Nr. 12. December 1899. II. Jahrgang. Heöete um die Bekehrung der Lhamiten von Lentral-Afrika 51t erlangen. Beten wir für die unglücklichen Negervölker Central-Afrikas, daniit (Sott, der alles vermag, von ihren Herzen einmal den Fluch Cham's hinwegnehmc und ihnen jenen Segen verleihe, den man nur im Namen Jesu Christi, unseres Herrn und Gottes erlangen kann, O Herr Jesus Christus, alleiniger Erlöser des ganzen Menschengeschlechtes, der Du bereits herrschest von einem Meere zum andern und vom Flusse bis zu den Grenzen des Erdkreises, öffne erbarmungsvoll Dein heiligstes Herz auch den unglücklichsten Seelen von Central-Afrika, welche noch in der Finsternis und im Todesschatten sitzen, auf dass durch die Fürbitte der gütigen Jungfrau Maria, Deiner unbefleckten Mutter, und ihres glorreichen Gemahls, des heiligen Josef, die Negervölker ihre Götzen verlassen, vor Dir sich niederwerfen und Deiner Kirche zugesellt werden. Der Du lebst und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. G o r v e !p o n 6 e n Z öer Expedition. Eingegangene Geldsendungen, (Monat December,) Walburga Kroner, Regen, 8 M; Sr. M, Jldephonsa, O. Cist., Seligenthal, Landshut, 40 M-; Friedrich Wapienik, Graz 2 fl.; Johann Schwienbncher, Thierarzt, Bruneck 1.50 fl,; Alois SUintt, Pfarrer, Otz 1 50 ft.; Benedikt Brandt, 0. Praem., stud. theol., Innsbruck 1.50 fl.; Ursula Oberhäuser, Mühlbach 1 sl.; Leonhard Plaseller, Pfarrer, Mnhland 5 fl.; I. Grinzen-bcrger, Salzburg 2 fl; Mathias Zorn, Kesseling 80 M.; Johann Mähler, Expositns, Wald 2 fl.; E Zaruba, Pfarrer, Komornik 74 M. für hl Messen; P. Wilhelm Schmidt, O. 8. B., Wien l.50 fl.; Cäcilie Gärtner, Graz 20 fl.; I. Mangelberger, Pfarrer, Steinfeld bei Hos 1.50 sl; Dr. A. Michclitsch, k k. Universitätsprofessor, Graz 1.50 fl; Josef Schlichter, Professor, Brixen 10 fl.; Johann Kalan, Caplan, Stein 24 sl. für hl. Messen; Norbertusheim, Wien 1.50 fl.; Johann Godec, Caplan, Wocheiner-Feistritz 1.50 fl.; Anton Babel, Wcltpriester, Wien 1.50 fl.; Johann Weber, Krieglach 6 50 fl.; Jg. Dinkhauser, Lienz 5 fl ; Kilian Karner, k. k. Postver Walter, Lienz 1.50 fl.; Josef Kerndl, Urfahr-Linz 5 fl.; Martin Hansal, Wien 1.50 fl.; Anna Ennemoser, Algnnd bei Meran 21.85 fl ; P. Mantingcr, Pfarrer, Pflersch 2 fl.; Monsignor Jakob van Gils, Stadtpfarrer, Köln-Lindenthal 80 M. für hl. Messen; Johann Heiller, Gierath n. Rh. 3 M.; durch Anna Meckert, Buchhandlung, Oppeln 64.50 M.; Katharina Promegger, Bischofshofen —.75 ft.; Johann Scharfetter, Pfarrer, Walchfee i. Tirol 1.50 fl.; aus Lienz 3 50 ft; Hegemann, Caplan, Freckenhorst i. Wests 130 M. für hl. Messen. Iiesen und allen übrigen Waljlthätern sagen wir eilt herzliches „Mergett's An l!!' und Villen um weitere milde Habe» für unser Missionshaus. Messslipendien werden mit Dank zu gewissenhasler ZCersakviernng angenommen. Besondere Bitte: Unser Missionshaus ßrandjf für einen unserer Missionäre, der in der photographischen Runsi bewandert ist, einen photographischen Apparat (womöglich Ztativkamera-Format 18 :24 oder doch 13 :18). Mer von unseren Freunden will uns hiebei behiilflich sein? Man bittet die Abonnenten bei Einsendung des Betrages u. dgl. gefälligst die Schleifnummer anzugeben. Lrfchetnk ant (En5c jeSett Mortals. Wr. 12. December 1839. II. Jahrgang. Inhalt: An unsere Leser. — Die Bekehrung der Lseide (Gedicht). — Marien-Derein für Afrika. — Die Sendung Österreichs. — Das Ende des Lhalifen Abdullah!. Eröffnung des Sudan. — Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven: (0. Emmanuel Abeni; \\. Alois Kusu. —■ Reise der Bischariuen Alibu und Achmet in Europa (Schluss). All aufm sofft! imp it Beginn des nächsten Jahres wird der „Stern der Neger" nicht, wie ® bisher, am Ende, sondern am Anfange jeden Monates erscheinen. Wir bitten die P. T. Abonnenten um baldige Erneuerung des Abonnements für 1900. Der Preis beträgt mit Postversendnng fl. 1.50 (3 Mark). Der Herr hat allen zu Ehren seines heiligsten Herzens begonnenen Unternehmungen besonderen Segen versprochen. Unsere Monatsschrift dient der Sache einer Congregation, welche berufen ist, die Segnungen der göttlichen Liebe den ärmsten Völkern zu bringen und dem göttlichen Herzen Millionen von Anbetern im heidnischen Afrika zuzuführen. Es sei uns die herzliche Bitte gestattet: Jeder unserer Freunde und Abonnenten möge nach Maßgabe seines Könnens aus Liebe zum göttlichen Herzen und zu den armen Heiden Afrika's wenigstens einen Abonnenten mehr für das Jahr 1900 gewinnen. Die Redaction des Stern der Reger". CSSs Allen Unseren I re und en und Lesern wünschen tuiu Suaden- und fegeiisreicfie Hciluiaclilcii und 8iu Qtucliseliges leujnlir. Nie MeWrmg der Meiden. Gleich roic die IDtiibe sausen, Die lltccrcsroogcn brausen, Ertönt des Herren Stimme. Die Mächtigen der Erde Zermalmt sein Wort: „Es werde!" wie Staub in seinem Grimme. Der Ruf der Iüngerscharen, Die Ehristi Zeugen waren, Dringt ein in alle Tande; Sie spenden heil und Segen Auf allen ihren Wegen Und lösen jede Bande. verbannet Angst und Sorgen: Schon lacht ein b eff rer Morgen von Sions heil'gen Hainen. Schon glänzt die ew'ge Sonne Der ganzen Welt zur Wonne; Lasst ab von eurem Weinen! Ls kani euch zu erlösen Doni harten Joch des Bösen Der Herr von seinem Throne. D Rinder seiner Schmerzen, Ihm schenket eure herzen Zum ew'gen Dank und Lohne! Schwenkt froh die bunten Fahnen, Bestreut die Siegesbahnen lllit frischen, grünen Palmen. Lasst dankbar eure Lieder 3in Tempel hallen wieder, Lobpreiset Gott mit Psalmen. Bernhard Zorn, 5. d. h. £). imOirag Mßerwch F. |^8 ist bekannt, dass Kaiser Friedrich III., der Vater des letzten Ritters, überall als sein „Symboluin" die fünf Vocale anbrachte: A E I O U. Der grundgelehrte Lamberins zählte eine große Anzahl von Deutungen dieser fünf Anfangsbuchstaben auf. Manche davon sind noch heute nach vier Jahrhunderten im Volksmunde. Sie alle drücken die prophetische Überzeugung ans, dass Oesterreich zur ersten Weltstellung berufen ist und am Ende der Zeiten nach allen Entscheidungskämpfen als letztes der Weltreiche siegreich den Platz behaupten wird. In der That hat sich in der zweiten Generation nach Friedrich III. diese Zuversicht in ungeahnter Weise verwirklicht. Das Haus Österreich, noch kurz vorher unbedeutend und dem Verlöschen nahe, wurde die erste Macht der alten und der neuen Welt, und zugleich das wichtigste Bollwerk der ererbten Cultur gegen die Uinstnrztendenzen des sechzehnten Jahrhunderts. Auch heute ist eine schwere Zeit über das Reich hereingebrochen, es gibt Wenige, die noch an Sendung dieses Reiches glauben; umso nöthiger ist es, jene alte Überzeugung wieder fester zu begründen, .zu zeigen, dass sie nicht das Spiel schwächlicher Einbildung ist, sondern auf Natur, Geschichte und der Vernunft beruht. Von jeher war, wie Sage und Geschichte melden, unser Donaureich der Mittelpunkt einer eigenartigen Cultur, der Hüter einer eigenen Machtstellung. Die Stelle, wo die Donau den Westen mit dem Osten, den Norden mit dem Süden dadurch verbindet, dass sie den Hauptgebirgszug Europas durchbricht, war von jeher eine „Kaiserliche Stelle", ein Knotenpunkt, das Herz der Welt. Die alten Sagenchroniken lassen hieher, zwischen Stockerau und Krems, die Japhetiten direct vom babylonischen Thurm herziehen und den Mittelpunkt eines europäischen Kaiserreiches gründen. Die ältesten Griechen schauten, wie wir aus ihren Sagen wissen, mit Ehrfurcht auf jene ihnen ethisch und religiös überlegene hyperboreische Cultur. Jacob Grimm hat die Stellen in seiner Geschichte der deutschen Sprache zusammengetragen. Die Geschichte zeigt uns die letzten Zeiten jenes Reiches noch in der Herrschaft des Marbod und im lange unentschiedenen Markomannenkriege der Römer. Das Merkwürdigste ist, dass wir hier immer drei Völkerstämme vereinigt sehen, Germanen, Slaven und einen dritten, etwa als turanisch zu bezeichnenden. Also immer die Verhältnisse der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. In das Erbe dieses Reiches trat Attila ein. Nur verlegte er, moderneren Tendenzen folgend, den Schwerpunkt nach Ofen, nach Pannonien. Es war ein sehr gemischtsprachiges Reich, dem er vorstand, aber die Reichssprache, die Cultur, das Gepräge war gothisch. Gothisch ist ja sogar Attila's Name. Darum fiel das Reich ganz von selbst nach seinem Tode den Ostgothen zu. Und nach diesen den Langobarden, endlich den Franken und dem fränkischen Geschlechte der Babenberger. Immer sehen wir hier ein Krystallisationscentrnm besonderer Art. Es ist ein eigenthümlicher Gedanke, ein formgebendes Princip, welches hier zu walten scheint und das hier an den Marken zusammenfließende Racenmaterial zu organisiren strebt. Jedes Volk, jedes Haus, das hier zur Herrschaft kommt, übernimmt, wie von der Vorsehung dazu bestimmt, ein besonderes Amt, eine Mission, ein europäisches Mandat. Nicht alle diese Herrschaften waren dauernd, so z. B. die König Ottocar's oder die des Königs Matthias Corvinus, obwohl sich gerade in diesen Beiden das österreichische Formprincip