v . . (■ B1BL10GRAPH1SCHE SELTENHEITEN DER truberliteratur VON FRIEDRICH A H N. d-cb. G RAZ. IM S E L B S T V E R L A G E VON FRIEDRICH AHN 1894 . . ',v K’ - v - BIBUOGRAPHISCHE SELTEN HEITEN DER VON FRIEDRICH A H N. GRAZ. IM S E L B S TV E R L A G E JV O N FRIEDRICH A H N 1894 . K. k. Universitats-Buchdruckcrei ,Styria‘ in Graz. ann tila SEINER EXCELLENZ DEM HOCHGEBORNEN HERRK GUNDAKER GRAFEN WURMBRAND, SR. MAJESTAT K. U. K. GEHEIMEN RATI-I, K. U. K. KAMMERER, K. K. H AND ELSMIN ISTE R E re. ETC. IN DANKBARKEIT GEWIDMET VOM VEREASSER. Wie fruchtbar sich auch die erste Literaturperiode der Slovenen im 16. Jahrhundert gestaltet hatte, und wie eifrig auch der Apostel der neuen Lehre in Krair., Primus Truber, und scine Genossen an der Ubersetzung der protestantischen Werke der Deutschen gearbeitet hatten, so sind doch von diesen Druckschriften nur wenige Exem~ plare auf uns gekommen. Denn sofort mit der Gegen- reformation, welche mit aller Strenge in Steiermark, Karnten und Krain vorgenommen wurde, fielen die im Volke zahlreieh verbreiteten und als kostbarer Familien- schatz sorgsam gehiiteten Bibeln, Katechismen, Postillen und Gesangsbiicher, als der Same des Unkrautes, wie sich A. D imi tz ausdriickt 1 ), dem fanatischen Eifer der »jesuiti- schen Reformations-Commission« zum Opfer. Gegen das Ende des 16. Jahrhundertes begann vor- ziiglich in Innerosterreich das Uberhandnehmen des Pro- testantismus eine Reaction heraufzubeschworen. Im Jahre 1581 liefi der Patriarch von Aquileja durch dcn Generalvicar in seinem Kirchensprengel eine Visitation vornehmen, bei welcher, wie A. Klein 2 ) berichtet, gegen 2000 lutherische Biicher, namentlich Exemplare der ins Slovenische iibersetzten Bibel, confisciert und verbrannt wurden. Auch der Erzherzog Karl liefi im folgenden Jahre, so erzahlt der namliche Gewahrsmann, bei 12.000 ketzerische r ) Urkunden zur Reformationsgeschichte Krains (1540—1634), S. III. 2 ) A. Klein, Geschichte des Christenthums in Osterreich und Steiermark, IV, S. 256. 6 Biicher verbrennen. An der Wende des Jahrhundertes, nachdem Erzherzog Ferdinand dieRegierung seiner Liinder iibernommen hatte, stand in Steiermark Martin Brenner, Bischof von Seckau, an der Spitze der Gegenreformati on, welchem die schon im Jahre 1572 ins Land gerufenen Jesuiten wacker an die Hand giengen. In Krain finden wir um dieselbe Zeit den Laibacher Bischof Thomas Chron als Seele der Commission, den einerseits die Bischofe von Freising und Brixen, welche in Krain begiitert waren, anderseits die im Jahre 1596 nach Laibach gekommenen Jesuiten eifrig in seinen harten Mafiregeln unterstiitzten. In den Hauptstadten dieser Provinzen, Graz und Laibach, wurden in denjahren 1600 und 1601 die gutwillig abge- lieferten und die aufgesptirten protestantischen Biicher wagenweise auf offentliche Platze geschafFt und dort zu Tausenden verbrannt. Und was in den Hauptstadten im grofien geschah, das wiederholte sich in den klcinen Stadten und Markten im kleinen; wohin die Commission mit ihrer Guardia kam, da wurden die unkatholischen Biicher unnachsichtlich verbrannt. Und diese eiserne M a 8- regel der Bekehrung zum Katholicismus iibte die Gesell- schaft Jesu, wie die »Historia annua Collegii Societatis Jesu Labacensis«*) beweist, in Krain bis zum En de des 17. Jahrhundertes. Dieselben Grundsatze waren bei der Gegenreformation in Karaten leitend; auch hier vernichtetc man die aufgefundenen protestantischen Biicher. Nur eine geordnete Sammlung von lutheiischen Druckschriften in Krain entgieng in dieser aufgeregten Zeit der Vertilgung durch Feuer. Ich meine die ansehn- liche Bibliothek der krainischen Landschaft in Laibach, deren eigentlicher Begriinder Primus Truber selbst ge- >) Eine Handschrift im Rudolfinum zu Laibach; behandelt die Thiitigkeit der Jesuiten in Krain in denjahren 1596—1691. 7 wesen war. Als er namlich, den driingenden Verhaltnissen weichend, im Jahre 1565 von Laibach schied, liefi er seine Biicherei daselbst zuriick und machte sie spater im Jahre 1569 der Landschaft zum Geschenke. Von kleinen Anfangen war die landschaftliche Biichersammlung durch Ankaufe der Biicher der gestorbenen und vertriebenen Superintendenten, Pradicanten und Lehrer 1 ) nach und nach auf etliche Tausende von Banden angewachsen, zumal da alle auf Kosten der Landschaft gedruckten Werke in ein- zelnen oder mehreren Exemplaren derselben einverleibt wurden, sodass es wohl keinem Zweifel unterliegt, dass diese landschaftliche Bibliothek wohl alle oder die meisten Druckschriften aus der protestantischen Literaturperiode der Slovenen enthielt. Audi noch wahrend der Gegen- reformation sind Zuwachse zu verzeichnen gewesen. Denn wir lesen, dass die krainischen Stande vor dem zweiten Auto-da-fe in Laibach Biicher kauflich an sich brachten und aus Chrons Notizen in seinem Einschreibkalender zum Jahre 1610 2 ) erfahren wir, dass auch in diesem Jahre noch Anschaftungen »ketzerischer Biicher« geschahen. Nach vielen erfolglosen Verhandlungen der Land¬ schaft mit dem Laibacher Bischofe wurde endlich im Jahre 1616 diese fiir die Sprachforschung so \vichtige Biichersammlung der Gesellschaft Jesu iibergeben, welche dieselbe in ihrem Collegium aufbewahrte. Auf diese Weise geborgen, wiiren nun diese Biicher im Laufe der Zeit der v ) So waren die Biichereien der Superintendenten Bartholomaus Špindler und Felician Truber, des Bibeliibersetzers Georg Dalmatin, des Magisters Georg Clement und des Grammatikers Bohorič von der krainischen Landschaft angekauft worden, wie A. Dimitz, Ge- schichte Krains, III, S. 321, berichtet. 2 ) „Libri haeretici per Viduam Stephani Bibliopegi venales clam circulati." 