Die Andacht. ^^D-uf dem Hügel, waldumgcben, Steht ein Kirchlein schmuck und fei«. Und zur Andacht ladet eben Seine Glocke traulich ein. In des Kirchleins stiller Halle Blicken Gläub'ge himmelan; Brüder sind's, die liebend alle Einem Bater zugethan.? Und es steht in ihrer Mitte, Gin verehiter frommer Greis; Auf den Wangen Iugendblüthe, Auf dem Haupt die Locke weiß. Glücklich in dem Kreis' der Eeinen, Die für ihn zum Himmel fleh'n, Sieht man ihn vor Freude weinen. Und in Rührung schier zergeh'n, Wonne strahlt aus seinen Blicken, Und sein Auge spricht bered't: Daß auch himmlisches Entzücken Qst den Sterblichen umweht. <5. F. T.........r. Vaterländisches. Eigenthümliche Gebräuche der Südslaven. Eigenthümliche Gebräuche, worunter natürlich die Hochzeitsgebräuche obenan stehen, gibt es in großer Zahl bei den Slaven, die Deutschen haben deren keine besonders erwähnenSwerche. Bei den Gottscheern reitet der Bräutigam mit seinen Be- gleitern zur Braut, welche emen Krug Wein vor» fetzt, der geleert und dann zerschlagen wird; hier» auf begibt sich der ganze Zug zur Kirche. In Krain schickt der Freier einen Werber (8iuil)I2lu) ab, und er tritt selbst auf, wenn der Antrag angenom, men wurde; kleme Geschenke beschließen die Unter« Handlung. Brautführer und Brautführerinn (vn,F, dru»lÜ2a) laden nun die Gäste zur Hochzeit, bei welcher in ganz Illyrien der 3t2r38^MÄ die Haupt» rolle spielt, dem oie Besorgung deS FesteS obliegt. Er führt dm Zug dcs Bräutigams zur Braut, wo» bei Musik und Pistolenschüsse nicht fehlen dürfen. Die Braut heißt an manchen Orten Nsvesi», die Ungewisse, da sie ehemals geraubt wurde; wescnt» lich in ihrem Putze sind Rosmarinblüthen und Bän- der von allen Farben, in die Haare gebunden. Beim Hochzeitsmahle hat der 8wr»^,in2 den Vor» sitz, er macht förmlich den Wirth. Oft wird schon nach der ersten Tracht Speisen einmal getanzt, wo» bei der Geiger auch wohl den Possenreißer macht. Zum Schlüsse der Mahlzeit erscheint der große Ku» chen, ?0Ail»!i3, oder eine große Schüssel Buttelku- chen, 8trnll.il. Em Mann, der den Koch vorstellt, bringt und vertheilt dieses Gebäck, trotz einem un» geheueren kärm mit Ofengabeln unt> allerhand Kü- chengeschirr, womit scheinbar «an ihn daran zu hin» dcrn sucht. Er sammelt dafür Geld auf einem Tel" ler, so wie ein Geiger, der nach ihm erscheint, ein mit Rosmarin umwundenes Glas Wein hcrumrei» ch.nd, und während des Trinkens eine Welse spie» Icnd. Nach der Mahlzeit wird das Ehepaar nach Hause begleitet, und der Zug geht noch zu dcr Brautmutter u. f. w., die ganze Nacht durch. Ist daS Paar nicht ganz arm, so dauert die Hochzeit mehrere Tage. Einem Witwer, noch mehr emer Witwe, die wieder helrathet, wird ein ^Ilürivari beim Klrchzuge gebracht. — Im Gailthale herrscht die merkwürdige Sttte, daß der Bräutigam ble Braut vor sich auf's Pferd fetzt, und so zur Kirche reitet s offenbar ein Rest aus jenen Zeiten, wo die Braut oft geraubt w.rdcn mußte. Hier ist auch eine eigene Vortänzerinn bemerkenswerth, welche sich durch oiele Haarbänder unterscheidet. Uebrigcns wählt der Gailthalcr seine Ehehälfte lieber aus fremden Dörfern. — Auch bei den Unterkrainern ist der 5tllra8!