poZlnins plsösns v xolovini. Nr. 36. Erscheint jeden 1., 10. und 20. 4. (19.) Jahrgang. Organ der Gottscheer Sauernpartei. ZLezugspreisc: Jugoslawien: ganzjährig 25 Din, halbjährig 12'50 Dm. D.-Oesterrei»: ganzjährig 34 Din, halbjährig 17 — Din. Amerika: 2'50 Dollar. — Einzelne Nummern 60 Para. Mittwoch, den 20. September 1922. Briefe ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt. — Zuschriften werden nicht zurückgestellt. — Berichte find an die Schriftleitung zu senden. — Anzeigen-Aufnahme und -Berechnung bei Herrn Carl Erker in Kocevj«. Zur Gründung der Ortsgruppe Gottjchee des schwäbisch-deutschen Kulturbundes. Verrauscht sind die Festtage anläßlich der Grün¬ dung der Ortsgruppe Gottschee des schwäbisch, deutschen Kulturbundes und wenn wir auf die frohen Tage zurückblicken, so können wir mit Genug¬ tuung seststellen, daß der Erfolg nicht so sehr ein äußerlicher, als vielmehr ein innerlicher war. Schon lange erwarteten wir unsere Volksgenoffen aus der Wojwodina und als ihr Kommen in sichere Aussicht gestellt wurde, jubelte die ganze Gottscheer Bevöl- kerüng auf, galt es doch seit unserer Staatengrün¬ dung unsere Volksgenossen aus dem Osten das erstemal zu begrüßen und ihnen in brüderlicher Einigkeit die Hand zu drücken. Doch nicht nur eine flüchtige Begrüßung sollte der Besuch bedeuten, sondern vielmehr die Anbahnung eines einheit lichen Zusammenstehens aller unserer Volksgenossen in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Der Fest- ausschuß, der sich in unserer Stadt zusammenge- setzt hat, um die beabsichtigte Gründung würdevoll und ohne Hindernisse vorzuberciten, kann mit Be¬ friedigung auf seine vollzogene Arbeit zurückblickcn, da die Vorbereitungsarbeiten derart durchgeführl worden sind, daß da» ganze Festprogramm klappte. Mit dem Nachmittagszuge des 7. September l. I. konnten die Gottscheer Sänger die ersten Fest¬ gäste aus Ptuj und Ljubljana begrüßen, während die Banater Freunde und Gäste aus Maribor und Celje mit dem Abendzuge in unserer Stadt eintrafen, wo sie von einer zahlreichen und freude- bewegtes Volksmenge schlicht, aber aus ehrlichem Herzen begrüßt worden sind. Den Abschluß des ersten Abendes bilde eine gemütliche Zusammen- kunft im Gasthause des Herrn Eduard Tomitsch, wo die Gottscheer und Gäste zum erstenmal die Bruderhände tauschten und bei einzelnen Sänger- vorträgen zarte Freundschaftsbande knüpften. Am 8. September wurde in der hiesigen Stadt¬ pfarrkirche aus Anlaß der Gründung der Orts¬ gruppe und unter Anwesenheit der Gäste und vieler andächtiger Zuhörer von dem Herrn Dechant Erker unter zahlreicher Assistenz ein feierliches Hochamt gelesen. Nach dem Hochamte versammelten sich die Teilnehmer im Hotel „Stadt Triest", um der Ortsgruppengründung beizuwohnen. Der Rus an unsere Bevölkerung, sich an dem Gründungsakte zahlreich zu beteiligen, hatte verständige Herzen ge- funden und war die Beteiligung aus Stadt und Land eine so große, daß sich die Räumlichkeiten des Saales als viel zu klein erwiesen, um alle Teilnehmer aufzunehmen, daher die Versammlung im Garten abgehalten werden mußte. Als der Proponent der zu gründenden Ortsgruppe um 11 Uhr vormittags die Versammlung eröffnete, konnte er mit Freude feststellen, daß die Gottscheer aus allen Gemeinden herbeigeeilt sind, um dem wichtigen Akte beizuwohnen. Einstimmig zum Vorsitzenden gewählt, begrüßte sodann Dr Arko den Regierungs¬ vertreter und die erschienenen Gäste und erteilte als erstem Redner Herrn Hofrat Dr. Georg Graßl, Bundessekretär der Bundesleitung des schwäbisch¬ deutschen Kulturbundes, das Wort. Von oftigem Beifalle unterbrochen entwickelte der Herr Bundes¬ sekretär in dreiviertelstündiger formvollendeter Rede das Programm des Kulturbundes mit der Auf¬ forderung, es mögen sich alle Deutschen Jugo- slaviens in wirtschaftlichen und kulturellen Belangen in diesem Bunde treffen, da auf diesem Gebiete nur durch das Einstehen aller etwas erreicht werden kann. Herr Dr. Graßl überbrachte auch die Brüder- grüße der schwäbischen Volksgenossen mit der Be¬ lobung, daß dieselben uns die dargereichte Bruder¬ hand solange nicht entziehen werden als wir die- selbe zu halten gewillt sind. Stürmischer Jubel folgt den Worten des Bundessekretärs und werden dieselben noch lange Zeit in unseren Herzen nach¬ hallen. Der Obmann der Gottscheer Bauernpartei Herr Jakob Fritz dankte dem Vorredner für seine trefflichen Ausführungen und ermahnte die Gott« scheer, einig zu fein und sich mit den Brüdern au« dem Banate zu vereinigen. Ebenso wie Herr Dr. Graßl schilderte auch der zweite Banater Gast Herr Dr. Neuner, Landesgerichtsrat in Palanka, die Ziele des Kulturbundes und schloß seine ge- fühlvolle Rede mit einem Appell an die Zuhörer, sie mögen sich stets eingedenk bleiben, daß