SN Der Leilige Vater Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Briren, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien. yyv der s) Kat!)olisö)ß MiWNseWrlsl. Bezugspreise für das Fahr 1925 Ganzjährig: Für Österreich 2 Schillinge, für Deutschland 2 Goldmarl, für Italien und Alto Adige 8 Lire, für die Tschechoslowakei 10 Tschechokronen. für Iuaoslawien 24 Dinar, für Ungarn 24.000 ung. Kronen und für die Schweiz : : 2 Franken. : : : : : Lerausgegeben vom Missionshaus Graz, Paulustorgasse 10, Steiermark. Rest 10. Oktober 1925. XXVIII. sfahrg. it VS ©ebet und Mission. it =y ein Missionär eine Mis-sionspredigt hält und dabei mit warmen Worten seine Zuhörer um das Gebet für die Arbeit und die Arbeiter im Weinberge des Herrn bitter, so meint man leicht, das sei ihm nicht so ernst, er müsse das schon sagen, um den religiösen Eindruck nicht zu verwischen. Aber dann, wenn er um die so notwendige finanzielle Unterstützung ersucht. dann spreche sein Herz, das sei ihm die Hauptsache, Doch das stimmt nicht. Als Priester weiß der Missionär auch, daß das Gebet das wichtigste Missionierungsmittel ist. Mit Geld ist noch keine Seele bekehrt worden, nur die Gnade kann aus Sündern Heilige, nur die Gnade kann aus Götzendienern Anbeter und Anhänger des demütigen Gottes am Kreuze machen. Und diese Gnade muß erfleht, erdetet sein. Wie der göttliche Heiland am Kreuze seine Arme so schmerzlich ausgespannt hielt, da sah er im Geiste am Fuße desselben die Völker aller Zeiten und aller Länder sich lagern mit ihrem heißen Sehnen nach Glück und Frieden. Und er liebte sie alle mit so großer, starker Liebe und wollte sie alle glücklich sehen. Glühend war sein Verlangen nach ihrem Heil, so daß er es laut hinausrief: „Mich dürstet! Mich dürstet nach der Rettung der Seelen!" So laut hat es der Heiland hin-ausgerusen, damit es uns hineintöne ins Herz, wie sehr es ihn nach Seelen verlangt. Es ist ein so ehrender Beweis vertrauender Liebe, wenn der große Gott seine kleinen Geschöpfe rührend ums Gebet bittet, daß der Liebesdurst seines Herzens, der Durst nach Seelen gestillt werde: „Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind so wenige. Ach, bittet doch den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter sende in seinen Weinberg!" Ob denn das Gebet auch hilft? In der „Allgemeinen Rundschau" schreibt Friedrich Ritter von Lama: „. . . Vor zwei Jahren beschloß der Bischof (der Diözese Pittsburg) die restlose Durchführung des Grundsatzes: Jedes katho- lische Kind in eine katholische Schule! Da in den numerisch kleinen Gemeinden die katholischen Schulen fehlten, brachte die ganze Diözese den benötigten Betrag von 6 Millionen Dollar auf. Das genügte für die Gebäude. Woher aber die Lehrkräfte nehmen? Wie den Lehrorden und Kongregationen das nötige Personal zuführen? Wie Berufe wecken? Der religiöse Beruf erfordert das Zusammen- über den religiösen Beruf gepredigt. Sodann bestimmte der Bischof einige Hundert Priester dazu, alle katholischen Schulen zu besuchen und den Kindern den Priester-, bzw. Ordensberuf darzulegen. Jene Kinder, die durch freiwillige Meldung ihr Interesse bezeigten, empfingen das Formular eines an den Bischof gerichteten Briefes, der die Bitte um Gebet und Führung enthielt. 9000 solcher wirken Gottes und des Menschen. Man fetzte beim Ursprung des Berufes, bei Gott ein und knüpfte an die Zusicherung an: „Bittet und es wird euch gegeben, klopfet an und es wird euch aufgetan." Somit wurde der ganze Maimonat einmütig diesem Gebet um Berufe gewidmet. In jedem Schulzimmer war ein Maialtar errichtet, wo Tag für Tag die Bitte um Licht und Erkennen des göttlichen Willens Gott vorgetragen wurde. Am Sonntage vor Pfingsten wurde in allen Kirchen in jeder heiligen Messe Briefe liefen ein und wurden gesichtet . . . Die bisherigen Erfolge find vielversprechend. Verschiedene Ordensge-nosfenschaften erhielten bereits auf diese Weife aus den höheren Mittelschulklasfen »eine Verstärkung ihrer Noviziate und für die Jüngeren, die sich freiwillig gn der Klosterpforte meldeten, mußten verschiedentlich eigene Aspirantenklasfen errichtet werden..." Also da hat's geholfen. Und so wird es immer helfen, wenn nur mit warmem Herzen, mit innigem Interesse gebetet wird. Man sagt, das Gebet sei das leichteste Mittel, die Missionen zu unterstützen. Mag sein! Doch gewiß ist: Das Gebet, das so recht mit warmem Interesse aus der Tiefe des Herzens kommt, das Gebet, das nicht nur hie und da, nein, das beharrlich und mit Inbrunst zum Himmel hinaufgeschickt wird, ein solches Gebet kostet Opfer und Anstrengung. Aber ein solches Gebet dringt auch mit Macht durch die Wolken und erzwingt sich gleichsam die Erhörung. Und um dieses Gebet, um ein solches Gebet voll Inbrunst und Beharrlichkeit bitte ich dich, lieber Leser. Es braucht dein Gebet, das Gebet eines jeden einzelnen. Bete, daß der Heiland die Arbeit der Missionäre segne; bete, daß er ihnen Opfermut und Opfersreudigkeit verleihe; bete, daß er ihre geringe Zahl mehre, daß er Berufe wecke und ihnen die Wege zu dem großen Ziel ebne, hin zu den Stufen des Altares. Bete, daß das Reich des Herzens Jesu sich immer mehr ausbreite, daß seine Liebe immer mehr erkannt und beachtet werde. Wenn du so betest aus tiefstem Herzen, so zähle dich nur ruhig zur Schar der Apostel, dann bist du auch ein Missionär. Und der Erfolg ? Hier auf Erden siehst