auch von den Bemerkungen, die sich auf die Arztneikunde beziehen. Ich sammlete zwar sehr fleißig alles, was ich auf dieser Reise von dem medicinischen Nutzen der Amerikanischen Pflanzen, und von verschiedenenM)auscuren erfahren konnte, unter denen einige nicht an einem, sondern an mehrern Orten für ganz zuverlaßig * ausgegeben wurden, so, daß sie mit unzählichen Beispielen alle Einwürfe dawider zu ersticken sich getraucten. Da aber die Arztnei-gelahrtheit nicht meine Hauptsache gewesen ist: (ob ich gleich von der zarten Jugend an ein grosses Gefallen an derselben bey mir verspüret habe,) so hat es sich leicht zutragen können, daß ich, indem ich den medicinischen Nutzen von ihnen und die Hauscuren aufgeschrieben, von ohngefähr einen merkwürdigen Umstand ausgelassen habe, da man doch in medicinischen Fallen niemahls genau genug seyn kann. Daher dürften die Aerzte einen geringen eber gar keinen Nutzen einer solchen Anzeichnung schöpfen, wenigstens dieselbe nicht so finden, wie sie mit Recht hätte seyn * Souverain. Quebec. 429 seyn sollen, llnd aus der Ursache bitte ich mich zu entschuldigen, wenn ich in der Folge, so viel als möglich ist, solche zur Medicin, und ausser meinen Einsichten gehörigen Sachen anzuführen vermeide. Die Menge der Quacksalber oder derjenigen, welche ohne Verstand und gründliche Einsicht in der Medicin, alles was sie in den Büchern, es mag auch seyn von wem es wolle, von der Heilung der Krankheile» angemerkt finden, gewissenlos versuchen, ist leider! schon ausserdem zu groß, als daß ich dieselbe zu vermehren oder zu befördern nöthig hätte. Was die Canadischen Gewächse anbelangt, so darf ich nur hier kürzlich anführen, daß je weiter man in dem nördlichen Amerika nach Norden kam, desto mehr sich die Menqe und die Anzahl der Pflanzen, die bey uns hier in Schweden wild wächst, Dermehrete; so daß gleich an der nördlichen Seite von Quebec der vierte Theil, wofern nicht mehr, von den daselbst wild wachsenden Krautern, Schwedische sind. Eines und des andern Gewächses oder Baumes, der einen besondern Nutzen oder Eigenschaft hatte, will ich doch kürzlich in der Folge gedenken. Der Rennthiermooo * wuchs ziemlich hausig in den Wäldern hier aussen vor Quebec. Der Herr Gault-thier und verschiedene andere berichteten, daß die Fran, zosen, wenn sie ihr Essen auf langen Reisen, die sie durch grosse Wälder wegen des Handels mit dem Fellwerke bey den Wilden unternehmen, verzehret haben, diesen Moos, aus Mangel einer bessern Nahrung, kochen und das De« roct davon trinken, welches etwas nähren soll. Ver- schie- * Liehen rangdennus. 4)O I?49/ im August. schiedene von den Franzosen, die in der Terra iabrador gewesen sind, woselbst sich eine Menge von Renntieren, welche die Franzosen und die Wilden hier im iande Caribau nennen, aufhält, erzählten, daß die ganze Erde, an den meisten Orten bey Terra iabrador, mit diesem Moose bedeckt, und davon schneeweiß ist. Vom zehnten. Heute war ich bey den Herren Jesuiten zur Mahlzeit. Ich hatte ein paar Tage vorher bey ihnen Besuch abgeleget, worauf den folgenden Tag der Vorsteher mit einem andern von den Vätern zu mir kam, und mich ersuchte, heute bey ihnen zu Mittag zu essen. Ich war erst bey dem Gottesdienste in ihrer Kirche zugegen, welche einen Theil des Hauses, worin sie woh, nen, ausmacht. Sie ist auch sehr hübsch inwendig, ob sie gleich keine Sitze hat, sondern die ieute fast unter dem ganzen Gottesdienste genöthigt sind auf den Knien zu liegen. Oben auf der Kirche ist ein kleiner Klockenthurm, worin auch eine Schlaguhr mit Zeiger besindlich ist. Das Gebäude, worin die Jesuiten wohnen, ist prächtig ge, baut, und sieht beides inwendig und äusserlich softortref-lich aus, daß es mit einem schönen Schlosse Aehnlichkeit hat. Es besteht aus Stein, ist drey Stokwerke, ohne den Voden mit zu rechnen, hoch, mit Schiefer gedeckt, und in Viereck, eben wie das neue Schloß in Stockholm gebaut, und schließt in der Mitte einen grossen Hof ein. Die Grosse ist beträchtlich, so daß wohl zoo Familien bequem Platz darin finden könnten, obgleich jetzt nicht viel mehr als 20 Patres hier wohneten. So sind ihrer aber doch zu andern Zeiten weit mehr; als wenn die/cnigen zurück kommen, welche auf Mißionen in dem iande verstreu- Quebec. 431 streuet sind. Nach der tange einer jeden Seite in dem Viereck läuft in jedwedem Stockwerke ein langer Gang, an dem zu beiden Seiten entweder Kammern, Säle oder andere Zimmer für die Patres, wie auch ihre Bibliothek, Apothek u. f. f. abgetheilt sind. Es ist alles sehr gut ein-gerichtet, und wohnen die Jesuiten hier überaus bequem. Aussen vor ist ihr Collegium, welches an zweyen Seiten von einem grossen Baum-und Küchengarten mit Alleen und Gangen umgeben ist. Ein Theil der hier besindli» chen Bäume sind Ueberbleibsel von dem Walde, der hier stund, als man die Stadt zu bauen anfieng. Sonst sind viele Fruchtbäume hier gepflanzt worden, und der andere Garten ist mit allerhand Gewachsen, die für die Küche dienlich sind, angefüllt. Die Patres assen zusammen in einem grossen Saal. Es stunden Tische rings herum neben den Wanden, und Stühle zwischen den Tischen und der Wand, aber keine nach der Erde hin. Neben der einen Wand war eine Kanzel, die einer von den Vätern bcy der Mahlzeit bestieg, um in einem geistlichen Buche zu lesen. Heute unterließ man dieß aber, und wandte alle Zeit zur Unterredung an. Man aß hier sehr gut, und wurden Gerichte in so grosser Menge, wie bey unsern größten Gastmahlern, aufgetragen. In die« sem ganzen grossen Gebäude erblickte man keine Frauenspersonen, sondern nur Patres oder auch Fratres, welche letzter« die iüngern sind, die zu Jesuiten erzogen werden. Und diese waren es, welche das Essen anrichteten und' auftrugen. Denn die gemeinen Bedienten wurden nicht zugelassen. Die Jesuiten gehen hier zu tande auf fol» gende Art gekleidet. Sie gebrauchen alle ihre eigenen Aiare, welche etwas kurz abgeschnitten find. An dem Schei- 4)2 1749, im August. Scheitel sind sie geschoren, und siehet man da eine kahle Stelle. Die Aeltern tragen eine Kalotte von schwarzem Tuch; die Jüngern gehen aber mit dem blossen Haupt im Hause, oder setzen auch einen herabgelassenen Hut auf. Sie schären alle den Vart, so wie es überhaupt bey den Franzofen in Canada gebrauchlich ist, ab. Das Halstuch war schwarz und bestund oft selbst aus dem Kragen deS Rockes. Der Rock war ein schwarzer ieibrock, der doch bis auf die Schuhe herab hieng. Sie knöpften ihn dicht an dem ieibe mit Knöpfen vorne zu, und über den Mit, telleib wurde er noch dazu mit einem schwarzen Vande angebunden. Unten war er vorne mit Knöpfen so zugeknöpft, daß man kaum die Strümpfe, sondern nur die Schuhe sehen konnte. Sie bedienten sich oft der Pan, Toffeln anstatt der Schuhe. Ueber den ieibrock zogen sie ' gemeiniglich einen Oberrock, der doch dicht ansaß, und nicht völlia bis auf die Knie reichte. Sie hatten keine solche Kragen als die Prediger, noch Halbermel. Die Hemdermel waren auch nicht vorne zu sehen. Die Aelte-sten trugen schwarze Mützen, welche fast wie ein Zucker« huth gestaltet waren, mit einem Busche zu öberst. Diese setzten sie auf ihre Kalotte. Es befinden sich hier in Canada, ausser dem Vischoffe, dreyerley Arten Geistliche, nehmlich Jesuiten, Priester, und Barfüssermünche oder die hier so genannten Recolets. Die Jesuiten sind wohl ohnfehlbar unter diesen die vornehmsten. Man sagt auch hier gemeiniglich, als in ei, nem Sprichworte: um einen Varfüssermünch zu bilden, kann man mit einem Beile zu recht kommen, zu einem Priester braucht man schon den Meisscl, aber zu einem Iesui- Ouebse. 433 Jesuiten muß man einen Pinsel haben *; um damit zu zeigen, wie sehr der eine den andern überträffe. Die Jesuiten sind gemeiniglich sehr gelehrt, studieren stark, sind sehr höfiich und überaus angenehm in Gesellschaften. Es leuchlet bey allem, das sie unternehmen, etwas gefälliges hervor, so, daß es kein Wunder ist, daß sie-die Gemüther der teute einnehmen können. Die reden sehr selten von Retigionssachen; und wofern es geschiehet, so vermeiden sie mehrentheils all» Streitigketten. Anstatt dessen sind sie sehr dienstfertig und willig einem an die Hand zu gehen, so daß sie einem, wenn sie nur einiger massen merken, daß man in einer Sache ihre Hülfe ver, langt, oder auch an etwas Gefallen hat, kaum Zeit lassen , davon zu reden, ehe sie es schon bewerkstelligt haben. G UebrigenS ist alles, was sie reden, sehr gelehrt und ange-nehm, und kann einem die Zeit nicht gern in ihrer Gesell, schaft lang werden. Unter allen Jesuiten, mit denen ich in Canada umgegangen bin, habe ich nicht einen einzigen gefunden, der nicht diese Eigenschaften) und zwar in einem hohen Grade gehabt hätte. Sie besitzen hier im iande grosse Eigenthümer, welche ihnen von dem Könige in Frankreich geschenkt worden. Bon ihrem prächtigen Collegia und ihrer schonen Kirche hier in Quebec habe ich > kurz vorher geredet, In Montreal haben sie auch eine hübsche Kirche und ein kleines nettes Haus mit einem kleinen, doch hübschen, Garten innerhalb. Es ist ihnen niemahls darumzuthun, Pastoren oder Eapelläne bey einer ?M Pour faire urf Recotet il saut une hache«e,pour unPretre £ un ciseau, tnais pour un Iesuite il saue un pinceau. * stiftn iu HfytiU £e 434 '749, im. August. einer Versammlung, weder in den Städten noch auf dem iande zu werden; sondern sie überlassen diese Geschäfte und die davon fiiessenden Einkünfte den Priestern. Ihre einzige Arbeit hier im icmde ist, Heiden zu bekehren; und in der Absicht haben sie ihre Mißionarien überall. Fast bey einem jeden Dorfe oder Stadt, welche den bekehrten Wilde» zugehört, wohnt ein oder ein paar Jesuiten, txe genau Acht geben, daß die bekehrten Wilden nicht wieder zum Heidenthum znrück fallen, sondern daß im Gegentheil all ihr Wandel christlich seyn möge. Dergestalt Pndet man Jesuiten bey den bekehrten Heiden in Tadouf, sac, iorettc, Veccancourt, St. Francois, Sault St. touis, und überall in Canada, wo sich bekehrte Wilden aufhalten. Sie haben gleichfalls ihre Mißionarien bey den Unbekehrten, so daß sich gemeiniglich in einem grof» sen, den Wilden zugehörigen Dorfe, ein Jesuits besin-det, der bey aller Gelegenheit sie dahin zu bringen sucht, sich zu bekehren. Er begleitet sie des Winters auf ihre Jagd, woselbst er oft alle mögliche Beschwerde ausstehen muß: als den ganzen Tag im Schnee zu wandern; im ganzen Winter fast beständig unter freyem Him» mel zu liegen; sowohl'bey schlimmen als guten Wetter aus zu seyn, indem die Wilden sich vor keiner Witterung scheuen; in ihren Hütten, wo es oft von lauter Flöhen und anderm Ungeziefer wimmelt, zu liegen, u. s. f. Und dieß alles unternehmen die Jesuiten, theils um die Wilden zu bekehren, theils wegen Staats, und anderer Ur, fachen. Der König von Frankreich hat von den Iesui» ten einen sehr grossen Nutzen. Denn sie können oft die Wilden, wozu sie wollen, überreden, als Bündnisse mit den Engländern aufzuheben, Krieg gegen sie anzufangen, alle ihr Hueßec. 435 ihr Pelzwerk den Franzosen zuzuführen, den Englandern nicht zu erlauben, zu ihnen hinzureisen, und anderes ahn» liches. Es haben aber auch die Jesuiten nicht immer so gute Tage hiebey. Denn bisweilen geschiehet es, daß' die Wilden, nachdem sie sich betrunken haben, sich kein Gewissen machen, die Mißionarien, die bey ihnen wohnen, umzubringen, welche sie dann für Spionen ausgeben; oder sie bringen hernach zur Entschuldigung vor> daß nicht sie, sondern der Branntwein dieselben umgebracht hatte. Dieß sind also die vornehmsten Beschäftigungen der Jesuiten in diesem lande. Sie gehen nicht in den Städten herum, um Kranke zu besuchen; sie halten keine Beichte, und wohnen keinen Begräbnissen bey: Ich habe sie auch nicht in Proceßionen zum Andenken der Jungfrau Maria und anderer Heiligen mit folgen gesehen. Selten oder niemahls gehen sie hier in ein Haus, um Essen zu erhal« ten; und wenn man sie ersucht Hu bwlben und mit zu essen, so thun sie es nicht gern, ausgenommen auf Reisen. Daher habe ich auch in Städten bemerkt, daß, wcnn sie so lange, bis das Essen aufgetragen worden, zurückgeblieben, sie alsdenn mehrentheils weggegangen sind. Und daher nöthigt man sie auch selten darzu, indem man weiß, daß es fast immer umsonst ist. Aber ein Glas Wein oder etwas Eingemachtes nehmen sie bisweilen, doch auch nicht ohne gebeten zu werden. Ein jeder merkt leicht, daß sie gleichsam aus allen andern wegen ihres grossen Genies und besonderer Eigenschaften auserlesen sind. Man hält sie auch durchgängig hier in Canada für sehr verschlagene Kopfe, die fast in allen Dingen, die sie unternehmen, durchdringen, und an Spihfündigkeit alle andere über« treffen. Daher merkte ich auch zu mehrern mahlen, daß Ee 3 sie 436 i?49/ iM August. sie hier in Canada gleichfalls ihre Feinde hatten. Sie nehmen selbst nicht andere in ihre Gesellschaft auf, als bey denen sie grosse Eigenschaften verspüren. Denn alle Dummköpfe sind hier ausgeschloffen. Im Gegentheil setzt man hier die Priester so, wie man sie bekommen kann; und noch weniger ist man bey der Wahl sorgfältig, wenn man einen z>um München machen will. Die Jesuiten, die sich hier im tande aufhalten, sind hier nicht gebohren, sondern alle aus Frankreich gekommen. Sie mögen nun entweder schon damahls Jesuiten gewesen, oder auch hier zu iande erst ln den Orden eingetreten seyn; so ist es doch allezeit von solchen iehrlingen geschehen, die von Europa zuerst Hieher gekommen sind. Viele von ihnen bleiben nur einige Jahre hier im iande, und reisen hernach wieder nach Europa. Einige, (unter denen 5 oder 6 noch leben sollen) die in Canada gebohren worden, sind nach Frankreich hinüber ^^iset', und daselbst, nachdem sie die gehörigen Proben abgelegt, zu Jesuiten angenommen worden. Es soll aber niemand von ihnen jemahls zurück gekommen seyn, sondern sie sind alle in Frankreich geblieben. Was für eine Ursach oder Staatsklugheit darun» ter ma^ verborgen liegen, kann ich ehen nicht bestimmen. Während meines Aufenthaltes in Quebec übergab einer von den Priestern, mit EinwilligungdeS Bischoffes sein l Pricsteramt, und gieng zu den Jesuiten über. Den an-dern Priestern war dieß doch nicht sehr mit, weil es aus, sahe, als hatte er ihren Stand zu gering geachtet. Vey den Gemeinen, die den Jesuiten Schätzung geben, wird doch aller Gottesdienst von den Priestern gehalten, welche der Bischoff setzt, die Jesuiten haben nur den Grundzins davon. Weder die Jesuiten, noch Prediger, treiben Quebec. 437 ben hier einen Handel mit Pelzwerk oder sonst etwas, sondern dieß allss gehört den Kaufleuten zu. Des Nachmittags legte ich einen Vesuch in dem so genannten Semmario, oder da, wo die Priester alle beysammen wohnen, ab. Sie haben hier ihr abgesondertes Haus, das von Stein erbauet^ groß und mit Gangen und Zimmern an den Seiten versehen ist. Es ist einige Stockwerke hoch. Neben bey lag ein schöner Gar, ten, der voll von verschiedenen Arten Fruchtbäumen ist, wie auch von allerhand Küchengewachsen, nebst Alleen und Gängen, die zum Spatzieren gemacht sind. Die Aus' ficht von diesem Garten war unter allen, die ich hier sahe, die anmuthigste. Die Herren Priester des Seminari-ums gaben den Herren Jesuiten an Höflichkeit und angenehmen Umgänge nicht viel nach. Und daher brachte ich die Zeit in ihrer GesellschaftWit vielem Vergnügen zu. . Die priestev sinp die andere Art von Geistlichen in diesem iande, welche auch zugleich davon die größte Anzahl ausmachen. Denn die meisten Kitchen in den Städten sowohl, als alle Gemeinen auf dem iande, wenn man die bekehrten Wilden ausnimmt, werden durchge-hends von Priestern besorget. Sie sollen gleichfalls einige wenige -Mißionarien haben. Hier in Canada 'giebt es zwey Seminarien, nehmlich in Quebec und Montreal, deren ein jedes ihren Vorsteher hat, ohne daß der eine von dem andern auf einige Weise abhängen sollte. Die Priester, die zum Seminario in Montreal gehören, sind alle von dem Orden des heiligen Sulpicius, und bedienen nur die Versammlungen, die auf der Insel Mow treal, und der Stadt gleichen Namens befindlich find. E« 3 Allen 4;8 1749/ im August. Allen den übrigen aber in diesem lande stehen diejenigen vor, welche von dem Seminario in Quebec herkommen. Die erster«, oder von dem Orden des Sulpicius' sind alle aus Frankreich. Und man versicherte, daß man nie« Mahls einen einheimischen von Canada in denselben eintreten lassen. Aber in dem Seminario zu Quebec machen die im iande gebohrnen den größten Theil aus. Um fähige Kopfe untrr den iandeskindern hiezu anzuführen, sind sowohl in Quebec als zu St. Joachim, Schulen ge, setzt, worin die Jugend im iatein und in andern zu eben dem Amte gehörigen Stücken und Wissenschaften unter« richtet wird. Man soll doch hicbey in der Wahl nicht allezeit so genau seyn, sondern oft auch solche dazu anneh« men, welche nur eine mittelmäßige Fähigkeit besitzen. Im iatein scheinen einige es nicht eben so gar weit gebracht zu haben. Denn obgleich fast aller Gottesdienst von den Priestern auf latein gehalHft wurde, und ob sie gleich täglich ihr Vreviarium und andere Bücher in dieser Sprache lasen, fiel es doch vielen sehr schwer, dieselbe zu reden, All? Priester aus dem Seminario in Quebec, werden von dem Bischofs in Canada eingesegnet. Die ^Kleidung der Priester hicfelbst unterscheidet sich von der Jesuiten ihrer vornehmlich darin, daß sie entweder weisse oder hellblaue Kragen haben. Wenn sie auf Reisen wa, ren, führten sie allezeit ihr Vreviarium y» einem kleinen ledernen Beutel mit sich, den sie um den Hals oder den Arm hiengen. Sie lasen zum öftern darin, so, daß es schien, als waren ihnen gewisse Stücke täglich aus demselben zu lesen vorgeschrieben. Der König hatte beiden Seminarien hier im iande sehr grosse Eigenthümer ge, schenkt. Das in Quebec soll jährlich seine Einkünfte auf mehr Quebec. 439 mehr als 30,000 iivrcs schätzen können. Das ganze land an der westlichen Seite des lorenzfiusses, von der Stadt Quebec an, ganz bis auf die Vaye St. Paul hin-unrer, geHort gänzlich den Priestern oder dem zu nächst gemeldeten Seminario zu. Nicht weniger hatten ße an verschiedenen andern Orten hier im lande grosse Eigenthümer. Sie verpachteten das land für einen gewissen /ährlichen Grundzins an einen jedweden, der sich da niederlassen wollte; und konnte da nachgehends Kind auf Kind ungestöret wohnen bleiben, so lange man nur das « bezahlte, was man sich in dem Kaufbriefe jährlich zu er- ^ legen anheischig gemacht hatte. Gemeiniglich gab man für ein land von 3 ArpentS in der Breite, und 30, 40', ^ oder 50 Arpents in der länge, jährlich «inen Ecü, wie auch ein Paar Hühner und sonst etwas kleines, als Schätzung. An den Orten, wo bequeme Wasserfälle waren, hatten die Priester Waffer- öder Sagemühlen bauen las, sen, wo sie durch den Mühlenzoll und das Sägen derH ' Bretter jährlich ansehnliche Geldsummen sammleten. Das Seminarimn in Montreal ist von dem ganzen Grunde, worauf die gemeldete Stadt stehet, zugleich mit der ganzen Insel Montreal, Eigner. Es wurde mir versichert, daß es an Grundzins sowohl, von der Stadt, als von dem lande daherum auf der genannten Insel jahrlich über 70,000 livres ziehet, ohne das mit zu rechnen, was es für Messen, Taufen, Beichten, Hochzeiten, Begräbnis« fe und so ferner, einnimmt. Alles das Geld und die Einkünfte, welche für den Grundzins einlaufen, gehören den Seminarien zu, ohne daß die Priester auf dem lande das geringste davon erhalten. Und da das Seminarium in Montreal, das blos aus 16 Priestern bestehet, mehr Ee 4 Geld - 440 1749/ im August. Gelb des Jahrs bekommt, als es nöthig hat: so wirdeine Summe davon jahrlich nach Frankreich zu dem Haupt' Seminario hinüber geschickt. Der Grundzins der für das Seminarium in Quebec einfioß, wurde theils zu dem Gebrauche der Priester im Scminario, theils auch zum UnteHalte einer Mettge junger ieute, welche zu Priestern auserzogen wurden, angewandt. ' Die Priester, die aussen auf dem iande bey ihren Gemeinen wohneten, halten ihr Auskommen von dem Zehnten, den ihnen ihre Zuhörer gaben, und von der besondern Bezahlung, die ihnen für die Besuche bey den Kranken, Hochzeiten u. s. f. abgetragen wurde. An den Orten, wo die Gemeinen klein und die Einkünfte gering waren, bekamen sie von dem Konige besondere Zulagen. Wenn ein Priester auf dem tande alt wurde und sich Verdienste erworben hatte, wurde ihm zuweilen vergönnet, in das Seminarium der Stadt einzutreten, und da seine übrige iebenszeit zuzubringen. HEin /edes Seminarium hat Freyheit, dem iande, wovon es Eigner ist, die Priester zu setzen; aber alles dasübri« ge versieht der Bischofs allein mit Priestern. Die Barfüffermünche machten den dritten Orden von den Geistlichen hier im. iande aus. Von den Franzosen wurden sie Recolets und von andern Francisia^ ttermüncbe genannt, indem sie den Regeln des heil. FranciscuS folgen. Sie besitzen hier in Quebec ein ziemlich grosses und einiger massen hübsches Gebäude, worin He wohnen, wie auch eine hübsche Kirche > worin sie allen ihren Gottesdienst verrichten. Daneben liegt ein grosser schöner Garten, den sie selbst fieißig bauen. Fast von eben der Beschaffenheit ist ihre Einrichtung sowohl in Mont- Quebec. 44t Montreal als in Trois Rivieres. Sie bemühen sich eben nicht, zu diesem Orden die schlauesten Kopfe zu wählen, fondern sie nehmen dazu auf, wen sie bekommen können. Sie zerbrechen sich auch nicht den Kopf mit vieler Gelehrsamkeit, und versicherte man, daß sie, nachdem sie die Münchskleidung angelegt hatten, selten um ihre Kennt-^ Nisse zu erweitern, studierten, sondern mehrentheils daS Wenige, so sie vorher gclernet, vergaffen. Ihre Klek dertracht ist ein schwarzer iangrock von groben Tuche, der bis auf die Absätze hinab reicht. Hinten bey dem Kragen ? ^ dieses iangrocks hangt die Mütze, die wie ein Beutel angemacht ist, welchen sie bey schlimmen Wetter über den Kopf ziehen. Diese Mützen haben völlig mit den VeutelnAehnlichkeit, welche unsere Frauenzimmer jetzt an ihren Mänteln tragen, welche Gewohnheit vermuthlich erst von diesen München hergekommen ist. Auf dem Haupte haben sie kleine Kalotte. Das Haar rings um den Kopf ist kurz, und reicht nur bis auf die Ohren. Um die Mitte des ieibes haben sie ein schmahleS kurzes Seil hm Hanf gebunden, welches einige mahl um den ieib geschlungen ist. Des Sommers gehen sie barfuß mit Holzschuhen unter den Füssen, doch so, daß der ganze Fuß über dem Schuhe blos ist. Im Winter aber tragen sie Strümpfe. Sie bedienen sich keines Hemdes von tein-wand, sondern eines wollenen Hemdes.oder wollenen Ka« misols zunächst an dem teibe. Wenn sie in einer Pro« ceßion giengen, hiengen sie äusserlich-über den iangrock einen schwarzen Mantel, der bis auf den mittlern Theil des ieibes hinab reichte. In der Nacht liegen He nicht gern in einem Vette, sondern gemeiniglich aus einer Matte oder sonst etwas hartem auf der Erde; ob ich gleich Ee 5 ab 442 1749/iM August. ab und zu ziemlich gute Vetten bey ihnen angetroffen habe. Sie habe« hier im iande kein Eigenthum, indem fie das Gelübde der Armuth gethan haben; sondern sie leben blos von Allmosen, welche ihnen die ieute geben. Zu dem Ende haben sie ihre Fratres oder jungen Münche> > welche init einem Sacke in die Häuser gehen, und bald dieß bald jenes, was sie nöthig haben, als Holz, Brot, Fleisch u. s. f. begehren. Auf dem iande haben sie keine Gemeine. Doch sollen sie bisweilen bey den Wilden * Mißioncrrien abgeben. Aber in einer jeden Vestung, wo 40 Mann sich besinden, halt der König einen von diesen München, anstatt eines Priesters, welcher daselbst den Gottesdienst verrichtet, die Beichte hält, das Abendmahl reicht und ähnliche Verrichtungen hat. »Ein solcher hat dann von dem Konige dafür frey Essen, Wohnung, Auf' Wartung, und was er nöthig hat, wie auch ausserdem 20Q tivres deS Jahrs zum Gehalte. Die Hälfte von diesem Gelde schickt er der Eommunitat, von der er ist, zu, nehmlich entweder nach Quebec oder Montreal, und die andere Hälfte wendet er zu seiner Nothdurft an. Auf den Konigl. Schiffen werden auch gemeiniglich nicht an, here Priester als diese Münche gebrauchet, welche hier deswegen alck des Königs ieute angesehen wurden. Wenn ein Hauptpriester * auf dem iande stirbt, und die Stelle in der Eile nicht beseht werden kann: so schickt man einen von diesen München dahin, um dem Gottesdienste vorzustehen, bis man einen neuen Priester ernennen kann. Ein Theil von diesen München kommt aus Frankreich, andere aber werden von Leuten, die in Canada gebohren sind, - kaKor. ' Quebec. 44; sind, genommen. Ausser diesen München giebt es hier im iande keine andere, ausgenommen, daß ein Augusiiner-nninch, oder sonst einer, bisweilen auf einem hieherfahrenden Schiffe des Königs mitfolgen kann. Er geht aber auch zugleich mit demselben weg, und bleibt hier nicht zurück. VHM eilfcett. Des Morgens spatzierete ich zugleich mit dem Konigl. Arzte, dem Herrn Gaulthier, vor der Stadt, theils um Pfianzen KU suchen, theils um das Nonnenkloster zu besehen, das in einiger Entfernung von Quebec liegt. Dieses Kloster, welches prachtig von Stein erbauet ist, liegt an einem attmuthigen Orte, und ist mit Aeckern, Wiesen u.nd iaubwäldern umgeben, wovon beides die Stadt Quebec und der iorenzfiuß sehr gut wahrgenommen werden kann. Ein Hospital, welches für alte arme ieute, Krüppel u. s. f. eingerichtet ist, macht hier einen Theil des Klosters aus, und ist in zwey Säle ein« getheilet. Der eine ist nehmlich den Mannspersonen, und der andere den Frauensleuten gewidmet. Die Nonnen warten beyderley Geschlechtern auf; doch mit dem Unterscheide, daß sie nur für die Mannspersonen das Essen zurichten, dassslbe ihnen hinein trllgen, ihnen Arztneimittel eingeben, das Essen von dem Tische wegsetzen, und die übrigen Geschäfte den Mannsleuten überlassen; daß He aber in dem Saale, wo sich dje Frauensleute befinden, alle Aufwartung besorgen. UebrigenS war die Einrichtung mit den Betten und s. f. eben die« selbe, als in dem oben beschriebenen Hospital zu Quebec. Um mir eme besondere Gunst zu erzeigen, hatte der Bischoff auf Begehren Yes Generalguvernors, Marquis la Galisso- njfre. 