sie Deutsche sind und auch die Heranwachsende Jugend in deutschem Sinne erziehen. Reichlicher Beifall folgte auch dieser Rede und als der Vorsitzende an die Versammelten die Frage richtete, ob sie eine Ortsgruppe Gottschee des schwäbisch-deutschen Kulturbundes gründen wollen, erscholl ein mehr¬ hundertfaches begeisterte«, „einstimmiges Ja", so daß hiemit die erste Ortsgruppe des Kulturbundes in Slowenien gegründet war. In den Vereinaus- schuß wurden über Antrag des Herrn Dr. Georg Röthel nachstehende Herren einstimmig gewählt: Obmann Dr. Hans Arko, Schriftwart Dr. Richard Rom, Säckelwart Gastwirt Viktor Petsche, 1. Rech¬ nungsprüfer Viktor Loser, 2. Rechnungsprüfer Georg Mille. Als sich zum Punkte Allfälliges niemand mehr zu Worte meldete, schloß der neu- gewählte Obmann unter Dankesworten an die Versammelten sowie an die Banater Gäste die so eindrucksvoll verlaufene Versammlung. Nachmittags um 2 Uhr fand im Saale des Hotels Stadt Triest ein Festbankett mit 68 Ge¬ decken statt. Nach dem Festessen eröffnete den Reigen der Ansprachen Herr Dr. Georg Röthel. er dankte nochmals den Gästen für ihr Erscheinen und drückte die Hoffnung aus, daß wir die Gäste nicht das letztemal gesehen haben, und beendete seine Rede mit einem gediegenen, selbstverfaßten Gelegenheitsgedichte an dieselben. Herr Dr. Graßl dankte für die liebevolle Aufnahme, die er in unserem Städtchen gefunden, und gab das Ver¬ sprechen ab, unser Ländchen noch öfters aufzu- suchen. Der Obmann der Gottscheer Bauernpartei Herr Jak. Fritz hielt zuerst eine Rede in deutscher Sprache, worin er darlegte, daß wir den Kultur¬ bund unterstützen müssen und daß er für seine Person stets bereit ist, dieses mächtige Bollwerk tatkräftigst zu unterstützen. Später setzte er seine Rede zum Gefallen der lieben Gäste in gotischer- sicher Mundart fort und erntete hiebei großen Beifall. In Vertretung der Gottscheer Bauern¬ schaft meldete sich sodann Herr Rudolf Tanke aus Grafenfeld zu Worte und dankte zunächst für die Grüße, die den Gottscheern von den Ba¬ nater Brüdern übermittelt worden sind, und knüpfte daran die Hoffnung, daß der Bund zwischen Ost und Nord ein dauernder bleiben und beiden Teilen zum Segen gereichen möge. Im Namen der Gäste aus Slowenien sprach Herr Sixtus Fichtenau, Advokat in Ptuj, und gab die Ver¬ sicherung ab, daß die Deutschen in Slowenien die erste Ortsgruppengründung in Slowenien be¬ grüßen und sich, solange es die Verhältnisse nicht anders erlauben, als lebendige Mitglieder dieser Ortsgruppe betrachten. Auch die Gottscheer Geist¬ lichkeit gab durch ihre beiden Vertreter die Hochw. Herren Josef Erker, Pfarrer in Mösel, und Josef Eppich, Pfarrer in Mitterdorf, die bündige Er¬ klärung ab, daß sie gewillt ist, für unsere gute Sache einzutreten und mit unserem Volke mit¬ zuarbeiten. Herr Mediziner Alfons Hönigmann übermittelte die Grüße der akademischen Jugend in schwungvoller Rede und versicherte, daß die¬ selbe nach wie vor bereit ist, die Belange des deutschen Volkes in jeder Hinsicht zu vertreten. An die einzelnen Reden schlossen sich Gesangvor- träge der anwesenden Sänger, die sich durch ihr exaktes Singen wohlverdienten Beifall holten.. Schließlich würzte Herr Bundessekretär Dr. Graßl die Festtafel durch einen launigen Vortrag auf unser weibliches Geschlecht und hatte dadurch die Lacher bald auf seiner Seite. Am Abend fand bei vollbesetztem Saale ein Konzert des Künstlerpaares Lafite und Röthel- Nostis statt, das in jeder Hinsicht als gelungen zu bezeichnen ist. Einen Triumphzug feierte der Kulturbundge- danke in den nächsten beiden Tagen, als unsere Banater Brüder auch einzelne Gemeinden des Gottscheerlandes mit ihrem Besuche beehrten. — Seite 142. Samstag den 9. September führten die Herren Gebrüder Loser in liebenswürdiger Weise die Gäste nach Rieg, denen sich auch noch einige Herren aus der Stadt anschlossen. Von Rieg ging es nach Göttenitz und von da wieder in die Stadt zurück. Am nächsten Tage fuhren die Gäste wiederum in Begleitung mehrerer Gottscheer Herren nach Mösel, Reintal, Unterdeutschau, Büchl, Nesseltal und zurück. Unvergeßlich bleiben uns die Tage, die wir in den einzelnen Ortschaften zugebracht haben, haben sie uns doch gezeigt, in wie rührender und inniger Anteilnahme unsere Leute die Stammesbrüder erwartet haben, um aus ihrem Munde zu vernehmen, daß sie nicht allein dastehen, daß vielmehr mehrere hundert¬ tausend Volksgenossen mit ihnen Freud und Leid teilen wollen. Unvergeßlich bleiben uns die Augen« blicke, wo wir feuchten Auges gesehen haben, wie sich unsere Herzen zu den Herzen der Gäste hin¬ gezogen .gefühlt haben und wie innig unsere Zu¬ neigung von der anderen Seite erwidert wurde. Die Gründung der Ortsgruppe Gottschee des schwäbisch-deutschen Kulturbundes bildet