DIE RÖMISCHE REICHSGRENZE ZWISCHEN BEOGRAD UND DEM EISERNEN TOR NACH DER EROBERUNG DAKIENS (Vortrag gehalten am 10. 9. 1972 auf dem 9. Internationalen Limeskongress in Mainala, Rumänien) A ladar R adnóti t Frankfurt am Main Wahrscheinlich kann ich im Namen der meisten hier anwesenden Limesforscher spre­ chen, wenn ich das Erscheinen des Blattes L. 34 (Budapest) der T a b u la Im p e ri R o m a n i sehr positiv beurteile. Das hochangesehene Unternehmen der Union Académique Inter­ nationale kann auf dieses Werk, das Ergebnis der Zusammenarbeit vieler Forscher aus ver­ schiedenen N ationen, stolz sein, wiewohl das Erscheinen dieses Blattes vom Tod des uner­ müdlichen Redakteurs des Werkes, G. L ug li, überschattet ist. G. L u g li, der her­ vorragende Kenner der antiken Topographie Roms und Italiens, hatte stets engen K ontakt m it unserem Kreise. Es ist fast symbolisch, daß er sein Vorwort zu diesem Blatt in Albano, im Lager der legio I I Parthica, signiert hat: ein Zeichen seiner Verbundenheit mit unseren Forschungsproblemen an den Grenzen des Imperium Romanum. Das Blatt Budapest enthält die wohl längste Grenzlinie des Römerreiches unter allen bisher erschienenen Blättern und dient den Forschern als erste Orientierung in der Topo­ graphie der römischen Grenzgebiete im mittleren Donauraum . Trotz fundierter Einzel­ untersuchungen zeigt die K arte eine gewisse Inkonsequenz in der Führung der römischen Grenzlinie. Dies kann an bestimmten Stellen zu Mißverständnissen führen. Die mit rotem Punktstrich markierte Grenze des Imperiums folgt dem Lauf des Mure? (Marisus), bricht aber vor der M ündung des Flusses in die Theiß unmotiviert ab. An einer weiteren Stelle bricht die Grenzlinie wieder ab: ausgehend vom Donau-Übergang bei Lederata (Ram) zieht sie nach Norden, endet und hat keine Verbindung mit der Mure?-Linie. Auch in den Kommentaren sucht man vergebens nach einer Erklärung dieses merkwürdigen Verlaufs. Es existiert also eine beträchtliche Lücke an der Grenze der Provinz Dakien, die auch geographisch nicht zu erklären ist. Daß die Röm er selbst, die die Scheide zwischen Impe­ rium und Barbarenland im militärischen, juristischen, administrativen Sinne stark empfun­ den haben, solch eine Lücke nie zugelassen hätten, ist klar. D ie unterbrochene Grenz­ führungist nur für die Sekundärliteratur begreiflich, weil man damit manche divergierende Theorien in der Frage des römischen Vorstoßes in dem mittleren Donaubecken unter einen H ut bringen kann. Lassen Sie mich nun das Problem umreißen. Es handelt sich, grob gesagt, um die römische Eroberung und Verwaltung eines flachen Landstriches, der im Norden vom Fluß Mure?, im Westen von der Theiß, im Süden von der Donau und im Osten von einem Teil der Karpatenkette (M untii Semenič) begrenzt S ta n d la g e r d. röm. T ruppen im 2. Jh. n.Chn SIN G IO V N V M y LEO IV F l / 3 1 > e ? * 1 vtf» -A toy , ' y / V IM IN A CIV M