I n rrrrxrrrxxTX' J :n 1 M I I II I I I I öer Katholische mistioas-Zeltscbrlft. « « fierausgegeven von der (šeseliscbaft der „Söhne des hist. Herzens 3esir‘. « « Erscheint monatlich 32 Zeiten stark. — Preis ganzjährig 3 K = 3 Mk. — 4 Frcs. Wr. 5. War 1903. VI. Iahrg. Inhalt: Seite 129 131 Kin altes Lied ......................... Kl)nine an die Maienköuigin............. Theatralische '3 ov licit unit "> der Weger- liotoitic He sira.......................132 Aon Assuan nach Hmderma»...................136 Ans Ägypten................................138 Der Sternenhimmel in Sennaar . . . 140 Ans dem Mission sleden: Ein schlauer Dieb. — Wunderbare Rettung.— Hat man int Himmel auch noch Hunger? — Trauriges Ende eines Zauberers. Eine beschwichtigte Schlacht...................145 Am Marterpfahl.............................149 Seite Jur schmerzhaften M"tter...................154 Aerschiedenes: Dr. I. Chr. Mitterrntzner f. — St. Petrus Klaver-Sodalitat. — Gebetskreuzzug für Afrika. — Die Zeichen der Trauer bei verschiedenen Völkerschaften. — Eine Bitte..............................156 Hcbetserhörnngen und Empfehlungen. . 160 Abbildungen: Gott segne unsere Wohltäter. — Ncgerkolonie Ge-sira. — 'Negerkolouie Gesira (mit Theater im Hintergründe. — Altägyptische Götzen. — Sternenhimmel in Sennaar. — Illustration zur Novelle „Am Marterpfahl". — Afrika». Skorpion. —Dracenen. missionsbaiis m üb land bei Brixen (Tirol). Korrespondenz der Expedition. Eingegangene Geldsendungen. (Vom 25. März bis 22. April 1903.) Unsern geehrten Abonnenten zur gcfl. Kenntnisnahme, daß wir der Einfachheit halber milde Gaben rc. für unser Missionshaus nur mehr an dieser Stelle quittieren werden. Jiir das Missionshaus: Agatha Häfclc, Hohenems Tobias Elsensohn, Lech Johann Jlg, Dornbirn Fb. Kurie, Trient . . Johann Langthaler, Stiftshofmeister, St. Florian................ Theres Hammer, Natters -Alois Berlin ger, Au . . Anton Schweigg, Kurtatsch Ehristian Müller, Thüringen Aus Tirol.................. Anton Feuerstein, Innsbruck Fuchs, Erzpriester, Kreuzdorf Johann Oberstcrch, Pfarrer, Zell b. Kufstei, Josefine Janiga, Wien . E. Nenner, Welsberg . M. Watschinger, Meran Prälat R. Weißsteiner, Nenstift bei Brixei Anton Stadteinen, Goldegg .... Josef Frühwirth, Stadtpfarrpropst, Graz Dr. Heinrich Lehmann, Ehrendomherr, Riegersburg....................... Rudolf Seiner, Kaplan, Gös; bei Leoben Frau von Angeli, Bozen.................. Ein Bauer von Bozen..................... Ludwig Plangger, Mals . . . Pfarramt Sarnthein...................... Andr. Raidl, Provisor, Mörtschach . . Durch Schw. Theresia Aichholzer, Pfunders Theresia Punz, St. Pölten H>. Dentl, Pfarrer, St. Peter bei Reichenfels Äl. Walch, Imst Kronen 1,— 3.— 2___ 1.88 3, — 2,— 2.— 1,— 4, — 231.72 3, — 8.19 4, — 1,— 1,— 1,— 40.— 1,— 20.— 20.— 10.— 15.— 2,— 1,— 6.— 3.20 40.— 2,— 2,— 2,— Frau Th. Berghoff, Dortmund . . Aus Tirol........................... Durch Professor Ed. Jochum, Brixen „St. Antoniusbrot von Schruns" .lauer Hehle, Lochau................ Kronen 2.34 685.95 20.— 10.— 2,— Johann Haidegger, Margreit, sandte 2 Kisten Bücher. Baronin Konftanze Pillcrsdorf sandte künstliche Blumen, Bücher, Bilder, Ansichtskarten, Rosenkränze, gestickte Decke. Maria Mauracher, St. Pauls-Eppan sandte künstliche Bluinen. Jiir heilige Messen: Heinrich Mayer, Kaufmann, Urfahr H. Nehcr, Kaplan, Weggingen Ungenannt, Brixen .... E. Fröhlich, Ahrweiler . . K. Staub, Ahrweiler . . . Anna Rufch, Dornbirn . . Marie von Buol, Kältern Seb. Obleitner, Waldstatt Schnös, Gädheim .... I. Koßmann, Denn . . . Julie Pirchner, St. Jakob in Ahrn Maria Gstöttner, Linz . . . Aus Welschnofen .... Aus dem Eisacktal .... Baron Max Biegeleben, Wien Schw. Borromäa, Köln . . A. Hummel, Kaplan, Ravensburg 2.40 46.84 8,— 7.02 7.02 2,— 50.— 14.29 5.85 17.47 2.— 4.50 4,— 6,— 20.— 22.25 78.46 Allen unseren Wohltätern sagen wir ein herzliches „Vergelts Gott" und bitten um weitere Unterstützung dieses Missionshauses. Effekten für unsere Lotterie sandten ein: 3. ü Ü. EiWmegm Itlam Theresia, Zwei sehr wertvolle Gegenstände. yranz Ostbeimer, Brisen. Teemaschine mit Spirituskocher. sjObauii Scbwestka, Krumatl. Goldenen Siegelring, Damengürtel mit Goldschloß. Unbekannt von Eienz. Ölgemälde in Goldrahmen : „Das Sterzinger Moos mit den Schlössern Reifenstein und Sprechenstein" von Edm. v. Wörndle, Wert 200 Kronen. m. Kistler, Brixen. 6 künstliche Blutnensträuße, Weihwasserbehälter, Blumenvase, 2 Bilder. Ungenannt Brixen. Schneider-Bügeleisen, zwei Kaffeeservices. 3osef und JInna Körl, Jflm. Goldenen Siegelring (Wert 100 Kronen), Arniband, Brosche, 1 Paar Ohrgehänge. liicbtgenannt aus Boren. Gestickte Altarspitzen, wertvollen Rosenkranz. Peter Schumann, Serajevo. Weck-Uhr. Jranz Schlapp, Lehrer, Ramsau. 2 Kronen. Ungenannt aus Uiaiporzbeim a. d. flbr. 8.75 Mark — 10.14 Kronen. Edwin hewsam, maria-Saal. 2 Kronen. Johann Bocksberger, Rafnermeister, Hieran (durch Franz Weber, Bozen). Medaillon aus Thon, darstellend Maria mit dem Jesuskinde, 70 cm im Durchmesser. Jortfehung öss Kabon-Wörzeichnisses. Jobann CUacbtler, Maria Itiacbtler, Hermann Wachtier. Maria Wachtier. Max Ualier, Bozen. Je 1 Krone — 5 Kronen. Ungenannt. Lrixen. 40 Kronen. Aloisia Wgermaier, hall i. T. Taschenuhr. Ungenannt aus Vorarlberg. 40 Kronen. Ungenannt. Uorarlverg. Damenmuff, Pelzmütze, gehäckelte Tischdecke, Gebetbuch, Wachsstock, Hand-körbchen. Alois Msritr, Exposims, Ztallebr, Uorari- derg. 2 silberne Schuhschnallen, silberne Zuckerzange. Julius Krill, Modelleur, BlanSHO. 3 Wandreliefs aus Metall: Jesus am Ölberg und schmerzhafte Muttergottes. Jrl. Kistler, Brixen. 2 Bilderrahmen, 2 Kronen. Maria Bstottner, Einz. i.5ö Kronen. Josef Matt, Sonntag. Vorhang. Pillersbof, Sams bet Brixen. Schmuckkästchen, 2 Briefbeschwerer. Durch die Filiale der $t. Petrus Klaver-Sodamät in Innsbruck, Universitätsstraße 3. Ungenannt in Innsbruck, io Kronen. Sebumacber, Katechet, Innsbruck. Plüfchkiffen. Ungenannt, MieMiNg. 1 Jahrgang „Stadt Gottes". Herz Jesu-Buch. 3 Gebetbücher. 3 Geldtaschen. 2 Paar Ohrringe. Bild, hl. Aloysius. Uhrhalter. 2 Kruzifixe. 2 Paar Unterhosen. Mehrere Ungenannt, Innsbruck. Zeitungshalter. 5 Bilder. Italienischer Ölfarbendruck. Photographierahmen. 1 Paar Hosenträger. 2 Papiermesser. Taschenmesser. 2 Bonbonieren. Schmuckkästchen. 2 Kaffeekannen. Holzteller. Bilderständer. An-sichtsalbum. Photographienhalter in Fächerform. 1 Paar Schlittschuhe. 2 Jardiniere». 2 Kerzenhalter. Pfeife. Parfümhalter. Gebetbuch in Elfenbein-Einband. 1 Jahrgang „Die heilige Familie. 6 Bücher. Gebetbuch. Briefbeschwerer. Karton Briefpapier. Zigarrenanzünder. 2 Haussegen. Job. Maurer, hall. Silberne Tabakdose. Uon einem Franziskaner Pater. 7 Tafeln und 15 Bilder. £. Zimmermann, Kall. 1 Paar Kinderschuhe, 6 Sacktücher, 1 Kinderkleidchen.' AUS Bring bei Landeck. Schreibzeug in Etui. Bild „St. Georgenberg". Bierkrügel. 2 Teller mit Körbchen. Buttermaschine. t)uter-6scboner, Innsbruck. Aschbecher. Silb. Uhrkette. 1 Paar goldene Ohrringe. Schwestern von Dalla-Corre. 2 Bücher. 6 Jhrg. „Sendbote d. hlst. Herzens Jesu". — Album religiöser Bilder. — 30 große, feine Holzschnitte. 20 große, feine Stahlstiche. 12 kolorierte Bilder. 1 Jahrgang „Stadt Gottes". 2 gestickte Decken. Gestickter Tifchläufer. Silberner Ring. Goldenes Armband. 2 Goldbroschen. 1 Paar oxydierte Manschettenknöpfe. Geschnitzte Nadelbüchse. Ungenannt. 1 Paar Ohrringe. Medaillon. Silberner Löffel. Goldenes Medaillon in Etui. Ansichtskartenalbum. Gebetbuch. Nachfolge Christi. Holzpantoffel mit Stickerei. Brandmalerei. Album. 3 Jahrgänge „Angela-Blatt". 2 Messer in Futteral. Denkmünze. Mosaikbrosche. Anfeuchter. Emailbrosche. 3 Uhrketten. 2 Broschen. 1 Paar Ohrringe. Fächerhalter. Photographictafel. 6 Schmuckkreuze aus Email. 2 Bildtafeln. Briefbeschwerer. 18 -xBüdjcr. ?rl. A. T. Tischdecke. Atlastasche. Parfümfläschchen. Uon der Filiale Innsbruck selbst. Buch: «Roma, racconto descrittivo», gebd., Goldschnitt. Buch: Lamartine «Meditations poetiques», gbd. Atlas-Nadelkissen. Bemalte Schiefertafel (Dckora-tionSarbeit). 5 seidene Sachets für Taschentücher. Briefbeschwerer. Brevier. 4 gläserne Meßkünnchen. Kruzifixe. Rosenkränze. Knöpfe usw. (F. f.) Eotterieiose bestellten und bezahlten: K. und Th. Stecher, Graun, für sich und andere 9; I. Schweftka, Krumau 2; Frl. Kistler, Brixen 2; Molitor, Innsbruck 2; B. Fink, Soren 3; Fam. Gut, Klaus 6; I. Santa, Deutfchnovcn 2; M. Braudlmayr, Grieskirchen 20; Frau v. Angeli, Bozen 5; A. Niedermaier, .Girlan 5; I. Pirchncr, St. Jakob 3; Th. Punz, St. Pölten, 2; S. Gerhardinger, Ebersberg 1; I. Matt, Sonntag 6; I. Strohmayr, Weistrach 10; M. Gstöttncr, Linz 4; B. Waldner, Grins 3; durch M. Hanfal, Wien: Gräfin Kolnoky 10; Baronin Bceß 10; Baron Becß 10; Schw. Amalia 2; A. Meckert, Oppeln 5; Kaplan Hummel, Ravensburg 2; I. Bachmann, Imst 6; F. Steiger, Werfenweng 5. i 1m4 a* ^>1 I erä)imt öas Gefertigte von seinen Jretmden Will ÖOIlCSiOpli! und Gönnern Bücher, besonders ascetiscben Missionshaus Itiiibland bei Brixen. Itiarka-Umm für Afrika. ZwecR. Der Zweck des Vereines ist die Förderung der katholischen Missionen und der Älavenbesreiung in Afrika (§ 2). mittel zur Erreichung des Vereinszweckes sind: Das tägliche Vereins- gebet : ein Vater unser und ein Ave mit dem Zusätze: i. „Bitte, o chiininels-königin Maria, für die unglücklichen Megerl" B. „Auf daß sie mit uns würdig werden der Verheißungen ČbrtfHl" 2. Beiträge, und zwar mindestens tO chsller im Monate (§ 5). Das Bauptfest des Vereines ist das ^est Mariä Geburt am 8. September. Jährlich wird im Monat November eine Seelenmesse für die verstorbenen Mitglieder der einzelnen psarrabteilungen gelesen. Das Drgatt des Marienvereins für Afrika ist die Monatsschrift „Stern der Neger", sie kostet per post jährlich 5 Kronen und wird abonniert unter der Adresse: „Missionshaus in Mühland bei Brixsn, Tirol.", Bestens empfohlen! « « Deft 4 « « Oerlag des marienvereins für AfriRa, Men. L Stephansplatz 6. Im Kommissionsverlage der Buchhandlung des Katholischen Schulvereines Wien, T., öorotheergasse 7. Wir empfehlen wärmstens das Abonnement auf folgende Zeitschriften, herausgegeben von der St. Petrus Klaver-Sodalität: Echo aus Afrika. Illustrierte katholische Monatsschrift zur Förderung der afrikanischen Missionstätigkeit. Preis jährlich mit Post für Österreich-Ungarn 1.20 K, für Deutschland 1.20 M, für die Schweiz und die Länder des Weltpostvereines 1.50 fr. Bestell-Jtdressen für Belehrendes und Unterhaltendes zur Förderung der Liebe zu unsern ärmsten schwarzen Brüdern. Jährlich 12 Hefte, reich illustriert. Preis 1 K, 90 Ff, 1.20 fr. beide Zeitschriften; Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse 12. — Wien, I., Bäckerstr. 20. — Rom, via Giov. Lanza 129. — Triest, via Sanitä 9. — Innsbruck, Universitätsstraße 3. — Krakau, Starowislna 3. — Prag, IV. 33. Bozen, Obstmarkt 16. II. Stock. — Breslau, Hirschstraße 33. — München, Türkenstraße 15/11. — Paris, rue de Fleurus 31. — Temesvar-Fabrik (Ungarn), Pfaugasse 15 II. — Augsburg, Firma Feldle, Frauentorstraße. — Düren (Rheinland), Hohenzollernstraße 36. — Darmstadt (Hessen), Sand-straße 1. — Solothurn, Börsenplatz 76. — Luzern, Zürichstraßc 53. Brave, gesunde Jünglinge im Alter von 20—34 jähren, welche Beruf zum Ordens- und missionsstande als Eaienbrüder haben, wollen sich behufs Aufnahme vertrauensvoll an die Uorstehung des Missionshauses der Söhne des hist. Beizens Jesu in mühland, 1 Post Brixen in Tirol, wenden. Katholische missions-Zeitscbrift. M. 5. Mai 1903. TI. Jatzr,,. Km altes Lied. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin; Ein Lied aus uralten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Dieser Vers fiel mir ein, als ich mich daran machte, diese Zeilen zu schreiben. Es war mir ganz recht; denn diese Worte drücken so ganz die Stimmung aus, die mich da überkam. — Wer sollte da auch nicht traurig sein! — Auf der einen Seite der strikte Auftrag, einen Aufsatz für den „Stern" zu schreiben, auf der andern aber der große Papierkorb in der Stube des Schriftleiters und seine bissige Schere. Da hat es liebe Not, daß da etwas heil durchkommt! Doch, wenn es der Schriftleiter allein wäre, mit dem man es zu tun bekommt. Größeres Bangen noch verursacht mir die heutige Lesewelt, die so wählerisch, so verwöhnt, so schwer zufriedenzustellen ist. Neu, spannend, reizend muß alles sein, was gelesen werden will, sonst — legt man bei der vierten ol er fünften Zeile, wenn es nicht schon bei der Aufschrift geschieht, schön artig die Hand vor den Mund, mit den Gähner nicht laut werden zu lassen, macht ein langweiliges Gesicht, benetzt den Finger und überschlägt das fade Geschreibsel. Uni) der Schreiber des vermeintlich so spannenden Artikels hat weiter nichts geleistet als ein Blatt Papier mit Tinte bekleckst und die so teure Zeit vergeudet. Das Überschlagen aber, so leicht und geschwind es auch getan ist, tut sehr wehe, wehe nicht nur dem „Stern der Neger", sondern auch den Negern „des Sternes", denen er das Licht des Glaubens bringen will. Wie aber soll man nicht fürchten, abgeschmackt und langweilig zu werden, wenn man immer wieder das alte Lied fingen muß! Das alte Lied, nicht zwar „aus uralten Zeiten," auch nicht von der Lorelei, sondern von der Lotterci. Zu allem Überfluß soll dieses Lied noch „Effekt" haben, großen, hundert- und tausendfachen „Effekt" haben, denn es ist das Lied von der Effekten-Lotterie. „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten." Ich weiß wohl, was sie bedeuten soll, diese unsere Efsekten-Lotterie! Soll ich's dir auch verraten? Du weißt, was rechtzeitiger und genügender Regen mit ausgiebigem Sonnenschein für eine Pflanzschule bedeutet. Das Gleiche die Efsekten-Lotterie für unser Missionshaus in Mühland. Du mußt mich aber nicht mißverstehen, als ob ich die Bekehrung der Heiden nur vom Gelde abhängig machen wollte. Die alles belebende Gnade Gottes, der feurige Missionsberuf, ein heiliges Leben, eiserner Wille, unermüdeter Seeleneifer sind unerläßliche, aber nicht die ausschließlichen Bedingungen der erfolgreichen Missionierung. Die Glaubensboten fallen nämlich nicht als fertige Missionäre vom Himmel, sie müssen erzogen und herangebildet werden. Dieses aber kostet Geld! Da steht nun schon einige Jahre in Mühland bei Briren eine Pflanz- und Bildnngsschule für Missionäre für Zentralafrika, bevölkert mit mehr als einem halben Hundert hoffnungsvoller, für ihren Beruf begeisterter Jünglinge, die Vater und Mutter und alles, was nur die Heimat Angenehmes bieten kann, großmütig verlassen haben, bereit, sich für das schwierige Werk der Glaubens-Verbreitung unter den Negern heranbilden und anwerben zu lassen. Aber eines nur fehlt uns — das Geld. Das Talent, der Beruf und die Begeisterung für die Mission sind zwar unbezahlbare Gaben Gottes; aber sie entheben den Missionskandidaten nicht der Notwendigkeit, seinen Hunger und Durst mit Speise und Trank zu stillen, machen die Bekleidung nicht unverwüstlich, ersetzen nicht das Licht und das Feuer und geben kein Recht auf Gratis-Unterricht: Das alles will mit dem Gelde herbeigeschafft sein. Erst aber muß das Geld da sein. Und dieses hoffen wir durch die Effekten-Lotterie zu bekommen. Wir werden in unserer Hoffnung nicht getäuscht, wenn die Lotterie gelingt; daß aber diese Lotterie gelingt, wirst du, teueres Herz, der du mich bisher so liebevoll angehört hast, etwas beitragen. Du wirst uns irgend einen Wertgegenstand aus deiner Haushaltung oder deiner Schatzkammer, je wertvoller, desto besser, hieherschicken. Doch, was sehe ich? Du schaust mich so verdächtig an? Habe ich dich beleidigt? — „Ist ja wahr," willst du sagen, „ich habe dir ja schon etwas geschickt und du bettelst mich immer wieder an." — Ich bitte dich tausendmal um Verzeihung! Hast du schon etwas geschickt, dann danke ich dir aus ganzer Seele im Namen des hlst. Herzens Jesu und Mariä! Obwohl du nun schon für uns etwas getan hast, oder besser, gerade weil du in der Tat gezeigt hast, daß du für uns ein Herz hast, so