m C| mnm b w ■TUTnOLO^ISaflKlILTCJI- , 5rmm % % n. žu o o o I. I SL tMWTf*MM!M MME> LEMIEI ^IN BEI ° o INPANTEKlE-Cdl&TTENSCHtILE IM IMIIMtt Mo bo Wilh. Blanke’s Nachfolger IVI A X ISLSN6 . r .m™ : wi k. J j ike, ITlarbuKi. , ' M — Už a/ D pJK ( / Ul Eommissions-Verlng von: Wllhelm Blanke, marburg. '•*> »> l-l >• ? O^o^r^Zi inftcilf Seite Vorbemerkung 1 I. Allgemeines iiber die Entstehung, sowie die Re- sultate der untersuchten Ortsnamen 4 II. Erklarung der einzel- nen Ortsnamen 24 Altendorf 24 Amtmannsdorf 31 Barislofzen 32 Braunschweig 32 Brezula 33 Dobrofzen 33 Drasendorf (bei Pettau) 34 Drasendorf (b. Kranichs- feld) 35 Dvoršina 36 Ebensfeld 38 Georgendorf 39 Gersdorf 39 Golddorf 24 Goritzen 40 Haidin 41 Jabling 45 Jeschenzen 46 St. Johann 46 Kotsch 46 Kranichsfeld 47 St, Kunigund 50 Lack 50 Lanzendorf 51 Lendorf 51 St. Lorenzen 52 St. Margarethen 52 Markldorf 53 Druckfehler=Berichtigung: 1 Seite 3, 5. Zeile von unten lies: gebahnten, statt: gebannten; ,, 5, 20. „ oben „ : solchem. „ : solchen; „ 6, 8. „ „ „ ist »Ottendorf« zu streichen, dafur »Sieben- dorf« einzusetzen; „ 32, 10. Zeile von oben lies: erhaltenen, statt erhaltenem. Vorbemerkung Uber die Urbewohner von Steiermark schrieb Muchar, der Verfasser einer eingehenden Geschichte der Steiermark, folgenden Satz: »Die undankbaren, die wahre Geschichte nur verwirrenden Zuruck- und Ableitungen von Eigennamen und topographischen Benennungen in der Steiermark auf das Slo- venische, oder von dieser Sprache, nruss man als grundlose ethymologische Spielereien bedauern.« 1 ) Diese Ansicht war die aussere Veranlassung der nach- folgenden Untersuchungen, deren Resultat — dies sei gleich hier bemerkt — ein geradezu entgegengesetztes ist. Muchar hat mit Vorliebe jeden nichtdeutschen Orts- und Eigennamen fiir keltisch erklart. Es hatte mir eine aufrichtige Freude bereitet, wenn ich ein keltisches Wort entdeckt hatte, da ich mich hiezu eigens durch keltische Studien vorbereitete, aber bis heute, wo ich eigens zu diesem Zwecke die Ortsnamen Steiermarks fliichtig, die des Pettauer Feldes aber griindlich ethymologisch durchgearbeitet habe, fand ich keinen Namen, den man mit voller Sicherheit der keltischen Sprache zuerkennen konnte. Ich tibergebe nun diese wahrlich mtihevolle Arbeit allen Freunden undVerehrern derSprachenkunde und Culturgeschichte mit dem Wunsche, sie mogen die Darlegungen ebenso objectiv aufnehmen, wie sie der Verfasser ohne jede vorgefasste Meinung darbietet. Jenen Forschern aber, die das keltische Gebiet pflegen, bringe ich den menschenfreundlichen Rat Flieger’s (Mitth. d. Anthropologischen Gesellschaft VII p. 284) in Erinnerung: „Man solite die Schriften der Keltomanen auf den Index setzen, damit nicht sonst ehrliche Forscher auf Irrwege geleitet werden“, auf *) Muchar, Geschichte d. H. Steiermark, I. p. 21. — 2 _ dass sie nicht tatsachlich mit »grundlosen etbymologischen Spielereien« ihre Zeit vergeuden, wie es der Verfasser leider zu spat erfahren musste. Es war in dieser Publication unvermeidlich, die gleichen Ansichten bei verschiedenen Artikeln nicht zu \viederholen, umden Gegenstand filr sich verstandlich zu machen und den Orts- namen selbst ohne viele Hinweise abzutun; nur dort, \vo dies zu weit gefilhrt hatte, wurde auf den betreffenden Artikel hin- gewiesen. So liess sich z. B. Altendorf und Golldorf vereint besprechen, weil der Namensbeginn filr beide als derselbe an- gesehen wird; hingegen mussten aber Pettau und Haidin ge- trennt behandelt werden, obschon die temporare Gleichbedeutung der Namen ervviesen ist, weil die ethymologische Entwicklung eine verschiedene ist und sich die Darlegungen allzu verworren gestaltet hatten. Eine wesentliche Erleichterung filr das Verstandnis ein- zelner Behauptungen hatte die Beigabe einer Cbersichtskarte geboten, doch musste mit Riicksicht auf die dadurch herbei- gefiihrte wesentliche Verteuerung dieser Schrift davon abgesehen werden, was umso leichter geschehen konnte, als ja heute vor- ziigliche Militarkarten jedermann um geringes zuganglich sind und auch das Lesen derselben, besonders gefordert durch den Unterricht wahrend der Militardienstzeit, selbst in den untersten Schichten des Volkes schon ziemlich gelaufig geworden ist. Bei den Ortsnamen des Mittelalters, die zumeist dem vor- trefflichen Werke Zahn’s : »Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter« entnommen sind, wurden aus diesem Grunde die Hinweise unterlassen; die sonstigen Quellen sind in der Fuss- note ersichtlich. An dieser Stelle ist es auch meine Pflicht allen jenen Personen sowie Behorden, welche meine Arbeit durch Auskiinfte, Ratschlage sowie Verleihung von Werken forderten, meinen innigsten Dank zu sagen. Zu ganz besonderem Danke bin ich aber dem geistl. Rate und Pfarrer in St. Marxen bei Pettau, Herrn Matthaus Slekovec verpflichtet, welcher mit seinem grtindlichen Wissen auf dem Gebiete der steiermarkischen Ge- — 3 — schichte scnvie dem eigenen reichhaltigen Quellenmateriale meine Sache in zuvorkommendster Weise untersttitzte. Es ist moglich, ja ervviinscht, dass manche dieser Er- klarungen und Vermutungen von weit berufenerer Seite richtig- gestellt werden; der Verfasser ist durchaus nicbt im Unklaren dariiber, dass sich derjenige, welcher mit wissenschaftlichen Arbeiten vor die Ofifentlichkeit tritt, den Vorwurf von Irrtiimern und Tauschungen bieten lassen muss, was demjenigen erspart bleibt, der sich schopferisch nicht betatigt oder gebannten Wegen folgt. Ist aber diese Nachpriifung eine sachgemasse, so wird sich der Verfasser darob aufrichtig freuen, mit der Weckung des Interesses fiir diesen Gegenstand gleichzeitig auch eine Klarung der Meinungen erreicht zu haben. I. Allgemeines uber die Entstehung sowie die Resultate der untersuchten Ortsnamen. Den Grand zur Geschichte der Volker bildet die Geschichte der Sprache derselben. Die Weltgeschichte selbst weiss nichts von den ersten Ansiedlungen der Menschen, von der Bildung und Trennung der ersten Volkerstamme; niemand hat es uns ubermittelt, welche Momente massgebend waren, dass sich ilber den ganzen Erd- boden, ja selbst bis auf die erst in jungst verrvichener Zeit noch unbekannten Lander, die infolge der Unzulanglichkeit der Schiffahrtskunde durch Jahrtausende fiir sich vollends abge- schlossen waren, ein ausgebreitetes Netz verschiedensprachiger Volker hingezogen hat. Nur ein einziges Buch lasst nns auf wenigen Seiten erhabenen Inhaltes in das Geheimnis jener tiefen Dunkelheit blicken, welche die frilhesten Zeitalter des Menschen- geschlechtes bedeckt. Die Geschichte des Alten Testamentes beschrankt sich aber lediglich auf die Feststellung, dass es bis zum Turmbaue zu Babylon nur eine Sprache gab, und bietet uns sonst nur allgemeine Wahrheiten, ohne sie tiefer zu be- grunden. Wo daher die Geschichte schweigt, da muss die Sprachforschung im Vereine mit der Erdkunde einsetzen und die abgebrochene Brucke wieder herstellen. Der Kern der vorliegenden Arbeit ist seinem Umfange nach nicht derartig, dass er eine weitgehende Betrachtung tiber die Synglosse sowie die Entwicklung der Sprachen herausfordern wilrde; immerhin muss aber zugestanden werden, dass die Ent- stehung der Ortsnamen gleichfalls ein kleines Abbild der Ent- stehung der Sprachen bietet. Ebenso wie in der Kindheit aller Sprachen gewisse nahe- liegende Begriffe, als: Hohe, Tiefe, Hohlung, Vorsprung, Licht, Finsternis, Warme, Kalte, Vater, Mutter u. a. m. durch den — 5 — gleichen Grundlaut und nur durch einsilbige Worter ausgedrilckt wurden, so wird dies auch bei der Benennung der ersten An- siedlungen der Fali gervesen sein. 1 ) Die heilige Schrift erzahlt uns auch, dass Gott selbst dem Adam die Tausende von Ge- schopfen, die das neue Reich bevolkerten, vorgefuhrt habe, damit- er dieselben benenne, — ein Beweis, dass die Sprache nicht erst eine Frucht langen Nachdenkens und auch nicht eine allmalig entstandene Erfindung, sondern eine der Psyche innevvohnende Fahigkeit ist, dasjenige, was einem vor die Augen tritt, auch solort mit einem Namen zu belegen; und genau so gieng es auch zu bei der Entstehung der ersten Ortsnamen, wobei das zufallige Erfassen eines beliebigen, momentan auf- fallenden Gegenstandes oder eine kurze Charakteristik der Gegend dauernd massgebend ward. 2 ) Der grosste Fehler, den die Forscher nach der Herkunft der Ortsnamen begehen, ist daher der, dass sie den Ursprung derselben in Feinheiten suchen, die ein nattirlich entstandener Name niemals besitzen konnte und sprachvvissenschaftliche Sectionen vornehmen, durch die sie geradezu auf den Holzweg geraten mussen. Bei solchen subtilen Sinnieren kommt es meist dahin, dass man allzuleicht daran vergisst, auf welche primitive Weise sich auch die urspriinglichen Benennungen der Ort- schaften ergeben haben mussen, und dass die Ergrundung der¬ selben umso leichter erscheint, je einfacher diese Vorstellung ’) Vergleiche z. B. nachstehende Begriffe mit dem Sanskrit und einersonstigen modernen Sprache: Ach, Ar, Au, Kar, Hart, Hag, Berg, Tal, Wald, Bach, Fiuss, Strom, Haus, Hof, Dorf, Vater, Mutter, Schwester u. a. 2 ) Abgesehen von den vielen, spater einzeln behandelten Orts¬ namen, welche fiir diese Behauptung Zeugnis geben, sei hier ein beson- deres Beispiel angefiihrt. An der Drann liegt in der Pfarre Maria-Neu.-.tift da^ Dorf Dokletzen (slov. Doklece), dessen Wurzelwort das slovenische Zeitwort »doklicati« (errufen) bildet. Die Entstehung dieses Namens ist trotz der scheinbar weithergeholten Entstehung sehr einfach. Vom Maria- Neustifter Hohenriicken fiihrt zur Drann ein langerer Hohlweg, welcher keine Ausweichplatze hat. Langt nun auf der Hohe bei der Einmiindung des Hohlweges ein Fuhrwerk an, so ruft der Wagenlenker mit kraftiger Stimme ins Thal hinab. Erschallt aus dem Hohlvcege ein Gegenruf, so ist dies das Zeichen, dass das obere Fuhrwerk nicht weiter fahren darf; meldet sich niemand, so ist der Hohlvveg frei. Am Ausgange des Hohl- weges entwickelte sich spater eine Ortschaft, welche den Namen von der Stelle ubernahm, wo man sich zu »errufen« pflegt. — 6 — dariiber ist. Die unbeeinflusste Betrachtung des Ortes in Bezug auf die Lage, die Bodenbeschaffenheit, die Bepflanzung ergibt bereits die Anhaltspunkte fiir die Genesis des grossten Teiles der Ortsnamen ; Begriffe abstracter Natur waren fur die Namen- gebung selten entscheidend, sind zweifellos immer spatere Bil- dungen und beziehen sich vorvviegend auf besondere Charakter- eigenschaften der Bewohner, die der Volkswitz gezeitigt oder die Volkskritik vvahrgenommen hat (z. B. bei Barislofzen und Ottendorf,) oder wurde aber der urspriingliche Name aus Not- wendigkeitsgrtinden oder naturgemass (z. B. durch Unterschei- dungen mit: Gross, Klein, Ober, Unter) erweitert, \veil die vielfach gleichlautenden Namen weitere Unterscheidungen er- heischten. Leider ist aber die Vorbedingung, jene Urspriinglichkeit zu erkennen, wenn diese auch sozusagen auf der Strasse liegt, schwer festzuhalten, da sie ein offenes Auge erfordert, dessen Betrachtung das Einfachste, Alltaglichste und Gewohnlichste nicht entgehen soli, und eine Psyche, welche die Aufmerksam- keit nur auf einen bestimmten Gegenstand richtet, was dem Gebildeten, dessen Gedankenflug zu gleicher Zeit verschiedene Spharen durcheilt, bereits bedeutende Schvvierigkeiten macht. In Steiermark šelbst ist aber die Forschung nach dem Ursprunge und der Urlorm der Ortsnamen noch dadurch sehr erschwert, dass die Bezeichnungen in weituberwiegender Zahl slavischen Ursprungs sind, welche aber mit der fortschreitenden Zeit in ihrer Aussprache immer deutschklingender und in ihrem Aussehen immer deutschahnlicher wurden. — Es ist daher ein Gebot fiir alle ethymologischen Arbeiten dieser Richtung vor- erst auch die altesten Namen, wie solche gelegentlich in Ur- kunden erwahnt werden, zum Ausgangspunkte fiir die Erklarung zu nehmen, da oftmals nur mit Hilfe dieser die sprachlichen Wandlungen eines Namens in die richtige Relation gebracht werden konnen. Die Nichtbeachtung dieses Grundsatzes war bisher meist Ursache, dass die ethymologische Erklarung so manchen Namens misslang. Uberdies liegen Ortsnamen vielfach dialektische und oft — 7 nur local bekannte Wortformen zugrunde, welche sich den sprachwissenschaftlichen Regeln nicht mehr unterworfen haben; andererseits lernt man in den seltensten Fallen die Ortsnamen in ihrer urspriinglichen Gestalt kennen, kann sie daher nicht nach riickwarts verfolgen, weil sie mit den sprachlich bekannten Lautreflexen gebrochcn haben, sobald sie in eine andere Sprache ubernommen worden sind. Das Resultat der vorliegenden Untersuchungen hatte daher trotz des verhaltnismassig kleinen Gebietes, welches es erortert, bedeutende Schwierigkeiten zu iiberwinden, wovon die Ent- fernung von den reichen Quellen-Centren und erforderlichen wissenschaftlichen Behelfen noch nicht die bedeutendsten waren. Die gewissenhafte Klarlegung eines einzigen Namens erfordert bisweilen einen mehrfachen Besuch desselben Ortes, sie erheischt sogar manchmal einen langeren Aufenthalt daselbst, um giinstige Gelegenheit zur Anknupfung eines Gespraches zu finden und bei den Ortsbewohnern auf suggestivem Wege Ausserungen hervorzurufen, die sie bei einer directen Frage, oft aus Miss- trauen, nicht aussprechen wollen.‘) Trotzdem ware die Arbeit noch immer weit hinter dem Wollen zuriickgeblieben, wenn dem Verfasser selbst nicht giin- stige Vorbedingungen zu Gebote gestanden waren. Ihm erleich- terte nicht unwesentlich der Umstand die Erreichung des Zieles, dass er in dieser Gegend die Jugendeindrucke erhalten, dass er daselbst lebt, und wirkt, denn die volle Vertrautheit mit den ortlichen und folkloristischen Verhaltnissen, sowie die genaue Kenntnis der Sprache und Gescliichte der Bewohner, sind dazu unentbehrliche Voraussetzungen. * 2 ) ‘) Auf Grund vielfach gemachter Erfahrungen muss jedoch jedem Forscher geraten werden, solche Auskiinfte recht skeptisch aufzufassen und sie immer noch genauer zu uberprufen, da sie meist eines tieferen Wcrtes entbehren. 2 ) Die Kenntnis der Technik von Suffix- und Wurzel-Metamorphosen fiihrt ohne personliche Begehung der zu erorternden Gegend schvver zu einem reellen Erfolge. Ein auffallendes Beispie) bietet uns die nicht in den Rahmen dieser Arbeit fallende Oitschaft Ziatten (sudlich von Bruck a. M.) Der Ethymologe wird nach der Schreibvveisesofort schliessen, dass dem Namen das slovenische Wort »zlato« (Gold) zugrunde liegt, womit sich der Forscher im Zimmer zufrieden geben wird. Wiirde er — 8 Wo heute ingeschlossenen Massen Deutsche wohnen, sassen vor mehr als tausend Jahren durchvvegs Slaven, deren unver- falschte Namen uns in alten Aufzeicbnungen begegnen. Als aber im 12. Jahrhunderte mit dem Auftreten des deutschen Ritterordens das slavische Element zuriickgedrangt und mit Hilfe der heimischen Geistlichkeit diesem Bestreben Nachdruck gegeben wurde, beginnt die Germanisierung, zugleich aber auch Verbildung und Entstellung der bisher gangbaren Ortsnamen in einer Weise, die man vom Standpunkte der Philologie ge- radezu gewaltsam bezeichnen muss, die aber naturgemass var, da es sich damals nebst Gebietseroberungen mehr um die An- passung der vorgefundenen, in Aussprache und Bedeutung dem Deutschen unbequemen und zugleich unverstandlichen Orts¬ namen an die eigene Sprache als um nationale Empfindlich- keiten gehandelt haben \vird. 1 ) Die Anderungen der Namen erfolgten in zweier!ci Weise. Hatte der Name eine bekannte Bedeutung, so wurde er in das Deutsche tibersetzt. (Z. B. aus Stoperce [stopa = Stampfe) wurde im J. 1440 »Stampfendorf»; spater verlor sich aber der deutsche Name rvieder; das auf dem Territorium des jetzigenKarntnerbahn- hofes in Marburg i. J. 1130 gelegene »Zegoinezelo« und »Zego- newoz« wurde zu »Zigeunerdorf« (cigan Zigeuner);aus »Sabiach« (žaba = Frosch) v. J. 1357 wurde »Krottendorf«; in einem Falle wurde falschlich »Sctnvabcndorf« daraus; klang aber der Name in seinem Wurzelworte slavisch, man wusste aber keine Uber- setzung dafilr, so trat die »Anpassung« ein, indem das Wort schreib- und mundgerechter gemacht wurde, u. z.: a) durch geanderte Schreibvveise; z. B. aus Kosmač (der Bartige) wurde Gottsmathz; aus Kočevje (koča = Pliitte) Gott- aber den Ort besuchen, so šahe er, dass ein Sauerling daselbst ent- springt, wonach der Name dem slovenischen Worte »slatina« (Sauer- wasser, eigentlich Salzwasser), entstammt. 4 ) Eine Analogie spielt sich heute in Ungarn ah, \vo die Magya- risierung der deutschen, slavischen und rumanischen Eigennamen von amtswegen gefordert wird, was aber nicht hindert, dass nach Jahrhun- derten bei geanderten ethnographischen Verhaltnissen die Hervorholung der urspriinglichen Namen wieder platzgreifen kann. — 9 — schee, aus Lešnik (Haselnuss) \vurde Loschnigg, als kame es vom Begriffe: loschen; b) durch Einsetzung eines deutschen Suffixes an Stelle des slavischen; z. B. aus Melnik wurde: Melling; aus Duplek: TSubling; aus Goriza: Goritzen; aus Pobrežje: Pobersch. Die Klarung der Entstehung der Ortsnamen ist bis heute, da sich fiir dieses Forschungsgebiet kein Interesse allgemeiner Natur bietet, recht riickstandig geblieben, und doch verdient dieses Thema vom ethnischen und staatsokonomischen, besonders abervom wissenschaftlichenStandpunkte eine grossere Beachtung. Es ist kein Zweifel, dass die Kenntnis der Vergangenheit eines Ortes oder eineš Besitzes in den meisten Menschen die Achtung und das Selbstbewusstsein hebt; 1 ) diese beide festigen die Liebe zur Heimat und machen die Ahnenscholle schatzens- werter; die solcherart wachgerufene Pietat wiirde in manchem Falle den Unzufriedenen bestimmen, sich nicht so leicht seines angestammten Besitzes zu entaussern, gar mancher w(irde nicht zur Auswanderung schreiten, \venn er sich der Vergangenheit seiner Wiegenstatte bevvusst \vare, — ebenso wie sich viele, die im grossten Elende leben, eines wertvollen Erbstiickes noch an der Grenze des \virtschaftlichen Unterganges nicht zu begeben vermčgen, weil sich der Verehrungswert nicht ziffer- mžissig in den Geldvvert ummiinzen lasst. Wahrend aber diese Momente nur einen okonornischen Wert haben konnen, ist hingegen der wissenschaftliche Erfolg solcher Forschungen ein ausserordentlich dankbarer, denn die sprachvvissenschaftliche Erklarung der Eigennamen ist in dem Augenblicke, wo die Urkunden versagen oder die Angaben der Schriftsteller offenkundig bei Unkenntnis der Verhaltnisse oder aus subjectiven Grtlnden entstellt sind, oder aber ganzlich fehlen, die einzig ubrigbleibende Quelle, aus welcher wir das ‘) Ich habe z. B. die Erfahrung gemacht, dass sich die Kenntnisse der Familien-Chronik bei den Bewohnern des Pettauer Feldes, soviel ich auch fragen mochte, ausnahmslos nur bis zum Grossvater erstrecken; in vielen Fallen war aber dem Enkel nicht einmal der Taufname des ver- storbenen Grossvaters mehr bekannt. 10 — weitere Material fur die Geschichte schopfen. Wenn sich daher die alten Chronisten und Geschichtschreiber in ihren Behaup- tungen unbewusst irrten, \veil ihnen weder encyklopadische Werke noch gelehrte Gesellschaften lauternd an die Hand geh- en konnten, oder wenn sie bewusst einer einseitigen Auffassung zuneigten, weil ihnen dies Begeisterung, Hass, Furcht oder Raison dictierten, ihnen auch oft ein tieferes Wissen, kritischer Uberblick und Sprachkenntnisse mangelten, so werden diese Unvollkommenheiten durch die Blosslegung der sprachlichen Entwicklung der einzelnen Ortsnamen mitunter leicht wettge- macht, weil sich auf diesem Gebiete der organische Entwick!ungs- gang durch keine Nebenstorungen oder Willkurlichkeiten gan- geln lasst. Die Sprachforschung ist daher die ultima ratio auf jenem Scheidewege, wo uns die Denkmal- und Bautenreste, Urkunden und Schriftsteller verlassen und die Weltgeschichte in die vorhistorische Zeit hiniiberschivankt; die Sprachenkunde allein ist es, die noch hinter den Vorhang jener Weltenbiihne blicken lasst, wo das Dunkel der Sage vom Morgenrot der Geschichte noch kaum erhellt ist. In der vorliegenden Arbeit sind die Namen aller Ort- schaften des sogenannten Oberen Pettauer-Feldes, also der Ebene am rechten Drauufer (zusammen 78, wovon jedoch Pettau und Taubling am linken Ufer liegen) untersucht und, soweit irgend eine augenscheinliche Sicherheit oder doch motivierte Vermutung vorhanden war, ethymo!ogisch erklart worden. Das Resultat war ein ungewohnlich iiberraschendes. Es zeigt uns in ziemlich deudichen Umrissen, wie wir dem Her- kommlichen blind nachgebetet haben, und wie anders die Selbstanschauung und die eigene Production unser Denken und Empfinden aus dem Banne der Tradition hebt, wenn auch da- bei nichts derartiges an den Tag tritt, was nicht, mindestens als Vermutung, schon ausgesprochen worden ware. Vor allem sollen aber noch jene sprachlichen Erinnerungen erwahnt werden, die sich nicht auf die Ortschaften selbst, son- dern nur auf Eigennamen im allgemeinen und Redensarten dieses Gebietes beziehen, um festzustellen, wie leicht und zu- 11 — fallig schon diese entstanden sind und sich doch so constant bis auf dcn heutigen Tag erhalten haben, trotzdem sie meist nur den traditionellen Weg giengen. Es ist wohl naturgemass, dass auf einem Gebiete, auf welchem es von den Romerzeiten an bis liber die Mitte des 17. Jahrhunderts hinaus haufig von fremden Volkerschaften wogte, auch verschiedene sprachliche Erinnerungen zutuckge- blieben sind, vvelche uns untriiglich an diese Besuche erinnern wOrden, wenn audi alle sonstigen Beweise verloren giengen. Eigennamen ausgesprochen lateinischen Ursprungs und wohl aus der Zeit, als die Romer Gebieter auf dem Pettauer Felde waren, herrilhrend, sind die heute hier vorkommenden Zunamen: Jus, Špes, Vintus (Quintus), Flakus (P'laccus) u. a. m. Gleichfalls bemerkenswert ist es, dass der Slovene filr die Hunnen eine eigene Bezeichnung hat, obschon meist ange- nommen wird, dass die Slovenen an anderthalb Jahrhunderte nach dem Einlalle derselben diese Gegenden besiedelt haben sollen; er nennt sie »Pesjani« (Hundeleute) oder »Pesoglavci« (Hundekopfe); das Volk weiss sogar eine Geschichte von »Pes Atila« (Hund Attila) zu erzahlen, und schildert diesen soivie dessen Scharen nicht nur grauenhaft, sondern auch harfist phantastisch. Es ist kaum ein Zufall, dass die Bezeichnungen: Hunnen, Pesjani und Pesoglavci so iibereinstimmend an das Wort »Hund« anklingen. Es ist sogar melir als wahrscheinlich, dass die Hun¬ nen diesen Namen niemals fuhrten, 1 ) sondern, dass sie ihn erst von den untervvorfenen Volkern erhielten, wobei die abweichende Kopfbildung und das Essen des rohen, nur miirbe gerittenen Fleisches als namengebende Momente, obschon diese auch nur einer lebhaften Phantasie und den Gefuhlen der Verachtung entsprungen sein vverden, den Ausschlag gegeben haben diirften. Die Deutschen werden daher den Namen von den Slaven iiber- nommen haben, indem sie ihn zuglcich iibersetzten. Auch scheint der Name »Attila« gar kein Eigen-, sondern nur ein patriarchalisch gebrauchter Kosename gewesen zu sein, *) Priscus halt »Scythen« und »Hunnen« fur gleichbedeutend. — 12 ,— vvelcher etwa der Bedeutung »Vaterchen« (Diminutivum vom ata = Vater) gleichkam, analog wie heute der Car im Volke nur als »batjuška« bezeichnet wird, ohne dass der russische Bauer den eigentlichen Namen desselben kennt. Es scheint auch das slavische Element bereits in dieser Zeit von bedeutendem Einflusse gewesen zu sein, denn z. B. ein Solin Attilas heisst »Dengesič«, welcher Name vollends slavisch ist (denjgi, russ. Geld, »ič« das patronymische Suffix fur die Bezeichnung des Sohnes.) l ) Der Anruf »Kuruzzenkinder« (slov. kuruc-otroci) fur sehr schlimme und unfolgsame Kinder wird heute noch haufig ge- braucht und stammt aus der Zeit, als der Rebelle Doza (Docsi) mit seinen Kuruzzen (Cruci) das Untere Pettauer Feld beun- ruhigte (1514). 2 ) Die reichsten sprachlichen Erinnerungen stammen jedoch aus der Zeit der Turkeneinfalle. Die Periode vom J. 1396, wo Sultan Bajesid das Christenheer bei Nikopolis niederwirft und unmittelbar darauf die ohnehin vielgeprilfte Stadt Pettau plilndert und niederbrennt, bis zum glanzenden Siege bei St. Gotthard (1664), wo der Stadtcommandant von Pettau, der Reitergeneral Spork, mit den Steirern so rtihmlichen Anteil nimmt, — war das Pettauer Feld in steter Gefahr vor den Grausamkeiten der Osmanen. Es ist daher auch kein Wunder, wenn sich an diese Zeit, *) Man miisse iiberhaupt zur Vorsicht mahnen, die Hunnen immer unter die wildesten Barbaren einzureihen, denn die Namen Attila und Dengesič, dann die Vereinigung Attilas mit der Burgunderfurstin Kriem- hilde, der Besuch der Burgunden auf dem Hofe Attila’s, die Schilderung von grossen Palasten in der Residenz desselben, die Brautvverbung auf dem byzantinischen Hofe, bergen, wenn sie noch so sehr der Sage an- gehoren, doch den historischen Kern, dass es mit den Hunnen auch einen friedlichen, ja gastfreundschaftlichen Verkehr gegeben haben muss. Einzelne Schriftsteller (z. B. Priscus) halten Attila fur einen Herr- scher, der sehr edler Regungen fahig war, und fiihren auch beziigliche Beweise an. — Man soli den Hunnen, die sonach zum Teile unsere Vor- fahren sein konnen, vorsichtsweise nicht gleich den Charakter der Bar¬ baren beilegen, um nicht hinter den uncultiviertesten Volkern zu stehen, welche den Manen ihrer Vorfahren stets die hochste Achtung zollen. 2 ) Der deutsche Fluch »Kruziturken« ist gleichfalls eine Zusammen- setzung der Namen: Kuruzzen und Turken. 13 — die gleichsam das heroische Zeitalter der Slovenen bildet, An- klange mancher Art erhalten haben. Es erinnern daran die verschiedenen »Tiirkenberg« (slov. Turski breg) wo sich mit den Tiirken irgendein Ereignis ab- gespielt haben muss; dann »turski vrh« und »turski klanec« (Tilrkenhohe und Tilrkenschlucht) in der Pfarre Maria-Neustift bei Pettau, wo mehrere hundert Osmanen von den Bauern ilberfallen und niedergemacht worden seien. Jetzt vorkommende Haus (Vulgo)- und Familien-Namen,. als: Turk (Turke), Turkuš, Mustafa, Hasenmali, 1 ) Murat, Oman, Karadžija 2 3 * * * * ) erinnern an einzelne Osmanen, die aus irgendwelchem Grande (Gefangenschaft, Verwundung, Zuriicklassung von Kin- dern u. dergl.) ihren Namen nach bekannt worden waren, oder giengen aus bosartigen Vergleichen hervor, wenn man an den Mitbevvohnern Eigenschaften entdeckte, die ansonsten nur den Tiirken eigentiimlich waren. — Uberdies gibt man dem grim- migen Turkenhasse in dieser Gegend noch heute dadurch Aus- druck, dass man fast allgemein den grossen Hunden den Namen »Sultan« beilegt, und sich so einigermassen fur die tiirkische Bezeichnung der Christen »giaur« (djaur = Hund) zu entscha- digen scheint. 