sehr kräftig äußerte. Dauernd aber war die Herrschaft der Babenberger, jene Familie des heiligen Leopold, seines ritterlichen Kreuzfahrergeschlechtes. Und noch dauernder war die Herrschaft der Söhne jenes 268 Die Sendung ÖfictieidjS. Rudolph's von Habsburg, der, wie überliefert wird, bedeutsamerweise nicht mit dem Scepter, sondern mit dem Kreuze belehnte, der, frommer Legende nach, seine Macht dem Dienste verdankte, den er einst dem heiligsten Sacramente geleistet hatte. Diese Frömmigkeit, dies innige Verhältnis zur Gottheit betrachtet Calderon in einem wunderschönen Festspiele, das, nebenbei bemerkt, die Leo-Gesellschaft int Jubiläumsjahre zur Ausführung bringen wird, als den zweiten und größeren Ruhm des Hauses Österreich. Es scheint, als ob dies Hans durch seine Parteinahme in der folgenden Zeit seine höhere Sendung verständnisvoll erfüllt hätte. Das bezeugen Österreichs Freunde, das bezeugen auch seine Feinde, die auf der Seite der Verneinung, des Umsturzes.stehen und die weise Haltung Österreichs oft als Reaction verschrieen haben. Am typischesten hat sich in neuerer Zeit dieser Charakter in den Kriegen gegen bic französische Revolution und in der heiligen Allianz gezeigt. Damals hat Österreich als Lohn seiner providentiellen Haltung die erste Stelle im europäischen Concert und seine classische Literaturepoche, die Epoche Grillparzer's und Raimund's, geerntet. Womit nicht gesagt werden soll, dass Mixen am Eisack (Totalansicht). damals Alles in Ordnung war, oder dass jene Dichter der adäquate Ausdruck der Bedeutung Österreichs waren. Aber selbst die kritischen Elemente jener Zeit zogen ihre Bedeutung aus der festen Grundlage der positiven und conservativen Elemente. Es scheint somit die ganze Geschichte Österreichs zwei Dinge zu lehren: 1. Die Thatsache, dass es ein Österreich gibt, ist nicht eine künstlich gewordene, auf Convention beruhende, nein, sie ist in der Natur der Dinge tief begründet. 2. Die Stärke dieses Staatswesens beruht in dem Gedanken, den es zu vertreten hat, in der charakteristischen Ausprägung des ihm eigenen Wesens. Dies Wesen ist, da ja Alles auf Erden Partei ist und Partei sein muss, die Vertretung des Positiven, des Traditionellen, des Glaubens und der Religion. Offenbar hängt die Nothwendigkeit dieser Parteistellung mit der eigenthümlichen Natur des Staates zusammen. Ein Reich, das ans mehreren Nationen nach der Ordnung der Natur zusammengesetzt ist, kann sich nicht den Luxus der Negation, der Kritik, der Zersetzung und der Revolution allzu reichlich erlauben. Es kann, soll und muss sich hauptsächlich durch die höheren und höchsten Ideen des Rechtes, der Treue, der Frömmigkeit, der Loyalität und des Glaubens erhalten. Das ist vielleicht seine Das Ende des Chcilifcn Abdullahi. — Eröffnung des Sudan. 269 Schwäche, das ist aber auch noch viel mehr seine Stärke. Es wird damit gezwungen zur Parteinahme für die bessere, die wahrere, die schönere und die stärkere Sache, welche schließlich trotz aller Retortatiouen zum endgiltigen Siege gelangen muss. Darum scheint in der That jenes friedericianische Symbolumt als berechtigt und vernünftig erwiesen zn sein: Austria Erit In Orbe Ultima! R. K. ‘ Ina (Mr bra (plifrii pbiihlji. Irnffiiitng bra Silben. l^^LZ^kber das wichtige Ereignis des Endes des Chalifen, das uns endlich die Thore des Sudan erschloss, bringen wir nun einige Einzelheiten. OberstR. Wingate mit dem 9. und3 Bataillon, einem Beduinen-Regiment der Schaikieh, zwei Abtheilungen Kameelreitern und vier Maximkanonen, stießen auf die Truppen der Derwische des Chalifen in der Gegend von Ged id. Eine Patrouille von arabischen Reitern stellte zuerst die Stellung des Feindes bei Om-Debrika, sieben Meilen südöstlich von Gedid, fest. Wingate brach beim Mondlichte auf, bahnte sich einen Weg durch dichtes Gestrüppe und langte vor Tagesanbruch auf einer Höhe an, welche die durch Baumreihen verdeckte Stellung des Feindes beherrschte. Es war der 24. November. Schon vor Tagesanbruch hörte man Trommelwirbel und Trompetenklang und einige Minuten nach 5 Uhr, sobald das nächtliche Dunkel zu weichen begann, sah man weiße Gestalten sich int Halbdunkel bewegen: es waren die heranziehenden Derwische. Um 51/i Uhr wurde von den Kanonen auf diese undeutliche Masse das Feuer eröffnet, das die Derwische mit Energie erwiderten. Der Kampf wurde allgemein und heftig. Nach etwa anderthalb Stunden begann das feindliche Feuerwehr und mehr abzunehmen und wurde der Vormarsch befohlen. Als die Truppen durch die Stellungen der Derwische hindurchmarschierten, da beleuchtete die aufgehende Sonne das Schlachtfeld und ließ die fürchterliche Wirkung des Feuers schauen; Haufen von Derwischen lagen auf allen Seiten am Boden ausgestreckt. Unter den Gefallenen befand sich der Chalife Abdullahi. Als er sah, dass ein Widerstand nutzlos sei, zog er den Tod der Unehre vor und erwartete ihn mit Standhaftigkeit. Er ließ ein Carre bilden und stellte sich mit seinen Söhnen und seinen Emiren in die Mitte. Sie breiteten ihre Kleider aus, saßen sich darauf und erwarteten den Tod. Der Chalif fiel von drei Kugeln durchbohrt, eine int Kopf, eine im Arm und eine im Fuß. Er war ein Mann von 55 bis 56 Jahren, von schöner Gestalt. Um den Chalifen her lagen die Emire: Chalife Ali Hab Helu, die Emire Achnted Fadel, Achmed et Harum, beide Brüder des Chalifen Abdullahi; Sadik, Sohn des Mahdi und noch sechs hervorragende Emire, eine schreckliche Staffage von Leichen, und das ganze umgeben von einem ebenso schrecklichen Leichenviereck seiner herrlichen Leibwache, des Negercorps. Als die Ägypter vorwärts marschierten und über die Getödteten hinwegstürmten, da wussten sie noch nicht, dass der Chalife gefallen sei. Als die Nachricht seines Todes seinen Leuten hinterbracht worden war, da begriffen sie, dass alles verloren sei; sie liefen zum Lager und legten die Waffen nieder. Etwa 3000 wurden gefangen, worunter 20 der hervorragendsten Emire, und die zwei Söhne des Chalifen, Scheck 270 Das Ende des Chalifen Abdullah! — Eröffnung des Sudan. eb Din und Uad Mocheir. Mit Ausnahme von Osman Digma wurden alle Emire gelobtet, verwundet oder gefangen. Auf ägyptischer Seite hatte man nur drei Todte und zwölf Verwundete. Ein wahrhaft glänzender Erfolg, wenn man bedenkt, dass die Derwische 7000 Mann, die Ägypter 1000 zählten. Die Leichen Abdullahi's und seiner Emire wurden von ihren Leuten mit allem Pompe und feierlichem Ceremonie! beerdigt. Mit dem Tode des Chalifen wurde der Sudan für die Europäer für eröffnet erklärt. Auch Ali Dinar, Sultan von Darfur, hat sich der Regierung des Sudan unterworfen. Der Weg nach Faschoda ist noch versperrt und Räuberbanden machen dort die Gegend unsicher. P. Wilhelm Vanholzev, F. S. C., auf der Keife in Atkara. (Nach einer Photographie des Hochw. P. Ohrwald er.) Der Sudan wird nun zu neuem Leben erstehen und unsere Mission eine neue Schaffensperiode beginnen. In Kairo ist der apostolische V^car mit P. Ohr-walder eben mit der Ausrüstung einer Expedition nach Chartum beschäftigt. Hochw. P. Ohrwalde r nahm auf seiner letzten Reise nach Chartum mehrere Bilder auf. Für heute bringen wir auf Seite 271 eine Ansicht der Wohnung unserer Reisenden in Atbara. Hochw. P. Ba n holzer, F. S. C., sitzt in seinem Reiseeostüme am Eingänge der Hütte. Hiemit haben wir unseren Lesern den Missionär vorgestellt, der uns im nächsten Jahrgange die erste Reise der katholischen Missionäre nach dem Sudan erzählen wird. ' Ans dkm fdicn einstiger geger-Seliiei. 10. §mmanues Jlßcm. m Süden von ©eutmr, zn beiden Ufern des Blatten 9M, im Sndan wohnt der Stamm der Berta. Sie gehören zur Negerrace und sind ihrer Religion nach Heiden. Diesem Stamme gehört unser Neger an. Sein einheimischer Name war Abeni. Der Vater hieß Atlnsch, der Name der Mutter ist ihm imbekannt. Von seinen Geschwistern, drei Brüdern, namens Feülo, Dani, Derwisch, und der Schwester Badindo war er der jüngste. Die Familie scheint eine der reichsten der Ortschaft gewesen zu sein, sie besaß viele Kühe und Schafe. Der Knabe erzählt, dass seine Landsleute nicht beten; bei festlichen Anlässen, als bei Beginn der Regenzeit, bei der Ernte, werden öffentliche Tänze veranstaltet und Kühe geschlachtet. Der Stamm der Berta lag in stetem Kriege mit den benachbarten räuberischen Arabern, besonders den Tamr-Guri. Der Knabe war meist mit seinen Geschwistern auf den Weideplätzen, um Herden zu hüten. Oft-m als trug er den Unterhalt für seinen Vater auf einen nahen Berg, wo die streitenden Männer versammelt waren. Auf einem solchen Gange überfielen ihn die feindlichen Araber, raubten ihn, banden ihm die Hände und entführten ihn zn Pferd in ihr Lager. Mit Peitschen ans Nilpferdhant wurde er zum Schweigen gebracht. Nach einigen Tagen nahmen ihn die Araber mit sich in den Krieg und er musste Zeuge der Plünderung und Verwüstung seines Dorfes sein; der Vater wurde im Kampfe gelobtet. Eine Anzahl von Kühen und Negern wurde von den Arabern erbeutet. Mit der Beute wurde er in das feindliche Dorf