möchte ich dir . etwas ins Ohr sagen. Du gehst gewiß dieser Tage einmal zum Nachbar auf Besuch. Sei so gut und bringe so unvermerkt, wie du das so gut verstehst, das Gespräch auf die Mühländer Effekten-Lotterie; vielleicht kannst du auch den Stern mitnehmen und vorzeigen. Ist einmal die Rede im Fluß, so sage ganz offen heraus, daß uns noch viele, viele Sachen fehlen und daß uns ans Liebe zum hlst. Herzen Jesu doch auch er einen Gewinstgegenstand zur Lotterie schicken möge; glaubt aber dein guter Nachbar, keinen passenden Gegenstand zu haben oder entbehren zu können, so sage ihm, es sei uns auch gedient, wenn er jetzt gleich ein oder besser mehrere Lose (eines kostet eine Krone) bestelle und für dieselben das Geld einschicke. Die Lose werden in allernächster Zeit gedruckt, herausgegeben und ihm allsogleich in erwünschter Anzahl zugeschickt werden. Die Post kostet keinen Heller, wenn du ihm den Chek, der dem „Stern" eigens zu dem Zwecke beigelegt wurde, abtreten willst. Du bekommst mit der nächsten Nummer des „Sternes" einen neuen. Und wenn du dieses bei mehreren Nachbarn tust, so ist es mir noch lieber. Wenn du dich nun dabei mit der ganzen Liebenswürdigkeit für uns einlegst, so war — ich wette was darauf — dein Weg nicht vergebens. In keinem Stern der Neger Seite 131 Nr. 5 Fall vergebens; denn du hast eine wahrhaft apostolische Arbeit verrichtet: du hast nach Möglichkeit beigetragen, daß uns unsere Lotterie gelinge, daß dadurch das Mühländer Missionshaus die nötigen Geldmittel bekomme und instand gesetzt werde, viele Jünglinge zu gottbegeisterten Aposteln für die armen Neger in Zentralafrika heranzubilden. Wie wir bereits früher bemerkt haben, hat die hochverehrte Generalleiterin der St. Petrus Klaver-Sodalität, Frau Gräfin Maria Theresia Ledo-chowska, sich sehr gerne bereit erklärt, in ihren Niederlassungen und Filialen Effekten für unsere Lotterie entgegenzunehmen und uns zu vermitteln. Wir bitten also unsere Leser, Effekten oder Geldbeiträge für unsere Lotterie rech» bald entweder direkt an unser Missionshaus in Mühland bei Briren, Tirol, zu senden oder an eine der nachbenannten Adressen der St. Petrus Klaver-Sodalität: Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse 12. — Wien I, Bäckerstraße 20. Triest, via Sanitä 9. — Innsbruck, Universitätsstraße 3. — Krakau, Starowislna 3. Prag TI, 33. — Bozen, Obstmarkt 16, II. Stock. ‘’5P& «Sr-'' »tjimtc an öie WaienKömgin. (Nach der Melodie: „Großer Gott, wir loben dich"). Singet Preis der Himmelsbraut, Lobet Sie, die Hochverklärte! Sion! mit der Harfe laut Preise deine Treubewährte; Lobet alle immerhin Unsre Maienkönigin! Maienglöcklein klingt nur süß Ladet ein zum hohen Feste! Erde! werd' ein Paradies! Auch der Himmel gibt das Beste; Huldigt, wie von Anbeginn, Unsrer Maienkönigin. Vöglein in dem grünen Wald, Sing't Ihr euere schönsten Lieder! Singet, daß der Wald erschallt Und in Sion's hallet wieder: „Heil Dir, Lebensspcndcrin, Holde Maienkönigin!" Sproßt hervor, sellt euch zum Chor, Rosen, Lilien, Tulipanen! Sendet eu'ren Duft empor, Würzet Ihre Siegesbahnen! Tausend Grüße traget hin Unsrer Maienkönigin! Ja Dich, Maienkönigin, O Maria! Fromme, Sünder, Alle preisen immerhin! Alle sind ja Deine Kinder! Aller Herze, Mund und Sinn Preist Dich, Maienkönigin! (Pater Bernard Zorn.) Theatralische Vorstellung Ln öer Negerkolonie Gesira. Bericht des Hochw. ?. I Weitler, Sohn des tjtjt. Herzens Jesu. Gesira, 27. Februar 1903. ^^Plie Aufführung einer theatralischen Vorstellung ist für die Jugend feine leichte Aufgabe. Manche Knaben sind wegen der ihnen angeborenen, scheinbar unüberwindlichen Schüchternheit und Befangenheit für'die Bühne überhaupt nicht zu gebrauchen. Der bloße Anblick eines zahlreichen Publikums bringt sie außer Fassung und macht sie dermaßen verwirrt, daß sie, ohne zu stocken, auch nicht einen Satz auf der Bühne herzusagen vermögen. Andere haben ein so schwaches Gedächtnis, daß es ihnen recht schwierig, ja unmöglich erscheint, den Text irgend eines Schauspiels auswendig zu lernen. Und doch genügt die Erlernung des Textes bei Weitem nicht zum Vortrag auf der Bühne. Soll der Schauspieler seine Rolle gut spielen, so muß er sich auf die Mimik verstehen, ja hierin besteht hauptsächlich seine Geschicklichkeit. Er muß den Gedanken und Gefühlen bei seinem Vortrage sowohl im Tone der Stimme als auch in seinen Geberden und in seiner ganzen äußern Erscheinung einen lebendigen Ausdruck verleihen. Dies wird ihm aber nur dann gelingen, wenn er sich in seine Rolle sozusagen hineingelebt und sich mit derselben völlig vertraut gemacht hat. Auch die Negerknaben unserer hiesigen Kolonie haben bereits zu verschiedenenmalen eine theatralische Vorstellung aufgeführt. Ohne Übertreibung können wir sagen, daß ihre Leistungen auf der Bühne recht befriedigend sind. Einige unter ihnen entfalten darin eine Geschicklichkeit, die auf gute geistige Anlagen schließen läßt und gewiß alle diejenigen, welche der Bildungsunfähigkeit der Neger das Wort reden, in lebhaftes Staunen versetzen würde. Diese erfreuliche Tatsache wurde vollends bestätigt durch die theatralische Vorstellung, welche am letztverflossenen Fastnachtssonntag stattfand, deren Verlauf ich daher dem Leser in kurzen Zügen schildern möchte. Ungefähr einen Monat vorher wurde mit der Vorbereitung auf das Theater begonnen. Als Kern der Vorstellung wurde das Drama „Die beiden Sergeanten" ausersehen, welches vier Akte umfaßt und sowohl durch seinen sittlich guten Inhalt, als auch durch die lebendige, packende Darstellung auf der christlichen Bühne sich einen bekannten Namen erworben hat. Bruder Plazidus, der sich schon früher in der Leitung des Theaters bewährte, verteilte die einzelnen Rollen und der gute Erfolg bewies, daß er in der Wahl der Schauspieler eine glückliche Hand hatte. Diese hatten gar bald ihre Rollen auswendig gelernt. Erwägt man, daß die Aufführung des genannten Dramas zwei volle Stunden in Anspruch nahm und daß dasselbe nicht in der Muttersprache unserer Neger, der arabischen, sondern in der italienischen Sprache abgefaßt ist, welch' letztere ihnen nur von der Schule her bekannt ist, so kann man ihrem Fleiß und Eifer in Erlernung desselben die Anerkennung gewiß nicht versagen. Selbst solche, die in der Schule beim Unterricht in dieser Sprache wenig Eifer an den Tag legen, wollen sich von ihren Mitschülern auf der Bühne nicht übertreffen lassen und gaben sich in Erlernung ihrer Rolle alle Mühe. Die Vorbereitung auf das Theater ist, wie der Leser hieraus ersieht, zu gleicher Zeit eine gute Sprechübung, ein Vorteil, der ebenso wie die schon eingangs erwähnten wohl berücksichtigt zu werden verdient. Unter den Vorbereitungen auf das Theater war der Karneval herangenaht und man mußte an die Errichtung einer Bühne denken. Die Frage, wo dieselbe errichtet werden sollte, war schon von vornherein gelöst. Da nämlich die Kolonie weder über einen eigentlichen Theatersaal noch sonst über ein geräumiges, zweckentsprechendes Lokal verfügt, so konnte nur der Hof vor dem Missionshause dazu gewählt werden. Doch nicht so einfach war die Frage, ob auch das Wetter, das während des Monates Februar auch in Ägypten recht launisch ist, das Abhalten des Theaters unter freiem Himmel gestatten würde. Bis zum 20. Februar herrschte allerdings recht freundliches Wetter. Wolkenlos sonnige Tage, wie sie in Ägypten das ganze Jahr hindurch vorherrschen, wechselten einander ab und eine behagliche Wärme machte den Aufenthalt im Freien ganz angenehm. Im Vertrauen auf die Beständigkeit des Wetters ergingen zahlreiche Einladungen an die Freunde und Bekannten der Mission in Kairo und Umgebung, vorerst an den Außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Seiner Apostolischen Majestät, Herrn v. Braun, der kurz vorher seinen Posten Nr. 5 Stern der Neger Seite 133 neu angetreten hatte und sich freundlichst bereit erklärte, bei der theatralischen Vorstellung, welche laut Einladungskarte am 22. Februar, nachmittags halb 4 Uhr stattfinden sollte, den Vorsitz zu übernehmen. Die Bühne stand beinahe fertig da, die Kostüme für die Schauspieler lagen schon bereit, letztere sahen in freudiger Spannnng der Vorstellung entgegen, da erfolgte plötzlich über Nacht ein Witterungswechsel, der einen Strich durch unsere Rechnung zu machen drohte und uns in lebhafte Bestürzung versetzte. In der Tat, wer am 21. Februar den dicht bewölkten Himmel betrachtete, der die Sonne garnicht zum Vorschein kommen ließ und dazu bett- ungestümen, kalten Nordwind an seinen Gliedern erprobte, der mußte an dem Zustandekommen unserer theatralischen Vorstellung die ernstesten Zweifel hegen. Ich selbst überlegte bei mir, was wohl anzufangen wäre, falls die Vorstellung nicht stattfinden könne und geriet bei dem Gedanken, den Theaterbesuch abstellen zu müssen, in eine peinliche Verlegenheit. Gott sei Dank, blieb mir letzteres erspart, da gerade zu rechter Zeit ein Umschwung in der Witterung eintrat. Noch am Vorabend von Karneval fiel ein leichter Regen, der dem Nordwind plötzlich Einhalt gebot und ein ruhiges Wetter im Gefolge hatte. Und am Sonntag Morgen erstrahlte, — wer hätte es geglaubt? — der Himmel in hellem Sonnenschein, das Wetter war so heiter und freundlich, wie wir es für unsern Zweck nur wünschen konnten. Nachmittags gegen 3 Uhr wurde es auf dem Hofe vor dem Missionshause lebendig. Die Besucher unseres Theaters begannen sich allmählich einzustellen, die einen zu Fuß, die andern zu Wagen, da die Kolonie ungefähr eine Meile von Kairo entfernt ist. Alle waren von dem lebhaften Wunsche beseelt, die theatralischen Leistungen unserer Neger kennen zu lernen und nahmen in gespannter Erwartung auf den vor der Bühne aufgestellten Stühlen und Bänken Platz. Letztere füllten sich schnell bis auf den letzten Platz an, so daß manche Nachzügler sich mit einem Stehplätze begnügen mußten. Das Publikum mochte vor Beginn der Vorstellung au 300 Köpfe zählen und doch waren in dieser verhältnismäßig geringen Zahl die verschiedenartigsten Nationen vertreten, was übrigens hierzulande wegen der buntgemischten Bevölkerung bei einer beliebigen öffentlichen Feier nicht selten der Fall ist. Deutsche, Italiener, Franzosen, Griechen, Maroniten, Kopten, Syrianer und eine beträchtliche Anzahl von Negern saßen da auf einem so beschränkten Raume nebeneinander zusammen, eine kleine Völkerfamilie, in so mancher Hinsicht unter sich geschieden, doch einig im Interesse für die Sache unserer Neger. Obwohl die Bühne keinen .Prunk und Aufwand zur Schau trug und den Anforderungen eines Theaters nur notdürftig entsprach, so erregte sie dennoch das allgemeine Interesse des Publikums. Der Vorhang war nämlich mit einem auf Leinwand ausgeführten Ölgemälde geziert, welches dem Kunstsinn eines unserer Missionäre, des hochivürdigen P. Karl Titz aus Wien seine Entstehung verdankt. Dasselbe stellt eine Szene aus dem Sudan dar und versetzt uns in die Zeit, wo der Khalife Abdullahi, Nachfolger des Lügenpropheten Mahdi, die Geschicke dieses Landes mit eiserner Hand leitete und es durch seine schrankenlose Herrschsucht und seine eigenmächtigen Erpressungen in namenloses Elend stürzte. Im Vordergründe des originellen Bildes ragt die Figur des stolzen Chalifen mächtig hervor. Auf einem üppig ausstaffierten Rappen sitzend, reitet er in den Nil vor Omderman. Zwei Schergen, die willenlosen Werkzeuge seiner grausamen Willkür, waten neben ihm, tief bis an die Hüften im Wasser, während eine unabsehbare, Kopf an Kopf gedrängte Schar von Derwischen vor dem nahen Stadttore Aufstellung genommen hat und dem seltsamen Gebaren des Tyrannen neugierig zuschaut. Die gen Himmel erhobene Rechte des Reiters hält ein gezücktes, in der Sonne blitzendes Schwert, während seine Linke die straffen Zügel des schnaubenden Rosses faßt. In lächerlichem Übermute und närrischer Verblendung fordert er Himmel und Erde zu einem Rachekriege gegen die Engländer heraus, die seinen Streitern in der Schlacht bei Kassala kurz vorher eine bedeutende Niederlage beigebracht und dadurch seinen Stolz und Ehrgeiz in empfindlicher Weise gekränkt hatten. Bei Betrachtung dieses Bildes kaun man sich nur darüber freuen, daß die Bevölkerung des Sudan von dem drückenden Joche dieses Tyrannen erlöst und ihr die Segnungen der christlichen Kultur zugänglich gemacht wurden. Inzwischen war es halb 4 Uhr geworden. Während das Publikum in geselliger Unterhaltung der Eröffnung der Vorstellung entgegenharrte, rollte durch das offenstehende Hoftor ein Wagen heran, der sich durch die goldverbrämte Livree des an der Seite des Kutschers sitzenden Kawaß schon von ferne als das Gefährte der Österreichischen diplomatischen Agenten kenntlich machte. Nachdem Seine Exzellenz Herr Minister v. Braun nebst seiner Gemahlin dem Wagen entstiegen waren und die Begrüßungen der Missionäre entgegengenommen hatte, begaben sich beide durch das offenstehende mit dem österreichischen Wappen gezierte Portal des Missionshauses in den Divan, wo sie sich mit dem daselbst auf die Ankunft wartenden Herrn Konsul und Vizekonsul von Kairo, sowie einigen Missionären eine kleine Weile freund- lichst unterhielten. Dann begaben sich die Herren, vom Obern der Kolonie begleitet, auf die für sie reservierten Ehrenplätze. Kaum hatten sie sich niedergelassen, so stimmten unsere schwarzen Sänger unter Harmoniumbegleitung die österreichische Volkshymne an, die vom Publikum stehenden Fußes und entblößten Hauptes angehört wurde. Mit diesem Akte öffentlicher Ehrerbietung verbindet die Kolonie den Ausdruck innigen Dankes gegen Se. apostol. Majestät, den Kaiser von Österreich, der unsere Mission schon bald nach ihrer Gründung unter seinen Allerhöchsten Schutz nahm und sein besonderes Wohlwollen gegen dieselbe noch jetzt in werktätiger Weise bekundet. Kaum waren die letzten Töne der feierlich ernsten Hymne verklungen, da wurde der Vorhang aufgezogen und ein Negerknabe eröffnete die Vorstellung mit einem Willkommengruß in arabischer Sprache, indem er den verehrten Gästen für ihr Erscheinen im Namen seiner Mitschüler dankte, sie ihrem Wohlwollen empfahl und die Hoffnung aussprach, daß die bescheidene Vorstellung den Anwesenden eine angenehme Unterhaltung bieten werde. Da diese Begrüßung in der orientalischen Schriftsprache erfolgte, so war sie freilich nur den Orientalen verständlich und weckte daher ein beschränktes Interesse. Immerhin konnte man aus der Art und Weise, wie der kleine Redner sich seiner Aufgabe entledigte, seine guten Fortschritte in der arabischen Sprache entnehmen. Wiewohl nämlich das Arabische, wie schon bemerkt, die Muttersprache unserer Neger ist, so kostet ihnen doch die Erlernung der Schriftsprache wegen ihrer starken Abweichung von der ägyptischen Volkssprache nicht geringe Schwierigkeiten. Trotz des täglichen Unterrichtes braucht es seine Zeit, bis unsere schwarzen Zöglinge sich mit der Schriftsprache soweit vertraut gemacht haben, daß sie darin geläufig lesen und schreiben können. Haben sie letzteres erlernt, so wissen sie soviel, als ihr späteres Leben in dieser Hinsicht von ihnen verlangt. Damit ist also auch der Zweck des arabischen Unterrichts in unserer Negerschule erreicht. Nach einer kleinen Pause, während welcher einer unserer Negerknaben auf dem Harmonium spielte, folgte das Schauspiel „Die beiden Sergeanten", welches, wie gesagt, aus vier Akten bestand und mit Einschaltung passender Intermezzos bis zum Ende der Vorstellung dauerte. Die Zuschauer folgten dem Drama, welches die Verherrlichung einer aufrichtigen Nr. 5 Seite 135 Stern der Neger bis in den Tod treuen Freundschaft zum Zivecke hatte, mit sichtlichem Interesse und gaben durch ihren allgemeinen Beifall am Schlüsse zu erkennen, daß die jungen Schauspieler ihre Aufgabe gut gelöst hatten. Die Bemerkung meines Nachbarn, eines französischen Priesters, daß er nie solch eine geistige Gewecktheit in den jungen Negern vermutet hätte, kam gewiß noch manchem andern auf die Lippen, denn ihr Auftreten war so natürlich und unbefangen, ihr Vortrag so verständlich und lebendig, daß auch diejenigen, welche