GEOLOGIJA 40, 223-232 (1997), Ljubljana 1998 Conodonten-Stratigraphie der Obertrias von Slowenien Ergebnisse eigener Untersuchungen Zgornjetriasna konodontna stratigrafija v Sloveniji Rezultati lastnih raziskav Anton Ramovš Katedra za geologijo in paleontologijo, Univerza v Ljubljani, Aškerčeva 2, 1000 Ljubljana Schlüsselworte: Conodonten, Biostratigraphie, Obertrias, Slowenien Ključne besede: konodonti, biostratigrafija, zgornji trias, Slovenija Zusammenfassung Bedeutende Ergebnisse meiner obertriassischen Conodonten-Untersuchungen in Slowenien sind dargestellt. Die untersuchten conodontenführenden Kalke sind überwiegend oberkarnischen Alters mit den häufigsten Arten Paragondolella poly- gnathiformis und Epigondolella nodosa, nur untergeordnet norischen Alters mit der häufigsten Art Epigondolella abneptis. Kratka vsebina Predstavljeni so pomembnejši izsledki mojih zgomjetriasnih konodontnih razi- skav v Sloveniji. Raziskovani apnenci s konodonti so pretežno zgornjekamijski z najpogostnejšima vrstama Paragondolella polygnathiformis in Epigondolella nodo- sa, manj je norijskih apnencev z najpogostnejšo vrsto Epigondolella abneptis. Einleitung In den letzten Jahrzehnten habe ich meine biostratigraphischen Untersuchungen überwiegend den Conodontenuntersuchungen gewidmet. Die neuuntersuchten Ober- trias-Schichten lieferten seltener leitende Makrofossilien und die Schichten konnte man nicht stratigraphisch einstufen und feiner gliedern. Auch die meist seltenen Mi- krofossilien waren feinstratigraphisch meist nicht brauchbar Bei den Conodontenuntersuchungen konnte ich anhand von Conodonten an meh- reren Stellen eine sichere stratigraphische Einstufung des Kam und des Nor beson- ders in makrofossilleeren Kalken erzielen oder das vermutete Alter bestätigen. Meh- rere feinstratigraphischen Conodontenuntersuchungen stehen jedoch weiterhin noch aus. Vor Augen habe ich auch die schon angekündigten Revisionen der Obertrias-Co- 224_Anton Ramovš nodonten und andere Revisionen, die von Conodontenforschem im Gange sind. De- shalb ist auch manches Neue in Nomenklatur noch zu erwarten. Regional-geologische Einleitung Die tiefsten Obertrias-Schichten (Cordevol-Unterstufe) konnte ich mit Conodon- ten nicht nachweisen. Cordevol ist meist als zuckerförmiger Dolomit oder Diplopo- renkalk ausgebildet. In den Julischen Alpen ist er einerseits als Korallen-Spongien- Riffkalk und anderswo als diploporenführender Kalk vertreten. Häufige Übergänge von der Mitteltrias zur Obertrias sind nachgewiesen. Im Oberkam (Tuval) hat sich das vorher seichte Meer vertieft; conodontenführen- de Kalke sind in Slowenien weit verbreitet. Sie sind in den Julischen Alpen und de- ren Vorland, im Mittel- und Ostslowenien vertreten und als dunkle, gut gebankte Kalke und mergelige Kalke, hie und da mit mergeligen Zwischenlagen ausgebildet. Die norische und rhaetische Stufe sind in Slowenien grösstenteils als Dachstein- kalk und Dolomit ("Hauptdolomit") ausgebildet. Der Bildungsraum des Nor/Rhaet- Dolomites war eine seichte Lagunenregion, des geschichteten Dachsteinkalkes eine Flachsee, des Dachstein-Riffkalkes ein Vorriff, -Riff- und Hinterriff-Bereich. In die- sen Sedimentationsbereichen waren die Bedingungen anscheinend