geschleppt und dort an Ketten gefesselt. Die Zahl der erbeuteten Sclaven war etwa siebenzig. Am folgenden Morgen wurden die Sclaven in Karawane geordnet; ohne Unterschied des Geschlechtes und Alters wurden sie mit Stricken am Halse aneinander-gebunden. Der Marsch gieng nach Gadüref. Die Neger wanderten zu Fuß und nackt auf dem Wüstensande, während ihre Räuber zu Pferd neben ihnen zogen und die Sclaven mit Peitschenhieben vorantrieben, etwa wie man bei uns das Vieh zu Markte bringt. Um schnell vorwärts zu kommen und nicht von der Peitsche erreicht zu werden, stößt Einer den Andern vorwärts. Ihre Nahrung bestand in ©urit (bitteres Brot ans Durah, africanischem Korn), manchmal erhielten sie nur ungekochtes Korn als Nahrung. Zur Nachtzeit wurden sie an den Füßen mit Ketten aneinander gefesselt und von zwei Wächtern gehütet. Wer nicht mehr vorangehen konnte, wurde aus der Reihe herausgelöst, gepeitscht und in der Wüste liegen gelassen. Zwei Knaben und einem Mädchen waren infolge des Marsches auf dem glühenden Wüstensande die Fußsohlen angeschwollen ; sie konnten nicht mehr gehen. Die Räuber lösten sie der Reihe nach los und ließen 272 Aus dein Leben einstiger Neger-Sclaven. sie liegen. Diese elenden Geschöpfe verfallen dem Hungertode, und noch ehe sie ihren Geist aufgegeben haben, kommen die gefräßigen Aasvögel der Wüste, um sich an ihren Eingeweiden und ihrem Gehirn zu sättigen. So ist es erklärlich, dass die Wege der Karawanen mit den Gerippen verhungerter Neger-Sclaven und Kameele gekennzeichnet sind. Ein etwa 14jähriges Mädchen zerschnitt zur Nachtzeit den Strick, um in die Heimat zurückzukehren. Ein Wächter bemerkte sie, holte sie ein, warf sie zu Boden und rief seine Gesellen. Die Arme wurde nun mit Peitschen und Stöcken geschlagen, bis sie bewußtlos war und die Haut von ihren Schultern hieng; beim Aufbruch am folgenden Morgen wurde sie mit Stricken an den Schweif eines Esels gebunden und mit Gewalt fortgerissen. Nach einem langen und peinlichen Marsche langte die Karawane in der Ortschaft Tin-dar an. Daselbst wurden mehrere Knaben an arabische Händler verkauft; die Uebrigen wurden sämmtlich in einer dunkeln Hütte eingeschlossen und von zwei Arabern bewacht. Nach sechstügigem Aufenthalt begann der Weitermarsch. Ein krankes Mädchen wurde mittels eines Esels weiter befördert; unser Knabe Abeni führte den Esel. Aufgerieben durch die Fieberhitze, hatte das Mädchen nicht mehr die Kraft, sich auf dem Reitthier festzuhalten. Ein grausamer Araber peitschte es und unter Stöhnen klammerte sich das Mädchen an den Esel. Endlich verließen es die Kräfte, es verlor die Besinnung und siel zu Boden. Unter Fluch-und Schimpfworten wurde es beiseite gestoßen und liegen gelassen. Nach zehntägigem Marsche von Tindar aus langte die Karawane in Gadäref an; daselbst wurden wieder mehrere Sclaven verkauft; auch Abeni war dazu bestimmt. Man salbte ihn am ganzen Leibe mit Hammelfett und Oel, um seiner Hautfarbe Glanz zu verleihen und seinen Wert zu erhöhen, überdies bekleidete man ihn mit einer neuen Giallabieh (Art Kaftan). Während zwei Tagen wurde er zu verschiedenen Handelsleuten auf den Sug (Markt) geführt und feilgeboten; die Kauflustigen untersuchten ihn an Mund, Zähnen, Augen, Händen und Füßen, ließen ihn zur Probe laufen und springen; er gefiel allgemein, doch sein Preis war zu hoch, niemand kaufte ihn. Endlich am dritten Tage erwarb ihn ein Araber namens Ahmed aus Kassala für eine Anzahl goldener und silberner Ringe; der Herr erwarb sich außerdem noch zwei Knaben und drei Mädchen. Nach einmonatlichem Aufenthalt in Gadüref wurde nach Kassala aufgebrochen. Diese bedeutende Ortschaft des östlichen Sudan liegt nordöstlich von Gadüref. Je ein Knabe und ein Mädchen saßen auf einem Kameel; in verschiedenen Dörfern wurde Halt gemacht. Bei Tomat wurde der Fluss Atbara, der, von Abyssinien kommend, südlich von Berber sich mit dem Nil vereinigt, zu Fuß überschritten, da in jener Jahreszeit der Wasserstand ein geringer ist. Der Knabe erzählt von der großen Anzahl Panther, die jene Gegend bevölkerten und sich besonders zur Nachtzeit durch ihr unheimliches Geheul fürchterlich machten. Dieses Thier, von den Eingeborenen „Morfaln" genannt, ist ein gefürchtetes Raubthier des Sudan; am Tage weicht es Menschen aus und greift sie in der Nacht an. Die Furcht der Sudanesen hat dieses Thier mit den sonderbarsten, oft schrecklichen Märchen umwoben. Zur Nachtzeit kam Ahmed mit seinen sechs Sclaven in Kassalah an und übernachtete dort in der Hütte eines Bekannten; am folgenden Morgen begab er sich in seine Behausung ain äußersten Ende der Ortschaft. Kassalah war damals einer der wichtigsten Handelsplätze des östlichen Sudan; eine der wichtigsten Karawanenstrassen zwischen dem Rothen Meere und Jnnerafrika war jene von Suakin oder Massauah über Kassalah nach Chartum. Wie für die Waren war Kassalah auch für den Sclavenhandel ein wichtiges Emporium. Viele Tausende geraubter Neger aus den Stämmen am Weißen und Blauen Nil, sowie aus Abyssinien, langten jährlich dort an, um an die Händler verkauft oder vertauscht und von diesen an die Häfen des Rothen Meeres geliefert zu werden. Ahmed Reise der Bischarmen Alibu und Achmet in Europa. 273 der Herr unseres Abeni, betrieb den Sclavenhandel im Kleinen, da seine Vermögensverhältnisse ihm nicht erlaubten, viele Sclaven anzukaufen. Er kaufte auf dem Markte in Kassala Stoffwaren und Luxus-Gegenstände und tauschte dafür in Gadüref Neger ein; er lebte von diesem Geschäfte. Er musste jedoch schon einigen Gewinn erzielt haben, da er sich den Luxus von vier Weibern gestatten konnte. Sofort nach der Ankunft suchte er die sechs Sclaven zu verkaufen. Nach zwei Tagen waren fünf verkauft für je zwei Kameele und eine Kameellast Salz. Abeni wurde erst nach ungefähr einem Monat an Sclavenhändler ans dem Stamme der Hadeudoa verkauft. In der Wüste, einige Stunden von der Ortschaft entfernt, lagerte eine zahlreiche Karawane von Sclaven, zum Abmarsch an das Rothe Meer bereit. Dorthin wurde der Knabe geführt und mit den übrigen Sclaven vereinigt; ihre Anzahl mag etwa sechszig gewesen sein, sowohl Knaben als Mädchen. Am Morgen setzte sich die Karawane in Bewegung; die Sclaven waren aneinander gebunden, die Händler ritten zu Kameel nebenher. Der Marsch in der Wüste der Bischarin, wie man die Oede zwischen Suakin und Berber ge« wohnlich nennt, ist sehr peinlich in Folge der vielen rauhen Dornen, die stellenweise den Boden dicht bedecken; nur der Huf des Kameels widersteht ihnen. Einigen der Sclaven wurden Naal (Sandalen) gegeben; unter den Glücklichen befand sich Abeni, die Uebrigen marschirten barfuß auf den stechenden Dornen, so dass das Blut von ihren Füßen rann; das klagende Schluchzen der Armen wurde mit Drohungen und Peitschenhieben verstummen gemacht. In verschiedenen -Ortschaften, in denen die Händler bekannt waren, wurden einige Tage Halt gemacht. Zwölf von den Sclaven wurden auf dem Wege verkauft, andere an Freunde gegen Lebensmittel vertauscht. Nach einem Marsche von etwa 40 Tagen erblickten sie von der Höhe eines Berges das Rothe Meer. In einem Chor (Flußbett für das Regenwasser) brachten sie die Nacht zu. Ermüdet von dem angestrengten Marsche schliefen Alle, auch der Wächter ward vom Schlafe überwältigt. Während Alles in stiller, lautloser Ruhe lag, wurde Abeni plötzlich von seinem Nachbar geweckt, er schaute um sich und erblickte eine Anzahl bewaffneter Negersoldaten, die den Lagerplatz umstellt hatten. Es entstand Lärm, Geschrei, die Händler erwachten und ergriffen nach kurzem Widerstände gegen die Soldaten die Flucht. Die Sclaven jammerten und weinten, doch die Soldaten beruhigten sie und bedeuteten ihnen, daß sie Regierungssoldateu aus Massauah seien und den Befehl erhalten hätten, sie von den Händlern zu befreien und nach der Stadt zu bringen. Der Gouverneur in Massauah war von der Anwesenheit einer Negerkarawane in der Wüste benachrichtigt worden und hatte die Soldaten unter dem Commando eines Offiziers zu deren Abfassung beordert. In Massauah wurden die armen befreiten Sclaven gespeist und gekleidet auf Kosten der italienischen Regierung. Später wurde Abeni mit mehreren andern Neger nach Kairo gebracht und der Mission von Central-Afrika übergeben. 