41813 • 2*7 /■ r ' rj /9-T^^O 1^C~ liber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. / /5l W Inaugural-Dissertation der hohen philosophischen Fakultat der Konigl. bayr. Julius-Maximilians-Universitat Wiirzburg ZU1’ E rlang 11 n g der Doktorwiirde vorgelegt am 19. Juli 1904 von Boris Zarnik aus Laibach. Mit 5 Tafeln und 17 Textflgureu. Jen a. V e r 1 a g von Gustav Fischer. 1904. I ■ liber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. Inaugural-Dissertation der hohen philosophischen Fakultat der Konigl. bayr. Julius-Maximilians -Universitat Wiirzburg z ur Erlangnng der Doktorwiirde vorgelegt am 19. Juli 1904 von Boris Zarnik aus Laibach. Mit 5 Tafelu und 17 Textilguren. Jen a. V e r 1 a g von Gustav Fischer. 1904. 41813 A b d r u c k aus den Zoologischen Jahrbuchern. Bd. 21. Abt. f. Anatomie. 1904. Herausgegeben von Prof. Dr. J. W. Spbngel in Giessen. Verlag von Gustav Fischer, Jena. Nachdruck verbalen. Ubersetzungsrecht vorbehalten. Die Anregung zu dieser Arbeit verdanke ich meinem hoch- verehrten Lehrer, Herrn Prof. Boveei. Es sei mir gestattet, ihm an dieser Stelle fiir die vielen Ratschlage und fur die freundliche Unterstiitzung, die er mir bei der Ausfiihrung dieser Arbeit an- gedeihen liefi, meinen besten Dank auszusprechen. Ihrem nrspriinglichen Plane nach solite diese Arbeit ein G-egen- stiick darstellen zu der NEiDERT-LEiBEidschen Arbeit „Uber Bau und Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane des Amphioxus lanceolatus“. Wie sicb letztere auf die weiblichen, so solite sicb meine Arbeit auf die mannlichen Geschlechtsorgane, die bisher nocli keiner eingehenden Untersuchung nnterzogen worden sind, beziehen. Es lag in der Natur der Sache, dafl nun auch eine Vergleichung der beiderlei Geschlechtsorgane vorgenommen wurde, und hierzu muBte ich spater meine Untersuchung auch auf die Weibchen aus- delinen, wobei ich in einigen Punkten zu andern Resultaten gelangte als die beiden genannten Autoren; ich fand es daher notwendig, auch die Ovarien, vor allem ihre Entwicklung, einer eingehenden Besprechung zu unterziehen. AuBerdem untersuchte ich nocli den Prozefi der Entleerung der Geschlechtsprodukte. 1 2 Boris Zarnik, Material und Technik. Die Tiere, an denen ich meine Untersuchungen vornahm, stammten zum groBten Teil aus Neapel; aufierdem liatte ich mehrere Helgo- lander Exemplare und einige von der hretonischen Kiiste. Herr Prof. Bo veki liatte die Gtite, auch lebendes Material aus Neapel zu bestellen. Es ist staunenswert, wie gut sicli Amphioxus in Aquarien halt. Die Tiere trafen zu Anfang des Monats Mai aus Neapel ein und ivurden in zwei Apuarien untergebracht; in dem einen hielten sie sicli bis Ende Juli. in dem andern blieben sie sogar bis Ende Oktober vollkommen lebenskraftig. Spater verfielen sie allerdings einer selt- samen Faulnis, die vom Sclnvanz ausgehend allmahlich nacli vorn fortschritt; die Cliorda mit ihren Hiillen und mithin auch das Centralnervensjstem blieben am langsten unversehrt. Im Innern des Korpers kranker Tiere beobachtete ich eine Menge von Flagel- laten und aufierdem grofie holotriche Infusorien, die wohl von den Krankheitserregern angezogen wurden. Fiir das Studium der Geschlechtsorgane eignen sich am besten jiingere Tiere, da bei alteren durch das massenhafte Auftreten der Keimprodukte die Epithelverhaltnisse sehr undeutlich werden. Wahrend fiir die Beurteilung der ersten Entwicklungsstadien die Korperlange einen ziemlich sichern Anhaltspunkt bietet, ist dies fiir die spatern Stadien und vor allem fiir das Eintreten der Reife nicht der Fali. Ich fand Tiere von 30 mm Lange, deren Gonaden noch sehr primitive Zustande aufwiesen, wahrend bei andern von nur 18 mm Korperlange die Gonaden mit Keimprodukten strotzend gefiillt waren. Im allgemeinen kann man sagen, daB bei dem Neapler Amphioxus die Reife viel friiher eintritt als bei dem Helgolander. Zur Konservierung der Tiere wurden verschiedene Fixations- gemische angewandt. Herr Dr. Boeke im Helder liatte die Giite, mir einige von ihm und von Prof. Apatht ausgearbeitete Fixier- methoden fiir Amphioxus anzugeben: Mit einer Losung von l°/ 0 Sublimat und 4°/ 0 Salpetersaure wird 24 Stunden lang iixiert und hierauf mit Wasser ausgewaschen, oder man fixiert mit einer Losung von 6% Sublimat und 4°/ 0 Salpetersaure 20 Stunden lang und ivascht mit 96% Alkohol aus. Nacli einer ziveiten Methode flxiert man mit einem Gemisch von 1% Osmiumtetraoxyd, 3—4% Wasser- stoffsuperoxyd und 4% Sublimat 24 Stunden lang und ivascht mit Wasser aus. Beide Methoden gaben sehr gute Resultate, besonders Uber die Geschlecktsorgane von Ampbioxua. g die zweite Abart der erstern Methode. Ganz vorziigliche Resultate lieferte die VoMRATH’sche Fliissigkeit und eine ihr ahnliche Mischung, namlich Boveri’s Pikrineisessig und concentrierte Sublimatlosung (in 0,5°/ 0 NaCl) zu gleichen Teilen. Audi ein Gemisch von Sublimat und 5% Essigsaure liat sich ausgezeichnet bewahrt. Fur reife Hoden wandte icli Flemming’s starkes Gemisch an, das sich fur diesen Zweck wohl am besten eignen diirfte. Ich benutzte audi einiges altere Material, das leider mit dem Gemisch von Perenyi fixiert war, es war daher bloB fur grobere anatomische Untersuchungen zu brauchen. Es wurden sowohl Totalpraparate wie auch Schnitte untersucht. Die erstern wurden nach der von Boveri (8) angegebenen, bei Neidert u. Leiber (41) genauer beschriebenen Methode angefertigt, namlich indem man die Atriahvand, welcher die Gonaden ansitzen, durch einen etwa in der Hohe des vordern Winkels der Myosepta gefiihrten Schnitt abtrennt. Die Schnitte vvnrden in allen drei Hauptebenen gefuhrt, doch sind Querschnitte die wichtigsten. Die Objekte wurden meist, \vo die Methode es erlaubte, im Stiick gefarbt, und zwar mit Apathy’s Hamatein IA, mit Mayer’s Hamalaun oder mit Grenacher’s Borax- karmin. Die mit Hamateintonerde gefarbten Objekte pflegte ich mit Ammoniumpikrat und Rubin nachzufarben (0,75 g Ammonpikr. und 0,25 g Rubin auf 100 ccm 10% Alkohol, die zur Uberfuhrung in Balsam benutzten Alkohole miissen mit Ammonpikrat gesattigt sein). Es ist dies eine von Apathy ausgearbeitete Methode; sie eignet sich vortrefflicli zur Darstellung der histologischen Details und ge- lingt bei einiger Ubung regelmaBig; vor der Van GiEsoN’schen Methode hat sie den grofien Vorteil, dafi infolge der neutralen Reaktion des Ammonpikrats die Kernfarbung niclit leidet. Die mit Karmin gefarbten Objekte wurden dann noch mit einer ivasserigen Losung von Indigkarmin und Pikrinsaure tingiert (auf 100 ccm IVasser 3 g Pikrinsaure und 0,3 g Indigkarmin; die Losung ist unbegrenzt haltbar, ja sie wird mit der Zeit noch besser). Diese Methode kann nicht warm genug empfolilen werden; trotz ihrer Einfachheit — die Schnitte rverden auf 2—3 Minuten in genannte Losung gestellt, mit Wasser ausgewaschen und rasch durch Alkohol und Xylol oder Chloroform in Balsam iibergefiihrt — gibt sie sehr klare Differenzierungen, die sich auch fur grobere anatomische Unter¬ suchungen gut eignen; Bindegevvebe und Stutzsubstanz farbt sich blau in verschiedenen Nuancen, Muskeln gelb bis gelbgriin, Plasma und Blutgerinnsel griin bis orange, Kerne rot. 1 * 4 Bokis Zarnik, AuBerdem wandte ich, wo es sich um Darstellung bestimmter Elemente handelte, auch ganz specielle Methoden an, wie Heiden- haxn’s Eisenhamatoxylin, Malloey’s Hamatoxylin, Weigert’s Resor- cinfuchsin u. a. Was das Studium des Laicliungsprozesses anlangt, so konnte ich auf Grund der zn diesem Zvvecke in Neapel konservierten Tiere zn keinem befriedigenden Resultate kommen, da oft die einzelnen Gonaden eines und desselben Tieres die verschiedensten Befunde aufwiesen, was wohl auf die Art und Weise des Einsammelns der Tiere, die gerade inbezug auf die Entleerung der Geschlechts- produkte aufierst empfindlich sind, znriickzufuhren sein diirfte. Zu besonderm Danke bin ich daher Herrn Prof. Sobotta verpflichtet, der mir seine, gelegentlich seiner Untersuchungen iiber Eireifung und Befruchtung angefertigten Amphioxuspraparate in liebens- wiirdigster Weise zur Verfiigung stellte. I. Die erste Entivicklung der Geschle cli ts o r gane. Die erste Entwicklung der Gesclilechtsorgane von Amphioxus hat bereits im Jahre 1892 Boveei (8) zum Gegenstande einer fast erschopfenden Darstellung gemacht. Ich liabe die ganze Entwick- lung sorgfaltig nachuntersucht und fand die Angaben Boveei’s voll- kommen bestatigt, so daB ich ihnen nur weniges hinzuzufugen liabe. Hatschek (20) fand bei einer Larve von 5 Kiemenspalten in dem untern Winkel der Muskeltasclien eine grobe Zelle, die er als Grenzzelle bezeichnet. Bei Tieren von 5 mm Lange entdeekte Boveei an derselben Stelle, also in dem ventralen Abschnitt der Somiten eine Reihe griifierer Zellen. Bei der weitern Entivicklung stiilpen sich diese Zellen in die Hohle des nachstvordern Somiten *) ein und bilden einen Zellenhaufen, welcher vom Epithel der ( n—1) Somitenhohle umgeben ist und nur durch einen schmalen Streifen mit seiner Ursprungsstatte in Verbindung steht. Diese Zellhaufen stellen die spatern Gesclilechtsorgane dar, ihre Bildungsstatte kann mithin als Gonotom bezeichnet werden. Boveei wies darauf hin, daB die HATSCHEKfsche Grenzzelle wahrscheinlich als eine Urgeschlechts- zelle anzusehen ist, da sie in ilirer Lage genau den Keimdriisen- anlagen alterer Stadien entspricht. 1) Der Binfachbeit halber will ioh von nun an nach dem Vorgange Legeo’s den unmittelbar vor dem (liten) Muttersomiten liegenden Somiten als den (n —I)^ en bezeichnen. Uber die Geschlechtsorgane von Amphiosus. 5 Die jungsten Tiere, die ich untersuchte, hatten eine Lange von 3 mm. Es fanden sicli daselbst in dem untern Teil der Muskel- segmente 3—4 groBere Zellen. Fig. 1 zeigt uns einen Querschnitt durcli die untere Region eines derartigen Myotoms; es sind 3 Ur- keimzellen getroffen. Ihre Kerne, die von einer Plasmamasse, welche Zellgrenzen nicht unterscheiden lafit, umgeben sind, liaben schon alle Charaktere der Keimepithelkerne. Sie sind viel grofi er als die Kerne des iibrigen Somitenepithels, von denen auf unserm Schnitt ein Muskelkern zu sehen ist. Audi die Kerne des Aufienepitliels sind bedeutend kleiner als die der Keimzellen, so dafi letztere bei einer Durchmusterung der Serien sofort auffallen. Den unterji Winkel des Somiten ffilen die Zellen ganz aus. Sehr klare Flachen- praparate von einem ahnlichen Stadium bildet Boveri ab, dessen Fig. 3 ich hier wiedergebe. Die knbischen Urkeimzellen liegen Fig. A (nach Bovbki). (Fig. A a) im vordern untern Winkel des Muskelsegments. Die GroBe der Kerne fallt hier nicht so auf, weil die Iibrigen Kerne des Myotomepithels und des dariiber liegenden ektodermalen Epithels von der Flache zu sehen sind. Wahrend das Urkeimzellenlager urspriinglich auf dem Boden der Muskelkammer flach ausgebreitet liegt, richtet es sich spater, wahrscheinlich infolge einer vertikalen Streckung der Muskelsegmente, allmahlich auf und liegt schliefilich fast ganz in dem untern Abschnitt der vordern Myotomwand (Fig. A b). Legen wir nun einen Querschnitt durcli die Urkeim- zellenregion, so kommen meist alle Zellen in einen Schnitt zu liegen, wie es uns Fig. 2, die von einem 4,5 mm langen Tier stammt, zeigt. Sie fiillen nocli immer den ganzen untern Winkel des Segments aus, welch letzteres in vertikalen Richtung bedeutend gewachsen ist. Von einer Gefafiversorgung der Gonaden ist auf diesem Stadium nocli niclits zu sehen; auf meinen Praparaten konnte ich wenigstens in der Umgebung der Gonaden dieses Stadiums keine Gefafie nach- weisen; es mag sein, dafi die Gefafie infolge der Zartheit der Stiitz- lamelle bei der Konservierung so geschrumpft sind, dafi von ilinen 6 Boris Zarnik, keine deutliche Špur mehr vorhanden war. Es ist aber auch mog- lich, dali die Nahrfliissigkeit bei diesen kleinen Tieren einfach zwischen deu Epithelien durclisickert und erst spater infolge der starkern Ausbildung der Stiitzlamelle gezwungen wird, sicli an einzelnen Stellen, wo sie hauptsachlich Vemendung findet, wie z. B. an dem rasch sich vergrofiernden Keimzellenlager, anzusammeln und grofiere Reservoire zu bilden. Diese Lacunen diirften dann, um einen regelrechten Blutwechsel zu ermoglichen, auf grofiere Strecken miteinander versclimelzen und so die Grundlage der Gefafie dar- stellen. F tir diese letztere Annahme spricht die Tatsache, dafi auf etwas altern Stadien an den Gonaden grofiere Blutraume vor¬ handen sind, die nur durch schmale Verbindungslacunen unter- einander communicieren. Ich will nocli bemerken, dafi die meisten Gefafie von Amphioxus, wie ich bereits an anderer Stelle (71) ge- zeigt, eines jeden „Endothels“ entbehren, also durch einfache Gewebs- liicken dargestellt werden. Die Urkeimzellen vermehren sich sehr sclinell und bilden im untern Teil der vordern Somitemvand, also im untersten Abschnitt der Riickseite des Mjoseptums, eine polsterartige Verdickung. Boveki gibt an, dafi auch das an dieses Keimpolster angrenzende Epithel des nachstvordern Myotoms eine Veranderung erfahrt, in dem es zu kubischen Zellen ausgebildet wird. Auch ich traf in einigen Pra- paraten eine derartige Verdickung an, es diirfte sich wahrschein- lich um eine Ansammlung von Zellen handeln, welclie, wie wir spater sehen werden, iiberall dort zu beobachten ist, wo die beiden Lamellen einer Epithelfalte einander sehr genahert sind. Indem sich das Keimpolster sehr stark verdickt, wird es all- mahlich gegen die nachstvordere Somitenhohle vorgewolbt. Es er- folgt anfangs keine eigentliche Einstiilpung, so n der n die K ei m zeli e n schieben sich langs der medi al en Myotomwandung nach vorn. Die Schemata Fig. B sollen uns diesen Vorgang erlautern. Bei dem weitern Wachstum erfolgt jedoch keine Vorschiebung mehr, sondern der Zuwachs des Keim- epithels stiilpt sich direkt in die ( n—1 ) Myotomhohle ein; aufier- dem schniirt sich der Keimballen von seinem Mutterboden ab und entfernt sich zugleich von demselben. Wahrend sich tur das Studium der allgemeinen Formverhaltnisse dieser Stadien Flachenpraparate am besten eignen, geben uns Sclmitt- praparate Auskunft iiber die Lageverhaltnisse der Keimzellen zu den benachbarten Gebilden. In Fig. 3 sind drei aufeinanderfolgende liber die Geschlechtsorgane von Amphiosus. 7 Schnitte durch eine Gonade dieses Stadiums dargestellt. Vergleieht man Fig. 3 a mit Fig. 2, so unterscheiden sicli die beiden Schnitte auf den ersten Blick sehr wesentlich voneinander. Dieser anscheinend bedeutende Unterschied der beiden Querschnitte ist dadurch bedingt, dah die Keimzellen, wie es sicli aus einem Vergleich mit Total- praparaten ergibt, als Ganzes vorgeschoben werden, sie scheinen daher auf einem Querschnitt schon ganz frei in der ( n — 1 ) Somiten- hohle zn liegen. obschon sie mit ihrem Mutterboden noch in Ver- bindung stehen. In Fig. 3 a sind die Keimzellen noch zum Teil im Zusammenhang mit dem Myoseptum; seitlich davon befindet sich die schon ziemlich dicke Stiitzlamelle; sie zeigt einen Spaltraum, der sich langs der ganzen medialen Wand verfolgen labt, d as Gefafi. Diesem Abschnitt der Stiitzlamelle liegt das Keimepithel direkt auf, doch ist diese Stelle auf unserm Bilde schon ziemlich sclimal, da sich der Keimballen in seiner hintern Partie abzuschniiren beginnt. Ein Schnitt ib) weiter vorn zeigt uns den Keimballen noch mit einer ziemlich breiten Strecke der medialen Stiitzlamelle ansitzen, und dasselbe ist auch in dem dritten Schnitt (c) der Fali. Die Kerne des Keimepithels fiaben an GroJBe noch zugenommen, auherdem sind sie auch untereinander in der Grobe verschieden, was zum Teil bereits als eine Differenzierung aufgefafit werden kann, die wie wir sehen werden, spater eine grobe Rolle spielt. Noch instruktiver als Querschnitte sind frontale Langssclmitte, wie sie die Fig. 4 wiedergibt. Auch dies sind zwei aufeinander folgende Schnitte und zwar ist a der hohere, b der naclist tiefere Boris Zarnik, Sclmitt; sie stammen von einem 7 mm langen Tier. Was im Bilde unten ist, ist bei dem Objekt hinten, so dafi also unser Praparat die linke Korpenvand darstellt. Dieses Stadium entspricht genau dem in Fig. 3 abgebildeten. Es kandelt sich auch hier um einen Keimepithelballen, der von unten her von dem (n—1) Myotomepithel umwachsen wird. Der Schnitt a zeigt uns deutlich, wie innig das Keimepithel mit dem Gefafi zusammenhangt. Da das GefaB nicht ganz horizontal verlauft, ist es nicht seiner ganzen Lange nach ge- troifen; ebenso wie es sich nach vorn fortsetzt, hat man es sich auch nach hinten fortgesetzt zu denken; wo es an das Keimepithel angrenzt, ist es enveitert. Das Keimepithel steht in seiner obern Kegion (also im Schnitt a) noch in Verbindung mit seinem Mutter- boden, wahrend sich weiter unten ( b ) das Myotomepithel zwischen den Keimballen und das Myoseptum eingedrangt hat. Auch ragt der Keimzellenballen schon ziemlich \veit frei in die Myotomhohle vor. Einige Zellen haben sich bereits zu typischen Urkeimzellen umgebildet, ihre Kerne zeichnen sich durch einen groBern Nucleolus aus. Die beiden geschilderten Prozesse, einerseits die Einstiilpung des rasch sich vergrofiernden Keimepithelballens in die (n — 1 ) Somitenhohle, andrerseits die Abschniirung von seinem Mutterboden schreiten immer weiter fort. Von dem urspriinglich direkt an die Muttersomitenhohle angrenzenden Abschnitt des Keimzellenballens bleibt schliefilich ein ganz schmaler Strang iibrig (vgl. Fig. B b), welcher uns den Weg anzeigt, den die Keimzellen bei ihrer Ver- schiebung in die (n—1) Somitenhohle zuruckgelegt haben. In der Seitenansicht imponiert dieser Strang als eine Art S ti el, weshalb man ihn auch so genannt hat. Es sei gleich hier bemerkt, dali er bald ganz riickgebildet wird. Von dem Stiel ist aber wohl zu unterscheiden die mediale Partie der Gonade, welche der Stlitz- lamelle unmittelbar aufliegt. Die dieser Flache entsprechende Partie der Stiitzlamelle ist, wie aus den Schemata Fig. B liervorgeht ein Teil der Wandung des wten Somiten, denn dieser Teil der Stiitz- lamelle ist mit den ihm ansitzenden Keimzellen nur nach vorn vor- gewachsen und ist erst spater durch eine eimvachsende Falte des (n — 1) Somitenepithels scheinbar von einem Muttersomiten getrennt worden, so dali er als ein Teil der medialen Stiitzlamelle des ( n — J) Somiten imponiert. Die envahnte mediale Flache des Keimballens durfte wolil auch zur Befestigung der Gonade an die mediale Wand dienen, vor allem jedoch der Aufnahme der Nahrungsfllissigkeit, denn die Stiitzlamelle birgt das LangsgefaB. Nach dem Vorgange liber die Gesehlechtsorgane von Amphioxus. 9 von Neidert und Leiber wollen wir diese Anheftungsstelle der Gonade als Nabel bezeichnen. Das Verhalten des Stieles zeigen uns besonders deutlich Total- praparate, wie das in Fig. C (fig. 9 von Boveri) dargestellte. Der Nabel ist liier nicht naher abgegrenzt, er diirfte wolil der ganzen sichtbaren Flache der Gonade entsprechen. Ein Sehnitt, der diesem Stadium entsprechen diirfte, ist in Fig. 5 abgebildet. Das Gefafi hat sich bereits ziemlich vergrofiert, es ninnnt fast die ganze mediale Flache der Gonade ein. Der Stiel wird durch einige Zellen dargestellt, \velche sich seitlich von dem Gefafi nach oben erstrecken und das Keimepithel mit seiner Bildungsstatte verbinden. Die Zahl der bereits differenzierten Keimzellen ist noch selir gering. Ein etwas weiter forfgeschrittenes Stadium zeigt uns Fig. 6, sie stammt von einer vordern Gonade eines Tieres von 12 mm Lange. Hier sind 6 Keimzellen auf einem Querschnitt zu sehen. Der Stiel hat sich nur wenig verandert; das Mjoseptum, mit dem er sich verbindet, ist hier etwas schrag getroffen, weshalb es selir breit aussieht. Ein diesem Stadium ungefahr entsprechendes Totalpraparat ist in Fig. D wiedergegeben. Ein grofier Teil der medialen Flache des Keim- zellenballens ist vom (n — 1 ) Somitenepithel iiberzogen; dieser Ab- schnitt ist durch einen etivas blassern Ton markiert, wie er sich eben bei holier Einstellung des Tubus prasentiert, wahrend der Nabel selir deutlich seine Elemente unterscheiden lafit. Der „Stiel“ ist hier selir kurz und schmal, es handelt sich um eine direkte Abschniirung des Keimepithelballens von seinem Mutterboden. Dieses inbezug auf das Geschleclit noch ganz indifferente Ent- wicklungsstadium der Keimdrtise lafit demnacli folgende Telle unter¬ scheiden: Einen KI um p en von Urkei m zellen, ivelche sich sowohl durch die Grofie des Kerns, wie aucli durch den Reichtum Fig. C (nach Boveri). Fig. D. 10 Boris Zarnik, an Plasma vor den iibrigen Zellen mesodermaler Herkunft aus- zeichnen; ilire Zalil diirfte sich rund auf 10 belaufen. Dieser Keim- zellenballen ist in der Regel g a n z solid, lafit also keine Hohle unterscheiden. In seiner hintern Region hangt der Keimzellenballen mittelst einiger kleinerer Zellen, rvelche den so- genannten S ti el darstellen, mit seiner Bildungsstatte zusammen. Der grobte Teil der Oberflache des Keimballens ist von dem Epithel des Somiten, in den er sich eingesenkt, uberzogen; an einzelnen Stellen sind miter diesem Epitliel noch Spuren einer Stiitzlamelle nachzuweisen, rvelche auf den Teil des Mjoseptums, der mit ein- gestiilpt rvurde, zuriickzufiihren ist. An einer Stelle, an dem sogenannten Nabel, grenzt der Keimballen unmittelbar an die mediale Stiitzlamelle, rvelche das Blutgefab beherbergt. Die Beziehungen zrvischen Stiel und Nabel bat Legbos (32) schon geahnt, doch hielt er, rvie seinen Worten zu entnehmen, den Stiel fur ein ringsum von [n — 1) Somitenepithel umgebenen Strang, er meint namlicli: „Par un mecanisme, que nous n’exposerons pas ici, le hile (d. i. der Stiel) de la glande subit un leger deplacement, tel qu’il passe de la paroi posterieure a la paroi interne du sac genital." Ein solcher Mechanismus rvare allerdings schrver denkbar. Was die Anordnung der Keimballen und den Zeitpunkt ihrer Ausbildung anlangt, habe ich noch einiges nachzuholen. Die Keim- zellen kommen jederseits in ca. 25 Mjomeren zur Ausbildung und zrvar sind es das 9. oder 10.—34. resp. 35. Segment, rvelche hier in Betracht kommen. Von diesen 25 Segmenten zeigen die mittlern inbezug auf das Auftreten der Keimstattenverschiebung so ziemlich die gleichen Verhaltnisse. Die vordersten und die hintersten bleiben hingegen in der Entrvicklung weit zuriick, so dali sie oft noch sehr primitive Befunde aufrveisen, rvahrend die mittlern Gonaden schon geschlechtliche Charaktere hervortreten lassen; dies erleichtert rvesentlich die Unterscheidung der Geschlechter bei noch ziemlich indiferenten Stadien, denn die Entrvicklungsprozesse verlaufen bei den zu aufierst liegenden Gonaden genau in der Art, rvie bei den mittlern, nur dab sie mit einer groben Verspatung eintreffen. In den mittlern Somiten tritt die Vorschiebung des Keimzellenpolsters auf einem Stadium auf, das durch eine Korperlange von ca. 6 mm gekennzeichnet rvird. Die Abschniirung des Keimballens von seiner Bildungsstatte und die Bildung des Stieles beginnt bei Tieren von 7 mm Lange und erreicht bei Tieren von ca. 10 mm ilire typische Ausbildung, rvie sie oben geschildert rvurde. liber die G-eschleclitsorgane von Amphioxus. 11 Die Stadien, die wir betrachtet liaben, stellen kom p akt e Ballen von Keimzellen dar; trotzdem sind die Zellen nicht regellos durcheinander geworfen, sondern sie zeigen eineganz bestimmte Anordnung: jeder centrale Sclmitt trifft mindestens z\vei einaiuler gegeniiberliegende Zellen. Auch der Stiel ist kein einfacher Zellen- strang, sondern fast jeder Sclmitt, der ihn der Lange nach trifft, zeigt uns zwei Zellreihen, deren Elemente zwar sehr schmal und langgestreckt sind, aber gewohnlich sich docli deutlich unterscheiden lassen. Betrachten wir Fig. 18 oder Fig. 19, so konnen wir leicht erkennen, wie sich zwei Zellenreihen im Stiel aneinander schmiegen, sie grenzen sich gegenneiander scharf ab. Auch die einander gegeniiberliegenden Keimzellen sind voneinander durch eine dunkel sich far- bende Scheidewand getrennt. Fig. 6 zeigt uns eine derartige Gonade. Auf einem spatern Stadium (8—11 mm) entsteht an der Stelle, wo diese Zellgrenze so scharf hervortritt, eine Hohle, indem die Zellen auseinander weichen. Diese Hohle kann E - im Stiele ziemlich weit hinanf reichen; Bilder, wie sie uns Fig. 19 und 20 wiedergeben, lassen es moglich erscheinen, dali sich die Hohle durch den ganzen Stiel erstreckt, so dali sie mit der Hohle des Mutter- somiten communiciert. In einem Falle konnte ich eine solche Com- munication auf einem Totalpraparat mit voller Sicherheit feststellen. Fig. E stellt uns diese Gonade dar. Von der Hinterflache des Keim- ballens sehen wir in denselben sich einen schmalen Spalt fortsetzen, um welchen die Kerne sehr regelmaBig angeordnet sind. Es liandelt sich also um eine ivirkliche Einfaltung der Keimzellen- leiste. Die Iveimhohle ist demnach als ein Derivat der Muttersomitenhohle aufzufassen. Es scheint jedoch, dafi in andern Fallen die Anlage der Keim- driise vollkommen solid ist; doch diirfte die besprochene Art der Einstiilpung wohl als die primitivere aufzufassen sein. Diese Tatsaclie laBt vielleicht die Deutung zu, dali die Gonaden urspriinglich einfache Blindsacke der Somiten waren, so daff die reifen Keimprodukte zunachst in die Muttersomitenhohle entleert wurden, um von dort erst nach aulien zu gelangen. 