108S31 7e;tteüe, gebaiten bei cier generai-Oersammiung äe§ Oäcilien-Oereines Mr äie Oiöcese Lavant am 4. October 1900 W Ktz! im Lurgsaale ?u Marburg Luclwig Marburg 1900. QM') Mit Druckbewilligung des hochwürdigsten f.-b. Lavanter Ordinariates ääo. 17. October 1900, Zahl 3693. — A 108981 Wesen und Medentnng der Tonkunst. Festrede, gehalten bei der Festversammlung des Cäcilien- Bereines für die Lavanter Diöccse am 4. October 1900 im Burgsaale zu Marburg von Ludwig Hudovernik, Domcapellmeister. Hochansehnliche Versammlung! Im Zeichen eines Kaiser-Jubiläums, — Heuer feierte Seine Majestät, unser Aller¬ gnädigster Kaiser und Herr, Franz Josef I., den 70. Geburtstag, — haben wir uns in diesem altehrwürdigen Saale eingefunden, nach¬ dem auch wir — Mitglieder eines kirchlichen Kunstvereines, des Cäcilien - Vereines — zuvor beim Festgottesdienste freudigen Herzens mitein¬ gestimmt hatten in den gewaltigen österreichischen Hymnus: „Gut und Blut für unfern Kaiser, Gut und Blut für's Vaterland!" Erblickt ja doch eine ganze Reihe künstlerischer Institute Ä 2 N in Oesterreich in Seiner Majestät den hoch- und kunstsinnigen Mecenas und zahllose herr¬ liche, unsterbliche Werke der Kunst verdanken der wahrhaft kaiserlichen Munificenz unseres Landesfürsten ihre Entstehung. Hochgeehrte Damen und Herren! Der Cäcilien-Verein, dessen Mitglieder, Freunde und Gönner ich sie als Obmann herzlichst will¬ kommen heiße, hat sich als Ziel Pflege und Förderung der heiligen Tonkunst im Sinne und nach dem Willen der hl. Kirche vorgesteckt, „Bis der Kirche hehre Lieder Von des Weltsinns Bann befreit, Strömen durch die heiligen Hallen Wie ein Hauch der Ewigkeit." Ueber Wesen und Bedeutung der heiligen Tonkunst einige Worte an Sie zu richten, ist Zweck Meiner Festrede. Lied, Gesang, welch' zauberhafte Macht liegt nicht in diesen Worten ' Wo das Herz voll ist, geht's in's Lied über! Das Lied der Mutterliebe ist es, welches die Wiege des Kindes umtönt. Und wenn das Herz der Mutter schon längst im bitteren Todeskampfe gebrochen, noch immer tönt es und tönt es fort im Ohre des Kindes, — die süßen Laute der Mutterliebe. Und im Gewoge der Schlacht, wo die Erde vom Donner der Kanonen erzittert, dass es auch in der Brust des Heldenmüthigsten bange wird, — das Kriegslied ist eS, welches den 4- 3 Ä- Krieger stählt und aufrichtet, und mit dem Lied im Munde stirbt er für Vaterland's Ehre und Freiheit, und mit dem Liede im Munde siegt er. Und da soll das Herz schweigen müssen, wenn es seinem Gotte am allernächsten ist — im frommen Gebete, in der Glut der Andacht ! ? Das Christenthum hat deswegen den Ge¬ sang, die Musik in den Dienst des Allerhöchsten gestellt und ihr die Weihe einer iriusiau saars., einer heiligen Tonkunst aufgedrückt. Sie soll den Gottesdienst der Kirche verklären. — Ja das ist ihre ganze Schönheit und Erhabenheit, — die Kirche hat sie mit der Feier ihres hei¬ ligsten Mysteriums (troirwucki N^slarii — Oono. Trick. 8es8. 22.) und mit den Werken der Er¬ lösung und Heiligung des Menschen und der Verherrlichung Gottes in innigste Verbindung gebracht. Würde die iuu8>ea 8aora auch keinen Menschen veredeln und zur Andacht erheben, — ihre erste und höchste Aufgabe ist und bleibt — Gottes Ehr' und Lob zu singen und vor allem Ihm zu gefallen. Loli Ooo llouor st gloria! So sind denn auch jene altehrwürdigen, heiligen Melodien entstanden, die vom Geiste Gottes der jungen Kirche eingegeben worden, entstanden in den ruhmvollsten Tagen der Christenheit, in der Hochblüthe des christlichen Glaubens, Hoffens und