11. Alois Krrkü. Stamm der Nuba, südlich von der ehemaligen Provinz Kordofan, war stets eines der Ziele der mohammedanischen Sclavenjäger. Besonders (^3 waren es die Baggara Kordofan's, welche jene Gegend durch ihre Über-y fälle und Ranbzüge in Schrecken setzten. Unser. Kukü ist geboren in der Ortschaft Dadjo im bezeichneten Stamme. Die Mutter starb bereits, da der 274 Aus bcm Leben einstiger Neger-Sclaven. Knabe noch jung war; der Vater, namens Adam, trieb Viehzucht. Eines Tages meng der Knabe mit seinem Vater, um, tote gewöhnlich, die Viehherde in der Nähe des Dorfes zu toeiben. Gegen Mittag wurden Vater und Sohn durch ein fernes Geräusch aufgeschreckt, sie sprangen auf, sahen sich um und erblickten zu ihrem Entsetzen eine Rotte von zehn Baggara zu Pferde auf sie herangaloppieren; ihre Lanzen blitzten in der Sonne. Der Knabe, der damals etwa zehn Jahre zählte, wollte sofort nach dem Dorfe eilen, jedoch der Vater hielt ihn zurück mit der Versicherung, ihn gegen die Räuber zu vertheidigen. Diese waren schon im nächsten Augenblick angelangt; sie forderten den Vater mit barscher Stimme auf, ihnen den Sohn zu übergehen. Der Vater weigerte sich energisch. Nun stieg einer der Räuber vom Pferde, um ihm denselben mit Gewalt zu entreißen; während der Vater, mit Kraft seine lange Lanze schwingend, den Sohn vertheidigte, durchbohrte ihm ein anderer Räuber mit einer wohlgezielten Kugel das Herz, so dass er augenblicklich todt zu Boden stürzte. Der Knabe klammerte sich schreiend und um Hilfe rufend an den Leichnam des Vaters. Zwei Araber rissen ihn Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. 275 los, während ein anderer ihn auf das Pferd hob. Die nahen Dorfbewohner, durch den Flintenschuss aufgeschreckt, eilten sofort herbei, um Hilfe zu bringen; doch es war zn spät: die Baggara waren mit ihrer jugendlichen Beute bereits verschwunden, indem sie sich durch die Gebüsche zerstreuten auf die Jagd nach andern Negern; sie fanden auf der Unglücksstätte nur den Leichnam Adam's, ganz mit Blut bedeckt. Der Räuber, welcher unsern Kukü im Sattel festhielt, eilte in großem Galopp davon. Nach einem Tagesritt brachte er seine Beute in einer Hütte unter, wo sich viele Baggara mit geraubten Negern versammelt fanden. Es war dies eine jener Stationen (Zeriba genannt), in der fast täglich Baggara mit geraubten Nubakindern anlangten. Männer und Weiber, Knaben und Mädchen waren dort versammelt und wurden streng bewacht, manche gebunden und gekettet, um dann bei Gelegenheit gemeinsam nach der Provinz Kordofan transportiert zu werden. Nach etwa sechs Monaten langte ein türkischer Soldat aus El Obeid, der Hauptstadt Kordofan's, in jener Station an, um Sclaven zu kaufen. Nachdem er alle Neger einzeln gemustert hatte, fiel seine Wahl auf unsern Kukü, den er gegen ein Pferd eintauschte. Der neue Herr führte den Knaben nach dem etwa fünf Tagereisen entfernten El-Obeid. Fünf Monate blieb der Sclave beschäftigungslos im Hause des Türken; theils saß er traurig an der Thüre des Herrn, theils irrte er verlassen in den schmutzigen Gassen umher. Bei dem Gedanken an seine Heimat überfiel ihn oft große Melancholie, er wagte es nicht, zu entfliehen, aus Furcht, vielleicht in die Hände eines noch schlimmern Herrn zu fallen. Nach Verlauf der fünf Monate führte ihn sein Herr mit andern Sclaven in die Provinz Darfur, westlich von Kordofan; dort wurde er den Truppen des bekannten Ziber zugetheilt. Dieser, damals König der Sclavenhändler des ägyptischen Sudan, besaß eine theils aus Negern, theils aus Türken bestehende Truppe von guter Schulung und mit guter Bewaffnung; mit dieser Truppe unternahm er Expeditionen in die Negergebiete des Gazellenflusses, um Sclaven, Elfenbein und Vieh zu erbeuten. Er war der Schrecken der armen Schwarzen; die Anzahl der jährlich geraubten Neger betrug viele Tausend, zahlreiche Ortschaften wurden gänzlich zerstört. Seit vielen Jahren lebt Ziber mit dem Titel eines Pascha auf Kosten der ägyptischen Regierung in Kairo. Obwohl nod)M jung, wurde Kukü mit einer kleinen Flinte bewaffnet und in den militärischen Übungen geschult. Während eines Jahres nahm er an verschiedenen Raubzügen in die Negergebiete theil. Jederman kann sich den Schmerz ausmalen, der das Herz des armen Waisenjünglings durchbohren musste, da er sich gezwungen sah, seine eigenen Stammesbrüder zu verfolgen und in ihrem grausamen Geschäft jene verhassten Araber zu unterstützen, die einst, um ihn in Sclaverei fortzuschleppen, den eigenen Vater unter seinen Augen gelobtet hatten. Heute noch spricht der Neger mit Ingrimm von jenen mohammedanischen Hyänen in Menschengestalt. Nachdem der Türke eine Anzahl Sclaven beiderlei Geschlechts gesammelt hatte, kehrte er nach El-Obeid zurück, wo er dieselben verkaufte. Auch Kukü traf dieses Los. Er kam in den Besitz eines Arabers aus der Stadt Dongola am Nil, namens Billal; dieser, bereits im Besitze zahlreicher Sclaven, schenkte ihn seinem Bruder Makki, Kaufmani: aus Chartum. Makki war einer der reichsten Kaufleute des Sudan und handelte mit allem, vorzüglich Sclaven. Er war eben aus Chartum angekommen, von wo er eine große Quantität Waren, besonders sudanesische Kleider, mitgebracht hatte, die er gegen Negersclaven zu vertauschen beabsichtigte. Damals waren besonders in Darfur, wo Ziber seine geraubten Neger sammelte, die Sclaven sehr zahlreich und billig. Unser Kukü begleitete seinen Herrn in jene Provinz. In Schakka, der südlichen Hauptstadt Darfur's 276 Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. und Standquartier Ziber's, mietete Makki eilten Laden, um darin seine Waren auszustellen. Er hatte bald einen außerordentlichen Zulauf von Arabern, die seine Waren besichtigten und Sclaven zum Tausch anboten. Der Händler gab für einen Negerknaben zehn Kleider, für einen erwachsenen Sclaven fünfzehn bis zwanzig Kleider, die Mädchen wurden noch theuerer bezahlt. In dieser Weise erhandelte Makki in einem Monat 35 Sclaven, darunter 25 männliche und 10 weibliche; bereit Bewachung wurde unserm Kukü übertragen. Es war dies eine schwierige Aufgabe, da im Falle der Flucht eines Sclaven die Schuld und Strafe ihn traf. Als Makki seine Geschäfte in Darfur abgewickelt hatte, beschloß er, die Sclaven direct nach Kairo zu bringen, um sie daselbst zu hohen Preisen zu verkaufen. Die Karawane brach also von Schakka in der Richtung nach Kordofan in folgender Ordnung auf: An der Spitze befand sich der Chabir (Führer in der Wüste) hoch zu Kameel, hinter ihm ritt Makki, dann folgten die Sclaven, ohne Unterschied des Geschlechts mit Stricken in einer Reihe zusammengebunden, der letzte war Kukü als Wächter. Die Sclaven mussten den langen und mühevollen Weg durch die Wüste zu Fuß machen; täglich zweimal erhielten sie trockenes Brot und Datteln. In der Nacht wurde etwas geruht. Da lagen die Sclaven müde auf dem Wüstensande; hier und da wurde die Todteustille der Nacht durch das Wimmern eines Knaben unterbrochen. „Mutter, wo bist du?" lispelte der schwarze Waise. Makki erwachte, eilte herbei und peitschte den Knaben, der sich stöhnend int Sande wälzte, mit dem sich seine Thränen vermischten; gebrochen schwieg er — die Stimme der Natur ist mit der Peitsche zum Verstummen gebracht — tiefe Stille liegt wieder über der Wüste und der Sclavenkarawane. — Am frühen Morgen wird der Marsch fortgesetzt. Diejenigen, welche aus Müdigkeit oder in-solge Anschwellens der Füße auf dem heißen Sande nicht mehr marschieren wollen, werden mit Hieben des Corbatsch (dicke Peitsche aus Nilpferdhant) angetrieben. Da sinkt ein Knabe nieder, er wird aufgerissen und vorangetrieben; dort füllt ein Mädchen müde zur Erde, es wild gepeitscht und fortgeschleppt, entkräftet sinkt es alsbald wieder zusammen; der Händler steigt vom Reitthier und versucht mit allen Mitteln, die Sclavin anzutreiben, doch sie ist ohnmächtig. Sie wird nun aus der Karawane herausgelöst und liegen gelassen, während die Übrigen den Marsch fortsetzen. Die Aasvögel der Wüste kommen herbeigeflogen, um sich an Gehirn und Eingeweiden der verschmachtenden, zwischen Leben und Tod schwebenden Sclavin zu weiden. Solche Fülle stehen keineswegs vereinzelt da. In mehreren Gegenden des Sudan sind die Karawanenwege nur durch die bleichenden Gerippe und Scelette verschmachteter Sclaven und verendeter Kameele erkenntlich. Man rechnet, dass von zehn Sclaven im Durchschnitt wenigstens drei während des Transportes durch die Wüste erliegen. Nach einem Marsch von 29 Tagen langte die Karawane in der Gegend von Dongola am Nil an. Die Sclaven machten in einiger Entfernung vom Flusse Halt, während Makki sich an das Ufer begab, um eine Barke zu mieten. Gegen Abend kehrte er zurück und führte die Sclaven zum Flusse, verleidete sie im Innern der Barke, legte das Verdeck darüber und stappelte auf demselben Dattelsücke auf. Durch eine Öffnung im Verdeck wurde den Sclaven die Nahrung gereicht. Schon damals war in Ägypten die Einfuhr von Negersclaven verboten, und so mussten die Sclaven geheim nach Kairo befördert werden. Noch in der gleichen Nacht wurde die Fahrt nach Norden begonnen; die Barke wurde theils mit Hülfe der Segel vorwärts bewegt, theils mit Rudern, die von vier starken Ruderern aus der Provinz Dongola unter Leitung eines Rats (Haupt) gehandhabt wurden. Da es die Zeit der Schwellhöhe des Nil war, konnte man die kleinern und größern Katarakten, die sich zwischen Dongola und Saras befinden, ohne Schwierigkeiten Aus dem Leben einstiger Neger-Hclavcn. 