Katholische Mifsionozeitschrift Oer Missionäre Söhne Oes hist. Herzens Jesu tern Heft 3 / März 1939 dtrTleger Inhalt: Papst Pius XL f S. 33. — Südafrikanische Städtebilder: Johannesburg, S. 36. (Ein heilsamer Sturz, S. 39. — Amschau, S. 42. — Auserwählt. Religiöser Vauernroman von Withalm, S. 44. — A b b i l d u n g e n : 1. Papst Pius XL — 2. Brunnen in der Wüste. 3. Afrikanische Früchte. — 4. Schwarze Postulantinnen. — 5. P. Iacquinot erhält den Chri-stusordcn. — 6. Der Löwentanz. — 7. Hochzeitstanz in Bengalen. — Das Amschlagbild zeigt drei Weiße Väter in Nordafrika, die nach Landessitte durch Klopsen um (Einlaß bitten. Preis: ganzjährlich Deutsches Reich 2 Mark, Italien ^ Lire, Ungarn 2.50 Pengö, Tschechoslowakei 12 cK, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2.50 Franken, übriges Ausland 2 Goldmark. — Versand durch Missionshaus Fosefstal bei Ellwangen (Sagst) Württbg. Gebetsempfehlungen und =erhörungen. R. M. in R. (Brief erhalten; herzl. Dank). Tausendfachen Dank den hlgst. Herzen Jesu und Mariä, dem hl. Joseph, der kleinen hl. Theresia, dem hl. Judas Thaddäus und dem hl. Antonius für erlangte Gnaden. Bitte zugleich ums Gebet für meine schwermütige Tochter. — Ein Leser des „Stern" bittet ums Gebet in einem besonderen Anliegen. — K. aus Gr. Gl.: Bitte recht innig ums Gebet zum göttlichen Herzen Jesu und zum hl. Joseph um Ergebung in Gottes heiligen Willen und eine glückliche Sterbestunde. + TOTENTAFEL + Es starben von unseren Abonnenten: Pater Bernhard Kohncn F. 8. C., Rom; Juliana Durner, Erbach a. D. (Württbg.), langjährige und eifrige Förderin des „Stern"; Franz Weber, Rossegg bei St. Stefan (Steiermark); Frau Weiher, Ulm a. D. (Württbg.); Anton Fischer, Assamstadt (Baden); Georg Schett, Abfaltersbach (Tirol); Anna Linümair, Obcr-reith 8 (Oberösterreich); Frz. Karlsböck, Nösl-bach (Oberösterreich); Magdalena Bcrkmann, Riefensberg (Vorarlberg); Frau Schiffreggcr und Maria Hellweger, St. Lorenzen (Italien); Anna Kellner, Tüßling (Obcrbaycrn); Gottfried Frühwich, Kilchberg a. Mank (Niederösterreich); Aloisia Sonett), Neutisch ein (im Sudetengau); Josef Genfer, Rennweg (Kärnten); Anna Badinger, Straßenwalchen (Salzburg); Oberlehrer Karl Grabler, Rechnitz (im Durgenland); Se. Durchlaucht Franz Fürst I. v. Auersperg, Wien; Rosina Fertl, Spitz a. D. (Niederösterreich); Maria Buchberger, Persenbeug (Niederösterreich); Antonia Win-kclmayr, Höllenstein a. Mbs (Niederösterreich); Johann Rieder, Eggenburg (Niederösterreich); Elisabeth Singer, Taiskirchen (Oberösterreich); Maria Bresselmeier, Neumarkt (Oberösterreich); Theresia Zehentner, Bad Hall (Oberösterreich); Matthäus Stadlinger, Grieskirchen (Oberösterreich); Gg. Preinnersüorfer, Gmunden (Oberöstcrreich); Josefa Holzmann, Obcr-epfenhofen (Oberöstcrreich); Theresia Zirngast, Wurzing bei Wildon (Steiermark); Fr. General Fanny Pischely, Kirchdorf bei Pernegg (Steiermark); Josefine Marginder, Graz; Theresia Krachler, Graz; Karolina Jlg, Fehring (Steiermark); Maria Eichholzer, Aflenz (Steiermark); Fr. Chr. Linsenmann, Stuttgart; Maria Gundler, München. R. LP. Gebetsmeinung für Öen Monat März Für die Rechte Oer Christen und Öen Frieden im Reiche Christi in Palästina. Im vergangenen Jahr zählte man in Palästina 848 342 Mohammedaner, 870 483 Juden und 106 473 Christen, davon 22 000 Katholiken. — Die starke Einwanderung der Juden nach dem Weltkrieg in Palästina hat die alteingesessenen Araber beunruhigt und aus den Plan gerufen. Sie wehren sich gegen die Eindringlinge, und es kam zum offenen Kampf zwischen den Arabern auf der einen, den Juden und ihren Freunden auf der andern Seite. Unter den streitenden Parteien zerstreut lebt die christliche Bevölkerung des Landes, die ungefähr 8 Prozent der Gesamtbevölkerung beträgt und verschiedenen christlichen Bekenntnissen angehört. Es besteht nun die ernste Gefahr, daß in dem erbitterten Kampf für den Schutz der Christen zu wenig getan wird und daß ihre wohlerworbenen Rechte hinsicht- lich der Erhaltung und des Besuches der Heiligen Stätten mißachtet werden. Die mit Rom noch nicht vereinigten christlichen Bekenntnisse kommen immer mehr zur Einsicht, daß cs für sie viel besser wäre, wenn sie zur römisch-katholischen Mutterkirche zurückkehrten. — Wir sollen nun in diesem Monat beten, daß im Heiligen Land der katholische Gottesdienst ungehindert und sicher abgehalten werden kann; daß die christlichen Sekten sich mit Rom wieder vereinigen; daß endlich dieses Land, in dem der mcnschgcwordcnc Gottessohn das Werk der Erlösung durch seine Geburt begann, durch sein Leben weiterführte, durch seinen Tod vollendete und durch seine glorreiche Auferstehung bekräftigte, seinen Gläubigen allezeit in voller Sicherheit offen bleiben möge. Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu, Sosefstal bei Ellwangen (Sogst) Württemberg. Schriftleitung: P. Sieohan Hintermann F. S. C., Missionsseminar St. Sosef, Ellwangen (Sagst). — Postscheckkonto München 262 66, Missionsseminar St. Sosef. Ellwangen (Sagst) W irttemderg. — Druck der Schwabenocrlag A.-G.. Zweigniederlassung Ellwangen (Sagst). — Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern. Stern der Neger Katholische Missions ^Zeitschrift Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzeno Jesu Heft 3 März 1939 4L. Jahrgang Papst Pme XL + Mit tiefer Ergriffenheit vernahm die Welt in der Morgenfrühe des 10. Februar die unerwartete Trauerkunde aus der Ewigen Stadt: Der Stellvertreter Christi auf Erden, der 261. Nachfolger des Apostelfürsten Petrus — Papst Pius XL — ist tot. Er hat ein Alter von 81 Jahren, 8 Monaten und 9 Tagen erreicht. Eine Grippe, die den Heiligen Vater vor wenigen Tagen befallen hatte, wuchs sich zur tödlichen Krankheit aus. Am Abend des 9. Februar stieg das Fieber auf 40 Grad und um Vs4 Uhr morgens folgte ein schwerer Asthmaanfall. Die Umgebung des Papstes fühlte, daß das Ende bevorstehe. Zwei Prälaten erteilten ihm die heilige Delitng und begannen mit den Sterbegebeten. Der Heilige Vater blieb bis zum letzten Augenblick bei Bewußtsein. Kurz vor Eintritt des Todes versuchte er noch einmal die Hand zum Segen zu erheben. AIs der Rundfunk die Todesnachricht hinaussandte, fühlte jedermann, daß einer der größten und edelsten Päpste in das Licht der Ewigkeit eingetreten war. Achille Ratti, wie der elfte Pius mit feinem Familiennamen hieß, wurde am 31. Mai 1857 zu Defio bei Mailand als Sohn des Direktors einer Seidenspinnerei geboren. Er studierte in Monza und Mailand, wurde am 20. Dezember 1879 zum Priester geweiht und erwarb an der Gregorianischen Universität in Rom das Doktorat in Philosophie, Theologie und Kirchenrecht. Nach kurzer Verwendung in der Seelsorge wurde er 1882 zum Professor am Priesterseminar in Mailand berufen, 1888 zum Bibliothekar und 1907 zum Präfekten der berühmten Ambrosiana ernannt. In dieser Stellung verblieb er bis 1912. Dieses Vierteljahr-hundert im Leben Pius XI. ist durch eine rege wissenschaftliche Tätigkeit ausgefüllt, wie die zahlreichen gelehrten Werke beweisen, die er in jener Zeit herausgab. Daneben widmete er sich aber auch seelsorglichen Arbeiten und Aufgaben, wie sie die stetig anwachsende Großstadt verlangte. Unter anderem nahm er sich besonders der Kaminkehrerjungen an und sammelte sie Sonntags um sich zu religiöser Unterweisung und fröhlicher Unterhaltung. Im Umgang mit Deutschschweizern erwarb er sich auch die Kenntnis der deutschen Sprache und widmete sich mit großer Hingabe der Seelsorge der in Mailand ansässigen Deutschen. Er gründete dort das erste deutsche Mädchenheim. Nach den Büchern liebte dieser gelehrte Priester ganz besonders die Berge. Er unternahm viele Hochgebirgstouren und erstieg 1889 als erster die Dufour-spitze des Monte Rosa von der italienischen Seite her, was bis dahin als unmöglich galt. Auch das Matterhorn und den Montblane, Europas höchsten Berg, hat er erklommen. Das wissenschaftliche Ergebnis dieser Besteigungen ist in einer Reihe alpiner Schriften niedergelegt, die auch in deutscher Uebertragung erschienen sind. Auf Wunsch des deutschen Kardinals Ehrle wurde Ratti 1912 an die Vatikanische Bibliothek versetzt, und zwei Jahre später zu deren Vorstand ernannt. Papst Benedikt XV.sandte ihn 1918 als Apostolischen Visitator nach Polen, wo ihm auch der Schuh der deutschen Bevölkerung in den Abstimmungsgebieten oblag. Im folgenden Jahr wurde er mit der bischöflichen Würde ausgezeichnet und zum Päpstlichen Nuntius in Warschau befördert. 