I/ Kohlenwerk Joharmestal. Hoher Landesausschuss des Herzogtumes Krain! Unter hoflicher Bezugnahme auf Ihre geschatzten Zuschriften Z. 3063 vom 6. Marž und Z. 3863 vom 13. Marž d. J. und meine personliche Besprechung, die ich mit Ihrem hochgeehrten Landes- hauptmanne Herrn von Detela, dann Reichratsabgeordneten und Landeshauptmann-Stellvertreter Herrn Povše, und Landesausschuss- beisitzer Herrn Grafen Barbo miindlich zu pflegen die Ehre hatte, erlaube ich mir Ihrem Wunsche gemass das Gutachten iiber das Kohlenvermogen und die Qualitat der im Braunkohlen- bergbau in Johannestal in Unterkrain teilweise erschiirften und teilweise aufgeschlossenen Kohlenflotze wie folgt zu erstatten: Das obenangezogene kohlenfiihrende Terrain besteht aus zwei durch eine Hebung von triadischem Hornsteinkalk und Schiefer getrennten Tertiarmulden, u. zw. der nordlich gelegenen Strassberg- und Ogorelka-Mulde und der siidlichen Ferdinandi- oder Barbara- Mulde. I. Die nordliche hat ihre Bezeichnung von' dem muldenformigen Vorkommen bei Strassberg, welches durch die jetzige Anlage, das Mariengesenk, bergmannisch teilweise aufgeschlossen ist. Die ge- nannte Mulde hat eine voraussichtliche Langsachse von 600 m und eine kurze Achse von 300 m. Die Machtigkeit der dort vorkorn- menden Kohle variiert zvvischen 12 und 18 m und beinhaltet bei einer angenommenen durchschnittlichen Machtigkeit von 15 m* ein Kohlenvermogen von ungefahr 12 M i 11 i o n e n q. Die Qualitat der genannten Kohle (von mir in der Grube selbst entnommen) ist m 1 @ eine durchaus zufriedenstellende und nach der von mir veranlasstert Untersuchung durch Dr. A. Cluss, k. k. o. 6. Professor der chem. Technologie an der k. k. Hochschule fiir Bodenkultur in Wien (Nachfolger des Professors Schwackhofer) ist der Heizvvert ermittelt mit 4474 Kalonien, der Gehalt an hygroskopischem Wasser 22’34 »/„ und der Aschengehalt 8 - 95 %, ein Resultat, das, den Aschengehalt ausgenommen, nur die guten und besten Kohlenmarken Nord- westbohmens erreichen. Eine zweite durch das Laboratorium des Vereinigten Briix - Dux - Oberleutensdorfer Bergrevieres vorge- nommene Analyse eines sehr minderwertigen, selbst in der Grube entnommenen Fundstiickes ergab folgendes Resultat: 1. Zusammensetzung des lufttrockenen Materiales. Wasser (Trockenverlust bei 105° C) 24'20 °/ 0 Asche.11 '67 °/ 0 Brennbare Substanz.6443 °/ 0 100-—o/ o Die brennbare (d. i. Wasser- und Aschefreie) Substanz, welche in dem lufttrockenen Materiale 64*13 °/ 0 betragt, enthalt auf 100 Teile berechnet ,'i7Ty. © 2 © S -3 v * 3. Kalorimetrische Untersuchung. Diese wurde mit der P. Mahler’schen kalorimetrischen Bombe durcli Verbrennung mit verdichtetem Sauerstoff bei einem Drucke von 25 Atmosph. vorgenommen. Nach Abzug der kalorischen Warme des Wasserdampfes, gebildet aus den hydroskopischen und dem durch Verbrennung des Wasserstoffes entstandenen Wassers, resultierten hiebei fiir 1 g Kalorien (oder Warmeeinheiten fiir 1 kg) ebenfalls 4059. Ich mache ausdrucklich aufmerksam, dass ich absichtiich eines der sichtbar minderwertigsten Fundstucke zur Analyse ge- wahlt habe. Die Ogorelka-Mulde ist bereits abgebaut, kommt also bei der Berechnung nicht mehr in Betracht. II. Weit wichtiger sind jedoch die Ferdinandi- und Barbara- Mulde, allerdings in Anbetracht ihrer Bedeutung nicht hinreichend genug geologisch und bergmannisch untersucht. Die Langsachse der genannten Mulden, die ursprunglich eine einzige Mulde ge¬ bildet haben durften und durch den Durchbruch des Hincebaches in 2 separate Liguitmulden geschieden ist, aber ein zusammen- hangendes Piauzitlager reprasentiert, ist mindestens 1800 bis 2000»* lang, vvahrend die Breite, wie aus der schraffierten grossen Figur ersichtlich, zwischen 300—800 m variiert. Die zur Berechnung des Kohlenvermogens notwendigen Be- helfe bestehen, obschon sie genug diirftig sind, aus: a) Bohrloch B und Bohrloch vom Jahre 1893 (beide nach dem von der Betriebs- leitung mir zur Verfugung gestellten Profile von Hartnigg), sowie aus den @ 3 © 1 * Bohrungen A, B, C, D zusammengestellt von Kosmat, Poech mit folgendem Resultate: Bohrung A mit altem Ferdinandistollen mit 20 m Hangendhohe 5’2 m Lignitflotz 65'5 m Tegel 17‘0 m Piauzitflotz. Bohrung B, nordostlich vom Ferdinandistollen mit 51 '6 m Hangendhohe 10‘4 m Piauzitflotz (das Lignitflotz fehlt hier, \veil die Bohrung nahe beim Ausbiss). Bohrung C, zwischen dem Ferdinandistollen und dem Dorfe Pule mit 6000 m Hangendhohe 6'00 m Lignitflotz 14 - 00 m Tegel 18 - 00 m Piauzitflotz. Bohrung D auf Parzelle 426 41 a mit 58 m Hangendhohe 10‘00 m- Piauzitflotz. (Auch hier fehlt das Lignitflotz aus gleicher Ursache wie bei Bohrung B.) Ferner aus Schurfbohrloch bei Hince, mittelst welchem bei 68 m Tiefe 4 m Lignit erreicht wurden, dann Bohrloch 1 zwischen Gustav- und Casarstollen mit 7'9 m Llangendhohe 547 m Lignitflotz 44 - 00 m Tegel 14'82 m Piauzitflotz weiters dem Schachtchen nahe der Zinkhiitte und dem Hincebach, das SmMachtigkeit des Piauzitflotzes aufweist, sowie b) den von mir begangenen Ausbissen des Lignit-, Piauzit- und angeblich 3. Flotzes. Ausserdem komrnen in Betracht die gewonnenen Aufschlusse durch den Časar- und Gustavstollen, in welch’ letzteren 3 Flotze querschlagsmassig angeblich konstatiert wurden. m 4 m Die 9 Lignitausbisse vveisen auf Machtigkeiten von 3 bis 5 m hin mit einem allerdings am Ausbissende konstatierten Fallwinkel von 40 bis 50 °. Ich habe daselbst an den einzelnen Ausbissen Kohle entnommen, die ich analysieren liess und welche folgendes Resultat lieferten : Lignit aus einem Ausbiss bei Pule I 25'39 % hygroskop. Wasser 1’57 % Asche 4547 Kalorien (Scheint zufalligervveise ein besonders reines Stiick gewesen zu sein.) Auch die Ausbisse, die die Reprasentanten des Piauzitflotzes sind, dessen Machtigkeit im Durchschnitt abziiglich Kohlenschiefer mit 12 m anzunehmen ist, liefern charakteristische Fundstucke der dem Vorkommen den Namen gebenden Piauzitkohle. Diese Kohle ist stark mit Harz impragniert und hat eine ausgesprochene Holz- struktur. Der hohe Gehalt an Harz rechtfertigt einen vvesentlicheren Brennwert und ergab die Analyse folgendes Resultat: Piauzit, Gabrjela unter der Strasse 264)2 <% hygroskop. Wasser 2 - 09 % Asche 4469 Kalorien. Die mit s bezeichneten Ausbisse, deren Fundstucke das Re¬ sultat von Gabrjela ober der Strasse 2546% hydroskopisches Wasser 2‘65 % Asche 4559 Kalorien lieferten, werden von der Werksleitung als Reprasentanten eines 3. unteren Flotzes angefiihrt, das identisch sein soli mit dem Strassberger Flotz, sodass die Ansicht, die Strassberger Mulde stelle ein Kohlenvorkommen mit abgewaschenem Lignit und Piauzit- flotz vor oder die Ferdinandi- und Barbara-Mulde fiihre noch ein 3. Flotz, viel fiir sich bestehendes hat. Eine von mir veranlasste Analyse der Trifailer-Kohle (von rvelcher ich allerdings ein besonders schones Stiick erhielt) ergab: 20'22 % hygroskopisches Wasser 541% Asche 4762 Kalorien. m o. m Auf Grund der horizontalen