ünN die Seele der Hochzeitfciclllchkciten' — 112 — Nach der Mahlzeit sammelt die Köchinn sich ein Trinkgeld in einem großen Löffel. Selten sieht man noch d»e sogenannte Ochsencomödie. Ein zerlumpter Fiedler erjcheint nämlich bei Tische und bleret einen Ochftn zum Verkauf. Nach einer Tracht Prügel, da man chn für den T»l«b deS Ochsen hält, m«cht man für ihn und die übrigen Musiker e«ne Samule lung. Hier kommt auch die anderwärts verbreitete Sitte vor, dem Bräutigam erst vermummte alte Wölber vorzuführen, und erst nach langer Neckerei dle 'Dräut. Dasselbe geschieht im Reifnizlhal,, wo noch emige besondere Gebräuche bestehen. Dle Braut trägt am Scheitel eine runde Scheibe aus Tuch oder Pappe, welche mit vielen farbigen Bändern übel flochten ist, und Vtzsilu heißt. Während der Mahlzeit wird ein verdeckter Teller herumgereicht (e k!ün« von Heinrich Vorn stein.) (Victor Hugo hat den Dom in Köln, das Nathhaus, das Ibach'sche Haus besehen, cr war be» dlM alten römischen Aquacouct, er verläßt so eben daS Wallraf'sche Museum, m welchem man »hm einen schönen römischen Sarkophag und die Rüstung des Erzb,schofs Bernhard von Gallen, so wie einen Harnisch Johann von Werths zeigt, und raisonnirt nun wie ein echter Franzose.) Man muß gestehen, daß das Vergnügen, wel» cheS die Besichtigung dieser schönen und merkwürdi- gen Kirchen, Museen, Rathhäuser u. s. w. ge» wahrt, bedeutend durch die große Unbequemlichkeit der Trinkgelder herabgcstlwmt wird. An den Rhein »Ufern, wie in ollen stark besuchten Gegen» den, gibt es eine lästige Mücke, die olle Augenblicke wieder kommt, die man nie loS wird, und die stets bereit ist, wenn auch mcht cuer Blut, doch cucrn Geldbeutel anzuzapfen, und dicscS «quälende Insect hcißt: Trinkgeld. ES ßllt Eurem Geldbeutel, die» scm köstlichen Beutel, dessen Inhalt euch ftehöit und der euch so nöthig ist, denn die himmlische Gast- freundschaft ,st nicht mehr da, um euch auf der Schwelle des HauseS Mit süßem Lächeln und ge» winnendcr Herzlichkeit zu empfangen. Hier ein klei. NeS B,ld von dem mächtigen Standpunkte, ouf den die natürliche Klugheit der Hiesigen den Ge« und Mißbrauch do-S Trinkgeldes erhoben Hot. — Ich erzähle nur einfache Thatsachen, — ich übertreibe Nlchts. — Ihr kommt in dem ersten besten Orte an, am Stadtthore fragt euch ein GcnSdaimc oder Thorwächter, wo ihr einkehren werdet, forderteuern Paß, nimmt und behält ihn. Der Wagen hält im PostHofe. Der Conducteur, der während der ganzen Re,se euch nicht eineS Blickes gewürdigt hat, erscheint am Schlag, öffnet diesen und hält mit einem süßen Lächeln die Hand hin. Trinkgeld! E,nen Augenblick darauf kommt der Postillon, dem eS, nebenbei gesagt, durch das Post.Neglcmenr ausdrücklich untersagt ist, Trinkgeld zu fordern, stellt sich vor euch hin, und hält in seinem unverständigen Jargon eine Anrede, die ihr nicht versteht, und so viel sagen will, als: Trinkgeld! — M