8 Wissenschaft zugute gekommen, wenn nicht auch diesen letzten Rest der geordneten 'Truberliteratur cine Katastrophe dahingerafft hatte. Die Feuersbrunst, welche im Jahre 1774 x ) das Jesuitencollegium in Laibach einascherte, ver- nichtete auch diesen kostbaren Biicherschatz in ihren Flammen. Kein Wunder ist es daher, wenn nach solehen Schick- salen der jungenNational-Literatur derSlovenen nur wenige Werke, wie durch Zufall diesen Katastrophen jener finsteren Zeit entkommen, sich erhalten haben. Und waren auch manche Exemplare dieser Druckschriften dem Spiirerauge der Commission gliicklich entgangen, so war leider oft der Auf bewahrungsort des geretteten Buches in der ganzen Zeit der Thatigkeit der Jesuiten ein derartiger, dass er demselbcn zum mindesten Schaden zufiigte. Die Nasse der Keller, feuchte Mauerverschlage, Mause und Ratten, endlich der Bucherwurm, dessen Thatigkeit zwar langsam, aber sicher ist, schliefilich die Hiinde von Laien, die den Wert des gefundenen Schatzes nicht erkannten und das Buch als Maculatur behandelten, haben wesentlich beige- tragen, dass die Anzahl der vollstandigen Excmplarc der Werkc dieser Literaturperiodc so gering ist. Soweit ist es gekommen, dass uns manche Werke aus dieser Zeit nur dem Namen nach bekannt sind; dass si e in Druck erschienen sind, wissen wir nur aus spiitercn gliicklich erhaltenen Werken. Und auch von den letzteren ist nach dem Gesagten die Anzahl der Exemplare bis jetzt so gering, dass wir diesclben mit vollem Rechte als bibliographische Seltenheiten ansehen und behandeln miissen. Eine solehe Seltenheit nun, oder vielmehr ein solehes v ) Am 28 . Juni. 9 bibliogniphisches Unieum, ist die Spangenbergische Postil le, iibersctzt von Krell und Jurischitscb, aus der Laibacher Buchdruckerei des Johann Mannel 1578. Dass ich gerade dieses Werk der protestanti schen Literaturperiode zu beschreiben mir vorgenommen, findet seinen berechtigten Grund darin, weil das Buch bis jetzt von keinem Literaten, welcher die Truberliteratur behandelte, erschopfend beschrieben wurde oder beschrieben werden konnte. Denn selbst bei Th. Elze, der in Bezug auf Trube- riana als Autoritat anzusehen ist, haben sich bei der letzten Beschreibung der Postillen im 16. Jahrhunderte beziiglich der Spangenbergischen Postille vomjahrc 1578 Unrichtigkeiten und Ungenauigkeiten eingeschlichen, die ihrcn Grund im Mangel eines vollstandigen Exemplares dieses Werkes haben, und die ich hiemit, da mir nun ein completes Exemplar zur Verfiigung steht, zu heilen mir vorgenommen habe. Das Exemplar, welches mir zu Gebote steht, ist Eigcn- thum des Privatdocenten an der k. k. Universitiit in Graz, Plerrn Dr. V. Oblak, der es gelegentlich einer Forschungs- reise nach solchen Seltenhciten in Karnten gliicklich auf- gefundcn und kauflich an sich gebracht hat. Ich wieder- hole nochmals, es ist das einzige vollstandige Exemplar dicser Ausgabe, welches wir bis jetzt kennen, und nur zu berechtigt ist daher der Wunsch, dasselbe dem Lande zu erhalten. Schon das Aufierc dieses I)ruckwerkes macht auf den Leser einen ehnviirdigen, imponierenden Eindruck. Es ist ein ansehnlicher (Juartband; die Einbanddeckel, ein Centi¬ meter dick, aus PIolz, mit braunem glatten Beder ganz iiberzogen, welches durch die Lange der Zeit und den feuchten Aufbewahrungsort noch dunkler geworden ist. Lederschliefien mit Metallenden haltcn die Deckel zu- 10 sammen. Das Papier im Innern des Buches hat aus dem angefiihrten Grunde eine gelblich braune Farbe angc- nommen, das geoffnete Buch verbreitet einen ausge- sprochenen Modergeruch. Nichtsdestovreniger hat dieses Exemplar seine Vollstandigkeit nicht eingebiifit und er- moglicht uns, eine erschopfende, richtige Beschreibung von ihm zu geben. Das Titelblatt der ersten, sowie der zwei nachfolgen- den Theile ist umrahmt von zierlichen Holzschnitten und lautet: POSTILLA ^ To ie KERSZHAN- SKE EV ANGELSKE predige, verhu vfakiga Nedel- skiga Euangelia. OD ADVENTA DO PASKE ali Velikonozhi. S A HISHNE GOSPODAR IE, Shole, mlade inu preprofte liudi. Od Ioan: Spangenberga, na vprasha- nie, inu odgouor isloshena. PERVI DEL. Sdai peruizh, verno inu sueifto Stolmazhena: Inu vpraui Slouenski lesik prepifana Anno M. D. LXXVIII. Die 3., 4., 7., 11., 13. Zeile und die Jahreszahl er- scheinen roth gedruckt. Unter der Abbildung des heiligen Geistes in der Titelblatt-Einfassung aller drei Theile sind die Buchstaben H..-V. gedruckt zu lesen. 2 *,'3«Auf dieses Titelblatt folgt eine drei Seiten lange 11 slovenische Vorredc von Georg Jurischitsch, der den zweiten und dritten Theil ubersetzt hat, unterzeichnet: Vas vfih, fueft Slushabnik Georg Jurishitzh. Daran reihen sich zwei Seiten Gebete, vor und nach jeder Predigt zu sprechen: PRED VSAKATERO PRE- digo fe ima letako sazhet gouoriti: etc. v KRATKO SAHVALENIE INV Gmain Molitua po tei Predigi: etc. Die folgende Seite ist leer. Nun folgt die Zueignung des Buchdruckers: „6en tDoIgeborneit / <£61en / ©eftrengen . . . fjerrn ©rafen / ^tey- f)ern / Hittern / Senen nom 2161 un6 6er Burgerfdjafft / 21ud) alku ©ottfeiigen ©l)riften in 6en £an6eu nn6 ^urftcuttjumen 5teyr / Tam ten uu6 ©ram / 21ud) 6enen in 6er fuvftlitJjeu ©rafffcbafft ©orp / BTottling / 3ftcrreid) un6 Harfi fCgfjaft ic. IDiinfd) id) ©na6 nu6 jfri6 6urd) ©t)riftum 3 e f um *“ In dieser zwei Blatt starken Zuschrift erzahlt uns der Drucker Mannel unter anderem, dass der Magister Seba- stianus Crellius von der Postille Spangenbergs den ersten Theil, den Wintertheil, ins Slovenische ubersetzt habe und denselben in Druck habe erscheinen lassen. ,,2tber ebe er 6ie au6ern 5 m en tfjail attgefangen 11 , sei er gestorben, und sei dadurch das Werk unvollendet geblieben. Die Landschaft habe nun „eineni inifgefellen (£rellij“ aufgetragen, die zwei fehlenden Theile mit Krells Orthographie zu iibersetzen. Dies sei auch vor zehn Jahren geschehen, doch habe die Drucklegung auf sich warten lassen. Da nun Mannel er- achte, „6aš 6ife Verfion 6en nu6er Ste^rem / Dnter 21Iard)ern / Karuern / Pfterreidjern / ©orperu / llljarptuern / rm6 fou6erlid) 6enen in 6er ©rafffdjaft / fotvol als 6en ©rainern fonbers