unter den Zuschauern der italienischen Sprache nur in geringem Maße oder garnicht kundig waren, denselben ihre Anerkennung nicht versagen konnten. Trotz alledem erregte das nun folgende Intermezzo in weit höherem Grade das Interesse und den Beifall des Publikums. Dieses bestand in einem Vokalkonzert, an dem sich die gesamte Schar unserer Negerknaben beteiligte. Den Instrumenten nach zu schließen, bildeten sie einen Musikchor, der aus zwei Abteilungen bestand. Denn die eine Hälfte war mit Blasinstrumenten versehen, worunter man mehrere Hörner, Flöten, Klarinetten und eine Baßtroinpete bemerkte. Die andern hatten hingegen allerlei Saiteninstrumente in den Händen, worunter eine Anzahl von Violinen, Guitarren und vor assem eine mächtige Baßgeige die Aufmerksamkeit des Publikums aus sich lenkten. Doch kamen alle in dem wesentlichen Punkte überein, daß ihre Instrumente, vom ersten bis zum letzten, aus — Karton geschnitzt waren. Während nun die Einen auf ihren Blasinstrumenten mit den Fingern auf- und abtrippelten und die Andern auf ihren Saiteninstrumenten mit hölzernen Stäben allen Ernstes hin- und herstrichen, brachten diese ver- meintlichen Musiker mit ihren Stimmen ein Konzert zur Aufführung, das an Neuheit und Originalität, aber auch an Wohlklang nichts zu wünschen übrig ließ. In diesem Vokalkonzert, worunter ich nichts anderes als die mündliche Nachahmung eines musikalischen Konzerts verstehe, hörte ich zum erstenmale, wie z. B. der Ton der Kornette in einen helltönenden Paparapa, der Ton der Violine durch ein seinstimmiges Sinsinsin und derjenige der Baßgeige durch ein entsprechend tiefes Sumsumsum zum Ausdruck gebracht roirb; in schöner Harmonie mischte sich darein das dumpfe Pumpumpum der Baßtrompete, das aus den hintern Reihen des Chores mehrstimmig an mein Ohr drang. Während Seite 136 Stern der Neger Nr. 5 das Publikum mit gespannter Aufmerksamkeit den Verlauf des Konzertes verfolgte und nur Auge und Ohr zu sein schien, trat plötzlich eine lautlose Stille ein. Ein Solist trat aus der Mitte des Chores hervor und sang unter Harmoniumbegleitung eine Lobcshymne auf die Musik, die mit Einstimmung des Chores in ein stürmisches «Evviva!» endete. Es ist unmöglich, mit der Feder die Aufführung dieses eigenartigen Konzertes anschaulich zu schildern und den Eindruck wiederzugeben, den dasselbe auf alle Anwesenden machte. Alles war darin Bewegung und Leben. Die vorzüglichen Anlagen unserer Negerknaben für Musik und Gesang traten dabei hell zutage, weshalb ihnen auch das Publikum den lautesten Beifall zollte. Noch waren die Beifallsbezeugungen nicht zu Ende, als ein zwölfjähriger Negerknabe auf der Bühne erschien. Seine glänzendschwarze Hautfarbe, seine langbeinige Gestalt und sein schlanker Körperwuchs geben ihn uns schon von ferne als einen Vertreter des Dinkaftammes zu erkennen. Durch den wiederholten Ruf: Fiammiferi! kündet er sich sofort als Verkäufer von Zündhölzchen an, die er in einer Kiste, welche an einer um seine Schultern geschlungene Schnur befestigt ist, an das Publikum feilbietet. Indem er auf der Bühne auf- und abschreitet, setzt er singend die Vorzüge seiner Streichhölzer auseinander und zum Beweis, daß er nur reelle Ware verkaufe, verfehlte er nicht, mehrere Zündhölzer vor den Augen feiner Zuschauer anzuzünden. Es war das erstemal, daß er auf der Bühne überhaupt auftrat I umsomehr gefiel uns die Unbefangenheit und Geschicklichkeit, womit er seine Rolle ausführte. Unterdessen hatte sich die Sonne geneigt und es begann zu dämmern; man glaubte, die Vorstellung sei zu Ende und die Zeit gekommen, sich zu entfernen. Da auf einmal hebt sich nochmals der Vorhang und der kleine Pius, ein achtjähriges Bürschchen, schwarz wie Ebenholz, erscheint auf der Bühne und fesselt durch seine klare, durchdringende Stimme die allgemeine Aufmerksamkeit. Unter Harmoniumbegleitung dankt das singende Negerlein dem Publikum für die Ehre des Besuches, wünscht ihm stetes Wohlergehen und schließt mit der Hoffnung auf baldiges Wiedersehen. Nachdem das Publikum durch laute Beifallsrufe dem kleinen, muntern Sänger sowohl den Dank für seine Glückwünsche, als auch die Anerkennung für seine erste theatralische Leistung bekundet hatte, verabschiedete es sich. Alle kamen darin überein, daß die theatralische Vorstellung ihre Erwartungen weit übertroffen habe und sahen darin eine glänzende Bestätigung für die Wahrheit, daß die Negerraffe der geistigen und sittlichen Ausbildung vollauf fähig und folglich vom Schöpfer dazu bestimmt ist, an den Segnungen der christlichen Kultur mit allen andern Menschen gemeinsamen Anteil zu nehmen. Won Ssfuan nach Krnöerman. Bericht des hochw. Paters Bernard Omderman, 9. März 1903. SfffleS, was da lebt und strebt auf dem weiten S' k Erdkreise, muß der göttlichen Vorsehung dienen. Verfolgen sie auch ihre eigenen Zwecke und Ziele, so dienen sie doch, ohne es zu wissen und ohne zu wollen, der wunderbaren göttlichen Vorsehung in der Leitung und Regierung des ganzen Menschengeschlechts. So verhält es sich auch mit der Kolonisierung der europäischen Mächte in Afrika, wodurch der Verkehr der Missionäre sehr erleichtert wird. So z. B. zählte die Reise unserer ersten Missionäre nach Chartum Monate, jetzt aber zählt man sie nach Tagen. Bis zum ersten Katarakt Schellal bei Assuan geht Kohnen, Sohn des hhl. Herzens Jesu. die ägyptische Bahn. Hier besteigt man einen Dampfer. Bevor wir aber abdampfen, müssen wir doch erst einen Blick auf den neuen, berühmt gewordenen Damm werfen, der sich südlich vom ersten Katarakte befindet. Es ist wirklich ein riesiges Werk, eine Idee des kühnen Menschengeistes, welcher die ganze Natur sich unterwerfen will und hier dem ganzen mächtigen Nil durch einen bereits zwei Kilometer langen, furchtbaren Damm den Schritt versagt. Durch 180 Schleusen kann ihm nach Belieben der Durchgang gestattet werden. Der Zweck dieses Riesendammes ist, das Wasser, das zur Zeit des Hochwassers unbenützt vorübcrfließen würde, auf- Nr. 5 Stern der Neger Seite 137 zuhalten, um es dann zur Zeit der Trockenheit so langsam und regelmäßig dem Laude Ägyptens zukommen zu lassen. Ist diese Absperrung des ganzen Nilstromes ein Beweis des Unternehmungsgeistes der zivilisierten Welt, so bezeugen die viertausendjährigen Pyramiden ohne Zweifel nicht weniger Energie und Unternehmungslust der Alten. Und während der Damm gänzlich ohne alle Zierungen und ohne jedes Ornament dasteht, einzig und allein seinem Zwecke, dem Gewinne und dem Interesse dienend, springt in allen riesigen Resten der alten ägyptischen Kultur, wie z. B. die naheliegende Insel Phylae uns ein Zeugnis ist, die Idee der Gottheit und des Übernatürlichen hervor und die vielen Verzierungen (selbstverständlich nach ihrem Geschmacke) beanspruchten wohl viel mehr den Unternehmungsgeist, die Geduld und die Energie, als die hochgepriesenen Werke der modernen Welt. Endlich um 9 Uhr abends werden die Anker gelichtet und wir fahren ganz nahe an der altberühmten Insel Phylae vorüber, aber infolge der Aufdämmung des Nils steht die ganze Insel tief unter Wasser und von den sehenswürdigen Altertümern zeigen sich nur die obern Teile des alten Jsistempels. Und auch diese noch wertvollen Überreste der alten ägyptischen Kultur werden wohl bald infolge der jetzigen Zustände des Hochwassers gänzlich dem Untergänge geweiht sein. Jetzt ging es ziemlich flott voraus, da das Wasser ziemlich tief ist, weil es durch den Damm aufgehalten wird, und dieses ist stundenweit aufwärts noch sichtbar. Nachdem ich denn oben auf dem Verdeck unter goldenem Sternenhimmel meinen Rosenkranz gebetet hatte, breitete ich meine Decke aus und begab mich in Gottes Namen zur süßen Ruhe; auch Morpheus oder der Sandstreuer, wie man bei uns zuhause sagt, ließ nicht lange auf sich warten. Der nächste Tag bietet nichts Besonderes dar; das Gebirge tritt meistens nahe an den Fluß heran. Hie und da zeigt sich ein armseliges Dorf nach ägyptischem Stile, d. h. einige Hütten, aus Erde zusammen gepappt, sonst ist alles eine endlose Wüste. Die Felsen scheinen Steinkohlen zu sein, da sie von der Sonne buchstäblich verbrannt sind, so schwarz sind sie; Regen siel in diesen Gegenden seit Menschengedenken nicht mehr. Den langen, lieben Tag verkürzte mir sehr die Gesellschaft eines fröhlichen Orientalen, eines syrianischcn katholischen Priesters, der nach Omderman reiste, um den seinigen dort in unserer kleinen Kirche eine Mission zu halten. Am andern Morgen 5 Uhr wurde ich plötzlich in meiner süßen Ruhe gestört. Ein Stoß mars die Kerze und einige Gläser in meiner Kajüte zu Boden, dann ein Krachen und Schreien. Ich sprang auf, zu sehen, was los sei. Das Schleppschiff, das am Dampfer befestigt war, war wegen dem seichten Wasserstand auf den Sand gestoßen und die dicken Seile rissen. In demselben stand ein Araber und hielt das Ende eines Seiles in der Hand, als wollte er es noch retten, und während alles riß und krachte, stand er ganz gemütlich und ergeben da und sagt vor sich hin: «Ja saates! Ja saates!» O, Beschützer! O Beschützer! Nachdem wir eine Stunde herumgewirtschaftet hatten, konnten wir weiter dampfen. Ein Araber stellte sich vorn an die Spitze, um fortwährend den Wasserstand zu messen. Am Nachmittag fuhren wir an einer uralten, ägyptischen Gruft vorüber, welche in den hohen Felsen des Ufers eingehauen war; am Eingänge desselben saßen zwei mächtige Pharaonen auf dem Throne in prachtvoller Majestät, obwohl etwas plump, wie cs sich in der ganzen ägyptischen Kultur zeigt. Gegen 5 Uhr landeten wir glücklich in Wadi-Halfa, nach einer Fahrt von zwei Nächten und zwei Tagen weniger einigen Stunden. Wadi-Halfa hat sich in der letzten Zeit sehr gehoben, da es die Endstation der Sudanbahn ist. Es befinden sich ziemlich viel Katholiken dort, meistens Italiener, die im Eisenbahn-Arsenal angestellt sind, und Malteser, die durch ihren lebendigen Glauben mich sehr erbaut haben. Ich fand freundliche Aufnahme bei dem jungen Direktor des Telegraphen-Amtes, einem braven Malteser; abends besuchte ich in seiner Begleitung noch einige katholische Familien, um sie zur hl. Messe am nächsten Morgen einzuladen. Seit langer Zeit war das hl. Meßopfer in Halfa nicht mehr gefeiert worden. Am andern Morgen also, es war Sonntag, den 1. März, des hl. Josefs.Monat, richteten wir im Hofe des braven Telegraphisten einen niedlichen Altar auf. Es war eine ziemliche Anzahl Katholiken anwesend, welche wohl bedeutend größer gewesen wäre, wenn sie es gewußt hätten und ich nicht so unverhofft angekommen wäre. Gerne hätren mich die guten Leute einige Tage dabehalten, damit sie ihren religiösen Pflichten nachkommen könnten, ich mußte sie aber mit der baldigen Ankunft eines anderen Paters vertrösten. Nachdem ich den Tag zufrieden unter ihnen zugebracht und noch einige Kranke besucht hatte, setzte ich mich auf ein Eselchen, (das sind hierzulande die elektrischen Tramways.) Die Elektrizität, die Treibkraft, ist natürlich ein gute Peitsche in der Hand des Eselsjungen, der, menu's sonst nicht geht, auch den ganzen Esel schiebt. Wir trabten Seite 138 Stern der Neger Nr. 5 zum ziemlich entlegenen Bahnhöfe, wo ich um 8 Uhr abends abfahren mußte. Die Bahn verläßt hier den Nil und schneidet quer in die Wüste und erst am andern Morgen um 8 Uhr findet man wieder ein lebendes Wesen in Abu Hamed am Nil. In der Wüste befinden sich auch einige Stationen, die aber keinen Namen tragen, sondern nur numeriert sind. Diese großartigen Stationen bestehen in einer Strohhütte und sind einzig und allein bestimmt, das Dampfroß mit neuem Futter zu versehen. Die ganze Natur bezeugt die Allmacht und Größe des Schöpfers. Schaut man auf das gewaltsame Meer hinab, ergötzt sich das Auge an den fruchtbaren Ebenen Deutschlands; steht man hoch auf den in die Wolken ragenden Tiroler Alpen, unwillkürlich steigt im Herzen der Menschen der Gedanke auf: Groß ist Gott in seiner Schöpfung: ebenso hat auch die unabsehbare Wüste ihre Kraft und ihre Schönheit, selbstverständlich nach ihrer Art. Ein entsetzlicher Staub entwickelt sich durch die Geschwindigkeit des Zuges in diesen Sandwüsten, sodaß, wenn auch alles geschlossen ist, in einem Augenblicke doch alles weiß ist von Staub. Diese Sudanbahn hat eine besondere, ganz eigene äußere' Bekleidung gegen die Sonnenhitze, sodaß zwischen dieser äußern Bretterbckleidung und dem eigentlichen Waggon immer ein starker Luftzug ist; dennoch ist es sehr heiß darin wie im Backofen. Redete ich von der Hitze, so trösteten mich die Mitreisenden, daß dieses noch frisch sei, da wir im Winter seien, und daß die Hitze erst später komme. Danke schön! Die Bahn geht auch weiter durch die Wüste und läßt den Nil etwas weiter rechts liegen. Die ^ 3» is . Stationen sind stundenweit entfernt, wo dann die Lokomotive ausspannt und zum Nil fährt, um sich mit Wasser zu versehen. In Berber fuhren ivir nächst der Ruhestätte unseres geliebten Bischofes Ant. Roveggio vorüber. Der Herr möge ihm die ewige Ruhe schenken und uns einen würdigen Nachfolger geben! Viele ausgetrocknete Bäche zeigen, daß hier starke Regengüsse keine Seltenheit sind. Scharen von Rehen (Ghasalla sagten die Araber) spazierten in dem kurzen Gesträuch herum; daß wir vorüberdampften, störte sie wenig, sie warteten auf einen guten Jäger und keiner erbarmte sich ihrer. Um 2 Uhr nachts kamen wir glücklich in Hal-faja, der letzten Station am entgegengesetzten Ufer von Ehartum an. Während der Expreßzug in 30 Stunden daherdampft, braucht der gewöhnliche Zug drei Tage. Seit Jänner dieses Jahres sind die Waggons ganz modern eingerichtet in vollem, europäischem Luxus und elektrischem Lichte, während im vorigen Jahre ein nobler, europäischer Ochsenwagen hier die Ehre hatte, die Rolle I. und II. Klasse zu spielen und der offene Kohlenwaggon die III. Klasse ausmachte. Da in der Station nachts nichts zu tun ist, übernachteten wir im Zuge. Am andern Morgen segelten wir über den blauen Nil nach Chartuin und von dort nach Omderman, der sich 13—15 Kilometer am Fluß ausdehnenden Mahdisten-hauptstadt, die nach der Einnahme der Engländer größtenteils verlassen und zerstört dasteht. Am andern Ufer bestiegen wir einen Esel; mehrere katholische Syrianer kamen uns entgegen, ihren Priester abzuholen und so waren wir eine ganze Schar, die auf Eseln ihren Einzug hielten ins gelobte Land. Aus Ägypten. Bericht des hochw. P. Lehr, Sohn des hhl. Herzens Jesu. d^gypten ist für uns nicht mehr jenes sagen-^ umwobene Zanberland des Altertums. Die Tausenden von Wanderern und Wallfahrern, welche alljährlich nach dem Pilgerstabe greifen, haben mit vorwitziger Hand den Schleier des Bildes von Sais zerrissen. Hunderte von Reisebüchern und Pilger-chroniken entrollen ebensogut ein Bild von dem heutigen (modernen) Ägypten, wie eine ganze Flut wissenschaftlicher Aufsätze und Broschüren die Grabesruhe von 5000 Jahren gestört und die längst entschwundenen Geschlechter der Pharaonen zu neuem Leben aufgerufen hat. Es scheint daher mehr als überflüssig, einfach zu wiederholen, was vielleicht schon ein anderer — und dann sicherlich besser als ich — Nr. 5 Stern der Neger Seite 139 wiedergegeben. Und doch? Man wirft die Blume nicht weg, weil sie auch gestern schon ihren süßen Duft ausgestrahlt. Und sind die Erinnerungen nicht umso süßer, wenn sie die holden Träume der Kindheit wiedererwecken? Ägypten ist noch immer eine Blume im Kranze der afrikanischen Länder. Das Leben und Treiben seiner Bewohner läßt — wenngleich durch die einförmige Melodie des islamitischen Fatums in ein afrikanisches Spießbürgertum versenkt — auch heute noch unter dem modernen Firnis die Spuren antiker Reize durchschimmern und verleiht ihm einen wahren poetischen Anstrich. Anderseits greift uns schon der bloße Name dieses Landes tief ins Gemüt. Das ernste Rom mit seinem strengen Rechtsgefühl, das leichtlebige Hellas mit seinem feinen ästhetischen Geschmack mögen uns für einen Augenblick zur Bewunderung hinreißen — das alte Ägypten allein schlägt in unserem Herzen Saiten an, die man immer gerne erklingen hört. * * * Viele Frühlinge sind schon durch