12 Boris Zarnik. II. Entwicklimg der Hoden Ms zum Eintreten der Beife. Bis zu dem Auftreten einer Hohle in dem Keimballen, resp. bis zn ihrer iveitern Entfaltung, sind die Gonaden nocli vollig indifferent. Audi die Art des Auftretens der Genitalliohle ist bei beiden Ge- scMechtern genau die gleiche. Die weitere Ausbildung dieser Hohle schlagt jedoch je nadi dem Geschlecht eine verschiedene Eichtung ein, die es uns ermiiglicht, sdion auf diesen friihen Stadien die Geschlechter auseinander zu halten. "VVahrend uns fur die ersten Entwicklungsstadien der Gonaden die Kiirperlange einen ziemlich sichern Anhaltspunkt gewahrt, ist dies nach dem Auftreten der Genitalliohle nidit mehr der Fali. Die Differenzierung der Genital- hohle selbst vollzieht sich bei Tieren von 7—12 mm Lange. Im allgemeinen scheint sich bei weiblichen Gonaden die Hohle etwas friiher zu entfalten als bei Mannchen; ivahrend ich in einem Falle schon bei einem Tier von 7 mm Lange eine Genitalliohle mit aus- gesprochen iveiblichem Charakter angelegt fand, konnte bei Mannchen erst auf einem Stadium von ca. 10 mm Korperliinge ein Keimspalt konstatiert werden. Charakteristisch fiir man ni ich e Gonaden dieses Stadiums ist der fast vollkommene Mangel an indiferenten Zellen; die meisten Elemente sind zu grofikernigen Urkeimzellen umgebildet. Wie uns Fig. 7, die eine Gonade dieses Stadiums darstellt, zeigt, tritt im Innern des Keimballens ein Spalt auf; er ist anfangs kaum langer als der Durchmesser einer Keimzelle, bei dem iveitern Wachstum nimmt er infolge des Auseinandenveichens der Zellen an Umfang zu (Fig. 8). Er wird ringsum von Iveimzellen begrenzt, eine Ver- dunnung der Wand an irgend einer Stelle ist niclit vorhanden. Ver- gleichen vir Fig. 7 mit Fig. 6. so sehen wir, dafi die Urkeimzellen die indiferenten Keimballenelemente an Grofie iibertreffen. Die Form der Urkeimzellen, welehe durch die Bildung der Hohle eine einschichtige Anordnung angenommen haben (Fig. 8, 9), ist eine kubische. Wo es sich um eine solide Anlage des Keimballens handelte, scheinen die Zellen miteinander selir innig verbunden ge- ivesen zu sein, denn nach ilirem Auseinandenveichen bleiben noch einige plasmatische Brucken bestehen, ivelche den Spaltraum durcli- setzen (Fig. 8). Die Zellgrenzen sind sehr deutlich zu erkennen, sie farben sich mit Enbin intensiv rot. Die Kerne der Urkeimzellen sind sehr liell und zeichnen sich durch ein deutliches Chromatinnetz Uber die Geschlechtsorgane von AmpMoxus. 13 aus. Gewohnlich befindet sich im Centrum ein grofierer Nucleolus. Aufier den groBkernigen Zellen sind auch einige wenige Zellen mit kleinern spindeligen Kernen zu unterscheiden. Auf spatern Stadien (Fig. 9, 10) treten sie jedocli ganz zuriick. Solange der Stiel er- halten bleibt, besteht er auch aus Zellen mit ahnlichen spindeligen Kernen. In Fig. 7 ist er sehr gedrungen und kurz; an seinem obern Rande lafit er einen feinen Spalt erkennen, der vielleiclit auf eine Einfaltung, wie ich sie oben auseinandergesetzt, schlieBen lafit. In Fig. 8 und 9 ist der Stiel n ur durch wenige Kerne vertreten, eine Kontinuitat mit dem Muttersomitenepithel ist nicht mehr nach- zuweisen. In Fig. 10 ist nocli eine grofi ere Zalil von Kernen ober- lialb der Gonade zu sehen, es diirfte sich um die letzten Reste der Stielzellen liandeln, die in dem Epithel des (; n—J) Somiten aufzugehen scheinen. Der Nabel, das ist also die Stelle, wo das Keimepithel an den Blutraum und an die mediale Stiitzlamelle grenzt, vergrciBert sich anfangs sehr wenig; auf einem Querschnitt wird er durch die Basis zweier kleiner oder ein er groBern Zelle dargestellt. In Fig. 7 ist das Gefafi ausnahmsweise sehr weit, was nicht ganz typisch ist; es scheint sich um eine lokale Erweiterung zu liandeln, denn weiter hinten liatte das GefaB wieder die normale Weite wie etwa in Fig. 6. Das Bild zeigt aber deutlich, daB das Keimepithel in einem gewissen Bereich (Nabel), direkt an die Gefafihohle an- grenzt, In Fig. 8 ist dies nicht so klar zu sehen, weil die Fiillung des GefaBes, was leider gar zu oft der Fali, sehr schwach gewesen sein diirfte, wir sehen jedoch, daB zwei Iveimzellen unmittelbar an die mediale Stiitzlamelle angrenzen. Die Gonade Fig. 9, die sich dorsoventral sehr gestreckt hat, zeigt im wesentlichen dieselben Verhaltnisse; das Gefafi reicht bis zum untern Nabelrande, oben setzt es sich in unserm Schnitt in eine Quervene fort, es sind dies ableitende Gefafie, welche das GenitalgefaB mit den Darmvenen ver- binden (vgl. Lit. 71). Einen groBen Fortschritt inbezug auf GefaB- versorgung zeigt uns Fig. 10. Das Keimepithel, mit dem bisher das Blut nur am Nabel in Beriihrung getreten war, hat nun ein eignes Blutgefafinetz erhalten, welches die ganze Gonade umspannt. Ein eigentlicher Gegensatz besteht zwischen den Stadien der Fig. 9 u. 10 allerdings nicht. Auch auf dem Stadium der Fig. 9 gibt es offenbar kleinere Gewebsspalten, durch welche das Blut durch- sickert, es ist auch moglich, daB im Leben grofiere Blutraume vor- handen waren, die aber verstrichen sind. Sobald nun das Wachs- 14 Boris Zarnik. tum der Gonade auBer in der Langsrichtung auch in die Breite zuzunehmen beginnt und somit ibr Volumen bedeutend vergrofiert wird, wird auch die Blutversorgung eine ergiebigere; die feinen GefaBspalten erweitern sich zn grof,leni Blutraumen, so daB das ganze Keimepithel von einem fast kontinuierlichen Blutmantel um- geben wird. Entsprechend dei' reichern Blutversorgung der Gonade nimmt auch der Nabel an GroBe zu. Ein Schnitt durch die hintere Kegion derselben Gonade (Fig. 10 b ) zeigt uns, daB der Nabel, der urspriinglich die hinterste Partie der Gonade einnahm, mehr gegen die Mitte geriickt ist. Der Uberzug der Gonade, der durch das (n — 1 ) Somitenepithel dargestellt wird, verdunnt sich mit dem Wachstum der Keimdriise allmahlich. Er enthalt rvenige platte Kerne, die sich sehr intensiv farben. IVahrend dieses „viscerale“ Blatt, wie wir es auch nennen konnen, anfangs den Keimzellen innig aufliegt, hebt es sich spater (Fig. 10) von denselben ab. indem zwischen die beiden Epithelien Blut eindringt. An der medialen Flaelie der Gonade unterhalb des Nabels zeigt dieses Uberzugsepithel eine Differenzierung, die be- sonders auf altern Stadien scharf hervortritt. Wie wir in Fig. 8 sehen konnen, liegt an der envahnten Stelle das „viscerale“ Blatt dem „parietalen“ Blatt, in welches es sich an der untern Nabel- grenze umschlagt, so innig an, daB diese Epithelfalte als eine solide Bildung imponiert. Die Kerne dieses Epithelkeiles sind groBer und heller als die ubrigen Somitenepithelkerne, auch zeigen sie ein deutliches Chromatingerust, Diese Differenzierung des Somitenepithels wird mit der veitern Entwicklung immer deutlicher, auch vermehren sich die Kerne des Epithelkeiles sehr rasch. Wie uns Fig. 10 b zeigt, hat das Somitenepithel auch seitlich vom Nabel den Charakter der Zellen des Epithelkeiles angenommen. Das Plasma dieser Zellen ist sehr gelockert. Die Bindesubstanzlamelle, welche diese Zellen vom Keimepithel trennt, rnacht vielfach den Eindruck, als ob sie zwischen die Keimzellen einwuchern wurde, an der Basis der Zell- grenzen der letztern sind namlich bindesubstanzartige Differen- zierungen zu erkennen. Vergleichen wir Fig. 9 mit Fig. 10 a und b, so konnen vir noch einen groBen Unterschied feststellen. In Fig. 9 befindet sich die Gonade in einer Hohle, \velche in ihrem obern Teil auch den Muskel belierbergt, es ist dies eben die (n—1) Somitenhohle, in Fig. 10 liin- gegen trennt eine breite bindegevebige Wand die Hohle, in der die Gonade liegt, von der Muskelhohle — der Teil der (n — 1) Somiten- Uber die Geschleehtsorgane von Ampbioxus. 15 hohle, in dem sich die Gonade eingestiilpt hatte, hat sich von der iibrigen Hohe abgekammert und stellt nun einen eignen Colom- absclmitt, die sog. Gen ital kam m er, dar. Den Prozefi der Genital- kammerbildung liat Boveei (8) eingehend untersucht; es bildet sich namlich oberhalb der Gonade in der medilalen Gonotoimvand eine schrag von hinten oben nach vorn nnten verlaufende Falte, welche gegen die laterale Myotomwand vorwachst und sich mit derselben verbindet. Betrachten wir die Lage der Hoden zu den iibrigen Organen, so sehen \vir, daB sie infolge der vertikalen Ausdehnung der Myo- tome ventrahvarts riicken. Urspriinglich liber dem Bauchmuskel ge- legen (Fig. 6), sind sie allmahlich in die Hohe des Bauchmuskel- ursprunges gelangt, die eimvachsende Genitalkammerscheidewand trifft daher die laterale Myotomwand knapp iiber dem Bauchmuskel- ursprung. Was die auflere Form der Hoden dieses Stadiums anbetrifft, so unterscheiden sie sich sehr wenig von den primitivern Stadien, sie treten als kuglige Gebilde hervor, welche die untere Partie der Somiten einnehmen. Im Laufe der Entwicklung haben sie sich von ihrer Bildungsstatte bedeutend entfernt. Stiele sind ab und zu noch als dimne Strange sichtbar, meist sind sie jedoch bereits vollkommen verschwunden, wovon wir uns schon an Schnittpraparaten iiberzeugt haben. Das GefaB, welches bei frtihern Stadien infolge der Durch- sichtigkeit der Stiitzlamelle in Totalpraparaten nicht nachzuweisen war, tritt jetzt schon deutlich als eiu langsverlaufendes Band hervor. An der Bildung der Genitalkammer scheint sich auch der zu den betreffenden Somiten gehdrige Visceralnerv zu beteiligen. Diese Nerven, welche bekanntlich zum Darm treten, miissen namlich in¬ folge der Bildung des Peribrancliialraums einen groBen Umweg machen, um zu ihrem Endorgan zu gelangen. Sie verlaufen an der AuBenseite der Somiten nach unten und biegen an dem untern Rande desselben um, um an dem Skleralblatt nach oben zu ziehen. An dieser Umbiegungsstelle, also an dem untern Rande des Somiten kommt es zu einer Einschniirung des letztern, indem offenbar der Nerv dem Somiten bei seinem Wachstum nicht rascli genug folgen kann. Diese Einschniirung bringt es mit sich, daB die eingestiilpte Gonade meist in eine Tasche zu liegen kommt, die jedoch nach oben gegen die Somitenliohle zu noch oflen ist. Durch die oben beschriebene Faltenhildung wird sie dann von der letztern vollkommen ab- geschniirt. Spater delint sich die Genitalkammer selbstandig weiter 16 Boris Zarkik, aus; der Nerv senkt sich ganz in dieselbe ein, so dati er meist frei durch ikre Hohle verlauft. Einzelne Nerven kommen audi in das Myoseptum zu liegen, wie es z. B. in Fig. 9 der Fali ist. AVir haben gesehen, dat) sich auf einem Stadium von ca. 14 mm Korperlange im Bereiche der Keimdriise zwei wichtige A r eranderungen vollziehen, einerseits die Bildung der Genitalkammer, andrerseits die Differenzierung des Blutmantels der Gonade. Bald kommt noch eine dritte Bildnng hinzu. An dem oben er- wahnten Epithelkeil spielen sicli namlich bemerkenswerte Vorgange ab. Schon auf sehr primitiven Stadien haben die Zellen des Epithel- keils die Neigung Bindesubstanz zu bilden, denn offenbar miissen si e als Bildner der Stutzlamelle aufgefafit werden, welche sie von dem Keimepithel trennt, da die Basis der Keimzellen an andern Stellen nur eine ganz diinne Tunica propria aufvveist, mithin also die Stutzlamelle nicht von diesen erzeugt wird. Fig. 11—13, welche von verschiedenen Gonaden eines Tieres von 18 mm Lange stammen, sollen uns die Vorgange, die sich am Epithelkeil vollziehen, er- lautern. Fig. 11 zeigt uns, dah die Zellen des Epithelkeils, die sich stark vermehrt haben, aucli innerhalb des letztern selbst Binde¬ substanz abzusondern beginnen. Der obere Abschnitt des Epithel¬ keils stel lt bereits ein Gewirre von Fasern dar. Die epitheliale Anordnung der Zellen ist schon vollig venvischt; ein Zellkorper ist nicht deutlich zu erkennen, er wird durch Fibrillen, welche um die Kerne gelagert sind, vertreten. Diese Tatsache spridit dafiir, dah die faserige Bindesubstanz aus dem Plasma selbst und nicht etwa aus irgend einer extracytaren Grundsubstanz ihren Ursprung nimmt. Es handelt sich hier um echte collagene Bindesubstanz, die sich mit Rubin lebhaft rot farbt; von der collagenen Bindesubstanz der Cranioten weicht sie allerdings in ihrer Struktur ab, indem sie viel zarter und feiner ist und eine filzige Beschaffenheit aufiveist. Doch lassen sich einige Faserziige unterscheiden; an den Grenzflachen des Epithelkeils verlaufen die Fasern longitudinal, im Innern zeigen sie grofitenteils eine quere Anordnung. Im mittlern Bereich des Epithel¬ keils beginnt, wie uns Fig. 12, welche den untern Abschnitt eines Querschnitts einer linken Gonade darstellt, zeigt, die Bindesubstanz zwischen die Keimepithelzellen zu vvuchern. Die Durch wachsung schreitet immer weiter fort, bis es schliefilich (Fig. 13) zur Bildung eines bindegewebigen Polsters kommt, welches die Anlage eines spatern Organs der Gonade darstellt, das als N a r b e bezeichnet wird. Dieser DurchwachsungsprozeB kann verschieden gedeutet liber die Geschlechtsorgane vou Amphioxus. 17 werden. Man kanu entweder annehmen, dah es sich um keine eigentliche Durclnvachsung des Keimepithels handelt, sondern, dati die Keimzellen von dem Bindegewebe verdrangt werden und ihm seitlicli ausweichen. Doch lassen die Beobachtungen nocli eine andere Annahme zn, namlich, dali die Keimepithelzellen des be- treffenden Bezirks von dem Bindegewebe ganz umschlossen werden und sich selbst in Bindegewebszellen um \v and el n. So wenig wahrscheinlicli diese letztere Annahme an sich audi sein mag, so scheinen mir Bilder wie Fig. 12 und 13 doch sehr dafiir zu sprechen. In Fig. 12 konnen wir z. B. gar nicht angeben, wo das Bindegeivebe aufhort und wo das Keimepithel anfangt und das- selbe ist auch in Fig. 13 der Fali. Die beiden langlichen Kerne im obern Teil der Narbe in der letztern Figur diirften wohl dem Keim¬ epithel zuzurechnen sein, denn sie lassen nocli eine epitheliale An- ordnung erkennen, sie haben sich jedoch von dem iibrigen Keim¬ epithel getrennt, so dah es sehr ivahrscheinlich ist, dah sie in der Narbe aufgehen werden. Fur die Annahme einer Beteiligung des Keimepithels an der Narbenbildung sprechen auch die Befunde bei <ern Tieren; denn wie wir sehen werden, geht in reifen Gonaden das Keimepithel ganz kontinuierlich in die Narbe iiber, so dah ich anfangs annahm, die Narbe entstande allein aus dem Keimepithel. Wie uns Fig. 13 zeigt, ist die Bindesubstanzbildung besonders reichlich in der Narbe, vahrend der iibrige Teil des Epithelkeils in dieser Beziehung keine rveiteren Fortschritte macht. Die Narbe grenzt sich spater von dieser Partie des Epithelkeils durch Bildung einer dicken Lamelle ab, man kbnnte direkt von einer Abkapselung sprechen. Die Iveimhohle ist in unserer Figur scheinbar rvenig ent- wickelt, was seinen Grund darin hat, dah es sich um einen Schnitt handelt, der nicht durch den Nabel gelegt ist; in der Nabelebene haben namlich die Gonaden ihren grohten Umfang. Die erwahnte „Abkapselung“ ist in Fig. 14 und 15, ivelche uns Narben eines Helgolander Exemplars von 25 mm Lange darstellen, bereits ganz vollzogen. Das Tier ist leider mit PioRKNVscher Fliissigkeit getiitet worden, weshalb die feinern Strukturen infolge von Blalmngen ge- litten haben, immerhin sind aber die Verhaltnisse der Stiitzlamelle, dank der Widerstandsfahigkeit der Bindesubstanz, zu erkennen. Man beachte, dah die Vergroherung um ] / 8 schwacher ist als in den vorhergehenden Figuren, weshalb die Narben scheinbar kleiner sind als in Fig. 13. In Fig. 14 konnen wir an der Narbe eine centrale Zone von einem peripheren Bereich unterscheiden. Die Zellen der 2 18 Boris Zarnik, peripheren Zone gruppieren sich derart mn die centralen Zellen, daB sie in einem Kreise um dieselben gelagert sind, wovon man sich durch das Studium von Seriensclmitten iiberzeugen kann. Flachenpraparate eignen sicli dagegen zu diesem Zwecke sehr wenig, weil infolge der starken Farbbarkeit des Keimepithels Narbenzellen niclit deutlich genug hervortreten. Die peripheren Zellen scheinen mehr Bindesubstanz zu bilden als die centralen, denn bei altern Narben wird die centrale Zone von der peripheren wallartig iiber- ragt. In Querschnitten ist daher im Centrum der der Keimhdhle zugekehrten Seite der Narbe eine Einsenkung zu bemerken (Fig. 15). Auf die weitere Ausbildung der Narbe komme ich in einem spatern Kapitel zu sprechen. Die fernere Entwicklung der Hoden besteht in einem Wachs- tum nach allen Eichtungen, so dah die Formverhaltnisse, wie ich sie oben geschildert, im allgemeinen gewahrt bleiben. Nach oben nimmt das Wachstum allerdings etwas rascher zu als in den andern Eichtungen, so dah das GefaB bald von der Gonade iiberragt wird. Der Nabel bekommt auf diese Art auch inbezug auf die vertikale Ausdehnung der Gonade eine centrale Stellung. Der Blutmantel ist durch eine Flachenausdehnung der Lacunen fast kontinuierlich geworden, gesonderte Blutbalmen lassen sich daher an der Ober- flaehe der Gonade niclit unterscheiden (Fig. 16). Das Keimepithel laik zweierlei Zellen erkennen: grofiere, kubische mit groBen, hellen Kernen, und kleinere, schmale, mit kleinen sich dunkel farben- den Kernen. Letztere alternieren meist mit den erstern und zwar sind sie zwischen die erstern eingekeilt, ihre Kerne liegen gegen die Keimhohle zu. Der Narbe gegeniiber, also in der lateralen Wand des Gonaden- sackchens tritt eine Epithelverdickung auf. Die Zellen sind hier fast alle von dem kleinen Typus, wenigstens ihre Kerne erinnern sehr an die Zellen dieser Gattung. Das Plasma der Zellen der ver- dickten Epithelpartie zeigt im Innern helle, gelbe Kornchen, welche Excrete darstellen, ich nenne daher diese Epithelwucherung Excret- 1 e is te (vgl. Kapitel V). Eine typische Gonade dieses Stadiums ist in Fig. 16 (a und b) dargestellt; a ist ein Schnitt durch die Mitte des Nabels, b durch die Mitte der Narbe, er liegt hinter a, denn die Narbe hat meist eine excentrische Lage am hintern Kande der Keimdruse. In a selien \vir die iveite Einmundungsstelle der Gonadenlacune in das GefaB; unterhalb des letztern liegt das Keimepithel direkt dem Skleral- tjber die Geschlectitsorg-aiie von Amphioxus. 19 blatt auf, die Narbe ist namlich hier in ihrer aufiersten Peri¬ pherie getroffen. Oberhalb der Narbe und medial von dem ab- steigenden Ast des GefaBes ist ein langlicher Kanin (r), der von Epithel ausgekleidet ist; es haiidelt sicli hier um eine Falte, oder besser gesagt, um einen Kecessus des Kammerepithels, welcher auf das bei der Narbenbildung oberhalb der Verwachsungsstelle des Kammer- und des Keimepithels ubrig gebliebene Epithel zuriick- zufiihren ist; der Recessus communiciert nach vorn zu mit dem Kammerraum. In b sehen wir die Narbe getroffen, die sich bereits scharf abgegrenzt hat von dem Kammerepithel; die kleinen Zellen des Keimepithels gehen in das Narbengewebe kontinuierlich iiber. Die Form dieses Hodens ist eine ganz tjpische, man konnte sie wegen ihrer Regelmafiigkeit direkt eine schematisclie nennen. Auf diese Grundform lassen sich alle spatern bei dem Eintreten der Reife stattfindenden Differenzierungen zuriickfuhren, die definitiven F o r m v e r h a 11 n i s s e s i n d a 1 s o auf unserm S t a d i u m e r - reicht; es handelt sich ja um ein ziemlich groBes Tier von 32 mm Korperlange. Der unmittelbar vor der Reife stehende Hode laBt nach dem Gesagten folgende Teile unterscheiden: das Keimepithel bildet ein langliches Sackchen, welches an zwei Stellen mit der Stiitzlamelle des Skleralblattes verbunden ist; an der einen Stelle tritt das Blut zu dem Keimepithel, es ist dies der Nabel, an der andern Stelle, welche unterhalb des Nabels und nach hinten von ihm liegt, be- findet sich ein bindegewebiges Polster, die Narbe. Der letztern gegeniiber liegt eine Verdickung des Keimepithels, die Excretleiste. An seiner AuBenseite wird das Keimepithel von dem Blut, welches an dem Nabel eingetreten ist, umspiilt; die auBere Begrenzung dieses Blutmantels ist das den Hoden uberziehende, also gleichsam „vis- cerale“ Blatt des Genitalkammerepithels. Oberhalb des Nabels einerseits und unterhalb der Narbe andrerseits schlagt sich dieses „viscerale“ Blatt in das „parietale“ um, welches die Genitalkammer auskleidet. Zwischen der Narbe und dem Nabel finden sich oft recessusartige Einfajtungen des Kammerepithels. Die Genitalkammer grenzt medial an das Peribranchialraumepithel, lateral unten an den Bauchmuskel, lateral oben an die Muskelkammer, aus welcher sie durch Abschnurnng hervorgegangen; nach vorn und hinten ist die Begrenzung, da die Genitalkammern spitz auslaufen, dieselbe wie an den Seiten oder es stofien (auf spatern Stadien) die Kammern an- einander. 2 * 20 Boris Zarnik, III. Entwicklung der Ovarien T)is zum Eintreten der lleife. Das Stadium der ersten Anlage der Keimhohle ist noch beiden Geschlechtern gemeinsam. Docli sind ab und zu auch liier schon geschlechtliche Unterschiede angedeutet, indem namlich in den An- lagen der Ovarien die Zalil der indiferenten Zellen im Vergleich zu der Zalil der Keimzellen viel groCer ist als beim Mannchen. Dies hangt mit der spatern Differenzierung der Ovarien zusammen. Die Keimhohle wird anfangs auch von plasmatischen Fortsiitzen der Zellen durchsetzt, doch bald tritt sie ganz deutlich hervor, die Zellen grenzen sich gegen dieselbe durch einen scharfen Kontur ab. Die laterale Wandung der Keimhohle zeigt auBerdeni sehr bald e in e verdlinnte Stelle, die allmahlich an Umfang zunimmt. Diese Bildung wird uns durch die Anordnung des Keimepithels ver- standlich. Wie gesagt ist oft schon bei den friihesten Stadien eine Anzalil kleinerer Zellen vorhanden, sie haben kleine, sich dunkel farbende Kerne, wahrend die Kerne der eigentlichen Keimzellen sehr groB und hell sind. Die kleinen Kerne haben einen wenig deutlichen Plasmahof, Zellgrenzen sind fast gar nicht zu unter- scheiden, die Keimzellen hingegen zeichnen sich durch viel Plasma und deutliche Zellgrenzen aus. Die Unterschiede zwischen den beiden Zellarten werden im Laufe der Entwicklung noch ausge- pragter, wahrend sie sich bei Mannchen fast vollkommen ausgleichen, um erst spater wieder aufzutreten. Die kleinen Zellen, welche ur- spriinglich zwischen den Keimzellen gelegen waren, riicken mehr und melir nach innen, gruppieren sich um die sich emveiternde Keimhohle und scheinen sich bald untereinander zu verbinden, um einen kontinuierlichen innern Uberzug des Keimepithels darzustellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dali der scharfe Kontur, durch welchen die Keimzellen von der Keimhohle abgegrenzt werden, in dem Auf- treten dieses Uberzugs seinen Grund hat, indem an der Beruhrungs- flache beider Epithelien eine Stiitzlamelle zur Abscheidung kommt. Bei der weitern VergroBerung der Gonade bleibt das Keimepithel der lateralen Wand der Keimhohle im Wachstum zuriick, wahrend sich das Epithel der medialen Wand streckt und verlangert. Die Keimzellen der lateralen Wand iveichen dalier an einer Stelle aus- einander; das sie auf ihrer Innenflache auskleidende Epithel folgt jedoch der Streckung, so daB die gesamte Wandung der Keimhohle in ihrer Kontinuitat nicht unterbrochen ivird, sondern nur eine liber die Geschlechtsorgaue von Amphiosus. 21 starke Verdiinnung erfahrt. Das den Keimballen iiberziehende (n—1) Somitenepithel folgt ebenso wie beim Mannchen allen Wachs- tumsverschiebungen imd Vergrofierungen des Keimlagers, die ver- diinnte Stelle der Wandung besteht daher aus zwei Epitbellamellen. Die auBere Form der Gonaden dieses Stadiums zeigt nichts Be- merkenswertes, so da ti auf Totalpraparaten eine Unterscheidung der Geschlechter noch niclit moglich ist, wahrend uns Querschnitte diese Verhaltnisse sehr klar beleuchten. Fig. 17 zeigt uns einen mittlern Schnitt der Gonadenanlage eines Tieres von 7 mm Lange. Wir sehen hier noch alle Charaktere des indifferenten Stadiums, doch scheint mir der Reichtum an kleinen Zellen, von denen bereits eine an der innern Peripherie des Keimepithels gelegen ist, sehr dafiir zu sprechen, dali es sich um ein Weibchen handelt. Da dies die am weitesten entwickelte Gonade des betreffenden Tieres war, konnte ich die Richtigkeit meiner Auffassung durch den Vergleich mit andern Gonaden nicht kontrollieren. Ein etwas entwickelteres schon mit allen weiblichen Charakteren ausgestattetes Keimsackchen sehen vir in Fig. 18. Die Keimhohle wird durch einen scharfen Kontur begrenzt, 3 kleine Zellen sind bereits nach innen vorge- drungen und es dtirfte sich wohl, wenigstens in der obern Partie der Keimhohle, um einen kontinuierliclien epithelialen iJberzug handeln, da anch anf andern Schnitten an der innern Peripherie mehrere Kerne wahrgenommen werden konnten. Anch die Wandrer- diinnung ist schon angebahnt: Die Keimhohle laBt sich als ein schmaler Spalt bis an die auBerste laterale Grenze verfolgen. Der Kabel ist sehr deutlich ausgepragt. Medial vom Stiele, wo bereits die Keimhohle sichtbar ist, springt das Gefali durch eine feine Spitze gegen das Keimepithel vor; von dieser Einsenkung des Geta Bes zielit nach unten eine helle Zone, die medial von langlichen Kernen, lateral von der genannten Stiitzlamelle begrenzt wird; es ist moglich, daB diese helle Zone eine Gefallspalte darstellt, dali also bereits auf diesem Stadium differenzierte Blutbahnen in der Gonade vorhanden sind, denn die Lage der hellen Zone entspricht genau der Lage der spatern Gefafizweige des Ovars. Der Teil der medialen Flaclie der Gonade, welcher vom Myotomepithel iiberzogen ist, liegt auf diesem Stadium gewohnlich sehr innig der medialen Myotomwand an, es kommt jedoch zn keiner Verschmelzung des „parietalen“ und „visceralen“ Blattes, wie bei dem Epithelkeil des Hodens. 2 aut- einanderfolgende Schnitte durcli eine etwas weiter fortgeschrittene Gonade desselben Tieres sind in den Fig. 19 a und b dargestellt. 