1921 erfolgte seine Ernennung zum Erzbischof in Mailand und Kardinal. Am 6. Februar 1922 wurde er als Nachfolger Benedikts XV. zum Papst gewählt und am 12. Februar mit der dreifachen Krone, der Tiara, feierlich als Oberhaupt der Kirche gekrönt. Volle 17 Jahre hat er als Pius XI. die katholische Kirche regiert. Sein erstes Weltrundschreiben zu Weihnachten 1922 enthält sein Regierungsprogramm: „Der Friede Christi im Reiche Christi". Er will der durch den Weltkrieg und seine Auswirkungen zerrissenen Menschheit den Frieden Christi bringen durch die Verwirklichung des Reiches Christi im Einzelmenschen wie in der menschlichen Gesellschaft. Diesem Ziele dienen die bedeutungsvollen Enzykliken über die christliche Ehe und Familie, die christliche Erziehung und die christliche Gesellschaftsordnung, sowie die Einsetzung des Christkönigsfestes. Dem religiös-kirchlichen Leben verlieh er einen mächtigen Auftrieb durch die drei Iubiläumsjahre 1925, 1929 und 1933, in denen er zahlreiche Pilgerzüge aus der ganzen Welt empfing. So hat er 1925 fast tausend Ansprachen an die Jubiläumswallfahrer gehalten. In nicht wenigen Selig- und Heiligsprechungen hat er dem christlichen Volke neue Vorbilder eines Gott zugewandten Lebens vor Augen gestellt, darunter die deutschen Heiligen Albert den Großen, Petrus Canisius und Konrad v.Parzham. Ein besonderes Herzensanliegen des Heiligen Vaters war die Heranziehung der Laienwelt ?.itr Mitarbeit auf den verschiedenen Gebieten des kirchlichen Lebens in der „Katholischen Aktion". Der Friedenswille des Papstes zeigte sich auch in den Konkordaten, die er mit einer Reihe von Staaten abschloß, so mit Lettland, Bayern, Polen, Litauen, Rumänien, Preußen, Baden, dem Deutschen Reich, Oesterreich und Portugal. Die diplomatischen Vertretungen des Heiligen Stuhles bei den Regierungen hat er von 28 auf 37 vermehrt. In einzigartiger Weise bekundete Pius XL seine Friedensliebe durch die Lösung der Römischen Frage und die Aussöhnung mit dem Königreich Italien in den Lateranverträgen vom 11. Februar 1929, in denen er auf den früheren, 1870 dem Papst entrissenen Kirchenstaat Verzicht leistete und sich mit der Herrschaft über das Gebiet der erweiterten Vatikanstadt nebst einer finanziellen Entschädigung begnügte, unter der Bedingung, daß Italien in einem gleichzeitigen Konkordat dem kirchlichen Bereich volle Anerkennung gewährte. Seinem unermüdlichen Streben, der Welt den Frieden zu erhalten, hat er unter anderem auch dadurch Ausdruck verliehen, daß er wiederholt sein Leben Gott, dem Herrn, für den Weltfrieden anbot. In der ersten Rundfunkansprache, die er nach Aufstellung des neuen Vatikanischen Senders hielt, fand er für sein Verlangen nach allgemeiner Befriedung Worte von biblischer Größe. Außerordentliche Verdienste erwarb sich Papst Pius XI. um das Missionswerk der katholischen Kirche. Ihm galt seine unablässige Sorge. Vor allein suchte er die heimatliche Missionsbasis zu stärken und zu verbreitern, indem er die großen Missionssammelvereine, den Taverius-Missionsverein, den Ludwig-Miffionsverein, den Kindheit-Iesu-Ver-ein und das Werk vom hl. Petrus einheitlich organisierte, so daß die praktische Missionshilfe unmittelbar von Rom aus geleitet wird. Weiterhin hat er in der großen Missionsenzyklika vom 28. Februar 1926 die ganze katholische Christenheit zur tatkräftigen Förderung der katholischen Weltmission aufgerufen. Durch eine Reihe von Verfügungen wies er dem Heidenavostolat neue Wege, indem er die Missionsbischöfe und -präfekten aufforderte, für die Heranbildung einer einheimischen, land- und volkverbundcnen Geistlichkeit ernste Sorge zu tragen, und wo es tunlich schien, den Heidenchristen auch einheimische Bischöfe gab. So hat er am 28. Oktober 1926 die ersten sechs eingeborenen chinesischen Bischöfe im Petersdom geweiht, ebenso den ersten japanischen Bischof und einige andere asiatische Oberhirten. Die Zahl der Missions- diözesen und -sprenge! erfuhr während seiner Amtszeit eine ungewöhnliche Vermehrung. Im Jubeljahr 1925 veranstaltete er die große Missionsausstellung in Rom, die dann als Missionsmuseum im Lateranpalast Aufnahme fand, und für das Jahr 1940 hatte er eine Ausstellung einheimischer Kunst aus den Missionsländern geplant. Hand in Hand mit diesen Bestrebungen zur Ausbreitung des Evangeliums in der Heidenwelt gingen seine Anstrengungen um die Vereinigung der von Rom getrennten Ostkirchen, und es gelang ihm, kleinere Einheiten wieder zur Mutterkirche zurückzuführen. Getreu seiner wissenschaftlichen Vergangenheit erwies sich Pius XL stets als hochherziger Förderer von Kunst und Wissenschaft. Er errichtete in- und außerhalb der Vatikanstadt eine Reihe von großen Bauten, die als Heimstätten für Wissenschaft und Kunst dienen sollten. Dazu gehören der Neubau des Collegium Urbanum, der päpstlichen Mifsionshoch-fchule, der Gregorianischen Universität, des Römischen und Russischen Seminars, der Päpstlichen Pinakothek usw. Hiezu kommt die Errichtung verschiedener wissenschaftlicher Institute, unter denen vor allem die Päpstliche Akademie der Wissenschaften Erwähnung verdient, in die auch hervorragende deutsche Gelehrte berufen wurden. Ueberblickt man die 17jährige Regierung Pius XL, so muß man gestehen, daß sie von außerordentlichen Erfolgen gekrönt war, wenngleich auch diesem Träger der Tiara schmerzliche Prüfungen nicht erspart blieben, wie die Kirchenverfolgungen in Mexiko, Rußland und Rotipanien. Gegen die Weltgefahr des Bolschewismus hat er wiederholt und feierlich seine Stimme erhoben. Die Hilfsbereitschaft und Liebestätigkeit Be- ! nedikts XV. zur Linderung der Rot der Rachkriegsjahre setzte Pius XL hochherzig fort und auch in der Folgezeit übte er, namentlich bei großen Katastrophen und Unglücksfällen, die kirchliche Caritas in edelsinnigster Weise. Der unermüdliche Arbeitseifer des Papstes, der ihn selbst in der Krankheit nicht ruhen ließ, und seine erstaunlich vielseitige Wirksamkeit entsprangen einem hohen Verantwortungsbewußtsein, , das in der tiefen Erkenntnis seines apo- ’ stolischen Amtes wurzelte und ihm die Kraft verlieh, sich jeder an ihn herantretenden Aufgabe mit Mut und Zielstrebigkeit zu unterziehen. In der Geschichte wird Papst Pius XL fortleben als der Begründer des neuen Kirchenstaates, der souveränen Vatikanstadt, und als Wiederhersteller der päpstlichen Unabhängigkeit. Die katholische Welt aber betrauert ihn als den gemeinsamen Vater, dessen hohe Weisheit das Steuer der Kirche mit sicherer Hand führte. Sie ehrt ihn als Papst der Missionen, als Urheber erleuchteter Enzykliken und nimmermüden Anwalt des Völkerfriedens. Seine außerordentliche Persönlichkeit hat das Ansehen des Papsttums erhöht und der Kirche neuen Glanz verliehen. Die Geschichtsschreibung wird Pius XL einen Ehrenplatz unter den glorreichen Trägern der dreifachen Krone einräumen. H.Wotmbaas. Südafrikanische Städtebilder. 4. Johannesburg. Von Br. August Cagol. In den Goldminen braucht man Dynamit zum Sprengen des Gesteins in den unterirdischen Stollen. Es war am 19. Februar 1896. Auf dem Johannes-bürger Bahnhof wurden Güterwagen verschoben, darunter mehrere mit Dynamitladung. Durch einen zu scharfen Stoß der Lokomotive entzündete sich der Sprengstoff und riß seine nächste Umgebung mit in die Luft, Eisenbahnwagen, Eisenbahnschienen und -schwellen, Holz, Erde, Steine, Ziegel und — menschliche Körper. Eine gewaltige Rauchsäule stieg hoch in die Luft, um sich dann baumartig auszubreiten, die Sonne zu verfinstern und in weitem Umkreis wieder zur Erde niederzufallen. 