Projektion der Flache der kon- statierten Ferdinandi- und Barbara-Mulde wiirden diese beinhalten: 1. das durch Ausbisse konstatierte Lignitflotz mit einem bei- laufigen Kohlenvermogen von 2 5 Mili. q , 2. das mit einem Kohlenvermogen von ungefahr 130 Mili. q zu bezeichnende, die Bohrungen und durch die stollenmassige Beleuchtung konstatierte Piauzitflotz, 3. das nicht in Rechnung gestellte 3. oder Strassberger Flotz, das leider durch Bohrungen nicht nachgewiesen, schon aber von Hartnigg in den achtziger Jahren als vorhanden vermutet und selbst auch von Kosmat und Poech als moglicherweise existent hingestellt wurde. Auf Grund des, Vorangefiihrten sowie meinen personlichen Information vom 26., 27. und 28. Marž und 21. April d. J. an Ort und Stelle ist bei der Annahme, dass ich AUes iiber das Vorkommen laut Bcilagen Geschriebene oder Gesagte behufs Ver- meidung von Wiederholungen als bekannt voraussetze, wobei ich jedoch bemerke, dass mich Inhalt und Tendenz der genannten Beilagen nicht beeinflussen, mein Resume folgendes: Das Braunkohlenvorkommen in Johannestal ist ein ausser- ordentlich interessantes und in seinem Umfange viellcicht grosser als gemeinhin bisher angenommen wurde. Das anstehende Kohlenvermogen ist nach meiner Schatzung auf Grund der vor- handenen Unterlagen mit mindestens 150 bis 160 Mili. q (wobei ich das Vorhandensein des 3. Flotzes vorsichtigerweise ausschalte) anzunehmen. Das Quantum gewinnbarer Kohle wird in der Wahl der Abbauweise abhiingen und es wird im Interesse der Johannestaler Kohlengewerkschaft, die inzvvischen infolge des Bahnanschlusses alle Vorteile einer modernen, rentablen Werks- anlage ausnutzen kann, selbst liegen, mit der Substanz hauszuhalten. Wird bedacht, dass sowohl bei der Berechnung der Flache, bei der Annahme der Machtigkeit sowie der Zugrundelage der Be¬ rechnung eines Gewichtes von 10 q pro 1 m 8 anstehender Kohle mit aller Vorsicht kalkuliert wurde, so wird ein Abschlag von 15% auf Abbauverluste mehr als hinreichen, sodass als voraussichtlich gevvinnbare Menge des der Johannestaler Kohlengewerkschaft dermal gehorigen Kohlenvermogens des Lignitflotzes, als auch des Piauzitflotzes mit 130 Mili. g bezeichnet vverden kann. ts> 6 m Der Gewinnung dieser Braunkohle im Grossen mit modernen Hilfsmitteln stand, wie bekannt, der Umstand im Wege, dass eine direkte Bahnverbindung nicht vorhanden war, die eine Explotierung vorteilhaft erscheinen liess. Die Station Trefferi der Unterkrainer Lokaleisenbahn, die bisher zum Zwecke der Verfrachtung dieser Kohle in der Richtung gegen Laibacli in Betracht kam, liegt 18 km von Karmel entfernt und es musste die fiir den Verkauf gewon- nene Kohle mittelst Achse bei einem Frachtsatze von 48 bis 54 Heller pro q dortselbst zur Verladung gelangen. Es war daher in Anbetracht dessen, dass die so hohe Verfrachtung 50+26 Heller per q (Eisenbahnfracht von Treffen bis Laibach Staatsbahnhof) die Preise loko Verbrauchsorte schon mit 76 Heller belastete, eine Prosperitat ausgeschlossen und es musste dieses Vorkommen viele Jahrzente nach seiner Entdeckung bescheiden sein Dasein fristen. Unter Hinweis auf das voraussichtliche Kohlenvermogen und in Erwagung dessen, dass die Resultate der Analyse des Lignit- flotzes, des Piauzitflotzes und des Strassberger Flotzes, wie aus den oben angefiihrten Daten ersichtlich, durchaus zufriedenstellende sind, (die Analysen der beiden erstgenannten Flotze sind es be- sonders deshalb, weil die Fundstiicke Ausbissen entnommen sind, in welchen infolge Vertaubung die Marke immer etwas minder- wertiger ist, und die tiefer gelagerte Kohle auf hoheren Kalorien- und geringeren Aschengehalt schliessen lasst) glaube ich, mit voller Beruhigung dem hohen Landesausschusse den Ausbau der ge- planten Eisenbahnstrecke Treffen-Karmel empfehlen zu sollen, im Interesse des Landes, im Interesse der Lokaleisenbahn und nicht zuletzt im Interesse der durch den prosperierenden Bergbau be- fruchteten Umgebung der genannten Bahnstrecke. Mit ausgezeichneter Hochachtung Franz Hwizdalek Briijt, am 2. Mai 1906. kaiserlicher Rat und Bergdirektor. ® 7 © BulagisEbes Gutachten liber das lohannestaler Kohlenmier in Krain von Dr. Franz Kosmat, Sektionsgeologe der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien. Das vom Unterzeichneten im Laufe des Mai 1902 untersuchte kohlenfiihrende Terrain siidlich von Johannestal besteht aus 2 durch einen Riegel von triadischem Hornsteinkalk und Schiefern getrennten Tertiarmulden, welche vom nordsudlichen Laufe des Hincebaches durchschnitten werden. Da auf diese Weise die ober- tagigen Aufschliisse unterbrochen werden, zerfallen diese Mulden gewissermassen in je 2 selbstandige Abschnitte und man kann daher von einem Strassberg- und Ogorelka-Reviere im Norden und von einem Ferdinandi- und Bar bar a-Revi ere im Siiden sprechen. Da die beiden letzteren die bedeutendsten sind, soli mit ihrer Beschreibung begonnen werden: 1. Ferdinandi-Revier. Dieser vvestlich vom Hincebach gelegene Anteil der siidlichen Tertiarmulde (Umgebung von Pule und Govidol) wird im Norden von der Strasse zvvischen Karmel und St. Leonhard, sovvie im Siiden (unterhalb der Ziegelei) durch Riicken von Triaskalk be- grenzt, erstreckt sich im Westen gegen Gabriele und zeigt an zahlreichen Stellen Kohlenausbisse, welche zusammen mit den ehemaligen Stollenanlagen und Bohrungen ein gutes Bild der Lagerungsverhiiltnisse liefern. a) Das oberste Flotz (Ferdinandiflotz), welches aus typischer Lignitkohle besteht und eine Machtigkeit von 3 bis 5 m besitzt, ist obertags naturgemass am haufigsten aufgeschlossen und wurde auch durch verschiedene Stollenbaue untersucht, beziehungsweise ausgebeutet. Das Verflžichen ist im nordlichsten Teile nach S. und 8 m S. W. gerichtet (im Ferdinandibaue z. B. nach dem Profil flach gegen S. W.), wendet sich dann in den Graben unterhalb Pule mehr und mehr gegen W. und N. W., wodurch der Beweis ge- liefert ist, dass man es mit einer flachen Mulde zu tun hat, welche sich gegen den Hincebach etwas hebt, weshalb das oberste Flotz hier freigelegt und durchwaschen wurde, vvahrend es sich gegen W. unter die marinen Tegel von Gabrjele und Pule hinabsenkt. b) Das vom Lignit durch eine zirka 40 — 60 ra machtige Tegelmasse getrennte tiefere Flotz (Piauzitflotz) eine schone, durch ihren Harzreichtum auch in der Litteratur bekannte Kohle (vergl. Verhandl. der k. k. geologischen Reichsanstalt 1872, Seite 353) ist gegenvviirtig obertags nur nahe dem Nordrande der Mulde im Graben zwischen Karmel und St. Leonhard aufgeschlossen, aber durch friihere Schurfungen mit Sicherheit und ziemlich grosser Ausdehnung konstatiert. Von den Ausbissen im genannten Graben, welche ein stidliches bis siidostliches Verflachen erkennen lassen, sinkt das Flotz allmahlich unter die Talsohle herab und wurde im Ferdinandibau durch ein Bohrloch in 90 m Tiefe unter der Stollen- sohle nachgewiesen. 1. Bohrung A im Ferdinandibaue. 