Nr. 81. Dienstag, 12. April 1887. 106. Jahrgang. Al!M'UN"ati°n5prllS: Mit PostVersendung: ganzjährig fl, 1», halbjährig fl. 7,50. Im Comptoir: »an.,,c,hli,, sl, il, halbicihli,, sl, 5,b0, ssür bic ZustcNuxss in» Hau? ganzjährig ft, l. — Insertlonöarbür: yür '>"ne Inserate l>i« z» 4 ^cilcn 2ü lr,, «rohere per ^ciie ü tr.; bei oftercn Wiederholungen pr. Zeile 8 lr. Die „Lalbacher Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» unb Feiertage. Die NbMiniftration befindet sich Ncihnhofgasse !5. die Mtdactiuu Wi^ncrstraßc 15, — Unftanlitrt« Vriest werden nicht angenommen unb Wanuscviple nicht zurückgestellt. "Amtlicher Hheil, «,„ Se. k. und k. Apostolische Majestät haben mit ^höchster Entschließung vom 3. April d. I. allcr-Madigst anzuordnen geruht, dass dem Kladruber Hof-Mlitsdirector Johann Ritter von Vieten anlässlich ^ von ihm erbetenen Versetzung in den bleibenden ^llhestand in Anerkennung seiner mehr als vierund-^. Mähngen eifrigen und ersprießlichen Dienstleistung 'e Allerhöchste Zufriedenheit bekanntgegeben werde. . Der Präsident der k. k. Finanzdirection für Krain M den Rechnungsassistenten Valentin Vojvoda zum ^kHnungsosficial und den RechnungspraKikanten Franz ^^zum Rechnungsassistenten ernannt. Nichtamtlicher Theil. Der Stoßballen in Ccntral-Asien. c>. Während die letzten Monate her die Kriegs- und Lebensfrage mbetreff Europa's mit einer nerven-"°1pannenden Gründlichkeit erörtert worden, hat man ." Vorgängen außerhalb unseres Welttheils nur ge-lnge Aufmerksamkeit geschenkt. Ueber die Furcht, dass h.'^chst trotz aller Bemühungen der Diplomatie um ^ Erhaltung des Friedens auf den Kreidefeldern der Kampagne und in den Waldschluchten um den Bel-^"er Pass die Kanonen von selber losgehen könnten, m^ dass ein brennender Funke dem orientalischen ^ uverfasse zn nahe kommen möchte, hat man es nahezu fall« ' ^^ mittlerweile im ferneren Osten sich cben-^." drohende Gewitterwolken zusammengeballt. Man mutierte ^^ ^lcgraphischen Nachrichten der englischen ^ "ter ans Aritisch-Indien und jene der russischen aus stan ^k" über die politische Gährung in Afghani-H ' vhne von denselben eingehender Notiz zu nehmen. sj"Aerade lauten aber diese Meldungen so ernst, dass u»z tsi einer näheren Betrachtung wert sind, trotz der unk c!^ "äher liegenden europäischen Verstimmungen ^Wicklungen. quell "" ^ene aus zwei ganz verschiedenen Bezugs-Neb ^ ^lumende Nachrichten begründet sind. und ihre ei^ llistimmuug ^^^ ^^ annehmen, so ist wiederum T>iez ^s^ regelrechte afghanische Frage im Anzug. ^trM handelt es sich allerdings nicht um einen NrnL >- ' ^n ^ beiden rivalisierenden asiatischen «.^'ächte. England-Indien und Russland, direct auf- geworfen haben, sondern um eine afghanische Frage im strengsten Wortsinne. Bei der eigenthümlichen Stellung des Emir Abdurrhaman und in Betracht der geographischen Lage seines Gebietes als Stoßballen zwischen jenen beiden rivalisierenden Mächten, würde es jedoch nicht lange anstehen, bis die Frictionen zwischen der Interessenpolitik des neuen Herrschers in Central-Asieu und der Gebieter über Britisch-Indien wieder sehr ernster Natur werden und neuerdings in den britischen Landen der Spuk einer russischen Invasion ins indische Grenzland den gesunden Nachtschlaf stören wird. Vorläufig berichtet man freilich nur von einem Aufstand unbotmäßiger afghanischer Clane gegen ihren Souverän, den von England eingesetzten Emir Abdnr-rhaman. Solche Aufstäube gehöreu in Afghanistan zu den regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen; Verfassung und Gesittung entsprechen dort heute beiläufig jenen Zuständen, wie sie nach deni Aussterben der Karolinger in Mittel-Europa gewesen sind. Die Stammhäuptlinge leisten ihrem Herrscher zwar Heerfolge in einem großen Kriege, wollen sich aber zur Friedenszeit seinen Befehlen lind Gesetzen nicht fügen. Die politische Opposition arbeitet dort nicht mit Parlamentsreden, sondern mit dem Schwert uud der Lanze; das Faustrecht durchbricht allerwärts das Staatsrecht und die nominell despotische Gewalt des Fürsten reicht eben nur so weit, als seine Machtmittel Gehorsam erzwingen können. Es war so in dem Grenzgebiete zwischen Turau und Indien, seit die starke Hand der Mongolenkaiscr erlahmt ist, und ließe sich nur bessern mittelst einer durch mehrere Generationen fortgesetzten energischen und planmäßigen politischen Erziehung des Volles. Dazu hat aber Abdurrhaman nicht die Veranlagung, und wenn sie ihm geworden wäre, hätte er nicht die nothwendige Ruhe, um ein neues System anzubahnen. Dieser Bundesgenosse Englands hat vollauf zu thun. die jeweiligen Gefahren, welche der Tag bringt, zu bestehen und ist nicht einmal diesen gewachsen. So lange die localen Aufstände eben nichts anderes waren als Putsche, welche, aus örtlichen Ursachen entsprungen, außer Zusammenhang standen mit der großen Politik Planmäßig von einem europäischen Centrum aus regierter Gebiete, ließen sich dieselben immer wieder beschwören, sei es durch die Gewalt der Waffen, sei es durch ein Compromiss. Anders ist es geworden, seit die Rebellen gegen den von Calcutta aus subventionierten Bundesgenossen der Kaiserin von Indien eine Anlehnung finden in dem an Afghanistan angrenzenden russischen Turan. Seit das russische Turkmenengebiet seine Vorposten bis in die Nähe von Herat und von Balksch vorgeschoben, gewinnt jeder Aufstand in Afghanistan den Charakter einer Bewegung, die jedenfalls zum Vortheile Russ« lands sich vollzieht, wenn dies auch nicht immer auf dessen Rechnuug geschehen mag. Durch die Ausdehnung der Transkaspi-Eisenbahn über den Oxus bis in das Herz von Bokhara und durch die Errichtung