Ijodpiiiijiid) feiu fann“, habe er, als ihm die Ubersetzung 12 in die Hand gekommen, dieselbc durch gclehrte und sprachkundige Leutc durchsehen, corrigieren und im cigcnen Verlage drucken lassen. Unterzeichnet ist diese Widmung: Caibacf) / ž>ett 26. Ilprilts. Itnno 1578. <£. ©. »tt6 £)i\ Hud? <£. ID. Dit&etlljemger un& gefjorfamer / 3otjannes IlTaimlius / Irucfet 6afelbft. Nun folgt der Text des ersten Theiles auf 136 ge- ziihltcn Blattern. Der erste Theil gcht vom ersten Advent- sonntage bis zum Leiden Christi. An diesen schliefit sich der Sommcrtheil vom Ostersonntage bis zum 26. Sonn- tage nach hi. Dreifaltigkeit mit einem neuen Titelblatt: POSTILLA To ie KERSZHAN- SKE EVANGELSKE predige, verhu vfakiga Nedel- skiga Euangelia. OD PASKE, ALLI VELIKE Nozhi do Aduenta. SA HISHNE GOSPODARIE Shole, mlade inu preprofte liudi. Od loan: Spangenberga, na vprasha- nie, inu odgouor isloshena. DRVGI DELL. Sdai peruizh, verno inu sueifto Stolmazhe- na: inu vpraui Slouenski iesik prepifana. Dieses Titelblatt ist ganz schwarz gedruckt. Ans Titelblatt schliefit sich der Text des zweitcn Theiles 13 auf 214 gezahlten Blattern. Auf der Vorderseite des 214. Blattes ganz unten lesen wir: DRVKANO V LIVBLANI SKOSI Joannefa Mandelza, Atino M. D. LXXVIII. Die Riickseite dieses letzten Blattes ist leer. Der dritte Theil der Postille (Feiertagspredigten) hat folgendes Titelblatt: POSTILLA i To ie KERSZHAN- SKE EV ANGELSKE predige, verhu Euangelia, na vfe poglauite Prasdnike, skos celo Leto. SA HISHNE GOSPODARJE, Shole, mlade inu preprofte liudi. Od Ioan: Spangenberga, na vprasha- nie, inu odgouor isloshena. Sdai peruizh, verno inu sueifto Stolmazhena: Inu vpraui Slouenski Iesik prepifana. Anno M. D. LXXVIII. * 0 Die L, 3., 4., 8., 10., 14. Zeile erscheinen roth gedruckt. Dieser Theil enthalt 2—136 gezahlte Blatter, be- ginnt mit dem Tage des fieil. Andreas und endet mit der Predigt vom Worte Gottes naeh Luk. 11. Auf der Riick- seite des 136. Blattes am Schlusse des Blattes ist zu lesen: Tebi IESV CHRISTE budi vezh- na huala, AMEN. ©cbnicft in 6er ^iirftlidjeit f)auptftat £aYbacb / 6urct} f)an| ItTanuel Anno Domini \578j 14 Vergleicht man nun mit diesem completen Exemplar der Postille das der Laibacher Studienbibliothek, in welches ich ebenfalls Einsicht genommen habe, so sieht man auf den ersten Blick, daSs dasselbe incomplet und verbunden ist. Denn derjenige Theil, der im Laibacher Exemplar als erster gebunden ist, ist der dritte Theil mit dem Titelblatt des dritten Theiles, geht aber nur bis Blatt 120, 120—136 fehlen. An diesen dritten Theil schliefit sich ohne Titel¬ blatt, Vorrede, Gebete und Zuschrift des Buchdruckers der erste Theil von Blatt 72 bis Schluss; es fehlen also Blatt 1-—71 incl. Nur der zweite, der Sommertheil, macht halbwegs Anspruch auf Vollstandigkeit, denn er besitzt Titelblatt und 214 Blatter, wovon allerdings Blatt 100 bis 103, 119 — 130 fehlen; doch konnten dieselben ohne viel Schwierigkeit jetzt erganzt werden, nachdem ein voll- standiges Exemplar ausfindig gemacht worden ist. Das¬ selbe gilt vom Stuttgarter und dem Gorzer Exemplar der Spangenbergischen Postille. Bei Gelegenheit der Beschreibung dieser bisher noch nicht erschopfend beschriebenen bibliographischen Selten- heit aus der reformatorischen Literaturperiode der Slovenen glaube ich nicht versaumen zu diirfen, die Werke dieser Periode, welche die Universitatsbibliothek in Graz besitzt, zu erwiihnen, zumal da es Rarissima sind, und deren Vor- handensein nicht allgemein bekannt zu sein scheint. Vor allem nenne ich Trubers Neues Testament, I. Theil, in Quartformat aus dem Jahre 1557 '), bckanntlich eines der iiltesten Werke dieser Epoche. Es ist dies ein Exem- plar, welchem das Titelblatt: TA PERVI DEIL ... (ij die deutsche Vorrede (10 Blatt), das slovenische Gebet (1 Blatt) das slovenisehe Titelblatt (1 Blatt), TA SVMMA — EN *) Folgenummer seit Klosteraufhebung: 17.035, Signatur: Theol. II. 310. 15 KRATIG NAVVK_(3 Blatt), im ganzen 16 Blatter, fehlen, und welches mit dem Bogen d, dem slovenischen * Kalender vom Jahre 1557, beginnt. Der Kalender, dessen Titel lautet: TA SLOVENSKI KO- LENDAR, KIR VSELEI TER- pi, Inu ena Tabla per nim, ...... U)in6ifd)a- (Ealenbet / imb anbere fadjen barbey. V tibingi Vtim Leitu po Iefufouim Criftufouim Royftuu. M. D. LVII. umfasst sammt dem Register iiber alle Biicher und Stiicke der ganzen heil. Schrift und mit dem Titelblatt 8 Blatter. Daran schliefit sich das Titelblatt der langen slovenischen Vorrede: TIGA NOVIGA TE¬ STAMENTA ENA DOLGA PRED- GVVOR. VTI SO TY NER POTREBNISHI INV pridnishi Articuli.skufi Primosha Truberia Crainza. Te shtuke, kir fe vti dolgi Predguuori vuzhe, Tebi ta REGISHTER fa to kratko Predguuorio poftaulen, porredu pouei. €in lange R)in6ifcfje Dorreb »ber bas nem Ceftament / .... v Tibingi Vtim Leitu po Criftufeuim Royftuu M. D. LVII. Nach dem Titelblatt kommt: TA KRATKA PRED- GVVOR (5 Seiten lang), unterzeichnet: Inu letu ie piffanu inu drukanu vtim Meiftu Tubingi na S. Primosha inu 16 Feliciana dan, Vtim leitu po Criftufeuim Royftuu, Taushent Pet ftu fedem inu Petdeffet Leit. Vash Slushabnik inu Paftyr Primosh Truber Crainez. Darauf folgt das Register iiber die Stiicke der langen Vorrede jš_Seiten lang und die Vorrede selbst in 62 Capitel auf 181 ungezahlten Seiten, schliefiend: VSIGA POTREBNIGA INV NV- zniga kerszhanskiga Nauuka, kir ie vleti Predguuori Konez. Am Rande beim Beginne eines neuen Capitels finden sich Summarien mit deutschen Lettern. Die Vorstucke zusammen machen 105 Blatter. Die Evangelien und die Apostelgeschichte nehmen 429 gezahlte Seiten ein, und auf der Riickseite des 215. Blattes, ganz oben, lesen wir: Tih Styrih Euangeliftou inu Pridig tar Diane tih Iogrou Konez. Das niichste Blatt hat die Aufschrift: APOC. XVII. Inu lety, fe bodo Voiskouali fteim Iagnetom, Inu tu Iagne nee Premore, Sakai, Onu ie en Gofpud zhes ufe Gofpudi, Inu en Kral zhes ufe krale Inu ty shnim, kir fo Poklizani, Inu Isuoleni, Inu ty Verni. Darunter das triumphierende Lamm auf dem Drachen. 