du ihn kaum, aber wenn du einmal im Himmel droben bist, wirft du dich wundern, wie so viele Seelen dich umringen werden, die dir ihre Dankbarkeit durch die Ewigkeiten bezeugen, daß du ihnen durch dein Gebet die Hölle geschlossen und den Himmel mit seinen Freuden geöffnet hast. (r Unsere neue Kirche in fDaria^rost, >v Von P. Bernhard Zorn, F. 8. C. 1) Helch ein Jubel! Heute lese ich die erste heilige Messe in unserer neuen Kirche! „Frisch-gewaagd" heißt die große Farm bei Lpden-burg. wovon die unsrige, „Maria-Trost", nur ein kleiner Teil ist. „Frischgewagt!" war ja auch stets unser Losungswort. Wir setzen hinzu: Mit Gott, für Gott, zu seiner größeren Ehre und zum Ruhme seiner gebenedeiten Mutter. So konnte „Maria-Trost" sicher auf Erfolg rechnen. Von einem solchen Erfolge und zwar einem nicht unbedeutenden will ich heute unseren verehrten Lesern berichten, damit sie sich mit uns freuen und mit uns Gott und der lieben Himmelsmutter danken. Am 21. Jänner d. I. wurde ich von unserem hochwürdigsten Herrn Präfekten Msgr. Kauczor von der Missionsstation St. Michael in Natal, wo ich nahezu ein Jahr lang mit den Missionären von Mariannhill zusammen gewirkt, in unser eigenes Missionsgebiet abberufen: „Kommen Sie so bald als möglich ! Wir müssen anfangen, für die Eingeborenen ernsthaft zu arbeiten. Ich hoffe, daß Sie nun deren Sprache genügend verstehen, um unter ihnen wirken zu können. Es ist hier zwar noch nichts vorhanden, weder Kirche, noch Schule, noch Haus, in dem Sie wohnen könnten, aber als alter Missionär werden Sie sich schon zu helfen wissen." Das waren rosige Aussichten, aber mit Freuden folgte ich dem Rufe; durfte ich doch am Zu- standekommen einer bedeutenden Neugründung mitarbeiten. Am 31. Jänner kam ich auf der Farm an. Ein herzlicher und brüderlicher Empfang! Zugleich mit mir zogen P. Matthias Raffeiner und Br. Cagol ein. Sie waren eben aus Europa gekommen und ein glücklicher Zufall hatte gewollt, daß wir uns in Mariannhill trafen. Am 1. und 2. Februar besichtigte ich unter Führung eines auf der Farm schon gut bekannten Paters die Lage derselben, um einen gut geeigneten Platz ausfindig zu machen, auf dem Schule und Kirche errichtet werden sollten. Am 3. Februar war dieser denn auch glücklich gefunden. Noch am gleichen Tage wurde begonnen, den Ort von Gras, Steinen und Bäumen zu reinigen. Dann wurden die Grundlinien gezogen und die Fundamente gegraben. Bei weniger als einem 1/2 m stießen wir aus Felsboden. Das war uns gerade recht, auf diesem Felsen konnte die Kirche sicher stehen. Der liebe Gott selbst hatte diesen Grund gebaut und so war er gut und fest. Am 12. Februar, dem Feste der „Erscheinung der Unbefleckten" in Lourdes, zugleich dem ersten Jahrestage der Ankunft unserer Missionäre in Transvaal, segnete Msgr. Kauczor den Grundstein ein und dann begann der eigentliche Bau. Die Eingeborenen in Afrika sind mit einem andächtigen Kirchlein zufrieden. Sie wissen auch sehr wohl, daß ihr armer Missionär kaum zu diesem die Mittel aufbringt. Die schönen Zeiten Salomons, wo die begeisterte Menge soviele Schätze zum Bau ihres Tempels aufbrachte, sind vorüber und werden wohl auch kaum wiederkehren. So maß ich denn die Länge und Breite der zu bauenden Kirche nach den Mitteln, die ich zu erhalten hoffte: 8X18 m. Nach der Altarseite fügte ich noch zwei Zimmer bei, eines für den Priester, das andere für die Sakristei. Über das Baumaterial und die Art und Weise des Bauens war ich lange Zeit unschlüssig. Erst wollte ich nach Art der Eingeborenen bauen, das heißt rings herum Holzpfähle einlassen, sie mit dünnen Gerten untereinander verbinden und das Ganze mit Mörtel ausfüllen. Das wäre die schnellste, einfachste und billigste Konstruktion gewesen. Unser Kirchlein hätte dann aber auch nur einige Jahre standgehalten. Man kann doch nicht immer am Bauen bleiben. Das raubt viel Zeit, die doppelt kostbar ist, wenn einmal mit der regelmäßigen Seelsorge begonnen wurde. Da wirkt jede Verzögerung und Unterbrechung katastrophal. Nachgrabungen ergaben, daß brauchbare Bausteine in nächster Nähe in Menge vorhanden seien. Bauen wir also mit Steinen! Das schien wohl das Beste; aber dagegen sprachen viele Gründe: Die Eingeborenen bauen nicht mit Steinen, haben also auch keine Übung in Behandlung derselben, europäische Bauleute anzustellen, dazu fehlte uns aber das Geld; verlangt doch ein gewöhnlicher Maurer im Tag einen englischen Schilling, das heißt 20 Goldmark. Ein Steinbau braucht lange Zeit und mir lag doch viel daran, recht bald die Neger in der neuen Kirche unterrichten zu können. Vielleicht aber gab es eine Bauart, welche die Vorteile der beiden genannten einigermaßen vereinigte und ihre Nachteile ausschloß? Während ich bei den Trappisten in Natal weilte, sah ich öfters, wie diese ganz stattliche und brauchbare Bauten aus gestampfter Erde herstellten. Sie waren billig, nett und dauerhaft. Das war mir neu. Daß man auch in Europa längst so gebaut, erfuhr ich erst später. Ich will die Art des Bauens mit kurzen Worten andeuten. Zuerst hält man Umschau nach geeigneter Erde. Mit Ausnahme von Gartenerde, reinem Sand und ganz steinigem Boden ist jede Erde gut. Der Boden auf und um unserer Baustelle erwies sich als sehr gut geeignet: mit ein wenig Ton und Lehm vermischt und etwas steinig. Dann 'zimmert man sich eine starke Kiste, ohne Boden und ohne Deckel und so breit, als man