Liebens, entsprossen einem von Schweifs und Blut und 1 * -k 4 Thran en des christlichen Martyriums ge¬ tränkten Boden, Melodien, die zuerst von heiligen Lippen angestimmt und gesungen worden in den Katakomben und ersten Christentempeln, diese altehrwürdigen und doch ewig jungen Melodien, in denen unsere Glaubensahnen ihr reli¬ giöses Fühlen und Denken ausgegossen und ihre Seelen und Herzen zum Himmel erhoben. Und sie sollen auch noch heutzutage in dem¬ selben Geiste ertönen, in derselben Kraft und Innigkeit, in derselben Ton- und Sinnesart, in der sie einst in längst vergangenen Zeiten Von Lippen der christlichen Sänger erklungen. Das sind die Lieder, von welchen mit Recht die fromme Dichterin Louise Hensel singt: Ich weiß gar keine Weisen, Den Herrn so zu Preisen, Den Vater treu und mild, Wie meine ganze Seele Ihm singt und jauchzt und spielt. Die Musik der Kirche, die rausica saora, soll kunstvoll sein, sie soll allen Ge¬ setzen der Aesthetik, allen Gesetzen der Kunst in höchstem Maße entsprechen. Und wie die Kirche zu allen Zeiten die Pionirin der Cultur war, so war sie auch stets und immer die Banner¬ trägerin der Kunst. Das Herrlichste und Erhaben st e, was zu allen Zeiten die Kunst geschaffen — das nahm die 4!- S Ä- Kirche für sich in Anspruch, veredelte und ver¬ klärte es, um Jenen zu verherrlichen, „von dessen Ruhm Himmel und Erde voll sind"; sie schöpfte ja doch ihre Kunstprincipien aus jenem Quell, von welchem unvergleichlich schön Gregor von Nyssa (Dr. I. Jungmann, Aesthetik, dritte Auflage, paZ. 213, Herder, Freiburg in Br.) sagt: „Willst Du sie finden, die wahre Schönheit, dann muss Dein Sehnen dorthin gehen, wohin der Sinn nicht reicht; dann muss nicht Menschen¬ schönheit Dich bezaubern, noch des MorgensternesGlanz,nochwasimmer s o n st für schön gilt; sondern all' dieses Schöne, das Dich rings umgibt, es muss Dich emporheben zurLiebejener Schönheit, von deren Glanz die Him¬ mel leuchten, und deren Lob alle Ge¬ schöpfe verkünden." Darum heißt es auch in dem herrlichen Hymnus am Kirchweihfeste (all lauäech: „8eä illa ssäss eoslitnm 8empsr rssriltat lAuälbus, Vsnmgus Drirmm sl Umorim luZi cLnoi'S praelticÄt: Illi oansntes jrmZimur LIMAS Lioriis asmuli. Doch jener Sitz der Seligkeit Erschallet stets von Lobgesang: Sie preisen die Dreifaltigkeit Im ewiglichen Jubclklang; -k 6 Ä- Dem hohen Sion angereiht Lobsingen wir im heil'gen Wettstreit." Aus dieser Quelle schöpft die Kirche ihre herrlichen, unsterblichen Gesänge, die gewaltigen Maße und Linien und Bögen ihrer Bauten, welche Himmelanstreben und Geist und Herz des Beobachters entzücken, das wundersame Colorit ihrer Malereien, welche Einen der Wirk¬ lichkeit entrücken, — ihre so schöne, gott¬ geweihte Kunst. Aus diesem Quell' hat die Welt jegliche Kunst gelernt. Und so wollen wir es auch: das Beste aller Zeiten, — die höchsten und schönsten Gebilde der erhabenen Meister in verklärter Form und Gestalt, -- das wollen wir Gott weihen. Aber auch den Grundsätzen der Kirchs muss die Kunst — die heilige Tonkunst — entsprechen, soll sie dem Dienste des Aller¬ höchsten sich weihen können. 