1 ) Die Riickseite desselben Blattes ist leer. i) Das Druckerzeichen Ulrich Morhards in Tubingen. 17 Auf der Vorderseite des nachsten Blattes folgt das Titelblatt des Registers oder der summarischen Postille I. Theil: EN REGISHTER, TA KASHE, KEI TY NE¬ BELSKI INU TIH DRVGIH PRASNI- kou Euangelij, vtim Nouim Teftamentu, fe imaio iskati inu naiti. Per tim ie tudi ena kratka Po- ftilla. Negiftei' / uhe 6ie Sontdgiidjeit / nn6 bet anberen ^efteu Suangelieit/. . . ju fudjeu . . . Sampt einer furijeit Poftill /. . . . Darunter das siegende Lamm auf dem Drachen. V TIBINGI. Vtim Leitu po Criftufeuim Roiftuu. M. D. Lvm. Die Riickseite des Titelblattes enthalt eine 23 Zeilen lange slovenische Vorrede, mit deutschen Lettern gedruckt, welche dem Leser iiber die Abkiirzungen Aufkliirungen gibt. Unterzeichnet ist dieselbe: primosl? Cniber. Der Text umfasst 179 unpaginierte Seiten und reicht vom 1. Adventsonntage bis zum 25. Sonntage nach hi. Drei- faltigkeit. Ungefahr in der Mitte der 179. Seite lesen wir: Regishter inu tih kratkih Islag zhes vfe Nedelsko Fluangelie Konez. ANNO M. D. LVIII. Auf dem Revers dicser Seite steht dann der Titel des zweiten Theiles (Feiertags-Predigten): TA DRVGI DEIL TE KRATKE SVMMARISKE POSTILLE, INV TIGA REGISTRA, ZHES Euangelie, kir fo ob tih dneh oli Go- A h n, Bibliographische Seltenheiten der Truberliteratur. 2 18 deh tih Suetnikou pridi- guio. V TIBINGI, Vtim Leitu po Criftofeuim Royftuu, M. D. LVIII. In der darauffolgenden, ein Blatt starken und mit deutschen Lettern gedruckten, slovenischen Vorrede ent- schuldigt sich Truber, dass er die Sonntags-Evangelien nicht fortgesetzt habe. Doch ware der Band, welcher die lange slovenische Vorrede, die Evangelien und die Postille enthalte, bei einer grofieren Ausdehnung der letzteren zu stark geworden. Ubrigens hoffe er, werde entweder er selbst oder ein anderer von Gott enveckter Mann den Slovenen eine von den deutschen oder lateinischen Po- stillen iibersetzen. Nach langerer Erorterung iiber das Alter und die Wahrheit seines Glaubens schliefit der Verfasser: Dastj nfdj Slusfjabnif Primoslj Crubcr. Die Randsummarien der Vorrede sind mit lateinischen, die des Textes der Postille I. und II. Theil mit deutschen Lettern gedruckt. Der Text des zweiten Theiles folgt auf 71 unpaginierten Seiten, wovon aber leider die letztcn 27 Blatt dem Grazer Exemplar fehlen. Ubrigens befand sich diesesExemplar in eincm traurigen Zustande, als ich es zum erstenmal in die Hand bekam. Das Titelblatt fehlte zur Halfte, der Kalender war vom Bucher- wurm arg zerfressen, und aus der Mitte waren an mehreren Stellen im ganzen 25 Blatter herausgerissen und ver- schwunden. Um nun diese Schaden halbwegs zu heilen, liefi ich mir von der k. und k. Hofbibliothek das wohl- erhaltene Exemplar dieses Werkes kommen und ergiinzte das Titelblatt und die fehlenden Blatter im Innern, so dass 19 nun der Kalender, die lange Vorrede, die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Postille I. Theil vollstandig sind. Die Erganzung des zweiten Theiles der Postille musste ich auf eine spatere Zeit verschieben. Der Einband stammt aus der Zeit des Druckes, hat Spuren von Schliefien an dem Deckel, doch unterscheidet er sich von dem des Wiener Exemplares dadurch, dass die Brustbilder der Reformatoren mit der Jahreszahl fehlen.j Ein weiteres Werk" aus dieser Periode, welches in der Grazer Universitatsbibliothek aufbevvahrt wird, ist das kroatische Neue Testament, I. Theil, vom Jahre 1562 in Quartformat.') Der Titel des Werkes lautet transscribiert: Prvi del Novoga Testamenta, vatom jesu svi četiri E- vangelisti i Dijane Apustolsko, iz mnozih jazikov, v opčeni sadašni i razumni Hrvacki jazik, po Antonu Dalmatinu, i Sti¬ panu Istrianu, spomoču drugih bratov, sada prvo verno stlmačen. Der erfi^alb tEljeil bes uetneit Ce= ftameuts / fcarinu fein 6ie nier €uangelifteit t?u6 6er 21= poftel (5cftf)id?t/jef?t jum erfleit mal tu 6ie Cro= batifcfje Spradj nerbolntctfdjt vnb mit (Biagolifdjeu Budjftabeu getrucft. V TIBINGI Leto od Krstova roiftua 1562. 2 » i) Signatur: Theol. II, 452. 20 Auf der Riickseite des Titelblattes lesen wir eine elf Zeilen lange Anzeige der Ubersetzer, mit der Bitte: Vatom prosite Boga za nas. Unterzeichnet ist dieselbe: Vaši Služabnici Anton Dalmatin. Stipan Istrian. Die folgende deutsche, von Primus Truber verfasste Vorrede ist an Konig Maximilian gerichtet und bat das Datum: Dracb ant jiuolffteu tag 3 aiuuu 'j- Hmtno ic. \ 562 . <£. litin. inay. Dn6ertfydmgi= fteu Caplait. prtntus Cruber £rei= iter / 6 er 5«it Pfarfyerr 5» Drad). Uber den Inhalt dieser 29 Seiten starken Vorrede verweise ich auf Schnurrer. 1 ) An diese schliefit sich auf einem neuen Blatte eine, wie alles andere mit glagolitischen Lettern gedruckte, neun Seiten lange kroatische Vorrede, welche mit dem frommen Wunsche beginnt: Svim pravim dobrim Krstianom, i ljudem Slovenskoga jesika, Milost, Mir i vsako dobro od Gospodina Boga po Isu-krstu, prosimo. Unterzeichnet ist die Vorrede: Vaši Služabnici i Kapelani. Anton Dalmatin. Stipan Istrian. Die Riickseite des letzten Blattes dieser Vorrede ent- hiilt in 25 Zeilen eine Amveisung an den Leser von den >) Schnurrer, Slav. Bticherdruck . . S. 89 ff. 21 Ubersetzern iiber die Eintheilung der heil. Schrift. Das niichste Blatt ist leer, und es folgt eine Summa šviga svetoga Pisma auf 7 Seiten, beginnend: Ovo jest Summa, i jedan kratak Nauk od svega svetoga Pisma, što, i od česa naiveče govori, i kamo čovika privede. Die niichste Seite enthalt: Živlenje S. Mateja po Eroiimu, ili jest S. Matei bil (17 Zeilen), darunter Blatt- zierat. Auf 206 glagolitisch gezahlten Blattern folgen nun die vier Evangelien und die Apostelgeschichte. Der Text, sowie die Summa šviga svetoga Pisma haben Rand- summarien. Auf der Riickseite des 206. Blattes, ungefiihr in der Mitte, lesen wir: DIANA APUSTOLS- koga konac. 