die Mauer wünscht. Diese Kiste bringt man an Ort und Stelle und schüttet die zum Bau bestimmte Erde hinein. Diese soll feucht, aber nicht naß sein und wird nun schichtweise gestampft. Dies geschieht mit hölzernen Stampfern, unten kantig, damit die Ecken und Seiten gut forciert und haltbar werden. Herrliche Idee! Die Aussichten für die Zukunft klären sich, ein ganz neuer Plan wird entworfen. Der vordere Giebel und die hintere Mauer samt den beiden Zimmern sollen ganz aus Bruchsteinen, die Seitenwände, also die größeren Flächen, aus gestampfter Erde aufgeführt werden. Br. Karl Klodt übernahm es, die Bau-kisten herzustellen. Die rechten Bretter dazu fehlten freilich. Er nahm also eine stärkere, alte Kiste, die zum Transport unserer Sachen vom Sudan her gedient hatte, und formte sie um. Am Namenstage unseres geliebten Rektors war die erste Kiste fertig. Ihm zu Ehren stellte ich sie gleich auf, ließ sie mit Erde füllen und diese gut stampfen. Als ich — mit etwas klopfendem Herzen — die Bretter wieder entfernte, stand der Block glatt und fest da: vertrauenerweckend wie der erste große Stein, der so feierlich eingesegnet worden war. Ich betrachtete ihn gleichsam als zweiten Grundstein. Jetzt ging es rasch vorwärts. Jeden folgenden Tag füllten wir sieben bis acht solcher Kisten an. Das Bild (Seite 150) zeigt den Bau schon ziemlich hoch. Vorn liegen die Steine für die Maurer, seitwärts drohen die primitiven Gerüste, auf welchen meine Kaffern stehen, um die Erde in Empfang zu nehmen und in die _ Kiste zu schütten, die auf der wachsenden Mauer steht. Oben hocken die Stampfer. Sie klettern aus den Mauern herum wie die Affen, ohne Furcht und mit großer Geschicklichkeit. Das Auf- und Abmontieren der Kiste hatten sie mir schnell abgeschaut. Und das war gut so, denn in der Höhe ist nicht der rechte Platz für mich. Hier paßt ein kleiner Zwischenfall her, den ich erzählen will. Eines Tages brach während unserer Arbeit ein starkes Gewitter herein. Unter furchtbarem Krachen fuhr der Blitz in einen nahestehenden Baum und zertrümmerte ihn. Erschreckt sprang ein Bursche, Schutz suchend, in den Wald. Warum, wußte er selbst nicht. Ich rief ihm nach: „Unesono ’mtanami, ngani ubaleka?“ das heißt: Du hast ein böses Gewissen (bist mit Sünde); warum läufst du fort? Er schwieg anfangs. Ich glaubte, er suche eine paffende Antwort. Dann aber sprach er in erleichtertem Tone: „Und was für eine Sünde sollte ich begangen haben? Den ganzen Tag arbeite ich für den lieben Gott, für dich, an deiner und seiner Kirche. Abends aber bin ich so müde, daß ich kaun: etwas esse und dann schlafe ich gleich ein, damit ich morgens wieder herkommen kann." Über diese Antwort war ich überrascht. sie gefiel mir. Also fleißige Arbeit für den lieben Gott ist ein vortreffliches Mittel, um vor Sünden zu bewahren. Ich betrachtete den Kasus für erledigt. Wie erstaunte ich aber, als ich nach drei Wochen das Gegenstück dazu erlebte. Die Erdmauer war um einige Meter gewachsen. Ich hatte mich aber doch hinausgewagt, um einige Messungen dort oben vorzunehmen. Natürlich bewegte ich war richtig. Da ich jedoch anstandshalber etwas antworten mußte, so sagte ich: „Ja, mein Sohn, wir alle begehen Sünden; doch hier spielen auch noch andere Gründe mit; du vergissest, daß ich 30 Jahre älter bin als du. In deinem Alter hätte ich es im Klettern jederzeit mit dir aufgenommen." Dann arbeiteten wir munter weiter. Ich freute mich über diesen Zwischenfall und die dabei gemachte mich sehr vorsichtig, kroch mehr als ich ging. Das hatte mein Bursche bald gemerkt und, zwar ehrerbietig, aber doch ein wenig schelmisch schmunzelnd, rief er mir zu: „Pater, auch du bist mit Sünde; du fürchtest auch zu sterben." — Was konnte ich erwidern? Seine Bemerkung Erfahrung. Meine Kaffern hatten sich mir als schlagfertig, begabt mit schnellem Auffassungsvermögen gezeigt. Sie werden auch die Lehren unseres heiligen Glaubens schnell aufnehmen und sich als praktische Christen zeigen. (Fortsetzung folgt.) 'c, s? Ftm fDuI)IemubL "S\ Von Br. August @ctgöl, F. S. C. 1 (Schluß.) Jj Nachmittag des gleichen Tages zog ich wieder aus, um das liigdll Gebiet, das für unsere künftige Farm in Frage kam, näher kennenzulernen. Um vor ähnlichen, unerwünschten Zusammenstößen wie am Morgen gesicherter zu sein, hatte ich Pietro gebeten, mir einen seiner Kaffern als Begleiter zu geben; denn diese Naturmenschen haben viel schärfere Sinne wie wir Europäer und kennen jeden Weg und Steg. Pietro gab mir einen Knaben von ungefähr 13 Jahren mit. Mit diesem ging ich zunächst in südwestlicher Richtung voran und kam bald zu Mais- und Erdnußpflanzungen, in deren Mitte Hütten von Eingeborenen, anscheinend drei Gehöfte, lagen. Bei der letzten Hütte fanden wir die Bewohner versammelt, ausschließlich Frauen und Kinder. Sie saßen im Schatten eines großen Baumes und tranken Marula. Die Frauen waren notdürftig bekleidet, die zahlreichen Kinder völlig nackt. Merkwürdig ist die übliche Dreipunktezeichnung mit glänzend schwarzer Farbe auf Stirn und beiden Wangen bei beiden Geschlechtern, die den schokolade-farbenen Leuten gar nicht schlecht zu Gesichte steht. Die Frauen zeigten keine Scheu und unaufgefordert stand eine von ihnen auf und bot mir einen kleinen Flaschenkürbis mit dem Göttertrank an. Wir setzten dann unsere Wanderung fort, mein junger Führer voran, und langten bald am Ufer des Muhlemubi