einer russischen Dampferflottille auf dem Oxus ist der ganze Nordstrich des afghanischen Gebietes der Anziehungskraft des nordischen Riesenreiches verfallen. Sie macht sich dort huudert- uud tausendfältig geltend, und sie ist es, die jeder Bewegung in Afghanistan einen bedrohlichen Hintergrund gibt. Der Stoßballen, welcher das Aufeinanderprallen der beiden rivalisierenden asiatischen Großmächte verhindern sollte, schwächt und zerbröckelt sich im Norden derart, dass ein wirklicher Vorstoß von dorther zunächst den Ballen zertrümmern würde, der ihn aufhalten sollte, um dann die Macht zu bedrohen, welche durch den Stoßballen sich zu schützen vermeint. Wenn gegenwärtig wieder von einem Handstreich auf Herat, von einer Occupatiou des afghanischen Turkestan von dem angrenzenden Bokhara aus gesprochen wird — die anglv'indischen Blätter bringen solche Schreckbilder gegenwärtig entsprechend der Vorliebe ihrer Leser für das drastisch Gruselige beiuahe in jeder Nummer — so ist niemals mehr die Rede von der Möglichkeit, einem derartigen Eingriffe in die britische Machtsphäre rechtzeitig und erfolgreich begegnen zu löuuen. Man hat eben von britischer Seite die kostbare Zeit verpasst, welche Russland zur Anlage seiner transkaspischen Eisenbahn und zur regelrechten Installiernng in dem durch die Grenzregulierung endgiltig erworbenen Landstriche so umsichtig uud energisch benützt hat. Jetzt, da es zu spät ist, sieht man sich neuerdings unter veränderten und weit ungünstigeren Verhältnissen der Eventualität gegenübergestellt, dass die afghanische Frage von neuem aufgerollt wird und in ihrem Gefolge auch die indische lebendig werden könnte. Meldet man doch, dass schon jetzt in allen muhamedanischen Distlicten Derwische herumziehen, welche den heiligen Krieg predigen und die Erlösung vom Drucke der Fremdherrschaft prophezeien. Feuilleton. Anthropologische Forschungen. ^z y? ^- Februar 1870 versammelte sich infolge llh^ Aufrufes österreichischer Gelehrter eiue Gesell« sphijh bvn Männern aus den verschiedensten Berufs» ^lvlli^ ^^ ""en Verein uuter dem Namen «Anthro-lan^''He Gesellschaft in Wien» zu gründen. Der be-^l- Ka s unvergessliche Gelehrte, Hofrath Professor Netsg ^ Rokitansky. eröffnete die erste constituiereude ^iirfe "9 "^ ^'"^ glanzvollen, durch philosophische Ansftl^un,d wissenschaftliche Klarheit ausgezeichneten ^dell g^' '? welcher Zweck und Umfang des zu grünhätte h. Gilles auseinandergesetzt wurden. Darnach 3^chlick Gesellschaft vorzüglich drei Richtungen der "llthry^". Erkenntnis zu Pflegen, und zwar die ^noa^u^ oder Rassenlehre im engeren Sinne, die , La?' ""d d« Urgeschichte, y steten «Skwlg h"l es gedauert, bis diesen wenig Mlnerll^, !ss"'schaftcn w fast allen Ländern jene ^ahe.^lelt geschenkt wurde, die sie in so vollem ^,t ^ Dienen und der ihnen vermöge ihrer Wichtig-<^MtM, nötige Beurtheilung aller menschlichen Mten ;! 6/vürt. Der Aufschwung dieser Wisseu-lw "unien is. '" lehr später Zeit erfolgt; kaum drei w "Hen d Z h". dass man der Wissenschaft vom w es die m^""" «Authropologie. gegeben. Früher Anschlichen n, °s"phie, welche die geistige Seite der ^^Nicn „nz. c!!^ ä" erforschen trachtete, während die ^" und M^ogen den Körper in seine Theile d»e Lebenserscheinungeu zn ergründet« suchten. Sprachforscher, Archäologen, Geologen und andere zogen den Menschen in den Kreis ihrer Forschungen, doch fehlte ein inniger Verband zwischen ihren Untersuchungen, welcher für das Gedeihen des Ganzen, für die Erkenntnis der anthropologischen Gesetze unumgänglich nothwendig ist. Schon die hervorragendsten Geister des classischen Alterthums hatten sich mit der Stelluug des Menschen im Reiche des Organischen beschäftigt. Sie fanden ihn an der Spitze der Schöpfuug uud machten namentlich die große Frage nach dem «Woher seines Geschlechtes» zum Gegenstand der Forschuug; eiue Frage, die trotz des ungeahnten Aufschwunges der Anthropologie und ihrer Hilfswissenschaften auch heutzutage ungelöst ist und allem Ascheine nach auch in der Zukunft ungelöst bleiben wird. Die Frage aber nach der Zeit des Erscheinens des Menschen auf der Erde und wie er auf den hohen Gipfel gekommen, auf dem wir ihn heute erblicken, das zu untersuchen, hat man früher unterlassen. Während heute der Authropologe den Menschen nach seiner körperlichen nnd geistigen Natur zu erforschen trachtet, studiert der Ethnologe die Entwicklung des menschlichen Geistes in religiöser, sittlicher, socialer und politischer Beziehung, wogegen der Urgeschichtsforscher sich mit der Frage nach der Zeit des Erscheinens des Menschen auf der Erde und mit seiuen Culturzuständen in der fernsten Vorzeit uuseres Geschlechtes, wo uus die überlieferte Geschichte in Stich lässt, beschäftigt. Es drängt sich wohl vielen die Frage auf, wie war es möglich, dass diese Forschungen, die jetzt in fast allen Ländern mit ungewöhnlichem Eifer betrieben werden uud zur Gründung zahlreicher anthropologischer Gesellschaften und zur Anlegung großer kostbarer Sammluugen führten, verhältnismäßig erst fo spät begonnen wurden. Zunächst war es der Aufschwung der Naturwissenschaften im allgemeinen, der den Anstoß dazu gab. Insbesondere hatte sich in der Geologie eine andere Ansicht von der Geschichte unserer Erde Bahn gebrochen. Nicht gewaltsame Ereignisse und allgemeine Umwälzungen, die alles Bestehende zerstörten und wiederholt neue Schöpfungen hervorgehen liehen, haben die Erdoberfläche nmgestaltet, sondern die Ver« änderuugen. die sich uus in den einzelnen Perioden der Erdgeschichte zeigen, sind allmählich entstanden dnrch die noch wirkenden Kräfte der Natur, freilich in sehr langen Zeitabschnitten. Auch