1562. Im ganzen enthalt das Werk 231 Bliitter, wovon die crsten 25 unbczeichnet sind. Der Einband des Grazer Exemplars stammt aus der Zeit des Druckes. Die Deckel des Buches sind mit Schweinsleder uberzogen und bestanden aus mehreren Lagen von Papier, welches aber durch Nasse zerfallen, stellemveise das blofie Leder iibrig gelassen hat. In Gold gepresst sind auf der Vorderseite des Einbandes das Brustbild Trubers, darunter: PRIMVŠ TRVBER. CARNIO. 1562, auf der Riickseite nebeneinander die Bilder der Ubersetzer Stephan Consul und Antonius Dalmata: STEPHAN, CONSUL, ISTRIANVS : 41 : ANTONIVS, DALMATA, EXVL. Aufierdem sind am Rande der Vorderseite des Ein¬ bandes Personen und Spriiche aus der heil. Schrift einge- 22 presst, am Rande dcr Riickseite sehen wir dic bcdcutendstcn Manner aus der Reformationszeit, Luther, Melanchthon, Hus und Erasmus von Rotterdam in Medaillonformat. Das Grazer Exemplar ist insofcrne vollstandig, als demselben kein Blatt fehlt, doch hat die Nasse des Auf- das Titelblatt und die Vorstiicke arg Eine weitere Seltenheit der Truberliteratur ist der Catehifmus fdveima iflagama Trubers vom Jahre 1575. 1 ) Meines Wissens sind bis jetzt nur drei Exemplare dieses Werkes als vorhanden nachgewiesen, wovon sich zwei in Osterreich - Ungarn befinden. Das eine davon besitzt die Grazer Universitats-Bibliothek, das zweite ist Eigen- thum des Gymnasial-Professors Milčetic in Warasdin, und das dritte birgt das British Museum in London. Dieser Katechismus nun wird, soweit ich finden kann, nur in drei Biographien 2 ) erwahnt und wurde allein von Th. Elze erst in neuester Zeit nach dem Londoner Exem- plar im Jahrbuch dcr Gesellschaft fiir die Geschichtc des Protestantismus in Osterreich, XIV. Jahrgang 1893, S. 93 ff. naher beschrieben. Nichtsdestoweniger glaube ich auf die Beschreibung dieses Buches genauer eingehcn zu miissen, weil die deutsche Vorrede manche bemerkenswerte Daten zu den Lebensumstanden Trubers liefert. !) Folgenummer seit Klosteraufhebung: 7509. Signatur : 115/97 g. Neue Numerierung: 24.937. 2 ) Th. Elze crwlihnt diesen Katechismus in dcr Real-Encyklo- pudie fiir protestantische Theologie und Kirche, XVI. Band, 1885, S. 57, Nr. 18. — Zedler, Univers.-Lexikon, XLV. Band, S. 1239, nennt: „i£inett £ated)ifmuin, fo mit Johanu Sreuticns gufa^eit ju Cubingeu 1575 iit 8° gebnicft". — Fekonja, A. O početkih slov. književnosti. Zvon 1886. S. 49. bewahrungsortes mitgenommen,- 23 Der volle Titel des Werkes iautet: CATEHISMVS SDVEIMA ISLAGA- MA. ENA PRIDIGA OD STARO- fti te praue inu kriue Vere, Kerftzhouane, Masho- uane, zheftzhena tih Suetnikou, od Cerkounih inu domazhih Boshyh slushbi, Is S. Pifma, ftarih Cronik inu Vuzhenikou vkupe sbrana. Ta ma- hina Agenda, Otrozhie Molitue, skufi Primosha Truberia. 1. Pet. 3. Sitis parati ad refpondendum cui- libet petenti rationem eius fpei, quae in vobis est. £atedpfntus mit 6es Jjerren Brentij »it. ilt. £. Difdjers aufjlegung / etn pre= 6ig nom Drfprung uh 2Ilter bes redjten nit fat= fdjett ©laubetts rm6 ©otteshieufts / 6ie b)au|taffel / nnn6 6ie fleine Agenda. V TIBINGI, M. D. LXXV. Auf der Riickseite des Titelblattes lesen wir cine 27 Zeilen lange Ansprache Trubers an seine Glaubens- genossen, enthaltend eine Vertheidigung seines Bekennt- nisscs, \velche mit den Worten schliellt: Bug shnega Duhum bodi fnami. Amen. Vash Truber. Das Biichlein in Klein-Octav enthalt 531 gezahlte Seiten, an welche sich noch zwei unpaginierte Seiten mit den »ERRATA. PREGLE dane Vtim Drukanu« anschliefien. 24 Scite 1-—11 enthalt die „Domb“ mit der Widmung „Dem (£61en »nnb (Ernueften ^ranljen ©eorgeit »on Hein / jum Stennall / etc. ©oties ©uab / ^rib / Segeu »nb alles guts / burcfy <£fytiftunt ju»or / Gleich am Anfange dieser Vorrede erfahrcn wir, dass die Gegner des Protestantismus, um demselben energischer begegnen und mit mehr Erfolg bekampfen zu konnen, in der slovenischen Sprache gegen denselben zu eifern be- gonnen haben. Truber ervvahnt einen Jesuitischen Katechis- mus „tn bDinbifdjerSprad} getmcft", dessen voller Titel lautete: Compendium Catechifmi Catholici in Slauonica lingua, per Quaeftiones, in gratiam Catholice iuuentutis propofitum. Per fratrem LeonhardumPacheneckerum, professum ac Sacerdotem caenobij Victorienfis Ciftirienfis ordinis, Graecij Styriq Metropoli, apud Zachariam Barth- fchium, Anno, 1574.*) Den Inhalt dieses Katechismus gibt uns Truber mit folgcnden Worten: „3n bent ber gut 2Tliincl? / 6ie Bdpftifdjeit fibeit Sacra* ntent / bie fiben ©obfuub / bie »ier Siiitbe / molele in bie f}intmel fdp-eieu / bie fiben IDerc! ber Banuljcr^igfeit / ber I?eiligeit amiiffcn / bas 21ue JTtaria / unb attbere ITtugbreud} / »ertljabigt / »nnb fur (Eattjolifd) aujjgibt.' 1 Weiters habe einjesuite, so fahrt der Verfasser fort, in demselben Jahre (1574) in Graz eine scharfc Disputation gegen den protestantischen Glaubcn in Druck crscheinen lassen, in welcher derselbe mit Spriichen und Beispielen aus der heiligen Schrift, den Kirchenvatern und den Con- cilien beweisen wollte, dass die romische Kirche die rechte und apostolische, die Kirche der Protestanten aber die unrechte und ketzerische sei. J ) Leider ist dieses Styriacum nicht aufzutreiben! 