lebensfeindlich bzw. nicht gut geeignet für das Leben der Conodontentiere. In den Julischen Alpen und in den Kamniker-Savinjer Alpen hat man auch eine tiefmarine Ausbildung des Nor nachgewiesen. Die hornsteinführenden gut gebank- ten Kalke führen auch leitende Conodonten. Die Conodonten beweisen den nori- schen Anteil auch in den obersten Amphiclinen-Schichten und in den Kalken von Železniki. Kossmatschen Amphiclinen-Schichten, hornsteinführender Plattenkalk von Škofja Loka (Bischoflack), Kalke und Dolomite von Železniki (Eisnern) Die Conodontenuntersuchungen haben auch einen bedeutenden Beitrag zum Alter der noch nicht befriedigend geklärten chronostratigraphischen Position folgender Kossmatscher stratigraphischer Einheiten gebracht: 1. Dunkle Kalke und sandig to- nige Schichten mit Amphiclinen (= Amphiclinen-Schichten), 2. homsteinführender Plattenkalk von Škofja Loka und 3. Kalke und Dolomite von Železniki ( K o s s m a t, 1910). Amphiclinen-Schichten Hudajužna. In der Ortschaft Hudajužna (Bača-Tal) lieferten die Amphiclinen- Schichten (Tonschieferkomplex mit Einschaltungen von Sandsteinen und Kalk- bänken) auch eine artenarme Conodontenfauna mit Paragondolella polygnathiformis (Budurov & Štefanov), Ozarkodina tortilis (Tatge) und Enantiognathus ziegleri (Die- bel). 251 Exemplare von P. polygnathiformis aus sämtlichen conodontenführenden Bänken des Strassenprofiles wurden gefunden. Sie beweisen das obere Kam (Tuval): die Paragondolella polygnathiformis-Zone von Mosher 1968 (Flügel, 1969, 137; Flügel & Ramovš, 1970). Ausser der Art P. polygnathiformis kommt auch Epi- gondolella nodosa vor: "Exemplare mit dem gekömten Plattformrand" (in F 1 ü g e 1 Conodonten-Stratigraphie der Obertrias von Slowenien_ 3 & Ramovš, 1970, 24, Taf. 1, Fig. 3). Die Conodontenfauna von Hudajužna ist in die Epigondolella nodosa A.-Z. einzustufen (nach K o z u r, 1989a, 394). Südabhang des Porezen-Berges. Die Amphiclinen-Schichten, weit verbreitet im Gebiet vom Südostabhang des Porezen-Berges, nördlich von Cerkno und östlich von Poče im Osten, ziehen sich gegen Westen über das Baca-Tal bei Hudajužna und Gra- hovo weiter nach westen über Temljine und Loje. Sie wurden von Kossmat als dunkle Kalke und sandigtonige Schichten mit Amphiclinen in a) dunkle Kalke und b) sandig schiefrige Amphiclinen-Schichten unterteilt (Kossmat, 1910, 46-50). Wegen des Alters schreibt Kossmat: "Es ist demnach ganz gut möglich, das die Amphiclinen- schichten noch in das Raibler-Niveau emporreichen". Nördlich von der Ortschaft Jesenica, oberhalb von Cerkno habe ich aus dunkel- grauen Kalken Epigondolella nodosa Hayashi, E. pérmica Hayashi (= Epigondolella nodosa), Neogondolella polygnathiformis (Budurov & Štefanov) und Neospathodus sp. bestimmt und die Schichten in den höchsten Abschnitt der Tuval-Unterstufe ein- gestuft (Placer et al., 1977, 26). Später (Ramovš, 1994a) habe ich aus den obersten zwei Kalkbänken in der Amphiclinen-Schichtfolge Epigondolella triangularis triangularis Budurov und Bu- durovignathus slovenicus Ramovš beschrieben. Sie beweisen das untere Nor der obersten Lagen der Amphiclinen-Schichten. Die Sedimentation der Amphiclinen- Schichten hat sich aus dem obersten Kam noch bis in das tiefste Nor