die Pflanzen und Thiere der Vorwelt haben sich bei genauer Prüfung nicht so verschieden von den heute lebenden gezeigt, dass man nicht zugeben könnte, es hätten einige wenigstens ihr Leben aus der Vorzeit bis in die Gegenwart gerettet. Ferner erwies sich die Annahme als falsch, dass nur die gegenwärtige Schöpfung durch die höchste Entwicklung des thierischen Lebens ausgezeichnet sei, durch den Menschen, dessen Spuren in der Vor« zeit sich nicht fänden, seit Schmerling 1830, Boucher de Perthes uud andere in den in der Folqe für die Urgeschichte des Menschen so berühmt gewordenen Höhlen Belgiens, in den Ablagerungen des Somme-thales ?c. neben Resten von misaestorbeneu Sauge-thieren auch menschliche Gebeine unter Umstanden fanden, die ein gleiches Alter beider bewiesen. Seit diesem Fortschritt begnügte man sich nicht mehr. Menschen, Thiere und Pflanzen so zu lennen, wie sie uns erscheinen, sondern man suchte von nun an Laibachcr Zeitung Nr. 81_______________________________________678______________________________ ______ ^ 1^ April 1887. Die Thätigkeit der Gewerbe - Inspectoral. Der jüngst erschienene dritte Bericht über die Amtsthätigkeit der k. k. Gewerbe-Inspectoren im Jahre 188« bietet viele hocherfreuliche Lichtpunkte. Es ist darans zu ersehen, dass diese Einrichtung, welche erst vor vier Jahren ins Leben getreten, immer festeren Boden gewinnt, immer tiefere Wurzeln schlägt Das Allsehen der Oewerbe-Inspectoren. welche anfangs von den Gewerbe-Inhabern sowohl als auch von den Arbeitern vielfach mit scheelem Augc betrachtet wurden, hat durch ihre bisherige ersprießliche, gemeinnützige und humane Thätigkeit bedeutend gewonnen. Die einen wie die anderen erkennen ihren Irrthum, dem sie sich hin» gaben, indem sie den Gewerbe - Inspector als den grundsätzlich»,'!! Gegner ihres eigenen und als den Anwalt des anderen Standes betrachteten. Es gibt aber auch iu der That keiuen größeren Irrthum als diesen. Die Gewerbe-Iuspectoren theilen Sonne und Wind gleichmäßig zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, wahren die Interessen der einen wie der anderen mit gleicher Aufrichtigkeit, lassen ihre sachliche Einsicht, mit welcher sie ihre Vorkehrungen treffen, zugunsten dieser wie jener walten. Sie halten sich streng an die Be» stimmuug des Reichsgesetzes vom 17. Juni 1883, welche lantet: «Bei Erfüllung ihrer Anfgabe sollen die Ge-Werbe-Inspectoren bemüht sein, durch eine wohlwollend controlierende Thätigkeit nicht nnr den als Hilfsarbeiter beim Gewerbe in Verwendung stehenden Personen die Wohlthaten des Gesetzes zu sichern, sondern auch die Gewerbe-Inhaber in der Erfüllung der Anordnungen, welche das Gesetz an dieselben stellt, taktvoll zu unterstützen, zwischen den Interessen der Gewerbe-Inhaber einerseits und der Hilfsarbeiter anderseits, auf Grnnd ihrer fachlichen Kenntnisfe und amtlichen Erfahrungen, in billiger Weise zu vermitteln und sowohl den Arbeit« gebern als den Arbeitnehmern gegenüber eine Vertrauensstellung zu gewinnen, welche sie in den Stand setzt, zur Erhaltung und Anbahnung gnter Beziehungen zwischen den beiden Kategorien beizutragen.» Die gewissenhaft kluge Ausführung dieses Programmes seitens der Gewerbe-Inspectoren ist das Geheimnis des bereits überaus günstigen Erfolges ihrer bisherigen, noch nicht ganz vierjährigen Wirksamkeit, durch welche sie sich das Vertrauen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer fast allgemein im hohen Grade erworben haben. Der Inhalt ihrer Berichte über ihre Amtsthätigkeit im Jahre 1886 legt eine sehr beredte Zeugenschaft ab sowohl für den weiten Umfang als für die Ersprießlichkeit ihrer Thätigkeit, welche den praktischen Zwecken in anerkennenswerter Weise Rechnnug trägt, dabei aber stets auch die höheren moralischen und hnmanen Zwecke fest im Auge behält und auf deren wirksamste Förderung mit größter Entschiedenheit hinarbeitet. Namentlich ist es die Fürsorge für den Schutz des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter, sowie für die Verbesserung ihrer materiellen Stellung nnd für ihre Versorgung in Fällen von Krankheiten, Verunglückungen, der Arbeitsunfähigkeit und des Greiscualters, welche den Gewerbe-Inspectoren die dankbare Anerkennung eines so großen Theiles der arbeitenden Beuölkernng sichert. Hiebei darf aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass die bezüglichen Bestrebungen der Gewerbe-Inspectoren ein bereitwilliges Entgegenkommen und eine kräftige Unterstützung seitens.einer großen Anzahl von Arbeit- gebern, namentlich in der Großindustrie, finden, welch hocherfreuliche Thatsacke selbstverständlich besouders schwer wiegt nnter den verschiedenen Momenten, die bei der Lösung der großen socialen Frage der Gegenwart in Betracht kommen. Wir können diese Würdigung der bisherigen Erfolge der Gewerbe-Inspectoren nicht besser schließen, als indem wir ihr dasjenige Urtheil über diese Erfolge anrechnen, welches der k. k. Central-Gewerbe-Inspector Hofrath Dr. Migerka iu seinem Vorlageberichte an den Herrn Handelsmimster in die Worte zusammenfasst: «Die schon in den Vorjahren betonten thatsächlichen Erfolge der Gewerbe-Inspectoreu haben sich im Berichtsjahre unzweifelhaft vermehrt. Es bezeugen dies die mit der gewissenhaftesten Treue erstatteten Einzel-berichte. In erheblich größerer Zahl sind Unfallsqnellen und die Arbeitskraft lähmende, ihre Dauer kürzende Schädlichkeiten im Gewerbebetriebe beseitigt. Es mehrten sich die Etablissements, in welchen nunmehr an Stelle der Willkür die Autorität des Gesetzes herrscht und geregelte uud geordnete Zustände zn verzeichnen sind. Wohlthuend berührt die gesteigert