20 m Tegel 5’2 m Kohle = Ferdinand-Lignitflotz 65 - 4m Tegel 17 m Kohle = Piauzitflotz 2 m Liegendtegel. 2. Bohrung n. o. des Ferdinandstollens (niiher den Aus¬ bissen des Piauzitflotzes). 5T16 m Tegel mit 1 eingeschalteten Kohlenflotz von 1 m 10'07 m Kohle = Piauzitkohle. Der in der zweitgenannten Bohrung zwischen dem Lignit- und Piauzitflotz angetroffene Kohlenschlitz ist vielleicht identisch mit jenem, welcher zur Zeit meiner Anwesenheit im sogenannten neuen Ferdinandi (Časar) Stollen angefahren wurde. Zwischen Pule und dem Hincebach wurden 2 Bohrlocher abgeteuft, von denen das eine (nur aus dem Profil von dem Herrn Ingenieur Hartnigg bekannt) zirka 150 m vom genannten Orte in der Richtung gegen Ferdinandibau entfernt ist und beide Flotze antraf, wahrend das andere unterhalb der Lignitausbisse liegt und daher nur das Piauzit¬ flotz erschloss. 1. Bolirung bei Pule (Nach dem Profil von Hartnigg). 60 m Tegel 6 m Kohle == Ferdinandflotz 4'4 m Tegel 19 m Kohle = Piauzitflotz 4 m Liegendtegel. 2. Bohrung in Parzelle 476/41 a in der G e m ei n de Piauzi (Protokoli vom 15. September 1875). 2'5 m Lehm 55 - 5 m Tegel und aufgeloster Sandstein 10 m Kohle = Piauzitflotz (die Solile des Bohr- loches steht noch in Kohle) ein Zwischenmittel von P75w Kohle eingeschaltet. Nahe dem Siidrande der Mulde, (siidostl. von Pule) wurde ein kleiner, jetzt verstiirzter Schurfschacht angelcgt, welcher in ge- ringer Tiefe auf Kohle traf — wohl das Piauzitflotz — vvelcher hier wieder aufsteigt. Im allgemeinen liegt aber, wie die Resultate der obigen Bohrung zeigen, das Hauptflotz tief genug, dass es durch Stollen nicht abgebaut werden konnte und daher bis auf die vvenigen Stollen nahe den Ausbissen unverritzt geblieben ist. c) Osti. von St. Leonhard zeigt sich oberhalb der Strasse, nunmehr 2—3 m vom Grundgebirge (triadischer Blattenkalk) ent¬ fernt, ein Aufschluss von senkrecht stehenden Kohlenschiefer und Kohle, der N. W. und NN. W. streicht. Durch Schiirfungen wurde ein Fortsetzen dieser Partie nach beiden Seiten konstatiert. Weil das Piauzitflotz erst in grosserer Entfernung vom Grundgebirge am Sudgehange des Grabens (Piauzitgraben zwischen St. Leonhard und Karmel) zutage tritt, scheinen diese Verhaltnisse dafiir zu sprechen, dass noch ein drittes Flotz nahe der Basis der Tertiarschichten vorhanden ist; allerdings mochte ich von vorneherein die Moglichkeit nicht aus- schliessen, dass durch eine Verwerfung nahe dem steilaufgerichteten @ 10 @ Muldenrande eine scheinbare Verdoppelung des Flotzes herbei- gefiihrt werden konnte, leider geben die bisherigen Bohrungen keinen Anhaltspunkt zur Entscheidung dieser wichtigen Frage, weil sie samtlich unmittelbar nach Konstatierung des Piauzitflotzes eingestellt wurden. Sowohl aus diesem Grande, als auch zum Zwecke einer Untersuchung des Piauzitflotzes im westl. Teile des Ferdiriandirevieres wilre zunachst in der Nahe der genannten Auf- schliisse cine Bohrung vorzunehmen, welche bis an das Grund- gebirge zu gehen hat. Als beste Stelle ist die Parzelle 481 der Gemeinde Piauzi zirka 300 m O. S. O. der Kirche von St. Leonhard zu nennen. Das Lignitflotz wtirde hier, da man sich oberhalb seiner Ausbisse befiftde, noch mit durchbohrt. Die Tiefe des Bohr- loches wird, da die Fallwinkel der Schichten vom Muldenrande gegen Siiden bedeutend geringer werden, keine allzubetrachtliche sein. Einen Anhaltspunkt gibt diesbeziiglich das auf Grand mark- scheiderischer Aufnahmen gezeichnete Profil der Ferdinandimulde von Herrn Ingenieur B. Hartnigg. Nach giinstigem Erfolge dieser Bohrung ist zwischen ihr und dem Ferdinandibau zirka 200 m S. W. des schon friiher erwahnten Bohrloches A noch eine 2. Untersuchung der gleichen Art (in Parzelle 456) anzuraten, womit die Kenntnis dieses Teiles der Kohlenmulde ihren Abschluss erhielt. Beziiglich des Kohlencjuantums im Ferdinandirevier liegen folgende Daten vor: E Die in den Bohrungen konstatierte Miichtigkeit des Piauzit¬ flotzes (17—18«») reduziert sich unter Beriicksichtigung eines Einfallwinkels von etwa 20—30° auf beilaufig 15 m, wovon aller- dings ein Teil auf von feinen Kohlenschiirfen durchzogenen Kohlen, oder Brandschiefer entfallt und daher in Abzug zu bringen ist. Massgebend fiir die Rechnung sind die Erfahrungen, welche man beziiglich der dem Piauzitflotz analogen Strassbergkohle macht, von welcher nach einer mir gemachten Angabe etwa ein Viertel als Abfall zu behandeln ist. Darnach wiirden von der genannten Flotzmtichtigkeit noch zirka 11 m als verwertbare Kohle anzunehmen sein. Unter Beriicksichtigung des Umstandes, dass gegen die Muldenrander z.B.dem Piauzitgraben eineVerringerung der Machtig- keit eintritt, halte ich daher an der vom Bergrate Paul angenommen Ziffer von 10 m fest. 2. Fiir das Lignitflotz nehme ich eine durchschnittliche Dicke von 3 m an. 3. Uber die Flachenausdehnung des Ferdinandirevieres ist folgendes zu bemerken: Im Westen bei Gabrjele erscheinen liber dem Braunkohlen- und lignitfiihrenden Terrain sandige marine legel mit zahlreichen Muschelresten des miokanen Terrains. Diese Schichten scheinen den kohlenftihrenden Horizont allmahlich zu ersetzen. Zwei in der Umgebung von Gabrjele (N. O. und S. O. des Ortes) durchgefiihrte Bohrungen crgaben negative Resultate. Fiir die Rechnung ziehe ich daher nur jenes Gebiet in Be- tracht, welches im S. W. durch die 1300 m lange Verbindungslinie zwischen den Ausbissen bei St. Leonhard und dem alten Schurf- schachte siidostlich von Pule begrenzt ist, im N. und S. durch Auftauchen des Grundgebirges abgeschlossen wird und im Osten an das links vom Hincebache gelegene Barbararevier stosst. Es ergibt sich daraus ein Flachenraum von zirka 550.000 m 2 fiir die Verbreitung des Piauzitflotzes, wiihrend das hohere Lignitflotz nur etwa die Hiilfte dieser Fliiche einnimmt. Daraus berechnet sich fiir das Piauzitflotz von 5,500.000 m 3 oder ein Gewicht von rund 60,000.000 q. (Das spezifische Gewicht der Braunkohle ist dabei nur wenig hoher als 1 angenommen, betragt aber in Wahrhcit F2—P4). Fiir das Lignitflotz erhiilt man nach diesem Vorgange etwa 8 Mili. q, wovon allerdings ein nicht ganz unerheblicher Teil bereits abgebaut sein diirfte, wenigstens innerhalb der leichter zuganglichen Flotzpartie, weshalb auf das- selbe weniger zu rechnen ist. Allerdings ist bei diese n Schatzungen nur die Horizontal p rojektio n der Mul de als Grundflache genom men, um auch in dieser Beziehung einen Sicherheits- kooffizienten zu erhalten. Ein Abbau des Piauzitflotzes ist nur durch eine Schachtanlage moglich, weil sich das Flotz, wie die Bohrungen beweisen, in manchen Teilen der Mulde mehr als 100 m unter die Talsohle senkt. Fiir die Anlage eines Maschinenschachtes ist die Umgebung des Ferdinandibaues (etwas o. der Bohrung A) sovvohl wegen der giinstigen Lage, als wegen der bekannten Daten iiber die Flotz- verhaltnisse am ratsamsten; in Betracht kommen wiirden die Parzellen 1016/1 oder 1016/2 der Kat. - Gemeinde Govidol. 