25 Aus diesen Thatsachen sei hinlanglich ersichtlich, wie „6ife neiue fjocbtitulirifc^e luolfftfd^c junfft mit Sdjaff;= fleibern bef[ct6cl“ sich auch im Vaterlande Trubers ein- nisten wolle, um auch hier die „einfaltigen gutt^erijigen Cf?riften“ in die friihere Finsternis zuriickzufuhren. Darauf hin nun, dass diejesuiten auch im Slovenischen gegcn die Lehre Luthers thatig gewesen seien, habe Truber, obgleich er bereits in den fruheren Jahrcn in den Auslegungen des Neuen Testamentes, in den Kate- chismen, dem Psalter, den Postillen, den Locis Theolo- gicis und im Examen Philippi, ferner in den drei Con- fessionen, namlich in der Augsburgischen, Wiirttem- bergischen und Sachsischen, hinlanglich den Gegnern geantwortet zu haben meine, dennoch, obwohl alt und krank, „6ife nadjuolgen6e lange Pre6ig jufamrnencolligiert / Mdievt nnb neben 6ent (£ated)ifmo trucfen Iaffen“, um darin seine jungen Landsleute ,,Creiner nu6 lPin6ifchen“ im Glauben und Gottesdienste zu unterrichten, Dieselben mogen vor allem fleifiig die heil. Schrift lesen, um dann den Katechismus vollkommen verstehen zu konnen. Nur der heil. Schrift miisse man glauben und folgen, wie Christus der Herr selbst, alle Propheten, namentlich David, und die Apostel befohlen hatten. Die Anschuldigungen der Gcgner, die allenthalben zu horen seien, dass namlich die Luthcrischen nicht richtig tauften, die heil. Messe, die Jungfrau Maria verachtetcn, gute Werke verboten u. s. w., seien falsch. Er werde im Katechismus berichten, wie Johannes Jesum Christum ge- tauft habe, wie Christus den Aposteln befohlen habe zu taufcn, und wie die Apostel den ersten Christen das Sacrament gespendet hatten. Ebenso werde er vom heil. Abendmahle sprechen, wer es gcstiftet habe, und wie es von den ersten Christen gehalten worden sei. Auch 26 werde cr darauf kommen, wie man Gott allein anrufen, die Heiligen recht ehren und nur das thun rniisse, was Gott gefalle. Aus diesem Grunde habe er das apostolische Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und die ganze Haus~ tafel weitlauflg ausgelegt, auf dass ein jeder Christ daraus ersehe, wie er in jeder Lebenslage Gott recht dienen solle. Kurz, er hoffe zuversichtlich, der Allmachtige werde die Krainer und Windischen „mit 5 ifer »n6 6en »origen »nferu Pre&igten r>u6 Bud)ern“ in der erkannten Wahrheit des heiligen Evangeliums, im rechten Glauben und im richtigcn Gebrauche der hcil. Sacramente erhalten und bc- kraftigen, dann sie „u>t6er allerlev bollifcbe pforten / Prač* ticbcn / »uu6 Civamic^ 41 bestiindig schiitzen, anf dass sie iibcr die Trugmittel der jesuiten urtheilen und alle selig- machenden Artikel des christlichen Glaubens vertheidigen konnten. „Z)as uerlet^e jlpten Cfjriftus 6er £)err / pufer Seeleu red)ter Sifdjoff »un& f)irte feincm jufagen nad) / Himen.“ Dass nun Truber dieses Biichlein seinem ,,geliebten in (£t?rifto Sun »11116 (SottI / 3 uncfer ^rants <£>eorg“ zuschreibe, geschehe aus folgenden Grtinden: 1 . sei er vor dreizehn Jahren ( 1562 ), wiihrend er im Lande Krain personlich als Prediger neben andern thatig gewesen sei, „au§ funberlidiet Sdjicfung milliger umih tremer ©euatter primus tErubet - Pfar^er bafelbft. s ) Vgl. Kneschke, Adelslexikon, VII, 326. — Valvasor, Ehre des Herzogthums Krain, IX, 85. 92. 114—116. — Zcdler, Univers.-Lexikon unter Rein. 28 Auf diese deutsche Vorrede folgt von Seite 12 — 19 eine slovcnische (Predguuor) mit der Aufschrift: VSEM BOGA BOIEZHIM, MLADIM inu Starim Crainzom inu Slouenom, Od Buga Ozheta skufi nega Synu Iefufa Chri- ftufa, nashiga Ifuelizharie, Miloft, Myr, inu vfe dobru profsim. Hierin berichtet Truber iiber die Bedeutung des Katechismus, wie derselbe erklart und verstanden werden miisse. Er iibersetzt das Wort Katechismus: »enu Poduu- zhene te praue Vere Boshye«. Dieser Katechismus gentige uns vollkommen, wir bediirften weiter keines Glaubens, keines Ablasses der Papstc, keiner Messe, ebensowenig des Weihrauches, der Wallfahrten und der narrischen von Menschen ausge- dachten Orden. Das Vaterunser sei unser Hauptgebet, in dem wir um alles, was uns nothig sei, von Gott bilten. In den zehn Geboten Gottes sei alles enthalten, was Gott wolle. Bei der Taufe, dem heil. Abendmahle und im Prediger- amte fanden sich die schdnsten Ceremonien des Gottes- dienstes. Und nur durch die Lehren des Katechismus hžitten unsere Vorfahren die ewige Seligkeit erlangt. Aus diesem Grunde habe Truber schon friiher Kate- chismen ediert, auf dass jeder Christ, ob hoch oder niedrig geboren, erkennen konne, welche Lehre die wahre sei. Die Lehre Luthers sei allein die wahre, die der Papisten die neue, falsche, liignerische, teuflische etc., die zur Pidi le fiihre. »Pred tako nih vero, nas obari lefus Criftus nash Gofpud, praui vuzhenik inu Isuelizhar Amen.« 29 Am Schlusse des Biichleins — fahrt der Verfasser fort — befanden sich die Gebete fur Kinder und die kleine Agenda, wovon mehr in den zwei slovenischen Vorreden zum Neuen Testament, in der Postille, in den Katechismen und in der Kirchenordnung zu finden sei. »Profiite Boga fa me, — schliefit diese Vorrede — koker ieft fa vas, de fuio Miloft dale na meni iskashe, muie fdrauie pouerne, de bom mogel ta S. Noui Tefta- ment Criftufeu, fto obilno Islago druguzh dokonati inu drukati. Pertim ta Miloft nashiga Gofpudi Iefufa Criftufa, Ta lubefan Boshya, Inu tu podilene S. Duha bodi vfelei fnami Amen. 2. Gor. 13. Vash fueifti Paftyr. Primosh Truber Raftzhizher Crainez.« Es folgt nun der Katechismus in Frage und Ant- wort: Seite 20—33 Hierauf drei Gebete, die der Prediger zu sprechen habe, nachdem die Kinder den Katechismus aufgesagt: S. 34-39, S. 40—60: Pridiga od Stare Praue inu kriue Vere. S. 60—63: Souraftua kriue Vere, Sazhetig ie Hudizh. S. 64—65: Catehifem prauo Vero vuzhi. S. 66—96: Vere Iogerske Islaga. S. 97—160: Ozha Nasha Islaga, S. 160—286: Od Prauiga Suetiga Kerszhouane. Od Prauiga inu Kriuiga Kerszhouane. Od Prauiga inu Kriuiga Mashouane. 30 Od zhefzhena Diuice Marye, vfeh Suetnikou. Od Prauiga inu Ivriuiga zheszhena Diuice Mar. inu Suetnikou. Od Proshne diuice Marye inu Suetnikou. Od falsh Zaihnou Diuice Marye inu Suetnikou. Od Prauih inu falsh zaihnou. Od Prafnikou. Od Pildou, Malane. Aydouski Maliki Papeshki Suetniki. S. 287: Neues Titelblatt: HISHNA TAB¬ LA, KOLENDER INV RE- gishter, Vtih fo ty praui Nauuki, is Boshyh vuft, is S. Pifma vfeti, koku en vfaki kerfzhenik, ima inu more, vtim fuim Stanu inu Poklizanu, prou Bogu inu fuimu Bli- shnimu slushiti. VTIH SE SPRYZHA, DE tudi tu Gofposku, Rotaushku, Purgarf- ku, Antuerharsku, kmetishku, Otrozhku, Hlapzheuu, Poslousku, Delousku, Doma- zhc in una Puli Dellu, Rounane inu Opra- uilu, Bogu dopade, Inu de fe shnim Bogu slushi. S. 288—307: Od Dobrih Dell, Od Boshyh Slushbi. S. 308 -315: Od Pridigarftua. 