Vereinigte Laibacher Zeitung. Gedruckt mit Edlen von Kleinmayer'schen Schriften. ____ ,,««» ^ -- ^—-—-— ^^>^»»»- Dienst ^ g den 5. Dezembcr i 8 15. Oe ster reichische Staaten. Wien. Ä^ack Berichten aus Venedig, beerten II. MM. das Volksfest des Freyspciscns mit Ihrer Gegenwart, welches am 16. Abends bey heiterem Wcttcr Statt fand. Es war dazu auf dem Hauptpsatze ein herrlicher Tempel errichtet, zu dessen Eingang von allen Seiten eine Stufenrcihc führte. Das Innere war mit Braten nnd andern Speisen, und zahlreichen Brodbaufen verzieret, und unten waren viele Fasser mit Wein umhcr-gerichtet. An den vicr Ecken des Platzes waren Sttigbaume errichtet, an deren Gipfel eine Belohnung in Gelde und Speisen befe-stiqet waren. Mehr als ^0,000 Menschen waren auf dem Platze versammelt. Durck beynahe zwey Stunden- wurden Speisen uud Trank verabfolget und ausgeworfen, während mebrcre mit und ohne Erfolg sich versuchten , die Stcigbäume zu erklettern. Das Fest schloß mit einer allgemeinen Beleuchtung des Tempels und des Platzes. Alles war dabey eraotzt; die öffentliche Ordnung bUeb "ngesiörV ,^, lW. Z.) D eu tschla n^ d. Vom Nl cin den 10. Nov. Nuter ^en neulich zu Paris erschienenen politischen Flugschriften erregen 2, worinn sich, wie man glaubt, die Denkungsart der gegenwärtig in dcn Tuillerien herrschenden Parthey offen ausspricht, besonderes Aufsehen. Die eine führt den Titel: „Ein Wort an die 2 Kammern." Diese werden darinn im lahmen der Ehre und des Vaterlandes auf- , gefordert, die sogenannte konstitutionelle Kar-' te für nichtig zu erklären, sich selbst aufzulö« sen, und Frankreich seine alte geheiligte. Regierungsform, die absolute königliche Gewalt, zurück zu geben. Stets, erklärt der Verfaß scr, würden die ächten Noyalistcn, der Ehre und dcn alten Grundsätzen getreu, jedeVer-fassung verabscheuen, die ulcht die alte Monarchie, für welche sie 26 Iihre gefochten rmd gelitten hatten, uubedmgt herstellte. Die 2te Flugschrift heißt: ^'änwl il^cl^ l^ s'.ka^ ju-Z>>>, on nn^ lbtNf>«u^c»iet« Hierwird der König aufgefordert, jene elende Karte, die doch seinen wahren Grundsätzen entgegen sey, zu vernichten. Er solle sich hierzu des Bundes der Könwe nud der 6oc>,nnci, Bajonette, die ihn den Franzosen wieder geschenkt hatten, bedienen. Die Souverains wären ja verbündet, um dcu Grundsatz dcr Legitimität uud des göttlichen Ursprnngs der königliche« Gewalt übec.U herzustellen; sie köunten nicht zugeben, daß in Frankreich andere Grundsatze, und die sogenannten liberalen Idccu dic Oberband behielten lc " (G. Z.) Italie n.' Nachstehender Brief, den Mürat am Tage seiner Hinrichtung an seine Gemablin geschrieben haben soll, zirkulirt zu Neapel und Rom. Wir trauen uns dessen Aechthelt nicht zu beurtheilen, doch scheinen verschiedene innere und äussere Kennzeichen gegen dieselbe zu streiten. „Meine theuere Karolinc! Meine letzte Stunde ist gekommen. In wenig Augenblicken habe ich zu leden aufgehört Du .wirst seinen Gemahl und meine Kinder keinen ''Vater mehr haben. Gedenke meiner; verwünscht mein'Andenken nicht; ich sterbe unschuldig. Mein Leben ist durch kciu ungercch-) Dem Pariser Museum bleibt nack Wegnahme der geraubten Sachen, und außer den früher rechtmassig besessenen Kunstschatzcn immer doch ein großer Zuwachs durch die vom Prinzen Cammillo Vorghese durch Napoleon fur 12 Millionen Franken verkauften Kunst-schätze, wovon jedoch dieser Prinz nur 3 Millionen baar erhielt; 6 Millionen Franken wurden als Rescriptionen aufdas große Buch