die Lande gezogen, seitdem ich zum erstenmale etwas von Ägyptens Namen, Geschichte, Natur und Denkmälern vernahm. Ich erinnere mich noch lebhaft jener schönen Wintertage, an welchen die Sonne so gar bald des Weges müde war und die leichtbeschwingte Nacht ihren undurchdringlichen Schleier über die schlummernde Erde ausbreitete. Wer auf dem Lande in jenen frühen Abendstunden nichts Notwendiges zu arbeiten hat, spart das Öl oder das Gas der Lampe und setzt sich zum traulichen Gespräche um den warmen Ofen herum. Ebenso wurde es in meiner Familie gehalten. Ich war damals ein „Springer" von 4 oder 5 Jahren, also gerade in jenem Alter, in welchem der Kinderhimmel voller Baßgeigen hängt und das kleine Herz sich schon für große Taten zu erwärmen beginnt. Die Mutter setzte sich gewöhnlich an die Vorderseite der Ofens und flugs holte ich einen Schemel herbei, um mich bei ihr niederzulassen. Das Gesicht dem Ofentürleiu zugekehrt, durch dessen Ventil ich dem neckischen Spiele der Flammen zusehen konnte, legte ich den Kopf in ihren Schoß. Während sie nun die Finger sanft durch das lockige Haar gleiten ließ, erzählte sie mir jene schönen Geschichten der hl. Schrift, die sich hauptsächlich in Ägypten abspielten. Ich weinte mit dem guten Josef, den die neidischen Brüder verkauften, und jubelte mit ihm über ^en schließlichen Triumph. Ich hatte eine kindliche Freude, zu hören, wie der kleine Moses im Binsenkörbchen gefunden und gerettet wurde; ich ergrimmte über den bösen Pharao, der das auserwählte Volk nicht ziehen lassen wollte; und doch — ich darf es nicht verschweigen — ich verspürte auch manchmal kleine antisemitische Anwandlungen. Die schwarze Nacht des Zimmers gab mir ein recht lebhaftes Bild der ägyptischen Finsternis ab und wenn hie und da ein heller Flammenschein für einen Moment die Gesichter der Anwesenden leichenblaß erkennen ließ, schauerte ich zusammen, wie wenn ich ein leibhaftiger Ägypter wäre, dem ein zuckender Blitz das angsterfüllte Herz noch mehr in Aufruhr brachte. Doch die kalten Schauer des Schreckens üerbitterten bald in den bebenden Wonnen heiliger Freude. Gott wollte das unglückliche Pharaonenland ja nicht für immer verlassen. Ällein viele, viele Jahre vergingen, bis unerwartet in schweigender Winternacht eine arme flüchtige Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind in Ägypten Zuflucht findet. Aber sieh', welch' ein Glanz von dem Haupte dieses Kindes ausgeht. Die Hölle flieht entsetzt, die Götzen stürzen geborsten nieder, die Tiere kommen und fallen huldigend nieder, Wunder über Wunder geschehen — es kann kein Zweifel obwalten: „Dieses Kind ist Gott." Einige Wenige erkennen und befolgen den Ruf der Gnade: Dort knieen sie vor dem göttlichen Kinde und beten an und ich faltete unwillkürlich die Händchen und war im Geiste dabei. Gewiß, es waren schöne Stunden, die in den Jahren der Kindheit das Land der Pharaonen meinem Herzen näher brachten. Als ich in der Frühe des Festes „Mariä Reinigung" der ägyptischen Küste mich näherte und der Hafen von Alexandria mit seinen Hunderten von Schiffen von dem Golde der aufgehenden Sonne übergössen, in einem zaubervollen Festkleid prangte, wachten alle diese Gefühle mit ungebrochener Kraft wieder auf. Das Land, welches der junge Christ eher als sein Vaterland kennt, das Land, welches die goldene Wiege des Christentums war, das Land, welches als erster Brennpunkt menschlicher Kultur gilt, das Land meiner Sehnsucht lag vor mir. Während, der Fuß zitternd diese Erde betrat, stieg aus der Tiefe des Herzens der Gruß: „Land der Pharaonen sei mir gegrüßt!" * -r- -l- Zwei Stunden später befand ich mich in dem Schnellzuge Alexandria—Kairo. Es ist wohl über- flüssig zu bemerken, daß die poetischen Gefühle meines Herzens bereits einer ziemlich nüchternen Prosa Raum gegeben hatten. Die großartige Fata Morgana, Seite 140 Stern der Neger Nr. Š welche ich mir vorher von einer afrikanischen Großstadt vorgezaubert hatte, war beim Anblick Alexandrias wie eine Seifenblase zerstäubt. Ich befand mich gleichsam in einer Wüste, deren einzige Oase der erquickende Gedanke einer ruhmvollen Vergangenheit ist. Aber es gehört der Aufwand- aller Geisteskräfte dazu, um diesen Gedanken inmitten des modernen Europa auf afrikanischem Boden für einen Augenblick festzuhalten. Vergebens sucht das Auge nach den großen Steinriesen der Obelisken, welche ehedem die luxuriöse Handelsstadt beherrschten und gleichsam als ständige Moralprediger nach oben wiesen. Traurig steht der eine, die sogenannte Nadel der Kleopatra, im Nationalparke zu Newyork, während sein Bruder auf dem Quai zu London seine Tränen mit den Wassern der Themse vermischt. Nur die Säule des Pompejus befindet sich noch auf ihrem alten Platz. O Ptolomäer, wie hat sich doch so gar manches in euerer Residenz verändert! Wo sind die königlichen Paläste mit dem Museum und der weltberühmten Bibliothek, wo die herrlichen Tempel der griechischen Götter und des Mausoleums, Loma genannt, welches die sterblichen Überreste des großen Alexander enthielt, wo der Zirkus, das Theater, die Turnschule, die Reitbahn, in Form eines Mäanders erbaut, wo die vielen öffentlichen Gebäude, bei welchen die ausgezeichnetsten Dignitäten, die Männer der Wissenschaft und der Kunst, die freie Jugend und die große Masse Neugieriger zusammenströmte — jene und unter ihnen die großen Physiker und Mathematiker Ktesibios und Heron, um durch den Glanz ihrer Wissenschaft, diese, um durch ihr sorgenloses Dasein die Macht ihrer Herrscher zu verkünden! Keine Stadt war einst berühmter, keine hat weniger Zeugnisse ihres Glanzes aufzuweisen als Alexandria. Eine einsame Säule, eine Reihe verwitterter unansehnlicher Ruinen, das ist alles, was noch an die einstige Größe gemahnt: Sic transit gloria muncli! Und doch, daß ich nicht lüge! In einem Punkte ist Alexandria immer noch Alexandria. Schon der flüchtigste Blick tut dies klar. Die kühn geschwungenen Masen und die Firmenschilder so gar vieler Alexandriner erinnert auf Schritt und Tritt daran, daß die Nachkommen Sems keineswegs der Gefahr des Aussterbens ausgesetzt sind. Das allein bürgt schon dafür, daß Alexandria immer noch eine Handelsund Schacherstadt ist, wie vor Zeiten und heute vielleicht mehr denn je, so daß man auch heute noch mit ruhigem Gewissen wiederholen kann, was bereits vor 1800 Jahren der Kaiser Hadrian geschrieben hat: „Die Stadt Alexandria ist mächtig durch ihren Reichtum. Niemand steht dort herum mit den Händen in der Tasche. Hier fabriziert man Glas, dort Papier und anderswo Leinwand. Es scheint, daß all dies geschäftige Volk ein Handwerk ausübt. Die Blinden, die an Podagra und Chiragra Leidenden kennen kein Müßigsein. Alle haben einen und denselben Gott — Mammon — Christen, Juden und Heiden, alle Nationalitäten beten ihn an. Es ist nur schade, daß diese Stadt so sittenlos ist: ihre Wichtigkeit und Ausdehnung machten sie würdig, die Hauptstadt ganz Ägyptens zu sein." Diese und ähnliche Gedanken beschäftigten mich immer noch, als der Zug endlich den dumpfen, dunklen Bahnhof und die lärmende Menge verließ. Ich war es froh. Meine Blicke waren vorwärts gerichtet nach dem Orte meiner einstweiligen Bestimmung, nach der Hauptstadt Ägyptens, nach betn Brennpunkt des gesamten islamitischen Wissens und Könnens, nach Kairo, das sich selbst die „Un-bezwingliche" nennt. \X Sk v Der Sternenhimmel in Sennaar. Bon P. B ernard Zorn, Sohn des hhl. Herzens Jesu. ^.errlich, wunderbar, göttlich und daher unbeschreib-lich ist der Anblick des Himmelsdomes in Afrika! Kein Lüftchen regt sich: der Mond will auch mit seinem bleichen Schimmer die großartige Szene nicht verdunkeln und kein Wölkchen trübt das reine, sammetartige Dunkel des majestätischen Firmamentes. Wie ein silberner Strom durch eine üppige Landschaft, so fließt die Milchstraße durch die, wie in einen entzückenden Zauber gehüllten, strahlenden Welten. Alles scheint lebendig und in ihrem un- Stern der Neger Seite 141 Nr. 5 aufhörlichen Glitzern möchte man versucht sein, die Bestätigung der Worte des königlichen Sängers zu vernehmen: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündigt an die Werke seiner Hände." Wenn dieses überall wahr ist, so ist es im Süden tausendmal mehr wahr; und was ich vom Süden im allgemeinen behaupte, muß ich noch verhundert-fältigen, spreche ich von jenem Lande, aus welchem schon vor Jahrtausenden berühmte Astronomen herstammten. Ja, eine Sterncnnacht in Sennaar ist etwas Einziges in seiner Art! Kaum kann es einen mehr wundern, daß die Ägypter den Sternen göttliche Ehre erwiesen haben und man muß ein solches Schauspiel selbst genossen haben, um cs würdig schätzen zu können! Hoch oben glänzt das herrliche „Kreuz des Südens (L), rings herum funkeln die zwölf Sterne des Centauren (V.); mehr nach Osten schwimmt auf flammenden Wellen das große Schiff (II.), eines der schönsten Sternbilder am ganzen südlichen Himmel. Ihm zur Seite, etwas näher am Äquator, flimmert der noch glänzendere Orion (IV.), dessen erster Stern, der Sirius, der prächtigste von allen ist. Auch der Skorpion (III.) ist ein wunderschönes Sternbild, jedoch niemals zu gleicher Zeit mit dem Orion sichtbar; wenn der eine kommt, muß der andere verschwinden! Dazu kommen noch Hunderte von andern schönen Sternen, die in Afrika wegen der Reinheit und Klarheit der Luft noch alle sichtbar sind. Denkt man sich nun auch noch die Milchstraße hinzu, die wie ein silberner Gürtel von einen: Ende bis zum andern gezogen ist, so hat man eine jener Nächte, die in den Alten eine so große Sehnsucht zum Himmel erweckten! Es geht den Menschen, diesem Sternenhimmel gegenüber, wie dem einsamen Bewohner eines engen, rings von Felsenwünden umschlossenen Tales, wenn ein Windstoß auf einmal fremde Blumen oder die Erzeugnisse einer unbekannten Kultur in sein Tal hinabwirbelt und ihn hinauslockt in das fremdartige Treiben des Jenseits: — Ein Schauer von Licht rieselt aus den fernen Hiinmelsräumen auf den Erdbewohner herab und es dringt die Kunde unbekannter Welten zu ihm. Es ergreift ihn ein mächtiges Sehnen nach jener Ferne und überall, wohin sein Späherblick auch dringen mag, sieht er immer jene mysteriösen und doch zugleich freundlichen Figuren, die unbemerkt aus den luftigen Schöpfungen der Phantasie zu Formen der Wirklichkeit übergehen. Doch laßt uns diese Wunderschöpfungen etwas eingehender betrachten. Daß nicht alle Sterne gleich groß sind und auch nicht alle gleich weit von uns entfernt, ist wohl jedem bekannt; denn auch mit dem bloßen Auge und ohne große Studien gemacht zu haben, kann man leicht erkennen, daß einige Sterne uns näher, andere weiter zurückliegen; daß einige auffallend schön hell, die meisten andern aber uns sich nur als flimmernde Pünktlein zeigen. Woher kommt das wohl? Ohne Zweifel daher, daß die ersten entweder größer und daher eine größere Lichtfülle haben oder uns näher stehen, letztere aber entweder kleiner sind oder durch ihre ungeheure Entfernung ihr Licht nicht in so großer Fülle zu uns gelangen kann. Ist doch, wenn wir annehmen, daß die Sonne 148 Missionen Kilometer von der Erde entfernt sei, der nächste Fixstern schon 206.000mal mehr von uns entfernt. Ein Schnellzug also, der 80 Kilometer in einer Stunde zurücklegte, würde 210 Jahre brauchen, um von der Erde zur Sonne und 206.000mal 210, um zum nächsten Fixsterne zu gelangen. — Sirius, den wir alle als den Morgenstern kennen, ist 234.000mal 148 Mill. Kilometer entfernt; er ist tausendmal größer als die Sonne und 1.259.912.000mal so groß als unsere ganze Erde. Ähnliche Proportionen oder gar noch unendlich größere finden wir, wenn wir unsere Erde mit den übrigen Fixsternen vergleichen! Doch, was nehme ich unsere Erde, um einen Vergleich mit den übrigen Fixsternen anzustellen? Sie verschwindet ja förmlich, wenn man die Millionen und Milliarden dieser Riesen in Betracht zieht! Schon öfters wurde die Frage aufgeworfen, wieviele Sterne es denn eigentlich am Firmamente gebe. Hipparch, der größte Astronom des Altertums, gibt die Zahl der am schönen italienischen Hinnnel sichtbaren Sterne auf 1600 an. Das Unternehmen Hipparchs, sämtliche Sterne mit dem bloßen Äuge zu zählen, nennt Plinius ein den Göttern würdiges Unternehmen. Doch fand man in der neuern Zeit, daß diese Zahl zu klein sei. Begeisterte Männer (wie Angelander) behaupten, daß die Zahl der mit dem bloßen Auge sichtbaren Sterne sich aus 4022 belaufe. Nimmt man jedoch ein Fernrohr zur Hand und schaut hindurch, so gestaltet sich der Himmel ganz anders; man kennt sich selbst nicht mehr wieder. Da sieht man nicht bloß Sterne erster, zweiter usw. bis neunter Größe, deren Zahl sich auf ungefähr 6000 beläuft, sondern auch Sterne zwölfter, fünfzehnter, bis zwanzigster Größe und darüber; man sieht auch dort ein ganzes Firmament voll Sterne, wo man mit dem bloßen Auge keinen einzigen wahrnehmen konnte! Zu bemerken ist, daß, wenn man z. B. von Sternen zwölfter Größe zu Sternen dreizehnter, vierzehnter usw. übergeht, die Zahl der Sterne, die zur nächstfachen Größe ge- hören, jedesmal um das Doppelte, drei-, hundert-, tausend und millionenfache wächst. Wenn wir also annehmen, daß die Sterne sechster Größe, die mit dem bloßen Auge noch sichtbar sind, sich auf 3640 belaufe, so hat man derer der siebenten Größe schon 10.192, dreizehnter 6.934.572, siebenzehnter 2.539.032.640. Ich gehe nicht weiter, sonst könnten wir Gefahr laufen, gar nichts mehr zu verstehen, uns so klein und so winzig vorzukommen, daß wir am Ende noch einer solchen Zahl kaum zu fassen vermögen; nur das sage ich: das, was ein einziges Körnlein in einem Gefäß wäre, das eine Million Hektoliter faßt, das, ja noch viel weniger ist unsere ganze Erde unter den Millionen und Milliarden von Himmelskörpern. Es ist wahr, daß man solche Rechnungen auch auf den Schulen von Europa macht, aber denkt man auch darüber nach? Zieht man auch die wichtigen Folgen daraus? Geht man so weit, daß man diese Größe, welche man in derSchöpfung erkannt und bewundert hat, auch mit seiner eigenen Winzigkeit vergäßen, wo wir sind und daß wir überhaupt noch existieren! — Ja man muß den Himmel und seine Herrlichkeit betrachten, um recht einsehen zu können, wie arm und elend und so ganz und garnichts wir sind. — In ein Liter gehen ungefähr 10.000 Fruchtkörner; in ein Hektoliter also lOOmal 10.000 — 1.000. 000; in 400 Hektoliter also 400.000.000 und in 1.000.000 Hektoliter 1.000.000 mal 1.000. 