22 Boris Zarnik, In Fig. 19 a ist die laterale Wandverdiinnung noch gering; die Keim¬ hohle ist jedocli schon sehr enveitert, ihre scharfe Begrenzung deutet darauf hin, dafl es sicli wohl schon um ein inneres Epithel handeln diirfte; die regelmaBige Anordnung der kleinen Kerne (f) in dem nachstfolgenden Schnitt ( b ) scheint mir wenigstens sehr fiir das Vorhandensein eines derartigen Epithels zu sprechen. Der Vorgang der Wandverdiinnung kann durch Vergleichung dieser beiden Schnitte mit Fig. 18 in allen seinen Phasen verfolgt werden. In Fig. 20 sehen wir die am \veitesten entwickelte Gonade desselben Tieres. Die Wandverdiinnung erstreckt sich hier fast liber die ganze laterale Flache der Gonade, und zwar scbeint die verdiinnte Stelle selbst rascher zu wacbsen als das Keimepithel, da sie schon eine Neigung zeigt, sich in Falten zu legen. Das innere Epithel ist deutlich differenziert und liebt sich scharf von dem groflzelligen Keimepithel ab. Neidert und Leiber (41) beschreiben die Anlage der Gonade eines 11 mm langen Ampliioxus als ein einfaches Epithelblasclien; einen Stiel konnten sie nicht wahrnehmen. Das Gefafl lassen sie von der Gonade getrennt sein, es handelte sich offenbar um eine Schrumpfung des Gefafles, so daB es den Anschein enveckte, als ob es von der Keimdriise getrennt ware. Eine ganz merkwiirdige Ansicht bat Legros (32) inbezug auf die Unterscheidung der Ge- schlechter geauBert; er bemerkt richtig, dafi man auf diesen Stadien bereits die Geschlechter auseinanderhalten kann, meint aber, daB bei den Anlagen der Hoden die Keimhohle lateral liegt, bei den Weibchen aber medial. Wie wir sehen, ist gerade das Umgekehrte der Fali. Diese Angabe Legros’ diirfte wohl so zu erklaren sein, daB die Ovarienanlagen, die er vor den Augen hatte, schon viel weiter fortgeschritten waren als die Hoden und daB er die weiter unten zu schildernde sekundiire Keimhohle und die primare, wirk- liche Keimhohle nicht auseinander gehalten hat. Wir sahen, daB die Ovarienanlagen auf dem besprochenen Stadium auch mit ihrer untern Partie der medialen Wand des Somiten anliegen; es erfolgt nun eine Abhebung dieser Partie von der medialen Somitemvand, die Falte des Somitenepithels, die sich ztvischen das Skleralblatt und das Keimepithel einsenkt, wird also \vieder \veiter. Man kann hier iibrigens schon von Kammerepithel sprechen, denn auf diesem Stadium vollzieht sich der VerscliluB der Genitalkammern, der genau in derselben Weise verlauft wie bei Mannchen. Fig. 23 zeigt uns die Vereinigung der Kammerfalte mit der lateralen Somitemvand, der Faltenraud ist namlich etwas von liber die Geschlechtsorgane von Amphiosus. 23 der Flache getroffen, so dali er deutlich von der iibrigen Partie zn unterscheiden ist. Die mediale Lamelle der Kammerepithelfalte, welche sich zwischen die Gonade und das Skleralblatt einschiebt, ist sehr zellen- reich. Es mag sein, daB die Anlagerung der Gonade an die mediale Kammerwand auf das eingefaltete Kammerepithel einen Reiz ausgeiibt hat, so dali es zn einer Zellvermelming angeregt wurde. Dasselbe konnen wir auch im Epitlielkeil der Hoden wahrnehmen. tfberliaupt sind die Colomepithelien von Ampliioxus an allen Stellen, wo sie Falten bilden, sehr zellenreicli. Die erste Phase der Abhebung von der medialen Wand sehen wir in Fig. 21. Die Keimdruse hat sich gestreckt; die Keimhohle hat sich bedeutend verlangert und ebenso die verdiinnte Stelle der Wandung, deren Anfbau aus zwei Epithel- lamellen liier klar zutage tritt. Das GefaB war leider sehr schwach gefiillt, so dah sein Querschnitt sehr schmal ist. In Fig. 22 ist die Abhebung der Keimdruse noch weiter fortgeschritten; wie auf den primitiven Stadien liangt sie frei in die Kammerhohle und laBt den Nabel, der sie an der medialen Stiitzlamelle befestigt, deutlich her- vortreten. Das GefaB war leider bei allen Tieren dieses Stadiums mehr oder iveniger geschrumpft; es scheint mir sehr wahrscheinlich zu sein, daB sich bereits iveitere Gefafispalten innerhalb der Gonade vorfanden. Der dunkle Streifen (Gl?), den wir von dem untern Rande des GefaBes schrag nach der lateralen Seite zielien sehen, diirfte wohl einem geschrumpften Gefafiast entsprechen. Der Keim- epithelteil der Gonade zeigt eine schwache Concavitat auf seiner medialen Flache; unten ist er der ventralen Kammenvand sehr ge- nahert, doch war ein Zwischenraum zvcischen beiden deutlich zu erkennen, so daB irgend eine Verwachsung des Keimsackchens mit der Kammenvand als vollkommen ausgeschlossen gelten kann. Die verdiinnte Flache der lateralen Keimhohlenwand iibertrifft den Keim- epithelteil an Lange und setzt sich scharf von demselben ab. Die Zellen der medialen Kammenvandung unterhalb des Nabels zeichnen sich durch reichliches Plasma und eine bedeutendere GroBe der Kerne vor den ubrigen Kammerepithelzellen aus. Von dem Stiel ist auf diesem Stadium keine Špur mehr vorhanden, die Keimzellen sind also von ihrem Mutterboden vollkommen isoliert. Auf Totalpraparaten ist noch ab und zu eine Andeutung des Stieles zu erkennen, es handelt sich aber nur um eine einfache Falte des Kammerepithels, die keine Keimelemente mehr enthalt. Die Abhebung der Gonade von der medialen Kammenvand bildet 24 Boris Zarnik, den Anfang eines Vorganges, dessen Homologon wir bei den Mannchen ganz vermissen. Es erfolgt namlich eine Einstiilpung der Gonade von der medialen Seite her; es handelt sich hierbei hauptsachlich um den Keimepithelteil des Ovars, die verdunnte laterale Lamelle folgt dem ganzen Prozefi nur passiv. Ani besten lafit sich diese Einstiilpung des Keimepithels mit der Gastrulation vergleichen, ebenso wie bei der Bildung der Gastrula wird auch hier eine Blase eingestiilpt, so dali ein Gebilde von der Form eines doppelwandigen Bechers entsteht. Auf dem Querschnitt erscheint die becherformige Gonade hufeisenformig; Neidert u. Leibee bezeichnen dieses Stadium als Cupula-Stadium, indem sie die Gonade mit der Cupula der Eichel vergleichen. Uber die einzelnen Phasen der Cupula-Bildung geben uns Querschnitte AufschluB. Als erste Phase kann die Gonade Fig. 22 gelten, denn es handelt sich hierbei, wie schon oben be- merkt, um eine schwache, mediahvarts gericlitete Concavitat des Keimsackchens. Ein weiteres Stadium stellt Fig. 23 dar. Der Keimepithelteil der Gonade hat bereits eine lialbmondformige Ge- stalt. Der verdunnte Teil der lateralen Wandung hat an Umfang so zugenommen, dah er die Gonade ganz umhiillt, wir konnen ihn daher als Gonadenhiille bezeichnen. Das die Gonade iiberziehende „viscerale“ Kammerepithel ist in allen seinen Abschnitten, besonders aber an der Einstiilpungsstelle, deutlich ausgepragt. Die Entfernung des untern Eandes der Cupula von dem Skleralblatt entspricht nicht ganz dem typischen Verhalten, indem meist die untere Spitze der Gonade sich bei der Einstiilpung der medialen Kammerwandung wieder nahert, oft sogar bis zur Beriihrung. Ich habe absichtlich diesen Schnitt gewahlt, da er uns vollkommen eimvandsfrei zeigt, dafi es sich in den Fallen, wo die Gonadenspitze der medialen Wand ge- nahert ist, nur um e i n e A n 1 a g e r u n g u n d nicht um eineVer- w a c h sung handelt. In Fig. 25 sehen wir eine typische Cupula, ■vvelche uns die Charaktere, die bei der Gonade Fig. 23 angebahnt sind, in fast vollendeter Ausbildung zeigt. Wahrend in Fig. 23 das Gefiifi sehr schwach gefiillt ist, und daher seine Verzweigungen in der Gonade nicht klar zu unterscheiden sind, dringen bei unserer Cupula die Blutbahnen tief in das Keimepithel ein und zwar ent¬ spricht ihr Eintritt in die Gonade genau der Lage des erwahnten dunklen Streifens in Fig. 22, den wir auch in Fig. 23 wiederfinden. Wir wollen etwas genauer den Verlauf der Lacune verfolgen. Vom Nabel, welcher seiner ganzen Ausdehnung nach von dem GefaB ein- genommen wird, begibt sich die Lacune zwischen zwei Zellenschichten, Uber die Geschleclitsorgane von Amphiosus. 25 einera Haufeu von noch nicht deutlicli differenzierten Zellen und den Keimzellen, an die Peripherie der Cupula. Hier grenzt sie einerseits an das Keimepithel, andrerseits an das flache Epithel der Keimhohle. Das Keimepithel nimmt also in keiner AVeise mehr teil an der Be- grenzung' der Keimhohle. Die Lacune lafit sich bis zlim ventralen Pande der Cupula verfolgen, hier dlirfte sie wohl ihr unteres Ende tinden. Zwischen den beiden Lamellen der Gonadenhiille kommt es zu keiner deutlichen Lacunenbildung, obschon ich vielfach einen Anlauf dazu feststellen komite. Audi auf unserm Bilde sehen wir am Kabel das Gefafi sidi noch in einen obern, allerdings sehr kurzen Zipfel ausziehen, \velcher gegen den obern Ansatz der Gonadenhiille gerichtet ist. Durch die Bildung der Cupula ist eine zweite Hohle zustande gekommen. Sie ist allerdings nicht geschlossen, denn sie communi- ciert mit der Kammerhohle, da sie ja ein Derivat der letztern ist, docli ist die Communicationsspalte infolge der Anlagerung des Cupula- randes an das Skleralblatt so eng, dah sie oft schwer nachzmveisen ist. Infolgedessen sind wir berechtigt, die Cupulahohle als eine der Gonade angeliorende Bildung zu betrachten, da sie ja, wie wir spater sehen werden, bei der Entleerung der Eier eine groBe Rolle spielt, indem die letztern, ehe sie nacli auBen gelangen, in diese Hohle zu liegen kommen; dieselbe Bedeutung hat fiir die mannlichen Ge- schlechtsprodukte die Keimhohle; die Cupulahohle konnen wir daher als s ek un dar e Keimhdhle bezeichnen. Diese sekundare Keim- liohle wird in ihrem ganzen Umfang von dem Kammerepithel aus- gekleidet; in Fig. 25 ist es leiclit von dem groBkernigen Keimepithel zu unterscheiden; an der medialen Wand der Cupulahohle hat sich bereits die Narbe differenziert, deren Bildung ich weiter unten be- schreiben will. Die urspriingliche, primare Keiinliohle hat sich mit dem AVaclis- tum der Gonadenhiille sehr weit ausgedehnt. Sie umgreift die ganze Keimepithelpartie, so dati die letztere nur im Umkreis der sekundaren Keimhdhle an den Genitalkammerraum grenzt. Die primare Keim¬ hdhle hat keine festštehende Form, sie ist bald sehr weit, bald liegt die Gonadenhiille, fiir ivelch letztere wir aucli den von Neideet und Leibee vorgeschlagenen Ausdruck Perigonialhiille gebrauchen konnen, dem Keimlager so innig an, dali die primare Keimhdhle durch einen ganz schmalen, bloB an ihrem obern und untern Rande sich etwas enveiternden Spalt dargestellt wird. Eine ivesentlich andere Auffassung als die hier vorgetragene 26 Boris Zarnik, haben inbezug auf die Entwicklung der Cupula Neideet und Leibee (41) geaufiert. Die Cupulahohle leiten sie von der ursprung- lichen Keimhohle ab; es soli sich namlich die Keimhohle im Laufe der Entwicklung medialwarts verschieben, „indem die Wand des Blaschens hier zu schivinden beginnt“. Es erfolge dann eine Er- offnung der Hohle in die Genitalkammer, wodurch die Cupula ent- stehen soli. Die primare Keimhohle (Perigonialhohle) soli eine sekundare Bildung sein und unabhangig von der Keimhohle entstehen, dadurch dafi sich kleinere Zellen an der Oberflache der Gonade epithelial anordnen und durch Dehiszenz einen Spalt, die spatere Perigonialhohle, entstehen lassen. Die beiden genannten Autoren stiitzen sich auf die Befunde bei den verschiedenen Gonaden eines einzigen Tieres, und ich glaube, dah ihre abweichende Auffassung darin ihren Grund haben durfte, dafi sie zufallig gerade die ent- scheidenden Stadien nicht zu Gesicht bekommen haben. Es ist eine Konsequenz der Auffassung von Neideet u. Leibee gewesen, dafi sie das Gefafi erst auf dem Cupulastadium mit der Gonade in Verbindung treten lassen, auch soli sich erst jetzt ein Nabel ausbilden; sie lassen namlich das Gefafi von dem obern Winkel der Kammer allmahlich herabriicken und dann in die Gonade, welche anfangs ringsum von Kammerepithel umgeben war, eindringen. Es durfte sich wohl um schwach gefiillte Gefafie gehandelt haben, die dann ein solches Verhalten vorgetauscht haben. Eine Bildung des Cupulastadiums haben wir noch nicht naher beriicksichtigt, namlich die Narbe. Schon in Fig. 22 sahen wir eine Verdickung des „parietalen“ Kammerepithels unterhalb des Nabels entstehen, indem es etwas plasmareicher wurde. In Fig. 23 talit uns diese Stelle durch ihren Kernreichtum auf; auch hier lassen sich Ansammlungen von Plasma erkennen. Diese Wandverdickungen konnen als Vorstufen der Narbenbildung aufgefafit werden. Der eigentliche Herd der Narbenbildung scheint mir aber im obersten Bereiche der Kammerepithelfalte, dicht unter dem Nabel zu liegen. Fassen wir diese Stelle bei den Anfangsstadien der Cupulabildung genauer ins Auge, so konnen wir erkennen, dafi die beiden Blatter des Kammerepithels nicht bis zu ihrem Umschlage am Nabel aus- einanderweichend, sondern eine kurze Strecke noch miteinander verklebt bleiben. In Fig. 21 sin d es 3 Kerne, die beisammen bleiben; in Fig. 22 ist zwar nur ein Kern zu sehen; doch ist die Wandverdiekung am starksten dicht unter dem Nabel. In Fig. 23 sind es sogar 6 Kerne, die sich aneinanderlagern. Besonders klar Uber die Geschlecktsorgane von Amphioxus. 27 zeigt uns diese Verhaltnisse Fig. 24, welche den Nabelabschnitt einer beginnenden Cupula (ahnlich wie Fig. 23) darstellt. Wir selien, dali dicht unter dem Nabel die Kammerfalte sehr dick ist; die Zellen, velche zusammengelagert sind, zeigen eine reichliche Plasmamenge und sind zum Teil faserig differenziert; es liandelt sicli um einen echten Epithelkeil, vie bei Mannchen, nur dali er viel kleiner ist. Es kommt jedoch zu keiner Durehvachsung von Zellen, sondern die Falte vird bei der Cupulaeinstiilpung vollkommen ausgebreitet und die Zellen weichen auseinander. Plasmatische Fortsatze verbinden sie anfangs nocli miteinander. Fig. 25 zeigt uns nocli einige Zipfel solcher Plasmafortsatze. Die Wandung wird aufierdem gegen den Peribranchialraum vorgebuchtet, so dafi die schon verdickten Zellen in eine Wandverdickung hineingedrangt werden, wodurch diese Partie noch an Dicke zunimmt. Aufierdem vermehren sich die Bindegevebszellen sehr rasch, und zwar diirften sich, nach der regelmafiigen Anordnung der Kerne alterer Narben zu schliefien, die neugebildeten Bindegewebszellen im Kreise um iliren Mutterboden gruppieren. In der Flachenansicht erscheint die jugendliche Narbe wegen dieser Zellenanordnung als eine sehr zierliche Bildung, weiche an eine Bosette, oder eher an eine Artischoke erinnert, nur dafi sie viel flacher ist. Gegen die sekundare Keimhohle springt die peri- phere Narbenpartie als ein ringformiger Wulst vor. Auf Quer- schnitten erscheint in der Mitte der Narbe eine Concavitat, velche den centralen Zellen entspricht. Flachenbilder derartiger Narben finden sich bei Neideut u. Leibeb, sehr gut viedergegeben (Fig. 12a und 18), weshalb ich nur Querschnitte abbilde. Fig. 26 stammt von einem 18 mm langen Tier; a ist ein centraler Schnitt, was wir an der Einsenkung in der Mitte erkennen konnen. Die Anordnung der seitlichen Kerne zeigt uns besser ein weiter hinten liegender Schnitt ( b ); gegen die Keimhohle zu ist gleichsam eine Schichtung zu er¬ kennen, die durch die circular angeordneten Bindegewebsfasern zustande kommt. Die weitern Differenzierungen und histologischen Details der Narbe wollen wir spater besprechen. Werfen vir einen Riickblick auf die Cupula, so konnen vir sagen, dafi dies das vichtigste Stadium der ganzen Entvicklung des Ovars ist. Drei bedeutungsvolle Veranderungen treten auf diesem Stadium auf: die Bildung der sekundaren Keimhohle, die Bildung der Narbe und (schon zu Anfang der Cupulation) die Ausbildung der Lacunen. Die Griifie der Tiere dieses Stadiums variiert zvischen 15 und 17 mm. 28 Boris Zarnik. Hiermit sind alle wesentlichen Teile des Ovars und seiner Ad- nexa angelegt. Da die weitere Entwicklung der weiblichen Ge- schlechtsorgane schon der Gegenstand einer ausfiihrlichen Dar- stellung seitens Neldert’s u. Lei;beb’s (41), welche ich in allen wesent- lichen Punkten bestatigen kann, gervesen ist, so beschranke icli micb darauf, unter Verweisung auf die Arbeit der genannten Autoren, eine kurze Ubersicht dieser Vorgange zu geben. Das Keimlager, und mit ihm auch die sekundare Keimhohle waclist vor und liinter dem Nabel naeli oben, so daB eine Bildung zustande kommt, welclie auf Totalpraparaten die Form „eines hufeisenfiirmig gekriimmten Sackchens" (Langerhans) bat, der Bogen ist hierbei nach unten gekehrt und die beiden Enden nacli oben. Die Endlappen des Sack- chens waclisen oberlialb des Nabels einander entgegen und ver- schmelzen miteinander, die sie trennende Zwischenwand schmilzt auch bald ein, so daB die sekundare Keimhohle ringformig wird; im Centrum liegt der Nabel. Allerdings ist dieser Keimring nicht gleichmaBig, sondern in seinem untern Teil meist viel weiter als oberhalb des Nabels. Die Gonadenhiille wird durch die Wachstums- verschiebungen des Keimlagers in keiner Weise alteriert und bleibt ein einfacher Sack. Oberhalb des Nabels bildet sich nun auch eine Narbe und zwar genau in derselben Weise rvie die untere. Ilire erste Andeutung selien wir schon in Fig. 25, \vo oberhalb des Nabels eine Verdickung der sehr zellenreichen Falte des Kammerepithels wahrzunehmen ist. Die Keimzellen, die Oogonien, \verden schon sehr friih zu Oocjten, allerdings nur zum Teil, ein Teil der Oogonien bleibt auf dem primitiven Stadiiun, um Keimmaterial fiir spatere Keifeperioden zu liefern. Die differenzierten Zellen kommeii gegen die primare Keimhohle zu liegen, wahrend die undifferenzierten Zellen sicli an der Peripherie der sekundaren Keimhohle anordnen. Das Epithel der primaren Keimhohle, ivelches dem Keimlager auf- liegt, wird zum Follikelepithel der Eier; indem sich namlich die Oocyten in dasselbe vonvolben, werden sie von ihm bis auf eine kleine Zone ganz unigeben, so daB die reifenden Oocyten durch Falten des Follikelepithels voneinander vollkommen getrennt sind. Was das Auftreten dieser Prozesse anlangt, so gibt uns die Grofie der Tiere dariiber keinen AufschluB, bald handelt es sicli um Tiere von 20 mm, bald um solche von 35 nun Lange. tiber die Geschleclitsorgane von Amphioxus 29 Die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten Vorgange der Entwicklung der Geschleclitsorgane zeigen uns, daC trotz der Einfachheit der Organisation des Amphioxus die Unterschiede der beiderlei entwickelten Gonaden doch sehr betrachtlich sind. Ver- gleichen wir einen ent\vickelten Hoden z. B. Fig. 16 mit einem ent- wickelten Eierstock, wie wir ihn bei Neidebt n. Leiber dargestellt finden, so scheint eine Homologisierung beider schon auf diesen Stadien undurchfiihrbar zu sein, geschweige denn auf dem Stadium der Reife. Sol ald wir aber die Entwicklungsgescliichte in Betraclit ziehen, gelingt es bald, einen einheitlichen Gesichtspunkt fiir die Auffassung der Organisation der Geschlechlechtsorgane zu gewinnen. Ich will im folgenden versuchen, die ubereinstimmenden Merk- male der beiderlei Entwicklungsrichtungen darzutun und zwar an der Hand von Schemata, welche uns die wesentlichen Merkmale viel deutlicher vor die Augen fiihren als Praparate. Scliema F stellt uns das erste Entwicklungsstadium der Gonade dar: einen einfachen Ballen von wenigen grobem und kleinern Zellen, mit einem feinen Spalt, der durch den Stiel mit der Mutter- somitenhohle communiciert; eine Unterscheidung der Geschlechter ist nocli liicht moglich. Audi die wesentlichen Cliaraktere des nachstfolgenden Stadiums, welches uns Sdiema G veranschaulicht, sind beiden Gesdileditern gemeinsam; es liandelt sicli um die erste Entfaltung der Keimhohle, dementsprecliend bat audi der Umfang des Keimballens zugenommen. Sdiema M einerseits und die Schemata H und J andrerseits zeigen uns die darauf folgenden Entwicklungs- stadien der mannlichen resp. weiblichen Gonaden. In dem Hoden ist die Keimhohle einfach geblieben, die Zellen, welche nur geringe Groiienimterschiede aufweisen, liaben sich in der Form eines ein- sdiichtigen Epithels um die Holile gruppiert; der Stiel ist ver- sclnvunden, das Gefafi hat sich bereits zipfelartig iiber den Scheitel der Gonade ausgedehnt. Unterhalb des Nabels bildet das Kammer- epithel eine Falte (ek), die in Wirklichkeit solid ist und den Epithel- keil darstellt, der Deutlichkeit halber habe ich die beiden sich in- einander umschlagehden Lamellen gesondert gezeichnet. Inbezug auf die angrenzenden Gewebe konnen wir an dem Keimepithel drei Abschnitte unterscheiden: 1. eine Lateralportion (Jv), 2. eine Nabelportion (np) und 3. eine unterhalb des Nabels beflndliche Narbenpo rtion (ep), so genannt, weil spater die Narbe zum Tei! daraus hervorgeht. In der Anlage des Ovars, Scliema H, hingegeu sind die GroBenunterschiede der Zellen viel deutlicher geworden. 30 Boris Zarnik, Die Keimhohle ist lateralwarts geriickt, indem sicli an ilirer lateralen Begrenzung nur kleine Zellen beteiligen. Audi in dem iibrigen Umfang der Keimhohle sehen wir kleine Zellen gruppiert, so daB die mediale Lage des Keimepithels zweischichtigist. Im Schema J ist bereits die Keimhohle von einem deutlich gesonderten Platten- epithel ausgekleidet, dem nur mediahvarts grofie Zellen, die eigent- lichenKeimzellen, anliegen. Wir konnen audi hier eine Lateral- p or ti o n des Epithels (Jp), eine Nabelportion (np) und eine der Narbenportion der Mannchen entsprechende Cupularportion (cp) unter- scheiden. Es kommt nodi ein vierter Abschnitt des Keimepithels hinzu, der den Hoden fehlt, namlich das platte Epithel, welches die Keimhohle medialwarts begrenzt, ich nenne es Follikelschicht (/'), weil daraus das Follikelepithel der Eier hervorgeht. Die Entwick- lung zeigt uns also, dafi die gleidrbenannten Abschnitte beiderlei Fig. H. tjber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 31 Fig. M. Schemata zur Entwicklung der Gonade von Amphioxus. P, G indifferente Stadien, H—L Ovarien, M, N Hoden. cp Narbenportion des Keimepithels, cp, Cupularportion des Keimepithels, ek Epithel- keil, f Pollikelepithel, g Gefaii (V. cardinalis), gl Genitallacune, kih pnmare Kenn- hiihle, Ich 2 secundare Keimhohle, Ip Lateralportion des Keimepithels, mst mediale Stiitzlamelle, n Hdlile des Muttersomiten n—1 Hdhle des nSchstvordern Somiten, na Narbe, nb Nabel, np Nabelportion des Keimepithels, pb panetales Blatt des Genitalkammerepithels, pre Atrialepithel, st Stiel, vb viscerales Blatt des Gemtal- kammerepithels. 32 Bobis Zabnik, Gonaden einander homolog sind, und da K der Cupularteil dem Narben- teil entspricht; die Homologa der Follikelschiclit diirften in den wenigen kleinern Zellen des Narben- und Nabelteils des Hodens zu sucben sein. Die weitern Stadien bringen nocli weitere Unterschiede der beiderlei Gonaden mit sicli. Die Hoden (N) bewahren ihr primitives Aussehen und nehmen nur an Grofie zu; das Gefafi tritt in Ver- bindung mit einem Lacunensystem, welches von dem Genitalkammer- epithel einerseits und von der Lateralportion des Keimepithels andrerseits begrenzt wird, audi der Nabelabschnitt ist teilweise daran beteiligt. Die Narbenportion ist von dem Genitalkammer- epithel durchwachsen \vorden und bildet die Anlage der Narbe. Eine ganz andere Richtung haben die Ovarien (Schema K und L) eingeschlagen. Die Lateralportion des Ovarialepitliels und die Follikelscliicht liaben sicli nocli iveiter verdiinnt. Sie haben die eigentliclie Funktion der Keimdriise aufgegeben und stellen bloB Hiillen des Ovars dar, ein \vichtiger Gegensatz zu der Lateralportion des Hodens, welche die Hauptmasse des proliferierenden Keimepithels ausmacht. Der Cupularteil bat sicli samt dem ihn iiberzielienden (visceralen) Genitalkammerepithel von dem parietalen Blatt des letztern (pb) abgehoben und stiilpt sicli zur Cupula ein, die in Schema L bereits vollkommen ausgebildet ist. Die Cupula schlieBt die sekun dar e Keimlidlile (Jch 2 ) ein; in diese fallen, wie wir spater selien werden, die reifen Eier unter ZerreiBung des visceralen Blattes des Genitalkammerepithels. Der Cupula gegenuber ist durch Verdickung der medialen Lamelle der Kammerepithelfalte die Narbe entstanden. Jener Teil des Keimepithels, welcher im Hoden seine eigentliclie Funktion aufgibt und in der Narbe aufgeht, oder wie man auch annehmen kanu, durch die Narbenzellen verdrangt wird, stellt im Ovar die Hauptmasse des Keimepithels dar. Die primare Keimhohle des Ovars spielt eine ganz andere Rolle als die des Hodens, sie bleibt von Keimprodukten frei; ilirer lateralen Wandung diirfte die Bedeutung einer schiitzenden Htille der vom Follikel- epithel iiberzogenen Eierpakete zukommen. Die Blutlacunen des Eierstockes liegen zwischen dem Follikelepithel und dem Cupular¬ teil des Keimepithels; sie konnen daher den Hodenlacunen nicht als direkt homolog erachtet werden. Die Verhaltnisse der Gonaden des Amphioxus zeigen inbezug auf die Keimhohlen eine merkwiirdige Ubereinstimmung mit den Geschlechtsorganen der Cranioten. Wie bei den letztern die Spermien liber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 33 in eine innerhalb des Hodens liegende Hohle gelangen und von dort in die Ableitungsbalmen, so sammeln sie sicli aucli im Amphioxus- hoden in der Keimliohle an. Die Eier der Cranioten fallen hingegen durch Platzen des Eiuberzuges in einen andern Abschnitt der Leibes- hohle; dasselbe ist auch bei den Amphioxuseiern der Fali, die durch ZerreiBung des visceralen Blattes in die sekundare Keimliohle gelangen, welch letztere einen Abschnitt der zum O var in keiner naliern Beziehung stehenden Leibeshohle darstellt. Die Entwicklung dieser Organe zeigt jedoeh, dati es sich bei dieser Ahnlichkeit zwischen Acraniern nnd Cranioten nur um eine Analogie handeln kann. IV. Formverhaltnisse der reifen Geschlechtsorgane. Mustert man Schnitte durch die Kiemenregion erwachsener Tiere, so erscheinen die Gonaden als durch zahlreiche Einfaltungen und Einsenkungen zerkliiftete Massen, die von der Einfachheit der jiingern Stadien wenig erkennen lassen. Wahrend die jungen Ge¬ schlechtsorgane kaum fiir das freie Auge wahrnehmbar sind, fallen die reifen Ovarien und Hoden schon bei der Betraclitung des Tieres von aufien als rundliche, dem untern Rande der Myotome ansitzende Ballen auf. Die GroBe und leichte Wahrnehmbarkeit der reifen Gonaden brachte es mit sich, daB sie schon gleich den ersten Be- obachtern auffielen und auch als Geschlechtsorgane erkannt vverden konnten. Costa (11) war der Erste, der die Geschlechtsorgane von Amphioxus