444 1749/ l'M August. niere, mir auch verstattet, in dieß Kloster zu gehen, wo-kin sonst keine Mannsperson ohne seine Erlaubniß kommen kann, und welche Ehre einem sonst selten wiederfahrt. Ich würde in der Gesellschaft des Herrn Gaulthicr von der Aebtißin fast in alle Zimmer geführt, und von einer grossen Schaar Nonnen begleitet. Die meisten von denen, sie sich hier befinden, sind von adelichem Herkom, men. Die eine, so mir folgte, war eines GuvemörS Tochter, welche eine vornehme Mine hatte, und sehr stark gewachsen war. Sehr viele von den Nonnen waren alt; dabcy gab es aber auch viele junge, die recht gut aussahen. Cs schienen alle in diesem Kloster weit mehr gefalliges Wesen beides in der Rede und den Geberden zu besitzen, als in dem vorigen Kloster. Die Zimmer waren hier eben so, wie in dem vorigen eingetheilet, nur daß man in. ihrem Schlafgemache etwas mehr Hausgeräthe antraf. Das Vett war nehmlich mit blauen Vorhängen behängen, man sahe ein paar kleine Vyroen und einen kleinen Tisch darzwischen, ein paar Stühle und einige Bilder an den Wanden. Es war aber in keinem Zimmer ein Kamin oder eiserner Ofen. Als ich darnach frug, wurde mir zur Antwort gegeben, daß sie auf alle Weise ihren ieib tauben mästen. Aber »ren auch diese, weisse Canadische Wallnüsse, in Zucker, und Birnen und Acpfcl in Zucker oderZuckersyrup .eingemacht, Aepftl in Weingeist verwahret, kleine Citronen von den Amerikanische«Anseln in Zucker, Erdbeere in Zucker, syrup, And die Wurzel der Angclick in Zucker eingemacht. Dicsrs Kloster soll ziemlich grosse Einkünfte ziehen. Es halte oben auf dem Gebäude einen kleinen Thurm mit einer Klocke. Wenn man bedenkt, wie grosse Gegenden hier in Canada den verschiedenen Klostern, dcn Jesuiten, Priestern «nd verschiedenen Herrschaften geschenkt und.abgetreten find: so scheinet es, als wenn der König nicht sehr viel für sich selbst zurückbehalten hättn . Die 4^ 1749/ im Julius. Die Hittdbeere, und zwar unsere gewöhnlichen, wuchsen hausig auf den Anhohen neben Aeckern, Strömen und Bachen, so daß dicZweige bisweilen von ^n Beeren ganz roth aussahen. Sie waren Mt zum Theil reif. Diese Beere waren eine von den Früchten, die aufTcllcrn als ein Desert gleich nach der Mahlzeit aufgesetzet werben; und dann ißt man sie entweder wie sie auf dem Teller liegen, oder mit suffer Milch und Zucker dazu gerieben. SonH verwahrete man sie auch im Winter zu eben der Absicht auf die Weise, daß man die Beere, nachdem man sie in Zuckergläser geschüttet hatte, mit Zuckersyrup begoß.. Der VoZelbeerdaum * war ziemlich gemein in den Wäldern. O O Der Nordostwittd wurde von.allen für den durchdringendsten an diesem Orte gehalten. Sehr viele, »so gar von den vornehmsten, versicherten mich, daß dieser NHstd, wenn er im Winter stark bläset, sich so durch ziem, lich dicke Mauern durchbringet, daß die ganze Wand an der innern Seite des Hauses mit Schnee oder einem dicken Reif überzogen wirb. Ja, wenn jemand alsdann ein ticht an dieser innern Seite, wohin der Wind streichet, bey einer dünnern Mauer ansetzt; so soll es fast verlöschen wollen. Dieser Wind macht', daß Steinhauser und Schorsteine an der nordöstlichen Seite bald Schade», nehmen, so daß die Mauer sich da schiefert, und der Thon mit dem Kalk sich abftndert und lvegfällt. . Daher sind sie oft auf dieser Seile genöthigt, das Haus auszubessern. Der * 5»rbu5 aunHari«. Quebec. 4^ Der Nord-und Nordosiwind werden auch hier für die allerkältesten gehalten. Des Sommers führt der Nordostwind gemeiniglich Regen mit. Der Unrersiheid zwischen dem Climate inQue-bec und Montreal, wurde von allen als sehr groß beschrieben. In Montreal ist der Wind und die Witterung oft von ganz anderer M als in Quebec. Der Winter ist auch da bey weiten nicht so kalt, als an dem letzt genannten Orte. In Montreal wachsen sehr schone Birnen. Aber hier in Quebec wollen sie nicht fort: sondern der Baum verfriert oft im Winter. Gemeiniglich regnet es mehr in Quebec des Jahrs, und der Frühling kommt da spater, der Winter aber zeitiger, als inMontrcal. Im ^ Gegentheil werdendes Sommers alle Früchte eine Woche oder darüber eher an dem letztern Orte reift VHM Zwölften. Des Nachmittags begab ich Mich Mit meinem Bedienten Iungsiröm ausserhalb der Stadt, um auf dem ianbe ein paar Tage zu bleiben, damit ich desto besser sehen könnte, was sich hier m den Wal« dern für Gewächse befanden, und wie daS iand beschaffen wäre Damit wir desto besser fortkommen mochten, hatte der Generalauvernör Marquis ia Galissoniere einen von den Wilden in iorette hohlen lassen, der uns den Weg zeli gen, und den Gebrauch, den die Wilden von den hier wild wachsenden Pfianzen machen, bekannt machen sollte. Dieser war ein gebohrner Engländer, war aber vor 30 Jahren von den Wilden in iorette, als er ncch ein Knabe war, gefangen, und von ihnen als Kind, anstatt eines von ihren Angehörigen, den die Feinde umgebracht hatten, aufaenommen worden. Er hatte von der.Zeit an sich " bestän. 448 i?43/ im August. beständig bey ihnen aufgehalten, die katholische lehre an, genommen, sich mit einer Wildin verheyrathet; und jetzt kleidete er sich, wie die andern Wilden, und konnte gut Englisch und Französisch, nebst verschiedenen beydenWil, den üblichen Sprachen reden. Zur weitern Erläuterung desjenigen, was ich nun gesagt hübe, will ich hier nur kürzlich melden, daß die Wilden in dem nördlichen Ame« rika gemeiniglich die Gewohnheit haben, die Gefangenen, die sie im Kriege gemacht, anstatt ihrer Angehörigen, die sie verlohren, aufzunehmen; da dann der Gefangene eben die Vortheile, welche der Todte gehabt hat, genießet, und jetzt als der nächste VlutsfreMd angesehen wird. In den Kriegen zwischen den Franzosen und Engländern hier im iande, haben die Wilden, welche mit den Franzosen in Vündniß stehen, viele von beiderley Geschlecht in den Englischen Pstanzörtern zu Gefangenen gemacht, und sie hernach an Kindes Statt angenommen und mit wilden Mannern und Frauensleuten vcrheyrathet. Davon kommt es, daß das Gebläte der Wilden hier in Canada, zu jetziger Zeit, sehr mit dem Europäischen vermischt ist, so, daß ein grosser Theil von den jetzt lebenden Wilden ihren ersten Ursprung von Europa herleiten. Es ist auch merkwürdig, daß der größte Theil der Europäischen Gefangenen, die sie dergestalt im Kriege zu sich genommen, und unter sich einverleibet haben, insonderheit, wenn es in ihrer Jugend geschehen ist, niemahls wieder in ihren Geburtsort haben zurückgehen wollen, obgleich ihre Eltern und andere von ihren nächsten Angehörigen bey ihnen gewesen, und sie dazu zu überreden gesucht haben, und wenn es auch in ihrer Freyheit gestanden ist. Sondern sie haben lieben die freye iebensart der Wilden gemessen wollen. Zwischen Quebec und Lorette. 449 len, als bey ihren eigenen teuten den Europaern zu woh, nen; und die Kleidung der Wilden angelegt, und sich nach denselben in allen Stücken gerichtet. Man hat sie daher nicht leicht unterscheiden können, nur daß sie der Haut nach weiffer gewesen sind. Es giebt auch einige Beyspiele, daß so gar die Franzosen von selbsten zu den Wilden übergegangen sind und ihre iebensart angenommen haben. Im Gegentheil aber hat es sich kaum zugetragen , daß sich einer von den Wilden zu den Europäern hinbegeben hatte, und ihrer iebensart gefolget wäre. Sondern wenn sie im Kriege den Europäern in die Hände gefallen: so haben sie doch immer Gelegenheit gesucht, zu den Ihrigen wieder hinzukommen, wenn es gleich einige Jahre nach ihrer Gefangenschaft gewesen, und ihnen alle die Freyheiten, die ein Europäer jemahls genoffen hat, verstattet worden sind. Das iand, wo wir heute durchwanderten, war fast Überall entweder zu Aeckern, Wiesen oder Weiden angewandt. Fast überall stellten sich Häuser und Höfe, Herr, liche Aecker und schöne Wiesen dar. Neben der Stadt war das iand ziemlich ebe^n, und hin und wieder von ei, nem Bache mit klar fiiessenden Wasser durchschnitten. Die Wege waren sehr gut, breit, eben und zu beiden Seiten, wo das Erdreich niedrig war, mit Graben umgeben. Weiter von der Stadt ab, fieng sich das iand mehr und mehr, und zwar zu einer ansehnlichen Höhe zu erheben an, und bestund aus einem Absätze über dem andern. Diese Anhöhen waren doch ziemlich eben, meistentheils ohne Steine, und mit einer guten und reichen Erde bedecke. Aber etwas unter derselben lag mehrentheilS der Reisen ii. Theil. Ff hier 450 i?49/ im August. hier überall befindliche schwarze Kalkschiefer, der in sehr kleine Blätter zerfallt, und in der iuft zerwittert. Einige Schichten davon hatten eine Horizontelle, andere aber eine senkrechte iage, oder so, daß der eine Rand sich aufwärts und der andere niederwärts kehrete. Ich habe auch an andern Orten hier um Quebec wahrgenommen, daß dieser Kalkschieser eine solche senkrechte Richtung hat. Alle diese Anhohen waren angebauet. Man nahm auf denselben hin und wieder hübsche Kirchen, grosse vortrcf« liche Aecker, schone und wohlgebauete Höfe wahr. Die Wiesen lagen meistentheils unten in den Thälern, doch waren auch einige auf den Anhöhen,. Hier hatte man eine schone Aussicht. Nach Osten lag Quebec welches von hier sehr gut gesehen werden konnte, und einen Theil des iorenzftusses erblickte man auch. Weiter weg nach der südöstlichen Seile dieses Flusses, zeigte sich eine lange Reihe von hohen Bergen, welche mehrentheilS mit dem Flusse gleichlaufend, ob gleich viele Meilen von demselben weg waren. Nach Westen wiederum verwandelten sich die Verge, in einiger Entfernung von diesen Anhohen in eine andere Reihe von sehr hohen Bergen, davon der eine fast neben dem andern lag. Diese liefen gleichfalls paral« lel mit dem Flusse öder ohngefähr von Süden nach Norden. Diese hohen Berge bestehen aus grauem Fels, der aus verschiedenen Steinarten zusammen gesetzt ist, wovon ich unten weiter reden werde. Von diesen scheinet man einen Beweis nehmen zu können, daß der Kalkschiefer eben so alt, als der graue Fels, und nicht in den spätern Zeilen erst entstanden sey. Denn hier liegen diese ungeheuer grossen grauen Felsen zu öberst auf diesen Höhen, welche aus dem schwarzen Kalkfchiefer bestanden. Die Zwischen Quebec und Lorette. 451 Die erhabenen wiesin in Canada sind vortrestich, und haben vor denen, welche ich um Philadelphia ünd in den Englischen Pftanzörlern des nördlichen Amerika gesehen, offenbare Vorzüge. Je weiter ich in diesem iande nach Norden kam, desto schönere Wiesen, und desto dichter« und auserlesenem Graswachs bemerkte ich. Hier bestund fast alles Gras auf den hohen Wiesen aus einerley Gewächsen, nehmlich aus einer feinen und weichen Abänderung der schmahlblärterigen poa *. Denn die kleinen Aehren ** enthielten entweder drey oder vier Blumen. Sie waren aber äusserst klein, so, daß man das Gras leicht für eine AgrostiS hätte ansehen können, übrigens aber waren die Samen an ihrer Befestigung mit zarten Haaren bewachsen. Das andere Gewächs, womit die Wiesen besetzt waren, ist der weisse wiesini klee ***. Diese beiden machten fast allein das Heu auf den Wiesen aus, sie stunden dicht und dick, und die Poa war ziemlich lang, aber sehr fein. Unten an der Wurzel der Poa war die Erde ganz mit dem weifsen Klee bedeckt. Einen feinern und dichtem Wiesenwachs, als derjenige, den man hier fand, konnte man sich kaum wünschen. Fast alle Wiesen waren ehemahls Aecker gewesen, wie man aus den Furchen, die noch übrig waren, sehen konnte. Sie können hier nicht mehr als einmahl im Sommer abge, mähet werden, indem der Frühling sehr spät einfallt. gf 2 Xty* * Poa (angustifolia) panicula diffufa, spiculis quadrifloris pubescentibus, culmo erecto teretu linn. Flor. 81. ** Spiculae tri-vel quadriflorae, minimae, semina ball pube-scenria- «»* Trifolium pratense album C. B. 452 i?49/ im August. Anjetzo war man in voller Beschäftigung, das Heu abzumähen und einzuerndten, und man sagte, daß der Anfang damit vor ohngefahr einer Woche gemacht worden Ware. Man verfahrt dabey auf folgende Art. Die Sensen sind von eben der Beschaffenheit, wie unsere ge» wohnlichen Schwedischen. Die Mannspersonen machen das Heu ab, und die Frauensleute scharren es mit dem Rechen zusammen. Von beiderley Geschlechte sieht man gleich viele auf den Wiesen. Das Heu wird auf eben die Weise wie bey uns herumgewandt, aufgeschobert, u.s. f. nur daß die Werkzeuge etwas verschieden sind. Denn der Rechen ist dem Kopfe nach kürzer als bey den unsrigen, hat zu beiden Seiten Zahne, so daß eS gleich viel ist, welche Seite des Kopfes niederwärts gekehrt ist, und ist da« bey plumper gemacht. Mit diesem wird das Heu in Schwaden, nachdem es eben abgemähet worden, verthei, let. Noch mehr aber bediente man sich solcher Furten, die ich oben * bey der Heuerndte in England beschrieben habe, nur daß diese in Canada von Holz waren. Diese sind ziemlich behende. Man begieng aber hier den Feh, ler, daß man sich ihrer fast allein bediente, wenn das Heu in Schobern gehäufet wurde, um von der Wiese weggeführt zu werden, und die Rechen vergaß man da« bey ganz und gar. Hiedurch geschieht, daß vieles von dem abgemäheten Heu auf der Wiese zurück gelassen wird, indem das Heu niemahls mit der Furke so gut und so genau als mit dem Rechen zusammen gebracht werden kann. Auf den Wiesen sahe man keine Höcker. Das.in Schobern aufgehäufte trockene Heu ward auf Karren weggeführt, * In dem zweiten Theile auf der 45 angebracht. Die Scheiben waren in Holz mit Kütt, niemahls aber in Vlen eingefasset. Hier zunächst an der Stadt gebrauchte man fast überall Fenster von Glas; weiter weg aber vertrat mehrentheils das Papier dessen Stelle. Vey der Oefnung der Fenster ruheten dieselben auf Haken, wie bey uns. Der Fußboden war von Holz, an einigen Orten auck nur von Thon. Das Mitteldach lag auf ) oder 4 grossen dicken Sparren, und bestund aus einer oder auch bisweilen aus zwey Schichten Brettern über einander, worauf gar nichts von Moos Baumrinde, Erde oder sonst einer Füllung sich befand. Und gieng daher die meiste Wärme ohne besondere Hinderung wieder weg. In der Stube war entweder ein Kamin oder Ofen oder auch beides zugleich. Die Kamine sind, wie unsere gewöhnlichen kleinen Eckkamine, selten von Ziegeln, sondern von einem solchen Steine, den man in der Nahe fand, ausgemauert. Und wenn er nur ein. Kalkstein war, so hatte man doch einige graue Felssteine, die man zunächst an der Feuerstatte gesetzt, aufgesucht. Der Ofen war der Gestalt nach ein längliches Viereck. Einige waren ganz und gar von Eisen, zu ohngefahr anderthalb Ellen, odcr ctwaS weniger in der iänge, 30^4 Viertelellen in der Höhe, und beynahe 3 Viertelellen in der Breite gemacht; welche eiserne Oefcn insgesamt bey dem Eisenwerke in TroiS Rivieres gegossen wurden. An» here bestunden aus Ziegeln oder Stein, und waren nicht viel grösser als der eiserne Ofen, doch machte jederzeit eine eiserne Platte den obern Boden dieser steinernen Oefen aus. Beide diese Oefen stellte man auf die Erde hin, und der Rauch von ihnen wurde durch eine eiserne Ff 5 Röhre 458 t?49^ l'M August. Rshre zu dem Schorsteine des Kamins hingeleitet. Des Sommers wurdtzn sie gemeiniglich bey Seite gesetzt, damit eö in der Stube um so viel geräumiger würde. Man wüste hier nichts von Klappen, weder bey den Kaminen noch Oefen, sondern die Wärme gieng durch den Schor-siein frey hinauf. Dieß gieng noch einiger massen in einem neu angebaueten tande an, wo man noch viele Wälder hat. Nach wenigen Jahren aber werden sie gezwungen seyn, die Feuerheerde von Frankreich zu vergessen, und gerne Klappen anlegen, wofern sie anders in einem fo kalten tande, als Canada, ein einziges Holz in dem Walde noch behalten wollen. Das, äussere Dach war fast immer sehr steil und schräge, und entweder von Italiänischer Art, oder auch mit Giebelmauern; den beides war gebrauchlich. Es war gemeiniglich mit langen Breti lern bedeckt, welche nicht wie gewöhnlich, mit dem einen Ende gegen den Sparrbalken, und mit dem andern ge, gen die Dachschwelle, sondern horizontell oder querüber dem Dache lagen, so daß das eine Ende sich dem einen, und das andere dem andern Giebel zukehrete. Ein jedes Brett bedeckte mit dem untern Rande den obern Rand des nächst darunter liegenden Brettes, damit sich der Regen nicht durchdringen möchte. Der Schindeldächer bediente man sich 'nicht, weil man sie für sehr geneigt Feuer zu fangen hielte; daher sie auch in Quebec gänzlich verboten waren. An dem Wohnhause nahm man selten Strohdächer wahr. Aber der Viehstall und die Scheune waren gemeiniglich damit bedeckt. Und wo man sie gebrauchte, waren sie Mehrentheils sehr hoch und steil. In dem Wohnhause traf man bey einem jedweden Bauer gemeiniglich 3 Zimmer, die mit ihren Feuerstätten verse, hen Zwischen Quebec und Lorette. 459 hen waren, nehmlich eine Küche und zwey Kammern, oder eine Küche, Stube und eine Kammer an. Der Backofen stund nicht in dem Gebäude, fondern allezeit auf dem Hofe für sich allein. Er war entweder, obgleich sehr selten, aus Ziegeln aufgemauert, oder aus solchen Steinen, die man in der Nähe hat bekommen können/ und die man sehr stark mic Thon überzogen hatte. Am allergebrauchlichsten war doch, sie aus lauter Thon zu verfertigen. Oben bedeckte man sie mit Bork oder einem andern Dache. Der Viehstall und die Scheune waren fast auf eben die Art, wie in Upland und Westgoth-land bey den Vauerhöfen gebrauchlich ist, gebauet. Doch waren die Scheunen an den meisten Orten völlig so eingerichtet, als ich sie in meiner Vahusischen Reise * beschrieben und abgezeichnet habe. Des Abends kamen wir in Kürette an, wo wir bey ben Jesuiten Herberge nahmen. Vom dreizehnten. Des Morgens frühe setzten wir unsere Reise durch den Wald zu den hohen Bergen, die daselbst lagen, fort, um zu sehen, was man daselbst fur seltene Gewächse und andere Merkwürdigkeiten finden könnte. Das land war anfänglich meistentheils eben, und überall mit einem dicken Geholze überwachsen, ausge, nommen, wo ein Sumpf oder Morast anstieß. Fast die Hälfte von den Gewächsen, die man hier fand, waren ftlche, die in unsern Geholzen und Morästen in Schwe« den gemein Ilnd. Man ? Uuf der Isosien Seite.' 4tz) 1749, im August. Man erblickte hier wilde Rirsihbäume von zwey, erley Arten, welche doch nur Abänderungen seyn werden, ob sie gleich in einem und dem andern Stücke von einander ziemlich unterschieden waren *. Es waren beide hier in Canada sehr gemein. Beide hatten rothe Veere. Vey der einen Art oder dem so genannten Cerisier, schmeck-ten sie, wie die Veere unserer Alpkirschen, zogen die Zunge stark zusammen und blieben im Halse stecken. Die Vee, ren der andern Art aber hatten eine angenehme Saure, und waren vsn einem lieblichen Geschmacke. Die dreiblätterige Nieswurz ** wuchs in sehr .grosser Menge in dem Walde. An vielen Orten überzog sie allein die Erde. Sie wählte vornehmlich solche Stel-len, die mit Moos bedeckt, aber doch nicht allzu naß wa« ren, und hatte den Sauerklee *** und das nach den Alpen genannte Srephanbkraut "** zu ihren Camme-raten. Ihre Samen waren noch nicht reif. Die meisten Stengel dieser Nieswurz aber hatten keine Samen. Dieses Gewächs wird überall in Canada von ben Franzosen Tissävo^anne jaune genannt. Die Blatter und Stengel derselben wurden von den Wilden gebraucht, um' eine schone gelbe Farbe verschiedenen Arbeiten, die sie aus berei- ::* 2M< eüte Slrt, btefcon ben gran*osen in (Eanaba Cerifier qu. nannt rotib/ &abe id) in meinem Sagebuc&e folgenbec jje« (saut beschrieben: Cerafu1? solus ouatis serratis, serraturis ;- ■ - profundis fere subulatis, frustu racemoso; mj{) fcjf (jnbere:, Cerasus solas lanceolatis crenaco - serratis acutis, fruftu fere solitario. » ** Helleborus trifolius. '■•»»Oxalis Acetosella. **»» Circaea alpina. 4 Zwischen Quebec und Lorette. 461 bereiteten Fellen gemacht hatten, zu geben. Die Franzo» sen, welche dicß von ihnen gelernt haben, färben beides Wolle und andere Sachen mit dieser Pflanze gelb. Wir wanderten hernach mit vieler Mühe einen von den höchsten Vergen, die hier waren, in die Höhe. Ich ward aber, nach dem ich ihn erstiegen und genau untersucht hatte, nicht wenig ungehalten, daß ich nicht andere Bäume oder Krauter, als die, welche ich vorher oft hier in Canada gesehen hatte, antraf. Der Berg, indem er mit einem hohen Geholze überwachsen war, ließ uns auch nicht das Vergnügen, von dessen Gipfel eine freye Aus, ficht zu haben. Und obgleich dieser Berg sich vor allen andern empor hob, so hatttt^wir doch für unser mühsames Klettern so gut als mW. Die Bäume, welche hier wuchsen, waren die Hainbuche mit dem Zunahmen Ostrya, der Amerikanische Ulmenbaum, der rothblümige Ahornbaum, der Zuckerahornbaum, der Ahornbaum, der die Brandschäden heilet (welchen ich noch nicht beschries ben habe,) die Vüche, unsere gewöhnliche Birke, die Zuckerbirke *, der Vogelbeerbaum, die CanMche Fichte Perusse genannt, der Mehlbaum mit geMten Vlät, tern**, die Esche, der kurz vorher beschriebene wilöe Kirschbaum Cerisier genannt, und der Beere tragende Tarbaum. Die Mücken sahen wir in dem Gehölze in grösserer Menge, als wir es gewünscht hätten. Nach ihrem Visse lief die Haut in eine Menge Beulen auf, so daßeS grosse * Betulanigra. ** Viburnum dentatunj. M 1749/ im August. grosse Mühe kostete, das Amt des Barbiers zu verrichten. Die Jesuiten, welche in iorelte wohneten, sagten, daß das zuverlaßigste Verwahrungsmittel gegen ihren Anfall wäre, sich gut mit Fett über das Gesicht und uie unbedeckten Stellen des leibes zu schmieren. Das kalte Wasser aber schlugen sie als die bcste Heilung ihres Bisses vor, wenn man den Ort gleich, nachdem sie gebissen, damit wüsche. DeS Abends kamen wir wieder nach lorette zurück, nachdem wir die Gewächse von einiger Erheblichkeit, der wir heule gewahr worden waren, genau angezeichnet und beschrieben hatten. Vom vierzehnten. 5.orette ist ein Dorf, wel. ches 3 Franzosische MeileMvon Quebec westwärts liegt. Es wird fast von lauter von dem Huronischen Volke bewohnt, welche bekehrt worden sind, und die Ro-nnschcathölische tehre angenommen haben. Das Dorf liegt neben einem kleinen Strom, der sich da mit einem starken Brausen über eine Klippe hinabwirft, und eine Säge - und Mehlmühle in Bewegung setzt. In vorigen Zeiten, Ulchals der noch jetzt da befindliche Pater der Jesuiten dahin kam, wohnten alle Wilden in ihren ge, wohnlichen Hütten, die so wie der läppen ihre gemacht waren. Nachgehends aber haben sie diesen Gebrauch verlassen, und sich in Ansehung ihrer Gebäude, nach den Franzosen gerichtet. Jetzt bemerkte man bey den Wilden, die hier wohnten, durchgängig solche Häuser wie die Franzosen haben. Einige wenige waren von Stein, die meisten aber von Holz. In einem jedweden Hause befanden sich zwey Zimmer, nehmlich die Stube, worin sie lagen, und die Küche aussen vsr. In der Stube stund ein Lorette. 46; ein kleiner Ofen von Stein, der oben mit einer eisernen Platte, nach der hier in Canada gebräuchlichen Weise bedeckt war. Neben der Wand hatten sie ihre Betten, ^tvorin sie nicht mehr Bettkleider legten, als in denen sie bey Tage giengcn. Eben so sahen ihre Gefaffe und andern Sachen ziemlich elend aus. Hier ist eine schöne, obgleich kleine Kirche mit einem Thurm, worin eine Klocke hängt, an dem Ende. Der Thurm ist spitzig, etwas hoch, und mit weiffem oder verzinntem Blech beschlagen. Diese Kirche soll der Gestalt und der Einrichtung nach mit der bekannten Santa Easa zu ioretto in Italien, von wo auch dieser Ort seinen Namen erhalten, Aehnlichkeit haben. Gleich neben der Kirche ist ein Steinhaus für die Priester. Es sind diese zwey Patres vyn den Jesuiten, welche hier beständig wohnen. Hier hält man eben so fleißig Gottes, dienst als an andern Orten in den catholischen Kirchen; und war es ein Vergnügen zu hören, mit was für einer Fertigkeit und angenehmen Stimme die Wilden, insonderheit aber die Frauensleute unter ihnen, allerhand geist« liche lieder in ihrer eigenen Sprache sungen. Die Wil, den, die hier wohnen, kleiden sich meistentheils, als andere Indianer hier im iande; doch haben die Mannsleute gerne eine Weste oder ein solches Kamisol, als die Franzosen. Die Frauensleute aber richten sich genau nach der Kleidertracht, welche die andern Indianischen hier im lande gebrauchen. Es ist von diesen Wilden bekannt, daß sie vor langer Zeit, und ihre Vorfahren, bey der Annehmung des Christenthums, Gott ein Gelübde gethan haben, niemahls starke Getränke zu trinken. Dieses Gelübde haben sie bis auf die jetzige Zeit ziemlich unverbrüchlich gehalten; so daß man selten jemand von ihnen betrunken siehet: da der 464 i?49, "' August. der Vrandwein und die starken Getränke doch Dinge sind, für die der Wilde lieber sein icben lassen, als ihnen entsagen will. Nebst den Häusern haben diese Wilden noch in vielen andern Stücken die Franzosen sich zum Musier gesetzt. Sie pflanzen alle Mays. Einige hatten ein kleines Weizen - oder Rockenland. Verschiedene von ihnen hielten Kühe. Unsere gewöhnliche Sonnenblume * war von allen und jeden in dem Mayslande gepflanzt, deren Samen sie hernach mit ihrer Sagamite oder Mayssuppe ver« mischen und so essen. Der Mays, den sie aussaecen, war von der kleinen Art, welche zeilig zur Reife kommt. Dieser hat zwar kleinere Korner, als der andere; er soll aber in Verhältniß mit ihm mehr und lieblicherS Mehl geben. Er wird hier gemeiniglich in der Mitte, und bis? weilen zu Ende des Augusts reif. Die Mühlen gehörten den Jesuiten zu, welche von allen, die da selbst mahlen lassen, Bezahlung bekommen. Der Schwedische Herbstweizen und Herbstros cken ist in Canada zum Versuch ausgesäet worden, damit man sehen mochte, wie er sich anlassen würde. Denn hier bedient man sich keines andern Weizen oder Rocken, als desjenigen, der im Frühling gesäet wird; indem man gefunden hat, daß der Weizen und Rocken, der in Frank, reich wächst, wenn er im Herbste hier ausgestreuet wird> den folgenden Winter verfriert und verdirbt. Daher hat der Doctor Sarracin (wie mir der ältere Pater von denen hier wohnenden Jesuiten erzählte) ein wenig Rocken und 6 * Heliarithus anmnis. Lorette. 