an, den wir flußaufwärts verfolgten. Ich hatte schon tags zuvor diese Strecke gemacht, mich aber etwas landeinwärts am hohen Ufer gehalten, während mein Pedros nun fast unmittelbar am Wasser hinschritt. Mich wunderte das wohl ein wenig, aber ich dachte mir, er wird schon seine Gründe haben. Das Gras war hier sehr hoch und üppig, wozu sich gelegentliche Felsblöcke und entwurzelte Bäume gesellten. Es galt, sich durch eine richtige Wildnis durchzuarbeiten. Wir waren gerade an einer besonders verworrenen Stelle, als wir einige Schritte vor uns ein Geräusch im Grase hörten. Ich sah etwas sich blitzschnell vorwärts bewegen, das mich an einen Riesenfrosch erinnerte, und dann hörten wir es mit lautem Platschen ins Wasser stürzen. Der junge Kaffer war erschreckt zurückgesprungen, stieß einen Schreckensruf aus und nannte mit unverhohlenem Grausen einen Namen, der sich auf das ins Wasser geflüchtete Tier beziehen mußte, den ich aber natürlich nicht verstand. Da er keine Miene machte, weiter voraus zu gehen, so tat ich es. Es ging gerade über Felsblöcke, die ringsum von dichtem Grase bewachsen und teilweise überdeckt waren. In dem unmittelbar zu unserer Rechten uns entgegenströmenden Flusse befand sich eine mit Gebüsch bedeckte, felsige Insel. Da auf einmal sprang oder fiel etwas mit noch größerem Geklatsche ins Wasser, das ich aber in der Schnelligkeit gar nicht zu Gesicht bekam. Nun, mochte es sein, was es wollte; jetzt war es im Wasser und hatte jedenfalls nicht mehr Mut gehabt wie wir. So ging ich unentwegt voran, auf den Fersen gefolgt von meinem „Führer". Da begann es zu regnen und zwar stark, was in dem hohen Grase, das ohnedies noch feucht war, nichts weniger als angenehm war. Immerhin kamen wir langsam voran und gelangten zu einer Stelle, wo der Fluß über einen Steinriegel etwa einen Fuß hoch herabfällt. Bald darauf wurde die Uferböschung so von dichtem Baumwuchs eingeengt, daß wir auf den hohen Uferrand hinaufklettern mußten. Hinter den Bäumen mündete ein Bach mit tiefem, felsigem Bette in den Fluß. Dieser könnte einmal zu künstlicher Bewässerung des Niederlandes dienen, doch müßte man wahrscheinlich den Muhlemubi selbst stauen, um das Wasser in seinen Zufluß hineinzutreiben. Ich verfolgte letzteren, der aber bald im Schilf erstickte. Unter strömendem Regen nahmen wir nun östliche Richtung an gegen die Bahn. Auf einer Anhöhe zu unserer Rechten erblickten wir einen prächtigen Antilopenbock von Kuhgröße mit langen, leichtgekrümmten Hörnern, der sich in der Buscheinsamkeit mit mutwilligen Sprüngen belustigte. Plötzlich erscholl die laute Stimme eines auf hohem Baume sitzenden Vogels, des Wildmahnvogels, auf dessen langgezogenes, weithin hörbares Rufen das Wild sich in Sicherheit brachte. Auch der Honiglockvogel ließ sich wiederholt hören. Es ist ein kleiner Insektenfresser, der mit größter Zudringlichkeit sein schrilles Stimmchen ertönen läßt, kaum daß sich ein menschliches Wesen in der Nähe zeigt. Geht man ihm nach, so führt er unfehlbar zu einem Wildbienenstock, den die Eingeborenen gern mit einem brennenden Strohbündel ausräuchern und sich den Honig aneignen, mit dem sie ihre Marula versüßen. Nach ihrem Abzug kommt der Honiglockvogel auf seine Rechnung und tut sich an den Bienenmaden gütlich. Nach Hause zurückgekehrt erfuhr ich durch die Vermittlung Pietros von meinem Führer, daß das erste Tier, das sich in den Muhlemubi gestürzt, eine sehr gefährliche, große Giftschlange, das zweite aber ein alter Bekannter vom Nil her, ein Krokodil gewesen. Da war uns der heilige Schutzengel sichtbarlich beigestanden. Da der Zug nach Komatipoort am folgenden Morgen in aller Frühe fällig war, so fanden sich noch weitere Gäste ein, die gleich an der Haltestelle übernachteten, um am Morgen bereit zu sein. Unter ihnen befand sich ein schwarzer Katechist der Schweizer (Baseler) protestantischen Mission. Für uns fand sich noch Platz im Innern des Häuschens und die Eingeborenen richteten sich nach Belieben draußen auf der kleinen--» Veranda ein. Zuvor aber sorgte er noch für ein gutes Abendessen. Der Zug sollte um 1/26 Uhr von Rolle abgehen. Pietro, der nicht zu früh aufstand, meinte, der Zug habe häufig Verspätung und könne auch erst um 8 Uhr kommen. Zum Glück war Hochw. P. Raffeiner frühzeitig aufgestanden (die nagenden Ratten hatten ihn nicht schlafen lassen), hatte das Feuer geschürt und den Kessel mit Wasser für den Kaffee darauf gestellt. Plötzlich um V46 Uhr leuchtete die Scheinwerferlampe des nahenden Zuges auf, der auch schon über die stille Sandflußbrücke donnerte und bei Rolle stillhielt. Zum Glück hatte er hier eine Viertelstunde Aufenthalt, da die Maschine Wasser fassen mußte, so daß wir schnell eine Tasse Kaffee trinken konnten. Immerhin fiel der Abschied von dem guten Pietro kurz aus. Mit geschärftem Interesse blickte ich vom Zuge in die Gegend hinaus, die mich so lebhaft an die Landschaft im Bahr-el- Ghazal mit ihrer ununterbrochenen Folge von mit Wald und Busch bestandenen Landrücken und tiefeingeschnittenen Gießbachbetten erinnerte. Hin und wieder erblickte man Wild. So sah ich in schönster Morgenbeleuchtung ein Rudel von etwa einem Dutzend Büffel, männliche und weibliche Tiere, in nächster Nähe der Bahn. Was die Eingeborenen dieser Gegend anbelangt, so gehören sie dem Zuluzweige der Maschanga an und sind vom portugiesischen Gebiet herübergekommen, wie das