hervortretende Bethätigung echt menschenfreundlicher Denkweise. In erhöhtem Maße waren die Gcwerbe-Inspectoren in der Lage, ihres Friedensamtcs zu walten uud deu Arbeitern sich als aufrichtige, auch bittere Wahrheit nicht scheuende Frennde zu erweisen. In gleichem Maße zeigt die lebhaftere, noch mannigfacher geartete Inanspruchnahme der Gewerbe-Inspectoren seitens der Arbeitgeber für deren erhöhtes Vertranen. Der iu Tausenden von Einzelleistuugen sich äußernde Gesammt-erfolg berechtigt zu der zuversichtlichen Annahme, dass es dem von demselben Geiste beseelten, von gleichem sittlichen Ernste getragenen Wirken der von den Behörden in entsprechender Weise unterstützten Gewerbe-Inspectoren gelingen wird, dem erhabenen, im Interesse des gesellschaftlichen Friedens gelegenen Ziele einer würdigen Gestaltung des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nnd des Sichdeckens von Recht und Pflicht im Bereiche des Denkens und Handelns der beiden Classen, sich immer mehr zn nähern.» (Verhandlungen der Quoten-Deputationen.) Das zweite Nuntium der ungarischeu Quoten-Deputation beharrt bei dem Antrage der Auf> lassung des Präcipuums für die Militärgrenze nnd der Regelung einer einheitlichen Quote für die ungarischen Länder. Das Nnntium bemängelt an dem Operat der österreichischen Quoten Deputation, dass dieselbe auch das zehnte Vergleichsjahr (1885) zur Grundlage der Erträgnisse der österreichischen Länder genommen hat, wiewohl die Schlussrechnung vom obersten Nechnnngs-Hofe noch nicht abgeschlossen ist. Anch bemängelt das Nuntium die Ausscheidung verschiedener Steuern im Gcsammtbetrage von 39 Millionen ans der Feststellung der Steuereinnahme. Das Nuntium schlägt für die Fortsetzung der weiteren Verhandlungen den mündlichen Verkehr vor, nnd die ungarische Quoten Deputation stellt sich zn diesem Behufe vom 14. d. M. an zur Disposition der österreichischen College». Seitens der österreichischen Deputation wurde auf diesen Vorschlag eingegangen. (Der' er'ste General - AdjutantSr. Ma ^ jestät des Baisers.) Die seit dein Tode des FZM. Freiherr» von Mondel erledigte Stelle eines ersten Geucral-Adlutautcn Sr. Majestät des Kaisers ist n""" mehr besetzt worden, indem dieselbe dem Connnandall' ten der vierten Cavallerie-Brigade in Budapest, FÄl^ Eduard Paar, verliehen wurde. Graf Eduard Pa^ wurde am 5. Dezember 1837 geboren, hat demnach da» 50. Lebensjahr noch nicht vollendet. Derselbe entstamm» als dritter Sohn aus der Ehe des Fürsten Karl P"" mit Ida Leopoldine Prinzessin Liechtenstein und ist e»> Bruder des gegeuwärtigeu Majoratsherrn Karl Fürstc» Paar. geboren am 7. Juli 1834. sowie ein Neffe des Botschafters beim Heiligen Stuhle, Grafen Ludw'g Paar. Graf Eduard Paar, der unvermählt ist, bekleidet deu Rang eiues Feldmarschall-Lieutenants seit 2. N"-vember 1884. (Wahlreform in Mähren.) Wie «Hlas Naroda» berichtet, wurde der Antrag des Abgeordneten Dr. Fauderlik, betreffend die Wahlreform in Mähre», vom Abgeordneten Dr. von Meznik im czechischcn Abgeordneten Club angemeldet nnd von diesem acceptiert» Die Clubmitglieder hätten denn anch den Antrag uutel" fertigt. Die «Politik» constatiert, dass der Wahlreforin-anlrag Fanderlik auch mit Wisseu uud Zustimmung des Executivcomitis der Rechten eingebracht wurde. (Die Serben in Ungarn) halten Mit^ dieses Monats drei große Wählerversammlungen ad. Die Anhänger der radicalen Nichtuug werden sich, w^ man aus Neusatz schreibt, am 19. d.M. in St. Tomas versammeln und dabei aussprechen, dass sie bei dein sogenannten Programm von Becskerek vom Jahre 1^6" verharren — ohne Rücksicht darauf, dass durch die sw 18 Jahren veränderten politischen Verhältnisse kein ein/ ziger Punkt dieses Programms mehr durchführbar is'' Die serbischen Anhänger der liberalen Partei des Reichs tages werden im Verlaufe der nächsteu Woche in Zombol nnd in St. Ivan Versammlungen abhalten, um s^ über das Verhalten während der Wahlen wie über die Candidaten zu besprechen. (Balkan-Conföderation.) Wir haben'" unserem Samstag.Artikel «Russland und Bulgarie"' der Gerüchte Erwähnung gethan, welche über eine be-vorstehende Balkan - Konföderation, eine VereiniglH Serbiens, Rumäniens nnd Bulgariens, in jüngster Ze> wieder intensiver auftreten, nnd auf die Bedeutn^ einer solchen Confö'deration für die Unabhängig^' Bulgariens hingewiesen. Doch haben wir dies als ei»e Frage der Zuknnft bezeichuet, deren Entscheidung nia" sich nnr schwer im Zusammenhange mit dem g"^" Tisch allein denken könne. In vollkommen corresp^ dierender Weise äußerte sich auch der in Wien weilet" bulgarische Instizminister Dr. Stojlov einem Interviews des «Standard» gegenüber inbetreff der Balkan-«^ föderation: «Unser Vertreter in Bukarest ist ein jM'^ Mann von kanni sechsmonatlicher Erfahrung im dip ^ matischen Dienste nnd gewiss nicht die geeignetste P^ sönlichkeit, über eine so wichtige Sache zn unterhai'd^ In Serbien haben wir wohl einen erfahreneren ^ präsentanten, allein anch dort ist dieses Thema niema berührt worden. Ich bin der Meinung, dass ^ Vallan-Conföderation nicht am grünen Tische nnd Nlw durch Verträge geschaffen werden kann, sondern nur a ' dem Schlachtfelde, wenn einmal die Balkanstaaten 9. zwnngen sein werden, gegen einen gemeinsamen F^ zu kämpfen.» , zu erforschen, wie sie entstanden sind und die Reihe von Veränderungen zu erfahren, die sie bis heute durchlaufen haben. So mächtig, wie jetzt der Mensch der Natur gegenübersteht, ist er niemals vorher gewesen. Die Urgeschichte, welche die Spur des Menschen in eine Zeit zurück verfolgt, die jenseits aller geschichtlichen Ueberlieferung liegt, hat uns bereits den Menschen kennen