narodna in UNIVERZITETNA KNJIŽNICA DS II 59 233 030053705 VD J. S !- p ' Denkschrift uber die Entstehung und Entwickelung der Gemeinde-Sparcasse in Marburg vom 17. Dezember 1858 bis 31. Dezember 1886, Aus Anlass der Feier ihres 25jahrigen Bestandes iiber Auftrag der Direetion verfasst von j^RANZ JpPEN, I. Beamte der An8talt. Mit. 3 statistischen Tafeln. Marburg:, 1887. Pručk von Ed. Janschitz Naclif. (L. Kralik). Am 4. Janner 1887 sind funfundzAvanzig Jahre des Bestandes der Gemeinde-Sparcasse in Marburg abgelaufen. Dieser Zeitpunkt gibt Veranlassung, auf die Art ilirer Grundung und allmahlichen Entwickelung, dami auf ihre Gebarung und die bisherigen Erfolge zuriickzublicken und der betheiligten Bevolkerung durch umviderlegbare Zahlen zu beiveisen, dass ihre Ersparnisse in vertrauensAViirdige Hiinde gelegt und in geivissenhafter Weise venvaltet werdeu. Die Gemeinde-Sparcasse in Marburg verdankt ihre Grundung der richtigen Erkenntnis eines Avahren Volks- bediirfnisses und dem Gemeinsinne opfcnvilliger Burger, durch deren Thatkraft und Zusammemvirken es gelungen ist, diese Anstalt ivahrend ihres 25jahrigen Bestandes zu einem be- deutenden Creditinstitute und zu einer der groBten Humanitats- anstalten der Steiermark emporzuarbeiten. Die kleinen Mittel, ivomit sie ihre Thatigkeit begonnen hat, sind im Laufe der Jahre zu einem solchen Aermogensstande angeAvachsen, dass nicht nur die Grunderin der Anstalt, die Gemeinde Marburg, auf das reichlichste unterstiitzt, sondern in ergiebiger Weise auch zur.„ Hebung des allgemeinen VolksAvohles mitgeAvirkt Averden kanu, Avie dies insbesondere im Jahre 1885 durch die ohne Schadigung des ZinsfuBes fur Einlagen erfolgte Herabsetzung des ZinsfuBes fur Darlehen boAviesen Avurde. 6 Ehe jedoch auf die Grundung und Entwickelung unseres Institute« naher eingegangen wird, sei es erlaubt, die Gescliiclite des Sparcassewesens iiberhaupt in kurzem zu schildern. Unter den fiirsorglichen Anstalten, welche der Geist der Wohlthatigkeit ins Leben rief, gehoren die Sparcassen gewiss zu den Avichtigsten und schiinsten Schbpfungen. »Es ist zu venvundern«, — sagt ein philosophischer Schriftsteller — »dass diese Anstalten erst so spat auftraten, donn wenige sind an sicli so einfach, Avenige gehen unmittelbar auf ihr Ziel und bei Avenigen treten die Tortheile offener hervor; sie stehen mit dem Geiste der Ordnung und Fursorge in Ver- bindung, Aveleher fur das Sehicksal der arbeitenden Classen so AvunschensAvert und in den Volkssitten so scliAvor zu be- griinden ist.« Die ersten Sparcassen sind durch das Bedurfnis des luirgerlichen Lebens und durch die Bemiihung AvohlAvollender Menschenfreunde ins Leben gerufen Avorden. Sie entstanden fast zugleich im nordlichen Europa, in Deutschland, in der SchAveiz, in England, Schottland, Frank- reicli uud traten geršiuschlos, aber sogleich mit dem Clmrakter der zahesten Lcbensfahigkeit in vollstandiger EntAvickelung ins Dasein. Wenn sicli daher mehrere Nationen — England, Frankreich und Deutschland — das Verdienst streitig machen, die erste Sparcasse ins Leben gerufen zu haben, so ist dies eine scliAver zu entscheidende Frage, Aveleher nur Avenig prak- tische Bedeutung beizumessen ist. Nach allen bisher erschienenon Werken iiber Sparcasse- Avesen muss Deutschland die Errichtung der ersten Sparcasse 7 zuerkannt tverden, obwohl es Thatsache ist, dass Frankreich das Recht hat, die Prioritat des Gedankens ftir sich in An- spruch zn nehmen, da schon 1611 ein Franzose Namen,s Hugo Delestre, Dr. der Redite und kiinigl. Ratli in Pariš, eine Broschiire miter dem Titel »Plane d’une caisse pour racuellir et faire fructifier les economies dn serviteur ou ser- vante et de tout autre mercenaire qui loue ou engage son labeur par an ou a journees« (Plan zur Errichtung einor Casse zum Beliufe der Ansammlung und Venvertung der Ersparnisse mannlicher und iveiblicher Dienstboten, soivie aller jener, welche sich gegen Jahres- oder Taglohn verdingen) aus- gearbeitet. Der Plan blieb leider unausgefuhrt; die gleiche Idee findet sich im folgenden Jahrhundert in einer Encyklopadie von Diderot, ebenso, ivieder ohne Ergebnis in den Arbeiten des im Jahre 1787 errichteten Bureau d’economie n. s. w. Erst 200 Jahre naehdem Delestre semen Entivurf veroffentlicht, ivurde am 16. November 1818 in Frankreich die erste Sparcasse in Pariš errichtet. Mittlenveile ivar jedoch die sonach von Frankreich ausgegangene Idee vom Auslande viel schneller venvirklicht worden, denn es wurden errichtet: 1765 das herzogliche Leihhaus in Braunschiveig mit dem Zwecke, Gelder in Verzinsung zu nehmen und gegen liypothekarische und sonstige Sieherheiten auszuleihen, 1778 in Hamburg eine Z\veigabtheilung der dortigen Ver- sorgungsanstalt, 1786 die Ersparungscasse in Oldenburg, 1787 Caisse des domestiques in Bern, 1796 die Zinscasse von Kiel, 8 1798 vem weiblichen Wohlthatigkeits-Vereine in Tottenham eine Casse fur Ersparnisse amer Kinder, von 1804 angefangen, Wohlfahrtscasse, 1799 die in Wendower (England), 1801 die Sparcassen in Gottingen und Altoua, 1805 die Spareasse in Ziirieh, dami die Sparcassen 1806 in Lauf (Baiern), 1808 in Bath (England) und in Cliur (n. A. ivurde die Casse in Cliur schon 1790 erriclitet), 1809 in Basel, 1810 in Rutlnvell (Schottland), 1811 in St. Gallen, 1812 in Aarau, Neufchatel, Schwyz (Sclnveiz), Bristol (Eng¬ land), 1813 in Uckfield (England), Bromo (Sclnveden) u. s. f. Der niitzliche Gedanke verbrcitete sich nun iininer mehr und mehr und ist der Aufschivung, welchen diese In¬ stitute seit dem allgemeinen Frieden, besonders 1816—1818 nahmen, geradezu staunensivert. So ivurden beispiclsiveise in GroBbrittanien im Jabre 1816 53, 1817 54, 1818 schon 131 Sparcassen erriclitet. Es ist selbstverstandlich, dass das vom Auslande ge- gebene Beispiel audi auf Oesterreich nicht ohne Buckivirkung blieb. Die erste Spareasse in Oesterreich ivurde in Wien liber Anregung des Kanzlers und Ministers des Innern, Graf en von Saurau, durch den damaligen Pfarrer an der Kirche zn St. Leopold, Johann Babtist Weber, im Jahre 1819 gegriindet. Den Vorgenannten kommt uberhaupt das Verdienst zu, 9 die osterreichischen Lander der Sparcasse-Institution erschlossen zu haben. Schon im Jahre 1821 sendete der genannte Staats- mann, durch das rasche Aufbluhen der I. osterreichischen Sparcasse ermuntert, cine von dem Pfarrer Johann Babtist Weber verfasste Broschiire »Die Sparcasse, eine fassliche Darstellung des Zweckes, der Vortheile fiir das Allgomeine nnd der Errichtnng einer Sparcasse-Anstalt mit Riicksicht auf die erste osterreichische Anstalt dieser Art, tur das Volk und dessen nahere Vorsteher« an die einzelnen Landes-Pra- sidien mit dem ausgesprochenen Wunsche, fiir die Verbreitung dieser Schrift Sorge zn tragen und das Inslebentreten solcher Anstalten zu fordern. Dies geschah denn auch und hatte den besten Erfolg. Es wurden nach der mittlenveile 1820 iiber Anregung des damaligen Landcs - Gouverneurs Grafen von Siveerts - Spork errichteten 2. Sparcasse Oesterreichs, der krainischen Sparcasse in Laibach, 1822 die Innsbrucker Sparcasse, ebenfalls durch den damaligen Landes-Gouverneur Karl Grafen von Chotek angeregt, und die in Bregenz, 1824 die zu Oberhollabrunn errichtet. In das Jahr 1825 fallt die Errichtnng von 2 Sparcassen und zwar der bohmischen Sparcasse in Prag und der steiermar- kischen Sparcasse in Graz. Zur Errichtnng dieser letzteren hat der damalige Landes - Gouverneur von Steiermark Franz Graf Hartig die Anregung gegeben. Hierauf entstanden die folgenden Sparcassen: 1831 zu Giirz, 1835 die karntnerische in Klagenfurt und die Sparcasse in Ragusa, 10 1858 1840 in Ala, 1841 zu Boveredo und Žara, 1842 zu Feldkirch (Tirol), Triest, Waidhofen a/d. Taja, 1844 die galizische in Lemberg, 1849 die allgemeine Sparcasse in Linz, 1852 die erste mahrische in Briinn, 1853 zu Waidhofen a/d. Ypps, 1854 zu Eger, St. Polten und Beichenberg, 1855 in Božen und Trient. In den Jahren 1856 ivurden schon 6 Sparcassen, 1857 und 1858 je 5, 1859 11, 1860 12, 1861 10 und 1862 21 Sparcassen er- richtet. Bis 1862 waren 74 Sparcassen in Oesterreich eroffnet. Ware die Genehmigung der Statuten friiher erfolgt, so iv are die G emeinde-Sparcasse in Marburg die ziveite des Landes gewesen. Durch die diesfallige Verzogerung ivurden in Steiermark auBer der steierm. Sparcasse in Graz (1825) friiher errichtet: 1859 die Sparcasse in Hartberg, 1860 die in Judenburg, 1861 die in Fiirstenfeld und Leoben. Obwohl die Errichtung einer Sparcasse in Marburg, wie aus Nachfolgendem ersichtlich, schon friiher — miter dem damaligen Burgermeister Herrn Othmar Keiser — angeregt vvurde, so gelang es dem Genannten erst Ende 1858 infolge eines Erlasses der hohen k. k. Statthalterei in Graz, mit vvelchem auf die Errichtung eines solchen Institutes in Marburg gedrungen wurde, den Geineindebeschluss zur Gruudung der Sparcasse zu erreichen. 11 Das Umlaufschreiben an den enveiterten Aussehuss 1858 der Gemeindevertretung vom 9. Dezember 1858 enthalt beziiglich der Errichtung der Spareasse folgende Stelle: »Um den Gegenstand einer nochmaligen reiflichen Prii- fung zu unterziehen, bin ich bemtissiget, die Herren Aus- schiisse zu einer vollstandigen Sitzung ete. etc. einzuladen. Reiser m. p.« In der Gemeinderathsitzung vom 17. De¬ zember 1858 wurde denn auch die Errichtung einer Spareasse in der Stadtgemeinde Marburg und unter ihrer Haftung einstimmig beschlossen, die d e r G e m e i n d e d a m a 1 s zurVerfiigung g e s t a n- denen fi.20.000-— CMze. Grund entlastungs-Obliga- tionen als Garantiefond insolange bestimmt, als durch den Verwaltungsgewinn ein Reservefond in gleicher Hobe sicb gebildet haben wird und ein siebengliederiges Comite f ti r den Entwurf des Sparcasse-Statutes gewahlt. Die Rascblieit, mit \velcher nun die Vorarbeiten behufs Errichtung der Spareasse vor sich giengen, beweist zur Ge- niige, dass man sich mit dem Gedanken schon langst ver- traut gemacht hatte. Bereits in der Sitzung vom 10. Janner 1859 wurde der vom Comite verfasste Entivurf der »Statuten der Spar- casse in Marburg« dem Gemeinderathe vorgelegt, von dem- selben gepruft und seinem vollen Inhalte naeh angenommen. Nach diesein vom Comite - Mitgliede Herrn Andreas Tappeiner verfassten Entwurfe erscheint der in der Gemeinde- rathsitzung vom 17. Dezember 1858 angenoinmene Garantiefond 12 i8o8 von fl. 20.000' — auf fl. 10.000' — herabgesetzt und begriindet der damalige Burgermeister Herr Othmar Reiser bei Vorlage des Statuten-Entivurfes zur hochortigen Genehmigung die Vor- minderung der, der bohen Statthalterei bereits bekannt gege- benen Ziffer von d. 20.000' — damit, dass durch die allge- meine Errichtung der Spareassen — und dies selbst schon in den anstoBenden Bezirken* — der Marburger Sparcasse nur ein kleines Gebiet fur ihre Wirksamkeit ubrig bleibt und auch wegen der nahe bevorstehenden Wirksamkeit der cumulativen Waisenamter auf eine hohe Einlagsziffer nicht zu schlieBen sei, daher der im Statuten-Entwurfe als Biirgsehaft angesetzte Betrag von fl. 10.000' — auf viele Jahre geniigen diirfte. Abgesehen davon, dass der Sicher- stellungsfond der Gemeinde als rein formeller Natur ziemlich nebensachlich rvar, ist die Begriindung der Reduotion desselben bemerkensivert, indem sie den Beweis liefert, dass man von der grolJartigen Entivickelung der Sparcasse in Marburg keine Ahnung hatte und die heutige Hobe des Einlagenstandes von 6 Millionen nicht onvartete. Umsomehr verdient der FleiB und * Es sind hier die Spareassen von Cilli und Pettau gemeint, deren Errichtung Ende 1858 schon beschlossen war. Nacli den bei diesen Instituten gesteilten Anfragen wurde die Errichtung der Sparcasse in Pettau in der (Je- meinderathsitzung vom 18. Dezeniber 1858 (also einen Tag spiiter als in Marburg) beschlossen. Die Errichtung der Sparcasse in Cilli infolge der Gemeinderath- beschliisse vom 21. September 1862 und 19. Juli 1863. Letztere Angaben mttssen insorveit corrigiert werden, als ein Beschluss \vegen Errichtung dieser Sparcasse schon 1858 gefasst worden sein musste, indem der Statuten-Entwurf der Cillier Sparcasse ddo. 6. August 1858 dem fruher ervvalmten Erlasse der hohen k. k. Statthalterei als Formulare heilag. Die Genehmigung der Statulcn erfolgte bezuglich Pettau mit Erlass des hohen k. k. Staatsministeriums vom 5. Janner 1862, bezuglich Cilli mit solehem vom 10. September 1863 (dernnach noch um 2 Jahre spiiter als fur die Marburger Sparcasse), die ErOffnung fand ain 7. Juni 1862 beziehungsvveise am 1. Janner 1865 statt. 13 die aufopfernde Hingebung jener hochherzigen Manner, welche das Institut ins Leben gerufen, unsere vollste Anerkennung. So einmuthig und thatkraftig jedoch die Errichtung in Angriff genommen wurde, so solite die Anstalt doch erst nach drei Jahren eroffnet iverden. Mit der Eingabe vom 23. Janner 1859 iiberreichte die Geineindevorstehung den Statuten-Entivurf der politischen Be- horde mit der Bitte, denselben zu genehinigen und die Beivilli- gung zur Errichtung der Sparcasse in Marburg zu ertheilen. In diesem Entivurfe ist der Charakter eines Humanitats- Institutes scharf ausgepragt. Der § 1 lautet: Die Ortsgemeinde Marburg, ivie selbe gegemviirtig pro- visorisch besteht, errichtet eine Sparcasse mit der Bestim- mung, den minderbemittelten Volksclassen Gelegenheit zur sicheren Aufbeivahrung, Verzinsung und allmahlichen Ver- mehrung ihrer Ersparnisse darzubieten und dadurch den Geist der Arbeitsamkeit und Sparsamkeit zu beleben. Nacli § 14 iverden die Geschafte des Obervorstehers, des Stellvertreters und der Ausschusse, des Rechtsconsulenteu und der Directorcn unentgeltlich besorgt. Dor § 6 bestimmt, dass, falls der Reservefond 20% des gesammten Interessenten-Guthabens iibersteigt, der Ulier- schuss auf Antrag des Sparcasse-Ausschusses und mit Ge- nehmigung der Behorden zu andenveitigen gemeinniitzigen Zwecken..in der Geineinde verivendet iverde. Nach dem § 22 der Statuten sollten dieEinlagen mit 4 72% verzinset iverden, dagegen ivar im § 28 der ZinsfuB fur Darlehen mit sechs von Hundert beantragt, ivobei es ausdrucklich heiBt: 1858 1859 14 1859 »Die Marburger Sparcasse b eh alt sicli jedoch vor, iliren Schuldnern in dieser Beziehung nacli Umstanden Erleich- terungen zu gewahren.