8 ) Auch manche Redensarten erinnern an die Zeit der Ttirken- >) Den Namen »Hasanmali«, auch »Hasenmali« (Hassan der Kleine) erklare ich mir dahin, dass aus der Vergeivaltigung einer Christin durch einen, Hassan genannten Tiirken ein Knabe entspross, der unter An- spielung auf den Vater urspriinglich scherzweise so genannt wurde, spater aber er und seine Nachkommenschaft dauernd diesen Namen behielten. Vielleicht ist aber darunter auch ein Turkenknabe gemeint, welcher gefangen oder zuruckgelassen wurde, dann die Taufe erhielt, — wie dies zumeist geschah, im Volksmunde aber unter dem fruheren Namen be¬ kannt hlieb. Die Taufbiicher bezeichnen allgemein solche Tauflinge mit dem Vermerk: natus in Saracenis. 2 ) Kara tiirk. schwarz, džijer tiirk. Herz, Leber. 3 ) Bidermann zahlt in der Abhandlung »Die Serben-Ansiediung in Steiermark etc.« (XXXI. Heft der Mitteilg. d. hist. Vereins f. Steiermark) auch den Namen Šalamun (v. Suleiman?) unter jenen, welche turkischen Ursprunges sind. — Ich glaube, dass dies nur auf den geschichtlichen und biblischen »Salomon« zuriickgefiihrt werden miisse, da dieser Name auch schon in einer Zeit vorkommt, als von den Osmanen in Europa noch keinc Rede war. (Nach der Wilkinasage war Attila im Bunde mit Salomon, dem Konige von Frackland [Frankland?]). 14 — einfalle. Schildert ein Bursche eine Rauferei beim Kirchweihfeste, so fehlt nicht oft der Vergleich: »Das Blut floss, wie in den Ttirkenkriegen« ; stellt jemand ein dringendes Verlangen, welches aber immerhin noch einen Aufschub vertragt, so pflegt man zu sagen: »Es ist doch noch nicht die Tiirkennot (turska sila)«, oder: »Warte doch, es kommen ja noch nicht die Tiirken!« Wenn die Romerin ihre Kinder mit der Erinnerung an Hannibal einschuchterte, so mahnt sie die slovenische Mutter allenthalben mit Erfolg zur Ruhe mit der Drohung: »Ruhig, sonst holt dich der Harumbascha!« 1 ) Ob dies ein bestimmter und dabei derart grausamer Osmane war, dass sein Name allein schon als Schreckenswort Geltung erliielt, ist wohl nicht mehr nachvveis- bar; mutmasslich ist darunter irgendein Osmane gemeint, der seine Grausamkeiten vorwiegend an Kindern austlbte. Ausserdem hat sich eine eigentiimliche und in ihrer Be- deutung heute nicht mehr verstandliche Redensart bei den Slo- venen des Pettauer Feldes erhalten, die ihren Ursprung in einer Zeit hat, fiir welche man die Slovenen noch nicht in den heu- tigen Wohnsitzen sesshaft wissen will. Die Lex Salica, in welcher schon um das Jahr 490 n. Chr. im barbarischen Latein die gesammten Volkerrechte der salischen Franken aufgezeichnet wurden, spricht unter anderem von dem Werfen der »chrena chruda« als dem Symbole fur die Zahlungs- unfahigkeit des Wehr- (Straf-) Geldes. Sammtliche mirbekannten Erklarungen dieses fremdklingenden Begriffes sind unrichtig, denn dieDeutungen »grilnes Kraut«, oder nach Grimm 2 ) »reines Kraut« stehen mit der ethymologischen Structur des Wortes in keinem organischen Zusammenhange. Chrena chruda ist ein rein slavischer Begriff und bedeutet wortlich »schwarze Scholle« (črna hruda bezw. gruda). Es išt J ) Man stellt sich heute darunter unbedingt einen Tiirken vor. Harumbascha war aber ausserdem die Bezeichnung fur den Feldwebel beim Serežaner-Corps, welches hauptsachlich die Bekampfung der tiir- kischen Rauber zur Aufgabe hatte. Die Serežaner waren sowohl wegen ihrer Tapferkeit gesucht, als auch wegen ihrer Rohheit und Grausamkeit gefiirchtet. In Dalmatien bedeutet »Harambnscha«: Dorfaltester. 2 ) Grimm, Rechtsaltertiimmer p. 116 . — 15 — daher begreiflich, dass man fur die ervvahnte svmbolische Hand- lung keinen rechten Zusammenhang finden konnte, weil die sprachliche Deutung schon im Prinzipe eine unzutreffende war. Das salische Gesetz sagt auch weiter, dass das Geworfene aus den vier Ecken der Stube zusammengerafft wurde; dieses kann wohl nur Erde gewesen sein, da der Estrich ungedielt war, und im Zimmer doch kaum Krauter wuchsen. Die sym- bolische Bedeutung dieser formellen Rechtssatzung war sonach nichts weiter, als der letzte Act der Vollstreckung der »chrene- chruda«, mit dem der zahlungsunfahige Wehrgeldschuldner Haus und Hof verlasst. 1 ) Was aber im salischen Gesetze verbucht stebt und weit am unteren Rheine, wo noch die salischen Franken wohnten, geiibt wurde, hat sich beim Bewohner des Pettauer Feldes noch lebhaft und in ahnlicher Bedeutung, wenn auch unbewusst erhalten, ein Zeichen, dass der stille Zusammenhang der sa¬ lischen Gesetzquelle bis zur Gegenwart noch keine wesent- liche Unterbrechung erfahren hat, denn der slovenische Bauer pflegt noch heute, wenn es ihm trotz Arbeit schlecht ergeht, zu klagen: »Ich stehe so viel aus, als die schwarze Scholle« (trpim, ko črna gruda), woraus geschlossen tverden muss, dass man die Erdscholle noch immer metaphorisch als den Typus alles Leides, gewissermassen als den Silndenbock ansieht. 2 ) Soweit fiihren uns die Betrachtungen iiber die Entstehung der Eigennamen im allgemeinen, sowie die der besonderen Redensarten localen Gebrauches. ‘) Die Lex Salica, ed. Behrend sagt p. 121: Si quis hominem occi- derit et totam facultatem data non habuerit unde tota lege conpleat XII juratores donare debet quod nec super terram nec suptus terram plus facultatem non habeat quam jam donavit. Et postea debet in časa sua introire et de quattuor angulos terrae in pugno collegere et sic postea in duropello hoc est in limitare stare debet intus in časa respiciens et sic de sinistra manum de illa terra trans scapulas suas jactare super illum quem proximiorem parentem habet etc. 3 )Dass die Bezeichnung »chrena chruda« nicht slavischen Ursprungs ware, dem wird die Philologie wohl kein wesentliches Bedenken entge- genstellen konnen. Ubrigens enthalt die Lex Salica noch mehrere Be- griffe slavischen Stammes, deren Aufzahlung wohl nicht in diesen Rahmen gehort, aber vielleicht in einer eigenen Publication dargelegt wird. — 16 — Es handelt sich nun darum, die eigentlichen Resultate der Untersuchung der Ortsnamen einer tlbersichtlichen Betrach- tung zu unterziehen. Von den einzeln behandelten Ortsnamen fallen sofort jene ab, die einen kirchlichen Namen fiihren. Die Entstehung derselben kann naturgemass erst in die Zeit nach der Christianisierung der Bewohner (also seit dem 9. Jahr- hunderte) oder iiberhaupt nach der Canonisation des betreffen- den Heiligen verlegt werden, auf welche VVeise der zumeist vorher bestandene profane Name fast ausnahmslos verloren gegangen ist. Desgleichen bilden jene Namen, welche seitens deutscher Einwanderer und Ministerialen-Geschlechter den von ihnen erbauten Schlossern und Meierhofen beigelegt worden sind, keinen weiteren Gegenstand der Untersuchungen, da sie zvveifel- los erst in der Zeit entstanden sind, als sich deutsche Adelige auf dem Pettauer-Felde ihre Wohnsitze zu griinden begannen, was wohl vor dem 10. Jahrhunderte nur ganz ausnahmsvveise eingetreten sein dilrfte. Einen Beweis hiefiir bietet uns die Bezeichnung »pagus Zitdinesfeld« fiir die siidlich der Drau gelegene Ebene, d. i. das Pettauer-Feld. An dieser Bezeichnung ersieht man, dass die Deutschen schon im Jahre 985, aus welcher Zeit eine Urkunde besagt, dass Konig Otto III. dem Grafen Rachwin 15 Konigs- hufen zuRazuuai (Rosswein bei Marburg, slov. Razvanje) schenkte, ftir diese Gegend einen deutsch angepassten Namen hatten, welcher zwischen den Formen: Zitdinesfeld, Zitelinesfeld und Zistelfeld (siehe Skorba) vvechselt. Der ursprtingliche und alteste Name Zitdinesfeld hat sicherlich den slovenischen Begriff »si- tina« oder »sitje« (Binsen, Schilf) zur Grundlage, womit eine sumpfige Gegend bezeichnet wurde. 1 ) ‘) Nach der Urkunde vom 20. November 890, welche aber offen- kundig eine Falschung ist, ware unter »Zistanesfeld« nicht so sehr das Pettauer-Feld, als die Gegend langs der Drau etwa von Marburg bis gegen Polstrau zu verstehen, obschon sich daraus auch kcine wesent- liche Anderung fiir die topographische Auffassung ergibt. Der Ausdruck »sitina« ist auf dem Pettauer-Felde in obiger Bedeutung unbekannt; wohl wird aber sitovje, sitje und sitovec (Binsengegend) noch heute ge- braucht. Mir macht es den Eindruck, als ware aus diesen Bcgriffen auch — 17 — Tatsachlich wanderte die Drau seit jeher auf dem Pettauer Felde, wasdie mehrfachen Lagen des Terrassen-Diluviums bezeu- gen, und hinterliess in den alten Betten eine bedeutende Area, welche reichlich mit Sumpfpflanzen bewachsen gewesen sein wird, von wo sich die Bewohner des linken Drauufers ihren Bedarf an Schilf, Binsen, Rohrkolben u. dgl. geholt haben werden. Die Gegenden bei Skorba, Haidin, Rogeis, Kranichs- feld, Pragerhof, dann das Gebiet des Pulsgau-Baches sind ja noch heute teils sumpfiger teils ziemlich nasser Natur. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass der Deutsche den Slovenen diese Stellen mit »sitina« oder »sitje« bezeichnen horte, und gelangte, da ihm die Bedeutung unbekannt war, (nur noch den Gattungsnamen »Feld» anhangend), zu der typischen Bezeich- nung des Pettauer Feldes. Wie bei diesem Beispiele, so gelangt man bei allen tibrigen Ortschaften zu dem Schlusse, dass der slovenische Name der ursprilngliche war, also keine Ubersetzung vorliegt; darin be- starkt uns auch der Vorgang bei den spater entstandenen An- siedlungen, welche von deutschen Colonisten herrtihren und ausschliesslich deutsche Namen ftihren, als: Ebensfeld, Warten- heim, Pragerhof, Windenau, Schneeweiss, Braunschweig, Stern- thal, Amtmannsdorf — also selten Ortschaften, sondern fast durchwegs Meierhofe und Schlosser sind — dass auch sie nie- mals in das Slovenische ubersetzt wurden, daher die mitunter gegenteilige Behauptung vollig unbegrundet ist. Dass die Ortschaften slovenischen Namensursprungs an dem einmal besitzenden Namen festhielten und durch keine Ubersetzung davon abliessen, ist auf dem Pettauer Felde wohl begreiflich, weil der deutsche Einfluss auf die Sprache der Bevvohner fast spurlos genannt vverden muss; merkwiirdiger ist es aber, dass in weiten, heute ungemischt deutschen Ge- bieten so viele Ortsnamen immer noch das offene Geprage slavischen Ursprungs tragen. Die deutliche Verfolgung dieser das heute allgemein gebrauchliche Wort »cedilje« (Hainsimse, lat. luzula, zur Pflanzenfamilie der Juncaceen gehorig) hervorgegangen, welches aber- mals Graser, die nur aut nassem Boden gedeihen, bezeichnet. 2 18 — Namen setzt sich liber Obersteiermark, Niederbsterreich, dann Karnten, Nordtirol bis liber den Bodensee, dann selbst bis an den Mittelrhein und an die Saale, also in jene Gebiete fort, die seit etwa 9 Jahrhunderten durchwegs deutsch sind oder wo zum mindesten die slavische Bevolkerung nicht die Amtsfiihrung inne hatte. 1 ) Wurde nun zu dieser Zeit die slavische Sprache von der deutschen bereits verdrangt, so muss wohl schon Jahrhun- derte vorher ein slavisches Volk daselbst verbreitet gevvesen sein, denn auf eine gevvohnliche noch so massenhafte Eimvanderung kann die Besiediung so vieler Provinzen zugleich nicht erfolgt sein. Wenn bei den heutigen Verhaltnissen, wo die Population durch rechtlichen Schutz des Individuums in Bezug auf Erhaltung und weitgehendste Hvgiene begiinstigt wird, trotzdem sehr aggressive Elemente auf friedlichem Wege in einem Menschen- alter kaum sichtbare Fortschritte machen, so berechtigen liiezu die Verhaltnisse vor 1000 und mehr Jahren noch viel weniger. Fanden die Slovenen zur Zeit ihrer angeblich um 570 n. Chr. erfolgten Eimvanderung die Gegenden bereits bewohnt, so gab es jedenfalls blutige Kampfe; dass sie aber Einwohner vorfanden, ist sicher, denn schon zur Zeit der Romer waren doch alle die genannten Gegenden beivohnt, vver hatte wohl sonst einem Caesar, Varus, Drusus, Augustus u. a. Widerstand geleistet! Desgleichen war der Kampf gegen das Klima und das Entvvicklungshindernis durch die grossen Bodenerhebungen im Alpengebiete und in den sonstigen Gebirgsgegenden damals wegen Mangel an Communicationen noch hinderlicher als heute; der Kampf mit den wilden Tieren erforderte einst sicherlich mehr Menschenleben als heute, denn die Inferioritat der da- maligen Waffen und die grossere Verbreitung der \vilden Tiere <) Ura das Jahr 1400 bestand in Aachen noch ein Slavenaltar, genannt der (vierj »Doctorenaltar«. — Die Stadte Laibach und Krainburg griindeten im Jahre 1495 daselbst fiir die »slavonische Nation« eine Ka- planei mit einem slovenischen Prediger, welcher zum Teile von den Opfergaben der »Windischen Wallfahrer« crhalten wurde. Diese weiten Heiltumsfahrten konnen wohl nur deshalb bis an den Niederrhein gefiihrt haben, weil man dort seinerzeit eigene religiose Kleinodien haben mochte, die traditionell die weitere Verehrung fanden. (Luschin, Windische Wall- fahrer am Niederrhein. Laibach 1884, inSchumi’s Archiv fiir Heimatkunde.) 19 selbst konnten nur decimierend auf das Anwachsen der Be- volkerung wirken. Bedenkt man ferners, dass die Slaven infolge ihrer unvorteilhaften Verfassung, wonach jeder Stamm eigentlich fur sicli lebte, dies daher selten zu einer grossen Machtentfaltung ftlhrte, und trotzdem im nordlichen Teile ganze Provmzen ger- manisiert, im Silden romanisiert wurden, dass Slaven von den Magyaren absorbiert undauchvon den Osmanen in unbestimmter Menge durch den Zwang zum mohamedanischen Glaubensbe- kenntnisse des slavischen Sprach- und Volkscharakters entkleidet tvurden, so muss man wohl annehmen, wenn uns dies auch die alten Schriftsteller nicht oftmals andeuten \viirden, dass der slavische Stamm in Mitteleuropa, daher auch in dieser Gegend, schon langst ansassig war, ehe die romischen Legionen ihre Adler in dieser Gegend aufpflanzten. Die landlaufigen Angaben iiber die Einvvanderung der heutigen Bewohner des Pettauer Feldes werden daher aus mehrfachen Grunden einer Revision zu unterziehen sein, welche wahrscheinlich das Resultat ergeben vvird, dass es sich bei den Erwahnungen von der Eimvanderung der Slovenen (VVenden) am Sehlusse der Volkervvanderung nur um den Abfluss der Urbevolkcrung westwarts handelt, indem mehrere Familien zu- sammen ein giinstiges noch sparlich oder unbewohntes Gebiet aufsuchten, es zu Rodeland (slov. krčevina 1 ) machten, alles iibrige aber schon in der vorhistorischen Zeit in diesen Gegenden ansassig war. Die Untersuchung der Ortsnamen ergab iiber- dies bei Pettau und Pulsgau im besonderen, dass diese Ort- schaiten von den Slaven bevvohnt waren, ehe der Komer diese Gegenden betrat. Diese Namen sind, wie dies bei den betreffenden Artikeln naher erortert wird, slovenischen Ursprungs, denn es ist nicht anzunehmen, dass die Romer den Ortschaften Pettau, Cilli, Pulsgau, Triest u. a. Namen gegeben haben vverden, die uberall ganz zufalligervveise im Slovenischen eine vollkommen der Ge- ‘) Ein Ausdruck, der eine urbargcmachtc Gegend bezeichnet und z. B. bei Marburg, Pettau, VVurmberg und an vielen anderen Orten eine locale Bezeichnung, gevohnlich Kartschovina geschrieben, bildet. 2 * — 20 — gend angepasste Bedeutung haben, im Lateinischen aber be- deutungslos sind. 1 ) Die Romer hatten in Pettau selbst einen »conductor por- torii Illyrici«, 2 ) es war also zu Romerzeiten hier ein Hauptzoll- amt fiir die von den Illyriern be\vohnte Gegend. Dass aber die Wenden (oder Slaven iiberhaupt) zur Zeit der Romer nicht in die Pettauer Gegend eingedrungen sind, wissen wir bestimmt, weil uns dies in irgend einer Weise bekannt gervorden \v3re, und wir nicht einsehen, wie dieselben aus Pannonien, wo sie mutmasslich die Wohnsitze der Avaren passieren und an den Romern voriiber mussten, gelangt waren, da man sie i. J. 595 n. Chr. erwiesenermassen schon an der bayrischen Grenze ansassig gefunden hat. 3 ) Die ungevvohnliche Ausbreitung der Wenden ist daher nur dann verstandlich, wenn man annimmt, dass die weitaus- gebreitete slavische Urbevolkerung in ihrem Volksbewusstsein durch die Romer zeitweilig niedergehalten \vurde oder nicht zur Geltung kam, und dass mit dem Sinken der romischen Macht das bisher stili und brach liegende nationale Leben wieder zu offener Flamme ausschlug, woftir wir in Samo’s epochemachendem Auftreten, in der Zeit der Reformation, dann der Errichtung des Konigreiches Illyrien, sowie schliesslich im J. 1848 Analogien fin den. Die bisherige Ubung, alles, was jenseits der Romerzeit liegt, den Kelten in Bausch und Bogen einzukerben, hat langst den Boden verloren, und ist die Keltomanie in den gelehrten Kreisen sichtlich in Abnahme begriffen. Es filhrt doch zum Nachdenken, velche aussere oder in- nere Grunde anzufilhren waren, um die Moglichkeit darzulegen, dass die Kelten so grosse Teile von Europa bewohnt hatten *) Pettau, lat. Petavione, slov. Ptuje (die Fremde.) — Cilli, lat. Celeja, slov. selo (Ansiedlung.) — Pulsgau, lat. Pultavia, slov. Polskava (feuchte Gegend.) — Triest, lat. Tergeste, slov: trst, trstje (Schilf, Schilfgegend.) 2 ) Mommsen, Corp. inscr. lat. III. Z. 4015. s ) Paul Diaconus (f um 799) erzahlt, dass der bairische Herzog Thassilo i. J. 595 zweimal ins Land der (karanthanischen) Slaven ein- riickte und einmal siegte, einmal aber eine Niederlage erlitt. — 21 — und heute bis auf wenige diirftige Rfeste germanisiert und ro- manisiert worden waren, zumal man keine Kenntnis von gros- seren Kampfen oder Niederlagen derselben hat, wohingegen die slavischen Volker mit steten Feindseligkeiten zu tun hatten, oft in grosser Zahl niedergemetzelt und an allen Grenzpunkten entnationalisiert wurden, und doch immer wieder in grosser Zahl und ausgedehnte Landereien bewohnend auftreten; 1 ) alles dies lasst den berechtigten Gedanken aufkommen, dass der keltische Stamm zum mindesten in Steiermark und Karaten, entweder niemals ansassig war und nur durchzog, oder aber in seiner Ausbreitung und Bevolkerungszahl viel zu hoch an- geschlagen wird. Dasselbe gilt aucli betreffs der Ansichten iiber die Ver- breitung der Kelten. Wenn man die beztiglichen Darstellungen liest, so miisste fast ganz Mittel-Europa zu Beginn des romischen Kaiserreiches keltisch gevvesen sein; als aber die Sonne der rčmischen Welt- macht zur Riiste gieng, finden wir auf dem gleichen Gebiete bereits die Slaven. Dieser grundliche Wechsel ohne welche historisch bekannten Grande lasst vvohl vermuten, dass unter dem Namen Kelten nicht immer Kelten zu verstehen sind. Die alten Slaven waren insgesammt nie ein hervorragend staatengrundendes und noch weniger staatenerhaltendes Volk, weil sie, wie bereits erwahnt, abgesehen von ihrer hiezu un- gunstigen decentralisierenden Verfassung, durch ihre leichte Anpassung an die Sprache des Nachbars oder Bedriickers fast unmerklich und auch unbewusst eine Assimilation eingiengen, wahrend sich z. B. der germanische Stamm schwer mischte und eine fremde Sprache nicht annahm, sondern iiberall den ursprunglichen Bewohner verdrangte, wo ihm nicht Klima, Ge- birge, Wiiste oder Gewalt eine Grenze selzten. So sind auch die slavischen Reste in der Lex Salica erklarlich. An der Saale wohnten einstens Wenden, die mit *) Diesbeziiglich Quellendaten anzufiihren, wiirde von dem eigen- tlichen Zwecke der Schrift zu weit ablenken; ich verweise aber auf das Werk: Šafarik, Slavische Alterthiimer, welches alle Schriftsteller anfiihrt, die iiber Slaven geschrieben haben. der Zeit durch die Franken verdrangt und entnationalisiert worden sind, vvobei aber manche Rechtsgebrauche ilbernommen \vorden sind, denn die Sprache \vechselt leiclit, nicht so aber Sitte, Gebrauch und Rechtsbegriff, welche sich noch Jahrhun- derte forterhalten konnen. Ein Beweis seien die aus der vor- christlichen Zeit erhaltenen Gebrauche des Sonnvvendfeuers, der Totenmaler, der Erinnerung an heidnische Gotter u. a., die bis zu unserer Zeit nicht in Vergessenheit geraten konnten. Die Forschung nach der sprachlichen Genesis der Orts- namen des Oberen Pettauer Feldes ergab daher folgende cul- turhistorische Wahrnehmungen: 1. Vor etwa iooo Jahren miissen schon ebensoviel Ort- schaften auf diesem Gebiete gewesen sein, als heute, weil die Namen hiefiir festgestellt sind; was seither dazu kam, sind nur Schlosser, Meierhofe und secun- dare Ansiedlungen; 2. alle Ortsnamen bis zur ersten Germanisierungszeit (ausgesprochen im n. Jahrhunderte) sind slavischen Ursprunges; in das deutsche wurden nur jene iiber- setzt, deren Bedeutung bekannt war; die ubrigen wurden der deutschen Sprache angepasst; 3. jene Ortsnamen, die deutsche Einwanderer ihren selbsterbauten Schlossern und Meierhofen gaben, wurden von den Slovenen im Originale gebraucht, also niemals iibersetzt; 4. die Hypothese, die heutigen Slovenen seien um das Jahr 570 n. Chr. in die heutigen Wohnsitze einge- vvandert, sei ganzlich fallen zu lassen, denn es gab schon zu Romerzeiten hier Ortschaften slavischen Namens; Volker, besonders aber ackerbautreibende, vvechseln nicht ihre Wohnsitze wie sich etvva ein grosserer Garnisonsvvechsel vollzieht; 5. scheint es auch, dass die Dorffluren, wie sie heute ver- teilt sind, nicht etvva in der karolingischen Zeit ge- regelt vvurden, sondern, dass dies schon in der vor- romischen Periode geschehen sein miisse, denn wer 23 — die Dorfflurenskizzen betrachtet, wird vvahrnehmen, dass z. B. eine Gemeinde oft nur einige Quadratmeter dies- oderjenseits der romischen Poststrasse Pulsgau-Haidin besitzt, und wird zugeben miissen, dass diese Strasse spater entstanden ist als die Urbarmachung des Bo- dens und Verteilung des Grundes. Diese Beobachtung lasst den Schluss zu, dass ein un- unterbrochenes Bevvohnen durch denselben Volksstamm bei unveranderten Verhaltnissen der Dorffluren stattgefunden haben muss, denn bei einer spateren Verdrangung durch ein anderes Volk oder bei einem grosseren Intercalare waren infolge Unkenntnis oder Verwischung der Grenzen die Strassenztige fiir die Grenzen wohl massgebender gewesen. 1 ) Man sieht aus allen diesen Folgerungen, dass der Beginn des Lebensfadens eines Volkes gerne dort angesetzt wird, wo die Geschichte noch in Action ist; aber die abgerissene Uber- lieferung kann auch noch der uralte Stammbaum der Worter fortsetzen, denn diese haben den Sturz der Reiche iiberlebt und den Mangel und Verlust an Aufzeichnungen ersetzt, um das Andenken an den Ursprung und das Dasein ihres Stamm- Volkes zu verewigen. ') Einzelne Besitze sind hcute z. B. durch hohe Bahndamme ge- trennt; kame es nun zu einer erneuerten Zuweisung des Grundes, so wiirde man sicherlich der Zersplitterung eines Grundstiickes tunlichst entgegenarbeiten. II. Erklarung der einzelnen Ortsnamen. flltendorf, slov. Starše, und fiolldorf ), slov. Zlatoličje. (10 bezw. 7 km nordwest]ich von Pettau. Die sprachwissenschaftliche Entwicklung dieser Ortsnamen ist ziemlich venvorren, daher der folgende Versuch, diesen Um- stand aufzuklaren, vielfach nur auf Hypothesen fusst. Im Rationarium Stiriae v. J. 1265 kommen ein Goldern superior und inferior vor; im Salzburger Urbar lieisst es (1320) »Goldsdorf«; gleichzeitig kommt (1265) auch Zlatendorf und Zlatnawes vor; 1331 hiess es »Goldarn imTrafeld«, 1441 wieder »Goldern.« 3 ) Ausserdem muss man annehmen, dass Altendorf, welcher Name im Mittelalter noch nicht vorkommt, mit Goldern superior identisch ist, weil in dieser Zeit der Unterschied »inferior« und »superior« als unnotig fur die weitere Unter- scheidung, verloren geht. Andererseits bestand in dieser Gegend i. J. 1237 ein »Oberendorf (circa Bettowe)«, 1360 ein Oberndorf im Draufelde, und 1382 nennt eine Urkunde hier noch ein »Obern¬ dorf«, worauf dieser Name (in dieser Gegend) spurlos verloren geht. Bei den Slovenen heisst der Ort Golldorf bis heute Zlato¬ ličje (Goldspane). Der Vermutung, wie der Slovene die beiden Dorfer (superior und inferior) unterschieden, wird jedoch spater Raum gegeben. Es ist anzunehmen, dass es sich bei allen diesen Namen nur stets um dieselben zwei Ortschaften handelt u. z. nur um Goldern superior und inferior, und dass dieser Wirrwar von Namen verschiedener Idiome und Zusammensetzungen mit dem *) Die heutige Schreibweise »Golldorf« ist historisch und sprachlich ungerechtfertigt, und ist nur aus Bequemlichkeit in der Aussprache (hiatus in der Prosa) entstanden. Weil aber diese Schreibart mit der Zeit unbe- merkt zur officiellen Schreibweise geworden ist, ging der Fehler auch in die Militarkarten iiber. 2 ) Diese Benennung diirfte im deutschen Gebrauche durch die locale Bezeichnung »bei den Golderern« entstanden sein. — 25 stereotypen Himveise auf »Gold« die Annahme am besten be- legt, es milsse hier eine geradezu Internationale Gesellschaft zu- sammengestromt sein, die der Gegend ihres Golderwerbes auch ihre sprachindividuelle Bezeichnung aufdrtickte. Goldern inferior dilrfte wohl das Ur- und Stammdorf des heutigen »Golldorf« bezw. »Zlatoličje« sein, welches aber vortibergehend u. zw. nur im deutschen Gebrauche, auch die Namen Goldsdorf, Zlatendorf und Zlatnawes fuhrte. Goldern superior nannten hingegen die Deutschen wahrscheinlich in der Zeit nach der Ubersetzung der anderssprachigen Namen »Oberes Golldorf« und spater statt »beirn oberen Dorf« kurzweg »Obern- dorf.« —• Dieses »Oberndorf« dilrfte seinerzeit aus gewichtigen Grtinden verlassen worden sein, ist jedoch spater wieder be- siedelt worden, bei welchem Anlasse es aber den Namen »Altendorf« erhielt. Das Marburger Urbar vom J. 1547 sagt auch, dass durch das Dorf Goldern der Bach »Goritschiza« fiihre; da aber der heute Golldorf durchfliessende Bach »Lava« 1 ) genannt wird, durch Altendorf selbst aber kein Bach ftihrt, so ist anzunehmen, dass dies nur Parallel-Namen sind. Der neu auftauchende Name »Altendorf« notigt aber zur Klarstellung, wann ein Ort die Bezeichnung »alt« als Bestim- mungswort annimmt. Die Erfahrung lehrt unwiderlegbar, dass dies nur dann geschieht, wenn in der Existenz einer Ansiedlung aus zwingenden Grtinden, als: Zerstorung, Einascherung, Wasser- katastrophe, Erdrutschungen, Seuchen u. a. ein langeres Inter- calare eintritt. Dass ein Ort gleich zu Beginn »Altendorf«, »Altenburg«, »Altenmarkt«, »Altstadt« u. drgl. hiesse, ist nicht recht denkbar, und dilrfte sich, falls einmal eine Ausnahme angefiihrt vvtirde, dieselbe bei weiterer Forschung auch als hinfallig ervveisen. 