einen Markstein in der Geschichte unseres Ländchens. Es soll uns nicht genügen, daß wir die Orts¬ gruppe gegründet haben, vielmehr müssen wir gerade jetzt nHt frischem Mut und Eifer daran gehen, auf dem Grundsteine, den wir gelegt haben, das Gebäude aufzurichten zu Nutz und Frommen unseres Ländchens. Jeder Gottscheer soll zu diesem Baue sein Scherflein beitragen, damit wir durch unsere Arbeit ein Gebäude Her¬ stellen, das auf fester Grundlage steht und von niemandem niedergerissen werden kann. Unser Lchulelend. Die Schulserien sind zu Ende gegangen und mit Besorgnis sahen wir Gottscheer aus das neue Schuljahr, da wir aus dem Gebiete der Erziehung- unseres Nachwuchses schon sehr traurige Erfah¬ rungen gemacht haben, die uns zum weiteren Nachdenken anregen. Unsere Besorgnisse waren keine unbegründete. Der schon ost und mit Recht angefochtene Beschluß des Oberschulrates in Ljub¬ ljana, wonach die Eltern aus gemischten Ehen ihre Kinder unbedingt in slowenische Schulen schicken müssen, hat im heurigen Jahre eine Aus¬ legung erfahren, welche jedem menschlichen und auch dem gesetzlichen Rechte Hohn spricht. Nicht genug, daß Kinder aus Mischehen letzter Gene¬ ration, auch wenn sie kein Wort der Staatssprache sprechen, gegen ihren Willen in die slowenischen Klassen gestecki werden, hat bei der heurigen Ein¬ schreibung die hiesige Schulleitung der deutschen Abteilung mit den Eltern der einzuschreibenden Kindern ein regelrechtes Verhör unternommen, um aus denselben herauszubekommen, ob nicht ein Teil der Urvorfahren jemals nichtdeutscher Abstammung war. Diese Auslegung eines Beschlusses ist bereits ein Hohn aus das Selbstbestimmungsrecht der Eltern, doch wird die Sache noch hohnvoller dadurch, daß die Schulleitung ungehindert Schüler echt deutscher Abstammung deshalb in die sloweni¬ schen Klassen überwiesen hat, weil deren Namen einen slawischen Klang hat. Wir protestieren mit Entschiedenheit gegen eine solche Knebelung der deutschen Kinder, da sie nicht diese Früchte zeitigen wird, welche sich die Veranstalter dieser Maßregeln hievon versprechen. Wir protestieren dagegen auch deshalb, weil wir mit gutem Rechte verlangen können, daß deutsche Kinder in ihrer Muttersprache erzogen werden, da sie sonst in geistiger und sittlicher Hinsicht verkümmern müssen. Es scheint uns aber, daß in der gepflogenen Praktik eine Absicht liegt, die das deutsche Schulwesen in der Stadt überhaupt aus den Boden werfen soll. Durch Überweisung der deutschen Kinder in die slowenischen Klassen soll die gesetzliche Mindestzahl für die Haltung deutscher Klassen herabgedrückt werden und wenn Gottscheer Zeitung — Nr. 36. dies erreicht ist, so sollen die deutschen Klassen in der Stadt überhaupt gesperrt werden, damit das Deutsche so zumindest aus den Schulen ver¬ schwindet. Doch auch die Erziehung unserer Kinder in den deutschen Klassen entspricht nicht den Erfor¬ dernissen, die der Unterricht in deutschen Klassen vorschreibt. Wir haben bereits wiederholt in unserem Blatte darauf hingewiesen, daß nur ein Lehrer derselben Sprache die Kinder deutsch erziehen kann, da er das Wesen der Kinder versteht und seinen Unterricht dementsprechend einteilt. Er pflanzt den Kindern die Liebe zu dem Volksstamme ein und bringt ihnen das Wesen der Muttersprache bei, sowie die Bedeutung derselben. An unseren deutschen Schulen müssen wir die traurige Wahrnehmung machen, daß der Unterricht von anderssprachigen Lehrkräften erteilt wird, die nicht einmal der deutschen Sprache mächtig sind. In dieser Hinsicht wird es tcotz unserer wiederholten Beschwerden nicht besser, sondern immer schlechter. Die deutschen Lehrkräfte werden abgezogen und an ihre Stellen rücken selbstverständlich andersprachige vor. Daß bei einem derartigen Stande auch unsere deutschen Kinder in den deutschen Klassen geistig nicht gehoben werden, ist jedermann einleuchtend. Auch diese Kinder werden in den Geist ihrer Muttersprache Nicht eindringen. Es entsteht nun die Frage, wie den angeführten Übelständen abzuhelfen ist. In erster Linie müssen wir nochmals an den Oberschulrat herantreten und dortselbst die Übelstände zu beseitigen suchen, andererseits aber dürfen auch wir nicht die Hände in den Schoß legen und die Sache auf sich beruhen lassen. Wir müssen zur Selbsthilfe greifen und unseren armen Kindern durch Nachhilfe in dem Unterrichte durch eine geprüfte Lehrkraft zu Helsen trachten, damit dieselben in ihrer Muttersprache genügend unterrichtet werden und nicht verkümmern. In diesem Zusammenhänge möchten wir an die Leitung der Ortsgruppe Gottschee des schwäbisch¬ deutschen Kulturbundes als der berufenen Behörde in Schulsachen mit dem Ersuchen herantreten, die Schulsache in die Hand zu nehmen und einem gedeihlichen Ende zuzuführen. Den betroffenen Eltern erteilen wir aber den Rat, sich in Schul¬ angelegenheiten unverzüglich an die genannte Orts¬ gruppe zu wenden, da wir die Hoffnung hegen, daß es derselben gelingen wird, in unsere traurigen Schulverhältnisse, wenn auch nicht aufhebend, so zumindest aber lindernd einzugreifen. Drum ihr deutschen Eltern, auf zur Tat! Sonntag den 15. Oktober um 9 Uhr vormittags im Hole! „Stadt Triest" außerordentliche Hauptversammlung des Allg. Ein- und Verkaufsvereines/ Tagesordnung: 1. Die Ratifikation der Enthebung des Vor¬ standes, die im Sinne des Z 14 der Statuten erfolgte. 