31 S. 315—407: Od Gofpofzhine, Od Vishih. Od Sakona. Od Starisheu. Od Otruk, Poslou. Od Diuizhtua, zhiftofti. Od Vdou, Starih Shen. Od Hishniga Della. Die folgende Seite ist nicht bezeichnet und leer. S. 409: Od S. Kerfta. TA MAHINA AGENDA. VTI SE PRA¬ VI INV VVZHI, KO- ku fe ima prou Kerftiti, Obhayati, Sak on terditi, Viutro, Vue- zher, po Ieidi, Subper Turke inu vfe Boshye Gmaine fourash- nike, Moliti. Tolmazhe- na od Primosha Truberia. Omnia decenter & fecundum ordinem fiant. VSE RIZHI, SVSEB VTI Cerqui, fe imaio poshtenu, poredu inu vfaftopnim Iefiku, o- prauiti, vely S. Paul 1. Cor. 14. S. 410: Truber schreibt: Potehmal ty eni Craniski inu kirosh- ki 1 ) slushabniki te praue Cerque Bof- hye, fo meni piffali, de bi imel eno mai- ! ) Bei der Angabe der Druckfehler in koroški" geandert. 32 hino Agendo puftiti Drukati, Natu fem tukai, od kerfta, od te Vezherie Cri- ftufeue, inu koku fe ty Noui Sakoniki po- rozhiti imaio, kletim buquizam perlu- shil. Inu tu fem tudi fa volo tih enih lepih, pridnih, kratkih Predguuorih inu moli- tuih, kir hti Vezhery Criftufeui slishio, inu dofehmal ne fo bile drukane ftu- ril, Vupam Bogu, de Vfem pra- uim kerszhenikom bodo prydne inu do- pale. S. 411—477: Od S. kerfta. OD S. KER STA, VEZH inu obilnishe naidete, vti Slouenf- ki Cerkouni Ordningi, pred petnaiftimi leiti dru- kani. 1 ) Od Vezherye Criftufeue. Molitou pred Obhaylom. Beffede Stiffta tiga Obhayla. Sahuala po Obhaylu. Od Sakona. Od Sakonikou. Molitou fa Sakonike. Od Molitue. S. 478—486: Kiirzere Gebete: Am Morgen, am Abend vor dem Schlafengehen, vor dem Essen, nach dem Essen (aus den Psalmen), schliefi- lich ein Gebet fur alle Christen. i) Nach dieser Stelle wiire also die Kirchenordnung schon im Jahre 1560 gedruckt worden. Vgl. dagegen Schnurrer, Slav. Biicher- druck . . S. 63. 33 S. 487—531. Regishter. Kratku faftopnu famerkane, kai, kei, od kakouih rizhi, fe vletih Buquizah, ner vezh gouori inu vuzhi. (Alphabetisch geordnet.) Den Vorreden und dem Texte sind Randsummarien in den entsprechenden Lettern beigegeben. Das Grazer Exemplar ist vollstandig und wohl- erhalten. Der Einband, offenbar aus neuerer Zeit, steif mit Leimvandrucken, worauf in Golddruck zu lesen ist »Catechismus«. Der Druck ist durch Frische und Starke der Schwarze ausgezeichnet. Eine weitere Seltenheit aus dieser Periode, welche die Grazer Universitats-Bibliothek besitzt, ist das ganze Neue Testament Trubers aus dem Jahre 1582 in Octav- format. ’) Der volle Titel des Werkes lautet: TA CELI NOVI TESTAMENT NASHI- GA GOSPVDI INV ISVELI- zharie Iefufa Criftufa, na dua maihina deilla resdilen, vtim ie tiga ftariga Teftamenta do- polnene, Suma inu praua Islaga, druguzh pregledan inu vkupe drukan, skufi Primofa Truberia Crain- za Raftzhizhe- ria. MATTH. XXIIII. Et predicabitur (dicit Chriftus) hoc Euange- lium regni in vniuerfo orbe, in teftimonium om¬ nibus gentibus, & tune veniet finis. x ) Folgenummer seit Klosteraufhebung: 20.533, Signatur: Theol. I. 409. vr / A h n, Bibliographische Seltcnhcitcn der Truberliteratur. 3 34 Vas net» CeftamSt unfers f}er= reit nn& Seligmadjers 3 e f u ^nfti / in jmen fletn %il abgetljeilt / tn tueldjem bes altcn Ce= ftaments (Erfiillung / Summa tmb red)fc 2tujjlegung begriffen / jum aitbern mal nbecfeljen »n6 jufa= men getrucft. V TIBINGI, M. D. LXXXII. Davon sind die Zeilen 2, 3, 4 (bis »Criftufa«), 11, 12 (»dicit Chriftus«), 15, 16, 22 roth gedruckt. Auf der Riickseite des Titelblattes berichtet Truber unter anderem, er habe anfangs die Absicht gehabt, das ganze Testament in ein handliches Buch zu bringen, doch sei er davon abgestanden und habe es in zwei Theile ge- theilt. Dem zweiten Theile, welcher weniger umfangreich sei, habe er die slovenische Vorrede, den Kalender und andere Sachen beigefiigt; tibrigens befinde sich vor jedem Theile ein Register der Feiertags-Evangelien und der Briefe. Dieser Bericht Trubers geht iiber die ganze Seite und umfasst 28 Zeilen. Die folgende, 33 ungezahlte Seiten starke, deutsche Vorrede ist „X)em 6urdjleud}tigen podjgebornen Cljriftlidjeu ^itrften »nb fjerrn / perm Cubtmgeu per^ogen 511 H>uytemberg / nnnb Ved / ©rauen ju Htumpelgart / etc.“ zugeeignet und unterzeichnet: Derenbingen / am erften 21Iay/im j582. 3 ar - <£. £ ®- Dnbertljdnigfter tretner Caplan Primus Cruber (£rei-- ner / Pfarljer bafelbft. Uber den Inhalt dieser Vorrede venveise ich auf Schnurrer, Slav. Biicherdruck, S. 123—126. 35 Auf der nachsten, der 34. Seite der Vorstiicke, liest man »REGISHTER, TA KASHE INV PRAVI, KEL SE TY RESDELKI OLI RELOZHki tiga Euangelia. ... . vletih Buquah nadeio«. Dieses Register enthalt 9 Seiten. Auf der 43. Seite der Vorstiicke sind die Druckfehler Ru¬ den ersten Theil verzeichnet. Die zwei nachsten Seiten enthalten: »Oponimane (sic!) hbranu tu S. Pifmu«. Im ganzen betragen die Vorstiicke 23 unbezeichnete Blatter; daran reihen sich auf 613 gezeichncten Seiten die vi er Evangelien und die Apostelgeschichte. Gegen das Ende der 613. Seite lesen wir: TIH SHTIRIH EVANGE- liftou, inu Diane tih Iogrou konez. Die Riickseite dieses letzten Blattes des Textes (I. Th.) gibt das Holzschnitt-Brustbild Primus Trubers in reicher Zierat-Einfassung mit der Umschrift: * PRIMVS • TRV- BERVS • CARNIOLANVS • * ANNO • AETATIS LXXI. Oben in der Verzierung die Jahreszahl 1578, unten die Anfangsbuchstaben: I. L. Unter dem Bilde: PSALMUS LXXI. O Domine, Špes mea a iuuentute mea, ne proij- cias me in tempore fenectutis, cum defecerit- virtus mea, ne derelinquas me. Anno aetatis fuae 73. fcri- pfit manu sua. Hierauf ein leeres Blatt. Es folgt der zweite Theil mit folgendem Titelblatt: TA DRVGI DEIL NOVIGA TE¬ STAMENTA VTIM SO VSA Pifma tih Iogrou, druguzh pregledan inu vkupe drukan, od Primosha Truberia. 