« Die Bestimmung des ZinsfuBes solite jedoch ein Stein des AnstoBes Averden. Mit Note des k. k. Kreisamtes in Marburg vom 11. Mai 1859 Avurde der Entivurf mit der Weisung zugemittelt, An- derungen im Sinne des hohen Statthalterei-Erlasses vom 27. April d. J. vorzunehmen. Es musste eine stattliche Reihe von Anstanden geivesen sein, denn der Statuten-Entwurf Avurde vom Herrn Andreas Tappeiner neu ausgearbeitet und Avieder der Berathuug unterzogen; niclits destoweniger gieng derselbe am 9. Sep- tember desselbon Jahres das zAveitemal an die hohe k. k. Statthalterei, kam jedoch \vieder ohne Genehmigungsclausel am 12. Dezember 1859 mit der Aufforderung zuriick, den- selben nacli deu gleichzeitig mitgetheilten Andeutungen der Finanz-Procuratur zu berichtigen, d. i. wenn thunlich, den §10 bezuglich der Einlagen. derart zu andern, dass die Ver- zinsung erst beginnt, wenn die Einlagen 1 II. erreieht haben und nicht, \vie frtiher bestimmt, bei einem Betrage von 50 kr. I)emgemaJ3 waren auch die §§12 und 13 zu andern, so dass von den Einlagen mit dem etrvaigen durch Zinsenzuschlag entstandenen Zmvachse mir die Anzahl der Gulden verzinst iverde. Bei Berechnung der Zinsen sollten die etAvaigen Zehn- theile von Neukreuzern vernachlassigt Averden. AuBerdem ivurde der EntAvurf einer Haftungsurkunde verlangt. Diesen Anforderungen Avurde entsprochen und die Sta- tuten am 10. Janner 1860 das drittemal vorgelegt. 15 Mit Note vom 6. Februar 1860 forderte das k. k. Kreis- amt Marburg die Ausfertigung in 2 Exemplaren. Diesem Auftrage wurde unter dem 15. Februar 1860 entsprochen. Auf das von Seite des damaligen Burgermeisters Herrn Othmar Reiser an das k. k. Bezirksamt am 7. August 1860 iviederholt gestellte Ansuchen um baldige Envirkung der Allerhochsten Sanction erfolgte am 9. desselben Monates die kurze Erledigung, »dass man die Vorlage des gegemvartigen Gesuches veder zeitgemaB, noch sonst begriindet finde.« l)er dunkle Sinu dieses Bescheides sclireckte den ge- nannten Herrn Biirgermeister jedoch nic-ht ab, um mit directer Eingabe vom 20. November desselben Jahres an die bobe k. k. Statthalterei die Bitte zu richten, dass fur die Beschleu- nigung der Erledigung der Sparcasseangelegenheit Sorge ge- tragen werden moge. Trotzdem dies mit Erlass der hohen k. k. Statthalterei vom 25. November 1860 Z. 23722 geneigtest versprochen wurde, vergieng docli noch nahezu ein Jahr, bis am 16. August 1861 nicht der genehmigte Entvurf, sondern der Erlass der boben k. k. Statthalterei vom 11. August desselben Jahres herablangte, mit veleli em mitgetheilt wurde, dass sich das bobe k. k. Staatsministerium unterm 25. Juli 1861 bestimmt gefunden, die Feststellung von 6% fur Darlehen der Mar- burger Sparcasse mit Riicksicht auf das Sparcasse-Regulativ vom Jahre 1844 und auf die noch geltenden Wuchergesetze nicht zu bevilligen. In diesem Erlasse lieiBt es viirtlich: »Die Zinsbestim- mung fur die Darlehen der Sparcasse Marburg ist mit 5% festzustellen und sind demgemaB audi alle Einlagen von 1800 1801 IG 1801 Einem bis inlusive 500 fl. mit 4% zu verzinsen. Fiir Ein- lagen iiber 500 fl. bat entiveder die Verzinsung mit 3 V 2 % stattzufinden oder es bleibt der Sparcasse, wie es im § 10 beantragt, tiberlassen, die geringere Verzinsung je nach der GroBe des eingelegten Capitales in fallender Progression ein- treten zu lassen.« Mittlenveile war Herr O t h m ar Reiser, welcher schon im August 1859 wegen seines vorgeriickten Alters und wegen seiner andenveitigen vielen Geschiifte seine Stelle als Biirger- meister der Stadt Marburg zuriieklegte und nur infolge be- hordlicher Aufforderung sich bestimmen liefi, dieselbe bis zur Neugestaltung des Gemeindewesens d. i. bis April 1861 zu behalten, von diesem Posten zuruckgetreten. Die in GemaBheit des obigen Auftrages geanderten Sta- tuten ivurden nach der vom nunmohrigen Burgermeister Horni Andreas Tappeiner vorgeschlagenen Fassung in der Ge- meinderathsitzung vom 3. September 1861 angenommen und sofort der hohen k. k. Statthalterei das viertemal vorgelegt. Die Erledigung erfolgte diesmal sehr schnell, da schon am 11. Oktober 1861 folgendes Umlaufschreiben erschien: »Die Errichtung einer Sparcasse in Marburg ist laut Intimation des k. k. Bezirksamtes vom 6. d. M. Z. 8421 mit Erlass des hohen k. k. Staatsministeriums ddo. Wien, 26. September 1861 Nr. 18549/1372 b e w i 11 i g t. Um solche mit Beginn des neuen Jahres eroffnen zu konnen, ist es nothivendig, mit aller Anstrengung zu Werke zu gehen; ich finde mich deshalb bemiissiget, fur den 13. d. M. eine auBerordentliche Gemeinde-Ausschusssitzung auszu- schreiben und ersuche etc. etc. A. Tappeiner m. p.« 17 In dieser Sitzung vvurde nuu der Erlass des hohen k. k. Staatsministeriums z ur Ivenntnis genommen, der Herr Biirger- nieister ermachtiget, die als Biirgschaft gewidmeten Gnmdent- lastungs-Obligationen von d. 10.000 OMze. der k. k. Beliiirde behufs Tinculierung vorzulegen, ferner ein Comite von fiinf Mitgliedern geivahlt, welebes hundert Burger Marburgs als Sparcasse-Aussehiisse in Vorsehlag zu bringen hatte. Weiters wurde bestimmt: die Verfassung der Geschaftsordnung fur den Ausschuss und die VerhaltungsmaBregeln fur die Beamten den zu vvahlenden Sparcasse-Ausschiissen zu iibertragen und der Sparcasse ein Zimmer und das anstoBende Archiv der Gemeindekanzleien als Amtsraum zu uberlassen. Die naehste Gemeiiidcrathsitzung wurde am 5. No¬ vember 1861 abgehalten. Niicli Verhandlung der laufenden Geschaftsstiicke wurde im Sinne des Sitzungsbeschlusses vom 13. Oetober d. J. die Wahl des Sparcasse-Ausschusses aus den vom Comite in Vor- schlag gebracbten hundert Personon vorgenommen. Gewahlt ivurden als erste Ausschusse der Gemeinde- Sparcasse in Marburg die Herren: do sef Albensberg sen., Josef Bancalari sen., Karl C and o lini, Johann Delago, Dr. Ferdinand Dominkuš, Heinrich F dl er von Gasteiger, Johann Girstinayr sen., Ferdinand Jiittner, Johann K ar ti n, 1861 1S61 — is — Alois Ecller von Kriehuber, Michael Marco, Roman P a eh n er sen., Dr. Matthaus Reiser, Franz Stampfl, Andreas Tappeiner, Josef Wundsam. Herr Franz Rodoschegg komite die Wahl nicht an- nehmen, weil er als k. k. Notar nach Bettau kam.* Die Aufgabe des Genueinde-Ausschusses rvegen Griindung der Sparcasse war soiriit erlediget. Es ivare hei dieser Ge- legenheit nur noch zn bemerken, dass in der Gemeinderath- sitzung volti 3. December 1861, in ivelcher die Zuschrift des Sparcasse-Ausschusses mit dem Danke fur das ins Leben rnfeii der Marburger Sparcasse zur Kenntnis gebracht ivurde, in Berticksichtigung der Sclnvierigkeiten, mit \velchen das neue Unternehmen voraussichtlich zu kampfen hatte, tur die iiber- lassenen Amtsraume, Einrichtung, Beheizung, Beleuchtung, Reinigung, das sehr niedrige Pauschale von 200 fi. jahr- lich angesetzt und iveiters bestimmt mirde, dass das instaud setzen der Sparcasse-Raume bloB in der Gemeindereehnung in Ausgabe zu bringen sei. Nach Beendigung dieser Vorarbeiten ivurde die vom Biirgermeister Herrn Andreas Tappeiner einberufene e r s t e Ausschuss-Sitzung am 14. November 1861 abgehalten. * Nachdem aus der Beilage A nicht nur slirnintliche Ausschussmit- glieder und der Zeitabschnitt ihrer Thatigkeit, sondern auch die jeiveilig fungierenden Directoren ersichtlich sind, \vird von der nominellen AuffOhrung der ein- und austretenden Ausschuss- und Directionsmitglieder im Texte der Schrift, von der zweiten Vervvaltungsperiode an. ahgesehen. 19 Mit derselben beginnt die rechtliche Exi- stenz und Wirksamkeit der Sparcasse. Wir entnehmen dem Protokolle liber diese Sitzung, zu welcher 15 Ausschusse erschienen waren, folgende Daten: Die Sitzung ivurde vom Biirgermeister Herrn Andreas Tappeiner mit einer Ansprache eroffnet, in welcher derselbe mit- theilt, dass die Gemeinde Marburg bereits im Jalire 1858 die Errichtung einer Sparcasse angestrebt, dass aber solche erst im September 1861 unter Genehmigung der diesbeziiglichen Statuten be\vi lliget wurde, dass die Gemeinde die zur Errichtung der Sparcasse laut den Statuten ubernommenen Verpflichtungen ge- treulich erfullt babe und dass selbe in Hinkunft auch gerne Dereit sein iverde, dasjenige vorzukehren, ivas dem Geschiifte der Sparcasse als ersprieBlicli und zweckdienlich erkannt iverde. Nachdem als Vorsitzender des Ausschusses Herr Andreas Tappeiner mit Acclamation gewahlt wurde, war die erste Handlung des so eingesetzten Ausschusses, der Gemeindevertretung fiir die Griindung der Sparcasse den Dank auszusprechen. Uber Vortrag des gewahlten Vorstandes wurde nach Lesung der in den Statuten die Wirksamkeit des Aus- schusses betreffenden §§ einstimmig beschlossen: a) Die Verfassung einer Instruction fiir den Ausschuss der- malen nieht vorzunehmen, da der Geschaftskreis ohnedem durch die Statuten begrenzt sei; 1») groBere Geldbetrage, welche voraussiehtlich durch langere Zeit hjpothekarisch nicht untergebracht iverden konnen, liei einem angesehenen Geldinstitute fruchtbringend zu hinterlegen und das diesfallige Gebaren den jeiveilig fun- gierenden Herren Directoren zu iiberlassen; 2 * 1861 20 isoi e) die Sparcassebiicheln der Form nach den Biicheln der Laibacher Sparcasse anzupassen und mit einem Sinnspruche zu versehen; d) dass das Sparcassesiegel das Stadtwappcn mit der Um- schrift »Sparcasse der Gemeinde Marburg« fiihren soli. Betreffs der vorgeschriebenen Venvahrung der Barschaft wurde das Anerbieten des Herrn Heinrieh von Gasteiger einstrveilen unentgeltlich eine Cassetruhe zu uberlassen dankend angenommen; ferner bestimmt, dass der Beginn der Sparcassegeschafte auf feierliche Weise durch Abhaltung eines Gottesdienstes am ersten Amtstage, wozu saramtliche Sparcasse- Ausschussmitglieder erscheinen, geschehen solle; a Is Amtstage Mittivoch und Samstag jeder Woche und die Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags festgesetzt, endlich die Wabl der Direction, bestehend aus aciit Mitgliedern, vorgenommen. A us dieser giengen hervor die Herren: Karl Candolini, Heinrieh Edler von Gasteiger, Johann Girstmayr sen., Johann Kartin, Alois Edler von Kriehuber, Dr. Matthaus Reiser, Franz Stampfl, Andreas Tappeiner. Ara selben Nachmittage hielt die Direction ihre erste Sitzung, in \velcher wieder Herr Andreas Tap¬ peiner als Vorsitzender mit Acclamation geivahlt wurde. In dieser Sitzung wurde der 4. Jan n er 1862 als erster Amtstag bestimmt, die vom Torsitzenden vorgeschlagene 21 und von ihm mit Beniitzung der Instruetion der Laibaeher isei Sparcasse verfasste Geschaftsordnung mit gori tiger Abanderung angeuommen, die Drucklegung der Sparcassebiichel beschlossen, dami weiters noch bestimmt, dass zur Fiihrung des Sparcasse- geschaftes selbst, je zwei Herren der Direetion je eine Woche vaj fungieren haben. Diese jeweilig fungierenden Directionsmitglieder besorgten ulmo eigentliehen Beamten auBer der Fiihrung der Casse und des Controljournales, bis zum Jahre 1865 — in welchem die Anstcllung eines Kanzleibeamten beschlossen wurde —, noch die Buchung und Liquidation der gesammten Geschiifts- ziveige. Der Dionst bei der Anmeldung und der Casse wurde durch die gewahlten Directoren noch weiters und zwar be- ziiglich der Anmeldung bis zum Jahre 1870 und bezuglich der Casse bis zum Jahre 1882 unentgeltlich versehen. Als im Jahre 1872 ein eigener Cassier angestollt werden solite, machte der damalige Obrnami der Direetion, Herr Heinrich Edler Ton Gasteiger, sein Verbleiben davon abhangig, dass die Herren Directionsmitglieder nach wie vor an den Amtstagen fungieren, wie iiberhaupt, trotzdem sicli die Grenzen des Geschaftskreises fortwahrend enveiterteu, der humane Geist, welcher das Institut ins Leben gerufen, bis heute unverriickt erhalten blieb. In der zwoiten Directionssitzung vom 12. Janner 1862 isea wurde Herr Dr. Matthaus Reiser als Rechtsconsulent der Sparcasse einstimmig gewahlt, welche Thatigkeit derselbe ununterbrochen durch volle 25 Jahre ausiibte und noch heute versieht. 18G2 So waren nun alle Bedingungen vorhanden, das neue Institut, dessen Errichtung die ganze Bevolkerung gewiss schon mit Selinsucht envartete, ins Leben treten zn lassen. Nacli Anlegung der Geschaftsbuchor, Manipulationsfor- mularien u. s. w. fand die Eroffnung der Sparcasse thatsachlich am 4. Janner 1862 statt. Bescheiden begann die Wirksamkeit der Sparcasse, un- erwartet giinstig zeigte sich der Erfolg. Die Verluste, die bei einem derartigen Verkehre — die Geldbewegung betrug in den 25 Jahren rund 117 Millionen Gulden — unverineidlich sind, konnen als geringe bezeichnet werden. Die Geschaftsfuhrung des ersten Jahres wies schon tblgendes giinstiges Ergebnis aus: Von 1662 Parteien wurden in 2181 Posten.c. 11. 374.728-92 eingelegt und von 457 Parteien . . . „ 87.912-06 behoben; es verblieben somit am Jalires- schlusse.„ 286.816-86 beziehungsweise in Bucksicht der capitali- sierten Zinsen von.