in Grenzgebieten häufig vorkommt. Wie uns Pietro erzählte, ist ihr Häuptling ein Katholik, der von den Portugiesen nach Lissabon gebracht wurde, anscheinend strafehalber, dort 15 Jahre verbrachte und fließend portugiesisch spricht. Er wünscht, daß alle seine Untertanen katholisch werden. Die Leute machen einen primitiven und unverdorbenen Eindruck und sprechen nur ihren Zuludialekt. Der Boden der Gegend eignet sich vor- züglich zum Anbau, besonders auch zur Baumwollkultur und das warme subtropische Klima gestattet die Zucht vieler Fruchtarten. Die Regierung tritt den Morgen Land (ein Kapmorgen-^8565 m2) um 1 £ ab; die Reinigung vom Steppengrase und das Ausroden des Baumwuchses kostet etwa 5 £ der Morgen. Außerdem muß der Grund, des drohenden Wildschadens wegen, mit fünf- bis siebenfachem Draht eingezäunt werden, was auf 22 bis 30 £ pro Kilometer zu stehen kommt. Es ist ferner von Wichtigkeit, bei einer geplanten Missionsniederlassung nicht zuwenig Grund zu erwerben, um später nicht beengt zu sein. Es ist also das Unternehmen mit nicht unbedeutenden Gründungskosten verbunden, die in einer eben begonnenen Mission, in der alles neu zu schaffen ist, doppelt und dreifach fühlbar sind. Hoffentlich finden unsere Lage und unsere Bedürfnisse tatkräftiges Verständnis in den Reihen unserer Freunde und Wohltäter. (r ♦ Had) Üransvaal! ♦ ♦ ^— Reisebericht des hochwürdigen P. Dr. Matthias Raffeiner, F. S. C. (Fortsetzung.) ♦ 4 w- ijn Walfischbar kamen nur auch zum erstenmal mit Negern in Berührung, zum großen Teil allerdings Cap-Bois, welche sich selbst nicht zu den Schwarzen rechnen. Die Ausladearbeiten wurden ausschließlich von ihnen besorgt. Alles ging auf Kommando — sogar das Faulenzen. Man hat wirklich Mühe, die Galle zurückzuhalten, wenn man solch einer „Arbeit" zuschaut. Endlich ging es wieder los, der öden Küste entlang, Lüderitz zu an der gleichnamigen Bucht mit ihren felsigen Inseln. Dem unbefangenen Beobachter scheinen diese mit Schnee bedeckt zu sein, in Wirklichkeit sind sie mit einer dicken Schicht rückseitiger Abfälle der Seevögel überzogen, die zu Tausenden dort nisten. Die Stadt selbst gleicht einem an die Felsen gebauten Vogelnest. Sie zählt bei 3000 Einwohner, die größtenteils in den weiter landeinwärts gelegenen Diamantfeldern ihren harten Unterhalt verdienen. In Lüderitz befindet sich auch ein katholisches Kirchlein, das von einem wackeren Salesianermissionär betraut wird. Derselbe genießt bei seinen hiesigen Landsleuten jeder Konfession das größte Ansehen, da er sich in der Kriegszeit aller, besonders der Gefangenen edelmütig angenommen hat. Übrigens führt er ein wahres Opferleben. Seit 15 Jahren harrt er allein auf diesem Felsennest aus. Einen Diener zu halten erlauben ihm seine Mittel nicht. So ist er Pfarrer und Mesner, Herr und Diener, kommen. So befindet sich sein Wohnsitz eigentlich mehr auf dem Rücken seines treuen Gaules. Dieser wackere Kreuzritter hatte zufällig, erfahren, wer sich an Bord des „Usuramo" befand, und stattete uns einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheit kam ich in den Besitz seiner Photographie (sieh Bild). Seine Heimat ist Donaustauf in Bayern, sein Name U. Johann Hetzenecker. fr- ^ 0 0 0 0 P. Johann Hetzenecker, Missionär in Lüderitz. fr ==N 0 0 o o Gast und Koch in einer Person. Er ist noch mehr, ein regelrechter Landstreicher nämlich. Bis zu 200 km muß er durch die Wüste landeinwärts bis zum Steppenland vordringen, um seine dort zerstreuten weißen und schwarzen Schäflein aufzusuchen und in offenen Wagenschuppen, oft von Fliegenschwärmen gepeinigt, Gottesdienst zu halten. Unterricht zu erteilen usw. Dann wieder muß er in den Minen bei den vielsprachigen Arbeitern der Freundes- und Priesterpslicht nach- Unser Fahrzeug vertauschte in Walfischbai verschiedene goldsuchende Auswanderer mit einigen goldhabenden Mohren und wackelte am folgenden Morgen bei herrlichem Wetter aufs offene Meer hinaus. Eine Unzahl von kreischenden Möoen gab uns das Geleite. In der dritten Klasse waren indes große Lücken entstanden. Besonders vermißten wir die frohe Kinderschar, die soviel Leben unter das alternde Zeitalter gebracht. Es war unheimlich ruhig ge- worden, so ruhig, daß man bei der Tafel recht deutlich die kritischen Bemerkungen verstehen konnte, womit man den Aufmarsch des zähen südafrikanischen Ochsenfleisches begleitete. Ein Witzbold behauptete, es sei englisches Sohlenleder aus der Zeit des Burenkrieges. Zum Unglück fuhren wir auf englischem Wasser, das für derartige ehrenrührige Anstegelungen kein Verständnis zeigte. Das Meer fing an, den Buckel zu machen, als wollte es uns abschütteln. Mehr als ein schwach gebauter Speisebehälter im menschlichen Organismus ist in jener Zeit seiner Berufspflicht untreu geworden. Mir schwebt noch lebhaft eine Modepuppe weiblichen Geschlechtes vor Augen, wie sie, sich festklammernd an der Rampe, mit dem Magensatz den hungrigen Fischlein auch das Sacktuch vorwarf und dann den neben ihr heulenden eigenen Buben prügelte. Kuriose Medizin! Andere waren vernünftiger und schlüpften ins Mauseloch, in die Kabine. Diesmal hielt ich stand und schaute mit anderen vergnügt am Kiel dem Treiben der Wellen zu, bis uns ein tüchtiger Guß vertrieb. Weiter'rückwärts ging es uns nicht besser. Übrigens ist das Spazierengehen auf dem Schiff bei einer derartigen Wankelmütigkeit keine kleine Kunst. Nur eine