78 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Am nächsten Tage erschien Präsident Sxniger mit Gefolge und besichtigte die Stätte des Unglücks. Am Rande des riesigen Explosionskraters stehend, hielt er eine Ansprache an die Anwesenden. Der alte Herr war sichtlich bewegt und betrübt über das Leid der Betroffenen. Bei Ausbruch des Burenkrieges (Ende 1899) waren 80 000 Fremde im Lande, viermal so viel als burische Landeskinder. Anfänglich wurde' der Betrieb in den Goldbergwerken eingestellt, von Ende 1901 ab wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Da es an eingeborenen Hilfsarbeitern fehlte, wurden vorübergehend Chinesen eingeführt. Der Gewinn aus den Goldminen trug wesentlich dazu bei, die Wunden, die der Krieg geschlagen, bald vernarben zu lassen und dem verarmten Lande wieder Wohlstand zu bringen. Immer neue Goldgruben wurden eröffnet und allmählich der Abbau auf dem ganzen Gebiet von 200 Kilometer Länge in Angriff genommen. Gold kommt meist vor in Quarz und Schiefer und ist gewöhnlich verbunden mit Silber und Schwefeleisen, wie es am Witwatersrand der Fall ist. Das Gestein besteht aus Quarzstückchen, die durch ein kieselsaures Bindemittel unter sich verbunden sind. Das darin enthaltene Gold ist mit dem bloßen Auge meist nicht sichtbar, da es in feiner kristallinischer Verteilung vorkommt. Das Charakteristische des Goldvorkommens am Witwatersrand ist die außerordentliche Regelmäßigkeit und weite Ausdehnung der goldführenden Quarzgänge. Man stelle sich eine sanft abfallende Hochebene vor, die eine Reihe von übereinander liegenden Gesteinsplatten enthält, die unter einem Winkel von 60 Grad zutage treten. In größerer Tiefe wird die Neigung zur Erdoberfläche geringer. Das bearbeitete Gestein, der „Hauptrifführer", wechselt bezüglich Dicke und Goldgehalt, und es kommen Verwerfungen vor. Es erreicht jedoch selten die Stärke von 1 Meter, und eine Tonne dieses Gesteins enthält durchschnittlich 10 Gramm des edlen Metalls. Ein Gehalt von 40 bis 100 Mk. die Tonne gilt als sehr lohnend. Wegen dieser Regelmäßigkeit des Vorkommens wird dem Witwatersrander Goldbergbau der spekulative Charakter genommen, da die verhältnismäßig große Armut des Erzes an Gold von vornherein größeres Kapital für die Bearbeitung voraussetzte. Es war daher günstig, daß die Großkapitalillen von den Kimberleyer Diamantenfeldern kamen. Der Abbau des in bedeutende Tiefe hinabgehenden goldhaltigen Gesteins wird sehr erleichtert und vereinfacht durch das sehr starke obere. Felsendach, bog Ausgrabungen und Unterwühlungen gut verträgt und wenig Grubenstützholz braucht. Arbeitete anfangs der einzelne Goldgräber auf eigene Faust, so schlossen die führenden Männer sich alsbald zu Gesellschaften zusammen, die, geldkräftiger, die Goldausbeute im großen Maßstab betreiben konnten. Es sind jetzt eine Reihe von Minengruppen am Witwatersrand tätig, die jede 3 bis 11 einzelne Goldbergwerke betreiben. Der Betrieb eines Goldbergwerks ist natürlicher Weise sehr verwickelt. Da sind Bohrmaschinen zu bedienen, da ist Preßluft herzustellen für den Betrieb der Bohrer und zur Lüftung der Schächte und Stollen, Wasser muß versorgt und verstäubt werden zur Niederschlagung des gefährlichen Gesteinsstaubes, elektrischer Strom ist erforderlich für Beleuchtung und Beförderung, Holz und Beton müssen bereit sein zur Stützung der Arbeitsstollen und viele andere Dinge sind notwendig zum Ausbau und zur Unterhaltung des Bergwerkbetriebes. Ständig werden Gesteinsproben abgenommen von den Wänden der Stollen, um den jeweiligen Gehalt des Erzes festzustellen. Die Vermesser haben ihre Untergrundpläne in strengstem Einklang zu halten mit der Oberflächengestaltung. Bergleute, Bergknappen und Handwerker müssen bezüglich ihrer Lohnansprüche überwacht werden. Aufseher haben dafür zu sorgen, daß die eigentliche Grubenarbeit rasch und ohne Verschwendung, wie auch ohne Gefährdung von Leben und Sachwerten vonstatten gehe und daß die Einrichtungen für Zufuhr von Luft, Wasser, Kraft und Licht zufriedenstellend arbeiten. Die eingeborenen Bergknappen müssen angeworben, angeleitet und überwacht werden, sowohl in der Mine wie in ihren Wohnstätten auf Minengrund. Es muß vorgesorgt sein für erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen, sowie für alles, was dem guten Gesundheitszustand der Bergleute dienen kann. Der Erzabbau geschieht bis auf 2Vs Kilometer Tiefe. Die tiefste Mine, Village Deep, ist gleichzeitig das tiefste Bergwerk der Welt. Es bohrt sich auf 2670 Meter ins harte Gestein der Erde ein, noch 900 Meter unter den Meeresspiegel, denn Johannesburg liegt 1770 Meter hoch. Bei solcher Tiefe ist die Lüftung der unterirdischen Gänge äußerst wichtig, aber auch äußerst schwierig. Die Hitze steigt in den Goldbergwerken alle 450 Fuß oder 137 Meter um je einen Grad Celsius. In den untersten Stollen dieser Mine herrscht ständig eine Hitze von 38 Grad Celsius, die sich in geschlossenem Raume und bei schwerer Arbeit sehr fühlbar macht. Daher werden große Blöcke Eis, täglich vier Tonnen, in die Lüftungsrohren gelegt, durch die die eingeblasene Preßluft erheblich abgekühlt und die Wärme auf etwa 30 Grad Celsius gesenkt wird. Der Abstieg in dieser tiefen Mine geschieht in drei Stufen, von der Oberfläche der Erde in senkrechtem Schachte auf 1280 Meter, dann in geneigtem Gange zum 33. „Stockwerk" in einer Tiefe von 1890 Meter; von dort geht es wieder senkrecht auf die untersten Stollengänge. Andere tiefe Minen (unter dem Meeresspiegel) sind: City Deep, Crown Mines und Robinson Deep. In den Goldbergwerken bohren schwarze Bergknappen unter Aufsicht weißer Bergleute die Sprenglöcher mit Bohrmaschinen. Dann wird das Gestein losgesprengt und zutage gefördert. In Pochwerken wird es zerkleinert und in Mühlen zu Sand zerrieben. Der Sand wird in fließendes Wasser und dann auf mit Quecksilber überzogene, geneigte Kupferplatten gebracht. Das Gold bleibt am Quecksilber hängen und wird durch Abdampfung des Quecksilbers rein erhalten. Auch wird es auf chemischem Weg dem Quarz entzogen, durch Plattners Chlorinationsvorgang oder durch Siemens' Cyanid-Verfahren. Früher war der einzelne Goldgräber auf das Handauswaschen angewiesen, wobei 5, ja 10 vom Hundert des Goldes verloren ging. Transvaal lieferte 1887 acht Zehntel vom Hundert der Welterzeugung an Gold oder 39 880 Unzen (1236 kg); heute liefert es 60 vom Hundert der Weltförderung oder 177 000 kg. In den fünfzig Jahren ihres Bestehens haben die Goldfelder des Witwatersrandes über 10 000 Tonnen reinen Goldes im Werte von etwa 26 Milliarden Gold-mark ergeben. Rur eine geringe Menge des in Südafrika gewonnenen Goldes wird für Münzzwecke im Lande selbst benötigt. Die Hauptmenge des gelben Metalls geht nach London, in die Gewölbe der Bank von England. Jede Woche verläßt ein besonderer Eisenbahnwagen den Rand, der Goldbarren und -münzen im Gewicht von 10 bis 12 Tonnen nach Kapstadt überführt, von wo das Postschiff die wertvolle Ladung nach England bringt. Die Union von Südafrika bezieht einen großen Teil ihrer Einkünfte aus den Goldminen am Rand. Die einzelnen Bergwerke haben einen gewissen Hundertsatz ihres Gewinnes an die Staatskasse abzuliefern, dessen Berechnung je nach Ergiebigkeit des abgebauten Erzes verschieden ist. War früher der Preis für die Unze Fein-Gold (31 Gramm) auf 84 englische Schilling (= 85 Goldmark) festgesetzt, so bewegt sich heute nach der Entwertung des Pfund der Preis für die Unze Gold um 140 englische Schilling herum. Das gewährt Bergwerken mit -besserer Ergiebigkeit größeren Gewinn, da sie ihren Bergleuten kaum höhere Löhne zahlen, mährend es ihnen die Möglichkeit gibt, selbst wenig ergiebiges Erz noch mit Gewinn abzubauen. Sechs bis acht Gramm Gold auf die Tonne Erz wird als notwendig angesehen, damit der Abbau sich bezahlt mache. Der Betrieb manches wenig ergiebigen Goldbergwerks wäre nicht möglich, wenn den Minenverwaltungen nicht billige Arbeitskräfte in den eingeborenen Bergknappen znr Verfügung ständen. Außer 25 000 weißen Bergleuten und Handwerkern sind über 200 000 schwarze Arbeitskräfte in den Goldbergwerken des Witwatersrandes angestellt. Rur etwa die Hälfte von ihnen kommt aus den verschiedenen Teilen der Union; ein Großteil stammt aus der portugiesischen Kolonie von Morambique, deren Verwaltung ein diesbezügliches Abkommen mit der Unionsregierung getroffen hat. Die schwarzen Arbeiter dürfen nur auf sechs oder zwölf Monate angeworben werden; nach Ablauf bietet Zeit selten sie in ihre Heimat zurück und andere kommen an ihrer Statt. Allerdings kön- nett sie nach Ablauf eines Jahres neuerdings. Arbeit in bett Bergwerken der Union nehmen. Die schwarzen Bergknappen sind auf eigenen Wohnungsanlagen der betreffenden Mine, sogenannten Compounds, angesiedelt, wo ihnen auch gute, nahrhafte Kost verabreicht und int Bedarfsfälle ärztliche Behandlung zuteil wird. Außerdem erhalten sie einen Monatslohn von 40 bis 60 Schilling. (Schluß folgt.) Ein heilsamer Sturz* Von Karl Heinrich Mohr. i9tnci)bni&verboten.) Immer, wenn der Zimmermann Gerhard Steinacker etwas vom Reiche Gottes hörte, wenn es diesem oder jenem seiner Kameraden einmal einfiel, ein beiläufiges Wort über die Vergänglichkeit alles Irdischen fallen zu lassen, wäre er am liebsten davon gelaufen. Was scherte ihn, den kraftstrotzenden, urgesun-ben und arbeitsfreudigen jungen Handwerker, der die sogenannten besten Mannesjahre noch lange nicht erreicht hatte, ein in unendlicher Ferne angeblich dies Erdenwallen ablösendes Himmelreich? Wozu sollte er, Zeit und Muße vergeudend, einem Phantom nachjagen, Ausschau halten nach sagenhaften seligen Gefilden, die doch nie zu erblicken waren und vermutlich nur in der Einbildung zartbesaiteter Gemüter bestanden? Mit beiden Füßen fest auf dem Boden und noch zu Beginn eines alle Aussichten und Möglichkeiten offen lassenden