besclnieb, er unterschied schon die Hoden von den Ovarien. Ilim folgte Rathke (47), bei dem sich Angaben liber die Lage der Gonaden finden. Bald darauf gab Johahnes Muller (40) eine genauere Darstellung dieser Organe, er sah auch schon jungere Stadien, wo die Gonaden einander nocli nicht beruhrten. Quatre- eages (44) beschreibt die reifen Ovarien und macht aufmerksam auf die braunliche Pigmentierung des die Gonaden iiberziehenden Atrialepithels. Die 'brste detaillierte Darstellung der Geschlechts¬ organe gibt Stieda (58); er beschreibt das tveibliche Keimepithel und die Form der Eier; die Hoden sollen einen drusigen Bau liaben, „etwa wie die Magenschleimhaut' 1 . Auf spiitern Stadien verschwindet diese Anordnung und die Hoden sind gleiclnnaBig erfiillt mit Spermien. Ahnliche Angaben liber den Bau der Hoden macht auch Wilh. Mullee (39), er unterscheidet eine von Keimzellen gebildete Rinden- 3 34 Boris Zarnik, substanz und eine durch ein bindegewebiges Netzvverk dargestellte Marksubstanz, die Kanalchen des Netzwerkes sollen sich danil zu einem Vas deferens vereinigen, der nach auben miindet. Rolph (48) stellt in seiner Schrift das Vorhandensein eines derartigen Aus- fuhrungsganges in Abrede. Als ein wesentlicher Fortschritt in der Kenntnis der Geschlechtsorgane ist die schiine Arbeit von Langer- hans (31) zu bezeichnen. Er erkannte die Bedeutung des Hiill- epithels des Ovars als eines Follikelepithels der Eier und maclit genauere Angaben iiber die Entwicklung der letztern. Der Auf- fassung Stieda’s und W. Muller’s, dali die Hoden einen tubulosen Bau haben, tritt er entgegen mit dem Nachweis, dafi die reifen Hoden einfache Sacke darstellen und nur die Anordnung der Spermien einen tubulosen Bau vortauscht. Er sah auch sclion die Narben und bescbreibt sie als Wandverdiinnungen, er verfallt allerdings dem Irrtum, dali er sie als die Einstulpungsstelle auffabt, wo das Keimepithel vom Peribranchialepithel aus seinen Ursprung genommen liaben soli. A. Schneider (51) sagt nur weniges liber die Gonaden; er sah die Narben an Totalpraparaten und fal.it sie als die Stellen auf, wo sicli die Gonade in den Peribranchialraum eroffnet. Die nachstfolgende Arbeit ist die von R. Legros (32). Sie hat den Charakter einer vorlaufigen Mitteilung und bringt einiges iiber die Entwicklung der Gonaden, was wir schon in den betreffenden Kapiteln besprochen haben. Die Verhaltnisse der Gefafiversorgung sind ziemlich klar dargestellt. E- Burchardt (10) teilt einiges iiber die Narbe mit und fafit hauptsachlich die Blutversorgung der Gonaden ins Auge. In dem Lehrbuche K. C. Schneider’s (52) findet sich eine gute naturgetreue Abbildung des Hodens (im Querschnitt), allerdings bei sehr sclnvacher Vergroberung; er sagt auch einiges iiber die Anordnung der Sperma- tozoen. Die schon oft citierte ausfiihrliche Arbeit von Neidert u. Leiber (41) enthalt sehr genaue Beobachtungen iiber den Bau der Ovarien, erlautert durch ausgezeiclmete Abbildungen und ein sehr klares Schema. Ihren Angaben habe ich inbezug auf die Ovarien nur weniges hinzuzufugen. Was die spatere Entwicklung der Eier und ihre Reifung anlangt, liegen sehr eingehende Untersuchungen Van der Stricht’s (60) und Sobotta’s (57) vor. Wir verlieben die Hoden auf dem Stadium, wo alle ihre ivesent- lichen Teile schon ausgebildet sind: sie haben eine Narbe, einen fast kontinuierlichen Blutmantel, die Keimhohle ist sehr umfangreich, nur das Keimepithel ist noch einfach, meist einschichtig. Die weitere Ijber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 35 EnDvieklung des Hodens besteht wesentlich in einem Wachstum, wobei sich die Keimzellen stark vermehren. Charakteristisch fur diese Periode, die man als Reifungsperiode bezeichnen kanu, ist, dali das Wacbstum des Keimepitliels oberhalb des Gefafies viel inten- siver ist, als im untern Teil, so dafi die Gonade mehr und mehr das Geta6 iibenvachst, dieses kommt dadurcb immer mehr in die mittlere Zone der Gonade zu liegen. Das Keimepithel lai.it schon Spermato- gonien erkennen, groBe Zellen, welche die Spermatocjten liefern; rvahrend die erstern noch im Keimepithelverbande liegen, sind die letztern nur locker mit dem Epithel verbunden, sie konnen auch ganz frei in der Keimhohle liegen. Dadurcb wird das Keimepithel vielschichtig. Bald treten auch Spermien auf, zunachst in geringer Zalil, spater wird die Keimhohle von ihnen ganz erfiillt. Den feinern Bau des Keimepitliels und der Spermien will ich weiter unten be- schreiben. Fig. 27 stellt uns einen Hoden dar, dessen Keimepithel eben begonnen hat, Spermien zu bilden. Die Keimhohle ist nur zum geringen Teil mit Spermien erfullt, \velche haufig zu je vieren bei- sammen liegen. Wir sehen die Spermatocyten, als solche sind die kleinern runden Zellen, die sich auf dem Stadium des dichten Knauels befinden, aufzufassen, der Lateralportion des Keimepitliels anliegen, sie haben also offenbar ihren Ursprung aus diesem Epitlielabschnitt genommen, wahrend die Nabelportion nur Spermatogonien und in- differente Keimzellen enthalt. Die Behauptung Legeos’, dafi die laterale Wand keine Spermien liefert, sondern eine Art Hiille bildet, ist also sicher unrichtig. Der untere Abschnitt der Nabelportion be- stelit aus einem einfachen kubischen Epithel, rvelches sich kon- tinuierlich in die Narbe fortsetzt. Dieses grofizellige Epithel dehnt sich spater noch weiter aus, so daB dann fast die ganze Nabel¬ portion blofi von diesem Epithel gebildet wird, welches keine Keim- produkte liefert. Innerhalb des GefaBes ist in unserer Figur ein lialbmondformiger Zellenhaufen zu sehen, es ist dies eine quer- getroffene Falte, ein Eecessus des Genitalkammerepithels, wie solche in variabler Weise haufig angetroffen werden. Bei dem Eintreten der ersten Reife haben die Gonaden meist noch die beschriebene Form. Die Keimhohle wird ganz erfullt mit Spermatozoen, \velche meist einen grofiern Klumpen bilden, der einige, gegen die Narbe zu radiar verlaufende Streifen erkennen laBt, die von Spermienkopfen frei sind und die Schwanze der letztern enthalten, und zwar schauen die Spermienkopfe lateralwarts, die Schwanze kehren sie also der Narbe zu. 3 * 36 Boris Zarnik, Ganz ahnlich ist die Form alterer Hoden, die schon mehrere Reifungen durchgemacht haben. Der Umfang der Gonade nimmt wahrend des weitern Wachstums raseh zu und stelit in keinem Ver- haltnis zu dem Korperwachstum. Wahrend das Tier, von dem Fig. 27 stammt, 27 mm lang war, fand ich, wie ich schon anfangs envahnt habe, eiu Tier von 18 mm Lange, dessen Hoden keine jugendlichen Charaktere mehr aufwiesen und relativ ebenso grofi waren wie die vollkommen ausgewachsenen Tiere. Auf jungern Stadien nimmt die Gonade noch einen sehr bescheidenen Platz in der Genitalkammer ein, sie vergrofiert sich jedoch nach einigen Reifungsperioden so sehr, dafi sie die Kammer ganz ausfiillt. Bald mufi nun auch die Kammer dem rasch wachsenden Keimepithel nach- geben und nimmt dementsprechend an Umfang zu. Sobald die Gonade die Kammer ganz ausgefiillt hat, kanu sie nicht mehr ihren ovalen Querschnitt beibehalten, sondern sie pafit sich in ihrer Form an die angrenzenden Organe an. Wie wir sahen, bilden der Bauch- muskel und das Skleralblatt des entspreclienden Seitemnuskel- segments die untere und laterale Wand der Genitalkammer. Der Querschnitt der jungen Genitalkammer ist demnach dreieckig; auch die Gonade nimmt daher einen dreieckigen Querschnitt an. Wenn sie sich noch weiter vergrofiert, kann dabei nur die mediale Wand der Kammer in Betracht kommen, da die andern Wande sehr wenig nacligeben konnen. Die mediale Wand wird daher in den Peri- branchialraum vorgewolbt, sie nimmt bald derart an Umfang zu, dafi ca. 8 / 10 der Kammerwandung auf die anfangs mediale Wand entfallen. Die urspriinglichen Ansatzstellen der letztern an dem Skleralblatt des Myotoms und an dem Bauchmuskel verschieben sich hingegen nicht, es kommen daher oben und unten tiefe Falten des Peribranchialepithels, wie am besten aus der Fig. 28 zu ersehen, zustande, so dafi die Gonade zum grofiten Teil in den Peribranchial- raum hineinhangt, an der Korperwand gleichsam durch zwei Liga- mente befestigt. Das Keimepithel faltet sich oft bei seinem Wachstum, besonders an dem vordern und hintern Rande des Hodens treten haufig nach innen vorspringende Falten auf, welche schon Stieda erwahnt. Das sonstige Verhalten des Keimepithels konnen wir aus der Fig. 28 ersehen. An dem Nabel befindet sich jenes schon oben erwahnte kubische Epithel mit grofien, hellen Kernen, es setzt sich gegen die Spermienmassen scharf ab, so dafi wir wohl annehmen diirfen, dafi es keine Spermatocyten liefert. Sonst finden sich an der Peripherie liber die Geschlechtsorgane von AmpMoxns. 37 iiberall Samenbildner. Die Spermatocvten sind zum groBten Teil auf dem Knauelstadium, sie sind daher dunkler gefarbt als die Spermatogonien. An der Einbuchtung oberhalb des Nabels befindet sich ein besonders grofi er Haufen von Spermatocyten, den icli bei selir vielen Gonaden \viederfinden konnte. Dies mag vielleiclit Legros, dem, \vie es scheint, nur wenig Material zu Gebote stand, veranlafit haben, den medialen Teil des Keimepithels als den allein proliferierenden anzusehen. An die Spermatocyten schliefien sicli nach innen die Spermien an, deren Kopte zu radiar gegen das Centrum des Hodens verlaufenden Strangen angeordnet sind; der Raum zwischen den dunklen Strangen wird von den Schwanzen ein- genommen. Da 6 Stieda und W. Mullek bei der damaligen mikro- skopischen Teclmik den Hoden fiir ein tubulos gebautes Organ er- klart haben, machen die geschilderten Verhaltnisse wohl begreiflich. An der Peripherie des Hodens sind Anschnitte von Blutlacunen sichtbar, welche jetzt gesonderte Blutbahnen darstellen, sie anasto- mosieren jedoch vielfach miteinander, so dati man auch bei reifen Gonaden von einem Blutmantel sprechen kann. Das Peribranchial- epitliel, das an der Narbe sehr verdiinnt ist, zeigt eine starke Pig- mentierung, die trotz der sch\vachen VergroBerung immerhin noch zu erkennen ist. Die Formverhaltnisse des reifen Ovars sind von Neidert u. Leiber ausfuhrlich geschildert worden, inbezug auf Details verweise ich daher auf ihre Arbeit, der ich nur weniges hinzuzufiigen habe. Infolge des Wachstums der Eier nimmt das Ovar bedeutend an GroBe zu, wobei inbezug auf die Genitalkammer und das Atrial- epithel dieselben Verhaltnisse zu beobachten sind wie bei Testikeln, nur dafi das Atrialepithel oberhalb und unterhalb des Ovars keine so tiefen Falten bildet wie bei Hoden. Ca. Vr, des Genitalkammer- epithels liegt direkt den Muskeln auf. Die Perigonialhohle (prim. Keimhohle) rvird durch die sich vermehrenden und vergroBernden Eier fast ganz ausgefiillt, so daB die Ovarialhiille den vom Follikel- epithel iiberzogenen Eiern sehr eng anliegt, andrerseits wird aber auch die sekundare Keimhohle so eingeengt, dafi sie fast vollig ver- schwindet. Es bilden sich namlich zahlreiche gegen dieselbe vor- springende Falten des Keimepithels. Das die sekundare Keimhohle auskleidende Kammerepithel bleibt auch bei den reifen Ovarien er- lialten. Das NEiDERT-LEiBER’sclie Schema (ihre fig. 20) ist also in diesem Sinne zu erganzen. In Fig. 29 ist ein Stiick eines reifen Ovars dargestellt. Rechts liegt die sekundare Keimhohle, links die 88 Boris Zarnik. primare, gegen welche die zum Teil schon selir groBen Eier vor- springen. Die der sekundaren Keimholile zugekehrte Oberflache des Keimepithels wird von einem scharfen Kontur begrenzt, dem mehrere kleinere, langliche dunkle Kerne aufsitzen, es ist dies, \vie aus der oben geschilderten Entwicklungsweise hervorgeht, ein Teil des visceralen Blattes des Kammerepithels. Fig-. 0. Hoden in der ersten Keife. 62:1. BM Banchmuskel, Gk Genitalkammer, N Narbe, Nab Nabel. Nab BM Die aufiere Form der Ovarien und Testikel envachsener Tiere ist eine selir iibereinstimmende. Solange jedocli die Genitalkammer von der Gonade nicht ganz ausgeffllt wird, sind einige Unterschiede zu bemerken, abgesehen davon, d ati die Geschleclitsprodukte ein selir deutliches Unterscheidungsmerkmal bilden. Wie schon Stieda bemerkt, zeigen die Hoden auf der medialen hintern Seite eine Ein- schniirung. Stieda diirfte wolil ahnliche Gonaden vor sicli geliabt liaben, wie solche in Fig. O abgebildet sind. In unserm Falle handelt es sicli allerdings niclit nur um eine hintere, sondern audi eine vordere Einscliniirung; docli konstant sclieint diese Lappung niclit aufzutreten. Die Hoden sind auf diesem Stadium nocli so durchsiclitig, dali die Anordnung der Spermien \valirgenommen werden kann. Sie zeigen audi bei dieser Ansicht eine radiare Anordnung und zwar convergieren die Strange gegen eine hellere Partie (A) unterlialb des GefaGes, deren Durchsiclitigkeit wohl dadurch zustande koniint, dali dort die Keimholile nocli zum Teil von Spermien frei liber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 39 ist; aus der Vergleichung der Querschnitte und der Totalpraparate ergibt sich, dafi diese hellere Partie der Narbe entspricht. Die Hoden liaben also nur eine Narbe. Ovarien dieses Stadiums sehen ahnlich aus, nur dafi sie keine Lappung zeigen und, wie Neidert u. Leiber gezeigt haben, mit 2 Narbe n verselien sind. Indem bei dem weitern Wachstum die Genitalkammern von den Gonaden ganz ausgefiillt werden, sto Cen die letztern aneinander, so dali in der Richtung nach vorn und hinten eine VergroBerung nicht mehr moglich ist. Die VergroBerung erfolgt dementsprechend in vertikaler Richtung und zum Teil aucli in die Quere. Die sich gegenseitig abflachenden Gonaden bekommen so die Form von Prismen, die an der Stelle, wo das GefaB verlauft, eine Einschniirung zeigen. Costa (11) beschreibt diese Form sehr treffend „ciascun sacchetto e simile a cilindro schiacciato ne dne opposti lati, colle basi convesse, e piegato nel mezzo ad angolo ottuso“. Der obere Lappen des Hodens vergroBert sich namlicli so sehr, daB das GefaB nun in die Mitte zu liegen kommt. Das die Gonaden iiberzieliende Atrialepithel ist meist braun pigmentiert, so daB sie sich scharf von den Muskeln ablieben. Nur die Narben sind pigmentlos, dies be- ruht wohl darauf, daB das Atrialepithel dort sehr verdiimit ist. An der Peripherie der Narben zeigt das Epithel in vielen Fallen eine viel starkere Pigmentierung als in den iibrigen Bezirken. Die Narben treten daher sehr deutlich hervor, sie sind schon mit freiem Auge erkennbar. Man kann mithin ganz leicht schon mit freiem Auge die Geschlechter unterscheiden, denn die Mannchen liaben, wie ge- sagt, eine Narbe, das AVeibchen hingegen zwei Narben, eine ober- lialb des Gefafies, die andere unter- halb von demselben. Es ist mir unverstandlich, daB A. Schneider (51), der angibt, Hoden untersucht zu haben, von zwei Narben spricht und sie auch abbildet; es diirfte sich wohl um eine Venvechslung mit Ovarien gehandelt haben. Die Form der Narben ist eine langliche, oft ist sie auch birnformig, indem ein Faserzug zum GefaB ver- folgbar ist; die Begrenzung ist eine zackige. Die Lage der Narben ( N) ist aus der Skizze Fig. P, die uns Ms Tieres. 25 : 1. Ms Mjoseptum, JV Narbe, Nab Nabel, V. c Vena cardinalis. 40 Bobis Zakntk. einige mittlere Hoden bei auffallendem Lichte zeigt, ersiclitlich. Unmittelbar vor der Laicbung nehmen die Gonaden derart an Um- fang zu, dati ilire Hohe zwei- bis dreimal so grofi wird als ihre Breite. An den Ovarien ist da meist von den Narben nicht viel zu sehen, dagegen schimmert die sekundare Keimliohle, die einen engen, tiefen Spalt darstellt, durch den Uberzug durcb, so dafi es bei schwacher Vergrofierung so aussieht, als ob die Ovarien an der be- treffenden Stelle einen Rifi hatten. Die Form der Gonaden ist jedoch nicht immer eine so regel- mafiige wie in nnserer Skizze. Besonders bei ganz groben Tieren zeigen sich manclie Unregelmafiigkeiten, die man als den Ausdruek eines „Kampfes der Teile“ auffassen kann. Es kommen namlich Gonaden vor. die ganz verkiimmert sind; auf ihre Kosten sind dann die benachbarten Gonaden zn ganz nntormigen Massen ausgebildet, die oft zwei- bis dreimal so breit sind als die normal ent- wickelten. Die Zahl der funktionierenden Gonaden jeder Seite belauft sich auf 23—27 und zwar beginnt die Gonadenreihe im 9.—11. Segment. Vorn und hinten spitzt sich die Reihe zu, indem ihre Elemente an Grobe abnehmen; die vorderste und hinterste Gonade sind sehr niedrig und oft nicht einmal halb so grofi als die mittlern. Den funktionierenden, Geschlechtsprodukte liefernden Gonaden schliefien sich vorn und hinten noch einige metamere Zellhaufen an, die ab und zu noch die Struktur der Keimdriisen erkennen lassen; es handelt sich um rudimentare Gonaden. Ihre Zahl ist wechselnd (1-4). Was die Blutversorgung der Geschlechtsorgane anlangt, habe ich noch einiges nachzutragen. Das Gefafi, das an den Gonaden voruberzieht, und an dem Nabel mit ihren Lacunen communiciert, ist, wie Legeos (33) zeigte, die Vena cardinalis und zwar entweder die V. card. ant. oder post., je nachdem es sich um die Region vor oder hinter dem Ductus Cuvieri, der in der Gegend des 27.—28. Seg- ments entspringt, handelt. Die Cardinalis posterior nimmt rechts aus der Caudalvene ihren IJrsprung, links ist, offenbar infolge der asymmetrischen Lage des Afters, eine derartige Verbindung nicht vorhanden. Aufierdem stehen die Cardinales in Verbindung mit Septalarterien, die an der Innenseite der Myosepta verlaufen. Das Lacunensystem der Hoden kann, wie schon gesagt, nicht direkt mit dem der Ovarien homologisiert werden; doch konnen beide auf eine einheitliche Anlage zuriickgefiihrt werden, namlich auf Gewebs- liber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 4p spalten, die sich zwischen den Elementen der primitiven Keimballen vorfanden. Im speciellen zeigen sich hier einige Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern. Bei dem Mannchen geht die Cardinalvene direkt in die Lacunen iiber, oline dafi zunachst irgendwelche von einander gesonderte Blutbahnen unterschieden werden konnten, bei den Weibchen hingegen entspringen, wie Neidert u. Leiber gezeigt, aus der Cardinalis mehrere Gefafizweige (6 und mehr), die sich rasch vemveigen und ei'st dann in ein Lacunennetz sich auflosen. Wie Neidert u. Leiber fiir die O vari en nachgewiesen und wie ich es schon an anderer Stelle (71) betont, stehen die Gonaden mit keinem Blutgefafi auJBer der V. cardinalis in Verbindung. E. Burchardt (10) behauptet allerdings, dah die Stiele audi bei reifen Gonaden erhalten bleiben und ein Gefafi enthalten, welches mit der Septalarterie in Verbindung steht; das Blut wiirde dem- nach aus der Septalarterie in die Gonadenlacune einstromen und seinen Abflufi in die Cardinalvene nehmen. Den Ausfiihrungen Burchardt’s schliefit sich auch K. C. Schneider (52) an. Wie wir sahen, ist schon auf der letzten Entivicklungsphase der Keimdriisen kein derartiger Stiel mehr vorhanden, geschweige denn bei reifen Gonaden; das Vorhandensein einer solchen Arterie ist daher wohl als ausgeschlossen zu betrachten. Die Gonaden erhalten also ihr Blut einzig und ali ein aus der Cardinalvene; die Weite des Gefafi- eintritts lafit es wohl selir wahrscheinlich erscheinen, dafi hier ein Blutwechsel stattfindet; vielleicht kommt die Bluterneuerung da- durch zustande, dafi die Gonadenlacunen sich von Zeit zu Zeit vollig in die Cardinalis entleeren, um dann wieder mit neuem Blut gefiillt zu werden. Dabei handelt es sich wohl vor allem um eine Versorgung der Keimdriisen mit Nahrstoffen, die respiratorische Funktion des Blutes diirfte erst in ziveiter Linie in Betracht kommen. Seinen Abflufi nimmt das Blut der Cardinalvenen durch den Ductus Cuvieri und die ihm homodynamen Quervenen. Das aus der Caudalvene in die Cardinalvene eintretende Blut durchstromt ein im morphologischen Sinn rein venoses Capillarlacunensystem, um sich wiedei in grofiern Blutgefafistammen zu sammeln. Ein der- artiges venoses Netz wird im allgemeinen als Pfortadersystem be- zeichnet. Wir kdnnen also bei Amphioxus von einem Genital- pfortadersystem sprechen; den caudalwarts von den Gonaden liegenden Teil der Cardinalis posterior kdnnen wir daher alsGenital- p f o r t a d e r bezeichnen. 42 Boris Zarnik V. Excrete in der Keimdruse. Wie ich es sclion in einem der vorhergehenden Kapitel dar- getan, tritt bei Mannchen unmittelbar vor der Reife in der Keim- driise eine sog. Excretleiste auf, ein Hauten von kleinern Zeli en des Kammerteiles des Keimepitliels, welche gelbliche Concremente ent- halten; Keimzellen sind an dieser Stelle sehr sparlich. Die Kerne der kleinen Zellen zeigen anfangs dasselbe farberische Verhalten wie die Kerne der Keimzellen; spater zeichnen sie sich meist durch eine inten- sivere Farbekraft aus, ahnlich wie die iibrigen kleinen Kerne des Keimepithelverbandes. Das Plasma der Zellen der excretorischen Zone beginnt bald Differenzierungen einzugehen. Es nimmt eine kornige Bescliaffenheit an; die Kornchen sind anfangs nur sclnver von der Grundsnbstanz zu nnterscheiden, sie sind farblos, d. h. sie tingieren sich so wie das librige Plasma. Allmahlich nehmen die Kornchen an Grofie zu und zeichnen sich durch eine gelbliche Far- bung aus, sie tingieren sich bei Amvendung der oben beschriebenen Farbungsmethoden nun nur sehr sclnvach oder gar nicht. Das Plasma der envahnten Zellen wird von diesen gelben Kornchen so stark erfiillt, dah seine iibrigen Strukturen sehr zurucktreten. Die Kornchen vergrofiern sich und gehen miteinander Verschmelzungen ein, woraus groCere Korner resultieren. Oft bleibt es bei diesem Verhalten, meist bilden sich jedoch noch groCere Concremente, die bald eine kornige Struktur zeigen, bald als homogene kuglige Ballen auftreten, sie sind dann meist von einem hellen Hof umgeben. Der Kern liegt diesen Ballen und Schollen oft sehr eng an und zwar hat er eine halbmondformige Gestalt oder zeigt ivenigstens einen konkaven Rand, mit dem er sich der Scholle ansclimiegt. Wenn das Plasma der Zellen mit Concrementen ganz erfiillt ist, so be¬ ginnt es zu zerfallen; die Zellgrenzen schwinden und ebenso alle andern plasmatischen Strukturen, nur die Kerne bleiben noch be- stelien und liegen in die formlosen Kornchen- und Schollenmassen eingebettet. Die Fig. 30, welche einem Mannchen von 27 mm Lange entstammt (demselben wie Fig. 27), und audi Fig. 16 a u. b geben uns Auskunft iiber die geschilderten Prozesse. In Fig. 30 sehen wir alle Entwicklungsstadien der gelben Kornchen. An dem obern und an dem untern Rande befinden sich Anfangsstadien; die liier in Betracht kommenden Zellen sind inbezug auf die Groiie und den Kern von den Keimzellen gar nicht zu unterscheiden, auch in liber die Geschlecbtsorgane von Amphiozus. 43 Fig. 16 b liegt eine grofiere Scliolle einem zwar etwas langlichen aber sonst den Keimzellenkernen aufierst ahnlichen Kern an. Es scheint, daB wahrend der Zellfimktion d. i. der Excretion eine Schrumpfung des Kerns erfolgt, die spater durch eine Degeneration des letztern abgelost wird. Die Lappung, welche wir in Fig. 30 an mehreren Kernen wahrnehmen konnen, diirfte wobl als der Vor- bote der Degeneration aufgefafit werden; dieser Lappung folgt eine Schrumpfung oder vielleicht auch ein Zerfall der Kerne; Fig. 30 zeigt mehrere derartige Kerne oder Kernbrocken, die keine deut- liclien Strukturen mehr erkennen lassen. Die erwahnten Concre- mente treten nicht nur im Keimepithel auf, sondern auch in der benachbarten Partie des Kammerepithels; entsprechend deren Zellen- armut, kann die Abscheidung der Concremente hier kein.en so grofien Umfang annehmen wie im Keimepithel. Den Beginn der Bildung der Concremente im Kammerepithel zeigt uns Fig. 16a; der Zell- korper der Kammerepithelzellen hat sich sehr vergrofiert, auch haben sich die Zellen vermehrt. Das Plasma zeigt feine Kornclien, die zum Teil schon einen gelblichen Ton angenommen haben. In Fig. 30 ist dieser Vorgang bereits weiter fortgeschritten. Einige Zellen des Kammerepithels zeigen Auftreibungen, die grofiere Schollen ent- halten; ein Kern ist noch verhaltnismafiig grofi, wahrend die andern bereits viel kleiner sind als die normalen Epithelkerne. Das spatere Schicksal der Kornchenmassen des Keimepithels ist bereits aus den Figuren zu ersehen. Nachdem der Zerfall des Plasmas erfolgt ist und infolge der abgelagerten Schollen die be- treffende Zone an Dicke zugenommen hat, losen sich die Concrement- massen mit ihren Kernen von ihrem Mutterboden los und kommen in die Keimhohle zu liegen. Es ist moglich, daB sich ein Teil der Concremente in der Keimhohlenflussigkeit auflost, der grofiere Teil bleibt jedoch in der Genitalhohle liegen. Ich fand in einigen reifen Hoden, die mit Spermien erfullt waren, Anhaufungen dieser Concre¬ mente mit dunkel sich farbenden Kernbrocken im Centrum der Keimhohle schon nahe an der Narbe, rings umgeben von Spermien- massen. Da die Spermien spater nach aufien entleert werden, mussen wir annehmen, daB auch die Concremente, \velche, wie gesagt, in die Spermienmassen eingebettet liegen, nach aufien gelangen. Ganz ahnliche Concremente iinden sich auch in den Ovarien; ihre Lage ist aber nicht so constant vi e in den Hoden. Bereits Neidebt l ) beobachtete, wie ich seinen Notizen entnehme, an Ovarien 1) Vgl. das Vorwort in der Arbeit von Neidebt u. Leibeb. 