alte deutsche Studentenstadt vermag uns zu mitternächtlicher Zeit, wenn die alten und jungen „Herren" das heimatliche Tor oder gar das Gäß-lein suchen, ein ähnliches Bild zu bieten. Je näher wir Kapstadt zusteuerten, desto aufgeregter wurde die See, so daß wir freudig aufatmeten, als wir endlich am 14. Jänner früh das Sinnbild der Hauptstadt Südafrikas, den ' Tafelberg, zu Gesicht bekamen. Freilich lag er noch ferne, im bläulichen Morgenschleier, zog aber doch fast augenblicklich aller Augen, ja auch unsern Dampfer an, der wacker ausholte und um 10 Uhr, die Aussätzigen-Jnsel links liegen lassend, in den Hafen von Kapstadt einlief, um drei Tage auszuruhen. Die Hafenanlagen sind neueren Datums, sollen sich kaum rentieren, da sie eine Unsumme Geldes verschlangen, aber keinen so großen Verkehr zu bewältigen haben. Port Elisabeth und Durban machen eben zu starke Konkurrenz. Selbst im Goldland gibt es noch Brotneid. Selbstverständlich benutzten wir gleich den ersten Nachmittag zu einem ausgiebigen Stadtbummel in Begleitung recht heißer Sonnenstrahlen. Ein bestimmtes Ziel hatten wir diesmal nicht, gerieten aber trotzdem in den ziemlich umfangreichen Stadtpark mit seinen hübschen Anlagen und für uns merkwürdigen Pflanzen. Schade, daß die Blütezeit schon vorbei war. Vom Park fielen wir ins Museum hinein, welches viel Interessantes bietet, zumal aus den Gegenden Südafrikas. Jedenfalls ist es sehenswert, um so mehr, da der Eintritt frei ist. Auf deiü Heimweg trieb uns die Gaumenlust in eine kleine Bude, wo wir für billiges Geld frisches Obst eintauschten: Trauben, Pfirsiche, rotwangige Äpfel und violette Pflaumen, um sie auf dem Schiffe zu verzehren. Mein Begleiter spielte großmütig den Packesel. In die Betrachtung des Straßenbildes vertieft, hatte ich nicht bemerkt, daß mein Eselein immer mehr zurückblieb. Erst als ich um eine Auskunft bitten wollte, bemerkte ich, daß der Schlaumeier hinter meinem Rücken mit lachender Miene das soeben übernommene Obst einer Umpackung unterwarf, um es „bequemer" tragen zu können, wie er meinte. Trau, schau, wem! Der nächste Tag galt weiteren Streichungen durchs ausgedehnte Stadtgebiet. Mit Ausnahme des Parlamentes sind große Bauten eigentlich keine zu finden. Selbst die katholische Kathedrale stiftet ein ziemlich bescheidenes Dasein. Im Innern zum Teil noch nicht vollendet, zum Teil schon wieder schadhast, nach außen ohne Turm, muß sie erst gesucht werden. Ein St.-Gregorius-Ritter, ein geschwätziger Ire, gab uns, das heißt meinem Begleiter, der alle Angaben gern annahm, die nötigen und auch überflüssigen Auskünfte. Auf der Suche nach Wachskerzen für unsern Schiffsgottesdienst verirrten wir uns auch ins stille Heim der Kreuzschwestern. Die Pförtnerin, eine Irin, empfing uns mit der liebevollsten Höflichkeit und gab sogar zu, daß sie ein „bissele" Deutsch verstehe, verschwand jedoch bald hinter den Kulissen. An ihrer Statt traten nun andere Figuren auf: zwei urechte Schwestern aus dem Bayernlande, von denen die eine Ellwangen gut kennt und die andere, bei welcher das Stimmband etwas lose geknüpft war, aus der Pfarrei unseres Rektors in Schrezheim gebürtig ist. Bei weiterer Hausdurchsuchung entdeckten wir schließlich noch eine dritte Schwester aus demselben Lande in der Küche. In Port Elisabeth trafen wir später mit einem Maristenbruder aus dem Schwabenlande zusammen, in East-London mit einem ganzen Schock deutscher Dominikanerinnen und in Mariannhill entpuppten sich sogar drei Tirolerinnen unter den Missionsschwestern, die Oberin aus Otz, die Verwalterin aus dem Pustertal und eine aus der Bozener Gegend. Wie ist die Welt doch klein, die wir mit Füßen treten; kaum ist man zur Tür hinaus. ist man schon wieder zu Haus! Und zu Hause waren wir wirklich in all diesen Anstalten. Viel herzliche Freude wurde ausgetauscht, befanden wir uns doch unter Gleichgesinnten, Pioniere des Kreuzes im Süden Afrikas! Doch ich merke, meine Gedanken sind aus dem Streifzuge den Füßen, die sich immer noch in Kapstadt befinden, ziemlich vorausgeeilt. Auch kein Wunder, denn letztere waren vom vielen Pflastertreten hundsmüde und legten sich frühzeitig zu Bett, da sie mich am folgenden Tage auf den Tafelberg schleppen sollten. Obwohl von vielen Seiten abgeraten wurde und andere schlechtes Wetter vorhersagten, — wer kennt sie nicht, die Schlechtwetter-Propheten! —■ machten wir uns dennoch am 16. Jänner um 5 Uhr früh auf die Socken: Br. Cagol, meine Wenigkeit und ein junger Südtiroler, der um Anschluß bat. Der Berg war ganz in dunkle Wolken eingehüllt und schaute mit finsterer Miene auf uns nieder. Doch wir schritten unverdrossen durch die einsamen Straßen und durch einen kleinen Pinienwald die anfangs sanft steigende Berglehne hinan. Da versuchten die erzürnten Kobolde, durch ein anderes Mittel uns von ihrer Felsenburg fernzuhalten. Aus vollen Backen bliesen sie uns Wind und Regen ins Gesicht, so daß meine beiden Begleiter wirklich wankelmütig wurden und zur Umkehr mahnten. Ich griff zu dem Mittel, das in solchen Lagen gewöhnlich mit Erfolg gekrönt ist: ich ließ die beiden vermuten, befürchten und schwätzen und ging meinen Weg weiter. Die erfrischende Luft tat das Ihrige und so verfolgten wir bald alle drei wieder dasselbe Ziel. Der Regen ließ nach und so ging's lustig eine Zeitlang fast ebenen Steiges der füdlichen Berglehne entlang. Daß wir zuerst irregingen