„ 5810-91 fl. 292.627-77* als Guthaben der Einleger. Als erste Einlage der Sparcasse erscheinen die unter den Herren Ausschussen zu Gunsten der Schule des katho- lischen Frauen-Vereines gesainmelten tl. 100-—. * Die Bevvegung der Einlagen ist aus der Beilage B, die lruchtbringende Anlage des Vermogens, das Verlust- und Gewinn-Gonto, die VermOgensver¬ ni ehrung aus der Beilage G ersichtlich 23 I)ie zu 5% auf Realitaten hinausge- gebenen 82 Darlehen betrugen.11. 151.715’—, die gegen Faustpfand erfolgten 5% gen 35 Vor- schiisse.„ 38.075’ — ; der Geldumsatz erreiehte die Hohe von liber „ 700.000’- der Zinsengewinu var.. 3.569’03, die Auslagen nur.. 33-67. Das erste Ja lir der Thatigkeit sehloss sonach mit der Bildung eines eigenen Verin dgens von . . „ 3535'36. Diese Ziffern beweisen wohl am besten, \velche vohl- thatigen Folgen die Errichtung des Institutes sclion zu Beginn hatte. Wahrend andere Sparcassen erst nach mehrjahriger Ge- schaftsfuhrung in der Lage ivaren, Hjpothekar-Darlehen zu bevilligen, komite die Sparcasse in Marburg sclion im er s ten Jahre den geldbediirftigen Grundbesitzern mit einen namhaften Betrage entgegenkommen. Der Andrang um Darlehen var aber so grofi, dass die Direction sclion in der dritten Sitzung vom 9. Februar 1862 beschloss, den Beverbern um Darlehen bekannt zu geben, dass sie vor fiinf bis sechs Monaten schverlich in der Lage sein diirfte, Darlehen zu bevilligen, da die Gesuche nur nach Mafigabe des Cassestandes, der Reihenfolge ihrer Einreichung nach, erledigt verden konnen. Dagegen vurde an das k. k. Oberlandesgericht G raz das Ersuchen gestellt, dasselbe volle an die unterstehenden Bezirks- gerichte die Weisung erlassen, dass dieselben ihre Depositen- gelder in der Gemeinde-Sparcasse in Marburg zur Einlage bringen. 1862 24 1863 Da jedoch die Direction aucli im Jahre 1863 nicht im stande war, alie Darlehensgesuche zu beriicksichtigen, so wurde beschlossen, dass uur Gcsuchc von Parteien, vvelclie mit Executionsfiihrung bedroht (Directionssitzung vom 17. Marž) und solche, mit welchen Darlehen unter 1000 fl. angesproclien (Directionssitzung vom 12. April), auflerdein jene, welclie besondere Beriicksichtigung verdienen (Directionssitzung vom 2. Juli), endgiltig erlediget werden sollen. Alle iibrigen Ansuchen wurden bis auf vveiters den Bewerbern ruckgestellt. Nichtsdestowenigar wurden im zweiten Jahre doch ivieder ......... fl. 90,291- — neue Hypothekar-Darlehen in 60 Posten aus- bezahlt und 41 Vorschiisse im Betrage von gegeben. Der Einlagestand hatte sicli um bar und mit Hinzurechnung der Zinsen von . 42.01 D— . „ 137.895.49 . „ 12.871-69 um fl. 150.767-18 vermehrt. Der Beingewinn war im ziveiten Jahre . 11. 4.89 P94, der Stand des Reservefondes daher am Eiule desselben auf.„ 8.427-30 angoAvachsen. Die Sparcasse hatte somit auch das ziveite Jahr ihrer Wirksamkeit mit gesegnetein Erfolge zuruckgelegt und schon das Vertrauen Vieler envorben. Aber auch Mangel in der Geschaftsfuhrung machten sich fuhlbar, wie solche selbst bei der bestvenvaltetsten Sparcasse immer und immer iviederkehren. 25 Schon in der Directionssitzung vom 3. Mai 1862 wurde die Functionsdauer der Directionsmitglieder von einerWoche auf einen Monat ausgedehnt, weil die tiber- gabe von den austretenden amtierenden an die neu eintretenden Directionsmitglieder zu zeitraubend und erschwerend war. In der Sitzung vom 4. Janner 1863 wurden sowohl der Vorsitzende als auch der Rechtsconsulent von der Fuhrung der Journale enthoben. Es verblieben sonaeh fiir die Anmeldung und die Casse- fiihrung mir mehr sechs Herren, daher jeder derselben durcli vier Monate im Jahre angestrengt war. In derselben Sitzung ivurde auch beschlossen, dass die Feuerversicherungs-Beitrage nicht mehr von den Parteien, sondern von der Sparcasse selbst bezahlt iverden, eine MaB- regel, ivelche ihrer Wichtigkeit wegen noch heute aufrecht liesteht. tiber Antrag der Direction ivurde in der Ausschuss- Sitzung vom 8. Janner 1864 iveiters festgesetzt, dass von den Darlehenscapitalien die Zinsen nicht ivie bisher vom Ausstellungstage der Schuldurkunde, sondern immer vom 1. des nachstfolgenden Monates halbjahrig zu berechnen seien und der Schuldner nebst diesen Zinsen bei der ersten Interessen- zahlung auch die Zinsen fiir die allfalligen Differenztage zu berichtigen habe; ferner der ivichtige Beschluss gefasst, die ratemveise Tilgung aller auf Real-Hypotheken erliegenden, sowie in .Zukunft anzulegenden Darlehen in der Art einzu- fuhren, dass die Schuldner bei jedesmaliger Zinsenzahlung einen Theil der Capitalien zuriickerstatten und zwar ivurde die ganzjahrige Zinsenzahlung und Capitalsabstattung mit 7% 1863 1864 26 1864 - bemessen, eine Avohlthuende Anordnung fur die Schuldner, Avelche dadurch unfremillig, jedoch nicht hart zur Ruckzahlung ihrer Schuld veranlasst wurden und avo durch die Sparcasse in die Lage kam, neue DarlehensAverber zu befriedigen. Diese Bestimmung batte die erste Statutenanderung (§ 25) zur Folge, Avelche von Seite des liohen Ministeriums mit Erlass vom 23. Juni 1864, Z. 6940, bewilliget Avurde. Erst die Verordnung des Staats- und Justizministeriumš vom 28. Oktober 1865 befreite die Sparcasse von jeder ge- setzlichen Beschrankung in Betreff der Hohe des Zinsfusses und der sonst bei Darlehen bedungenen Leistungen. Die Geschaftsfulinmg Avar auch in diesem Jahre eine geAvinnbringende, obAvohl die Ein- lagen von.ti. 267.157-84 — Avelche an und fur sieh geringer Avaren als in den Vorjahren, — nur um 1700 11. die Behebungen.pr. „ 265.454-31 uberstiegen. Der Stand derselben hatte sich nur um „ 19.140-49 vermehrt und betrug.„ 462.535-44. Die Sparcasse Avar durch die gesteigerten Anspriiche auf' Riickzahlungen an Einlagen daher auch in diesem Jahre nicht in der Lage, allen Ansuchen um Darlehen zu entsprechen; trotzdem Avurden fl. 86.857-50 als 5%ge Darlehen hinaus- gegeben. Der Reservefond Avar auf 11. 14.037-12 gestiegen, ein fur die Erstlingsperiode von drei Jahren geAviss namhafter Betrag, durch Avelchen die Sparcasse in die erfreuliche Lage versetzt Avurde, der Stadtgemeiude nicht nur die bei der Errichtung 27 bestrittenen Vorauslagen und seitherigen Kosten zu ersetzen, sondern derselben aucli die als Biirgschaft gewidmeten 11. 10.000 CMze. Grundentlastungs-Obligationen haftungsfrei riickzuerstatten. Im nachsten Jalire waren die im Yor- jahre durch Missernte an Wein und durch die ungemein niedrigen Fruchtpreise eingetretenen misslichen (Mdverhalt- nisse noch recht fiihlbar und blieben dem angemessen die Eiulagen — selbst gegen jene des Vorjahres — zuriick; auch wurde nahezu so viel behoben als eingelegt; im ersten Halb- jahre wurden sogar um 11. 23.217.23 mehr zuruckgefordert als eingelegt. Es wurden von 1768 Parteien ... d. 255.997-70 eingelegt und.„ 231.460.48 riickgezahlt, somit sich der Einlagestand um bar. tl. 24.537-22 und mit Hinzurechnung der capitalisierten und laufenden Zinsen.pr. „ 16.835-44 um.tl. 41.372-66 vermehrte. Der mit Scbluss 1864 verbliebene Ein¬ lagestand von.„ 462.535-44 hiezugeschlagen, gil)t ein Interessenten-Gut- liaben von.11. 503.908-10 also dennoch liber eine halbe Million. Die Capitalsanlagen betrugen in diesem Jahre . ..„ 67.418-—, der ltcingewinn uber Abzug der der Gemeinde riickverguteten Vorauslagen der Jalire 1862, 1863 und 1864 von.„ 2046-74 IStii 1SU5 28 18 H 5 noch JI. 6202.56, wodurch der Reservefond auf fl. 20.239-68 angewachsen war. Derselbe wurde liber Ausschuss-Sitzungsbeschluss vom 8. Janner 1864 zum Theile in siebenbiirger Grundentlastungs- Obligationen und liber Ansuchen des Theater- und Casino- Vereines Marburg, um Abnahme einer entsprechenden AnžahI von dessen Partial-Obligationen a fl. 50. — •, nach dem Aus- schuss-Sitzungsbeschlusse vom 8. Janner 1865 in 60 Stiick solcher Antheilscheine angelegt. Nach dem Austritte des Directionsmitgliedes Herrn Karl v Ca-ndolini aus dem Ausschusse der Sparcasse wurde am 8. Janner Herr Josef Albensberg in die Direction gewahlt und dem Ausgetretenen fiir die der An stal t, seit dem Bestehen derselben geleisteten Bienste der Dank des Ausschusses be- kannt gegeben. Von einer Ersatzwahl in d en Ausschuss wurde bei dem Umstande, als Ende 1865 die \Valil des ganzen Aus¬ schusses stattflnden musste, abgesehen. Es hatte bisher in der Direetion wie im Ausschusse keine Personalanderung stattgefunden, da die nach dem § 32 der Statuten jedes Jalir nach der Reihenfolge der alphabetisehen Ordnung auszuschei- denden Directionsmitglieder wieder gewahlt \vurden. Am 1. Juni wurde mit Riicksicht auf die von Tag zu Tag zunehmenden Geschafte der derzeitige Buchhalter Herr Johann Saria als Beamte provisorisch angestellt.* Bis dahin wurde selbst die Liquidation der Einlagen, mit welchen von nun an der angestellte Beamte betraut wurde, * Die Daten bezUglich des Beamtenkorpers befinden sich als Arihang zum Mitgliederverveichnisse am Schlusse dieser Schrift. 29 von den Herren Directionsmitgiiedern besorgt und mir theil- weise Gemeindebeamte dazu herangezogen. Der erste der im Sparcassegeschafte verwendeten Ge- meindebeamten war der Ende 1862 "verstorbene Herr Julius Philippek, dessen auch in der Ausschuss-Sitzung vom 4. Janner 1863 gedacht wurde; nach demselben bis Juni 1865 Herr Alois Tappeiner. Der Schluss des Jahres 1865 brachte rvieder bedeutende Statutenanderungen. Da die Sparcassen nach den damals bestehenden Gesetzen von dem gr5ssten Theile ihrer fruchtbringend angelegten Gelder, insoferne, als diese durch Pfand gedeckt ivaren nicht hohere als 5%ge Zinsen beziehen durften, Avaren sie auch nicht in der Lage, mit anderen durch sehr bedeutende Begiinstigungen ausgostatteten Creditinstituten, Avelche infolge ihrer besonderen Bedite die ihnen zufliefienden Gelder weit hoher verzinsen kounten, zu coneurrieren, sondern mussten den ZinsfuB von 4% fiir Einlagen heihehalten. Die von einer groBen Anzahl von Sparcassen deshalh hohen Ortes rviederholt ausgesprochenen Bitten, nicht rveiter zuriickgesetzt und in ihrer VVirksamkoit gelahmt zu iverden, fanden Beriicksichtigung. Es erschien die schon friiher envahnte Ministerial-Ver- ordnung vom 28. October 1865 R. G. B. Nr. 110, durch Avelche das Jahr 1865 cin im Lehen der Osterreichischen Sparcassen epochemachendes rvurde. In der Ausschuss-Sitzung vom 5. November \vnrde nicht nur dioser Ministerialerlass, — nach Avelchem die Oredit- anstalteu iiherhaupt, sonach auch die Sparcasse in Marburg 30 1865 durch den Artikel V. bei den statutenmaBigen Geschiiften von jeder gesetzmaBigen Beschrankung in Betreff der Holie des ZinsfuBes der Darlehen befreit wird, — sondern audi der diesbeziigliche Erlass der hohen k. k. Statthalterei in Graz yom 3. November 1865, Zl. 18092, bekannt gegeben, nach welch letzterem das Staatsministerium, um die Wirkungen obeitierter Verordnung schneller platzgreifen zu lassen, der diesbeziigtichen Statutenanderung die Genehmigung im voraus ertheilte. Infolge dessen \vurde die mit 1. Janner 1866 begin- nende Erhohung der Zinsen mul zwar fur Einlagen auf 5%, fur Darlehen gegen Keal-Hypothek auf 6%, fur Faustpfander auf 7% einstimmig festgestellt und die Abanderung der einsehlagigen §§ 10, 12 und 25 vorgenommen. Bezuglieh der Einlagen wurde ausserdem beschlossen, den § 12 in dem Sinne abzuandern, d as s die Einlagen nach dem Tage der geschehenen Einzahlung vom nachsten 10., 20. oder 1. Monatstage an verzinset, die Zinsen jedoch nur in dem Falle vergiitet werden, wenn die Einlage vom Verzinsungstage angefangen wenigstens zehn Tage in der Sparcasse liegen bleibt; ebenso ivurden bei Herausnahme der Einlagen die Zinsen nur bis zu dem, dem Tage der Heraus¬ nahme vorhergehenden 10., 20. oder 1. Monatstage berechnet. (Die friihere Fassung dieses § lautete: »Das, nas im L auf e eines Mo nat e s eingelegt wird, \vird erst vom ersten Tage des kommenden Monates verzinset«.) Mit Ende 1865 findet die erste Periode der Mar- burger Sparcasse ihren Abschluss, indem im Sinne der Statuten alle vier Jahre ein neuer Ausschuss zu bestellen war. — m — Nachdem cler nachste Zeitabschnitt mit gut einem Ilrittel neu eingetretener Ausschiisse beginnt, ist es wohl am Platze, der Manner zu gedeuken, \velohe durch das Vertrauen ihrer Mitbiirger berufen ivaren, die Sparcasse in der Erstlingsperiode zn 'vervvalten. Mit ernstein Willeu schritten sie thatig ans Werk; obne Fonds mul mir miter der Burgschaft der Gemeinde ivurde das Unternehmen so geleitet, dass es si eh in Kurze des ungetheilten Vertrauens der Bevolkerung von Marburg und dessen Umgebung zn erfreuen iiatte; mit seltener Ausdauer und mit Aufopferung ihrer eigenen Interessen fungierten die Mitglieder der Direetion nieht mir als Directoren, sondern aucli als Beamte, Avodureh es gelingen komite, die Verivaltungs- kosten bis auf den kleinsten Betrag zn beschranken und die bereits mitgetheilten Erfolge zu erzielen. Am 7. December d. J. Avahlte der Gemeinderath den neueii Sparcasse-Ausschuss und dieser in seiner Sitzung vom 4. Janner 1866 die Direetion. Mit dem Jahre 1866 beginnt nicht mir in Bezug auf die Nemvahl des Ausschusses eine neue Epoche, sondern audi die Epoche eines uiigeivohnlichen Aufschmmges des Institutes. Obivohl die das Gesammtreich tief erschutternden Er- eignisse dieses Jahres, welche die Bevolkerung mit Misstrauen erfiillten, aucli unser Institut bezuglich der Zahlungsfahigkeit auf eine harte Probe stellten, so ivar das Ergebnis dieses Geschaftsjahres doch ein gunstiges. Die Bareinlagen betrugen .... H. 669.843-16 gegeniiber dem Vorjahre mit.