3 ) ‘) Der Lava-Bach hat moglicherweise den Namen schon von den romischen GolcKvaschern, welche ihn zum Spiilen (Waschen) des Gold- sandes auf ihre Waschgerathe leiteteten (lavare = waschen). a ) Diese Behauptung sei an Deutsch-Altenburg nachgewiesen. Das alte Carnuntum, welches an dieser Stelle gestanden, verlor den Namen, als es am Ende des 9. Jahrhunderts von den Ungarn zerstort wurde. — 26 — In dieser Gegend besteht das Terrassen-Diluvium aus vielen horizontalen Schichten von verschiedener Machtigkeit und Zusammensetzung; so kam es, dass die Drau ihr Bett stets veranderte und noch in der jungen Vergangenheit der Erdgeschichte im Pettauer Felde geradezu hin- und hervvanderte, je nachdcm sie auf eine hartere oder weichere Schichte (Con- glomerat oder Sand) gestossen war. Diese Unstatigkeit des Stromstriches der Drau hatte zur Folge, dass manche Ansiedlungen in Gefahr kamen. Es ist daher nicht unwahrscheinlicli, dass ehedem eine Ortschaft an der bei- laufigen Stelle des heutigen Altendorf gestanden ist, welche aber infolge der beginnenden Uferzersetzung verlassen werden musste. 1 ) Die Bevvohner diirften sodann die heutige, nur um geringes feldeimvarts gelegene Ortschaft St. Johann gegrtindet haben. Als der Zersetzungsprocess aufhorte, besiedelte man abermals die alten Statten, \vobei aber der frtihere Name ver- loren ging und dafiir Altendorf eintrat. Diese Ansicht wird nun durch die slovenische Bezeichnung »Starše« (filr Altendorf) noch erganzt und bestarkt. Es ist wohl kein Zvveifel, dass auch der Slovene in der Benennung von Goldern inferior und superior einen Unter- schied kannte; ob Goldern superior im Slovenischen jemals einen besonderen Namen hatte, konnte vorlaufig nicht festge- stellt werden. Da aber der Slovene »Altendorf« nicht et\va »Stara ves« 2 ) sondern »Starše« (Comparativ von star = alt) nannte und noch so nennt, ist es wahrscheinlich, dass er Gol¬ dern inferior nur als »Zlatoličje« bezeichnete, Goldern superior Beim spateren Aufbaue sah man noch die Uberreste der alten romischen Burg und bezeichnete die neue Besiedlung anfanglich als »bei der alten Burg«, woraus mit der Zeit »Altenburg« wurde. Der Name »Carnuntum« kam bei der Benennung des neuen Ortes nicht mehr in Betracht. ') Das Marburger Urbar v. J. 1547 sagt sogar ausdrucklich: Das Dorf Goldern ist durch marchstain und das Wasser an der Traa den underthanen zu schaden befunden. — Da aber die nabere Unterscheidung fehlt, ist es zweifelhaft, ob darunter Altendorf gemeint ist. *) In der Specialkarte steht allerdings »Stara ves«, welche Bezeich¬ nung aber ganz aus der Luft gegriffen ist und dem Mappeur nur durch jemanden vvortgetreu iibersetzt wurde; ansonsten ist dieser Name nicht gebrauchlich. — 27 aber mit der Unterscheidung »Starše Zlatoličje« (alteres Gold- dorf), wobei allerdings das Grundwort Zlatoličje im gewdhn- lichen Gebrauche ausgelassen wurde und mit der Zeit auch ganz entfiel. Desgleichen muss angenommen \verden, dass zu der Zeit als der Name »Altendorf« noch nicht bestand, weil die Be- dingungen hiezu noch nicht erfullt waren, votn Slovenen Gol- dern superior als Gornje Zlatoličje (oberes Golddorf), Goldern inferior als Spodnje Zlatoličje (unteres Golddorf) unterschieden wurde, was eben in der deutschen Ubersetzung zur Bildung des Namens »Oberndorf« fiihrte. Auffallend ist es immerhin, dass alle die verschiedenen Benennungen des Ortes »Golddorf« an das Edelmetall anklingen. Schon Strabo und Folybius erzahlen, dass das Waschen von Gold aus dem Sande der Alpenbache eine der fruhesten Beschaftigung keltischer (!) Volkerschaften war. Dass darunter auch die Drau gemeint ist, erscheint zvveifel- los, denn zuzeiten der Romer standen die Goldwaschereien in der Drau schon unter der Aufsicht eines eigenen Comes me- tallorum. 1 ) Auch in der Folge finden sich gelegentlich immer \vieder Bemerkungen und Anhaltspunkte, welche fur das Fort- bestehen der Goldwaschereien in der Drau sprechen. So erzahlt dariiber Wolfram von Eschenbach in seinem hofischen Epos Parcival: IX, 1971 Uz Zilje ich fur den Rohas reit, dri maentage ich da vil gestreit. niich duhte ich het da wol gestriten: dar nach ich schierste kom geriten in die witen Gandine, da nach der ane dine Gandin wart genennet. . . . diu selbe statt lit alda da diu Greian in die Tra, mit golde ein vvazzer rinnet. 2 ) ‘) Puff, Geschichte von Marburg. 3 ) In obigen Versen fallt besonders der Fehlerauf, dass Eschenbach dic Stadt am linken Drauufer meint, wo die Grajena einmundet, sie aber nicht Pettau, sondern Gandin nennt, welcher Ort (Chandingen, Haidin) — 28 — Dass die Eigenschaft »mit golde ein wazzer« bei den damaligen geringen geographischen Kenntnissen dem \van- dernden Minnesanger auffiel, ist jedenfalls ein Beweis, dass vom Betriebe der Goldwaschereien damals viel gesprochen wurde. In dieser Zeit war das Goldwaschen ein Regale der Erz- bischofe von Salzburg; i. J. 1468 belehnte jedoch der Erzbischof Bernhard von Salzburg den Hans von Stubenberg mit der Burg und Herrschaft Wurmberg, den Inseln in der Drau und dem Rechte des Goldwaschens daselbst. 1 ) Um das Jahr 1690 war das Ergebnis der Goldwascherei in der Drau besonders ergiebig. Dieses Gewerbe betrieb da¬ mals in Marburg die Familie Fasser; im Jahre 1694 wird auch ein Stefan Juchi als Goldwascher genannt. Im Archive der Stadt Marburg kommen die letzten amt- lichen Belege fiir die Goldgewinnung aus der Drau i. J. 1706 vor; dies wissen wir aus einem Gerichtsacte, wo der Goldivascher Georg Matejkovič in Spielfeld den burgerlichen Goldtvascher Jorg Pretter in Marburg klagt, \veil ihn dieser gewaltsam in seinem Geschafte store und ihm seine Waschzeuge mutwillig beschadige. 3 ) Der Umstand, dass binnen 16 Jahren (1690—1706) in Marburg allein, wo die Ufergestaltung diesem Zwecke gar nicht entspricht, drei verschiedene Namen von Goldwaschern ervvahnt werden, lasst darauf schliessen, dass sich mehrere Familien zu gleicher Zeit damit beschaftigten. Wenn nun Muchar in seiner Geschichte Steiermarks er- zahlt 8 ) »die norischen Goldwaschereien sind bis auf die letzte Špur verschwunden«, so ist dies ein unbewusster Irrtum; denn am rechten Ufer lag. Da Eschenbach in der Burg des damals machtigen Grafen Friedrich I. von Pettau sang und turnierte (um 1200 n. Chr.), ist es nicht recht erklarlich, rveshalb er den Namen »Pettau« nicht gebraucht, hingegen aber den Bach Grajena nennt, der sogar vielen Pettauern von heute dem Namen nach gar nicht bekannt ist. Diesbeziiglich geben die Artikel: Pettau und Haidin weitere Aufklarung. 9 Zahn, Steirische Miscellen, Graz 1899. 2 ) Puff, Geschichte von Marburg. 3 ) Muchar, Geschichte Steiermarks, I. p. 25 ff. — 29 — tatsachlich wurde am Ende des 18. Jahrhundertes noch bei Ankenstein (an der Drau) von staatswegen Gold ge\vaschen, und was noch viel \veniger bekannt sein diirfte, wird in der Drau auf dem ehemals norischen Gebiete bis heute die Gold- wascherei fortgesetzt. In jedem Frtihjahre und Spatherbste finden sich ungarische Zigeuner, dann Kroaten als Goldwascher ein, welche in der Strecke von Pobersch (siidčstlich von Marburg) gegen Pettau und weiter hinab den Flussand der Drau in Bezug auf seinen Goldgehalt einer Waschung unterziehen. Die hiebei angewen- dete Methode ist sehr primitiv und scheint seit Jahrhunderten dieselbe geblieben zu sein. Als Hauptwerkzeug dient die »Wiege.« Diese ist ein deckelloser, viereckiger, nach einer Seite abfallender Kasten, der auf Rollholzern ruht. Am hoheren Teile ist ein Gitter aufgesetzt, in welches der goldhaltige Sand mit der Schaufel geworfen wird; die tiefer gelegenen Teile sind mit rauhem Tuche uberzogen und mit Stegen versehen. Der Apparat wird so an dem Flussufer aufgestellt, dass ein starker Wašserstrahl auf das zu verwaschende Material fliesst,. gleichzeitig aber die Wiege auf ihren Rollen hin und her be- wegt wird. Der grobere Teil des Einvvurfes bleibt auf dem Gitter und wird fallweise entfernt, Sand und Erde fliessen als triibe Briihe ab, die schweren Goldteilchen hingegen setzen sich an den Stegen und zwischen den groben Tuchfasern fest. An jenen Stellen aber, welche seicht sind und die Auf- stellung der »Wiege« nicht zulassen, bedienen sich die Gold- vvascher einer noch einfacheren Methode. Sie befahren die Ufer mit einem flachen Kahne und heben von da aus den Fluss- sand mittels rauher, holzerner Schaufeln (meist aus ungeglattetem Pappelholz); durch stossvveises Schiltteln der Schaufel im Wasser wird der aufgehobene Sand so weit abgespult, dass zuletzt nichts mehr tlbrig bleibt, als bestenfalls einige funkelnde Gold- spane, die an den Holzfasern infolge ihrer spezifischen Scliwere und der Geschmeidigkeit sitzen geblieben sind 1 ). *) Die Goldvvascher verkaufen das gewonnene Gold, welches ent- weder schon vollkommen rein ist oder aber erst durch Amalgame aus- geschieden werden muss, an die ungarischen Steueramter, in deren 30 — Die Lage des Ortes Goldorf ist tatsachlich eine derartige, dass man annehmen muss, es kann nur hier der Hauptplatz ftir die Goldwascherei gervesen sein. Die Drau vvendet sich bei Altendorf in scharfeni Buge gegen Nordosten, iiberflutet aber bei Hochwasser das alte, gegen Golddorf gelegene Flussbett auf mehr als 2 km in die Breite, und setzt daselbst bei jeder solchen Gelegenheit grosse Mengen neuen Sandes ab. 1 ) Weshalb sich heute nur mehr jene Leute mit Goldwascherei beschaftigen, welche einen ausserordentlich geringen Anspruch auf die Lebensbediirfnisse stellen, ist naheliegend. — Im Alter- tume und Mittelalter war die Arbeitskraft unvergleichlich billiger, das gewonnene Gold hingegen stand in relativ hoherem Kauf- werte; ausserdem arbeiteten die Goldwascher der ersten Zeit- epoche in einem Gebiete, wo der Goldsand seit Jahrtausenden aufgestapelt lag, wohingegen die heutigen Goldvvascher nur das alljahrlich hinzukommende, verhaltnismassig geringe allu- viale Material verwaschen konnen, wahrend alles iibrige schon vielleicht wiederholt gesiebt wurde, daher fiir sie nur mehr eine Nachlese ist. — Es ist auch moglich, dass seinerzeit die Drau in ihrem Oberlaufe Gesteinsschichten passierte, die gold- haltiger waren, als es jene von heute sind, daher auch die Erosionsproducte gehaltvoller sein mochten. Die Ausbeute ist daher jetzt eine sehr geringe und lohnt sich nur fiir jene Leute, die in ihrer industriearmen Heimat trotz grosser Miihe und bestem Wollen keine sonstige gleich- wertige Einnahme erzielen konnen. Die Bevvohner von Golddorf selbst betreiben heute nur mehr Ackerbau und Viehzucht; sie achten das Gewerbe ihrer Ahnen gering und erinnert sie an jene Zeit nichts weiter mehr, als der gleissende Name ihrer VVohnstatte. Auftrage sie die Goldwaschungen vornehmen. Der hochste Ertrag einer Tagesarbeit kann wohl 5 K erreichen; indes gibt es aber auch Tage, wo die Goldwascher fast resultatlos arbeiten. h Da in der Gegen d von St. Johann im Draufelde romische Steine in ansehnlicher Zahl ausgegraben worden sind, ist wohl anzu- nehmen, dass daselbt in romischer Zeit lediglich der Goldwascherei wegen eine grossere Ansiedlung bestanden hat. 31 — Hmtmannsdorf, slov. Apače. (7 km. siidwestlich von Pettau.) Der Name Amtmannsdorf, welcher heute im deutschen Gebrauche steht, tauchte um das Jahr 1440 auf, als die Be- sitzer von Monsberg (Mannsberg), welche viele Untertanen in dieser Gegend hatten, im Dorfe Apače einen Richter unter dem Namen »Amtmann« (lat. Officialis) einsetzten. Der slovenisclie Name Apače, auch Valpoče, ist gleich- falls deutschen Ursprungs, muss aber bedeutend alter sein, denn demselben liegt der ahd. Begriff »gevvaltboto« (Amt- mann) zugrunde; Apače ist daher nur die abgeschliffene Form dieses in den slovenischen Gebrauch ilbergegangenen Wortes *). Da es daher fur diese Ortschaft keinen eigenen Namen sloveni- scher Wurzel gibt, so ist anzunehmen, dass sich schon etwa in der karolingischen Zeit ein kaiserlicher Amtmann daselbst an- siedelte, bei welcher Gelegenheit wahrscheinlich zum spateren Schlosse Maidberg und dem jetzigen Hofe Schneeweiss 2 ) der Grand gelegt wurde; die nun anschliessend entstandene Ort¬ schaft bezeichnete man mit Rticksicht auf den Amtmannssitz anfanglich als den Ort, in welchem sich ein »Gewaltboto« bezw. Amtmann befindet, was auch so weiter verblieb. In einer Urkunde vom Jahre 1441 heisst der Ort auch »Ruegstorff«. Diese Bezeichnung bildet vielleicht die Brucke zwischen »Gewa1tboto« und »Amtmann<•; in dem Bestimmungs- worte ist die mhd. Bezeichnung »riiege« enthalten, welche be- sagt, dass daselbst eine »gerichtliche Anklage« erhoben werden konnte; tatsachlich hefand sich in Amtmannsdorf nicht nur ein »Pranger«, sondern der dortige Amtmann hatte auch das Recht ilber Verbrechen, welche die Todesstrafe zur Folge haben, zu urteilen. Dieser Ortsname wird im deutschen Gebrauche bis zum Auftauchen des »Amtmanns« mutmasslich nur in den Gerichts- Kanzleien massgebend gewesen sein. ‘J Dass »valpot« oder »valpet«, womit der Slovene den »Amt¬ mann« bezeichnete, cin VVort slovenischen Ursprungs ware, wie allge- mein angenommenivird, beruhtsonach aufeinem ethymologischen Irrtume. a ) Siehe Artikel: Schneeweiss. — 32 — Barislofzen, slov. Barislovce. (7 km siidwestlich von Pettau.) Beim Artikel Sela wird envahnt, dass dieser Ort im Jahre 1207 bereits in zwei Dorfgebiete (in duas supanias) ge- trennt war, wovon der eine Sela, der andere »Brizlausdorf« benannt wurde; l ) dieser Unterschied besteht auch noch heute, obschon sie noch immer unverandert eine Katastralgemeinde bilden. Im Jahre 1265 hiess der Ort: VVarissen, 1375: Prizlaus- dorff, 1450: Werislabetsch, 1820: Warisell, 1870: Varišl. Den Grund zu diesem spater erhaltenem Namen gab der slovenische Begriff »brislja« 2 ) (stolzes, aufgeputztes Madchen), womit die Nachbarn die Madchen dieses Dorfteiles charakteri- siert haben werden, was dann zum Ortsnamen selbst wurde, den n urspriinglich gab es eben fiir beide Ortschaften nur einen Namen, und dieser war: Sela. Sicherlich ging das Bestreben auch dahin, den ohnehin haufigen Namen »Sela« der Missverstandnisse wegen zu elimi- nieren, was aber nicht gelang, sondern nur zur Zweiteilung des Ortes in Bezug auf den Namen fuhrte. Im Slovenischen trat keine weitere Aenderung des Namens ein, ausser dass aus dem vermutlich urspriinglichen »Brisljavce« spater »Barisljovce« wurde. Braun$cbweig, aucb neU’Braun$cbweig. (4 km siidostlich von Kranichsfeld.) Diese Ortschaft besteht erst ungefahr 70 Jahre. Der Name selbst stammt von dem aus Braunschvveig eingewanderten Carl Denike, welcher um 1820 das Gut Kranichsfeld ankaufte und darauf im aussersten Nordosten seines Besitzes eine zehn Hofstellen umfassende Niederlassung grtindete, um daselbst seine Arbeitnehmer unterzubringen. Der Slovene besitzt keinen eigenen Namen fiir diese Ansiedlung. ») Zahn, Urkundenbuch d. H. Steiermark, II. p. 135. 2 ) Brislja wird heute in dieser Gegend nur mehr von den alteren Personen gebraucht; Oroslav Caf, der um das Jahr 1850 in Frauheim und Pettau Seelsorgedienste versah, hat diesen Ausdruck oftmals gehort und ihn auch als Lokalismus verzeichnet. 33 — Brezula. (2 km siidostlich vom Schlosse Kranichsfeld.) Dieser in der Militarkarte als »Wresula« bezeichnete Ort kommt urkundlich zuerst im Jahre 1313 vor, wo Ulrich von Sauerer dem Prior Gottfried von Seitz am 22. Februar sieben- einhalb Huben von »Prezalach« 1 ) verkauft 2 ). Hiezu erwarb das- selbe Kloster im Jahre 1378 noch vveitere siebeneinhalb Hufen im »WresoIoch« s ). Der Name stammt vom slovenischen Worte breza (Birke), und bedeutet sonach eine Birkenanpflanzung. Eine Uebersetzung dieses Namens filr den deutschen Gebrauch hat nicht statt- gefunden. Dobrofzen, slov. Dobrovci. (3 km nordostlich von Kranichsfeld.) Dobrofzen bildet mit Skoggen 4 ) eine Katastralgemeinde. Dieser Ort wird im Jahre 1441: Dobraunczen 5 ), 1683: Dobrovci, 1786: Dobrovec genannt. Der Name stammt vom slovenischen Worte »dobrava, dobrova« (Eichemvaldung); dies ist auch deshalb begriindet, weil es noch heute in dieser Gegend an vielen Stellen namhafte, mit Eichengestriipp bevvachsene Strecken gibt, welche aber jetzt nur mehr als Spuren einstiger Eichenforste anzusehen sind. Dobrovci bedeutet daher: Bevvohner beim Eichenwalde. Dobrofzen hiess im deutschen Gebrauche i. J. 1635 »Gutendorf 6 ), wobei sich der Uebersetzer das slovenische Ad- jectiv »dobro« (gut) als Wurzelwort vorstellte; i. J. 1683 kommt es als »Harteldorf« vor, worunter schon eine richtigere, wenn auch nicht vollvvertige Uebersetzung des slovenischen Orts- namens anzusehen ist. 7 ) *) Prezalach ist wieder der Locativ, ebenso wie Wresoloch. 2 ) Orig. Pgt. Nr. 1776 a d. Steierm. Landesarchives. 3 ) Orig. Pgt. Nr. 2238 b d. Steierm. Landesarchives. 4 ) Siehe den Artikel: Skoggen. 5 ) Slekovec, Wurmberg p. 47. 6 ) Mell, »Der windische Bauernaufstand i. J. 1635,« 7 ) »Hart« bedeutete im mhd. Hohe, Berg; im Mittelalter nahm es die Bedeutung »Wald« an. In Tirol, sowie in der Schweiz ist dieser Begriff vielen an Waldungen gelegenen Ortschaften eigen. 3 — 34 Im allgemeinen durften aber sammtliche deutschen Ueber- setzungen nur von ephemerer Dauer gewesen sein. Drasendorf, slov. Dražence. (4 km siidwestlich von Pettau.) Drasendorf hiess i. J. 1357 und 1440 genau so \vie heute; in dem um dasjahr 1500 verfassten Urbar des Pettauer Dominikaner-Klosters wird es »Sdressendorf« genannt. Sowohl der slovenische Name, der wohl der urspriingliche war, als auch der deutsche, stammen von dem slovenischen Begriffe »dražiti«, welcher in der Bedeutung: Wasserfurchen ziehen, einzelne tiefere Furchen anlegen, eine Wort-Specialitat des Slovenen auf dem Pettauer Felde bildet. 1 ) Der ziemlich sterile und schotterige Boden erfordert hier allerlei Mittel, um ihn einigermassen ertragsfahiger zu machen; zu diesem Behufe werden auf den Feldern einzelne tiefere Furchen gezogen, welche durch die Aufnahme einer gros- seren Menge Niederschlagwassers die einzelnen Feldstreifen l&nger mit Feuchtigkeit versorgen und so das Wachstum des Anbaues fordern. Diese culturelle Massregel ist fur die Benen- nung der Ortschaft jedenfalls einstens vom Einflusse gewesen. Zu Drasendorf gehort auch als Annex das heutige »Schwabendorf«, welches der Slovene mit »Hrastje« (Eichen- gebiet) bezeichnet. Der Name »Schrvabendorf« stammt vom slo¬ venischen Worte »Žabje« (Froschgegend) und kam lediglich auf phonetischem Wege zu dieser deutsch aussehenden Form. Im Jahre 1357 verkauft der Herzog Albrecht dem Seitzer Kloster 18 Huben zu »Drasendorf« und 8 zu »Sabiach«, wo- runter zweifellos dieser Ort zu verstehen ist, da es sich um einen arrondierten Besitz handelte; 2 ) auch die Hofzahl ist bis heute die gleiche geblieben. Die Anderung des slovenischen Namens »Žabje« in »Hra¬ stje« ist erklarlich, wenn man weiss, dass diese Gegend ehe- h Unter »dražiti« versteht man heute auch das Ebnen der einzelnen Furchen eines Brachfeldes, damit auf diese Art die Samenlage nivel- liert werde. 2 ) Muchar, Geschichte d. H. Steiermark VI. p. 339. — 35 — dem sumpfig gewesen sein muss, soweit sie abwarts vom T^rrasscn-Diluvium liegt; als aber der Boden umso trockener wurde, jemehr sich die Drau davon entfernte, entstanden an dieser Stelle allmahlich Eichenwaldungen. Der Anderung der Bodenbeschaffenheit folgte sinngem&ss auch die Anderung der localen Bezeichnung. Drasendorf, slov. Drgonja oder Zdrgonja ves. (8 km siidostlich von Kranichsfeld.) Die lautliche Ahnlichkeit der drei Ortschaften Drasen- dorf (westlich von Micheldorf), Strassgoinzen und Drasendorf (bei Haidin) hat ein Chaos von Namen geschaffen, welches durch die slovenischen Bezeichnungen Drgonja ves, Strasgojnce und Dražence nur noch venvorrener wurde. In dieses Namens- gevvirre soli nachstebiend Lauterung gebracht werden 1 2 ). Das westlicli an Micheldorf anschliessende Drasendorf heisst im Slovenischen Drgonja oder Zdrgonja ves, welche Bezeichnungen in der Aussprache des Volkes deshalb etvvas unklar lauten, weil ihnen offenbar die Worte »ta gornja ves« {dieses obere Dorf) zugrunde liegen, was in der Schrift nicht getreu wiedergegeben werden kann. In den Urkunden fuhrt der Ort folgende Namen: 1237 Drascoy 3 ), in welchem Jahre Richza von Konigsberg 20 Huben fiir das zu griindende Kloster in Studenitz \vidmet; 1263: Dragoves, 1265: Draxen, 1357: Drahsendorf im Trafeld, 1384: Dorseindorf bei Pletriach, 1436: Druksendorf, 1440: Drasen¬ dorf. — Die nahere Bezeichnung »bei Pletriach« (Pleterje) filhrt zu der Annahme, dass mitunter der Doppelort Drasendorf und Micheldorf nur mit ersterem Namen bezeichnet vrurde, weil sich die Orientierung ansonst wohl an die Nahe von Micheldorf angelehnt hatte. *) Die unter dem Artikel Drasendorf (bei Kranichsfeld) in »Zahn, Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter« angefuhrten Namen scheinen zum Teil nicht zu diesem Orte, sondern zu Strassgoinzen ge- horig. — Das bei Strassgoinzen angefuhrte Drascoy gehort jedoch zu Drasendorf (bei Kranichsfeld), Sdressendorf aber zu Drasendorf (bei Haidin). 2 ) Zahn, Urkundenbuch d. H. Steiermark, II. p. 472. 3 * — 36 — Der Name diirfte sich, wie aus den altesten vorkommenden Bezeichnungen zu schliessen ist, aus den slovenischen Begriffen »drage« oder »dražence« gebildet haben, woraus allmahlich die deutsche Benennung »Drasendorf« wurde. Als aber dieser Ort durch den Ausbau sich mit Micheldorf derart vereinigte, dass eine innere Ortsgrenze nicht mehr erkennbar war, bezeichnete der Slovene dieses Dorf nicht weiter wie bisher, sondern als das »Obere Dorf«, wozu auchdie moglichen Verwechslungen mit dem Drasendorf bei Haidin einen weiteren Anlass geboten haben \verden. Die sprachliche Entstehung des deutschen Ortsnamens ist identisch mit jener der Ortschaft Drasendorf bei Haidin. Dvoršina und Selce. (11 km siidwestlich von Pettau.) An der Landstrasse Pettau-Rohitsch, (dort \vo diese das Pettauer Feld verlasst und die Steigung beginnt), stehen die beiden Weiler Dvoršina und Selce. Diese beiden Ortsnamen sind, obschon bereits urkundlich an sieben Jahrhunderte bekannt, heute in amtiicher Hinsicht namenlos. Auch die Militar-Specialkarte nennt sie nicht, was wohl der Katastername verschuldet hat, welcher alle Ortschaften am sildlichen Rande des Pettauer Feldes auf ungefahr 7 km unter dem Collectivnamen »Podlosch« zusammenfasst. Die lo- calen Bezeichnungen der beiden Weiler haben jedoch ihre volle historische Berechtigung und ist es ganz sonderbar, weshalb Wohnsitze, von denen Selce sieben und Dvoršina sechs Hauser (Feuerstellen) zahlt, nicht mit ihrem althergefuhrten Namen be- zeichnet werden, trotzdem oft viel kleinere Ansiedlungen unter gleichen Verhaltnissen mit ihrem eigentlichen Namen ange- fiihrt werden. Die urkundlichen Beweise fur die Behauptung des Alters besagen Folgendes: 1. Das Archivverzeichnis des Schlosses Wurmberg bei Pettau aus dem 16. Jahrhunderte fuhrt unter den Urkunden an: 1 ) *) Zahn, Urkundenbuch des Herz. Steiermark, II. p. 116. — 37 — »Ain khaufbrief von Hainrich von Khrottndorf, in dem er herrn Friderichen von Pettau ein hueben, ain muli und ain holstatt zu Pulskha verkauft, anno etc. in 1224 jar«. — Der Kaufbrief selbst ist verloren gegangen; 2. i. J. 1281 schenkte Leopold von Scharffenberg dem Štifte Studenitz einen Maierhof an der Grenze von Podlevarie, »jetzt Podlosch« genannt; l ) 3. im Urkundenbuche des steirischen Landesarchives heisst es: das Gesies bey der Pulczkaw oberthalb der Zelcs, das man auch heisset Podlus; 2 ) 4. i. J. 1359 spricht das Pettauer Urbar vom »gesess Podlas bey der Pulcska oberthalb derSelcz.« Die Lage der Hube ist heute noch leicht bestimmbar, da der Baugrund des jetzigen Gehoftes Nr. 29 in Selce als ein Rechteck in den ehemaligen Besitz des Klosters Studenitz auffallend eingeschnitten ist und sich iiberdies bis an das Jahr 1827 in geistlichem Privatbesitze befand; die Miihle besteht auch noch und liegt an dem Strassenzuge Pettau-Rohitsch knapp an der Pulsgau-Briicke; der Meierhof (hofstatt, gesess) ist aber als solcher heute nicht mehr vorhanden, wohl ist aber die Stelle, wo er gestanden haben musste, dadurch erhalten geblieben, dass man sich des Namens »Dvoršina«, vvelcher im Slovenischen »Hofstelle, Hofstatte« bedeutet, in localem Gebrauche noch immer und ausschliesslich bei Nennung der an demselben Orte spater entstandenen Wohnsitze bedient. Es stimmt dies auch mit den sonstigen Angaben uberein, denn der jetzige Weiler liegt ungefahr fiinf Minuten Gehweges ansteigend von Selce (daher »oberthalb der Selcz«) und der zugehorige Besitz wird gegen Norden vom Pulsgau-Bache begrenzt. An der Stelle des vermeintlichen Meierhofes stehen jetzt zwei Gehofte; desgleichen sind die mutmasslich zugehbrigen Wiesen, Acker und Waldungen seinerzeit unter zwei Besitzer *) Schmutz, Steyerm. Lexicon, IV. p. 136. — Es ist als ziemlich sicher anzunehmen, dass dieser Maierhof mit dem sub 3) und 4) er- vvahnten identisch ist. 2 ) Zahn, Ortsnamenbuch v. Steiermark i. Mittelalter p. 137. — 38 — geteilt worden, welchen aber trotzdem weit grossere Flurge- biete zufielen, als dies bei den Grundbesitzern des benach- barten Selce der Fali ist. Ein grosser Teil des Besitzes diirlte aber schon zur Zeit der Teilung von den Bevvohnern beider Ortschaften envorben worden sein, welcher seither als Ge- meinde-Hutweide dient. Selce (Weiler, kleine Ansiedlung) ist das Diminutivum von selo (Ansiedlung. 1 ) ebensfeld. (2 km westlich von Gersdorf.) Fast in der Mitte des Pettauer Feldes liegt das Gut Ebensfeld. Das jetzige Schloss diirfte erst im Beginne des 17. Jahrhundertes erbaut \vorden sein, da die erste Envahnung in das Jahr 1642 fallt, wo es dem Don Georgio Maniedi ge- horte. Der Grundbesitz besteht meist aus Dreischfeldern, slo- venisch »prelogi« genannt. Es ist vielleicht hier am Platze, diesen Begriff naher zu erortern, da er eine Eigentilmlichkeit des Pettauer Feldes bildet. Dreisch, Driesch oder Drensch heisst jenes Ackeriand, welches zeitweise als Weide oder zum Grasbaue ausgeniltzt wird. Nimmt nach einigen Jahren die Grasnutzung ab, so wird der Dreischboden umgeackert, den Sommer liber brach liegen gelassen und dann ein oder mehrere Jahre zum Getreidebaue verwendet. Zumeist wird da die Bluthirse oder der Himmels- tau (lat. panicum sanguineum, slov. srakonoga) angebaut, \veil diese Pflanze einen trockenen Boden erfordert und ihr eine frische Diingung nicht einmal zusagt. Der Slovene nennt den Dreisch in sehr bezeichnender Weise: »prelog», das Umgelegte, das zivischen Hutweide und Acker Wechselnae. Die Bezeichnung Ebensfeld deckt sich im slovenischen Gebrauche mit dem deutschen Namen. 