44 Boris Zarnik, und zwar an Totalpraparaten einzelne gelblich gefarbte Bezirke, er nannte sie „gelbe Flecke“. Unter seinen Schnittpraparaten fanden sich mehrere, in denen derartige gelbe Flecke getroffen waren; in Fig. 31 bilde ich einen solchen Schnitt ab. Es handelt sich, wie wir sehen, um eine gelbliche Schollenmasse, die mehrere kleine dunkel tingierte Kerne enthalt. Vergleiclien wir dieses Bild mit Fig. 16 oder 30, so konnen wir leicht erkennen, daB die beiden Bildungen einander selir ahnlich sind. Es darf uns nicht befremden, dali die Schollen in Fig. 31 etwas dunkler sind; die Praparate von Neidekt sind namlich mit Delafield’s Hamatoxylin und Borax- karmin gefarbt worden, wobei die Schollen ziemlich viel Hamatoxylin festgehalten haben; um nicht fehlzugehen, habe ich sie in demselben Helligkeitston wiedergegeben, wie ihn das Praparat aufweist. Mit den Schollen massen, die sich in der mannlichen Genitalhohle finden, stimmen die Concremente der Ovarien sonst in allen Punkten so genau uberein, daB es sich nur um identische Bildungen handeln kann. Was die Lage dieser Concremente in den Ovarien anlangt, so ist sie selir wechselnd. Bald finden sie sich im obern Abschnitt, bald im untern, bald in den centralen Teilen. Ilir Mutterboden ist gleichfalls das Keimepithel; histologisch sind sie also in jeder Be- ziehung den Hodenconcrementen homolog. Entsprechend der Orien- tierung des weiblichen Keimepithels kommen die Concremente gegen die Perigonialhohle (primare Keimhohle) zn liegen. Sie buchten das Follikelepithel in dieselbe vor und bilden schlieBlich rundliche Ballen, die ahnlich wie reife Eier ringsum von Follikelepithel umgeben sind. Nur an einer Stelle bleiben sie mit dem Keimepithel in Verbindung. Fig. 31 stellt den Anschnitt eines solchen Scliollenhaufens dar, die Concremeutmassen sind dalier ringsum von Follikelepithel umgeben. Zwischen den Concrementen einerseits und dem Follikelepithel andrerseits ist ein leerer Zwischenraum zu erkennen; es ist hochst wahrscheinlich, daB es sich ahnlich wie in den Eifollikeln um eine Blutlacune handelt, doch da keine deutlichen Gerinnsel nachzmveisen waren (die Conserviernng des Praparats scheint iiberhaupt nicht ganz befriedigend gervesen zu sein), habe ich den Zwischenraum weiB gelassen. Der Baurn aufierhalb des Follikels gehort zu der primaren Keimhohle, die zum Teil gefaltete Epithellamelle rechts ist mithin die Perigonialhulle. Ahnlich wie in den Hoden enthalt auch hier die auBere Wandung der Lacune, in unserm Falle also das Follikelepithel, Concremente eingelagert. Das \veitere Schicksal liber die Geschlechtsorg-ane von Amphioxus. 45 der Scliollen in den Ovarien konnte icli nicht direkt feststellen; sehr wahrsclieinlicli ist es, daB sie mit den Geschlechtsprodukten ebenso wie bei Mannchen nach aufien entleert werden, zumal alle Bedin- gungen fur eine solche Entleerung gegeben sind. Es fragt sick nun, was fur eine Funktion, was fiir eine Be- deutung fiir den Organismus diese Concremente haben konnten. Man konnte zunachst annehmen, daB es sicli um Beservestoffe der Geschlechtsprodukte handelt; besonders was die Hoden anlangt, konnte man versucht sein, diese Concremente als Homologa des Dotters zn betrachten, doch spridit schon ihre Ubereinstimmung mit den Ovarialconcrementen dagegen. Gegen eine Auffassung als Beservestoffe spridit auch ibr Auftreten in dem aufiern Uberzug der Keimdriise, wo sie fiir die Keimprodukte keine Venvendung finden konnen, aufierdem wird die Keimdriise wahrend ihrer Funktion so reichlich mit Blut versorgt, daB eine Aufspeicherung von Nahr- stoffen in diesem Sinne zwecklos ware. Dazu kommt noch, daB die Concremente nicht ganz constant auftreten; in vielen Gonaden liabe ich keine finden konnen. Viel wahrscheinlicher als die erste An- nalime ist die Deutung der Concremente als Excrete. Ilir ganzes Schicksal spridit dafiir, daB es sicli um Stoffe handelt, die im Organismus keine Verwendung finden konnen und daher in diesem so reichlich mit Blut versorgten Organe abgelagert werden, um schliefilich nacli aufien zu gelangen. Diese Annahme findet ihre Bestatigung in der Beaktion der fraglichen Concremente bei der Mu rexidpr ob e, die ich folgendermafien anwandte. Die vorher in Balsam untersuchten Schnitte wurden in X 3 r lol ausgewaschen, durcli Alkohol in Wasser ubergefiihrt und im Thermostaten getrocknet. Hierauf brachte ich unter der Lupe mit einem feinen Glasfaden ein kleines Tropfchen Salpetersaure auf die Stelle des Schnittes, wo sicli die Concremente befanden; die Salpetersaure wurde nun im Thermo¬ staten bei 60° C eingedampft. War der Tropfen sehr klein, so blieb der Schnitt schon gestreckt und liefi alle seine Teile erkennen; die Concremente nahmen nach dieser Behandlung einen braunlichen Ton an. Es wurde darauf Kalilauge oder Ammoniak zugesetzt und die Beaktion unter dem Deckglas verfolgt. Der braunliche Ton der Concremente ging in einen schwach rosaroten iiber; am besten liefi sicli die Beaktion mit Objektiv 5 Leitz verfolgen. Bei starkerer Vergrofierung treten die Diffraktionserscheinungen zu sehr in den Vordergrund, was eine Unterscheidung dieser zarten Farbennuancen sehr erschwert. 46 Boris Zarnik, Die Concremente der Amphioxusgonaden bestehen also offenbar aus einer harnsauren Verbindung oder entlialten eine solclie; sie sind mithin als Excrete aufzufassen. Die Keimdruse v on Amphioxus fungiert also anch als Excretionsorgan. Sie nimmt in dieser Bezielmng eine Mittelstellnng ein zwischen einer Speicherniere und einer ihre Produkte standig entleerenden Niere. Der reichliche ZufluB des Blutes diirfte hier vor allem aus- schlaggebend sein und sein langsamer Wecbsel in der Gonaden- lacune infolge des einseitigen Anschlusses der letzteren an die V. cardinalis. Wir konnen uns nun audi erklaren, warum Excrete nicht nur im Keimepithel sondern anch im Uberzugsepithel auf- treten. Die excretorische Funktion der Gesclilechtsorgane von Amphioxus steht nicht einzig da in der Tierreihe, sondern es sind auch von andern Tierklassen einige derartige Befunde bekannt. In der letzten Zeit wies Russo (50) nach, dalo die Keimdriisen der Holothurien zeitweise als Excretionsorgane fungieren. Es handelt sich hier allerdings um eine Verschleppung der Excrete durch Wanderzellen; dies zeigt uns jedocli immerhin, dati eine derartige Funktion den Geschlechtsorganen nicht unzutraglich ist. Mein Freund Dr. K. Thon teilte mir mit, in den Ovarien von Hydrachniden seltsame Concre¬ mente gefunden zu haben, er hatte auch die Giite, mir seine Pra- parate zu zeigen. Die Concremente der Hydraclmiden entsprechen genau denen in den Ovarien von Amphioxus, ja sie sind ihnen zum Verwechseln ahnlich. Es diirfte sich also in diesem Falle auch um eine excretorische Funktion der Gonaden handeln. Die morphologische Bedeutung dieses Befundes bei Amphioxus will ich in einem spatern Kapitel besprechen. VI. Histologisches. Die Narbe. Ein ganz eigenartiges Organ ist die schon vielfach erwahnte Narbe, deren verschiedene Entstehung in beiden Geschlechtern wir bereits kennen gelernt haben; wir wollen nun noch auf ihren histo- logischen Ban etwas genauer eingehen. Sowohl auf Querschnitten als auch auf Frontalschnitten prasen- tiert sich die Narbe als ein spharisches Zweieck, dessen laterale Seite Uber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 47 von der medialen an Convexitat bedeutend iibertroffen wird. Die Form der Narbe ist also die einer Linse, nur dali ihr Eand, wie schon oben bemerkt, gezackt ist. Die innere (also laterale) Flaclie der Narbe zeigt im Centrum oft eine Einsenkung und zwar rneist nur bei jungen Tieren, spater wird diese Grabe verwischt. Die Hauptmasse der Narbe bestelit ans einem Gewirre von spindeligen Zellen, deren Plasma grofitenteils in Fasern, die ein feines Netzwerk bilden, umgewandelt ist. Es handelt sich um ein zartes fasriges Bindegewebe, das allerdings viel reicher an Zellen ist, als ahnliche Gewebsformen anderer Wirbeltiere. Buechaedt (10) bat die binde- gewebige Natur der Narbe richtig erkannt, er halt sie jedocli fiir ein zelliges Bindegewebe, ivelches keine Fasern enthalten soli; im ubrigen kann icb der Darstellung, welche er von der Narbe gibt, noch weniger beipflichten. Er spridit von mehreren Zellschieliten, von deren Vorhandensein ich mich ebensowenig wie Neideet u. Leiber iiber- zeugen konnte, aucli die Figur, die er von der Narbe gibt, entspricht \venig der Wirklichkeit. Wie bereits Neideet u. Leibek zeigten, liandelt es sich in der Narbe um eine circulare Anordnung von Fasern. Dies trifft allerdings nur fiir jugendliche Narben zu, bei erwachsenen Tieren konnte ich von einer solehen Anordnung nichts mehr wahrnehmen, die Narbe wird da durch ein regelloses Faser- gewirre dargestellt. Neideet u. Leibee sprechen von Liicken, die in der Narbe vorhanden sein sollen. Ich konnte an gut fixierten Objekten von solehen Liicken nichts erkennen, weshalb ich es fiir wahrscheinlich halte, dah die betreffenden Liicken auf Schrumpfung zuriickzufiihren sin d. as die chemische Beschaffenheit der Narbenfasern anlangt, so handelt es sich in den ersten Entwicklungsstadien um collagene Bindesubstanz, denn die Fasern farben sich nach der Methode von Apathy, die ja der Van GiESON-Farbung selir nahe steht, intensiv rot und bei Behandlung mit Pikroindigkarmin blau oder blaugriin. Die Fasern entwickelter Narben geben jedoch nicht mehr diese Farbenreaktion. Sie farben sich nur mit Ammoniumpikrat oder Pikrinsaure und heben sich dadurch scharf ab von der roten resp. blauen Stiitzlamelle. Mit Malloey’s Hamatoxylin tingieren sich auch Narbenfasern envachsener Tiere selir intensiv; fiir die Heiden- HAiN’sche Schwarzung sind sie nicht empfindlich. Aufier den Fasern und Kernen finden sich im Narbengewebe kuglige Kdrper von durch- aus homogener Beschaffenheit (Fig. 26, 32, 33 M) zwischen die Fasern eingebettet. Sie farben sich sehr intensiv mit Pikrinsaure 48 Boris Zarnik, und Ammoniumpikrat, durcli Hamatoxylineisenlack werden sie ge- schwarzt und lassen sich fast gar nicht entfarben. Sie zeigen mithin ein ahnliches farberisches Verhalten wie die Kiemenstabe. Diese homogenen Kugeln sind meist von einem hellen Hof umgeben, der vielleicht auf teilweise Schrumpfung der erstern bei der Fhderung zuriickzufuhren sein diirfte. Die Anordnung der besproclienen Narbenelemente zeigt uns Fig. 83, die einen centralen Querschnitt der Narbe eines erwachsenen Mannchens darstellt. Oben sehen wir noch einen Teil des Langs- gefabes, welches von einer dicken Stiitzlamelle umgeben ist, die sicli zwisclien der Narbe und dem Atrialepithel nach unten fortsetzt. Das Keimepithel des Nabels geht direkt in das Narbengewebe iiber. Zunachst zeigt es nocli eine epitheliale Anordnung, weiter unten dagegen verschwindet letztere vollkommen und macht dem fasrigen Gewebe Platz. Die Fasern zeigen an den Randern der Narbe vor- wiegend einen schragen Verlauf, sie spannen sich zwischen der Stiitzlamelle und der lateralen Flache aus; die letztere wird durcli ein dicliteres Gefiige von Fasern cbarakterisiert, man konnte fast von einer lateralen Stiitzlamelle sprechen. Die mediale, also eigent- liche Stiitzlamelle verschmalert sich gegen das Centrum der Narbe, wo sie nur durch einen ganz feinen Kontur angedeutet wird. Im centralen Bereich sehen wir die Narbenfasern in einen mit der Ober- fiache mehr parallelen Verlauf einbiegen. Die Kerne der Narbe sind von verschiedener Grobe; die meisten haben eine ovale Form, die auf Schnitten rund aussehenden Kerne sind wohl als quergetroffene ovale Kerne zu deuten. Die Kerne sind sehr hell, ihr Chromatingeriist ist nur sparlich. Die sclion er- \vahnten kugligen Korper sehen wir von circular verlaufenden Fibrillen umgeben, die sich jedocli in andere Fasersysteme fortsetzen. Das Atrialepithel, welches die Narbe iiberzielit, verdiinnt sich, ebenso wie die Stiitzlamelle in der centralen Region der Narbe sehr stark, auch ist es, wie oben angedeutet, in diesem Bezirke sehr sclrvvacli pigmentiert. Die Narben der Ovarien zeigen trotz ihrer etwas ab- \veichenden Entwicklung genau denselben Ban wie die mannlichen Narben, man vergleiche nur Fig. 32 mit Fig. 42, in welch letzterer beide Narben eines Ovars central getroffen sind. Sehr instruktiv ist die Fig. 33, \velche einen Flachschnitt, also einen Sagittalschnitt der Narbe darstellt und zwar seine centrale Partie. Sie zeigt uns deutlich, dafi es sich in der Narbe um wirk- liche Fasern handelt. liber die Geschlechtsorgaiie von Amphioxus. 49 Die Hiillen d er Keimdriise. Die reifen Keimdriisen haben zweierlei Hiillen, einerseits das „viscerale“ Blatt des Kammerepithels, andrerseits die Genitalkammer- wand; die letztere ist zum grofiten Teil von Atrialepithel iiberzogen, welches sich, wie sclion erwahnt, an den beiden Ligamenten um- schlagt, nur ein kleiner Bezirk der Genitalkammenvand grenzt direkt an die Muskeln. An den Ovarien kann man noch eine dritte Hiille unterscheiden, die sich aus dem Keimepithel selbst differenziert hat, namlich das Follikelepithel. Stieda (58) spridit bereits von einer bindegewebigen kernhaltigen Hiille, er konnte \vahrscheinlich die verschiedenen Hiillen, die bei reifen Gonaden ein an der sehr eng anliegen, nicht unterscheiden, sie imponierten ihm dann als ein kernhaltiges Bindegewebe. Langeretans (31) unterschied an den Ovarien 3 Hiillen; die mittlere, die vielleicht der Perigonialhiille entspricht, fafit er als Muscularis anf; er spricht aber auch bei den Hoden von 3 Hiillen, einer bindegewebigen, einer locker aufliegenden muskulosen und einem „Peritonealiiberzug“ (Atrialepithel); was fiir ein Gebilde seiner muskulosen Hiille entsprechen soli, ist mir ganz unklar, wahrscheinlich handelte es sich um eine kiinstliche Abhebung des parietalen Kammerepithels. Neidert u. Leiber (41) geben eine klare Darstellung von den Hiillen der Ovarien; sie lialten es nicht fiir umnoglich, dafi die Perigonialhiille muskulose Elemente enthalt. Was zunachst die Kamnierwand anlangt, so stellt sie eine ver- haltnismafiig starre Hiille dar, die zwar dem Wachstum der Keim¬ driise folgt, beim Einschrumpfen der Keimdriise nach ihrer Ent- leerung aber nur wenig einsinkt. Der innere Epithelbelag der Kammenvand ist ein Plattenepithel, das fast kein Plasma unter¬ scheiden laflt. Seine Kerne sind linsenformig und tingieren sich meist sehr dunkel. In der Flachenansicht zeigt das Kammerepithel zackige Zellgrenzen, ahnlich wie das Peritoneum der Cranioten, sie treten nach Beliandlung mit Silbernitratlosung sehr scharf liervor. Zwischen dem Kammerepithel und dem Atrialepithel befindet sich eine Schicht von Stiitzsubstanz, die bei altern Tieren meist ganz homogen ist; bei jiingern Tieren ist auf Querschnitten eine Faserung zu erkennen, die, wie Flachenanschnitte zeigen, auf einen Aufbau aus feinen Lamellen zuriickzufiihren ist. Die Stiitzsubstanz diirfte wohl von dem Kammerepithel gebildet werden, denn das Atrialepithel ist von ihr oft abgehoben. Dieses Stixtzlamellensystem beherbergt 4 50 Boris Zarnik. die Vena cardinalis, die durch einen einfachen Spalt in der Binde- substanz dargestellt wird. Ein Endothel feh.lt, wie ich schon an anderer Stelle gezeigt, vollkommen. Nnr bei ganz ausgewachsenen Tieren flndet sich innerhalb der Stiitzsubstanz in der Nahe des GefaBes Mer und da ein Kern, der oft von dem GefaBlumen durch eine Lamelle getrennt wird. An der Stelle, wo das Gefafi in die Gonade eintritt, schlagt sich der innere Teil der Lamelle, ent- sprecbend dem Kammerepithel um und geht, sich stark verdiinnend, in die feine Bindesubstanzlamelle zwischen dem „visceralen“ Kammer¬ epithel und Keimepit-hel iiber. Das die Gonade iiberziehende Kammer¬ epithel ist besonders fiir den Hoden von grofier Wichtigkeit, weil es die auBere Wandung der Lacune bildet. Die Beschaffenheit des visceralen Blattes ist im allgemeinen dieselbe wie die des Wand- epithels der Kammer; nnr an den Umschlagstellen ist es plasma- reich und zeichnet sich durch plumpere Kerne aus. Das Uberzugs- epithel des Hodens grenzt sich gegen das Keimepithel, insofern es nicht durch Lacunen von demselben getrennt ist, durch eine feine Lamelle von Bindesubstanz ab, die direkt in die Zellgrenzen der Keimzellen iibergeht. AuBer der Bindesubstanz liefert das Uberzugs- epithel audi Muskelfasern; so glaube ich wohl faserige Gebilde, die sich mit Heidenhain’s Eisenhamatoxylin intensiv schwarzen, deuten zu diirfen. K. C. Schneider (52) hat auch diese Fasern gesehen. Fig. 35, welche einen Schnitt durch das Keimepithel des Hodens darstellt, zeigt uns derartige Fasern; die Kerne liegen ihnen sehr innig an und es scheint fast, als ob sie zum Teil in die Fasern selbst eingebettet waren. Die Fasern sind in einer Schicht angeordnet und durchflechten sich, wie Flachenanschnitte zeigen, in allen mog- lichen Kichtungen, so daG man nicht von mehreren gesonderten Fasersystemen sprechen kanu. Nach andern Methoden sind diese Fasern meiner Erfahrung nach nicht darstellbar. Ahnliche Fasern sind auch in der Perigonialhulle der Ovarien nachweisbar. Die beiden Epithellamellen dieser Hiille werden durch Bindesubstanz getrennt. Der AuBen- \vie der Innenseite dieser Bindelamelle liegt ein System vou Muskelfasern auf; die auGern Fasern, die eine parallele Anordnung zeigen, haben einen mehr vertikalen Verlauf; die innern Fasern, untereinander gleichfalls parallel, kreuzen sie in einem fast rechten Winkel, indem ihnen ein mehr wagrechter Verlauf zukommt. Auf Querschnitten (Fig. 36 a) sind die auJfiern Fasern meist als langere Ziige zu unterscheiden, wahrend die innern durch dunkle Punkte markiert werden; Flachen- liber rtie Geselileehtsorgane voii Amphioxus. 51 anšchnitte (Fig. 36 b) zeigen uns deutlich die Durchkreuzung beider Fasersysteme. Die Lage der Fasern macht es Avahrscheinlich, dafi die aufiern Fasern ihren Ursprung dem Kammerepithel zu verdanken haben, die innern hingegen dem Perigonialepithel, das wir aus dem Keimepithel hervorgehen sahen. Das Follikelepithel der Eier bildet eine aufierst feine Lamelle und lafit keine Fasern oder Bindesubstanz unterscheiden; sonst ist es genau so beschaffen wie das Kammer¬ epithel, seine Zeli en haben auch eine zackige Begrenzung. Keimzellen und ihre Produkte. Ausfuhrliche Angaben liber die weiblichen Keimprodukte finden sich in den Arbeiten von Van der Steicht (60), Sobotta (57) und Neideet u. Leiber (41), Aveshalb icli micli auf die mannlichen Geschlechtsprodukte beschranken kann. Was das mannliche Keimepithel anlangt, so haben wir seine Differenzierung schon bei der Entwicklung der Gonaden kennen gelernt, nur einiges betreffs der kleinen Zellen hatte ich noch nach- zutragen. Diese Zellen konnten als sog. „Stutzzellen“ aufgefabt Averden, docli scheint diese ihre Bolle nur eine voriibergehende zu sein, denn im Keimepithel reifer Hoden ist von diesen Zellen keine Špur mehr vorhanden. Im allgemeinen machen die kleinen Zellen nicht den Eindruck von Stiitzgebilden (vgl. Fig. 16 a und b), nur in einem Falle beobachtete ich eine Anordnung der kleinen Zellen, die sehr an die Stiitzelemente des Craniotenhodens erinnert (Fig. 34). Es handelte sich um ein Tier von 19 mm Lange, das mit Osmium- tetraoxyd fixiert vrar; alle Gewebe aufier dem Keimepithel Avaren sehr stark maceriert, es diirfte daher das Keimepithel auch nicht ganz den Avirklichen Verhaltnissen entsprechen. Die kleinen Zellen sehen Avir hier zivischen den Keimzellen angeordnet, sie haben lang- liche Kerne, die zAvischen die groben Zellen eingekeilt sind. Doch glaube ich diese Anordnung der kleinen Zellen als rein zufallig be- trachten zu diirfen, denn eine so regelmiiBige Verteilung dieser Zell- gattung babe ich sonst nie beobachtet. Das Keimepithel des reifen Hodens besteht nur aus einer Zellart, den Ursamenzellen; sie sind einschichtig angeordnet und sind bedeutend kleiner als die in¬ diferenten Geschlechtszellen, Avas sich aus einer Vergleichung der big. 35 mit den andern Figuren (etrva Fig. 34), Avelche beide in genau der gleichen Vergrofierung gezeichnet sind, ergibt. Die Kerne der Ursamenzellen lassen einen centralen Nucleolus unterscheiden. 4 * 52 Boris Zarnik, Aufierdem sitzen der Kernmembran mehrere nucleolenartige Gebilde auf, wie sie aucli in jungen Eiern zn seben sind (vgl. Fig. 41). Die Spermatogonien sind kubisch und relativ reich an Plasma. Die weitern Zellgenerationen liegen, wie aus Fig. 35 zn ersehen ist. sehr locker den Ursamenzellen auf. Die Spermatocyten sind in unserer Figur fast alle auf dem Knauelstadium. So war es leider bei allen untersuchten Tieren, weshalb mir niclit moglich war, die Vorgange der Spermatogenese, was ja ubrigens auberhalb des Bereiclies dieser Arbeit liegt, genauer zu untersuchen. Die Spermatogenese diirfte sich selir rasch im Laufe des Winters vollzielien, mein Material ist aber im Sommer und im Herbst conserviert worden. Oberhalb der Begion der Spermatocyten finden sich in unserm Praparat Sperma- tiden, die schon einen Scliwanz hervorsprossen lassen. In einem Falle beobachtete icli (Fig. 27), dali die Spermatiden zu vieren in einer gemeinsamen Hiille lagen; dieser Befund legt den Gedanken nahe, dali wir in jeder solchen Gruppe die 4 Abkommlinge je einer Spermatocyte I. Ordnung vor uns haben; doch beobachtete icli ein- mal auch 5 Spermien beisammen, Langeehans (31) will sogar 7 Schwanze aus einer derartigen Hiille hervorragen gesehen haben. Eine sichese Deutung dieses Befundes ist mir daher vorderhand nicht moglich. Die reifen Spennatozoen liegen, wie schon oben beschrieben, in der Keimhohle zu Strangen angeordnet. Bei einer Verletzung des Hodens treten sie als eine milchige Fliissigkeit zutage. Sie sind im Jahre 1843 von Kollikeb (26) entdeckt worden; spater beschrieb sie wieder Langeehans (31) und zwar soli nach seinen Angaben der Kopf reifer Spermien herzformig sein. Sobotta (57) fand hingegen den Spermienkopf an Eisenhamatoxylinpraparaten kugelig, wie ihn Kollikeb beschreibt; mitunter sah er hinter dem Kopf noch ein Kornchen, in einigen Fallen eine halbmondformige Masse. Waldeyee (65) untersuchte auch die Amphioxusspermien; er bestatigt im vvesent- lichen die Angaben Sobotta’s und halt die Spermien, rvelche Langeehans beschrieben, fiir unreife Stadien. Die Spermien, die icli untersuchte, sind aus dem Monat Juni und zwar stammen sie von Tieren, die im liiesigen Institut gehalten wurden. Sie konnen wohl als reif angesehen werden, denn die Laichzeit des Neapler Amphioxus fallt in diese Jahreszeit. Was zunachst die auhere Form anlangt, so gibt uns Fig. 37 dariiber Auskunft; sie stammt von einem Abstrichpraparat, das mit Eosin gefarbt \vurde. An dem Kopf konnen wir eine Pars anterior und Uber die Geschlechtsorgane von Amphiosus. 53 eine Pars posterior unterscheiden; die erstere bildet einen Kegel, der mit seiner Basis der kugligen sich dunkel farbenden Pars posterior aufsitzt. Die Pars anterior kann wohl als Perforatorium gedentet werden. Der Pars posterior schliefit sich ein etwa halb- mondformiges Mittelstuck an, welches sich in den feinen Schwanz auszieht. Den feinern Bau der Spermien konnen wir an Praparaten, die mit Hamatoxylin und Eubinammoniumpikrat gefarbt sind, studieren. Fig. 28 gibt nns ein solches Praparat wieder. Der SpieB laiit zwei Abschnitte unterscheiden, eine vordere Kappe, die oft eine feine Langsstreifung erkennen lafit und eine hintere basale Zone. Die Pars posterior des Kopfes ist kuglig, bei mittlerer Ein- stellung (f) zeigt sie in ihrer hintern Flache eine kleine Vertiefung. Im Gegensatz zu Spermien anderer Tiere, die meist basophil sind, zeigt dieser Teil ein acidophiles Verhalten, indem er sich sowohl mit Rubin wie aucli Eosin intensiv rot farbt. Das Mittelstuck weist in unserm Bilde eine sehr verschiedene Form auf; bei a, b, c und e ubertrifft es den Kopf an Breite, walirend es in d und f relativ schmal ist. Die letztere Form diirfte dem reifen Spermium ent- sprechen, sie war auch bei den meisten untersuchten Tieren die vorherrschende, die erstere Form war nur sparlich vertreten. Sie gibt uns aber interessante Aufschliisse iiber die Formverhaltnisse der reifen Spermien. In dem hell gelb gefarbten Plasma selien wir in a einen sclnvarzen Querstreifen, der sich bei mittlerer Ein- stellung (b) in zwei seitliche symmetrische Stiicke auflbst; es handelt sich also offenbar um eine ringformige Bildung. Aus dem Centrum des Ringes entspringt der Schwanz. In e ist der Ring entfarbt, ein feiner schwarzer Punkt stellt den Ursprung des Sehwanzes dar. In den reifen Spermien d und f ist der Ring viel kleiner geworden; ihm sitzt ein Kornchen auf, welches sicli auch intensiv schwarzt; \vir durften wohl ziemlich sicher gehen wenn wir die beiden sich sch\varzenden Elemente als Centrosomen deuten. Die Verhaltnisse dieser Centrosomen treten noch deutlicher an Macerationspraparaten, die mit Malloby’s Hamatoxylin gefarbt sind, liervor (vgl. Fig. 39). a zeigt uns ein isoliertes Mittelstuck das vordere Centrosom ist als ein feines Knopfchen unterscheid- bar. Ebenso wie an seiner Vorderseite hat das Mittelstuck auch an seiner Hinterseite eine knopfformige Verdickung, die in den Faden iibergeht (b und c). Das Spermium von Amphioxus besteht demnach (vgl. Schema Q) aus einem Kopf, der eine Pars anterior, die wieder aus einem vordern langsgestreiften und einem 54 Bobis Zabnik, basalen hellern Abschnitt besteht, und eine Pars posterior unterscheiden lafit; an den Ivopf sclilietit sicli das Verbindungssttick au, es enthalt ein vorderes Centrosom, welclies in einer Vertiefung des Kopfes liegt und den Ursprung der Geisel darstellt, und ein von der Geisel durchsetztes ringformiges Centrosom; beide sind eingebettet in ein hell sich farbendes Plasma, das vielleiclit im definitiven Zu- stand noch weitere Reduktionen erfahrt. Auf den Faden setzt es sich eine Strecke fort und bildet eine knopfformige Verdickung desselben; der Faden selbst lafit keine Differenzierungen unterscheiden. Die Amphioxusspermien zeigen manche Ahnlich- keiten mit den von Ballowitz (2) beschriebenen Spermien von Perca fluviatilis, nur da 6 den letztern ein Perforatorium abgeht. Durch Maceration er- zielte Balloavitz ahnliche Bildungen \vie Fig. 39 a. Die Grofienverhaltnisse des Amphioxusspermiums sind folgende: Gesamtlange 28—32 p, Perforatorium 0,8—0,9 u. Pars posterior des Kopfes 0,8 — 0,9 /,i, Mittelstiick 0,5—0,6 u . Die Amphioxusspermien sind daher bei vveitem die kleinsten in der Wirbeltierreihe. Fig. Q- Sehema des Kopfes eines Ampliioxus- spermmms. ca. 10000:1. Til. Die Entleerung der Geschlechtsprodukte. Die Entleerung, das Ausstofien der Geschlechtsprodukte aus dem Korper ist zuerst von Koavalewsky (27) beschrieben worden. Er gibt an , dali die Geschlechtsprodukte durch die Mundoffnung entleert werden. Dasselbe weifi auch Hatschek (19) zu berichten. Die spatern Beobachter hingegen, Willex (68), Wilson (69) und Sobotta (57) haben eine derartige Entleerung nie beobachten konnen, im Gegenteil fanden sie, dali die Keimprodukte aus dem Atrioporus ausgestollen rverden. Wie Sobotta dargetan, haben Ko\valewsky und Hatschek rvalirscheinlich niclit ganz normale Tiere vor sich gehabt. Der Amphioxus ist namlich gerade in dieser Beziehung aufierst empfindlich, in Gefangenschaft laicht er bekanntlich nie, trotzdem er sich sonst ganz gut halten kann. Aufierdem ist es auch nach den anatomischen Verhaltnissen kaum zu verstehen, wie eine Entleerung der Keimprodukte, insbesondere der Eier durch den Mund normalervveise zustande komrnen kihnite, da sich der Wasser- Uber die Geschlechtsorgane von Amphioius. 