Lebens stehend, schätzte Gerhard die Kraft seiner Glieder, nach getaner Arbeit einen guten Happen und pries sich glücklich, in Alwine ein braves Weib und treusorgende Lebensgefährtin gefunden zu haben, die ihm, vor nunmehr drei Jahren, in seinem kleinen Walter ein Büblein geschenkt hatte, wie es herziger auf der ganzen Welt keines geben konnte! Um des lieben Friedens willen, und Brunnen in der Wüste. Kaum etwas wird den Reisenden der Wüste lieblicher erscheinen als der Anblick der so notwendigen Brunnen. Katholische Missionare wagen sich auch in diese wasserlosen Gegenden der Wüste, um das Evangelium voranzutragen. Unsere vier Brunnen stammen aus El Ates in Südalgerien. (Fides-Foto.) weil er Alwine aufrichtig liebte, ließ er sie in ihrer Frömmigkeit gewähren, die ihr von gläubigen Eltern mit auf den Lebensweg gegeben worden war. Ein einziges Mal, und zwar während ihrer Brautzeit, hatten sie über Glaubensdinge und darüber, wie sie es damit in ihrer Ehe halten wollten, gesprochen. Und da sich dabei die Unmöglichkeit ergab, Ja und Nein irgendwie in Einklang miteinander zu bringen — eine Zwischenstufe gibt es bekanntlich nicht und kann es nie geben —, wurde ausgemacht, fortan einander in diesen Belangen ungeschoren zu lassen, jedem den für recht und gut befundenen Weg zu überlassen und nicht mehr darüber zu sprechen. Für Alwine bedeutete dies entschieden ein Opfer. Es zu tragen, befähigte sie allein ihre große Liebe und — die felsenfeste Zuversicht, daß es einmal, früher oder später, anders werden möge. Daß der Allmächtige ihr inständiges Bitten erhören und Gerhard zur rechten Erkenntnis führen werde. Darüber hinaus befleißigte sie sich, den kleinen Walter beizeiten mit dem Wesen des lieben Gottes vertraut zu machen, ihn in gläubigem Sinne aufzuziehen. Zu ihrer freudigen Genugtuung nahm Gerhard keinen Anstoß daran, wenn er sie gelegentlich einmal mit ihrem Büblein beim Nachtgebet überraschte. Mitleidig lächelnd hörte er es dann mit an, wenn der Kleine, wie ihn gelehrt worden war, mit gefalteten Händchen sprach: „Lieber Gott, beschütze mir den Vater." Und dachte sich sein Teil. Nämlich: daß es doch nur an ihm selber gelegen sei, auf sich acht zu geben, daß ein Kerl wie er allemal in der Lage sein müsse, sich selbst zu beschützen! Eines Tages nun saß Alwine in Erwartung ihres Mannes am Fenster, wobei sie ihr Söhnchen auf dem Schoß hielt. Gerhard mußte jeden Augenblick heimkommen, das Essen stand schon bereit zum Aufträgen. Wie so oft, wenn sie allein miteinander waren, bemühte sich die junge Mutter, ihrem Liebling das Walten des lieben Gottes, des Schöpfers von Himmel und Erde, nahe zu bringen, indem sie auf sichtbare Anzeichen seiner Allgegenwart hinwies, wie den ewig sich wiederholenden Lauf der Sonne, das Erscheinen des Mondes und der Sterne während der Nacht, das Rauschen der Bäume im Winde, das Spiel der Vögel in den Lüften. „Und wo wohnt denn der liebe Gott, Muttchen?" begehrte Walter in seiner Einfalt zu wissen. „Im Himmel droben, mein Bester", belehrte ihn Alwine, „aber sein Auge schaut ständig auf uns herab, und es bleibt ihm nichts verborgen, was auf Erden vorgeht." „Dann sieht er auch, daß wir hier sitzen und auf den Vater warten?" „Ganz gewiß!" „Muttchen!" rief der kleine Walter nach einer Weile nachdenklichen Schweigens plötzlich und umklammerte, die großen, fragenden Kinderaugen fest auf sie gerichtet, ihren Hals, „warum erzählt Vater nie vom lieben Gott, so wie du es tust?" Alwine nahm den Kopf ihres kleinen, wißbegierigen Jungen zwischen die Hände und küßte ihn. Die Tür war aufgegangen, vor ihnen stand Gerhard. Eine seltene Blässe lag auf dem Gesicht des Zimmermanns, quer über seiner Stirn klebte ein Pflaster. Dennoch beugte er sich lächelnd herab zum Willkommkuß. „Sei überzeugt, es ist nur eine unbedeutende Schramme", beruhigte er die ängstlich nach Art und Ursache der Verletzung Fragende, „das ist nur äußerlich und geht schnell vorbei. Etwas anderes, Schwerwiegendes, ist hier drinnen geschehen!" Gerhards Hand wies nach dem Herzen. Er zog einen Stuhl herbei und setzte sich zu Frau und Kind. „Bist du innerlich —" „Kuriert!" schnitt Gerhard ihr in mildem Ton das Wort ab und begann, ohne Umschweife, zu erzählen: „Wir waren mit dem Aufrichten des Dachgeschosses auf dem zweistöckigen Neubau beschäftigt. An einer Stelle wollte das Zusammenfügen der Balken nicht recht klappen, es gab einiges Hin und Her und viel zünftige Axthiebe. Ich stand dabei mitten auf dem First — Hundertemal bin ich doch schon da droben herumbalanciert, ohne daß mir nur der Gedanke an etwas Menschliches in den Sinn gekommen wäre! Auch heute dachte ich an nichts Schlimmes, schaffte und bewegte mich so leicht und sicher wie auf Verschiedene Früchte aus einer Gartenbauschule in Belgisch-Kongo. Für die verschiedensten Gewerbe u. Handwerke luic Tischler, Schmiede, Schneider, Buchbinder haben die Schemveldcr Missionare in Chain sBelg-Kongo> Schulen eingerichtet. Daß auch Acker- u. Gartenbau blicht, beweist usiier Bild mit Früchten. (Fides-Foto.) dem Werkplatz. Und ich weiß jetzt noch nicht, wie es gekommen ist: plötzlich verliere ich den Halt unter meinen Füßen, schwanke und — sause in weitem Bogen kopfüber hinab!" „Allmächtiger Gott!" stöhnte Alwine entsetzt auf. „Ja", fuhr der Erzähler fort, „so war es. Irgendwo stieß ich mit dem Kopf an, überschlug mich, aber einen eigentlichen Schmerz verspürte ich dabei nicht. Ich hatte auch, seltsamer Weise, nicht die Spur von Angst! Dafür aber zog in den Sekunden, während ich stürzte, mein ganzes seitheriges Leben blitzartig an mir vorüber! Ich sah euch beide und mußte unwillkürlich daran denken, wie — wie ich euch neulich beim Beten überraschte. „Beschütze mir den Vater." Das waren wohl eure Worte, nicht wahr?" „Sie sind es alltäglich, Liebster", bestätigte Alwine und umfing ihren kleinen Jungen fester. „Alwine!" rief Gerhard nun erregt aus, „sie waren mein letzter Gedanke, während ich fiel!" „Und was kam dann —?" fragte Alwine gespannt und erschüttert zugleich. „Dann landete ich", vollendete der Zimmermann seinen Bericht, „zwar etwas unsanft und stark benommen, wie sich leicht denken läßt, doch — Gott set’s gedankt, solange ich lebe! •— ohne ern- sten Schaden zu nehmen, mitten auf einem großen Haufen Bausand, der kurz zuvor angefahren worden war!" „Gott set’s gedankt! Ist das die Frucht deines Erlebens?" fragte Alwine mit bebenden Lippen und beugte sich, das allmählich wieder Blut und Farbe gewinnende Antlitz des geliebten und so wunderbar vor Siechtum oder gar dem Tod bewahrten Gatten mit vor Ergriffenheit feuchtwerdenden Augen tun-spannend, weit vor. „Ja, Alwine! Nun kann ich ja gar nicht mehr anders!" entquoll es in ehrlichem Bekennen der Brust des Geretteten. „Nächst dem Allmächtigen aber muß ich dir danken dafür, daß du für mich eingetreten bist. Denn ohne deine Beharrlichkeit hätte ich wohl nie zurechtgefunden!" schloß Gerhard und bot seiner Frau die Rechte. Lange ruhten beider Ehegatten Hände ineinander, während ihr Büblein in ihrer Mitte saß und abwechselnd die Wangen von Vater und Mutter mit seinen Patschhändchen streichelte. s—Lfts—\ <£s ist schon stolzer, daß wir /////M\\\\\ Deutsche heute entschlossen unsere Probleme selbst lösen und uns audi selbst helfen. 2 6 Adolf Hitler. Bei der Eröffnungsfeier des lvhlv. 1938/39. Umschau. Reisebericht Sr. Erzellenz Erzbischof Costantini. in. Als ine Nacht sich auf tins Meer nicöer--fenkte, flammten in Dakar eine Fülle non Lichtern auf, die am dunkeln Horizont die langgezogene Linie ties Hafens abzeichneten. Dakar, das afrikanische Eingangstor für die französischen Besitzungen, kam mir wie ein großer Umschlagsplatz, wie der rührige, farbenfreudige Stapelplatz vor, wo sich zu friedlicher Zusammenarbeit die alte Kultur tier Weißen und die kindlich tastenden Anfänge tier Neger begegnen, d e zur Teilnahme an jener Kultur berufen sind. Ich schaute mit wahrer Freude das Bild tier schönen afrikanischen Kathedrale, die sich über der Stadt erhebt — von Architekt Wulff-leff erbaut und 1936 von Kardinal Verdier eingeweiht. Sie ist afrikanisch in ihrer Lage, afrikanisch auch ihrer glückt.chen künstlerischen Auffassung nach. Sie stellt den Sieg ties Geistes über den Materialismus der Zeit dar. Während der „Julius Cäsar" auf hoher See fuhr, mußte ich daran denken, daß in der Tiefe ties Meeres von den Wogen umspült, wohl noch die Gebeine der Bischöfe Tisserant (gestorben 1845) und Kunemann (gestorben 1908) und anderer Missionare ruhen, tire aus dem Weg in die Missionen an tier Küste ties französischen Afrika Schiffbruch gelitten hakten. Noch ein anderer entsetzlicher Schiffbruch kam mir in den Sinn: 1920 hatte sich Msgr. Jalabert mit 18 Missionaren vom Jpeil.