000 Körner. — Ich rechne nicht aus, wieviel das ausmachen würde, wir würden doch die Größe vergleicht? — — Das ist schwer! In Afrika jedoch, wo der Himmel bezaubernder und gewaltsamer auf unsere Sinne wirkt, ist es schon leichter! Man schaut und schaut nach oben, unwillkürlich möchte man die Augen vergrößern, man fühlt sich nach oben gezogen, die Phantasie hebt sich immer höher, bis man schließlich nicht mehr weiß, wo man dran ist; man hört nichts mehr, man fühlt nichts mehr und man sieht nichts mehr als flimmernde Fünkchen; unwillkürlich geht man zurück und lehnt sich mit dem Rücken gegen einen Baum, um so leichter und ungestörter den Blick in die Ferne senden zu können. Nr. 5 Stern der Neger Seite 143 Hier tauchen wieder neue Wunder auf und dort sieht man so muntere Flämmchen, wie man kaum zuvor gesehen I man sucht das Auge zu verschärfen und so oft man eine neue Schönheit entdeckt, mochte man ausrufen: O Herrlichkeit! O Wunder! D Gott, tote bist du groß! Doch die Stimme versagt ihren Dienst: man nimmt sich soviele Zeit nicht! Immer vertiefter und immer sehnsüchtiger schaut man nach oben, bis man endlich — nicht mehr kann! Man läßt dann ab vom Schauen: man geht an einen stillen und einsamen Ort, hüllt das Gesicht in beide Hände und denkt . . . . o, man kann mit Worten nicht wiedergeben, was man nach einer solchen Betrachtung denkt! Tage-, oft monate- und jahrelang bleiben die Eindrücke einer solchen Nacht! Zum Troste für diejenigen, die noch an gewisse Traditionen glauben, denen die Verrichtung gewisser Arbeiten an bestimmten Tagen bedenklich oder gar gefährlich scheint, die auch z. B. niemals an einem Dienstage oder Freitage von einem Orte zum andern 1 MOW ' : SäÄ .s 7’ ' -7 j f ' 7777t, ■ 7$7 J ■ 77 777: - , J Sternenhimmel im Sennaar (Bon P. 58- Zorn) ziehen würden; die ganz sicher sind, daß sie im Verlaufe des Tages Unglück haben, wenn sie morgens aus Versehen mit dem linken Fuße zuerst aus dem Bette gestiegen und einen Schuh verkehrt angezogen haben: denen beim ersten Ausgange eine schwarze Katze mit einer weißen Tatze, oder, was noch schlimmer wäre, ein weißer Hund mit einer schwarzen Nase begegnet wäre, denen der Anblick einer Spinne mit nach oben gerichteten Beineu verhängnisvoll vorkommt und noch von tausend nnbern frommen Gespenstergeschichten geplagt werden — — will ich, wenn nicht von allen diesen Sagen, so doch von manchen, I den Ort, tvo sie entstammen und die Ursachen au-I führen, wie man auf dieselben kam. Was den Ort anbetrifft, so ist es unleugbar, daß viele von Afrika und zwar aus Ägypten stammen: Lesen wir ja in der hl. Schrift, und auch verschiedene heidnische Schriftsteller bezeugen es uns oft genug, daß die Ägypter ein so abergläubisches Volk gewesen seien. Neben andern verschiedenen Ursachen war es die Astronomie, die vereint mit der Mythologie, reichlichen Stoff zu solchen Kredenzen bot. Der klare, afrikanische Himmel, der die Sterne in unaussprechlicher Pracht zeigt, wußte schon früh- zeitig die Blicke der Ägypter auf sich zu lenken, und, wenn sie auch die Sterne nicht förmlich anbeteten, wie dies in Mesopothamien geschah, so glaubte man doch, sie seien der Sitz frommer Seelen. — Aber nicht alle waren, wie sie meinten, von guten Geistern bewohnt; viele beherbergten auch verdammte Seelen oder gar Teufel (Dämone), die oft mit den guten Geistern in Streit kamen, und die armen Erdbewohner mußten dann, wenn sie sich nicht durch eine Schlauheit oder gewisse Vorsichtsmaßregeln schützten, die Übeln Folgen tragen. Den Hundsstern (Sirius, den die Landleute unter dem Namen Morgen- oder Abend st ern kennen), nannten die Ägypter S o t h i s und sie glaubten allgemein, daß in ihm die Seele der Isis wohne. Der Orion (ein schönes Sternbild, das man in Europa abends während der Monate Januar und Februar am besten sieht), galt als die Seele des Horus. 36 Sternbilder galten als Wohnsitz der Teufel; mit diesen hatte die Sonne immer zu streiten und darum fürchtete man sich, wenn ein solches Gestirn am Himmel aufging. Da gab es viele, die sich an solchen Tagen so zusammennahmen und sich so große Beschränkungen auflegten, daß sie dadurch ganz in ihren Geschäften gestört wurden. Wehe, wenn einer sich am 16. Tybi gewaschen hätte! Und wer am 12. Tybi einer Maus begegnet wäre, der hätte ganz sicher Unglück gehabt! Während der Phaophie durfte man vier Tage hindurch nicht arbeiten und mußte fünfmal den ganzen oder wenigstens einen halben Tag lang, ohne sich rühren zu dürfen, zuhause sitzen. Übrigens fielen solche Ruhetage nicht nur in diesen Monat, sondern mehr oder weniger zahlreich in jeden. Einige wollten im Orion einen kühnen Jäger erblicken, der von den Göttern von der Erde unter die Sterne versetzt wurde. Die Sage erzählt, daß Orion sich einst vorgenommen habe, alle Tiere der Erde zu töten, daß ihm aber Diana, aus Furcht, er möge seinen Vorsatz ausführen, einen Skorpion nachgesandt, der ihn tötlich an der Ferse verwundet habe. Doch Orion, auch in den Himmel versetzt, bekundet noch immer seinen unruhigen Charakter; wenn er in das Meer taucht, d. h. wenn er untergeht, jagt er die Stürme auf und erregt die Stürme zu wildem Aufruhr. Man hütete sich also wohl, in diesen Tagen aufs Wasser zu gehen! Auch der Vorsichtigste konnte nicht alles Unheil, das die verhängnisvollen Tage brachten, verhindern; am glücklichsten war schließlich noch derjenige, der von allen diesen Geschichten nichts wußte! Wie hätte einer sich am 23. Th et auf die Geburt eines Knaben freuen können, wenn er gewußt hätte, daß er doch garnicht lebensfähig und daher bald sterben mußte? Und daß derjenige, der am 20. des folgenden Monats zur Welt käme, sofort blind und wer am 3. Choiakt geboren, taub würde? Die Tradition hatte den Ägyptern noch einige Zauberformeln aufbewahrt, die, wie man sagte, früher von den Göttern mit gutem Erfolge gegen bestimmte Übel angewendet worden waren. Wenn nun einer von einem solchen Übel befallen war, stärkte er sich im Glauben wiederholte die entsprechende Formel und hoffte sich, indem er sich vorstellte, er sei in diesem Äugenblicke jener Gott und habe dessen Gewalt, davon zu befreien. Die Sage meldet, daß einst in den Wohnungen der Isis Feuer ausgebrochen sei und diese ihrem Sohne Horus gerufen habe, daß er Wasser bringen und das Feuer löschen solle. „Haben diese Worte einst soviele Kraft gehabt, so müssen sie solche auch heute noch haben," dachten sich die Ägypter; und hatte jemand eine Brandwunde, die ihm großen Schmerz verursachte, so stellte er sich vor, er sei in diesem Augenblicke Isis und sprach: „Mein Sohn Horus, es brennt, kein Wasser ist da, ich bin nicht da, hole Wasser an dem lifer der Flut, um das Feuer zu löschen!" Hatte jemand den Schnupfen, so schrieb er das einem neidischen Sterne (dein darimvohnenden Geiste) zu, der an jenem Tage aufgegangen war und ihm einen verderblichen und giftigen Wind zugeblasen hatte. Doch auch dafür gab es ein Mittel: Laufe aus, Schnupfen, Sohn des Schnupfens, Der du die Knochen zerbrichst, (Daß du die Knochen zerbrechest!) Der du den Schädel zerstörst, Der du vom Fette trennst, Krank machst die sieben Löcher im Kopfe! Es flehen die Diener des 91c’ zu Dhoute. Siehe ich bringe dein Rezept zu dir! Dein Mittel zu dir! Das vertreibt dich, Das heilt dich, Die Geruchkörner! Gehe heraus ^auf^dei?Bodcn, Gestank! Gestank! Gestank! Ob nach dieser geistreichen Hymne der Schnupfen wirklich verschwunden, weiß ich nicht; doch die Ägypter hatten einen festen..Glauben, 'oder besser gesagt, Aberglauben und wenn das Mittel auch auf der Stelle nicht wirkte, (mit der Zeit mußte es doch schon helfen! — — — Nr. 5 Stern der Neger Seite 145 Du bist nicht über mir — Ich bin Amon! Ich bin Anhor, der schöne Tötende, Ich bin der Fürst, Ich bin der Herr des Schwertes! ’Edera ’edesana! ’Edesana ’ederagaha! Matrnn ’edesana, ’Edesana ducha’ ergna! Quena, quena, hamu, Dejaskana ’edesana. Wahrlich, eine sonderbare Formel! Und doch sollte sie eine erstauliche Wirksamkeit haben! Sie alarmierte den Orion; dieser nahm Bogen und Pfeil und bei seinem Anblicke flohen alle Tiere in ihre Schlupfwinkel! Dieses Mittel war sehr praktisch für die am Nil wohnenden Ägypter, wenn sie sich im Nile baden und von den Krokodilen nicht gestört sein sollten. Tausende von ähnlichen Geschichten könnte man anführen, doch es mögen die bereits erwähnten genügen. Wir finden gar keine Schwierigkeit, dies alles als Aberglauben anzusehen und lachen darüber, daß es Leute gegeben hat, die darauf geachtet. Ganz recht, aber —--------gibt's nicht so viele, ich möchte sagen tausende von Geschichtchen und Vorsichtsmaßregeln, die auch heute noch und das von guten Katholiken, geglaubt und skrupellos angewendet werden? — — Die Hand aufs Herz! Geben wir der Wahrheit die Ehre! Das alles ist Unsinn, Aberglauben und kann, falls nicht die Einfältigkeit oder die Unwissenheit entschuldigt, auch Sünde und für andere ein Ärgernis werden! Also: Laufe aus, Schnupfen! Aberglauben, komm’ heraus! Deine Mittel zu Dir — Ein wenig Verstand zu mir — Das heilt dich und heilt auch mich! Der du den Schädel zerstörst — Auch die Ruhe noch störst — Geh' hinaus auf den Boden, Unsinn! Unsinn! Unsinn! So, verehrte Leser und Leserinnen! Wir haben jetzt die Sterne genug betrachtet und dabei auch noch einiges, was mit ihnen in Verbindung steht oder wenigstens indirekt von ihnen herstammt. Ich glaube nicht, daß unsere lustige Betrachtung fruchtlos gewesen ist! Wir haben Gottes Allmacht, Güte und Weisheit bewundert, die so große, so schöne und so zahlreiche Welten aus nichts hervorgebracht hat; der sie so herrlich gestaltet und zum Nutzen und zur Freude der Menschen erhält; für einen Augenblick waren wir der Sorgen und Leiden dieser Welt ganz vergessen und — — kommen jene Stunden, die uns so kleinmütig und verzagt, so traurig und so niedergeschlagen machen, die uns so recht zum Bewußtsein bringen, daß wir noch in diesem Träncntale wandeln: erheben wir 'dann unsere Augen zum Himmel, denken wir zurück an diesen fröhlichen Abend und an den Sternenhimmel in Sennaar und die Freude wird wieder in unser Herz einkehren! Aus dem Aiffionsleben. €in schlauer Dieb. jüngst kam zur Mission ein armer Schwarzer, ^ der wirklich erbärmlich aussah. Sein Rücken und beide"Händc waren mit großen Brandwunden bedeckt. Sich so vorstellend, bat er uns inständig um einige Arzneien. „Aber, wie ist das denn gekommen?" fragte ihn ein Pater. „Kaliji und seine Brüder haben es getan!" „Kaliji? Wer ist das? Ich habe noch nie von ihm sprechen gehört." Er wohnt sehr weit von hier; dort, wo die Sonne untergeht!" „Wie hat er das gemacht?" „Seine Brüder haben mich gebunden und mit Stöcken geschlagen; als dann das Blut überall herauskam, haben sie glühende Asche darüber gestreut." So, wie die Wunden aussahen, war die Geschichte leicht zu glauben. „Aber, warum haben sie denn das getan? Hattest du ihnen vielleicht etwas Böses getan, oder hatte man dich unschuldig angeklagt?" „So höre mich an!" begann er. „Kaliji hatte eine Tochter, die ich und die mich heiraten wollte. Nachdem ich alles versucht, sie zu erhalten, alle Versuche jedoch mißlungen waren, da Kaliji mir sie garnicht geben wollte, bin ich eines frühen morgens mit ihr davongelaufen." „Warum wollte er sie dir denn nicht geben?" „Mit mir hatte er garnichts und ich auch mit ihm nicht, aber mein Vater und sein Vater leben immer im Streit und das ist die einzige Ursache, warum Kaliji mir seine Tochter nicht geben wollte!" „Hast du sie auch geheiratet, nachdem du sie weggeführt?" „Selbstverständlich, darum ging cs mir ja so!" „Armer Junge, du bist schrecklich verarbeitet worden! Du siehst ja ganz erbärmlich aus!" „Wollen Sie mir also einige Arzneien geben?" „Ich fürchte, deine Freunde wissen dieselbe nicht zu gebrauchen und du selbst kannst dir noch weniger helfen: bist du's zufrieden, so kannst du hier bei uns bleiben; wir werden für deine Heilung sorgen und auch sonst für dich tun, was in unsern Kräften steht." „D ja, ich bin's sehr zufrieden und bin recht froh, daß ich doch einmal wieder gute Leute gefunden habe". — --------- Einige Tage später kam ein Farmer aus der Nachbarschaft zu uns auf Besuch. Im Laufe des Gespräches erzählte der Pater ihm auch von unserm Kranken, wie er so schrecklich zugerichtet worden, nun aber bereits auf dem Wege der Besserung sei. „Es tut mir leid um den guten Jungen," schaltete er ein, „es tut mir wirklich leid um ihn; wieviel muß er doch bei dieser Marter ausgestanden haben!" Der andere schüttelte den Kopf, als er gehört hatte, wer unser Kranker sei unb fragte: „Wie lange ist er schon hier?" „Seit einer Woche." „Gut, behalten Sie ihn aber nicht zulange und glauben Sie ihm auch nicht alles, was er sagt; das wäre meine Ansicht!" Ein wenig entrüstet über seine mißtraulichen Äußerungen, entgegnete ihm der Pater: „Was seid ihr Kolonisten doch so hart und ohne Gefühl für die Eingeborenen!" „Keineswegs! Wir sind allerdings nicht so zärtlich wie ihr — das gebe ich zu und das würde auch nicht praktisch fein; doch, zeigen Sie mir den Kerl einmal!" „Mein Gott, diesmal hat's ihm aber schlecht gegangen!" — — Tags darauf mußten wir einige Meilen von hier eine Familie besuchen. Alles wurde gut verschlossen und wir überließen unser Heim einem vertrauten Diener. „Wir werden morgen zurück sein," sagten wir ihm, geben Sie nur gut auf alles acht!" Als wir tags darauf zurückkehrten, grüßte uns der Diener auf der Schwelle, machte aber eine sehr traurige Mieue. „Was gibt's?" fragte ihn ein Pater, dem diese außergewöhnliche Erscheinung sofort aufgefallen war. „Unser Kranker ist fort!" „So? Ist er wirklich nicht mehr da? — Nun, das macht doch nicht viel; seine Wunden waren ja bereits zugeheilt und so wird er fortan wohl für sich selbst sorgen können!" „Ja, aber er hat mein Geld, Schuwo's Hemd und Ihre Musikdose mitgenommen und und — ich weiß nicht, was noch alles!" „O, der Undankbare! Wie kam er denn in das Zimmer hinein?" „Durch das Fenster." Der Pater schaute nach: Glücklicherweise hatte man vorher alles gut eingeschlossen; nur eine kleine, schöne Konzertina fehlte, welche wir aus Versehen auf dem Tische hatten liegen lassen. Kurze Zeit darnach kamen einige Leute zu uns, die aus der Heimat unseres Helden waren und sagten uns, daß der Verschwundene ein Dieb sei, daß die ganze Geschichte seiner Heirat eine Lüge sei und daß er für einen seiner Diebstähle so gestraft worden sei. -I- * * IU linderbare Rettung. eit einigen Monaten wurden die Bewohner unserer Gegend durch die räuberischen Einfälle von Löwen beunruhigt. Fast Tag für Tag liefen Nachrichten von Todesfällen ein. In der Zeit von sechs Wochen sollen auf einen Umkreis von drei Stunden 62 Personen von den Löwen zerrissen und aufgefressen worden sein. Die lebhafte Einbildungskraft und unbegrenzte Furcht der Neger malte die Plage noch viel größer aus, als sie wirklich war. Jedes Rascheln im Busch, jede Bewegung des Laubes mußte von einem Löwen herrühren. Die Furcht der armen Leute wuchs derart, daß sie alle fortzogen und die Gegend in unserer Nähe fast ganz entvölkert ward. Nr. 5 Stern der Neger- Sette 147 Wir versäumten natürlich nicht, jede Öffnung bei Tag und Nacht sorgfältig zu schließen und die Türen durch kräftige Bolzen und Riegel zu verstärken. Am ersten Sonntag in der Fastenzeit kam eine Frau, um für ihren kranken Mann Arznei zu holen. Während ich die Kinderstube verließ, scheint eines der Kinder die Türe geöffnet zu haben; kurz, der 1 ^jährige Anton rutschte auf den Knien zur Türe hinaus, sogar über den ganzen Hofraum hinüber und da die Negerin beim Eintreten das Hoftor offen stehen ließ, gelangte der kleine Knabe schließlich ins Freie, wo er ruhig spielte. Niemand hatte sein Durchbrennen bemerkt. Ich hatte zur Arznei heißes Wasser nötig und mochte etwa zwanzig Minuten in der Apotheke verweilt haben. Plötzlich schreckte mich lautes, ängstliches Kindergeschrei, vermischt mit kläglichem Blöken, von meiner Beschäftigung auf. Sogleich durchzuckte der Gedanke meinen Kopf: Sicher ist ein Löwe eingebrochen und indem ich mich und die Kinder den heiligen Schutzengeln empfahl, eilte ich durch die Kinderstube ins Freie. Die Kinder hatten sich in ihrer Aufregung gegen die Türe gestemmt; andere verkrochen sich und weinten voll Angst und Verwirrung. Rasch schaffte ich mir Platz und konnte eben den Löwen noch sehen, wie er, die schönste unserer Ziegen im Rachen, mit einem gewaltigen Anlaufe über den Stangenzaun setzte und eilig den nahen Wald aufsuchte. Angesichts der wunderbaren Errettung aus naher Todesgefahr erholten wir uns allmählich von unserm Schrecken. Sogleich kniete alles nieder und verrichtete ein inniges Dankgcbet. Ich prägte nun den Kindern neuerdings die Lehre vom heiligen Schutzengel ein und ermahnte sie, morgens und abends das schöne Gebetchen zu sprechen: „Engel Gottes, du mein Schutzgeist usw." Der eine Schrecken war vorüber, als schon wieder ein neuer auftauchte. Ich vermißte den kleinen Anton. „Wo ist Anton?" Kein Mensch weiß es! Man ruft, läuft von Zimmer zu Zimmer bis unter das Dach, kein Anton ist zu finden. Unter alle Bettstellen, in jede Ecke wird ein prüfender Blick geworfen — keine Spur. Ich eile in den Hofraum; auch da kann ich den Kleinen nirgends entdecken. Auf einmal fängt er zu schreien an; er hat mich erblickt, streckt mir voll Verlangen die Händchen entgegen; dort außerhalb des Zaunes sitzt er im Sande gesund und munter. Der Kleine saß also sehr wahrscheinlich schon da, als der Löwe bei uns seinen Besuch machte. Und wenn er erst über den Hof kroch, als die Bestie schon ihren Angriff auf den Ziegenstall machte, so mußte er ja vor dem Rachen des Löwen vorbeirutschen. — Hat ihn der Löwe nicht gesehen? — Oder hat nicht