8snoti ooncsntus ssnetilsti äomu8 clivi- nso rituuinguo rns.j68ts.ti ro-Pornäsant, so mahnte uns der große Papst Pius IX. in seinem bekannten Breve «Nultnin sä pronn - vsoäos sinnlos», vom 16 December 1870, womit er dem allgemeinen Cäcilien-Verein für Deutschland, Oesterreich und Schweiz die kirch¬ liche Autorisation verlieh, — „die heiligen Ge¬ sänge sollen der Heiligkeit des Gotteshauses und der Majestät des kirchlichen Ritus" ent¬ sprechen. Die Tonkunst ist ein integrierender » 7 A- Bestandtheil der Liturgie, ein wesentlicher Theil der feierlichen heiligen Messe, — der inissa soleirmis. Naht sich in feierlicher Weise die Kirche im saoriüaium oder ollioium, im Opfer oder Gebete ihrem Erlösergotte im Him¬ mel, — der Gesang ist der Dolmetscher ihrer Gefühle, die Sprache ihres Herzens. Meine hochverehrten Damen und Herren! Diese Würde bringt auch ihre Bürde, ihre Pflicht mit sich. Und diese Pflicht ist vor allem der Gehorsam gegen die Kirche, in deren Dienst die Musik getreten. Je gehor¬ samer sie ist gegen die kirchlichen Anordnungen, umso mehr trägt sie auch den Charakter der ästhetischen Wahrheit an sich, umso wahrer ist sie. „Die Wahrheit macht frei". Umso freier ist sie von den Sinnenlust der Erde, umso schöner, umso edler, umso idealer, umso mehr entspricht sie ihrer Idee, ihrem erhabenen Zwecke. Im Gehorsame wirft sie die Sclavenketten der weltlichen Musik ab und herrscht als Königin der Künste, bekleidet mit dem Schmucke einer überirdischen Schönheit. Der Cultus der heiligen Kirche auf Erden, ihr majestätischer Gottesdienst, besitzt eine über¬ strahlende Würde und Erhabenheit. Es gibt für den sterblichen Menschen kein Gut undkeinenWerth, welcherjenem nach seinerinneren Seite,nach seinem übernatürlichen und ewigen Gehalte -8- 8 Ä- gleich käme. Nun wohlan denn, wenn dem so ist, dann wollen wir uns Mühe geben, diesen Cultus so seierlich, so schön, so erhaben, so erhebend als möglich durch den Zauber der Musik zu gestalten. Sie mögen uns ignorieren, sie mögen uns leug¬ nen, — die außerhalb unserer herr¬ lichen Kirche stehen; aber spotten sollen sie nicht können über unseren Cultus, über unsere Musik. In imponierender Schönheit und Würde, wenn auch in einfachster Form der musikalischen Kunst trete ihnen der Cultus der Kirche gegenüber, so dass sie mit dem fran¬ zösischen Freigeiste Diderot bekennen müssen: „Ich habe niemals diese herrlichen und pathetischen Gesänge gehört,ohne dass mein Innerstes bewegt wurde." Sie soll eine liturgische That sein, unsere kirchenmusikalische Arbeit. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Haben Sie noch nie gelesen oder gehört das höhnende Wort: „Die alterschwache Kirche habe gar nicht die Kraft, den Greuel an heiliger Stätte zu entfernen, — sie sei gar nicht im Staude, eine würdige weihevolle Musik zu pro- ducieren, ihre Gesetze durchzuführen, mit ihrem Geiste ihre Werke zu durchdringen. Hochansehnliche Versammlung! Zeigen wir doch durch die Schönheit und Kraft, den Adel und Glanz unserer Kirchenmusik, dass der -8-98- protestantischeStadtpfarrerMergner von Erlangen Recht hat, wenn er 1874 nach der General-Versammlung des allgemeinen Cäcilien - Vereines zu Regensburg' gesprochen: „Eine Kirche, die so singt, ist noch lange nicht am Aus st erben, — die ist nicht alterschwach/' Darum habe ich Recht zu behaupten: Unsere Kirchenmusik voll Wahrheit, Geist und Leben, — muss eine apologetische That sein, ein kräftiges und glänzendes Glaubensbekenntnis vor aller Welt, — ein lautes, freudiges Be¬ kenntnis unseres unerschütterlichen Christus- glaubens. Wenn man auch vernünftigerweise nicht fordern und erwarten kann, dass ein einfacher Chor einer Landkirche das Höchste und Vollen¬ detste in der Musik leiste, so müssen wir den¬ noch Alle bestrebt sein, so kunstvoll, so voll¬ kommen, so ideal als möglich beim Gottes¬ dienste die heilige Tonkunst zu pflegen. An Hochschätzung undVerehrung derKunst lassen wir uns von Niemand über¬ treffen. Sie ist unsdieedelsteTochter des Himmels, der bevorzugte Lieb¬ ling der Kirche, die hohe Priesterin des Schönen im Dienste der höchsten » Fliegende Blätter für kathol. Kirchenmusik Jahrg. 