465 und Weizen von Herbst-oder Wintersaat sich von Schwe« den bringen lassen, um zu versuchen, ob es gedeihen würde. Es wurde im Herbste ausgesäet, nahm keinen Schaden von der Winterkälce und trug schöne Frucht. DieAehren waren zwar nicht so groß als an der Canadischen Gerralde-art. Als man sie aber wog, so hatten sie fast ein doppeltes Gewicht, und gaben weit mehr und weisseres Mehl, als das hier im lande gebrauchliche, das im Frühling ausgesäet wird. Man wüste nicht, warum man keine weitere Versuche damit angestellt hatte. Hier im iande soll man von dem Frühlingsweizen niemahls so weisses Vrot, und mit dem Vortheile, als in Frankreich von dem Win-terweizen backen. Verschiedene versicherten mich, daß so gar der Frühlingsweizen und der Frühlingsrocken, der jetzt hier gebraucht wird, zuerst entweder aus Schweden oder Norwegen Hieher gebracht worden sey. Denn die Franzosen haben bcy ihrer ersten Ankunft aus der Erfahrung gefunden, daß der Herbst-oder Winterweizen, und Rocken, der aus Frankreich Hieher geführt worden, den Wmter in Canada nicht vertragen, und die Frühlings? saat von den erwähnten Gelraidearten nicht allezeit hat völlig reif werden känncn. Und daher fiengen sie schon an, Canada für ein untaugliches iand, wo niemand woh< nen könnte, zu halten. Aber endlich sielen sie auf den Gedanken > sich die erwähnten Frühlingssaaten aus den nördlichsten Theilen von Europa zu verschaffen; welches auch gut angeschlagen hat. Die Rückreise nach Quebec, die heute vor sich gieng, wandte ich zu allerhand Votanischen Beobachtungen an. Vom fünfzehnten. Der neue Generalguvernsr über ganz Canada, Marquis de la Ionquiere kam Relsen 11. Theil. Gg zwar 466 1749, im August. zwar gestern Abend auf dem Strom selbst vor der Stadt an. Da es aber dazumahl etwas spät war: so verschob er seinen Einzug in die Stadt auf heute. Er »ar schon den zweiten des IuniuS, nach der neuen Zeitrechnung, von Frankreich abgereiset, konnte aber doch Quebec nicht eher als jetzt erreichen. Die Ursache war die viele Schwie« rigkeit, welche die grossen Schiffe wegen der vielen Sand, banke haben, den torenzfiuß hinaufzukommen. Diese machen, daß die Schiffe nur bey einem guten Winde hin, auf zu fahren wagen, indem sie sich hin und her krümmen müßen, und öfters nur einen ganz engen Canal durchzugehen haben. Es war heute ausserdem ein grosses Fest, nehmlich der Gedachtnißtag der Himmelfarth der Jung-frau Maria, welcher in den katholischen iändern mit grossem Gepränge gefeyert wird. Dieser Tag war hier also auf eine doppelte Weise besonders merkwürdig, nehmlich sowohl des Festes, als der Ankunft des Generalgu-vernors wegen. Denn er pflegt jederzeit mit vielen Fcy, erlichkeiten empfangen zu werden, indem er hier in Canada einen Vice-König vorstelle. Des Morgens um 8 Uhr versammlcten sich die Vornehmsten der Stadt bey dem Herrn Vaudreuil, der vor kurzen zum Guvernsr über Trois Rivieres verordnet wor« den war, und jetzt hier in der untern Stadt wohnte, und dessen Vater gleichfalls Generalguvernör über Canada gewesen war. Hieher kam auch der General Marquis ia Galissoniere, welcher bisher die Bestallung eines General-guvernörs gehabt hatte, und mit dem ersten nach Frankreich sich begeben sollte. Ihn begleiteten die vornehm-sten der Regierung im iande. Auf geschehene Einlndung fand Quebec. - 46? fand ich mich auch hier ein, um diese Feyerlichkeit mit anzusehen. Um halb neun, stieg der Generalguvernö? von dem Schiffe in eine Ehaloupe, die mit rothem Tuch bedeckt war. Und alsobald gab man mit den Eanonen von den Wällen ein Zeichen. Darauf fieng das täuten mit allen Klocken in den Kirchen der Stadt an. Alle V«O,ehme begaben sich hinunter zum Ufer, um ihn zu be, willkommen. Bey dem Aussteigen aus der Ehaloupe. wurde der Generalguvernor von dem General Marquis be la Galissoniere empfangen. Und nachdem sie einander gegrüffet hatten, stieg der Major der Stadt hervor, und hielte eine wohl gesetzte Rede, welche der Generalguvernor kurz beantwortete; worauf die Canonen von den Wallen wiederum gelöset wurden. Die ganze Gajse bis auf die Eathedralkirche war mit Mannschaft, die in Gewehr stund, und die grossentheils aus der Bürgerschaft genommen war, besetzt. Der Generalguvernor gieng alsdann zu Fusse, in rothen mit goldenen Galonen stark beneheten Kleidern angezogen, und von den Vornehmsten der Stadt und einer Menge anderer Zuschauer begleitet, nach der Eathedralkirche. Seine Bedienten giengen in grünen Kleidern und mit Gewehr auf den Schultern vor ihm her. Bey der Ankunft nach der Cathedralkirche wurde er an der Thüre von dem Bischofs über ganz Ea« nada, und der sämmtlichen Priesterschaft, empfangen. Der Bischof war in seinem Bischöflichen Schmucke mit einer vergoldeten langen Mütze auf dem Haupte gekleidet, und hielte seinen grossen Bischofsstab von Silber in der Hand. Einige von den Priestern waren in weiffen Meß« Hemden, andere in Meßqewanden oder andern langen gefärbten Kleidern und Röcken gekleidet. Nachdem der 5 Gg 2 Vischoff M 17-49/ im August. Bischoff eine kurze Rede an den Generalguvernor gehalten hatte, wurde ihm ein Crucifix von Silber zu küsse« gereichet. Dieses trug ein Priester an einer langen Stange, indem ihn zwey andere Priester zu beiden Seiten begleiteten, deren ein jeder ein langes brennendes Wachslicht in der Hand hielt. Hierauf gieng der Vi-schoff mit den Priestern den langen Gang in der Mrche hinauf zu den, Chor. Ihnen folgten die Bedienten des Generalguvernsrs mit dem Hute auf dem Haupt, und dem Gewehr auf den Schultern. Und zuletzt kam der Generalguvernor selbst mit seinem Gefolge, hinter dem noch eine Menge Menschen gieng. Da wo das Chor sich anfieng, blieb der Gencralguvernor zugleich mit dem General de la Galijsoniere vor einem roth überzogene»« Stuhl stehen, wo sie auch wahrend der ganzen Messe, welche von dem Vischoff selbst verrichtet wurde, verblie, ben. Von der Kirche begab er sich aufs Schloß, wohin nachgehends die vornehmsten von den Mannspersonen in der Stadt sämmtlich hinkamen, um ihren Glückwunsch abzustatten. Nicht weniger fanden sich die Geistlichen von allen Orden, mit ihren Vorstehern ein, um ihre Freu« de über seine glückliche Ankunft zu bezeugen. Von der grossen Menge, die jetzt hier ihre Aufwartung machten, blieben nicht andere zu Mittag zurück, als diejenigen, die vorher dazu eingeladen worden waren, unter welchen letz, tern ich mit die Ehre hatte, gerechnet zu werden. Die Mittagsmahlzeit dauerte ziemlich lange, und war in Ansehung des Ueberfiusses, einer solchen Feyerlichkeit gemäß. Der Generalguvernor, Marquis de la Ionquiere warder Statur nach, ein sehr langer Herr, und damahls Quebec. 469 mahls etwas über 6o Jahre alt. Er hatte bey dem damahligen kurz vorher verflossenen Kriege eine scharfe See« schlacht mit den Englandern gehalten, war aber zuletzt ge-nothlgt worden, sich gefangen zu gcbßn, indem die Englän« der sowohl der Mannschaft als den Schiffen nach, bey weiten den Franzosen sollen überlegen gewesen seyn. Vey dieser Gelegenheit wurde er von einer Kugel getroffen/ welche an der einen Seile der Schulter hinein, und an der andern wieder hinaus trat. Vey dem Gehen ließ er den Kopf etwas vorwärts hängen. Er war übrigens ein sehr gefalliger Herr, der bey der Gnade, die er, wenn er wollte, erzeigte, doch seine Würde in acht zu nehmen wüste. Um den Wein, das Vier oder Wasser im Sommer kalt zu erhalten, sagten verschiedene von den gegenwartigen Herren, daß folgendes versucht und bewahrt gefun« den worden sey. Der Wein, das Vier oder Wasser wird in Vouteillen eingezapft, welche man zugepfropt in die tust hängt, und mit nassen Tüchern umwickelt. Dadurch soll dcr Wein oder dasjenige, was man in die Vouteillen gegossen, kalt werden, wenn es gleich vorher warm gewesen ist. Nach einer kleinen Weile begießt man die Tücher aufs neue mit so kaltem Wasser, als man erhalten kann. Und damit fahrt man einmahl nach dem andern fort. Der Wein, oder dasjenige, was in der Vouteille ist, soll alsdann immer kalter als das Wasser, womit man die Tücher befeuchtet hat, seyn. Wofern man auch die Vouteillen in Sonnenschein hängen, und wie vorher beschrieben, verfahren wollte, so würde eS doch oder i2 Jahren, die in rothen Unterröcken mit einem weis-sen Hemde darüber, und einer rothen kegelförmigen Mütze auf dem Kopfe, gekleidet waren; und sodann andere Knaben von gleicher Grösse mit schwarzen Unterrocken und weisscn Hemden darüber, und einer schwarzen kegelförmigen Mütze. Jetzt kamen die Priester, davon die vordersten in weissen Meßhemden, die andern aber in langen seidenen Mänteln gekleidet waren, welche ganz bis auf die Erde hinab hiengen,und von verschiedener Farbe, mei-sientheils bunt waren; dabey hatten sie schwarze kegelför« mige oder einem Zuckerhute ähnliche Mützen aufdemKopfe, und blauliche Priesterkragen. Der Priester, der hinter den vorigen gieng, hatte ein Rauchfaßzin der Hand, welches bestandig hin und her geschwenket wurde und Rauch von sich gab. Hierauf trugen zwey Priester das Vildniß der Jungfrau Maria in einem kleinen Hause. Das Vild war von Silber; das Haus aber wird nur versilbert gewesen seyn. Nächst vor und gleich hinter diesem Vilde trug man an Stangen gläserne iaternen mit brennenden Wachslichtern darin, und darauf giengen die vor» nehmsten Priester in solchen langen Mänteln, wie ich kürz, lich gemeldet habe. Und jetzt kam der Bischofs in seinem VisäMichen Anzüge mit dem silbernen Stab in der Hand. Nach ihm marschierten die Bedienten des Generalguver-nörs mit dem Gewehr auf den Schultern. Worauf endlich der Generalguvernsr de la Ionquiere und der General de la Galisoniere in einer Reihe, und hinter ihnen eine Menge von den Vornehmen und zu allerletzt eine grosse Schaar von teuten gegangen kamen. Die Soldaten stunden bey dem Schlossein Gewehr, und man 4 rühr« 4?2 '749, im Julius. rührte die Trommel, als die Proceßion da vorbey gieng. Man losete auch die Canonen von den Wallen, welches allezeit bey Proceßionen gebräuchlich seyn soll. Diejenis gen, welche da am nächsten stunden, wo die Proccßion vorbey gieng, fielen, als das Vildniß der Jungfrau Ma-rk zu ihnen hingebracht, oder vorbey getragen wurde, auf die Knie. Vor dem Vildniß des Erlösers aber blieben sie stehen. Diejenigen hingegen, welche weiter entfernet waren, kehrten sich an ihr Beispiel nicht, und sie« len nicht nieder. Auf eine solche Weise schritte die Proceßion unter dem Geläute der Klocken von der einen Kirche zu der andern durch die Gaffen. Und die ganze Schaar der Priester sung bey dem Gehen bestandig. 5 Vom sichszehneen. Die abendländische Thu^a * war ein Vaum, der in Canada, aber nicht weiter nach Süden sehr häufig wuchs. Der äusserste Ort nach Süden, woselbst ich sie gefunden habe, war etwas südwärts von Saratoga in dem Gebiethe Neu-Pork wie auch bey Casscs in eben der Provinz, welche Oerter ohn-gefähr die Polhöhe von 42 Grade und io Minuten ha» ben. Doch berichtete mir Herr Vartram, daß er einen einzigen Vaum hievon in Virginien bey dem Flusse James etwas oberhalb dem Orte des Flusses, der The Falls genannt wird, wahrgenommen hätte. Doctor Eolden versicherte auch, daß er ihn an mehrern Orten bey seinem Hofe Eoldingham, welcher zwischen Albany und Neu-Pork, ohngefahr unter dem 4isten Grade, und der znsten Minu, * Thuya {occidetitalis) strobilis laetnbus, squarais obtufis Linn. Hort. Vps. 2%<). spec, plant. 10Q2. Quebec. 4?; Minute der Breite liegt, gesehen hatte. Die Franzosen in Canada nannten ihn überall Cedre blanc. Die Eng» länder und Hollander in Albany geben ihm einen eben das bedeutenden Namen, indem er bcy ihnen white Cedar Heisset. Die Englander in Virginien aber hatten die eine Thuya, die bey ihnen wuchs, zu einem Jumper gemacht. Die Stellen und das Erdreich, die er vornehmlich erwählte, um darauf zu wachsen, waren nicht von emer-ley Beschaffenheit, sondern ziemlich verschieden. D^ch schien alles darauf abzuzielen, daß die Wurzeln einige Feuchtigkeit und Nässe hätten. Vor allen andern Orten schien er in Sümpfen und Morasten oder andern nassen Stellen gerne zu wachsen; und bemerkte man, daß er da, selbst eine ziemliche Grösse erreicht hatte. Hienachst stunden ihm, dem Anscheine nach, sehr steinige Anhohen, und Stellen, wo gleichsam cine Sammlung von einiger mas< sen grossen Steinen befindlich war, die mit verschiedenen Gattungen von Moosen * überzogen waren, sehr gut an. Denn zwischen diesen wuchs cr überaus gern. Nenn die Scestrande an einem Orte ganz mit solchen mit etwas Moos bewachsenen Steinen, bedeckt und dabey etwas ber-g'g waren: so hatte die Thuya sich daselbst fast immer eingewurzelt. Ucberdem erblickte man den Vaum ab und zu auf den Anhöhen neben Flüssen und andern erhabenen Gegenden, die fast aus lauter Stauberde bestunden; wo« bey doch zu merken ist, daß solche Stellen gemeiniglich ein etwas säuerliches Wasser bey sich führeten, oder daß eine Feuchtigkeit von den obern Orten sich da hinunter Gg 5 oder ♦ Lichenes, Brya, Hypna. 4?4 '743, im August. «der vorbey gedrungen hatte. Doch sahe ich ihn an einem und dem andern Orte in einem ziemlich trockenen Erdreiche wachsen: da war er aber auch niemahls zu einer besondern Höhe oder Dicke gelanget. I« Vergklüflen fand man ihn auch ofte genug: er konnte aber da eben so wenig eine merkliche Grösse erreichen. Die größten Bäume, die mir hievon in den Wäldern vorgekommen flnd, waren ohngefahr von 5 oder 6 Klaftern in der Höhe. In Ansehung seines Aleers habe ich folgende Bemerkungen gemacht. Ein Stamm, der genau 2 Viertellellen im Durchschnitt betrug, hatte 92 Saftringe. Ein anderer von 2 viertellellen und 3 Zoll im Durchschnitte, hatte 136 Saftringe. Ein anderer von 2 Viertellellen und 4 All im Durchschnitte *, hatte 142 Saftringe. Von den Einwohnern hiestlbst wurde der Vaum insonderheit in folgenden Fallen gebraucht. Da man ihn unter allen Holzarten in Canada für diejenige hielt, welche am längsten unter freyem Himmel der Fäulniß wider, stehen konnte, indem man versicherte, daß er daselbst fast ohne Schaden länger als eines Manns Alter aushalten könnte: so waren die meisten Zäune hier zu iande davon errichtet worden; sie mochten senkrecht, schräge oder auch Horizonte« stehen. Aus der Ursache waren fast alle Pfähle, die man in die Erde geschlagen hatte, von der Thuya genommen. Eben so bestunden die Pallisaden rings um die Vestungen, wo ich in Canada reisete, insgesammt aus diesem Vaume. Die Balken in den Hausern werden auch bisweilen aus demselben gehauen. Zu den schmalen dünnen » Bey der Abmessung beS Durchschnittes hat man jederzeit die Rinde ausgeschlossen- Quebec. 475 nen Schienen, die beides die Rippen und den mittlern Voden in den hier im iande gebräuchlichen Böten von Baumrinden ausmachen, bedient man sich meistentheils dieses Baumes; indem er sowohl biegsam genug, vornehmlich wenn er frisch ist, als auch sehr leicht ist. DaS Holz hievon wird zum Kalkbrennen unter die besten Arten gerechnet. Die Reiser und Zweige davon wurden überall in Canada zu Vesen, um die Erde zu fegen gebraucht, wozu er wegen.seiner von Natur zusammen gedrückte» Blätter und Aeste ziemlich bequem war. Des Sonnabends, ja auch zuweilen an andern Tagen, giengen die Wilden in den Städten mit Vesen, die daraus gebunden waren, herum, und boten sie zum Verkauf aus. Ich nahm auch in Canada nicht wahr, daß man andere Vaumarten zu Vesen angewandt hätte. Die frischen Zweige haben einen besondern und eben nicht unangenehmen Geruchs welchen man bisweilen ziemlich stark verspüret, wenn je« mand in ein Haus hereinkömmt, um mit einem solchen Vesen zu fegen. In der Heilungskunst bedient man sich dieses Baums zu verschiedenen Absichten. Der Eommendant im Fort St. Frederic, Herr iouisignan, konnte dessen Wirkung gegen die rheumatischen Schmerzen nicht genug erheben. Er sagte, er hätte zu mehrern mahlen gesehen, daß er mit besonderm Erfolge an verschiedenen Personen in diesem Falle versucht worden, und zwar folgender Gestalt. Man zerstößt die frischen Blätter in einem Mör-sel, und vermischt sie hernach mit Schweinfett odereiner andern Art Fett. Dieß kocht man so lange mit einander, bis es wie eine Salbe wird, welche man über lewwand schmiß 4?6 1749/ im August. schmieret, und auf die schmerzhaft« Stelle legt. Diese Salbe soll alsdann in kurzer Zeit eine ohnfehlbare Hülse verschaffen. Gegen starke Schmerzen, welche hin und her in den ienden und bisweilen über den ganzen Körper sah, ren, wurde folgendes ungemein gepriesen. Von den Blattern einer Art Engelsüß * nimmt man ?t«l und von den Zapfen der Thuya ^tel, davon ein jedwedes für sich zu einem groben Pulver zerstoßen, und hernach mit ein« ander vermischt wird. Darauf beqicßt man es mit lau-lichem Waffer, und macht einen Breyumschlag davon, der auf ieinwand verbreitet und über den Körper geschlagen wird. Da aber dieser Umschlag sehr stark, als wenn Feuer angesetzt worden wäre, brennet, so legt man gemeiniglich erst ein Tuch um. Denn sonst soll es bisweilen die Haut verzehren. Ich hörte, daß viele dieß erwähnte Mittel über die maffen erhoben, und wie sie sagten, aus eigener Erfahrung; unter denen eine Dame war, die mir erzählte, daß sie einen solchen Vreyumschlag drey Tage gelragen, und dadurch ihren heftigen Schmerz verlohren hätte. Ein Wilder von den Ircquois berichtete mjr, daß das Decoct von den Blättern wider den Husten gebraucht würde. In der Nähe von Saratoga bedient man sich dieses DecoclS wider das Wechselfieber. Der Baum selbst behält sein iaub und bleibt grün, den ganzen Winter über. Seine Samen werden zu Ende des Septembers, nach dem alten Stil, reif. Den vier« ten des Octobers in diesem Jahr 1749 hatten einige von sei- * Polypodium fronde pinnata, pinnis aleernis ad bafin supes-ne appendiculatis. Quebec. 4?? seinen Zapfen, insonderheit diejenigen, welche in einer star, ken Sonnenhitze stunden, ihre Samen schon fallen lassen; und die andern hatten sich schon geöfner, um dieß zu thun. Dieser Baum hat eben die Eigenschaft, wie verschiedene andere Bäume im nordlichen Amerika, welches ich oft be. Merkt habe, nehmlich, daß er in sehr grosser Menge in Morästen und dicken Waldern, und da mehr als an einem andern Orte wachst, so daß man mit Gewißheit diese für seine Geburtsörter angeben kann. Gleichwohl befindet sich an diesen eben genannten Stellen kaum ein einzi« ger Baum, der Samen gäbe. Im Gegentheil aber, wenn einer durch einen Zufall an dem äussern Theile ei-nes Waldes, an dem Strande oder auf dem Felde, wo die iuft frey hinkommen kann, zu stehen kömmt: so ist er ganz voll von Samen. . So fand ich zu unzähligen mahlen , daß es mit dieser Thuya beschaffen war. Und so verhielt es sich auch mit dem Zuckerahornbaum, mit dem Ahornbaum, der in Brandschaden gut ist, mit dem Sassafras, mit der weissen Tanne, mit der Fichte Pe? ruffe genannt, mit dem Maulbeerbanm und vielen an, dern. In England wird dieser Baum überall von den Gärtnern und andern Arbor Vita genannt. Vom siebenzehttten. An dem heutigen Tage besähe ich das Nonnenkloster der Urselinen. Die Einrichtung ist hier fast dieselbe, wie in den andern beiden Nonnenklöstern. Dieses Kloster liegt innerhalb der Stadt, und hat eine ziemlich prächtige Kirche. Die Nonnen erhielten von allen das iob, daß sie sehr gottcs, fürchtig wären. Diese sind auch die Nonnen, die sich am wenigsten sehen lassen, und die sich am meisten zu Hause halten. 4?8 1743, im August. halten. Es wird keiner Mannsperson, ohne besondere Erlaubniß des Vischoffs, verstattet, in dieß Kloster hineinzugehen; und wird es jederzeit für eine besondere Gunst angesehen, wenn man da Zutritt haben kann. Der Königliche Arzt und der Wundarzt sind einzig und allein ausgenommen, und können sie jederzeit nach Gefallen die Kranken besuchen. Auf Vermittelung des F^errn Generals Marquis de la Galissoniere, bot mir der Herr Bischofs die Freiheit an, in Gesellschaft des Königlichen Arztes und Doctors Gaulthier ebenfalls diese Einrichtung in Augenschein zu nehmen. Vey der An, kunft wurden wir sogleich mit aller Freundlichkeit von der Aebtißin empfangen, und von einer grossen Menge Non, nen, deren fast alle alt waren, begleitet. Wir besahen erst die Kirche, worin sie ihre Gebete halten. Da es jetzt Sonntag war, so fanden wir hier verschiedene Nonnen an allen Seiten in der Kirche auf ihren Knien, und zwar eine jede für sich besonders, liegen und beten. So bald wir hinein kamen, fiel die Aeblißin und die Nonnen, die uns begleiteten, auf die Knie, welches Herr Gaulthier und ich ebenfalls thaten. Darauf gien» gen wir in ein Zimmer oder eine kleine Kapelle hinauf, welche dem Andenken und der Ehre der Jungfrau Ma» na geweihet und geheiliget war. Hier knieten auch alle bey dem Eingänge nieder. An verschiedenen Orten, wo wir giengen, waren an den Wänden Bilder, Gemählde, wie auch lichter, die vor denselben brannten, aufgehan, gen. Die Nonnen deuteten mir dieß aus, und sagccn, daß diese Gemählde und Bilder der Heiligen nicht in der Absicht hier gehalten würden, um sie anzubeten, indem Gott allein einer Anbetung würdig wäre, sondern nur um Quebec. 479 um yadurch zu der Gottesfurcht erwecket zu werden.' Weiter besahen wir die Küche, den Saal, wo sie asscn, und denjenigen, wo sie ihre Arbeit mit einander verrichs teten, welcher groß und hübsch war. Hier machen sie allerhand nette Arbeiten, überziehen Bilder mit Gold, verfertigen mit Kunst allerhand schöne Blumen u. s. f. Der Eßsaal war in allen Stücken so wie in den andern Klöstern, mit langen Tischen neben den Seiten eingerichtet, und ebenfalls waren die Sitze oder Stühle blos zwi. schen dem Tische und der Wand, nicht aber gegen die Erde hingesetzt. An einer Seite stund eine Kanzel, worin eine von den Nonnen auftritt, und, indem die andern essen, wie auch nach der Mahlzeit, etwas aus einem geistlichen Buche herliefet. Unter dem Tische war eine kleine iade für eine jede Nonne, um ihre Serviette, ihr Messer, ihre Gabel und andere Sachen darin zu ver« wahren. Weiter besuchten wir ihre Schlafgemacher. Sie waren sehr klein, so daß sie daselbst nicht viel Platz zum Spatzieren haben. Eine jedwede Nonne hatte ihre besondere Kammer, die an den Wänden ganz eben und unbemahlt war. Es stund ein kleines Bett, ein Tisch mit iaden, und einem Erucisir und andern Bildern darauf, wie auch ein Stuhl in derselben. Mehrere Ge-räthe waren nicht da; auch fehlte der Ofen. Darauf wurden wir in ein anderes Zimmer, das voll mit Mad, gen von 12 Jahren und darunter, war, geführet. Diese waren von ihren Eltern Hieher geschickt worden, um le« sen zu lernen und in dem Christenthum unterrichtet zu werden. Sie haben Erlaubniß, einmahl des Tages zu ihren Eltern und Angehörigen nach Haus zu gehen; sind aber verbunden nach einer kleinen Weile wieder ins Klos ster 48o ,749/ im August. > stcr zurück zu kommen. Wenn sie lesen gelernee haben ' und ihre Chrisienthumsstücke verstehen, so nehmen die Eltern sie wieder zu sich. Es liege neben dem Kloster ein hübscher Garten, der mit einer hohen Mauer umgeben ist. Er gehört dazu, und ist mit allerhand Küchen-fruchten und Fruchlbäumen besetzt. So lange die Nonnen arbeiten oder essen, ist es in den Zimmern, wo sie sich alsdann befinden, ganz still, wofern nicht von je, manden etwas vorgelesen wird. Nach der Mahlzeit aber haben sie auf ein paar Stunden die Erlaubniß, in den Garten zu spatzieren, oder in dem Kloster zu ihrem Vergnügen und ihrer Ergötzung zu bleiben. Nachdem wir hieß alles besehen hatten, nahmen wir unsern Abschied. Ohngefähr eine Schwedische Viertelmeile westwärts von Quebec,^ befand sich ein Sauerbrunnen. Das Waffer führte sehr viel Eisenocher dry sich, und hatte einen ziemlich starken Geschmack. Herr Gauthier sagte, daß er es mit gutem Nutzen von solchen Kranken hätte trinken lassen, die den Verstopfungen, der Milzkrankheit und ähnlichen Krankheiten unterworfen gewesen. Es versicherten alle, daß auf den Feldern und in den Wäldern rings um Quebec, keine gistigsSchlangen zu sinden waren, deren Viß einen besondern Schaden verursachen könnte, so daß man ziemlich sicher da im Grase spatzieren kann. Ich merkte auch niemahls, daß eine zu beissen versucht hätte.- sondern sie waren alle sehr furchtsam. In dem südlichen Theil von Canada aber war nicht rathsam, so unbesorgt zu seyn. Die Zäune der Aecker waren an vielen Orten zu» nächst an der Stadt von der Art, daß sie Pfähle in die Erde Quebec. 48l Erde, ohngefahr drey Klaftern von einander, geschlagen hatten. Durch iöcher, die man bcy ihnen gemacht hatte, waren Stangen eingesteckt, nehmlich drey Stangen , davon die eine vor der andern zwischen einem /eden Pfahle lag. Um zu verhindern, daß das Vieh nicht hineinkommen möchte, waren dürre Büsche vom Hah, nensporn - Hagedorn zwischen den Stangen durchgezogen. Es hatten ganz flsine kohlschwarze Ameisin * hin und wieder auf den Anhöhen in den Wäldern kleine Ameisenhaufen gemacht, die fast unsern Schwedischen ahnlich, nur aber weit kleiner waren. Vom ein und zwanzigsten. Heute waren drey Nationen von den Wilden oder Indianern im iande bcy dem Generalguvernör, nehmlich die.Hurons, Mickmacks und Anies, welche letztern eine Art IroquoiS und Aliirle der Englander, und in dem lctztern Kriege gefangen genommen worden sind. Die Hurons waren die Wilden, welche in iorctte wohnen, und die christliche ichre angenommen haben. Diese waren ein grosses und langes Volk, einige einen Kopf länger als ich, dick an Gliedern, wohlgestaltet, und kupferfarben. Sie hatten kurze und schwarze Haare, die vorne an der Stirne von dem einen Ohr quer über den Kopf zu dem andern abgeschoren waren. Keiner von ihnen trug eine Mütze oder einen Hut. Einige waren mit Ohrgehängen gezieret, andere aber nicht. Verschiedene von ihnen hatten das Gesicht überall mit Zinnober ganz roth bemahlt: andere hallen nur einige Quer, Reism ". Theil. Hh 482 1749/ im August. Querstriche vorne an der Stirne, und neben den Ohren, damit gezogen; und noch andere hatten das Haar ganz mit Zinnober bestrichcn. Es ist zu merken, daß die rothe Farbe diejenige ist, womit sie sich vornehmlich bemahlen: doch habe ich bisweilen gesehen, daß sie das Gesicht mit schwarzer Farbe beschmieret haben. C's hatten ihrer viele im Gesichte und an dem Körper verschiedene Figuren, welche da so hingemahlt waren, daß sie sich in die Haut eingefressen hatten und niemahls vcrqe-hen konnten. Die Art, wie dieses geschiehet, will ich weiter hin, anführen. Diese Figuren sind fast insge? samt von schwarzer Farbe. Einige von ihnen hatten an jeder Wange eine Schlange, andere verschiedene Kreuze, andere ein Pfeil, oder die Sonne, oder sonst etwas, so wie es ihre Einbildungskraft ihnen eingegeben, hinge-zeichnet. Aehnliche Figuren hatten sie auch vorne an der Brust, an den ienden und an andern Theilen des Körpers gezogen. Vey einigen nahm man aber gar keine Figuren wahr. Sie trugen ein Hemd, das entweder Weiß oder blaugestreist war, und ihre zottige Decke, die entweder blau oder weiß, mit einem blauen oder rothen Streifen an dem Rande, oder auch bisweilen roth war. Diese Decke halten sie allezeit über den Schultern, oder sie liessen sie auch hinab hangen, und wickelten sie als-denn an der Mitte des ieibes um sich herum. Um den Hals hatten einige eine Kette von violetten Wampums mit kleinen weissen Wampums darzwischen gebunden. Diese Wampums waren klein, und wie eine längliche Perle gestaltet, und von der Muschel, welche die Eng. lander Clam * nennen, gemacht. Ich werde ihrer un» * Venus mencenaria,-tin. Syß. Nat. Tm. If. 686,( Quebec. 