ßcn Geist non Bordeaux nach Afrika eingeschifft. Der Dampfer roucti.e non einem Sturm gepackt und gegen ein Riff geschleudert: von den Schiffbrüchigen wurde -als Ueberbleibsel nur das Brevier ties Bischofs aufgefunden, das die Wogen mitleidig an den Strand gespült hatten... Bei seinem Eintritt in den Atlantischen Ozean kam der „Julius Cäsar" nicht weit von tier Insel Gorse vorbei; man sah sie in der Dunkelheit Dakar gegenüber auftauchen; sie erschien mir öder und unheimlicher denn je — als der dunkle Schatten einer verwunschenen Insel. Die ehedem volkreiche, wohlhabende Insel — heute verlassen, mit vielen leer stehenden, verfallenen Häusern — hatte wirklich ein tragisches Geschick. Sie war vom 17. bis 18. Jahrhundert der Hafen und Markt für die Sklaven, die man an den Westküsten Afrikas geraubt und nach Gorse gebracht hatte, um sie nach den Plantagen Amerikas zu verfrachten. Man schätzt die Anzahl der aus Afrika entführten Sklaven auf 20 bis 25 Millionen. Sehr viele nahmen ihren Weg über Gorse. Ein Menschenstrom, ein Strom von Schmerz, Elend, Gemeinheit ergoß sich in die Verließe der verwunschenen Insel. Noch sieht man die dumpfen Räume oder Kerkerverließe, wo diese arme schwarze Menschheit zusammengepfercht war, während in den oberen Stockwerken dieser Häuser sich das üppige Leben tier reichen Sklavenhändler abspielte. Drang von unten ein Schmerzensschrei herauf, so ward er unterdrückt von den Stockhieben, die auf den nackten Rucken nietiersausten. Die kleinen Ocffnitngen tier finstern Räume im Erdgeschoß waren mit Eiseng.ttern versehen. Es fehlte auch nicht eine Türe mit Kettenschloß, die auf das Meer hinausging, um die Sklaven einzuschiffen und — was nicht selten vorkam — den unbequemen Leichnam eines Toten ins Wasser zu werfen. Ein Gefühl ties Grauens überfällt jeden, ■' der sich das furchtbare große Drama auszumalen versucht, das sich aus der kleinen Insel Gorse abspielte; ein Drama, groß wie die schwarze Rasse Afrikas, ein Drama, das mit blut- und tränenfeuchten Ketten zwei Erdteile verbindet; ewig bleibt die Furche, die Schmerz und Schmach auf den Wogen des Atlantischen Ozeans gezogen. Längs tier Bahn schaute ich manchen Baumriesen, der vom Blitz getroffen mit seinen kahlen nackten Aesten in das umgebende Grün ragte, und ähnlich erschien mir die Insel Gorse vom Fluche Gottes erfaßt. Wenige Kilometer von dem geräuschvollen Dakar liegt Gorse, eine tote Stadt, ein Friedhof, wo nur gewisse Raubvögel auf den Dächern der leer-stehenden Häusern nisten und sich zu Hause fühlen. Gewiß, die Insel kann aus militärischen und andern Gründen sich wieder erheben; aber die Erinnerung an die Vergangenheit wird weiterhin auf ihr lasten wie ein Alpdruck, wie ein Schandfleck unserer Kultur. Die reichen Sklavenhändler in Gorse waren Weiße, waren Christen wenigstens dem Namen nach; sie hatten sogar eine noch bestehende Kirche gebaut für die wenigen Katholiken der Insel, die fast alle Schwarze und für das Vergangene nicht verantwortlich sind. Die Sklavenhändler hatten äußerst wenig vom Christentum an sich, wenn der Gouverneur Roger schreiben konnte: — „In gewisser Hinsicht kann man bei den Bewohnern von Gorse nicht von christlichen, nicht einmal von europäischen Gebräuchen sprechen: die Ehe ist unbekannt und die Vielweiberei praktisch überall durchgeführt." Leider hatte der „Goldhunger" sich zu dem Versuch verstiegen, de» Sklavenhandel als mit den christlichen Grundsätzen vereinbar hinzustellen; aber schließlich verfingen die Schein-gründe nicht mehr. Die Abschaffung tier Sklaverei ist ein Sieg des Christentums, der auch auf nichtchristliche Regierungen einwirkte. Ein Beispiel, wie man christlich sein kann gegen seinen Willen. Im übrigen hatte die Kirche immer klar gesprochen. Als die Frage der Sklaverei eingehender diskutiert wurde und schwere wirtschaftliche und polit sche Bedenken gegen die Abschaffung der Sklaverei geltend gemacht wurden, hatte Gregor XVI. die herrliche En- Postulantinnen in Belgisch-Kongo. Diese Ailmänerinnen einer einlieimifdjen Schwesternkongcega-tion vom Albert See müssen drei Jahre als Leiterinnen in Mädchenschulen ober als Mfspflegcrinnen im Hospiial Dienste tun, den Vorbereitungsunterricht auf die Erstkommunion mit üder-nehmen und das Nähen ei lernen Sodann kommen sie 2 Jahre unter die Obhut der Weißen Schwestern, um sich aufihren Kunst tigen Berus vorzubereiten^ Jetzt erst werden sie zum Noviziat zugelassen. (5ib.«3oto) zyklika „In supremo Apostolatus fastigio" veröffentlicht. Damals traten auch jene hervorragenden Gestalten unter den Missionaren als Schützer der Neger auf den Plan, von denen ich wenigstens drei erwähnen möchte: die ehrwürdige Mutter Javouhey, Don Monnet und in jüngerer Zeit Kardinal Lavigerie. Gerade er ließ im verflossenen Jahrhundert Europa unwillig aufhorchen, als er die schmachvollen Seiten der Sklaverei aufzeigte und so den Tag der Befreiung mitbeschleunigen half. Noch geht der heilige Krieg im Innern Afrikas me.ter, geführt von den Kolonialregierungen, besonders aber von der still wirkenden, wachsamen und überallhin ausgedehnten Liebestätigkeit der Missionare und Missionsschwestern. Gerade diese letzteren stehen ja in unmittelbarem, direktem Kontakt mit dem Elend der noch vorhandenen Sklaverei und mit soviel anderem Elend, das ebenso beklagenswert ist wie die Sklaverei. Don Monuet wurde 1847 von der Insel Bourbon verjagt, weil sein schrankenloses, caritatioes Eintreten für die Neger die weißen Siebter erboste und beunruhigte. Die Vorsehung hatte ihn für den Posten eines Superiors der Väter vom Heiligen Geist ausersehen. Er bereitete so den Weg für eine Vereinigung der Heilig-Geist-Väter mit den Vätern vom Herzen Mariä, die vom ehrwürdigen P. Libermann gegründet waren. P. Monnet überlief; P. Libermann das Amt des superiors und kehrte nach Afrika als Apostolischer Vikar von Madagaskar zurück. Die im Jahre 1851 verstorbene Mutter Ja-vouhen ist Gründerin der St. Iosephsschwestern von Cluny. Ob ihrer ausgezeichneten christlichen und staatsbürgerlichen Haltung und ihres Organisationstalentes bezeichnete sie Louis Philipv als einen „großen Menschen". Sie war Vorläuferin der modernsten Miffions-und Kolonisationsmethoden. Sie erkannte die Notwendigkeit eines einheimischen Klerus und führte die drei ersten senegalesischen Priester zum Ziel. Im krit.scheu Uebergangsstadium, wo die Sklaven aus ihrem bisherigen untätigen Zustand zum Genuß der Freiheit kamen, gründete und leitete sie die Kolonie Maua in Guayana, von Freund und Feind bewundert; sie entfaltete eine großartige, weitschauende und unermüdliche Tätigkeit zu Gunsten der armen Neger, überwand Gegensätze und Schwierigkeiten und brachte mit ihren Schwesternscharen der Missionsarbeit unter den primitiven Völkern eine wirksame Hilfe. „Wie danke ich Gott", schrieb sie an ihre Schwestern, „von Ihm zur Bekehrung der Neger berufen zu sein! Nie wird unsere Wohl-tätigkeit die Unglücklichen ganz für die Leiden entschädigen können, die sie in der Sklaverei erduldet." „Der Name der Mutter Javouhey, schreibt Goyau, ist m't der Geschichte Guayanas und der Negerbefreiung unlösbar verbunden; denn die Tätigkeit der Mutter Javouhey bezeichnet die Ausdehnung und Auswirkung des religiösen Gedankens auf das soziale Leben und die Zukunft einer ganzen Rasse. Sie war eine jener Persönlichkeiten, deren Leben einen fortgesetzten Kampf bedeutet; erst lange nach ihrem Tod wird ihr Sieg in seiner vollen Auswirkung anerkannt." ©oree ist nur ein trauriger Gedanke an die Vergangenheit, ein schändliches, für immer geschloffenes Buch. Aber auf den Wogen, die einst die Sklavenschiffe durchfurcht haben, kommen jetzt in umgekehrter Richtung Scharen von Missionaren und Miffionsschwestcrn, die bei Dakar landen und sich dem Innern Afrikas zuwenden, um den Negern Licht, Trost und Hilfe zu bringen. Das Licht leuchtet in der Fin-st e r n i s. Mfgr. C eIs o C o st a n t i n i, Sekretär der hl. Kongregation der Propaganda. Auserwählt. Ein religiöser Bciuernroman von 2ßectl)olb lf). ööitljalm. (2. Fortsetzung.) „Was hast denn, Mutter?" „Franzl, um alles in der Welt, lauf umi zur Grindlwand! Lauf! Schnell! Der Vater, der Vater!" Franzl erschrak: „Was hast'n, Mutter?" „Frag net!" schrie sie mit hastigem Atem. „Lauf! Lauf! Leicht is scho z' spaat. Der Vater find nimmer hoam." Nun begriff der Bub. In einem Saus war er bei der Tür draußen. Er straffte die 'Dhtsfeln und rannte über Stock und Stein der Grindlwand zu. Was Lunge und Füße hergeben konnten. Die Sonne verglomm