55 strom gerade in entgegengesetzter Richtung durch den Atrialraum bewegt und au Berdeni die Kiemenspalten sehr eng sind, so daB kaum ein Ei dnrcli dieselben durchtreten konnte. Wie Sobotta angibt, geschieht die Entleerung stoBweise; die Keimprodukte er- scheinen dann am Atrioporus in der Form von weiJ3en Wolkchen. Was die innern Vorgange bei der Entleerung der Geschlechts- produkte, mit denen wir uns liier beschaftigen wollen, betrifft, so begniigte man sich fruher im allgemeinen mit der Aufierung, die Keimprodukte wiirden durcli „Platzen“ der Gonaden in den Peri- branchialraum entleert. Naclidem wir gesehen liaben, dafi die Keim- di-iisen nicht einfacbe formlose Haufen von Gesclilechtsprodukten sind, daB sie im Gegenteil in allen Lebensperioden einen sehr gesetz- mafligen Bau liaben, wird sich wohl die Frage aufdrangen, wie etwa dieses „Platzen“ vor sich gehen soli, damit die normale Gestalt der Gonade erhalten bleibt oder wie nach der Entleerung wieder die normale Form erreicht wird. Legros (32) versuchte bereits, diese Frage im letztern Sinne zu beantworten; nach seinen Angaben sollen die Eier unter vielfacher ZerreiBung des Ovars in das Atrium aus- brechen, die Keimdriise soli sich dann wieder vom Nabel aus re- generieren. Abgesehen davon, dali eine derartige ge\valtsame Aus- stoBung der Keimprodukte an sich schon sehr umvahrscheinlich ist, konnte ich kein Tier finden, \velches sich auf dem Stadium einer solchen Regeneration befunden hatte, trotzdem das meiste Material im Somrner und im Herbst conserviert wurde. Die Beobachtungen Legros’ diirften sich wohl auf Tiere beziehen, die sich nicht unter normalen Bedingungen befunden liaben. Gegen eine derartige ge- waltsame Entleerung der Eier sprechen sich auch Neidert u. Leiber (41) aus. Durch die Betrachtung des Narbenbaues kommen sie zu der Vermutung, daB die Narben den Zweck liaben, die Kammerwand zur Zeit der Laichung aufzulosen. Sie neknien an, daB sich die Narbe ganz auflost, was, wie wir sehen werden, jedocli nur in beschranktem Mahe der Fali ist. Wenn die Gonaden reif sind, wenn sie von Keimprodukten strotzen, so zeigen sich im.Bereiche der Narben einige Veranderungen; die infolge der enormen Ausdehnung der Keimdriisen schon ohnehin sehr abgeflachten Narben zeigen in ihrem centralen Bereich eine Verdun nun g. Die Fasern des Narbengewebes weichen allmahlich in der centralen Zone auseinander, die letztere wird daher zu einem Locus minoris resistentiae. Solche Narben diirfte schon Langerhars gesehen liaben, denn er spridit von einer verdiiniiten keimepithel- 56 Bobis Zarnik, freien Stelle der Keimdriise, wahrend normalerweise die Narbe eine polsterartige Verdickung darstellt und sofort als eine solclie auf- fallen mufi. Der Locus minoris resistentiae gibt bald nach und die Keimdriise bekommt eine Offnung. Die Entleerung des Samens verlauft nun sehr einfach. Die Hodenwandung schrumpft sehr stark, es diirfte sicli wohl um eine Contraction der besckriebenen Muskelfasern handeln. Die Spermien gelangen in kleinen Ballen durch die Narbenoffnung nach aufien. So wird die Keimhohle sehr stark reduciert. Nach der Entleerung bildet das zusammengeschrumpfte Keimepithel ein ganz unscheinbares Kliimpchen; die Genitalkammer hingegen bewahrt ihre Gestalt. Viel komplicierter ist die Entleerung der Ovarien; rvahrend das Sperma bereits in der Keimhohle liegt und daher dirffkt nach aufien gelangen kann, miissen sich die Eier, die in dem vielfach gefalteten Keimepithel eingebettet sind, zunachst von allen Hiillen befreien, um in die sekundare Keimhohle zu kommen, rvelche durch die Narben¬ offnung mit dem Atrialraum communiciert. Was die beiden Narben des Ovars anlangt, so bekommt meist nur die untere eine Offnung, die obere habe ich nur in sehr wenigen Fallen geoffnet gesehen. Trotzdem die Eier so zusammengedrangt im Keimepithel liegen, verursacht ihre Entleerung keine Zerreifiungen des Epithels, denn sie geschieht successive, indem zuerst die dem Lumen der sekundaren Keimhohle zunachst liegenden Eier frei werden und dann erst die andern, welche in tiefen Falten ihren Platz haben. Fig. 40 stellt uns einen centralen Quersehnitt durch ein laichendes Ovar dar. Die Mehrzahl der Eier liegt in der Keimhohle; das Keimblaschen ist bereits verschwunden, denn die Bildung der ersten Polocyte erfolgt, wie Sobotta (57) zeigte, in der Keimhohle. Das Keimepithel ist durchaus continuierlich und zeigt keine Zerreifiungen; im obern Ab- schnitt des Ovars ist noch ein Ei mit einem Keimblaschen. Es liegt scheinbar in der Perigonialhohle, es ist namlich nicht central ge- troffen; in Wirklichkeit hangt es durch sein Follikelepithel mit dem Keimepithel zusammen. Wie uns die Figur zeigt, erfolgt die Ent¬ leerung der Eier in das Atrium einzeln; es ist ein Ei sichtbar, das sich durch die Narbenoffnung hindurchzwangt, eins ist bereits im Peribranchialraum. Ein Epitheliiberzug des Eies zerreifit allerdings, dies ist namlich das die Begrenzung der secundaren Keimhohle darstellende „viscerale“ Blatt des Kammerepithels. In Fig. 41 sind diese Verhaltnisse deutlicher zu erkennen; sie stellt die untere Partie eines Querschnittes durch Uber die Geschlechtsorgane von Amphiostis. 57 ein laichendes Ovar dar. Die meisten Eier liegen schon in der Keimhohle; sie platten sicli gegenseitig ab, so dafi ihr Querschnitt sehr verscliiedene Formen aufweisen kann. In der obern Ecke des Bildes ist ein entwickeltes Ei zu selien, das sicli nocb im Verbande des Keimepitliels befindet. Es liat noch einen grofi en Kern mit dem charakteristisclien Nucleolus. Solange sich namlich die Eier noch in ihren epithelialen Hiillen befinden, bewahren sie das Keimblaschen. Wie Sobotta angibt, werden zuweilen aucb Eier mit einem Keim¬ blaschen entleert, sie sollen dami unbefruchtet bleiben. Das Ei in der Figur ist eben im Begriffe in die Keimhohle zu treten. Gegen die Perigonialholile zu wird es von dem Follikelepithel uiiihiillt. Wie Neidert u. Leiber (41) angeben, wird mit der Entwicklung der Eier ihr Blutmantel allmahlich ganz riickgebildet; dementsprechend liefien sich auch in unserm Praparat unter der Follikellnille keine Blutgerinnsel nachweisen. Es ist sehr wahrscheinlich, daB infolge des innern Druckes in den Ovarien die Gefafie comprimiert werden, was offenbar den Vorteil hat, daB es bei dem Austritt der Eier zu keinen Blutverlusten kommt; dafi sich letzteres wirklich so verhalt, zeigt uns die Tatsache, daB sich in der Keimhohle laichender Ovarien keine Blutgerinnsel vorfinden. In unserer Figur wird das Ei durch das viscerale Blatt des Kammerepithels von der Keimhohle getrennt, ein Kern desselben ist deutlich zu selien. Wenn nun das Ei in die Keimhohle sinkt, so mufi das viscerale Blatt nachgeben und zer- reifien; diese Zerreifiung des visceralen Blattes diirfte es \vohl mit sich bringen, dafi es in altern Ovarien nicht mehr eine continuier- liche Epitheldecke darstellt. sondern vielfache Unterbrecliungen zeigt. Betrachten wir das Keimepithel in unserer Figur, so selien wir Partien mit Keimzellen und Strecken die davon vollkommen frei sind und nur kleinere Kerne aufweisen. Die Partien mit kleinen Kernen sind vielfach gefaltet und daher auf dem Schnitt zum Teil von der Flache getroffen, so dafi sie den Eindruck eines Binde- geivebes machen. In Wirklichkeit handelt es sich um ein einfaches Epithel, was ubrigens bei aufmerksamer Betrachtung leicht zu er- kennen ist. Dieses Epithel gelit in das Follikelepithel des noch un- reiten Eies uber, es ist also selbst nichts anderes als Follikelepithel. Die keimepithelfreien Strecken sind also Keste der Hiillen der in die Keimhohle gefallenen Eier; es durften wolil auch einige Fetzen des visceralen Blattes den Follikelepithelfalten anhaften, doch der Umfang des Follikelepithels, welches alle Eier umhtillt, ist im Ver- gleich mit dem visceralen Blatt, welches nur die zu einer ganz 58 Boris Zarnik, schmalen Spalte reducierte Keimhohle auskleidet, so groB, daB die Eeste des letztern dagegen ganz verschwinden. Dieser Schnitt zeigt uns klar, daB das Keimepitliel in seinem ganzen Umfang bestehen bleibt und daB, mit Ausnahme des zarten visceralen Blattes, kein Teil der Wandung zerreiBt. Sind nun die Eier entleert worden, so schrumpft die Gonaden- wand so stark ein, daB die einzelnen Keimepitlielbezirke an ihren Randern zur Beriihrung kommen und offenbar miteinander ver- schmelzen, denn Unterbrechungen des Keimepithels lassen sich auf diesem Stadium nicht mehr nachweisen. Die Narbenrander nahern sich einander und verwachsen; das anfangs lockere Gefiige der cen¬ tralen Region zeigt uns, wo friiher die Offnung gelegen war. Fig. 42 stellt uns ein Ovar, das die Laichungsperiode eben durchgemacht hat, dar; es ist im Juni in Neapel conserviert worden. Das Langs- gefaB ist auBerordentlich weit und ebenso auch die Follikellacunen. Wie wir sehen, sind nicht alle Eier entleert worden, das groBe Ei diirfte wohl schon soweit entwickelt gewesen sein, daB es die Polo- cyten hatte bilden konnen; es waren aber vielleicht die Faktoren, welche die Entleerung der Eier bevvirken, nicht mehr tatig und so muBte das Ei zuriickbleiben, um nun einem Zerfall anheimzufallen. Sein gezackter Rand deutet darauf hin, daB eine Resorption der Eisubstanzen begonnen hat; viel rveiter ist dieselbe bei den andern etwas kleinern Eiern fortgescliritten, sie zeigen einen vacuolaren Zerfall, der besonders bei den obersten deutlich hervortritt. Diese Eier sind nun bedeutend kleiner als die reifen; es handelt sich offenbar um ahnliche klein gebliebene Oocyten, wie sie Neidert u. Leiber (41) beschreiben. Nach den Angaben dieser beiden Autoren sind in reifen Ovarien aufier den ausgebildeten Eiern noch kleinere Oocyten zn flnden, die zwar in der histologischen Differenzierung mit ihren groflern Schwesterzellen Schritt halten, jedoch, wahr- scheinlich wegen mangelliafter Nahrungszufuhr in der GroBe zuriick- bleiben. Der Atrialepitheliiberzug der Narben ist in unserer Figur noch nicht continuierlich; ob die obere Narbe sich auch geoffnet hatte, ist immerhin fraglich, denn das Atrialepithel ist normaler- weise schon so stark verdiinnt, daB es leicht moglich ist, daB es infolge der Ausdehnnng der Keimdruse gerissen ist. Fragen wir uns nun nach den Faktoren, welche die AusstoBung der Eier bewirken, so wird es wohl nur in beschranktem Mafie moglich sein, eine befriedigende Antwort zu geben. Wir salien, daB in der Perigonialhulle Muskelfasern vorhanden tjber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 59 sind, doch scheint es mir sehr umvahrscheinlich zu sein, daG diese bei der Entleerung der Eier vvirksam waren. Denn eine Contraction der Perigonialhiille konnte an laichenden Ovarien in keinem Falle constatiert werden. Im Gegenteil fand ich die Perigonialhiille bei vielen laichenden Ovarien der lateralen Kammerwand so eng an- geschmiegt, da G sie kaum von der letztern unterschieden werden konnte (vgl. Fig. 41). Nachtraglich scheint sicli, wie Fig. 42 zeigt, die Perigonialhiille wohl zu contrahieren. es konnte sich allerdings auch bloG um ein rein passives Einsclirumpfen handeln. Die Korpermuskulatur diirfte an der Entleerung der Eier jeden- falls beteiligt sein. Dies laGt sich auch experimentell nachweisen. Prapariert man namlich eine Wand des Peribranchialraums mit den dazu gehorigen Gonaden, die im Eeifestadium sein miissen, frei und legt sie in eine die Muskeln reizende Fliissigkeit, z. B. in ein Fixier- mittel, so contrahieren sich die Muskeln so stark, daG die Korper- wand nach auGen concav wird; die Narben platzen dabei und die Geschlechtsprodukte treten aus. Wird jedoch das abpraparierte Stiick festgeheftet, damit eine so ergiebige Contraction niclit er- folgen kann, so bleiben die Gonaden intakt. Es diirfte daher mog- licli sein, daG die Entleerung der Keimprodukte auch normalerweise durch eine kraftige Contraction der ganzen Korpermuskulatur der betreffenden Seite veranlaGt wird. TIH. Die morphologische Bedeutung der Gonaden von Amphioxus. Die Geschlechtsorgane verleihen den Acraniern ein sehr cha- rakteristisches Geprage; vvahrend ihre hohern Yerwandten unsegmen- tierte Keimdriisen haben, zeigen die Amphioxusgonaden eine meta- mere Anordnung. Die Tatsache, daG sich bei reifen Lanzettflschen oft vor und hinter den funktionierenden Gonaden nocli mehrere rudimentare finden, laGt wohl den SchluG zu, daG sicli die Keimdriisen bei den Vorfahren des Amphioxus-nocli iiber eine groGere Zalil von Segmenten ausdehnten, wie gegenwartig. Wollen wir weitere Ankniiplungs- punkte an niedere Tierformen suchen, so miissen wir von den ent- vvickelten Keimdriisen mit ihren Genitalkammern absehen, denn Gebilde, welche mit den letztern zu vergleichen ivaren, finden sich bei YV irbellosen nicht. Fassen \vir hingegen die unreifen Gonaden- sackchen, welche durch Stiele mit ihrem Mutterboden im Zusammen- 60 Boris Zarnik, liano- stehen, und nocli jiingere Stadien ins Auge, so wird es nicht schwer sein, vergleichbare Bil duri gen bei den Wirbellosen zu finden. Wie wir oben sahen, besteht hochst wahrscheinlich urspriinglich eine Communication der Keimhohle mit der Holile des Muttersomiten; falls auch eine derartige Communication nicbt immer vorhanden sein solite, so konnen die Befunde, bei denen es sicli um eine solche Ver- bindung der Hohlen handelt, und die friihern Stadien nur so ge- dentet iverden, dali urspriinglich eine gemeinsame Keim- und Somiten- hohle bestanden hat. Die meiste Ahnlichkeit mit diesem Verhalten zeigen die Polychaten; die Keimzellen treten in einer groBern Anzalil von Korpersegmenten auf und zwar gehen sie aus dem Epithel der Leibeshohle hervor. Formen, bei denen die Keimzellen der Hinter- wand der Dissepimente ansitzen, zeigen manches Ubereinstimmende mit den erwahnten Stadien des Amphioxus; die Keimzellen brauchen sich nur in das nachstvordere Segment etwas vorzubuchten und wir haben ein Sackchen, das eine groBe Ahnlichkeit hat mit den Gonaden- anlagen yon Amphioxus. Die Entleerung der Gesclilechtsprodukte bei Amphioxus durch einen RiB der Peribranchialwand ist, obschon sie vollkommen gesetzmaBig verlauft, doch melir ein Gewaltakt, denn es handelt sich um eine ZerreiBung der Kdrperwand, um die Entstehung einer Wuude, was der relativ hohen Organisationsstufe des Amphioxus wenig zu entsprechen scheint. Das Zustandekommen dieses Prozesses in der phylogenetischen Entwicklung konnte mit der Ausbildung des Peribranchialraumes und mit der Trennung der Muskeltaschen von den Seitenplatten in Verbindung gebracht werden. Es ware daher nicht undenkbar, daB die Entleerung friiher durch die Nierenkanalchen erfolgte. Die Ausbildung der Gesclilechtsprodukte von Amphioxus scheint mir also einige Anhaltspunkte zu bieten fiir die Annahme, daB die Vorfahren des Amphioxus mit denen der Anneliden zusammenhangen; diese Annahme findet auch in der sonstigen Organisation des Amphioxus einige Bestatigung. Legkos (32) versuchte die reifen Gonaden von Amphioxus mit denen der Ascidien in Verbindung zu bringen. Obschon ich iiber- zeugt bili, daB die Tunicaten und Acranier sehr nalie verwandte Gruppen darstellen, scheint mir eine derartige Homologisierung doch nicht durchfuhrbar zu sein; die Entivicklung der Geschlechtsorgane in beiden Klassen, einerseits aus einem Strang mesenchymatischer Zellen, andrerseits aus dem Epithel der Muskelkammern erscheint vorlaufig so verschieden, daB sie gar keinen Vergleich zuliiBt und liber die Gescklechtsorgane von Amphioius. 61 dasselbe ist mit den reifen Gonaden der Fali. Die Schemata, welche Legros von den beiderlei Geschlechtsorganen gibt, sind zu schema- tisch, als dafi man darauf eine vergleichend-anatomische Hypothese griinden konnte, denn auf diese Art liefie sicli auch ein Vergleich zwischen den Geschlechtsorganen des Amphioxus und den Gonaden irgend eines beliebigen Tieres, etwa eines Mollusken, durchfiihren. Auf viel sichererm Boden bewegen wir uns, wenn wir die Gonaden des Ampliioxus mit dem Urogenitalsystem der Cranioten vergleichen. Boveri (6, 7, 8) hat die hierbei auftretenden Fragen selir ausfiihrlich und griindlich erortert; wenn ich hier trotzdem diese Verhaltnisse einer Bespreclmng unterziehe, so tue ich es, da ich glaube, durcli die an entwickelten Gonaden gemachten Befunde einiges beitragen zu konnen zur Festigung der Homologisierung der Geschlechtsorgane des Amphioxus mit der Urniere der Cranioten. Boveri fafite bei seinen Untersuchungen die embryonalen Ent- wicklungsstadien der Selachier ins Auge und verglich sie mit den Verhaltnissen bei Amphioxus. Der leitende Gesichtspunkt hierbei war ihm das sclieinbare Fehlen eines der Urniere der Cranioten gleichzustellenden Mesodermabschnittes bei Amphioxus. Ruckert (49) hatte durcli seine schonen Untersuchungen iiber die Entwicklung der Niere der Selachier gezeigt, dali die Gonaden- und die Urnieren- anlage in den engsten Beziehungen zueinander stehen; die Urgeschlechts- zellen treten in grofi er Menge in den segmentierten Teilen des Mesoderms auf, in der nachsten Naclibarschaft der Urniere, so dafi Ruckert die ganze Bildung als Gononephrotom bezeichnet. Zu einer ahnlichen Auffassung kam Van Wijhe (61), er spricht von Gon o tornem Vergleicht man dieses Gonotom mit der Amphioxus- gonade, so ist man wohl berechtigt, diese Lagerung der Urgeschlechts- zellen bei Selachiern als eine Recapitulation des Amphioxuszustandes aufzufassen; spater findet dann bei Selachiern eine Verschiebung der Urkeimzellen in die unsegmentierte Leibeshohle statt. Rabl (46) fand die Angaben Ruckert’s und Van Wijhe’s inbezug auf die Lagerung der Keimzellen in gewissem Sinne bestatigt. Neuere Untersuchungen von Bea-rd (5) und Woods (70) haben allerdings gezeigt, dafi die Urkeimzellen nicht aus dem Mesoderm ihren Ur- sprung nelimen, sondern schon von Anfang an als selbstandige Bildungen auftreten; durcli Wanderung kommen sie in verschiedene Teile des Mesoderms zu liegen, docli treten sie, wie vor allem Woons hervorhebt, in grofierer Menge in dem segmentierten Meso- 62 Boris Zarnik derm auf, was also den Angaben der friihern Autoren vollkommen entspricht. Kehren wir nun zn den Ausfiihrungen Boveri’s inbezug auf das Gononephrotom zuruck. Er zeigte, daB die Lage der Gononephrotome der Selacbier der Lage der Genitalkainmern von Amphioxus ent- spriclit; sie reprasentieren den untersten segmentalen Mesoblast- absclmitt. Es folgt daraus, dafi die Genitalkammern von Amphioxus potentia dieselben Elemente enthalten wie die Gononephrotome der Selachier. Da die Lage der Urkeimzellen bei Cranioten spater eine andere vvird, behalt von den beiden Elementen des Gononeplirotoms nur die Urniere die urspriingliche Lagerung. Diese ist daher den Genitalkammern von Amphkmis homolog. Die Urniere ist nach der Ansiclit Boveei’s also aus den Genitalkammern amphioxusahnlicher Craniotenvorfahren hervorgegangen und zwar, indem die zeitweise stattiindende Eroffnung. derselben in den Peribranchialraum per- sistierte und sich zn dem Endabselmitt des Urnierenkanalchens aus- bildete, die Keimzellen selbst dagegen sich in die unsegmentierte Leibesholile verschoben. Den Peribranchialraum homologisievt Boveri mit dem Vornierengang der Cranioten. Der leitende Gesichtspunkt hierbei ist ihm das Vorhandensein der bekanntlich von ihm (und bald darauf auch von Weiss (66)) entdeckten Nierenkanalchen, \velche Boveri mit den Vornierenkanalchen homologisiert. Gegen diese Auffassung des Nierensystems der Wirbeltiere sind viele Einwande erhoben worden, sie griinden sich hauptsachlich auf Verhaltnisse bei hohern Cranioten. Trotz diesen Einwanden, auf die ich weiter unten eingehen will, glaube ich doch an der be- sprochenen Auffassung festhalten zu konnen, und zwar auf Grund der an reifen Gonaden von Amphioxus gemachten Befunde. Wie wir im speziellen Teil sahen, treten in der Keimdriise von Amphioxus richtige Excrete auf. Ich will hier die AuBerung Boveei’s inbezug auf die von ihm postulierte Umbildung der Genital- kammer in ein Harnkanalchen wortlich anfiihren. „Solite es nicht ganz wahrscheinlich sein,“ meint Boveei (7), „daB diese aus den Genitalkammern entstandenen Kanale der Excretion dienstbar ge- macht werden? Die Bedingungen dafiir sind vorhanden. Die Kanalchen miinden in einen bereits als Harnleiter fungierenden Gang, den Vornierengang (d. i. Peribranchialraum) und es ziehen BlutgefaBe an ilinen vorbei, die. nachdem sie frtiher die Geschlechts- zellen zu ernahren hatten. sogar als sehr wohl entwickelt voraus- gesetzt werden diirfen. So lafit sich wohl nichts gegen die Annahme liber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 63 eimvenden, dafi diese Gefafie, anstatt wie friiher Ernahrungsfliissig- keit an die Kanalchen abzugeben, Zersetzungsprodukte in dieselben aussclieiden.“ Dies ist nun nicht nur wahrscheinlieh, dies ist tat- s a c h 1 i c h d e r Fali, die Gonaden enthalten Excrete, die allerdings zugleich mit der Nahrfliissigkeit abgegeben werden. Inbezng auf einen Punkt glaube icli die Theorie BovebTs auf Grund dieses Be- fundes erweitern zu diirfen. Boveri spridit namlich nicht von Gonaden selbst, sondern nur von Genitalkammern, indem er offenbar von der Tatsache ausgeht, dafi sich in den meisten Fallen die Ur- keimzellen schon auf sehr friihen Entwicklungsstadien von den Generationen der Somazellen trennen; dies ist bei Amphioxus nicht der Fali, indem eben Zellen, die von den Urkeimzellen gar nicht zu unterscheiden sind, doch zu Somazellen, zu excretorischen Zellen werden. Wenn wir diese Tatsache beriicksichtigen, so diirfen wir die Homologisierung mit der Craniotenurniere wohl auf den ganzen Gonadenkomplex von Amphioxus (also Genitalkammer -J- Keimdriise) ausdehnen. Die Entstehung der Urniere liatten wir uns daher so vorzustellen, da.fi eine starkere Excretion seitens der Gonaden, wakr- scheinlich einhergehend mit einer Riickbildung der Vornierenkanalchen, eine Trennung der Keimzellen von dem excretorischen Teil der Gonade notivendig machte. Von einer hjpothetischen Reconstruktion der weitern Differenzierungsvorgange, fiir welche uns die Be- funde bei Amphioxus keine Anhaltspunkte liefern, \vill ich hier absehen. Die Tatsache, dafi die Gonaden des Amphioxus, die ja aus einem Abschnitt des Mesoderms hervorgehen, der bei den Selachiern die Urniere liefert, Excrete producieren, scheint mir, abgesehen von andern iibereinstimmenden Merkmalen, an sich schon ein ungemein kraftiges Argument zu sein fiir die Annahme einer Homologie der Amphioxusgonade mit der Selachierurniere. Die excretorische Funktion der Ampliioxusgonade zeigt uns, dafi sich die Ubereinstimmung der beiden Organe bis auf die feinsten histologischen Verhaltnisse er- streckt, denn die Excretion ist ja niclits anderes als ein Ausdruck des feinern Baues der betreffenden Zellen. Einen andern Beweis fiir die Homologie der Amphioxusgonade mit der Craniotenurniere erblicke ich in der Gefafiversorgung des erstern Organs. Die Gonaden von Amphioxus beziehen ihr Blut aus den Cardinalvenen. Dafi es sich um Cardinalvenen handelt, hat Legros (33) durch Bezugnahme auf ihre Lage zu dem Gesamtgefa.fi- system und auf die aus ihnen entspriugenden Gefafiaste (die von 64 Boris Zarnik, Bubchardt [10] entdeckten Ductus Cuvieri 1 )) nachgewiesen. Die ganze Ausbildung der Cardinalvenen von Amphioxus zeigt, dati sie im innigsten Zusammenhange mit den Gonaden stelien; wie wir sahen, ist ihr Auftreten in der embryonalen Enttvicklung durcli das Auftreten der Gonade bedingt; sie sind die eigentlichen GefaBe der Gonaden nnd richten sich in ihrer AA'eite nach der Entfaltung der Gonaden. Das gleiche Verhalten der Cardinalvenen, nnd zwar ist es liier die hintere Cardinalvene, inbezng auf ein bestimmtes Organ sehen wir auch bei Selachiern. Nach der Aussage der meisten Forscher, die sich mit der Entwicklung der Selachier beschaftigten, treten die hintern Cardinalvenen bei Embryonen erst auf. wenn sich dieses Organ zu entfalten beginnt und bleiben von nun an im innigsten Zusammenhang mit demselben. Dieses Organ ist die U r n i e r e. Bei andern AVirbeltierklassen liegen die Verhaltnisse allerdings etwas anders, docli zeigt auch liier die Cardinalis posterior einen sehr engen Anschlufi an die Urniere, aufierdem sind die Verhaltnisse bei Selachiern als die primitivern aufzufassen, denn von ihnen lassen sich alle Complikationen, die wir bei hohern Cranioten an- treffen, sehr einfach ableiten, nur die einfachen A^erhaltnisse bei Selachiern ermoglichen uns eine einheitliche Auffassung des Gefafi- systems der Cranioten. Es stimmen ja iibrigens alle Autoren in dieser Auffassung des Selachiergefal,)systems iiberein. Hochstetter z. B. stellt daher auch in seiner Bearbeitung der Entwicklungs- geschichte des Gefa8systems in Hebtwig’s Handbuch die Selachier allen iibrigen Vertebraten an die Spitze. 