„ 255.997-70, daher eine Steigerung von iiber d. 400.000* — . welche mir lsorr 1866 j 84 »«; mehr in den Jaliren 1873 und 1885 crreicht \vurde. Dor hohen Einlageziffer stehen die Behebungen mit ti. 424.009*91 — nahezu doppelt so viel als 1865 gegeniiber und iiber- schritt demnach der Gesammtverkehr der Einlagen allein eine Million. Dieser auBerordentlich hohe Geldumsatz \vurdc natur- licli nicht im geivOhnlichen Geschaftsgange erzielt. Schon unmittelbar vor dem Ausbruche des unheilvollen Krieges fanden massenhafte Behebungen von Seite der Laud- bevolkerung statt, vvelche sieli dureh falsche Einflusterungen und boswillig verbreitete Geruchte beunruhigen lieB. Die Sparcasse musste alle Krafte aufbieten, um den unenvarteten Anforderungen der Einleger entspreehen zu konnen kamen doch Amtstage vor, an welehen nur behoben ivurde — nichts- destoweniger ivurde scllist von der vorgeschriebenen Kiindigung abgesehen, ivodurch die Direction die liber die Zahlungs- fahigkeit verbreiteten irrigen Meinungen am besten ividerlegte. Es ist ivohl gerechtfertiget, hier des nunmehr verstorbenen Horni Johann Girstmajr sen. zu gedenken, \velcher das Institut in diesen schweren Tagen mit namhaften Geldbetragen in uneigenniitziger Weise unterstutzte, \velches Beispiel auch seitens der ubrigen Burger Marburgs Nachahmung fand. Trotz der massenhaften Behebungen, ivelche viole Spar- cassen veranlassten, das Darlehensgeschaft in diesem Jahre ganz einzustellen, \var die Direction, \vic aus der liedeu- tenden Vermehrung des Standes der Hypothekar-Darlehen von d. 359.809*16 auf tl. 480.437*95 enviesen ist, docli bemiiht, den zahlreich einlangenden Gesuchen ohne Aufschub Folge zn gelien. 33 Gleich nach dem Friedensschlusse fand der Riickfluss der igr ,g G elder statt, so dass am Ende d. J. um fl. 245.833 , 25 mehi' eingelegt, als riickgefordert erscheinen. An die Stelle der Sehreeken traten ivieder die Alles erquickenden ruhigen Terhaltnisse, das dureh das traurige Jahr 1866 ohne Grand erschutterte Vertrauen zur Sparcasse kehrte erfreulichenveise schnell ivieder, lvofiir das im Jahre 1867 lermehrte Zustromen der Einlagen spridit. In diesem Jahre (1867) ivurden namlich 11. 907.635-39 is«7 eingelegt und mir.„ 551.305-72 behoben. Es vermehrte sidi daher der mit Ende 1866 verbliebene Stand um bar.tl. 356.329-67 und mit Zuivachs der capitalisierten Zinsen auf „ 1,183.754-65. Fruchtbringend angelegt ivurden als Hypothekar-Darlehen und im Lombardgeschafte. 11. 307.399- — , auBerdem, zufolge des Ausschuss-Sitzungsbeschlusses vom 7. Janner, iveleher der Direction gestattete, die massenhaft einflieBenden Einlagen nach Gutdunken zum Ankaufe von Wertpapieren venvenden zu diirfen, in Wert- papieren. 11. 216.585-32. Der Gebarungsgeivinn ivar .... „ 16.075-06, ivodureh der Reservefond auf ..... „ 43.128-46 stieg. Der Geldverkehr betrug in diesem Jahre liber zivei Millionein Aus den, in den Sitzungen dieses Jahres gefassten Be- sdiliissen, ware mir der vom 7. Janner horvorzuheben, iveleher die Verzinsung der Einlagen in derWeise iindert, dass solehe 3 84 1867 erst mit dem ersten des der Einlage folgenden Monates anfangt und bei Behebungen mit dem letzten Tage des vorausgegangenen Monates endet. Im YerwaItungskorper fand in den letzten zwei Jahren keine Veranderung statt; eine solche bringt jedoch das nachste Jahr 1868. 1868 Durch das am 29. Februar d. J. erfolgte Ableben deš Herrn Andreas Tappeiner, welcher seit der Eroffnung der Anstalt Vorsitzender des Ausschusses und der Direction war, erlitt die Sparcasse einen schweren Verlust; seinem rastlosen Eifer, seiner opfenvilligen Thatigkeit verdankt sie hauptsachlich ihre rasche Entwickelung. Schon schwer erkrankt, befasste er sich noeh in den letzten Tagen seines Lebeus mit der Zu- sammenstellung des B e chnung s ab s chlu s s e s pro 1867, ein Beweis, wie sehr ihm das Institut am Herzen lag; er wird der Sparcasse wolil unvergesslich bleiben. Die Direction iviihlte an dessen Stelle in ihrer Sitzung vom 20. Marž d. J. Herrn Johann Girstmajr seu. als Vorsitzenden. Die Gebarung dieses Jahres betreffend, w ur den von 4167 Parteien.tl. 917.439-08 eingelegt und in 3390 Posten .... „ 618.790-94 zuruckbezahlt, demnach die Einlagen die Ruckzahlungen um. 11. 298.648-14 uberstiegen. MitSchluss 1868 betrug das Einlagecapital fl. 1,545.894-30; jede der bestandenen 4875 Einlagen im Durchschnitte fl. 317-10. Fruchtbringend angelegt waren: als Vorscbusse und Hypothekar-Darlehen . (1. 1,026.738-27, — 35 — in Wertpapieren N. W. 11. 680.300 — nach isos dom Kaufwerte.fl. 442.166'32. I)ie Geldbewegung war.„ 2,191.609' — , der Reinge\vinn.„ 10.215'38. Dor Reservefond erhiihte sich auf . . . „ 53.343-84. Ain 18. Dezember d. J. wurde der derzeitige Cassier Herr Johann Škoflek als Beamte provisorisch aufgenommen. Im folgenden Jahre 18G9 wahlte aueh der Aussehuss in lsco seiner Sitzung vom 15. Janner Herrn Johann Girstmayr mit Acclamation zu seinen Vorsitzenden und beseliloss liber Antrag des Herrn Bancalari sen. die Anzaiil der Mitglieder von sechzehn auf znvanzig zu erhohen, welcher Beschluss in der Gemeinderathsitzung vom 13. Marž durchgefuhrt \vurde. Dor von der Direction dem Ausschusse gestellte Antrag, die Zalil der Directionsmitglieder von aeht auf zehn zu er- hblien, ivurde schon in der Ausschuss-Sitzung vom 2. Janner 18G8 zum Beschlusse erhoben. Nachdem wegen der stets wachsenden Entvickelung der Anstalt die bisherigen A r b eit.sk raft e nicht mehr ausreichten, stellte die Direction den Antrag, einen \veiteren Beamten, weleher im Conceptfache, wie auch im Casse- und Rechnungs- wesen vollkommen bewandert ist, mit dem Titel eines Spar- casse-Secretars, vom 1. Janner 1870 an, anzustellen. Am 31. Dezember wurde die neu geschaffene Stolic einstimmig dem Herrn Georg Hieber, Adjunct der steierm. Spareasse ju Graz, provisorisch verliehen und dieser Beschluss in der Ausschuss-Sitzung vom selben Tage genehmiget. Was die Geharung des Jalires 1869 anbelangt, so wurden in 4119 Posten. 11. 1,105.269'12 3G 180 !) 1870 eingelegt und in 3683 Posten . . . . riickbezahlt, daher um. mehr eingelegt. Mit Hinzurechnung der capitalisierten und laufenden Zinsen von. und des mit Schluss 1868 verbliebenen tl. 662.731-98 „ 442.537-14 84.424-79 Capitales von.. 1,545.894-30, ergibt sich ein Interessentenguthaben mit Ende 1869 von.d. 2,072.856-23, sonach der Einlagestand nach Ablauf der zweiten Wahl- periode die Ziffer von z\vei Millionen tiberschritten li at te. Der Reservefond Ende 1868 mit . tl. 53.343-84 hatte sich hauptsachlich dureh don boi Begebung von tl. 573.300’— diverser Effecten (steuerfreie Obligationen vom Jahre 1866, convertierte Metalliques, Kronprinz Rudolfsbahn - Prioritaten, 1854 National- Anlehen ctc.) erzielten Coursgervinn von tl. 26.361-80 um.„ 60.375-99 auf.d. 113.719-83 vermehrt, sonach seit dem Bestehen der Sparcasse dieses Jahr das fruchtbringendste war. Dor tur die dritte \Yahl periode geivahlte neue Aus- schuss rvahlte in der Sitziing vom 15. Janner 1870 Herrn Johann Girstmayr wieder als Vorsitzenden. In derselben Sitzung wurde der ZinsfuB der Dar- lehen auf Faustpfiinder ah 1. Janner von 7% au ^ 6% herabgesetzt. 37 Die in den letzten Jahren eingetretene, schon angedeutete bedeutendo Vermehrung der Geschafte machte aucli cino Keihe von Verfiigungen nothivendig, welche dio Anderung der Statuten bedingten. Es Avurde daher einem Fiiufer-Ausschusse die Priifung der bestehenden Statuten und der Entwurf zeitgemaBer Anderungen derselben iibertragen. Am 4. Juli desselben Jahres beschloss der Ausschuss beziiglich der Darlehen an dio Stadtgemeinde, die Capitals- abstattung nachzusehen, dann die Auflassung des halbjahrigen Eechnungsabschlusses mit Ende Juni jeden Jahres, welcher bisher nicht nur verfasst, sondern auch wie der ganzjahrige mit Ende Dezember jeden Jahres verviclfaltiget und in der »Tages- post« und dem »Correspondenten fur Untersteiermark«, jetzt »Marburger Zeitung« veroffentlicht wurde. Dagegen wurde cine Scontrierung der Interessentencinlagen-Buoher zum Zivecke einer Priifung der richtigen Berechnung der halbjahrig zu capitalisierenden Zinsen angeordnet; weiters die Einfiihrung einer neuen Buchungsform der Einlagen, welehe dureh dio so- fortige Berechnung der Zinsen por Epoche eine raschere Abfer- tigung der Parteien ermoglichte, dann der tagliche Abschluss allor Buclier, die Priifung der richtigen Buchung dureh Seontri und die infolge dessen nothvvendige Auflage neuor Biicher bestimmt. Nachdem sich audi die urspriinglichen Amtsraume im liathhause nicht nur riicksichtlich des gesteigerten Verkehrs, sondern auch beziiglich der Aufboivahrung von Wertpapieren, Urkunden und Gehl als unzulanglich enviesen, musste fur die Enverbuug eines ziveckentsprechenden grOBeren Baumes Sorge getragen iverden. 1S70 3S iS71 Dor Sparcasse-Ausschuss beauftragte dalier dio Direction in seiner Sitzung vom 14. Janner 1871, einen feuer- und einbruchsicheren Amtsraum fiir dio Sparcasse auszuinitteln und den Mietvertrag auf passende Zoit abzusehlioflen. In derselben Sitzung wurde die Direction ermachtiget, Gosucho um Auflassung der l%gen Capitalsraten auf unbestimmte Zeit beivilligen zu diirfen. Audi im Venvaltungskorper sind im Laufe des Jahres 1871 Veranderungen eingetreten. Am 11. Februar dieses Jahres stari) Herr Josef Bancalari, \velcher dem Spareasse-Ausschusse seit der Griindung angehorte und sich um die Anstalt viele Verdienste envorben hatte. — Mit ihm verlor audi die Gemeinde Marliurg iliren Burger- meister. Mit Beginn desselben Jahres legte der Obinann der Direction und dos Ausschusses, Herr Johann Girstmayr sen., eines der verdienstvollsten Mitglieder der Sparcasse, seiue Stolic nieder. Schon im Jahre 1870 hatte Herr Johann Girstmajr um dio Enthebung als Directions-Obmann und Vorsitzender des Ausschusses angesucht; der Ausschuss, die Tragweite dieses Rucktrittes ermessend, erklarte jedoch in der Sitzung vom 15. Mai 1870 einstimmig, diesen Schritt nicht gutheilJen zu konnen und stellte an denselben die Bitte, zum Wohle der Anstalt, deren Leitung noch weiter beizubehalten. Da jedoch Herr Girstinayr auf seiuem gefassten Beschlusse beharrte und ihn audi die weitercn Vertraucns-Kundgebungen des Ausschusses nicht bestimmen konnten, seine ersprieBliche Thatigkeit noch ferner der Sparcasse zu ividmen, ivurde die — 39 Gemcindevertretung um die Wahl eines neuen Ausseliuss- is Mitgliedes ersucht. Die Grunde, welche diescs besonders thatkraftige Mitglied bewogen, der Sparcasse gerade in einer Zeit, wo sie zufolge ih res verhaltnismaBig hohen Effectenstandes die praktischen Erfahrungen des Genannten sehr benothigte, seme Kraft zu entziehen, konnen an dieser Stelle nicht ermessen werden. Das fiir Herrn Girstmajr von der Gemeinde geivahlte neue Ausscliussmitglied — Herr Heinrich Edler von Gasteiger — wurde in der Sitzung vom 14. Janner 1871 in die Direetion und von den amvesenden Mitgliedern der- selben als deren Obmann gewahlt. Beziiglich eines neuen Amtsraumes wurde das Anerbieten des Herrn Johann Girstmayr jun., bei dem Bane seines Hauses am Rathhausplatze auf geeignete Sparcasse-Amtsraume Eiicksicht nelimen zu wollen, in der Ansschuss-Sitzung vom 11. Mai angenommcn und der Mietvertrag abgeschlossen. Die tibersiedelung in die neuen Hanine erfolgte am 6. Dezeinber desselben Jahres. In der Sitzung vom 5. Juni bestiminte der Ausseliuss dio Herabsetzung der Annuitaten von 8 auf 7 % derart, dass kiinftig 6% an Zinsen und statt 2% nur 1% an Til- gungsraten bezahlt werden sollen. Mittlenveile hatte der im Jahre 1870 behufs Anderung der Statuten berufene Fiinfer-Ausschuss seine Aufgabe erledigt und dem.. Ausschusse den Entwurf der geanderten Statuten vorgelegt, welcher in den Sitzungen vom 5. und 14. Juni, 22. und 29. November eingehond berathen und in letzterer Sitzung einstimmig angenommcn wurde, 1871 — tO — Die Hauptpunkte, durcli tvelche sicli dio neuen Statuten von doii friiheren unterschieden, tvaren erstens cino freiere Bewegung boi Bestimmung des ZinsfuBes fur Einlagen sowohl Avle fur Darlehen, da dieser in die Statuten nicht mehr auf- genommen wurde, weiters eine groBere Selbstandigkeit in der fruchtbringenden Yerwendung der anvertrauten Gelder. Eino weitere ivichtige Anderung betraf die Verivenclung des Reservefondes. Der diesbezugliche Absatz der alten Statuten (§ 7, Punkt 2) lautete: »Solite der Reservefond zvvanzig Procente des ge- sammten Interessenten-Guthabens ubersteigen, so kann der Uberschuss auf Antrag des Sparcasse-Ausschusses und mit Genehinigung der BehOrde zu andenveitigen gemeinniitzigen und ivolilthatigen Localztvecken der Gemeinde venvendct werden«. Nach den neuen Statuten waren: 1. sobald der Reservefond acht Procente des Passivstandes uberstiegen, die davon entfallenden Zinsen, 2. falls der Reservefond mehr als 10% des Passivstandes betragt, die Hiilfte des Reingewinnes und 3. boi ciner Hohe desselben von 15% des Passivstandes, der gesammtc, mit Einschluss der Einkunfte des Reservefondes zu berechnende Reingevvinn, mit hochortiger Genehmigung vom Gemeinderathe in der fruher angefuhrten Weise zu venveuden. Bezuglich der Verzinsung der Einlagen wurde festgestellt, dass dioselbe nach dom vom Ausschusse jeweilig bostimmten und offentlich kundgemachten ZinsfuBe erfolgt. Der durcli eine oder mehrero Einlagen zur Verzinsung auf ein Sparcassebuch zulassige Betrag von fl. 2000 ivurde 1-1 auf fl. 5000 erholit und clie Beschrankuug, dass eine einzige ts?i Einlage, sie moge als Zulage zu einer schon bcstehenden oder als neue gelten, den Betrag von fl. 500 nicht iibersteigen solle, fallen gelassen. Fiir die Einlagen liber fl. 5000 wurde eine drei- monatliche Klindigung festgesetzt, endlich die Unterschrift von zwei Directoren und dem Buchhaltor bedingt. Beziiglich der Venvendung der Sparcasse-Einlagen mirdo neu aufgenommen: § 23, Punkt 2. »In Vorschiissen an Gemeinden, wenn die- selben zur Aufnahme dieser Darlehen und zur Abzalilung derselben im Wcgo von Steuerzuschlagen im eigenen Wir- kungskreise berechtiget sind.