fortgesetzt. Die Kam/Nor-Grenze liegt im obersten Abschnitt der Amphiclinen-Schichten. Die litho- logische Grenze Amphiclinen-Schichten/Bača-Dolomit war gleichzeitig nicht auch die Kam/Nor-Grenze. Hornsteinführende Plattenkalke von Škof j a Loka "Diese grauen, deutlich plattigen, homsteinführenden Kalke, welche sich aus den Schiefem des oberen Muschelkalkes durch Wechsellagerung entwickeln, setzen den Zug des Margaretenberges bei Krainburg und die randlichen Höhen südlich von Bischoflack zusammen. Was die stratigraphische Stellung miteinander eng verkn- üpfter Schichtgruppen anbelangt, halte ich es für das wahrscheinlichste, dass es sich um die Äquivalente der Schiefer und Plattenkalke des oberen Muschelkalkes (mit Balatonites) handelt, welche in den Karawanken bei Neumarktl unterhalb des ladi- nischen Porphymiveaus typisch entwickelt sind" (Kossmat, 1910, 32). "Die Schiefer treten an der Velika Hrasta SO von Bischoflack in das Blatt ein und ziehen über Vodovje-Ehrengruben und die Brezgalica bei Feichting zum Südhang des Margaretenberges bei Krainburg" (Kossmat, 1910, 32). Der homsteinführende Kalk (Kalk von Škof j a Loka /apnenec z rožencem, škofje- loški apnenec/), besonders im Steinbruch bei Škof j a Loka gut aufgeschlossen, ist ladinisch-karnischen Alters, umfasst vielleicht noch die norische Stufe (Grad & F e r j a n Č i Č, 1976, 35). Ein gleicher Kalk kommt auch im Bereich von Šmarjetna gora bei Kranj vor (Grad & Ferjančič, 1976, 35). Buser(1990) hat die Kossmatschen homsteinführenden Plattenkalke von Škof j a Loka als plattigen Bača-Dolomit und homsteinführenden Kalk bezeichnet und in die Trias, neulich (B u s e r, 1997, 315) in den Lias eingestuft. 226_Anton Ramovš Das Gebiet in der Umgebung von Škofja Loka Crngrob. Der erste Nachweis von kamischen Kalken im Gebiet von Škofja Loka kam aus der Mauer, die die Kirche von Cmgrob (Ehrengruben) umgibt. Eine schwar- ze Kalkplatte führte einen unbestimmbaren Ammonit und die Conodontenprobe Gondolella polygnathiformis, seltene Fischzähnchen, häufige Schwebcrinoiden-Reste und einen Holothurien-Sklerit (Ramovš, 1981). Später habe ich die Umgebung von Cmgrob näher untersucht. In der Nähe des ehemaligen, heute zugeschütteten Steinbruchs kommt ein plattiger und schichtiger schwarzer mikritischer Kalk vor, stellenweise mit dünnen Lagen und Knollen von schwarzem Hornstein. Im Kalk sind kleine involute Ammoniten gefunden worden. Die Kalke führen Paragondolella polygnathiformis (Budurov & Štefanov) und Epi- gondolella nodosa (Hayashi), die obertuvalisches Alter beweisen. Die Conodonten sind von Fischzähnchen und -schuppen und Holothurienskleriten begleitet (Ramovš, 1987). Diese Kalke werden als Schiefer des oberen Muschelkalks (Kossmatsche Geologische Karte von Bischoflack, 1909), grauer und brauner überwiegend plattiger Kalk mit Homstein - Škofja Loka Einheit (Grad & Ferjančič, Geologische Karte des Blattes Kranj, 1974, 1:100000) und als triassischer plattiger homstein- führender Dolomit und Kalk (B u s e r, 1990), neulich als liasischer Kalk (B u s e r, 1997, 315) bezeichnet. Kobila-Gabrov o. Westlich von Škofja Loka kommen auf dem Weg, der von Kobila nach Gabrovo führt und in der Umgebung, schwarze mikritische gebankte Kalke mit Homsteinlagen