gelernt in einer Epoche, wo er mit den Höhlenthieren des Diluviums kämpfte uud nicht uur das Fleisch des Mammuts und des Nashorns aß und das Mark ihrer Knochen verzehrte, sundern auch als Kannibale sich am Fleische des eigeuen Geschlechtes vergriff. Die Erweiterung der geographischen Kenntnisse und die damit verbuudeue vollständige und zuverlässige Bekanntschaft mit den verschiedenen Völkern der Erde hat weiter zum Ausban der Anthropologie in ungeahnter Weise beigetragen und überraschende Entdeckungen zur Folge gehabt. Getreu den von dem nnvergesslichen Rokitansky in unübertrefflicher Weise aufgestellten Gesichtspunkten hat nun unsere heimische anthropologische Gesellschaft, von bescheidenen Anfängen ausgehend, allmählich einen ehrenvollen Platz unter ihren Schwestergesellschaften im Auslande sich zu erobern gewusst. Die von der Gesellschaft bisher herausgegebenen sechzehn Bände der «Mittheilungen», das Resultat ihrer publicistisclMisscn-schastlichen Arbeiten, beweisen, dass es ihr gelungen ist, Mitarbeiter aus allm Theileu uuseres Vaterlaudes sowie aus dem Auslande zu gewinnen. Dank der Unterstützung hoher nnd höchster Gönner, vor allem Sr. Majestät des Kaisers, war es ihr vergönnt, auch die Initiative zur Erforschung der prähistorischen, an- thropologischen und ethnographischen Verhältnisse unseres Vaterlandes zu ergreifen, deren Fortschritt rascher zu fördern uud einen belebenden Einfluss ans die Thätigkeit der Landesvereine auszuüben. Die von der Gesellschaft feit dem Jahre 1882 an verschiedenen Stellen Oesterreichs durchgeführten systematischen Aus» grabungeu vorhistorischer Fundplätze und Gräberfelder, wie in Wies, Umgebung von Königgrätz, Watsch, Nosegg. Gurina, St. Michael lc., haben sehr interessante Resultate ergeben. Die bei Gelegenheit der letzten Volkszählung auf Veranlassung der Gesellschaft vorgenommenen anthropologischen Untersuchungen an den Schulkindern sowie die von derselben inaugurierten anthropologischen und kraniolugischen Forschungen iu unseren Alpenländern haben sich ähnlichen Bestrebungen in den Nachbarstaaten würdig augeschlosseu. Eudlich wurde auch durch eine eigene, aus der Mitte der Gesellschaft hervorgegangene Commission die Erforschung der ethnographischen Verhältnisse unseres Vaterlandes in Angriff genommen und von derselben Fragebogen zur Einsammlung ethnographischen Materiales herausgegeben sowie die Anlage von Bibliographien der volksthümlichen Literatur lc. in Anregung gebracht. Die Gesellschaft hat außerdem fachwissenschaftlich gebildete Reisende ausgesendet, nm ethnographisches Material zn sammeln, die auch mit ihren Resultaten einen vollen Erfolg aufzuweisen haben. Bei dem Umfange nnd der Vielgestaltigkeit der mit der Naturgeschichte des Meuscheu znsammenhän' genden Probleme dürfte kaum ein Gebildeter ohne Interesse an diesen Forschuugen vorübergehen, denn aus der Erforschung der Anfänge der socialen Eimichtuugen, der verschieden gearteten Culturen, der Volks-Indivi- dnalitäten in physischer nnd psychischer Beziehung ^ gibt sich allem der objective Einblick iu die Vecha uiffe der Gegenwart, welche nnr durch die Erkennt ihres Zusammenhanges mit dem gesammten ^ln^ lnngsgange der einzelnen Volksgruppe,! ihre Erklan finden. Lebendiger als früher wird heutzutage die , lidarität auch der höchstveraulagteu Individuen Mit Milieu empfnndcu, in welchem sie leben nnd nn^ Wissenschaftliche Forschung, soweit dieselbe meM"/,, ^ Angelegenheiten betrifft, mündet daher so h^^li ^ ethnographische Erörterungen aus. Das Bestreben, v" h zum Theil äußerst schwierigen Discussionen an der P ^ positiver Kenntnis eine feste und unerschütterliche-?,„ zu verleihen, entspricht im vollsten Maße der gel'"' Strömuug der Gegeuwart. , hic Zur Lösuug der gerade in Oesterreich ^M» Natnr seiner Bewohner und Länder so vielgesta '^ und immer größer werdenden Anfgaben benötW ^, heimische anthropologische Gesellschaft, soll sie da^ stige Centrum für derartige Forschungen bleiben, .^i nur eine größere Anzahl von Mitarbeitern, . s^! auch unterstützende Mitglieder. Das Präsidium ^,l ! daher entschlossen, an die Theilnahme des g' ^c» Publicums, an alle Gebildete zu appellieren "'w ^,< Ausruf zu versenden, in welchem zum Ael" ^ geladeu wird. ^ llüd Es wäre dieser Gesellschaft, welche die «leß ^ji»' edelste Blüte naturwissenschaftlicher Forschung», 5^^ scheu, dass es ihr gelänge. die Vertreter v" ^c Disciplinen. von deren Mithilfe allein ein w ^ Fortschritt der Anthropologie abhängt, sowie "' j„i!l» unterstützender Mitglieder für ihre Zwecke z" ^ A _____________ 679 12. April 1887. ^ /^ ^ s" ss - Lothringen.) ^.^ ^ Straßburg «weidet wird. beschloss das Ministerium, dass die "Fügung vom 31. Dezember v. I., nach welcher jeder, MHcr der französischen Armee angehört oder zu der-A»f".^ ^^'^ehungen steht, die Genehmigung für den "semhalt in den Reichslanden einzuholen hat, fortan 's alle Franzosen, anßer den bereits im Lande wot> "enoen, anzuwenden ist. «, (Zur bulgarischen Frage.) Der bulgarische "!!M m Constantinoftel, Herr Vulkouie, hat, wie aus ^'Ntantnwftel gemeldet wird. im Namen seiner Re-^eriing an den Großvezier das Ansuchen gerichtet, die Mrte möge ein Rundschreiben an die Mächte erlassen, Ca?5. ^" energisch auf die Namhaftmachung eines "Ndidaten für den bulgarischen Thron gedrungen wird. ei,n sich die Mächte weigern sollten, dem zu entspre- nn so werden die Aulgaren, wie Herr Vulkouic an-" lNete. auf eigene Faust handeln. Die Pforte hat auf .