etwa sein heiliger Engel schützend die Fittiche über ihn gehalten? Wie wunderbar! Der Herr hat seinen Engeln deinetwegen befohlen, daß sie dich beschützen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest. * * * fiat man im fiimmel auch filinger? Ich hatte soeben meinen Buben etwas aus dem Katechismus erklärt und war diesmal ziemlich zufrieden mit ihnen gewesen. Da hörte ich auf einmal etwas wie Klagelieder. . . Ich schaute um und siehe! mehrere Frauen zogen durch die Straßen; ihr ganzes Aussehen verriet, daß etwas Außergewöhnliches vorgefallen war. „Warum weint ihr denn?" frug ich sie teilnehmend, „was ist denn vorgefallen?" — „Maischest liegt am Sterben!" erhielt ich zur Antwort. Das genügte mir; ich ließ mir die Wohnung desselben zeigen und trat sofort ein. Es war keine Zeit mehr zu verlieren!" — „Matschofi!" sprach ich ihn freundlich an, „Du bist schon alt, nicht wahr? möchtest Du nicht die hl. Taufe empfangen, ein Kind Gottes werden und so auch in den schönen Himmel kommen? — Armer Kerl, hast schon so viel gelitten; wärest Du nicht zufrieden, wenn Du nun endlich einmal an einen Ort kämest, wo Du ausruhen und Dich auf ewig freuen könntest? Ich habe gehört, daß Du krank seiest und nun bin ich gekommen, um Dir eine große Gabe, die Gnade der hl. Taufe zu bringen!" — „O guter Vater!" seufzte der Arme, „schon lange habe ich ja auf Dich gewartet! Warum bist Du nicht schon eher gekommen?" Nach diesen Worten wandte er sich an Sabin, seinen Sohn, der auch erst vor kurzem unterrichtet und getauft worden war: „Sabin! . .. Diese Lehre der Weißen gefällt mir wirklich, doch, höre! zuerst mußt Du mir noch auf etwas antworten! . . Hat man in diesem Himmel auch noch Hunger?" — „O nein!" antwortete Sabin begeistert, „nein, im Himmel kennt man weder Hunger noch Dnrst! Dort sind alle ewig glücklich und zufrieden!" — „Oh! dann taufe mich nur schnell!" schloß der arme Alte; „dann ift’S gut. Ja, Vater, ich glaube wirklich alles, was Du glaubst und verspreche Dir auch, wenn ich vielleicht wieder gesund werden sollte, auch dann noch Deiner Religion treu bleiben zu wollen!" — Seite 148 Stern der Neger Nr. 5 Bei diesen Worten richtete er sich, obgleich mit sehr großer Mühe, von seinem Lager auf und begann mich auf das rührendste zu bitten. Ich konnte ihm nicht widerstehen! Seine Ansicht vom ewigen Leben und sein Beweggrund, auch in den Himmel kommen zu wollen, waren allerdings noch etwas materiell, doch bei alldem fehlte es ihm nicht an einem aufrichtigen Willen. Ich unterrichtete ihn so gut, als es eben bei einem Sterbenden noch möglich war. Manches begriff er ziemlich leicht, wenn er etwas nicht verstand, sagte er, er glaube es ebenso, wie ich es selbst glaube und ich dachte, daß auch der liebe Gott damit zufrieden sein werde. Ich taufte ihn also und verließ, nachdem ich mich noch etwas mit ihm über Gott und himmlische Dinge unterhalten hatte, sein Gemach. Er war überglücklich! Rach der Taufe verstand er schon mehr! — Am anderen Morgen hörte ich, daß Mat-schofi schon gestorben sei, und ich frohlockte in meinem Innern, so glücklich gewesen zu sein, dem Himmel wieder einen neuen Engel zugesandt zu haben. A. M. * * -i- Trauriges ende eines Zauberers. WH er Zauberer Batae hatte, wie man sagt, im «'ks vorigen Jahre, ja sogar noch in diesem, viele Personen mit seinen Zaubermitteln getötet. In den letztverflossenen Tagen erlaubte er sich zwei erwachsene Jünglinge die wegen ihren guten Eigenschaften bei allen beliebt waren an einem Tage zu vergiften. Es herrschte allgemeine Trauer und das Murren ward sogar während den Zeremonien der Beerdigung laut. Die Verwandten der zwei Verstorbenen taten sich zusammen und verabredeten sich so gut, daß sie einige Tage nachher, als Batae allein im Garten war, über ihn herfielen und ihn mit Beilen in Stücke zerhackten, und diese nach allen Winden hin zerstreuten. — Zwei Tage nachher erst erhielt der Pater Nachricht von dem Geschehenen. Er durfte freilich eine solche Tat nicht loben, doch im Herzen konnte er sich einer gewissen Freude nicht erwehren, daß die Erde wieder um ein Ungeheuer leichter geworden sei! — Die Helden wünschten sich selbst Glück, daß dies ihnen so vortrefflich gelungen war und drückten lachend den Gedanken aus, daß man es allen Zauberern so machen solle. — Wamc, ein anderer berüchtigter Zauberer und auch Apece, der nicht weniger als Batae gefürchtet war, hörten ebenfalls, wie es ihren Kollegen ergangen und ihr Schrecken war ungeheuer. So ganz unbegründet war ihre Besorgnis, wie schon erwähnt, auch nicht! Bei der geringsten Veranlassung konnte auch die Reihe an sie kommen! Daher beteuerten sie einem jeden, der sie anhören wollte, daß sie von jetzt an keine Zauberer mehr seien; daß sie die Schlangen los gelassen hätten; ja, eigentlich nie wahre Zauberer gewesen seien! — Die Folgen dieser Vorkommnisse müssen wir noch abwarten! * * * eine beschwichtigte Schlacht. Wror einigen Wochen erfahre ich nach dem Höchst amte, welches ich eben gesungen hatte, und bei welchem ich sehr nachdrücklich gegen die Zauberer und zu Gunsten unserer göttlichen Mission als „große Friedensstifterin" gesprochen hatte, eine seltsame Nachricht. Als Schlußfolgerung meiner Predigt und trotz aller Beredsamkeit, die ich aufgeboten hatte, wollte dieser ganze Stamm in den Krieg ziehen. Die Veranlassung war folgende: Ein Mann des benachbarten Stammes hatte bei Gelegenheit eines großen Mahles, bei dem wohl auch Satan zugegen gewesen sein muß, eine Frau gestohlen; was das Ganze noch verschlimmerte, war, daß jener Mann schon verheiratet war, daß seine rechtmäßige Frau noch lebte und die gestohlene Frail eine Witwe war. Die Schmach war zu groß, als daß man sie ungerächt hätte vorübergehen lassen können! Aici-Abunu, der Bruder des geraubten Opfers, hatte den ganzen Stamm aufgereizt, gegen den Übeltäter zu Felde zu ziehen. Aber auch der Räuber hatte die Seinen aufzuwiegeln gewußt und nun standen sich beide Stämme feindlich gegenüber. Diese Gefahr für das ganze Land mußte unter allen Umständen verhindert werden! Ich rief sogleich alle Häuptlinge der Gegend zusammen und sprach zu ihnen: „Wollt ihr, daß ich noch ferner bei euch bleibe?-----Oder wollt ihr, daß ich mich sogleich entferne? — Wollt ihr meine Freunde sein, oder möchtet ihr einmal erfahren, was es heißt, mich zum Feinde haben? Nun wohl: Der erste, der seine Heimat binnen drei Tagen verläßt und überhaupt Waffen trägt, ist mein Feind! . . . Gehet, sagt es überall, und verkündet es jedem, den ihr antreffet!" Nachdem alle Häuptlinge mir versprochen hatten, nicht in den Krieg ziehen zu wollen, entfernte ich mich und sobald ich mich unbeobachtet wußte, machte ich mich auf und reiste direkt zu dem feindlichen Nr. & Stern der Neger Seite 149 Lager. Nur zwei Brüder nahm ich mit und schließlich auch noch drei Häuptlinge, die uns bemerkt und ebenfalls hatten mitziehen wollen. — Wie ein Blitz aus heiterem Himmel, so wirkte unsere plötzliche Ankunft im Lager der Feinde! Ich gebot den Meinigen, sich ruhig zu verhalten und nur, wenn wirkliche Gefahr drohen sollte, von ihren Waffen Gebrauch zu machen. Ich selbst sprang auf einen riesigen, dort liegenden Baumstamnl und mit einer Beredsamkeit, wie sie nur Gott und nur einem Missionäre unter den Wilden und nur in den wichtigsten Momenten zu verleihen pflegt, hielt ich eine donnernde Anrede an die versammelte Menge, die sich jedoch wie rasend benahm und wütend mit ihren Lanzen in der Luft herumfuchtelte. Ich versuchte noch kräftiger und noch drohender zu schreien und wirklich gelang es mir auch nach ungefähr zehn Minuten, die Menge zu beschwichtigen. Die drohende und gebietende Stellung des Weißen wirkt überhaupt noch immer wie bezaubernd auf die Wilden und nur höchst selten können sie ihm widerstehen. Unter den Einheimischen waren auch noch einige andere Häuptlinge, welche aus der Umgebung herbeigekommen, oder vielleicht auch gerufen worden waren; diese hatten am meisten Furcht! Ich sah es ihnen am Gesichte an. Halt! dachte ich bei mir: Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo ich den entscheidenden i Schlag führen muß! — — „Legt die Waffen nieder!" donnerte ich die Meinen an, „und auch ihr, große Häuptlinge!" schrie ich noch lauter den Feinden zu, „wir alle sind Brüder und keiner soll dem andern schaden!" Alsdann befahl ich den zwei Brüdern die Geschenke zu bringen, die wir mitgebracht und sie den Häuptlingen anzubieten. Das geschah, und nach einer Viertelstunde saßen wir alle, Freunde und Feinde (nun wieder alle Freunde), an einem großen Feuer und rauchten, daß die Sonne sich fast ver-stnsterte. — Nach einer langen Pause fuhren wir zum Hause des Beleidigers und ließen uns dort nieder. Der .Beleidigte und seine Verwandten waren uns unterdessen auch gefolgt. Man legte der Familie des Beleidigten ein Schwein zu Füßen; außerdem noch einen ganzen Plunder von Federbüschen und dergleichen und alles war abgetan. — Eine alte Frau, die während der ganzen Geschichte zugegengewesen und nur Augen und Ohren gewesen war, sagte nachher zu den Umstehenden: „Was für ein Mann ist doch dieser Missionär! Er hat ein Gesicht von Holz! Wer kann ihm widerstehen?" „Gute Alte", lachte ich bei mir, „es möchte fast scheinen, du habest den Jeremias gelesen!" In diesem nämlich lesen wir, daß Gott ihm eine eherne Stirne, d. h. eine große Unerschrockenheit verheißen hatte, wenn er mit den trotzigen und hartnäckigen Israeliten zu sprechen hatte. Bleibt es ja auch heute noch wahr, daß der Herr die Seinen nicht verläßt! H. V. jätn Marterpfahl. Novelle von Pater Bernard Zorn, Sohn des heiligsten Herzens Jesu. HKum! Pum! Pum! klopfte es auf einmal an der Türe; die Uhr zeigte eben auf elf.------------------ „Wer ist da?" fragte William, nachdem er sich vorher etwas zurückgezogen, geduckt und versucht hatte, die Stimme eines solchen nachzuahmen, der aus süßem Schlafe gewaltsam geweckt wird. „Ein armer Reisender, der um ein Obdach bittet!" — — Es war finstere Nacht; auch drinnen war das Licht diesen Abend nicht angezündet worden; nur in einem innen gelegenen Stübchen brannte eine Öllampe. — William antwortete nicht sogleich und da er nicht sprechen wollte, machte er den ©einigen mit der Hand ein Zeichen, damit auch sie sich ruhig verhalten sollten. Er schaute vorsichtig durch ein Fenster, ob er nicht vielleicht den da unten erkennen könne. Doch wollte es ihm trotz seiner Falkenaugen nicht gelingen. Er schärfte den Blick und siehe! Er erkannte in dem armen Reisenden einen Schwarzen; er bemerkte, daß jener eben versuchte, die Mauer neben dem Türpfosten zu lockern und das mit solcher Emsigkeit, daß deutlich daraus zu schließen war, was er vorhabe. Da war also keine Zeit zu ver- Seite 150 Stern der Neger Nr. 5 Heren, er mußte in seiner Arbeit und das sofort, gestört werden. „Sind Sie allein gekommen?" rief ihm William zu, indem er etwas näher zum Fenster trat, das sich oberhalb der Türe befand. Der Angeredete ließ, wie William beabsichtigt, etwas gestört von^seinem Unternehmen ab und schaute nach oben. — — — „Michel, los!" — -— Pum! und der verlogene Reisende wälzte sich blutig da unten im Grase, dem Hunde gleich, der unvorsichtig einen glühenden Bissen verschlungen hat. „Maschruch! Maschruch! Maschruch!" erscholl es nun von allen Seiten, „er ist verwundet, verwundet!" Unter schrecklichem Geheul stürzten sich ein paar Dutzend Schwarze auf den Kampfplatz; drohend fuchtelten sie mit ihren Lanzen in der Luft herum. Gut für die armen Kolonisten, daß» sie nichtsAavon faljen; sie hätten sicher den Mut verloren. William ahnte die ganze Gefahr; er sah zwar auch snicht viel, doch aus dem, was er hörte, konnte er deutlich Nr. 5 Stern, der Neger Seite 151 schließen auf das, was er nicht sah. — Bei dem großen Lärm da unten konnte auch er, ohne Gefahr gehört zu werden, mit den Seinigen sprechen; vor allem verbot er ihnen, Licht anzuzünden; denn das, obwohl es ihnen nützlich gewesen wäre, hätte sie den Pfeilen der Wilden umso sicherer ausgesetzt und zudem jenen die Belagerung bedeutend erleichtert. Dann schärfte er allen nochmals ein, nur ja an ihrem Platze zu bleiben und, wenn er „Los!" kommandieren würde, immer nur auf die dein Hause am nächsten Kommenden zu schießen. Nun war es auch schon die höchste Zeit, ans Werk zu gehen. Ein Wilder mit Riesenschultcrn stemmte sich gegen die Türe, um sie mit einemmale einzudrücken. — — Na, Großvater, helfen Sie dem da unten was! hören Sie nicht, wie er keucht?" Pum! und ... er keuchte nicht mehr! Ein anderer war auf die Schultern eines seiner Kollegen gestiegen und versuchte zum untern Fenster hineinzusteigen. — „Marie, zeig' nun auch mal deine Kunst!" Pum! und das Mädchen, das da oben gestanden, hatte zwei mit einer Kugel durchbohrt. Fürchterlich heulten die Wilden. Schon vier Tote und das noch vier ihrer Tapfersten! Sie versuchten noch einmal einen allgemeinen Angriff! Pum! Fünf Kugeln sausten zu gleicher Zeit hinüber und keine einzige ging verloren. Fünf der Tapfersten waren ihnen zum Opfer gefallen; das war ihnen doch zu arg. Unter fürchterlichem Geheul zogen sie sich zurück. Nach etwa einer halben Stunde trat eine mysteriöse Grabesstille ein. Die Feinde schienen besiegt, abgezogen zu sein. Auch warf der Mond, der inzwischen aufgegangen war, dann und wann einen leichten Schimmer auf das Leichenfeld. Ich sage, einen „leichten" Schimmer, denn er war erst in seinem ersten Viertel und der Himmel war ein wenig trübe. — „Mama, wer stöhnt denn so, da, Bei der Seitentüre ?" fragte bang das Mädchen seine Mutter. „Potz Tausend! Welche ein Glück für uns!" sprach William und schlug sich ärgerlich vor die Stirne, daß das Mädchen wachsamer gewesen war als er; mit einem Satze war er am Fenster, das sich oberhalb der Seitentüre befand. In der Aufregung hatte er seine bisherigen großen Vorsichtsmaßregeln etwas vergessen; er riß das Fenster auf, schaute nach der Türe und . . . Pum! — — Es war die höchste Zeit gewesen! Während der Stille hatten die Wilden einen neuen Angriffsplan entworfen. Sie hatten gehofft, die Seitentüre öffnen oder ausheben zu können und so, während man sich in der Kolonie unvorsichtigerweise und zu früh der Freude des Sieges hingäbe, eindringen und alles plündern zu können. Ihr Plan roar, nun mit einem Schlage verraten, vereitelt. Afad, einer ihrer Häuptlinge, welcher selbst die Türe hatte öffnen und zuerst eindringen wollte, lag, von der Kugel Williams getroffen, tot vor der Türe. Das war wiederum. ein großer und schmerzlicher Verlust für die Feinde. Sie zogen sich zurück, aber nur ein wenig: sie schienen unter sich zu beraten. Jetzt waren ihrer noch mehr als zuvor. Als sie einig geworden schienen, erhoben sie ein wahrhaft höllisches Geschrei und schickten sich an, nochmals einen Angriff zu wagen. „Mut!" sprach William zu den Seinen, „bis jetzt haben wir ja noch gar keinen Schaden gelitten; sie sehr viel und so lange uns das Pulver nicht ausgeht, haben wir nicht viel von ihnen zu fürchten!" Die Sache , wurde jedoch ernster und gefährlicher, als er gemeint. Der Feinde waren jetzt schon soviele, daß man sie kaum mehr zählen konnte und alle stürmten zu gleicher Zeit heran. Sämtliche fünf Büchsen arbeiteten gut; ein Unglück war es, daß man vergessen hatte, das Fenster wieder zu schließen, das William in der Eile geöffnet hatte und nun war es zu spät! Die Schwarzen hatten das offene Fenster bemerkt, einer war auf den Rücken des andern gestiegen und so bildeten sie eine lebendige Leiter, deren oberste Sprosse eben schon ins Zimmer steigen wollte. — Ein gewaltiger Schlag mit dem umgekehrten Gewehre zerschmetterte ihm den Schädel. Er taumelte zurück. William trat ans Fenster und noch ein wuchtiger Hieb auf den Nächsten verwirrte auch diesem das Gedächtnis. Er fiel zurück und mit ihm die ganze künstliche Leiter. Währenddessen arbeiteten die übrigen noch immer mit ihren Flinten und es waren schon wieder viele der Feinde gefallen. Auf einmal .... Was war denn vorgefallen? — Ein Freudengeschrei erscholl im Lager der Schwarzen. Niemand konnte die wahre Ursache desselben herausfinden. Sie