und Knollen vor. In den schwarzen Kalken fand man seltene Ammo- niten der Tropitiden-Fauna und ziemlich häufige Conodonten Paragondolella poly- gnathiformis und Epigondolella nodosa. Sie sind von Fischzähnchen und -schuppen, Schwebcrinoiden-Resten und Holothurien-Skleriten begleitet (Ramovš, 1986c). Auch diese Kalke sind obertuvalischen Alters. Im Kossmatschen homsteinführenden Plattenkalk vom Bischof lack (Škofja Loka), im homsteinführenden Bača-Dolomit und Kalk (Tuval, Nor, Rhaet) nach Grad und Ferjančič (1974, 1976), und im plattigen Bača-Dolomit und Kalk mit Homstein nach B u s e r (1990) fand ich keine Conodonten. Šmarjetna gora-Berg bei Kranj Im Jahre 1977 habe ich an der neuangelegten Strasse Šmartin-Šmarjetna gora zwei Conodontenproben genommen und in den plattigen Kalken mit Epigondolella nodosa und E. abneptis obertuvalisches bis untemorisches Alter nachgewiesen. Die Kalke des Šmarjetna gora-Berges sind gröstenteils jünger als die Kalke in der Umge- bung von Škofja Loka (die tuvalischen Kalke von Cmgrob und die tuvalischen Kalke zwischen Kobila und Gabrovo) und auch lithologisch gut trennbar. Kalke und Dolomite von Železniki Die vorherrschenden Gesteine sind graue bis schwarze, oft etwas sandige Kalke und mit diesen wechsellagernde kömige Dolomite, beide zeichen sich ziemlich oft durch Kieselausscheidungen aus. Kossmat verglich diese Gesteine erst mit devoni- schen Bänderkalkproben aus dem Wolayergebiet in den Kamischen Alpen und stufte Conodonten-Stratigraphie der Obertrias von Slowenien_ 5 sie ins Devon ein (Kossmat, 1910, 15). Später (Kossmat, 1913, 78) schrieb er über das Alter dieser Schichtfolge: "... ich sehe mich also veranlasst, meine frühere Auffassung über die Gesteine von Eisnern abzuändern und diese mit den obertria- dischen Kalken und Dolomiten des südlichen Porezenhanges zu identifizieren". Gleichzeitig hat sich Kossmat (1913, 80) auch über das Alter der begleitenden Serizit-Grauwacken, Tonschiefer usw. auseinandergesetzt: "Was die Serizit-Grau- wacken, Tonschiefer usw. anbelangt, .. halte ich .. die von mir schon oft besprochene Annahme für wahrscheinlich, dass hier eine ladinische Transgression über Gesteinen einer alten Schieferserie vorliegt, so dass es, besonders bei intensiver Faltung, schwer ist, "Pseudogailtaler" Bildungen und paläozoische Unterlage auseinanderzuhalten". Grad und Ferjančič (1976, 35, 36) stuften die Kossmatschen Kalke und Do- lomite von Železniki als Bača-Dolomit in das Nor/Rhaet ein mit der Möglichket, dass die ältesten Teile der Schichtfolge schon dem Tu val angehören. Sie führen jedoch keine paläontologischen Beweise für das Alter dieser Folge an. B u s e r (1990) hat die Schichten in der Ortschaft Železniki und westlich von Že- lezniki zuerst als Trias-Plattenkalk, Tonschiefer und Hornstein und später (B u s e r, 1997, 315) als Lias bezeichnet. Železniki. Im unteren Abschnitt des Conodontenprofils Škovine, in der Ortschaft Železniki findet sich eine Wechsellagerung von bräunlichen Sandsteinen, schiefrigen Sandsteinen, Tonschiefem, schwarzen mikritischen Kalken und mergeligen Kalken. Kalke führen Epigondolella nodosa (Hayashi), Gladigondolella malayensis Nogami und ParagrondoZeZZa tadpoZe (Hayashi) (Ramovš, 1994c). In