2. Barbara-Revier: In den Ausbissen an der ostlichen Seite des Hincebaches konnte ich nur das Lignitflotz konstatieren, m 12 m weiches infolge der Durchwaschung und der Talsenkung elne selbstandige, vom Ferdinandilignitflotz getrennte Mulde bildet. Der Hauptbau fand auf dieser Talseite im Barbarabau staat, wo das Flotz nach den vorliegenden Grubengarten flach gegen N. N. W. einfiel, womit auch die etwas sudlich dieses Grubenteiles sicht- baren Lignitaufschliisse im Walde westlich und stidwestlich von Govidol ubereinstimmen. An der Strasse zwischen Hince und Karmel befand sich ein Tagbau (Ludwigtagbau) im gleichen Flotz; das Verflachen war hier nach S. S. O. gerichtet, sodass also das Muldentiefste beilaufig in der Mitte zwischen den beiden Einbauen anzunehmen ist. Tatsachlich hat ein hier abgetauftes Bohrloch sudlich von Hince, Parzelle 936 der Kat.- Gemeinde Govidol nach dem Protokolle vom 15. Sept. 1875 in einer Tiefe von 34 Klaftern ein 2 Klafter machtiges Flotz angetroffen, welches zweifellos mit dem Barbara- bezw. Ferdinandi - Lignitflotz identisch ist. Bei der aus der Katastralkarte zu ermittelnden Distanz des Bohrloches vom Barbarabau wiirde dieser Tiefenunterschied beilaufig ein Fallwinkel von mehr als 20° (gegen N. N. W.) entsprechen, was mit den obertagigen Verhaltnissen gut stimmt. Sudlich der alten Hiitten- anlage zeigte sich die Mulde des Lignitflotzes schon sehr ver- schmalert, weil man sich hier nahe ihrem Westende befindet. Die Verbindung mit dem identischen Ferdinandiflotz ist durch die Erosionsvvirkung des Baches unterbrochen. Bei der Gleichmassig- keit, mit der trotz dieses Umstandes der obere Kohlenhorizont auf beiden Talseiten entwickelt ist, gestattet die Annahme, dass auch beim weitwichtigeren Piauzitflotz das gleiche der Fali sein diirfte. Da zvvischen diesem und dem Lignit etwa 60 m Tegel liegen, ware im Bohrloche zwischen Barbara- und Ludwigbau die Piauzitkohle erst in ungefahr 120 m Tiefe zu ervvarten gewesen, und es ist sehr bedauerlich, dass Einstellung erfolgte, ehe man dariiber Ge- wissheit hatte. Da die obertagigen Aufschltisse durch die weit- verbreiteten Lehme des Diluviums stark verdeckt sind, ist eine neue Bohrung unbedingt notig, wenn man iiber das Verhalten des Piauzitflotzes in dieser Richtung etwas erfahren will. Das Bohrloch kann in unmittelbarer Nahe des alten angesetzt werden, muss aber bis zum Grundgebirge niedergestossen werden. Bergrat Paul erwahnt in seinem Gutachten einen schonen Ausbiss des Piauzitflotzes im Walde bei Govidol; dies ware vorder- m 13 m hand die einzige positive Angabe, welche ich diesbeziiglich besitze; doch ist an der Existenz dieses Kohlenniveaus auf der ostlichen Seite des Hincetales im Barbarareviere wohl nicht zu zweifeln, da ja etwas nordlich davon im Ogorelka-Bau eine demselben ent- sprcchende Kohle von bedeutender Machtigkeit abgebaut wurde. Nimmt man als Ortsgrenze des bekannten flotzfiihrenden Gebietes den Kamni von Hince und Govidol an, so erhiilt man beilaufig eine Flache von 300.000 m 2 , was fiir das Lignitflotz bei einer Machtigkeit von 3 m ein Kohlenquantum von etwa 9 Mili. q be- deuten wiirde, von dem allerdings im Barbara- und Ludwigbau zweifellos ziemlich viel bereits gewonnen wurde. Nach Analogie mit dem Ferdinandirevier ware fiir das Piauzitflotz wegen seiner tieferen Lage eine etwas grossere Ausdehnung zu ervvarten, doch bedarf es in dieser Beziehung noch einiger Aufschlussarbeiten, vor allem der Abteufung des Bohrloches, ehe ein bestimmtes Urteil gefiillt werden kann. Bei Annahme der gleichen Machtigkeit, wie im Ferdinandireviere, ist ostlich des Flincebaches ein Quantum von 30 — 40 Mili. q der Piauzitkohle zu ervvarten. Nicht uner- wahnt darf gelassen werden, dass die Konfiguration des Terrains fiir eine Fortsetzung der Tertiarmulde gegen Bresie zu spricht. Doch sind die Aufschliisse durch die Diluviallehm verhiillt, weshalb ich diese Partie nicht in den Rahmen der Besprechung einbe- zogen habe. 3. Strassberg- und Ogorelkarevier. Wenn man den Riicken von Hornstein fiihrenden Platenkalk, der bei Karmel den Flincebach iibersetzt, gequert hat, befindet man sich in einer schmalen Tertiarmulde, von welcher die hoheren lignitfiihrendcn Tegelschichten durch Abwaschung entfernt sind, wahrend das tiefere Braunkohlenflotz noch erhalten blieb und auf beiden Talseiten den Gegenstand der Gewinnung bildete. Das Ogorelkarevier, wo nach den alten Angaben eine Mulde schiiner Braunkohle von mehr als 10 m Machtigkeit vorhanden war, kann gegenwartig als abgebaut ausser Acht gelassen werden, hingegen ist im vvestlichen durch den Strassbergstollen aufgeschlos- senem Reviere noch eine ziemlich bedeutende Menge der gleichen Kohle vorhanden, vvelche einer von W. S. W. gegen O. N. O. {h 7 — 19) streichenden Mulde angehort. Am Siidfliigel dieser Mulde m 14 © konnte ich an eineffi schonen Kohlenausbisse zirka 100 m westl. vom Mundloche des Strassbergstollens entfernt, ein Verflachen von 00° nach Nordwesten beobachten, wahrend im Marienstollen, welcher etwas mehr osti. in der gleichen Flotzpartie angelegt war, die Kohle nur unter 30—40° in nordlicher Richtung einfiel und tonlagig bis zirka 20 m saigerer Teufe unter die Stollensohle ver- folgt wurde. Der unmittelbar nordl. vom Marienstollen befindliche Strassbergbau tritt demgemass in den Hangendtegel ein, welcher anfangs nur flach nach N. einfallt, sich dann horizontal legt und endlich etwa in der Muldenmitte eine untergeordnete Aufwolbung zeigt, bis dann 180 m von Mundloch entfernt (zirka 120 m vom Ausbisse am Marienbau, quer auf das Streichen berechnet) der Nordschcnkel der Kohlenmulde mit einem Fallwinkel von 20—25° gegen S. S. O. aus der Stollensohle aufsteigt, sich in den hoheren Etagen des Baues immer steiler stellt. Zuerst 40°, weiter oben aber 60 — 80' und an den etwa 25 m iiber dem Strassbergstollenniveau befindlichen Ausbissen bei Widmar bereits Uberkippung zeigt, indem das Verflachen hier steil nach N. N. W. gerichtet ist. Die Verfolgung der Ausbisse gegen O. fiihrt zum neuen Fortunastollen, dessen Mundloch 18/7? unter jenern des Strassberg- stollens liegt, so dass durch diesen Einbau ein betrachtlicher Teil dieser Mulde aufgeschlossen ist, obwohl, wie die Verhaltnisse am Marienbau beweisen, das Flotz noch etwas tiefer hinabreicht. Ostlich vom neuen Fortunastollen befand sich nach den mir ge- machten Mitteilungen ein Schacht, welcher 35 m Tiefe erreichte und das 15»» machtige Flotz vollig durchstiess, dasselbe also in vveniger als 20 m Tiefe antraf. (Auch der alte Ogorelkaschacht osti. des Flincebaches erreichte nur 28 Klafter gleich 53 m. Es handelte sich also um eine im Verhaltnisse zum Ferdinandi- und Barbara- Reviere seichte Mulde, welche keine kostspielige Schachtanlage er- forderte. In Bezug auf die Machtigkeit und Qualitat stimmt die Strassberg- und Ogorelkakohle sehr gut mit dem Piauzitflotz iiberein, und ist mit demselben wohl identisch, wenn auch der Zusammen- hang durch spiitere Faltung und Abwaschung zerrissen ist. Vom Hincebache an gerechnet, betragt die Lange