hatten doch schon so viele Tote; auch hatten sie der Kolonie noch keinen bedeutenden Schaden zufügen können. Woher also dieses Freudengeschrei? Bald sollten sie es erfahren. Nachdem sich alle Feinde versammelt, kürz beraten und einen Enschluß gefaßt hatten, rückten sie ziemlich gut geordnet, von neuem heran. Doch: „Was sehe ich?" fragte Anna bestürzt (es war schon etwas hell geworden), „wer find diese zwei, die sie vor sich führen? Sind sie nicht beide gebunden? O, was muß ich sehen! — Ja, ja, jetzt erkenne ich sie; o Himmel, es ist mein Mann und Peter! Sie sind auf ihrer Heimreise in ihre Hände gefallen und nun halten sie die Armen vor sich, auf daß wir, um ja den Unserigen kein Leid anzutun, auch auf sie nicht schießen können! Das ist doch eine wahre teuflische Erfindung! Als die Rotte ziemlich nahe gekommen war, hielt sie an: „Zwei Gefangene befinden sich in unsern Händen," rief ein Häuptling herüber, „zwei für einen! Gebt ihr uns den in die Hände, der soeben dort am Fenster erschien, so geben wir euch diese zwei dafür! Bedenket euch schnell, denn wisset: Tut ihr es nicht, so werden sie, bevor die Sonne noch untergeht, am Marterpfahl erbleichen! Der große Häuptling hat gesprochen!" Das war eine herzzerreißende Szene! Alle in der Kolonie (und das mit Recht) hatten William so lieb gewonnen, daß sie ihn nicht nur als ihren Retter, sondern auch als ihren zweiten Vater betrachteten und sein Heil ihnen nicht weniger als das ihrige am Herzen lag! Anderseits war es ihr wirklicher, innigstgeliebter Vater, Sohn und Bruder, die sich in den Klauen jener Wilden und in höchster Gefahr befanden, am Marterpfahl ihr noch junges Leben unter den grausamsten Qualen enden ^zu müssen. Was war da zu tun ? William dachte ein wenig nach: Ja, sie würden frei gelassen ... die ganze Familie würde überglücklich werden ... die Wilden würden sich mit „ihm" für diesmal begnügen und da der Morgen schon graute, wieder abziehen, ja, ja — — aber — „er" würde statt ihrer an den Marterpfahl kommen! Er würde an demselben um so grausamer gequält werden, je erbitterter die Feinde über ihn wären! Er war es ja, der ihnen den meisten Schaden Zugefügt, den tapfersten Häuptling erschlagen, die tapfersten Krieger erschossen und überhaupt die ganze Verteidigung geleitet hatte. Schon zuckte es in allen seinen Gliedern und Nerven; schon glaubte er die glühenden Stäbchen in Armen und Beinen kreischen zu hören und brennen zu fühlen! Rasch griff er unter den Hut, ob er auch die Haare noch auf dem Kopfe und die Ohren noch an demselben und die Nase noch im Gesichte habe. Doch, sich selbst zürnend ob der Feigheit, der er, wie er meinte, angesichts des Todes sich hatte zuschulden kommen lassen, sprach er entschieden zu den Umstehenden: „Gehen wir den Tausch ein! Ihr werdet so die Eurigen wieder bekommen; die Feinde werden, mit mir zufrieden, abziehen und euch kein Leid mehr zufügen. . . . Was mich und mein Schicksal anbetrifft, macht euch nur keine Sorgen; der liebe Gott wird schon für mich sorgen! Er weiß und lenkt alles! sollte es sein Wille sein, daß ich durch die Hand dieser Wilden umkomme, so sei es so! Betet für mich, damit, sollte es mir vielleicht angetragen werden, ich nicht meinen Glauben verleugne und lieber alle Qualen erleide und tausendmal sterbe, als meinem Gott untreu werde!" — „Papa, was sollen wir tun?" fragte Michel, der heute ganz besonderen Mut zeigte. „Ein guter, tapferer, weißer Mann ist bei uns, er beschützt uns, aber —" „Schießt nur herzhaft zu! Bittet den lieben Gott, auf daß er eure Kugeln lenken möge, so werden sie uns nicht treffen! Und wenn, ja wenn — — cs ist doch viel süßer so, als durch diese blutdürstigen Hyänen umzukommen!" Der Vorschlag war nicht übel. Auch William billigte ihn; wie zu neuem Leben erwacht, atmete er wieder freier, ergriff die Büchse und sich darauf stützend, sagte er: „Nicht wahr, die Wilden sagten, daß, wenn der Umtausch nicht stattfände, diese vor Sonnenuntergang an den Marterpfahl kommen würden? Nun, bis dahin ift’g noch lang. Bis zum Abend kann sich noch vieles ändern! Einstweilen droht ihnen noch keine ernste Gefahr. Die Schwarzen werden auf keinen Fall noch abziehen. Vielleicht gelingt es uns noch, sie auch so . . ohne . . . zu retten und wenn nicht, ja, dann tft’S ja immer noch Zeit." Alles wurde daher wieder auf einen neuen Angriff vorbereitet. Die Feinde rückten, da sie keine Antwort erhalten, wieder heran, die zwei Gefangenen vor sich führend und sich gleichsam hinter ihnen verbergend. William zielte und, dicht über die rechte Schulter Peters sausend, hatte seine Kugel die Brust desjenigen durchbohrt, der, Peter vor sich haltend, herankam. Auch Großpapa hatte einen Meisterschuß getan; er hatte einem Feiglinge hinter den Schultern seines Schwiegersohnes den Garaus gemacht. Beide waren also wieder frei und wären sie nicht so sehr gebunden gewesen, so hätten sie in diesem Augenblicke leicht davonlaufen können. Etwas hatte man doch erreicht, ja sogar vieles. Vater und Sohn standen allein; die dort im Hause konnten also viel ruhiger und sicherer auf die Feinde zielen. Schon begannen diese wieder zu weichen und, da die Gefangenen zu wiederholtenmalen versucht hatten, sich unbemerkt zu entfernen, sprangen zwei kräftige Krieger auf sie los, schlugen sie mehreremale mit ihren Fäusten ins Gesicht und zerrten sie mit sich zurück. Dieses alles wurde von der Kolonie aus gesehen und alle bedauerten unendlich die armen Opfer. „Es geht doch nicht anders!" rief plötzlich William aus, „Gott verlangt das Opfer von mir und so will ich es ihm auch freudig bringen!" Er erwartete keine Antwort, riß das erste Fenster auf, das er sah, sprang mit einem Satze ins Freie und, seine Büchse stolz vor sich haltend, rief er mit lauter Stimme: „Der große Häuptling hat gesprochen! Er möge näher treten und nun auch die Worte des tapfern Weißen vernehmen: Zwei Gefangene befinden sich in euerer Hand; es ist der Familienvater dieses Hauses und sein ältester Sohn. Ich habe Erbarmen mit den ihrigen und will sie retten und, um auch euch eine Genugtuung zu leisten, erkläre ich mich hiermit bereit, den Tausch einzugehen. Eure zwei Gefangenen mögen vortreten bis in die Mitte; sonst darf jedoch keiner mitkommen! Auch ich komme allein brs in die Mitte; dann mögen sie zu den ihrigen gehen und ich komme zu euch. Der tapfere Weiße hat gesprochen!" (Fortsetzung folgt.) Seite 154 Stern bet Neger Nr. 5 Jur schmerzhaften Mutter. (Von Pater Bernard Zorn, Sohn b. hhl. §. I.) V. Gesang. marias Schmerzen beim Verluste Jesu im Tempel. Das Osterfest war wieder angekommen, Wo Josef und Maria hin zum Tempel Jerusalems gingen, um zu beten. So hieß es im Gesetze: denn wozu Auch sonst die lange Reise, da den Herrn, Der dort verehrt, im eig'nen Haus sie bargen? Nach Nazareth vielmehr, zur Wohnung Jesu Es hätten strömen sollen alle Völker! Ja, Sion selbst, der Städte stolze Fürstin, Dort hätt' begrüßen müssen seinen Fürsten! „Du bist zu stolz? ... So will ich selber kommen," Spricht er, „mög'meine Ankunft dir nur frommen!" O, seht ihr dort, zwölf Jahre zählt er erst! Wie er mit Josef und Maria freudig Den Willen seines Vaters eilt zu tun! Die liebsten Lieder ihm sind Davids Hymnen Und Hymnen singend, er zum Tempel zieht. „Mein Herze jubelt," konnt' ich noch verstehen, „Wenn man mir sagt: Zum Haus des Herrn wir sgehen!" Mit welcher Andacht kniet er vor'm Altare! Wie feurig steigt zum Himmel sein Gebet! Der Unbeachtetste ist er von allen: Der Frömmste doch in diesen heil'gen Hallen! Zur Seite ihm die fromme Mutter kniet Und voll Entzücken auf ihr Söhnlein sieht. — Du wunderst dich, daß sie betracht't den Sohn, Anstatt zu schauen auf zum heil'gen Thron? — Bedenke, daß er's ist, der auf dem Throne Dort thronet: er, der aller Fürsten Krone! Maria sieht den Höchsten unverhüllet! Verhüllt die andern kaum im Geist' ihn schauen, Die Augen zu erheben kaum sich trauen! O, selig all', die reines Herzens sind: Maria gleich sie werden Gott anschauen! Und als die Feiertag' vorüber waren, Da kehrten sie zurück nach Nazareth: Nur Jesu blieb zurück im Tempel, ganz allein; Er wird, man glaubt, bei den Verwandten sein! Die arme Mutter! Einen ganzen Tag Schon schmachtet sie nach ihm; sie tröstet sich: „Er wird mit Josef diesen Abend kommen!" Der arme Josef! Einen ganzen Tag Auch er nach ihm sich sehnt; er tröstet sich: „Maria wird ihn führen an mein Herz!" Wie täuschten sie sich beide, als am Abend Vergeblich er bei ihr und sie bei ihm Nach ihrem lieben Jesukinde fragten! „Ich glaubte ihn bei dir!" sprach Josef weinend; „Und ich bei dir!" sprach die betrübte Mutter; „Doch, laßt uns jetzt nur keine Zeit verlieren; Vielleicht ist er nicht weit; komm', laßt uns suchen!" Und die Bekannten, die zur Herberg' kamen, Sie hatten alle Jesum nicht gesehen. O, welch ein Schmerz! Ganz bleich und zitternd standen Sich gegenüber da die armen Eltern! In ihrer Demut jeder glaubt sich schuldig Und jeder klagt sich an: „Ich bin's am meisten!" Schon war die schwarze Nacht hereingebrochen; „Wir können nicht," beginnt Maria schluchzend, Das Haus um diese Stunde mehr verlassen; Gott schütze ihn! Laßt uns zu ihm nur flehen, Und morgen werden wir ihn suchen gehen!" Sie schieden sich; o Gott, welch' eine Nacht!--------- Denkt eine Mutter euch, die ihren Sohn, Die ihre einz'ge Wonne hat verloren! — Und welch' ein Sohn! Der lieblichste Und schönste unter allen Menschenkindern! Ein Mutterhcrz nur kann ihr Leid erfassen; Nur eine Mutter ihren Schmerz empfinden! Doch, was es heißt, den lieben Gott verlieren, Kennt eine Seele nur, die von dem Feuer Der wahren Liebe zu ihm ist entzündet! — Wer also könnt' Marias Schmerz ermessen, Die ihren Sohn und ihren Gott verloren? — Sie liebt' ihn inniger als die Seraphinen; Ihm dient' sie freud'ger als die Cherubinen; Sie liebte ihn aus ihrem ganzen Herzen! Sie diente ihm aus allen ihren Kräften! Er war ihr Leben ja und ihre Sonne, Ihr Augenlicht und ihres Herzens Wonne! Für ihn nur schlug ihr Herz in Freud' und Leid, Bei ihm zu sein war ihre Seligkeit! Nun hat sie. ihn verloren! — — — — — — — — — — — — — — Ihn? — Ja, ihn! Und mit ihm alle Freuden sind dahin! Die Tränen strömen über ihre bleichen Wangen, Sie harrt des Morgens voller Angst und Bangen! Sie kehren um ■— — — — — — — — — — — — — — — Und weinend fragt Maria: Wohl jeden, den sie sieht vorübergehen: „Hast meinen lieben Jesum nicht gesehen?" „Wem gleicht er denn? O holde Himmelsbraut! Wo blieb er wohl? Wir woll'n ihn mit dir suchen!" „Weiß wie die Lilie, wie die reinste Taube! Rot wie die Rosen, wie der Liebe Flammen! Sein Haupt ist schön, umwallt von gold'nen Locken, Sein Lächeln gleicht der holden Morgenröte, Es gleicht dem Licht der neuen Maiensonne! Sein Angesicht — ein Paradies voll Wonne! Dem Morgensterne gleich sein Auge strahlet! Er übersteigt den Libanon an Zierde! Wenn er mir sprach, zerfloß mein Herz vor Freude! Ich wandte mich — — — — — — — — — — —' — — — — Und er ist mir entkommen, Hat alle Freud' und Lust von mir genommen! Ich suchte ihn, konnt' ihn jedoch nicht finden; Ich rief ihn laut, er gab nur keine Antwort! O, Töchter Sions! Ich beschwöre euch Sollt't ihr ihn finden — — — — — — — — — — — — — — O, so saget ihm . . ." Doch niemand den Geliebten hat gesehen! — Und and're fragt sie, immer wiederholend, Was sie so vielen andern schon gesagt. Umsonst! — Sie blickt zum Himmel auf und klagt: „Warum denn hast du mich, o Gott, verlassen? O eile, mich zu retten, denn die Wasser Der Trübsal sind gedrungen bis zur Seele! Vom Weinen sind die Augen trüb geworden, Vor Gram sind eingesunken meine Wangen. Groß bist du Herr, Gott meiner Väter, Ich weiß es; groß, unendlich groß und heilig! Wer bin ich auch, daß ich dich Vater nennen Und deinen Sohn den meinen nennen dürfte? Drum: Hast du mir Unwürdigen ihn entzogen, Ich klage nicht! Nur laß, o Gott, mich wissen, Ob er am Leben sei — und gesund — und wo—" So fleht Maria. — — — — — — — — —-— — — — — — — Fern im Osten steiget Das dritte Morgenrot am gold'nen Himmel. . Schon wieder spielen in des Tempels Zinnen Die ersten milden Morgen-Sonnenstrahlen Und zaubernd sich in derem Golde malen. Und weinend tritt Maria in den Tempel, Dort fand sie ihn, den sie so bang gesucht. Er horchte sinnig auf der Lehrer Wort, Und führte, fragend, das Gehörte weiter. Und alle hörten ihm mit Staunen zu, Wie er stand Red' und Antwort ohne Stocken. Da rief: „Mein Sohn, sprich, warum tatest du Uns das?" Ihm seine Mutter zu, erschrocken. „Ich und der Vater suchten dich mit Pein." Doch er: „Ihr müßtet's wissen und nicht sorgen: In dem, was meines Vaters, muß ich sein!" Doch ihnen blieb des Wortes Sinn verborgen. Geliebter Leser! Sollt'st du einst verlieren, Sei's, wie Maria, ohne deine Schuld Den lieben Jesus oder — — — — — —■ — O such' ihn nur, doch such' von ganzem Herzen; Such' mit Maria ihn . . . du wirst ihn finden! Such' in der Kirche ihn, im Haus des Herrn, Wo er im Tabernakel weilt so gern! Seite 156 Stern der Neger Nr. 5 Verschiedenes. Dr. 3. Cbrysostomus Mittemttrner f. Am 15. April um halb 10 Uhr vormittags starb im Chorherrcnstifte Neustift bei Brixen der P. T. Hochwürdige Herr Dr. I. Chrysostomus Mitterrutzner nach kurzem Leiden und Empfang der heiligen Sterb-sakramente irrt hohen Alter von 85 Jahren. Mit ihm ist einer der größten Wohltäter und aufrichtigsten Freunde der Mission von Zentralafrika, welcher in unerschöpflicher und selbstlosester Hingebung diese Mission seit 50 Jahren auf jede Weise förderte und unterstützte, in das bessere Jenseits hinübergegangen. An seinem Begräbnistage wurde in unserem Missionshause ein Seelengottesdienst mit hl. Kommunion der ganzen Kommunität für dessen Seelenruhe aufgeopfert, und an der Beerdigung in Neustift beteiligte sich der Obere mit allen Professen und Zöglingen. Der Name „Dr. Mitter rutzner", über den wir bereits in Nr. 2 und 3 des II. Jahrganges einen längeren Aufsatz mit Bild veröffentlichten und in nächster Nummer noch mchreres nachtragen werden, wird in der Mission von Zentralafrika unvergeßlich bleiben für alle Zeiten. R. I. P. * * * Die St. Petrus Klarer-Sodalität für die afrikanischen Missionen veröffentlicht soeben einen kurzen Jahresbericht pro 1902, welchem wir Folgendes entnehmen: Zu Schluß des Jahres 1902 bestand die Sodalität aus 4 Niederlassungen, nämlich Salzburg mit dem eine halbe Stunde entfernten Missionshause Maria Sorg, sowie die Stationen Wien, Triest und Rom, deren Griindung sofort nach erfolgter Erlaubnis des hl. Vaters in den ersten Monaten des Jahres durch die General-Leiterin selbst, welche Rom zu ihrem Aufenthaltsorte erwählte, erfolgte. Ferner besaß die Sodalität 7 Filialen — von externen Mitgliedern geleitet, (zwei davon — Prag und Bozen — wurden im Laufe des Jahres errichtet) und 12 von Förderinnen der Sodalität geleitete Ausgabestellen. Der Mitgliederstand stellt sich Schluß 1902 wie folgt, dar: interne Mitglieder 26, externe Mitglieder 57, Förderer und Förderinnen 1842. Von letzteren traten im Berichtsjahre 721 bei. Die schriftliche und rnündliche Propaganda wurde erfolgreich fortgesetzt. 1. Schriftliche Propaganda. Das Organ der Sodalität, die Monatsschrift „Echo aus Afrika" zählte im Jahre 1902 in der deutschen Ausgabe 18,000 Exemplare, das italienische stieg auf 4000, das böhmische auf 2000 Exemplarei die übrigen Auflagen d. h. die polnische und die französische Auflage zählen 4000 und 2000 Exemplare. — Die „Kleine Afrika-Bibliothek" hatte Schluß 1902 eine Auslage von 15,000 Exemplaren aufzuweisen. Seit Januar 1902 erscheint sie auch in italienischer Ausgabe. Auflage: 5000. Im Verlage der Sodalität, zum größten Teil in der Missionsdruckcrei in Maria Sorg hergestellt, in welcher auch das deutsche Echo und die Afrika-Bibliothek gedruckt und von Mitgliedern der Sodalität gefetzt werden, erschienen im Laufe des Jahres folgende Arbeiten: 1. Bericht über das Jahr 1901. 36 Seiten Großoktav mit 3 Illustrationen. 2. Rede der General-Leiterin auf dem Antisklaverei-Kongresse zu Paris 1900 in französischer Sprache. 