483 ten mit mehrern gedenken. An dem Ende dieser Wam, pumsketten hatten verschiedene vorne an der Brust eine grosse französische Silbermünze, mit dem Bildnisse des Königs in Frankreich, hängen. Andere halten vorne an der Vrust eine grosse schneeweiffe runde Muschelschale, die vbn ihnen sehr hoch gcschätzct wird, und sehr theuer ist; andere hatten nichts um den Hals. Es giengen alle mit offener Vrust. Vorne hieng der Tobacksbeutel, der von dem Felle eines Thiers gemacht war, bey dem sie die haarige Seite auswärts gekehret hatten. Ihre Schuhe waren von Fellen, und hatten viele Aehnlichkeit mit den Schuhen ohne Absatz, * welche die Frauensleute in Finnland brauchen. Einige hatten diese Schuhe mit Zinnober roth gefarbet. Anstatt der Strümpfe hatten sie blaue Tücher beides um die Beine und ienden, auf eben die Weise, wie ich es bey den Russen gesehen habe, gewickelt. Verschiedene hatten auch ihre blaue Decke um die Mitte des Hemdes geschlagen, so daß sie nicht hinabzuhangen schien. Die Mickmacks waren wie dieHurons gekleidet, ausgenommen, daß sie lange, gerade, pechschwarze Haare hatten, welche weit hinunter über die Schultern hien« gen. Fast alle Wilden hatten pechschwarze und gerade Haare. Doch sahe ich auch einige wenige, deren Haare ziemlich kraus waren. Es ist aber zu merken, daß es jetzt hier in Canada sehr schwer ist, von der Gesichtsbil« dung der Wilden recht zu urtheilen. Denn ihr Geblüts ist mit dem Europäischen, entweder durch die Gefangenen beiderley Geschlechts, welche sie bekommen und an Kindes Hh 2 stqtt * Piärol' 484 1743, ill, August. statt aufgenommen, oder auch durch die Franzosen, wel, che da im iande gereiset sind, und wohl bisweilen zur Vermehrung der Familie des Wilden, ihren Thril bey, getragen haben, indem die wilden Frauensleute nicht so gar spröde seyn sollen, sehr vermischt worden. Diese Mickmacks waren auch gemeiniglich nicht so groß der Statur nach, als die Hurons. Ich habe keine Wilden gesehen, die so lange gerade hinabhangende Haare, als diese, gehabt halten. Ihre Sprache war auch von der? jenigen der Hurons verschieden, so daß man sich hier ei, nes besondern Dollmecschers für sie bediente. Die Atties waren die dritte Art der Wildcn, die Fch hier einfand. Von diesen, als den Wirten der Engländer, waren in dem letzten Kriege 50 Mann ausgegangen, um ohnweit Montreal zu plündern. Die Franzofen aber, die bey Zeiten davon unterrichtet worden waren, machten einen Hinterhalt, und schössen bey den ersten Schüssen 44ieute von ihnen zu Voden, so daß nur die 4, welche heute hier gegenwartig waren, und 2, die jetzt krank lagen, mit dem icben davon ka-men. Sie waren eben so lang, a!s die Hurons, deren Sprache sie redeten, gewachsen. Die Hurons schienen ein länglicherS und die Aniee ein ründlichers Gesicht zu haben. Diese AnieS hatten ein ziemlich grausames Aussehen. Ihre Kleidertracht und das übrige war eben so> als bey den andern Wilden, beschaffen. Aber hinten im Nacken hatten sie in dem Haar ein längliches und gerundetes Stück Zinn befestigt. Einer von ihnen hatte auch eine Vlume von Rosenpappeln, die er aus eincin Garten, wo sie jetzt in voller Blüthe stunden, genom, men, Quebec. 485 men, in die Haare mitten auf dem Kopf gesteckt. Fast ein jeder von diesen Wilden führte seine Tobackspfeife mit slch, die von grauem Kalkstein gemacht, und hernach geschwärzt worden war, und einen langen hölzernen Schaft hatte. Hier waren keine Frauensleute, sondern lauter Mannspersonen. Als der Generalguvernör herein kam, Und sich niederließ, um mit ihnen zu reden: so setzten sich die Mickmacks auf die Erde in dem Saal, wie un° sere iappen. Die andern Wilden aber, setzten sich auf Stühle. Es befand sich hier in Canada keine Buchdrucke-«7, doch ist eine hier vordem angelegt gewesen: sondern alle Bücher kamen von Frankreich und alle Verordnun« gen, die man hier ausgab, waren geschrieben; welches sich so gar quf das Geld im iande erstreckte. Man gab vor, daß deswegen keine Vuchdruckercy hier im iande eingerichtet worden, damit keine nachtheilige Bücher oder Schriften gegen die Religion, die Regierung oder die guten Sitten gedruckt und ausgebreitet würden; gleich als wenn dieß nicht durch Handschriften geschehen konnte. Die rechte Urftch aber dürste theils diese seyn, daß man wegen der bisherigen Armuth des iandes und der Ein» wohner es noch nicht so, weit gebracht hat, daß ein Buchdrucker zu seinem nöthigen Unterhalte Bücher genug ab« setzen könnte; theils auch, damit Frankreich ebenfalls diesen Gewinn hätte. s. Die Mahlzeiten waren hier m vielen Stücken Hon denjenigen, der man sich in den Englischen Provinzen bediente, unterschieden. Vielleicht hängt dieß von her Verschiedenheit, die sich bey diesen Nationen in der Hh 3 tebenS- 486 1749/ im August. lebensart, dcm Geschmacke und der Religion zeiget, ab. Man aß hier Frühstück und spcisete beides zu Mittag und zu Abend. Man frühstückte gemeiniglich um 7 Uhr, oder zwischen 7 oder 8. Denn die Franzosen hieselbst stunden fast überall frühe deS Morgens aus, so daß man auch mit dem Generalguvernor um 7 Uhr des Morgens reden konnte. Und dieß war auch die Zeit, zu der man sich bey ihm einfand, um seine Aufwartung zu machen, oder seins Ansuchungen vorzutragen. Zum Frühstücke brauchte man verschiedenes. Einige von den Mannsleuten tunketen ein Stück Vrot in Vrandwein und äffen es; andere trunken einen Schluck Vrandwein und äffen, ein Stück Vrot darauf. Die Chocolade war auch sehr gewohnlich. Sehr viele, ja fast die meisten, vornehm, lich von den Frauensleuten, trunken Coffee mit ein wenig Milch. Einige äffen gar kein Frühstück. Ich merkte Niemahls, daß man hier Thee gebrauchte; vielleicht daher, weil man Eoffee und Ehocolade von den Französi» schen Provinzen im südlichen Amerika bekommen konnte, den Thee aber nur aus China, und weil man das Geld nicht umsonst für eine unnöthige Waare aus dem iande lassen wollte. Auch sahe ich nirgends, daß man Butter und Vrot zum Frühstück aß. Die Miltagsmahlzeit fiel gemeiniglich genau um 12 Uhr ein. Vcy den Vornehmen trug man sehr viele Gerichte auf. Und die andern folgten gern dem Beispiel der Grossen, wenn sie jemand^ zur Mahlzeit bey sich einluden. Das Brot war durchgängig von Weizen und länglich gebacken. Für einen jedweden legte man einen Teller, eine Gabel und einen iöffcl auf den Tisch, wie auch eine Serviette. (In de. Englischen Eolonien legte man niemahls oder sehr selten eine Quebec. 487 eine Serviette mit auf). Auch legte man an verschiede? nen Orten ein Messer neben dem Teller hin. Aber an den meisten Orten hatte man die Gewohnheit das Messer wegzulassen, und waren daher sowohl Frauenzimmer als Mannsleute verbunden, selbst ein Messer mit sich zu nehmen. Die töffel und Gabeln waren gemeiniglich von Silber, und die Teller meistentheils von Hollandischen Porcellain. Die Mahlzeit fieng sich allezeit mit einer Kraflsuppe ohne Fleisch, worin viel Brot geleget worden, an. Daher hatte man auf vielerley Art das Fleisch zugerichtet; man hatte gekochtes oder gebratenes Ochsen-fie^sch, gekochte oder gebratene Vögel von verschiedenen Arten, Fricassen u. s. f. Zugleich setzte man verschiedene Sallate auf. Während der Mahlzeit trunk man meistentheils rothen Wein, entweder unvermengt oder mit Wasser verdünnet, welches letztere meistens gebrauchlich war. Sie trunken auch viel von einer Art Vier, welches aus Fichtcnzweigen gebrauet wurde. Die Fraucnszimmer bedienten sich meistentheils dcS Wassers, bisweilen auch des Weins, aber selten des VierS. Ein jedweder hatte sein Glas und konnte für sich einschenken so oft er wollte. Denn die Vouteillen wurden auf den Tisch gesetzt. Die Butter trug man sehr selten auf, und wenn es geschahe, so that man es eigentlich eines Fremden wegen, der davon ticbhaber war. Sie war jederzeit sehr wenig gesalzen, so daß man Salz auf den Teller legen, und die Butter, welche man essen wollte, darin tunken muste. Das Salz auf dem Tische war fein und weiß. Nur sehr selten ward ich eines grauen Salzes gewahr. Nachdem man von den gröbcrn Gerichten gegessen hatte, setzte man fast alles bey Seite, und alsdann trug man die Confitüren auf, Hh 4 wel. 488 i?43/ im August. welche von vielerley Arten waren, als Wallnüsse, sowohl von Frankreich als von Canada, entweder ganz und reif, oder auch unreif und eingemacht; Mandeln, Rosinen, Haselnüsse, verschiedene Beeren, die man in dieser Sommerzeit fand, als rothe und schwarze Iohannsbeeren, die hier befindlichen Heidelbeeren, welche man mitZuckersyrup einmachte; verschiedene in Zucker eingemachte Sachen, als Erdbeere, Hindbeere, Brombeere, Moosbeere. Den Käs setzte man auch auf. Unter den Confitüren muste man ebenfalls die Milch, die gemeiniglich gut mit Jucker versüffet war, rechnen, welche sie zu allerletzt assen. Die Suppe gab man einem /edweden jederzeit besonders auf dem Teller. Nach der catholischen Religion aß man Freitags und Sonnabends kein Fleisch; daher auch diese Tage magere Tage genannt wurden. Dennoch wüste man auch in den Tagen sich wider den Hunger vorzusehen. Denn anstatt dessen richteten sie allerhand Küchenkräuter, als gekochte Gurken, Bohnen, Erbsen, Kohl und andere Sachen, welche der Küchengarten abwarf, zu. Nicht weniger aß man allerhand Arten Fische. Denn in alle« den übrigen Tagen sahe man selten einen Fisch auf dem Tische. Ueberdem hatte man allerhand Gerichte von Eyern U. s. f. Milch und verschiedenes davon zugerichtetes Essen brauchte man auch viel, beides des Freitags und Sonnabends. Sie glaubten nicht, daß Fische, Eyer und Milch einige Verwandschaft mit dem Fleische hätten. Man richtete die Gurken viel mit Rahm, nachdem sie vorher in Scheiben geschnitten waren, zu, und schmeckten sie alsdann recht gut. Zuweilen setzte man die Gurken ganz vor, da ein jeder, der an denselben Gefallen hatte, sie schalste, in lange Scheiben zerschnitte, und das Ende in Quebec. 489 inSalz tunkte; und sie also wieRettischen aß. DerMe-lonen war hier eme grosse Menge, welche man jederzeit ohne Zucker aß. Mit einem Worte, man lebte hier des Freitags und Sonnabends eben so gut, so daß ich, der kein besonderer Hedhabcr von Fleisch war, gerne gesehen hatte, daß alle Tage die so genannten magern gewesen wären. Ein Schälgen mit Salz und ein anderes, mit zerflossenem Pfeffer, stunden allezeit bey der Mahlzeit auf dem Tische. In den Wein legte man eben so wenig, als in den Vrandwein, Zucker. Was den Gebrauch des Zuckers anbelangt, so sahe ich niemahls auf meinen Rei-ftn, daß die Franzofen und Englander bey ihrem Essen, dem Thee und Coffee u. s. f. halb so viel Zucker als wir hier in Schweden verbrauchten. Und in den Wein legte, man niemahls Zucker. Da doch diese beiden Völker in ihren eigenen Pftanzörtern zureichlich viele Zuckerpfian-zungen haben. Vor und nach dem Essen betete man hier auf keine andere Weise, als daß man nur mit den Fingern ein Kreuz vor sich schlug; obgleich dieß auch nicht von allen beobachtet wurde. Gleich nach der Mittags-Mahlzeit trunk man Eoffee ohne Milch. Die Abendmahlzeit gieng gemeiniglich um 7 Uhr oder zwischen 7 und 8 vor sich, und die Gerichte waren alsdann fast dieselben, als des Mittags. Den Pudding vermißte man hier jederzeit, Me auch den Punch, den iabtrank der Engländer, ob man ihn gleich hier wohl kannte. Vom dre? und zwanzigsten. An verschiedenen Orten halte man hier die -Hunde gewöhnt, Waffer von dem Flusse anzufahren. Ich sahe heute zwey grosse Hunde, welche vor einem kleinen Wagen, der eine vor Hh 5 dem 492 !?49, im August. dem andern, gespannt waren. Sie hatten rothes und nett gemachtes Sattelzeug, wie Pferde, und Zügel in dem Munde. Auf dem Wagen stund eine Tonne. Sie wurden von einem Knaben regiert, der hinter den Wagen herlief. Die Hunde sprungen von sich selbst zu demHlusse. Nachdem das Wasser in die Tonne gegossen worden, so zogen die Hunde ihre tast den Vcrg hinauf, und hernach zu dem Hose hin. Ich sahe nachgehends bey meinem Aufenthalte in Quebec fast taglich Hunde mit Wagen zu dem Flusse hinab laufen, um darauf Wasser nach Haus zu ziehen. Zuweilen wa»7nur ein einziger Hund vor dem Wagen gespannt. Die Wagen waren mit Fleiß klein gemacht. Die Hunde, welche diese Wagen zogen, waren äb und zu ziemlich klein, und kaum so groß, als unsere gewöhnlichen Vauerhunde. Die Knaben, welche die Hunde regierten, hatten grosse Peitschen in der Hand, womit sie dieselben anstrengten, wcnn sie nicht geschwinde gehen wollten. Ich sahe sie nicht allein Waffer, sondern auch Holz, Eichen zum Bäuchen, und Zober, wie auch verschiedenes anderes anfahren. Im Winter hat man sehr oft in Kanada die Gewohnheit, wenn man irgendwo hinreisen will, Hunde vor kleine besonders dazu gemachte Schlitten zu spannen, und sie auf denselben Reisekleider, den Eßkorb und andere Bündel, welche man mit sich füh» ren will, fortziehen zu lassen. Gemeiniglich wandten arme ieute sie auf ihren längern oder kürzeren Winterreisen dazu an, wenn sie auch gleich selbst zu Fusse giengen. Fast alles Holz, welches die Armen hier im lande des Winters aus dem Walde hohlen, wird von Hunden von da gebracht; daher man diese Thiere auch die Pferde der Armen nannte. Sie spanneten alsdann gemeiniglich ein Quebec. 49l tin paar Hunde vor jedes Fuder, so daß der eine vordem andern gieng. Man zeigte mir auch ein paar nette bes sonders dazu gemachte Schlitten, worin ein Frauenzimmer des Winters fahren kann. Sie werden von einen» paar Hunden gezogen,, welche bey guter Vahn damit geschwinder laufen sollen, als man sich vorstellen kann. Ein Hund Von mäßiger Grösse ist im Stande eine Person zu ziehen, wenn die Vahn schön ist. Alte Männer erzählten mir, daß sich in ihrer Kindheit sehr wenige Pferde im iande' befunden, daher die Einwohner im Winter alle ihre Fuhren mit Hunden verrichtet hatten. Verschiedene von den Franzosen, die des Winters nach Terra iaborador gereiset sind, versicherten, daß die daselbst wohnenden Wilden , die Esquimaur hciffcn, nicht allein oft ihre Hunde im Winter auf Schleifen, was sie mit sich zu führen ns-thig haben, ziehen lassen, sondern daß sie auch selbst auf dem Eise in kleinen von diesen Thieren gezogenen Schlitten, fahren. Vom fünf und zwanzigsten. Der Quellen gab es an allen Seicen der hohen und ziemlich querlaufenden Anhöhen, westwärts von der Stadt, eine grosse Menge. Alle diese Anhohen bestehen aus dem vorher erwähnten schwarzen Kalkschiefer, und sind an der westlichen Seite ziemlich steil, so daß es mühsam ist, da hinauf zu kommen. Ihre senkrechte Höhe beträgt ohngefahr ia oder i2 Klaftern. Oben sind sie jetzt kahl oder von Wald entblossct, und mit einer dünnen Erdrinde, die auf dem Kalkschiefer lieget, und welche man entweder zum Acker oder zur Weide anwendet, bedeckt. Es scheint daher bewundernswürdig zu seyn, wo diese nackenden Höhen die vle- 492 !?49/ im August. vielen fiiesscnden Quellen hernehmen, welche an einigen Orten, wie ein Strom, aus dem Verge hervor getreten kommen. Haben etwa solche Höhen die Eigenschaft, das Wasser bey Tage odcr in der Nacht aus der iust an sich zu ziehen? Und sind vielleicht die Schieferberge mehr als alidere dazu geneigt? Die Pferde hier im iande, deren erster Stamtn «US Frankreich Hieher geführt worden, waren fast alle von einer guten Art, stark, wohlgewachsen und hurtig und mehcentheils so groß, als unsere Rcutcrpferde in Schwe, den. Man hatte hier eben den Gebrauch / als in England, daß man nehmlich den Schweif an den Pferden abhieb, unh nur einen kleinen kurzen Stumpf davon nachließ. Dieses scheinet aber hier im iande ein ziemlich strenges Verfahren zu seyn, indem sie nachgehends nichts, hatten, womit sie sich wider Mücken.,. Vwmse, Pferde,, fliegen und andere Inseckte, deren es hieseldst eine grosse Mengc.giekt, vertheidigen konnten. Wenn die Pfcroe hier ein Fuder ziehen: so spannt man nicht zwey in der Vreite zusammen, sondern so, daß das eine nach dem an' dern gehet. Doch nimmt man nicht leicht mehr als drey, wohl aber weniger, zu einer solchen Reihe. Diese Art des Vorspanns wird ohne Zweifel die Ursache seyn, warum man die Schweife abgestuzt hat, weil sonst das vorher« gehende Pferd die Augen des nächstfolgenden beschädigen dürfte, Zu den Sommerfuhren bediente man sich grosser Karren. Denn ich wurde keiner iasiwagen, oder Wagen mit vier Rädern, hier gewahr. Nur allein der General« guvernör und einige wenige von den vornehmsten Herren un iande, brauchten einen bedeckten Wagen. Meisten- theils Quebec. «93 theils aber bediente man sich der Chaisen. Es war eine gemeine Klage, daß der iandmann zu viel Pferde anzulegen anfängt, wodurch die Kühe im Winter bey der Futterung zu sehr zu kurz kommen. Die Ruhe waren gleichfalls zuerst aus Frankreich Hieher gebracht u orden. Sie hatten /etzt eben die Grösse als unsere gewöhnlichen Schwedischen. Es sagten alle, daß das Vieh, das von den Kühen, die zuerst aus Frankreich Hieher gekommen, aufgewachsen, niemahls so groß als scine Mutter würde. Man, schrieb dieß den kalten Wintern zu, und daß man hier genöthigt ist, sie übcr sechs Monate einzuschließen, und während der Zeit ihnen schr wenig Futter, indem dasselbe sonst nicht zurei, chen wurde, zu geben. Fast alle Kühe hatten Hörner; doch sahe ich bisweilen einige ohne Hörner. In Pen-sylvanien aber war es eine unerhörte Sache, eine Kuh ohne Hörner zu sehen. Mag wohl die Kälte etwas dazu beytragen? Uebrigcns soll eine Kuh mehrenlheils hier so viel Milch als in Frankreich geben. Man hielt auch das Ochsen: und Kalbfleisch hier bey Quebec für fetter und schmackhafter, als dasjenige bey Montreal. Es wollten einige die salzigen Weiden, die unten vor Quebec liegen, als die Ursache davon ansehen. Dieß kann aber wohl nicht völlig genug thun. Denn das meiste Vieh, das in Quebec verkauft wird, und sich daherum befindet, hat kcine mit Vinsengras * bewachsenen Wiesen, worauf es weiden kann. In Canada ziehen die Ochsen mit den Hörnern, in den Englischen Provinzen aber • Triglo chüi. 494 l?49/ im August. aber mit den Vugen auf eben die Weise als die Pferde. Die Kühe halten hier verschiedene Farben. Doch waren die meisten entweder schwarz odcr roth. Ein jedweder landmann halt hier gemeiniglich ei, mge Schafe, bald mehr, bald weniger, von denen er so viel Wolle erhalten kann, als er zu seinen taglichen Kleidern brauchet. Die bessern Kleider aber werden aus Frankreich Hieher gebracht. Wenn man Schafe aus Frankreich hat kommen lassen, und dieselben einige Zeit hier gewesen sind, so bleibt die Wolle nicht mchr so weich und fein, wie sie anfänglich gewesen ist, sondern wird weit gröber und steifer. Und noch mehr geschiehet dieß mit ihrer Abkommenschaft. Man glaubte, die vornehmste Schuld läge an dem sparsamen Futter, wodurch die Schafe im Winter Noth leiden müsten. Die Ziegen sahe ich nirgends in Canada. Man versicherte mich auch, daß keine daselbst wären. In den Englischen Pftanzortcrn wurde ich nur einige wenige ge, wahr, und zwar kaum anderswo als in einer Stads. Sie sollen auch da keiner andern Ursache, als nur gewiss sec Kranken wegen, denen die Aerzte ihre Milch als ein Heilungsmittcl anrathen, gehalten werden. Die Eggen waren nicht viereckig, fondern dcr Gestalt nach, wie ein Dreyeck. An den meisten waren zwey Seiten drey Ellen, und die dritte nur zwey Ellen lang. Sowohl die Zahne, als alles übrige, war von Holz. Die iänge der Zähne, und die Encfernuna der« klben unter einander, betrugen eine Viertelelle. Die Quebec. 495 Die Aussicht des H.attdeseineViertclmeile nörd, lich von Quebec an der westlichen Seite des iorenzftusses war sehr angenehm. Das iand war hier abschüßig gegen den Fluß, und je weiter man sich von dem Flusse cntfernele, desto hoher wurde es. An vielen Orten war es von der Natur in Absätze getheilet, so daß der eine Erdwall über dem andern lag. Von diesen Hohen konnte man weit herum sehen. Quebec stellte sich nach Süden sehr deutlich dar. Nach Osten war der iorenzsiuß, wo man auf und nieder segelte. Nach Wcsien lagen die hohen Verge, mit denen sich die Anhöhe von dcm Flusse endigte. Es war hier alles iand entweder zum Acker, zur Wiese oder Aue angebauet. Hin und wieder erblickte man einen kleinen iaubwald, den man von dem alten Walde übrig gelassen hatte. Die Aecker waren mcisientheils mit Weizen, doch auch ziemlich stark mit dem weissen Haber, und an einigen Orten mit Erbsen besäet. Andere Getraidearten fand man hier nicht. Hie und da stunden schöne Hauser und Höfe, welche doch'insgesamt von einander abgesondert waren. Das Gebäude, worin sie wohnten, war meistentheils aus dem schwarzen Kalkschiefer gcbauet, und gemeiniglich äusserlich geweissct. Der eine Wasssrbach oder Canal strömte nach dem andern von den Anhöhen, wo die grossen Berge waren, hinab. Diese Anhöhen unten vor den Vcr-gen bestunden ganz und gar aus dem schwarzen Kalkschiefer , der in der freyen iuft jederzeit sich in kleine Stücke zerspaltete. Auf diesem lag Erde zu einer halben, einer aan;en bis dritthalb Ellen, kaum aber darüber, an der Dicke. Die Ackererde war mit kleinen Stücken davon angefüllt. Und wo ein Bach fortfloß, da halte er sick) unten 496 1749/ im August. unten gemeiniglich tief eingeschnitten, und dessen Seiten-theile bestunden mehrcntheils blos aus diesem Schiefer. Ab und zu fand man in dickern Schichten einen dunkel-grauen Kalkstein, der, wenn er enlzwey gebrochen ward, stark wie Stinkstein roch. Es wurden jetzt verschiedene Schisse bey Quebec auf des Königs Rechnung gebauet. Doch lief noch vor meiner Abreise von Frankreich der Befehl ein, daß nicht mehr Kriegsschiffe hier gebaut werden, sondern'nur dieje, nigen fertig gemacht werden sollten, welche schon auf dem Stapel stunden. Die Ursache war, weil man ge, funden hatte, daß Schiffe, die aus amerikanischen Ei, chen aufgeführet waren, bey wcitcn nicht so lange, als diejenigen, die man aus europaischen Eichen baut, ausi hallen. Um Quebec befindet sich sehr wenig Eichenholz, und die Eichen, welche da wachsen, sind gemeiniglich so klein, daß sie zu nichts taugen. Daher war auch fast alles eichene Bauholz, welches um Quebec lag, vsn den Orten, welche gegen Neu-England liegen, Hieher geführt worden. Denn die Eichen im nördlichen Amerika habcn die Eigenschaft, daß sie, je weiter sie nach Norden wachsen, desto länger der Faulniß widerstehen, und im Gegentheil, /e weiter sie nach Süden wachsen, desto weniger dauerhaft sind. Dieses Bauholz wurde mit Flössen auf den Flüssen, die von der Seite des neuen Englands kommen, und bey St. Pierre oder da herum in den St. torenzfiuß einfallen, hinunter gebracht. Es war auch etwas Eichenholz von dem Theil von Canada, der zwischen Montreal und dem Fort St. Frederic lag, gekommen. Man hielt es aber nicht für so gut, als das vorige, und ausserdem war der Weg darnach ungleich langer. Vom Zwischen Quebec und der Baye St. Paul. 497 Vom sechs und zwanzigsten. Man zeigte mir heute eine grüne Erde, die dem General Marquis de la Galißioniere von dem obern Theil von Canada zugebracht worden war. Es war eine Art Thon, die ganz dicht an einander klebte, und durch und durch eine so grüne Farbe, als Grünspan hatte. Es sind fast in ganz Canada Arebsi in den Bachen und kleinen Strömen vorhanden, und zwar von einerley Art mit den unsrigen in Schweben. Die Franzosen essen sie gerne. Es sagten alle, daß sie jetzt ansehnlich abgenommen hätten, nachdem man sie so stark zu fangen gewohnt wäre. Das gemeine Volk hier im iande schien sehr arm zu seyn. Sie hatten zwar einiger maffen ihr Auskommen , aber auch nicht viel darüber. Es soll sehr selten jemand von den teuren vom untern Stande einige Reichs thümer besitzen. Sie waren mehrentheils zufrieden, wenn sie dürres Vrot zu essen und Wasser zu trinken hatten. Die übrigen Nahrungsmittel aber, welcher sie sich bedienen konnten, als Vutter, Käse, Fleisch, Hühner, Eyer, u. s. f. wurden insgesammt zur Stadt gebracht, um sie in Geld zu verwandeln, wofür sie sich Kleider, Brand-wein oder Putzwerk für die Frauensleute kauften. Doch so mager sie es auch beides zu Hause und auf Reisen hat-ten: so waren sie doch allezeit freudig und bey gutem Muthe. Vom neun und zwanzigsten. Ich machte auf die Veranlassung des Herrn Generals Marquis de la Ion« qüiere, und des Herrn Generals Marquis de la Galißiol Reisen ". Theil. Ii ntz»e, 498 1749/ ^ August. mere, mit einigen Französischen Herren Gesellschaft, mn ein so genanntes Silber.-oder Blcybergwcrk beyderVaye St. Paul zu besehen. Ich verstand mich zu dieser Reise um so viel lieber, da ich zugleich Gelegenheit hatte, einen grössern Theil des iandcs, als sonst geschehen seyn würde, in Augenschein zu nehmen. Wir begaben uns daher dcS Morgens in einem Vatton den iorcnzfiaß hinunter auf die Reise. Die Gmdtezeir war jetzt vorhanden. Ich sahe die ieute auf allen Aeckcrn mit dem Einerndtcn des G.