der Strassbergmulde beilaufig 1000»», die Breite 100—150»», was einem Kohlenquantum von mehr als 10 Mili. q entspricht. Allerdings habe ich keine Daten, um die bereits abgebaute Menge in Abrechnung zu bringen. m 15 @ Das Ogorelkarevier karm wohl als ausgebeutet betrachtet werden und ist daher nicht weiter zu beriicksichtigen. Beziiglich der Qualitat muss vorderhand auf die in den Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt publizierten Analiesen vervviesen werden : Eine vollstandige chemische Untersuchung wird voraussichtlich bald erfolgen. Wenn ich nach den obigen Ausfiihrungen auch nicht in der Lage war, beziiglich der im Johannestaler Reviere vorhandenen Kohlenmengen mit den vorliegenden alteren geologischen Gut- achten irbereinzustimmen, unterliegt es doch keinem Zweifel, dass speziell die Ferdinandi- und Barbaramulde ein wertvolles Bergbau- objekt darstellt, vorausgesetzt, dass durch die hier unbedingt notige Schachtanlage ein rationeller Abbau in Angriff genommen wird. Wien, im Mai 1902. Wasser Asche Kalorien Lignitflotz 3-9 •/ # 5-6 «/o 4150 Piauzitflotz 3-7 o/. 6-4 o/ 0 4565 Dr. Franz Kosmat m. p. Sektiongeologe der k. k. geolog. Reichsanstalt. S 16 @ An die geehrte Joharmestaler Kohlengewerkschaft Triest. Mit Ihrem werten Schreiben vom 16, Dezember v. J. haben Sie mich eingeladen, Umen ein Gutachten liber Ilire Johannestaler Graben abzugeben. Indem ich diesem Wunsche gerne entspreche, werde ich im Nachstehenden auf Grand meiner ortlichen Be- obachtungen und der mir zugekommenen Behelfe zunachst die Lagerungs- und Qualitatsverhaltnisse, sodann die Produktions- fabigkeit und die Produktionskosten besprechen und schliesslich jenen technischen Vorgang bezeicbnen, dessen Befolgung ich behufs einer giinstigen Entwicklung des Werkes fiir angezeigt erachte. Auf eine eigentliche Rentabilitatsberechnung werde ich dabei nicht eingehen, da hiezu weitere technische und kommerzielle Vorstudien notwendig waren. I. Lagerungsverhaltnisse und K o h 1 e n v e r m oge n. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die bestehenden vier Kohlen- mulden, genannt Ferdinandi-, Barbara-, Strassberg- und Ogorelka- feld cinst eine ganz zusammenhangende Ablagerung vorstellten, welche durch spiitere Auffaltung und natiirliche Abtragung von- einander getrennt wurden. Zwischen Ferdinandi- und Barbarafeld diirfte ubrigens der Zusammenhang riicksichtlich der Liegendflotze noch bestehen und nur das Hangendflotz durch das Hincetal unter- brochen sein; im iibrigen trennen triadische Grundgebirgsriicken die einzelnen Mulden voneinander. Die wichtigste ist das m 17 m 2 A. Ferdinandi-Feld: in welchem zvvischen Tonen (Tegeln) eingelagert, mehrerc Kohlen- flotze auftreten: Die ausgefiihrten Bohrungen ergaben nach den vorliegenden Profilen folgendes: Bohrung A im alten Ferdinandistollen: 20 m Hangendhohe 5'2 m Lignitflotz 65 • 5 m Tegel 17 m Piauzitflotz. Bohrung B nordosltich v o m Ferdinandistollen: 51'6 m Hangendhohe 10'4 m Piauzitflotz. Das Lignitflotz fehlt hier, weil die Bohrung naher l)eim Ausbiss situiert war. Bohrung C z w i s c h e n dem Ferdinandistollen u n d dem Dorfe Pule: 60 m Hangendhohe 6 m Lignitflotz 14 m Tegel 18m Piauzitflotz. Bohrung D auf Parzelle 426,41 a: 58 m Hangendes 10 m Piauzitflotz. Auch hier fehlt das Lignitflotz, weil der Bohrpunkt nahe beim Ausbiss; das Piauzitflotz vvurde nicht ganz durchstossen. Die mit diesen Bohrungen konstatierten Flotze lassen sich auch an den Ausbissen des Nord- und des Siidfliigels der Mulde meist mit zirka 30 0 Einfallen beobachten; die Machtigkeit des Piauzitflotzes wurde hier mit 8 bis 10 m beobachtet. Der Siidflugcl wird jetzt mit dem nun zirka 300 m langen Casarstollen aufgeschlossen, welcher das hier ziemlich gestorte Lignitflotz mit etwa 6 m Machtigkeit verfolgt. m. 18 m Der Gustavstollen, welcher den Nordfliigel erschliesst, hat bis 65 m angeblich das Ausgehende des. Piauzitflotzes und im 125. m das Lignitflotz mit zirka 4 m Machtigkeit in schoner Be- schaffenheit angetroffen. Das Ferdinandifeld bildet sonach eine gegen O. in der Nahe des Hincebaches sich verengende und seichter werdende Mulde, wobei es noch nicht sicher gestellt ist, ob das Piauzitfliitz unter diesern Bache riach Barbara hiniiber fortsetzt. Gegen W. off-net sich die Ferdinandmulde in der Richtung gegen die Ortschaften Pule und Gabrjele und St. Leonhard und da die etwas ostlich und sudostlich von Gabrjele angelegten Bohrungen keine Kohlenflotze nachgewiesen haben, so muss man wohl mit Dr. Kosmat annehmen, dass die Ferdinandiflotze auf der Linie Pule-Gabrjele-St. Leonhard ihr nattirliches Ende finden, d. h. auskeilen, indem die kohlen- fiihrenden Siisswasserschichten allmahlich in andere flotzleere Schichten ubergehen. Moglicherweise waren jedoch die Bohrungen bei Gabrjele nur nicht tief genug und es komite dann gelingen, die kohlenfiihrenden Schichten in grosserer Tiefe unter den marinen Bildungen zu konstatieren. Auf diesen Gegenstand werde ich weiter unten noch zuriickkommen. Das Kohlenvermogen der Ferdinandsmulde ergibt sich aus der mittleren Machtigkeit und der horizontalen Verbreitung des Lignit- und Piauzitflotzes, sowie des Ausbringens aus 1 m s Flotzmasse, welches beim sorgfaltigen Abbau mit 1000 kg ver- kauflicher Ware angenommen werden kann. Das Auftreten und die horizontale Erstreckung eines 3. Flotzes am Liegenden der Formation ist noch nicht sichergestellt, doch nehmen sowohl Dr. Kosmat als auch Ingenieur Hartnigg an, dass nach den Ausbissen bei St. Leonhard, welche Ausbisse ich mangels Zeit nicht besichtigen konnte, zu schiiessen ist, dass ein solches 3. Flotz mit 3‘5 m Machtigkeit worhanden scin diirfte. Die Machtigkeit des Lignit- flotzes betragt nach den obigen Daten im Mittel 5-2 4-6~— + 6 + 4-5 4 = 5 • 4 m jene des Piauzitflotzes 17+10-4+18+10-1-9 5 12-9 m 2 * m 19 m welche Machtigkeiten mit dem Kosinus des Neigungwinkels der durchbohrten Schichten von im Mittel etwa 20°, d. i. mit 0’94 zu multipliziercn sind, wodurch sich dieselben auf 5 ' — m fiir das Lignitflotz und 12 '—m fiir das Piauzitflotz reduzieren. Die horizontale Ausdehnung der Flotze ergiebt sich wie folgt: Von der Gesamtflache der ganzen Mulde werden naturlich die altesten Flotze den grossten, die jiingsten den kleinsten Raum ein- nehmen. Die Begrenzung der Mulde ist gegen Nord, Sud und Ost ziemlich festgelegt und nur gegen Siidwesten an der bereits erwahnten Linie Pule-Gabrjele-St. Leonhard ist die Begrenzung unsicher. Dr. Kosmat hat in seiner Berechnung des Kohlenver- mogens, um sicher zu gehen, nur jenen Teil als produktiv ange- nommen, welcher sich ostlich der Verbindungslinie zwischen den Ausbissen nachst St. Leonhard und dem alten Schurfschachte S. O. von Pule befindet. Da auch bei St. Leonhard mehrere Flotze mit grosserer Machtigkeit auftreten, so diirfte das Terrain zwischen St. Leonhard und Pule noch ])roduktiv sein, jenes von Gabrjele allerdings nur dann, wenn die daselbst angelegten Bohrungen die notige Tiefe