der darüber folgenden bis 50 m mächtigen Folge von dunkelgrauen bis schwar- zen Plattenkalken kommen E. nodosa (zahlreich), Paragondolella polygnathiformis (Budurov & Štefanov) und Paragondolella tadpole (Hayashi) vor. Diese Kalke sind von hornsteinführenden Dolomiten überlagert. Im Graben auf der Südseite des Sora-Flusses gibt es über der Sandstein/Tonschie- fer-Schichtfolge schwarze Plattenkalke (im unteren Abschnitt noch in Wechsellage- rang mit Klastiten) mit E. nodosa, G. malayensis und P polygnathiformis. In allen Fundorten ist E. nodosa überwiegend Ramovš, 1994c). Die untersten conodontenführenden Schichten mit Gladigondolella malayensis im Gebiet von Železniki sind in den Jul/ Tuval-Grenzbereich einzustufen. Die darüber folgenden Plattenkalke mit überwiegender Epigondolella nodosa sind tuvalischen Alters. An der Strasse Železniki Na Plavžu - Oj stri vrh kommt in den schwarzen Platten- kalken Epigondolella abneptis (Huckriede) vor. Der oberste Abschnitt der Kalke von Železniki reicht demnach noch in das untere Nor (Ramovš, 1978b, 36). Plenšak-Graben. Im Plenšak-Graben, der sich von Jesenovec, südwestlich von Že- lezniki gegen die Ortschaft Prtovč zieht, führen schwarze tuvalische Plattenkalke Epigondolella nodosa. Das ganze Profil im Plenšak-Graben steht für genauere Unter- suchung noch aus (Ramovš, 1978b, 44, 45). Prtovč. Auf dem Weg von Prtovč durch Razor gegen den Ratitovec-Berg folgt der Grauwacken/Tonschiefer-Schichtfolge eine Wechsellagerang von Kalksandsteinen und dunkelgrauen Kalken mit Homsteinknollen- und Linsen. Im mittleren Abschnitt kommen Konglomerate und Sandsteine mit vereinzelten Kalklagen vor In der Höhe von 1100 m überwiegt ein geschichteter homsteinführender Kalk. Kalke führen Epi- gondolella nodosa und Paragondolella polygnathiformis mit häufigen astförmigen Conodonten, sie sind ins Tuval einzustufen. Diese Schichtfolge hat Kossmat (1910) als Kalke und Dolomite von Eisnem bezeichnet (Ramovš, 1978b, 61, 62). 228_Anton Ramovš Zgornja Davča. An der Strasse zur Sandgrube oberhalb des ersten Davča-Wasser- falls (Ortschaft Zgornja Davča) kommt in einem ammonitenführenden Kalk Epigon- dolella nodosa vor, jedoch ohne P. polygnathiformis. Dieser Kalk ist von einem hom- steinführenden Kalk überlagert. Auch diese Kalke sind tuvalischen Alters (Oberkam). Die Julischen Alpen Karnische Stufe Der erste Nachweis der conodontenführenden kamischen Kalke in den Julischen Alpen stammt von Dieter Meischner. Gegenüber des Šupca-Aussichtspunktes haben Dieter Meischner und ich während einer geologischen Exkursion 1965 im gut ge- bankten grauen Kalk zwei Conodontenproben genommen. Sie enthalten auch Gondo- lella polygnathiformis und damit war kamisches Alter nachgewiesen (briefliche Mit- teilung von D. Meischner). Die conodontenführenden Kalke sind später südlich des Požar-Berges zwischen dem Vrata- und dem Kot-Tal nachgewiesen. Am Osthang der Rušnata Mlinarica ent- halten etwa 20 m mächtige mikritische, bräunliche Kalke Paragondolella polygnathi- formis (Budurov & Štefanov), Epigondolella nodosa (Hayashi) und Epigondolella sp. Sie beweisen den obersten Abschnitt der Tuval-Unterstufe. Bei den im Jahre 1985 durchgeführten Untersuchungen fand man in der Nähe auch seltene