3. „Die Broschüre:" „Die Sodalität des heiligen Petrus Claver, eine Propaganda-Gesellschaft für Afrika" von Dr. Mioni in polnischer Sprache. 4. Nachruf nach dem f Kardinal Ledöchowski aus der Feder der General-Leiterin, in deutscher, französischer, italienischer und polnischer Sprache. 5. Eine große Anzahl Flugschriften, Flugzetteln, Sühngebete in den verschiedensten europäischen Sprachen. An Werken in afrikanischer Sprache gingen aus der Missionsdruckerei in Maria Sorg hervor: a. Afrikanisches Wörterbuch, englisch — ibo — französisch (Fortsetzung). b. Lesetafeln in der Zulusprache. 2. Mündliche Propaganda. Vorträge. Es fanden im Laufe des Jahres 38 Missionsvorträge in deutscher, italienischer und englischer Sprache statt. Viele derselben wurden durch Projektionsbilder illustriert. Andere Veranstaltungen: 5 Paramentenausstcl-lungen, 2 in Wien, je 1 in Innsbruck, Bozen und München; mehrere Wohltätigkeitsfeste; 5 Theater-Aufführungen, unter letzteren die Aufführung des effektvollen Sklavendrama's „Zaida .das 'Negermädchen" von Gräfin M. Th. Ledöchowska im königlichen Residenztheatcr. zu München in Anwesenheit aller Prinzen und Prinzessinnen des bayrischen Hauses. Stern der Neger Seite 157 Nr. 5 3. Missions Unterstützungen. Unter 24 in Afrika wirkenden Missionsgesellschaften wurden im Laufe des Jahres 1902 die Summe von Kronen 59,721.48 verteilt. 373 Negerkinder wurden ans die, von den Wohltätern angegebenen Namen getauft, 379 Loskäufe wurden durch Almosen ermöglicht. Von den Wohltätern wurden adoptiert, d. h. es wird auch ferner für ihren Unterhalt durch mehrere Jahre hindurch gesorgt: 3 losgekaufte Sklavenkinder, eine eingeborene Ordensfrau und 5 Negerseminaristen, welche zu Priestern herangebildet werden. An die verschiedensten Missionsstationen in Afrika wurden Sendungen an Paramenten, Kultgerätcn, Devotionalien, Effekten im Werte von Kr. 16,842 gemacht. Endlich wurden viele Tausende Kilo gebrauchter Briefmarken in der Sodalität gesammelt und zum Besten der afrikanischen Missionen verwertet. Wer über die Organisation der St. Petrus Claver-Sodalität und über die Aufnahme in dieselbe Näheres zu erfahren wünscht, wende sich um Auskünfte an die Gründerin und General-Leiterin der selben, Gräfin M. Th. Ledöcbowska, Rom, via Giov. Lanza, 129 (Juni — September: Salzburg, Dreifaltigkeitsg. 12., Österreich >. * * * GeMsUreumg für Mika. Die St. Petrus Clav er-Sod alitüt, eine mit besonderer Genehmigung unseres glorreich regierenden hl. Vaters Leo XIII. gegründete und der hl. Kongregation de Propaganda Fide direkt unterstellte, fromme Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, die afrikanischen Missionen aus der Ferne auf jede nur mögliche Weise, durch Zuwendung von Gebeten, von Spenden jeglicher Art und selbst von Berufen zu unterstützen, veranstaltet alljährlich, vor betn Schutzfeste des hl. Josef (3. Sonntag nach Ostern) einen sogen. „Gebetskreuzzug für Afrika". Derselbe besteht darin, daß man durch neun Tage hindurch, allein oder gemeinschaftlich nachfolgendes kirchlich approbiertes „Abbittegebet zum heiligsten Herzen für die Neger Afrikas" verrichtet. Möchten alle treuen Glieder der Kirche, deren Oberhaupt, der hl. Vater zu Rom, sich ja dieser verlassensten seiner Kinder auf besonders liebevolle Weise annimmt, sich Seite 158 Stern der Neger Nr. 5 doch recht eifrig an diesem gemeinsamen Anstürme zu Gunsten unserer, in doppelten Sklavenketten schmachtenden Mitbrüder auf das erbarmungsvollste Erlöserherz Jesu Christi beteiligen. Das nachstehende „Abbittegebet" kann in beliebiger Anzahl, gratis und franko von der St. Petrus Klnvcr-Sodalität, Salzburg, Dreifaltigkeitsg. 12. — Wien, I. Bäckerstraße 20. — Triest, via Sanitä 9 bezogen werden, ebenso von deren Filialen und Ausgabestellen: Innsbruck, Universitätsstr. 3. — Bozen, Obstmarkt 16. — Prag IV. 33. — Breslau, Hirschstraße 33. — München, Türkenstraße 15'II. — Solothurn, Börsenplatz 76. — Luzern, Zürichstraße 53, Abbittegebet zum hlgst. Herzen für die Neger Afrikas. (Auch als Sühnungsnovene vor dem Schutzfeste des hl. Josef zu gebrauchen). Süßester Jesu, Erlöser aller Menschen, sieh' gnädig herab auf die in so tiefes Elend versunkenen Völker Afrikas, die in der harten Knechtschaft der Sünde schmachten. Siehe, wir kommen, um Fürbitte einzulegen für diese unglücklichsten unserer Brüder und um Deine anbetungswürdige Gerechtigkeit zu besänftigen. In Vereinigung also mit allen Dich liebenden Seelen danken wir Dir für die unennlichen Wohltaten, die Du auch diesen Völkern erwiesen hast, und im Verlangen, Deinem heiligsten Herzen Genugtuung zu leisten, bitten wir Dir ab ihren Unglauben, bitten wir Dich um Verzechung wegen ihrer Herzenshärte, beweinen wir alle Sünden, mit denen diese Völker und ihre Vorfahren, angefangen vom unglücklichen Cham bis auf diese unsere Tage, Deine göttliche Majestät beleidigt haben. Zum Ersatz aber und zur Versöhnung bringen wir Dir dar und opfern wir Dir auf unsern größten Schatz, Dein eigenes hlgst. Herz, das von all' diesen Sünden wahrhaft und wirklich gepeinigt wurde. Nimm auch an, damit diese Unbilden wieder gut gemacht werden, die Gebete, Verdienste und Genugtuungswerke Deiner heiligsten Mutter und ihres Bräutigams, des heiligen Josef, oller Engel und Heiligen und der ganzen heiligen Kirche. O laß Dich mild stimmen gegen diese armen Völker, guter Jesus! Erleuchte diejenigen, die noch in der Finsternis und im Todesschatten sitzen. Amen. Heiliger Josef, Vorbild und Beschützer der Verehrer des heiligsten Herzens, hl. Petrus Claver, Patron der Neger-Missionen, bittet für uns und die armen Neger Afrikas! Amen. * * * Die Zeichen der Grauer bei verschiedenen UÖIkerschaTten. :Jedes Glied der menschlichen Gesellschaft, ob es der niedrigsten Völkerklasse oder der höchstgebildeten^Stufe angehört, wird gleich empfinden Freude und Schmerz, nur wird sich die äußere Kundgebung seiner Gefühle verschiedenartig, je nach der Stufe seiner Zivilisation, äußern. Es ist ein charakteristisches Merkzeichen, daß das Naturvolk hierin döm Kinde gleicht. Ein Kind wird das, was sein Gemüt froh oder traurig bewegt, stets in äußere Laute kleiden, als ob der Ton erst seinem Herzen | Lust machen müßte, sei es der jauchzende Ton der Freude oder der Schrei des Schmerzes. Die Geschichte der Völker lehrt uns, daß die Naturvölker, diese urwüchsigen Kinder der Menschheit, ebenfalls der äußeren Kundgebung mehr bedürfen. Je niedriger ' der Bildungsgrad ist, desto geräuschvoller und roher werden diese Gefühlsäußerungen sein. So bekunden sie die Tiefe ihres Schmerzes selbst durch die Verstümmelungen ihres Körpers, als wollten sie noch durch ihren äußeren Schmerz den inneren erhöhen. Die einfachste Art dieser Verstümmelungen lesen wir im alten Testamente, wo die Trauernden ihre Kleider zerrissen, sich die Haare ausrauften und ihr Haupt mit Asche bestreuten. Ferner erzählt uns Ovid, daß Hekuba ihre grauen Haare auf dem Grabmal ihres Sohnes Hektor opferte. Die Hunnen verschnitten ihre Haare bei dem Tode ihres Königs Attila, ehe sie diesen Heldenfürsten in sein feuchtes Grab tin Busento bargen. Noch heute finden wir diese Sitte in Neu-Guinea. Bei einigen Völkerschaften Afrikas ist das Trauerzeichen eine Tonsur. Der Damara trauert mehrere Jahre mit geschorenem Haupt um teure Verstorbene. Ein schmerzhaftes Trauerzeichen sind Wunden, welche der Trauernde auf diese oder jene Weise seinem Körper zufügt. Die Patagonier stechen sich ihre Arme und Beine Mutig; je nach dem verwandtschaftlichen Grade mit dem Verstorbenen werden bestimmte Körperteile verstümmelt. Da wird der Kopf mit Haisischzühnen blutig geritzt, dort werden Narben eingebrannt, selbst Fingerglieder werden bei einigen Stämmen der afrikanischen uud polynesischen Völker auf den Fidschi-Inseln abgetrennt, so besonders den Frauen beim Tode des Herrschers die Zehen! Jene unerhört grausame Sitte hat wohl aufgehört, welche in Indien die Witwen zwang, sich nach dem Tode ihrer Männer verbrennen oder lebendig begraben zu lassen. Stanley erzählt uns von wunderbaren Zeichen der Trauer, welche ihm in fremden Ländern begegnet sind. Da soll sich ein Stamm in Afrika nach dem Tode seiner Angehörigen mit einem Holzkohlenteig das Gesicht bestreichen und muß dieses seltsame Trauerzeichen 2^2 Jahre haften bleiben! Stern der Neger Seite iB9 Nr. B Ebenso entstellen sich die Frauen, vielleicht um dadurch am besten gegen ein neues Ehebündnis gefeit zu sein. Die Chinesen sitzen im Trauerjahre sieben Tage nicht auf den Sesseln, sondern kauern auf der Erde, um durch diese gebückte Stellung allem Außenleben fern zu sein und nur ihrer Trauer zu leben; ebenso bedienen sie sich in dieser Zeit nicht der Eß-stäbchen, sondern der Hände beim Essen. In Japan werden die Gewänder zum Zeichen der Trauer von innen nach außen angezogen, was uns karnevalistisch berühren würde. In Tibet ist das Tragen von Seide und Schmuck verboten. Ein Koreaner muß drei Jahre nach dem Tode der Eltern sich von allem Verkehr fernhalten, während eine Philippinenfrau sieben Jahre um ihren Mann trauern muß. In Cochinchina werden Trauergewänder nicht umsäumt, sondern hängen fransig herab. Eine entsetzliche Sitte herrscht auf den Andamanen; dort muß die Frau den Schädel ihres Mannes um den Hals tragen. Bei den Ainos muß sieben Tage geweint werden und damit die Tränen reichlicher fließen, schlagen sich die Männer gegenseitig mit dicken Knotenftöcken, doch muß ein darauffolgender Leichenschmaus „die Leiden vergüten". Derartige Leichenschmäuse sind bis auf den heutigen Tag auch in Deutschland noch vielfach auf dem Lande üblich, wo dadurch die Trauerfeier oft in einem wüsten Gelage endet. Was die äußeren Kundgebungen der Trauer in der Farbe der Gewänder betrifft, so ist die übliche Trauerfarbe nicht überall die schwarze. Die Suluhs umhüllen ihr Haupt mit einem weißen Turban; weiß ist die Trauerfarbe der Chinesen, Japaner und vieler Negerstämme. Auch die Polen umrändern ihre Trauersachen mit einem weißen Vorstoß. Die Guaycums benialen in der Trauer ihren Körper nicht mit Bunten Farben; die Araberin darf viereinhalb Monate ihre Finger nicht mit Henna färben. Der australische Papua trägt als Zeichen der Trauer eine Schnur um den Hals, die Witwe ein bis zu den Knien reichendes Gewand. Einige Jndianerstämme befolgen die originelle Sitte, sich die Tränen selbst unter die Augen zu malen. Auch schon im alten Rom schrieb das Gesetz den Untertanen, besonders den Frauen, eine bestimmte, innezuhaltende Trauerzeit vor, wohl auch aus dem Grunde, um die zu schnelle Wiederverheiratung zu verhindern. Wenn wir nun auch bei uns keines Gesetzes bedürfen, welches uns die Trauer diktiert, da nur das eigene Herz uns hier die Grenze zieht, so herrscht doch die althergebrachte allgemeine Sitte, eine schwarze Traucrkleidung für eine bestimmte Zeitdauer anzulegen, da die schwarze Farbe bei Europas zivilisierten Völkern als düsterste, passendste das Anzeichen des Schmerzes ist. Aber der Schmerz liegt nicht im Trauerkleide, es ist dies, gleichsam nur die passende Umrahmung des Schmerzes, eine Mahnung, welche uns von Lust und Freude ausschließt und zum Mitgefühl auffordert. Deshalb sollte und müßte auch jedes Trauerkleid schlicht und einfach sein, ohne daß die Mode ihren Trauerkultus dabei feiert. Das tiefste Zeichen des Schmerzes — ob mit, ob ohne Trauergewand —• bleibt allüberall die Träne, die, vom Herzen aufsteigend, unaufhaltsam dem Auge entquillt. * * -i- Eine Bitte hätte ich an die hochwürdigen Herren K a p l ä n e, Kooperatoren, Pfarrer rc. rc., denen einige Werke von irgend einem Kirchenvater die Bibliothek überfüllen, und die vielleichtdoch selten Zeit haben, sie zu benützen! O! wenn die «Summa Theo- logica Sancti Thomae»-------------Wir arme Patres hier haben in unserem Bibliothekchen nicht ein einziges Exemplar von solchen Büchern und sie wären uns doch so notwendig! Wenn sie auch schon ziemlich alt und abgenützt sein sollten; macht nichts! Immo, um so besser! Um so ehrwürdiger sind sie und geben ihren Spendern ein umso löblicheres Zeugnis! Schon im Voraus meinen besten Dank und herzliches „Vergelts Gott!" Gebelserhörungen und Empfehlungen. i'£ Aus Vorarlberg. Ersuche Ihnen recht herzlich, es in einem Hefte zu veröffentlichen, daß mir durch die Fürbitte der ll. Muttergottes, des hhl. Herzens Jesu und des hl. Josef in einem großen Seelenanliegen geholfen worden ist. — Bitte nach meiner Meinung dort auch noch eine hl. Messe lesen zu wollen. — Beiliegende Gegenstände sende ich Ihnen aus Dankbarkeit gegen das hhl. Herz Jesu und Seine unbefleckte Mutter. (Ungenannt.) Krefeld. Das hhl. Herz Jesu hat geholfen! Mir war ein ziemlich wichtiges Schriftstück abhanden gekommen. Ich empfahl mich dem hhl. Herzen Jesu und der lieben Muttergottes und habe es bald wiedergefunden! N. N. Aus Tirol. Nor allem bitte ich Sie, doch nur meinen Namen nicht zu veröffentlichen! Mit dem Übrigen können Sie machen, was Sie wollen. Also: Ich hatte mehrere große Anliegen und dachte so bei mir, wenn ich auch nur in einem, oder menu's sehr gut gehen würd', in zweien erhört würde, wäre ich schon glücklich. Aber das hhl. Herz Jesu und die unbefleckte Mutter, zu denen ich mich voll Vertrauen gewendet, haben alle meine Hoffnungen übertroffen. Ich hatte nämlich schon seit langer Zeit ein großes Seelenleidcn, auch wurde ich von so lästigen Versuchungen geplagt. Gott sei Dank, bin ich wieder ganz ruhig und glücklich geworden. — Und bann: Betete ich schon lange für einen Gewissen, der (nun ich will es Ihnen offen sagen) auch sehr krank an der Seele war. Ich hatte aber nicht besonders große Hoffnung. Trotzdem scheint es, daß es schon bedeutend besser mit ihm steht. Auch dafür sei dem lieben Gatt und Maria gedankt. — Und dann bin ich auch noch in drei anderen, wichtigen Angelegenheiten erhört worden, sage sie aber nicht gern, denn man könnte' vielleicht auf meinen Namen kommen und das hab' ich nicht gern. — Bitte nochmals, wenn Sie diese Gnadenerhörnngen veröffentlichen wollten, doch nur meinen Namen und Wohnort zu verschweigen! N. N. aus N., Abonnent des „Stern der Neger." * * * St. Martin. N. N. bittet uns dringend, folgende Anliegen dem hhl. Herzen Jesu und Sesner unbefleckten Mutter anzuempfehlend a) um, wenn cs so Gottes Wille ist, eine bessere Gesundheit: b) in verschiedenen Familien-Angelegenhciten. Österreich. Euer Hochwürden! Ersuche freund- ! lichst nm Aufnahme folgender Zeilen in die Reihe i der Gebetsempfehlungen und um ihre Fürsprache vor dem hhl. Herzen Jesu und Mariä und auch vor dem hl. Josef in meinen Anliegen. — (Bitte, sie nicht zu nennen!) — Da nun schon auf Ihr frommes Gebet so manche in ihren Nöten beim hhl. Herzen Jesu und Mariä Erhörung gefunden haben, so wende auch ich mich vertrauensvoll in meinen besonderen Anliegen, in denen mir nur mehr der liebe Gott helfen kann, an sein hhl. Herz, und bitte auch Sie, Ihr Gebet mit dem mcinigen vereinigen zu wollen, auf daß der liebe Gott mir recht bald Erhörung schenken möge. — Wenn ich meine Bitten erfüllt sehen werde, will ich es veröffentlichen und mich auch bei Ihnen dankbar bezeigen. Eine Leserin Ihrer Zeitschrift. * * * Zur gef!. Beachtung! Teilen hiermit unsern verehrten Abonnenten mit, daß wir fortan immer in der obigen Weise verfahren werden, da dieses für Sie einen doppelten Nutzen hat: 1. Werden Sie so vergewissert, daß Ihr Schreiben rc. auch richtig angekommen ist, 2. Und das wird Ihnen ganz besonders angenehm sein — erhalten Sie nicht nur unser, sondern auch das Gebet aller unserer Abonnenten und Leser! Das ist viel! Denn, wenn cs wahr ist, und es ist ganz sicher wahr, daß, wo zwei oder drei im Namen Jesu zusammen beten, Jesus in ihrer Mitte ist, um sie zu erhören: um wieviel mehr wird Er zugegen sein und uns erhören, wenn unser mehr als 5000 zusammen beten! Mir Sie eingesandten Gaben sagen wir den edlen Spendern unsern innigsten Dank und versprechen Ihnen, auch fernerhin nach Kräften Ihre Anliegen dem hhl. Herzen Icsn und der unbeflechlen Gottesmutter anzuempfehlen. Für die Schriftleitung: Anton v. Mort. — Druck von A. Weger's fb. Hofbnchdruckerei, Brixen.