< traideS beschäftigt. Dcn Weizen und den Haber hatte man, wie man durchgehcnds sagte, eine Woche zuvor, wofern nicht eher, abzumähen angcfangcn. Die Aussicht bey Quebec war sehr anwuthig von der Seeseite. Die Stadt lag hoch. Man sahe alle Kirchen und hohe Gebäude sehr gut. Und die Schiffe, wel-che in dem Flusse unten neben einander lagen, machten eine besondere Zierde. Der Pulverthurm, der auf dem höchsten Gipfel d^s Verges, worauf die Stadt erbauet ist, stehet, ragete noch über allen Häusern hervor. DaS tand, wo wir heute vorbey reiseten, hatte eine sehr angenehme Aussicht. Der torenzfiuß lief hier fast von Süden nach Norden. Zu beiden Seiten desselben zeigten sich grosse Fclder von angebautem temdc, doch mehr an der westlichen als östlichen Seile. Die Anhöhen neben den Ufern waren steil und hoch. Eine Menge von schonen, doch überall unter sich getrenneten Höhen, grossen Acckern, die /etzt von dem Getraide ganz weiß aussahen, und vortteftichen Gehölzen und iaubwäldern machten das Ms , land Zwischen Quebec und der Baye St. Paul. 499 iand zu beiden Seiten angenehm. Ab und zu nahm man «ine steinerne Kirche wahr. Hin und wieder warf sich ein Bach von diesen hohen Anhöhen in den Strom hinab. Da,w?der Vach etwas beträchtlich war, hatte manWaf» fer - oder Sägemühlen angelegt. Nachdem wir anderthalb Französische Meilen gerudert hatten, kamen wir zu der Ifle d' Orleans, welche eine grosse Insel von ohngefähr achtehalb Französischer Meilen in der iänge, und gegen 2 solcher Meilen, in der Breite, da wo sie die größte Weite hat, ist. Sie liegt mitten in dem lorenzfiuffe. Sie hatte eine erhabene läge, ihre Seitentheile waren etwas abschüßig, und an den meisten Orten waldig. Verschiedentlich waren sie auch kahl, und sahe man Hose ganz unten neben dem Ufer erbauet. Auf der Insel selbst hatte man das iand gut bearbeitet, und man erblickte nichts anders als hübsche Steinhäuser, grosse Acker, Wiesen, Auen und iaub-walder, und eine und die andere Kirche von Stein. Wir hielten uns an den Ast des iorenzfiüffes, welcher westwärts von Isle d' Orleans lief, indem dieser Weg kurzer war. Man schätzte dessen Breite gemeinig' lich auf eine Französische Viertelmeile. Die Schiffe dür, fen aber diesen Weg nicht nehmen, thells wegen der Sandbänke, die hier neben Erdzungen befindlich sind, theils wegen des seichten Waffers, theils wegen der Stei, ne und Klippen, die verschiedentlich in dem Grunde liegen ; sondern sie musten allezeit an der östlichen Seite der erwähnten Insel fahren. DaS iand sahe zu beiden Seiten eben so, wie vorher aus. An der westlichen Seite oder auf dem festen lande bestunden die Anhöhen neben Ii 2 dem 5OO l?49/ im Julius. dem Flusse überall aus dem ost erwähnten schwarzen Kalk« schiefer. Die Häuser, worin die Bauern wohnten, waren fast überall aus diesem Steine aufgemauert, aber äusserlich geweisset. An einigen Orten hatte man dennoch Hau» ser aus andern Steinarten. Die Reihe von zehen grossen Bergen, welche westwärts von dem Flusse lag, und welche mehrentheils von Süden nach Norden streichet, sieng allmählig sich dem Flusse zu nahern an: so daß diejenigen , welche bey Quebec wohl ein paar Meilen von demselben entfernet waren, nach einer Reise von 9 Fran, zosischen Meilen fast ganz bis zum Strande kamen. Mehrentheils waren diese Verge mit Wald überwachsen: aber an einigen Ortm hatte das Waldfeuer alle Baume mitgenommen. Ohngefähr achtehalb Französische Meilen von Quebec liegt an der westlichen Seite des Flusses, unten an dem Ofev eine Kirche, welche S. Anne heißt. Diese ist deswegen merkwürdig, weil die Schiffe, welche von Frankreich oder andern Orten kommen, so bald sie so weit den iorenzstuß zurück gelegt haben, daß ihnen die gemeldete Kirche zu Gesichte kömmt, ihre Eanonen abfeuern, zum Zeichen und zur Freude, daß sie jetzt nichts weiter in dem iorenzfiusse zu befürchten haben, und daß sie jetzt aller Gefahr wegen der vielen Sandbänke, die darin sich befinden, entgangen sind. Das Waffer in dem Flusse, wo wir heute reiseten, war überall blaßroth und trübe, ob man es gleich verschiedentlich über 6 Klaftern tief schätzete. Eine kleine Strecke unterhalb St. Anne fiel an der westlichen Seite des Flusses ein Strom in den, selben, der ta grande Riviere hieß. Sein Wasser fioß mit einer solchen Heftigkeit, daß es fast in die Mitte desjenigen Astes vom iorenzfiuffe, welcher zwischen der Isle d'Or. Zwischen Quebec und der Baye St. Paul. 501 d' Orleans und dem festen lande ist, sich ergoß, ehe der Fluß seinen tauf andern konnte. Gegen zwey Uhr nach Mittag fieng der Fluß an aufwärts zu stiessen. Und da uns der Wind ausserdem sehr heftig entgegen blies: so war es ohnmöglich weiter zu kommen, bevor es wieder Ebbe wurde. Wir nahmen daher unsere Herberge so lange in einem grossen Hofe, der den Priestern in Quebec zugehorte, neben dem eine hüb« sche Kirche, die S. Joachim genannt wurde, lag, nach, dem wir heute 8 Französische Meilen zurück gelegt hatten. Hier wurden wir auf allc Art und Weise gut bewillkome met. Alles umgränzende tand ist von dem Könige dem Seminario oder den Priestern in Quebec geschenkt wor« den, welche es an Bauern und andere, die darauf ihre Höfe erbauet, verpachtet haben. Hier befanden sich nun zwey Priester, wie auch eine Menge /unger Knaben, welche im tesen und Schreiben, wie auch in dem tatein un. terrichtet wurden. Die meisten von diesen Knaben waren dem Priesterstande gewidmet. Gerade diesem Hofe gegen über nach Osten liegt die nördlichste Ecke oder daS äusserste Ende von der Isle ts Orleans. Roche Iohannsbeerbüsibe waren in Menge fast in allen Gärten, sowohl in Montreal und Quebec, als anderswo auf dem lande gepflanzt. Sie sollen alle lhrem Ursprünge nach von Europa gekommen seyn. Hier kamen sie aber unvergleichlich fort. Die Büsche waren überall Ianz roth von Beeren. Die wilden weinranken * wuchsen ziemlich stark hier in den Waldern. Man hatte sie aber sonst in ganz Ii 3 Eana-k • Vitis Labrusca et TUlpinsw 502 1749, im August. Canada, bey dem Fort St. Frederic, Montreal und in Quebec und an andern Orten mit Fleiß nebcn den inst« Häusern in den Garten gcpjlanzet. ^ Diese iusthäuser waren aus lauter iatten gemacht, über die sich die Weinranken mit ihren Reißigen in die Höhe gewunden, und welche sie dergestalt an allen Seiten mit den grossen Vlat« tern bedeckt hatten, daß die Sonne ohnmöglich mit ihren Strahlen durchdringen konnte. Sie waren hier des Som» merS sehr angenehm, indem man in dem Schatten sitzen und eine erfrischende und kühle iuft gegen die Hitze haben konnte. Man schnitte hier niemahls den Weizen mit Sen« sen, sondern jederzeit mit Sicheln. Diese waren der Gestalt nach wie die gewöhnlichen Sicheln gebogen und ohngefahr eine Elle oder darunter groß. Man hatte an der Seite, welche bey dem Schneiden niederwärts gekeh, ret ward, kleine Furchen geseilet, welche so tief giengen, daß auch an dem Schnitte eine Menge von ihnen, die ohngefahr eine halbe Geometrische iinie von einander ab, stunden, zu sehen war. Die Heustapeltt, die ich auf dieser Reise auf den Wiesen wahrnahm, waren von zweierlcy Art. Die eine sahe wie ein Zuckerhuth oder genauer wie das M'ttel zwischen einem Zuckerhuth und einem taibbrote aus, und War die gebrauchlichste. Die andere hatte mit unserm Erbsenstapcln Aehnlichkeit. In diesem Theil von Canada habe ich niemahls besondere Heuböden auf den Wiesen bemerkt. ^ Der heftige Gegenwind nöthigte uns über Nacht zu St. Joachim zu bleiben. Vom Zwischen Quebec und der Bayc St. Paul. 50; vom dreißigsten. Dcs Morgens setzten wir Unsere Reise bey einem hartnäckigen Gegenwinde fort. Gleich unter St. Joachim fangt das Wasser in dcm Flusse bey der höchsten Fluth an salzig zu werden; und je weiter Man hernach hinunter kommt, desto salziger wird es. Wir hatten anfanglich an der westlichen Seite des Flusses vor-treftiche obgleich niedrige Aecker: aber bald daraufliefen die hohen Verge ganz bis zum Wasser in dem Flusse fort. So lange sie wegwaren, bestunden die Anhöhen neben dem Flusse aus dem schwarzen Kalkschieser. So bald aber dieselben hervor traten, so verlohr sich derselbe gänzlich. 5 Denn die Steinart in diesen hohen Vergen war ein mit Glimmerund Quar^ermischter kalkhaltigerFels-siein *. Der Glimmer war schwarz, der Quarz theils violett, theils hellgrau. Es waren alle vier verschiedene Bestandtheile so genau mit einander vermischt, daß man fie zwar leicht mit den Augen, aber nicht mit einem Werkzeuge, von einander trennen konnte. Die Vreite des Flusses betrug, wie man sagte, fast diesen ganzen Tag, 3 Französische Meilen, da wo wir reiseten. Man zeigte mir auch ab und zu den Weg, den die Schiffe nehmen müssen, der ziemlich beschwerlich war. Denn bald musten sie nach drr einen Seite des Flusses, bald nach der andern fahren, um die Sandbänke und verborgenen Klippen zu vermeiden, die hin und wieder in dem Flusse liegen. Wir waren auf dieser Reise oft genöthigt, das,waS bey hohen Vergen gewöhnlich ist, zu erfahren. Nehmlich, obgleich ein solcher hoher Verg bisweilen ganz nahe Ii 4 zu * Saxum micaeeo-quarzolb-calcarmm. 5 bis i2O Fuß belief. Welches nachgehends nach unserer Ankunft in Quebec von verschiedenen Standspersonen, so dieselbe gemessen hatten, in sofern bestätigt wurde, daß wir der rechten Höhe ziemlich nahe gekommen waren. Die ieute, die hier herum wohneten, übertrieben es, indem sie steif behaupteten, daß der Fall zoo Französische Fuß hoch wäre. Und P. Eharlevoir * ist gar zu sparsam, wenn er die Höhe nur auf 40 Fuß schätzet. Das würde gar zu grosse Füsse geben. An dem Fusse des Falles stieg beständig als ein dicker Rauch von den Dünsten, welche das Wasser bey seinem heftigen Sturz in die iuft trieb, in die Höhe. Dieser Rauch oder Nebel breitete sich hernach zu mehr als einem Büchsenschüsse in dem Busen un, ter dem Falle aus. Doch war er zunächst an dem Wasser am * I« seiner //P. stcn bey allen Getraidearten. Man hatte in diesem Monate eine Menge Melonen, Wassermelonen, Gurken und schone Pflaumen. Die Aepfel und Birnen wurden auch ganz reif, welches, wie man sich verlautet, nicht alle Jahre geschieht. Sie fiengen die letzten Tage im Monate in den Aeckern zu pflügen an. Unter den Anmerkungen für diesen Monat wird folgendes angeführt: Die Alten in dem iande sagen, daß man ehemahls das ' Getraide nicht eher als den i5ten ober i6ten im Sepcem« "ber, doch bisweilen den i2ten, habe schneiden können, 'und daß das Getraide niemahls eher reis geworden; "wie auch daß es niemahls zu einer so vollkommenen „Reife, als jetzt gelanget sey. Nachdem man aber nun ,'das Gehölze umgehauen und viel iand aufgenommen hat, 'so haben die Sonnenstrahlen mehr Gelegenheit bekom-'men, ihre Wirkung zu zeigen, wodurch das Getraide "jetzt weit früher reif wird.,, Weiter wird angemerkt, daß die heissen Sommer allezeit sehr fruchtbar in Canada sind, und daß annoch in vielen, ja in den meisten Jahren, wohl der zehente Theil des Getraides nicht zur Reise gelanget. Vom October. Man pfiügete diesen ganzen Monat die Brachäcker. Es war ein vortrefiiches Wetter eben die Zeit. Der Nachtfrost siel zu verschiedenen mahlen em. Denn Men schneiete es. Gegen Ende des Monats fiengen die Vaume an, ihr iaub fallen zu lassen. Vom November. Das Pflügen wurde bis auf den loten fortgesetzet. Die Bäume hatten auch den loten all ihr iaub fallen lassen. Vis auf den isten gieng das 553 i?49/ im September. das Vieh aussen; doch hatte es bisweilen wegen schlin,» wen Welters einen Tag zu Hause bleiben müssen. Den i6ten donnerte und blitzete es. Den 24sten sahe maft noch kein Eis im iorenzfiusse. ' " ''. , . ., - > Vöm December. Unter diesem Monate wird gesagt, daß dieser Herbst weit gelinder als in vielen Jahren vorher gewesen sey. Den isten gieng noch ein Schiff nach Frankreich ab. Den iSten fieng der lorenzfiuß an, mit Eis belegt zu werden. Doch war er noch in der Mitte offen. Aber in dem Eharlesstrom war so dickes Eis, daß es Pferde und grosse Fuder tragen konnte. Denn 26sten gieng das Eis durch den starken Regen in dem torenzfiuffe weg. Den Men wurde wiederum ein Theil des iorenzfiusseS mit Eis überzogen. In den folgenden Beobachtungen wird angemerkt daß auch dieser Winter einer von den allergelindesten gewesen sey. Die Reisi von Quebec gieng des Abends mit einem guten Winde vor sich. Der Herr Generalguver-nör Marquis la Ionquiere, der mich gleichfalls mit ei« ner Gunst nach der andern üherhäufet, halte eines von den Voten des Königs mit 7 Mann, die mich nach Montreal rudern sollten, verabfolgen lassen. Mitten in dem Voote war ein grosser Spriegel von feinem blauen Tuch, unter dem Wir vor dem Regen gesichert sitzen könn-ten. Diese ganze Reise wurde auf Kosten Sr. Majestät, des Königs in Frankreich unternommen. Wir legten diesen Abend 3 Französische Meilen zurück. Vom Quebec. 559 Vom zwölften. Die Reise wurde diesen ganzen Tag fortgesetzet. Der Ma'ss von der kleinen Art, welche innerhalb 3 Monaten reif wird, war jetzt zeitig, und man riß ihn auf und hieng ihn in die luft zum Trockney. Die Witterung war zu jetziger Zeit in der hiesigen Gegend, so wie bey uns zu Anfang des Augusts nach dem alten Stil, beschaffen. Es scheint daher der Herbst in dem nordlichen Canada gegen einen Monat spater als in dem mittelsten Theil von Schweden einzutreffen. Es waren fast bey einem jedweden Vauerhofe Rüchengärten angelegt. Der Rochlauch war da« Gewächs, welches unter allen die größte Menge aus» machte. Des Freytags und Sonnabends, als die Fran« zosen ihrer Religion wegen nicht Fleisch effen durften, war oft das Frühstück der Französischen Bauern, und bisweilen der größte Theil ihrer Mitlagsmahlzeit, nichts anders als Brot mit einigen Schnitten Rothlauch. Doch kann ich nicht sagen, daß die Franzosen in der Enthab tung des Fleisches so streng eben waren. Denn viele von meinen Rudersleuten äffen heute, ob es gleich Freytag war, beide Mahlzeiten von dem Fleische, das sie gestern kochten, und damahls ungegessen blieb. Ich bemerkte dieß beides vor-und nachher. Wegen des starken Ge, nuffes des Rolhlauchs roch der gemeine Mann bisweilen so stark, daß einer der dessen nicht gewohnt war, beym Vorbeygehen sich etwas vor die Nase zu halten genöthigt sahe. Von ^ürbijsin fand man auch viel in diesen Küchengärten. Man richtete sie auf verschiedene Weise zum 56o 1749/ im September. zum Essen zu. Daß gewöhnlichste aber zu dieser Zeit «bar, daß man die Kürbisse nach der iänge in der Mitte in zwey schnitt. Die innere oder aufgeschnittene Seite dieser Hälften ließ man in Yem Heerde so lange gcgen das Feuer stehen, bis sie gut durchgebraten war. Und das Fleisch oder Bas iose schnitt man hernach von de« äusser« Schale weg und aß eS. Die mehr bemittelten streueten auch ein wenig Zucker darauf. Mohren, Sallat, Vicebohnett, Gurken und rothe Iohannsbeerbüsche waren die übrigen Gewächse, welche fast ein jeder Vauer in seinem kleinen Küchengarten gepflanzt hatte. Der Toback war bey einem jedweden Vauer neben dem Hofe, und zwar in grösserer oder kleinerer Menge, nachdem die Haushaltung groß war, gesetzt worden. Es , war auch ziemlich nöchig, daß sie es so machten, indem der gemeine Mann stark Toback rauchete. Kleine Knaben von if soviel-erley Art, wie bey unZ, zum Effcn zuzurichten. Am gewöhnlichsten war, die süsse Milch aufzukochen, und gebrocktes Weizenbrot und braf Zucker einzuwerfen, In die ungekochte süsse Milch, oder in die geronnene legten auch die Vornehmen eine Menge Zucker, wenn sie sich davon bedienen wollten. Sonst gabcn es die Franzosen hier im iande den Engländern m dem Fleischcsscn an den Tagen, da es ihre Religion verstattete, nicht viel nach. Denn wenn man bey ihren Mahlzeiten die Suppe, den Sallat und den Nachtisch, als Mandeln und Rosinen u. s. f. ausnimmt, so bestunden fast alle ihre Gerichte aus lauter Fleisch, welches nur auf verschiedene Weise zuge-kchtet war. Des Abends nahmen wir unsere Nachtherberge in einem Vauerhofe bey einem Strom, der petite Riviere genannt wurde, und sich hier in den iorenzfluß warf. Von hier rechnete man 16 Französische Meilen nach Quebec , unh eben 10 nach Trois Rivieres. Die Ebbe und Fluth war noch ziemlich stark. Hier war die letzte Stelle nach dieser Gegend, wo ich die Anhohen neben dem Stron, zum Theil aus dem schon oft erwähnten schwarzen Kalk« schiefer bestehen sahe. Denn weiter hinauf fiengen sie an ganz von Erde zu seyn. Die G Zwischen Quebec und Trois Rivieres. 563 Die Feuerftiegett flogen des Abends in den Gebüschen, obgleich nicht" so gar zahlreich. Die Franzosen nannten sie Mouche a feu. Die Häusir hier herum waren fast überall von Holz. Die Stuben waren ziemlich groß. Das innere Dach ruhete auf 2, 3 oder 4 grossen dicken Sparren, nach der verschiedenen Grösse des Zimmers. Die Ritzen der Mauern waren mit Thon, anstatt des Mooses verschmiert. Die Fenster bestunden ganz aus Papier. Der Kamin war in der Mitte der Stube aufgemauert. Der Theil der Stube, welcher vorne vor der Oefnung des Eamins oder der Feuerstätte war, diente zur Küche. Aber in* demjenigen hinten schlief man, und nahm die Fremden auf. Visweilen war ein eiserner Ofen hinter dem Kamin. Vom dreyzehneett. Bey Champlain, welches 5 Französische Meilen von Trois Rivieres lag, bestunden die steilen Anhöhen neben dem Fluß aus einer gelben und bisweilen ocherfarbenen Sandstauberde, aus welcher eine SNenge dicht an einander liegender Quellbache heraus stoß. Das Waffer in denselben war fast allezeit mit einem gel« ben Ocher angefüllt, zu einer Anzeige, daß überall unter diesen trockenen Sandfeldern eine Menge Eisenerz von eben der Art, welche bey Trois Rivieres aufgegraben wird, liegen muß. Es war bewundernswürdig, wovon diese unzählbare Menge von kleinen Bachen mag entstanden seyn; indem das land oberhalb eben, und die« ser Sommer einer von den dürresten war. Das iand zunächst an dem Flusse war bis auf eine kleine Englische Meile angebauet; aber dahinten folgte ein hohes dickes Gehölze und niedriges iand. Der Wald, der die Feuch« Nn 2 tig« 564 !749/ im September. tigkeit gesammlet hatte, und die Ausdünstung deS Was. fers verhinderte, nöthigte dasselbe, unter der Erdenach dem Flusse hin durchzudnngcn. Auf den Ufern deS Flusses lag viel von dem sihwarzen Eisinsande. Gegen Abend kamen wir nach Trois Rivieres, wo« selbst wir nicht länger verzogen, als bis wir die Vrlefe, welche uns von Quebec mitgegeben waren, abgeUefcrt hatten. Wir reiseten hernach noch ^ine Französische Meile weiter hinauf, ehe wir Nachlherberge »lahmen. Diesen Nachmittag sahen wir drcv besonders alte j^eute. Der eine war ein alter Jesuit, mit Namen P' Joseph Aubery, der bey den bekehrten Indianern bey S. Francois als MißionariuS stund. Er hatte in diesem Sommer als Jesuit das 5oste Jahr seines AmteS zurückgeleget. Daher er jetzt nach Quebec reisele um sein Iesuitengelübde miedet zu erneuern, und schien noch sehr gesund und lebhaft zu seyn. Die andern waren un, sere Wirthsleute, bey denen wir übernachteten. Der Mann war über 82 Jahr alt, und seine Frau nicht viel jünger. Sie hatten jetzt 51 Jahr mir einander in der Ehe gelebt. Das Jahr vorher, als sie das 5oste Jahr ihrer ehelichen Verbindung geendigt hatten, waren sie beide zur Kirche gegangen, und hatten Gott für die grosse Gnade, die er ihnen hierin erzeiget, gedankt. Sie haben aber keine andere Goldhochzeit gehalten, ob sie gleich von vielen darum ersucht worden sind. Sie waren noch ganz gesund, gesprächig, vergnügt und freundlich. Der Greis sagte, daß er mit andern zu der Zeit in Quebec gewesen wäre, als die Engländer im Jahr 1692 diese Stadt belagerten. Der Bischoff in Canada war unter > der Zwischen Quebec und Trois Rivieres. 565 der Belagerung in seiner bischöflichen Kleidung mit einem Säbel in der Hand, um die Soldaren aufzumuntern, ^ in der Stadt herum gegangen. Dieser alte Mann sagte, daß ihm vorkäme, als Wenn der Winter in seiner Kindheit weit kalter als jetzt gewesen wäre. Es soll auch damahls weit mehr Schnee als jetzt gefallen seyn. Er wüste sich noch zu entsinnen, daß die Gurken und Kürbisse u. s.f. selbst bey derIohan, niszeit verfroren wären. Und versicherte auch, daß der Sommer jetzt warmer als in seiner Jugend wäre. Vor einigen zo Jahren war in Canada ein so strenger Winter gewesen, daß viele Vögel umgekommen: aber an die Iahrzahl selbst konnte er sich nicht erinnern. Es bezeug' ten alle, daß der Sommer in den Jahren 1748 und 1749 >n Canada wärmer, als viele Jahre vorher gewe. sen wäre. Das Ardreich hielte man hier für ziemlich frucht« bar. Der Weizen gab nun das 9te oder ic>te Korn. Aber in der Kindheit des Greises, wo sie überall ein neues und fettes iand aufnehmen konnten, hatten sie bisweilen von dem Weizen bis auf das 2oste oder 24ft« Korn erhalten. Von dem Rocken säete man sehr wenig aus. Ebenfalls von der Gerste nicht viel, und zwar nur für das Vieh. Doch klagete man, daß man in den Jahren, wenn ein Miswachl sich ereignete, genöthigt wäre, Vrot aus Gersten, anstatt des Weizens zu backen. Vom Vierzehnten. Wir stunden des Morgens frühe auf, und eilelen mit unserer Reise. Nachdem wir ein paar Franzosische Meilen gesegelt waren, kamen wir Nn 3 ' zur 566 !?49, im September. zur See Saint Pierre, über die wir hernach fuhren. Verschiedene von den Gewächsen, welche in unsern Schwe-dischen Seen gemein sind, lagen und schwömmen hier auf dem Wasser. Diese See soll /eben Winter mit ei, nem so starken Eise belegt seyn, daß ivo Pferde und Fuhren auf einmahl sicher hinüber fahren können. Ein Rrebo, der einer Krabbe ahnlich, aber ganz klein von 2 geometrischen iinien in der iänge, und einer dem gemassen Dicke war, befand sich bisweilen auf den Seegewachsen, die wir aufzogen. Erwarblaß, doch stieß er etwas auf grün. Die herzblätterige ponteden'a * wuchs häufig zu dm Seiten einer langen fchmahlen Meerenge, an eben den Orten als unsere Wasserliljen. ^ Eine grosse Menge Schweine wadete weit in die Meerenge hinein, Und tauchete sich zuweilen mit dem größten Theil des Körpers unter das Wasser, um die Wurzeln, welche sie begierig assen, aufzugraben. So bald wir die See S. Pierre vorbey gekommen waren: so änderte das iand ganz und gar sein Aussehen. Es wurde nachdem das vortrefiichste, das man sich wün, schen konnte. Die Inseln und das iand zu beiden Sei« ten von uns, sahen als die niedlichsten iaubwälder aus, , welches fast bis auf Montreal fortdauerte. Diejenigen, welche an dem Flusse wohneten, hat, ten fast" bey einem jedweden Hofe, Böte. Sie waren nicht von Brettern zusammen geschlagen, sondern insgesamt * Pontederia cordata» . •* Nymphaeae. Zwischen Trois Rivieres und Montreal. 567 samt aus einem einzigen Holze ausgehöhlet. Doch wss, ren sie mehrentheils sehr nett und hübsch gemacht, so düß sie voll lg einem Voote ähnlich aussahen. Ich wurde Nn emem einzigen Orte eines Vorkbootcs gewahr. Vom fünfzehnten. Wir setzten unsere Reise ganz frühe fort. Wegen der Heftigkeit des Stroms, der uns entgegen floß, Waren wir an einigen Orten ge-nöthigt die Rudcrleute an dem Ufer gehen, und das Boot ziehen zu lassen. Des Abends um 4 Uhr kamen wir nach Montreal. Es schätzten alle diese Reise von Quebec für sehr glücklich; indem sie wegen des heftigen Stroms, der einem fast den ganzen Weg vorkömmt,, und wegen des sehr unbri standigen Windes etwas auf die andere Woche, ehe man ankömmt, sich zu verziehen pstegr. Vom neunzehnten. Es hatte sich einer und der andere hier in der Stadt Upeinranken, die in Frank« reich wachsen, und aus denen man daselbst Wein preßt, von da verschafr und fje in seinen Vaum- und Küchen« gärten gepflanzt. Es gab davon zweyerley Arten, eine nut blaßgrünen oder fast weiffen Trauben, und eine andere mit rothbraunen. Aus den weissen sagte man, würde weisser, und aus den rothen rother Wein gemacht. Die Kälte ist hier im Winter so stark, daß sie genöthigt find, die Ranken mit Dung oder sonst etwas die ganze Zeit zu bedecken; indem sie sonst verfrieren. Sie siengen in diesen Tagen an, reif zu werdem Doch waren die weissen Trauben reifer als die rothen. Hier machte man keinen Wein davon. Denn es verlohnte sich nicht der Mühe: fondern sie wurden nur zum Nachtisch, als andere Veere, N 4 gebraucht. 568 l749/ im September. gebraucht. Diefe Trauben ftllcn nicht so groß, als diejenigen, welche in Frankreich hervorkommen, seyn. Wassermelonen, * welche von den Franzosen Melons d'eau, von den Engländern Water «Melons und von dcn Holländern Wat - Melone genannt wer» den, wurden in Menge, sowohl in den Englischen als Französischen Pftanzörlcrn, gOfianzet. Es war kaum ein Vauer, der nicht ein grösseres oder kleineres Stück iand damit besetzt hatte. Vornehmlich wurden sie so« wohl in den Städten, als auf dem iande zunächst da» herum stark gebauet. In dem nördlichen Theil von Ea, nada waren sie doch sehr selten. Die Indianer pstanzen auch nun die Wassermelonen häufig. Ob sie es aber von uralten Zeiten her gethan haben, kann ich nicht st leicht bestimmen. Denn ein alter Indianer von den Iroquois in Oneida berichtete mir selbst, daß die Indianer niemahls die Wassermelonen a/kannt hätten, ehe die Europäer hier ins iand gekommen wären, und daß die Indianer sie zuerst von den Europäern erhalten hat« ten. Im Gegentheil versicherten* mir viele Franzosen, daß die Indianer, welche Illinois heifsen, diese Frucht in Menge gehabt, als die Franzosen zuerst zu ihnen ge« kommen waren, und daß fie behauptet hätten, daß sie bey ihnen von undenklichen Zeiten her gepfianzet worden. Doch erinnere ich mich nicht bemerkt zu haben, daß die ersten Europäer, welche nach Nordamerika kamen, der Wassermelonen gedenken, wenn sie von den damahligen Speisen der Indianer reÜen. Wie stark die Hitze des Sommers in den Orten von Nordamerika, die ich durch, reiset ♦ Cucurfeita CitrulliM. Montreal. 569 reifet bin, seyn muß, kann man daraus schließen, weil die Wassermelonen da niemahls in ein Mistbeet gesaet Werden, sondern im Frühling auf das offene Feld unter freyem Himmel, ohne jemahls bedeckt zu werden. Und dennoch gelangen sie zeitig genug zur Reife. Es giebt hier von ihnen 2 Arten oder Abänderungen, nehmlich eine mit rothem Fleische inwendig, und eine andere mit Wcissem. Die erstere Art ist gemeiner weiter nach Sü» den bey den Illinois, und den Englischen Pfianzstadten. Aber von der letztern giebt es mehr in Canada. Sie legen den Samen im Frühling, wenn weiter keine Kälte zu befürchten ist, in eine gute fette Erde, doch weit von einander; indem ihre Reiser weit herum laufen, und einen grossen Raum erfordern, wofern sie anders recht fruchtbar werden sollen. In Montreal waren sie jetzt fast überall reif. Aber in den Englischen Provinzen und weiter nach Süden kommen sie schon im Julius und August zur Reife. Gemeiniglich erfordern sie weniger Zeit reif zu werden, als die gewöhnlichen Melonen. Diejenigen, welche in den Englischen Pftanzörtern ge« bauet werden, sind meistentheils süffer und angenehmer als die Eanadischen. Macht etwa die starke Hitze sie daselbst reifer und wohlschmeckender? Doch hielte man diejenigen in der Provinz Neu-Pork gemeiniglich für die besten. Man aß sie hier auf die Weise, daß man grosse Scheiben quer über die Wassermelonen schnitt, die grüne Schale rings herum wegschälete, und auch die Samen, wovon sie voll sind, heraus nahm. Sie hatten viel Saft bey sich, welcher durch und durch mit dem Fleische Nn 5 vermischt 57o 1749/ i" September. vermischt war, und waren dabey sehr kühlend, welches in dieser heissen Sommerzeit sehr zu statten kam. Vis, weilen erhielt man solche, die einen sehr angenehmen süs-sen Geschmack hatten. Man wußte weder hier noch in Albany und mehrern Theilen des Gebiethes Neu-Pork, ob jemand, wenn er viel von ihnen gegessen, davon Un-gelegcnheit verspürt hatte. Ja, sie führten so gar Beispiele an, daß gewisse Kranke sie ohne Beschwerden gegessen hatten. Aber weiter nach Süden glaubt man, daß durch ihren öftern Genuß Wechselsieber und andere schlimme Krankheiten entstünden, vornehmlich bey de, nen, die ihrer weniger gewohnt find. Es versicherten viele Franzosen, daß, nvnn ieme die in Canada geboh-ren sind, zu den Illinois kommen, und nur einige mahl von den daselbst wachsenden Wassermelonen essen, sie mehrcntheils gleich mit dem Wechselfieber oder einem andern Fieber befallen würden. Daher auch die Illinois die Franzosen von einem ihnen so schädlichen Essen abrathen. Ja die Illinois selbst sollen dieser Krankheit sehr unterworfen seyn, wenn sie zu fleißig sich mit dieser Durst löschenden Frucht abkühlen wollen. Sie kochten diese Frucht niemahls, noch bereiteten sie dieselbe auf eine andere Weise zu, sondern sie assen sie jederzeit roh und ungekocht. In Canada verwahrt man sie in Häu, sern, worin ein wenig eingeheizet wird; da es dann ein paar Monate, nachdem sie reif geworden sind, kalt ist, und sie können doch gegessen werden, wofern man sich nur in acht »nimmt, daß sie nicht vcrfrieren. In den Englischen Pfianzortern erhält man sie auch in trockenen guten Kellern, ganz frisch, und als frisch lange in dem Winter. Man versicherte, daß sie sich alsdann um so viel Montreal. 