Ammoniten (Projuvavites sp.). Die conodontenführenden Schichten sind von dem Osthang des Rušnata Mlinarica Berges in das obere Kot-Tal zu verfolgen und von dort weiter un- ter die steilen Stan- und Macesnovec-Wände, in einer Länge von etwa 4 km. Die konkordant nach oben folgenden, etwa 4 m mächtigen gut geschichteten Kal- ke des Dachsteintypus ohne Conodonten und Makrofossilen und die darauf liegenden Korallen- und Spongien-Riffkalke stellen das tiefste Nor dar (Ramovš, 1984, 1986a). Bei den weiteren systematischen Untersuchungen in den nördlichen Julischen Al- pen konnte ich eine ähnliche gleichalterige oberkamische Ausbildung erst im Rjav- čev Graben nachweisen. Rjavčev Graben. Im Gebiet von Rjavčev Graben oberhalb des Vrata-Tales enthält die etwa 85 m machtige Schichtfolge eines dunkelgrauen und schwarzen, plattigen und gut gebankten Kalkes in mehr als 100 Schichten zahlreiche Muscheln der Art Halobia cf. fallax Mojsisovics, auch die Conodontenarten Neogondolella polygnathi- forms (Budurov & Štefanov) und Paragondolella nodosa (Hayashi). Die Conodonten reihen sich bis zur Kam/Nor-Grenze (Ramovš, 1986a, 136). Später habe ich (Ramovš, 1994d) die Conodontenarten Paragondolella poly- gnathiformis und Epigondolella nodosa von Rjavčev Graben beschrieben und die Frage des dortigen Auftretens von Epigondolella abneptis diskutiert. Bei der emeu- ten Revision des Conodontenmaterials und der Stellung der Epigondolella abneptis A.-Z. von Rjavčev Graben konnte ich keine E. abneptis finden. In den obersten schwarzen Kalklagen kommen nur P. polygnathiformis und E. nodosa vor, begleitet von folgenden astförmigen Elementen: cypridodelliformes Element, hibbardeliformes Element, hindeodelliformes Element und prioniodelliformes Element. Die dunkelgrauen und schwarzen plattigen und gebankten Kalke sind auch im Rjavčev Graben nur oberkamischen Alters. Der Razor- und Planja-Berg. Der wichtigste Fundort des Oberkarns in den Juli- schen Alpen liegt unterhalb des Razor-Gipfels und westlich von dem Rjavčev Graben Conodonten-Stratigraphie der Obertrias von Slowenien_ 229 und dem Gebiet zwischen der Rušnata Mlinarica und dem Macesnovec, welche einen einheitlichen Raum gebildet haben. Über dem gut gebankten, grauen karnischen Ra- zor-Kalk folgt konkordant eine etwa 8 m mächtige Folge von Plattenkalk, der nach oben in dünngeschichtete Kalke übergeht. Der Kalk ist im unteren Teil dunkelgrau, bräunlich, gelblich bis rötlich-grau und hat knolig-wulstige Oberflächen. In den unteren und oberen Cephalopodenkalken mit Projuvavites jaworskii (Die- ner), Discotropites plinii (Mojsisovics), Barrandeites turbina (Dittmar) u.a. kommen Paragondolella polygnathiformis (Budurov & Štefanov) und Epigondolella nodosa (Hayashi) vor. Nach der Gattung Barrandeites kann die Einstufung dieser Kalke auf den oberen Teil der plinii-Subzone (Tuval 3/II) präzisiert werden. Damit ist auch die Kam/ Nor-Grenze festgelegt (Ramovš, 1986a, 134, 135; 1986b). Kukova špica-Berg. Die gleichen cephalopoden- und conodontenführenden bunten Kalke wie auf dem Razor-Berg bilden wieder den obersten Teil des Kukova špica- Berges. Alle Conodontenproben lieferten vollständig erhalten Paragondolella poly- gnathiformis und Epigondolella nodosa, häufige