^ "ersendung dieser Circular-Note vorläufig ver> ^tt, nachdem ein derartiger Schritt unter den gegen-^Nigen Umständen keinerlei praktisches Resultat haben ^"6 der Schweiz.) Nachdem die Aufreizun-«" der deutschen Socialisten in der Schweiz in letzter A" und besonders aus Anlass des Geburtstages des de/ m ^llhelm an Heftigkeit zugenommen hatten, hat scks l "^'srath, wie ans Bern gemeldet wird, den Be-^luss gefasst, in Gemüßheit des Bundesstrafgeseyes lvel!^ ^.^^egeln gegen alle Provocierungen zu treffen, ^^e die Sicherheit des Staates gefährden könnten. Tagesneuigleiten. ,H „Se. Majestät der Kaiser haben, wie die die ?"l ^"wng. meldet, dem Ortsschulrathe für I^^chulgemeinde Mitteldurf.Dürre zum Schulbaue für ^ ^^"' "^ b"s ungarische Amtsblatt mittheilt, den ,,j ^ die marmorbleichen, todterstarrten Züge seines nn slides. b'esr /6t)alb, so fragte er sich unwillkürlich, war ihm ^ite ^ Prüfung auferlegt worden? Weshalb Rt gerade er das Kind hergeben, an welchem er bttj^uzcr Kraft der Seele gehangen? Was hatte er blenen^' "m l^che Strafe vom Himmel zu ver- ^le Antwort sagte er sich mit Blitzesschnelle, ben H^e dir Härte, welche er gegen seine Frau an nicht v?n ^eg.t. nicht die Strafe verdient? War sie bilden/ Mt weniger schuldig gewesen, als er sich ein-lnit wellf. ^"^ "'^ sein Stolz, der Eigensinn, ^? ihv ^ ^ geweigert hatte, eine Erkläruug ^lsunq? lMgegenzunehmen, eine Rüge und Zurechi- ^. w?" Gedanken wurden in Alan Vincents Seele ?" bessen A'b ^ v"l seinem todten Kinde kniete und >°lcher Sl ""er ^M' °" ^ Frau, welcher er mit Ey s!?^ entgegengetreten war. Mentale c " wieder vor sich, wie er sie zum c!'Wi Mx>8'^"' in dem ganzen Reize ihrer hold- ^'Nen^uieuhaftigkeit; er sah sie, wie er sie m ^ Aril^ bewusstlos hinwcggetragen von der Leiche ^iimtem ^".l°h si"' wie sie zitterte, mit thränen- - t»en rm A„^ »or Herbert Sinclairs Grab gc- ^ seil, Li^ /"^ich sah er sie auch im Geiste, wie 7-unn s derben freudigen Herzens erhört hatte. °^t. von^ ^ als Mutter seines Kindes, schön, ^iitbiat ^ Vklt verehrt, und endlich in Amiens, Aber ick n ^h'"o zn seinen Füßen liegend, l^nell verdrängte dieses Phantom ihr Bild, wie er es heute geschaut, verzweifelnd sich über die Leiche ihres Kindes beugend. «O, Cora, Cora!» rief er unwillkürlich, während seine mächtige Gestalt vor Schluchzen erbebte. Endlich war die sich von Stunde zu Stunde höher emporthürmende Wand der Kälte und Zurückhaltung gebrochen. Wenn es schon nicht ungetrübtes Vertrauen, nicht blinde Liebe zwischen ihnen geben konnte — warum sollte es dann nicht möglich sein, wenigstens den Frieden herrschen zu lassen? Konnten sie nicht mindestens als Freunde miteinander verkehren? Ja, jetzt sogleich, wo auch sie durch den herben Verlust weicher gestimmt war, wollte er zu Cora gehen und sie bitten, ihm seine Härte zu verzeihen und mit ihm gemeinsam das Leid. welches der Himmel ihnen auferlegt hatte, zu tragen. Laugsam erhob er sich ans seiner knienden Stellung und ebenfalls einen Kuss auf die Lippen des todten Knaben drückeud, verließ er das Gemach. Während er über die Stiege hinab nach den unteren Wohnräumen schritt, gieng er an einer Dienerin vorbei, welche mit thränenüberströmtem Antlitz ihre Arbeit verrichtete. In das Speisezimmer tretend, um sich zu fassen, ehe er Cora aufsuchte, wurde er nach Verlauf einiger Minuten durch ein schüchternes Pochen an die Thür gestört, und gleich darauf trat diefelbe Dienerin ein, welche er eben zuvor draußen gesehen hatte. «Ich bitte um Verzeihung, gnädiger Herr, wenn ich störe,» sprach sie schüchtern, «aber ich fand dies beim Auskehren auf der Treppe. Der Brief ist an die Frau Baronin adressiert, jedoch sie lässt niemanden vor; ich erachtete es deshalb für das Beste, ihn dem gnädigen Herrn zu bringen.» Sir Alan streckte die Hand aus und nahm das ihm von dem Mädchen dargereichte Schreiben in Empfang. Gleich dailluf aber warf er es auf den Tisch, als habe ihn eine Natter gestochen. «Gnädiger Herr, sind Sie krank? Soll ich den Arzt holen?» fragte das junge Mädchen erschrocken. «Nein, es ist nicht nöthig,» entgegnete Sir Alan, sich gewaltsam beherrschend. «Ich danke Ihnen, ich werde meiner Frau dieses Schreiben schon selbst ei«' händigen.» Das Mädchen verließ das Gemach, und Sir Alan blieb allein, unverwandt auf das verhängnisvolle Schreiben starrend, das vor ihm auf dem Tische lag. Die Schriftzüge, welche dasselbe trug, tanzten vor seinen Augeu auf und ab wie Kobolde, die ihn grinsend verhöhnten. Alle Weichheit war aus seinen Zügen, wie au« seinem Herzen verschwunden. «Selbst jetzt noch,» flüsterte er voller Bitterkeit, «jetzt, wo ich mein Möglichstes that, um die Vergangenheit zu vergessen, jetzt, wo ich bereits aufs neue zu hoffen anfieng, diefe Enttäuschung l» Er erhob sich und durchmaß mit großen Schritten das Gemach, zeitweilig wie mangnetisiert nach dem Schreiben hinüberblickend, welches auf dem Tische lag. «Soll ich es öffnen?» fragte er sich. «Ich habe das Recht dazu — und doch, nein — ich will es nicht aufmachen; es gehört ihr und — sie liebt ihn!» Wieder stürmte er, um sich zu beruhigen, in dem Gemach auf und nieder, mit sich kämpfend, ob er das Siegel lösen solle oder nicht; doch das Rechtsgefühl in ihm siegte und das Schreiben blieb geschlossen. «Wie nur kann eö hier ins Haus gelangt sein?» fragte er sich, während seine Blicke auf dem Convert mit den nur zu wohl bekannten Schriftzügen ruhten. «Durch die Post ward es nicht bestellt. Ist jemand von der Dienerschaft in seinem Solde? Hat sie ihn wiedergesehen? Trifft sie heimlich mit ihm zusam« men? Ist sie so falsch wie er? Falsch, wahrend lch — Oott stehe mir bei! — während ich ste immer noch liebe?. Laibachcr Zeitung Nr. 81______________________________680 ^. U^il 188?. Bestimmungen, die Allerhöchste Sanction allergnädigst zu ertheilen