2 ) 1) AVie ich einer FuBnote bei Van AAOjhe (64), die ich friiher iiber- sehen, entnehme, gibt dieser Forscher an, daB audi ihm dieses GefiiB schon bekannt war. Auch er homologisiert es mit dem Ductus Cuvieri der Cranioten. 2) Da hier von diesem AVerke Hochstettee’s die Eede ist, sei es mir gestattet, einiges inbezug auf eine FuBnote in meiner Arbeit „Uber segmentale Venen etc.“ (71) nachzutragen. In der FuBnote 1 j 3 - 627 machte ich darauf aufmerksam, daB das HoCHSTETTER’sche Schema der embryonalen Venenstiimme von Petromyxon nicht ganz iibereinstimmt mit der diesbeziiglichen Figur (138) bei Goette, obschon es heiBt „nach Goette". Herr Prof. Hochstetteb hatte nun die Giite, mir mitzuteilen, daB er bei der Schematisierung die \ erlaufsrichtung der V. cardinalis der Deutlichkeit halber etwas anders gezeichnet hat als Goette und zwar unter Beriicksichtigung der Angaben Goette’s im Text (deren Richtigkeit ich allerdings zum Teil anzweifle). Eine Verwechslung der liber die Geschlechtsorgane von Amphiosus. 65 Wir salien also, dali inbezug auf das Venensystem dieGonaden von Amphioxus genau dasgleicheVerhalten aufvveisen wie dieUrniere derCranioten, vor allemderSelacliier. Es kommen liier allerdings zunachst die Gonaden in Betracht, welche im Bereiche der liintern Cardinalvene, also caudalvvarts vom Ductus Cuvieri gelegen sind, denn die Urniere der Selachier liegt im Bereich der liintern Cardinalvene, vvahrend bloG ein Drittel der Gonaden- reibe des Amphioxus von der Cardinalis posterior versorgt wird. Miissen wir da wohl annehmen, dali sich die Homologie mit der Selachier- urniere blofi auf diese liintern Gonaden erstreckt, dali sich also die vordern zwei Drittel der Gonadenreihe im Laufe der phylogenetischen Entwicklung riickgebildet liaben? Diese Frage steht im engsten Zusammenhange mit dem sclion oft discutierten Problem des Amphioxuskopfes; vir miissen daher zunachst auf diesen Punkt ein- gehen. In der beriilnnten Schrift iiber das Kopfskelett der Selachier vertrat Gegenbaub (15) die Ansicht, dali der ganze vom Kiemen- darm eingenommene Korperabschnitt des Amphioxus dem Kopfe der Cranioten entspricht. Van Wijhe (62) hingegen wies mit Riicksicht auf die Entwicklung des Kiemenkorbes darauf hin, dali derjenige Teil desselben, der durch die Bildung der tertiaren Kiemenspalten zustande kommt, offenbar dem Kopfe nicht angehoren kann und statuierte die Zahl 9 fttr die Anzahl der dem Kopf der Cranioten entsprechenden Segmente des Amphioxus. Boveiii (7) konnte sich dieser Auffassung nicht ganz anschlielien, fallt aber audi einen Teil des Kiemenkorbes als dem B-umpf angehorig auf und zwar dies vor allem mit Riicksicht auf die Nierenkanalchen, Zu dieser Auffassung der Kiemenregion des Amphioxus, als eines der Kiemenregion und dem Vorderrumpf der Cranioten entsprechenden Gebildes, welcher sich meines AVissens die meisten Forscher angeschlossen (auch Gegenbaub, (16) acceptierte sie spater in geivissem Sinne) scheint die Tatsache, daC der Ductus Cuvieri des Amphkmis hin ter dem Kiemenkorb gelegen ist, im Widerspruch zu stelien. Bei Cranioten miindet bekanntlich der Ductus Cuvieri dicht hinter der Kiemen¬ region in das ventrale GefaC, vvelches liier zum Herzen differenziert ist. Ich glaube jedoch zeigen zu konnen, dah dieser Widerspruch nur ein scheinbarer ist. Wie Van Wijhe (64) angibt, verschiebt Cardinalvene mit der Darmlebervene seitens HoCHSTETTER’s, von der ich in der betreffenden Anmerkung spreche, ist daher als ausgeschlossen zu betrachten. 5 66 Boris Zarnik, sich das Herz von Amphioxus [so bezeichnet er meinen (Lit. 71) Sinus venosusj mit dem Auftreten der tertiaren Kiemenspalten nach hinten, so dati es immer dicht hinter dem Kiemenkorb gelegen ist; die Verlagerung J ), die der Sinus venosus erfahrt, ist also ziemlicli betrachtlich, sie entspricht der Lange des Bezirkes mit tertiaren Kiemenspalten. Nach den Ausfiihrungen Van Wijhe’s \vird der Sinus venosus des envaclisenen Amphioxus von Aveiter caudalwarts liegenden Spinalnerven versorgt als das Herz der Cranioten und zwar eignet er sich bei der Verschiebung nach riickwarts immer weiter nach hinten liegende Nervenaste an. Bei der Riickbildung der hintern Kiemenspalten der amphioxusahnlichen Craniotenahnen wird es sich dalier offenbar wieder um denselben Vorgang, allerdings in umgekehrter Reihenfolge, gehandelt haben, denn fiir eine Homologie des Sinus von Amphioxus mit dem Herzen der Cranioten spridit sowohl die Lage wie auch das Verhalten zu dem iibrigen Gefafi- syst.em. Bei dieser Verschiebung des Herzens nach vorn muSte sich auch der Ductus Cuvieri nach vorn verschieben, denn wir flnden ihn iiberall in derselben Querebene Avie den Sinus venosus. Es kamen daher bei dieser Verschiebung immer Aveitere Korperbezirke, Avelche anfangs im Bereich der Cardinalis anterior lagen. in das Gebiet der Cardinalis posterior zu liegen, mit andern Worten, die hintere Cardinalvene bat sich auf Kosten der vordern nach vorn verlangert. So kam nun auch der groilte Teil der Gonaden in den Bereich der hintern Cardinalvene zu liegen, die Homologisierung mit der Urniere hat mithin auch fiir die vor dem Ductus Cuvieri gelegenen Gonaden des Amphioxus Geltung. Blofi die vordersten Gonaden diirften sich riickgebildet haben. Die Ahnlichkeit der Amphioxusgonade mit der Urniere beschrankt sicli aber in dieser Beziehung nicht blofi auf das Verhaltnis zu den KorpergefaMammen, sondern sie gelit nocli Aveiter. Auch die feinern VerzAveigungen der Gefiifie an der Gonade entsprechen denen der Urniere. Ich gebe hier ein Schema von dem Venensystem des Amphioxus (Fig. R). Seitlich sehen Avir den Cardinalvenen segmental angeordnete Geiali- 1) Es ware interessant, das Verhalten des Ductus Cuvieri bei dieser Verschiebuug des Sinus venosus zu verfolgen; ich halte es fiir sebr wahr- scheinlich, dah auf diesen primitiven Stadien nocli vordere Quervenen vor- handen sind, welche bei der Verschiebung des Sinus venosus eine nach der andern die Rolle eines Ductus Cuvieri spielen und dann degenerieren; es mag aber auch sein, dafi da nocli alle Quervenen gleichmiiBig auB- gebildet sind. Uber ilie Geschlechtsorgane von Amphioxus. 67 sind dies die Gonadenlacunen. Jedem, der mit des Venensystems bei Selachiern vertraut ist, wird Ahnlichkeit mit der Cardinalis posterior der auffallen. netze ansitzen, es den Verhaltnissen getvifl sofort die grofie erwachsenen Selachier Der einzige Unterschied ist der. dali bei Amphioxus diese Gonaden- wundernetze unipolar sind, bei Selachiern aber bipolar. Doch dieser Gegensatz ist kein prin- zipieller, denn man kann den bi¬ polaren Zustand aus dem unipolaren leicht dnrch eine Spaltnng der Cardinalis posterior von Amphioxus in zwei parallele Stamme, von denen der eine eine Verlangerung der Candalvene darstellt, der andere aber die eigentliche Cardinalvene ist, ableiten. Dies wiirde auch ungefahr den von Balfour (1) und von Eabl (45) geschilderten Prozessen der Entwicklung des Se- lachiervenensystems entsprecben. Ich venveise in dieser Beziehung auf die bekannten RABL’schen nnd HocHSTETTER’schen (24, 25) Sche- mata, die ja in alle Lehrbiicher aufgenommen wurden. Das Am- phioxnsvenensystem wiirde einem Stadium der Selachierentwicklung entsprecben, wo die Cardinalis posterior continnierlich in die Cau- dalvene ubergeht (vgl. auch Fig. 1, Lit. 71). Ware auf diesem Stadium Fig. R. Sohema des venosen Kreislaufes von Amphioxus. DCd Ductus Cuvieri dexter, DCs Ductus Cuvieri simster, Gg Genitalgefalie. Ll Leberlaeunen, Lv Lebervene, Pl Parietal- lacnne, Qc l —Qv 1 Quervenen, Vca Vena cardinalis auterior, Ved Vena caudalis, Vcp Vena cardinalis posterior. 68 Boris Zarnik. schon eine entvvickelte Urniere vorhanden, so waren \vahrscheinlich ihre Wundernetze auch unipolar. Diese Erwagungen berechtigen uns wohl dazu, das Nierenpfortadersystem der Selacbier mit dem Genitalpfortačlersjstem von Amphioxus (vgl. Kap. IV) x zu homologisieren. Betrachten wir alle die besprochenen Ahnlichkeiten zwischen der Amphioxusgonade und der Craniotenurniere, so \vird gevvifi jeder Unbefangene die behauptete Homologie als selir wohl begriindet an- erkennen miissen. Um an diese Homologie noch weitere Vergleiclie ankniipfen zu konnen, haite ich es fiir angezeigt, die Eimvande, welche gegeu die angefiilirten Auffassungen von der Vorniere und von den Gonaden des Amphioxus erhoben wurden, zu besprechen. Icli vvill Iiier nur die Punkte hervorheben, die speziell fiir Amphioxus in Betracht kommen. Uber das Verhaltnis der Vorniere zu der Urniere gibt es bekanntlich zwei Auffassungen. Nach der <ern Ansicht (Gegen- baur, W. Muller und Furbringer), die aucli gegemvartig von der Mehrzahl der Forscher vertreten wird, sind die Vorniere und die Urniere nicht homodyname Teile desselben Organsystems, sondern sie sind aus verschiedenen Anlagen hervorgegangen, oder wie andere annehmen, die Urniere ist eine „vervollkommnete Generation“ der Vorniere. Nach der andern Auffassung, die von Sedgwick (54) be- griindet vmrde, sind die Vorniere und Urniere (und auch die Nach- niere) bloB verschiedene Abschnitte desselben Organsystems. Diese Ansicht fand anfangs wenig Anklang, spater sind jedocli einige Forscher, so Field (14), Priče (43) und vor allem Brauer (9) fiir dieselbe eingetreten. Mit den oben besprochenen Theorien uber die Homologa der Cranioten-Excretionsorgane bei Amphioxus vertragt sich begreiflicherweise nur die erstere Ansicht, wahrend die Ver- treter der letztern Auffassung zum mindesten die Homologie der Amphioxusgonaden mit der Urniere nicht anerkennen konnen. Die Ansicht, dali die Nierenkanalchen von Amphioxus der Vorniere der Cranioten homolog sind, vertragt sich jedocli ganz gut mit beiden Auffassungen der Cranioten-Excretionsorgane. Es bat daher auch die Mehrzahl der Forscher diese Theorie Boveri’s mehr oder weniger acceptiert. Priče und Brauer setzen selbstredend konsequenter- weise die Nierenkanalchen von Amphioxus ihrem Holonephros, auf welchen ich noch spater zu sprechen komme, homolog. Gegen die Auffassung der Nierenkanalchen von Amphioxus als einer Vorniere oder iiberhaupt als eines den Excretionsorganen der Cranioten Uber die Geschlechtsorgane von Amphiosus. 69 irgendwie homologen Organs hat sicli Van AVijhe (9) ausgesprochen. Van AVijhe glaubt namlich in der Thymus der Cranioten ein Homologon der „epibranchialen“ Kanalchen von Amphioxus zu er- kennen, und zwar scheint ihm die Branchiomerie der letztern und iiberhaupt ihr enger Anschlufi an die Kiemenbogen im AViderspruch zu stehen mit einer Vergleichung mit der Vorniere; auch das Vor- kommen der Nierenkanalchen in der Kopfregion scheint ihm da- gegen zu sprechen, ,.da der Pronephros samtlicher Cranioten auf den Rumpf beschrankt ist“. Was zunachst die Deutung der Nieren¬ kanalchen als Homologa der Thymus anlangt, so liegt ihre AVillkiir- lichkeit auf der Hand. Es lafit sicli wohl keine embryologische Tatsache anfiihren, die fiir diese Hypothese sprechen wiirde, im Gegenteil machen die Untersuchungen von Dohrn (12), de Meueon (37), Van Bemmelen (59), Maurer (85, 36) und Beard (4) eine solche Annahme selir umvahrscheinlich. Die Thymus entsteht bei niedern AVirbeltieren aus dorsalen Epitlielknospen [Thymus- placode (Beaiid)] einer oder mehrerer Iviemenspalten, bei Vogeln aus einem langen Strang, der dem Gipfel der dritten Kiemenspalte entstammt und einer schvvachen AVucherung des Gipfels der vierten Spalte, bei Saugetieren sind die Thymusanlagen ein ventraler Sclilauch der dritten Kiemenspalte und auch ein doppeltes Divertikel derselben. Ihre Anlage ist also auf das Entoderm zuriickzufiihren. (Nach His (23) soli der Sinus praecervicalis die epitheliale Anlage beim Menschen abgeben, diese ware also ektodermal, doch hat dies hier nichts zu bedeuten, denn die Thymus der Sauger ist ja ein ganz anderes Organ als die Thymus der andern Cranioten.) Die Entwicklung der Nierenkanalchen ist zwar nocli niclit bekannt, doch zweifelsohne haben sie mit dem Entoderm nichts zu tun. Was nun die Branchiomerie der Nierenkanalchen anbetrifft, so wird da etwas behauptet, was bei der Beurteilung einer solchen Homologie gar nicht in Betracht kommt, denn sobald sicli die Iviemenspalten riick- bilden, kann es keine Branchiomerie mehr geben. Dali sicli die Nierenkanalchen nun segmental anordnen, ist nichts Unmogliches; wir sehen ja dasselbe au'Cli bei andern Organen. So zeigen z. B. die Sinnesorgane der Seitenlinie der hohern Fische und Amphibien eine streng segmentale Anordnung, wahrend sie bei Cyclostomen [Langebhans (30)] noch ganz unregelmafiig liber den Kdrper zer- streut sind. Ihre Metamerie bei den erstern Gruppen ist also eine sekundare, iibrigens ist auch die Embryonalanlage der Seitenlinie bei diesen Formen anfangs gar nicht metamer. Was speziell die 70 Boris Zarnik, Excretionsorgane anlangt, so bietet uns eine von Lang (29) be- schriebeiie Seeplanarie, Gunda segmentata, interessante Verhaltnisse; hier folgen namlich die Excretionsorgane der Korpersegmentierung, die Excretionscapillaren sind zwar regellos zerstreut, liingegen sind gewisse Knauel, welche von den Sammelgefafien gebildet werden, streng segmental angeordnet und ebenso die Miindungen dei' Excret- kanale nach auBen. Wie aus dem ganzen Bau dieses Tieres her- vorgeht, ist die Segmentierung der Excretionsorgane mir eine An- passung an die Segmentierung der ubrigen Organe (Darm, Geschlechts- organe), also sekundar. DaB zwischen der Segmentierung und Niclitsegmentierung kein so grofier Gegensatz besteht, wie vielfach angenommen wird, zeigen uns iibrigens audi die Geschleditsorgane von Amphioxus, die ja segmental sind, wahrend die der Cranioten einfach sind; man mufi doch, mag man das Verhaltnis der beiderlei Geschleditsorgane auf- fassen wie man vvill, einen Ubergang des einen Zustandes in den andern annelnnen. Der zweite Eiinvand, dafi die epibranchialen Kanalchen auf die Kopfregion beschrankt sind, wird schon dadurch hinfallig, dafi, wie wir seit den Untersuchungen Price’s (43) wissen, bei Myxinoiden Vornierenkanalchen audi in der Kiemenregion zur Anlage kommen; dasselbe gibt Hatta (21, 22) fiir die Petromjzonten an. Der Homologisiernng der Nierenkanalchen von Amphioxus mit der Vorniere der Cranioten diirften also wohl keine stichhaltigen Bedenken entgegenstehen. Die Homologisiernng der Genitalkammern mit der Urniere ist liingegen von den verschiedensten Seiten angegriffen worden. Die grobe tibereinstimmung der Vorniere und Urniere bei hohern Wirbel- tieren scliien den meisten Autoren dagegen zu spreclien. Es liaben daher audi Forscher, die eine Verschiedenheit der Anlagen beider Systeme anerkennen, die ervvahnte Theorie abgelehnt; vor allem ware liier Semon (55) zu erwahnen, dei in der Urniere bloB eine „zweite Generation“ der Vorniere erblickt. Da bereits Boveki gezeigt bat, dafi man sicli unter clieser Phrase keinen phylogenetischen Vorgang vorstellen kann, brauche icli auf diesen Einwand wohl niclit einzugehen. Semon (56) findet in dem PniCE’scheii Befund einen Beweis fiir seine Auffassung des Nierensystems. Priče (42, 43) untersuchte junge Entwicklungsstadien von Bdellostoma und fand bei jungern Stadien (A und B) ein aus metameren Kanalchen be- stehendes Nierensystem, das sicli durch den ganzen Korper erstreckt. Uber die Geschlechtsorgane von Amphiosus. 71 Auf einem altern Stadium (C) ist in dem vordern Korperabschnitt eine Vorniere ausgebildet, in dem hintern hingegen eine Urniere. Ganz richtig vergleicht Pbice jenes primare Nierensystem mit den Nierenkanalchen von Amphioxus. Die Tatsache, dali auf dem Stadium C zwei differente Nierensysteme entwickelt sind, la lit ihn annehmen, dali die Urniere aus dem hintern Abschnitt des primitiven Nieren- systems hervorgegangen ist, die Vorniere aus dem vordern, er fatit d ah er beide Systeme unter dem Begriif eines Holonephros zu- sammen. Der PniCElsche Befund beweist uns in Wirklichkeit, was Felix (13) schon sehr klar diskutiert hat, in dieser Hinsicht gar nichts, denn, da das Stadium C schon sehr viel alter ist als B, kann es ebensogut moglich sein, dali sich auf den Zwischenstadien das primare Nierensystem in dem hintern Rumpfabschnitt ganz rlick- bildet und durch ein neues, aus einem andern Teil des Mesoderms hervorgegangenes Nierensystem, die Urniere, ersetzt wird. Bis also nicht neue Untersuchungen vorliegen, kann man sich in dieser Hin¬ sicht auf die PuicE’schen Befunde in keiner Weise berufen. Im Gegenteil glaube icli, dali durch die Untersuchungen Maas’ (34) an Myxine die letztere Deutung der PiucE’schen Befunde, dali sich das primare Nierensystem im hintern Rumpfabschnitt ruekbildet und durch ein neues ersetzt wird, sehr rvahrsclieinlich geworden ist. Wie Maas zeigte, erinnert die Vorniere von Myxine mit ihren Kanalchen lebhaft an die entsprechenden Bildungen bei Amphioxus, wahrend die Urniere ganz andere Verhaltnisse aufweist. Mit Recht sagt Maas von den Myxinoiden: „Sie vermitteln auch in ihrem Ex- cretionssystem zwischen Amphioxus und den niedersten eigentlichen Fischen. ; ‘ Es ist meiner Meinung nach wohl kaum denkbar, dali zwei Abschnitte eines einheitlichen Systemes trotz gleicher Funktion so different werden sollten wie die Vor- und Urniere von Myxine. Einen ahnlichen Standpunkt wie Puice vertritt auch Beauee (9). Auf Grund seiner Untersuchungen uber die Entwicklung des Uro- genitalsystems von Hypogeophis kommt er zu dem Schluii, dali die Vorniere und Urniere der Cranioten verschiedene Abschnitte eines Holonephros sind, und zwar ist der vordere Abschnitt desselben das larvale Excretionsorgan (Vorniere), der hintere Abschnitt hingegen das Excretionsorgan des envachsenen Tieres (Urniere) und ist daher hbher ausgebildet worden. Mit dieser Auffassung des Nierensystems stehen vor allem die Beobachtungen uber das Vorkommen von Vor- nieren- und Urnierenanlagen in demselben Segment im Widerspruch. Es kommen hier besonders die ubereinstimmenden Angaben Ruckert’s 72 Boris Zarnik, (49), Van Wijhe’s (61) und Rabl’s (46) fur das Nierensystem der Selachier in Betracht. Brauer sucht diesen Angaben dadurch zu begegnen, dali er die Urnierenanlagen der in Frage kommenden Segmente nicht als solche anerkennt, sondern er lialt sie fur Teile der Vornierennephrotome. Er kniipft an Rabl’s fig. 3 c, tab. 15 an, welche einen Schnitt durcli die Anlage des zweiten Urnieren- kanalchens darstellt, und meint, dies sei kein Urnierenkanalchen, weil die Wande dieser Bildung nicht in allen ihren Teilen das gleiche Epithel aufweisen, wahrend die Anlage eines Nierenkanalchens stets in allen Wanden ein Cylinderepithel bat. Der Schnitt fig. 3 c trifft das Kanalchen an seiner Peripherie und lafit schon deshalb keine Aussage liber die Ausbildung des Kanalchenepithels zu; er zeigt uns nur, dati das Kanalchen nach oben zu gegen das Sklerotom nicht scharf abgegrenzt ist. Die rveiter vorn liegenden Schnitte durcli dasselbe Kanalchen (fig. 3 a und b) zeigen uns das schonste Cylinderepithel. Rabl bemerkt nun ausdriicklich: „Ganz ahnliche Bilder wie vom ziveiten Urnierenkanalchen erhalt man von den nachstfolgenden. Weiter nach hinten andern sich allmahlich 1 ) die Bilder, und wenn auch die Entwicklung der Urnierenkanalchen im ganzen Rumpf in der gleichen 1 ) Weise erfolgt. . . fig. 4, tab. 15, \velclie das 20. Urnierenkanalchen darstellt, zeigt uns, dali es sich hier um die dieselben Wandungsverhaltnisse handelt wie bei dem zweiten Urnierenkanalchen. Die Eimviinde Biiauer’s, dali die Form der in fig. 3 dargestellten Unvirbelcommunikation der eines Urnierenkanalcheris nicht entspricht, werden vollkommen entkraftet durcli die angefuhrten Worte Rabl’s, dafi sich die Bilder von vorn nach hinten allmahlich andern, dali es sich also um all- ma h lic h e Ubergange handelt, woraus es sich ergibt, dali die Urwirbelcommunikationen der vordern Segmente demselben System angehoren wie- die andern Urnierenanlagen. Es geniigt iibrigens bloS ein Blick auf die Abbildungen der klaren RABUschen Modelle, um einzusehen, dali die Anlagen der Vorniere und Urniere inbezug auf den Ort ihrer Entstehung von Anfang an verschieden sind: Die Vorniere g e h t a u s e i n e m den S e i t e n p 1 a 11 e n n a h e r liegenden Abschnitt des Meso der ms liervor als die Urniere, was wohl auch selir fiir eine Verschiedenheit beider Systeme sprechen diirfte. Ebenso uberzeugend wie die ItAnrlscheu Bilder sprechen auch 1) Im Original nicht gesperrt gedruckt. liber die Geschleehtsorgane von Amphioxus. 73 die altern Angaben RuckbrFs und Van Wijhe’s fiir das Auftreten der Urniere und Vorniere in den gleichen Segmenten. Man ver- gleiche nur Ruckert’s (49) fig. 19, tab. 15 und Van Wijhe’s (61) fig. 6 a—g, tab. 30. Ich gebe gern zu, dafi die Vorniere und Urniere der Gymno- phionen in ihrem Bau sehr iibereinstimmen, so dafi bei alleiniger Beriicksichtigung dieser Tiergruppe die Annahme, es handle sich um zwei Abschnitte eines einheitlichen Nierensystems, wohl sehr nahe liegen mag. Die Befunde bei Selachiern, die zweifelsohne eine sehr primitive Gruppe darstellen, sprechen jedoch, wie wir sahen, mit grofler Entsehiedenheit gegen eine derartige Homodynamie. Ubrigens zeigen audi die Vorniere' und Urniere der Gymnophionen in ihrer ersten Anlage einen Unterschied, der mir sehr beachtens- wert zu sein scheint. Die Vornierenkanalchen entstehen namlich aus der lateralen Wand des Nephrotoms, die Urnierenkanalchen aber aus einer mehr dorsal gelegenen Partie des letztern. Brauer ist zwar bemiiht, zu zeigen, dal3 dies biol! ein scheinbarer Unterschied sei, doch wird dies durch seine fig. 76, tab. 5, welche die erste An¬ lage eines Urnierenkanalchens darstellt, wenig bestatigt: es handelt sich um eine ganz deutlich dorsalwarts gerichtete Ausstulpung der obern lateralen Kante des Nephrotoms. Brauer meint, diese Bildung kame „infolge der engen Lagerung des Nephrotoms am Vornieren- gang“ zustande; ob nicht vielleicht das Umgekehrte der Fali sein konnte, dali namlich der Vornierengang eben infolge des dorsalen Auswachsens des Nephrotoms diesem so eng angelagert ist? Ich sehe wenigstens nicht ein, warum nicht das Nephrotom einfach lateralwarts eine Knospe treiben konnte, um mit dem Gange zu verschmelzen. Der Umweg, den das Kanalchen macht, um zu dem Gange zu gelangen, konnte vielleicht doch als ein palingenetischer Vorgang gedeutet werden. Aus dem Gesagten scheint mir hervorzugehen, dali vom Stand- punkte der Embryologie die Ansicht, da.6 die Vorniere und Urniere grundverschiedene Bildungen sind, mindestens ebeusoviel Wahr- scheinlichkeit tur sich in Anspruch nehmen darf, wie die entgegen- gesetzte Auffassung. Um hier eine Entscheidung zu treffen, bleibt zu untersuchen, welche von den beiden Auffassungen sich besser mit vergleichend-anatomischen Befunden vereiuigen lalBt. Die be- sprochenen Verhaltnisse bei Amphioxus und bei Myxine (Maas 34) sprechen nun in jeder Beziehung tur die erstere Auffassung. Fiir die Befunde Brauer’s bei Gymnophionen bliebe sonach nur 74 Boris Zarnik, die naheliegende Deutung als Convergenzerscheinung iibrig; denn die Vorniere der Gymnophionen functioniert eben als Larvenorgan, und es ist daher eine Annaherung an die Urniere, infolge der gleiclien Function beider Organe, sclion von vornlierein zu er- vvarten. Aus der liier vertretenen Auffassung der Excretionsorgane des Amphioxus und der Cranioten ergibt sich, dali der Vornierengang dem Peribranchialraum entspricht. Im speziellen verweise ich in dieser Beziehung auf die schon vielfacli citierten Arbeiten BoverTs (6, 7). Durcli die eingelienden CJntersuchungen Rabl’s (46) ist zwar die Beteiligung des Ektoderms an der Bildung des Vornierenganges der Selachier (Ruckert (49), Van Wijhe (61), Laguessk (28), Beard (3)), die wohl als ein Argument fiir die erwalmte Theorie angeselien werden komite, zveifelhaft geworden. Van Wijhe versuchte aller- dings spater (63) wieder seine Ansicht aufrecht zu erhalten, und ich muli gestelien, dali mir die von ihm abgebildete Zellteilungsflgur in der Tat fiir einen Ubergang ektoblastischer Elemente in den Vor¬ nierengang zu sprechen scheint. Wie dem iibrigens aucli sein mag, ich glaube, dali die embryonale Entstehung des Ganges fiir die Ent- scheidung der Frage belanglos ist., Seit vir wissen, dah sich die Linse des Tritonauges ebensogut aus der Iris als aus der Epidermis bilden kann, felilt jede Berechtigung, vergleichend-anatomisch be- grundete Homologien auf Grund embryologischer Befunde anzufechten. Vergleichend-anatomisch aber steht folgendes fest: Wir liaben bei Amphioxus eine Hohle, die sich durcli den ganzen Rumpf erstreckt. In diese Hdlile miindet einerseits eine Reihe von Nierenkanalchen, fiir welche wohl kaum bezweifelt \verden kann, dali sie dem Pro- nephros homolog sind, andrerseits erbffnen sich in dieselbe, wenigstens zeitvveise, segmentale Organe, velche aus demselben Abschnitt des Mesoderms hervorgehen wie die Urniere, velche dieselben Beziehungen zum Venensystem aufvveisen, wie die Urniere, velche selbst auch excretorisch tiitig sind, welche also hochst wahrscheinlich der Ur¬ niere liomolog sind. Der durcli diese Beziehungen charakterisierte Hohlraum des Amphioxus ist der Peribranchialraum. Diese Tat- saclie lallt meiner Meinung nach keine andere Deutung zu, als dah der Peribranchialraum des Amphioxus mit dem Vornierengang zu homologisieren ist, wenn es auch zveifelhaft bleiben mag, ob gerade der Zustand, den vir beim Amphioxus finden, den Ausgangspunkt fiir die Verhaltnisse der Cranioten geliefert hat. Stellen vir uns nun auf den hier vertretenen Standpunkt und Uber die Geschlecktsorgane von Amphioxus. 