nicht erreicht haben sollten, um die vielleicht unter die marinen Tegel untertauchenden produktiven Schichten anzutreffen. Die produktive Flache des Piauzitflotzes wird im N. durch die ziemlich genau 1 lem lange Ausbiss-Linie von St. Leonhard bis zur Werkschmiede beim Gustav - Stollen begrenzt, wahrend die siidliche Begrenzung durch die Ausbisse oberhalb des Casarstollens bis gegen Pule auf eine lange von 600 m und wcnn man fiir die unvcrwendbare Ausbisskohle beiderseits 30 m abzieht, bleibt eine horizontale Breite von 590 m, welche mit Rucksicht auf die Mulden- form um 7 °/ 0 grosser, also mit rund 630 m. anzunehmen ist. Die produktive Flache des Piauzitflotzes stellt demnach ein Trapez vor, dessen beide parallele Seiten 1000 und 600 m und dessen Breite 630 m rnessen. Das Flachenausmass betragt demnach 1000 + 600 2 630 — 504.000 m 2 Es rechnet sich daher, da die mittlere Flotzmachtigkeit nach obigem mit 12 m und das Ausbringen aus lm s Fldtzmasse bei sorgfaltigem Abbau mit 10 q angenommen werden kann, das e 20 @ derzeit bestimmbare Kohlenvermogen des Piauzitflotzes in der Ferdinandigrube mit 504.000.12.10 = 60'48 Mi 11 i o n e n q. Fiir das Lignitflotz verkleinert sich die produktive Flache entsprechend der um 2.70 = 140 geringeren Breite und es kanu auch die streichende Ausdehnung mit Riicksicht auf die Auswaschung gegen den Hincebacb und wegen des bereits erfolgten Ausbaues etwas geringer, namlich mir mit 800?« in der Lange und 400?« fiir die kurze Seite des Trapezes angenommen werden; die Flache des letzteren ist dann unter Beriicksichtigung der Muldenform 800 -j— 400 / nnr\ 1 • 1 r\r\r\ -—-. (630 bis 140) = 294.000 m 3 und es ergibt sich bei der oben enviihnten mittleren Machtigkeit von 5 m und bei 10 q Ausbringen pro 1 m 3 294.000.5. 10 = 14*7 Millionen q. Das Kohlenvermogen des Ferdinandifeldes ist demnach fiir die beiden o bere n Flotze auf 7548 oder rund 7 5 Mili. q zu veranschlagen. Das dritte Flotz lasst sich heute riicksichtlich seiner Ergiebigkeit noch nicht berechnen, da es in der Tiefe noch nicht konstatiert ist. Vergleichsweise will ich nur anfiihren, dass dieses Flotz als das tiefste die grosste Fiachenausdehnung, u. zw. zirka 560.000 m- besitzen wiirde, und nimmt man ferner die nachst der Kirche St. Leonhard von Hartnigg beobachtete Machtigkeit von 3'5 m an, so erhalt man fiir das 3. Flotz ein Kohlenvermogen von 560.000.3.5 . 10 = 19'6 Millionen q. B. Barbarafeld. Wahrend der vorstehend durchgefuhrten Ermittlung des Kohlenvermogens des Ferdinandifeldes die Flotzbegrenzung gegen die Linie Pule - St. Leonhard bereits einen unsicheren Faktor vor- stellt, ist man bei der Einschatzung des Kohlenvermogens im Barbarafeld noch viel mehr auf Annahmen angewiesen, weii hier nur wenige Ausbisse vorhandcn und die alten Baue nicht mehr zuganglich sind, ferner ist noch nicht bekannt, wie weit eigentlich die Flotze gegen N. W. fortsetzen, vielleicht ziehen sich dieselben noch iiber die Linic Hince-Govidol hinaus bis gegen Bresic. Man bat es also hier in der Hauptsache mit einem hoffnungsreichen © 21 m Schurfterrain zu tun, und kann beziigHch der Reichhaltigkeit der Kohlenfiihrung nur gesagt werden, dass sich das Piauzitflotz unter dem Hincebache hieruber in einem gegen N. W. breiter werdenden Streifen ziehen diirfte, vvahrend das Lignitflotz, das im Hincetal ausgewaschen ist, erst in einiger Distanz nordwestlich vom Bache wieder ansetzt. Auch beziiglich der Machtigkeiten hat man derzeit keine geniigenden Anhaltspunkte, da nur bekannt ist, dass die zirka 200 m sudlich vom Dorfe Hinze ausgefuhrte Bohrung in 65 j« Tiefe ein dmetrigcs Flotz durchstossen hat, wahrend das Piauzitflotz zirka 8 m machtig sein soli. Nimmt man ferner nach den allgemeinen Lagerungsverbaltnissen schatzungsweise an, dass das Piauzitflotz auf 350.000 m 2 , das Lignitflotz, welches fiir die bestandene Zinkhiitte ziemlich stark abgebaut wurde, auf 200.000 m 3 bauwiirdig vorhanden sei, so ergibt sich bei 10 q Ausbringen pro 1 m 3 ein Kohlenvermogen von (200.000.4 + 350.000.8) . 10 = 36 Mil Ion en q. Das Kohlenvermogen dieser Mulde kann jedoch in Wirklich- keit noch viel grosser sein, da wie bereits ervvahnt, die Fortsetzung der Flotze iiber Flince und Govidol hinaus rnoglich ist. C. S t r a s s b e r g. Diese ganz isolierte Mulde enthalt nur ein Flotz, welches von Dr. Kosmat als Reprasentant des Piauzitflotzes, von Ingenieur Hartnigg aber als Aquivalent des 3. Flotzes im Ferdinandifelde angesprochen wird. Fiir die Ansicht Hartniggs spricht, dass das Strassberger Flotz nicht so wie das Piauzitflotz von Tegeln, sondern von Morgel- tonen iiberdeckt wird und dass im Liegenden nach einer plastischen Tonschichte das Liegengebirge, namlich die Plattenkalke auftreten. Fiir die Ansicht dr. Kosmats, dass man es hier mit dem Piauzit- fldtz zu tun habe, spricht hingegen die grosse Machtigkeit von 10 bis 15 m und gleichartige harzreiche Qualitat der Kohle. Diese Frage ist indessen irrelevant, weil bereits feststeht, dass in der Strassberger Mulde nur ein Flotz vorhanden ist, welches einc ausgesprochene Mulde bildet. Die beiden Fliigel dieser Mulde sind durch den Strassbergerstollen und der ostliche, durch eine Ver- werfung gesenkte Teil ist durch den 18 m tieferen Fortunatstollen soweit abgebaut, dass iiber diese Stollen nur mehr zirka 2 Mili. q m 22 m vorhanden sein sollcn, mangels Zuganglichkeit der Bauc und gcnauer Karten ist dies nicht naher zu konstatieren. Unter den Fortunatstollen setzt das Flotz nach einem mir vorliegenden, von Ingenieur Hartnigg angefertigten Profile noch auf 65 m hinab, bei durchschnittlich 150m Breite (mit Berucksichtigung der Mulden- form) und etwa500m Lange. Nimmt man die Machtigkeit durch¬ schnittlich mit 12 m und das Ausbringen, wie frucher, mit 10 q an, so erhalt man fiir den Flbtzkorper unter dem Fortunastollcn 150 . 500 . 12 . 10 = 9 M i 11 i o n e n q hiezu ober dem Stollen 2 Mi 11 i o n e n q 11 M i 11 i o n e n q als ausbringbares Kolenvermogen der Strassberger Mulde. D. O g o r e 1 k a. Diese Grube, welche ahnliche Verhaltnisse wie Strassberg gehabt haben soli, ist vollig ausgebaut. S u m m a Ferdinandi Barbara Strassberg d c s K o h 1 e n v e r m 6 g e n s : Lignit Piauzit 14'6 Millionen q 604 Millionen 8 „ „ 28 r 11 ir v 22'6 Millionen q 994 Millionen q Zusammen 122 Millionen^ ohne dass derzeit nicht berechenbare 3. Flotz im Ferdinandi- und Barbarafelde und ohne Rucksicht auf die mogliche Fortsetzung des Ferdinandifeldes gegen Siidwest iiber die Linie Pule-St. Leonhard, sowie ohne die mutmassliche Erstreckung des Barbarafeldes nord- westlich von der Linie Hince-Govidol. II. Qualitatsverhaltnisse. Im vorstehenden wurde bereits gesagt, dass das oberste Flotz eine lignitische, das mittlere eine harzreiche Braunkohle (die Piauzit- kohle) und das Liege ml flotz wahrscheinlich eine Glanzkohle enthalt. Es liegen folgcnde Analysen vor: Die beiden ersten Analysen wurden im Jahre 1872 und die letzte im Jahre 1899 von der k. k. geologischen