« Punkt 3. »Zur Escomptierung in Marburg zablbarer Wechsel, welche mit wenigstens zwei anerkannt sicberen Firinen und auUerdem mit der Firma einer solchen liandelsgeriehtiieh protocollierten Anstalt oder eines solchen handelsgerichtlich protocollierten Vereines versehen sind.« Durch die miter Punkt 3 bestimmte Venvendungsart war die Sparcasse in der Lage, die durch die stote Zunahme der Einlagen envachsonen hohen Cassebestande vorubergehend lruchtbringend anzulegen, also einen beweglichen Fond zu schaffen, der im Falle groBerer Ruckforderungen sogleich in (Jeld umgesetzt werden komite. Punkt 6. »Zum Ankaufe von unbmvoglichon Giitern im Execut'ionswege, wenn der Ankauf zur Sicherheit der Anstalt und der Einleger wegen Einbringung der hierauf gegebenen Darlehen nbthig erscheint.« 187 J 12 — Beziiglich des Lombardgeschaftes wurden vvegen des allfalligen Cours - Riickganges neue, die Sparcasse sicher- stellende Bedingungen bestimmt. Weiters wurde z ur ganzjahrigen Reehnungslegung die Frist Yon vier Wochen auf zwei Monate ausgedehnt, boi Hypothekar-Darlehen statt der friiheren halbjahrigenKundiguiig eiue vierteljahrige festgesetzt, beziiglich des Venvaltungs- Orgauismus die Direction yoii aclit auf zehn, der Aus- schuss vou sechzehn auf zivanzig Mitglieder statu- tarisch erhfiht und in den Wirkungskreis desselben fo 1- gende Bestimmungen licu aufgenommen: § 40, Punkt 9. »In allen jenen Angelegenheiten, in welchen die Sparcasse der Stadtgemeinde gegeniibersteht, insbesondere in Fiillen von Rechtsgeschaften zvvischen beiden Korperschaften, mit Ausnahme bei Darlehen, welche statutenmaBig zu behandelu sind, dann bei Berechnung und Amveisung des fur Gemeindezwecke am Jahresschlusse verfiigbaren Reingewinnes, besitzt die Sparcasse cine von der Gemeinde unabhangige, jedocli von der k. k. Statt- halterei zu genehmigende Beschlussfassung.« Endlich Avurde der § 44 liber die Fiihrung des Namens »Sparcasse der Gemeinde Marburg« durch den § 2 der neuen Statuten: »die Sparcasse fuhrt den Namen „Gemeinde- Sparcasse in Marburg"«, aufgehoben. Diese neuen Statuten, welche vom Gemeinderatbe in seiner Sitzung vom 18. Janner 1872 unverandert angenommen und mit Eingabe vom 24. Februar 1872 an die k. k. Sfcatt- halterei gcleitet wurden, mussten, elio die Genehmigung er- tlieilt Avurde, iviederholt und zwar beziiglich der Bestimmungen — 43 — boi dom Ankaufe uiid dor Belehnung der VVertpapiere, des Ankaufes von Eealitaten (§ 23, Punkt 5 und 6, § 25 umi § 39, Punkt 3 und 4) hauptsachlich in der Weise umgearbeitot werden, dass diesbezugliche Besehlussfassungen der Geneh- migung der hohen k. k. Statthalterei unterliegen. Was die Fondsgebarung- der Jahre 1870 und 1871 anbelaugt, so war 1870 dor Geldumsatz . ii. 2,767.996-65; die Einlagen, Ende 1869 .„ 2,072.856-23 liatten sich in diesem Jahre um bar.ii. 201.996-40 und um die Zinsen von . „ 106.277-41, zusammen um.„ 308.273-81 auf.il. 2,381.130-04 vermelirt; dieDarlehen auf Eealitaten stiegen um il. 129.018-56 auf.„ 1,322.803-10. Der Stand an Wertpapieren N. W. il. 1,067.300- — , noeli im Kaufvverte ein- g-estellt, betrug.„ 863.371-32, der Eeservefond liatte sicli um il. 33.110-26 auf.,.„ 146.830-09 erhoht. Im Jahre 1871 war der Verkehr schon cin sehr lebhafter und erreichte die Geldbervegung in 13.655 Posten die Hohe von.A. 3,893.514-24, um il. 1,125.517- — mehr als im Vorjahre. Die- Steigerung findet theihveise ihre Erklarung durch bedeutenden An- und Vcrkauf von Wertpapieren. Der Stand der Einlagen erhohte sich um naliezu ii. 500.000" — auf.il. 2,838.130-93. 1871 1871 1872 — 44 — Als Hypothekar-Darleheu ivurden in diesem Jahre in 139 Satzposten 11. 298.845' —■ angelegt. Das nachste Jahr 1872 brachte vvieder eine bedeutende Verkehrssteigerung. Der Geldumsatz von 11. 6,167.509'44 war gegenuber jenom von 1871 um H. 2,273.995-20 gestiegen, do eh stiegen die Einlagen nicht in diesem Verhaltnisse. Wahrend dieselben sich im Jahre 1871 um 11. 457.000' —• vennehrten, betrug 1872 der Zuwachs mir 11. 387.869'68, ivovon A. 147.316*46 auf Rechnung der capitalisierten Zinsen zu setzon sind. Durch dio Weinmissernte von 1871 versiegte die Haupt- Eiimahmsquelle der untersteierischen LamMrto, welche um ihre Auslagen zu deeken, sich bemussiget sahen, die in der Spareasse eingelegten Gelder zu beheben; ebenso ivurden infolge der neu errichteten beiden Bank-Institute, der Filiale der steier- markischen Escomptebank und der im Juli d. J. gegriindeten Marburger Escomptebank bedeutende Einlagen behoben und zum Ziveeke der hoheren Verzinsung diesen Anstalten zugeftihrt. Eingelegt ivurden in 6346 Posten . 11. 1,599.797'75 und von 6421 Parteien die goiviss botracht- liche Suinme von.. 1,459.244'53 zuruckgefordert. Immerhin uberschritt mit Abschluss des Gesehafts- jahres 1872 der Gesammtstand der Einlagen die dritte Million und bezifferte sich mit ... 11. 3,126.000'61. An Darlehen auf Hjpothek ivurden in 158 Posten 11. 423.795'. — zugezahlt, um 11. 184.950' — mehr als im Jahre 1871. 45 Die Vorsehiisse auf Wertpapiere b etru gen fl. 261.692-—, 1372 um H. 205.575’ — mehr als im Vorjahre, ein Aveiterer BeAveis, inwieweit die Weinmissernte das Hcranziehon bereits er- Avorbenen Capitales forderte. Bemerkensivert aus dem Rechnungsabschlusse dieses Jahres ist noch die Einstellung der Wertpapiere uacli den Courseu der Wieuer Bor sc vom letzten Bezember (§ G der neuen Statuten), Avodurch ein bedeutender Betrag des boi den verkauften Effecten von fl. 1,023.400-— erzielten CoursgeAvinnes verloren gieng, indem die ungarischen Ostbahn-Prioritaten (fl. 219.000- — ), die Pfandbriefe des ungarischen Boden-Credit- Institutes (ti. 185.200- — ) und die Siebenburger Grundent- lastungs-Obligationen (fl. 345.000-—) Ende d. J. im Cours- Avertc niedriger standen, als sie Ende 1871 nach dem Jvaufwerte in die Bilanz eingestellt erscheinen. Der erzielte GeAvinn von.fl. 57.015-09 erhohte den Reservefond auf . . . . „ 239.713-29. Durch die Concurrenz der am Platze errichteten schon envahnten Bank-Institute fand sich die Sparcasse veranlasst, statt der bisherigen zAvei Amtstage in der Woche, drei und ZAvar Dienstag, Donnerstag und Samstag festzusetzen (Directions-Sitzungsbeschluss A-om 29. Juli d. J.), Aveiters die halbmonatliche Verzinsung der Einlagen derart festzustellen, dass Einlagen vom 1. bis 15., mit IG. des- selben Monates und jene voin 16. bis letzten, mit 1. des p.achsten Monates verzinset Averden. (Ausschuss- Sitzungsbeschluss vom 19. August d. J.). Trotzdem Avaren in der ZAveiten Hiilfte dieses Jahres die Ruckzahlunjren stets groBer als die Einlagen, daher der Ausschuss in der Sitzung 4G 1873 vom 29. Janner 1873 beschloss, den ZinsfuB der Einlagen von 5 auf 5 1 / 2 % zu erhohen. Demgemiifi \vurdo aucli der Zinsfufl fur Hjpothekar-Darlehen und zwar vom 1. October an, von 6 auf 6y 4 %, gliicklichenveise nur voriibergehend crhoht, da naeb dem Beschlusse vom 12. November d. J., vom 1. Janner 1874 an, wieder die friihere Yerzinsung — fur Einlagen 5%, fur Darlehen 6% - platzzugreifen hatte. Nur beziiglich der Darlehen auf Hjpothoken auBer Steier- mark \vurde festgesetzt, dass der ZinsfuB niclit unter <> 1 / 2 °/o und nicht tiber 7% betragen solle. Mittlenveile ivar mit Erlass der liohen k. k. Statthalterei in Graz vom 23. Dozembcr 1872, Z. 16000, die Geneli- migung der vorgelegten Statuten herabgelangt und naehdem der Ausschuss in seiner Sitzung vom 5. Februar beschlossen, dieselben als neue zu betrachten, musste der Gemeinderath nocli vor Ablauf der dritten (vierjahrigen) VerwaItungsperiode um die Wahl eines neuen Sparcasse-Ausschusses ersucht werden, welclier Aufgabe sieli derselbe in seiner Sitzung vom 18. Februar unterzog. Der neue Ausschuss iviihlte in seiner Sitzung vom 3. Marž Herrn Heinrich Edlen von Gasteiger ivieder zum Ob- manne, zu dessen Stellvertreter Herrn Andreas Nagy, Herrn Dr. Matthaus Reiser ivieder als Rechtsconsulenten, zu dessen Stellvertreter Herrn Dr. Ferdinand Duchatsch und weiter zchn Directionsmitglieder. In der Directionssitzung vom 10. Marž wurde Herr Heinrich Edler von Gasteiger auch als Obrnami der Direction und als dessen Stellvertrider Herr Jakni) Pet- ternel ge\valilt. 47 Abgesehen von der Coneurrenz der beiden Bank-Institute is beziiglieh der Einlagen, hatte dic Griindung der Marburger Escomptebank far die Sparcasse den groBeren Nachtheil, dass ihr schatzbare Mitglieder verloren giengen, ivelche als Ver- ivaltungsrathe diosor Bank ge\vahlt, infolge dessen nicht vveiter im Aussehusse der Sparcasse blieben und dadurcli einen starken Wechsel der Mitglieder des Ausschusses und der Direction der Sparcasse herbeifiihrten. Hiedurch und noch durch Anderer Austritt war in diesem Jahre weder der Ausscliuss noch die Direction vollzahlig. Im selben Jahre tauchte aucli der Gedanke der Griindung eines Creditvereines nach dem Muster der I. Osterreichischen Sparcasse auf, os wurde sogar der Plan hiefiir ausgearbeitet, I doch in der Directionssitzung vom 13. October beschlossen, die Errichtung eines solchen fallen zu lassen. Am 12. November 1873 nurde, nachdem noch nicht cin Jahr verflossen, seitdem die neuen Statuten hohen Ortes genehmigt, ivieder eine Anderung derselben und zwar des § 25 beziiglich des Lombardgeschaftes vorgenommen, welcho darili gipfelte, dass der Sparcasse aucli vor der Verfallszeit das Recht der auBergerichtlichen Versteigerung der von ihr belehnten Effecten in dem Falle zusteht, wenn der Coursivert gegen den boi der Belehnung angesetzten und berechneten herabsinkt und der Schuldner binnen drei Tagen nach er- haltener Verstandigung den Abgang nicht deckcn solite. Was die Gebarung des Jahres 1873 anbelangt, so zeigt dieselbe gleich derjenigen aller ubrigen Sparcassen Osterreichs einen namhaften Zuwachs der Einlagen, da die tiefgehende Erschiitterung in den allgemeinen Creditverhaltnissen, ivelche 48 - 1873 sich in cliesem Jahre vollzog, auf dio Sparcassen mir von giinstigem Einflusse var. Wurden vor der Krisis viele Einlagen zum Zvecke der Uberspeculation behoben oder den Sparcassen vorenthalten, so rettete und fliichtete sich unmittelbar liacli dem Ausbruche derselben Alles in die sicheren Riiuine der Sparcassen. Von dem Geldverkehre dieses Jahres mit fl. 8,023.207-65, dessen Holie vahrend des 25jahrigen Bestehens des Institutes nur mehr im Jahre 1874 erreicht vurde, entfallen auf die Einlagenbewegung allein il. 4,061.140-83. Der Stand der¬ selben helief sicham Schlusse des Jahres auf fl. 3,561.317-65, was gogenuber dem Vorjahre mit . . . „ 3,126.000-61 einen Zuvachs von.fl. 435.317-04 ergibt, infolge dessen wieder fl. 427.100-— an Hypothekar- Darlehen zugozahlt vurden. Aushaftend varen am Ende d. J. an Darlehen fl. 2,121.618-03. Von der am 25. September 1872, beziehungsveise 10. Februar 1873 bevilligten Reeseomptierung der Platz- vechsel der Marburger Escomptebank und des Aushilfscasse- Vereines in Marburg machten die genannten Institute Gebraueh und var der Verkehr im Escomptegeschafte fl. 444.651-35, der Portefeuillestand am Ende des Jahres „ 63.354-01. Der groBe Besitz an VVertpapieren N. W. fl. 1,274.300- brachte der Sparcasse den bedeutenden Coursverlust von fl. 64.759-65, velcher durch den in diesem Jahre in Riicksicht des auf 5Y 2 % erhohten ZinsfuBes tur Einlagen ohnehin gerin- geren Gebarungsgevinnes des Hauptfondes von fl. 21.025-08 und des Reservefondes von.„ 14.703-19 fl. 35.728 27 zusammen — M) — nur zum Theile gedeckt erscheint und sonach bedingte, dass ist: dieses Jahr mit einem Verlust toii fi. 29.031-38 scliloss, \velcher den Reservefond auf fl. 210.681-91 verriagerte. Die in Abschreibung gebrachte Coursdifferenz war jedoch, da die Papiere zu den niedrigen Coursen nieht begeben wurden, kein wirklich erlittener Verlust; leider aber liatte die Sparcasse in diesem Jahre einen solehen zu verzeicbnen, vvelcher erst in (len Jahren 1874 und 1873 zur Austragung gelangte. Die im Mai dieses Jahres ausgebrochene Biirsenkrise hatte aueh eine der wie Pilze aufgesehossenen Banken himveg- gefegt, mit welcher die Sparcasse in Verbindung stand. Dure h die Zahlungseinstellungen der Wiener Wechslerbank ivurde unsere Anstalt mit dem Betrage ven fl. 55.300-- ins Mitleid gezogen. Das dreizehnte Jahr des Bestandes der Sparcasse weist is? den groBten Geldverkebr aller funfundzivanzig Jalire nacb; derselbe hatte fl. 8,080.780-76 erreicht. Die Ursache liievon zeigt sich in der Eseomptierung der Wechsel, ivelche eine mit der Einlagenbevvegung sclnver zu vereinbarende Hohe augenommen hatte und dadurch einen bedeutenden Verkehr bezuglich der Anlagen im Oontocorrent erforderte, ganz abgesehen vou der starken Bewegung im Einlagsgeschafte selbst, ivelche in allen funfundzivanzig Jahren ihren Grund darin findet, dass jeder Anforderung naeli Riiekzahlung augenblicklieh und ohne Riicksicht auf die statuteumaBige Kiindigung entsproehen ivurde. Die Gesammteinlagen hetrugen . . . fl. 1,754.654-96 umi zuzfiglic.li der capitalisierten Zinsen von „ 162.744-77 fl. 1,917.399-73. 50 1871 Die Riickzahluiigen an 8634 Parteien . . tl. 1,820.341*57, also um.. 65.686*61 mehr als die Einlagen, daher sich der Stand vom 31. De¬ cember 1873 pr. tl. 3,561.317*65 mir durch die capitalisierteu Zinsen erhdhte, in welcher Beziehung dieses Jahr iiberhaupt einen Markstein bildet, nachdem auch in den iveiteren zw(ilf Jahren, abgesehen der Jahre 1879, 1881, 1884 und 1885, die Ruckzahlungen groBer als die Bareinlagen waren und die allcrdings nennenswerte Vermehruiig bi s Ende 1886 von H. 2,293.890*23 eigentlich auf Rechnuiig der capitalisierteu Zinsen zu stellen ist. An Darlehen gegen Hypothek ivurden in 214 Posten tl. 596.830*—, der hdchste Betragaller funfundzwanzig .Tahre, zugezahlt. Werteffecten wurden nor mit tl. 56.490* belehnt, dagegen Wechsel im Betrage von ,. 