2. Beschlußfassung über die einzuleitenden Schritte gegenüber dem Vorstande. 3. Nach Z 19 Antrag auf Liquidierung der Genossenschaft. Sollte die für 9 Uhr anberaumte Versamm¬ lung nicht beschlußfähig sein, so findet eine halbe Stunde später eine zweite Versammlung statt, die ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden be¬ schlußfähig ist, Der Aufsichtsrat. Aus Stadt und Land. KoLevje. (Den Bund fürs Leben) haben Sonntag den 17. d. M. geschlossen Fräulen Anny Schwarzer, Tochter des Rechnungsführers beim hiesigen Auerspergschen Forstamte Herrn Ferdi¬ nand Schwarzer, mit Herrn Leo Sterbenz, Be¬ amter der Zentralbank in Amstetten. Dem jung¬ vermählten Paare unseren Glückwunsch! — (Todesfall?- A' > ,.oer um halb 8 Uhr abenl > er,^o in Wien der Kauf¬ Jahrgang V. mann Ernst Rom im blühendsten Alter von 31 Jahren. Vor ungefähr einem Monate noch weilte Herr Ernst Rom zu kurzem Besuche in unserem Städtchen. Der schmerbetroffenen Familie unser aufrichtigstes Beileid! — (Hauptversammlung.) Die diesjäh¬ rige Hauptversammlung des „Deutschen Lesever¬ eines" in KoLevje findet am 1. Oktober um 3 Uhr nachmittags im Gasthause des Herrn Lorenz Hönigmann (Gruber) statt und werden die Mit¬ glieder und Freunde desselben höflichst eingeladen, sich an der Versammlung zahlreich zu beteiligen. Der Ausschuß. — (Akademiker-Abend.) Samstag den 9. September veranstalteten die hiesigen Akademiker ihren diesjährigen Unterhaltungsabend. Das reich¬ haltige Programm bot außer Viergesängen auch Einzelsänge und Einzeltänze. Frau Bezirkshaupt, mann Ogrin brachte mit ihrer sehr sympathischen Stimme einige sehr hübsche Lieder zum Vortrage. Herr phil. Rus, mit seinem mächtigen, umfang- reichen Baryton erntete allgemeines Lob. Nach Abwicklung oes Programmes trat der Tanz in seine Rechie und sehr ungern schied man, obzwar schon in vorgerückter Siunde voneinander. KoLevska Weka. (Kulturbund.) Für den 9. September wurden uns liebe Gäste aus dem Banat angeküudet. Schwer haben wir den Tag erwartet, an welchem der Besuch endlich Tatsache werden sollte, denn wir konnten es lacht unterlassen, diesen unseren lieben Stammesverwandten einen recht warmen Empfang zu bereiten und so war es auch, bis aus den lieben Wetterhimmel, der nach Mög¬ lichkeit trachtete, den in allem gut vorbereiteten Empfang und die Freude zu kürzen. Schon um 9 Uhr vormittags erwarteten wir und mit uns unsere nächstgelegenen Nachbarn, fast die ganzen Einwohner der umliegenden Dörfer, trotz strömenden Regens die Gäste. Unsere Ge¬ duld wurde auf eine Harle Probe gestellt, da um 9 Uhr von dem Eintreffen derselben noch keine Rede war und der Regen weiter anhilt, weswegen sich auch ein Teil der Erwartenden entfernte, aber noch immer blieb eine ansehnliche Menge zurück mit dem Bewußtsein, daß der Schwabe auch vor Strapazen nicht zurückschreckt ,um ein vorgestecktes Ziel zu erreichen, und so ivar es auch. Um halb 11 Uhr trafen die Erwarteten in Begleitung mehrerer Herren aus der Stadt ein, begrüßt mit einem nicht endenwollenden Heilrufe. Warme Händedrücke mit herzlichen Begrüßungs¬ worten mußten fürs Erste genügen infolge des noch immer anhaltenden Regens. Der Besuch wurde sodann in das Gasthaus Lackner geleitet unter Nachdrängeu der Menge. Die lieben Gäste nahmen Platz, umringt von den Ortsältesten und Tüchtigsten von Rieg und Umgebung, neugierig aus das Kommende. Nun erhob sich die große imposante Gestalt eines Schwaben: warme Worte des Dankes für den allerliebsten Empfang waren sein Erstes. Er erzählte uns von seiner schönen Heimat vieles, sprach von den dortigen Gebräuchen und Sitten und nicht zuletzt von dem Zusammen¬ schlüsse aller Schwaben in den schwäbisch-deutschen Kulturbund, lud uns zum Beitritte in diesen Bund ein, versprach uns kräftige Hilfe mit seinem Volke zu bringen, sprach von seinem neuen Vaterlande, sprach von Pflichten und Rechte und so manche Träne versuchte durch gerunzelte Wangen sich einen Weg zu bahnen. Den Ausführungen wurde durch warme Worte aus der Runde Anerkennung und Dank gezollt und versprochen, die dargereichte Bruderhand fest zu erfassen und in allen kulturellen und wirtschaftlichen Fragen Leid und Freud zu teilen. Ein