277 passieren. Damit die Uferbewohner von der Gegenwart der Sclavenbarke keine Kenntnis erhielten, wurde zur Nachtzeit an unbewohnten Uferstellen halt gemacht, während die Ruderknechte sich in die nahen Dörfer begaben, um Proviant einzukaufen. So gelangte man ohne Zwischenfall nach Saras, einem nubischen Dorfe. Diese Ortschaft war mit Uady-Halfa an der zweiten Nilkatarakte durch eine Eisenbahn verbunden; die ägyptische Regierung hatte diese Strecke erbaut, damit die aus dem Sudan anlangenden Export-Producte von Saras nach Uady-Halfa befördert werden können, ohne den Gefahren der Passage durch die großen Katarakte ausgesetzt zu sein, die überdies nur in der Periode der Schwellhöhe passierbar sind. Da jedoch der Sclavenhandel verboten war, so wagten es die Händler nicht, die Eisenbahn für den Transport ihrer Menschenware zu benutzen; sie waren gezwungen, die Sclaven zu Fuß oder mit Kameelen durch die Wüste nach Koroško oder Assuan zu tranportieren. Makki mietete also in Saras Kameele; die Karawane machte einen großen Umweg zwischen den Bergen am östlichen Ufer des Nil und langte mit Umgehung von Uady-Halfa und Koroško nach einem Marsch von sieben Tagen in der Ortschaft Schellal, am südlichen Ende des ersten Nilkataraktes, an. Da es jedoch nothwendig war, sich vor den dort in der Nähe befindlichen Zollbeamten der ägyptischen Regierung in Acht zu nehmen, wartete Makki die ganze Nacht hindurch in einiger Entfernung vom Flusse, um erst am folgenden Morgen in Stille seine Sclaven dem Ufer zu nähern. Während die Sclaven in eine Barke geladen wurden, gelang es einem jungen Mädchen, namens Fadlah, zu fliehen und sich in den Bergen der Wüste zu verbergen; nachdem der Herr ihre Flucht gewahr geworden war, entsandte er sofort mehrere Eingeborene, sie aufzusuchen. Diese erkannten alsbald die Fußspuren der Sclavin im Sande, und, dieselben verfolgend, fanden sie das Mädchen unter einem Baume, von Müdigkeit und Durst gebrochen. Um den Grund ihrer Flucht befragt, erwiderte sie zitternd, sie habe in ihrer Heimat zurückkehren wollen. Sie wurde gebunden und zum Flnssufer zurückgeschleppt. Dortselbst erwartete sie der Herr; ohne ein Wort zu reden, bedeutete er mit Zeichen unserem Kukü, den Cor-batsch in Bereitschaft zu stellen, warf das unglückliche Negermüdchen zu Boden und entblöste es völlig; hierauf wurde es von zwei Männern an Händen und Füßen gehalten, während Makki und auf seinen Befehl Kukü es peitschten, bis sie mit Blut bedeckt war und ihr die Haut von den Schultern weghieng. Armselige Sclavin! Sie flehte mit stöhnender Stimme trat Verzeihung, jedoch ihren Schmerzensschrei und ihre Bitten erwiderten nur die rauhen Rufe des unmenschlichen Händlers, der Kukü zurief: „Noch stärker — noch mehr!" und seine Wuth und Rachsucht war nicht eher befriedigt, als bis er das unglückliche Opfer ohne Lebenszeichen und besinnungslos vor sich auf ber Erde liegen sah. Dann ließ er sie in den Bauch der Barke tragen und in Mitte der Sclaven niederlegen, wo sie als abschreckendes Beispiel für ihre Schicksalsgenossen zwei Tage und Nächte regungslos und ohne Nahrung liegen blieb. Diese grausame Scene entsetzte alle diese unglücklichen Sclaven trab machte ihnen jegliche Aussicht schwinden, je einmal ihre Eltern und ihr Vaterland zu sehen. Die Sclaven wurden auf einer Barke vom östlichen Ufer nach einer Insel der Katarakte gebracht, wo sie die Nacht in einer Hütte unter Aufsicht unseres Kukü verbrachten. Makki begab sich indessen nach der etwa eine Stunde entfernten Stadt Assuan, um eine Barke für die Fahrt nach Kairo zu mieten. Nach zwei Tagen wurden die Neger von der Insel wieder auf das östliche Ufer geführt und von dort zu Fuß nach Assuan befördert, wo sie neuerdings die Barke bestiegen. Dies alles geschah im Dunkel der Nacht, trat der Überwachung der ägyptischen Behörden zu entgehen. Die Fahrt von Assuan nach Kairo gieng in derselben Weise vor sich wie von Dongola nach Saras; Makki gelang es stets, die Agenten der S'TS Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. Regierung zu täuschen und ihnen die Anwesenheit der Selaven in seinem Fahrzeuge zu verbergen. Nach der Ankunft in Alt-Kairo wurden die Sclaven in geschlossenen Wagen, wie solche im Orient bei Ausfahrten üblich sind, zur Nachtszeit nach der ägyptischen Hauptstadt geführt und dort im Quartier Hamsaui neben der Muski im Hause eines Freundes, Namens Mohammed, untergebracht. Um sofort mit dem Verkauf zu beginnen, berief Makki den Sinister (Vermittler beim Kauf und Verkauf der Sclaven), der sofort alle jene Mohammedaner benachrichtigte, von denen er wusste, dass sie Sclaven zu kaufen wünschten. Bereits am folgenden Morgen erschienen zahlreiche Araber. Makki empfieng sie in seinem Divan, um ihre Wünsche zu hören. Je nach Begehren der Kauflustigen führte Kukü die männlichen unv weiblichen Sclaven vor; diese wurden eingehend untersucht an Augen, Zähnen, Händen und Füßen, sie mussten hin- und herlaufen wie ein Gaul auf dem Markte; wenn der Vorgeführte den Wünschen des Käufers entsprach, wurde über seinen Preis verhandelt. Der verkaufte Sclave musste sofort seinem neuen Herrn folgen, im gegentheiligen Falle wurde er zu seinen Schicksalsgenossen zurückgeschickt. Beim Verkauf spielten sich herzzerreißende Scenen ab, die Armen mussten sich von ihren Leidensgenossen trennen, um sich vielleicht nie wieder zu sehen. Die rührendste Scene bei diesem Ausverkauf war die Trennung eines Negers aus Darfur von seiner Schwester. Der Sclave war einem Araber aus Kairo verkauft worden; als die Schwester merkte, dass der Bruder fortgeführt wurde um seinem Herrn zu folgen, begann sie zu schreien und zu weinen, klammerte sich an ihm fest und rief: „O mein Bruder, mein Bruder!" Dieser mit Thränen im Auge rief: „Meine Schwester, o meine Schwester!" Makki riss die Schwester mit Gewalt vom Bruder weg und peischte sie, während der Araber seinen Sclaven fortschleppte. Ein gegenseitiger Blick der Geschwister, der die tiefste Trauer ausdrückte, war das letzte Lebewohl, das sie sich geben konnten. Bald darauf wurde auch die Schwester an einen Türken aus Alexandrien verkauft. Nun sage man noch, dass die Neger kein Gefühl haben für Familienbande, Vaterland und Freiheit, wie man es leider zu behaupten wagte. Man gehe auf die Sclavenmärkte, um sich beim Anblick ähnlicher Jamnierscenen vom Gegentheil zn überzeugen! Sämmtliche Sllaven wurden auf diese Weise im Laufe von zwei Tagen an verschiedene Herren aus allen Gegenden Ägyptens verkauft. Makki's Gewinn war groß, indem er für jeden Knaben zehn Sterlinge, für Erwachsene fünfzehn, für Mädchen bis „zu dreißig Sterlinge erhielt. Solche Sclaventransporte aus beni Sudan nach Ägypten fanden viele statt, so dass Kairo und Ägypten mit Sclaven der verschiedenen mittelafrikanischen Stämme überschwemmt wurde, die heute die Häuser und Straßen der großen Städte bevölkern. Käkü blieb bei seinem Herrn etwa drei Monate in der ägyptischen Hauptstadt. Nachdem Makki verschiedene Waren angekauft hatte, brach er wieder nach dem Sudan auf. Kukü begleitete ihn. Die Reise gieng auf dem Nil bis Assuan und Uady-Halfa, von dort mit der Eisenbahn nach Saras, dann wieder auf dem Flusse nach Debbe, südlich von Dongola. Dort mietete er Kameele, jedes für fünf Thaler, und gelangte durch die Steppe Bayuda in fünfzehn Tagen nach Omdurman, am linken Ufer des Nil, gegenüber Chartum. Dies war der gewöhnliche Weg zwischen Chartum itnb Kairo. In Chartum eröffnete Makki einen Laden und suchte seine Waaren zu verkaufen, während er Kukü mit einer Barke auf dem Weißen Flusse nach der Ortschaft Duüm sandte, um Gummi zu kaufen. Nachdem Makki alle seine Waren abgesetzt hatte, begab er sich mit einer großen Quantität Gummi nach Kairo, wo er denselben theuer verkaufte. Zwei Monate dauerte der Aufenthalt daselbst. Mit Aus bent Leben einstiger Neger-Selaven. 279 neuen Waren kehrte er nach Chartmn zurück, Kuku begleitete ihn überall. Von Chartum führte Makki seinen Selaven nach seiner Heimat in Elefnn, einer Ortschaft am Blauen Nil. Im Hause befanden sich acht männliche und drei weibliche Selaven. Um die Treue seines Leibselaven Kuku zu belohnen, bot ihm Makki eine etwa 18jährige Selavin aus dem Stamme der Diuka am Weißen Nil, namens Ataminhu, zur Frau an. Unser Selave zählte damals etwa 19 Jahre. Das Anerbieten wurde beiderseits angenommen und schon am nächsten Tage wnrde nach sudanesischer Sitte die Hochzeit gefeiert. Alle Selaven und Selavinuen der Umgegend wurden in das Haus Makki's eingeladen, um der Fantasia oder dem bei ähnlichen Anlässen üblichen Feste beizuwohnen. Bei solchen Gelegenheiten geht es selbst unter den Selaven fröhlich zu. Während die Männer im Kreise auf der Erde sitzen, rauchend und Merissa (eine Art sudanesisches Bier ans Durrah-Korn) trinkend, tanzen die Jungen beiderlei Geschlechtes beim Klange der Tarabueca (Felltrommel); Tanz, Merissa und Fleisch bilden die Freude der Selaven. Das Fest dauerte vom Morgen bis zum Abend; dann zogen sich die Gäste nach Beglückwünschung der Neuvermählten in ihrx Wohnungen zurück. Es war ein Fest-ltnb Freudentag für sämmtliche Sclaven und Selavinuen. Kukü blieb sieben Monate in Elefun an der Seite seiner jungen Frau; dann berief ihn sein Herr nach Chartum und nahm ihn als Begleiter bei einem Gummitransport nach Kairo mit sich. Der