und wieder umkehren mußten, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen; im Nebel hielten wir Tierspuren für einen Pfad, der zum Ziele führt. Im täglichen Leben und feiner Auf-fasfung verfallen ja viele diesem Irrtum! Nach zwei Stunden gemütlicher Wanderung durch eine neue Pflanzen- und Vogelwelt waren die Wolken verschwunden. Wir waren am Südabhang des Berges und hatten die Brandung des Meeres zu unseren Füßen. Der Blick schweift von hier bis zur südlichen Spitze Afrikas. Aber schon entriß uns ein elender Pfad, der von links zuerst durch Steine und Gebüsch und dann durch die Felsenwände hinaufführt, den träumenden Gedanken. Man hatte behauptet, der Aufstieg fei schwer; das ist eigentlich nicht wahr, wenigstens nicht für einen halbwegs geübten Bergkraxler. Jedenfalls aber ist er beschwerlich wegen des abscheulichen Zustandes des Steiges. Es scheint fast, als ob die 250.000 Einwohner Kapstadts es gar nicht der Mühe wert finden, da hinaufzuklettern und ihren Augen den Blick nicht gönnen, der imstande wäre, auch ihr Denken wenigstens einmal im Jahr dem Alltagsleben und dem Mammon zu entreißen. Nach drei Stunden waren wir auf dem Plateau, aber noch nicht oben; denn bis zum richtigen Aussichtspunkt mußten wir noch eine ganze Stunde durch einen einzig schönen Naturpark wandern. Man würde es gar nicht für möglich halten, daß die Natur auf einen afrikanischen Berg, der von unten betrachtet dem Auge nur senkrechte Felswände zeigt, solche Wunder hinzuzaubern vermag. Ich bin oft durch Alpenrosen gewandert, hab' mich vom Edelweiß berücken lassen und das Leben gewagt, um einen schönen Stern zu pflücken; hab' am Speik-duft mich berauscht und unsere heimatlichen Almenwiesen gesehen in ihrem blumenreichen Brautschmuck, doch schöner und entzückender ist die Blumenkrone, die der Jänner dem Tafelberg an der Südspitze Afrikas aufs Haupt setzt. Ungezählte, meterhohe Schwertlilien mit fleischfarbigem Halse und zart rosarotem Munde stehen links und rechts vom Pfade Spalier. Andere Blumen blicken uns mit ihren ; kleinen, himmelblauen Augen fast verschämt an, da. sie schon im Verblühen sind; wieder andere ducken sich auf ihrem niederen Stengel, als wollten sie vor dem Fremdling die violettgrau-weiß gesprenkelte Blütenschau verbergen. Dann ergötzen das erstaunte Auge wieder farbenprächtige Hyazinthen, fremd- ■ artige Glockenblumen und Euphorbien. Seltene Anemonen und Strohblumen tragen von hier ihren Namen. Ab und zu begegnen wir mächtigen Büschen von Erika mit sattroten, großen Blütenähren. Auch Chrysanthemen fehlen nicht; und die Pelargonie, die von unsern braven Frauen in Tirol und auch anderswo mit so viel Sorgfalt als Garten-, Sölder- und Fensterschmuck gezogen wird, wuchert hier im Freien, als ob das goldene Blumenzeitalter angebrochen wäre. Von Zinnien, Nelken- und hundert anderen Arten muß ich schweigen, da ich keine Namen kenne. Bald schlüpfen wir durch herrliches Buschwerk von zierlichen Blatt- und Nadelbäumchen, die mit ausgestreckten Armen uns willkommen heißen und zart oder etwas unsanft unsere Wangen streicheln, wie ste's eben gelernt haben. Wir glauben. in einem Park zu sein; denn selbst die rieselnden Quellen und plätschernden Bächlein fehlen nicht, die murmelnd durch die Mulden rinnen, um einen Stausee zu speisen, der Kapstadt mit Trinkwasser versorgen muß. Schon glaubten wir, in der Ferne ein neues Naturwunder, Riesenpilze, manns- Australien zu Hause sein soll, wie ich irgendwo in einem Buche gelesen habe. Hier wird er von den besorgten Staatsmännern durch Warnungstafeln und Strafandrohung vor Beschädigung geschützt. Und die Ureinwohner dieses Landes, die Neger, denen Gott in diesen Blumen hohe Morcheln entdeckt zu haben; doch als wir näher kamen, verwandelten sie sich in zerstreut herumliegende Steinblöcke, aus welchen Zeit, Sonne, Wind und Wasser die herrlichsten Pilze gemeißelt hatten. Andere liegen auf einem Hügelrücken so phantastisch übereinander getürmt, als ob ein Riese der Vorzeit mit ihnen sein Spiel getrieben hätte. In ihrem Schatten entdeckten wir des Berges Stolz, den Baumfarm, der sonst in seine Schönheit und Macht offenbart, sie sollen von Gott verflucht sein? Ich kann es nicht glauben. Ja, sie tragen einen Fluch, die Mißgunst, den Haß und die Verfolgung der sogenannten zivilisierten Staaten, die ihnen das beste Land geraubt und anstatt sie sittlich zu heben, in den Dienst des Mammons gestellt haben. Aber lassen wir erst den Lebensquell des wahren Gottesglaubens in ihr Herz fließen, dann wird auch diese Seelen- Wüstenei in einen Himmelsgarten sich verwandeln, in denen die schönsten Blumen der Tugend, Liebe und Freude gedeihen werden. In diesem Sinne sei der Berg ein Kap der guten Hoffnung, ein Sinnbild für eine aussichtsreiche Zukunft der Negervölker, wie er ja auch dem Besteiger in Wirklichkeit eine Aussicht bietet, die alle Mühe überreich belohnt. 