hinter dem Vrand- Cin unerschrockener Missionar. Der portugie-fische Konsul von Schanghai heftet P. Iac-guinot fci. J. das Kreuz eines Offiziers des Christusordens auf die Brust. Der Name des so Ausgezeichneten hat einen guten Klang in Europa, Amerika und Asien. Man weiß überall von den nach ihm genannten Schutzzonen, die er in Schanghai und .Hankow für die Flüchtlinge eingerichtet hat, eine Einrichtung, die Hunderttausenden von Chinesen das Leben rettete. (Fides-Foto.) lerberg und Franzl schrie in den sinkenden Tag: „Vater! Vater! Hooo! Hooihoo!" Atemlos kam er an die Waldeslichtung. Die Felsen blinkten ihm entgegen. Hinter ihnen klaffte der Abgrund. Und zwischen den Felsen torkelte sein Vater dem Absturz entgegen. Wie ein erschrockenes Reh verhoffte der Bub und schrie noch einmal aus allen Leibeskräften: „Vater, halt! Halt, Vater!" Und rannte schon wieder. Das Herz schlug wie Hammerschläge an den Hals. Der drüben blieb einen Augenblick stehen, als hätte er etwas gehört. Dann aber winkte er mit den Fäusten ab: „Was geht dös mi an." Er torkelte weiter. Ein Wettlauf mit dem Tode begann: Hier der Bub, der über die Felsen sprang wie eine Gemse, wenn sie Todesangst zur Flucht zwingt. Dort der langsam dahinschwankende Vater. Wenige Schritte vor dem Verderben. Kaum hundert Sprünge hatte der Junge. Und er sah es genau: drei, vielleicht vier Schritte der Vater und dann... Noch zwei! Da riß es den Franzl zusammen. Mit einem Ruck stand er, den Mund riß er auf und brüllte in die stille Berglandschaft ein Kreischen hinein, den Kehllaut des Entsetzens: '„Vater!!!" Der Aufschrei hallte meilenweit in den Bergen wider. Er mußte auch den Vater treffen. Trunken wandte er sich um, stieß an einen Fels und sank an der Spitze der Grindlwand zusainmen. Im nächsten Augenblick kniet sein Sohn bei ihm. Rüttelte an den Schultern des Vaters, bis ihn das Heulen überkam. Dann fiel sein Kopf an des Alten Brust und er schrie auf, als sei es eine Erlösung in dieser furchtbaren Stunde: „Vater, jetzt muaß i Geischtli werdn!" II. D i e Primiz. Ueber Bärnmoos lachte die Maiensonne. Die jungen Spitzen der Fichten und Tannen äugten im zartesten Grün aus den Wäldern. Sie lachten auch aus den Triumphbogen, die die Pfarrkinder an den Ortsausgängen zum Empfang des jungen Priesters errichtet hatten. Der Löwentanz. Einer der höchsten Festtage in der Mandschurei, das „Danksagungsfest", bat als Charakteristikum den Löwentanz. Jede Ortschaft schickt ihren besten Tänzer im phantastischen Löwenpuh. Milde, melancholische Trommelwirbel dienen als Begleitmusik. (Fid.-Fo.) In das Fichtengrün flochten sie die ersten. Frühlingsboten ein: duftende Maiglöckchen vom Berge, lachende Feldblumen, eben erblühten jungen Flieder und was sonst der Frühling an Duft und Farbe brachte. Jeden Bogen zierte ein grünes Kreuz. Darin blinkten girlandenumwundene weiße Tafeln. Auf diesen stand mit kunstvollen Lettern: „Der Herr segne deinen Eintritt." Oder: „Der du berufen bist, segne uns." Auf dem Dorfplatz drängten und schoben sich Bauern und Bäuerinnen, Knechte und Mägde. Sie waren von weit und breit einhergeströmt, den ersten Segen des Primizianten zu empfangen. Der hat eine besondere heilige Macht. Jedoch warteten die Landleute nicht in andächtiger Stille. Sie standen in Gruppen lachend und schwatzend unter der strahlenden Maiensonne, die sich in glitzerndem Ge-schnür, in seidenen Tüchern und Bändern, in den goldenen Borten der Prienerhüte spiegelte. Es war ein farbenfrohes, heiteres Bild, das eher die Erwartung zu einem Volksfeste verriet denn zu einer Andacht. Die Burschen äugten nach den Mädeln; die steckten die Köpfe zusammen und kicherten mit zwinkernden Augen unter ihren Tüchern; die Alten besprachen das Wetter, die Politik und die kommende Ernte; und die Weiber klagten sich ihre Not über Hühner und Dienstleute. Wenige gedachten des jungen Priesters. Der Schellmooser 9Eroer tat es und er sagte zu seinem Freund, dem Praxentaler Alois: „Von heut an ntüaß ma eahm chochwür-diger Herr' sagen. Mei Liaber, dös hätt si vor zehn Jahr koans von uns träumen lassen." Der Alois verkniff das linke Auge: „I woaß noo guat, wie ma mit eahm graust habn, daß d' Fetzen nur so gflogn san. 'krament noo amoi — und heunt?" „Derfst beichten zu eahm gehn. Dir werd's glei not tun, Aloisi", lachte der Taver und stieß seinen Freund mit dem Ellbogen in die Weiche. „Zu insern Herrn Kooprater. No, i moan, garaus z' streng werd der net sein mit uns." Dem Alois stiegen Bedenken auf. Seine Sünden liefen an ihm vorbei. „Sag dös net. Die amoi die größten Gangerln waren, die merim die besten Bet-brüader." Der andere zog die Schultern hoch und blinzelte aus seinen Schalksaugen: „Glaub's net. Er schaut net so her. Grad ! lustig is er und die Hand hat er mir glei druckt, daß d' Finger kracht habn. Naa, Freund, der is der richtig Geischtli noo net wordn." „Tean ma grad abwarten, was kimmt", widersprach Alois, dem eine kurze Beichte schlimmer schien als ein Jahr Arbeit. „Es hat ft noo a jeder gwandelt, bal er das schwarze Röckei anzogn hat." „Aber der Franz werd a Ausnahm sein. Werst es schoo sehgn." Sie verstummten und mit ihnen die ganze Schar schwatzender Menschen. Vom Adlerhügel krachte ein Böllerschuß. Sein Echo brach sich an den Bergen und Wäldern. Und die alten Glocken läuteten mit frohem, Hellem Klingklang dem Franz Eisen-bichler, Kohler-Sohn vom Bärnmooserberg, zum ersten Schritt an den Altar des Herrn. Der junge Priester kam vom Berg herunter. Der Dekan und der Pfarrer Birn-bacher, dessen weißer Wuschelkopf lustig in die Sonne lachte, begleiteten ihn. Hinter den dreien humpelte die alte Koh-lerin. Ihr ältester Sohn stützte sie, denn ihre zitternden Füße trugen sie kaum. In ihrem Herzen fieberte es, ihre Augen blickten demütig zur Erde. Aber aus ihrem Antlitz leuchtete die Gnade wider, die sie nun erfuhr. Ihr Tag war gekommen. * Der alte Kohler mußte diesen Tag nicht mehr erleben. Er ruhte längst in seiner Scholle. Weiß Gott, wie ihm zumute gewesen wäre. Franzens Gelöbnis an der Grindlwand hielt er. Er brachte ihn selbst in das Seminar. Aber in seinem freien Bauernherzen fraß der Wurm, als sein junger Wildfang, sein kleiner „Jaga", in den engen schwarzen Rock gepreßt wurde. In den Urlaubstagen fühlte er die Härte des Verlöbnisses. Er erkannte, wie die Seele seines Sohnes unter dem Zwiespalt litt. In den ersten Urlaubstagen war Franz jedesmal gottergeben; er harrte aus mit Beten und Kirchengehen. Doch schon in der zweiten Woche schlich er sich ins Holz, äugte und horchte nach dem Wild. Und längstens in der vierten raunte er seinem Vater heimlich zu: „Vater, i moan, der eine Bock..." Dem Vater schnürte es das Herz zusammen. Aber er krampfte seine Gedanken hinunter und lachte seinem Jungen zu: „Den holn ma uns, solang d' noo da bist." Und die Mutter sah die beiden mit Kümmernis auf die Jagd ziehen. Nur einmal mußte sich der Bauer von der Plage seiner Gedanken befreien. Sie saßen in der Nähe der Grindlalm auf ihrem Hochsitz. Nicht fernab der Stelle, wo der Sohn den Vater rettete. Da frug der Kohler leise: „Sag ma amoi, Franzl, wie gfallt's dir eigentlich im Seminar?" Franz kam die Frage unverhofft. Und ohne Ueberlegung sagte er die Wahrheit: „’s geht schoo, Vater. I gwöhn's." Der Alte prüfte ihn: „Woaßt, net daß d' amoi sagst: ..." „Frucktreten kann i aa nimmer", bekannte Franzl. „D' Mutter taat’s arg verschma-chen." „Ja, freili, d'Mutter", murrte der Vater. „Grad zwegn der muaßt du Geischtli werdn." Da sah Franz mit weitem Blick über seine Heimat hinweg und atmete den heiligen Hauch ein, der ihrer Schönheit entströmte. Ein leises Weh schlich an sein Herz, doch seine Seele befreite sich in dem Geständnis: „Dös alloans is net, Vater. I ghör aa hin. Und i werd's richtig machen." Der Vater spürte, daß die Mutter endgültig gesiegt hatte. So schloß er diese kurze Aussprache: „Nacha redn ma nimmer davon." An diesem Tage hatte den Bock sein Schicksal nicht ereilt. Er zog mit stolzem Schritt an den beiden Jägern vorbei. Noch in diesem Jahr starb der Bauer. Sein letztes Wort verhauchte in dem unerfüllten 'Wunsch: „Wär er doo a Jaga wordn. A Jaga..." * Nun lag er in dem kleinen Freithof unterm Adlerhügel. Er sah nicht mehr, daß sein Bub mit frohen Augen seinem ersten Meßopfer entgegenschritt. Groß und aufrecht stolzte er einher, ein rechter Sohn seiner Bergheimat, dem ein unbekümmertes, heiteres Leben von den gesunden, braunroten Backen lachte. Und in seinen dunklen Augen spiegelte sich die Freude und Dankbarkeit für das Erleben dieses Tages. So kam er vom Berg und schritt durch die harrenden Beter dem