Aufenthalt daselbst dauerte diesmal nur einen Monat, worauf die Rückreise nach dem Sudan angetreten wurde. In Don-gola hielt sich Makki aus Geschäftsrücksichten einige Zeit auf. Er war äußerst befriedigt von der sorgfältigsten und treuen Dienstleistung seines Selaven. Um ihm einen neuen Beweis seiner Zufriedenheit zu geben und sich, wie er sagte, Gottes Wohlgefallen zu sichern, beschloss er während des Aufenthaltes in Dongola, ihm einen Freiheitsbrief auszustellen. Nach dem Koran gilt es nämlich als ein Gott wohlgefälliges Werk, einem Sclaven die Freiheit zu schenken; durch diesen Act kann man Buße für Vergehen und Sünden thun und von Gott Gnaden erbitten. Freilich kommt die vollständige Freilassung eines Selaven selten vor, da die Habgier und Gewinnsucht der Mohammedaner dieselben auszubeuten sucht, so lange sie verdienst- und arbeitsfähig sind. Umso höher ist das Glück zu schützen, das unserem Kukä zutheil werden sollte. Der vfsicielle Freiheitsbrief befindet sich in den Händen Kukä's. Wir geben hier eine wörtliche Übersetzung des arabischen Originals, da es nicht unerwünscht sein könnte, selbes kennen zu lernen; sämmtliche Freiheitsbriefe sind in derselben Weise abgefasst. Das Schriftstück lautet in der getreuen Übersetzung: (4362). „Ter demüthige Diener Gottes Mustapha Auad, (L. 8.) Gadi (Richter) der Muderie Dongola. (L. 8.) Gesetzlicher Act, kostet 5 Piaster. „Im reinen und gerechten Gesetztribunal der von Golt beschützten Muderie Dongola, vor dessen gesetzlich bestätigtem Richter, dessen Jnsiegel sich hier oben befindet, erschien der geehrte und geachtete El-Makki, Sohn des Hassan, Sohnes des Mohamed, aus den Kaufleuten Chartums, welcher die Wirklichkeit seiner Person durch die Zeugeiischaft und Erklärung derjenigen bewies, die ihre Namen hier unten geschrieben haben und erklärten und in ihrer Eigenschaft als Zeugen 280 Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. die Giltigkeit seiner Erklärung als einer gesetzmäßigen und freiwilligen Erklärung bestätigten und bezeugten, dass ihm kein Krankheitsfehler anhaftet, noch irgend etwas anderes, das die Gesetzesmäßigkeit und Giltigkeit seiner folgenden Erklärung hindern könnte; er erklärt nämlich: dass er emanicipirte und befreite sein Eigenthum und seinen Sclaven Kuku, hier zugegen, Sohn des Adam, Sohnes des Abdhallah, von schwarzer Hautfarbe, offenen Augenlidern, mittlerer Statu mit einer Wundnarbe an der linken Augenbraue, von glatter Nase, ans dem Stamme der Nuba, von geraden Gliedern, etwa 20 Jahre alt. Er ließ ihn frei aus eigenem freien Willen und Antrieb mittelst wahrer, vollständiger, vollkommener und unwiderruflicher Emancipation, so dass er ihn nicht wieder zum Sclaven machen kann, so dass die Freilassung nicht an Bedingungen und Proben geknüpft ist, noch auf eine bestimmte Zeit beschränkt bleibt; sondern ec ließ ihn frei aus freiem Antriebe und umsonst, beim Antlitze (b. h. aus Liebe zu) Gottes des Allerhöchsten und Hochherzigen, um sich dadurch die Barmherzigkeit und das Wohlgefallen Gottes zu verdienen und die Schmerzen seiner Strafen zu vermeiden, und um sich theilhaftig und würdig zu machen der Verheißungen des Propheten Gottes — Gott verherrliche ihn —, welcher sagt: „Wer einen Hals (d. h. Sclaven) freilüsst, dem wird Gott für jedes befreite Glied ein Glied vom Feuer befreien." So ist Knkü, hier zugegen, Sohn Adam's, Sohnes Abdallah's, frei geworden nach der Freiheit der Muselmänner — wie die freien Muselmänner — in Kraft der Emancipation seitens seines hier anwesenden Herrn, und kann weder verkauft, noch geschenkt, noch in Besitz genommen, noch vererbt werden, mit Gesicht der Gesichter (d. h. auf keine Weise) und Niemanden steht ein Eigenthrnnsrecht über ihn zu, noch hat er Verpflichtungen gegen irgend Jemanden, außer jene der Dankbarkeit gegen seine Befreier, hier zugegen, und gegenüber dessen männlicher Nachkommenschaft. Der hier anwesende Befreier bestätigte die Freilassung dieses Sclaven, der sein Eigenthum bis zum Momente der freiwilligen Freilassung war, mit seiner Lippe (d. h. mit lauter Stimme) im Angesichte dieses gesetzlichen Tribunals, und so wurde der hier anwesende Kukrr frei in seiner Hand und Herr seiner selbst. Sein Befreier, hier zugegen, bestätigte dies mit persönlichem Zeugnisse und wir Zeugen bezeugen es und Gott bezeugt es mit seiner Zeugenschaft. Alldies geschah in Gegenwart der Zeugen, welche ihre Namen hier unten niederschrieben." (Es folgen die Unterschriften und Siegel von sieben Zeugen.) Dieser Freiheitsbrief, ausgestellt im Jahre 1297 der Hegira, wurde dem Knkü übergeben, der ihn heute noch bei sich bewahrt. Mit diesem Document galt es als frei vor dem Gesetze; die Freiheit war jedoch auf seine Person beschränkt, so dass sein Weib unter der Herrschaft nnd im Besitze des Makki verblieb, Knkü diente nach seiner Freilassung seinem Herrn mit der bisherigen Treue. Makki begab sich von Dongola über Abu-Hamet nach Chartum. Dort verweilte Knkü im Laden seines Herrn, während dieser die Familie in Elefun besuchte. Nach Verlauf von zwei Wochen, da der Herr nicht zurückkehrte, schloß Kukrr den Laden und begab sich zum Besuche seiner Frau ebenfalls nach Elefun, die ihm indes einen Sohn geboren hatte. Makki, erzürnt, dass Knkü das Geschäft verlassen hatte, eilte nach Chartum und ließ den Neger zu Hanse zurück. Nach zehn Tagen kehrte auch Knkü zurück, doch Makki jagte ihn aus dem Laden. Der Neger begab sich nun in den Garten der katholischen Mission, wohin sich gewöhnlich die verstoßenen und misshandelten Sclaven flüchteten. Dort fand er, zu seiner großen Freude und Verwunderung, unter den schwarzen Christen seinen Bruder Fadlallah, der nach ihm ebenfalls von der Baggara geraubt, nach El-Obeid geführt und später in Chartum verkauft worden war. Wir können uns kaum die Freude der beiden Brüder vorstellen, die sich nach so vielen Jahren der Trennung und Sclaverei wiedersahen in einer katholischen Mission, wo keine Sclaverei besteht! Reise der Bischcmnm Alibu und Achmet in Europa. 281 Kukü blieb einige Tage bei seinem Bruder und arbeitete int Garten der Mission; das Glück und die Zufriedenheit der dortigen Neger machte auf ihn solchen Eindruck, dass er beschloss, Christ zu werden. Der Bruder bestärkte ihn in seinem Vorhaben. Doch wie es anstellen? Er wünschte auch seine Frau zur Mission zu führen und sie des Glückes theilhaftig zu machen, das er gefunden hatte. Er begab sich zu Makki, um sein Weib und Kind zu beanspruchen. „Du Imst weder Weib noch Kind, beide sind mein Eigenthum", war die barsche Antwort Makki's. Kuka flehte inständig, doch alles war nutzlos; der Herr, sein Herz jedem Gefühl der Menschlichkeit verschließend, verjagte Kukct mit Hilfe der Peitsche. Da Bitten nicht halfen, wollte der Neger Gewalt gebrauchen. Er begab sich nach Elefnn, entschlossen, Weib und Kinder zu entführen. Doch Makki war ihm zuvor-gekommeu und hatte seine Hanssclaven Befehl gegeben, dem Kuku den Eintritt in das Hans zu verwehren. In der That wurde es dem armen Neger unmöglich, das Hans zu betreten und sein Weib zu sehen, er musste nach Chartnm zurückkehren ohne Hoffnung, jemals seine Frau zu erhalten oder sein Kind zu sehen. In solchen Fällen verheiraten nämlich die Herren die jungen Sclavenfrauen an an andere Sclaven, ohne Rücksicht auf die bereits früher geschlossene Ehe. So geschah es auch mit Ataminhu, dem Weibe Kukll's. Der verstoßene, des Weibes und Kindes beraubte Kuku fand keinen Trost mehr außerhalb der Mission. Er wurde in dieselbe aufgenommen. Nachdem er als Katechnmeu die Glanbenswahrheiten erlernt und die vorgeschriebene Probe bestanden hatte, wurde er auf den Namen Alois getauft. p. -sau. Kcyer, F. S. C. Bon P. Htto Kuöcr, F. S. C. (Schluss.) Zq^Ve gute Behandlung machte uns alle fröhlich und zufrieden. Wir tanzten, .W/ sprangen, vollführten Waffenspiele mit Vergnügen und fangen Freiheits-lieber. Auch die Herren waren zufrieden; sie strömten in großer Anzahl zusammen, uns zu sehen. Am Abende luden sie uns ein, mit ihnen irsis Wirtshaus zu gehen, tun Bier zu trinken. Unsere Männer wollten nichts von diesem neuen, ihnen unbekannten Getränke wissen, deshalb blieben sie zu Hans. Wir Jünglinge jedoch verschmähten es nicht. Am Anfang schmeckte es zwar etwas bitter, bald aber gefiel es uns. Während wir tranken, bemannte sich unser eine außergewöhnliche Heiterkeit und Fröhlich. Der Dampf des Getränkes musste uns wohl in's Hirn gestiegen sein. Allmählich begannen Biergläser, Bänke, Tische und selbst die Wäitde um die Runde zu gehen. Ans dem Wirtshanse herausgekommen, sahen wir die Straße wirklich nicht zu genau. Nach vieler Mühe und Anstrengung uns int Gleichgewicht zu bewahren gelangten wir endlich zu unserer Schlafstütte. Die Männer schlummerten schon in tiefer Ruhe. Wir Jünglinge aber mit heißen Köpfen und vollen Bäuchen konnten keine Ruhe finden. Es fielen einige beleidigende Worte, hierauf kam es unter tins zum Streite. Da flogen die Stockhiebe zur Rechten und zur Linken. Einem Stuhle schlugen wir zwei Beine