1200 m, fast senkrecht zu unseren Füßen, liegt die herrliche Stadt hingebettet, halbkreisförmig den schönen Golf umsäumend. Im Hafen ein Mastenwald von Schiffen, unter denen wir sogar den „Usuramo" unterscheiden können: So rein ist die Luft, obwohl die Uhr schon auf Mittag geht. Dann schweift das Auge hinaus über das weite Meernach Westen, nach Süden, ja über die Landzunge hinweg auch nach Osten. Nach Norden aber sucht es vergebens vorzudringen ins Innere des uns verheißenen Landes, denn noch ist's in Dunst und Nebel gehüllt. Eine halbe Stunde sitzen wir oben aus der äußersten Felsenkante — dann heißt es an die Rückkehr denken; um so mehr, als auch der Magen seine Rechte geltend macht. Wir waren nämlich mit nüchternem Magen heraufgestiegen, da bei unserem Ausbruch die Schiffsküche noch in Morpheus' Armen lag. Nur vom Bäcker hatte ich noch einige warme Semmeln erhascht; doch was ist das für drei hungrige Mägen! Der Versuch, von oben den Teufelspik zu erreichen, schlug fehl, doch führte er uns zu einer wildromantischen Tour auf schmalem Ziegenpfade quer durch einen überhängenden Felsen. So wurde, ohne es zu wissen oder zu wollen, unser Weg bedeutend abgekürzt und um 4 Uhr nachmittags wurden wir wieder auf dem Schiffe mit allgemeinem Halloh empfangen. Das Abendessen schmeckte damals ganz ausgezeichnet und auch der Schlaf stel süßer aus als sonst. (Fortsetzung folgt.) X)er erste Südafrikaner als katholischer Bischof. er „Kipa" wird aus Südafrika geschrieben: Der Heilige Stuhl ernannte den Priester David O'Leary zum Apostolischen Vikar von Transvaal mit der Residenz in der Goldstadt Johannesburg. P. O'Leary gehört der Kongregation der Oblaten von der Unbefleckten Empfängnis an (O. M. I.) und ist als Sohn irländischer Eltern in der Diamantenstadt Kimberley geboren. Seine humanistischen Studien machte er in Uitenhage bei den Schulbrüdern und seine philosophischen und theologischen in Belgien. Er ist der erste Südafrikaner, der zur Bischofswürde erhoben wurde. Während des Weltkrieges war der neue Bischof auch einige Monate Militärgeistlicher im ehemaligen Deutsch-Ostasrika in Daressalam. Österreichs ^heologemnissionsverband. Vom Vorort Et. Pölten. Am Schluffe des ersten Jahres der jetzigen Vorortsführung St. Pöltens sei ein kurzer Blick auf das abgelaufene Arbeits- jahr gerichtet. Es wurde gearbeitet und auch etwas erreicht. Das Arbeiten in manchen Vereinen war geradezu vorbildlich. Wenn der Vorort in jüngster Zeit sich viel mit dem Plan eines eigenen Werkblattes befaßt, so bewegt ihn als Hauptgrund die Absicht, die einzelnen Vereine nicht nur dem Vorort, sondern auch untereinander so recht nahe zu bringen. Das Hauptwerk der akademischen Missionsarbeit, Heranbildung zum Führerberuf im katholischen Volke, diese Idee hat sich durchgerungen. Der Verband hat die Ausarbeitung einer Missions-Lichtbildserie mit dem Thema „Die katholische Kirche als Kulturfaktor" unternommen. Im heurigen Jahre wurde bereits ein schöner Anfang gemacht. Hier sei der selbstlosen Arbeit des hochwürdigen Kooperators Hofbauer der schuldige Dank ausgedrückt. Der Verband ist auch wieder um zwei Mitglieder stärker geworden: es schlossen sich in Form einer innigen Arbeitsgemeinschaft die Lazaristen in Graz an, ferner trat wieder Budweis dem Verbände bei. Somit sind folgende Arbeitsgruppen im Verband vereinigt: Brixen, Brünn, Budweis, Graz Alumnat, Graz Lazaristen, Gurk Redemptoristen, Heiligenkreuz, Innsbruck, Klagenfurt, Klosterneuburg, Leit-meritz, Linz, Olmütz, Salzburg, St. Florian, St. Gabriel, St. Pölten, Weidenau, Wien. Die Gesamteinnahmen betrugen S 669'50, die Gesamtausgaben belaufen sich auf S 841'25 (davon S822'70 für den Missionskurs, Juli 1924). Somit bleibt eine Schuld von S 171'75 in der Vorortskasse. Es obliegt mir nun noch eine Dankespflicht. Vor allem sei dem Missionshause St. Gabriel gedankt, das sein weites Entgegenkommen besonders beim Missionskurs wieder bewies. Gedankt sei allen Brudervereinen für die treue, einträchtige Arbeit. Danken muß der Verband besonders auch der Redaktion des „Stern der Neger", die uns seit dem Jahre 1916 stets die Treue wahrte. Mögen besonders die in die Seelsorge hinaustretenden Herren sich dessen erinnern und ihr Möglichstes für die Ausbreitung dieser Zeitschrift wirken! Danken muß ich endlich meinen beiden Schriftführern, die mir die Arbeit im Vorort stets leicht und angenehm machten. Am 11. Juni fand die Vorstandsneuwahl statt. Gewählt wurden Johann Forstlehner als Vorsitzender, Karl Hödlmaier als erster, Friedrich Gaugusch als zweiter Schriftführer. So nehme ich denn im Bewußtsein, daß der Missionsgedanke auch weiterhin immer schönere Früchte zeitigen wird, Abschied vom Verband, der mir lieb geworden. St. Pölten, 19. Juli 1925, Tag der heiligen Priesterweihe. Karl Raab, Altvorsttzender. (Wir zollen dem abtretenden Vorsitzenden unsere vollste Anerkennung für seine mustergültige Leitung des Verbandes. Gottes Segen und Liebe auf seiner priesterlichen Laufbahn! Die Red.) Tätigkeitsbericht der Missions- sektion der Deutsch-Theologen in Trient. Unsere Missionssektion wirkt heuer das zweite Jahr. Sie hat sich ganz unter den Schutz der „Regina Apostolorum" gestellt. Die Versammlungen der Missionssektion waren immer außerkirchliche Kongregationsversammlungen. Die „Unio Cleri“ und das „Opus s. Petri“ förderten sehr den Missionsidealismus. Ein Dutzend Missionszeitschriften werden eifrig gelesen. Unsere Hauptkraft liegt im Gebete, aber auch das Geldbächlein floß für Theologen recht reichlich. Die „Missionsflicker" boten für die armen Heiden Arbeit und Erlös, der Haarschneider allein erarbeitete 200 Lire. Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, Paulustorgasse Nr. 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: Isidor Kronfteiner, Missionsbruder in Graz, Paulustorgasse Nr. 10. — Universitäts-Buchdruckerei Schrill" in Graz.