4 ) Die den Bewohnern von Selce gehorigen Wiescn scheinen eins- tens ein Graberfeld gewesen zu sein; vier grossere Tumuli sind noch vorhanden, mehrere sind jedoch, angeblich schon vor mehreren Jahr- zehnten, geebnet worden. — 39 Das Volk erzahlt, dass vom Bacher-Gebirge einst eine unterirdische, gemauerte Wasserleitung nach Ebensfeld gefuhrt habe, wofiir jedoch einstweilen Beweise mangeln. Georgendorf, slov. 3«rov$Ra ves. (6 km siidostlich von der Bahnstation Pragerhof.) In der Gemeinde Podlosch gab es im Jahre 1440 ein Jureingeschiezz, Juringeschiezz, Jureinsdorf bei der' Pulczkaw und Jurysgeschiess, 1461 Jureinsgschies. Diese am nordlichen Hange des Maria-Neustifter Hohen- rtickens gelegene Ortschaft ist auf dem ganzen Pettauer Felde, soweit von erwiesenen Tatsachen gesprochen vverden kann, die einzige, welche nach einem Vornamen (Juri 1 ) = Georg) benannt ist. Was in diesem besonderen Falle dazufuhrte, einen Vornamen fur die Namengebung des Ortes dauernd zu be- halten, ist heute schwer festzustellen; mutmasslich \var es aber ein einzelner, hervorragender Ansiedler, vvelcher lediglich unter dem erwahnten Namen bekannt war. Den alten Bezeichnungen nach muss hier auch ein soliderer Bau bestanden haben. Die Bezeichnung Georgendorf 2 3 ) selbst ist nur eine Ueber- setzung des slovenischen Ortsnamens und ist erst in der jiingsten Zeit aufgetaucht. s ) Gersdorf, slov. Gerečja ves. (5 km westlich von Pettau.) Gersdorf hiess 1420 Gerolczdorf bei Pettaw, 1441 Gere- Der Name Juri hat wol schon in der vorchristlichen Zeit bei den Slovenen fbezw. Slaven) existiert und scheint sogar weit in die vorhistorische Zeit zuriickzureichen; Beweise dafiir bieten uns sowohl das Attribut desselben in der christlichen Religion (Drache), ein nament- lich fur die historischc Zeit naturwissenschaftlicher Anachronismus, dann die Svmbolik desselben als »zeleni Juri« (der griine Georg), als Be- kampfer des Winters und Bringer des Lenzgriins, \velche unverkenn- bare Reste heidnischer Gebrauche aus jener Zeit sind, wo man noch ganz der Naturreligion huldigte. 2 ) In der Gegend von St. Veit a. d. Drann gibt es auch ein Jurovce, welches 1265 Jurindorf, 1300 Jurendorf, 1440 Juratsch, Juriatsch in dem ambt ze Leichtenek, benannt wurde. Die Abstammung aller dieser Namen ist die gleiche wie bei Georgendorf, nur wurde der Name nicht in das Deutsche iibersetzt. 3 ) Sowohl Schmutz (Steyerm. Lexicon 1822) als auch Janisch (Lexicon v. Steiermark 1878) kennen die Bezeichnung «Georgendorf« nicht. — 40 — litschdorf, 1443 Narestorf und Varestorf (in zwei Urkunden desselben Jahres, rvobei die Bezeichnung des Umlautes unter- blieben sein durfte); 1613 Geritscha Dorff. Alan mochte der Annahme zuneigen, dass der deutsche Name Gerhold (Gerold) filr die Benennung des Ortes mass- gebend war, aber bei naherer Betrachtung der Namens-Ent- wicklung muss man zugeben, dass dies minder glaubwtlrdig ist. Es ist rvahrscheinlich, dass sich der Name aus »grlica« (Turteltaube) entvvickelte, wozu nicht nur das Vorkommen dieser Taubenart daselbst berechtigt, sondern gerade die Wand- lungen des Namens selbst. Ware namlich der Ortsname von »Gerhold« herriihrend, so ist es nicht anzunehmen, dass der ausgesprochen deutsche Name eine solche Veranderung ange- nommen hatte, da ja sammtliche Amtierung in deutschen Handen lag; es ist daher wahrscheinlicher, dass der Ort im Slovenischen um 1441 etwa »Gerličja ves« hiess, was dazufuhrte, dass es im gleichen Jahre urkundlich als »Gerelitschdorf« be- zeichnet \vird, und heute noch, umvesentlich davon ab\vcichend, »Gerečja ves« heisst. Es ist iiberdies er\vahnenswert, dass sich nahe davon ein »Gerlinzenberg«, bei Windisch-Landsberg sogar ein »Gerlitsche« befinden. Goritzeti, $loo. gorica. (3 km nordostlich der Bahnstation Pragerhof.) Goritzen kommt i. J. 1344 in der Form Goriczen, 1441 als Khlain Goriczen, 1499 als Goritz vor. Der Name rilhrt vom slovenischen Worte »gorica«, wo- runter man im allgemeinen ein Berglein, eine Anhohe, oder aber einen auf diesen angelegten Weingarten versteht. Nachdem es sich hierin der Ebene um einen Weingarten nicht handeln kann, da solche in der Niederung der Friihjahrsfroste wegen nicht angelegt vverden, so kann bei der Namengebung wohl nur die ziemlich unansehnliche Erhebung, auf vvelcher die beiden Ortschaften Ober- und Unter-Goritzen liegen, massgebend ge- wesen sem. — 41 Eine besondere Bezeichnung im deutschen Gebrauche oder eine Ubersetzung des Namens konnte nicht festgestellt wer- den; es ist aber moglich, dass das in einer Urkunde v. J. 1613 vorkommende »Perlssdorft im oberen Trafeldt« 1 ) mit Goritzen identisch ist (etwa: »Berglsdorf« in der richtigen Schreibtveise), und dass der Name erst zur Zeit der zweiten Germanisierung iibersetzt wurde. Der neue Name scheint aber niemals iiber den Kanzleigebrauch hinaus eine Verbreitung gefunden zu haben. fiaidin, slov* fiajdin (tiajdittja). (2 km siidwestlich von Pettau.) Haidin ist, den vorhandenen alten Aufzeichnungen und Namen nach zu schliessen, eine altehrwilrdige Statte und die eigentliche romische Militarstadt Petavio. In der Chronik des »Anonymus Leobiensis«, verfasst um das Jahr 872 n. Chr., wird erzahlt, dass Attila im Jahre 452 auf dem Wege nach Italien ausser anderen Stadten auch Haidin zerstorte (»in Stiria prope Betobiam Candita civitas destructa«). In der Lebens- beschreibung Konrad I., Erzbischofs von Salzburg (1106—1147) heisst es: Bethove antiquum extitit castrum, sed dirutum multis temporibus atque sicut hodie cernitur, reedificatum est. Um das Jahr 1200 zog Wolfram v. Eschenbach von Rohitsch nach Pettau und nennt in seinem Epos Parcival den Ort »Gandin« 2 ). Haidin hiess ausserdem: 1164 Chandingen, 1200 Kandin- gen, 1202 due ville iuxta Traam in planitie in confinibus ciutatis Petouie, 1342 Chending, 1374 s. Martinus filialis ecclesia in Chotz (Kotsch), 1492 Ober-, Nieder-Khanding. ‘) Gross-Sonntager Urbar v. J. 1613—1616. 2 ) Siehe den Artikel: Altendorf-Golldorf. —Anthony v. Siegenfeld meint in seinem Werke »Das Landeswappen der Steiermark« p. 405, der Name dieses Ortes (Haidin) habe durch seine lautliche Aehnlichkeit Veranlassung zur dichterischen Verbindung des fabelhaften Konigs »Gandin v. Anjou« mit dem Lande Steier geboten. — Ich glaube, dass es sich Eschenbach kaum darum gehandelt haben wird, mit Absicht und auf Kosten der geografischen Wahrheit zugleich eine Excursion ins Fabelland zu machen, da er es sonst vermieden hatte, die Lage der Stadt an der Einmiindung des Grajenabaches so genau zu bestimmen; •er meinte darunter wohl das heutige Pettau, fur welches aber damals »Gandin« der bevorzugtere deutsche Gebrauchsname gewesen sein wird. — 42 Ueber die Entstehung des Namens Haidin lasst sich folgendes annehmen: Wo heute Haidin liegt, dort breitete sich einst eine be- deutende romische Stadt aus; dies schliessen wir vorerst aus den neueren Ausgrabungen, welche bereits heute die obige Be- hauptung gentigend rechtfertigen. Einen weiteren Beweis bietet uns indirecte das im dritten Jahrhunderte n. Chr. verfasste und um das Jahr 333 verbesserte »Itinerarium Hierosolymitanum«, welches sagt, dass die Entfernung von der »mutatio Pultovia« (Pulsgau 1 ) bis zur »civitas Petovinione« XII romische Meilen 2 ) betrug. Die Stadt muss sonach am recliten Drauufer gelegen sein, denn nach dieser Bestimmung heisst es dann anmer- kungsweise: Transis pontem, intras Pannoniam inferiorem. Ware nun Pettau am linken Drauufer gestanden, so hatte auch die Nachtigung (mansio) daselbst stattgefunden, rvobei das Ueberschreiten der Brucke als selbstverstandlich ver- schwiegen tvorden ware. Ein weiterer Grund, weshalb nicht anzunehmen ist, dass zur Zeit der Romer an der Stelle des heutigen Pettau (linkes Drauufer) ein bedeutenderer Ort gewesen ware, kann vom militarischen Standpunkte erbracht werden. Der isoliert stehende Berg, heute Ober-Pettau genannt, bildete sicherlich in allen Zeiten einen ausserst giinstigen und selbstverstandlichen Verteidigungspunkt, was die Romer, als das militarisch weitaus gebildetste Volk des ganzen Alter- tums, auch sofort miissen wahrgenommen haben. Diese werden wohl nach der Unterwerlung der Pannonier und Ein- nahme der Stadt Pettau diesen Punkt verteidigungsfahig er- halten haben; dass sie aber die Defensivkraft dieser Bergveste dadurch entwertet hatten, dass sie den Hang und den Fuss des isolierten Berges mit Gebauden versehen liessen, um so die Ersturmung zu erleichtern, ist nicht anzunehmen, weil dies den primitivsten fortificatorischen Ansichten Hohn sprechen \viirde. Fiir die Entfaltung der Stadt am linken Drauufer gab ‘) Siehe den Artikel Pulsgau. 2 ) Eine romische Meile = 1479 m. — 43 — es daher aus diesem Grande, vvie auch mit Riicksicht auf die sonstigen Terrainverhaltnišse, keine giinstigen Vorbedingungen. Wahrscheinlich ist es daher, dass sich schon vor den Romern an dieser Stelle eine stabile Brucke befand; zur Ab- weisung der etwaigen Angriffe von Osten her und der Siche- rung des Pettauer Feldes waren an beiden Ufern briicken- kopfartige Verteidigungspunkte u. zw. am linken Ufer die Berg- veste, am rechten die mit Umfassungsmauern versehene Stadt, bestimmt, damit man dem Feinde, ob er nun auf diesem oder jenem Ufer oder a cheval der Drau vorrtickte, auf jeden FalL defensiven Widerstand bieten konnte. So wird es auch unter den Romern ge\vesen sein. Diese durch die Drau unterbrochene Verteidigungsfront nannten sie Petavione, Petovione, Petavio etc. Auf der Veste werden eine entsprechende Besatzung, in der Stadt selbst aber der grosste Teil der Garnison, sowie die Civilamter, untergebracht gewesen sein. Im localen Gebrauche wird sich nun bei den Urein- wohnern und den Nachbarn der Name »ajdi, hajdi« einge- bilrgert haben, denn die Religion und die Gotterverehrung der Fremdlinge war wesentlich verschieden von der ihrigen. Die Semiten, welche daselbst Zoileinnehmer gewesen sein sollen, brachten hieher iliren orientalischen Mithrascultus; die Romer verehrten noch unentwegt die mit romischen Namen ausge- statteten 01ympier, denen sie auch wiirdige Tempel aufgebaut haben werden. Dieses ailes war den unterjochten Bewohnern, die wohl Slovenen waren, aufgefallen, so dass sie die Anders- glaubigen »ajdi« oder »hajdi« (Heiden 1 ), deren Wohnsitz aber »hajdinje«, also gleichsam »Pleidenplatz, Fleidensatte« nannten. Solite der Name noch nicht in den ersten Jahrliun- derten unserer Zeitrechnung entstanden sein, so ist er jeden- falls mit dem Untergange der romischen Herrschafl und dem Erscheinen Attilas aufgekommen, denn bei der Zer- storung Petavios werden die Tempel, als die solidesten Bau- ‘) »Heide« ist ein durch Luthers Bibel-Uebersetzung in die deutsche Sprache aus dem Slavischen aufgenommener Begriff; das s!o- venische Wort diirfte jedoch wieder aus dem griechischen »Hades« entstammen. — 44 — werke am langsten gestanden und so bei der Bevolkerung die Erinnerung an die »Heiden« wacherhalten haben. Nach der Zerstorung des eigentlichen Pettau wird eine langsame Uebersiedlung der noch tibrig gebliebenen Bewohner auf das Gebiet des linken Drauufers stattgefunden haben, da sie eingesehen haben werden, die Bergveste biete bei einem er- neuerten feindlichen Einfalle eine bessere Zuflucht, als die ehemals wohlbefestigte, jetzt aber verteidigungsunfahige Stadt in der Ebene. Der langsame Ufervrechsel brachte es aber mit sich, dass gewohnheitsgemass auch die neuen Ansiedler jenen Namen hiniibertrugen, den sie auf der alten Statte fuhrten, daher die zuerst Uebersiedelnden den Namen »Pettau«, die spateren »Haidin« bevorzugten. So kommt es, dass Pettau durch zwei Jahrhunderte nach Attilas Besuch uberhaupt nicht mehr genannt wird, und so ist es erklarlich, dass es der Anonvmus Leobiensis als »Candita« und Esc.henbach als »Gandin« anfiihrt, obschon zu diesen Zeiten auch der Name »Pettau« urkundlich nicht allzu selten vorkommt 1 2 ). Der Name Candia, Chandingen (worunter auch das Ge- schiecht derer von Chandingen zu verstehen ist) und Hajdin, welches in der Umgebung meist als Hajndin oder auch Haj¬ dina ausgesprochen zu vverden pflegt, haben einen unverkenn- baren lautlichcn Zusammenhang. Der Localaugenschein berechtigt auch zur Annahme, dass seinerzeit die Drau selbst oder ein Arm derselben bis an die an dem Boden von Haidin gelegene Stadt Petavio ausbog, was der Grtindung, besonders aber der Entvvicldung der Stadt sicherlich sehr forderlich war, denn ohne diese Voraussetzung ist das Bestehen einer grosseren Stadt, 2 km von einem grossen Flusse entfernt, doch recht umvahrscheinlich. 3 ) Als aber *) Dass bedeutendere Stadte zwei oder mebrere Namen fiihren, ist ja nichts Seltenes und davon abhangig, je mehr verschiedenartige Volksstamme dabei interessiert waren. Man vergleiche die Namen fur Wien: lat. Vindobona, ital. Vienna, čechisch Viden, slov. Dunaj, magyar. Becs. 2 ) Trstenjak mcint im Letopis der Slov. Matica v. }. 1870 p. 20, dass Haidin einstens »St. Martin am Fuhrt (Sv. Martin na brodu)« hiess — 45 — spater — mutmasslich in der ersten Halfte des Mittelalters — die Drau ihren Stromstrich mehr gegen den Fuss der Windischen Biiheln verlegte und das Bett daselbst allmahlich tieferwurde, vertrocknete der bei Haidin voriiberfuhrende Drauarm, worauf man das linke Drauufer zur Besiedelung fiir giinstiger ersah, und vor allem jene Familien ihre bisherigen Wohnsitze ver- liessen, deren Existenzbedingungen an die Nahe der Drau ge- bunden waren. Im Jahre 1334 wird Haidin zuerst als der Kirchort »St. Martin in der Hei.den« genannt 1 ). Heinrich Feistritzer war damals Vičar daselbst. In der deutschen sowie slovenischen Form des Orts- namens gab es niemals einen nennenswerten sprachorganischen Unterschied. 3abliitg, slov. 3ablanje. (4 km ostlich von der Bahnstation Pragerhof.) Jabling, welches sicli in ein oberes und unteres Dorf teilt, wird im Mittelalter ziemlich haufig genannt, so: 1331 Jablaniach, Jablanach im Trafeld, 1357 Jablenach, 1440 Jablanigk, Ober- Jablornikh, 1441 Ober-Jablarnackh, Nider-Gablanah — ist somit stets im Locativ der slovenischen Sprache gebraucht. Im Slovenischen bezeichnet. »jablan« Apfelbaum; Jablanje ist sonach ein Sammelname fur ein Gebiet, wo viel Apfelbaume gepflanzt sind, daher gleichbedeutend mit »Apfelgegend« oder »Apfelpflanzung «. und dass dem Pfarrer von Kotsch die Einkiinfte der Furt (richtiger Uberfuhr) gehorten. Dieses ist jedoch eine Verwechslung mit St. Martin bei Wurmberg, denn bei Pettau war ja schon zu Romerzeiten eine stabile Brucke. ') Dr. Bidermann behauptet in seiner Abhandlung »Die Serben- Ansiedlungen in . Steiermark, etc.«: »Und wenn aus den Ortsnamen Hajdin gefolgert werden wi)l, dass die Insassen dieser Ortschaft, die ihn tragt, meist Unglaubige (Heiden) waren, also entweder zur griechisch- orientalischen Religion sich bekannten, ^eren Anhanger im XVI. Jahr- hunderte von strengen Katholiken als Nichtchristen angesehen wurden oder der Glaubenslehre Mohameds huldigten, so ubersieht man, dass der alteste Name der Pfarre und des Dorfes Haidin »St. Martin in der Haiden« lautet, von der Haide namlich, in der Kirche und Dorf er- .bauet uurden«. Dieses ist natiirlich keine ernst zu nehmende Be- hauptung, da der Name Haidin schon allem Anscheine nach bestanden hat, — 46 — Bei Jabling muss sich ehedem eine kleine Befestigung befun- den haben, denn laut einer Urkunde verkauft am 9 v August 1502 Heinrich Graf Hardeck dem Hanns von Auersperg die Herr- schaft und das Landgericht Stattenberg, sammt einem Tabor im Draufelde, Glabanach genannt. J ) Jescbenzen, slov. 3e$ence. (1 km siidwestlich der Bahnstation Kranichsfeld.) Jeschenzen hat den Namen vom slovenischen Worte »jez« auch »jež« (Damm). Da sich mehrere grossere Teiche hier be- finden, die Wege selbst teihveise aufgedammt sind, weil der Boden weich ist und bis hieher vielleicht der bei Pulsgau ge- nannte See reichte, wird wohl seinerzeit die Aufftlhrung der vielen hiezu notigen Damme in dieser Gegend der Ortschaft den Namen gegeben haben. Eine Nennung dieses Ortes im Mittelalter konnte bis- her nicht gefunden \verden. Die Schreibung des Ortsnamens im Slovenischen ist inso- als der jetzige Kirchenpatron noch nicht canonisiert war. Desgleichen schreibt Dr. Bidermann in derselben Abhandlung uber die Bewohner Haidins: »Immerhin ist es richtig, dass in der Pfarre Haidin ein Menschenschlag wahrgenommen wird, der vom Typus der einheimi- schen Slovenen merklich abvveicht, indem dessen Reprasentanten durch ihre kleinen, schwarzen und geschlitzten Augen, durch aufgeu-orfenc Lippen, eine plattgedriickte Nase und stark vortretende Backenknochen, haufig auch durch schwarzes, gekraustes Haar sich von ihrer Umgebung abheben. Ich vermute dahinter Abkommlinge von gefangenen Tiirken (Mongolen) u. s. w.« Diese Behauptung, die schon allerdings etwa ein Menschenalter hinter meinen Beobachtungen iiegen mag, fordert zu einer offenen Richtigstellung heraus, denn nach der erivahnten Schilderung ware in Haidin das Dorado fur alle Anthropologen, weil hier geradezu die weissgewordenen Athiopier wohnen miissten. Es beriihrt eigenartig, ude so ein ernster Forscher etvvas als Tat- sache hinstellt, was er selbst niemals ivahrgenommen haben konnte, oder ude er eine solehe bedenkliche Mitteilung ungepruft in einer wissen- schaftlichen Abhandlung als Wirklichkeit darlegen konnte. Es ist kein Zweifel, dass sich hier einzelne Vertreter finden, die von der Race der sonstigen Bewohner in dieser oder jener Hinsicht abweichen; wer sich aber die Miihe nimmt und sich den Tvpus der Pfarrinsassen von Haidin griindlich ansieht, wozu man sonntags anlasslich des Kirchenbesuches die zweckentsprechendste Gelegenheit hat, der udrd sagen miissen, dass die Racen-Abweichungen hier in demselben Masse vorliegen, ude — in jedem anderen Orte. *) Urkunde im Joanneum in Graz. — Muchar, Geschichte d. H. Steiermark, VIII. p. 214. — 47 — weit unrichtig, als mit Riicksicht auf die Abstammung »Ježence« geschrieben werden musste. $t. 3obann m Draufelde, $loo. $ 0 . 3anž na Dravskem polji. (10 km nordwestlich von Pettau.) Der Vermutung ilber die Entstehung dieses Ortes wird bei Golldorf und Altendorf Raum gegeben. Urkundlich kommt der Name »sannd Johannss« das erste- mal im Jahre 1441, dann als »Sand Johanns« im Jahre 1496 im Wurmberger Urbare vor, wo die Abgaben fiir die acht Hubenbesitzer daselbst einzeln vorgeschrieben erscheinen. Rotscb, $Ioo. fiočje. (7 km siidlich von Marburg.) Kotsch ist unter die altesten Ansiedlungen auf dem Drau- felde zu zahlen, denn es musste schon im Jahre 1146 eine an- gesehene Ortschaft gewesen sein, weil es in dieser Zeit als einzige Pfarre fiir den grossten Teil des Pettauer Feldes, des Bacher Gebirges und des Gebietes bis an den Donati-Berg galt. Desgleichen sind die Herren von Kotsch bekannt als Mitfertiger vieler im zwolften Jahrhunderte ausgestellter Urkunden. Die mittelalterlichen Namen dieses Ortes sind: 1146 Choz, 1181 Chotsse, 1214 Chosse, 1265 Chotse, 1359 Chotsch, 1492 Chotsch, 1499 Kotsch. Der Name stammt vom slovenischen Begriffe »hojčje, hočje« (Edeltannenwald); tatsachlich befindet sich auf der Flur dieser Ortschaft entlang des Bacher Gebirges noch heute ein ausgedehntes Tannengeholz. Kranidnfeld, slov. Rače. (12 km siidlich von Marburg.) Der heutige Ort Kranichsfeld hiess im Slovenischen ur- spriinglich »Rače« (auch Račje), und hat diesen Namen bis heute unverandert behalten. 48 Urkundlich wird dieses Dorf, welches in localer Bezeich- nung noch in Ober- und Unter-Kranichsfeld geteilt wird, zu- erst im Jahre 1195 erwahnt, wo Herzog Liupold III. v. Steier- mark dem Kloster Seitz den Zehent von den DOrfern »Rachis« 1 ), Uedvai (Podova) und Rogot (Rogeis) in Marburg bestatigt. In weiterer Folge findet man in den lateinischen Urkunden nur mehr den Namen »Ratschach.« 2 * ) Zur Zeit der Germanisierung der Ortsnamen erhielt auch »Rače« nach der getreuen Uebersetzung seines Wurzelwortes (rak = Krebs) den neuen Namen »Cressendorf.« s ) Die Umgebung von Kranichsfeld hat viele Teiche, sovvie Bache mit Erlenbestanden; in dem Wurzelwerke der meist halb im Wasser stehenden Erlen ist ein beliebter Aufenthalt der Krebse, was eben dieser Gegend den Namen verschafft haben mag. 4 ) Das jetzige Schloss Kranichsfeld soli Gregor Regal, welcher deshalb auch dasPradicat »zuKranichsfeld« filhrte, erbaut haben; hingegen vermutet Freiherr v. Stadl, dass es den Namen von 4 ) Rachis ist in der ervvahnten lateinischen Urkunde im Plural ge- braucht (»videlicet duarum Rachis« nach Zahn, Urkundenbuch d. H. Steiermark II. p. 33); der Singular hiezu lautete jedenfalls »Rache« (spr. Rače). 2 ) Bei den deutschen Ortsnamen slovenischen Ursprungs kommt sehr haufig das Suffix »ach« vor. Dieses ist nichts anderes als die En- dung des slovenischen sechsten Casus (Local). Der Slovene gibt gewohn- lich auf die Fragc nach dem Namen eines Ortes die Antwort nicht im Nominativ, sondern im Locativ; z. B. nicht »Rače«, sondern »v Račah« )in Rače), welche Bezeichnung sodann unverandert in das Lateinische und auch Deutsche ubergegangen ist. s ) Rationarium Stiriae v. J. 1265. 4 ) Die Entstehung des Namens »Kranichsfeld« erklart Prof. Simon Rutar in Laibach nachstehend: Der Ort hiess urspriinglich »Račje« (Krebsengegend) und wurde richtig verdeutscht mit »Kroisenenfeld«(krois mhd. Krebs). Spater kam die Zeit der Latinisierung, und da der Ueber- setzer das Wort »krois« nicht verstand, so suchte er ein ahnliches la- teinisches Wort und iibersetzte es in »campus gruis«. Als wieder die germanisierende Zeit eintrat, iibersetzte man »campus gruis« richtig ins deutsche »Kranichsfeld« — und so wurde aus »Krebs« ein »Kranich«. Ich konnte fur die Entwicklung des Namens in dieser Weise keine Be- lege finden, da mir Urkunden aus einem jeden Jahrhunderte nicht zurVer- ffigung standen; ich will aber bei diesem Anlasse einen drastischen Be- \veis iiefern, wie leicht Namen in kiirzester Zeit geandert werden konnen. In der Nahe von Kranichsfeld befindet sich ein einzelner grosser Grabhiigel, welcher bei den slovenischen Bewohner kurzweg »gomila« — 49 — den Herren v. »Kranichberg« 1 ) erhalten babe, was auch zvveifel- los richtiger ist, denn vor der Familie Regal besassen schon die Herren von Statteck die Herrschaft Kranichsfeld unter diesem Namen; da aber dieses Geschlecht um das Jahr 1400 bereits im Mannsstamme erloschen ist, kam Kranichsfeld durch Verheiratung der einzig verbleibenden Tochter Juditha an die Grafen von Montfort, und erst von diesen an die Herren von Regal. Gregor Regal 2 ) diirfte sonach nur einen grosseren Um- oder Zubau ausgefiihrt und nur als Besitzer der Herrschaft und des Schlosses das Pradicat »zu Kranichsfeld«, sowie das Wappen mit einem Kranich angenommen haben. Die Ortschaft Cressendorf und das Schloss Kranichsfeld waren wahrscheinlich im Anfange sowohl raumlich, als auch in Bezug auf die Benennung vollig getrennt; spater aber, als sich die Ortschaft vergrossert (es gab ja schon 1195 zwei »Rachis«) und rings um das Schloss ausgebreitet hat, muss der Ortsname in den Hintergrund und dann allmahlich ausser Gebrauch ge- treten sein, daher zu Beginn der Neuzeit Ort und Schloss im Deutschen nur mehr unter dem Namen »Kranichsfeld* erscheinen. Der grosse Saal des Schlosses ist insovveit erwahnenswert, weil in demselben zum Teile die. Beratungen der Zrinyi- Frankopanschen Verschworung, deren hervorragendes Mitglied auch der damalige Besitzer, Graf Erasmus Tattenbach war (1669), stattgefunden haben, und \veil sich an diesen Raum (tumulus) genannt wird. In die Militar-Specialkarte vorn Jahre 1882 ge- langte aber durch ein fliichtiges Horen oder ungenaues Aufschreiben seitens des Mappeurs die Bezeichnung »Camilla«. Als ich einen An- sassigen fragte, was dies zu bedeuten habe, meinte er, es soli hier eine gevisse »Camilla« verungliickt sein. Nach dem Vorhalte des Irrtums, — denn der Grabstein darauf sage deutlich, dass hier der einstige Be¬ sitzer von Kranichsfeld, ,der Braunschweiger Denike 1 begraben liege (gest. 1829), — meinte er, dass er dies auch wisse, aber es soli jetzt so in der Karte stehen, da habe man sich die Sache derart ausgelegt. Wenn die Gutglaubigkeit jetzt, wo der Grabstein noch deutlich lesbar ist, so weit geht, was wird erst daraus, wenn die Schrift unkenntlich wird ! ') Gestorben am 12. August 1546; wurde in der Pfarrkirche in Pettau beigesetzt. 3 ) Schmutz, Steiermarkisches Lexicon (siehe Kranichberg und Kranichsfeld). 