4874 von Dr. Witt, pnZ. 32. 10 Ideale! Die kirchenmusikalische Thätigkeit soll darum soviel als möglich eine ästhetische, eine kunstbegeisterte, kunstvolle Ar¬ beit sein. Unsere kirchenmusikalische Arbeitsei aber auch eine sociale That! Hochgeehrte Damen und Herren! Dass schlechte Musik den Menschen schlecht, dass gute Musik ihn gut mache, das ist eine Thatsache. Nicht bloß die Fabeln alter Zeiten, sondern auch die Schriften der Musikgelehrten des Mittel¬ alters erzählen uns wahre Wunder von der Macht der Musik. Wenn wir Cassiodor, Isidor von Sevilla, Regino von Prüm, Guido von Arezzo und andere lesen, ist es uns, als hörten wir Berichte aus einem Märchenlande mit einer Zaubermusik von geheimnisvoller Kraft! Und heute, hochverehrte Versammlung, sollte die Musik im gottgeweihten Raume ihre na¬ türliche, elementare Kraft verloren haben ? Sollte das Wort des großen Griechen, des Philosophen von Stagira, Aristoteles, von der r<üv von der Reinigung und Veredlung durch die Kunst bloß von der profanen Ton¬ kunst im Theater und im Concertsaale gel¬ ten ! ? Gestatten Sie mir, dass ich zurückgreife auf ein Buch, welches mir, als Priester ganz besonders naheliegt, das Buch der Bücher, die heilige Schrift. Wie uns diese heilige Urkunde berichtet, stand vor den Königen -lt II tl- Josaphat und Zoram der Seher Elisäus und sollte ihnen, die der Feind bedrängte, von der göttlichen Hilfe Kunde geben; aber er vermochte es nicht, weil Unmuth und Zorn, wenn auch gerechter Zorn, sein Herz bewegte. Da befahl er, dass ein Harfenschläger komme, und als dieser zur Harfe sang, ward die Kraft des Herrn mit Elisäus und er weissagte ihnen Hilfe und Sieg (IV. Kön. 3). Die harmonischen Klänge brachten Ordnung und Friede in sein Gemüth, und nun erst ward er der höheren Erkenntnisse fähig. Von den Arbeiten und Mühen der sechs Werktage müde, von Sorgen angegriffen, von mancherlei Leiden und Leidenschaften beengt, treten die Gläubigen in's Gotteshaus; sie haben, da sie kommen, die rechte Stimmung nicht, die Saiten ihrer Gemüther sind schlaf oder un¬ harmonisch gespannt; der heilige Gesang nimmt es auf sich, gleich in den ersten Gängen des Präludiums die Seelen'zurecht zusstimmen, d a- mit sie derErweckung undBelehrung des heiligen Geistes fähig werden. Man kann freilich oft den Einwand hören: Das gewöhnliche Volk verstehe diese heilige Musik nicht und diese verhalle bei demselben spur- und wirkungslos. Glaube man doch das nicht! Man kann die Wirkung der hei¬ ligen Tonkunst auf den Sinn und das Herz des Volkes nicht nach Maß und -k 12 Zahl und Gewicht taxieren, aber die Wirkung ist doch da, und der protestantische Rechtslehrer von Heidelberg, Thibeaut in seinem herrlichen Buche: „Üeber Reinheit der Tonkunst" hat Recht, wenn er schreibt: „Das unverdorbene Volk hat Sinn für Musik, wenn sie, natürlich und gesund, dem reinen mensch¬ lichen Gefühle entspricht, und durch nichts kann mehr auf das Volk gewirkt wer¬ den, als durch veredelte Musik." Um Gottes Willen, o meine Freunde! geben wir unserem Volke in der Dissonanz unserer Zeit, in ihrer nervösen Unruhe und Aufgeregtheit in ihrem leidenschaftlichen Drängen und Hasten und Jagen die Harmonie, den Frieden, den Ernst und die Würde, die himmlische Ruhe und Seligkeit der heiligen Musik. Eine sociale That ist dann jede kirchliche Musik, sei sie in einer Cathedrale oder in einer Dorfkirche, —- eine sociale That, die erhebt, veredelt, die reinigt und erlöst, die beruhigt, die hineinführt in das Heiligthum des Geistes der göttlichen Wahr¬ heit, die aufwärts trägt aus den Niederungen des Erdenlebens zu Gott, aufwärts hinein in das Reich der ewigen Harmonie. Ach! Darum möge es in unseren Kirchen hallen und schallen, brausen und rauschen, wie das Rollen des Donners und das Wogen des Meeres: «bUnininis impotus laoklkioat oivitntsra Osi» (?8. 