kräftiges, schon vorbereitetes Mittagessen, mit welchem auch der Verwöhnteste auf seine Rech¬ nung gekommen wäre, und einige Liter allerbesten Rebensaftes wurden hierauf gemeinsam verzehrt. Unsere Wirtin und mehrere Rieger haben hier ihr Bestes geleistet. Hierauf sangen junge Mädchen und Burschen einige sehr gutgebrachte Gottscheer- lieder. Jahrgang lV. Gottscheer Zeitung — Nr. 36. Seite 143. llm 2 Uhr verließen uns unsere lieben Gäste, da in ihrem Programm auch Göttenitz geschrieben stand. Wir ließen sie gerne ziehen, da wir auch vom Herzen den Göttenitzern diesen Besuch wünschten. Um 6 Uhr abends trafen diese, sicherlich be¬ friedigt von Göttenitz in Rieg ein, noch ein kurzer Besuch in Lackners Gasthaus, zum Abschied einige hübsche Lieder und der letzte Gruß: Wann wir auseinander gehen, sorgen wir aufs Wiedersehen. Gotenica. (Einen lieben Besuch) hatten wir am 9. September. Schwäbische Brüder, die zur Mündung des Schwäbisch-deutschen Kultur- bundes nach Goltschee gekommen waren, besuchten auch uns. Als wir zwei Tage vorher davon Nachricht erhielten, war die ganze Ortschaft freu¬ dig gestimmt. Am nächsten Tage wurden sofort mehrere mit Kränzen geschmückte Ehrenpforten aufgestellt. Obwohl es am 9. September in Strö¬ men regnete, empfingen doch weiß gekleidete Mäd¬ chen 1 km außerhalb der Ortschaft mit Blumen¬ sträußen die ersehnten Gäste. In der Ortschaft selbst mar alles zusammengeströmt und begrüßte begeistert die Herren. Die imponierende und doch so biedere Gestalt des Herrn Hofrates Dr. Graßl, die Weichheit seiner Sprache und die lieben Worte, die er zu uns sprach, nahmen so¬ fort alle Herzen gefangen. So innerlich begeistert, so freüdig gestimmt, waren wir Göttenitzer noch nie. Leider währte der Aufenthalt in unserer Ortschaft viel zu kurze Zeit. Wir hätten noch gerne Stunden lang den Worten unserer lieben Gäste gelauscht, hätten noch gerne lange mit ihnen gemütlich geplaudert. Dieser Tag bleibt uns zeitlebens in angenehmster Erinnerung. Wir haben die schwäbische Bruderhand erfaßt und wollen sie nie mehr loslassen. Wir danken unseren Brüdern aus dem Banate und der Batschka recht herzlich für ihren Besuch und bitten sie, recht bald wieder zu uns zu kommen. Wozelj. (Besuch unserer schwäbischen Brüder.) Sonntag den 10. September besuchten uns Herr Hofrat Dr. Graßl und Herr Landes¬ gerichtsrat Dr. Neuner aus der Wojwodina. Sie kamen in Begleitung einiger Herren aus Maribor, Ptuj, Celje und Kočevje um halb 10 Uhr vor¬ mittags in Mösel an, wo sie von der versam¬ melten Volksmenge inir einem gesungenen „Grüß Gott" empfangen wurden. Herr Bürgermeister Peter Lackner begrüßte die Gäste in einer kurzen und gediegenen Ansprache und hieß sie herzlich willkommen. Von dem Empfange sichtlich gerührt ergriff hierauf Herr Dr. Graßl das Wort, dankte für den überaus herzlichen Empfang und schil¬ derte in längerer Rede die Verhältnisse im Schwa¬ benlande. Mit einem Hoch auf die Gottscheer und schwäbischen Brüder schloß er seine Aus¬ führungen, für die ihm die versammelte Volks¬ menge mit langandauerndem Beifall dankte. Hie¬ rauf ergriff Herr Dr. Neuner das Wort. Seine überaus herzlichen Ausführungen verursachten manch nasses Auge. Mit einem Hoch auf die Brüderlichkeit beider Stämme schloß auch er seine Rede, worauf die Feuerwehrmusikkapelle die Got- tscheer Hymne spielte, welche von den Anwesen¬ den begeistert mitgesungen wurde. Her^ Pfarrer Erker lud sodann die Herren zu einem Gabelfrühstück ein, das im Gasthause des Herrn Jonke für die Gäste bereitet worden war. Im lustigen Tischgespräch, im Singen von Liedern und in kernigen Trinksprüchen verstrich schnell die Zeit, so daß an das Weiterfahren ge¬ dacht werden mußte. In sehr herzlichen Worten dankte Herr Dr. Graßl nochmals für den schönen Empfang und mit der Hoffnung auf baldigen Wiederbesuch oder Gegenbesuch verabschiedeten sich die lieben Gäste von den zahlreich versammelten Gemeindeinsassen. Es war ein bedeutungsvoller, schöner Tag, der gewiß jedem noch lange in Erinnerung bleiben wird. Hlajudok. (Auf der Durchreise) nach Unterdeutschau, von Mösel kommend, hielten Sonntag den 10. d. M. die Herren Dr. Graßl und Dr. Neuner aus der Wojwodina zu kurzem Aufenthalte bei uns an und wurden von den Ortsinsassen begeistert begrüßt. Herr Ortsvor- steher Johann Weiß begrüßte die schwäbischen Gäste und hieß sie herzlich willkommen. Herr . Dr. Graßl dankte für den schönen Empfang, rich¬ tete sodann an die Anwesenden einige Worte und gab dem Bedauern Ausdruck, daß er nicht län¬ gere Zeit hier verweilen könne, da noch Unter¬ deutschau und Nesseltal auf dem Programm der heutigen Besuche stehen. Mit einem herzlichen Lebewohl, das von den Anwesenden ebenso er¬ widert wurde, verabschiedeten sich die Gäste und setzten ihre Fahrt nach