ab, zwei Wandspiegel und das elektrische Licht giengen in Scherben. Nun stand unser Scheich auf. „Bedenket, o Söhne, sagte er, dass ihr in einem fremden Lande seid; deshalb sollt ihr euch anständig und artig betragen!" Unser Scheich predigte tauben Ohren. Von neuem Streit. Einer der Streitenden verwundete mich mit einem tüchtigen Hiebe an der Stirne, so dass das Blut auf die Erde rann, sagte Achmet. Ich aber vergalt es ihm und verwundete ihn ebenfalls am Hinterkopfe. Indessen kam die Nachtwache, die den Lärm gehört hatte. „Was gibt es da?" rief sie in strengem Tone. „Fantasia!" antwortete unser Scheich, meine Leute 24 282 Reise bei Bischarinen Alibu imb Achniet in Europa. vollführen soeben ihre landesüblichen Tänze," und der Streit gieng weiter. Endlich qieng unserem Scheich die Geduld aus. „Hinaus mit euch, ihr Zankbrüder und Raufbolde!" schrie er, und ergriff zu gleicher Zeit eine große Nilpferdspeitsche. Wir nahmen rasch unsere Decken und eilten zur Thüre hinaus, während starke Peitschenhiebe über unsere Schultern hagelten. In unsere Decken eingehüllt schliefen wir draußen den besten Schlaf. Am folgenden Morgen kam der Gartenbesitzer, unser Schlafzimmer anzusehen. „Alles caput, alles caput!" wiederholte er und sammelte die auf dem Boden zerstreuten Scherben. Wir scharrten ihm zu. Caput, was hat er je mit dem Caput zu thun? fragten wir uns gegenseitig mit Staunen. Caput nämlich nennt man hier zu Assuan ein Kleidungsstück, das vom Kopfe über die Schultern herabhängt und dessen sich die Soldaten und Wachen zur Nachtzeit bedienen. Wir glaubten nun, dass von diesenr Kleidungsstück die Rede sei, und dass des Nachtwächters Caput gestohlen worden wäre. Hast du den Caput gestohlen? fragte einer den anderen. Alle verneinten, niemand hatte Nachtwächters Caput gesehen. Da keiner von uns den Diebstahl begangen hat, warum hat er uns je von Caput geredet? Das begriffen wir damals nicht und missen es auch heute noch nicht. — Hierauf kam Herr Möller. Unter anderem machte er uns Vorwürfe, weil wir das elektrische Licht zerbrochen hatten und drohte uns in Zukunft ohne Licht zu lassen. Macht nichts, antworteten wir ihm, wir werden es nicht mehr thun. Im übrigen schlafen die Bischarinen auch ohne Licht, in ihrem Lande haben sie kein Bedürfnis nach Licht. Es kam auch ein Arzt, der unsere verwundeten Köpfe verband. — Die Bischarinen sind Säufer, hieß es alsdann, sie sollen kein Bier mehr trinken. „Schwöre, sagte der Herr zu unserem Scheich, dass du in Zukunft deine Leute nicht mehr in's Wirtshaus lässt." Unser Scheich ergriff mit der Hand feinen Bart. „Beim Bart des Propheten schwöre ich, rief er aus, dass ich fernerhin meine Leute nicht mehr in's Wirtshaus gehen lasse. Derjenige, der sich von neuem betrinkt, verliert seine Zahlung und wird in's Gefängnis geworfen." Dennoch gelang es uns, ihn zu täuschen, und bald unter einem Vorwände bald unter einem anderen entfernten wir uns, um einige Gläser zu trinken. In demselben Garten, in welchem wir verweilten, sahen wir viele Thiere, wie Löwen, Tiger, Hyänen, Schakale, Bären, Gazellen u. s. tu. Alle diese befanden sich in besonderen Zimmern. Die Europäer sind doch sonderliche Leute, sagten wir. Wir in unseren Ländern todten solche Thiere, wann tun sie treffen, hier aber erbaut man ihnen sogar Häuser. Welcher Nutzen ist je dabei? Schau, jenes Thier dort habe ich auch in meinem Lande gesehen, bemerkte einer unserer Männer, das will ich todten, sagte er zum Scheich, und zog ohne tveiteres ein langes Messer heraus. Mit dem Fleische des Thieres halten wir eine herrliche Mahlzeit. Die Haut aber nehme ich mit mir und verkaufe sie zu Assuan. Wehe demjenigen, der eines dieser Thiere tobtet, drohte uns hierauf Herr Möller; er muss es mit dem eigenen Halse büßen. Diese Thiere sind sehr nützlich; ich gewinne damit viel Geld. Von Zeit zu Zeit führte man uns zum Spaziergange aus. Jtt Zweispännern durchzogen wir die Stadt im Galopp. Voran saß der Herr. Nach ihm kamen die Mädchen und Weiber mit geschmücktem Halse und Haaren, hierauf die Knaben und Jünglinge und die Männer schlossen den Zug. Jünglinge und Männer trugen Schilde, Schwerter, Lanzen, Stöcke und die Haare mit reichlichem Fett beschmiert. Es waren im ganzen zehn Wagen. Dieselben waren von oben bedeckt, zu beiden Seiten aber waren sie durchsichtig wie das Cristall, so dass man uns darin sitzen sehen konnte. Zahlreiche Leute liefen den Wagen nach und riefen dem Herrn Möller zu, halt zu machen. Die Wagen machten halt und sofort wurden Vorhänge herabgelassen, die uns dem Anblicke der Neugierigen entzogen. „Kommt Reise der Bischarinen Alibu nub Achmet in Europa. 283 zum Garten", rief der Herr, und von neuem gieng es weiter im Galopp. Zum Garten zurückgekehrt traten wir mit verhülltem Kopfe und im Laufe in unsere Wohnungen ein, damit niemand uns beobachten könne. Zu Wien sahen wir gar viele wunderliche Sachen. Unter anderem erblickten wir Herren, die in einem Wagen saßen und sich von zwei Pferden ziehen ließen. Das ist sonderbar, dachten wir. Ist denn der Herr so schwer, dass zwei Pferde an ihm zu ziehen haben? und wozu der Wagen? Wäre es nicht besser, wenn der Herr ihn zu Hause lassen würde? Auch von den Pferden könnte er eines im Stalle lassen; das andere könnte er reiten und hinter ihm ein Diener, der mit der Peitsche oder dem Stocke das Thier vorwärts treibt, wie man es zu Assuan mit den Eseln zu thun pflegt. Das wäre am einfachsten und so hätte man auch auf der Straße mehr Platz. So dachten wir. Einen Monat lang hielten wir uns zu Wien ans. Hierauf gieng es nach Basel. Wir fuhren eine ganze Nacht lang in der Eisenbahn. Am folgenden Tage sahen wir Gras, Getreide, Kühe, Schafe, Schweine u. s. w. Unter andern: betrachteten wir auch Frauen, welche auf dem Felde arbeiteten. Wir erstaunten darüber nicht wenig. Früher nämlich hatten wir geglaubt, dass die Europäer alle reiche Leute seien und nun sahen wir sogar die Weiber mit Arbeit beschäftigt. Es muss folglich auch unter ihnen arme Leute geben. Basel ist eine kleine Stadt, in der kein Trinkgeld zu finden war. Deshalb verließen wir sie nach zwanzig Tagen und begaben uns nach Frankfurt, woselbst wir einen Monat verblieben. Diese Stadt gefiel uns; es gab viel Trinkgeld. Dort sahen wir zum erstenmal gewisse Vögel, Papageien genannt, welche wie die Menschen reden konnten; sie redeten englisch. Darüber verwunderten wir uns höchst. Sind das je Adamskinder, die von Gott so geschaffen sind? sagten wir unter uns. Von Frankfurt gieng die Reise weiter nach Dortmund'. Auch dies ist eine kleine Stadt. Die Leute kamen zwar unsere Spiele anzusehen, gaben uns aber kein Trinkgeld. Beim Sammeln kam die kleine Summe von 1 Mark heraus; es mussten wohl arme Leute sein. Die kleinen Kinder liefen uns nach und streckten gegen uns die Hände um ein Almosen aus. Darüber erstaunten wir fürwahr. Waren wir doch gekommen, um von den Bewohnern des Landes Geld zu bekommen, nun im Gegentheil wollten diese von uns ein Trinkgeld haben! Dort gab es nicht nur arme, sondern auch böse Leute. Eines Tages nach dem Spiele machte ein Jüngling die Runde, um Trinkgeld zu sammeln. Sein Schwert hatte er beiseite gelegt. Einer der Umstehenden lief rasch herbei und stahl ihm das Schwert. Glücklicherweise erblickte der Jüngling den Dieb, verfolgte ihn und entriss ihm das Schwert. Ein anderer der Unseligen wurde am Abend von einem Betrunkenen verwundet. „Führe uns weg von hier," sagten wir dem Herrn. In solchem Lande wollten wir nicht ferner bleiben, und nach einem Aufenthalt von nur zehn Tagen verließen wir Dortmund. Diesen Ort nennen wir den Ort des Hungers und der Bösewichter. Wir fuhren nun nach Hamburg. Das ist eine herrliche, reiche Stadt, wo es feistes Trinkgeld gab. Nach einem fröhlichen, lustigen Aufenthalte von einem Monat und zehn Tagen kehrten wir nach Triest zurück, wo wir von neuem eines der schwimmenden Häuser bestiegen. Im allgemeinen waren wir recht zufrieden. Zn Wien, die erste Zeit nach unserer Ankunft ausgenommen, hatte es uns wohl gefallen, ebenso zu Frankfurt und zu Hamburg. Während unseres Aufenthaltes in jenen Ländern hatten wir flott gelebt, nichts gearbeitet, viele neue Sachen gesehen und ansehnliche Geldsummen gesammelt. Auch in Bezug auf Kleidung waren wir gut ausgestattet. Zu Hamburg wurden unsere Kleider zum letztenmal gewaschen. In Zukunft werden sie kein Wasser mehr sehen. Die Länder, die wir durchzogen hatten, sind reich fürwahr. Dort gibt es viele Weiden- 24* 284 Reise der Bischarinen Alibn und Achmet in Europa. flächen, Kühe, Schafe, Ziegen und Überfluss an Geld. Ja das schöne Geld, das dart so reichlich ist, während es hier zu Assuan so viele Mühe kostet! Wir erkannten nun, dass Ibrahim Abdön Recht hatte, als er uns vom Reichthum und von der Fülle der dortigen Länder redete. Schade nur, dass jenen Ländern die Sonne fehlt. Der Himmel war fast immer mit Wolken bedeckt; sehr oft fiel der. Regen. Das machte uns einen seltsamen Eindruck. Wer kann hier zwischen Tag und Nacht unterscheiden? sagten