45, 4) der Wogendrang H- 13 A hehrer Gesänge durchfluche deine heiligen Hallen und erfülle dich, o heilige, herrliche Kirche Gottes mit Freude und Trost. 1« äeoet ll^innuo Osus in 8ion! Dir, o Gott! geziemt das Loblied der Anbetung und des Dankes, bll. llübi rvlläetur votuin in llerrwalem, und Dir soll entrichtet werden ein heiliges Gelöbnis! (?8. 64, 1). Schwerkrank lag der römische Kaiser Sep- timius Severus zu Jork in Britannien dar¬ nieder. Es nahte seine letzte Stunde. Da trat der Wache haltende Tribun zu ihm hinein und begehrte die Tagesparole für die Soldaten. Der sterbende Kaiser richtete sich auf und mit gebrochener Stimme sprach em „Ibadoreinns! — Lasst uns arbeiten!" Herrliches, kostbares Wort! Wir wollen es uns zu eigen machen! l,aborsinu8! Lasst uns arbeiten — unverdrossen, unverzagt, mit aller Kraft! Das sei unser heiliges Gelöbnis in fest¬ licher, weihevoller Stunde; arbeiten wollen wir, bis Der Kirche hehre Lieder Von des Weltsinns Bann befreit, Strömen durch die heiligen Hallen, Wie ein Hauch der Ewigkeit. Es ist mir, als hörte ich des großen Meisters Uhland Worte, die er so oft ge¬ sprochen: -k 14 «- Schafft fort am guten Werke Mit Besonnenheit und Stärke, Lasst Euch nicht durch Lob bethören. Lasst Euch nicht durch Tadel stören. Und nun gestatten Sie mir, dass wir in Verehrung und Dankbarkeit Jener gedenken, welche die Reform und Restaurierung der hl. Tonkunst in unserer Diöcese so sehr befördert haben und derselben all' ihre Sympathien ent¬ gegengebracht haben! Dank vor allem dem hoch- und kunstsinnigen Protector des Cäcilien - Vereines, Sr. Fürstbischöf¬ lichen Gnaden, Dr. Michael Napotnik, der mit Rath und That die Sache des Cäcilien-Bereines förderte; Dank den sangesfreundlichen Bewohnern Marburgs, welche der heiligen Tonkunst all' ihre Interessen ent¬ gegenbrachten; Dank den lieben Sängerinnen und Sängern, welche Tag um Tag der schwie¬ rigen aber lohnenden Aufgabe sich unterzogen, künstlerisch sich auf die Verherrlichung des kirchlichen Gottesdienstes vorzu¬ bereiten. Ich wünsche Ihnen, dass sich an Jedem von Ihnen, — der wackeren Sänger¬ schaar, — das Dichterwort erfülle: Mein Lied ertön' nur Dir zur Ehr', Du gabst es mir, es ist ja Dein! Und sing auf Erden ich nicht mehr, Lass' mich auch dort Dein Sänger sein. -H 15 1?- Meine hochgeehrten Damen und Herren! Einst werden alle Künste vergehen, die Kunst der Töne bleibt. Im Himmel wird das Farben¬ spiel der Malerei verschwinden vor dem Glanze des ungebrochenen, ewigen Lichtes und mit dem Stoffe schwindet die Kunst des Bauens, aber Gesang, Melodie, Harmonie schreibt selbst die Offenbarung den Seligen noch zu. Pflegen Sie diese heilige Kunst. O, dass wir alle, wie Cacilia, die Königin im Reiche der Har¬ monien, in der Harmonie einer begnadigten Seele die Disharmonien dieser Welt über¬ winden und einst das Land der ewigen Har¬ monie erreichen! Dort können Alle singen und richtet sich die Melodienschönheit nicht mehr nach körperlichem Organe, son- dernnachdemMaßeempsangenerund in die Glorie aufgegangener Gnade. Dort wollen wir einst Cäcilienfeste feiern in Freude und Jubel!! cosiss SSSSSSS27S3