Unterdeutschau fort. Es war uns eine besondere Genugtuung, unsere schwäbischen Brüder einmal kennen ge¬ lernt zu haben. Hlemäkaloka. (Besuch.) Eine ganz beson¬ dere Freude erweckte in uns der Besuch des Bundessekretärs des schwäbisch-deutschen Kultur¬ bundes, des Herrn Dr. Graßl und des Herrn Dr. Neuner aus dem Banat, der uns Sonntag den 10. September um 1 Uhr nachmittags zuteil wurde. Die Gäste wurden von der versammelten Volksmenge mit Gesang empfangen, worauf Herr Johann Meditz mit warmen Worten an die Gäste den Willkommengruß richtete. Herr Dr. Graßl dankte für den innigen Empfang und richtete an die Versammelten eine gediegene Ansprache, in welcher er die Verhältnisse seiner Heimat schil¬ derte und die von den Anwesenden mit großer Begeisterung ausgenommen wurde. Er gedachte in seiner Rede des schönen Empfanges in Mösel und Reintal, der ihm nun auch hier in Unter¬ deutschau mit der gleichen Herzlichkeit zuteil wird. Die Gäste wurden von den Ortsinsassen mit Eigenbau, Trauben und Pfirsichen bewirtet. Unter der alten Linde beim Brunnen nahmen die Gäste Platz zu einem kurzen Aufenthalte und im ge¬ mütlichen Plausch, bei einem guten Tropfen Eigen¬ bau, rückte nur zu rasch die Stunde heran, wo wir von unseren schwäbischen Brüdern Abschied nehmen mußten. Befriedigt, daß wir die lieben Gäste kennen gelernt haben, doch traurig, daß sie so schnell wieder von uns scheiden mußten, sahen wir dem Wagen nach, der sie nach Nessel- tal sühne. Für uns alle war es ein Festtag, der jung und alt für immer in Erinnerung bleiben wird. — (Höher geht's nimmer.) Am 10. d. M. kam nach Abfahrt der Kulturbundherren ein Gendarm aus Ncsseltal per Rad in unsere Ort¬ schaft und besichtigte die Ehrenpforte, die wir zum Empfange unserer lieben Gäste in der Ort¬ schaft aufgestellt hatten und beanständete die aus Eichenlaub angefertigten Eichenlaubkränze am Ein¬ gänge der Ortschaft, ließ dieselben sofort abnehmen und übergab ste dem Gemeindeamte zur Aufbe¬ wahrung. Auch die Aufschrift „Herzlich willkom¬ men" fand keineswegs seinen Beifall, da er auf derselben die Frankfurter Farben entdeckt haben will. Zur Erklärung fügen wir bei, daß die Schrift in roten Buchstaben auf weißem Grunde ausgefertigt war, umgeben von Eichenblättern. Wir glauben, daß man beim besten Willen und mit den schärfsten Augen die behauptete Zusam¬ mensetzung nicht herausfinden kann. Anfänglich haben die Leute über das sonderbare Gebaren des Herrn Gendarm gelacht, der so aufgeregt war, daß er am ganzen Körper zitterte und kaum zu sprechen vermochte, schließlich schüttelten die Anwesenden die Köpfe und gingen ruhig ausein¬ ander, obwohl sich im Innern jeder seinen Teil gedacht haben wird. Um auf das Eichenlaub¬ gewinde zurückzukommen, erwähnen wir noch, daß dieses absolut keinen Anstand erweckte, als die Herren Minister Pucelj und Hribar anläßlich der Besichtigung der zu bauenden Bahnstrecke unseren Ort passierten, wo wir auch ihnen eine Ehrenpforte mit Eichenkränzen errichtet haben. Aber wenn man für zwei das Gleiche tut, so ist es eben nicht das Gleiche. Die Eichenkränze wurden nächsten Tag als corpus delikti an die Bezirkshauptmannschaft in Kočevje eingesendet und wir erwarten nunmehr die Fortsetzuug dieses Schauerromanes. Koprivnik. (Lieber Besuch.) Der Nach- mittag des 10. September 1922 wird in der Chronik von Nesseltal mit goldenen Lettern ein¬ geschrieben sein und der Pfarrgemeinde in steter Erinnerung bleiben. In unserer freundlichen Ort¬ schaft ist am genannten Nachmittage ein Fest ge¬ feiert worden, so großartig, so herzlich, so schön in seiner Art, wie ein solches noch nie stattge¬ funden hat. Auf die Nachricht hin, daß uns un¬ sere schwäbischen Brüder aus dem Banat mit ihrem Besuche beehren werden, hatte sich vor dem Eingänge in die Ortschaft eine mehrhundertköpfige Volksmenge, bestehend aus Greisen, Männern, Burschen, Greisinnen, Frauen, Mädchen und Kin¬ dern eingefunden, um beim Empfange der illustren Gäste gegenwärtig zu sein und ihnen zuzujubeln. Zu Ehren der zu erwartenden Gäste waren dort zwei Tanncnbäumchen aufgestellt, die eine mit Eichenblättern und verschiedenartigen Herbstblumen umwundene Tafel mit der Aufschrift „Willkom¬ men!" trugen. Was das Volk an äußerem Ge¬ pränge zum Empfange der lieben Gäste nicht leisten konnte, wollte es durch Herzlichkeit, Brü¬ derlichkeit und Sympathiekundgebung ersetzen. Es war kurz vor 2 llhr nachmittags, da marschierten zwei Gendarmen in voller Ausrü¬ stung daher, stellten sich vor dem Ehrenbogen auf und betrachteten denselben mit gestrenger Amts¬ miene. Erwartungsvoll und in lautloser Still« schaute die versammelte Volksmenge auf die Hüter des Gesetzes. „Die Tafel und das Eichenlaub- gewinde mit den Blumen muß herunter", rief Gendarmeriewachtmeister Erjavec