4 — 50 — die Entstehung des gefliigelten Wortes »sub rosa« kniipfen soli. In der Mitte der Dečke befand sich damals in Stuccatur eine grosse Rose, welche bis zum Jahre 1830 unverandert er- halten blieb. Da der Ort der fallweisen Beratungen geheim bleiben musste, wurde jedesmal, sobald die Sitzung in Kra- nichsfeld beabsichtigt wurde, nur das Losungswort »sub rosa« ausgegeben. Die traurige Beruhmtheit der Entstehung dieses Spruches fur eine geheimzuhaltende Handlung soli daher, so- weit nur die beziiglichen Gerichtsacte in Betracht kommen, vom Schlosse Kranichsfeld stammen *). $t. Kuniguttd, slov. Sv. Huttigunda. (1 km siidostlich von Ebensfeld.) In der nur wenige Hauser zahlenden Ortschaft siidostlich des Schlosses Ebensfeld befindet sich eine geraumige Kapelle obigen Namens. Ursprunglich scheint hier nur ein grosserer Einzelhof ge- wesen zu sein, denn die erste Ervvahnung in einer Urkunde vom Jahre 1443 enthalt folgenden Satz: Wilhelm Guntschacher hat zu lehen drey huben gelegen bei Narestorf (Gersdorf) bei St. Kunigunden in St. Martin pharr (Haidin bei Pettau). EacK, slov. EoKa. (10 km siidostlich von Marburg.) Die Namensformen dieses Ortes im Mittelalter sind: 1322 Lok, 1434 Lakch, 1441 Lackh, 1496 Lakh. Lack hat den Namen von der alteren slovenischen Be- zeichnung »loka« fur: Wiese. Im Deutschen wurde in allen bekannten Fallen mit der Zeit aus »loka« das ganz bedeutungs- lose Wort »Lack« oder »Laak« (z. B. Bischoflack in Krain aus Škofja loka). <) Die Rose war schon bei den Romern als Symbol der Ver- schwiegenheit bekannt; bei Gastmahlern pflegte man eine Rose von der Dečke auf die Tafel herabhangen zu lassen, um zu erinnern, dass das bei Tische unter Freunden Gesprochene nicht nach auswarts getragen werden soli. Diese Sitte diirfte auch den Verschvorern bekannt gewesen sein; es scheint daher, dass der bildliche Gebrauch der Rose bei diesem Anlasse nur aus der Vergessenheit gezogen und erst von da an wieder zum gefliigelten Worte wurde. — 51 Bei diesem Orte befinden sich tatsachlich schone, ausge- dehnte Wiesen; die Bezeichnung filr diese seitens der Um- . wohner ist spater auf die Ansiedlung selbst, die auf diesen Wiesen entstanden ist, iibergegangen. Eanzendorf, slov. Eanca ves. (6 km. svidlich von Pettau.) Man \vare geneigt, die Herkunft dieses Ortsnamens dem deutschen Worte »Lanze« zuzuschreiben, wenn die Bezeich- nungen dieser Ortschaft im Mittelalter, so\vie die Bedeutung des slovenischen Begriffes nicht dagegen sprechen \vilrden. Es hiess im Jahre 1265 Lazendorf, 1300 Lanzdorf, 1441 Lancz- dorf, 1450 Laczendorf. Der Name stammt vom slovenischen Worte lanec, Genetiv: lanca (Kette), \viirde daher der deutschen Uebersetzung »Ketten- dorf« entsprechen. Das Dorf besteht aus einer langgestreckten, oft unter- brochenen Zeile, \vas zum Vergleiche mit einer Kette Veran- lassung gegeben haben mochte. Im Volksmunde ist es daher unter den Nachbarn allgemein gebrauchlich, dass man alles, was eine ungewohnliche Lange besitzt, mit dem Vergleiche definiert: »es ist so lang wie LanzendorL. Es ist geradezu zweifellos, dass der Ort urspriinglich einen anderen Namen hatte und den jetzigen erst erhielt, als die tvpische Bezeich¬ nung filr denselben — die grosse Lange — vorgelegen war. Solche volkstiimliche Anderungen durften in der Zeit der Ent- wicklung eines Ortes recht haufig vorgenommen worden sein, wozu schon der Umstand notigte, dass es zu viele Ortschaften gleichen Namens gegeben haben wird. Eendorf, slov. Dogoše. (6 km sudostlich von Marburg.) Lendorf gehorte bis zum Jahre 1100 den Sponheimern; in dieser Zeit wird aber «Leeindorf« mit allen Glitern und Leuten dem Kloster St. Paul im Lavanttale gewidmet. Seither kommt 4 * — 52 — es in den Urkunden als Lengendorf (1265), Legndorf (1300), Lengdorf (1450) vor. Die Erfahrung, dass alle jene Ortschaften, welche einen eigenen slovenischen Namen fiihren, diesen zuerst hatten und dass aus diesem erst meist durch Ubersetzung der deutsche hervorgieng, macht allem Anscheine nach auch hier keine Ausnahme. Der Ort wird ungefahr »Dolga ves« (langes Dorf) geheissen haben, vvoraus sich mit der Zeit »Dogoše« im Slo¬ venischen, im Deutschen aber die verkurzte Form »Lendorf« bildete. Eine Analogie fur diese Verkilrzung besteht auch bei Lemberg (Bezirk Cilli), welches ursprunglich Lengenberg hiess. St. Eorenzen am Braufelde 1 ), slov. Sv. Eovrenc na Dravskem polji. (10 km sudwestlich von Pettau.) St. Lorenzen gehort sicherlich zu den alteren Pfarren Steier- marks. Erwahnt wird es urkundlich das erstemal im Jahre 1290; in diesem Jahre (am 28. September) verkaufen Leutold von Rabensberg und dessen Gattin Alheit den Brudern des deutschen Ordens zu Gr.-Sonntag »6 Schilling Geltes zu St. Laurenz bei der Pulzkach«. Unter anderen \var dabei auch Heinrich, der Pfarrer von St. Laurenz, Zeuge. Welchen Namen dieser Ort vor der Annahme der kirch- lichen Bezeichnung fiihrte, ist in beštimmter Weise nicht mehr feststellbar. St. margaretften, slov. Sv. Itlarjeta na Dravskem polji. (4 km ostlich von Kranichsfeld.) Kirchen dieses Namens kommen schon im Iruhen Mittel- alter vor; die erste Envahnung dieser Ortschaft geschieht aber erst i. J. 1567 als »Sanndt Margarethen im Feldt« 2 ), was ver- 0 Die Bezeichnung »am« Draufekle ist wohl sprachlich unrichtig und miisste es schon mit Riicksicht auf die Lage des Ortes zum Pettauer Felde »auf dem Draufelde« heissen, doch ist diese Bezeichnung bereits eine amtliche geworden. Der slovenische Name weist die sprachlich richtige Form auf. 2 ) Orožen, Das Bistum Lavant, I. p. 514. — 53 — muten lasst, dass diese Dorfflur wohl schon friiher besiedelt \var, aber einen anderen Namen fuhrte. 1 ) lflarKIdorf, slov. tržeč. (6'5 km siidlich von Pettau.) Markldorf hiess i. J. 1300 Markendorf, 1440 Maerktl, 1450 >zum Maergktlein« und »Mergktl.* Diese Ortschaft, die bei den Slovenen »Tržeč« (kleiner Markt) geriannt wird, bildet eine secundare Ansiedlung auf dem Grande der Katastergemeinde Jurovetz. Es ist \vahrscheinlich, dass auch hier der slovenische Name »Tržeč« der urspriingliche war, obschon derselbe in keiner Urkunde des Mittelalters bisher vorgefunden werden konnte; es gibt aber in Untersteiermark mehrere Ortschaften, \velche schon im Mittelalter diesen Namen fiihrten, ohne dass derselbe in das Deutsche tibersetzt worden ware. 2 ) Zu den beiden Namen fuhrte wohl der Umstand, dass der Ort schon seit Jahrhunderten an der Strassenkreuzung liegt, \velche Pettau mit Untersteiermark (Rohitsch und Cilli), dann mit Kroatien verbindet und dereinst mutmasslich auch an der Grenze zwischen Pannonien und Noricum lag, daher hier ein Umtausch der Producte des Feldes gegen jene des Gebirges stattgefunden haben mochte. Die Militarkarten fiihren fiir diesen Ort »Marklaves< als slovenische Bezeichnung an, welcher Name jedoch in der Gegend niemand bekannt ist. 3 ) lttedivetzen, slov. Ittedvece. (6 km siidostlich der Bahnstation Pragerhof.) Im Mittelalter kommt dieser Ort, wenigstens unter obigem !) Naheres daruber enthalt der Artikel Prepola. 2 ) Z. B. Therschiczs 1441 (bei Rohitsch), Tersetz 1480 (bei Cilli) u. a. s ) Es scheint, dass dem Mappeur dieser Gegend seinerzeit (1878) bei der Feststellung slovenischer Ortsnamen eine Person Auskiinfte gab, der die hiezu notigen Kenntnisse mangelten, da sich gerade auf dem Pettauer Felde eine unverhaltnismassig hohe Zahl rvesentlich entstellter Namen in den Karten vorfindet. 54 — Namen, nicht vor; desgleichen sind wesentliche Verschieden- heiten in der Schreibwei.se nicht zu verzeichnen. Das Grundwort in dieser Benennung ist »medved« (Bar); Medvece bedeutet sonach: Barengegend. Die Entstehung des Namens diirfte richtigerweise dem Umstande zuzuschreiben sein, dass in den bewaldeten Hangen des Maria Neustifter Hohenriickens ehedem Baren gehaust haben, was auch vollkommen glaubwiirdig ist, da sich z. B. audi die Wildkatze noch heute in den envahnten Waldungen vorfindet. micheldorf, slov. mibovce. (10 5 km sudwestlich von Pettau.) Micheldorf kommt urkundlich zuerst i. J. 1384 in einer zu Pettau ausgestellten Urkunde als »Muenchdorf« vor. Der eigentliche Name ware sonach »Monchsdorf«, denn dieser Ort gehorte dem Cistercienser-Abte von Viktring in Karnten und wurde im genannten Jahre durch Konrad Raum- schilssel erworben, welcher dafiir dem Abte Giiter in Karnten liberliess. Im Jahre 1480 gehorte »Munichstorff«, wie es damals im Stockurbar geschrieben erscheint, zur Herrschaft Lembach; seither heisst der Ort immer »Michaelsdorf« oder »Micheldorf«. Es ist mit Rticksicht auf die sonstigen Erfahrungen an- zunehmen, dass der ursprungliche Name der slovenische war, und Mnihovce (menih = Monch) lautete; die Ubersetzung in das Deutsche erfolgte daher auch in richtiger Weise zu: Muench¬ dorf. Als aber spater das Dorf in weltlichen Besitz gelangte und ein weiterer Ubersetzer von der einstmaligen Klosterzu- gehorigkeit nichts mehr wusste, iibersetzte er das Wort »Mni¬ hovce«, welches er aber nur als »Mihovce« gehort haben diirfte, vollkommen richtig in »Micheldorf«. Es ist sehr wahrscheinlich, dass im mtindlichen Verkehre die ungewohnliche Harte in der ersten Silbe (»Mn« ohne dazwischenliegenden Vocal) dadurch beseitigt wurde, dass man das »n« in der gewohnlichen Rede ausliess, es daher wie »Mihovce« lautete. Eine Correctur vor- 55 — zunehmen, fiel aber spater niemandem mehr ein, da es in dieser Form ja auch dem Deutschen in der Bedeutung gleichstand. Der erste Blick nach der Herkunft des Namens »Michel- dorf« richtet sich unwillkilrlich auf die in der Mitte des Ortes befindliche, ziemlich geriiumige Kapelle; diese ist jedoch dem h. Antonius geweiht, daher das Bestimmungswort des Orts- namens damit in keinem Zusammenhange steht. neudorf, slov. nova ves. (3 km siidlich yon Pcttau.) Neudorf ist trotz seines Namens schon ein alterer Ort, vvelcher i. J. 1300 und 1441 als Newdorf, 1442 als Newdorf bei der Traenn, 1496 als »Grass« und »Khlain«-Newndorf be- zeichnet erscheint. Nach bekannten Analogien wird auch bei dieser Ortschaft der slovenische Name der ursprungliche gervesen sein; die Ubersetzung in das Deutsche wurde, da sie sehr leicht war, \vohl schon friihzeitig fiir den Kanzleigebrauch vorgenommen. Die Unterscheidung von Gross- und Klein-Neudorf von ehedem besteht heute nicht mehr; dieses lasst sich erfahrungs- gemass damit erklaren, dass eine dieser zwei Ortschaften den einfachen Namen beliielt, die zweite aber im Volksgebrauche einen anderen Namen annahrn, um bei verkurzter Anrvendung Verwechslungen zu vermeiden. Wahrscheinlich ist aber mit Klein-Neudorf der heutige Neuhof (siidostlich von Drasendorf bei Pettau) identisch. $t. nikolai, slov. $v. miklavž na Dravskem polji. Bei allen Ortschaften, deren Namen Heilige bezeichnen, ist die Entstehung des Namens innig verknupft mit der Er- bauung eines Gotteshauses daselbst; der etwa friiher bestandene Name gieng nun allmahlich verloren. So ist es erklarlich, dass Ortschaften, wie z. B. Tumlensdorf und Oberendorf 1 ) im Jahre ’) Oberendorf diirfte mit Altdorf, oder vielleicht auch mit St. Mar- garethen identisch sein; wo Tumlensdorf lag, dariiber ist selbst die Vermutung schwer auszusprechen. — 56 — 1382 noch in Urkunden genannt werden, und doch \vissen wir heute nicht mehr genau, wo sie standen, und mit welchem heutigen Orte sie identisch sind, da der profane Name dem kirchlichen \veichen musste. Die Namen solcher Ortschaften sind im Gebrauche beider Volksstamme bis auf die sprachliche Anpassung grundsatzlich gleichlautend; immerhin kann man aber beobachten, dass die alteren kirchlichen Ortsnamen zuerst slovenisch waren, da sie schon vor dem Eindringen der Deutschen im Gebrauche ge- wesen sein mussten, tvahrend die spateren Kirchen zum Teile solchen Heiligen geweiht wurden, die aus dem germanischen Stamme hervorgegangen sind, und den Slovenen nicht gelaufig waren, daher in diesen Fallen der deutsche Name der ur- sprtingliche war. Beispiele hiefiir sind: St. Kunigund, St Wolf- gang. St. Leonhard, St. Heinrich u. m. a. St. Nikolai wird zuerst im Jahre 1382 gemeinschaftlich mit Oberndorf und Tumlensdorf in dem Trafeld als »sand Ničla«, im Jahre 1434 wieder als »sand Nikla« genannt. fliverzen, slov. niverce. Dieser 5 km sikhvestlich von Pettau gelegene Ort kommt im Jahre 1369 als Chniebaczdorf und als Cnietvestorf im Dra- feld, 1390 als Chnieboczdorf, 1440 als Kimsmerczen und Gim- berczen, 1460 als Gniebercz vor. Der Name ist \vahrscheinlich aus der slovenischen Be- zeichnung »k njivicam« (praep. Dativ = zu den kleinen Ackern) hervorgegangen und muss als Ausgangspunkt dieser Determi- nation Gersdorf (oder Haidin) angenommen werden. Die Bevvohner von Gersdorf werden an der Stelle des heutigen Ortes Niverzen oder anstossend daran ■— tatsachlich stossen die Acker ja zusammen •— kleine Ackerparzellen be- sessen haben, die sie im internen Verkehre so nannten, falls sie dahin zu gehen hatten. Es ist tiberall der Gebrauch wahr- zunehmen, dass einzelne Riede mit besonderen Namen belegt iverden, weil dies das Disponieren der Feldarbeiten erleichtert, und keine langvvierigen Umschreibungen crfordert; dieses geht — 57 — bisvveilen so veit, dass ein einzelner Besitzer fur die verschie- denen Parzellen seines Grundes eigene Namen hat, welche aber oft schon der Nachbar nicht mehr gebraucht oder kennt. Die Besitzungen der Insassen von Niverzen gelten allge- mein beziiglich des Bodenertrages als die schlechtešten; ein vvenig ertragliches Grundstiick nennt daher der Bevrohner deš Pettauer Feldes ironisch, aber bezeichnend, »es sei soviel wert als ein Grundbesitz in Niverzen«. So kommt es, dass 1369 »Ottel zu Grifen und seine hawsfrau Chunigund« alle 9 Hufen zu Niverzen, »die zw den zeyten ali od gewesen sind«, dem Ulrich Sefner verkauften. Dieser vermachte wieder diesen ganzen Besitz (270 ha) im Jahre 1390 dem Dominikanerkloster in Pettau fur vier Jahrtage 1 ). Im Urbar vom Dominikaner¬ kloster zu Pettau von ca. 1500 heisst es betreffs »Gimbertz«: »daselbs sind ne\vn huben und sind od, aber man lezt die agker aus, so man sy pessert, ein tagwerch umb ain virtl trayd, was man darauf schneydt«. Es hat daher allen Anschein, dass man vom ganzen Flurbesitze von Niverzen tiberhaupt nur die besten Partien bearbeitete und diese als »njivice« (kleine Acker, vielleichtauch in derBedeutung als »mindere« Acker) bezeichnete. Die bereits angenommene Erklarung der Entstehung dieses Namens von »neverci« (Unglaubige) hat deshalb wenig Glaub\vurdigkeit, weil der deutsche Name im Mittelalter in constanter Weise mit K, Ch oder G beginnt, was wohl unter- blieben ware, wenn die Bezeichnung im Slovenischen nicht auch mit einem Kehllaute begonnen hatte. Dass im Deutschen noch der Gattungsname »Dorf« dazu tritt, ohne dass im Originale dafilr »ves« (Dorf) vorkommt, ist eine geradezu typische Plrscheinung, um den Namen auf diese Weise fur den deutschen Gebrauch gefugiger zu machen, ja es kommt sogar vor, dass in einzelnen Fallen, wo auch im Slove¬ nischen die Bezeichnung »ves« dem Ortsnamen beigegeben er- scheint, das Wort »Dorf« obendrauf angehangt wurde; z. B. aus Cranzlaves (bei Marburg) rvurde nicht »Cranzladorf« sondern »Cranzlavesdorf«. *) Wiener Staatsarchiv, Hs. 141. — 58 — nussdorf, slov. Orešje. (2 km nordwestIich von Kranichsfeld.) Im Mittelalter rnuss hier ein Schloss oder ein grosserer Hof bestanden haben, denn i. J. 1234 wird ein »Hartvicus de Nussdorf« als Zeuge bei der Aufnahme des Liupold von »Go- nuvoitz« als Laienbruder in das Kloster Seitz genannt; i. J. 1245 waren die Briider Rudolf, Hartrvicus und Otto »Fratres de Nussdorf« Zeugen einer Schenkung. 1 ) Desgleichen nannte sich der i. J. 1671 in Graz als Verschworer enthauptete Eras- mus Graf von Tattenbach: Besitzer der Gilter Kranichsfeld, Podova, Nussdorf u. a. m. Der Name rtihrt von »oreh« (Nuss) her und verdankt jedenfalls dem besonderen Gedeihen des Nussbaumes in dieser Gegend seine Entstehung. Der slovenische Name »Orešje« (1820 Orehova ves) kommt in den Urkunden des Mittelalters nicht vor; es diirfte daher der Name frtlbzeitig in das Deutsche ubertragen worden sein, weil die Ubersetzung leicht war; denn es fallt auf, dass von allen jenen Ortschaften des Pettauer Feldes, welche Namen botanischen Ursprunges fiihren, als: Rogeis, Kotsch, Schleinitz, Ottendorf, Brezula, Dobrofzen, Jabling, Ternitschen, Ternowetz und Zvvettendorf— Nussdorf der einzige ist, bei vvelchem die slovenische Bedeutung wortgetreu in das Deutsche ubertragen wurde. Ausserdem wird das Bestreben, ein deutsches Wort fiir den Besitz zu erhalten, vom daselbst sessbar gewordenen Adelsgeschlechte ausgegangen sein, um statt des fremden slovenischen Begriffes einen deutschklingenden Namen als Pradicat fiihren zu konnen. Ottendorf, slov. fiotinja ves. (2 km nordlich von Kranichsfeld.) Die erste Envahnung dieses Ortes fallt in das Jahr 1323, in welchem eine Hube zu »Ottendorf under dem Pocher« dem Deutschordenshause in Gross-Sonntag verkauft’ \vird. Im Lehenbuch des Klosters St. Paul von 1408 wird es »Ottendarff im Trafeld« genannt. Die letzte bekannte Nachricht h Zahn, Urkundenbuch v. Steiermark, II. p. 416 u. 565. — 59 — -aus dem Mittelalter stammt aus dem Jahre 1429, in vvelchem der Prior von Seitz zwei Huben und zwei Hofe zu »Ottendorf ob Ratschach« erwirbt. Der deutsche Ortsname ist zvveifellos nur eine Entstellung des slovenischen Begriffes »hodinje«. Unter »hode« (plur.) ver- steht der Slovene die Pflanzengattung »Weiderich, Antonius- kraut« (Epilobium angustifolium L.), deren Blatter zu Arznei- zwecken (Bereitung des kurilischen Thees), dann als Surrogat filr den echten Thee verwendet werden. Die Gegend, \vo diese Pflanze in grosserer Menge gedeiht, nannte man einst »hodinje« (eine mit Weiderich bevvachsene Gegend); solche Stellen sind: VValdblossen und Waldrander, falls der Boden humusreich und sehr feucht ist; diese Vorbedingungen diirften hier einmal vor- handen gewesen sein, da wohl einst die Waldregion weit iiber die heutige Dorfflur hinab gereicht hat. Es ist anzunehmen, dass vor der Besiedlung des jetzigen Gebietes von hier das als Hausarznei verwendete Kraut geholt, daher in der Umgebung die Stelle mit »hodinje« bezeichnet wurde; 1 ) als sich aber daselbst eine Ansiedlung bildete, ging *) Bei dieser Gelegenheit sei auch ervvahnt, dass Pflanzen, welche als sogenannte Hausmittel gelten, bei den Landleuten noch heute nicht etwa von der Apotheke, sondern directe von dem Platze, wo sie vvachsen, geholt werden; dies hat zur Folge, dass man sich die Fundorte genau zu merken pflegt, um bei dringendem Bedarfe die Pflanze selbst nachts in der Natur zu finden; desgleichen gehort es zu den Pflichten einer umsichtigen Hausfrau, einen gewissen Vorrath an solchen Heilmitteln fur den Winter bereitzuhalten. Solche Fundplatze erhielten daher zur eigenen Orientierung die entsprechenden charakteristischen Bezeichnungen. Der Name »Hodinje« kommt in Steiermark auch sonst ofters vor u. z. immer in solchen Ge- genden, wo der VVeiderich tatsachlich gedeihen kann. So hiess die heute im Deutschen zu »Kotting« (bei Cilli) verballhornte Ortschaft i. J. 1205 noch »Chodinia«, 1208 Chodinie. — Die Kenntnis solcher Arzneipflanzen seitens der Slovenen reicht anscheinend in jene Zeit zuriick, die man heute mit Jahreszahlen nicht naher begrenzen kann. Ein Beispiel dafur bietet uns die bekannte Heilpflanze »Kamille«, welche im Slovenischen »gomilca, gomilica« genannt wird. Da sie lediglich im aufgevvorfenen, gelockerten Boden, als Grabhugeln, Dammen, Brachfeldern u. dgl. ge¬ deiht, so werden die alten Slovenen wohl stets zu den Grabern (gomila, lat. tumulus) gegangen sein, vvoselbst die Kamille sicher zu finden \var, und benannten sie nach dem Fundorte; sie hielten sie wohl auch des- halb hoher, als im Volksglauben Blumen, die auf Grabern wachsen, eine besondere Heilkraft besitzen, was bei dieser Pflanze ja nicht unbegriindet 60 — der bisherige locale Name auch auf die Ortschaft liber. Sprachlich richtig soli daher der Ortsname »Hodinja ves« lauten. Dass aber der Ort von der Schlangengattung »Otter«, oder von dem »Fischotter« den Namen hatte, ist entschieden abzutveisen, da die wichtigsten Lebensbedingungen ftir die beiden envahnten Tiergattungen hier nicht gegeben sind. Pangerzen, Poitgerce. (3 km. ostlich der Bahnstation Pragerhot.) Die locale Vermutung, der Name Pangerzen riihre von »Pohorci« (Beivohner des Bacher-Gebirges), oder von »pogani, poganci« (lat. pagani = die nicht zum Christentume iiberge- tretenen Bauern) her, findet in culturhistorischer Hinsicht allzu wenig Begriindung. Desgleichen ist die in den Urkunden vor- kommende Form »Pongratzen«*) kaum dem Namen »Pan- kratius« zuzuschreiben, da einerseits das »Sanct« tiberall fehlt, im Orte selbst heute keine Kirche oder Kapelle steht, und auch nie davon die Rede, noch andererseits ein hervorragender Besitzer gleichen Namens bekannt ist, obschon der Ort unter diesem Namen im Mittelalter noch nicht bestanden zu haben scheint. Am tvahrscheinlichsten ist es, dass der Ort deutschen Ursprunges ist und den Namen »Baumgarten« im Beginne fiihrte. * 2 ) Der Slovene blieb auch in diesem Falle bei der deutschen Benennung, indem er sie nur zu »na pungarti« (beim Baumgarten, in der Gegend einer Obstbaumpfianzung) formte und die Betvohner selbst als »Pungerci« bezeichnete. ist. Der slovenische Name ging dann auch in die deutsche Sprache iiber; Linne setzte um das Jahr 1750 fiir die Pflanze den wissenschaft- lichen Namen »Maticaria Chamomilla« fest. >) Am 12. August 1612 verkauft Freih. v. Herberstein dem Štifte Studenitz '/s des Wein- und Getreidezehnts in »Pongratzen.« 2 ) Am 16. Juni 1263 schenkte Wulfing Paumgarten, vielleicht der Besitzer dieses Ortes, eine Hube in Ober-Haidin den Deutsch-Ordens- rittern in Gross-Sonntag. (Petteneg, Urkunden des Deutsch-Ordens-Ar- chives I. 124.) — 61 Pettau, slov. Ptuj. Die Statte, wo heute Pettau liegt und ehedem lag, ist schon seiner gilnstigen geografischen Lage nach dazu ge- schaffen, zu einer Ansiedlung herauszufordern. Als die ersten Ansiedler dieser Gegend, wie des Drau- feldes tiberhaupt, werden illyrisch-pannonische, also slavische Volksstamme angenommen; es ist aucli selbstverstandlich, dass dieses Gebiet vor dem Eindringen der Romer schon dicht bevolkert war, denn wer hatte sonst der Eroberung durch die Romer Widerstand, und zwar, wie die Schriftsteller des Alter- tums behaupten, so hartnackiger Natur, geleistet. Der Name »Pettau« ist daher fast zvveifellos slovenischen Ursprungs. Der Slovene bezeichnete wohl schon lange vor der Romerzeit, sowie er es unverandert noch heute tut, einen Weg nach Pettau mit den Worten: grem na Ptuj (richtiger: ptuje, = ich gehe in die Fremde), was zu sagen er auch Berech- tigung hatte. Pettau liegt an der schmalen Stelle, wo das Kolosgebirge (Haloze) an die Stadtberge auf ungefahr 6 km herantritt; zwischendurch stromt die Drau, viele Nebenarme bildend und so den Bevvegungsraum in der Ebene einschrankend. Diese noch freigebliebenen schmalen Streifen bilden daher ein form- liches Doppeltor, welches alle Volkerschaften, die drauaufwarts zogen, passieren mussten. Als erstes Hindernis legte sich ihnen nun Pettau vor. So kommt es, dass alles, was von Osten her kam, unbekannter und meist feindlicher Natur war, mithin als »fremd« bezeichnet wurde. Gegen Norden und Silden trennte die Drau daselbst die Provinzen Noricum und Savia. Uberdies zahlte die westliche Grenze von Pettau zu Noricum, Pettau selbst und das Gebiet gegen Osten zu Pannonien. Unter Kaiser Diocletian wurde nun um das Jahr 300 n. Ch. die Grenze dahin reguliert, dass seither die vom Norden gegen Stiden laufende Grenze ztvischen Noricum und Pannonien die ostliche Begrenzung der Stadt streifte, Pettau nun auf norischem Gebiete lag. Man ersieht daraus zur Gentige, dass der Slovene, — 62 von welcher Seite er immer nach Pettau kam, irgend eine Grenze oder gar einen ganzen Knotenpunkt von Grenzen passieren musste, umsomehr als Pettau allem Anscheine nach auf beiden Drauufern ausgebreitet war; 1 ) er bctrat somit unter allen Um- standen ein fremdes Gebiet, nannte daher mit vollem Rechte jeden Besuch von Pettau als einen Weg in »die Fremde«. Dem genauen Kenner des ortsiiblichen Spracbgcbrauches kann es auch nicht entgehen, dass der Slovene des Pettauer Feldes bei drei Ortschaften auf dem ganzen Draufelde die Richtung seines Weges dahin anders bezeichnet, als bei den tibrigen. Es sind dies gerade die drei anscheinend altesten Ort¬ schaften des Draufeldes: Pettau, Haidin und Pulsgau; vvahrend er sagt, er gehe: v Prepole, v Ebensfeld, also nach Prepola etc., sagt er bei diesen: na Ptuj, na Hajdin, na Polskavo, also un- gefahr in der Bedeutung: auf (das Gebiet von) Pettau, Haidin, Pulsgau. Diese feine Nuancierung hat aber ihre volle Berechtigung, denn alle diese Ortlichkeiten sind dem Namen nach nicht Ort¬ schaften, sondern Gebiete, denen er einen Namen gegeben hat, welcher die žiussere Beschaffenheit der ganzen Gegend charak- terisieren soli; so ist ihm Pettau = die Fremde, Haidin = der Heidenplatz, Pulsgau = die schliipfrige, feuchte Gegend. 3 ) Der Einheimische wird daher niemals sagen: v Ptuj (nach Pettau), weii er dies, ohne nabere Kenntnis der sprachlichen Entstehung des Namens, nach seinem eigenen Sprachgefuhle ftir unrichtig halt, wobei wohl auch traditionelle Einflusse mit- wirken; die Betvohner des Unteren Pettauer Feldes haben aber zum Teile diese feine Unterscheidung bereits eingebiisst. Als die Romer in diese Gegend kamen und Pettau er- ») Dass das alte Pettau auch auf dem Gebiete stand, wo jetzt die Drau fliesst, kann daraus geschlossen werden, dass man i. J. 1834, als eine ungewohnliche Diirre herrschte und die Drau einen sehr niedrigen Wasserstand hatte, in dem Flussbette mehrere Steine mit romischen Inschriften entdeckte. Da sonach die Drau seinerzeit mehr gegen Haidin floss, wird vielleicht auch die Grajena etwas hoher, als heute, in die Drau gemiindet haben, daher sie Eschenbach mehr auffiel. 3 ) Diese Bezeichnung wird beim Artikel Haidin bezvv. Pulsgau nS.her besprochen. 