512.746*92 escomptiert. Der Zinsengeivinn betrug . . d. 54.151*70 der Coursgewinn.„ 41.007*68 zusammen . tl. 95.159*38. Abziiglich der Vcnvaltungs-Auslagen von . „ 8.497*60 bleibt ein Gebarungsgeivinn von .... ti. 86.661*78, ivelcher liber Abschreibung von d. 42.000' , eines Theilbetra- ges der bei der Wiener Weehslerbank verlorenen d. 55.300'—, im Restbetrage von.d. 44.661*78 dem Reservefonde zugefuhrt \vurde, wodurch sich derselbe auf d. 255.343*69 erhohte. Nadi dem Ausschuss-Sitzungs- heschlusse vom 21. December d. J. wurde dieser Fond ničlit mehr abgesondert in Rechnung gehalten, sondern als Ein- lagsvermflgen der Sparcasse betrachtet; eine dieshezfigliche Statutenanderung fand nicht stati. 5i Unter den Guthaben dieses Jalires finden wir das erste- is inal cine Realitat verzeichnet und zvvar das ehemals Rocken- zaun’sche Hans C. Nr. 186 in der Pfarrhofgasse in Marburg, welches sammt Garton im GesammtflachenmaBe von 551 □Klftr. laut Kaufvertrag vom 22. Juli 1874 um fl. 20.000 zum Behufe der Erbauung eines eigenen Sparcassegebaudes envorben wurde. Die Sitzungen dieses Jahres betreffend, rvare hervorzu- beben, dass der Ausschuss am 18. Februar beschloss, zur groBeren Sicberheit der Werterhebung von Hypotheken, namentlieh bei Landrealitaten, in Zukunft die Schatzungen von Seite der Direetion vornehmen zu lassen und dass der Vorschusseasse in Jaring ein Credit von fl. 10.000 ein- geraumt wurde. (Directionssitzung vom 16. December d. J.) Das nachste Jahr 1875 ist eines der wenigen, in Avelchen is im Venvaltungskorper keinc Veranderung stattfand. Dasselbe bat iiberhaupt nichts Besonderes zu verzeichnen und ist bezuglicb der Bewegung in den einzelnen Geschafts- zweigen gegenuber dem Vorjahre weit zuriickgeblieben. Nur der Terkebr im Wechselescompte hatto bedeutend zugenommen und fallt in dieses Jahr auch der hochste Stand dieses Vermogentbeiles. Der Geldbedarf der Handel- und Gewerbetreibenden war eben ein sehr groBer geworden und kam die Sparcasse demselben, sovveit es die Statuten zulieBen, durcb Reescomp- tierung der von der Marburger Escomptebank und dem Aus- hilfscassevereine Marburg eingereichten Accepte entgegen. In den spateren Jahren verringertcn sieli diese Anlagen und zwar dadurch, als einerseits das Bedurfnis in so bohem Grade uicht mehr vorhanden war, andererseits durcb die bobe 4 * 52 1875 Besteuerung des am Ende des Jahres ausgewiesenen Porte- feuillestandes, weleher mit Bucksieht auf die Einlagenverzinsung einen ungevvohnlich hohen ZinsfuB bedingte. Escomptiert ivurden 891. Stucb mit . fl. 749.924-10, eingelost wurden 834 Sttick mit ... „ 698.545-40, daher sich dor Stand mit Ende 1874 um fl. 51.378-70 erhohte. Iler G-eldumsatz war in 19216 Jour- nalposten.fl. 6,822.249-39, der Zmvachs der Einlagen sammt capitali- sierten Zinsen.„ 172.572-36, jener der Hypothekar-Darlehen .... „ 164.549-10. Der Stand der VVertpapiere vermin- derte sich um .N. W. „ 35.200- . Der Coursverlust, rveleher hauptsachlich durch die Wert- verminderung der Priorititten der steierischen Eisen-Indnstrie- Gesellschaft herbeigefiihrt wurde, war ... 11. 18.251-40, Mezu die Verwaltungskosten von .... „ 8.165-39, die Abschreibungen umi zwar: Rest des Verlustes bei der Wiener Wechsler- bank.fl. 13.300- und 5% vem Inventar . . „ 139-97 zusammen . „ 13.439-97, die ausnahmsweise Spende au die freiwillige Feuerwehr in Marburg von.„ 300* gibt die Summe von.fl. 40.156-76, \vclc.he das Zinsenertragnis .... von „ 52.834-96 auf „ 12.678-20 verminderte. 53 Dieser Bet,mg, dem Reservefonde zugefuhrt, erholite den- selben auf.fi. 268.021-89 gleich 6-99, also 7% des Einlagenstandes. Das Jahr 1876 bringt wieder eine Statutenanderung imd zwar die Anderung der §§ 6, 32 und 34. Beziiglich des § 6 »Venvendung des Reservefondes« ivurden die friiheren Bestimmungen — dass der Stadtge¬ meinde Marburg, sobald der Reservefond 8% des Einlagen¬ standes erreicht bat, die davon entfallenden Zinsen, bei 10% die Hiilfte des Jahres-Reingeivinnes, bei 15% der ganze Reingewinn zukommen sollten — daliin abgeandert, dass, wenn der Reservefond fl. 300.000 erreicht bat, die 5%gen Zinsen mit Genehmigung der Behorden vom Ge- meinderathe zu Gemeinde- und anderen Avoblthatigen Local- zwecken venvcndet werden konnen. Diese neue Bestimmung solite jedenfalls den Ziveck baben, einerseits der Stadtgemeinde eine bestimmte Rente ehestens zuzuwenden, andererseits durcb die Aufbcbung des Bcrcentsatzes — naeb vvelcbcni die Halfte, beziebungsweise der ganze Reingewinn der Stadtgemeinde zukame — zur Erstarkung des Reservefondes beizutragen. Wie die Zukunft lehrte, war die neue Fassung dieses Raragraphes nur zum Vortbeile der Gemeinde Marburg. Als namlicb der Reservefond mit Ende 1877 die Hohe von 11. 300.000 erreicht batte, waren aucb die fruber fe&tgesetzten 8% dessolben gegenuber dem Ein- lagenstande eingetreten, demnacb auch ohne Statutenande¬ rung der Gemeinde die 5%gen Zinsen desselben zu- gekommen \varen. 1875 I87ti 51 187C Z ur Zeit als dor Reservcfond aul' 10% des Einlagen- standes angeAvachsen war, war er im Betrage aber so lioch, dass die 5%gen Zinsen Metan mehr betrugen, als die Halfte des Reingewiimes, welche nach der alten Fassung der Statuten der Stadtgemeinde Marburg zugeiviesen \verden durfte. Die Hohe von 15% des Einlagenstandes, bei welehem nach der fruheren Bestimmung der ganze Reingewinn zur Verfiigung der Gemeinde stand, bat der Reservcfond, abgesehen von der Specialreserve, Ende 1886 noch .nicht erreicht und ware es, nebenbei bemerkt, nur rodit und billig, wenn bei solehem Reservefonde, ude ihn nur Avenige Spareassen Oster- reichs (deren Specialreservefonds eingerechnet) besitzen, das volle Jahresertragnis an die Gemeinde tur wohlthatigo und gemeinniitzige Loealziveeke abgetreten vviirde, insbesondere, als die Sparcasse neder nach der einen noch anderen Fassung der, die Venvendung des Reingeivinnes betreffenden Abschnitte der Satzungen berechtigt ivar und ist, in irgend einer Weise liber andere humane Spenden zu verfiigen. Bei der im Zuge befindlichen Ausarbeitung neuor Statuten wird auch der diesbeziigliche Paragraph einer Anderung in- soiveit unterzogen vverden, als fur die Hohe des Reservefondes Avieder ein bestimmter Percentantheil des Iuteressenten-Gut- habens, wie dies nun schon allgemein eingefuhrt ist, auf- genommen Averden Avird; doch durfte die seinerzeitige Ziffer von 15% nicht mehr platzgreifen. tJbrigeiis Avar die friihere Feststellung von 15% — nach den ersten Statuten vom 3. September 1861 sogar 20% — keine so auBergewbhnliche, da, wie ausdenim Jahre 1873 go- sammelten Statuten der Spareassen Osterreichs zu ersehen ist, 55 auch lici andereulnstituftn die Verfugungbestand, dass der Reser- vefond so langc unantastbar sein solite, bis er ZAvanzig, ja sogar iuufunddreilJig Percente des Interessenten-Guthabens betragt. Nachdem erfahrungsgemaB noch im Jahre 1873 der Re- servefond keiner osterreichischen Sparcasse 10% des Einlagen- standes iiberschritten und Ende 1884 der durchschnittliche 1 Vreontsatz aller Reserven der osterreichischen Sparcassen 7-94% betrug, ist es nicht begreiflich, wie sich in einige Statuten soldi e Bestiinmungen verirren konnten. Die Andernng des § 32 hatte liauptsachlich den Zweck, den fur den V er wal tung sko rp er umstandliclien AVnlilen der jalirlieh dureb das Los zum Austritte bestinimteii funt' Ausscbnssmitglieder zu begegnen und wurde bestinnnt, dass erst nacli Ablauf der ganzen AValilperiode die Neuwahl von znanzig Mitglieder vorzunehmen ist. Die Venvaltungsperiode sellist wurde von vier auf drei jahre herabgesetzt. Der nouo § 34 bestimmte gegenuber der alten Fassung, nadi welcher die Mandatsdauer auf eiu Jahr festgestellt war dass der Obinann und dessen Stellvertreter des Ausschusses sowohl wie der Direction auf drei Jahre zu Avahlen sind. Diese von der Direction vorgeschlagenen Anderungen Avurden in der Aussčhuss-Sitzung vom 20. Marž d. J. ein- stimmig zum Beschlusse erhoben, auBerdem der Aveitere Antrag der 1 lirectiou aus dem boi Verkauf, Verlosung und Wert- erhohung von Effecten erzielten Coursgewinne einen eigenen Fond als Specialreserve fur Coursdifferenzen zu bilden — einstimmig augenommen. 1870 187 ^> — 56 — Dem Secretar Herrn Georg Hieber wurde dic erbetene Einreelinung der bei der steiermarkischen Sparcasse zuriick- gclegten Dienstzeit, das ist vom 1. Janner 1859 an, in jene bei der Sparcasse Marburg bewilliget. Die Genehmigung der Statutenanderung von Seito der hohen k. k. Statthalterei in G raz erfolgto mit Erlass vom 28. Juli d. J., Z. 10886, nachdem noch in der Ausschuss- Sitzung vom 7. Juni d. J. der Zusatz »die eventuelle Aus- zahlung der Zinsen des Reservefondes bat am 1. April jeden Jabres an die Stadtgeineinde zu erfolgen« festgestellt ivurde. Da der § 32 in der neuen genehmigten Fassung die Mandatsdauer der Ausschusso auf drei Jahrc feststellte, so \var die IV. Wahlperiode vorzeitig abgelaufen und rnusste um die Nemvabl aller zvvanzig Mitglieder eingeschritten werden. Dor Gemeinderath unterzog sicb diescr Aufgabe in seiner Sitzung vom 5. October d. J. und nabite sammtlicbe Spar- casse-Ausscbiisse niedcr. Was die Gebahrung dieses Jabres anbelangt, so war dieselbe den allgemein herrsehenden ungunstigen Verhaltnissen angemessen. Durch den bedeutenden Coursriickgang aller Wertpapiere batte auch unsere Sparcasse in ihren Effecten oinen Cours- verlust von A. 48.373‘24 zu erleiden, welchon der Reingeivinn von tl. 45.064 - 57 nicht voli decken komite, daker die Bilanz dieses Jabres mit einem Verlustsaldo von J. 3308 , 67 ab- gescblossen werden musste. Infolge dessen verminderte sicb auch der Reservefond um diesen Betrag und betrug Ende d. J. 11. 264.713 - 22. — o/ — Dor Geldverkehr ivarfl. 5,273.294*37, um II. 1,548.955*02 isto niodriger als im Vorjahre. Die Einlageu erreichten mu* die Hohe von II. 1,389.856*57, dagogen die Ruckzahlungen den ansehnlichen Betrag von.„ 1,602.917*88. An Darlehen ivurdenin 78 Posten H. 132.180* - zugezahlt. Das Yerwaltungsjahr 1877 lieferte wieder ein selu* giin- ist? st.iges Ergebnis. I)cr Gebarungsgeiviun betrug, ohne Berucksichtigung des Ooursgeivinnes.11. 54.989*99 und erlio lite den Reservefond auf . . „ 319.703*21, Avodurch die Sparcasse in die angenelime Lage ver- setzt wurde, das erstemal von den Bestimmungen beziiglich der Venvendung des Reservefondes Ge- brauch zu maehen, nnd nach dem § 6 der Statuten die 5%gen Zinsen des Reservefondes im Betrage von II. 15.985*16 der Stadtgemeinde zu Gemeinde- und anderen wohlthatigen und gemeinnutzigcn Zivecken der Stadt Marburg, zu verabfolgen. Diese Unterstiitzung iv ur de nun regelmallig im alljahrig sirli steigernden Betrage ausgefolgt, hinsichtlich der Ver- ivendung derselben jodoch beschlossen, auf dieselbe keinen iveiteren Einfluss zu nehmen. (Directions-Sitzungsbeschluss vom 12. August 1878.) A us dem erzielten Coursgeivinne von d. 19.812*86 ivurde nach dem im Vorjahre. gefassten Beschlusse die Specialreserve ftir Coursdifferenzen geschaffen. l)er Vortheil dieser Einrichtung envies sich schon im niichsten Jalne, in ivelchem durch den Coursruckgang der 58 I 877 Pfandbriefe der k. k. priv. galizischen Eustical-Credit-Anstalt, der Special-Eeservefond das erstemal herangezogen werden musste. Im iibrigen war im Jalire 1877 das Interessenten- Guthaben um ii. 102-041 - 0I gestiegen. Der Stand der Hypothekar-Darlehen erholite sich um.11. 60. L 55*91, jener der Vorscliusse um.„ 20.862- -. Der Portefeuillestand verminderte sich um „ 30.036.60, dagegen vermehrten sich die Aulagen im Contocorrent um.„ 95.924-17. Der Geldumsatz war auf.