erregt aus. Auf die Frage des Ortspfarrers, ob hiezu ein behörd¬ licher Auftrag vorliege, meinte der Patrouillen¬ kommandant, es müsse die Tafel unbedingt ent¬ fernt werden, da sie mit Blumen in den Frank- Verrin8t Lpsrein- Isxen mit unä rsblt äie Invali¬ den- u. Kentensteuer ans eigenem. Koösvjs xeväbrt Knvllils unter kulanteste» Leälngunxsn, übernimmt 8pSI*sinIsigvN ebne 2insverlu,t unä rabit sie über Verlangen sofort aus, übernimmt LÜnIsgvN gSgSN KllnMgUNg, xexen Köbers Vsrrnnsunx, übernimmt usrv. 2ur üilllösunA, Lauft Vslulvn aller Staaten, beson- äers ÜVIiAs* ?u üsn büebstsn Tageskursen. Seite 144. Gottscheer Zeitung — Nr. 36. Jahrgang IV. urter Farben Schwarz-Rot-Gold geschmückt sei. „In das Eichenlaubgewinde", antwortete der Pfarrer, „sind weiße, blaue und rote Astern und Sonnenblumen ohne bestimmte Aneinanderreihung und Zusammenstellung, zerstreut eingeflochten, doch eine schwarze Blume erblicke ich trotz meines be¬ waffneten Auges nicht." „Aber der rote Anfangs¬ buchstabe W im Worte Willkommen und die an¬ deren schwarzen Buchstaben auf der Tafel", meinte der Wachtmeister. „Ja, wenn man so genau und ein bißchen suchsüchtig sein will", erwiderte darauf der Pfarrer, „so kann man die schwarz-rot-gol- denen Farben auch an Ihrem ehrenwerten Ge¬ wände finden, denn Sie tragen einen schwarzen Überschwung, einen roten Aufschlag an Ihren Ärmeln und einen goldenen Knops auf der Achsel." Das scheint den beiden Gendarmen eingeleuchtet zu haben. Nun mußte das Eichenlaubgewinde herhalten, welches, wie der Gendarmeriekorporal PrinLiL anschrie, an das ehemalige Österreich erinnere. Soweit uns das Dienstreglement be- kannt ist, hat ein Gendarm in Gegenwart eines Höherchargierten nichts zu reden, sondern zu schweigen. „Solange der Gebrauch des Eichen¬ laubes gesetzlich noch nicht verboten ist, kann es auch an dieser Tafel seinen Platz einnehmen", antwortete der Pfarrer. Alle vorgebrachten Einwendungen fruchteten nichts, die Aufschriftstafel mit den unschuldigen Herbstblumen und den Eichenblättern wurde kur¬ zerhand „verhaftet" und einige Knaben mußten die für den Empfang der Gäste bestimmten Zier¬ gegenstände als Beweisstück des Verbrechens in die Gemeindekanzlei tragen. Höhnisch lachend und sich vor Freude gegenseitig fast umarmend, hüpften zwei andersnationale Frauen der Gemeindekanzlei zu, um dort die Verhafteten anzustaunen und zu bewundern; diesen folgte der abgedankte Aushilfs¬ lehrer, der die „Verbrecher" grinsend betrachtete und mit tiefer Baßstimme: „Do 80 lumpje!" ausrief. Kein Phanrasiegebilde, lieber Leser, nein, reelle Wirklichkeit, die durch mehrere Zeugen er¬ härtet werden kann. In voller Ausrüstung, ja sogar mit zwei Ba- jonetten versehen, sauste nun der Gendarmerie¬ korporal PriniiL auf seinem Zweirad der Ort¬ schaft Büchel zu, wo die schlichten Leute zum Empfange der Gäste auch zwei mit Eichenlaub umwundene Bäumchen und ein Transparent (Herzlich willkommen I) aufgestellt hatten. Nach¬ dem auch dort die unschuldigen Naturgewächse „verhaftet" worden waren, radelte der Gendarm weiter, Unterdeutschau zu. An der Straße un- weit Oberdeutschau hatten Hirtenknaben zum Zeichen ihrer Freude über die Ankunft der schwä- bischen Gäste, so gut sie es eben verstanden, gleichfalls einen kleinen Ehrenbogen aufgestellt. Auch der mußte niedergeriffen werden. Mit Trä¬ nen in den Augen schauten die Hirten auf das Werk ihrer emsigen Hände. In Unterdeutschau war der Empfang zu Ehren der deutschen Ba- nater schon vorüber, als der Gendarm ankam, aber nichtsdestoweniger wurden auch dort der Transparent und die Eichenblätter „verhaftet" und in die Gemeindekanzlei „abgeführt". Auch nur nebenbei erwähnt: Gendarm PrinLiL ist jener eifrige Hüter des Gesetzes, der zwei Stunden zuvor auf dem Nesseltaler Dorfplatze seinen Über¬ schwung und sein Bajonett dem anderthalbjäh¬ rigen Ludwig Erjavec umschnallte und mit dem so ausgerüsteten Kinde unter dem Gelächter der gerade aus der Kirche kommenden Leute die Ort¬ schaft entlang promenierte. In Nesseltal selbst bemächtigte sich der massen¬ haft angestauteu Menschenmenge, je näher die Stunde der Ankunft der schwäbischen Brüder kam, eine nervöse Unruhe und gewisse Ungeduld. In der allgemeinen Aufregung ertönten nun endlich gegen halb 4 Uhr die vielen Rufe: „Nun kom¬ men sie!" In sehr langsamem Tempo bewegten sich die beiden Wagen der ersehnten Gäste der Ortschaft zu und blieben vor den ihres Schmuckes beraubten Bäumchen stehen. Männer und Bur¬ schen schwangen die Hüte und die Menge brachte stürmische Ovationen aus. Dem ersten Wagen entstiegen Dr. Graßl, Sektionschef a. D., und Gerichtsrat Dr. Neuner, auf die ein förmlicher Blumenregen niederging. Dem zweiten Wagen entstiegen Bekannte und Freunde aus Gottschee, die die Volksmenge herzlich