5?l viel länger hielten, wenn man sie behutsam von dem Stengel abbricht, und hernach mit einem heiffen Eisen über die Stelle, wo der Stengel befestigt gewesen, hinüberfahrt. Man kann sie auf die Weise ziemlich gut beides zur Weihnachtszeit und nachhero essen. In Pen« sylvatzien, wo eine trockene Sanderde war, machten sie eine Grube in der Erde, legten die Wassermelonen mit ihren Reisern behutsam da hinein, und warfen so Erde darüber, wodurch sie sich ziemlich frisch lange in dem Herbst und Winter hielten. Es waren aber doch nur wenige, die sich diese Mühe gaben. Denn weil sie ziemlich kühlend sind, und der Winter gleichfalls hier merk/ lich kalt ist: so scheint es weniger nöthig zu seyn, sie auf eine so spate Iahrszeit zu verwahren, in der man gemei« nigllch, ohne Wassermelonen zu essen, Kalte genug verspüret. Sonst glaubt man an diesen Orten, daß. die Gurken weit mehr kühlen, und daß sie weit leichter Wechselsieber verursachen. Uebrigens treiben die Was, sermelonen den Urin stark. Die IroquoiS nennen sie Onohesirakahti. Rürbisse von vielerley Arten und Grosse, lang, liche, runde, platte oder zusammengedrückte, krumm-hälsige , ganz kleine u. s. f. wurden überall beides in den Englischen und Französischen Pfianzörtern gepflanzt. In Canada machten sie bey den Bauern fast die größte Men« ge ihrer Küchenkräuter aus, obgleich der Rothlauch gleichsam mit ihnen um den Vorzug stritte. Vey den Engländern war kaum ein Vauer, der nicht ein grosses mit Kürbissen besetztes iand besaß. Eben die Vewand« niß hatte es mit den Schweden, Deutschen, Hollän, dem 572 i?49/ im September. dern und andern Völkern, die sich unter den Engländern niedergelassen hatten. Für die Indianer machten die Kürbisse einen wichtigen Theil ihrer jährlichen Nahrung aus. Doch pflanzen sie gemeiniglich nwhr Squashes, als gewöhnliche Kürbisse. Sie behaupten selbst, daß sie weit eher, als die Europäer Amerika entMktcn, Kmblffe gehabt hatten. Welches auch dadurch^bestä-tigt zu werden scheint, weil die ersten Reisebeschreibungen , welche von den Europaern über diese Oerler her, ausgekommen sind, der Kürbisse, als eines bey den Wilden gewöhnlichen Essens, erwähnen. Die Franzo« sen nennen sie Eitrouilles, und die Engländer Pumpkins. Sie werden im Frühling, wann weiter kein Frost zu besorgen ist, an einem umgezäunten Orte, aussen auf dem freyen Felde in gute fette Erde gepflanzt. Man setzt sie auch häufig in alte umschlossene Mistbeete. In Canada werden sie zu Anfang des Septembers reif: aber in den Englischen Eolonien und weiter nach Süden, habe ich einige zu Ende des Julius, beides nach dem neuen Stil gerechnet, zur Reife kommen gesehen. So bald einige reif zu werden anfangen, so nimmt man sie ab, und richtet sie zum Essen zu, so wie man derselben nöthig hat. Die übrigen aber läßt man auf dem iande so lange stehen, und grösser und reifer werden, bis man Ursach zu befürchten hat, daß die Kalte ihnen schädlich werden dürfte. Alsdcnn nimmt man sie auf, und bringt sie in ein Haus, welches in diesem Jahr um Montreal in der Mitte des Septembers,. neuer Zeitrechnung, ge, fchah. In Pensylvanien aber habe ich sie noch den i9ten des Octobers eben des Stils aussen auf dem iande ste, hen gesehen. Es geschiehet zwar mehrentheils, daß bey Montreal. 573 bey dem Eintragen noch ein Theil nicht gänzlich reif ist. Demohngeachtet aber gelangen sie hernach in dem Hause zu einer völligen Reife, wofern man sie nur gut ausbrei, tet, und nicht auf einander legt. Sie halten sich einige Monate, /a bisweilen den ganzen Winter gut, wenn sie entweder in trockenen Kellern, (denn in feuchten verderben sie und verfaulen bald) wo die Kalte nicht hinkommen kann, oder, welches noch für besser gehalten wird, in einem trockenen Zimmer, welches ab und zu geheizet wird, damit die Kalte keinen Schaden verursachen ms, ge, verwahret werden. Die Kürl,^e werden hier zu lande auf mannigfal, tige Art zum Ejsen zugerichtet. Die Indianer kochten sie entweder so ganz, als sie waren, oder brateten sie ganz in Asche, und assen sie hernach theils selbst, theils führten sie dieselben auf die Weise zum Verkauf in die Städte. Die von den Wilden dergestalt gebratenen, schmeckten sehr gut. Die Franzosen und Engländer schnitten sie in zwey oder mehr Stücke, setzten sie ans Feuer, und liejscn sie erst an der einen , und hernach an der' nn-hern Seite braren. Wenn sie völlig gebraten waren, so streuele man Zucker über die innere Seite: andere äffen sie ohne Zucker. Eine andere Art sie zu braten war, sie in der M'tte durchzuschneiden, alle Samen heraus zu nehmen, die Hälften wieder an einander zu legen, und sie in einen Ofen zum Braten zu setzen. Wenn sie völlig durchgebraten waren: so breitete man Butter inwendig nderall aus, indem sie noch warm waren; wodurch sich die Butter hinein zog, und sie ziemlich wohlschmeckend machte. Oft kochte man sie in Waffer und aß sie hernach enl- 574 i?49/ im September. entweder allein oder zugleich mit Fleisch; in welchem letz-tern Falle sie gemeiniglich auf die Schüssel rings um das Fleisch gelegt wurden. Einige richteten eine Art eines verdünneten Breys von ihnen zu, indem sie dieselben erst in Wasser kochten, und sie darauf zerstampften; fast auf eben die Weise wie RubenmuS gemacht wird. Dieses Mus wurde aufs neue mit ein wenig von der Brühe des vorigen, die mit süsser Milch gut vermengt war, gekocht, wozu einige noch ein wenig Milch, andere aber nicht, zugössen; und dieß wurde unter dem Kochen fleißig umgerührt. Visweilen wurden sie gekocht und zu einem Mus zerstampft, welches mit Maysmehl oder einem andern Mehl vermischt und zusammen gckneetet wurde; woraus Pfannkuchen, die man entweder bratete oder kochte, gemacht wurden. Einige richten beides Pudding und Tor« ten aus diesen Kürbissen zu. Um die Pumpen um so viel langer nutzen zu können: so richten die Wilden sie auf folgende Weise zu. Wenn sie reif sind, so schalt man sie mit Schalen und Fleisch in. sehr lange Streifen, fast auf eben die Weise, als wenn man eine Rübe schält. Dlrse so geschälten Streifen werden auf verschiedene Welse um einander gestechten und zum Trocknen entweder in die Sonne oder in der Stube unter der Decke oüer auch bey dem Feuer gchänget. Nachdem sie recht trocken worden find, so kann man sie über Jahr und Tag verwahren. Und hernach kocht man sie zum Essen, entweder für sich allein oder auch mit andern Gerichten; da sie dann sehr gut schmecken. Die Wilden essen sie auf die Weise zugerichtet, beides zu Hanse und auf ihren Reisen. Und die Europäer haben auch von ihnen gelernt, sie so zuzu« bereiten, und sie b'edienen sich derselben gleichfalls auf den Ret» Montreal. 575 Reisen. Zuweilen geben sie sich dann nicht Zeit, sie zn kochen, sondern cssen sie mit Peckelfieisch oder andern, Essen, so trocken sie sind; und muß ich gestehen, daß sie auch sodann für einen hungrigen Magen nicht st übel schmecken. Einige in Montreal machten sie folgender gestalt ein. Man zerschnitt den Kürbiß in 4 Theile, die Samen «ahm man gut aus, und die Schale wurde weg, geschnitten. Das Weiche oder Fleisch legte man in einen kochenden Topf, worin es 4 oder 6 Minuten kochte. -Hernach nahm man es mit einem grossen durchlöcherten töffel auf, und lies es auf dem Tische bis auf den folgenden Tag liegen', damit das Wasser gut ablausen konnte. Darauf wurde es mit Nelken, Zimmet und ein wenig Cicronschalen in Zuckersyrup eingemacht, tvorzu gleich viel Syrup als Kürbisse genommen wurde. Hierin kochte man es so lange bis sich der Syrup überall in den Kürbiß hinein gedrungen hatte, und nichts weisses mehr zu sehen war. Und nachdem ließ man es kalt werden und verwahrte es. Vom zwanzigsten. Das Gerraide, welches sie in d'clem I^hr in Canada halten, wurde durchgängig für das vortrefiichste, das man daselbst zu bekommen ge» wMt ist, gehalten. Im Gegentheil schlug es jetzt in deWprovinz Neu Pork ziemlich fehl. Der Herbst war Übrigens in Canada sehr schon. Vom zrvey und zwanzigsten. Ganz Canada treibt einen sehr starken Handel mit den Indianern, welcher in vorigen Zeiten fast der einzige Handel war, den dieses grosse iand hatte; der doch die Einwohner ansehnlich bereicherte. Aber /etzt giebt es auch ausser denen, die 5?6 1749/ im September. die man sich von den Wilden erhandelt, noch andere Waaren, welche man von hier ausschiffet, und womit man Handel treibet. Die Indianer, welche hier zunächst herum wohnen, und sowohl als alle andern /eben Winter auf der Jagd sind, bringen gemeiniglich selb»! zu den nächst gränzenden Französischen Städten die Felle, die sie zu verkaufen haben. Dieß verschlägt aber nicht weit. Diejenigen, die weiter weg wohnen, kommen selten hie. her. Und weil man befürchtet, daß sie ihre Waaren den Englandern zuführen oder verkaufen, oder daß die Engländer zu ihnen hinreisen dürften: so ist man hiergenöthigt diesem vorzukommen; welches dadurch geschiehet, daß die Franzosen selbst zu ihnen hinreisen und ihre Waa, ren an sich kaufen. Die Stadt Montreal treibt inson« derheit diesen Handel stark. Denn von hier unternimmt Jährlich eine Menge sowohl /ungcr als alter ieute lange und beschwerliche Reisen zu den Wilden. Sie reisen von hier frühe im Frühling weg, und kommen im August oder September zurück- Um diesen Handel zu treiben, führen sie insonderheit solche Waaren mit sich, vondcnen sie wissen, daß sie bey den Wilden sthr gesucht werden, und guten Abgang finden. Sie haben nicht nöthig, sich mit grossen Geldsummen in content, eS mag Gold, Sil' ber oder Kupfer seyn, auf dieser Reise zu belHMen. Denn der Indianer frägt nicht viel darnach. Er sieht verschiedene Waaren, die ihm zugebracht werden, für weit nothwendiger und kostbarer an. Der würde auch gewiß zu kurz kommen, welcher Geld, um sich dafür Pelzwerk von den Wilden zu erhandeln, mit sich nehmen wollte. Ich glaube überdem, daß von allen Franzosen, die von hier reisen, um sich mit den Wilden in Handel einzulas« se«, Montreal. 5?7 sen, kaum ein einziger ist, der an Gelde auf der ganzen Reife so viel als einen Sol oder Pfenning mit sich führte. Zu geschweigen, daß in Canada fast kein Geld^ als geschriebene Papierszettel, davon der Wilde sich wenige Vorstellung machen kann, vorhanden ist. Nun will ich die vornehmsten Waaren, welche die Franzosen um diesen Handel zu treiben mit sich führen, und welche bey den Wilden einen guten Abgang finden, anmerken. Cs sind vornehmlich die folgenden. Büchsen, Pulver, Ble?, Rugeln, Hagel. Denn es ist zu merken, daß alle Wilden, welche den Nutzen des Schießgewehrs der Europäer einzusehen gelernel,und ihnen so nahe wohnen, daß sie diese Gewehre sich anschaffen können, ihren Bogen und Pfeile (der sie sich ehedem einzig bedienten) bey Seite gelegt haben, und /etzt allein eine Büchse gebrauchen. Wofern /emand /etzt dieselbe dem Wilden versagen wollte: so würde er entweder Hun« gers sterben müssen, indem er meistentheils von der Jagt lebt, oder er würde äusserst aufgebracht werden und die Europäer angreifen. Man muß wissen, daß noch bis diese Zeit kein Indianer sich im geringsten Mühe gegeben hat, selbst eine Büchse oder ein ahnliches Schießgewehr zu verfertigen. Ja seine grosse Bequemlichkeit und Trägheit laßt ihm nicht einmahl zu, seine eigens, viel weniger die Büchsen der andern Wilden, wenn sie in Unschick gerathen, selbst zurecht zu machen. Sondern, so wie er sein Schießgewehr mit allem Zugehör von den Europäern haben muß: so vertraut er ihnen auch die Ausbesserung desselben an. Anfänglich' als die Europäer nach Nordamerika hinkamen, sahen sie sich lange vor, Reisen ". Theil. Oo den 5?3 1749/ im Septemper. den Wilden ein Schießgewehr in die Hände zu geben. In den Kriegen aber, die zwischen den Franzosen und Holländern odcr Engländern entstanden, theilten sie nach, gehends ihren Bundesgenossen unter den Wilden Schleß, gcwehre mit, damit sie desto besser die Gewalt ihrer Hemde schwachen mochten. Die Franzosen behaupten, daß die Hollander in Albany unter den Europäern die allerersten wären, die im Jahr 1642 den Wilden Schießgewehre gegeben, und sie m dcr Kunst, sie rechten gebrauchen, unterwiesen hätten. Hiedurch sind die Franzosen genöthigt gewesen, den mit ihnen in Vimdniß stehenden Indianern eben diesen Vortheil zu lassen; indem sie gesagt haben, daß sie sonst den Holländern und den ihnen ergebenen Wilden nicht gewachsen wären, sondern auf ihre Seite treten müsten. Die Einwohner von Albany aber behaupten hingegen, daß die Franzosen zu allererst den Wilden Schießgewehre gegeben halten, indem sie sonst allein zu schwach gewesen waren, den Hollandern und Engländern sich zu widersetzen. Es mag nun hiemitseyn wie es will, so bleibt doch gewiß, daß sich die Wllden jetzt überall dcr Büchsen und solcher Schießgewehre bes dienen, die sie sich von dcn Europäern erhandeln, und daß sie dieselben jetzt fast besser als ihre iehrmeister zu gebrauchen wissen. Es ist dabey auch wahr, daß die EuropHer durch den Verkauf dieser Büchsen und dcr da» hin gehörigen Sachen jahrlich unglaublich viel von den Wilden verdienen. Decken von weissem Tuch oder grobem ungeschornen Tuch, von der Art, die wir bisweilen auf den Betten ge-' brauchen. Mit einer solchen gehen die Wilden beständig, und Montreal. 579 und wickeln fie um sich herum, wo sie sich hinbegeben. Bisweilen hängen sie dieselbe über die Schulter; und bisweilen wenn es warn, ist, binden sie dieselbe mitten um den ieib: hingegen wenn es kalt ist, so wird sie auch über den Kopf gehanget. Beides Manns - und Frauensleute tragen solche. Mehrentheils sind an dem Rande ein oder mehr Streifen von blauen oder rother Farbe. Blaues oder rothes Tuch« Hieraus machen die Frauensleute der Wilden ihre Rocke, die ihnen nur bis auf die Knie herabhangen. Meistentheils brauchen sie nur die blaue Farbe darzu. - Hemde von Leinwand / welche sowohl Manns« als Frauensleute täglich tragen. Wenn der Wilde oder eine Wildin einmahl ein solches Hemd angezogen hat: so wird es niemahls gewaschen, noch eher von dem Körper abgenommen, bis es so zerrissen ist, daß es nicht «nehr zusammen hängt. Tuch Zll ihren Strümpfen, welches sie um die Veine anstatt der Strümpfe, fast auf eben die Weise, als die Russen umwickeln. Aexce, Messer, Scheeren, Nehnadeln, Feuer« stahl. Dlcse Werkzeuge findet^man nun überall bey den Wilden. Sie nehmen sie insgesammt den Europäern ab, und halten sie für weit besser als die Aerte und Mes. scr, welche sie ehedem von Stein und Knochen hatten. Die ehemahligen steinernen Aexte der Wilden find in Canada ziemlich selten. Aessel entweder von Kupfer odcr Meßing, welche bisweilen inwendig auch verzinnt sind. Sie kochen jetzt Oo « all >e G 58O 1743, im September. all ihr Essen darin. Und sind diese eine Waare, welch gemeiniglich unter ihnen einen guten Abganq hat. In vorigen Zeiten brauchten sie Töpfe und Gefäffe von Erde, die sie selbst verfertigt hatten, oder von Holz, worm sie Wasser oder was sie sonst gekocht haben wollten, gössen, und warfen hernach glüende Steine hinein, um es zu kochen. Grapen von Eisen wollen sie nicht haben, indem sie nicht so bequem dieselben arlf ihren fast bestandigen Wanderungen mit sich führen können, und sie ausserdem nicht würden so zu fallen, und so viele starke Stösse, vertragen können, als ihre Kessel aushallen müssen. . Ohrringe, grössere und kleinere, gemeiniglich von Meßing, aber bisweilen auch von Zinn. Veide Männer und Welber tragen sie; doch nicht alle, sondern die es wollen^ Zinnober. Hiemit färben sie sich das Gesicht, das Hemd, wie auch einen Thei! des Körpers roth. In vorigen Zeiten bemahlten sie sich mit einer rslhlichen Erde, die man hier im iande findet. Nachdem aber die Euro, paer Hieher kamen, und sie von ihnen Zinnober erhielten: so schien ihnen nichts in der Welt an Farbe hiemit zu vergleichen zu seyn.. Verschiedene berichteten, daß sie von ihren Eltern gehöret, daß die Franzosen, die erst Hieher kamen, von den Wilden für 2 oder 3 mahl so viel Zin, nober als sie auf eine Messerspitze legen konnten, einen grossen Haufen von verschiedenen Arten Pelzwerk erlangt hätten. Terre verte oder Grünspan, um das Gesicht grün zu bemahlen. Um sich schwarz zu färben, bedienen sie Montreal. 581 sie sich des Ruffes, der unter ihren Kesseln sitzt, womit sie das ganze Gesicht bestreichen. Spiegel. Diese gefallen den Wilden sehr gut. Sie gebrauchen dieselben, wenn sie sich bemahlen wollen, wie auch sonst. Der Wilde führt gemeiniglich den Spiegel mit sich auf der Reise, wohin er sich auch begiebl. Die Frauensleute aber thun dieß nicht. Denn die Mannsleute putzen sich hier mehr als das andere Geschlecht.. Brettttgläsir. Dieses ist in den Gedanken des Wilden ein vortrefiiches Hausgerathe; weil er, indem er stark Toback raucht, und fast alles was mit einiger Mühe verbunden ist, verabscheuet, so behende damit auf den Reisen seine Tobackspfeife anzünden kann. Den Toback erhandeln sich vornehmlich die Wilden , die weit nach Norden wohnen, wo der Toback we, gen der Kalte nicht fortkommen kann. Die Wilden aber weiter nach Süden pflanzen fast allezeit selbst so viel davon, als sie nöthig haben. Bey den erstern oder nördlichen ist der Toback eine Waare, die einen guten Abgang hat. Denn man hat bemerkt, daß die Wilden, je weiter sie nach Norden wohnen, desto grössere Tobacksraucher seyn. porcellain, wie man es hier nennet, oder wam? pum. Diese sind aus besondern Muschelschalen gemacht, und zu kleinen kurzen cylindrischen Perlen gedrechselt, und dienen den Wilyen beides zum Gelde Md zum Schmucke. ^ Glasperlen, welche klein, und weiß oder von einer andern Farbe sind. Die wilden Frauensleute wissen sie Oo 3 in 582 1749, im September. in ihre Bänder, Beutel, Kleiderund andere Sachen, die sie verfertigen, einzuheften. MeßinZdrach, Srahldrach, zu verschiedenen von ihren Arbeiten- Brandwem, der von ihnen hsher als alles auf der Welt, was man ihnen bringen kann, geschahet wird. Es ist auch ihnen nichts so lieb und kostbar, das sie nicht für. dieß Getränke weggeben wollten. Aber der vielen Unordnungen wegen, die dadurch veranlasset werden, ist es in Canada bey schwerer Strafe verboten, diese Waare ihnen zuzuführen. Doch wird diesem Gesetze nicht immer so genau nachgelebt. Diese sind die vornehmsten Waaren, welche die Franzosen den Wilden zubringen, und gemeiniglich bey ihnen guten Abgang finden. » Die Waaren, welche man von den Wilden zurück bringt, ohne mitzurechnen, daß man für die bemeldten Sachen fast alle Rcisekost kauft, bestehen fast insgesamt in Pctzwerk. Dieses ist von zweyerley Art, nehmlich ^elzrverk, welches von den nördlichen Orten kommt, und für das beste gehalten wird, und solches, das von den südlichen Gegenden gehöhlt wird. Von den nördlichen Orten werden insonderheit die Felle von den folgenden Thieren gebracht: nehmlich von den Biedern, Elendsthieren *, Rennthieren ^*, Wolf, HchsetW", und Mardern. Nach Süden hin erhält man * Otignac *• Caribou. "•• Loup Cervix, Montreal. 58; man zwar auch bisweilen Marder; ihr Fell soll aber roth und untauglich seyn. Pichou du Nord dürfte das Thier seyn, welches sich bey dem Hudsonschen Meerbusen befindet, und von den Englandern Wolverinne genannt wird. sicher sind noch die Bären, davon man sich aber nicht viel bringen läßt, und die Füchse, obgleich auch von denen nur wenige und mehrentheils schwarze. Mit verschiedenen andern, zu zählen. Das Fellwerck das von den südlichen Gegenden gehöhlt wird, ist insonderheit von den folgenden Thieren: von wilden Ochsen und Kühen, Hirschen, Rehen, Ottern, Pichou du Sud, dessen auch P. Eharlevoir * gedenckt, und cntwcdcr eine Art Kalzenluchs, oder auch ein Pan-therthicr seyn dürste, von Füchsen verschiedener Art, den Baren, die Racoon heijsen, Katzenlüchsen und verschie« denen andern. Es ist übrigens unglaublich, was für Mühe und Beschwerden die leute in Canada auf ihren Reisen aus, stehen müssen. Visweilen müssen sie ihre Bürden und Sachen weit über iand schleppen. Ab und zu werden sie von den Wilden erschlagen oder auch gemißhandelt. Oft leiden sie Hunger, Durst, Hitze, Kalte, werden von den Mücken, giftigen Schlangen und andern schädlichen Thieren und Insekten gebissen. Dieses reibt einen grossen Theil von der Jugend des iandes in ihren besten Jahren aus. Und dieß macht, daß die ieute in Canada nicht alt werden können. Dadurch werden sie aber auch so erhättet und so tapfere Soldaten, daß sie keine Gefahr Oo 4 oder * In ftiner 5M. äe ls nouv. !?r. I'. Vl, p. 158. * 3n ftiW Hist, de la nouv. Fr. T. VI, p. 158. 584 1749/ '" September. oder Beschwerde scheuen. Viele von ihnen setzen sich auch weit weg in dem iande bey den Wilden nieder, ver-heyrathen sich mit ihnen und kehren niemahls wieder nach Canada zurück. Die preise des Fellwerks in Hvada für das Jahr 1749, theilte mir der Handelsmann in Montreal, Herr de Eouagne, bey dem ich meine Wohnung hatte, mit. Es waren die folgenden. Grosse und mittelmaßige Bärenhäute kosten 5 itvres. Balge von jungen Bären / 50 Sols. von iüchsen, 25 Sols. von Pichou du Sud, 35 Sols. von Füchsen aus den südlichen Gegenden, 35 Sols. von Ottern, 5 iivres. von dem Bar Racoon, 5 iivres. von Mardern, 45 Sols. von Wolsiüchsen *, 4 iivres. von Wölfen, 40 Sols. von Carkajour (einem Thier, das ich nicht kenne) 5 iivres. von Vison, einer Art Marder, die im Wasser lebt, 25 Sols. rohe von Elendsthieren **, io iivres. rohe von Hirschen *** Bälge * Loup Cervier. ** Orignac vert. *•* Cerf vert. Montreal. 585 Valge schlechte, von Elendsthieren und Hirschen *, z iivres. von Rehen, 25 bis zc> Sols, von rothen Füchsen, 3 iivres. von Viebern, z iivres. Jetzt will ich ein Verzeichniß von fast allen den verschiedenen Arten von Pelzwerk liefern, welche man in Canada findet, und welche die Kaufleute von da nach Europa versenden. Ich habe es von einem der angefe« hensten Handelsleute in Montreal erhalten. Es sind die folgenden. Bereitete Rehfclle; unbereitete Rehfelle; gegerbte Rehfelle; Väre; junge Väre; Fischottern; Pec-cans; Katzen; Wölfe; iüchse; Nordpichour; Südpichour; rothe Füchse; Kreuzfüchse; graue Füchse; Süd. oder Virginische Füchse; schwarze Füchse; weisse Füchse von Tadou, sac; Mardern; Bisons oder Foutreaur; schwarze Eichhör-. ner; rohe Hirschfelle; bereitete Hirschfelle; rohe Felle von Elendslhieren; bereitete von eben denselben; Felle von Caribou; rohe Felle von^ Hirschkühen; bereitete von eben denselben; Earcajour; Viesemratzen; fette Winterbieber; Sommerbieber von eben der Art; trockene Winterbieber; Sommerbieber von eben der Art; alte Winterbieber; Sommerbieber von eben der Art **. Oo 5 Es * Orignac er Cerk passe. Der Hr. Verf. hat dieß Verzeichniß, von dem Pelzwerk in . Canada, Französisch mitgetheilet, weil er geglaubt bat, es möchte sich nicht so deutlich und kurz übersetzen lassen. Es wird daher nöthig seyn. es in eben der Sprache auch hier beizufügen. öifterenr« Llpece- äe rellere.ie5-ckevreuii passe; ckevreuii verr; ckevreuN tanc; Ou«. 0ull«n5, Lourr«, keccanz, ck«5, I.«ux5 äe Lo«; I.oup5 «» §86 !?49, im September. Es wurde mir heute gediegenes Rupfer, welches bey iac supericur genommen worden, gegeben. Man findet es da in der Erde fast ganz gediegen, so daß man selten nöthig hat, es umzuschmclzcn, sondern eskanmeh-rentheils gleich, wozu es gebraucht werden soll, verarbei' tqt werden. P. Charlevoir redet von demselben in seiner Geschichte des neuen Frankreichs *. Einer von den Jesuiten in Montreal, der selbst an dem Orte wo dieses Erz gefunden wird, gewesen war, berichtete mir, daß man es gemeiniglich bey den Mündungen der Flüsse und Strome antrift; daß man davon grössere Stücke, als ein Kerl zu heben im Stande ist, und zwarmeisientheils gediegen findet; daß alle Wilden daselbst erzaylen, daß man ehedem da ein Stück von mehr als einer Klafter in der tänge und einer halben Klafter oder darüber in der Dicke, und zwar ganz gediegen gesehen hätte. Da dieses Erz fast allezeit in der Erde bey den Mündungen der Strome und Flüsse gefunden wird, so ist wahrscheinlich, daß es durch das Waffer und Eis von einem Verge dahin ges trieben worden sey. So fleißig man aber bisher dem nachgespürt hat: so hat man doch annoch keine Stelle finden können, wo es in einer Menge beysammen gelegen wäre, sondern es ist alles blos aus losen zerstreuten Stü« cken bestanden. Der servier«; ?iHoux äu dlarä; kickou^ äu 8uä-, N.enHläz rnuFez; kengräz cr«1?ez; Kenaräz arzenräz; kenaräz 6li 5uä ou äe Virg'mie; Kenarä noir; Konarä bi^nc äe 1'». äoulac, ^larrrez, Vilons c»u?»urreaux; I'ecureuU noir; (üerk verr, Cerk P2K, Nriznal verr, Origl«! passe, ?eau ä« (^arido^ Mcke verce, Licked pailöe, ^arcÄjoux,^2t8mu5 Die Erndtezeit sillt auf das Ende des Au, yusts, und bisweilen auf die Mitte desselben, nach !em neuen Stil zu rechnen. Der Weizen soll gemeiniglich das i5te, bisweilen auch das 2Osten Korn nach der Aus, saat geben; der Haber aber von dem i5len bis aufs zoste. Die Erbsen gehen ab und zu aufs 4ostc Korn, aber zu» Weilen auch nur auf das ic>lc; denn sie sollen sehr ver, l änder» Sault au Necollet. 599 snderlich seyn. Der Pflug und die Egge waren ihre ein« zigen Ackergerathe und die eben nicht von der besten Art. Der Dung wurde im Frühling auf das Brachfeld gefahren. Das Vieh wurde nirgends auf dem Acker in Hürden getrieben. Man sahe sonst keine Graben, alS wo das Waffer gleichsam den Acker überschwemmen wollte. Das Erdreich ist von einer grauen steinigen, mit Thon und Sand vermischten Erde. Es wurde nur wenig Gersten, und zwar blos für das Vieh a»sgesaet. Denn daraus Malz zumachen, war hier nicht gebräuchlich. Den Haber säete man stark,, aber doch auch nur zum Futter für die Pferde und anderes Vieh. Ob nun gleich-die Walder fast aus lauter laubbäumcn bestunden: so wüste dock) niemand das iaüb zum Futter für das Vieh ünzuivcnden, ohngcachtet sie gemeiniglich genöthigt waren, es des Jahrs ganze 5 Monate zu Hause zu futtern. Ich habe einige mahl vorher erwähnt, daß fast aller Weizen, der in Canada gejaet wird, Früylingsweizen, oder ein solcher, den man im Frühling säet, wäre. Vey Quebec tragt es sich daher bisweilen zu, wenn der Som? mer weniger warm, oder drr Frühling sehr langwierig ist, daß ein grosser Theil davon nicht zur völligen Reife, ehe der Herbst oder die Kälte sich einfindet, gelangt. Man versicherte mich aber hler, daß einer und der andere, die auf der Isle de Jesu wohnen, Weizen im Herbste aussäen sollen, welcher besser, fester und ergiebiger als der Frühlingsweizen ist., Doch soll dieser Herbstweizen kaum eine Woche eher als derjenige, den man i:n Früh» ling ausgesäet hat, reif werden. Pp 4 Vom 6c>O 1749/ im September. Vom fünf und zwanzigsten. Man hatte hier an verschiedenen Orten die Aecker mit Gehagen von Stein, anstatt der hölzernen Zäune umgeben. Die vielen Steine, die man hier fand, erleichterten die Arbeit hiebey um so viel mehr. Sie waren auf gewöhnliche Weise gemacht, breiter unten und schmähler nach oben zu. Sonst traf man hier Zaune von mehrern Arten an, vornehmlich solche, die ich theils in diesem Theile*,theils in dem vorhergehenden ** bey Philadelphia beschrieben habe. Einige bestunden auch aus senkrecht stehenden und eine Klafter langen Zahnstangen von Thuya, der ich vorher "* bey Quebec gedacht habe. Es wuchsen in den Geholzen die Buchen in Men« ge, deren Eicheln jetzt reif waren. Die teute in Canada sammle« sie im Herbste sehr stark, trocknen sie in den Häusern, und verwahren sie auf den Winter, da sie dieselben anstatt der Wall- und Haselnüsse essen. Sie versicherten, daß sie sodann ziemlich gut schmecken sollen. Es soll eine Salzquelle, nach der Erzählung des hier stehenden Oberpriesters, 7 Französische Meilen von hier bey Riviere d' Affumtion befindlich seyn, von deren Waffer man in Kriegszelten ein Salz gemacht hat, das völlig dem Hüneburgischen ahnlich gewesen ist. DaS Waffer soll ziemlich stark Mit Salz vermischt seyn. FruchtbäuMe Von gewissen Arten, kamen um Montreal sehr gut fort. Ich hatte hier Gelegenheit sehr schöne " tlusb« 249. u.f.'Selte. " Auf der aasten Seite. *" Man sehe die 455^ Sei«. Gault au Recollet. 