frühlingsgrünen Altare zu. Die Menschen neigten die Knie vor ihm und beugten die Häupter. Nicht ganz. Gerade so viel, daß die Augen die große, schöne Männergestalt erfassen konnten. Sintemalen die Mädeln und die Burschen mußten versteckt nach ihm schielen. Die einen, weil sie Mädeln sind, und die Bur- „Pferdchen, lauf Galopp!" Die Tantal in der indischen Provinz Bengalen haben den merkwürdigen Brauch, bei Hochzeitsfeiern das Holzpserd zu besteigen und beim Klang der Tronipeten eigenartige Tänze aufzuführen. Die Trompeten sind so lang, daß sie mit Bambusstecken gehalten werden muffen. (Fides-Foto.) scheu, weil in ihnen der Dorfgeist scharrte: „Der is einer von uns. Unser Kooprater, der Kohler-Bua." Den Frauen entging dies alles nicht. Und so raunte hinter dem jungen Priester ein Tuscheln und Zischeln. Aus dem verrauschte immer wieder ein Wort in die Maienluft: „Unser Kooprater." * Der hüllte sich in die Hellen Meßgewänder. Sein Menschliches verschwand unter ihnen. Die Menschen schwiegen. Die Andacht der Stunde kam über sie. Der Primiziant stieg auf die Stufen des Altars. Langsam, gemessen, beherrscht, wiewohl sein Herz heftig schlug und die gefalteten Hände leise aneinander zitterten. Er hielt zuerst den Blick gesenkt. Als er aber am Altare stand, fühlte er, wie eine innere Gewalt seine Augenlider hob, und er mußte in seine Landschaft, in seine Heimat blicken. Da sah er die Berge, sah, wie die sonn-umfluteten Gipfel in den Himmel lachten; wie die grünen, weiten Wälder, einer mächtigen Danksagung gleich, ihre Wipfel vor dem Schöpfer neigten. Er ahnte zwischen den Felsen die Tiere, die in ihrem unbe- wußten Sinnen ihrem Gott auf ihre Weise dienen. Und er hörte das helle Trillern der Schwalben, die zur deutschen Sonne heimkehrten. Von weit her schlug der Frühlingsruf eines Kuckucks an sein Ohr. So mußte sein junges Blut das junge Leben spüren, das um ihn zur Sonne trieb und sich nach Liebe sehnte. Und unter ihm standen die Kinder dieser Heimat: harte, hölzerne Gestalten, herausgewachsen aus ihrer Erde wie die strunkigen Stämme der Wettertannen, bärtig und fonngcbräunt; und Frauen, bauschig-runde und zierlich-schlanke, frohe und vom Leben zermürbte, andächtige und neugierige, Ma-donnenantliße und Hexengesichter. Aber ein Wesen verband alle: die Heimat. Franz hatte schon Wochen vorher eine schöne, fleißige Erstlingspredigt eingelernt. Mit viel Mühe und vielem Kopfzerbrechen. Mit feinen Zitaten aus der Heiligen Schrift und salbungsvollen Worten. Er überwand einen schnürenden Druck in der Kehle und begann, indem er mühsam die Gedankenfolge in seinem Hirn in Ordnung brachte. Ihm klang seine Stimme fern. In einem Nebel verblaßte sie. Und plötzlich zerfloß auch das lebensfrohe Bild um ihn. Die Stätte seiner ersten Priesterworte wurde leer. Eine unheimliche Hand drückte sein Herz zusammen, preßte sein Blut, bis es aufschrie: „Sprich doch, wie deine Berge rauschen!" Da fielen die wohleingelernten Gedanken non ihm ab. Sein Herz öffnete sich. Daraus rieselte das Blut, das diese Erde gebar, und sprach zu dem blutvollen Leben, das unter seinen Stufen stand. Nun erst begann Franz Eisenbichler seine ungelernte Predigt. Und rief die Worte in die Landschaft, die er sagen mußte: „Da oben auf der Grindlwand habe ich vor zwölf Jahren unsern Herrgott angerufen. Er hat mich erhört und seine Gnade streifte mich. So darf ich heute auf diesen geweihten Stufen stehen und ihm danken für die Fülle der Gaben, die er über mich streute. Denn es ist eine große Schenkung, daß ich inmitten dieser Berge und Wälder, inmitten dieser ewigen Schönheit einer gesegneten Landschaft zu euch Lieben sprechen darf. Ich horche hinein in die großen Geheimnisse, die der Allmächtige für uns geschaffen hat. Ich horche demütig und glaube das ewige Rauschen zu hören, das aus seiner himmlischen Kraft strömt, der die Erde entwuchs. Eure Heimat und ihr! Ihr wurdet die Krönung in seinem Schaffen. Und weil ihr dies seid, so müßt ihr sein Werk auch erkennen! Mit jedem Schritt, mit dem ihr über eure Scholle schreitet, müßt ihr fühlen, wie gnädig der Allmächtige war, daß er euch solch eine Heimat schenkte. Laßt nicht ab, ihm dafür zu danken. Wenn ihr emporblicket, so wisset: Wohin immer euer Auge schweifen mag, wohnt Er, der allmächtige Vater im Himmel und auf Erden! Dann sinkt in die Knie, hebet die Hände zum Himmel, ruft euern Gott an, um ihm zu danken: Du hast uns diese Berge geschenkt! Du hast uns diese Wälder geschenkt! Du hast uns diese Heimat geschenkt! O mein Gott, laß dir tausendfach danken... Amen!" Das griff ■ den Bauern ans Herz. Ihre Augen leuchteten auf, ihre Münder standen halb offen und ihre Hände griffen fester in die Hüte. Manch einer blickte seinen Nachbar an, nickte stumm und der andere verstand: „Ja, hast ghört?! Insern Kooprater! ®’ Hoamat lobt er! Dös laßt si hörn! 'n Herrgott amoi für d' Hoamat danken! So schön hat dös noo koaner gsagt!" Und Pfarrer Birnbacher lächelte zu den Worten seines jungen Hilfspriesters still in sich hinein: „Du wirst mir der rechte Kooperator. Bei dir werden die Bauern gern katholisch sein. Wenn es auch ein bißl heidnisch klingt, was du uns da gesagt hast. Aber wo hört bei meinen Bauern das Heidnische auf und wo fängt das Katholische an?" Doch der strengere Herr Dekan zog mit leichtem llnwillen die Lippen herab und seine Augen drohten dem Prediger. Das sah der sehr aufmerksame Viktualienhändler Simon Grießenböck. Den Anfang der Predigt hörte er mit schiefgeneigtem Haupte, andächtigen Augen und mit einem süßen Lächeln um die Mundwinkel. Dabei forschte sein Blick unablässig zwischen dem Primizianten und dem Dekan hin und her. Wenn dieser zu den Worten langsam nickte, so tat es Grießenböck auch. Und wie der Dekan erstaunt aufhorchte und seine Lippen sonderbar verzog, da nahm der Kaufmann den Kopf zurück und drückte die Brauen zusammen. Er wollte nun genau sehen und hören. • Allmählich erkannte er den steigenden Unwillen des hohen Priesters. Damit begann sein Gesicht zu zucken, und als sich das Auge des Dekans immer mehr verdunkelte, neigte sich Grießenböck langsam, ohne mit dem Kopfe die Richtung zu verlieren, seiner Frau zu. Die fühlte ihn näher kommen und schob fast unmerkbar ihren breiten Oberkörper ihm entgegen. „Was hat dies mit einer Primiziantenpredigt zu tun?" „Ist halt ein Bauernsohn", wispelte sie zurück. „Er mirb’s mit den Bauern halten." „Man wird mit ihm vorsichtig sein müssen", zischelte noch Grießenböck. Dann kamen die beiden Körper wieder ins Gleichgewicht. Ihre Schwankungen hatte niemand gesehen. Doch als die Predigt vorbei war, die Menschen sich rührten, umwandten, schneuzten oder sonstwie sich aus der Ruhe befreiten, drehte sich auch Grießenböck nach allen Seiten um, um bei verwandten Seelen die Zustimmung zu seinem Mißbehagen zu finden. Er fand sie nur bei den Menschen, die nicht aus diesem Stück Erde stammten; bei solchen, die aus eiper Fremde kamen und keine bäuerlichen Seelen hatten; bei anderen Krämern und kleinen Handwerkern, die ein starres, gleichförmiges Beten gewohnt waren. (Fortsetzung folgt.) NEUE BÜCHER Verlag »Ars sacra« Joses Müller, München. Schuft!. 16°. Zwölf farbige Bilder und Vers-lein von Ida B o h a t t a - M o r p u r g o. In Geschenkausstattung RM. 1.30. 26 6. München 1938. In diesem Büchlein wird die Geschichte eines Hündleins erzählt, das wegen seiner äußeren Häßlichkeit verstoßen wird und nun auf dem besten Weg ist, ein rechter Tangenichts zu werden. Bei seinem Herumstrolchen auf der Gasse kommt eine schwere Versuchung über „EchUfti", aber er kämpft sich doch durch und macht dadurch sein Glück. Die Bilder sind recht ansprechend und humorvoll, nur kommen einem Zweifel, ob die „moralische" Kraft des „Schuft!" einer so schweren Prüfung wirklich gewachsen ist. Das Büchlein wird bei seinen kleinen Lesern sicher herzlichen Beifall finden. Licht aus dem Herzen des Gottmenschen. Von P. Alois Seid) er S. J. 8°. 64 Seiten. Kart. RM. 1. —. München 1938. In herzenswarmer Darstellung zeigt der Verfasser das Herz des Heilandes als den Lichtquell der Wahrheit, der Liebe und des Lebens. Eine Fülle herrlicher Gedanken für Gebet und Unterweisung wird geboten. Das Büchlein verdient im Interesse der Vertiefung der Herz-Jesu-Andacht weite Verbreitung. Der goldene Pflug. Novellen. Von Fanny W i b in e r - P ed i t. 8°. 