63 — oberten, iibernahmen sie auch den vorgefundenen Namen, der damals etwa »Ptuje«, oder noch wahrscheinlicher in der oft und heute noch tlblichen Diphtongierung in der Aussprache, »Ptauje« lautete, welcher sodann der lateinischen Sprache an- gepasst und zu Petavio, Petavione, Poetovio, , Petavium u. dgl. ivurde. Die \vesentliche Veranderung im Namen geschah da- her bei den Romern dadurch, dass die liarte Aussprache der anlautenden Consonanten »pt<: durch das Einschieben eines »e« gemildert wurde, wofur sich auch sonstige Analogien finden. Im 6. und 7. Jahrhunderte geschieht der Stadt Pettau keinerlei Envahnung; aus dem weiteren Mittelalter sind jedoch viele Namensformen bekannt, von denen nachstehende envah- nenswert sind: 770 Betobia, 890 Pettouia, 1153Bettuwa, 1201 Pettow, 1486 Pettaw. Dass der deutsche Name »Pettau« aus der lateinischen Form hervorgegangen ist, bedarf wohl keiner \veiteren Be- weisfiihrung. Uber die \veiteren Wandlungen des Namens »Pettau« sovvie die eigentliche Lage dieser Stadt gibt der Artikel »Hai- din« naheren Aufschluss. Pleterje. (9 km sudostlich von Kranichsfeld.) Pleterje besteht aus zwei fast zusammenhangenden Dorfern, vvovon das westliche Ober-, das ostliche Unter-Pleterje (slov. Zgornje und Spodnje Pleterje) genannt wird. Dieser Ort kommt urkundlich zuerst i. J. 1384 als »Ple- triach in dem Traueld (bei Dorseindorf = Drasendorf)«, 1441 als »Ober- und Nieder-Pletriach« vor. Der Name hat seinen Ursprung vom slovenischen Worte »pletarji« (Korbflechter). Die heutige Dorfflur, sowie die noch jetzt bestehenden, sildlich davon gelegenen Wiesen und Hut- weiden dienten einst vorvviegend als Weideplatze. Um das Rind und die Schafherden mehr zusammenzuhaben, wurden an einzelnen Stellen Zaune aus Flechtwerk hergestellt; des- — 64 gleichen \verden die Hirten in selbst gebauten Hiitten aus Flechtwerk ihre Unterkunft gefunden haben. Das Abgrenzen der Weideplatze \vurde auch durch das Terrain selbst hervorgerufen, denn die vielen Wasseradern mit massighohen aber briichigen Ufern, dann allerlei Gestriipp, forder- ten das Verlaufen des weidenden Viehes. Uberdies \varen solche Massregeln z. B. im 13. Jahrhunderte notrvendig, \vo die Herr- schaften Ebensfeld, Monsberg und Studenitz zu gleicher Zeit in dieser Gegend Weideplatze und Maierhofe besassen, damit sich die Herden nicht vermengen. Diese Umstande, noch mehr aber der Betrieb der Korb- flechterei seitens der Ansassigen als Nebenbeschaftigung von ehedem, hat daher dem Doppelorte den Namen gegeben, wo- zu die Gegend selbst den Beweis bietet, da das sehr feuchte Gebiet an den Bachen Pulsgau und Reka das tippige Gedeihen verschiedener, vorzilgliche Wieden gebenden Weidensorten begiinstigt. Poberscb, slov. Pobrež. Das am rechten Drauufer von Marburg abwarts gelegene Gelande hat die Bezeichnung vom slovenischen Sammelnamen »pobrežje« (Ufergegend). Urkundlich kommt der Ort zuerst im Jahre 1265 vor; damals hiess er Bobrisach, 1358 Pobresach, 1450 Podersakch, 1472 Ober-Pobersach 1 ), 1820 Pobersch. Dieser Name wiederholt sich bei einem Dorfe sudostlich von Pettau unter gleichen Verhaltnissen. Podloscb, slov. Podlože. Das ganze Gebiet, welches die sildliche Grenze des Pet- tauer Feldes begrenzt, sowie die anschlieSsenden nordlichen Hange des Maria-Neustifter Hohenrtlckens werden beim Volke »Podlože« genannt, obschon sich dies mit dem Katasternamen nicht deckt. — Diese Gegend hiess 1384 Puodlos, 1440 Podloss und Podlas; auch scheint hier ein Schloss gleichen Namens *) Siehe das uber den slovenischen Locativ Gesagte beim Artikel: Kranichsfeld. — 65 — gestanden zu haben, doch kann heute die Lage desselben nicht einmal annahernd bezeichnet werden. Der im Ursprunge slovenische Name Podlože ist von den Bewohnern des Hohenriickens ausgegangen, vvelche alles, was jenseits und unter dem bewaldetem Hange liegt, als »pod logom« (unter dem Walde) bezeichnen. So kam es, dass alle Ortschaften und Weiler, die in dieser Gegend lagen, den Sammelnamen »Podlože« erhielten, obschon die einzelnen fur sich locale Na¬ men fuhrten. 1 ) Podova. (2 km siidostlich von Kranichsfeld.) Podova kommt urkundlich das erstemal in einer Bestatigung des Zehentes an das Kloster Seitz (zugleich mit Rogeis und Kra¬ nichsfeld) i. J. 1195 als »villa Uedoai« vor. 2 ) —- 1247 hiess es Wodowei, 1441 Dorf Podab, 1490 Wodwey. Der Name riihrt von der slovenischen Bezeichnung »vdova« (Witwe) her; es muss dies eine wohlhabende P'rau gewesen sein, welche in dem heutigen Orte zuerst ansassig war oder einen grosseren Grundcomplex erworben hatte; man kummerte sich vveniger um den wahren Eigennamen derselben, sondern nannte ihren Besitz stets nur in Anspielung auf ihren mut- masslich langjahrigen Witwenstand. Eine Ubersetzung dieses Ortsnamens ins Deutsche hat nicht stattgefunden. An dieser Stelle muss weiter ervvahnt werden, dass i. J. 1683 von einer »Podovana villa« gesprochen wird, 3 ) worunter jedoch Wartenheim zu verstehen sein soli. Desgleichen wird der heutige Drauhof, ehemals Willenrainerhof, dann Uskokenhof i. J. 1587, als »Odobesskho« (»vdovsko« erganze »posestvo« in der Bedeutung »Witwenbesitz«) ervvahnt, doch scheint dies nur eine Vervvechs- lung mit Wartenheim zu sein. 1) Vergleiche in dieser Hinsicht den Artikel Selce und Dvoršina. 2 ) Zahn, Urkundenbuch d. H. Steiermark, II. p. 32. 3 ) Orožen, Das Bistum Lavant, I. p. 447. 5 — 66 — Poscbeg, slov. Požeg. Dieses an 2'5 km nordlich Unter-Pulsgau gelegene Dorf hiess i. J. 1283 Boschwig, 1498 Posich. Der Name stammt vom slovenischen Worte »polžek« (Schneckchen), und wird der Ort selbst im Slovenischen pho- netisch geschrieben, da er ethymologisch richtig »Polžek« lauten miisste. Die Form des Namens vom Jahre 1498 lasst aber auch entnehmen, dass der Ort damals wahrscheinlich »pri polžih« (bei den Schnecken) lautete, was die Ubernahme des slove¬ nischen Locativs in das Deutsche zur Folge hatte. Der nahere Grund ftir die Entstehung dieses Ortsnamens wird beim Artikel »Pulsgau« erčrtert. Pragerbof, slov. PragersRo. Der Name stammt von dem vvestlich der gleichnamigen Station der Siidbahn gelegenen Schlosse und Gute Pragerhof, dessen erstgekannte Besitzer und wahrscheinlich auch Erbauer des Schlosses — mutmasslich im 14. Jahrhunderte — die Herren von Prager waren; der letzte dieses Adelsgeschlechtes, Sigmund Freiherr von Prager, starb 1627 und liegt in der Pfarr- kirche zu Pettau begraben. Der spatere vielfache Wechsel im Besitze dieses Gutes anderte nichts mehr an dem ursprunglichen Namen. Der Slovene gebraucht hiefur den Namen »Pragersko«, welches nur ein attributiv gebrauchtes Adjectiv ist ftir die volle Bezeichnung, die etwa »Pragersko posestvo« (Pragerscher Besitz) lauten wiirde. Prepola, slov. Prepole. (9 km nordwestlich von Pettau.) Im Jahre 1265 unterschied man ein »Prechpyechel maior« und »minor«, i. J. 1270 ein »Propuchl« und »Propuchl«j 1 ) i. J. 1310 wird »Prebul« gleichzeitig mit Rogeis als ein dem >) Muchar, Gesch. d. Steiermark, V 341 und 342 (Konig Ottokar II. von Bohmen widmet dem Kloster Seitz die zwei Dorfer »Propuchl« und »Propuchl«, gelegen zwischen Pettau und Marburg etc.). — 67 — Kloster Seitz gehoriges Dorf bezeichnet; 1331 hiess es Pre¬ budil, 1441 Prebal. Der Name fur Prepola ist von den Bewohnern des sud- lichen Teiles des Pettauer Feldes ausgegangen, was ja bei der Voraussetzung leicht erklarlich ist, dass die fruditbareren Ge- biete dieser Ebene im sudlichen Teile eher besiedelt worden sind, als jene, die in der Zone der Dreischfelder liegen. Die Ansassigen von Saukendorf, Podlosch u. a. nennen alle Ort- sdiaften nordlich und jenseits der Felder, wenn sie allgemein dariiber sprechen, als »prek polja« (liber das Feld, jenseits der Felder,) befindlich, d. h. schon in dem Gebiete, wo die fur die Wechselwirtschaft geeigneten Acker aufhoren und die Dreischfelder beginnen. Die deutschen Bezeichnungen v. J. 1265 und 1270 sind daher nur eine teihveise Ubersetzung des ursprunglich slove- nischen Namens, die sich aber spater wieder vollkommen ver- loren hat (prek = iiber; polje = Feld, aber auch Biichel, Buhi). Desgleichen ist die Unterscheidung von »maior« und »minor« von ehedem bald entbehrlich geworden, als »Prechbyechel minor« zu »St. Margarethen« vvurde. Obschon keine Urkunde diesen Namenswechsel bestatigt, so ist es doch zweilel!os, dass dem so ist, weildie i.J. 1265 bestandene HulenzahlderbeidenOrtschaftenmit der heutigen Grosse der Dorffluren noch vollkommen iiberein- stimmt. 1 ) Dass aber das minor Prechpyechel seinen Namen verlor, als daselbst die Kirche der hi. Margaretha erbaut \vurde, ist nahe- liegend, weil nun der kirchliche Name die Oberliand gewann, und dies im vorliegenden Falle umsomehr, als die Beseitigung der lastigen Unterscheidung von »maior« und »minor« sicherlich sympathische Aufnahme land. Pristava (Unter»), $l«v. Spodnja Pristava. Ungefahr 1 km stidostlich von St. Veit liegt jenseits der Drann (Dravinja) das Dorf Unter-Pristava. 2 ) ‘) Levec, Pettauer Studien, Artikel: Prepola. 3 ) Ober-Pristava befindet sich davon 5 km drannaufivarts entfernt. 5 * 68 — Die altesten bekannten Namen fur diese Ortschaft waren: 1440 Mayerhčfl, 1450 Nyder-Prystav, 1461 MayerhofeI. Unter »pristava« bezeichnet der Slovene einen Meierhof oder ein kleines Landgut, dessen Besitzer nicht daselbst lebt, sondern es durch einen »pristav« (Meier, auch Adjunkt, lat. officialis) vervvalten lasst. Die Bezeichnung »Mayerhofl« deutet uns daher an, dass es sich hier nur um ein kleines Gut ge- handelt haben muss, was im besonderen bei Ober-Pristova zu ersehen ist, \velches 1442 Pristubicz, 1444 Prestawitz, im Slo- venischen also »pristavica« (kleiner Meierhof) genannt wurde. In dieser Gegend haben wir auch das im Mittelalter oft genannte »Premeuzleinsdorf« (1322) zu suchen; i. J. 1341 vvird ein »Nider-Premeuzleinsdorf ultraTraham«, 1487 ein »Premeissels- dorf bei Treen« (Drann) und ein »Primevzelsdorf« erwahnt. Ich halte diese Ortschaft fur identisch mit Unter-Pristava, und muss es, correspondierend mit »Nider-« auch ein »Ober-Premeuzleins¬ dorf« (Ober-Pristava) gegeben haben, da sich Niveau-Unter- schiede dieser Art hier bei keinem sonstigen Orte ausge- drilckt vorfinden. In der Bezeichnung Premeuzleinsdorf bildet wohl der Name »Premysl« (im deutschen Gebrauche auch in der Form Primis- laus) das Bestimmungsvvort. 1 ) Premysl Ottokar von Bohmen, welcher bis zum Jahre 1276 Herr der Steiermark war, dtlrfte die beiden Meierhofe angelegt oder erworben haben, die nun deutscherseits nach ihm be- nannt wurden, vvahrend sich der Slovene nur des allgemeinen Gattungsnamens »Pristava« bediente. Dass die Bezeichnung von Pfemysl herriihrt, darin bestarkt uns auch der Umstand, dass der Name Premeuzleinsdorf erst i. J. 1322 urkundlich das erstemal auftaucht; der frilhere Name dtlrfte jedoch »Predans- dorf« gewesen sein, denn das i. J. 1207 2 ) in einer Urkunde ‘) Es ist moglich, dass auch Brizlausdorf (Barislofzen) nach Bfetis- lav (auch Bfeclav), den Pfemyslidenherzogen, benannt wurde, da der Name Preczlaus und Preczlav (1043) und Bridizlaus (1145) wiederholt in steierischen Urkunden vorkommt. (Vergl. auch: Breclava, die čechische Bezeichnung fur die Stadt Lundenburg.) -) Zahn, Urkundenbuch d. H. Steiermark, II. p. 135. — 69 — ervahnte »Predansdorf ultra flumen vero Pulzcau« kann nur in dieser Gegend gestanden und etwa das heutige Unter- Pristava sein, ehe es den Meierhof erhielt, oder aber die Ge- hofte bezeichnet haben, die siidostlich von Markldorf an dem Fahnvege zur Sagemuhle an der Drann zerstreut liegen und heute als »Koti« (Winkel) zusammengefasst werden. Der Name »Predansdorf« entstammt dem alten slovenischen Begriffe »brednja« (Waten, Durchfurten); eine solche Furt be- findet sich, mangels einer Brucke in der Nahe, noch heute in dem Zuge des Feldweges von St. Veit nach Unter-Pristava durch die Drann, daher der Name auch durch die Bodenver- haltnisse begriindet ist; es werden daher die Bewohner, welche an diese Furt angewiesen waren, die Localitat der Orientierung halber als »bei der Furt« (pri bredanji oder pri brednji) und spater auch die daselbst entstandene Ansiedlung als das »Dorf bei der Furt« (etwa »Bredanja ves«) genannt haben. Pulsgau, slov. Polskava. Den Namen Pulsgau tragen zwei nordwestlich von der Bahnstation Pragerhof gelegene Ortschaften, nach dem Niveau in »Ober-« und »Unter-Pulsgau« unterschieden und ein Bach, welcher diese beiden Ortschaften durchfliesst. Nachdem es sich aber hier lediglich um die Namens-Entstehung handelt, entfallen alle sonstigen Erorterungen. Der Name Pulsgau rtihrt aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Zeit, ehe die Romer diese Gegenden betreten haben und hat das slovenische Adjectiv »polžki, polzkav«, welches »schlupfrig« bedeutet, zur Grundlage; unter »polzkavo« ware sonach eine »schlupfrige, aufgeweichte Stelle« zu verstehen. Es ist auch moglich, dass das Wort aus »polž, polžek (Schnecke, Schneckchen) entstanden ist, doch andert dies in ethymolo- gischer Hinsicht nichts, da der Stamm bei beiden Begriffen derselbe ist, und bezeichnet »schlupfrig« (polžki) zugleich das aussere Merkmal der Schnecke. Die Berechtigung zur Beilegung dieser Eigenschaft bietet die Gegend selbst noch heute und hat sie ehedem noch in 70 erhohterem Masse geboten. Das ganze Gebiet nordlich von Unter-Pulsgau, sowie auch ostlich davon, ist von zahlreichen Wasseradern und Bachen durchzogen, so dass der ganze Boden moorig ist und meist nur Wald- und Weidengrund enthalt; die vorwiegende Erdart ist Lehm, welcher aber mit vervvesten Vegetabilien stark vermengt ist. An trockenen Stellen gedeihen Graser, welche sehr glatt sind, daher das Ausgleiten des Fusses begiinstigen, an nassen Stellen ist jedoch der Boden ohnehin recht elastisch, daher sehr schliipfrig. Es ist weiter bekannt, dass hier einmal ein See gervesen sein musste; die Kirche von Unter-Pulsgau heisst bei dem slovenischen Wallfahrer noch heute: Sv. Stefan na jezeru (St. Stefan am See). Der See muss einmal gegen das Ende des Alittelalters hervorgetreten sein, ist aber spater wieder ver- schwunden. 1 ) Die von Cilli nach Pettau einst fuhrende romische Post- strasse passierte auch den Ort »Pultavia«, wo sich der letzte Pferdewechsel (mutatio) vor Pettau befand. 2 ) Dass zwischen dem ') Das Auftreten von temporaren Seen scheint auf dem Draufelde nichts Ungewohnliches zu sein. So bildete sich i. J. 1899 in der Ge- gend zwischen Thesen und Pobersch (siidostlich von Marburg) ein 2 km langer See, \velcher etwa zwei Monate anhielt, worauf sich das Wasser vvieder verlor. Dieses verursacht die geologische Beschaffenheit des Bacherge- birges. Der humusreiche, bewaldete Boden saugt schwammartig das Niederschlagswasser auf und behindert auf diese Art das rasche Ab- fliessen degselben, was zur .Folge hat, dass die Wasseradcrn dieses Ge- birges selten versiegen; in sehr nassen Jahren dringt aber das Wasser doch in die tieferen Schichten, durchdringt das Urgestein, welches an vielen Stellen grosse Massen Urkalk enthalt und tritt sodann infolge der Depression dort in der Niederung auf, wo momentan die Erdrinde den geringsten NViderstand bietet. a ) Die Entfernung von Pultavia bis Petavione bezeichnet das romische Itinerarium Hierosolinum mit XII romischen Meilen (1 rom. Meile = 1479 m, somit 17'7 km.) Dieses stimmt auch und diirfte der Pferdewechsel bei Unter-Pulsgau stattgefunden haben. Bemerkenswert ist es, dass sich 1 km ostlich von letzterem Orte die sogenannte »Poči- vaušek-Miihle« befindet. Da dieses Wort so viel als »Rastplatz« bedeutet, ist es moglich, dass sich der Name aus der romischen Zeit her erhalten hat, weil ansonsten ein Rasten unmittelbar vor einem grosseren Orte keinen Sinn hatte. Bei Betrachtung der Karte fallt es auf, dass die romische Strasse von Cilli uber Wind.-Feistritz bis Ober-Pulsgau geraae fiihrte und dann im rechten Winkel gegen Osten abbog. Der Grund dafflr liegt wohl — 71 romischen Namen Pultavia und dem slovenisehen Polskava (auch Pulskava) ein sprachiicher Zusammenhang besteht, dariiber ist wohl nicht zu zweifeln. Die spateren urkundlichen Namen fur den Ort sowie das Geschlecht der Herren von Pulsgau sind unter anderen: a) fur die Dčrfer: 1164 Pulzka, 1261 Pulczkach, 1402 Pulcz- kavv, 1453 Pulczka, 1486 Pulskauu; b) fiir das Schloss: 1478 teber an der Pulzka. Es ist wohl anzunehmen, dass sich die Bildung des Sees im Laufe der historischen Zeit mehrmals \viederholte; dieses fuhrte daher zu dem Aufwerfen der aufgedammten Wege, wozu es ansonsten wohl kaum gekommen \vare. So erklart sich auch die Entstehung des Ortes »Jeschenzen« (Damm- gegend) daselbst. Auf ahnliche Art wird auch das Dorf »Poscheg« den Namen erhalten haben. In der Zeit des aufgetretenen Sees, sowie die Jahre nach dem Verschwinden desselben wird es in der Ge- gend sehr viel niedere Wassertiere, besonders Schnecken gegeben haben. Die Stelle, wo sich auffallend viel Schnecken vorfanden, wurde moglicherweise zu einem Riednamen, was dann auch der spateren Ansiedlung als Name verblieb. Rann, $lw. Breg. Rann bildet eine Vorstadt von Pettau am rechten Drau- ufer, obschon es zur Pfarre Haidin gehort. Dieser Ort wird i. J. 1320 »am Rain«, 1443 »am Rayn« genannt. darin, dass man die Gegend sudlich vom Schlosse Pragerhof u. zw. langs des Devina- und Vogonca-Baches infolge der Versumpfungen fiir noch ungiinstiger hielt, eine Strasse hindurch anzulegen. Wo die Strasse von Unter-Pulsgau bis Schikola fuhrte, ist heute schwer festzustellen; hin- gegen ist es zweifellos, dass die Strasse nordostlich von Schikola, welche fast in gerader Linie bei Ober-Haidin einmiindet, identisch ist mit der romischen Poststrasse. Aus dem erwahnten Itinerarium kann man auch entnehmen, dass die Strecke Pultavia bis zur Civitas Petavione schon vor der Draubrucke endete, d. h. dass bei Haidin die Einstellung der Fahrt und die Nach- tigung (mansio) erfolgte, denn der Verfasser fiigt dann noch bei: Transis pontem, intras Pannoniam inferiorem. — 72 — Alle Ortschaften, welche an Fltissen liegen und im Slove- nischen »Breg« (Ufer) lauten, wurden im Deutschen zu »Rann« (entstanden aus »Rain« = das Ufer, die Grenze). Dass auch hier eine Ubersetzung des slovenischen Be- griffes in das Deutsche vorliegt und nicht umgekehrt, ersieht man aus den beiden auf dem Draufelde vorkommenden Orts- namen »Pobersch«, welche zum Stammivorte auch »breg« haben, aber schon nicht mehr tibersetzt worden sind, weil die Form im Locativ »Pobrežah« in Bezug anf die Abstammung dem Ubersetzer unbekannt gewesen zu sein scheint. Ra$t, $lo». Košnja. (Je 12 km von Marburg und Pettau.) Dieses Ortes geschieht zuerst im Jahre 1370 Envahnung, wo er als »Dorf an der Rast in dem Traueld czwischen Pettaw und Marchpurg« bezeichnet wird; 1441 hiess er »Rast.« Diese Ortschaft wird den Fuhrleuten als Fiitterungsrast gegolten haben, da sie gerade auf dem halben Wege zwischen Pettau und Marburg liegt. Im Slovenischen heisst die »Weile«, die man sich irgend\vo aufhalt: rošnja; es muss daher der slovenische Name der ur- spriingliche gewesen sein, da der Slovene niemals zur Uber¬ setzung schritt. Bemerkenswert ist es, dass in fast gleicher Entfernung von Marburg vvestlich der Ort »Maria-Rast« liegt, welcher den Namen aus demselben Anlasse in Bezug auf den Verkehr mit »St. Lorenzen in derWiiste« erhalten haben wird; dieses hiess 1091 Ruoste, 1184 Ruište, 1211 Rošte, 1334 Rest, also nie¬ mals »Rast.« Der Begriff »Ruište« scheint eine weit altere slavische Be- zeichnung ftir »Rast« als »Rošnja« zu sein, denn er findet sich in ausgesprochen slavischen Gegenden, z. B. Herzegovina wiederholt, und bezeichnet daselbst den Punkt eines Saum- weges, wo man den Gebirgssattel erreicht und Rast zu halten pflegt. 73 — St. Rocbw$ bei Raidin, slov. Sv. Rok pri Rajdinji. (flttila’$ 0rab.) An der Landstrasse Pettau-Rohitsch, von Pettau an 2 km entiernt, befindet sich ein zweifellos kiinstlich aufgevrorfener Htigel, auf dem jetzt das Kirchlein des hi. Rochus steht, und der allgemein mit dem Namen dieses Heiligen bezeichnet wird; im untergeordneten Gebrauche steht aber auch noch der Name »Grab Attila’s.« — Diese Benennung liat sich jedenfalls von der Zeit her erhalten, als die Rochuskirche noch nicht ge- standen war, gerat aber seither allmahlich in Vergessenheit. Welche Bewandtnis dieser Htigel zu Attila habe, ist vor- laufig nicht zu enveisen, nachdem an verschiedenen Orten von Steiermark sowie Krain ungewohnliche Erdaufrvtirfe (tumuli) als Hunnengraber bezeichnet \verden. 1 ) Da aber jede volks- tiimliche Behauptung einen historischen Kern birgt, so ist anzunehmen, dass in irgend einem dieser Grabhtigel, wenn audi nicht gerade die Leiche Attila’s, so doch die eines hun- nischen Grossen geborgen worden sei, weil es sonst eigen- tiimlich erscheint, dass an mehreren Localitaten ein und dieselbe Behauptung aufgestellt worden ware, wenn dies bei keiner ein- zigen Berechtigung gehabt hatte. Sieht man davon ab, dass die Magyaren erzahlen, Attila sei in der Theiss begraben worden, was wohl nur als eine Nachbildung der Alarich-Sage aufzunehmen ist, die sich beim magyarischen Nationalhelden Arpad sogar wiederholt, und untersucht man die vorhandenen geschichtlichen Angaben iiber die Kriegszuge und den Tod Attila’s, so gelangt man trotz aller gegenteiligen Behauptungen immer wieder zu der Ansicht, dass die Erzahlungen des Volksmundes nicht ganz aus der Luft geholt sein mtissen und dass der grosse Erdhiigel bei Pettau nicht rundvreg als der Grabhtigel Attila’s abgesprochen werden kann. In den Geschichtswerken der Zeitgenossen Attila’s (z. B. Priscus und Prosper), dann in denen der darauffolgenden Jahr- 4 ) Der Htigel, auf dem das Patriarchenschloss in Udine steht, sei nach dem Volksglauben auch von den Hunnen augeworfen worden. — 74 hunderte (z. B. Jornandes, Callimachus u. a.) findet man iiber die Todesdaten des Hunnenkonigs keine gleichlautenden An- gaben. Die Ansichten wechseln zwischen Blutsturz infolge un- gewohnten Sclmvelgens (453) — nach Priscus — und Ermor- dung durch die schone Ildico in der Brautnacht (454) — nach Marcellinus. Wenn nun die Zeitgenossen selbst liber die Todes- art sowie das Todesjahr desselben im Unklaren geblieben sind, was bei der »Geissel Gottes« den Geschichtsschreibern doch hochst markante Momente geboten haben mtisste, so darf man wohl annehmen, dass auch die meisten sonstigen Daten iiber Attila mehr oder weniger mangelhaft fundiert sind und durchwegs ohne Objectivitat niedergeschrieben wurden, je nach- dem Hochachtung, Servilismus, politische Raison oder Hass das Leitmotiv ihrer Aufzeichnungen war. Man behauptet nun, dass das Standlager Attila’s bei Tokaj in Nordungarn gewesen sei; begraben sei er irgendwo- in Pannonien. Ware er nun bei Pettau, in dem erivahnten Hiigel, be- stattet, so liegt dieser gerade an der Grenze Pannoniens an Noricum. 1 ) Es klingt aber untvahrscheinlich, dass man in jener Zeit einen Leichentransport auf ungefahr 575 km (nach der jetzigen kiirzestenEisenbahnlinie berechnet) vorgenommen haben wiirde, weil nichts dafiir spricht, weshalb man Attilas Leiche zur Bestattung nach Pettau (Poetovio) hatte schaffen sollen;. wenn es sicli aber lediglich um die Geheimhaltung der Grab- stelle handelte, so war das Aufwerfen des machtigen Hiigels, unmittelbar vor den Augen der Bewohner Pettau’s, sicherlich auch nicht zweckmassig gewahlt. Es ist daher mit Rucksicht auf die Angabe Prosper’s »Attila sei kurz nach der Heimkehr vom Zuge nach Italien gestorben«, die Vermutung berechtigt, dass Attila vielleicht bei Pettau selbst vom Tode ereilt wurde. Tatsachlich war Pettau schon i. J. 449 n. Chr. unter hunnischer Oberhoheit, und diirfte Attila- seither zu ofteren- ‘) Kaiser Diocletian verlegte ura das Jahr 300 die Grenze derart, dass seither Pettau an der Ostgrenze von Noricum, ivahrend es zuvor an der VVestgrenze Pannoniens lag. 75 — malen in dem romischen Kaiserpalaste, der jetzt unter den Feldern von Haidin (3 km westlich von Pettau) verschuttet liegen soli, residiert haben. Nach der Schlacht auf den Cata- launischen Feldern (451) zog er nach Italien und drang (452) bis an den Po vor. Es ist moglich, dass er bei diesem An- lasse sowohl auf dem H in- als auch auf dem Rilckwege 1 ) Pettau beriihrt habe. Auf dem Hinmarsche soli er auch Pettau zerstort haben. 2 ) Es spricht dafiir, dass Attila wiederholt und vielleicht auch nicht immer fliichtig in Pettau verweilt haben mochte, der Umstand, dass ein gewisser Orestes, ein Ro mer von Ge- burt, doch seit der Abtretung der Provinz Savia an die Hunnen, hunnischer Untertan — Geheimschreiber bei Attila war. Orestes musste bei diesem eine hervorragende Vertrauensstellung ein- genommen haben, weil er auch als Abgesandter Attila’s bei dessen Werbung um Honoria, die Schwester des Kaisers Va- lentinian III. (450) genannt wird. Orestes heiratete eine Tochter des Comes Romulus in Pettau 3 ) und wurde ihm daselbst auch der Sohn Romulus Momyllus geboren (460?), welcher unter dem spater gangbar gewordenen Spottnamen »Augustu- lus« letzter westromischer Kaiser (475—476) war. War also Orestes ofter in Pettau, so wird dies wohl auch !) Dagegen sprechen jedoch Callimachus und Olachus, welche von den. Besorgniszeichen sprechen, die dem Tode Attila’s vorange- gangen seien. Als Attila aus Italien nach Pannonien zuruckkehrte, rief ihm beim Ubergange iiber den Fluss Lech ein Weib dreimal zu »Attila, kehre um!«; dieBraut stiess mit der Zehe an die Schwelle des Brautzeltes u. s. w. Attila musste sonach aus Italien iiber Tirol, langs des Lech zur Donau und dieser entlang nach Pannonien gezogen sein. Dieses widerlegt jedoch Jornandes, welcher erzahlt, Attila habe nach der Ruckkehr aus Italien Marcian wegen des verweigerten Tributes in Constantinopel bedroht und sei erst dann gegen Gallien gezogen, um die Westgothen zu unterwerfen; und dieses sei erst Attila’s letzter Feldzug gewesen. -) Dieses scheint jedoch nicht der Fali gewesen zu sein, denn, wie Prosper Aquit. Chron. p. 627 meint, hatten die Romer solche Furcht vor dem Hunnenheere, dass sie es sogar unterliessen, die Al- penpasse zu besetzen. Die Bewohner von Pettau diirften sich daher be- dingungslos ergeben haben, woftir Attila sie und ihre Wohnsitze schonte. 3 ) Priscus (ed. Dindorf) p. 302. — 76 — bei Attila der Fali gevvesen sein, da man sich den Geheim- schreiber auf langere Zeit fern von seinem despotischen Dienst- herrn nicht recht denken kann. Der Grabhugel selbst hat eine kreisrunde Basis mit einem Durchmesser von 54 m. Da man den natiirlichen Boschungsvvinkel von 45° an- nehmen muss, \veil kein festeres Material als die Erde verwendet wurde, so konnte die ursprtingliche Hohe 27 m gevvesen sein, vorausgesetzt, dass der Aufvvurf schon anfangs nicht abge- plattet war. Zum Kirchenbaue diirfte jedoch der Oberteil so weit abgetragen worden sein, dass die Hohe des Kegelstutzes heute nur mehr 9‘75 m betragt; dass dabei entbehrlich gevvor- dene Erdmaterial vvurde vvestvvarts abgeworfen, um gleichzeitig eine Auffahrtsrampe zur Kirche zu schaffen. Der Erdhtigel befindet sich an einer Nasenbildung des durch die Drau geschaffenen Terrassen-Diluviums; das Material vvurde teils dieser Terrasše, teils einer ostvvarts anschliessenden Terrainvvelle entnommen; bei letzterer, vvelche sich heute als aufgelassene Schottergrube darbietet, ist es jetzt allerdings un- moglich festzustellen, ob und vvieviel Erdreich schon von den Hunnen und vvieviel erst spater ausgehoben vvurde. Die Veranlassung zum Abtragen des Hiigels und dem Baue der St. Rochuskirche bot die i. J. 1623 in der Gegend von Pettau ausgebrochene Beulenpest, vvelche durch drei Jahre vvtitete; als sich i. J. 1645 der mordende Gast vvieder einstellte, erbaute der Vičar 1 ) von Haidin, Johann Rajavec, aus milden Gaben der Pfarrinsassen am »Grabe Attila’s« dem hi. Rochus, als dem Patron gegen Beulen, das heutige Kirchlein. Es ist sehr vvahrsclieinlich, dass man die schreckliche Seuche auch dem Aberglauben zuschrieb, vveil ein so grosser Heide, vvie es die »Geissel Gottes« vvar, hier begraben liege, und vveil nach dem Volksmunde vielleicht dieser Umstand das rasch sich vviederholende Auftreten der Pest veršchuldet habe, vvas man durch den Bau eines Gotteshauses paralysieren vvollte. ’) Die Angaben in Felsner’s »Geschichte von Pettau« sind dem- nach nicht ganz zutreffend. 