begrüßte. Es herrschte ein Jubel und eine Begeisterung, wie sie unsere Ortschaft noch nicht erlebt hat. Lieb und freundlich lächelnd dankten die Herren nach allen Seiten. Die Nesseltaler Sängerrunde brachte hierauf unter allgemeiner Aufmerksamkeit den Weihegesang Grüß Gott zum Vortrage. Im Namen der Gemeinde begrüßte Gemeindevorsteher Ernst Wüchse die er¬ schienenen Gäste und im Namen der Pfarre hieß Pfarrer Schauer die liebwerten Stammesbrüder recht herzlichst willkommen. Die Schülerin Hilda Tramposch begrüßte im Namen der Schuljugend die beiden Herren aus dem Banat und überreichte dem Bundessekretär Dr. Graßl einen frischen Blu¬ menstrauß. Und nun bot sich uns ein allerliebstes Bild, das wir von Herzen gerne festgehalten hätten. Dr. Graßl, dessen imponierende und sympathische Erscheinung an die alten germanischen Helden¬ gestalten erinnerte, ergriff die Hand des herzigen Mädchens, blickte ihm mit der Liebe eines Vaters in die Augen, beugte sich nieder und drückte dem unschuldigen Kinde einen recht innigen Kuß auf die Stirne. Angesichts dieses rührenden Schau¬ stückes vernahm man aus der Volksmenge ein vielfaches Schluchzen, das sich erst legte, nachdem Dr. Graßl mit tränenerstickter Stimme das Wort ergriffen hatte. Er führte etwa folgendes aus: „Gottscheer! Meine lieben Stammesbrüder und -schwestern! Für den ganz unerwartet be¬ geisterten Empfang, den Ihr uns bereitet habet, danken wir tief gerührt und rufen Euch ein kräf¬ tiges Heil zu. Schon lange haben wir die Stunde herbeigeschnt, die uns zu Euch führen sollte. Die¬ selbe Sprache, dieselben Sitten und Gebräuche haben wir Schwaben mit Euch Gottscheern ge¬ meinsam. Wir sind für alles, was das deutsche Herz empfindet, wie Ihr, von Liebe und Treue ersüllt. Wir lieben das Land unserer Väter, das Land unserer Wiege und Kindheit, das Land der heimatlichen Sprache, Sitten und Bräuche, das Land der geistigen Volksgüter, die wir von un¬ seren Vätern geerbt haben. (Schluß folgt.) Arürm. (Goldene Hochzeit.) Am 12. August d. I. feierte das Ehepaar Paul und He¬ lene Michitjch in Neuhaus (Böhmen) ihr fünfzig¬ jähriges Ehejubiläum. Herr Paul Michilsch, Kauf¬ mann in Ruhe, ist gebürtig aus Eben (üulgo Maisch), seine Gattin aber, geborene Loser, stammt aus Morobitz. Um 7 Uhr früh wohnte das Ju¬ belpaar mit oen drei Töchtern, Schwiegersöhnen, Enkeln und Enkelinnen der heil. Messe ben Hierauf fand eine Festtafel statt, an welcher alle teilnahmen. In froher Stimmung gedachten sie an ihre Lebenszeit zurück, die sie in Freud und Leid, Kummer und Sorge mitsammen verlebten. Durch Fleiß und Sparsamkeit brachten sie es so weil, daß sie in Neuhaus ein schönes Haus er¬ worben haben. In der Stadt erfreuen sie sich allgemeiner Achtung. Der Jubilar steht im 77, seine Gemahlin im 74. Lebensjahre. Beide sind noch körperlich und geistig frisch und gesund zur Freude ihrer Familie. Golt erhalte sie noch lange Jahre! Heil dem Jubelpaar! Verantwortlicher Schriftleiter C. Erker — jrerausoeber und Verleger „Gottscheer Bauernvarter". Buchdruckerei Foies Pavl cek in Utotllchee WLKmssckinen - - ^VakkenrLäer — Oummivvare-- Tudekörteile- ferner sSmtlicbe Lperereiartikel - - xnt nnä biUix der k>sni KoLvvv xezenüder ckem IVuisentiuuse. Aamilie Kom. Vom tiefsten Schmerze gebeugt gibt Frau Agnes Atom im eigenen sowie in Namen ihres Söhnchens Arrest, ihrer Mutter und Schwiegermutter Magdalena Itom hiemit allen Verwand- len und teilnehmenden Freunden Nachricht von dem tiesbetrübenden Hinscheiden ihres innigst- geliebten, unvergeßlichen Gatten, bezw. BatcrS, Sohnes, Bruders, Schwager- und Onkels, des Herrn Für die Anteilnahme anläßlich des herben Verlustes und für die LItsIsIsötlNSSIaU* überaus große Beteiligung am Leichenbegängnisse sowie auch für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir hiemit allen unseren besten Dank. klllZt Hom Kaufman« welcher Dienstag den 5. September 1922 um halb 8 Uhr abends nach kurzem Leiden und Empfang der heil. Sterbesakramente im 31. Lebensjahre selig im Herrn entschlafen ist. Die entseelte Hülle des teuren Verblichenen wird in der Kapelle des Wiener Zentralfried- hoses ausgebahrt, dortselbst am 8. d. M. um 3 Uhr nachmittags feierlichst eingesegnet und sodann im eigenen Grabe zur ewigen Ruhe bestattet. Die heil. Seelenmesse wird Montag den 11. d. M. in der Pfarrkirche zu Maria Treu in der Josefstadt gelesen werden. Wen, am 6. September 1922. kMllM M AM Klimjs Einlagenstand Ende Dezember 1921: IL 35,489.733'55. Zinsfuß für Einlagen (ohne Abzug der Rentensteuer) 4°/o. Zinsfuß für Hypotheken 5 s/s °/o. Das Amtslokal der Sparkasse der Stadt Kočevje be- findet sich im Schloßgebäude am Auerspergplatz. Amtstage jeden Montag und Donnerstag von 8 bis 11 Uhr und an allen Jahrmarkttagen von 9 bis 11 Uhr vormittags.