6oi schöne Aepfel, wie auch schone Virnen von vielerley Gat, tungen zu sehen. Vey Quebec will es mit den Birnen» bäumen nicht anschlagen, sondern sie leiden oft im Win» ter Schaden und verderben. Um Montreal sollen sie auch in sehr kalten Wintern erfrieren. Pftaumenbäume von verschiedenen auserlesenen Arten kamen zuerst aus Frankreich, liessen sich hier gut an und hielten die Win« ter aus. In den Gehölzen wuchsen Amerikanische Wall-nußbäume von.3 Abänderungen wild. Aber die Wall, nußbäume, die aus Frankreich Hieher gebracht und hier gepflanzt worden waren, froren fast jeden Winter ganz bis auf die Wurzel weg, und gaben den folgenden Frühling neue Sprösse wiederum. Die Pfirschenbaume kamen auch nicht gerne hier fort. Einige wenige hatten etwas ausgehalten: man war aber mehrerer Sicherheit wegen fast jeden Winter genöthigt, fie mit Stroh zu umwickeln. Sie hatten es aber noch nicht so weit ges bracht, daß fie Castanienbäume, Maulbeerbäume und andere ähnliche Fruchtbaume pfianzeten. Der ganze angebauete Theil von Canada ist, wie man mir sagte, von dem Konige entweder an die Geist« lichen, oder an gewisse Vornehmen verschenkt worden. Da wo das tand aber Unbebaut ist, gehört es ganz dem Könige zu. Der Platz, wo Quebec und Trois Rivieres erbauet sind, ist gleichfalls dem Komge zugehörig: den, jenigen aber, auf dem die Stadt Montreal stehet, wie auch die ganze Insel dieses Namens, haben die Priester des Ordens des heil. Sulpicius, welche in Montreal wohnen, zu ihren Eigenthümern. Diese haben das iand «m Bauern und andere, die sich da haben niederlassen Pp 5 wol. e<22 I?4s, im September. wollen, gegen einen gewissen jahrlichen Abtrag oder Zins, vertheilet. Es ist auch schon ganz und gar so verpachtet, daß sie weiter nichts zu vergeben haben. Diejenigen, die sich hier zuerst setzten, erhielten ihre iandstücke für einen sehr geringen jährlichen Zins. Denn für eines von 3 ArpentS in der Breite und 32 Arpents in der tänge be< ßchet oft der ganze Pachl das I.chr über, aus einem, paar Hühnern; andere bezahlen für ein eben so grosses Stück iandes 2O, 30 oder 40 Sols in jährlichem Zlnse. Diejenigen aber, welche in spätern Zeitrn iand von gleicher Grösse gepachtet haben, müssen jahrlich an den Eigenthümer davon bis auf 2 Ecus erlegen. Derge-slalt ist der Pachtzins in dem ganzen iande ungleich, unk nmß öfters der eine Nachbar dreydoppelt mehr an Pacht für ein gleich grosses iand als der andere bezahlen. Eben so geben die Bauern von der einen Herrschaft weit mehr als von der andern jährlich für ein iand von gleicher Grosse. Der Bischest von Canada hat kein iand auf^ seine Besoldung getheilet. Die Kirchen werden auf die eigenen Kosten der Versammlung erbauet. An den König in Frankreich soll man noch keine Geldsteuer von Canada bezahlen, dasjenige ausgenommen, was er an Zoll von den Waaren, die von hier verschiffet werden, bekommt. Die Wassermühle, die hier war und den Priestern in Montreal zugchorte, bestund aus einem festen Steinhause, mit z Wasserrädern und 3 paar Steinen. Hier bemerkte ich folgendes. 1. Die Nader waren ganz und gar mit ihren Wellen von weisser Eiche. 2. Die ßähne,m.deln Kamwrade, und die Stöcke in dem Tril, ' q's' ling Saute au Recollet. 60; lmg waren entweder vom Zuckcrahornbaum oder von dem fo genannten Voisdur"; indem diese für die Härtesien Holzarten hier angesehen wurden. 3. Die Mühlsteine waren aus Frankreich gekommen, und bestunden aus einer vermischten Steinarc und Quarzkörnern, welche beides die Grösse e«ner Haselnuß und der gewöhnlichen Sandkörner hatten, und mit einem weissen Kalkstein verbunden waren. Diese Steine schätzte man ziemlich hart. 4. Das Ge« traide wurde völlig auf die Weise wie vorher ** erwah' Net worden, aus dem Trichter herunter geschüttelt. 5. Die Priester eigneten sich den 4ten Theil von allem, was in dieser Mühle gemahlen wird, zu; so daß sie, wenn nur ein Minot gemahlen wird, hier ein Maas haben, wel< ches den 4ten Theil desselben ausmacht, womit das ab» gemessen wird, was der Mühle zugchoren soll. Doch «rhalten die Priester nicht alles von blesen, Zoll. Der Müller bekam hicr den zten Theil davon. An andern Orten fällt ihm die Hälfte zu. Verschiedentlich wird die Mühle für etwas gewisses im Jahr verpachtet. Es siehet niemanden, ausser den Priestern, auf der Insel Montreal frey, eine Mühle zu haltcn; sondern dieß ist «in Recht, daß sie sich allein vorbehalten haben. In dem Contract, welcher zwischen den Priestern und den Einwohnern dieser Insel errichtet worden ist, haben die erster« sich bedungen, daß die letzter« notDendig das ihrige auf den ihnen zugehörigen Mühlen mahlen lassen. >. Der Fuckee wurde in dem ganzen Canada stark MS dem Safte, welcher im Frühling aus dem Zucker« *'Aufder 554sitn SeitK '^^V^ol 6o4 l?49/ ^" September. ahornbaum, dem rothblümigen Ahornbaum und der Zu? ckerbirke abgezapft wird, gekocht. Doch wählte man vornehmlich den Zuckerahornbaum dazu. Die Art, wie may hieraus Zucker zubereitet, ist umständlicher in den Ab, Handlungen der Königl. Schwedischen Akademie der Wis, senschaften * von mir beschrieben worden. "^., Vom sicks und zwanzigsten. Dem Morgens frHe stellte ich die Reise nach Montreal zurück an. Es sieng jetzt alles an, sehr nach dem Herbste ause zusehen. Das iaub in dem Gehölze wurde blaß oder rothlich. Die meisten Pflanzen hatten ihre schönen Blumen verlohren. Ich zeichnete die wenigen an, welche noch in Blüthe stunden, und die folgenden waren **. Sternblumen von verschiedenen Arten, beides blaue und weisse. Wundkrauter von verschiedenen Arten. Die Schafgarbe. Die Vraunclle. Die krause Distel. Die zweyj'ahrige Oenothera. Die Rudbeckia mit dreytheiligen Blattern. Die Eanadische Viole. Die Enzian mit den Blattern des Seisenkrauls. M Die^wildett VOeinrattken wuchsen in grosser Menge hier in den Wäldern und kletterten hoch in die Bäume hinauf. Ich * Für das Jahr I75l. auf der!4)sten und den folg. Seiten. ** ^sterez. 8o1iä2ßine8. ^clnilea IVlilletolium. krunLlla vuI» ßariz. (!2räuu8 crilpu5. Oenorksr^ bienn«. I^uäbecliiH tri, lob«. Viol» Can!läen5l5. (^enrizn» 8»^on^iz. i,^,^^ '' •* Asteres. Solidagines. Achillea Millefolium. Prunella vul-garis. Carduus crispus. Oenothera biennis. Rudbeckia \xU . loba. Viola Canadenfis. Gentian* Saponaria. ]H^tV ^ Montreal. 605 Ich erkundigte mich bey vielen, die oft unter den Wilden, sowohl denen, welche weit nach Norden, als denjenigen, die sich weit nach Süden aufhalten, gereiset waren, worin ihr Essen vornehmlich bestünde? Worauf mir geantwortet wurde, daß die Wilden, die weit nach Norden wohnen, niemahls etwas pstanzen, indem keine Feldfrüchte oder Küchenkrauter wegen der strengen Kalte da fortkommen würden. Also haben diese kein Vrot, und leben nicht von solchen Speisen, die aus dem Pfian, zenreiche genommen werden; sondern sie leben blos von Fleisch und Fisch, als vornehmlich von Viebern, Baren, Rennthieren, Elendsthieren, Hasen, verschiedenen Arten Vögeln, und vielerley Fischen. Dahingegen bedienen sich die Wilden, die weiter nach Süden wohnen, von folgenden Nahrungsmitteln. Von Gewachsen pstanzen sie zu ihrer Nahrung, Mays, wilde Bohnen * von verschie, denen Arten, Kürbisse von vielerley Gattungen, Squa« shes eine Art Kürbisse, Wassermelonen, rechte Mets, nen **. Alle diese Gewächse haben sie von uralten Zeiten her und lange ehe die Europaer Hieher kamen, gepflanzet. Ausserdem wenden sie verschiedene Arten von Früchten, die bey ihnen in den Waldern wild wachsen, zur Nahrung an. Von Fischen und dem Fleische wilder Thiere und Vögel machen sie auch einen starken Gebrauch. Insonderheit gefallt ihnen sehr das Fleisch von wilden Ochsen und Kühen, Rehen, Hirschen, Baren, Viebern und einigen wenigen andern vierfüßigen Thieren. Unter ihren lekerern Speisen wird der Seehaber ***, den die • Phaseolx, *» Melo vulgaris C. B. •** Zizania aquatica. 6c>6 i?49/ im September. Franzosen Fol.Avoine nennen, welcher m Menge m ihren Seen und stillstehenden oder sachte fliessenden Gewässern wachst, gerechnet. Sie sannnlecen ihn im September und October, und richteten ihn aufverschiedene Art zum Esscn zu< Die Grütze die hieraus gemacht wird, giebt dem Reise wenig an dem angenehmen Geschmacke nach. Von dcn vielerley schonen Wallnüssen, Eastanien, Maulbeeren, Acimine, * Chinquapin, " Haselnüssen, Pfirschen, wilden Pflaumen, wilden Weintrauben, Heidelbeeren von verschiedenen Arten, vielerley Mispeln, Brombeeren, und vielen andern Früchten und Wurzeln, die man bey ihnen wild findet, können sie auch manche leckere Mahlzeit haben. Es scheint doch merkwürdig zu seyn, daß die in der so genannten alten Welt von uralten Zeiten gewöhnlichen Getraidearten, als Weizen, Rocken, Gersten, Haber, Spelte, Buchweizen, Reis, wie auch Kohl, Rüben, und eine Menge von unsern Kü, chenkräutern, vor der Ankunft der Europäer daselbst ganzlich unbekannt gewesen sind; wie auch, daß die Wilden, ob sie gleich täglich den Nutzen einsehen, welchen die Abkömmlinge der Europaer da in dem iande von der Saat und der Pflanzung dieser Gewächse ziehen, dennoch sich fast im geringsten keine Mühe geben, an die Wartung derselben selbst Hand anzulegen, ohngeach, let sie sonst gerne essen, was von ihnen zugerichtet wor? den ist. Vom sieben und zwanziZsien. Der Biedern giebt es eine grosse Menge in dem nordlichen Amerika. * Annona muricata. ♦*. Fagus puinUa» Montreal. 607 Sie machen einen von den wichtigsten Stücken in dem Handel von Canada aus. Die Wilden leben eine lange Zeit im Jahre blos von ihrem Fleisch. Es ist gewiß, daß sich diese Thiere stark vermehren. So ist aber auch nicht weniger wahr, daß sie jetzt /ährlich stark ausgerottet werden, und daß daher die Wilden, um sie zu fan« gen. oder zu schicssen, zu jetziger Zeit genöthigt sind, weit längere und beschwerlichere Reisen, als vorher, anzustellen. Man hat auch nicht Ursache sich darüber zu ver, wundern, daß sie jetzt so stark abnehmen, wenn man be« denkt, daß die Wilden, vor der Ankunft der Europaer in diesem iande nicht mehrere von diesen Thieren nöthig hatten, als die sie selbst einen Theil des Jahres zu ihrer Nahrung und ihren Kleidern gebrauchten. Denn es wurde damahls kein Handel mit ihren Balgen getrieben. Jetzt aber verhalt es sich ganz anders, da viele Schiffe5 von hier nach Europa jahrlich abgehen, welche grossen, theils mit Vieberfellen beladen sind. Die Franzosen «nd Englander suchten einander vorzukommen, um die Wilden dafür gut zu bezahlen. Hiedurch werden die Wilden auf alle Art ermuntert, diese Thiere zu vertilgen. Alte ieute in Canada berichteten, daß es in ihrer Kind« heit noch ganz voll von Biedern und ihren Dämmen nicht allein in den Strömen, welche in der Nähe von Mont, real sind, sondern auch überall in der Nachbarschaft bis auf den iorenzfiuß gewesen wäre. Jetzt sind sie aber da so ausgerottet, daß man einige Meilen ins iand hinein reisen muß, ehe man einen antrift. Daß die Bälge, die man von denjenigen, so weiter nach Norden gefangen werden / erhalt, beffer als diejenigen sind, welche von den 6<23 1749/ im September. den mehr nach Süden belegenen Oertern kommen, habe ich oben * schon angemerkt. Das Bieberfleisck wird nicht allein von den Wilden, sondern auch von den Europäern, vornehmlich von den Franzosen an ihren so genannten magern Tagen gegessen, wenn ihnen nach der römischcatholischen iehre nicht verstattet ist, Fleisch zu essen. Denn Seine Päbst, liche Heiligkeit haben in ihrem System, so wie viele von den alten, welche die Thiere eingetheilet haben, den Bieder zu den Fischen gerechnet, indem er meistentheils tn einem und demselben Element, als sie, lebt; und folglich nicht zu der Zahl derjenigen Thiere gehört, welche Fleisch haben. Das Fleisch wurde für besser gchal-ten, wenn der Bieber meistentheils von Gewachsen, als der Espe und dem Vieberbaum und andern, gelebt hat. Wenn er aber Fisch gegessen, so soll es nicht so gut seyn. Heute schmeckte ich es zum ersten mahl. Man hatte einen Vieber, gefangen, der heute zum Essen gekocht worden war. Die meisten Hieselbst hielten dieses Fleisch für ein leckeres Gericht. Ich kann zwar nicht jemandenS Empfindung und Geschmack bestreiten; und w^»s mich anbelangt, so deucht mir, daß es sich wohl essen liesse. Doch war nichts leckeres daran. Gekocht sahe es ziemlich schwarz aus, und hatte einen besondern Geschmack, ich weiß nicht wornach. Wofern es gut werden soll, so muß es von dem Morgen bis auf den Mittag in verschiedenen Wassern kochen, damit der fremde Geschmack, den es sonst bey sich hat, vergehen möge. Sie hatten auch den Schwanz auf eben die Weift gekocht * Auf der Z4yst« Seite. Montreal. . 609 kocht und hernach gebraten, und man trug ihn auf einer besondern Schüssel auf. Er bestund aber fast aus lau, ter Fett, ob sie es gleich hier nicht so nennen wollten, sondern sagten, daß dieß die Art des Schwanzes wäre. Er war dem Geschmacke nach so widerstrebend, daß ein Ungewohnter schwerlich etwas herunter bringen konnte. Das Fasten der pabstlichen kam mir hiebey be« sonders vor. Diejenigen, die zuerst das Fasten angestiftet, haben ohne Zweifel es in einer guten und heiligen Absicht gethan, um die ieute von zu vielem Fleisch« essen Francs, und darüber. Eine Ruh verkaufte man jetzt für 50 Francs; man erinnerte sich aber, daß man sie für iO Ecus bekommen habe. Ein Sckaf kostete nun 5 oder 6iivres; aber im verwichenen Jahre, als alles theuer war, 8 oder la iivres. Ein jähriges Schwein, das 2O0 bis 150 Pfund wog, wurde mit 15 Francs bezahlt. Der Herr Handelsmann de Eouagne sagte, daß er bey den Wilden ein Schwein, von 400 Pfund am Gewichte, gesehen habe. Ein Huhn kostete io oder 12 Sols; ein RalekmischesHuhn aber 20 Sols. Ein Minot Weizen wurde im vorigen Jahr für einen Ecus, jetzt aber für 4a Sols, verkauft. Der Ma>'s hat jederzeit gleichen Preis als der Weizen, indem man wenig hier davon sindet, und alles für die/enigen, welche zu Qq 2 den 6l2 1749/ im September. den Wilden reisen, um mit ihnen zu handeln, gebraucht. Ein Minot Haber kostet bisweilen 15 h^ 20 Sols'; diese letztern Jahre aber 26 bis zo Sols. Die Erbsen verkauft man allezeit zu g'eichem Preise als den Weizen. Für ein Pfund Butter gab man gemeiniglich z oder 10 Sols, im vorigen Jahr aber bis auf 16. Ein Dutzend Eyer kostete gemeiniglich 3 Sols, jetzt aber 5. ^Zg macht man an diesem Orte nicht; noch bringt man ihn hier zum Verkäufe her, ausser demjenigen, den man verschreibet- Eine XVasiermelone kostet gemeiniglich 5 oder 6 Sols; wenn sie aber groß ist, 15 bis 20. Iks waren noch keine Manufacture« hier eingerichtet. Vielleicht will Frankreich selbst den Gewinn davon haben. Indessen stunden sich beides die Einwohner in Canada selbst, und die mit ihnen verbundenen Wilden, in Kriegszeiten sehr übel dabey. Mit den Heyrathen geht es folgendermassen zu. Diejenigen, welche einander zur Ehe nehmen wollen, müssen beiderseits die Einwilligung ihrer Eltern dazu erhalten. Doch kann der Richter, wofern sich die Eltern ohne gültige Ursache widersetzen, den Eontrahenten die Freyheit verstatten einander zu heyrathen. Sonsl können sie, wenn ein Mann 32 Jahre und ein Madgen 26 Jahre erreicht hat, sich, wenn sie wollen, ohne erst die Erlaubniß ihrer Eltern zu erwarten, verheyrathen. Sie gehen nur zum Priester, der sie auf eben die Weise, Wie bey uns, z Sonntage nach einander in der Kirche abkündiget. Und wofern keine Klaqe dazwischen kömtnr, so werden sie darauf von dem Priester in cher Kirche in Gegenwart von mehrern oder weniger« ieuten, so wie es ihnen Zwischen Montreal und Chine. 6l; ihnen selbst gefallt, mit einander getrauet. Die Prie« ster verstatten nicht gerne, daß die Trauung zu Hanse geschieht. Vom neun und zwanzigsten. Nachdem es zu regnen aufgehört hatte, reisete ich Nachmittags von der Stadt nach der südwestlichen Seite der Insel Montreal, theils um das iand und die Haushaltung der ieute in Augenschein zu nehmen, theils um Samen von allerhand Väumen und Pstanzcn zu sammlen. Gleich ausserhalb der Stadt la« gen sehr angenehme grosse Felder, welche ehemahls Aecker gewesen waren, /etzt aber als Weiden gebraucht wurden. Nach Nordwest sahe man den hohen Verg westlich von Montreal, der sehr fruchtbar und voll von Aeckern und Gärten von dem Fuß bis auf den Gipfel ist. An der südöstlichen Seite fiaß der iorenzfiuß, der hier sehr breit war, an dessen andern Seite sich grosse Felder von Aeckern und Wiesen, und hübsche Häuser von Stein, welche in einer Entfernung weiß aussahen, zeigten. Man traf fast zu allen Seiten schöne Aecker an. Sehr weit weg nach Südost kamen einem sowohl die beiden hohen Verge, welche bey dem Fort Chamblais liegen, als einige andere bey der See Ehamplain, welche da über dem ganzen Walde und Feld hervorrageten, zu Gesichte, llebrigens waren diese Weiden ziemlich mit grössern und kleinern Felssteinen angefüllt, unter denen sich ab und zu ein schwarzer Kalkstein einfand. Ohngefähr eine Französische Meile von der Stadt, sieng die tand-strasse an, neben der Seite des Flusses, der zur linken Hand floß, fortzugehen. Und zur rechten war das iand überall bearbeitet und bewohnt. Der eine Hof lag ohn. Qq 3 gefähr 6i4 i?49/ im September. gefahr 3, 4 oder 5 Arpents von den, andern. Die Anhöhen neben dem Flusse waren mehrentheilS hoch und ziemlich steil, sie bestunden aus Erde, und unter den«, selben war es voll von Feldstcinsstücken, und Stücken von dem schwarzen Kalkstein. Ein paar Französische Meilen von der Stadt wurde das Waffer in dem Flusse sehr stromend, und hin und wieder steinig. Verschie, dentlich warfen sich in dem Strom grosse Wellen. Doch musten die/enigen, welche mit Voten zum südlichen Theil von Canada hinaufreiseten, sich durch diese Ströme hin, durcharbeiten. Zunächst vor der Stadt stunden ein paar XVind? Mühlen. Sie waren so gcbauet, wie alle andern, die ich hier im iande gesehen habe, nehmlich, daß das Ge« bäude rund und von Stein aufgemauert war. Das Dach, worin die Welle des Rades saß, war von Holz, und konnte herumgedrehet werden. Der Schaft der Windfiügcl, und die Aesie oder die Querhölzer waren von Holz. Aber anstatt dünner Holzschienen zu den Flügeln, hatte man hier überall ieinwand, die man wegnahm, so bald man ausgemahlt« hatte, und wieder hinein setzte, wcnn die Mühle in Gang kommen sollte. Die Bauernhäusir waren in dieser Gegend mei, stentheils von Stein, theis von dem schwarzen Kalkstein, theils von andern Steinen, die man in der Nachbarschaft fand. Das Dach war mit Schindeln, und an einigen Orten auch mit Stroh bedeckt. Der Giebel war allezeit hoch und steil. Die Nebengebaude bestunden fast allezeit aus Holz; und die Maueen waren allezeit Hon aufgerichteten Balken und Flicken darzwischen, eben auf Zwischen Montreal und Chine. 615 auf die Weise, wie sie in Westgothland gebrauchlich sind, und in meiner Vahusischen Reise * abgezeichnet stehen. Die Dacher waren fast allezeit von Stroh. Der Ackerbau war hier, die Wahrheit zu sagen , sehr schlecht. Ein jeder hatte seinen Acker in 2 Theile getheilt, davon, wenn der eine besäet war, der andere brach gelassen wurde. Jetzt pftügte man das Brachfeld bestens, welches doch nur einmahl im Herbste geschah. Den folgenden Frühling wurde es nicht gepstü? get, sondern nur geegget, hernach besäete man es und «qgete es wiederum. Ich habe vorher erwähnet, daß wan hier keine Herbstsaat hat, sondern alles, sowohl Weizen als andere Getraidearten, im Frühling gesäet Wird. Der Acker, den man hier im Frühling besäete, und eben den Sommer gegen den Herbst schnitte, wurde nicht den Herbst, noch auch den darauf folgenden Frühling Und Sommer, gepstüget: sondern alles Unkraut, welches das Vieh nicht fraß oder niedertrat, konnte frey stehen und wachsen, und man sagte, daß es zum Futter für das Vieh so siehe» wüste. Den daraus folgenden Herbst, nehmlich ein ganzes Jahr nach der Erndlc, wurde er wieder gepstüget; so daß der Acker hier in 2 Jahren nur ein einzig mahl gepftüget wurde. Die Aecker gaben auch überall die unterlassene Wartung zu erkennen. Derjenige Acker, welchen man dieses Jahr mit Weizen oder einem andern Getraide besäet hatte, war jetzt so voll von Gras und anderm Unkraut, daß er, nachdem das Getraide abgeschnitten war, fast als eine Wiese aussahe. Und noch mehr bekam er ein solches Aussehen Qq 4 das » Ans der 26osttn Seite. 6i6 i?49, im October. das ganze folgende Jahr, vornehmlich gegen den Herbst. Es war mir dahero, als einem Fremden, ohnmöglich zu bemerken und zu wissen, daß ein selcher Boden alle zwey Jahre besäet würde, sondern ich hätte ihn für ein unbe-bauetes Feld gehalten, das in einigen Jahre« unbearbeitet gelegen wäre. Der psillF war auch sehr grob und unbequem gemacht. Er wurde von drey paar Zuqehie-ren gezogen, nehmlich von einem paar Pferden zuvörderst, und zwey paar Ochsen dahinten. Eine Person fuhr die Zugthiere, und eine andere regierte der Pflug. wilde Vögel, als Gänse und Enten, siengen nun an von hier nach den südlichen Gegenden hinzuziehen, und stogen in grossen Haufen. Im October. Vom zweiten. Die beiden vorher gehenden Tage, nebst dem heutigen, wandte ich meistentheils zum Einsammlen der Samen und zu Votamschen Beobachtungen an. Die Aalte, die in der vorigen Nacht einfiel, ver-ursachte eine grosse Veränderung an verschiedenen Bäumen und Pflanzen. Die Wallnußbaume von allen Arten liessen nun in Menge ihr iaub fallen. An der Nessel mit den von einander gesperrten Vlumenstraußgen * ver, froren die Blätter dergestalt, daß nicht ein einziges un, beschädigt blieb, sondern alle aussturben. Das iaub an der amerikanischen iinde war sehr beschädigt. In den Küchengärten waren die Blatter bey allen Arten der Kür, bisse * Vrrlca muzricara. Zwischen Montreal und Chine. 617 bisse gänzlich verfroren. Abcr die Vüche, Eiche und Virke schien nicht im geringsten dabey gelitten zu haben. Das Feld war des Morgens schneeweiß von Reif, und an schlammigen Orten war es so stark gefroren, daß man fast darüber gehen konnte. Das Eis in den Wasserpfü' tzen war anderthalb geometrische iinien dick. Die zweijährige O oder 150 Mann, um das iand zu besetzen, Hieher geschickt werden sollten. Mit eben der Gelegenheit wird auch eine Menge von ieuten, welche der Einfuhr verbotener Waaren in Frankreich sich schuldig gemacht haben, Hieher versandt. Diese wurden ehe, demGU den Galeeren verurtheilet. Jetzt aber schickt man sie nach den Pfianzörtern. So bald sie hier ankommen, so sind sie frey, und können sich eine tebensart erwählen, welche sie wollen. Sie habe« aber niemahls Erlaubniß, ohne eine besondere Gnade des Königs, nach Frankreich zurück zu reisen. Zugleich wird auf den Schis, sen des Königs eine Menge Kaufmannswaaren, die der Konig gekauft hat, um sie unter die Indianer und andere bey gewissen Gelegenheiten zu vertheilen, mitgeführt. Die Montreal. 621 Die Einwohner in Canada erlegen dem Könige so gut als nichts. Doch machte man im Jahr 1748 einen An« fang damit, nehmlich, daß sie seit der Zeit 3 von Hun« dert für alles, was aus Frankreich von den Kaufleuten Hieher zum Verkaufe geführt wurde, bezahlen musten. Sie musten ebenfalls von der erwähnten Zeit an der Krone ein gewisses Geld für alles Pelzwerk, das von hier nach Frankreich geführet wird, abtragen. Für dasjenige aber, das von hier nach einem von den Französischen Pfianzsrtern, oder von da Hieher, geführet wird, bezah, let man nichts. Es sollen die Kaufieule von allen Fran, Mchen Oertern und Eolonien Freiheit haben, ihre Schiffe mit Waaren Hieher zusenden. Und eben so hatten die Kaufleute in Quebec Erlaubniß ihre Waaren zu welchem Orte in Frankreich und zu welcher Französischen Colonie sie wollten, zu verführen. Gemeiniglich aber besitzen die Kaufleute in Quebec wenige Schiffe, indem das Volk hier einen gar zu grossen Sold fordert; daher die Kaufleute in Frankreich selbst ihre Waaren Hieher schicken. Die Städte in Frankreich, die insonderheit einen Handel auf Canada treiben, sind Rochelle und Vourdeaur vornehmlich, und darauf Marseille, Nantes, Havre de Grace, St. Malo und andere. Die Königl. Schiffe, welche jährlich Waaren und andere Sachen Hieher bringen , kommen entweder von Brest oder Rochefort. Die Kaufleute in Quebec schicken doch selbst Schiffe mit Mehl, Weizen, Erbsen, Holzwaaren u. s. f. nach den Franzosi» fchen Inseln in Westindien. Die Mauern um Montreal wurden ohngefahr im Jahr 1738 auf Königl. Kosten ge< bauet, aber mit der Bedingung, daß die Stadt selbst nach und nach an den König, was sie gekostet haben, be» zah. 622 .l?49, ^" October. zahlen sollte. Jetzt bezahlte die Stadt jahrlich darauf 6oo0 iivrcs an die Krone, davon die Priester in der Stadt 20OQ iivres erlegten, und das übrige siel auf die andern Einwohner. In Quebec hat der König auf eigene Kosten die Mauern aufführen lassen, und nicht die Einwohner damit belästigen wollen, indem sie ausserdem mit ihrem Zolle belegt sind. Dcr Viebernhandel gehört allein der Indianischen Compagnie in Frankreich zu, und darf niemand, ausser ihren Abgeordneten, hier denselben treiben. Aber mit anderm Fellwerk hat ein jedweder Erlaubniß zu handeln. Oben in dem iande sind verschiedene Oerter bey den Wilden, wo die Franzosen ihre Nie, derlage für ihre Waaren haben, welche Ocrter hier les Postcs heiffen. Dcr König hält gemeiniglich keine andere Vestungen in Canada, als Quebec, Fort EhamblaiS, Fort St. Jean, Fort St. Frederic, Montreal, Fronte« nac und Niagara. Die andere Oerter gehören Kauf« leuten und Privatpersonen zu. Der König treibt selbst in Niagara Handel. Es darf nicht ein jeder nach Ve« lieben zu den Wilden des Handels wegen hinreisen, sondern man muß vorher von dem Generalguvcrnör Voll» macht und Erlaubniß dazu haben. Diese Erlaubniß erhält man nicht umsonst, sondern man muß dafür mehr oder weniger bezahlen, nachdem der Ort mehr oder weniger einbringt. Ein Kaufmann, der ein Voot mit 4 odcr 5 Mann, das mit allerhand Waaren beladen ist, ausschickt, muß für die Erlaubniß dazu 5 bis 6oc>iivres bezahlen. Ja, es giebt hier Stellen, für welche man genöthigt ist bis aus ivoolivres zu bezahlen. Ost kann man, so vicl man auch dafür bietet, keine Erlaubniß erhalten. Die Ursache ist, weil der Generalguvernör, der dieselbegeben soll, Montreal. 