77 — Der einzige Weg, um den zweifelhaften volkstiimlichen Behauptungen ein Ende zu machen, ware die Vornahme von ernst durchgefuhrten Nachgrabungen, was allerdings namhafte Opfer erheischen wurde, da man beim Weiterbestande der St. Rochuskirche mit sicheren technischen Mitteln deren Ein- sturz verhindern miisste. 1 ) Da die Leiche Attila’s, wie die Geschichtsschreiber er- zahlen, in einen goldenen Sarg gelegt wurde, welcher wieder in einen silbernen und dieser schliesslich in einen eisernen ver- schlossen ward, so waren bei Auffindung der Sarge auch alle Zweifel liber die Identitat der Leiche als behoben anzusehen. Ubrigens lage die Moglichkeit, wenn Attila in einem ab- geleiteten Flussbette begraben vvorden ware, auch hier vor, denn die Drau floss im 5. Jahrhunderte vielleicht noch ganz, sicherlich aber mit einem Arme beim heutigen Dorfe Unter- Haidin vorbei. Abgesehen von der vermeintlichen Grabstatte Attila’s hatte dieser Hiigel allem Anscheine nach noch eine zweite Function. Am 20. November 890 bestatigte Konig Arnulf dem Erzbischofe Dietmar von Saizburg alle Besitzungen seiner Kirche in namentlicher Auffiihrung, darunter auch das Gebiet »sicut acerui duo prope Trauum positi sunt, e summitate termini, qui uuagreini 2 ) dicitur, et ita sicut ille uuagreini tendit usque dum Treuuina fluit in amnem Trauum«. *) Conservator S. Jenny aus Hart (Vorarlberg) grub 1893 nord- vvestlich der Kirche und fand dabei einen schonen Mosaikboden. Es ist immerhin moglich, dass schon zuzeiten der Romer auf diesem vorspringenden Winkel irgendein besonderes Gebaude (Tempelj stand, und dass die Hunnen nicht erst den Hiigel aufzuwerfen brauchten; dies widerspricht hingegen ihrer Bestattungsart. 2 ) Die Erklarung des Begriffes »uuagreini« von Dr. Kos in: Jz- vestja muzejskega društva za Kranjsko, 1894 p. 221, bestarkt nur wieder meine Behauptung, wie ungemein schwer es ist, bei der ethymologischen Feststellung eines Ortsnamens natiirlich-einfach zu denken. Dem Er- klarer hat es sicherlich einige Muhe bereitet, diesem Worte den mittel- hochdeutschen Begriff »Wagrein« zugrunde zu legen. Abgesehen vom Anachronismus, der bei der Suche nach einem ahnlich klingenden Worte unterlief, und zugegeben, dass »Wagrein« auch eine »Ufergegend« be- deuten kann, ist »uuagreini« wohl nichs weiter als der slovenische Be¬ griff »krajna« im usuell gebrauchten Locativ: u krajni (Grenze, Mark). Ob nun mit diesem Worte die Ufergegend an der Drau im allgemeinen — 78 — Einer dieser beiden ktinstlich als Grenze aufgeworfenen Hugel (acervus) ware nach Ansicht des M. Slekovec der Erd- aufvvurf mit der Kirche des hi. Rochus; der zvveite drauauf- warts stehende sei geebnet \vorden. 1 ) Dieses ist auch vollkommen glaubwiirdig, denn die Be- hauptung Felicetti’s und Trstenjaki, dass die Erzbischofe von Salzburg siidlich der Drau keine Besitzungen gehabt hatten, ist bei naherer Betrachtung der damaligen Fluss- und Bodenver- haltnisse wohl richtig, aber filr heute nicht mehr zutreffend. Bis zum Jahre 1468 besass das Salzburger Capitel das Regale des Goldvraschens in der Drau; wann es dieses Recht erhalten, ist wohl nirgends ausgesprochen, aber es ist jeden- falls in der Bestatigung v. J. 890 inbegriffen. Da sich aber das Goldwaschen (bei naherer Kenntnis der Uferverhaltnisse, sowie der Methode selbst) nur am rechten Ufer vorteilhaft betreiben lasst, so ist wohl anzunehmen, dass die Drau vollig dazu ge¬ li orte; man wird daher das ohnehin nasse Terrain bis zum ersten Terrassen-Diluvium, auf welchem sich ja die Kirche St. Rochus befindet, zugegeben haben, um den Goldwaschern die notige Manipulationsfreiheit zu beschaffen, umsomehr, als dieser Streifen damals noch zum engeren Entwicklungsgebiete der Drau gehort haben mochte. Rogeis, $lo». Rogoza. (7 km siidostlich von Marburg.) Rogeis zahlt, soweit nach den Ervvahnungen in den Ur- kunden zu schliessen ist, zu den alteren Ortschaften des Pettauer Feldes. Wenn die Deutung »Rogor« filr »Rogeis« richtig ist, so ist dieser Ort bereits um das Jahr 1145 genannt, denn da schenkte ihn die Grafin Kunigund von Sponheim dem Kloster Victring. 2 ) Einige Jahrzehnte spater war diese Ortschaft bereits oder die Grenze des salzburgischen Besitzes im besonderen bezeichnet wurde, ist heute wohl ziemlich gleichgiltig, da hiemit in beiden Fallen nur die Gegend charakterisiert wurde. Uberdies muss bemerkt werden, dass diese Urkunde eine Fal- schung ist (vergl. Meiller: Salzburgische Regg. p. 533—534). J ) Dr. Kos: Jzvestja muz. društva za Krajnsko, 1894, p. 221. 2 ) Zahn, Urkundenbuch v. Steiermark, I. p. 244. — 79 — dem Kloster Seitz untertan, denn Herzog Ottokar von Steier- mark schenkte diesem Kloster im Jahre 1182 das Dorf »Ro- gotz«, welche Schenkung Herzog Leopold VI. von Osterreich (1195) und Patriarch Berthold von Aquileja (1247) bestatigten. 1 ) Im Jahre 1310 wird es »Rogoz« genannt. Der Name dieses Ortes hat sich seit seiner geschicht- lichen Feststellung niemals vvesentlich geandert; er stammt vom slovenischen Begriffe »rogoz« oder »rogoza«, worunter die zu den Sumpfpflanzen gehorige Typha-Art: Rohrkolben, auch Teichkolben, zu verstehen ist. Die Blatter dieses Gewachses vverden in der Fassbinderei zum Dichten der Dauben und zum Verlieschen der Fasser, in der Kellerwirtschaft zum dich- teren Einpassen der Zapfen, Spunde und Drehhahne verwen- det; ausserdem werden aus den Biattern Matten, sowie ver- schiedene Transportbehaltnisse erzeugt. Nachdem die Gegend von Rogeis durch die Depression des nahen Bachergebirges einen ziemlich feuchten Boden hat, daselbst auch ein Teich besteht, diirfte ehedem auf diesem Gebiete das erwahnte Gewachs reichlich zu finden gewesen sein; so kam es, dass jene Leute, welche an den Bedarf von Rohrkolben ihr Gewerbe gebunden sahen, die Gegend, wo sie selbe vorfanden, als »Rogoza« bezeichneten, was spater auch auf den Ort iibergieng. Zu Rogeis gehorte auch seit nicht feststellbaren Zeiten ein Schloss und ein Gut; es soli einst Besitztum der Baben- berger Herzoge gevvesen sein; spater besass es die krainische Familie Katzianer, vvelche es vielleicht fiir die heldenmutigen Kampfe gegen die Ungarn und Turken als Belohnung erhielt. Ro$$wein, slov. Razvanje, Razvina. (5 km siidlich von Marburg.) Rosswein wird, abgesehen von Pettau, Haidin und Pulsgau, urkundlich am fruhesten von allen Ortschaften des Pettauer Feldes erwahnt, denn schon i. J. 985 schenkt Konig Otto III. ‘) Zahn, Urkundenbuch v. Steiermark, I. p. 587; II. 32. — 80 — dem Grafen Rachwin 15 Konigshufen in »uilla Razuuai in pago Zitdinesfeld.« x ) Weiters vorkommende Formen dieses Namens sind: 1100 Razivei, 1265 Razway, 1297 Rasvy, 1359 Rasvvach, 1408 Raz- way, 1441 Rossbein, 1456 Ober, Nider Raswan. Die Grundlage dieses Namens ist ztveifellos slovenischen (Jrsprungs, und ist darunter eine Gebietsgrenze zu verstehen, welche in alteren Zeiten durch einen hohen Erdaufwurf kennt- lich gemacht wurde. Man findet Grenzzeichen dieser Art noch heute u. z. hervorragend in Waldungen, um die Grenze leichter evident zu fuhren, \vas bei den Grenzsteinen in bedecktem Terrain doch schwer erreicht werden kann. Solche Grenzdamme nannte man »Razvanje« oder auch »Razvank.« Eine solche Grenze wird zur Anhohe (einem sanftem Auslaufer des Bacher-Gebirges), wo jetzt die Ortschaft und die Kirche stehen, vom bewaldeten Gebirge herabgefuhrt haben, was spater zur localen Bezeichnung der Ansiedlung selbst filhrte. Der deutsche Name »Rosswein« ist nichts weiter als die phonetische Nachbildung eines mbglichst deutschklingenden Namens fiir »Razvanje« ohne jede Ubersetzungs-Absicht. SauKendorf, $!ov. Župečja m. (11 km siidwestlich von Pettau.) Der Name »Saukendorf« ist slovenischen Ursprungs; in seiner sprachlichen Entvvicklung bemerkt man tiberdies eine Analogie mit »Siebendorf«. Im Rationarium Stiriae v. J. 1265 heisst es noch »Suppedragen«. Dieser Name stammt von den zwei slovenischen Be- griffen »suhe drage« (trockene Graben), worunter im Allge- meinen nasse Wiesen zu verstehen sind, die durch Wasser- graben (Rigolen) entivassert werden, zum genau eingehaltenen Unterschiede von jenen nassen Wiesen, welche keine Ent- J ) Zahn, Urkundenbuch d. H. Steiermark, I. 39. Im Originale heisst es »Zitdinesfeld«; die spatere Schreibweise »Zitilinesfeld« ist wohl nur eine falsche Lesung und Ubertragung des Copisten. — 81 — vvasserungsgraben besitzen, die man in ganz Untersteiermark typisch »čreti« nennt. Ein Teil der Wiesen des in der Nahe von Saukendorf befindlichen Ortes Amtmannsdorf heisst noch heute »Drage.« Heute versteht man unter »drage« jene Vertiefungen auf einer Wiese, die zumeist Wasser und Binsengewachse enthalten. Von dem Begriffe »Suppedragen« wurde das Grundwort spater abgeworfen und diirfte der Ort sodann »Suchendorf« geheissen haben; im Jahre 1322 findet es sich schon als »Sau¬ kendorf«, 1441 als »Sawkendorf«, 1496 als Sawtendorf, 1683 Sauchendorf erwahnt, wobei die tibliche volkstumliche Diphtong- bildung die Oberhand erhielt (aus »suhe« wurde in der Aus- sprache »sauhe«) J ) und der dem Deutschen bequemere Gat- tungsname »Dorf« trat wieder hinzu. Die nahere sprachliche Erorterung des Namens »Zupečja ves« ist schon deshalb angezeigt, weil man allgemein das Grund- \vort von dem altslovenischen Begriffe »župa« (Sippe) ableitete. Der Ort hat vermutlich einmal »Suhečja« oder gar »Sauhečja ves« geheissen; die Specialkarte halt die altere Schreibweise »Zukečja ves« noch heute fest. Die vielfache Annahme, es habe sich im deutschen Ge- brauche dieses Ortsnamens um die rvillkommene Anbringung des verachtlichen Begriffes »Sau« gehandelt, ist somit nach der etymologischen Entwicklung des VVortes vollends unbe- griindet. 1 * 3 ) Man sieht in diesem Beispiele, wie so mancher Anta- gonismus, der sich wie eine ewige Fehde zwischen benach- barten Ortschaften sowie bei Sprachunterschieden der Bewohner eingelebt und erhalten hat, unbegrundet fortbesteht, welcher 1) Die Ortsnamen Zauch, Zauchen, Zaufen in Steiermark und Krain sind aus dem slovenischen Begriffe »suhi« (trocken) entstanden, wobei eben in vielen Gegenden aus »suhi« im Volkstone »sauhi« wurde. 2 ) Eine analoge Bildung findet man bei dem Worte »Save« (lat. Savus) und »Sau.« Nachdem der Bewohner der Savegegend in Krain nicht rein »Sava« sondern »Saua« sagt, so nahm letzteres der Deutsche auf phonetischem Wege an und war ihm dies umso angenehmer, weil es zugleich deutschklingender war. Derselbe Vorgang spielt sich aber auch beim Worte »Drau« ab, welches slovenisch »Drava« (lat. Dravus) 6 — 82 — aber bei Kenntnis und nuchterner Auffassung der Vergangenheit und der grundlosen Differenz wieder allmahlich sch\vinden wiirde. ScbiKoia, slov. Sifcole. (3 km nordostlich von der Bahnstation Pragerhof.) Schikola kommt i. J. 1374 als »Svcolach«, 1441 als »Dorf Syckhawlon« und »Sycolach im Trauel in Sleunczer pharr« vor. Der Ortsname stammt wahrscheinlich vom slovenischen Begriffe »školje, Škulje«, 1 ) welcher »Schotter, Steinsplitter« be- deutet. Die Berechtigung fiir diese Bezeichnung ist insoweit vorhanden, als sich auf der Dorfflur von Schikola der schotterige Boden einzustellen beginnt, indes der Boden westlich und siidlich davon lehmiger und nasser ist. Dieses beweisen auch die Riednamen »gorce« (Hiigel), »prelogi« (Dreischfelder), be- sonders aber »prodence« (Kleinschotterboden). Aus dem Worte »školje« wurde im Deutschen, wahr- scheinlich des harten Anlautes wegen, »Schikole«, \vas spater auch der Slovene angenommen haben dilrfte. Schleinitz, slov. Slivnica. Von Kotsch 3 km siidlich an der Triester Chaussee be- findet sich der Ort Schleinitz mit der gleichnamigen Burg. Auch Schleinitz ist ein in den altesten Urkunden er- \vahnter Ort. Es hiess: 1146 Schiunitz, 1173 Sliuniz, 1237 Sluncz, 1249 Slevntz, 1292 Slounze, 1319 S. Maria in Slevntz, 1375 Slevnitz, 1391 Scleuunicz, 1482 Slainicz, 1486 Slewnicz. heisst und dennoch zu »Drau« wurde, ohne dass dabei von einem ver- achtlichen Beigeschmacke die Rede sein kann. Die sprachlich richtige Schreibweise im Deutschen ware daher: Save, Drave. Eine noch auffalligere, auf phonetischem Wege entstandene Schreib- weise enthielten die alteren Geographiebiicher und Atlanten, welche statt »Triglav«, nur die Aussprache des Gebirgsbevvohners in Krain be- achtend, »Terglou« schrieben. *) Diese Ausdriicke wurden bisher nur auf dem Pettauer Felde gehort, sind aber bei der jiingeren Generation nicht mehr im Gebrauche. — 83 — Der Name stammt vom slovenischen Worte .»slivnica«, velches eine Zvetschkenpflanzung bedeutet (sliva = Zvvetschke). Tatsachlich werden in dieser Gegend mit Vorliebe Zvetschken gezogen; in neuester Zeit scheint jedoch der Apfel- baum dieselben verdrangen zu tvollen. $cbneewei$$. Dieser ostlich von Amtmannnsdorf befindliche Meierhof hiess zu Beginn des 16. Jahrhundertes der »Lamberghof«, nach- dem ihn die Herren von Lamberg als Besitzer von Monsberg von den Minoriten in Pettau ervvorben hatten. Nach dem i. J. 1570 erfolgten Tode Jobstens von Lam¬ berg wurden die ausgedehnten Giiter an die Sobne verteilt; der eine erliielt die Besitzungen am Pulsgau-Bache, \vozu audi Amtmannsdorf mit dem Meierhofe gehčrte; da sich dieser zu- meist auch hier aufhielt, bekam der Hof den Namen Unter- Monsberg. Im Jahrc 1682 \vurde der Meierhof, bei dem sich einst aucli ein Schlosschen befunden haben soli, an die Herren von Schnee- vreiss veraussert. Seit diesem Besitzer ist der Name dem Gute geblieben, und wurde auch im Slovenischen die gleiche Form beibehalten. Das envahnte Schlosschen wird tatsachlich bis zum Jahre 1496 vielfach erwahnt, so: 1312 haws Meidberg, 1357 ves- Maidberch, 1396 Maydsburg im Traueld gegen Petta\v ober, 1423 vest Maidberg, 1426 Maydburg, 1443 haws Maydberg ob der Traa im Traueld, 1496 Maydberg. Aus allen diesen Benennungen geht hervor, dass dies ein besseres Haus gewesen sein muss, welches irgend eine Amtsperson betvohnte; jedenfalls ist das Abhangigkeitsverhaltnis von Monsberg (Mannsberg) schon ein sehr fruhzeitiges; man weiss nur, dass »Maidberch« i. J. 1357 noch dem Herzog Albrecht II. von Osterreich gehorte. 1 ) i) Muchar, Gesch. v. Steiermark, VI. p. 339. 6 * — 84 — Seeldorf, slov. Sela. (3 km nordvvestlich der Bahnstation Pragerhof.) Zwischen Ober- und Unter-Pulsgau liegt die Ortschaft Seeldorf; sie lautete i. J. 1436 Zeli oberthalben Nyder-Polczka, 1463 Zeli oberthalb Polczkaw. Der deutsche Name riihrt daher nicht etvva von »Seele«, sondern vom slovenischen Worte »selo« (die Ansiedlung) her, vvelcher Begriff in ungezahlten Varianten und Verballhornungen den deutschen Ortsnamen slovenischen Ursprungs anhaftet. Diese Entstellungen \vurden aber in den Amtern und Urbaren geradezu zur Notrvendigkeit, da man die vielen »Sela« lautenden Ortschaften irgendvvie in der Schreibvveise unterscheiden musste, um nicht zu jedem eine genaue und dabei vielleicht weitlaufige Orientierung beisetzen zu mtissen. Sella, slov. Sela. (7 km sudwestlich von Pettau.) Die Ortschaft Sella bildete i. J. 1207 einen Teil des in zvvei Supanien geteilten Ortes »Brizlausdorf; 1 ) i. J. 1282 hin- gegen wird der Doppelort schon unterschieden in Celle (Sella) und secunda Celle (Barislofzen). Im Lehensbuche der Grafen von Cilli wird i. J. 1436 von 4 Huben »an der Zeli« ge- sprochen. Die letzte Ervvahnung dieses Ortes im Mittelalter geschieht i. J. 1450, wo Jorg Poppendorfer dem Dominikaner- kloster in Pettau den Zehent des »Andre von der Zeli« verkauft. Der Ortsname riihrt vom slovenischen Begriffe »selo« ( Ansiedlung), vvelches in diesem Falle im Plural gebraucht ist. Ortschaften dieses Namens sind ungemein haufig und finden sich in der heutigen Form von Zeli, 1 ) Celle, Cilli, Selle, Seele, Selz, Selič, Selich, Selische, Selicz u. a. m. 2 ) 0 Zahn, Ortsnamenbuch d. H. Steiermark, II. p. 135. a ) Wenn der Slovene fiir »Maria-Zell« die Form »Marijino Celje« gebraucht, so ist dies bereits eine secundare -VVortbildung, denn ethy- mologisch richtig musste es »Marijino selo« heissen. Desgleichen ist z. B. die jetzige Schreibung »Celovec« (Klagenfurt) unrichtig, denn es solite »Selovec« (Ansiedleij geschrieben werden. 85 — Sesterscbe, slov. Sesterže. (5 km siidostlich von der Bahnstation Pragerhof.) Dieser Ort wird, wenigstens unter dem crvvahnten oder ahnlichen Namen, im Mittelalter nicht genannt. Es scheint, dass Sestersche als Dependenz von Georgendorf (Ju- rovka ves) entstanden ist und dass vervvandtschaftliche Ver- haltnisse zur Teilung eines grosseren Besitzes fiihrten. Wahrend in Georgendorf der Stammsitz war, diirfte in Sestersche ein ldeineres Gut gewesen sein, tvelches eine Sclrvvester oder Cousine (sestra = Schwester, sestrična = Cou- sine) des eigentlichen Besitzers zur Nutzniessung erhielt, aus welchem Verhaltnisse sich sodann auch der Name entwickelte. Eine deutsche Ubersetzung dieses Ortsnamens konnte bis- her nicht ermittelt werden. Skoggen, slov. Skoki. (9 km siidostlich von Marburg.) Auf dem Katastralgrunde von Dobrofzen liegt heute auch die Ortschaft Skoggen. Um das Jahr 1550 baten mehrere serbische Familien um Zuweisung von Wohnsitzen in Steiermark. Konig Ferdinand und die steiermarkische Landschaft trugen diesem Anliegen Rechnung, und siedelten z. B. i. J. 1556 die Wojwodenfamilien Alexič, Doytšin und Vukmir im heutigen Skoggen an. 1 ) Diese Serben nannte man »Pribeki« (vom croat. pribječi = sich fltichten), also: Fluchtlinge, oder aber Uskoki (uskok, kroat. = Uberlaufer), wenn sie die Rolle der Parteiganger der Turken aufgegeben hatten. Da sie daraufhin Verfolgungen aus- gesetzt waren und vielleicht auch die Religion aus diesem Grande wechselten, schien es ihnen am ratsamsten, auf einem entfern- teren Gebiete ein neues Heim zu suchen. Diese Ansiedlungwurde nun nach denBewohnern »Uskoki« genannt, kommt i. J. 1683 noch unter diesem, spater aber nur mehr unter dem abgeschlififenen Namen »Skoki« vor. i) Dr. Bidermann: Die Serben-Ansiedlungen in Steiermark. Mitth. d. Hist. Vereines f. Steiermark, XXXI. Heft p. 20. — 86 — Viele dieser Uskoken, sovvie auch sonstige slovenische Bewohner des Pettauer Feldes wurden fiir das tapfere Ver- halten anlasslich der Ttirkeneinfalle aucli geadelt. Man hort ziemlich oft, dass in diesem oder jenem Hause Familien wohnten, die fiir ihr mannhaftes Auftreten gegen den Erbfeind durch Adelsprivilegien ausgezeichnet vvurden. Die Adelsbriefe selbst sind jedoch fast durchvvegs verloren gegangen oder wohl auch durch das Aussterben der betreffenden Fami¬ lien gegenstandslos geworden, daher auch von den erworbenen Vorrechten auf dem Pettauer Felde kein einziger Fali des Ge- brauches verzeichnet werden kann. 1 ) SRorba. (3 km vvestlich von Pettau, rechtes Drauufer.) Skorba hiess i. J. 1265 Carve, 1322 Charb, 1440 Korb, 1442 Ober-Karb etwen Zistelfelden, 1495 Karb, 1706 villa Skorba. Mit Riicksicht auf die Bezeichnung i. J. 1442 muss es auch ein »Nieder-Karb« gegeben haben, vvelcher Unterschied jedoch heute nicht mehr besteht. Unter dem deutschen Begriffe »korp« verstand man im Mittelalter jene einfachen Unterkiinfte, welche grossere Grund- besitzer oder die ackerbaubetreibenden, aber in Pettau woh- nenden Burger zur Beherbergung ihrer Arbeiter anlegten. 2 ) Der Slovene gebrauchte den deutschen Namen bis auf die Anwendung im Locativ »iz korbe« (von Korp) unverandert. Siebendorf, $lov, fiodoše. (5 km norchvestlich von Pettau.) Diese beiden Namen weisen eine ganz eigenartige Ent- stehung auf. ‘) So wurde im Dorfe Skoggen der Original-Adelsbrief vorgefunden, laut welchem 4 Briider Radovan, Raletha, Peak und Ogman Bakos (jeden- falls eine Uskoken-Familiej geadelt erscheinen. Wappen: Aufrotem Felde ein nackter Arm mit einem tiirkischen Schwerte in der Hand; darunter ein abgeschlagener Turkenkopf. Die Urkunde datiert vom 3. August 1574. '-) Ahnliches findet man heute noch in Ungarn, wo sich der reiche Grundbesitzer die sogenannten Tanya-Wirtschaften anlegt; eine Analogie bilden iiberdies die Arbeiterhauser bei grosseren Fabriken. — 87 — Der urspriingliche Name diirfte »Hudaši« gewesen sein, obwohl keine Urkunde vom Orte vor dem Beginne der Ger- manisierung der Namen spricht; da es aber keinen ausge- sprochenen Fali auf dem Pettauer Felde gibt, dass ein deutsdier Ortsname ins Slovenische iibersetzt \vorden ware, so ist dies vvohl auch hier anzunehmen. Das salzburgische Urbar v. J. 1320 nennt den Ort »Siben- durfftigen«; i. J. 1460 hiess es noch »Sibendurftigen«, 1496 aber schon »Sybendorf.« Die Dorfflur war nach den Untersuchungen der alteren Flurverfassung nur aus sieben Wirtschaftseinheiten gebildet, 1 ) welche aber alle, da der Boden daselbst sehr schotterig ist, minder ertragsfahig waren. Die Slovenen nannten daher die Besitzer derselben »hudaki« oder »hudaši«, was damals diirftig, arm hiess, und im Cechischen noch heute dieselbe Bedeutung hat; iibrigens hat sich in mancher Verbindung, wie »hudo leto« (ein armes, schlechtes Jahr) auch im Slovenischen die urspriingliche Bedeutung erhalten. Es ist daher wahrscheinlich, dass der Slovene einst die Bezeichnung dieser Ortschaft mit »pri sedem hudaših« (bei den 7 Diirftigen) zusammenfasste. Wahrend nun der Deutsche spater bei dem Gebrauche des Ortsnamens dem Worte »sieben« den Vorzug gab, den Begriff »diirftigen« aber abvvarf und hiefiir das obligate »Dorf« einsetzte, begntigte sich der Slovene nur mit dem Grundvvorte und nahm die Zalil sieben im gevvohnlichen Gebrauche gar niclit in den Namen auf. Die mindere Ertragfahigkeit des Bodens in Siebendorf, sowie die daraus folgende Diirftigkeit haben nun die Nach- barn wahrgenommen, daher dieser Ort eigentlich dem unzarten Besitzvergleiche, bezw. der Siebenzahl der Bauernhofe seinen Namen verdankt. Staroscbinm slov. Starošince. (5 km siidostlich von Kranichsfeld.) Dieser Ort kommt i. J. 1265 als Ztanossen, 1441 als Stauesin vor. ') Levec, Pettauer Studien, (Artikel Siebendorf.) — 88 Der Name selbst, der slovenischen Ursprungs ist, rtt-hrt vom Begriffe »Starejšinci« her, \vorunter die Gemeindevorstands- Mitglieder (der Dorfalteste und die zwei ersten Gemeinderate) zu verstehen sind. Es ist \vahrscheinlich, dass sich in diesem Orte im Sinne der altslavischen patriarchalischen Verfassung irgend ein Appel- lationsrat befand, welcher bei Streitigkeiten mehrerer Sippen oder Ortschaften zu entscheiden hatte. Zu dieser Vermutung fiihrt nicht nur der Name, sondern auch der Umstand, dass an die fast ein Quadrat bildende Dorfflur von Staroschinzen nicht weniger als sieben andere Ortschaften mit ihrem Besitze grenzen. Trau Staudeit, slov. marija v Brezji. An der Strasse Pobersch—Lendorf, 4 km siidostlich von Marburg, steht die Kirche Frau Stauden, woselbst auch eine kleine Ansiedlung gleichen Namens entstanden ist. Die Veranlassung zur Erbauung dieser Kirche gab eine i. J. 1586 in der Umgebung von Marburg herrschende Seuche. Um die vielen Leichen nicht auf den an zwei Wegstunden entfernten Pfarrfriedhof nach Kotsch zur Bestattung fiihren zu milssen, suchten die Bewohner von Zwettendorf an, eine Ka- pelle mit einem Gottesacker auf ihrem Gemeindegrunde er- richten zu diirfen, was auch bevvilligt \vurde. Unter Stauden ist im Deutschen ein Niederwald zu ver¬ stehen, dessen Hauptbestandteil allenthalben die Birke bildet. Dieses bestatigt auch der slovenische Name »v Brezji« (breza = Birke), welcher offen sagt, dass einstmals an dieser Stelle ein Birkenbestand gewesen sein muss; mittler\veile sind jedoch meist andere Baumarten an die Stelle der Birken getreten. Stertttbal. Den Namen Sternthal fiihrt jetzt ein Meierhof, welcher etwa 1‘5 km ostlich der gleichnamigen Station der Pragerhof- Budapester Balin liegt. — 89 — Die Entstehung des jetzigen Namens ist hochst einfacher aber doch eigentilmlicher Art. Die ehemaligen Besitzer von Thurnisch hatten an dieser Stelle, da sie ausschliesslich Schaf- zucht betrieben, einen Schafstall erbaut und nannten ihn (im Mittelalter) »Sterenstall« (Widderstall; ahd. stero, mhd. stere — Widder), woraus lediglich des doppelten »st« wegen mit der Zeit in der Aussprache »Sternthal« wurde. Der Name ist sonach deutschen Ursprungs und wird in dieser Form auch vom Slovenen gebraucht. 1 ) $fra$$goiitzen, slov. Stralgojnce. (2 km nordwestlich der Bahnstation Pragerhof.) Diese Ortschaft hiess 1237 Dresgoysdorf, 1249 Dresigoys- torfe in Čampo, 1253 Dresegestorf, 1263 Sdresgoeesdorf, 1313 Dresigoysdorf. Der heutige Name Strassgoinzen ist wohl nichts weiter, als ein ungewohnlich verballhorntes Wort, dem der slovenische Begriff »trst, trstje« (Schilf, Rohr) zugrundeliegt; die Nachbarn werden den Ort ursprilnglich als »Trstna ves« (Schilfdorf) bezeichnet haben, die Bewohner selbst nannte man etva »Trstojnci.« 4 In culturhistorischer Hinsicht ist die Bahnstation »Sternthal« ein Unicum. — Zum Stationsgebaude gibt es keine Zufahrt und fiir die Passagiere keinen "VVarteraum, obschon weit und breit kein Haus steht, um sich bei Unwetter Selbsthilfe zu verschaffen. Geradezu Mitleid erregend ist es, wenn man oft Miitter mit schvrerkranken Kin- dern bei ungiinstigstem Wetter schutzlos auf den Zug warten sieht, wenn sie zum Arzte nach Pettau oder Marburg fahren miissen. (Merkwiirdiger- \veise befindet sich auch in keiner Ortschaft oder Ansiedlung des Oberen Pettauer Feldes ein Arzt.) — Der Stationsname ist dem oben erwahnten, aus einem Schafstalle hervorgegangenen Meierhofe entnommen, dessen alienfalsige Verkaufsproducte aber nicht mit der Bahn verfuhrt werden konnen, weil hier keine Frachten aufgenommen werden; der Meierhof selbst ist von keiner Seite zu sehen, da er von Fohrenwaldungen ein- geschlossen ist. Untei' den Reisenden entsteht oft die Frage, weshalb diese Station so lautet, da es weit und breit keinen Ort dieses Namens gibt, noch das 500 km 2 grosse Pettauer Feld als »Tal« bezeichnet werden kann. Man vviirde eine Benennung, wie etwa »St. Lorenzen— Maria-Neustift« geradezu fiir selbstverstandlich halten, weil sie gleichzeitig den Reisenden, besonders die Wallfahrer nach M.