75 werfen wir einen Blick auf die Excretionsorgane einerseits der Cranioten, andrerseits der Wirbellosen! Bei Selachiern, Avie bei hohern Cranioten, treffen Avir einen innigen Zusammenhang zAvischen der Gonade und den Excretions- organen, der in der Ausbildung eines Urogenitalsjstenis seinen Aus- druck fin det. Ein ganz ahnliches Verhaltnis findet sicli nun auch bei Amphioxus, auch hier konnen Avir von einem Urogenitalsystem sprechen, da ja die Gonaden zugleich Excrete liefern. Diese Tat- sache bil det eine Bestatigung der schon von Boveri (7) geauBerten Ansicht, dah die Verbindung der Excretionsorgane mit dem Genital- system, Avie Avir sie bei Cranioten finden in ihrer Wurzel bis auf die Verhaltnisse des Amphioxus zuruckgehen konnte, denn ebenso wie bei Cranioten findet schon bei Amphioxus die Entleerung der Ge- schlechtsprodukte durch eine Offnung statt, die der Miindung des spatern Urnierenkanalchens in den Urnierengang entsprechen durfte. Der Zustand derjenigen Fischgruppen, avo die Geschlechtsprodukte unabhangig von den LeitungSAvegen des Nierensystems entleert Averden, AViire hiernach ein secundarer. Die Gonaden der Cranioten mit einem Urogenitalsystem hatten sicli demnach ilire Leitungswege niclit erst erworben, sondern diese dienten schon von Anfang an diesem ZAvecke oder sie Avaren Teile der Gonaden selbst. Die Urniere und die Nachniere, die ja, nacli den neuern Unter- suchungen Wxedersheim’s (67) und Schreiner’s (53) zu urteilen, Avahrscheinlich Teile eines einheitlichen Nierensystems sind, also die Dauerniere der Cranioten iiberhaupt, Aviire nacli unserer Auffassung ein ganz eigenartiges Organ; Avir konnen dafiir den Begriff des (Jononephridimns aufstellen, eines Excretionsorgans, wel- ches von den Geschlechtsorganen der Cranioten a line n seinen Ausgang n a h m. Ganz unabhangig da von ware nach der oben vertretenen Auffassung die Vorniere, die, nach ihrer Entfaltung bei Amphioxus zu urteilen, das urspriingliche Excretionssystem der Chordatenahnen geAvesen sein durfte. Diese Envagung legt den Gedanken nahe, dali man die Vorniere zu den Segmentalorganen der Anneliden in Beziehiing setzen konnte. Ruckert (49) hat bereits, gestiitzt auf den von ihm an Selachier-Embryonen gemachten Befund, dah die Vomierenkanalchen fiir eine kurze Zeit mit dem Ektoderm in Verbindung treten, diese Meinung ausgesprochen. Boveri (6) zeigte dann unter Himveis auf die Nierenkanalchen von Amphioxus, daB eine solche Deutung der Vorniere manches fiir sich hat. Die interessante Entdeckung von Goodrich (18), dafi den 76 Bobis Zabnik, Nierenkanalchen von Amphioxus Zellen mit einer langen Wimper, sog. Solenocyten ansitzeo'), ganz der gleiclien Art, wie er sie in den Nephridien von Polychaten gefunden hat (17), scheint, Avie ja Goodrich selbst schon betont hat, der angedeuteten Auffassung der Vorniere sehr giinstig zu sein. Das einzelne Vornierenkanalchen konnte eineni Metanephridium der Anneliden gleichgesetzt Averden und lieBe sicli \vie dieses in letzter Instanz auf ein „Protonephridium“ zuriickfiihren. Bei Cranioten hat dieses Metanephridium seine Rolle im Avesentlichen ausgespielt; es persistiert zum Teil noch als Larven- organ, um bald von dem Gononephridium abgelost zu werden. Der Amphioxus ist die eiuzige Form, bei Avelcher beide Arten von Ex- cretionsorganen zeitlebens nebeneinander funktionieren, das Gono¬ nephridium allerdings excretorisch noch von untergeordneter Be- deutung. Ist die ganze Argumentation zutreffend, so kommen Avir zu dem Resultat, dah der Amphioxus, der fiir die Annahme einer genetischen Beziehung der Vertebraten zu geAvissen segmentalep WirbeIlosen so lange ein Stein des Anstofies zu sein schien, sich gerade umgekehrt als ein hochst Avertvolles Bindeglied zAA r ischen beiden Typen erweisen Aviirde. 1) Ich mochte bei dieser Gelegenheit bemerken, daB man die Schvvingungen der SolenocytengeiBeln bei Amphioxus am besten ersfc einige Stunden nach der Praparation des Kiemenkorbes beobacbten kann, besonders deutlich werden die Scliwingungen, wenn man die Tiere vorher mit irgend einem „vitalen“ Farbstoff z. B. Ammoniakkarmin behandelt hat. Dies diirfte wohl so zu erklaren sein, daB die Bewegung der GciBeln anfangs viel zu sohnell ist, als daB sie wahrgenommen werden konnte, und daB sie erst, wenn die Zellen im Absterben begriffen sind, eine Verlangsamung erfahrt, die sie der Beobachtung zuganglich macht. Dber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 77 Literatu rverzeichnis. 1. Balfouh, F. M., A monograph on the development of the Elasmo- branch Fisbes, London 1878. 2. Ballo\vitz, E., TJntersuchnngon iiber die Struktur der Spermatozoen, III, in: Arch. mikrosk. Anat., V. 36, 1890. 3. Beard, J., The origin of the segmental duet in Elasmobranchs, in: Anat. Anz., V. 2, 1887. 4. —, The origin and histogenesis of the Thymus in Raja batis, in: Zool. Jahrb., V. 17, Anat., 1902. 5. —, The germ celiš, I, Raja batis, ibid., V. 16, Anat., 1902, und Journ. Anat. Physiol., V. 38, 1903. 6. Boveri, Th., Ueber die Niere des Amphioxus, in: SB. Ges. Morph. Physiol. Miinchen, V. 6, 1890. 7. — , Die Nierenkanalchen des Amphioxus, in: Zool. Jahrb., V. 5, Anat., 1892. 8. — , Ueber die Bildungsstatte der Geschlechtsdriisen und die Ent- stehung der Genitalkammern beim Amphioxus, in: Anat. Anz., V. 7, 1892. 9. Brauer, A., Beitriige zur Kenntnis der Entwieklung und Anatomie der Gymnophyonen. ..III. Die Entwicklung der Excretionsorgane, in: Zool. Jahrb., V. 17, Anat., 1902. 10. Burcharbt, E., Beitriige zur Kenntnis des Ampliioxus lanceolatus, in: Jena. Z. Natur, V. 34, 1900. 11. Costa, A. G., „Genere Branchiostoma 11 , in: Fauna del Regno di Napoli, und in: Oicen’s Isis, 1846. 12. DOHRN, A., Studien zur Urgeschichte des "VVirbeltierkorpers, IV, in: Alitth. zool. Stat. Neapel, V. 5, 1884. 78 Boris Zarnik 13. Felix, W., Die Pruci;’sche Arbeit »Development of the exoretory Organs of a Myxinoid (Bdellostoma stouti Lockington)“ und ihre Bedeutung fiir die Lehre von der Entwicklung des Harnsystems, in: Anat. Anz., V. 13, 1897. 14. FiELD, H. H., The development of the pronephros and segmental duet in Amphibia, in: Buli. Mus. comp. Zool. Harvard Coli., V. 21, 1891. 15. Gegenbaur, C., Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der IVirbeltiere. III. Das Kopfskelet der Selachier, Leipzig 1872. 16. —, Vergleichende Anatomie der Wirbeltiere, Leipzig 1898 u. 1901. 17. Goodrich, E. S., On the nephridia of the Polychaeta, Pt. I, in: Quart. J. microsc. Sc., V. 40, 1897; Pt. II, ibid., V. 41, 1898; Pt. III, ibid., V. 43, 1900. 18. —, On the strueture of the excretory organs of Amphioxus. Pt. I, ibid., V. 45, 1902. 19. Hatschek, B., Studien liber Entwicklung des Amphioxus, in: Arb. zool. Inst. AVien, V. 4, 1881. 20. —, ITeber den Schichtenbau von Amphioxus, in: Verh. anat. Ges., Wurzburg, 1888. 21. Hatta , S., Preliminary note on the development of the pro¬ nephros in Petromyzon, in: J. Coli. Sc. Imper. Univ. Tokyo, V. 10, 1897. 22. —, Contribution to the morphology of Cyclostomata. II. On the development of pronephros and segmental duet in Petromvzon, ibid., V. 13, 1900. 23. HlS, W., Anatomie menschlicher Embryonen. II. Zur Geschichte der Organe, Leipzig 1885. 24. Hochstetter, F., Entwicklung des Venensystems der Wirbeltiere, in: Ergeb. Anat. Ent\v.-Gesch., V. 3, 1893. 25. —, Die Entwicklung des Blutgefa£>8ystems, in: O. Hertvig, Handb. d. vergl. u. experiment. Entwicklungslehre d. Wirbelt., 1902 bis 1903. 26. Koellikek, Ueber das Geruchsorgan von Ampbioxus, in: Arch. Anat. Physiol., 1843. 27. Kowalewsky, A.., Entwicklungsgeschichte des Amphioxus lanceolatus, in: Mem. Acad. Sc. St. Petersbourg, Y. 11, N. 4, 1867. 28. Laguesse, F., Sur le developpement du mesenchyme et du pronephros chez les Selaciens (Acanthias), in: CR. Mein, Soc. Biol. (9), V. 3, 1891. 29. Lang, A., Der Bau von Gunda segmentata und die V erwandtschaft der Plathelminthen mit Coelenteraten und Hirudineen, in: Mitth. zool. Stat. Neapel, V. 3, 1882. liber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 79 30. LANGERHANS, P., Untersuchungen liber Petromyzon Planeri, in: Ber. naturf. G-es. Freiburg i. B., 1875. 31. —, Zur Anatomie des Amphioxus lanceolatus, in: Arch. mikrosk. Anat., Y. 12, 1876. 32. Legros, R., Sur la morphologie des glandes sexuelles de l’amphioxus lanceolatus, in: CR. 3. Congres internat. Zool., Leyde 1896. 33. — , Contribution a l’etude de Fappareil vasculaire de l’Ampbioxus, in: Mitt. zool. Stat. Neapel, V. 15, 1902. 34. Maas, O., Ueber Entwicklungsstadien der Vorniere und Urniere bei Myxine, in: Zool. Jahrb., Y. 10, Anat., 1897. 35. Maurer, F., Schilddriise und Thymus der Teleostier, in: Morpbol. Jahrb., V. 11, 1886. 36. — , Schilddriise, Thymus und Kiemenreste der Amphibien, ibid., V. 13, 1888. 37. de Meuron, P., Reehercbes sur le developpement du thymus et de la Glande thyroide. Diss., Geneve 1886. 38. Minot, Ch. S., Gegen das Gonotora, in: Anat. Anz., Y. 9, 1894. 39. MULLER, W., Ueber das Urogenitalsystem des Amphioxus und der Cyclostomen, in: Jena. Z. Naturvv., V. 9, 1875. 40. Muller, Joh., Ueber den Ban und die Lebenserscheinungen des Branchiostoma Iubricum, in: Abh. Akad. "Wiss. Berlin aus dem Jahre 1842. Berlin 1844. 41. Neidert, L. und A. Leiber, Ueber Bau und Bntwicklung der weib- lichen Geschlechtsorgane des Amphioxus lanceolatus, in: Zool. Jahrb., Y. 18, Anat., 1903. 42. Priče, G. C., Zur Ontogenie eines Myxinoiden (Bdellostoma stouti, Lockington), in: SB. math.-phys. Cl. Akad. Wiss. Miinchen, Y. 26, 1896. 43. —, Development of the excretory organs of a Myxinoid, Bdellostoma stouti Lockington, in: Zool. Jahrb., V. 10, Anat., 1897. 44. Quatrefages, A. DE, Memoire sur le systeme nerveux et sur 1’histologie du Brancliiostome ou Amphioxus, in: Ann. Sc. nat. (3) Zool., Y. 4, 1845. 45. Rabl, C., Ueber die Entvvicklung des Yenensystems der Selachier, in: Festschr. Leuckart, Leipzig 1892. 46. — , Uebei' die Entwicklung des Urogenitalsystems der Selachier, in: Morphol. Jahrb., V. 24, 1896. 47. Rathke, H., Bemerkungen iiber den Bau des Amphioxus lanceolatus, Konigsberg 1841. 48. Rolph, W., Untersuchungen iiber den Bau des Amphioxus lanceolatus in: Morphol. Jahrb,, Y. 5, 1876. 80 Boris Zarnik, 49. Ruckert, J., Ueber die Entstehung der Excretionsorgane bei Selachiern, in: Aroh. Anat. Physiol., Anat. Abt., 1888. 50. Russo, A., Sulla funzione renale del organo genitale delle Oloturie, in: Rieercbe Lab. anat. Roma, V. 8, 1901. 51. Schneider, A., Amphioxns lanoeolatus, in : Beitrage zur vergleicbenden Anatomie und Entvvicklungi-geschichte der AVirbeltiere, Berlin 1879. 52. Schneider, K. C., Lehrbuch der vergleicbenden Histologie der Tiere, Jena 1902. 53. Schreiner, K. E., Ueber die Entwicklung der Amniotenniere, in: Z. wiss. Zool., V. 71, 1902. 54. SedgaviCK, A., On the early development of the anterior part of the AVolffian duet and body in the chick, together with some remarks on the excretory system of the Vertebrata, in: Quart. J. microsc. Sc. (N. S.), V. 20, 1880. 55. Semon, R., Studien iiber den Bauplan des Urogenitalsystems der AVirbeltiere. Dargelegt an . . . Ichthyophis glutinosus, Jena 1891. 56. —, Das Excretionssystem der Myxinoiden in seiner Bedeutung fiir die morpbologische Auffassung des Urogenitalsystems, in: Eestscbr. Gegenbaur, Leipzig 1896. 57. Sobotta, J., Reifung und Befruchtung des Eies von Ampbioxus lanoeolatus, in: Arch. mikrosk. Anat., V. 30, 1897. 58. Stieda, L., Studien liber den Amphioxus lanceolatus, in: Jlem. Acad. Sc. St. Petersbourg (7), V. 19, 1873. 59. Van Bemmelen, J. F., Die Visceraltaschen und Aortenbogen bei Reptilien und Vogeln, in: Zool. Anz., V. 9, 1886. 60. Van der StriCHT, O., Le maturation et la fecondation de l’oeuf d’Amphioxus lanceolatus, in: Arch. Biol., V. 19, 1896. 61. Van AVjjhe, J. AV., Ueber die Mesodermsegmente des Rumpfes und die Entwicklung des Excretionssystems bei Selachiern, in : Arch. mikrosk. Anat., V. 33, 1899. 62. —, Die Kopfregion der Cranioten beim Amphioxus nebst Bemerkungen iiber die AVirbeltheorie des Schadels, in: Anat. Anz., V. 4, 1889. 63. —, Ueber die Beteiligung des Ektoderms an der Bildung des Vor- niereuganges, in: Verh. anat. Ges., Kiel 1898. 64. —, Beitrage zur Anatomie der Kopfregion des Amphioxus lanceolatus, in: Petrus Camper, V. 1, 1901. 65. AValdever, W., Die Gescblechtszellen, in: O. Hertavig, Handb. d. vergl. u. exper. Entwicklungslebre der AVirbeltiere, Jena 1903. 66. AVeiss, F. E., Excretory tubules in Ampbioxus lanceolatus, in: Quart. J. microsc. Sc. (N. S.), V. 31, 1890. 67. AViedersheim, R., Ueber die Entvvicklung des -Urogenitalapparats bei Crocodilen und Schildkroten, in: Arch. mikrosk. Anat., V. 36, 1890. Uber die Geschlechtsorgane von Amphioxus. 81 68. WlLLEY, A., The later larval development of Amphioxus, in: Quart. J. microsc. Sc. (N. S.), V. 85, 1891. 69. Wilson, E. B., Amphioxu8 and the mosaic theory of development, in: J. Morphol., V. 8, 1893. 70. Woods, P. A., Origin and migration of the germ-cells in Acanthias, in: Amer. J. Anat., V. 1, 1902. 71. Zarnik, B., Ueber segmentale Venen bei Amphioxus und ihr Ver- haltnis zum Ductus Cuvieri, in: Anat. Anz., V. 24, 1904. 82 Boris Zarnik, Erklarung der Abbildungen. Allgemeine B e z eichnu n g e n. Af Balte des Atrialepithels At Peribranchialraum Bni Bauchmuskel Cl Cutislamelle Cx Centrale Zellen der Narbe m Eier Ek Epithelkeil El Excretleiste Ep Epidermis F Eollikelepithel O GefaB (Cardinalvene) G k Genitalkammerhohle Gks Genitalkammerseptum Gl Genitallacune lik Homogene Kugeln des Narben- gewebes Ke Keimepithel Kil j Primare Keimhohle Kh 2 Sekundare Keimhohle Kz Keimzellen Lk Gelappte Kerne M Seitenmuskel Mf Muskelfasern Ms Myoseptum Msi Mediale Stiitzlamelle n Muttersomitenhohle n—1 Hohle des naohstvordern Somiten N Narbe No Obere Narbe Nu ITntere Narbe Nb Nabel Pbl Parietales Blatt des Kammer- epithels Pg Perigonialhohle Pr Peribranchialraumepithel Pz Periphere Narbenzellen Qv Quervene R Recessus der Kammerhohle Sc Spermatocyten Sc 1 Spermatocyten 1. Ord. Sc 2 Spermatocyten 2. Ord. Sg Spermatogonien Sf Seitenfaltenhohle Slcbl Stiitzlamelle des Skleralblattes Sl Stiitzlamelle Spd Spermatiden St Stiel Stz Stiitzzellen Usz Ursamenzellen Vbl Viscerales Blatt des Kammer- epithels Ze Zerfallende Eier Tafel 1. Fig. 1. Querschnitt durch den untern Teil der rechten Korperwand eines Neapler Tieres von 3 mm Lange. Fix. mit Pikrinsaure, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. 1 / 12 . 1320 : 1. Uber die G-eschlechtsorgane yon Amphioxus. 83 Fig 2. Querschnitt durch den untern Teil der rechten Peribranchial- wand eines Neapler Tieres von 4,5 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Boraxkarmin, Pikrinsaure und Indigkarmin. Leitz, Hom. Imm. Vi,- 1320:1. Fig. 3 a—c. Von hinten naeh vorn aufeinanderfolgende Querschnitte (5 fi) durch die rechte Atriahvand eines Neapler Tieres von 7 mm Lange Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Rubinamrnonjiikrat. Leitz, Hom. Imm. 1 I 12 . 1320:1. Fig. 4 a, b. Zwei von oben nach unten aufeinanderfolgende Frontal- schnitte (5 p) der linken Atriahvand eines Neapler Tieres von 7 mm Lange. Fix. mit Pikrineisessig, gef. mit Boraxkarmin, Pikrinsaure und Indigkarmin. Leitz, Hom. Imm. 1 / li . 1320 : 1. Fig. 5. Querschnitt durch die rechte Korpervvand eines Neapler Tieres von 7 mm Lange. Fix. mit Sublimateiseissig, gef. mit Hamalaun und Hubinammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. 1 / 12 . 1320: l. Fig. 6. Q,uerschnitt durch eine linke vordere Keimdriisenanlage eines Neapler Tieres von 12,5 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig und Sal- petersaure, gef. mit Hamalaun und Hubinammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. 1 l li . 1320 : 1. Fig. 7. Querschnitt durch eine rechte mittlere Hodenanlage eines Neapler Tieres von 10 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Hubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320: 1. Fig. 8. Querschnitt durch eine linke mittlere Hodenanlage eines Neapler Tieres von 12,5 mm Lange. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Hamalaun und Hubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Fig. 9. Querschnitt durch eine rechte mittlere Hodenanlage eines Neapler Tieres von 12,5 mm Lange. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Hamalaun und Hubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Fig. 10. Zwei Querschnitte durch eine rechte mittlere Hodenanlage eines Neapler Tieres von 14 mm Lange. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Hamalaun und Hubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Die Ebene des Schnittes a liegt 18 u vor der Ebene des Schnittes b. Tafel 2. Fig. 11. (Juerschnitt durch eine rechte mittlere Hodenanlage eines Neapler Tieres von 18 mm Lange. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Hamalaun und Hubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320:1. Fig. 12. Querschnitt durch den Narbenteil einer linken mittlern Hodenanlage desselben Tieres. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 nnn. 1320 : 1. Fig. 13. Duerschnitt durch eine rechte mittlere Hodenanlage des¬ selben Tieres. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. 6 * 84 Boris Zarnik, Fig. 14. Querschnitt durch den Narbenteil einer rechten mittlern Hodenanlage eines Helgolander Tieres von 25 mm Lange. Fix. mit Pbeenyi’s Gemisch, gef. mit Boraxkarmin, Pikrinsaure und Indigkarmin. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 940 : 1. Fig. 15. Q,uerschnitt durcli den Narbenteil einer andern Hodenanlage desselben Tieres. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 940 : 1. Fig. 16. Zwei Querschnitte durch einen rechten mittlern Hoden eines Neapler Tieres von 32 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Boraxkarmin, Thionin, Pikrinsaure und Indigkarmin. Leitz, Hom. Imm. 1 l li . 855 : 1. Die Ebene des Schnittes a liegt 15 /.i vor der Ebene des Schnittes b. Fig. 17. Querschnitt durcli eine rechte mittlero Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 7 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Boraxkarmin, Pikrinsaure und Indigkarmin. ZlilSS, Apoelirom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Fig. 18. Querschnitt durch eine rechte mittlere Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 10 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. '/ 12 . 1320:1. Tafel 3. Fig. 19 a, b. Zwei von hinten nach vorn aufeinanderfolgende Quer- schnitte (5 /.i) durch eine rechte mittlere Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 10 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Rubin- ammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. 1 / ] „. 1320:1. Fig. 20. Querschnitt durch eine rechte mittlere Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 10 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. 1 L 0 . 1320: 1. Fig. 21. Querschnitt durch eine rechte vordere Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 15 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320: 1. Fig. 22. Querschnitt durch eine linke vordere Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 16 mm Liinge. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320: 1. Fig. 23. Querschnitt durch eine rechte mittlere Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 15 mm Liinge. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320:1. Fig. 24. Querschnitt durch den untern Teil der medialen Wand einer rechten mittlern Ovariengenitalkammer eines Neapler Tieres von 16 mm Lange. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Hiimalaun und Rubinammon¬ pikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Fig. 25. Querschnitt durch eine rechte mittlere Ovarialanlage eines Neapler Tieres von 18 mm Lange. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Hiimalaun und Rubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Uber die Geschlechtsorgane von Amphioxns. 85 Fig. 26. Zwei Quersehnitte durch die untere Narbe eines rechten Ovars eines Neapler Tieres von 18 mm Lange. Fix. mit Sublimatsalpeter¬ saure, gef. mit Boraxkarmin, Pikrinsiiure und Indigkarmin. Zeiss, Apo- ohrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Die Ebene deš Schnittes a liegt 15 [i vor der Ebene des Schnittes b. Fig. 27. Querschnitt durch einen rechten mittlern Hoden eines Bretagneser Tieres von 28 mm Lange. Fix. mit VOM RATH’scher Fliissig- keit, gef. mit Hamatein IA und Rubinammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. 7 »- 575 : 1 - Fig. 29. Schnitt durch das Keimepithel eines reifen Ovars. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Boraxkarmin, Indigkarmin und Pikrin- saure. Leitz, Hom. Imm. 1 / 1 „. 525:1. Tafel 4. Fig. 28. Mittlerer Querschnitt eines reifen Hodens. Fix. mit Sublimat¬ salpetersaure, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. LEITZ, Obj. 7. 245 : 1. Fig. 30. Schnitt durch die Excretleiste eines reifenden Hodens. Fix. mit VOM: RATlPscher Fliissigkeit, gef. mit Hamatein IA und Rubin- ammonpikrat. Leitz, Hom. Imm. 1 j 12 . 780 : 1. Fig. 31. Schnitt durch einen Excrethallen eines reifen Ovars, nach einem Praparat von NEIDERT. Fix. mit Sublimateisessig, gef. mit Borax- karmin und Delae. Hamatoxylin. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 780 : 1. Fig. 32. Centraler Querschnitt der Narbe eines reifen Hodens. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Hamalaun und Rubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 600: 1. Fig. 33. Mittlere Partie eines Sagittalschnittes durch die Narbe" eines reifen Hodens. Fix. mit Sublimatsalpetersaure, gef. mit Boraxkarmin, Pikrinsaure und Indigkarmin. Leitz, Hom. Imm. x / 12 . 960: 1. Fig. 34. Schnitt durch das Hodenepithel eines Neapler Tieres von 19 mm Lange. Fix. mit Osmiumtetraoxyd, gef. mit Hamalaun und Rubin¬ ammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Fig. 35. Schnitt durch das Keimepithel eines reifen Hodens. Fix. mit VOM RATH’scher Fliissigkeit, gef. mit Heidenhain’s Hamatoxylin und Rubinammonpikrat. ZEISS, Apochrom. Imm. 2 mm. 1320 : 1. Fig. 36. a Querschnitt, b Flachschnitt der Perigonialhiille eines reifen Ovars. Fix. mit Flemmtng’s Gemisch, gef. mit Heidenhain’s Eisenhamatoxylin. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 820 : 1. Fig. 37. Spermien, Abstrichpraparat, gef. mit Eosin. Zeiss, Apo¬ chrom. Imm. 2 mm. 1800 : 1. Fig. 38. Spermien, Abstrichpraparat, gef. mit Heideniiain’s Eisen- hamatoxylin und Rubinammonpikrat. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1800 : 1. Fig. 39. Spermien, Macerationspraparat, gef. mit Boraxkarmin und Malloky’s Hiimatoxylin. Zeiss, Apochrom. Imm. 2 mm. 1800:1. 86 Borna Zarnik, tJber die Geschlecbtsorgane von Amphioxns. Tafel 5. Fig. 40. Centraler Querschnitt durch ein laichendes Ovar. Nacli einem Praparat des Herrn Prof. Sobotta. Fix. mit Flemming’s Gemisch, gef. mit Heidenhain’s Eisenhamatoxylin. Leitz, Obj. o. 130 : 1. Fig. 41. Schnitt durch die laterale untere Partie eines laichenden Ovars. Nach einem Praparat des Herrn Prof. Sobotta. Fix. mit Feemming’s Gemisch, gef. mit Heidenhain’s Eisenhiimatoxylin. Leitz, Hom. Imm. 1 / ]2 . 340 : 1. Fig. 42. Centraler Schnitt durch ein Ovar, daa seino Keimprodukte entleert hat und sich in Pegeneration befindet. Fix. mit Sublimatsalpeter- saure, gef. mit Boraxkarmin, Pikrinsaure und Indigkarmin. Leitz, Obj. 7. 300 : 1. Lebenslauf. Ich, Boris Valentin Zarnik, bin am 11. Marž des Jahres 1883 zn Laibach in Osterreich als Sohn des verstorbenen Rechtsamvaltes Dr. Valentin Zarnik und seiner verstorbenen Frau Anna, geb. Koss, geboren. In meinem 6. Lebensjahr trat ich in die fiinfklassige L stadtische Volksschule in Laibach ein, welche ich nach 4 Jahren verliefi, um das humanistische I. Staatsobergymnasium in Laibach zu besuclien. Im Sommer des Jahres 1901 absolvierte ich meine Gjmnasialstudien und bestand die Maturitatspriifung. Im Herbst begab ich mich hierauf nach Jena und immatrikulierte mich in der medizinischen und in der philosophischen Fakultat. Nach 2 Semestern verliefi ich Jena und begab mich, nachdem ich einige Monate in Klausenburg zugebracht, um von Herrn Prof. Apathy in die mikro- skopische Technik eingefiihrt zu werden, zur Fortsetzung meiner naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien nach Viirzburg, wo ich jetzt in der medizinischen Fakultat immatrikuliert bin. Die Osterferien des Jahres 1903 verbrachte ich an der k. k. Zoologischen Station zu Triest, um die Meeresfauna zu studieren. Ich besuchte Vorlesungen und Kurse folgender Herren Professoren und Dozenten: in Jena: v. Bardeleben, Berger, Eucken, Haeckel, Knorr, Maurer, L. Sci-iultze, Stahl, Walther, Winkelmann und ZlEGLER, in Wurzburg: Boveri, v. Frey, Hantzscii, Kraus, v. Rindfleisch, Schell, O. Schultze, Sobotta, Spemann, Stohr und Taeel. Allen meinen Lehrern, besonders dem Herrn Prof. Boveri, der in mir den Sinu fur wissenschaftliches Arbeiten tvachrief, sage ich meinen herzlichen Dank. Lippert k Co. (G. Patz’sche Buchdr.), Nanmburg a. S. Ta/: J. Fig. 3 f' B. Zamik gez. Verlagv. Gustav Fischer, Jena. LitLAnst.v.K!Wesser,Jena. Taf. II. B. Zarnik §ez. Verlag v. Gustav Fischer, Jena. LithAnsi .v. K We sser. Jena. v WV '-'6. Fig. 20. Fig. 20l' Fig. 26 O 'F/i. ® ®%$\ >«>*•--* , Y*" •;‘v.% p . v ; Fig. 27. Fig.22. B. Zarnik ge zn Verlag v. Gustav Fischer, Jena. Lith.Anstv.KWesser.Jena. Taf n: ! -lat. • B i • v ■*Sfct P Fig. M. B.Zarnik £ez. Verlag v. Gustav Fischer, Jena. Lith. An stv.OTesser, Jena. ■Miti-. (, . •■';■■■ ‘;; •nv' : i^'yw^'vx-i-' . ... .•••. ■••■••"■ < vv.': fAS&P* •.. »•. *&**&';*• SSSfeE Fig. 10. Fig. '+FČ. B.Zarnik gez.. Verlag v. Gustav Fischer, Jena. Lith.Arist.vK.Wesser,Jena.