Reichsanstalt ausgefiihrt. Der grosse Wassergehalt in der dritten Analyse ist wohl auf einen Zufall zuriickzufuhren und stellt sich fiir besser abgetrocknete Kohle der Brennwert noch entsprechend hoher. Die von der Sud- bahn im Jahre 1902 durchgefiihrten Verdampfungsversuche auf ihrem Lokomobil ergaben eine 4'72fache Verdampfung bei 14% Riickstand und bemerkt der Bericht ferner, dass die Feuerung ohne Funkenflug mit Bildung von wenig Rauchkastenasche vor sich ging und sich das Feuer leicht durchstossen liess. Die Versuche in der Fabrik von Aquaroli in Sagrado (Kornewallkessel) ergaben ebenfalls eine 4'7 fache Verdampfung und stellt sich der Wert der Johannestaler Kohle darnach auf 58'75% von guter englischer Kohle oder auf K 1 '79 pr. 100 Ag - franko Sagrado (Oktober 1901). In der Gasanstalt in Triest erzielte man im Oktober 1902 ein Ciasausbringen von 34'8//z s pro 100 kg Johannestaler Kohle, das ist nur um 1 '4 m n weniger als in englischer. Die Leuchtkraft des Normalbrenners betrug 10'3 Kerzen, die Heizkraft des Gases 4420 Kalorien ‘und das Koksausbringen war 40'4%. Wenn auch die Koksbeschaffenheit, wie nicht anders zu erwarten, eine ungunstige war, so ist darnit die Verwendbarkeit der Johannestaler Kohle zur Gaserzeugung doch erwiesen. Nach vorstehenden lasst sich behaupten, dass die Johannestaler Kohle, speziell die gasreiche Piauzitkohle, zu den besseren Braunkohlen gehort und den kon- kurrierenden Glanzkohlen Siidsteiermarks gleichvvertig ist, die ver- schiedenen Lignite in Steiermark, Krain und Kroatien aber in der Qualitat weit iibertrifft. Sie eignet sich daher auch fiir alle indu- striellen Zwecke, wie nicht minder zum Hausbrand und ist auch zur Erzeugung von Leuchtgas geeignet. III. Produktionsfahigkeit und Produktionskosten. Solange die notigen Investierungen fiir den Grossbetrieb nicht durchgefiihrt sind, rnuss sich der Absatz auf den unbedeutenden lokalen Konsum beschranken, da die Achsfracht zur Siidbahn- station Lichtenwald oder zur Station Treffen der Unterkrainer Bahn zu teuer kommt. Der Bahnanschluss ist zweckmassig nur mittelst Hochseilbahn nach System Bleichert oder Pohling herzu- stellen, und zwar nach der in Luftlinie 8 km entfernten Siidbahn- m 24 m station Lichtenvvald, von wo aus der Absatz einerseits gegen Agram, andererseits liber Steinbriick nach Marburg und Graz, sowie nach Laibach und Triest moglich ist. Ani giinstigsten fiir den Absatz liegt eigentlich das nur 59 km entfernte Agram, gleichwohl diirfte sich der Absatz in der kroatischen Hauptstadt schwierig gestalten, da mehrere kroatische Kohlenwerke im Entstehen begriffen sind. Entlang der Siidbahnstrecke von Graz bis Triest, dann iiber Assling auf der im Bau stehenden Staats- bahnlinie diirften jedoch ohne zu grossen Preisdruck ein Quantum von anfanglich einer halben Million, dann steigend auf 1 bis 1 '/ 2 Million absetzbar sein. Diese Quantitaten sind nun auch jene, welche bei den Flotz- verhaltnissen in Johannestal rationeller Weise und entsprechend nachhaltig produziert werden konncn. Durch gleichzeitige Inangriff- nahme mehrerer Baufelder konnten in johannestal zwar grossere Quantitaten erzeugt werden, jedoch ergabe sich dann ein zersplitterter Betrieb, der im Zeichen minderguten Absatzes teuer arbeiten wiirde. Was die voraussichtliche Gestehung im Grossbetriebe betrifft, so ist eine detaillierte Berechnung heute dariiber nicht moglich, zieht man aber in Erwagung, dass das Nebengestein zum Teile blahende Eigenschaften besitzt und der Abbau einen bedeutenden Holz- aufwand erfordern wird, dass ferner die Gewinnung in der Haupt- sache schacht- oder gesenkmassig wird erfolgen miissen, so ist anzunehmen, dass die Gestehungskosten auch hei umsichtiger und sparsamer Betriebsfuhrung schwerlich unter 40 h herabgebracht werden konnen, wozu noch die Transportkosten auf der Draht- seilbahn, die samt Verladung in Lichtenwald mit 4 h zu veran- schlagen sind, kommen, so dass man mit 44 h pro 100 kg franko Waggon Lichtemvald zu rechnen haben wiirde, und zwar ein- schliesslich aller Betriebs-, Erhaltungs- und Werksregiekosten, jedoch exklusive Zentralregie, Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitales. IV. Technischer Vorgang fiir die weitere Entwicklung des Werkes. Zunachst ist es von Wichtigkeit, die Lagerungsverhaltnisse im Ferdinandifelde als dem ausgedehntesten und noch fasst ganz intakten, durch Bohrungen naher festzustellen, einerseits, um zu konstatieren, ob das 3. Flotz unter dem Piauzitflotze durchgangig m 25 m vorhanden ist und ferner, um festzustellen, in \velchcr Weise die unter dem Niveau des Časar- und Gustavstollens lagerndcn Floz- zesteile am zvveckmassigsten zur Erschliessung und zura Abbau ge- bracht werden konnten. Die bereits begonnene Bohrung nachst dem Gustavstollen wird dem ersteren Zwecke, namlich der Untersuchung des 3. Flotzes entsprechen, zur Klarstellung der Lagerungsverhalt- nisse aber wenig beitragen, da sie zu nahe dem Ausgchenden situiert ist. Da aber die Vorbereitungen fiir die Bohrung schon getroffen sind, vvaren dieselben mit Beschleunigung durchzufiihren. Dr. Kosmat hat 2 Bohrpunkte empfohlen, den einen 300 m siidostlich von der Kirche St. Leonhard und den 2. 200 m siid- westlich vom Bohrloch A (im alten Ferdinandistollen). Dieser letztere Punkt liegt ungefahr Liber dem mutmasslichen Mulden- tiefsten und wurde von mir bei meiner Anwesenheit in Johannestal ohne Kenntnis des Kosmatschen Gutachtens auch empfohlen. Diesc Bohrung wird in Verbindung mit den Ergebnissen der beiden Stollen und dem Bohrloche C bei Pule die Gestah der Ferdinandimulde naher bestimmen und ist daher anzuraten. Von der zvveiten Bohrung bei der St. Leonharder Kirche, die Dr. Kosmat noch empfiehlt, konnte vorerst noch abgesehen werden, wogegen aber zwischen dem Časar- und Gustavstollen kleine Bohrungen anzulegen waren, um den richtigen Punkt fiir einen hier eventuell anzulegenden Forderschacht auszumitteln. Ich empfehle ferner die beiden Stollen Časar und Gustav konsecjuent weiter zu treiben, u. zw. im Lignitflotz, spater auch im Piauzitflotz. Auf grosse Er- schliessungen an Kohle ist mit diesen Stollen zwar nicht zu reclmen; denn die Tagdecke liegt nach dem Schichtenlinienplane an der hochsten Stelle nur etwa 30 m Liber den Stollensohlen und da die Flotze vom Ausbiss abwiirts auf viele Meter versetzt zu sein pflegen, so ist eine grossere Bauhohe mit diesen Stollen nicht zu erreichen. Es ist aber doch notig, diesen Stollen fortzusetzen, um die Tag- wiisser abzuleiten, und die unreine Ausbisskohle stollenmassig anzubauen, da die schachtmassige leicht Schvvierigkeiten verursacht. Sobald die vorgenannten Bohrungen durchgefiihrt und die beiden Stollen noch einige 100 m vorgelegt sein werden, wird dariiber entschieden werden konnen, in welcher Weise der Aufschluss der tieferen Flotzpartien erfolgen soli; auch wird danil erst liber die Anlage der Drahtseilbahn zu entscheiden sein. ® 26 m Die Erschliessung der Strassberger Mulde