geruht. — (Die Auferstehungs-Processionen) am Charsamstage nachmittags giengen in der angekündigten Ordnung bei schönem, wenn auch etwas windigem Wetter unter zahlreicher Theilnahme der Bevölkerung vor sich, Die größte Anzahl von Theilnehmern wies wohl die Procession bei den Ursulinerinnen auf, welche von den im Institute herangezogenen Mädchen eröffnet wurde. Sehr rege war auch die Theilnahme an der Procession bei den Patres Franciscanern, da die nach Tausenden zählende Menschenmenge sofort von den Nrsulinerinnen auf den Marienftlah strömte. Der prachtvolle Baldachin und die reichen Paramente wurden allseits bewundert. Die städtische Musikkapelle in Veteranenuniform begleitete die Procession, während Mitglieder des allgemeinen lrai-nischen Militär-Veteranencorps als Ehrenspalier fungierten. In der Domtirche, wo das Venerabile vom hochwürdigsten Herrn Fürstbischöfe Dr. Missia unter Assistenz des ge-sammten Domcapitels, des Domclerus und der Theologen getragen wurde, wohnten der Procession die Spitzen der Behörden bei, u. a. der Herr Landespräsident Baron Win kl er mit zahlreichen Beamten der k. k. Landesregierung, der Finanzdirection, des Landesgerichtes und der Staatsanwaltschaft; kaiserl. Rath Landesansschuss I. Murnik in Vertretung des von Laibach abwesenden Landeshauptmanns; Handelskammerpräsident Josef Kusch a r mit mehreren Kammerräthen; Bürgermeister Gras-selli mit zahlreichen Gemeinderäthen und Beamten des Stadtmagistrates, sowie die Mitglieder des Vereins zur Anbetung des heil. Altarsacramentes mit brennenden Wachskerzen. Die vollständige Musikkapelle des heimischen Infanterieregiments begleitete die Procession on paraä«. In gleich festlicher Weise giengen die Processionen in den Vorstadtpfarren bei St. Peter und bei St. Johannes Baptist in der Tirnau unter großer Theilnahme der Gläubigen vor sich. Besonders imposant war die bereits in der Dämmerung aus der Kirche zieheude Procession bei St. Jakob, wo der hochw. Propst Dr. I arc das Venerabile trug, die Veteranen Spalier bildeten und eine Abtheilung der Militärmusik des 17. Regiments die Pro« cession begleitete. In der Herz-Iesukirche fand die Auferstehung am Ostersonntag um 4 Uhr morgens unter Theilnahme zahlreicher Gläubigen, einer großen Anzahl von weißgekleideten Mädchen und der Begleitung der Militärmusik statt. — (Die Sängerfahrt nach Abbazia.)Man schreibt uns aus Fiumc unterm Gestrigen: Der Wiener Männergcsangverein hat in Fiume, wo er gestern früh anlangte, den enthusiastischen Empfang gefunden, welcher ihm stets bei seinen Ausflügen bereitet wird. Auf dem Bahnhofe wurde der Verein bei seinem Eintreffen von dem Fiumcmer Bürgermeister Ciotta begrüßt, wofür Vorstand Olschbauer in kurzer Rede dankte. Beide Ansprachen fanden bei dem zahlreich versammelten Publi-cum lebhaften Anklang. Mittags fand das Concert im städtischen Theater zum Besten der Armen Fiume's statt. Das Theater war vollständig ausverkauft und die Spitzen der Bevölkerung vollzählig anwesend. Unter den Anwesen» den befanden sich die Familie des Erzherzogs Josef, des Gouverneurs Grafen Zichy, Moriz Iükai, die gesammte Stadtvertretung sowie die Spitzen der Militär-, See-und Civilbehörden. Die von dem Vereine vorgetragenen Chöre fanden enthusiastischen Applaus, namentlich Kremsers «Altniederländisch» und die Solisten Toms und Wessely für ihre Leistungen im «Trompeter von Sälkin-gen» fanden stürmischen Beifall. Abends fand in Abbazia unter Theilnahme von Taufenden der Fackelzug des Touristeni8o, Abgereist — paiti, Nicht behoben — n!nn6, Gestorben — 66e6(I6. Zur Erleichterung der Postämter werden Klebezettel aufgelegt, welche in Druck die obigen Worte enthalten und entsprechend anzukleben sind. — (Südbahn.) Aus Graz wurde vor einig" Tagen berichtet, dass in den Werkstätten der Südbahn zu Marburg dreihuudert Arbeiter wegen Mangels an Beschäftigung entlassen wurden. Wir werden nun ersuch'/ diese Mittheilung dahin zu berichtigen, dass der Arbeitelstand in der genannten Werkstätte nur um 44 M"" vermindert worden ist. — (Gutsverkauf.) Das Gut La ak bci Sle>"' brück wurde diefertage von Herrn Gnnkel, cinew Bruder des Besitzers des Kaiser-Franz'Iosefs'Bades '" Tüffer, käuflich erworbeu. Neueste Post. Oriqinal - Tclegramme der «3 aibachcr Ztl1>' Wicu, 11. April. Wie die «MuntmMwn" meldet, lehnt auch dic österreichisch^ Jahre 1888 ab. 'In diplomatischen Kreisen circul'w die Nachricht, dass Italien gleichfalls der Expositu'" fernzubleiben gedenke. Vcrliu, 10. April. Das «Berliner Tageblatt' meldet ans Petersburg: Gestern sollte ein neues Bomben.Attentat gegen dm Zaren und die Zarin a»l der großen Morskaja verübt werden. Beide Attentats ein Smdent und eine junge Frau, wurden rcchtzwls verhaftet. Wenige Minuten nach der Verhaftung f"^ das Kaiferpaar über die große Morskaja. Wie es heißt, trugen die beiden Verhafteten gerollte Plaids," welchen die Bomben verborgen waren, und machten de» Verdacht der Polizei rege durch die Art, wie sie 'h" Umschlagtücher trugen. Nom, 11. April. Der Kronprinz ist leicht a" Masern erkrankt. . London, 11. April. Nachmittags fand eine gl"^ Kundgebung der Oladstmieaner und Parnellitcn a^e> die irische Strafbill statt. Unter den Rednern befanden sich mehrere Deputierte. Es kam keinerlei 3i»^ störung vor. , Belgrad, 11. April. Heute, als am Jahre» der Befreiung Serbiens unter Milos Obrenovic, f"" ein Gottesdienst und große Parade in der Fcst'W statt, welchen der König und die Königin beiwotMl. Sofia, 10. April. Ans sicherer Quelle stammende'' Nachrichten zufolge soll Nabokov in Griechenland M"' tenegriner und Macedonier anwerben lassen, um ") selben auf griechischen Segelschiffen nach Bulgar^ zu befördern. — Die Nachrichten von Stoilov laute' unbestimmt, wahrscheinlich wird derselbe seinen Am enthalt in Wien verlängern. ^, Athen, 10. April. Nach einer längeren Deba" billigte die Kammer mit 77 gegen 38 Stimmen l" Principe die finanzielle Politik des Cabinets. Angekommene Fremde. Nm 9. April. Hotel Stadt Wien. von Gradenstein, erster Secretär des m"H Circus: Westen, Director; Dachler, Salomon, Trebitjch " , T^iß, Kaufleute, Wien. — von Kacslovics. Gutsbeschcr,!"'