128 Seiten. In Leinen gebd. RM. 3.50. München 1938. Die Titelnovelle greift zurück in die Zeit um die Iahrtausendwende und ist ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Scholle. Graf Hu-nig, Herr und Bauer zugleich, gibt seinen Acker preis, um aus seinen Erzgruben Gold zu gewinnen; er bringt Not und Leid über Weib und Kind und zerstört den Frieden seines Hauses. Das Gold bringt Unsegen, Tod und Verzweiflung, doch zuletzt kommt die Heimat wieder zu Ehren und aus ihr quillt Segen und Frieden. Von stillerer Art ist die Legende „Das Frauenbrünnl". Eine Prinzessin legt Macht und Reichtum ab, weist die Freier von sich und zieht hinaus in die Welt, um die Liebe zu suchen. Nach vielen Jahren irrer Wanderung, nach Enttäuschung und bitterem Leid findet sie endlich, siech und blind, die wahre Liebe bei einem Hirten. Hier ist auch das Drünnlein, mit dessen Wasser sie ihre Augen netzt und wieder sehend wird; hiemit ist ihre irdische Pilgerschaft beendet und ihre Seele öffnet sich der himmlischen Glorie. „Die Seele des Meisters" schildert die Tragik des schöpferischen Menschen. Niklas Schröl, der berühmte Steinmetz, kann ein Werk nicht vollenden, weil selbstsüchtige Liebe und Wohlleben seiner Seele Fesseln angelegt haben. Erst als er in die Einsamkeit flieht, zu seinem wahren Selbst wieder zurückfindet, und dann seine Seele ganz und ungeteilt in die Arbeit hineingibt, gelingt seiner Hand das vollkommene Werk. In diesen drei Novellen offenbart sich die fruchtbare Kraft der Dichterin, die die feinsten und die stärksten Saiten ihrer Kunst zu meistern versteht. Der .heilige Geist und der Mensch von heute. Von P. Bernhard Siebers M. S. C. kl. 8°. 36 Seiten und 8 Tiefdruckbilder. — Preis 40 JJ. München 1938. Das Büchlein sagt uns klar und schlicht, welches Uebermaß von Kraft und Hilfe wir vom Heiligen Geist erwarten dürfen, sagt uns aber auch, was der Heilige Geist von uns erwartet: Treue, mutige Gefolgschaft und Einsatz unserer ganzen Persönlichkeit. Jesus als Mensch. Von Heinrich Suso Braun 0. M. Cap. kl. 8°. 48 S. und acht Tiefdruckbilder. Preis 40 München 1938. Lebendig und überzeugend schildert der Verfasser den Menschen Jesus, den Knaben im Hause zu Nazareth, den Handwerker, die menschliche Erscheinung des Herrn, den Charakter des Menschen Jesus, der die Menschen liebt, besonders die schlichten und kleinen und die Sünder. Endlich sehen wir den Heiland im Gebet vertraute Zwiesprache mit dem Vater halten. Eine wertvolle Schrift, besonders für das katholische Volk, dem Jesus in seiner menschlichen Güte und Liebenswürdigkeit gezeigt und nahe gebracht wird. Matthias-Grünewald = Verlag, Mainz. Spuren des Daseins. Von P. Willibrord B e r k a de 0. S. B. Erkenntnisse des Malermönchs. 128 Seiten, mit einem Bilde des Verfassers. 8°. In Leinen gebd. RM. 3.30. Mainz 1938. Dieses neue Buch von P. Verlade ist eine Sammlung prächtiger Kernsprüche, die der seelenkundige, greise Beobachter der Welt in der stillen Zelle aus dem Reichtum und der Fülle seines Herzens darbietet. Güte und Humor, Gerechtigkeit und sachlicher Blick, lautere Frömmigkeit und geläuterte Klugheit des Herzens sprechen aus diesen Sentenzen zu allen seinen Freunden, zu allen strebenden und aufgefchlosscnen Menschen. Edgar kämpft sich durch. Seine Abenteuer zu Wasser, zu Land und in der Luft. Von Donatus P f a n nmülle r. 223 Seiten. 8°. In Seinen gebd. RM. 4.30. Mainz 1938. Edgar Born, ein lieber, schneidiger, kleiner Kerl gelangt früh nach Amerika, besucht dort die Schule, wird Automechaniker, erfindet einen Schalldämpfer, eilt nach Kriegsausbruch unter Ueberwindung verschiedener Schwierigkeiten ins deutsche Vaterland zurück und tritt bei den Lustschiffern ein. Seine Erlebnisse bei j TRtfftonefeminar j Ellroangen (Jagst) wurttbg. Aufnahme finden Knaben, die in der i Kongregation der fierj = 3efu=Söhne ! Priester werden wollen, fiöchstalter | für die erste Klasse der Oberschule 12 | Jahre, frühzeitige Anmeldung er- j wünscht. den Aeppelinfahrten sind überaus spannend. Die Schilderung des schönen Familienlebens, die Liebe zur deutschen Heimat, der Kameradschaftsgeist machen die Lektüre wertvoll. Das Buch ist sehr frisch und lebendig geschrieben, erfüllt von gesundem Empfinden und unbeschwert von quälender Problematik. Verlag der Miffionsdrucherei St. Gabriel, Mödling bei Wien. Missionar in Neu-Guinea. P. Karl Morschheuser 8. V. D. 1904—1934. Aus seinen Briefen, zusammengestellt von Fritz Borne-m o n n 8. V. D. 175 Seiten. Broschiert RM. —.90, in Leinen RM. 1.50. 1938. Das Büchlein gewährt einen ganz unmittelbaren und äußerst lebendigen Einblick in die seelische Welt eines jungen Mistionars, der in einem verlorenen Winkel der Erde, im ehemaligen Deutsch-Neu-Guinea, für Jesus Christus und sein Reich auf Erden arbeitet, betet und opfert. Schließlich muß er in der Blüte der Jahre das größte Opfer bringen. Auf dem Bismarckgebirge machte P. Morschheuser mit einem Mitbruder eine weite Erkundigungsreise, feindselige Eingeborene schießen mit Pfeilen auf die Reisenden. Von zwei Pfeilen getroffen bricht der junge Missionar zusammen und stirbt nach wenigen Minuten in den Armen seines Begleiters. Einer von den vielen, die still und unbeachtet ihr Leben dem Missionswerk geweiht haben. Er rang um das Ideal eines Missionars, er bemühte sich unverdrossen, die schweren Pflichten seines Berufes treu zu erfüllen — für Christus und die Seelen, er liebte die Statur und den Sport, seine Familie und die deutsche Heimat. Inhaltsübersicht: Die große Fahrt — Der Urwaldkaplan — Licht den Heiden — Pionier an der Front —• Ich will Priester werden — Aber Mensch bleiben. Allen Missionsfreundcn können wir das Büchlein warm empfehlen. Verlag Styria, Graz. Das große Ja. Das Leben und Sterben eines Helden. Erzählt von H e l e n e Ha l u f ch k a. 73 Seiten. Preis RM. 2.10. Graz 1937. Ein kleiner Held war dieser Toni Gallenstein aus der Pfalz (1923—1935), dessen Leben Helene Haluschka hier schildert. Es ist die Geschichte eines kranken Knaben, der seit dem zweiten Lebensjahr nicht mehr auf den Beinen stehen kann und im Krankenstuhl und auf dem Schmerzenslager sein Leben zubringt. Wie dieser Bub sich bemüht, seinen Eltern Freude zu machen, wie er unter seinen Altersgenossen ein hilfsbereiter Kamerad ist, vor allem aber wie er betet und seine schwere Krankheit nicht nur geduldig, sondern freudig erträgt aus Liebe zu Jesus; wie er in dieser Liebe' wächst und erstarkt und endlich mit dem Namen „Jesus" auf den Lippen hinübergeht in eine bessere Welt, erzählt uns die bekannte Dichterin mit mütterlich zartem Empfinden. Verlag Laumann, Dülmen (Westfalen). Komm, Herr Jesus! Blätter für Beicht- und Kommunionkinder. Herausgeber Kaplan Dümpelmann. Mit Holzschnitten der Ursberger Kunstwerkstätten. Ein Jahrgang = 12 Nummern einschließlich Mappe 60 (bei 50 Exemplaren je 55 bei 100 Expl. je 50 4). 1938. Die siebente Folge dieser Blätter für Beicht-unib Kommunionkinder hat ihren seitherigen Titel „Jesulein, komm herein" geändert. Sonst aber hat sich der Herausgeber an den bewährten Aufbau der früheren Jahrgänge gehalten und so wird sich gewiß auch dieser 7. Jahrgang viele Kinderherzen erobern. Antonius = Verlag, Breslau 26. Die Ablaßschätze der heiligen Kirche für Welt-und Ordensleute. 2. Auflage. Von P. Georg Simon 0. F. M. kl. 8°. 144 Seiten. Kart. RM. —.30. 1938. Das Büchlein will die Gläubigen mit den vielen Neugestaltungen im Ablaßwesen bekanntmachen, die in der letzten Zeit vom Apostolischen Stuhl vorgenommen worden sind. Der zweite Teil bietet eine reiche Auswahl volks-,n tümlicher Ablaßgebete. Die Sammlung gründet sich auf das authentische Ablaßverzeichnis der römischen Kongregation für das Ablaßwesen „Pieces et pia opera". Tagesparole. Betrachtungsgedanken für jeden Tag des Jahres. Herausgegeben von Dr. P. Erwin Schiprowski 0. F. M. kl. 8°. 85 Seiten. Gebunden RM. 1.20. 1938. Das Büchlein ist für den Vielbeschäftigten gedacht. So sind hier kernige, wertvolle Aussprüche tiefer, innerlicher Menschen gesammelt, die uns den Tag über Nahrung zum Nachdenken geben und Wegweiser für den Lebensweg sein können. Der Priester. Eine Primizpredigt. Von Pater H a r t m a n n - K a u f f n e r 0. F. M. kl. 8°. 20 Seiten. Kart. RM. —.20. 1938. Diese eindrucksvolle Predigt, gehalten im Dom zu Breslau, ist eine knappe, aber ausgezeichnete Darstellung vom Wesen und den Aufgaben des Priestertums. Sinter mann. Herzlichen Dank und inniges Vergelt’s Gott allen unseren lieben Lesern und Wohltätern, die den Bezugspreis des »Stern der Neger« für 1939 schon eingezahlt haben! für ihre Treue und Liebe, für die Anteilnahme und die opferbereite und gütige Mithilfe möge der göttliche Heiland ihnen alles reichlich mit Gnaden und Segen vergelten. In dieser Meinung beten jeden Tag unsere Missionäre und unsere Missionsjugend. Verwaltung des »Stern der Neger« Miffionehaue Jofefetal beiEllroangen (Jagst), Württemberg.