konnte vorlaufig unterbleiben, u. zw. mit Riicksicht auf das nicht sehr bedeutende Kohlenvermogen und um den Betrieb nicht zu zersplittern. Die Untersuchung des Barbarafeldes ware nach Beendung der Bohrungen im Ferdinandifelde in Angriff zu nehmen. Im ganzen genommen, kann man sagen, dass in Johannestal eine reiche Kohlenabla- gerung vorhanden sein soli, die die Basis eines nachhaltigen und prosperierenden Kohlenbergbaues zu bilden geeignet erscheint. Wien, ani 5. Janner 1903. Franz Poech m. p. k. k. Oberbergrat. @ 27 0 Relation iiber das Kohlenrevier von Johannestal in Krain von C. M. Paul, k. k. Bergrat und Cbefgeologe. Nach den auf den vorliegenden Karten der k. k. geologischen Reichsanstalt eingezeichneten Daten, sowie nach den eigenen Be- obachtungen, die der Gefertigte bei jedesmaligen personlichem Besuche des in Rede stehenden Gebietes zli gewinnen in die Lage kam, befinden sich in der Gegend von Johannestal in Krain drči von einander gesonderte Becken von kohlenfiihrenden Neogen (Tertiar) Ablagerungen. Das Grundgebirge bilden alterc mesozoi (vorvviegend tria- dische) Kalke, welche auch die die Neogen - Becken von einander trennenden Rticken zusatnmensetzen. 1. Das siidlichste, zugleich auch grosste und wichtigste dieser drei Becken ist dasjenige, vvelches sich bei den Orten: Pule, Gabriele, St. Leonhard und Govidol ausbreitet. Es ist hier teils durch die alteren, dcnnalen eitigegangenen Schurfbaue, teils durch Bohrungen und deutlich aufgeschlossene Ausbisse die Existenz eines Flotzzuges konstatiert, der sich vom Orte St. Leonhard bis zur alten Zinkhiitte verfolgcn lasst und zwei Flotze enthalt. Das obere dieser beiden Flotze (Ferdinandi-Flotz) war durch den Ferdinandibau aufgeschlossen, es besitzt eine Machtigkeit von 3 — 4 m und fallt im Ferdinandibau untcr 18—20° nach Siid-West. Die Kohle dieses Flotzes ist eine stark lignitische Braunkohle. Obvvohl dieses Flotz im Ferdinandibau nur zum Teile abgebaut, im grosseren Teile des Revieres aber zweifellos noch vorhanden ist, m 28 © so soli dasselbe doch namentlich seiner geringeren Qualitat wegen bei der folgenden Berechnung des Kohlenquantums des Gebietes ganz ausser Rechnung gestellt werden. Das tiefere (Ogorelkaflotz oder Piauzitflotz) ist durch den schonen Ausbiss im Walde bei Govidol durch eine Bohrung bei Gabriele (Pule) und verschiedenen alteren Schiirfungen bekannt und aufgeschlossen. Es besitzt eine Machtigkeit von 7—18 m und enthalt eine sehr schone harzreiche altere Braunkohle. Dieses unbedingt wertvolle Flotz ist in einer Liingenerstreckung von rund 4000 m (in ostlich-westlicher Richtung) und einer (nord- siidlichen) Breite von 500 m mit Sicherheit als vorhanden anzunehmen und bedeckt somit ein Flachenmass von 2,000.000 m 2 . Wenn wir, was ziemlich massig veranschlagt ist, die mittlere Flotzmachtigkeit nur mit 10 m annehmen, so enthalt obiger Flachenraum 20,000.000 m % Kohle oder bei der erfahrungsgemassen Schiittung von 10 q auf einen m % Kohle ein Kohlenquantum von (rund zirka) 200 Millionen q. 2. Das zweite bedeutend kleinere Becken ist von dem vor- erwahnten durch einen schmalen Riicken von Grundgebirge getrennt, doch ist es aus geologischen Griinden sehr wahrscheinlich, dass die beiden Becken bei Ogorelka (einem gegenwiirtig ausgebauten Baue) zusammenhangen. Die in diesem Becken enthaltene Kohle ist dem tieferen Flotze des vorerwiihnten Beckens aquivalent. Das Flotz ist aufgeschlossen durch den Strassberger Stollen und den alten Fortunabau. Im ersterwahnten Stollen ist das Flotz mit zirka 12 m Machtigkeit durchfahren und die Ausrichtungs- arbeiten ergeben ein sehr regelmiissiges Verhalten desselben dem Streichen nach. Die Anwesenheit dieses Flotzes ist in einer Langenerstreckung von 1100 m und in einer Breite von 3000 m anzunehmen, das ein Flacheninhalt rund 300.000 m 2 ergibt. Nimmt man die Flotzmachtigkeit nur mit 10 m an und wie oben eine Schiittung von 10 q auf eine m 3 Kohle, so ergibt sich fiir dieses Revier ein Kohlenquantum von rund 30,000.000 q. 3. Das dritte nordlichste der Neogenbecken dieser Gegend, welches sich beim Orte Dvor ausbreitet. m 29 m Es ist von dem vorherigen durch einen breiten Grundgebirgs- Riicken getrennt und steht mit diesem letzteren nirgends in irgend einer Kommunikation. Daten oder Aufschliisse, welche auf eine irgendwie nennens- werte Kohlenfiihrung dieses Beckens hinweisen wiirden, liegen nicht vor. Jedenfalls erscheint das oberwahnte Kohlenquantum der beiden erstbehandelten Reviere mit 200 und 30 Millionen q vollkommen ausreichend, um eine grossere Produktion bis 2 Millionen q per Jahr zu ermogliehen und auf zirka 100 Jahre gesichert erscheinen zu lassen, selbst wenn man vorsichtigerweise etwa 30 Millionen q als auch nicht ausbringbar fiir Pfeiler und etwaige nicht vorher zu berechnende Irregularitat in Abschlag bringt. Zur Erzielung einer derartigen grosseren Produktion wiire empfehlenswert: Es ware zunachst in der Nahe des Werksgebaudes bei der Zinkhiitte (an dem von dem Gefertigten im Beisein des Herrn Oberingenieurs Miiller und des Herrn Bergverwalters P. Hartnigg bezeichneten, durch einen eingeschlagenen Pflock markierten Punkte) ein Bohrloch abzuteufen und nachdem das Lignitflotz erreicht ist, mit der Anlage eines Maschinenschachtes in der unmittelbaren Nahe des Bohrloches vorzugehen. Ferner ware bei St. Leonhard, daselbst die Verhaltnisse fiir einen Stollenbau ganz besonders giinstig liegen, mit der Anlage eines solchen vorzugehen. Der Strassberger Stollen befindet sich dermalen ohnedies im guten und produktionsfahigen Zustande und scheinen hier nur mehr geringe Vorrichtungsarbeiten erforderlich. Was die qualitativen Verhaltnisse der Johannestaler Kohle betrifft, so konnen dieselben, insoferne es sich um die hier aus- schliesslich in Betracht gezogene Kohle des untern (oder Liegend-) Flotzes handelt, als harzreiche Braunkohle besonderer Sorte be- zeichnet werden. Nahere Untersuchungen iiber diese Kohle hat der seinerzeitige Vorstand des chemischen Laboratoriums der k. k. geologischen Reichsanstalt Herr Ritter von Hauer durchgefiihrt und sind die Resultate derselben in den Verhandlungen der k. k. geologischen ©30 © Reichsanstalt 1872 veroffentlicht. Nach dieser Mitteilung ergab die dokimastische Probe fiir das Unterflotz folgende Verhiiltnisse: HO a in 100 Telle 3-7 Asche „ „ „ 6-4 Kalorien 4565 Aquivalent einer dreizolligen Klafter weichen Holzes sind q 11‘5. Nach Obigen sind nicht nur die quantitativen, sondern die cjualitativen Verhaltnisse der Johannestaler Kohle als giinstig zu bezeichnen und es kann, vorausgesetzt, dass durch Anlage einer Eisenbahnverbindung zwischen Johannestal und Lichtenwald die Moglichkeit einer billigen Ausfuhr geschaffen wird. mit voller Beruhigung zur Inangriffnahme einer Grossproduktion im Johannes¬ taler Revier geschritten werden. Wien, im Marž 1892. C. M. Paul m. p., k. k. Bergrat und Geologe der k. k. geol. Reichsanstalt. m m 31 Druck von J. Blasnik’s Nachfolger in Laibach.