-Neustift, die Besucher von Viehmarkten u. s. w. orientieren viirde. Diese Unzukommlichkeiten datieren allerdings aus der Zeit, da Sternthal noch eine Zugkreuzungs- stelle war, \vurden aber anlasslich der Einrichtung der Bahnstation (Haltestelle) nicht beseitigt. - 90 — Einen Beleg dafiir bietet auch das bei der zweiten Ger- manisierung der Ortsnamen entstandene. »Tresterdorf«, wobei aber dem Ubersetzer das slovenische Bestimmungsvvort (trst) nicht bekannt war. Tatsachlich liegt der Ort auch an dem Tresternica- und Miihlbache; l ) die Gegend war ihrem Charakter nach einstens wohl reich an Schilf und Rohrgetvachsen; heute ist das Gebiet sudlich des Ortes lediglich nasser VViesengrund. Mit dem Verschwinden des Schilfes giengen auch alle Anhaltspunkte filr die richtige Namenserhaltung verloren; so ist es erklarlich, dass aus »Trstna ves« und »Trstonjci« mit der Zeit Strassgojnci« wurde und in dieser Form auch in den deutschen Gebrauch iibergieng, umsomehr, als man im gewohnlichen Ver- kehre den Namen meist nur in der Form »iz Trstojnc« (aus Trstojnc) horte. Caufeling, $lev. Duplek. (9 km sudoslich von Marburg.) Wenn die beiden Ortschaften Ober- und Unter-Taubling auch nicht dem eigentlichen Pettauer Felde zuzuzahlen sind, so werden sie doch in die gestellte Aufgabe einbezogen, da sie, knapp am linken Draufer liegend, unmittelbar angrenzen. Die Erklarung filr die Entstehung des slovenischen Orts- namens »Duplek«, welcher der urspriingliche war, wurde erst durch die niihere Kenntnis der geologischen Beschaffenheit dieses Gebietes ermoglicht. Die linke Talbegleitung der Drau bilden in dieser Gegend weithin sichtbare, gelblichweiss gefarbte steile Wande von ungemein petrefactenreichem Muschelkalk; auf dem Oberteile sind iiberdies nrehrere Einsenkungen vorhanden, welche den Dolinen des Karstes gleichen. Wie zumeist jedes Kalkterrain ist auch dieses reich an Hohlen, Spalten und Kliiften. Da nun der Begriff »duplo« sovvohl im Alt- als auch Neuslovenischen eine »Flohlung« bezeichnet, sei diese nun in einem Baume, Felsen oder der Erde, so ist es wahrscheinlich, dass die ur- *) Die Bezeichnung Tresternica ist heute nicht mehr localgebrauch- lich, war aber der alte Katastername; die Bervohner nennen derzeit diesen Bach »Reka«, den Muhlbach aber »Črnec.« — 91 — spriinglichen Bevvohner von den Nachbarn »dupleki« oder »du- pleniki« (Hohlenbervohner) genannt wurden, da sie die vor- handenen Hohlen, \venn auch nicht zu eigenem Aufenthalte, so doch moglicherweise als Unterstand fur das Vieh — wie dies in der Herzegovina und in Italien noch heute vielfach der Fali ist — oder als Kammern und Verstecke bei den verschiedenen feindlichen Einbriichen beniitzt haben werden. Ubrigens erzahlt das Volk der rveiteren Umgebung noch von der Tatsache, dass zur Zeit der Turkeneinfalle die Be- wohner der Draugegend hier ihr bewegliches Gut versteckten und sich allenthalben auch selbst verborgen hielten, also voruber- gehend ein TroglodytenIeben ftihrten, bis die Gefahr wieder beseitigt schien. Die Untersuchungen der vorhandenen Hohlen geben keine positiven Resultate fiir den ehemaligen langeren Aufenthalt, weil die in Frage kommenden Wohnstatten in den Hohlen da- durch der Bevveisfuhrung entriickt sind, dass das zunachst der Aussenwelt befindliche Materiale in grossen Mengen abgebaut wurde. Die vorgefundenen angeraucherten Stellen sind jiingsten Datums und riihren von den Steinbrechern her, welche sich daselbst ihre Mahlzeiten bereitet haben. Uberdies ist in dem tieferen Teile der Hohlungen eine eiskalte Zugluft, welche einen langeren Aufenthalt von hoheren Lebewesen ohne er- hebliche Nachteile nicht zulasst. Dass der Ort den Namen nicht von »Taube« erhielt, wie man bisher anzunehmen pflegte, beweisen die im Mittelalter gebrauchlichen Namen. In einer Urkunde v. J. 1100 widmen die Soline des Grafen Engelbert von Sponheim Leute und Giiter von Ober- und Unter-Taubling (duo oppida »Tubilink«, dem Kloster St. Paul im Lavanttale; im Jahre 1130 findet sich in einer Urkunde »Ztiplina«, welches aber offenkundig entweder ein Schreibfehler (statt: Duplina) oder aber eine unrichtige Lese- art ist (statt: Z dupline); 1265 hiess es »Diupelinch«, 1409 »Tarvpelnikch«. Die im Slovenischen an vielen Orten iibliche Diphtongbildung des »u« zu »au« im Volkstone begriindet im \veiteren die Umwandlung des Begrififes »Dupelnik« in »Dau- 92 — pelnik«, auf welche Weise der Anklang an »Taube« zustande gekommen sein dilrfte. Schliesslich hat der Anklang an »Taube« auch keine naturwissenschaftliche Berechtigung, da Wildtauben infolge g&nzlichen Mangels von Kennzeichen ihres Aufenthaltes in diesen Hohlen niemals genistet haben konnten. Cernitscften, slov. Černiče. Der nordtvestlich von Prepola gelegene Ort Ternitschen hat vom slovenischen Worte »terničje« oder »ternišče« (Dorn- gestrilpp) seine Entstehung. Da dieser Name im Mittelalter noch nicht vorkommt, die Dorfflur selbst zur Katastralgemeinde Prepola gehort, so ist anzunehmen, dass ein grosses, wahr- scheinlich mit Sclrvvarzdorn (slov. trnina, lat. prunus spinosa) oder mit Heckenrosen tiberwuchettes Gebiet allgemein »trnišče« genannt, spater ausgerodet und besiedelt tvurde,vvobei der friiher gangbare Name auch \veiter beibehalten tvurde. In das Deutsche tvurde der Name dieses Ortes nicht iibersetzt. Cernoivetz, slov. Cernovce. (7 km siidwestlich von Pettau. Ternotvetz wird im Mittelalter in einer einzigen bisher be- kannten Urkunde u. z. unter dem Namen »Albrechtsdorf« ge¬ nannt. Herzog Albrecht II. von Osterreich kaufte laut Urkunde vom 14. Dezember 1357 fur sein Schlossgut Maydberch (bei Amtmannsdorf) vom Kloster Seitz 79 Huben auf dem Drau- felde u. z. 10 in Neudorf, 16 in Albrechtsdorf, 18 in Drasen- dorf, 8 in Sabiach und 27 in beiden Pritzlausdorf. 1 ) — Der territoriale Zusammenhang aller dieser Dorffluren sowie die gleiche Zahl der Hofstellen von Albrechtsdorf und dem heu- tigen Ternowetz (16) lassen bestimmt .darauf schliessen, dass beide Namen denselben Ort bezeichen. 2 ) p Muchar, Gesch. der Steiermark, VI. p. 339. 2 ) Ein sonstiger Ort mit 16 Hofstellen kommt auf dem Pettauer Felde nicht vor. — 93 - Es scheint aber, dass die Dorfflur von Ternowetz, da sie nur 2 Konigshufen 1 ) umfasst und auf dem ganzen Pettauer Felde die weitaus kleinste ist, eine friihzeitige Abtrennung von Sella ist, oder bildete sie einst die Supanie 2 ) von Sella selbst, welche im Hinblicke darauf, dass der Boden vielleicht stark von Dorngestriipp uberwuchert war, einen besonderen Namen (trnovec = Dornstrauch) erhielt. In weiterer Zeitfolge geriet aber der deutsche Name, \velcher wohl nur der Ehrung des fiirstlichen Besitzers wegen vorubergehend gangbar war, rvieder in Vergessenheit und be- diente man sich fortan nur mehr des slovenischen Namens. tbesen. Stidlich von Marburg zweigt von der Triester Chaussee die Strasse gegen Pettaiu ab. Die langs dieser Strasse befind- lichen Hauser, Felder und Waldungen werden unter dem Namen »Thesen, an der Thesen, auf der Thesen« zusammen- gefasst. Die Bezeichnung ist erst in der Neuzeit entstanden und hat zur Grundlage das slovenische Wort »steza«, welches in dieser Gegend »Strasse« bezeichnet, vvahrend ansonsten darunter auch der »Fussweg« verstanden wird. Der richtige deutsche Name ware daher etwa »an der Strasse.« Cburniscb, slov. Curnišče. (2 km stidlich von Pettau. Das jetzige Schloss Thurnisch \vurde in den Jahren 1687—1694 vom Feldmarschall Hanns Maximilian Grafen von Thurn erbaut; es ware daher anzunehmen, dass der Name von diesem Besitzer herriihre, und etwa als »Thurn-ische« Besitzung bezeichnet worden ware; doch ist dem nicht so, denn bereits i. J. 1441 wird es in einer Urkunde »Turnes« genannt, 3 ) wurde jedoch erst i. J. 1676 von der Familie Thurn erworben. ‘) Eine Konigshufe (mansus regalis) umfaste etwa 50, eine slo¬ venische Hufe (mansus sclavonicus) an 30 ha Grundbesitz. 2 ) Bei den meisten Dorfern des Pettauer Feldes hatte der Supan (slov. župan), der Dorfalteste, eine Doppelhufe zugewiesen, welche, da zehentfrei, oftmals in die Hufenzahl des Ortes nicht eingerechnet wurde. s ) Slekovec, VVurmberg p. 43 (Manusk. Nr. 13.996 der Hofbiblio- thek in Wien). 94 Wahrscheinlich ist es, dass an der Stelle des heutigen Schlosses irgend ein Belustigungs-, mdglichervveise ein Turnier- platz war und dass sich dabei auch ein solideres Gebaude (Turm) befand, denn das Abhalten von Turnieren ist im Schlosshofe von Pettau des beschrankten Raumes wegen nicht denkbar. 1 ) Die Annahme, dass sich hier ein festeres Gebaude be- funden haben muss, geht auch daraus hervor, dass die schone Gattin des Grafen Friedrich von Cilli, Veronika von Dessenitz, einige Zeit hier verborgen gewesen sei, bis sie, i. J. 1428 ent- deckt, nach Osterwitz geschleppt und daselbst durch Jobst von Helfenberg im Bade erstickt vvurde. 2 ) Die Slovenen haben die deutsche Bezeichnung ihrer Sprache angepasst, indem sie die Stelle »turnišče« nannten. Mit Riicksicht auf das Alter von Sternthal, welches seiner etymologischen Abstammung nach schon im Mittelalter existiert haben muss, 3 ) und das Abhangigkeits-Verhaltnis des- selben von Thurnisch, ist daher anzunehmen, dass dieses bereits ein sehr alter Herrschaftssitz ist. Es ist auch moglich, dass schon die in den Urkunden v. J. 1207 erwahnten Richer de Turre (bei Rogeis begiitert), 4 5 б ) und Otto von Thurm (Siegler einer Urkunde v. J. 1282), B ) Besitzer von Thurnisch waren.°) Crebescb, $lo». Crebež. Der 2 km siidostlich von St. Lorenzen befindliche Ab- hang des Maria-Neustifter Hohenriickens tragt den Namen ‘) Es ist auch moglich, dass dieser Platz einst der Tummelplatz fiir die Kinder der alten Stadt Pettau war, denn die Ausdriicke Turf, Thury (in Wien mit der Bedeutung: Raufplatz), turnen u. a. entstammen dem Sanskrit-Verbum »thuro«, vvelches: raufen, stiirmen, schlagen — bedeutet. а ) Krones, Chronik v. Cilli, II. p. 79. 3 ) Siehe Artikel: Sternthal. 4 ) Zahn, Urkundenbuch d. Herz. Steiermark, II. p. 135. 5 ) Muchar, Gesch. v. Steiermark, V. p. 444. б ) Es gab im Mittelalter in Untersteiermark mehrere Geschlechter, die den Namen Thurn (Turn) fuhrten, daher eine nahere Unterscheidung heute schwer festzustellen ist. — 95 — »Trebesch« ; der Name kommt sowohl den venigen Gehoften, die sich daselbst zerstreut vorfinden, sowie auch der Gegend zu. Unter »trebež« verstand der alte Slovene ein Rodeland (trebiti = etwas [mit scharfem Instrumente] reinigen), welches die annabernd gleiche Bedeutung hatte, als das jetzt gebrauch- liche Wort »Krčevina« (der Neubruch. 1 ) In alteren Schriften kommt dieser Name nicht vor; des- gleichen ist eine Ubersetzung desselben in das Deutsche nicht vorzufinden. 2 ) $t. Ueit bei Pettau, $lob. Uid pri Ptuj«. (7 km siidostlich von Pettau.) St. Veit wird zum erstenmale i. J. 1320 erwahnt; am 11. November resigniert der Pfarrer Rudolf »de Hollenberch« auf die Pfarre; zugleich wird Ulrich »de Altsperch« daselbst prasentiert. 3 ) Die jetzige, ziemlich kleine Kirche wurde in der ersten Halfte des 16. Jahrhundertes erbaut; es muss daher daselbst schon vor dieser Zeit ein Gotteshaus gestanden haben. Der Ort fulirte ehedem wohl einen nicht kirchlichen Namen; wie aber derselbe lautete, konnte bisher nicht er- mittelt werden. lUartcnbcim. Der im ostlichen Teile der Flur von Ottendorf gelegene Einzelhof Wartenheim gehorte i. J. 1825 dem landschaftlichen Freisassen Martin Prosseniak. 5 Eine Frage an die Bevohner, wie sie sich den Namen »Trebež« erklaren, ergab folgendes Resultat: Man bezeichnet diese Gegend so, weil die Sucher nach den in diesen Waldungen iippig gedeihenden Herrenpilzen bei ihrer Heimkehr an dieser Stelle die gefundenen Schwamme zu reinigen (trebiti) pflegen. Dieses ist wohl nur eine ad hoc Erklarung, die vissenschaftlich gegenstandslos ist. 2 ) In einer Urkunde v. J. 1103 ist ein »Gerhoch de Treuesse« er- wahnt; dieser Zuname, der zvveifellos auch von einem »trebež« (Aus- rodung) herriihrt, erscheint heute zu »Trafoss« (bei Bruck a. M.) um- gewandelt. s ) Beitrage zur Kunde steir. Geschichtsquellen, 7. Jahrg. p. 91. 96 — Den Hof »Wartenhaim« besass i. J. 1443 Andre, 1460 Hanns Siissenhaimer. In der Specialkarte fiihrt dieses Gehofte die eigenartige Bezeichnung: Wartenberg. M. H. Freisass. Die Bezeichnung »Wartenberg« ist niemals eine officielle gewesen, daher die Namensanderung nur auf einer falschen Information seitens des Mappeurs beruhen dilrfte. Es besassen namlich in der Zeit von 1725—1814 die Herrschaft Kranichs- feld sowie das dazugehorige Gehofte »Wartenheim« die Frei- herren von Werdenberg; im Volksmunde diirfte aber der Name der Besitzer mit dem ohnehin ahnlich klingenden Namen des Hofes venvechselt worden und spater in den lo- calen Gebrauch getreten sein. lUindcnau. (3 km sudlich von Marburg.) Das jetzt dem Fiirstbischofe von Lavant gehorige Schloss und Gut Windenau erhielt den Namen von den mutmasslichen Erbauern bezw. ersten Besitzern, den Herren von »VVinden«. Von diesen erscheint das erstemal i. J. 1160 ein Otto von Winden als Fertiger der Urkunde, in welcher die Griindung eines Hospitales fur Reisende am Semmering ausgesprochen wird; i. J. 1367 kommt ein Wolf von Winden als Fertiger einer Urkunde vor; ein Kunz von VVindenau (was wohl mit Winden ic(entisch ist und nur als eine Anpassung an die da- mals iiblichen deutschen Adelspradicate anzusehen ist) war der erste, der den Namen Windenau fuhrte. Im Jahre 1491 starb der letzte Sprosse dieses Adelsgeschlechtes, Wenzel von Winden. Die heutige Bezeichnung »Bednava« der slovenischen Bevolkerung ist nichts weiter, als eine undeutliche Aussprache des Wortes »Windenau«. Unter den slovenischen Bevvohnern dieser Gegend hat sich aber auch die Bezeichnung »staro mesto« (alte Stadt) er- halten, welche sich der Erzahlung nach auf eine Stadt bezieht, die sich auf der gegen Windenau auslaufenden Nase des Bacher-Gebirges befunden hat. Diese Anspielung ist auch der — 97 Wahrheit weit naher, als der Sage, denn in dieser Gegend haben sich zahlreiche Romersteine, Gotterstatuen, rčmische Miinzen, Lampen u. dergl. gefunden. Es ist zum mindesten sicher, dass auf dieser vorsprin- genden Anhčhe eine rčmische Besatzung postiert war, welchc liier einen weiten Uberblick tiber alle Vorgange im Drautalc und auf dem Pettauer-Felde hatte und notigenfalls sofort ein- schreiten konnte. In dem nordostlich vom Schlosse Windenau gelegencn Eichemvalde wurde in der Reformationszeit fiir die Anhangcr dcs evangelischen Glaubens in Marburg eine Kirche crbaut, jcdoch schon wieder i. J. 1600 zerstort. ttJindiscbdorf, slov. Slovenja ves. (5'5 km nordwestlich von Pettau.) Im Urbarbuche der Herrschaft Wurmberg v. J. 1496 hcisst dieser Ort »Slabendorf«; i. J. 1441 schrieb man noch »Schla- wendorf«; 1830 lautete die slovenische Bezeichnung »Slavence«. Dass es in Steiermark (und auch in sonstigen Provinzen des Alpengebietes, sowie in Deutschland) so viele Ortsnamen mit der Zusammensetzung »Windisch« gibt, ist der beste Bewcis, dass es zu ciner Zeit zwei verschiedensprachige Bc- wolincr gab, welche den sprachlichen Unterschied auch auf dic Namengebung bei Ortschaften und Personen verlegten. Da aber der grčsste Teil der steirischen Ortsnamen slavischen Ursprungs ist, so kann die besondere Unterscheidung der Ei- gennamen mit »Windisch« erst platzgegriffen haben, als das deutsche Element erstarkt war und die slavischen Bewohner zum Teile verdrangt, zum Teile aber mit denselben eine Diffu- sion eingegangen waren, was uns die slavischen Namen so vieler, seit Jahrhunderten deutscher Familien bezeugen. 1 ) *) Diese Diffusion der beiden Nationen im Mittelalter hat auch alle typischen Merkmale iibervvorfen. So stellte man fest, dass bei den Slo- venen das blonde Haar jetzt viel haufiger vorkommt als bei den Deutschen Obersteiermarks — was doch sonst der germanischen Race eigentiimlich ist. Auch ist es als Norm zu nehmen, dass die Familiennamen je nach ihrer Sprachzugehorigkeit ein untriigliches Zeichcn sind, wclcher Nation der erste Tragcr des Namens angehorte. - 98 Dies begann im 11. Jahrhunderte schon in sehr inten- siver Weise, daher sich in dieser Zeit bei den Namen auch die ersten sprachlichen Unterscheidungen bemerkbar machen. Der sehr haufig auftretende Familienname »Windisch«, der mutmasslich jenen beigelegt wurde, die sich der Germanisierung hartnackig vvidersetzten oder aber in isolierten Gehoften wohnten, daher langer sprachlich unbeeinflusst blieben, dann die Ort- schaften: W.-Feistritz, W.-Gratz, W.-Landsberg (in Untersteier- mark), Windischberg (zwischen Leoben und Goss), Windisch- keischen (bei Knittelfeld), Windischdori (bei Wciz) und viele andere liefern dafur geniigenden Beweis. Es drangt sich nun die Frage auf, wieso es kommt, dass die Bezeichnungen »slovenisch« und »windisch« vom 12. Jahr¬ hunderte an gleichzeitig vorkommen, wahrend der Gebrauch des Begriffes »windisch« zuvor nicht wahrnehmbar ist. Man glaubt, dass der Name »Wenden, Winden« ur- spriinglich nur die Nordslaven bezeichnete und dass die Uber- tragung dieses Namens an die Slovenen erst zur Zeit des Germanisierungs-Beginnes erfolgte, wo jene Deutschen, die frilher mit den Nordslaven in Beriihrung standen, diesen Namen auch beim Eintreffen und Vordringen den stamm- und sprach- verwandten Slovenen beilegten, da ihnen keine besondcren Unter- schiede aufgefallen sind. In diesem Sinne ist es erklarlich, dass in allen Urkunden bis in das 12. Jahrhundert stets nur der Name »Sclavoni, Schlawoni« gebraucht wird, hingegen kommt »Windisch« meines Wissens urkundlich das erstemal erst im Jahre 1164, 1 ) also in einer Zeit vor, wo die Germanisierung schon sehr im Gange war. Bei Windischdorf fallt es tlberdies auf, dass es am Ende des 15. Jahrhundertes noch immer »Slabendorf« heisst, wah- rend bei anderen Zusammensetzungen mit »VVindisch«, wie bei Gratz, Feistritz u. a. dies schon an drei Jahrhunderte 4 ) Zahn, Urkundenbuch d. H. Steiermark i. J. 1070: Die Abtissin von Goss iiberlasst dem Erzbischofe von Salzburg zwei slovenische Huben bei Leoben (duas Sclauenses hubas in comitate Liubane); im Jahre 1164 heisst es im Stiftsbricfc des Klosters Seitz: »mansum unum in Windisken Graze.« vorher eintrat. Der zuversichtliche Grund liegt wohl darin, dass der Ort zur Zeit der ersten Germanisierung noch nicht unter diesem Namen bestanden hat, oder aber damals noch cine Namensform hatte, die in ihrer Bedeutung dem Ubersetzer niclit verstandlich vvar. Uberdies ist der Name »Slovenja ves« im Principe auch mit »Windischdorf« niclit richtig iibersetzt, denn der Name »Slovene« hat das Wort »slovy« (wasserreiche Gegend) zum Stamme, dalier unter »Slovenen« jener Teil der Wenden zu verstehen ist, \velcher vorwiegend an Flilssen und in Talern ansassig war, da ja Ackerbau fast ausschliesslich iliren Lebens- unterhalt bildete. 1 ) Die genannte Ortschaft solite sonacli im Deutschen richtiger »Nasses Dorf« (etwa »Nassdorf«) heissen, und berechtigt hiezu auch die Lage derselben, denn in der Nahe entspringt der »Brunnquellbach«, auf 1'5 km davon ent- fernt fliesst die Drau, und dazwischen erstrecken sich feuchte mit toten Armen der Drau durchzogene Auen. KJocbau, $lo». Bobova. An der VVien—Triester Strasse, an 6 km siidlich von Marburg, liegt das Dorf Wochau, welches i. J. 1441 als »Wokaw« bezeichnet wurde. Uber die ethymologische Entstehung dieses Ortsnamens kann kein bestimmtes Urteil abgegeben werden; vvahrscheinlich hat es die slovenischen Begriffe »bohat« (masten) und »boha« l ) Daher kommt es, dass besonders die deutsche, magyarische und rumanische Sprache ungewohnlich viel Slavismen fur die den Feld- bau beruhrenden Begriffe aufweisen. (Vergleiche: plug, d. Pflug, r. plug; brazda [Furche], m. barazda, r. brazda; robot, d. Robot, m. robot, r. claca [vom slav. tlaka - Frohndienst]; bič, d. Peitsche, r. biciu; gra- nica, d. Grenze, r. granita; trstje, sitje [Rohr, Binsen], m. szittyo, r. trestio u. a. m.) ’ Es ist auch natiirlich, dass solche Ausdriicke jener Sprache ent- nommcn sind, wo sie in dominierendem Gebrauche standen, daher von anderen Volksstamrnen bereits fertig entwickelt vorgefunden wurden. (Vergl. z. B. die Bezeichnungen fur die verschiedcnen Nationalspeisen.) Eiu solches Analogon bietet die Sprache eines jeden Volkes, \velches cin bestimmtes Fach besonders gepflegt hat; z. B. franzosisch fur die militarischen Begriffe (besonders fortificatorischen), italicnisch fur die Musik, deutsch fur die Turnkunst, englisch fur den Šport u. a. m. 7 * 100 (Mast) zur Grundlage; der Ort diirtte friiher »Bohova ves« gelautet haben, wozu der Umstand ftihrte, dass moglicher- weise in diesem Dorfe die Sclrvveinemastung eine hervorragende Einnahmsquelle bildete. Fur die Entstehung des Namens aus dem Stamme »boha« spricht auch die Tatsache, dass dieser Begriff hauptsachlich in dieser Gegend heimisch vvar. 1 ) Zirkotvitz, slov. Cirkovce. (11 km siidsudwestlich von Pettau.) Zirkowitz hiess i. J. 1237 Stude in Čampo, 1249 Stauden in campo, 1404 Unser Frau zue Stawden im Trafeldt, 1493 Dorf Stawden, 1567 bey vnnser Frauen an der Staudentz. Der jetzige Name rtihrt daher, dass sich mit der Zeit Gehofte um die Kirche (slov. cerkev, cirkev) bildeten, nach- dem aus den alten Bezeichnungen zu ersehen ist, dass sich das Gotteshaus zuerst isoliert befunden haben muss, denn der Sage nach wurde die Kirche gebaut, als die Mutter Gottes in einer Staude (slov. v grmovji) erschienen sei. Die entfernteren Umivohner werden die ersten Ansiedler nachst der Kirche »cirkovci, cirkovčani« (Kirchdorfler) genannt haben, was sodann zum Verschwinden des deutschen Namens »Stauden« fulirte und auch in den ausschliesslichen Gebrauch im Deutschen ubergieng, zumal durch das Schivinden des Ge- btisches der alte Name illusorisch wurde. Da aber die Bezeichnungen v. J. 1237 und 1249 darauf schliessen lassen, dass sich auf diesem Gebiete schon ehedem eine Ortschaft befand, so ist anzunehmen, dass die damalige slovenische Bezeichnung »Grmovje« oder »Brezje« (analog wie Frau Stauden) gewesen sein wird. Der Begriff »cirkovce« ist der eigenthche Gattungsname fiir das deutsche »Kirchdorf«, obschon der Slovene diesbezilglich nicht so genau unterscheidet wie etwa der Russe, der das Dorf ohne Kirche »derevnja«, das Dorf mit Kirche aber »selo« nennt. ‘) Aus der Sammlung des sprachwissenschaftlichen Materials des O. Caf. 101 In Zirkowitz wurde am 20. Juni 1850 knapp an der Dorfstrasse ein Topf, enthaltend 41 Goldmiinzen, vergraben gefunden. Nachdem alle diese Miinzen die Bildnisse der ersten romischen Imperatoren tragen (die jiingste darunter ist aus der Zeit Domitians, gest. i. J. 96 n. Chr.) und diejenigen der alteren Pragezeit (z. B. die des Tiberius) ziemlich abgeniltzt, die aus spaterer Zeit aber sehr gut erhalten waren, so ist anzunehmen, dass sie vielleicht schon um das Jahr 100 n. Chr. vergraben worden seien. Es ergibt sich daraus die Tatsache, dass schon zu Romerzeiten hier eine Ansiedlung bestanden liaben muss; wer aber hier wohnte und welchem Volksstamme derjenige angehorte, welcher die Thesaurierung seines Geldes in die Erde verlegte, dariiber gibt dieser Fund keinen Aufschluss. 1 ) Zwettendorf» $lov. Serkovce. (5 km drauabwarts von Marburg, rechtes Ufer.) Schon vor dem Jahre 1145 miissen diesen Ort die Spon- heime besessen haben, denn Grafin Kunigunde von Sponheim widmete um diese Zeit Zwettendori dem Salzburger Capitel. 2 ) Der Ortsname selbst machte im Mittelalter verschiedene Wandlungen durch, denn 1161 lautete der Ort: Werchendorf, 1190 Werchendorf super Drauum, 1252 Zvveckendorf prope Marchburg, 1265 Zvverkendorf, 1300 Werchendorf, 1322 Zwer- kendorf, 1457 Zwittendorf, 1490 Zwettendort. Der slovenišche Name lautete 1820 Zerkoze (in den da- maligen Lettern). *) Mitteilung des Franz Toplak, jetzigen Pfarrers in St. Leonhard bei Gross-Sonntag an die »Novice« i. J. 1850. In der Pfarre Zirkowitz soli wiederholt Geld ausgegraben worden sein, doch werden solche F'alle strenge geheim gehalten, weil die Leute dieser Gegend die gesetzlichen Bestimmungen iiber Schatzfunde nicht kennen und glauben, sie miissen alles Gefundene an die Behordcn ohne jede Compensation abgeben. Eine Belehrung iiber das Verhalten in solchen Fallen ware sehr am Platze, da einerseits bei der geheimen Verschleppung der Miinzen meist der Finder benachteiligt wird, andererseits aber der Wissenschaft unter solchen Umstanden ein oft sehr vvertvoller Beweis entgehen kann. 2 ) Zahn, Urkundcnbuch d. H. Steiermark I. p. 429, 434 u. 708. 102 Die sprachliche Erklarung des fur die Benennung dieses Ortes grundlegenden Begriffes ist in bestimmter Weise schwer zu geben, wahrscheinlich ist aber das slovenische Wort »cvirki« audi »cverki« (Knoppern), weiche Bezeichnung in dieser Ge- gend ehedem gebrauchlich ivar, 1 ) fur die Bildung des Orts- namens massgebend gewesen; die Vorbedingungen hiezu waren vollends vorhanden, da die Gegend einst ausgedehnte Eichen- waldungen aufwies und man gerade auf dem heutigen Gebiete von Zwettendorf sehr viele, fiir die Gerberei erforderliche Knoppern vorgefunden haben mochte; die Gerber von Marburg werden in dieser Gegend ihren Bedarf an Knoppern gedeckt haben und gaben der Localitat ihren charakterisierenden Namen zum Zwecke der Orientierung. 2 ) Als sich aber spater hier eine Niederlassung bildete, gieng die bisherige Bezeichnung auch auf diese liber. ’) Aub der Sammlung des sprachwissenschaftlichen Materiales des O. Caf. -) Das Gerbergewerbe findet sich bči allen Volkern des Alter- tums, sowie auch bei den meisten uncultiviertcn Stammen von heute vor. So wird z. B. der Gerber Simon ausjoppein der Apostelgeschichte envahnt; Reisende fanden bei den wilden Volkern eine nahezu vollen- dete Kenntnis des Gerbprozesses. Wilhelm Blanke o o o Buchhcmdlung o o o ITIarburg a, D. Gmpfiehlf sich als o o billigsfe und rdmellffe Bezugsguelle fiir o o o Biicher, o o o o Zeiffcfiriffen, o o Floten, oooo Papierwaren und o Buchdruck= flrbeifen. fluskunffe grafis und franko. COBISS NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA