Nr. 27. Freitag, 1. Februar 1889. 108. Jahrgang. Aibacher Zeitung. .— ,,«,U""u«,»«prtl«: »tlt Poftverilnbunll! «»n»<ührl« fi. l», halbj«hl'N!«at« bi« ,u 4 Heilen 2» kr., «lößc« pei Heile « ll,z bei öftercn Wiederholungen p«, »seile » lr. I lo bi« i» Uhr vormittag«.— Nnsl- eil,.^^. Herrscherhaus und die Monarchie sind von Kto" ."'Mtternd harten Schlage betroffen worden, btm L.s.^ ^^zherzog Rudolf ist ganz unerwartet aus alters - ^Meden. Beim Beginne des ersten Mannes» reichz' '? °" Iillle der Iugendkraft, musste Oester- ches it^ ^" Thronfolger sein Dasein beenden, wel. Etdtb?il /'"^ weltgeschichtliche Macht, ein über unseren bethieb a?"'" reichendes Ansehen unb große Erfolge greift dp? ^ "schulternde Wendung! Wieder einmal alle zn"!- ° '"'^ rauher Hand in ein Leben ein, das zu tr"a,n A""" °es Glückes und der Dauer in sich ^reiatli« V?k"; neuerdings zeigt uns ein tragisches sehe« ,,«. ' °" Mächtigsten der Erde denselben Ge. Atmen "^" lind wie die Aermsten unter den Geiste^°"^"z ^"bolf war ein mit den Gaben des ^ relcd a»«^«..^ ^^^^ ^,^^^ ^^ Siun für Wissenschaft, Kunst und Literatur die Verehrer des Schönen nnd Guten mit den besten Hoffnungen für die Zukunft erfüllen dürfte. Er gehörte ganz und voll der neuen Zeit an, deren großartige Leistungen auf allen Gebieten des menschlichen Wissens in ihm einen begeisterten Verehrer fanden; er besaß ein feines Ver- ständnis für die intellektuellen Bedürfnisse des Staates und der Grsellschaft. Selbst mit einer vortrefflichen Bildung ausgerüstet, trat er überall als Förderer der bildenden, aufklärenden Bestrebungen auf, und sein Name glänzte an der Spitze vieler hervorragenden Unternehmungen, mit denen Oesterreich seine Gleich- Wertigkeit auf dem Gebiete der europäischen Cultur darzutnun erfolgreich bemüht war. So lange ein österreichisches Herz schlägt, wirb man den 30. Jänner als einen furchtbaren Unglücks- tag bezeichnen. Er entführt uns nicht nur einen jugend- lichen Prinzen, dem die Hoffnungen aller Völker dieser weiten Monarchie entgegenschlugen und der die Liebe aller Volksstämme in seiner Person vereinigte, sondern gleichzeitig einen Freund aller Künste, einen Bewunderer der Wissenschaften und einen bedeutenden Gelehrten auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. Aus diesen Fac» toren entspringt der moderne Zeitgeist, und sie waren es vor allem, welche den unglücklichen Fürsteu auf die Höhe jener freien und geläuterten Weltanschauung empor, hoben, von der aus ihm das unbefangene Urtheil in allen Fragen des Lebens und der Politik zugebote stand. Geboren am 21. August 1858 als der einzige Sohn unseres Kaisers und der Kaiserin Elisabeth, hat der Verstorbene das 30. Lebensjahr nur um weuige Monate überschritten. Der dahingeschiedene Erzherzog genoss, Dank der Fürsorge seines kaiserlichen Vaters, einen gründlichen und vielseitigen Unterricht. Die mili» tärischen Studien waren ihm bald eine freundliche Pflicht, die Naturwissenschaften eine Art Leidenschaft geworden. Dass darüber weder die philologische noch die politische Arbeit in den Hintergrund treten konnte, verstand sich bei der hohen Stellung des Prinzen von selbst. Am 24. Juni 1877 mündig erklärt, trat Kronprinz Rudolf am 23. Juli 1878 beim 31. Infanterie-Regi mente in den activen Kriegsdienst, avancierte im Sep- tember 1888 zum Generalmajor und gleichzeitig zum Contre>Admiral. Am 6. April 1881 zum Commandanten der 18. Infanteriebrigade in Prag ernannt, rückte er 1883 zum Feldmarschall. Lieutenant, beziehungsweise Vice-Admiral vor und übernahm die 25. Truppendivision. Im Jahre 1887 wurde er unter Beförderung zum General.Feldzeugmeister mit dem Eeneralinspectorate in der Infanterie betraut. Er war Inhaber des Infan. terieregiments Nr. 19, des Uhlanenregiments Nr. I und des Feldartillerieregiments Nr. 2, Chef des preußischen zweiten brandenburgischen Uhlanenregiments Nr. 11. Chef des russischen Sevski'schen Infanterieregiments Nr. 34, Inhaber des banischen schweren Reiterregiments Nr. 2 und General ü Ia «uils des preußischen Kaiser« Franz Garde-Grenadierregiments. Die Universität Wien hat ihn mit Rücksicht auf seine hohen Verdienste um die Wissenschaften zum Ehrendoctor der Philosophie ernannt. Am 10. Mai 1881 wurde in Wien unter Ent- faltung des ganzen Pompes, der einem alten Dynasten- geschlechte zugebote steht, aber unter der gleichzeitigen Herzenstheilnahme aller Oesterreicher und aller Ungarn — denn der Verstorbene war ein Liebling beider Theile der Monarchie — die Vermählung mit der belgischen Prinzessin Stefanie gefeiert, die nun nach kaum achtjähriger Ehe von einem fo furchtbaren Schlage getroffen wird. Ans der Ehe des Kronprinzenpaares ist nur ein Kind, die am 2. September 1883 geborene Erzherzogin Elisabeth, entsprossen. Die Thronfolge geht demnach auf den ältesten Bruder unferes regierenden Kaisers, auf den Herrn Erzherzog Karl Ludwig, über. Erzherzog Karl Ludwig, geboren am 30. Iuii 1833 — drei Jahre jünger als der Kaiser — ,st General der Cavallerie und Inhaber des Uhlanen-Regimentes Nr. 7 in der kaiserlichen Armee. Er ist gegenwärtig zum drittenmale vermählt mit der Frau Erzherzogin Maria Theresia, einer portugiesischen Prinzessin. Aus dieser Ehe stammen nur zwei Prinzessinnen, welche sich noch in sehr jugendlichem Alter befinden. Die männliche Nachkommenschaft des Erzherzogs Karl Ludwig stammt aui dessen zweiter Ehe mit einer am 4. Mai 1871 verstorbenen Prinzessin von Sicilien. Der Erstgeborene ist Erzherzog Franz Ferdinand, ge- boren am 18. December 1863 zu Graz. Major im Dragoner-Regimente Nr. 4. Um zwei Jahre jünger ist sein übrigens gleichfalls zu Graz geborener Bruder Erzherzog Otto, der seit 1886 mit der sächsischen Prinzessin Maria Iosefa vermählt ist. Es sind uns ferner folgende telegraphische Nach- richten zugegangen: Wien, 31. Jänner. Das «Fremdenblatt' schreibt: Dort, wo der Thronerbe im Familienkreise viele schöne, glückliche Tage verbrachte, ist er und mit ihm die Hoffnung der Völker Oesterreichs dem Leben und dem Feuilleton. Südllavische Frauen.* ^e>" aew^Ä^"'" °^ vorliegenden Werkes ist von ^loatin?« romantischen Nimbus umgeben: Sie ist Maiierin " ^blttl' Belgierin nach ihrer Heirat. ? Ader. V 'b"l" Wohnsitze und Deutsche mit ?^ sie ül« ^ t""U allerdings dem Interesse, wel« "„flößt, eine ganz beson- V" rumantil^ "^ sie <", sich selbst jedoch bedarf nicht; ihr Talent allein Aschen n,?»' ^ ^ b'e Dinge mit dem Geiste, die ^ sie in in^H"^" durchdringt und ansfüUt. ^ allein OMF^" erscheinen, 'n der nnr die .5 Natur w^ '«^ 5.""° bedanke erregt. Sie gebraucht Ue Lied der A» c^""'l"t' °"f welchem sie das ?chllderuna ^ ^-"Unliebe erklingen lässt. Keine N^' sie unt^'""^"" entnommen, ist ihr Selbst- ^"'Wichen ""net jeden Zauber der Anmuth des «^ 3lau zwnss l l- w; .denken aeb//?. ""°"^« auch Philosophiu-. ^!^Scha^ auf das Wesen des wahrhaft He., 2'^ kann sie I ^"""'2 des wahrhaft Schönen ist. ^sie erbebt A"'' "°s "'cht ^gleich durch ein ^7^—" "' D'e Welt kann sie bei all ihrer "°pch 188 Prinzessin Stephanie hängt; auf dem Schreibtische lagen Nquarellzeichnungen, Bücher, eine große Mappe mit Bauplänen und zwei uneröffnete Briefe. Hofbeamte, kaum aus Wien angekommen, nahmen sofort ein Pro» tokoll auf und versiegelten die Briefschaften und Papiere. Hofburgpfarrer Mayer segnete die Leiche ein, deren Kopf auf zwei Polster gebettet ist. Die Züge des theueren Todten zeigten nicht die geringste Veränderung. Der Fourgon zur Ueberführung der sterblichen Reste von Meierling nach Baden wurde von der Badener Stadtgemeinde beigestellt und war von Gendarmen escortiert. Der Zug sehte sich um halb 8 Uhr in Be» wegung und traf um V<9 auf dem Badener Bahnhöfe ein, wo eine ungeheuere, lautlose Menschenmenge den geliebten Kronprinzen mit ehrfurchtsvoll entblößten Häuptern begrüßte. Prinz Philipp von Coburg traf um halb 10 Uhr in Wien ein. Abends sind Erzherzog Franz Ferdinand aus Prag, Erzherzog Otto, Erzher- zogin Maria Iosefa, letztere in tiefer Trauer, aus Brunn in Wien eingetroffen. Die Ankunft der übrigen außer« halb Wiens weilenden Mitglieder des Kaiserhauses steht unmittelbar bevor. Wien, 31. Jänner, 2 Uhr 30 Minuten. Das «Neue Wiener Tagblatt» meldet: Kaiser Franz Josef zeigte sich, nachdem er mehrere Stunden allein im Arbeitszimmer verweilt hatte, beim Empfange der nachmittags zur Condolenz erschienenen Mitglieder des Kaiserhauses sehr gefasst und gab seiner Gottergeben, heit in rührenden Worten Ausdruck. Die Kaiserin musste sich in den Nachmittagsstunden zu Bette be« geben. Die Erzherzoge Karl Ludwig und Albrecht ver« ließen in tiefer Erschütterung, hörbar schluchzend, die Hofburg. Prinz Leopold von Baiern und Prinzessin Gisela trafen um 6 Uhr morgens auf dem Westbahn« Hofe ein, auf welchem der Kaiser zu ihrem Empfange erschienen war. Als der Prinz und die Prinzessin den Waggon verließen, eilte der Kaiser auf sie zu. beide wiederholt unter Thränen umarmend und küssend. Prinzessin Gisela war aufgelöst in Schmerz. Die Pas- sagiere verließen den Zug erst, nachdem die Begrü« hung der Allerhöchsten und höchsten Herrschaften be- endet war. Aus Gmunden trafen Herzog Philipp und Herzogin Maria Theresia von Württemberg mit Kin- dern ein. — Der Männergesangverein, welcher sein Earnevalifest absagte, tritt heute zu einer Plenar- Versammlung zusammen, um über eine Condolenz« kundgebung zu beschließen. Die Verkehrswege, die aus den Vororten zur Hofburg führen, sind von ungeheueren Menschenmengen durchwogt. Die Trauerbeflaggung Wiens schreitet zusehends fort. Wien, 31. Jänner, 3 Uhr nachmittags. Die «Wiener Zeitung» schreibt: Der entsetzliche Schlag ist zu jäh erfolgt, als dass man die furchtbare Größe des Verlustes, den die Dynastie und das Neich, ja die Welt erlilten. schon jetzt völlig überblicken könnte. Möge das erhabene Kaiserhaus in der allgemeinen Trauer um den Dahingeschiedenen Trost finden. Die «Neue freie Presse» erklärt: Alle Völker. Stände und Classeu haben Grund, ihn zu beweinen; am meisten verlor aber das arbeitsame, intelligente Bürgerthum. Kronprinz Rudolf halte ein offenes Auge für die Fragen unserer Zeit; seinem großmüthigen Herzen giengen die Gebre- chen der Gesellschaft nahe. Sein Traum war das Glück der Völker, die er einst beherrschen sollte. In stummer Ehrfurcht blicken diese Völker zu ihrem Monarchen auf. diesem Helden auf dem Throne, dessen Martyrium das Bewusstsein einigermaßen erleichtern möge, dass Mil- lionen Herzen sein unnennbares Weh theilen. Das «Fremdenblatt» mahnt, über den eigenen Schmerz nicht derjenigen zu vergessen, die am härtesten getroffen sind: der edlen Gattin und erhabenen Mutter, vor allen des am schwersten getroffenen Kaisers. Die «Presse» gibt dem unendlichen Herzleid Allsdruck, womit jeder in dem mit dem Kaiserhause innigst verbundenen Oester- reich an der Bahre des vielverhelßenden, zu Bedeuten- dem veranlagten Fürstensohnes wehklagt. Das «Neue Wiener Tagblatt» hebt hervor, wie'der Kronprinz, ausgerüstet mit reicher Bildung seiner Zeit, seine Theilnahme allen Erscheinungen des öffentlichen Lebens zuwendete. Gemüth mit hellem Verstande vereinigend, stellte der Heimgegangene in seiner In- dividualität die zur höchsten Vollendung gediehenen guten Eigenschaften des Wiener Hausrs. Das «Wie< ner Tagblatt» betont die dem Verblichenen gewordene Mustererziehung: Er war ein Bild ritterlicher Ge< wandtheit und Geschicklichkeit. zugleich ein klarer Kopf und tiefer Denker, der in das Innerste der Volks- seele hineinblickte. Ein Stern erster Größe leuchtete am Horizonte Oesterreichs auf, der nun für immer erloschen ist. Die «Deutsche Zeitung» preist die außerordentliche Vollsthümlichkeit, die sich der Kronprinz, wiewohl er frei von Popularitätshascherei war, durch sein leutseliges Wesen erworben; sein Gedächtnis wird lange, lange währen. Das «Vaterland» ruft aus: Alle weltlichen Gedanken treten heute für den treuen Oesterreicher vor dem Gebete zurück: Gott tröste den Kaiser, die Kaiserin und die erlauchte Witwe und verleihe dem früh Ab- berufenen die ewige Ruhe! Das «Extrablatt» sagt. den einzigen Trost in dem schicksalsschweren Augenblicke bildet der feste Zusammenhalt zwischen der Dynastie und dem Volke, der sich in allen Stürmen unlösbar bewährte. Auch die Provinzblätter aller Zungen: Czechische. deutsche, polnische, ruthenische. slovenische, serbische, italienische, bekunden den unbeschreiblichen Ein- druck der Trauerbotschaft in allen Gauen Oesterreichs und das volle Verständnis der geistigen Bedeutung des Dahingegangenen, ausnahmslose Würdigung seiner menschlichen Tugenden und tiefstes Mitgefühl für das schwer getroffene Kaiserhaus, dessen tiefes Leid nur durch den doppelt engen Anschluss der österreichischen Völker an das Kaiserhaus gemildert werden könne. Insbesondere lässt auch die Provinzpresse den poetischen Anlagen und schriftstellerischen Leistungen des Heim- gegangenen volle Gerechtigkeit widerfahren. Wien. 31. Jänner, 3 Uhr 15 Minuten. Z"l Sitzung des Wiener Gemeinderathes um 10 Uhr vor- mittags erschienen die Gemeinderäthe schwarz gell"»"' Bürgermeister Uhl hielt eine von den Versammetw stehend angehörte Anrede, welche die reichen Gellte»' gaben des Kronprinzen, seine Begeisterung für KlMI und Wissenschaft, seine tiefe, allumfassende vorurthms- lose Bildung hervorhob und den Trost Gottes für ^ Kaiserpaar und die verwitwete Gemahlin anruft un mit den Worten schließt: Sein Bild wird me au» unserer Seele schwinden, denn wir wissen, wie er »e Wien geliebt, was wir an ihui verloren. Gott sHUß unseren Kaiser. Gott schütze Oesterreich! Hierauf wur^ die Sitzung geschlossen. — Erzherzog Ferdinand «M vator und der Großherzog von Toscana sind au Salzburg hier eingetroffen. Wien, 31. Jänner, 5 Uhr nachmittags. S Wilhelm und Rainer und Erzherzogin Elisabeth " schienen später bei der Kronprinzessin, deren OemasY unmittelbar an das Todtenzimmer anstoßen, und g" gen sodann in das Todtenzimmer. Die Obduction "- Leiche findet heute statt. Nach einer bisher uubeE^ bigten Nachricht wäre das Leichenbegängnis für <"l woch anberaumt, doch sind definitive Verfügungen no / nicht getroffen. Sämmtliche heutige Clubsitzungen Abgeordnetenhauses wurden abgesagt uud finden morgen statt. ... Budapest, 31. Jänner. Die Hauptstadt glH einer großen Trauergemeinde. Die Wirkung der uny vollen Kunde auf die gesammte Bevölkerung H,. ^, nachhaltige. Alle öffentlichen und sehr zahlreiche P"v gebäude haben Trauerfahnen ausgesteckt. Die 2H ^, sind geschlossen. Die Börse war gestern und heute g"'" falls geschlossen. Die Sitzung der hauptstädtische« " neralversammlung wurde, nachdem der Ober-F^u meister in tief empfundenen Worten den sch""/ ^ Verlust des Vaterlandes mitgetheilt hatte, sofort ° > gehoben. Die gesammte Presse, ohne Unterschieb Partei, steht unter dem Eindrucke des herzerschiltter" Unglückes, welches durch das plötzliche Hwsche'de" .,,, Kronprinzen über die Monarchie und Ungarn ye^ brach, und geben sämmtliche Journale in ihren ^"^ dem allgemeinen Schmerze tiefempfundenen "U^ ^ Aus allen Theilen des Landes treffen Berichte e»n den tieferschütternden Eindruck, den die Trauen« allenthalben hervorgerufen. .,^ Trieft. 31. Jänner. Sämmtliche Morgenb"/^ wie das «Triester Tagblatt». «Adria», «"""" l« «Piccolo, ,c., erschienen mit Trauerrand und lM" dem verewigten Kronprinzen die theilnahms»""' Nachrufe. ,^e Dresden. 31. Jänner. Der königliche M «., infolge des Ablebens des Kronprinzen RuMI 13. Februar Trauer an. .^ München. 31. Jänner. Im Gemeindecolleg^ gedachte der Vorstand Schuttes in bewegten H' s.f, des erschütternden Hinganges des Kronprinzen Azch, welcher über das Kaiserhaus und das Voll Oei^^ schen und morgenländischen Kirche zieht die erste Scheidewand unter diese Menschen eines Stammes, und die Verfolgung ihrer Sprache durch die römische Macht unterdrückt auf lange ihren freien geistigen Auf- schwung. Schließlich müssen sie vor dem türkischen Joche fliehen, den Balkan mit einer neuen Völker« Wanderung belebend. Die Slaven werden zerstreut; sie sind kein Volk mehr. sondern Völker, die Einheit ist in Vielheit zer- brochen. Zurückgeblieben in der Civilisation, vermögen sie allerdings nicht durch hervorragende Individuali- täten, wohl aber durch die Bewegung der Masse die Aufmerksamkeit Europa's auf sich zu lenken. Sie tritt in den Culturkampf «wie eine ins Wogen gekommene, erstarrt gewefene Wasserfläche, von deren Wellen man noch nicht recht weiß, wo sie sich glätten werden, wo man sie zurückstauen, wo man ihnen neue Schleusen öffnen soll....» Frau Marlet sieht aber vertrauensvoll auf den Geist unserer Zeit und findet es unvereinbar mit seiner Ehre. den Freiheits-Idealen der slavischen Völker feindlich entgegenzutreten. Sie ist der festen Ueberzeugung, dass die mitteleuropäifchen Staaten ihnen dazu behilflich sein werden, ihre Wiedergeburt zu feiern, auf dass es längs den Ufern der Donau bis hinab zum blauen Bosporus, trotz Islam. Mongolen» und Tartarenthum, immer lichter und lichter werde. . . Vom Gefühle reinster Humanität getragen, verlieft sich nun die Versasserin in die gegenwärtige Welt der SiMaven. Si« beginnt mit Kroatien. Diese« Königreich siehe durch Geschichte und Religion der westlichen Cultur am nächsten. Hier habe sich die gewaltige Scheidung des orientalischen und occidentalischen Geistes vollzogen. Der Kern des altslavischen Familienlebens bestehe hier noch in seiner Reinheit, und dem entsprechend sei auch die Stellung des Weibes keine unwürdige. Die Verfasserin schildert nun die Kroaten nach ihren individuellsten Zügen, ihren Sitten. Anschauungen und der Art. sich zu kleiden. Als Bemerkenswertes wird hervorgehoben, dass die Kroatin in der Regel aus Liebe heiratet. Das trägt viel dazu bei, dass ihr Schicksal sich freundlich gestaltet. Der Kroate verachtet so sehr den Eigennutz, dass er seinen Besitz von jenem des Weibes durch nichts getrennt sehen will: Unter'm Dache, wo Mein und Dein besteht Ist das Herz nicht froh, Ist die Lieb' verweht. Hochzeiten gehören zu den Glanzpunkten des Lebens. In der Feier solcher Feste erkenne man den Geist des alten Slaventhums wieder. Frau Marlet schildert ein solches Fest, und wir müssen gestehen, dass ein idylli« scher Zauber aus dem Ganzen uns anmuthet. Die land« liche Kroatin zeichne sich durch leine besondere Schön- heit aus. wohl aber finde man diese in der vornehmen Welt Kroatiens. Hier gebe es Frauen, die nicht allein durch ihre südliche Anmuth, sondern auch durch feine Bildung entzücken. Dlese find es auch, die seit einigen Jahren die Bestrebungen der Kroaten, ihre Nationalität in Sprache und Literatur zu pflegen, mächtig unter- stützen. In Kroatiens «lömgucher Schwester. Dalmatien», sehe man ein Volk, das. von den ersten Za"b"AM orientalischer Romantik getroffen, der nüchternen n ^ lichkeit wenig Raum gestattet. Die Dalmatiner' ^ ein anmulhia.es Räthsel, das Jahrhunderte schu"^lle" interessanteste Erscheinung unter den DalmatlN" .^, sei die Bocchesin. In seltsamem Contraste zu lhr" ^ lichleit stehe der rohe kriegerische Gatte, der N<" ^ mals vor ihrer Schönheit beugt, höchstens vor ui .^ Nothwendigkeit. Die Verfasserin erzählt Wuno. ^ von den jungen Mädchen in der Bocca, namem^^ der Art. wie sie verlobt und verheiratet werve"-^ Brautstand ist reich an Poesie. Folgen auch "'Me^ chen fast ausnahmslos blind dem Willen lhrer ^ so finde doch die Liebe den reichen Herzenswn- ^ Marlet bringt eines der reizendsten VolMeor, mit «Liebeshandel» betitelt ist: Er: Sie: <.^? Willst du im Abendfchattcn Dafür soll ich dich "e Am Brunnen harren mein? DaS wird zu wemg ' Sie: ^r' irsi«F" Warum foll ich deiner warten, Ins Haar will ' Das wird zu wenig fein. Von Liebüsträumen ,"- Er: S»e: „age", Mein Lieb. ich will dir fchenlen Das lann mir "UFchtH Des Goldes hellsten Schein. MeinHeld. ichbr"^ " stl^ Der Brautstaat der Bocchesin sei e,n " ^ W orientalischer Flitterpracht. Auf dem Kopse "" MO" ein hoher Kegelbau, auS den eigenen Haa"" jacher Zeitung Nr. 27. 213 ,. ^rucu L89. ^""s schweres Leid und auch über das stamm- "wandte bairische Königshaus tiefe Trauer brachte. u^Allin. 31. Jänner. Der Kaiser fuhr gestern ""°""elbar nach dem Eintreffen der Trauernächricht "" "'lerreichisch-ungarischen Botschafter, um sein Bel» " auszudrücken. Der Botschafter wusste noch nichts. ans ^? ^^ Schmerze ganz überwältigt. Aald dar< u condolierten auf der Votschaft sämmtliche anwesenden AMN. die Großherzoge von Baden. Sachsen und ^ k ' Vvtschafter und Hofwiirbenträger. Kaiserin «uglllta entsendete den Obersthofmarschall Perponcher. de« 3""2burg. 31. Jänner. Der plötzliche Tod be?»i ?""zen Rudolf rief ungeheuere Sensation 9n?r^«w dem tiefen Milgefiihl gibt sich großes presse ftr die politischen Folgen kund. Obwohl die Mi m^ft erst abends eintraf, veröffentlichten die «^ glätter bereits Nekrologe. «Novoje Vremja» aen, Q ^ yroßeu Hoffnungen, welche der heimgegan- ,^^onprinz bei den Vollern Oesterreichs weckte. ^Wanm. spielt auf den Tod Friedrich« III. an ,'" °gt: Die Weltgeschichte wolle offenbar keine Philo. > Mn uuf Fürstenthronen. hf> , ^lin, 31. Jänner. Die Journale widmen dem Nllckr l Kronprinzen Rudolf die schmeichelhaftesten 3^">k- Dic «National.Zeitung, sagt: Die deutsche ()^".^chlleße sich innigst der Trauer der Völker Kion? ""' ""^^^ be" Sarg des unglücklichen ^ 'prmzen umstehen. Sein unermüdliches Streben und Weltanschauung berechtigte die ^"llylschen Völker zu den frohesten Hoffnungen und äsl" Aussichten. Die «Vossische Zeitung, sagt- Und °i ^"nprinz Rudolf der Sprosse des ältesten bar w "" 3luhm und Ehren reichen Kaiserhauses losla'l?'. derselbe doch von bürgerlicher Vorurtheils- M ^^^ lhm lehrte, bei den Menschen Wissen. TaM^ °^ ^ !ehen und zu achten. Das «Deutsche in ib, '/"st: So weit die Nationalitäten Oesterreichs l>liz^" ^"sichten. Bestrebungen. Sprache und Sitte ch» ^der gehe» mögen, in der Todtenklage um den Pechen !m teuren Kronprinzen finden sich Deutsche. e,n2- agyaren. Südslaven. Polen und Ruthenen "ylg und brüderlich zusammen, ber 3/^^b, 31. Jänner. Gleich nach Empfang plinz^uernachricht über das Hinscheiden des Kron- en ^"^ den Thronfolger, unser Kaiser einen «er. I^ e"nd. unser Vaterland einen warmen Anhä'n- ^reicki^I '^^' d°^ Präsidium zu ermächtigen, der Kücken H')"'6°rlschen Botschaft die Theilnahme aus- Allch« s!^ (Zustimmuug des Hauses, welches die An- ''-'^^anhörte.) Politische Uebelficht. (Verhandlungen des Reichsrathes.) Ueber den Verlauf der vorgestrigen Sitzung des Ab' geordnetenhausts berichtet mau uns aus Wien: Nach einer mehr als einmonatlichen Pause wurden hcnte die beiden Häuser des Reichsrathes wieder eröffnet. Das Abgeordnetenhaus zeigte die gewöhnliche Physiognomie, nur in der äußereu Ausstattung des Sitzungssaales ist insoferne eine Aenderung zu verzeichnen, als die Gall>- rien mit zwanzig prächtigen Glühlicht Candelabern aus- gestattet wurden. Die Abgeordneten fandcn auf ihren Sitzen einen ganzen Stoß von Druckforten vor: Re- gierungsvorlagen. Ausschussberichte und gedrilckle An- träge. Die meiste Beachtung wmde dem Gesetzentwürfe, betreffend die Statistik des auswärtigen Handels, dem Berichte über die Bruderladen, schließlich dem auiführ- lichcn. siebzehn Druckseiten umfassenden Referate über die Reichsrathswahl des Abgeordneten Dr. Bloch ge- schenkt. Das Haus war gut besucht, die Gallerten nur mäßig. Die Eröffnung der Session erfolgte um '^12 Uhr in der gewohnten Weise: Der Präsident gab das Glocken- zeichen uud erklärte die Sitzung für eröffnet. Dr. Smolka entledigte sich hierauf einer patriotischen Pflicht, indem er sich vom Hause die Ermächtigung erbat, anlässlich der Verlobung der Erzherzogin Valerie den Majestätei, und dem Brautpaare die Glückwünsche des Hauses dar- bringen zu dürfen. Dieser von Beifall begleiteten Kund» 1 gebung folgte die Angelobuug der vier neuen polnischen Abgeordneten: Ritter v. Czecz. Graf Poninsti, Ritter v. Kozlowski und Ritter v. Z ale ski. Eine weitere Mittheilung des Präsidenten bezog sich auf die elektrische Veleuchtuug des Parlaments. Die gestrige elektrische Probebeleuchtuug hat sich nach jeder Richtung bewährt. «Das Abgeordnetenhaus wird vou nun an,» meinte Dr. Smolka. «in der Lage sein, die etwa nöthi- grn Abendsitzungen bei vollständig gefahrloser Beleuch« tuug alihalten zu können.» Nach Erledigung dieses Gegen siaudes beantwortete der Minister-Präsident Graf Taaffe die in der vorigen Session gestellte Interpella- tion der Abgeordneten Dr. Roser und Genossen in- betress der Trinkwasser-Flage in Wien dahin, dass die Regierung in jeder Woche die Publication aller in Wien und den Vororten auftretenden Infectionblrauk' heilen veranlasst habe und dass ihr die zeitweise auf- getretene Vermehrung der Typhus-Erkrankungen nicht entgangen sei. Infolge drsfen wurde nach den Ursachen dieser Erscheinung geforscht, wobei es sich zeigte, dass die Sanitätsverwaltung von Wien schon seit Beginn des Jahres 1888 jedem einzelnen Typhusfall die vollste Aufmerksamkeit zuwende und alle nothwendigen Maß- nahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung ver- aulassle. Die Erklärungen des Grafen Taaffe wurden beifällig aufgenommen. Die Abgeordneten Schwab uud Genossen brachten hierauf eine Novelle zum Gefetz- entwurfe, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, ein, deren wesentlichste Bestimmung lautet: «Casseu- Mitglieder der vorstehend bezeichneten Orte, welche die Beiträge infolge eingetretener Erwerbslosigkeit nicht einzahlen können, behalten die Mitgliedschaft und mit derselben das Recht auf die Cassenleistungen durch mindestens sechs Wochen.» Das Haus schritt sodann zur Tagesordnung, das ist zur Berathung des Lager- hausgesetzes. Da« Referat erstattete der polnische Hof- rath Ritter v. Bilinski. In der General-Debatte sprach zunächst der Vertreter der Wiener Handels- kammer. Herr Neuber. der sich im wesentlichen für das Gesetz erklärte. Er bemerkte aber mit Hinweis auf die Petition der Gemeinde Wien, dass die Kaufmann- schaft einige Abänderungen wünsche, insbesondere in Bezug auf die Erleichterung der Concessionserlangung, auf das Verbot der Wareubelehnung und auf die Haftung der Lagerhausverwaltung. Der Abgeordnete Dr. Menger ist mit dem im Gesetze vorgeschlagenen Zweischein-System (Recepisse und Warrant), das sich schon in Frankreich und Belgien bewährt habe, einver- standen, kritisiert aber den vorliegenden Bericht und stellt eine Reihe von Amendements für die Special- Dcbatte in Aussicht. Es sprachen noch der Handels- minist er, die Abgeordneten Soch or und Hevera. Während der Rede des letzteren kommt die schreckliche Trauelkunde in das Haus: der Kronprinz ist gestorben. Die Sitzung wlirde sofort unter großer Bestürzung aufgehoben. (Neuer Vauernverei n.) Wie verlautet, wird in Spielfeld die Errichtung eines neuen Bauernvereines unter der Bezeichnung «Südsteirischer Bauernbund» vorbereitet. (Das Herrenhaus) beschloss, den Kaiser zur Verlobung der Erzherzogin Valerie zu beglückwünschen und drückte die Trauer über das Ableben deb Herzogs Max in Baiern aus. Die neuen Pairs! Landmarschall ttmeky, Franckenstein, Isbary, Ledebur und Schmidt leisteten die Angelobung. In die juridische Commission wurde Zicmialtowsli gewählt. (Reform der' Warenslatistil) Dem Ab- geordnetenhause ist soeben von Seile des Handels» ministers ein Gesetzentwurf über die Reform der Sta- tistik unseres auswärtigen Handels zugegangen, womit die Einführung einer statistischen Gebür verbunden ist. Danach sollen künftighin die auf diese Statistik bezug« nehmenden Daten, einschließlich jener über Provenienz uud Destination, bei den Zoll-, beziehungsweise Post- ämtern von denjenigen in besonderen statistischen Er- klärungen angegeben werden, welche die zollamtliche Declaration abgeben. Die statistische G^bür wird iu Stempelform geleistet und erstreckt sich nicht auf Tran» sitgüter und Postsendungen. Das Gesetz soll mit 1. Jänner 1890 in Kraft treten, und wird die ilen- tralstelle, welche mit der Verarbeitung und Publication der von den Zollämtern gelieferten Daten betraut werden soll, dem Handelsminister unterstehen. (Zur Schulfrage.) Beim Wiederbeginne der parlamentarifchen Campagne dringen allerhand Nach- richten über den zu gewärtigenden Schulgeseh'Entwurf in die Oeffentlichleit. In einer kürzlich stattgesundenrn Versammlung des katholisch-politischen Casinos in Ried hatte der Reichsrachsatigeordnete Dobelhammer mit» qetheilt, dass in der Schulfrage demnächst ein wichtiger Schritt bevorstehe, nämlich die von der Regierung im herrenhause einzubringende Vorlage. Nunmehr kommt auch aus Innsbruck die Bestätigung, dass der bevor- stehende Sessionsabschnitt des Reichsrathes für die Schul- frage eine Entscheidung bringen soll. (Localbahn Gleisdorf.Weiz.) Den Herren Dr. Anton Rintellen und Genossen wurde die Bewilli- gung zur Errichtung einer Actien-Gesellschaft unter der Firma: «Localbahn Gleisdorf.Weiz» mit dem Sitze in Graz ertheilt und deren Statuten genehmigt. (Reichsrathe wähl.) Zum Reichsrathsabge« ordneten für den Landgemeindenbezirk Prachatitz wurde an Stelle des Fürsten Schwarzenberg der czechische ^lgelh^. ^hene" lU"d v°" hundert spitzen Nadeln mit durch. ? dhren ?«"' und Goldtnöftfchen durchstochen. In 3'belblu" Hansen glitzernde Ohrgehänge, und zwei ?" vollen 5-^""" sich dicht daneben im Haare. lT^sol "Oberkörper umschließe ein rothsammtems >s.i^, beredeten Knöpfen, darüber hängt ein "" 'st 3 °^ Fraueu-Oberlleid. und um die Schul- ob das ^ U°?aesticktes Tuch gefaltet. 2°Henez -b. ^"^ über der Brust ein aus Silber lim ^berllei? «. < Uen deinen eingelegtes Herz. und l>M"Nande ^^""' die Ambrete, vier thalergrohe. U ^ K.!. ""bundene Silberplatten zusammen. Eine hM u,it k "ehrmals um den Hals geschlungen. N^lN G,5. l"^"aen Ende über die Brust hinab V" schau,!' ^"e zweite, an der ein haarscharfes ^hinah^.. gleite aus dem Gürtel bis über die n'l rothe '^e Füße stecken in rothseidenen Strümpfen ö^ldhla?^"^"' Der Pojas (Gürtel), aus Silber- ^n w: ," zusammengefügt, gürte das bocchesischc '>>lge d,^ laut nm ihr künftiges Glück. ^ ^Nen3!!. Segm der Eltern, der mit den ^?' dnsz M.'eßt: «Der Allmächtige füge es. meine " ^ «l« ,.? diese« Haus nie wiederkehrst, es "s lieber Gast!» Die Geschichte Dalmatiens war in ihren bedeutend- sten Epochen von schönen Frauen beeinflusst. Als Be- leg dafür berührt Frau Marlet folgendes historische Moment: In der Nähe Spalato's. wo sich einst die alte Hauptstadt Dalmatien«, das von den Avaren zer° störte Salona, neben dem Kaiserpalaste Diocletwns erhob, sehe man heute noch die Felsengruppe, in wel- cher sich die schöne blondgelockte Alexandra mit ihrem achtzigjährigen Vater Kajo vor der Aoaren Wuth ver- barg. Aus dieser Grotte trat die junge Römerin dem siegreichen Kroaten-Führer entgegen und bezwang den Helden durch die Macht ihrer Schönheit wie durch die edle Demuth, mit der sie sich mid ihren greisen Vater, deil letzten Sprosstn aus Diocletians Kaiscra/schlechte seinem Schuhe empfahl. Die Liebe Alexandra's war es auch, die den heidnischen Kroaten und sein gan^s Volk zum Kreuze belehrte, und die Hand, die ihm das schöne Mädchen zum Ehebunde reichte, versöhnte Dalmatiens Vergangenheit mit seiner neuen Zukunft. Doch bekeunt die Verfasserin, dass zwischen dem bocchesischen Volke und dieser Trägerin eines geschicht« lichen Momentes als verbindendls Glied die vornehme Dalmatinerin fehle. Die veredelten Frauenblüten auf Dalmalicus Boden seien italienischen Ursprunges oder aber doch schon von italienischem Geiste beseelt, daher sie auch die eigentliche südslavische Frau nicht mehr repräsentieren. Um die Spuren der letzteren weiter zu verfolgen, begibt sich Frau Marlet jenseits der dinarischen Alpen in die «ewigen Schatten der ,Crnagora'. welche ein hartes Framulos bergen». Denn wild wie die Fluten der Moraca und pfadlos wie die Gebirge seiner Heimat fei der Sohn der Schwarzen Berge. Nichtsdestoweniger gebe es in der Crnagora schöne Mädchen von weit- hin berühmtem Stamme, die hundert ober mehr Be» Werber finden. War einer in der Werbung glücklich, so tritt er aus der Hütte und feuert sein Gewehr in die Luft ab. Der Schuss hallt mächtig an den Bergen wieder, und wenn das Volk im Umkreise fragt: «Was war das?» so bedeute dann einer dem anderen: «Ein Glücklicher warb um die schöne Tochter des stolzesten Crnagorcen.» Auch hier sind Hochzeiten die wichtigsten Begeben- heiten des Lebens. Frau Marlet schildert sie in ihre» Details und versteht es, uns eben so poetisch wie cultur- historisch zu interessieren. Sie enthält sich jedoch vou jedweder Idealisierung, obschon ihre sämmtlichen Schil« derungen vom Lichtscheine des dichterisch Schönen um- woben sind. In der Ernagora liege das Feld de» geistigen Lebens und Strebens ziemlich brach. Auch im öffentlichen Leben, das in Montenegro nur in dem kleinen Kreise des Cetinjer Fürstenhofes eine glänzen- dere Seite entfalte, suche man vergebens nach bedeuten- den Frauengestalten. Die jungen Mädchen träumen in ihren Liedern von Entführungen durch Türken, die in früheren Zeiten häufig vorzukommen pflegten. Es spreche sich daiiu. sagt die Verfasserin, die Sehnsucht aus, über die Grenze der Schwarzen Berge zu kommen in die jen« seitige Wunderwelt, deren orientalische Pracht ihnen nicht unbekannt geblieben, als die Türken des benach- barten Bosnien sich bemächtigt hatten.