astförmige Elemente, zahlreiche Steinkeme von Foraminiferen und vereinzelte Holothuriensklerite und Reste von Schwebcrinoiden (Ramovš, 1986a, 136). Paläogeographische Deutungen. Die kurzdauemde cephalopodenreiche Hallstat- ter Fazies im oberen Tuval stellt in den östlichen Julischen Alpen den ersten Nach- weis dieser Fazies in den Südalpen dar. Die im unteren Kam noch einheitliche Kar- bonatplattform mit den mächtigen unterkamischen Cordevol-Riffkalken und massi- gen Diploporenkalken, mit darauf folgenden teils massigen, teils geschichteten Dolo- miten (= Oberjul/Untertuval) zerfiel im obersten Tuval. Durch den mittleren Teil der Plattform formierte sich eine in Ost-West-Richtung verlaufende Furche, ein Kanal, in welchem es zur Ablagerung einer Sonderfazies des Hallstätter Kalkes kam. Der neu- entstandene Bildungsraum erhielt Verbindung mit der Hallstätter Zone der heutigen Nördlichen Kalkalpen. Die Hallsätter Kalke der Julischen Alpen müssen in einem Seitenkanal gebildet worden sein, welcher sich im oberen Tuval vom südjuvavischen Hallstätter Kanal (= Südkanal) abgezweigt hatte. Die kurzdauemde Hallstätter Ce- phalopodenfazies konnte jedoch in den Julischen Alpen nur im oberen Anatropites- Bereich nachgewiesen werden. Schon an der Karn/Nor Wende kam es erneut zu Sta- bilisierung der julischen Plattform (Ramovš, 1986a, 136, 138). Die gleichen cephalopoden- und conodontenführenden bunten Kalke sind auch als Erosionsreste in weglosem Hochgebirge zwischen dem Razor, der Škrlatica, dem Dovški križ und der Kukova špica zu erwarten. Norische Stufe Pokljuška soteska. In Pokljuška soteska (Pokljuka-Klamm) bei der Ortschaft Zgornje Gorje, nordwestlich von Bled, Julische Alpen, sind dichte, graue geschichtete Kalke mit grauen und schwarzen Hornstein-Knollen aufgeschlossen. Sie führen Ne- ospathodus hernsteini (Mostler) und Epigondolella cf. bidentata (Mosher), und astförmige Conodonten (hindeodelliformes Element, cypridodelliformes Element, ?pollognathiformes Element), Holothuriensklerite und Reste von Schwebcrinoiden (Ramovš, 1986d, 149-150). Diese in der Geologischen Karte des Blattes Celovec (Klagenfurt) 1:100.000 (B u s e r, 1978) als Ladin festgestellten Schichten sind dem oberen Teil der norischen Stufe zuzuschreiben. 230_Anton Ramovš Die Kamniker-Savinjer Alpen Oberkarn in der Hallstätter Ausbildung In der Nähe vom Biwak unterhalb des Skuta-Berges, mittlere Kamniker-Savinjer Alpen, führen die grauen und bräunlichen Plattenkalke vereinzelte Ammonitenreste, häufige Brachiopoden, zahlreiche Foraminiferen und Epigondolella nodosa (Haya- shi). Die Conodonten sind von Holothurien Skleriten, Schwebcrinoiden Resten, Fischzähnchen und Ostracoden begleitet. E. nodosa besagt tuvalisches Alter. Die Kalke unterhalb des Skuta-Berges sind ein Äquivalent der oberkamischen Kalke in den nördlichen Julischen Alpen, welche ein Äquivalent der oberkamischen Hallstatt- Ausbildung der Nördlichen Kalkalpen darstellen (Ramovš, 1989). Unternorische conodontenführende Kalke in Kamniker-Savinjer Alpen Im Fundort Sleme, südlich des Skuta-Berges, mittlere Kamniker-Savinjer Alpen, kommen dunkelgraue gut gebankte homsteinknollen- und linsenführende mikritische Kalke vor. Sie haben eine ausserordentlich