„ 6,095.284-84, also um d. 821.990-47 gestiegen. Im Verwaltungskorper fanden keine Veranderungen statt. Die Directions- sowie die Ausschuss-Sitzuugen dieses Jahres liatt.cn fast ausnahinslos die Verbauung des erworbenen Eockenzaun’schen Grundes in der Pfarrhofgasse zum Gogen- stande. Zur Yergrol3erung dieses Baugruudes vvurde vorerst die Enverbung eines entsprechenden Theiles vom anstoBenden Pfarrhofgarten ins Auge gefasst uiul gelang es auch dem damaligen Obmanne Herrn v. Gasteiger, einen Theil dieses Grundes anzukaufen; den hierauf beziiglichen Aertrag ge- nehmigte der Ausschuss in der Sitzung- vom 4. Mai d. J. In dieser Sitzung \vurde auch iiber Antrag der Direction beschlossen, auf dem so vergrOBerten Baugrunde erstens cin z v v e i s t o c k 1 i o D e s Gebaude, vvelches drei Gassenseiten bilden solite, aufzufuhren, zweitens eine VerbindungsstraBe von der Pfarrhof- in die Casinogasse zn eroffnen. Im Gebaude sollten 59 — zunachst kaiserlicho Amter (die k. k. Bezirkshauplmamischaft, is77 dic Finanzbezirksdirection, das Haupt-Zoll- mul Steueramt, das k. k. Bauaint u. s. w.) untergebracht werdeu konnen und danil iv aren darin der Sparcasse \viirdigc Amtsraume zu schaffen. Die diesbeziigliehen Plane wurden audi ausgearbeitet, ebenso die Verhandlungen hiusichtlich der Veririietung be- treffenden Ortes sofort eingeleitet. So eifrig jedoch die Vorarbeiten beziiglich dieses Baues betrieben lvurden, so komite doch erst sieben Jahre spater, im Jahre 1884, mit dem Baue eines eigenen Sparcasse- gebaudes mit ganz anderer Eintheilung begonnen iver den, abgesehen davon, dass die Verhandlungen bezuglicli des Pfarr- hofgartens in das Jahr 1874 zuriickgreifen. Dor Ban des heute dastehenden Sparcasse- und Madchen- schul-Gebaudes bat demnach seine eigene Geschichte, ivelche, a Is den Rahmen der vorliegenden Denkschrift uberschreitend, in dieselbe nicht aufgenominen iverden kanu. Der Plan, Amtsraume fur staatliche Behorden zu schaffen, ivechselte mit jenom, in dem Gebaude das k. k. Staatsgvm- nasium unterzubringen, ivelcher Entwurf, Geringfugigkeiten wegen, ebenfalls nicht zur Ausfuhrung kam. Die Eingaben an die Dom- und Stadtpfarr-Venvaltung, dami an das Patronat dieser Pfarrpfrunde, iiberhaupt an die kirchlichen und poli- tischen Behorden, sind zahllos. Dazivischen fallen Einstellungen der Vorarbeiten, z. B. infolge des Vorschlages, das Sparcassegebaude an Stelle der Burg zu bauen, sogar Kundgebungen der Bevolkerung fur und gegen den Bau in der Pfarrhofgasse u. s. f. Genug an GO 1877 dem, dass dieser Gegenstand in den Directions- imd Aus- schuss-Sitzungcn bis Ende 1881, wo diesc Frage durcli den beschlossenen Bau der neuen Madchenschule sich vollkommen veranderte, dreiundfunfzigmal, bis zur Vollenduug des neuen Sparcasse- and Madchenschul-Gebaudes (1888) hundertzehn- nial anf die Tagesordnung kam. 187 « Im Jahre 1878 am 28. Februar starb das verdienst- volle Mitglied Herr Andreas Nagy, tvelcher am 7. De¬ cember 1865 in den Ausschuss, am 2. Janner 1868 in die Ilirection gewahlt und auf Grund der Statuten vom 2. Sep¬ tember 1872, nach \velchen der Ausschuss aucli einen Obmaim- stel Iver tr eter zn n ah len hatte, am 3. Marž 1873 auch mit diesem Amte betraut wurde. Herr Andreas Nagy vvar sonach durcli mehr als zwOlf Jalire ununterbrochen thatig und \vidmete in der Eigcnschaft eines Directors und Schatzmannes durcli cin volles Jahrzehnt seinc reiehen Erfahrungen der Anstalt. An dessen Stolic als Obmannstellvertretcr des Ausscbusses wurde Herr J a k o b Petternel gewah lt. Beziiglich der Geschaftsgebarung dieses Jahres hatte das Interessenten-Guthaben die vi er te Million iiberschritten und bezifferte sich am Schlusso desselben in 9658 Posten mit H. 4,023.734-81; der durchschnittliche \Vert eines Buchels war sonach fi. 416-50. An Hvpothekar-Darlehen ivurden H. 201.120' — in 170 Posten zugezahlt. Der Verkehr im VVechselescompte uar bedeutend und bezifferte sich mit.JI. 1,244.613-70, der Portefeuillestand am Ende des Jahres „ 111.075- . 01 Der Zinsengeivinn, im Vorjahre ti. 59.545*17, liatte ints sieh ivesentlich erhiiht nnd botru g . . tl. 66.970*20. Hievon die Eegie mit . . .11. 6.384*67 umi dielnventarabschreibungmit „ 367*16 zusammen „ 6.751*83 in Abrechnung gebracht, gibt den ansehn- lichen Reingeivinn von.H. 60.218*37, welcher abziiglich der der Stadtgemeinde pro 187 7 ausbezahlten ersten Res'erve- fondszinsen von.. 15.985*16* im Restbetrage von.. 44.233*21 dem Reservefondo zugefiihrt ivurde umi den- selben auf.„ 363.936*42 erbolite. Die Coursdifferenz der Pfandbriefe der galizischen Rustical- Oredit-Anstalt von tl. 3.274*10 ivurde von der im Vorjahre gesebaffenen Special-Reserve fiir Courssehivankungen abge- scbrieben, ivodurch sich dieser Fond auf ti. 16.538*76 ver- minderte. Dafiir bringt da,s nachste Jahr 1879 eine bedeutende isto Vermehrung dieses Fondes. Durcb die Courssteigerung aller Papiere wurde ein Coursgeivinn, wie iu keinem Jahre mehr, erzielt. Derselbe betrug ti. 101.607*10 und erbolite die Specialreserve auf tl. 118.145*86 — gleieh 9*5% des Coursivertes der Effecten, wobei zu beriieksichtigen ist, dass in diesem Jahre, in vvelchem seit 1873 wieder einmal mebr eingelegt * Die der Stadtgemeinde Marburg jahrlich erfolgten Reservefondszinsefi sind durcb eine eigene Sjinlfe der Tafel G ersicbtlich gemacht. als zuriickgefordert ivurde und die Nachfrage nach Hypothekar- Darlehen mir eine geringe war, ein groBer Tlioil der Cassen- iiherschusse in, im Ooursiverte schon gestiegenen Effecten angelegt werden mussie, infolge dessen der Besitz derselben um N. W. ii. 325.500’ — stieg. InRiicksicht der nahezu 10 % gen S p e c i a 1 r e s e r v e ftir Coursdifferenzen komite die Sparcasse schon da- mals groBeren Coursschwankungen mit Beruhigung entgegensehen, insbesondere bei dem Umstande, als von dem ausgeuiesenen Effectenbesitz nur beilaufig tl. 700.000- griiBerer Entwertung ausgesetzt waren. Aber audi der Haupt-Reservefond war auf II. 404.185-21 gleich 9.29 % gestiegen. Beide Reservefonds zusammengeivorfen Ik 1 - trugen.„ 522.331-07 gleich 12% dos Einlagenstandes. Die der Stadtgemeinde Marburg statutenmiiBig zukom- menden 5%gen Zinsen des Reservefondes ivaren schon auf Ji. 20.209-26 gestiegen. Im Venvaltungskorper fand infolge des Riicktrittes des Herrn Johann 1'ichs, ivelcher durch volle zelin Jahre und insbesondere als Cassier thatig war, eine Veranderung statt. Nach der am 2. October d. J. von der Gemeindever- tretung f ii r die sechste Verwaltungsperiode vor- genommenen Nemvahl des gesammten Ausschusses erscheinen alle alten Mitglieder ivieder g e av a h 11 und nur, als Herr Stefan Mohor, ivelcher der Sparcasse durch vier- zehu Jahre angehorte, die Wahl nicht mehr annahm, vvahlte dieGemeinde als neues Mitglied Herrn Anton von Schmid. 63 Doch solite nach anderem Rathschlusse in die von der Gemeinde so einhellig geivahlte Venvaltung cine empfindlidie Lučke gerissen werden. 'Der 18. Marž des Jahres 1880 bradi te der bliihenden Anstalt durch den Tod des Obmannes Herru Heinricli Edlen von Gasteiger einen herben Verlust. Herr Heinricli v. Gasteiger war als einer der erstgeivahlten Ausscliiisse schon von 1862—1867 besonders thatig; nacli seinem zweiten Eintritte von 1871 an, leitete er an der Spitze des Ausschusses und der Direction die Geschafte der Sparcasse in hervorragender Weise, wofiir die Ziffern am beredtesten sprechcn. Der seltene Eifer, mit dem der Genannte sicli dem Wohle der Anstalt stets unverdrossen ividmete und die Verdienste, die er sicli um dieselbe erworben hatte, bestimmten den Ausschuss, in der am Todestage abgehaltenen Sitzung, das Andenken dieses Mitgliedes unter anderem audi dadurch zu eliren, dass dessen lebensgroBes Bildnis gleich dem seines im Jahre 1868 verstorbenen Vorgangers Herrn Andreas Tappeiner, des ersten Obmannes der Sparcasse, die Amtsraume der Anstalt ziere. An Stelle des Herrn v. Gasteiger rvahlte der Ausschuss in der Sitzung vom 21. April d. J. Herrn Dr. Matthiius De is er einstimmig zu seinem Obmanne. Am 26. April d. d. audi von der Direction einhellig zum Obmanne geivahlt, er- klarte jedoch Herr Dr. Reiser diese letztere Stelle nicht an- nehmen zu. konnen, worauf die Direction Herrn WiIh elm A. Geupp.ert als solchen wahlte. Herrn Jakob Petternel wurde bei dieser Gelegenheit fiir die vorubergehende Leitung der Dank ausgesproclien. 1S79 18S0 fii 1880 Aber auch beziiglich der Dienstcseintheilung fanden Vor- iinderungen statt. Nadi dem Directions-Sitzungsbeschlusse vom 24. Ala-i d. J. \vurde die Oassefuhrung (bisher von Directionsmitgliedern uu- entgeltlieh besorgt) einem Beamten iibergeben. Das bisdahin jeiveiligalsCassienvirkendeDirectionsmitglied verblieb jedoeh noch iveiters in Thatigkeit und ist insbeson- dere fiir die Cassegebarung verantivortlich; dasselbc bestatiget a Is Tagescoininissar auch jede Einlage. Es bat sich diese Art und Weise der Amtspflege be- \viihrt und in die Bevolkcrung eingelebt, welche gewohnt ist, an den Amtstagen neben dem Beamtenpersonale auch ein Mitglied der Direction, iveiches doch immer eiue in der Be- viilkerung bekannte und vertrauensiviirdige PersOnlichkeit ist, thiitig zu sehen, da dadurcb der Beiveis geliefert wird, dass die Anstalt von den Directoren der Tliatsache nach geleitet mul die Thatigkeit des Beamtenpersonales iibenvacht ivird. Der Dienst bei der Anmcldung ivurde \vegen der Sclnvie- rigkeit, fiir jeden Amtstag zwei der Herren Directoren im Anite zu sehen, schon seit 1870 durcli eincn Beamten aus- geiibt. Von der ursprunglichen Unterfertigung der Einlagen durcli zwei Directionsmitglieder und den Buchhalter ivurde dah er Umgang genommen und zeichnen seither der Tagescommissiir, der Buchhalter und der Cassier. Die dadurch nothivendig geivordene Anderung des J? 14 , 24 eingelegt mul von 9716 Parteien . . . „ 2,020.385 , 42 zuriickgefordert, sonaeli siidi der Einlagen- stand um bar.H. 175.830-82 vermehrte. Was die fruehtbringende Venvcudung der Einlagen an- belangt, so ist die Hoffnung, \velcbe die Sparcasse auf die ZinsfiiBvenninderung setzte, in Erfullung gegangen, da an ll\'[M)tliekar-Darlehen.ti. 492.185- neu zugezahlt um li. 340.365- melir, als im Vorjahre umi mir.„ 91.388-44 zuriickgezablt wurden, sonaeli sieli die For- derung um.ti. 400.796-56, also bedeuteud vermehrte. Der verminderte Zinsengeuimi betrug tl. 84.228-56, demnach um li. 13.509-66 iveniger als im Vorjahre. 81 Immerhin wurden — (lie an die Stadtgemeinde Mari) ur g- iss fur 1884 ausbezahlten Reservefondszinsen, die Venvaltungs- auslagen und Abschreibungen abgerechnet — dem Haupt- reservefond noeh d. 46.301-69 zugefuhrt. Die in dieses Jahr fallende statutenmaBige Neuivahl des Ausschusses fur die achte Aenvaltungsperiode farni in der Gemeinderath-Sitzung vom 29. October statt, naehdem noch vor derselben, infolge des am 9. Februar d. J. erfolgten Ablebens des Herrn Heinricb Schleicher, iveleher dem Ausscbusse mir kurze Zeit angehOrte, eine Ersatzwahl notli- iveudig war. Nach den hierauf am 13. und 14. November d. J. von dem Ausschusse und der Direction vorgenommenen Wahlen, erscheinen die fruheren Obmanner beziehungsweise deren Ste 11- vertreter gevvahlt. So einhellig der Venvaltungskorper nach seinem fruheren lsso Bestande zusammengesetzt wurde, so solite docli schon das nachste Venvaltungsjahr grollere Veranderungeu bringen. Theils durch hohes Alter, theils durch andauernde Krank- heit, legten Herr Ludwig Kitter von Bitterl, der lang- jahrige Obmann-Stellvertreter des Ausschusses, Herr Ferdinand Freiherr von Rast, welcher dem Ausschusse durch vierzehn Jahre angehOrte, und Herr Dr. Ferdinand Duchatsch, seit 1870 Ausschuss- und seit 1876 Directionsmitglied und Rechts- eonsulent-Stellvertreter, ihre Stellen zuruck. Den Ausgetretenen wurde fur ihre vicljahrige aufopfernde Tliatigkeit der Dank des Ausschusses ausgesprochen. Zum Obmannstellvertreter des Ausschusses \viihlte dieser am 28. Mai d. J. Herrn Dr. Heinrich Lorber. o . 188 « AuBerdem verlor die Spareassfe in diesem Jahre ilircu vierten Obrnami der Direction. Herr Wilhelm Geuppert, welcher der Spareasše durch eine Reihe von funfzehn Jahren mit, voller Hingebung und Hintansetzung der eigenen Berufsgeschafte seine Dienste gewidmet und seit dem Ableben des Kerni Heinrich Edlen vun Gasteiger das Ehrenamt eines Directionvorstandes mit gunstigem Erfolge versehen, liatte schon im An tange des .lalires 1884 seinen Entsehluss, Marburg zn verlassen und in seine Vaterstadt nacli Lindau heimzukehren, bekannt gegeben. Eei der Schwierigkeit, eine Personlichkeit zn linden, welc,he, sowie Herr Wilhelm Geuppert, das allgemeine Ver- trauen besitzt und seine gesammte Zeit mit dem gleichen guten Willen opfert, trachtete der Ausschuss, sowie die Gemeinde- vertretung, denselben der Anstalt zu erhalten. Leider gelang dies nur bis zu diesem Jahre (1886), in vvelchem sieli Herr Geuppert Familienverlialtnisse ivegen bemussiget sati, aus dem Verbande der Sparcasse zu scheiden. Dessen Amt versieht seither der Obmannstellvertreter der Direction, der Obrnami des Ausschusses, Herr Franz Stampfl, der mit den ersten Ausschussen der Sparcasse geiviihlt, mit der Unterbrechung im Jahre 1874, seit funfundzwanzig Jahren dem Ausschusse und der Direction angehOrt. Es \viirde zu weit fuhren dessen Thatigkeit erschbpfend zu schildern und sei bier nur so viel bemerkt, dass er in glucklicbster Weise jederzeit die Interessen der Anstalt mit denen der Gemeinde zu vereinigen und zu fOrdern wusste. Sein, so vielo Jahre dem Wohle der Anstalt gewidmetes erfolgreiches Wirken anerkannte die Gemeindcvertretung unserer 83 Stadt tviederholt in offentlicher Sitzung und wurde Herrn Franz Stampfl am 3. Marž 1887 audi da,s Ehrenbiirgerrecht d er Stadt Marburg verliehen. In das Jahr 1886 fallt noch die Vollendung des Baues des neuen Sparcasse- und Madchenschul-Gebaudes. Das Bau-Oomite* schaffteein Gebaude, tvelches durch seiiie bedeutendeAusdehnung und arcliitektonisehe Ausfiihrung der Stadt Marburg zur Zierde gereicht und zu deren Verschonerung tvesentlich beitragt. DasselDe ist im Style moderner Renaissance erbaut und sind aucli die Amtsraume selbst, miter welehen insbesondere der Farteiensaal wegen seiner liarmonischen Wirkung hervor- zuheben ist, im gleichen Style ausgefiihrt und eingerichtet. Es ist liier wohl am Platze, der beiden Herren Biirger- meister Alexander Nagy und Stadtratli Anton von Schmid zu gedenken, welche sich um das Gelingen dieses schonen Werkes besondere Vcrdienste envorben haben. Ohne deren rastlose Tliatigkeit und alle Sclnvierigkeiten uberivindende Ausdauer wiirde eine so vorzugliche LOsung dieser vvichtigen Frage kaum erfolgt sein. Nach funfundzwanzig Jahren unausgesetzter Thatigkeit šali sich nun der Venvaltungskorper in die gliickliche Lage versetzt, die vor Jahren gegriindete Heimstatte zu beziehen. Am 30. October wurde der erste Amtstag in den neuen Kaumen abgehalten, oline dass die Ubersiedelung eine Storung tur den Verkehr zur Folge hatte. * Das Bau-Gornite bestand aus den Herren Wilhelin Geuppert, Obmann, Alexander Nagy, Obmannstellvertreter, David Hart.mann, Friedrich Leidl, Josel' Prodnigg, Anton von Schmid, Dr. Johann Schmiderer und bestellte als Bau- leiter den Herrn Architekten Adolf' Baltzer. (i* IS,Sl 