^ Frau, Ors. — Uranitsch, Fabrikant, f. Frau,, und Po" Kaufm., Graz. — von Dacca, l. l. Beamter, Cilli. ^z< Gllsthos SiMahllhof. Schmidt, Reis., Graz. — Steiner, ^ii. besitzcrs'Sohn, Klagenfurt. — Eberle, Bahnrcfcrent, !-^e, Villach. — von Manussi. k. l. Hauptmann, Tarvis. ""^A Lehrer, Oberlaibach. - Ferlan, Vesi^r, Trata. — Hoch"' » Reis.. Trieft. .« ä ^ ' Gasthof Kaiser von Oesterreich. Germeler, VommiS, Vilia^^ Pvomazzi und Grando, Holzhändler, Krainburg. -" " Uhrmacher, Littai. Verstorbene. Den 9. April. Johann Kranjc, Weichenwächters^ «'/, I., Rudolssbahnstraßc 1. >!orbu5 LriMii. ,l, Mädchen, 13 I.. Polanastrahe 30, Tuberculose. — Anna " Inwohnerin. 70 I., Alter Markt 10, Uyärop» puerp" Ms"^ Dcn 11. April. Helena Sesct, Magd, 79 I-, »""" gassr N, Lugenlähmuug. Meteorologische Beobachtungen in Laiba^ Z W ßI 1st' 9, 2 ' N. 729.48 11.6 O. mähig theilw. hnt" i 9 . Ab. 732.17 7.8 O. mäßig j^heiter^^ j 7U.Mg. 735.23 4,4 Ö. schwach' heiter g^ ? 10.2. N. 735,35 11,6 SO. mäßig fast h"t" . 9 . A. 737.04 5.8 SO. schwach ^hettw^W^^ 7 U, Mg. 739.34 ! 7,6 Ö. schwach ,tl,eiltv. h^'' »,5» 11. 2. N. 739.95! 11.2 O. schwach theilw. hw" 9 . Ab. 740.82 ! 9.2 O. schwach ! bewöM ^ ^its Den 9. vm-mittags brwoilt. nachmittags windia, ^' rnng. Den 10. morgens Reif, heiter, windig. Dc» >, ,^,s. tags etwas Sonnenschein, dann dewöllt, unfreundnw. ^, <^. Das Tagesmittel der Wärme an allen drei !"!!"' ^ " und 9,3", beziehungsweise um 0,7° und 1,7° «,»" über dem Normale. ^, , Verantwortlicher Redacteur: I. stagli?- l 681 Course an der Wiener Börse vom 7. April 1887. N^ dem ^enen Course Oeld lll'ar» Staats-Nulehen. lz^""n e.......^,^ ^.^.^ l««pr !/° ^laatslose 250 sl. I»?»« ill> - l»«4s, «l^° Mnftel 1W „ ,34'!>(,^i0 ""i. «°t«nre,te, steuerfrei . S7-05 9?,« ""«'«oldttnt« 4'/° . . . . l0i««i<>i?t> ' V'^ente 5»/» .... 88'!^ 68-25 ' ^'enb..«nl.i,ofl.ö.w.«, i5i-!>5»-.-' ^ftbahn.Plioritäten . . l»8 75 UA',5 " ^taall'Obl.iNnn.Oftbahn) 1«?2l,!«?eo ' « >,» . vom I. i«?« . n, 7!, II« «» ti.!«^ "^"'«Nl. ^ l00 fl. s. w. ll« 8° 124 «N «"unbent!.. Obltgationen ,/' böhmisch, . ,«n, ^.. >'AVL"" ' '- ^ ^ ^!«« - «Selb ware »"/„ Temesn Vanal . . , . 104 5010».1« 5<"<, unflarische......104.bO i00 2!' Andere öffentl. Nnlehen. Donllu>«ea.»L°se b°/^ loo sl. . H6'5(< —'— b«o. «incihe i«?8, <1eu«!rei . loü — loo?5 «nlcbrn d. etadtgcmcindc W!en iNb — K>5'50 Nnlebrn d. Etadigcmcinbc Wien (Eildcr und Gold) . . . . Ill, — 133 — '1'lÄ!l,>en-«nI. d, Et.'dtssem, Vi«» 1!d «b l«d 7b Pfandbriefe (sUl 100 ft.) <'odrl,cr. allg, österr, «'/»"/<> Vold. 12« N0 1«?- bt°. in 50 « « 4'/, °/° loo so'oi^" dto. in 50 „ , i°/° - »»<»li »?— bt°. Prämien»Echuldvelschi.3°/° 100 7.«. >(,1^5 Qefi,Hypcthelenbanl loj. k>/,°/° !0i-i>o — — O«ft,.ung. Nanl verl. »»/« . . 101 i^o ivL- dtc. „ 4'/,°/» - io«,5i02.?b dto. „ 4°/n . . 88 «5 88'?» Ul!g, allg, Votrncrübit.Uctienges. in Pest in I. I8^U vcrl. 5'/,°/» "—— ^ — Priolitäts'Obligationen (füv 10« fi.) Llllabeth.weftbahn i, Lmlsfion —>----------— ß«rd!i>anba»Noidbah!! in «i llber ioo ^ is)c, 80 nlanz'Io!cs»«a^n.....—---------— «tm. IU81 ilUU »l. S. 4>/,°/l, . 100 60 101-10 Oesterr. Viorbwestbahn . . . ios ^ü ioe-75 klel'lnbüiger.......—-». —— Geld Hvare Etaalsbahn 1. Emission . . 2»i — — - Südbahn «^ 8 "/<>.....15, —1^8- , 5 2°/«.....138 — ,»? — Nna.-aaliz, Vayn.....«»70ioa«0 Dtverfe Uofc (per Stück), ürebitlosi luo fi......1?8'501?U'2^ Llalv'vole 40 fi......44 — 44 50 4«/o T>0»llU'3)aMpssch. 100 fi. . 118 75 114 25 Lail'nchcrPräniieN'AnIeh.zyfi, 30 2^ «Usi0 Osencr 5!ose ,b0 St,»G^:oi«l)'Voje i!0 sl. . . i» — 44 — »anl-Nctien (per Klll«l). «Nglc"Oeft«t. «'anl X0Ü sl. . 107 ?.', 108 «5 Banlvcrein, W>cuer, 100 sl. , 95-00 W — Bdncl,'Nnst„Ocst,zoosl.S.4/,z/<»Ung. Banl .... 87? — 87U-— llinondanl ^uu jl.....zi0'—üib 2b >iachel ^ahn »«0 sl, Silber----------------- Muslirchcn.Ä2rcer,5'75 Ll°yd,öst.-ung., Trieft 500 fl.LUI 486—488-Ocsterr. Nordwestb. 2U0 sl. Silb, iß,.50153.». bto. (lit,Iy 200 fl. Gilber .i«,2zi«2?ü Piüg'Dujer «iisenb. 150 fl. Tllb. 2450! »5 L0 Rudolf»^ihn »ua fl. Silber , 18,-5018»'— Sievc»!)Ulgcl ^»senb. «ao fl. , -._> — — Staatseileiioa^» ^u0 jl, ti. W, . zzz'3023ü L0 Veld Na« Slldb>ihn »00 fl. Vilbcr , . . 8» — « 7l. 8. W. . . —- — -Tramway'Ves., wr. 170 fl. 5. W. «24 — »«4»z , Wr.. neu 100 fl, 9150 »!» — Transport'Äeselllchaft 100 fl. . —-— —> — Ung.xgaliz. sisenb. «au N, Gilb« 170 — 111 — Nng. Nulkuftbahn 200 sl. Gilb« ig« 5« 1«7 — Ung,WeNb,(Maab.»raz)»00sl.T. igg »öl««?» Induftrie-Nctien (per Stilcl). ügvbi und Kliibderg, Hiscn« und StahlxInd. in Wien 1N0 fl. . —-— —-— Li>enbahnw.«Veiha. I. »0 fl. 40«/, », — —>— „Hlbemühl". Papiers, u. «.««. »li'Lo S» »» Montan'Gesellsch., öftcrr.«alpine — — ,i — Prag« Hiscn.Inb,<Ä«s. «00 jl. .1,5.50 1»» — ^algo^Tarj. ^isenrass. 100 sl. . i«o — 1S>-— Irifml« »ohleu«.««ef. 70 sl. . —------------- Waffenf'V,, Oeft. in w, 100 st, ,1,—«».— Devife». Deutsch« Plätze......« 5U «» »«?-»» l»»s» Pari» .........50 ,0 »<»'»?» Petersburg ........-.-^, —- — Valuten. Ducaten........ 8»» «u» «n-ssrance'Vtllcke..... i« ,? >, 0». Silber.........-------------.2 Deutsche yleichsbanlnole« . «,5« 5« g«