62; soll, und der selbst dieß Geld erhält, einen solchen Posten an einen seiner Freunde oder Angehörigen überlassen hat oder zu überlassen willens ist. Der Generalguvernör bekommt zwar dieses Geld. Doch ist der Gebrauch, daß er die Hälfte davon an die Armen überlaßt. Ob dieß abcr immer so genau befolgt wird, ist unbekannt. Die Religion in Canada war durchgängig die Päbstliche. Es wird hier keine andere geduldet. Es sagten auch fast alle, die gegenwärtig waren und sich in Frankreich aufgehalten hatten, daß die leute in Canada beiderley Geschlechts stärker für diese Religion eingeuom» men und eifriger in derselben, als jemahls in Frankreich selbst, waren. Nirgends konnte man fieißiger in die Kitt che als hier gehen; ob sie gleich nicht den zehnten Theil von demjenigen verstunden, was der Priester sagte, indem der Gottesdienst fast ganz in lateinischer Sprache verrichtet wurde. Ich habe schon oben * erwähnt, wie eifrig die Frauensleute und der gemeine Mann hier sind, ihre Gebete auf latein zu halten, ob sie gleich oft kein Wort von dem, so sie beteten, verstunden, und nicht das geringste von dem, so sie hörten, begreifen konnten. Es schien als wenn fast aller Gottesdienst hier zu sehr ein Ceremonien-Werk wäre, und fa»t blos in dem aufferlichen gesetzt würde. Der meiste Theil des Gottesdienstes in der Kirche, be, jtund in Hcrlesung einer Menge Gebete. Es waren alle Gebete lateinisch. Sie wurden der Versammlung von den Priestern vorne in dem Chor vorgelesen, und zwar mit einer solchen Geschwindigkeit, daß auch der, welcher zu * Auf der 384. u. )85sien Slite. 624 i?49, lm October. zu vsrderst in der Kirche und ihnen am nächsten stund, und der. lateinischen Sprache cben so mächtig, als sie war, fast ohnmoglich, wenn er gleich mit allem Fleiß die Ohren anstrenget«, daS eine Wort von dem andern unterschei, den und den Priester verstehen konnte. Ich k^nte nur ab und zu ein Wort auffangen, aber nicht die ganze Meinung vernehmen. Dem Einfältigen war daher ohnmögs lich etwas zu begreifen und Nutzen davon zu haben. Der allerfertigste. in der lateinischen Sprache, war nicht im Stande, bey einem solchen Galopieren in der Herlesung der Gebete die Gedanken zusammen zu halten, und mit Andacht zu beten. Ja dieß letztere werden die Priester selbst nicht haben thun können. Die Predigt wurde doch in der Muttersprache, dem Französischen, verrichtet. Die Sprüche aber aus der heil. Schrift wurden erst aus der Vulgata lateinisch hergesaget, und so gleich Französisch ausgelegt. Eine Sache war poßierlich. Dem ohngeachtet daß die Geistlichen hier täglich fast den ganzenGottes-dienst in tateinischer Sprache hielten, und sie'täglich aus dem lateinischen Vreviario gewisse Stücke herlasen: so fiel es doch den meisten von ihnen ziemlich schwer latein zu reden. Welches daher gekommen seyn dürfte, weil in der gewöhnlichen und weltlichen Rede verschiedene Worter vorkommen, die fast niemahls in ihren Kirchenbüchern angetroffen werden. Sonst war hier überall beides in den Städten und auf dem lande gebräuchlich, des Morgens, nachdem man aufgestanden war, und vor« nehmlich des Abends, wenn man eben zu Bette gehen wollte, für sich allein bey dem Bette auf die Knie zufallen , und in der Stille sein Gebet zu halten. Ob es aber auf latein oder Französisch geschah, wollte ich nicht, um nicht Montreal. 625 nicht neugierig zu scheinen, erfragen. So fieißig ich auch darauf acht gab, wurde ich doch niemahls auf meinen Reisen hier in Canada der Vibel weder auf Französisch noch latein in einem Hause gewahr, wofern ich nur die Geistlichen von dem männlichen Geschlechte ausnehme. Aber andere Französische oder lateinische Gebetbücher traf ich an einigen Stellen an. Doch waren mehr Gebete in ihnen an die Jungfrau Maria, als an den grossen Gott gerichtet. Von dem Fleiffe, den die Jesuiten in der Bekehrung der Indianer anwenden, von der vielen iast, die sie dabey ausstehen müssen u. s. f. ist schon vor, her* gemeldet worden. Vey den folgenden von mir gemachten Meteors, logischen Beobachtungen habe ich nichts anders zu erinnern, als was ich vorher in dem zweyen Theile "erwähnet habe. Hinwiederum bey den von Herrn Johann Vartram muß ich melden, daß ich ihn etwas vor meiner Abreise von Philadelphia nach Canada ersuchte, diese Bemerkungen in meiner Abwesenheit anzustellen, indem es mir aus mehrern Ursachen, die ich oben "* angeführt habe, sehr darum zu thun war, zu vernehmen, wie stark die Warme des Sommers an dem dasigen Orte war, u. s. f. Zu dem Ende ließ ich ihm das eine Thermometer, und unterwies ihn, wie man es recht gebrauchen sollte. Er war auch so * Auf der434sienu.f.Seite. "* Aus der hosten und folg!«nd der 58lsien Seite. »" Im 2ten Theil auf derbsten und folgenden Seite. Reisen 11. Theil. Rr 626 1749, im October, tt. so gut, und schrieb auf mein Ersuchen die Höhe der Thermometers u. s. f. auf seinem iandhoft, der 4 Englische Mellcn von Philadelphia südwärts liegt, auf. Daß er nicht die Stunde, wenn er die Beobachtungen gemacht hat, angemerkt, bisweilen den Wind und die Witterung ausgelassen, nicht die Heftigkeit des Windes angezeichnet hat, u. s. f. muß um so viel mehr entschuldiget werden, da er, als ein iandmann, nichtIeit genug dazu hat abbrechen können. Und ich konnte auch in oem Orte keinen so zuverlaßigen Mann erhalten. Ich habe seine Beobachtungen von Wort zu Wort, nur ins Schwedische übersetzt, eingerückt. Daraus wird erhellen, wie die Wärme der Pensylvamscheu Sommer beschaffen ist. 55 W Der -1 Im Ienner 617 lDer Die Das l Der D« Witterung. W. 1. heiter , 2N M I«. 0. - I ^ - l 5 7^v.M. cZ.c). W.o. heiter 6 7'v M Q3 0 Wo heiter; doch war es des < ^n'ssp' ?!'<' ' 0. Wends sM trübe, mit ! ?3'M / N^ö -' Schnee und Ge.iöber. 7 7ZV.N oi.°, WNW. 1. ttwas trübe - 2N.M- 2.O. ' l ^ ^' 8 7iv.M. 04.«. WNW. I. ^ h«lter ^ 9 7ZvI 'U^ WNW.^ M^^^^ ' //3 ^S 2 trüb mitRegenqüssen;dcs iO 750.M. 15. ^ AbendsftoqetwusEcknee , 2nM 20. W-4 j„ h„ Luft Kl.^., M-^ 4""' WSW. ? Kl. ii v. M. SW.4 Kl,2,n.M.W.4-ii7^v.M 0;. o WNW.Z. ""b< ' 2 n.M. 04.0 « ) ^ ^ * 1275V.M. 04.0 WNW. g. heiter . < 2N,M. o l.5 NW. 2. - - -137HV.M. 07. 5 WNW. 2, b « , 2«M 0^. O ^ 2. tlllve ,4 7iv M^ 0 5. 5 WNW. I trübe und Schnee den ganz. inM 020. - 1. Tag. Er fiel zQuerfing-8« hoch. 15 7v.M 07. 0. WNW. c>. heiter i6 7vM 08^9. NW. ^ Die Nacht vorher WNW - 8v M. 09 0 ^ 4, den ganzen Tag hei j 2»M G8> c>. c 1 ter ^ i7 7v M on. 0. NNO 0 trübe; es schneiete b. ganz . dgN'M. 09.0. , 0 Tag. u. die folg. Nacht. Rr 2 628 Im Ienner Der Tag Die Stunde Das Therm. Der Wind Die Witterung. O 7v.M. c>i2. 0. NW. 1. trübe, und schneiete v. M. c>l 1.0. s 1. n.M.heiter;b. Thklm.den ganz.n. M. v l l. o.Der Vchneeware.^i«rteklle 7V.M. oi?.5- W. l heiter in.M. QlQ. 5. s l 20 7vM. UI2. 5. W-l. heiter « 2 n.M. Q7- Q. - - ^ 2l 7V.M- c>22. O, WNW. o. heiter 2 n.M. 03. c>. W. l. 1 < e 22 7v.M. Q^. c». W.i. heiter » 2 n.M. c>l. c>. l 1. trübe 2Z 7 d.M. c>lo. c>. WNW. 1. heiter. Den Abend hatte « d gn m- Z. Q. 1 1. d. Mond e. sehr grossen Hof um sich 24 7vM. NNO. 0. trübe. Es schneite den gan- 2N,M- 4.O NO. o. zen Tag. 25 7 v. M. 0O.0. WNW. c>. heiter < 2 n.M. 4. u. W.Q. 5 s . 26 7V.M OlZ. 5 WNW. l. heiter j 2 n.M. 1.2. < 1 trübe. Kl. ;n. M. fieng es zu schneien an. 27 7 V M. 0 7-O. W. 1. heiter. D«s Abends war 2 n.M. QO.O. j l. ein Hofum den Mond 28 7V.M. QI. O WNW. 1. trübe. Es schneite fast den Z n.M. 4. O. l ganz. Tag. 2Y 7v,M. Q5. O. NNO. l. heiter ;n-M. OZ. O. « » 5 30 7v.M WNW. i. heiter. Des Abends war ;n M. 4.Q. ' l ein Hofum den Mond 7V.M 04. c>. WNW. ,. heiter. Des Abends war Z N. M «.0. ? i. ein Hof um den Mond A Im Februar. 619 Der Die Das Der Die Witterung Tag Stunde Therm. Wind " 1 7 v. M. 0?. 0. WNW. i heiter. Des Acxnds war » l n. M. il. O W » «in Hof um den Mond 27V. M 5 0 WNW. 0. heiter s 2 n. M. 60 W. 0 e l e z 7 v- M oc>. 0. W. 0. heiter - 2 n. M iy. 5. 5 6 s ' ^ 47V. M 5 <^ W c> trüb. Kl. lo. n. M. NNO-, Hn. M 11 0. 4 n M. z, Schnee und Gestöber-NNO- 2. 5 7v. M 06. c> NNW 2. heiter« in.^. 0;. c> NW 2. e - < 6 7V M. oic>. 5 NW o. <^n der Nacht vorher knackte, . 2 u' M 10 WSW-1. " es in den Hausern. Mor, ' ' ^ aenrölbe. Hciterd.ganz. 3>a KI.7V M.NW.o. Kl.' y WNW. 1. Kl i'. Wi.Kl2.n.M.WPWi. 7 7V.M 01. 0 NNO-itrül'e; heiter M 7 v.M. I^»,M, „°, NW,. AN0HN^«..° NW.i. 8 7 v. M 09. o. NW o. hetter l 2N. M, 7- c> W. I ' «^ ^ 9 7v. M 0?. 0. W 1. better i°7v'R ^'^ W.!. Meist heiter/Ein heftiger - 1 ll M iy. 0, ^SW 4 Sturm d-ganze folgende ^ Nackt mit Regen. 11 7 v M a. 0 SSW- 2. heiter Gegen Abond Regen. ^»U ir a ,2. Des Abends ein ^chem , i n.M, 11. 0. ^ls Nordlickt WSW. 12 7 v M 4. 0. SSW. ?. heiter. Des Abends Kl. 9-< ^n M 10. 0. - 3. ein Schein als ein schwas , i n.M 10. ° - ? ches Nordlicht in SW-«-ZV. M 2. c>. WNW. 2. trübe , ^n. M f. 0. NW.-. heiter 147V.M 06.5- NW-1. better , il n. M 02. 0. WNW. 2. zerstreuet« Wolken « 640.M ow. 5. NW. 1. heiter. Kl. 8 deS Abends . 2 n. M o;. 0. WNW. 2. Nordlicht. iü 64V.M. O15 a. NNW 0, heiter - 2 n.M. 00. V. NW-l. e - s Im Februar. lOer I Tag Die 3tunde D.,s Therm Dcr Wmd. Die Witterung. ! 02. 0 WNW. t. trübe und Schnee, aber den 2N-M. W. 1. ganz. Nachm. regnete es 18 2. o WNW- 1 trübe 2N.M 00. c>. WNW. 1. ' - , c>^. o. NNO- 2. trübe. Es fiel d. ganz. Tag « 2 N.M oi. o. ' 2. emmilSchlossenu Hagel vermischter Regen. 20 55vM. l. 5 NW. i. trübe 4 5 < - s 21 c>o. «. NW, c>. trübe; man hörte e. Waft 4. o. NNO- l. ftrfall beh einer Mühle, die eine Englische Meile SSO- v»n d. Orte wo wir wohnten, lag, Kl. 5 v. M.geqen die Gewöhn: heit stark brausen, ob es gleich ganz still war. Kl. 10. v M kam ein Regen, der d ganz. Tag dauerte 22 6Zv.M z. O WNW. 2. heiter i 2 N.M. 3- 5 5 2 , « , 2, 06. o W- 2. heiter 5 4N.M- 4. O. » 2. CS zogen sich Wolken um d. Sonne zusammen. 24 6;v.M. 4. a SLW- l. trübe IQ. 0 W l ' - , 25 6v.M. ?' 0 WNW 0. abwechselnd heiter u. trübe 2NM. I. l 0. » - , 26 6o.M Ol2. 0 NNW- I- heiter; des Abends trüb, l 02- 0 , l Kl 8- n. M. war ein gr. Hof um d. Mond, und d.WoIkeninS.a.anzrots) 27 6v.M 04. 0 N. 2 trübe; Schnee uGcstöber Ql. 0 < 2 vM-aberKl 4nMh«ttcr 28 6vM. 04 5 NW. 4 zerstreuete Wolken L znM. 0;. 5 WNW. 4 - , , Im Merzen 6zi j Der Die Das Der Die Witterung. i 6 v.'.>.>.. 09. 0. WNW. 2 heue,. Am vu«:ll> war . NW 1. heiter; u. M. trübe. Kl- b ? 2 n. M- 6. 5. S. 1. n. M waren di< Wolken in SW. ganz roth, Kl. y fieng es zu schneien an. 4 6 v M. o- 5. OSO- 1 r-übe; am Abend fiel ein - 2 n M 7 v S. l. starker Regen. 5 6 v ^? 4- 0. W i- Abwechselnd trüb und heiter - 2N M 11. 0. - ; d-folg-Nacht war es M 6 5V i^ 40- W 2. heiter 7 6 v. M oo 0 WSW- l v. M. abwechselnd trübe u-- 2N. M 8-o. - 1 heiter;« Mtrübe,Dom ner und Regen um ein? ander. 8 6vM 2. o. WNW. 0. heiter; Kl. 8 n.M. sahe - 2 n' ?v 2O. O. WSW- 2. man in SW- ein so ge, « '« ^V nanntes Schneefeuer. Man s. S. 5--Q 6 v. M. 5 0. N. 1 heiter - 2N.M 13. 5. < 1 trübe; Kl. 8- n. M- SSO 1. trübe und starker Regew.v, - ?n-M. 14 0 W-1 M. etwas heiter n.M. 12 6 v M t) 0. NNW 0 wölkig des Morgens; Kl 10. - 2nA' 150. ONOo klarte es sich auf. Gegen , Abend trübe und Regen. 13 6 v M. U- 5- NNO- 2. trübe u stark. Regen. Kü 4 i ^ n. M. 8- 0. lo. v. M. n. M. heiter. <» -" N. 3. 14 6 v. M 4. O. WN.W 21 heittr i 2N- M- K). O. - 2. s L s 15 6 v.M- oa. 0 WSW- o heiter-gegen d. Abend trübe i z n. M 13. c> W 2. j - > 16 6 v. M. 2. 5. N'NO. 3 Schnee u. heftiges Gestöber : ? n M Qi. o i 5. den ganzen Tag. 17 6 v M ol. o. NW. 2. trübe; Kl. 8. v- M. heiter i 3 N. M. 5- c>. : 2. , , , Im Merzen. Die 3'tunds 3l)erm Der Wind Die Witterung. l8 6h.M c>2. c>. WSW. 0. heiter. Das Feld war jetzt >' n. M W-2. mtt Schnee bedeckt, 6. v. M. O2. c>. WNW 1. heiter ^ l», M 6.o. NW 2. 6 v. M W-c>. heiter; gegm dm Abend ; n M- II. 5 SW. 1. trübe 2. c>. SSO- 0, trüb; ab und zu Rege«. ; n. M. 14. 5. 0. - - - 2' 6 v. M, ic>. 0. SSO- O. trüb 3 n. M. ly 5 5 v M, 15. o. SSO- 1, stark« Regen .< ^ „. M iy. 0. - , , 2u 6 v. M. 8-c>. SW. 1. heiter i ? n. V.'. 15. Q « 1, ^ - , j 2? 6HV.M. 65 heiter l ^ ". M. II. O, - ? zerstreute Wolken 6 o. M O0, O. WNW, 2. heiler l jn. M. ll. O SW. 2 zerstreute Wolken; Kl. 8 n< M ew so gtnantes Schn. Feuer in SW.am Horiz. 27 6v. M. ? k> WNW. 1. heiter ? n. M y. 0. - - , 6Zv,M. Z. Q. S. i. Regen b.gan;en Tag u. die l 3 n. M. 12. 0. 11 n M. folg. Nacht durch. NNW. 3 29 ^v. M. I, 0. NNW. 2. heiter ' n. M. 6. O l 2 , - , zc> 6 v.M. 0. 1. heiter; zuMiltag trübe. Es 2 n. M. 4. c>. SO- 1. sieng zu schneien u. ,u stö- bern an,welches bis in die Nacht dauerte/da es sich in einW Regen verwan- delte- 6HV.M- N.i. trübe 7 „> M. j 1 l : z Im April 635 Dei Die Das l Der Stund« ilnrm j Wind Die Witterung. l 1 6 v.M. 5 5- NNO. 1. Regen v.M.aber n.M.u.d. 5 ; n. M. 35- 0.1 folg. Nacht fielen Schloft sen und Schnee bey vielen Blitzen und Donnern. 2 6 v.M. c>. 5. NNO. l. Es schneiete u- fielen Schlos, 3 n M. 0 5. » l sen fast den ganzen Tag 3 6 v. M. c>2 0. NW. l heiter z n. M. Y Q. - l - - , 4 6 v.M. 02. O. W l. heiter 3 n M. l^. 0 j 1. L , s 5 6 0. M N.i. heiter Die Sonne war beym ;. li. M. SW. 1. Untergange sehr roth 6 6 v.M. 4. Q. SW. 1. heiter ? nM. - ». , s s 7 ^ v M. IZ.o S. 2. heiter; nM wurde es trübe. ?n. M. 24,0 , 2. Kl. 7. n. M. erfolgte ein Regender bis in dieNacht dauerte. 8 7 V.M. 9, Q. NW. 3 zersireuete Wolken 3 n. M iz.a. < 3 , ^ l 9 6 v. M. l. 0, N.i. abwechselnd trübe u heiter s 3 n.M. 7-0. , 1 Abends fieng es zuSchnei- en an und dauerte bis in die Nacht !O 7 V.M. 2. 5. NO.i trübe. Kl.i2v< M. Regen, 3 mM. 6.5. j l. d bis in die Nacht anhielt. II 6 v.M. 5-O. NO.i. Regen fast den ganzen Tag L ^n. M. 9. c> , 1. 12 60.M. 2. c?. WNW 2. heiter; n.M. wolkig mit Ha- L 2. n. M - 2. gel und Regen. I? 6 v.M. NW. 2. heiter » 2N M. SW, l trübe 6 v.M 0.1. trübe; Kl. 8 heiter; gegen 2N.M, ' l. Abend trübe. 6 v.M. O. i. meistentheils heiter ? 2 n.M, , 1. 1 - , l6 6 v.M. 6.5. WNW. 2. heiter 2N. M. I? 5- , 1 ' - s 6 v.M. 7. O. S. 1. abwechselnd heiter u. trübe ;n. M l6. O. SW. 1. Regen 7 v.M 6.0. N c>. heiter -! zn.M. i8.o.l NN.z. - < , Im April Der T'g Die Stunde Das Therm. Der l Wind j Die Witterung. ! 19 2. O, NNW. 0. heiter 2O. O. W. 2. 2Q 6 V.M. 2. Q, SW. 0 5 0. .insiaskReifbcsMorqms; klar u.seln heiß d.gan^Tag 21 ,- SW- 1. heiter mit einem Sonnenrauche meist heiter ? v M. S. c>. z.n-M. - > « - 2) II. O W l. heiter 3 n.M. 35.5. - 1 e s < 24 6v. M. »2. O S.i. trübe Staubregen ab u. zu z n. M. 22. 0. - 1 s s 5 25 6v. M. lg. O' S 0 Reaen die Nacht vorher, und ) n. Nl. 24. O. « a oft am Tage. Am Abend Donner und Blitz 26 5, V.M 18-0 W. 1.' heiter z n. M - 7. 27 6 V.M. 17. c> W. 2 heiter ^ n. M. 25. 0. - 2. i- - - 28 6 v. M. 7- 0 W ». heiter ; n. M 24, Q, ? O. - s - 29 6v.M 7. Q. N. 2. heiter ; n. M 17. O. O 2. s !- -- 5 V.M. ?. Q. O ? zerstreute Wolken ; n. M. S. c>. - - -- Im Ma? Der Tag Die Stunde Das l Therm, l Der l Wind l Die Witterung l 4 V. M. Ol. 5 S. 0. Reif des Morgens; heiter. 5 3 ll. M. !8- 5- SW. 1. - - - 2 5 V. M. I. O- W.i. heiter ; n.M. 2Z. O. 6 vM. I?.o. SSW. 0. Regen ab und zu. ? n.M. l6. 0. ? l ? i l 6 v. M. I2.0. WSW. a. heiter ? n. M. 28 0. - O. , - B 12 6 v. M. IZ. c>. WNW. 2. heiter s ; n. M. 20. v. - 2. - - F 13 5 v. M. 9.°. NW. 1. heiter ) n. M. !8 5- - 1 s s ^ 14 5 v, M. 00. ^. NW. 0. heiter 15 5v. M. 9 ° SSW- 2. trübe ; n M. 20. 0. - 2 Regen 16 5v. M. 17.°. trübe 4 N.M. 23.c>< - - - I7 5 v. M. 20. 0. S-1^ Es regnete ab u.zu den ganz Z N. M. - 24.0. Tag «.blitzete des Abends sehr-heiter 5». M. I?. 0. I9 5 v. M- 17 c>- W.2. heiter 5 0. M Iy. c>. W. 1. ^ heiter ? n. M- 240, - 1. 21 6v M. 20. n> heiter 22 SW. 1. heiter; sehr heiß. 5 v. M. 17.0- SW. 1, heiter « ?n M 33-5- s ». - - - 24 12 v-M. )2. 0. SW. 1. heiter 8 v. M 2^;. 0. SW.i. heiter und sehr warm «n. M. 28- c>. - - - szs Im May N^T^, W^nd Di.M.t.nm, , 26 8 v. M. 2i. 0. WNW. 2. zerssreuete Wolten ^m . z n. M. 25. 0. l Abend ein Triebgewölke mit Sturm und N Der j Wind Die Witterung i 5 vM. SW- '. Regen dle Nacht vorher; 2 SO- 1 Morgens trüb; Kl-1» hei- ter, zerstreuete Wolken 3 7 v. - 24.0. SW. i. zerstreuet« Wolken; n.M. Gewittern) niit Regen, welche von NW kamen 4 3 n - 26. ,0. NW- i. zerstreue« Wolken 5 5.Zn. - '5 5- S. 1. Heitee 3 n- ' 22. Q. i I. t L l 6 5 V. - '8 5 SW.,. abwechselnd trübe und 3 u.^ - 2Z. 0 i l. klar 7 d.q. Tg. 2<2. c>. trüb und Regen 8 6 v. M. 15. 5. NW- 0. trübe zn. - 2Z.0. ,' 1. zerstreuete Wolken 9 5 V. - I?. °. ' heiter 5 V. - II. 0. SW-1. heiter l 3 N. - 22.5. 5 l l II 7 V. - 2o. c>. N. 1 zerstreuete Wolken 2 N. - 3?-" SW 1. Gewitter mit Regen 12 6v. - 2Z c>. N 0 heiter > 5 n. - Z2. c>. E. 2. etwas trübe 5 V. - ly O SO-2. meist heiter 3 n. - 27.0 5 2. '4 6 v. - 260 S. i. heiter 3 n. - 2) 0. i 1. Gewitter mit Regen ') 6 v. - 18 °- N. 0 heiter ?n. - 26.). i6 6 v. - 2o.c>. NNO l. heiter 2 N. - 28-°. i 1. l ? i »7 ^v. - »8- °- N 0. heiter z,n- ' 27.5- ? 0. l j i '8 5 v. > 2l. n OSO-1. heiter ; n. > 32. ^< NO- '. Gewitter mit stark. Regen-güssen heiter '9 6 v. - 20.Q. NNW.'. 3 n. - 27,0. - 1. 2° 5 v. - 18-0 S.' heiter ? n > 26c>. ? 1 trübe 2> s v. - 230. SW. °. trüb, bisweilen Regen 5 v. - W. 1. heiter 6v. - ,7.0. S.l. heiter ' ! NW l. trübe . m Iunius. I Der lTass Die Stunde Das Therm. Der Wind Die Witterung. 26 ^7 28 ^9 3° 6v.M. n. -5 v. -in» 5 v. -6 v.,-5 v. -l N- > 7 v. -5 v. -; n. - 20.5. j z^. 0. 14. 0. 15.° 35 ^ 26 c). II. Q. S. 1. SW-l, S.l. N. '-S. ,. S. 1. trübe, hernach heuer. Gewitter und Regen, heiter l - < heiter htlter heiler heiter heiter M IM Julius. 5z9 Der Die Das Der 2>i, lMi„„„n<» ! Tag Stunde Therm. Wind D« Witterung. ^ « ? - - N- 3- zerstreuete Wolken 2 5 v- M. 7. 5. N 2. heiter 3 8V.» 26.0. N- '- heiter 5 2 n. - 23. 0. l i. des Abends Gewitter mit Regen 4 6 v. > 20 0. S. i. trübe; zuweilen Regen nM n - - N 2. - ,> < 5 - - .' Wi heiter ^ 4 n-. - 260. - 1. trübe; Abends Regen-6 .^y. » iz- " SW. 1. Es regnete die qan; Nacht vorher. Am Tage heller 7 H^v. - i7-° NW 0. heiter « 3 v l6. °. N. 0. abwechseld heiter u- trübe v " M ein gr. Ring um die Sonne, y 7 v. - 21. 0. SW. 0 d. Nacht vorher Regen. Am . ( n' 22. Q. : 0. Tage n übe zuweilen Reg , a ' 3 v ^ 's- " SW. 0. heiter; bisweilen ziehende ^.. 24>. , l. Wolken mit Regen ',,?v'' '7° SSO,- h«t« . ,l . 26°. . ,. - - ' -iibv - ^"' SSW.'. . hrtter . n - 33 " - '. '- -' _ ^ 21.0 WSW,'. hemr ^n . 28°. ,. - - < i-^v'. ^.^. NNO l. better . ? n 28 0. ; , i -',< ^ t, 14 °- S. 0. heiter; bisweilen etw. trübe rou ' SSO'. l - -^ .' .Y.O. S.'. heiter ^ 24. o. - ,. trübe ',« < v - '5- ° NNO °. heiter . 2 n - ^-°- - ° - . - -la c »' - '9-" SSW l tmbe, Regen / ^ „. . - e etwas heiter 22 5 v. - ly. a. S. l. heiter l ; n. » 24.0. l l. trübe, etwas Regen 215 c So. heiter : ; n. - 27. 0. : 0. zerstreuete Wolken ,2 5 v-> l6. °. SW. 2. heiter 640 I" Julius. 22 ? n.M. 27.2. SW. 2. heuer 2z 6 v. - '9- "- SSW- >. heiter u. trübe abwechselnd - ) n. - ^8^ 5- - '- ' ^ ,' -24 6 v. - 2c. 2. SW-' heller 25 5 v. - 20. °. WSW- <-. heiter 1 ; n. - 23 5- ' "' ' ' < 26 5 v. . 2' °. S. °. hetter , ; N. )°. 0. . '. l j ? 27 5 v. - «- " W-' trübe, Regen bisweilen - ) N. - ". 5 < ' ? l ? 28 6 v. - '7- 0 W. i. heiter - 3 n. - 27.0. l '. e - i 2y 6 v. - »6.0 NW. ^ heiter. Des Abends ziehen-. 2 n. > 24.0. , I. de Wolken mit Regen ; 0 6 v! - t4 °- WNN. l. heiter 2 n - "6- 0. : 1. l ' l "z, 6 w - '6. 0. O-'. trübe mit Regen fast den , s, n. - «. «- < ' ganzen Tag Im Aucrust. 64, l 6v.M ". °. NO. l. trübe; bisweilen Regen - ? n. M 28- 0. «1 l « j 2 4'v M i6.0. NO. 1. heiter < n.M.! l SO-1. trübe;gegendAbendheiter 2 5 oM 13 c>. SW. 2. heiter 4 - j NO. 2. trübe; bisweilen Regen > 2 n M 21. 0. ,2. ^ ,. l e v M. ,' NO- !- heiler - n M - SW. 1 l ^ 1 6 > v- M 16.0. NOs 3 starker Reaen b. ganz. Tag, , 1 n M l6 0 - 3 bisweilen Gewitter 7 6v.M' 13.0. O2O-1 trübe; oft Regen « 2 n M. lb. 0. i l ? .' l ,8 6v.M. ib. 0. SW. 1. trübe; bisweilen Regen , In M. 27.0 j 1. l > ' la 6vM. 14.". SW.l. zerstreuet« Wolken - in.M. 20.°. « 1. des Abends Regen ^o6v.M '4.O. SW. 1 zersireucte Wolken , , n M. 240. ' l. ^ ^' ., ' li6v.M. 13.5 W-l. "ube 126V M. 14° W'. zersireuete Wolken - 2 n.M. 250. L I. i ? IZ 7 v M. '5- 5» NW. '. heller , 2 n. M. 30 °- - l. ^ i i 14 6 v.M. 16. o. NO-2. hetter , 2 n. M. 26.0. j 2. ? - , i^6v.M. 140. NO. i- heiter < 2 b- M- 2«. c>. - 1 l l l6 5 v M. 14 0. EO 1. heiter. Am Abend Gewitter - ?n.M. 260. - l und Regen 17 5 v. M. 14. 5. S. 0. zerstreuete Wolken , 2 N- M 27. o l c,- « ^ -i» ? vM 16. c>. W. i. Am Morgen Gewitter und < ?n.M. 29.0. i l. Regen Kl. >°. v. M. zer-' ^ streuete Wolken »9 6V.M. 17«- W.i heiter i znM 30» c>. - l- - ^ l 2°5vM. «6.5. SW-c>. heiter F 2^v. M. 28-0- l 0. ? l , 2>5v. M. 17°. SW». heiter : 2N. M.l 29° - 1. - : : 5 n. M. 27. O, i l i : z Reisin 11. ^hell. S< 64» I" August. Der Die Das Der «^. «^., T >ss Stunde Therm. ' Wind D,e Witterung. 225V.M '9-c> NO 2. Regen den ganzen Tag .' ?n. M. »7- 5> ' 2. - - s 2z 5 v. M. l6.5 SW- )- des Morqens Regen; - 2n.M. 22.5. - 3. Kllov.M.zerstreuet«Wolk 246V.M. '3-5 SW-l. zerstreue« Wolken l 2 n.M. 22.0. 52. , l , 255 V. M 7.0. SW-2. heiter : 4 N-M. 2c>5. ,'2. , , , 26 5 v. M. lz. 0. NO- l better u. trübe abwechselnd; l ? n. M »8- °. - '. n. M. oft Regen 27 5 v. M. !o. 5 SW- l. zerstreuete Wolken l 2N. M- 2Z.c,. 5 I. - - Ä-28 5 V. M l°. Q. SW.l. heiter i 2 N. M. 22.0. l l. ^ « L 19 5 v. M. 13. °. NO- 2. heiter ;o5;v,M. ,i. 0. NO- 2. heiter t zi 6"o. M 1; 2. S-1. heiteru.trübe.abwechselndjli je 3 n. M '8- 5 ' I Regen ab und zu si ^ Im September. lDer Die DaS Der 5>,-9Ni,,-s,,«<, l^ Ta<, Stunde TWm. Wind D« Wttterung. ^ l 5;.n.M. 145. NNW'. helter , ! i ;n. M. 20.0. - 1. ^ - f^' 2 5'^vM. 90. N. l. helter ^j^ ? 2.N.M. i8°l SSW. i. s - k ' ' ) <;lv.M. 7. 5. S-1 etwas trübe; ab und zu . 2 n. M. 2Oo. l ! heiter 4 6v.M. 14 a S. >. ab und zu Regen, und hei-' 2 n.M. 175 - 1. lere Luft « 6v.M. 140. NO-2 Nebel. Regen b.gan;. Tag. Ab und zu Gewitter 6 lo^v.M 150. NO. ^ Nebel und Staubregen den l dgnm »5 ° ,2. ganzen Tag 7 7vM. '7°' SW l. . Nebel und Regen l ^ n. M 22.0. s 1. '^ > heiter 8 5Z.V- M, ls. <-. SSW. 1. ! " heiter^ '' ?: l 4^n.M. 28°. -. 1. - - '^ li 'l'2 9 5 b.M. 17- 5- ONO- 2. heiler ^ -, -.3 n.M. 25.". e 2. f.. -.^H^' Im September. 64z lo ^ly.M 16.0. NO-2. heiter - 3 n.M. 26.°. ^ - 2. - - " ll 5'V.M. '5- c>- ONO. 0. htlter l znM. 25.0. ' °. - - -I27VM- l4-5 NNOi. heiter - nM. - SW. 1. ^ - -l z 5^v.M. ^4. v. NO. 1 heiter - l^n.M. 245 - '. - - -I4 5V M ^° ^l). 2. heiter , lNssp' 22. 5- - 2. -'»5 5 "o.A ^0. NNO- 3 heiter. VM.waremRing , /n lw ^9° - 3 um die Sonne '165IV.M. ^'5- NNO.i. heiter 3'"'^- 12.0, SW. °. heiter '8 6v'M.' '7-°- SW. 1. heiter , «>> 27.0. 5 i. l ? ^ !y 6v.M.' ".0. SW. 1. heiter '° ^ M '9°- SW. i. heiter ' ^«'?,? ^°- - l- trübe, gegen Abend Regen 226VM ^'^ V. °. etwas trübe 2?6vM '4-^ SW«. heiter ,1 ^ l, M 's. O. SW. 2. heiter; zu Mittag Regen 2nM 26.". - 2. n.M. zerstreuet«Wolken 25 7 v' M' '^' °' ^ ^ ^"^" "' ""^^ abwechselnd 26 «3'M "'"' NO.i.' '. heiter . ,n M "^ ' '' trübe mit Regen 2760.?^ 9^ N''- Regen den ganzen Tag - 5N M '4'° ' '' ^ ' ' 28 6v M 8. 0. SW. 1 es regnete stark den ganzen - ^n!M l4-°. ^'' <^?s, 296 V. M so- S'. Nebel - inM. l).o - 1. zersireuete Wölkn 20 8 v. M. '4- ° SW- 2. Staubregen - 2 n.M. 's-"- - 2 etwas heiter Ss 2 644 Im October. «Der Die Das Der lTa.c, Ztunde Therm. Wind Die Witterung. l 9. Q. NW. l Rcgen l n M. s i etwas heiter 2 7v, M. 2. 0. W. 1. des Morgens R. - 1 - - , 4 6o. M. I». 0. S. «. Regen 5 6v. M. 10. s. NO- 1. trübe n. M. II. 0. < 1 6 6'v.M. lo. 0. ONO. >. Regen den ganzen Tag ?n. M. 12. 0. - - - 7 10. 0. ONO-. zersireuete Wolken ) 2N. M. 14. O. - s F 8 szo.M. 7.Q. S. l heiter ; n.M. IF. 0. - ». Meteorologische Beobachtungen, welche ohnweit Philadelphia, während meiner Abwesenheit im Sommer des Jahres 1749, "on dem Herrn . Johann Bartram angestellet worden sind. Der Ta« Das Therm. Das , Therm, l Der ! Wind l Die Witterung ! v. M. n. M. i 22. 25- W. trübe 2 22. 27. W. trübe ? 2;. 28. W. Regengüsse 4 22. 28- W. heiter 5 I» 25. W. heiler 6 l8. 25- W. trübe 7 22. 22- NO. trübe 8 2l. NO. trübe 5 2l. N. trübe 10 I4. 22. O. trübe 11 22. 2?. O. trübe 12 25' 25. O. trübe I? 2?. 25- O. trüb« 14 25. 27. O-Z. trübe l5 24. 28. 0. heiter l6 22. 26. O. heiter 17 27- O- heiler 18 25- 27. O. 2. heiter 19 2Z. 24. NW heiter 20 17- 26. W heiter 2l 24. 26. W. heiter Im Iunius. 645 Der Die j Das l Der Di« snitteruna Tag Therm.sThesM.s Wind ^" Witterung. v. M. n.M-22 18 «7 W> heiter 23 15 29 W- heiter 24 22 32 W. heiter -5 22 zi W. heiter 26 23 zv 2c. heiter 27 19 32 W. h«tee 28 24 36 W- , < < 29 25 Z7 W : - -?c> 25 36 N l - - , I m I lt l i u g. ^ l^^m!3?»m,! ^ I Dl.W.«.r..n«. , v. M. n. M l 21 zo W. L < i 2 18 27 NW. , , , ? 26 2« SW Regengüsse 4 24 z6 NW ^ - -^ 22 Z2 W. l i B 6 22 34 NW Regen 7 20 35 W. Regengüsse 8 20 35 NO Regen 9 2n 29 N- heiter 10 16 29 N- heiter 11 17 ?? NW. heiter 12 20 35 W» heiter; am Abend Regen, /z 22 3Z W. heiter 14 26 30 W. Regengüsse 15 20 29 N. heiter 16 21 30 O. Regen !7 19 29 NO. trübe 18 18 iy NQ Regen 19 18 33 V3- heiter 20 19 33 W- heiter 2l 22 31 W heiter 22 23 23 W. Regengüsse 23 23 25 W. Regengüsse 24 20 z6 W. heiter 25 27 36 W- Tag Das Tberm. Das Therm. Der Wind Die Witterung 28 29 30 V.M. 19 23 2l n. M. 27 36 34 54 W. W. heiter Rege» 1 - - I m Au gnst. > lDer lTa 18 18 37 W. B F ly l« 25 WS. D B 2Q 26 NO- Regen 21 20 25 NW- < D 22 23 34 NW. - - 23 I7 34 W. D 24 25 l8 2O 30 32 W-NW-W. B e 5 L 26 10 24 NW. heiter 27 12 20 NW. heiter 28 >3 23 W. heiter 2Y 22 24 W- heiter 30 17 25 O B ?I . 2» 29 O- Im September. 647 Der Das Das Der Die Witterung. ! Taq Therm. Therm- Wind v. M. „. M. I 19 - gc> O. Regengüsse 2 18 20 O. Regen 3 19 25 O. Regen 4 22 25 O. neblich 5 2? 31 NO- trübe 6 23 37 NO. trübe 7 24 34 NO. trübe 8 24 32 NO- trübe 23 33 NO. Regen IQ 23 32 W- Regen II '9 25 NO- < 12 13 23 NO- « i; 12 2s NO- l ß « 12 30 NO- » 15 13 27 NO- l f < 16 2O 26 NO- f I/ 17 27 O. 18 16 34 SO- ß < l ly 12 '? SW 20 17 26 21 17 25 W. - 22 15 , 30 O. »; 22 2Y O- 24 21 29 W- ! « 25 26 2Z 2O 28 »5 W3-ON- « Gewitter 27 15 19 NW. 28 IQ 20 NW. 2Y - « 6 26 W. «ki Im October. lDer »Tag Das Therm. Das Therm D L » 5 !7 zo 0- » < 6 ,8 ?o 0- < 7 16 21 NW. 8 il 22 NW. < ^f' " ch««W Ml, ^' ^5