81 188 « Das Sparcasse-Gebaude erscheint im Rechnungsabschlusse dieses Jahres mit dem Gestehungswerte von ti. 132.000-- eingestellt, von welehem nach MaBgabe des Ertragnisses, im Jahre 1887 ein Theil in Abschreibung gebrachi werden wird. Was die Fondsgebarung dieses Jahres anbelangt, so fallt gleieh dem Vorjahre die Vermehrung des Standes der Hvpothekar-Darlehen auf. Es \vurden in diesem Jahre gegen 220 Schuldurkunden.ti. 555.060- zugezahlt, eine Sumrne, ivelche mir im Jahre 1874, in ivelchem in 214 Posten.ti. 596.830- ausbezahlt erscheinen, ubertroffen ivurde. Das Guthaben an Hvpothekar-Darlehen betrug am 31. De¬ cember 1886 in 2865 Forderungen ... ti. 4,321.893'65 57 iiber ti. 10.000. Die Zalil der Schuldner von Darlehen bis zn li. 1000 betragt daher allein 1881, das boste Zeugnis, dass die Sparcasse namentlich dem kleinen Grundbesitze zn Hilfe kam. Im Ganzen wurden in den ahgelaufenen funfund- zwanzig Jahre n an Hvpothekar-Darlehen fi. 6.220.601'51 in 3446 Posten zugezahlt, eine Sumrne, in Betreff welcher die vorgenommenen Abschreibungen von tl. 7024-23 gar keine Rolle spielen, insbesondere ivenn beriicksichtiget wird, dass die Culturgattung der Hypotheken zum groBen Theile aus 85 Rebengrund besteht, weleher in den letzten zelin Jahren in- folge der Missernten im Werte sehr gesunken ist. Ubrigens ist diesem Verluste noch der Gewinn gegen- iiberzustellen, ivelcher durch den Verkauf der noch im Besitze der Sparcasse sich befindenden Realitaten erzielt werden wird, da diese nur zu einem Kaufschillinge hintangegeben werden, welcber den in die Jahresrechnung eingestellten Wert tibersteigt. Nachdem die Erledigung der Darlehensgesuche, \vie die meisten in den Wirkungskreis der Direction gehiirigen Agendeu, durch diese erst nach dem schriftlichen Antrage des Rechts- consulenten erfolgt, so ist es ge\viss dessen Thatigkeit im boben Grade zu verdanken, wenn die Anstalt, nach strengen Grundsatzen der Rechtlichkeit berathen, im Verlauf von funfuiidzwanzig Jahren im Hypotbekar-Darlebens- gescliafte eigentlicb keinen Verlust erlitt. Um ein annaherndes Biid der gewichtigen Leistungen des kaiserlichen Ratbes Herrn Dr. Matthaus Reiser zu geben, der, wio dies in dieseii Zeilen schon einmal bemerkt ist, nicht nur durch volle funfundzwanzig Jahre dem Aus- schusse und der Direction angehort, sondern auch vviibrend dieser Zeit der Anstalt obne Eigennutz scinc Kraft als Rechts- consulent widinote, sei bemerkt, dass die in den abgelaufenen funfundzwanzig Jahren in 396 Sitzungen zur Berathung gelangten Stiicke die Zalil von 8193 erreichten, wovon auf die 108 Sitzungen der letzten fiinf Jahre, allein 2400 entfallen. Wer nun berucksichtiget, dass die sorgfaltige Priifung aller Behelfe und die genaue Erwagung aller Umstande zur Erledigung eines Darlehensgesuches oder eines Gesuches um Beivilliguug zur lastenfreien Abscbreibung von Tbeilen eines 1886 86 1886 verpfandeten Gruudstiickes, viel Z o it nnd Miihe in An- spruch nimmt, dass neben den eigentlichen Geschafts- stiieken viele au!3ergewohnliche, grolJe Ausarbeitungen, welche der Geschaftsgang mit sich bringt, notwendig siiul, der \vird die Summe von Arbeiten ermessen konnen, welche vom Rechtsconsulenten der Anstalt im abgelaufenen Viertel- jahrhundert geleistet \vurde. Im weiteren Verfolg der Fondsgebarung dieses Jahres finden \vir, dass sicli das Interessenten- Guthaben um.ti. 203.354-08 erhohte umi mitEnde des fimfundzivanzigsten Geschaftsjahres.„ 5.952.266'04. also nahezu seclis Millionen betragt. Wahrend der funfundzwan/iig d a lir e wurden iu 141.254 Posten auf 59.042 Biichel fl. 33.264.875'96 eingelegt und in 161.429 Posten . . . „ 30.509.158'83 /mruckgefordert. Von diesem Verkehre von .... fl. 63.774.034'79 entfallen auf die letzten funf -Jalire „ 18.009.02826 in 87943 Posten. Die iibrigen Ziveige der Fondsgebarung auBeracht lassend, ist noch die Vermogensvermehrung des Jahres 1886 zu er- wahnen. Der Zinsenge\vinn betrug ti. 82.688-45 nnd wurde iiber Abzug der, der Stadtgemeiude zukominenden Zinsen, der Verwaltungskosten und Abschreibungen, im Restbetrage von tl. 31.771-06 dem Hauptreservefond zugefuhrt, wodurch sich derselbe auf.ti. 719.578-73 erhohte. 87 Der Coursgeivinn von tl. 9227-50, der Specialreserve zu- geschlagen, vermehrte diese auf .... H. 364.646-92. Nadi dem Direction-Sitzungsbeschlusse vom 21. Janner 1887 vvurde jedoch der Speci a lreservefond f tl r Coursschwan- kungen mit 10% des Courswertes der Wertpapiere, mit.fl. 203.075-47 festges etzt, dalier derselbe um fl. 161.571-45 vermindert, den Hauptreservefond um diesen Betrag erhohte, sonach letzterer . . . . „ 881.150-18 gleich 14-8% des Einlagenstandes betragt. Beide Reservefonds zusammengeworfen, geben einen Sicher- stellungsfond vou.fl. 1.084.225'65 gleich 18-21% des Einlagenstandes, ein Verhaltnis, ivelches wohl nur ivcnige Sparcassen Osterreichs besitzen. Die Bestimmung beziiglich der 10%gen Speeialreserve, beziehungsweise die dadurch bedingte Vermehrung des Haupt- reservefondes, bat eine bedeutende Erhohung der jahrlichen Rente der Stadtgemeinde zur Folge, sonach derselben — in ihrer durch fortwahrend steigende offentliche Anforderungen hervorgerufenen bedrangten Lage —■ nach Moglichkeit geholfen ist, Anderseits ist der Besitz der Wertpapiere seincr Zusammen- setzung nach ein solcher, dass die 10%ge Rcservc hiefur unter allen Umstanden geniigen wird. Mit den der Stadtgemeinde nach dem Stande des Hauptreservefondes vom 31. December 1886 zugekoinmenen Zinsen von..fl. 44.057-50 hat diese seit dem Jalire 1877 an 5%gen Zinsen des Reserve- fondes den bedeutenden Betrag von . . . fl. 269'721’34 erhalten. 1886 88 1886 Diese Zahlen geben in ihrer strengen und klaren Sprache vvohl das beste Zeugnis, dass die Sparcasse ihrer Aufgabe vollkoinmen gereeht geworden ist mul liefern den Bevveis der von deutschen Biirgern Marburgs durch ein Vierteljahr- hundert mit kluger Uinsiclit und strenger Geivissenhaftigkeit gefuhrten Yenvaltung. Die durch Opfenvilligkeit und Gemeinsinn geschaffene Anstalt, ist im Verlaufe der funfundzwanzig Jahre liicht nur als Vermittlerin zwischen Tausenden von Sparenden einer- seits und Creditsuchenden anderseits unentbehrlich geworden; sie liefert in ihrer gegemvartigen, als ziveckentspreehend bewahrten Einrichtung, in den finanziellen Verhaltnissen, die beste Gewahr des Fortbestandes, der vveiteren Eiitwickelung und segensreichen Wirksamkeit, geuiss der schonste Lelin Ilir alle jene, welche fur das Gedeihen derselben \virkten. Mogen ihr in unverbruchlicher Hochhaltung der humanen Grundsatze, welche sie bisher leiteten, getragen von dem all- gemeinen Vertrauen und in der Hut der deutschen Stadt Marburg noch viele Jahre glucklichen und testen Bestaudes gegonnt sein. Das ualte Gott! Marburg, im August 1887. Aus Anlass des funfundzwanzigjahrigen Bestandes der Sparcasse liat der Sparcasse-Ausschuss in seiner Sitzung vora 28. Janner 1887 einhollig folgende Beschliisse gefasst: L Aus dem Hauptreservefonde einen Theil von 11. 50.000 der Stadtgemeinde Marburg z ur Venvenduug fiir Gemeinde- zwecke und fiir andere gemeinniitzige imd vvohlthatige Zwecke zuzuwenden, wobei von Seite des Ausschusses — ohne der freien Verfugung des loblichen Gemeinderathes vorzugreifen — folgende Venvendungsart vorgeschlagen wurde: a) Die Begriindung eines Stiftungsfondes von 11. 16.000 mit der VVidmung, dass die hievon entfallenden Zinsen all- jahrlich an verarinte Gemeinde-Angehorige der Stadt Marburg durch den Stadtrath nach seinem freien Ermessen, nainentlich zur Anschaffung von Kleidern und Brennholz fiir die Wintorzeit, venvendet werden; b) die Begriindung eines Stiftungsfondes von 11. 10.000 mit der VVidmung, dass die entfallenden Zinsen alljahrlicli zur Anschaffung von Kleidungsstiicken und Lehrmittel fiir diirftige Schiiler der Volks- und Mittelschulen Marburgs durch den Stadtrath Marburg nach seinem freien Ermessen zu venvenden kommen; c) die Begriindung eines Stiftungsfondes von 11. 20.000 mit der VVidmung, dass die hievon entfallenden Zinsen zur Subvention des gegemvartig bestehenden Theaters all- jahrlich zu venvenden und zu diesem Zwecke durch den Stadtrath dem jeweiligen Venvaltungs-Gomite zu er- folgen sind; d) die Begriindung eines Stiftungsfondes fiir den deutschen Schulverein im Betrage von 11. 4000 mit der VVidmung, dass !H) die liievoii entfallenden Zinsen, durch die jeiveilige Vereins- leitung im Einvernehmen mit dem Stadtrathe Marburg, /ur Forderung des deutscheu Volksschuhvesens im Bereiclie der k. k. Bezirkshauptmannschaft Marburg alljahrlich zu venvendeu siud. Im Falle einer Auflosung des deutschen Schulvereines oder beim Eintritte andenveitiger Hinderuisse, welche die Ausfulirung der letzteren Stiftung und des festgesetzteu Ziveckes et\va unmoglich machen sollten, ware das Stiftuugscapital von ti. 4000 dem miter b) an- gefiihrten Stiftungsfonde zuzuivenden. II. Die Verfassung und Drucklegung einer Schrift, die geschichtliche Darstellung der Entivickelung der Sparcasse seit der Grimdung bis 1887 enthaltend. III. Remunerationen an Beamte und Diener der Anstalt im Gesamintbetrage von rt. 3870, dami dass den minder- jalirigen unversorgtcn Kindern des verstorbenen Secretars Georg Hieber, der denselben zukommende Erziehungsbeitrag auch nach dem zivanzigstcu Lebensjahre und zwar bis zrnu vollendeten vierundzivanzigsten Lebensjahre ausbezahlt \verde. IV. Die Vertheilung eines Betrages von ti. 2000 an Arine der Stadt Marburg ain Tage des Jahresfestes. X. Die Abhaltung einer Festversaminlung am jubilaums- tage, zu \velcher der Gemeinderath gela den werde. Der Festtag selbst komite erst nach der vom hohen k. k. Ministerium des Innern mit Erlass vom 6. Juli I. J., Z. 11456, erfolgten Genehmigung der Widniungen festgesetzt \verden und wurde nach dem Direction-Sitzungsbeschlusse vom 2. September 1887 der 18. September hiefiir bestimmt. Gegenwartige Verwaltung. Obrnami dss Ausschusses: H o it Franz Stainpfl, Hans- und Realitatenbesitzer, Ge- meinderath etc., Ehrenbiirger der Stadt, Marburg. Ausschuss vom 14. Janner 1862 bis 13. Mai 1872, dann seit 27. Janner 1874. Directions-Mitglied vom 26. Janner 1862 bis 13. Mai 1872. dann seit 15. April 1874. Obmann des Ausschusses seit 28. October 1882. Obmann-Stellvertreter der Direction seit 5. Mai 1881. Obmann-Stellvertreter des Ausschusses: Herr Dr. Heinricli Lorber, Advokat, Realitatenbesitzer, Gemeinde- und Stadtrath. Ausschuss seit 18. Marž 1873. Directions-Mitglied seit 28. Janner 1887. Obmann-Stellvertreter des Ausschusses seit 28. Mai 1886. Obmann der Direction: Unbesetzt. Obmann-Stellvertreter der Direction: Herr Franz Stampfl, wie oben. 92 Rechtsconsulent: Herr Dr. Matthaus Reiser, k. k. Notar, Realitatenbesitzer. Ritter des F. J, 0., kais. Rath, Ehrenbiirger der Stadt Marburg. Ausschuss seit 5. November 18(31. Directions-Mitglied seit 14. November 1801. Rechtsconsulent seit 12. Jiinner 18(32. (Obmann des Ausschusses vom 21. April 1880 bis 28. December 1882.) Rechtsconsulent-Stellvertreter: Herr Dr. Alexander Miklautz, Hof- und Gerichts-Advokat. Ausschuss seit 3. Februar 1887. Rechtsconsulent-Stellvertreter seit 25. Mai 1887. Mitglieder des Ausschusses und der Direction: Herr Anton Badl, Lederfabrikant, Hans- und Realitaten¬ besitzer, Gemeinde- und Stadtrath. Ausschuss vom 13. Marž 18(3!) bis 18. Februar 1873, dann seit 25. Februar 1886. (Directions-Mitglied vom 11). Marž 1860 bis 18. Februar 1873.) „ Josef D. Ban ca tari, Apotheker, Hausbesitzer, Ge- ineinderatli, Obmann-Stellvertreter der Bezirksvertretung. Ausschuss seit 9. Marž 1882. (Directions-Mitglied vom 17. April 1882 bis 7. Janner 1887.) „ Josef' Braun, k. k. Major i. R., Realitatenbesitzer, Gemeinderath. Ausschuss seit 28. October 188(3. Directions-Mitglied seit 15. November 1886. 93 Herr Karl Flucher, Weinhandler, Realitatenbesitzer. Ausschuss vom 18. Februar 1873 his 7. .Tuni 1883, dann seit 28. October 188(1. Directions-Mitglied vom 3. Marž 1873 bis 7. .Tuni 1883, dann seit 15. November 1886. „ F. X. Halb arth, Kaufmanu, Hans- und Realitaten¬ besitzer. Ausschuss seit 5. October 1882. „ David Hartmani), Haus- und Realitatenbesitzer, Ge- meinderath. Ausschuss seit 7. Mitrz 1878. Directions-Mitglied seit 27. Marž 1878. „ -Tosef Herzog, Haus- und Realitatenbesitzer. Ausschuss seit 13. Marž 1869. Directions-Mitglied seit 22. Marž 1869. „ Alexander Nagy, Haus- und Realitatenbesitzer, Bur- germeister der Stadt Marburg. Ausschuss seit 5. October 1882. „ Roman Pachner, Kaufmann, Gemeinderath. Ausschuss seit 11. April 1885. „ Alois Quandest, Kaufmann, Hausbesitzer,Gemeinderath. Ausschuss seit 29. October 1885. „ Heinrich von Reich e ni) er g, Kaufmann, Haus- und Realitatenbesitzer, Gemeinderath. Ausschuss seit 29. October 1885. „ Gustav Seherbaum, Dampfmuhlhesitzer. Ausschuss seit 7. Mai 1886. „ Anton von Schmid, Haus- und Realitatenbesitzer, Gemeinde- und Stadtrath. Ausschuss seit 18. December 1879. Directions-Mitglied seit 23. Februar 1880. 94 Herr Dr. Johann S c h m id er er, Hans- und Realitaten- besitzer, Biirgermeister-Stellvertreter der Stadt Mar- burg, Ohmann der Bezirksvertretung. Ausschuss seit 7. Mai 188G. „ Pelix Schmidi, Bindermeister, Hausbesitzer, Gemeinde- rath. Ausschuss seit 5. October 1882. Directions-Mitglied seit 28. Janner 1887. „ Josef Stark, Lederfabrikant, Hans- und Realitaten- besitzer, Gemeinderath. Ausschuss seit 5. October 1882. Herr Vic tor Freiherr von Hein, k. k. Bezirkshauptmann. Beamtenstand. Diener: Enzi Gregor, seit 1. April 1S85, definitiv seit 1. Janner 1887. Das neue Sparcasse- und Miidchenschul-Gebaude in Mnrburpr. .