wir bisweilen unter uns. Einige Tage kamen uns in der That vor, tuie in unserem Lande die Nacht. Nach einer glücklichen Reise ans dem Salzfluss gelangten wir nach Alexandrien. Zu Kairo kauften unsere Leute verschiedene Sachen, um damit ihren Verwandten zu Assuun ein Geschenk zu machen. Alibn kaufte ein buntfarbiges Kleid und ein Paar Markub (Schuhe) für seine Mutter. Unsere Rückkehr nach Assu'n verursachte im ganzen Lager außergewöhnliche Freude. Nach monaten-langer Trennung sahen wir denn unsere theuren Verwandten wieder; in guter Gesundheit und Zufriedenheit rieben wir uns gegenseitig zum Gruße die Nasen. Unsere Verwandten ergötzten sich ungemein an den ihnen mitgebrachten Geschenken. Wie hiengen sie an unseren Lippen, als wir ihnen von unseren Erlebnissen erzählten! Auch Ibrahim Abdön kam herbei. „Nicht wahr, jene Sauber sind herrlich und reich?" sagte er. „Ja du hattest Recht, als du uns jene Länder lobpriesest, denn es gefiel uns dort wohl," antworteten wir ihm. „Erkennet hieraus, o meine Leute, dass euer Scheich ein Sachverständiger ist," bemerkte Ibrahim. „Jedoch in etwas hast du uns angelogen," erwiderteil wir dem Scheich. „Du hast uns nämlich gesagt, dass man über keinen Salzfluss zu fahren hat, um in jene Länder zu gelangen. Leider aber mussten wir über einen großen Salzflnss fahren, der sehr garstig ivar. Ferner bei unserer Ankunft in jene Lander hatten wir am Anfang kalt." „Macht nichts, das sind Kleinigkeiten," antwortete unser Scheich. „Indessen seid ihr zurückgekehrt in völliger Gesundheit und Zufriedenheit, gut gekleidet und mit schönem Gelde versehen. Danket Gott dafür!" Hierauf begannen die Freudenmahlzeiten. Manche feierten drei Tage, andere sechs. Auch unserem Scheich brachten wir ansehnliche Fleischstücke. „Gott möge euch bewahren, und wenn es möglich ist, werde ich euch ein anderes Mal nach Europa schicken," sagte er. Alibu hat sich ein Kameel gekauft und dasselbe mit Zucker, Datteln, Weizen u. s. w. seiner Mutter als Geschenk geschickt. Kurz darauf ist auch er abgereist, um sich der gesunden Luft von Etbai zu erfreuen. Im übrigen liebt auch sein Vater nicht, dass er zu sehr mit den Europäern umgehe, aus Furcht, dass er zu zahm werde und so von der echten Bischarinenrace ausarte. Achmet wird ihm nach kurzem folgen. — Der Vater des unglücklichen, zu Wien verstorbenen Jünglinges machte sich bittere Vorwürfe, als er vom Tode seines Sohnes vernahm. „Ich hätte ihn nicht in jene Länder abreisen lassen sollen," sagte er unter anderem. „Sein Los war so; Gott hatte ihn nicht für ein längeres Leben bestimmt," erwiderten ihm die Seinigen. Der traurige Vater schor sich an der Stirne ein wenig die Haare und kehrte trostlos in sein Land zurück. Möge es dem Herrn gefallen, diese armen Wüstenkinder mit dem Geschenke des wahren Glaubens zu beglücken, damit sie zu den wahren Freuden des Paradieses gelangen! Für die Redaction: P. XitUci' Gcycr F. S.C. — Druck von A. Weger's fb. Hofbnchdruckerci, Brixcn. liiilainiig int ßBliiiiig. W^it künftigem Jahre 1900 beginnt der „Stern der Neger" den III. Jahrgang. Die Zeitschrift, welche am Anfange jeden Monats erscheint, bringt Aussätze und Abhandlungen über die Neger, ihre Christlichinachung und Civilisierung, sowie Besprechungen von Ereignissen, welche das ewige und zeitliche Heil, Wohl und Wehe der Neger berühren, ferner Originalbriefe, Mittheilungen und Nachrichten unserer Missionäre in Afrika, endlich die wichtigeren Begebenheiten aus unserer Congregation, sowie aus unserem Missionshause. Als Organ der „Söhne des hlst. Herzens Jesu" und ihres Missionshauses, das dem Herzen Jesir geweiht und unter den Schutz unserer Lieben Frau gestellt ist, wird der „Stern der Neger" bei seinem jedesmaligen Erscheinen das hlst. Herz Jesu oder die allerseligsie Gottesmutter durch irgendeinen Artikel verehren oder auch etwas zu Ehren der hl. Familie bringen, die den Boden Afrikas durch ihre Gegenwart geheiligt hat. Durch die Gnade Sr. Eminenz des hochwürdigsten Cardinals Gruscha, Fürsterzbischofes von Wien, wurde unsere Zeitschrift zum Organ des „Marien-Vereines für Afrika" gewählt, und wird dieselbe daher auch die wichtigsten Mittheilungen aus diesem altehrwürdigen und um unsere Mission hochverdienten Vereine bringen. Wir werden bestrebt sein, im künftigen Jahre den Kreis unserer Materien noch zu erweitern und Veröffentlichungen von allgemeinem Interesse Raum geben. Den Text erläutern Abbildungen aus unseren Missionsstationen, Land und Leuten des Missionsgebietes. Die nun erfolgte Erschliefzung des Sudan öffnet unserer Congregation einen ungeheuren Wirkungskreis: derselbe reicht vom ersten Nilkatarakt bei Assuan bis an den Albert-Nyauza-See: ein Land voll Wunder und Seltenheiten in Natur-, Thier- und Pflanzenwelt, wo 40 Millionen Menschen ihr Heil erwarten. Dieses Gebiet dem liebevollen Herzen Jesu zu gewinnen, ist Aufgabe der Congregation „Söhne des hlst. Herzens". Die erweiterte Missionsarbeit wird uns in Stand setzen, unsern Lesern eine Fülle von Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten, die das opferfreudige Wirken der Missionäre umfasst, und dies in einem Gebiete, das unter allen afrikanischen Ländern durch die jetzige Lage der Dinge in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt ist. Möchten sich recht viele Be-rufene für diese Missionscongregation melden! Wer sich berufen fühlt, möge sich behufs Aufnahme vertrauensvoll an den Obern des Missionshauses des hlst. Herzens Jesu in Mnhland bei Briren (Tirol) wenden! Wir bitten aber auch alle, die es vermögen, durch Bestellung des „Stern der Neger" unsere heilige Sache unterstützen zu wollen, und ersuchen unsere verehrten Leser, das Abonnement erneuern und uns neue Abonnenten zuführen zu wollen. Der jährliche Preis beträgt mit Postversendung 1 sl. 50 kr. Ö. W. (3 Mark). Wir bitten recht herzlich, die Bestellungen bald uns zukommen zu lassen. Bestellungen erbittet und nimmt entgegen in Wühlanö bei Mrmxen (^tros). Aiisilchms-KkdiWiMN der ftnptptitm der Zähne des hciliBr» Kkpciis Jesu. Die Congregation besteht aus Ordenspriestern und Ordenstaienbrüdern. Es werden in dieselbe außer Priestern aufgenommen Studenten und Laienbrüder. Hiezu wird von der Regel erfordert: 1. Für Studenten: dass sie wenigstens 16 und nicht über 34 Jahre alt, von guter körperlicher Gesundheit, hinreichenden Fähigkeiten, gediegenem und beständigem Charakter, von habituell guter Aufführung, frei von Schulden und Faniilienhindernissen sind; ferner, dass sie nie in Missionen gewesen sind und nie einer anderen geistlichen Genossenschaft angehört haben, dass sie den aufrichtigen Willen besitzen, Ordensleute zu werden und sich für immer der Mission zu weihen; dass sie so viele Studien gemacht haben, um regelrecht der Philosophie und Theologie sich widmen zu können, zum mindesten jedoch, dass sie die 5. Gymnasial-classe absolviert haben. 2. Für Laienbrüder: dass sie das 20. Jahr vollendet und das 30. nicht überschritten haben, feste Gesundheit und körperliche Kräftigkeit, offenen Sinn und gesunden Verstand, Kenntnis irgend einer mechanischen Kunst oder eines Handwerkes, genügenden Unterricht und Befähigung, um an Ort und Stelle fremde Sprachen zu erlernen, besitzen; dass sie von bürgerlichen und militärischen Ver-psiichtungen und von Seite ihrer Familien frei sind, keine Schulden oder sonst, Verpflichtungen welcher Art nur immer haben; dass sie noch nicht in Missionen gewesen sind und keiner anderen geistlichen Genossenschaft angehört haben; vor allem aber, dass ihre sittliche Aufführung derart ist, dass man mit Grund Gutes von ihnen hoffen kann. Alle müssen zwei Jahre Noviziat machen, worauf sie, wenn nach dem Urtheile der Obern kein Hindernis entgegensteht, die heiligen lebenslänglichen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Die Studenten setzen dann ihre Studien für das Priesterthum fort.. Beim Eintritt in die Congregation muss jeder eine bescheidene Ausstattung an Kleidung und Leibwäsche mit sich bringen und soviel Geld, als zur Rückkehr in die Heimat erforderlich ist, wenn solche aus einem triftigen Grunde sich als nöthig erweisen sollte. Nach ihrem Eintritte, seien sie Studenten oder Laien, übernimmt das Institut ihre Versorgung in allein Nöthigen, in Gesundheit und Krankheit, wie für seine Söhne. Behufs Aufnahme in die Congregation ist an den?. Rector des Missionshauses der Söhne des hl st. Herzens Jesu in Mühlaud bei Br ixen (Tirol) Folgendes einzusenden: 1. Ein Aufnahmsgesuch mit kurzer Lebensbeschreibung und der Erklärung Ordensmann und Missionär für die Neger lebenslänglich sein zu wollen; 2. das Zeugnis des Bischofs der eigenen Diöcese; 3. das Tanf- und Firmungszeugnis; 4. ein Sittenzeuguis, ausgestellt vom eigenen Pfarrer; 5. ein ärztliches Gesundheitszeugnis; 6. (bei Minderjährigen) die Zustimmungserklärung des Vaters oder Vormundes; 7. (bei Studenten) die Zeugnisse der absolvierten Gymnasialclassen, besonders der letzten; 8. (bei Laien) im Gesuche angeben, ob sie ein Handwerk verstehen.