artenreiche Holothurienfauna und verein- zelte Conodonten geliefert. Epigondolella abneptis (Huckriede) und E. spatulata (Ha- yashi) beweisen das Untemor Die Plattformconodonten sind von häufigen ramiformen Conodonten-Elementen, Schwebcrinoiden-Resten, Fischzähnchen und - schuppen, auch Nurella, begleitet (Ramovš, 1994b). Eine ähnliche tiefmarine unternorische Ausbildung ist noch an anderen Orten zu erwarten. Das Gebiet in der Umgebung von Mirna und Krmelj Im alten Steinbmch südlich der Eisenbahnstation Mirna, nordwestlich von Novo mesto habe ich die Tuval-Unterstufe mit zahlreichen Paragondolella polygnathifor- mis (Budurov & Štefanov), Enantiognathus ziegleri (Diebel), Ozarkodina tortilis Tat- ge und Bruchstücken der Tropitidenfauna nachgewiesen (Ramovš, 1975, 105, 106). Später (Ramovš, 1978a) wurden die gut gebankten Kalke im alten und neuen Steinbruch in Mima Ortschaft mit 37 Conodontenproben genauer untersucht. Im un- teren Abschnitt der Schichtfolge (12 Conodontenproben) überwiegt Paragondolella polygnathiformis (Budurov & Štefanov). Nur zwei Proben lieferten auch Epigondo- lella nodosa (Hayashi) {subbulatus-Zone und unterer anatropites-Bereich). Der mitt- lere Abschnitt der Schichtfolge mit überwiegender Epigondolella nodosa und weni- ger häufigen P polygnathiformis wurde in die macrolobatus-Zone (oberer anatropi- tes-Bereich) eingereicht. Im obersten Abschnitt der Schichtfolge bei Debenec kom- men Epigondolella abneptis (Huckriede) und E. nodosa vor P polygnathiformis ist nicht vertreten. Diese Kalke sind in die kerri-Zone (unteres Nor) eingestuft. In dem kleinen verlassenen Steinbmch and der Strasse Krmelj-Šentjanž, nördlich von Novo mesto führen wechsellagernde dunkelgraue plattige Kalke, Mergelkalke und Mergelschiefer eine kleine Tropitiden-Fauna mit Tropites cf. subbulatus (Hauer), T. cf. discobullatus (Mojsisovics), Paratropites cf. dittmari (Mojsisovics) und Arcestes cf. parvogaleatus Mojsisovics (letzter nur Lac, Untemor) (Kühn & Ramovš, 1965). In diesen ammonitenführenden Kalken kommen Paragondolella polygnathi- formis und Epigondolella nodosa, sowie Holothuriensklerite, Radiolarien, Schweb- Conodonten-Stratigraphie der Obertrias von Slowenien_ 231 crinoiden-Reste, pelagische Muscheln und Echinodermenreste vor (Ramovš, 1983, 154). Im Gebiet von Dolenjska (Ostslowenien) berichtet Ramovš (1975, 106) von co- nodonten- und ammonitenführenden homsteinführenden Kalken zwischen Krmelj und Šentjanž. Metapolygnathus (= Paragondolella) polygnatiformis (Budurov & Šte- fanov), Enantiognathus ziegleri (Diebel) und Ozarkodina tortilis (Tatge) kommen zahl- reich vor Tropitiden-Ammoniten und Conodonten der polygnathiformis-Zone bewei- sen oberkamisches Alter Schriftum B u s e r, S. 1978: Osnovna geološka karta SFRJ 1:100.000, Celovec (Klagenfurt). - Geološki zavod Beograd, Beograd. В u s e r, S. 1990: Slovenija. Geološka karta 1:500.000. - Geodetski zavod Slovenije, Ljubljana. В u s e r, S. 1997: Slovenija. Kamnine. - Enciklopedija Slovenije 11, 314-319, Ljubljana. F 1 Ü g e 1, Н. 1969: Zum Alter der Amphiclinen-Schichten (Trias, Slowenien). - Oester Akad. Wiss; Sitzung math.-naturwiss. Kl. vom 29. Mai 1969, 137, Wien. 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