eingetragen, und für 3 Millionen Franken erhielt er dirAbtey Lucedia inPicmont, ^auf welche aber der Rechnungshof in Turin im vorigen Jahre Beschlag gelegt bat. (P. 3.) Die Familie Bonapartes hat wegen Mu-rats Tod zu Nom tief Trauer angelegt; die meiste Wirkung soll oje Nachricht ausLucian hervorgebracht bähen, von dem einige behaupten, er bade durch Rathschläge manches beige-tsaqen sNurat in sein Verderben zu ziehen. GZ) Päpstlicher Staat. Nach Berichten aus Rom hatLucianBoi «aparte einem Sohne, womit seine Gemahlin im vorigen Monate niedergekommen ist. die Nahmen Peter Napoleon gegeben. (G. Z.) Schwein. Der kleine Ratb des Kautons Zürich bat unter dem 7. November, durch den überaus hausig gewordenen Gebrauch der mindcrjäb-rigen Jugend in Fabriken und Spinnmaschinen veranlaßt, eine Polizei-Verordnung erlassen , dcr zu Folge die Kwdcr nicht vor dem zurückgelegten nennten Altcrsjahr in jcnen zugelassen werden dürfen, die Repctirschulcn und den Neligions-Unterricht weiter regelmässig besuchen, höchstens 14 ßStnnden täglich zu Arbeit angehalten wcl den, in Hinsicht aus die Verwendung ihres Lohns oder Arbeitsverdienstes unter dem Gehorsam der Eltern, und in deren Ermanglung, oder bey Liederlichkeit derselben, unter jenem ihrer Vormünder, oder des Pfarramtes stehen sollen» (W. Z.) Basel. Vou den hier wohnbaften jüdischen Familien , welche binnen eines gewissen Zeitraums Basel verlassen solleu, haben neun Erlaubniß zu dlciben erhalten, bis die Tagsatzung c . cn allgemeinen Beschluß über die in'dex Schweiz domiziliirtcn Juden gefaßt hat. (B. v. T.) F ra u «f r e ! ck. Am 12.N. wurde zu Paris ein Mensch verhaftet, der Portraits dcr Brüder und Scl'westcrn Bonapartes zuui Verkaufbcrum-trug. Man begreift nicht, agt die Gazette dc Irancc, wie cs Leute geben kann, die um eines geringen Gewinnes willen sich der Ahndung der Gesetze Preis geben. Zu Chaumont wurden neulich zwcyzu den Galcren verurtheilte Verbrecher auf dem Marktplätze zur Schau ausgestellt, Wahrend der ganzen Zeit, da sie auf der Bühne standen , sangen sie unablässig Lieder zum Lobe Bonapartes, Dieses erinnert, wie ein Pariser Blatt bemerkt an jenen Meuchelmörder, der mit Danton zn Richtplatze geführt wurde, uud anf dcm ganzen Wege dahin schrit; „es lebe der Kaiser!" (W. Z.) Ein englischer Soldat, der in BeUeville jn Ouarticr lag, ist eines Mordes überwiesen und ^um Tode verurthcM worden. Er grub sich selbst seine Grabstätte, esie cr erschossen wurde. (B. v. T.) Am 4. d. wurden mehrere Offi;icre von den Gardes du Corps, wclche höbcre Grade erhalten hatten, dem Kö,,ige vorgestellt. Darunter befand sich auch Heinrich v^n Labcdo-ycre welcher von Untcrlicutcnant znm Lieutenant avancirt war. Als der Prinz von Poir in desscn Kompagnie er I'.ch befindet, seinen Nabmcn auslpracs», heftete der König einen Blick der Güte und eines besondern Wohlwollens auf den Jüngling. Er machte 3 Schritte vorwärts, als ob er ihm entgegen gehen wollte und sprach folgende in dlesen Um, standen und durch ihre edle Einfachheit so rührende Worte: „Hr. von Labedoyere, es freut mich ungemcin, Sie zu sehen " Hn diesem Angenblick trat Monsieur ein; der König öffnete seine Arme, und der Prinz stürzte ihu entgegen. Die Rührung der Zu-sther war allgemein. (Pr. Z.) Sämmtlichen Redakteurs der hiesigen Zcitblatter ist anbefohlen worden, nicht mehr weder des Herzogs von Orleans noch dcrBo-napart'schen Familie zu erwähnen. Unter den Zeuge» - Aussagen gegen Ney ii'nd die des Baron von Capellcn, Prafcktcn d