3 * 36 ACTOR. X. Huic Chrifto omnes Prophetae teftimonium ferunt, quod remiffionem peccatorum acccptu- rus fit per nomen eius, Quifquis crediderit in eum, Der anber Ceil 6es iieroen Ce= fiaments / in 6em fin6 alk ©efcbrifftcn 5 er 2lpoftel / 511111 anberen nberfetjcn tm6 jufannnen gebrucft. [Zierat.] V TIBINGI, M. D. LXXXII. Die 1., 2., halbe 3., 7., 12., 13. (fiaments/), 16. Zeile erscheinen roth gedruckt. Die Riickseite des Titelblattes, Vfem Slouenum po- magai Bug beginnend, enthalt am Schlusse der 23 Zeilen langen Belehrung Trubers iiber den ersten und zwciten Theil des Neuen Testamentes die Aufforderung an die Glaubigen, die mitunter schwer verstandlichen Briefe der Jiinger mit seiner Auslegung fleifiig und oft zu lesen, und schliefit: Bug fnami, Amen. Auf den nachsten 14 unbezeichneten Blattern bcfinden sich: Nauuk S. Pifma, Nauuk od te praue Vere Veriftufa, unterzeichnet: Vash ftari fueifti Paftyr, Truber. Auf der Riickseite des 14. Blattes nimmt Truber Ab- schied von denSlovenen: »Truber od Slouenom slouu iemle« und ermahnt sie, im Glauben zu verharren (28 Zeilen). Hierauf drei Blatter: Summa Vfiga S. Pifma. 37 Daran reiht sich der Kalender: TA SLOVENS¬ KI KOLENDAR KIR VSELEI TERPI, INV ENA TABLA per nim, ..... ZDinbifdjei - Halen&er / »116 atibere fad)en 6ai-beY. [Zierat.] V TIBINGI, Vtim Leitu po lefufouim Criftufouim Royftuu, M. D. LXXXII. Dic L, 2., 3., 16., 17., 19. Zeile sind roth gedruckt. Der Kalender mit Titelblatt, das Register liber die Biicher des Alton Testamentes, das Register iiber die Episteln umfassen 14 Blatt. Das letzte Blatt enthalt auf der Vorder- seite die Druckfehler im folgenden Theile, die Riickseite ist leer. Neues Titelblatt: TA DRVGI DEIL TIGA NOVIGA Teftamenta, vtim fo vfa Pifma tih Iogrou. Darunter das triumphirende Lamm auf dem Drachen. V TIBINGI, M. D. LXXXI. Dic Riickseite des Titelblattes, beginncnd: Vfem Crainzom inu Slouenom pomagai Bug, enthalt eine 27 Zeilen lange Inhaltsangabe des zweiten Theiles und schliefit: 38 Preberite zheftu leita deil, ta vas bo vti Veri vuzhene fturil, inu vnadlugah, na fmerti leshozh troshtliue. Obilno Islago imate vtim peruim drugu. Vash Truber. Es folgt nun der Text des zweiten Theiles auf 447 gezeichneten Seiten: Die Epistel an die Romer, die zwei Episteln an die Korinther, der Brief an die Galater, die Episteln an die Epheser, Philipper, Colosser, Thessaloniker, an Thimo- theus, an Titus, an Philemon, an die Hebraer sammt den Briefen Jacobi, Petri, Johannis, Judae und die Offenbarung Johannis. Am Rande Citate der Parallelstellen. Am Schlusse des Textes lesen wir wieder diejahres- zahl M. D. LXXXI. Das Grazer Exemplar ist bis auf das letzte Blatt, welches nur auf der Vorderseite (S. 447) bedruckt ist, vollstandig und gut erhalten. Der Einband stammt aus der Zeit des Druckes. Holzdeckel, mit braunem Leder iiber- zogen, hielten den umfangreichen Band vermittelst Schliefien, deren Metalltheile am oberen Deckel noch erhalten sind, zusammen. ^lEndlich besitzt die Grazer Universitiits-Bibliothek ’ /( f nochDalmatinsBibelvomjahre 1584, 1 )wohldasbedeutendste Werk aus dieser Literatur-Periode, welches auch von der katholischen Geistlichkeit der Sprache wegen lange Zeit zu Rathe gezogen wurde, um die Worte der heil. Schrift »recht krainerisch auszusprechen«. Das Titelblatt zeigt in schoner Holzschnitt-Ein- fassung Episoden aus der heil. Schrift, wie die Erschaffung der Welt, den Siindenfall der ersten Menschen, die Ver- *) Folgenummer seit Klosteraufhebung: 2246, Signatur: Theol. III. 87. 39 treibung aus dem Paradiese, die Arche Noah, die Gesetz- gebung auf dem Berge Sinai, den Thurmbau u. s. w. Der Titel selbst lautet: BIBLIA, TV IE, VSE SVE- TV PISMV, STARIGA inu Noviga Teftamenta, Slo- venfki tolmazhena, fkusi IVRIA DALMATINA. 23ibel / 6as ift / 6ie gam ijc Ijetlige Scfjrifft / IDin6ifcfy. [Blattzierat.] ©ebnicft in bet (£fjurfurfiiid?en Sdd)fifd)en StaM ZDittemberg / burcb Z)ans Kraffts €rbett ANNO M. D. LXXXIIII. Darunter in besonderer Einfassung: IDittemberg Zlnno Dni. lesa. 8. Ad LEGEM magis & ad TESTIMONIVM. Quod fi non dixerint iuxta verbum hoc: non erit eis matutina lux. \58T Die 1., 6., 7., 9. und 14. Zeile sind roth gedruckt. Die folgende, deutsche, vier Blatter starke Vorrede ist ,,6en inolgeboriten / <£6len / ©efireitgeu / <£Ijrnueften / ^urftdjtigen / <£fyrfameu mib tncvfen £jerrn / ©raueit / ^re^fjerren / Rittcrn / benen coni 2X6eI / Burgern nnb allen (gottfeligen (E£?riften / in 40 ^urftentljumeii / Skyv / 'Kcniten / vm6 Cvetu / fampt 6cn 3ttcor= povirten £)evrfd]afften rDin&ifd?er ZITard? / ZTtetling / Pfteveidj / im6 Carft/etc. gefeffen" zugeeignet und unterzeichnet: Datum IDittembevg ant Hetnen 3avstag 6es eiitgeuu&en M. D. LXXXIIli. Jarš. C. (5. 1}. tm6 (5. Pntert^entgev gefjovfamer Ifirdjenbienev / DT. ©eorgtus Dalmatinus. Hierauf 21 unbezeichnete BI at ter, welche GMAIN PREDGVVOR . ZHES VSO SVETO BIBLIO und folgende 18 Artikel enthalten : I. OD BVGA, II. Od Stvarjenja tiga Svita. III. Od zhloveka, inu Porodniga Greha. IIII. Od flobodne frajvole zhlovezhke. V. OD SHTRAIFINGE INV Boshjiga ferda zhes grehe. VI. OD POSTAVE. VII. OD EVANGELIA. VIII. Od Predigarftva. IX. OD VERE. X. OD DOBRIH DELL. XI. OD POKVRE. XII. Od S. Sacramentou. Od S. Karfta. Od Criftufeve vezheric, XIII. Od Karfzhanfke Cerqve. XIIII. Od Krisha inu Terplenja Karfzhanfke Cerqve. 41 XV. OD MOLITVE. XVI. Od S. Sakona. XVII. OD GOSPOSZHINE; XVIII. Od Sodniga dne. Auf der Riickseite des 21. Blattes: SAMERKANIE ENIH POTREB- nih fhtukou, na katere imajo merkati, tv, kateri bodo leto flovenfko Biblio brali. Dann auf neun Seiten: PREDGVVOR ZHES STARI TESTAMENT, D. M. L. Beide Vorreden und die Zuschrift des Ubersetzers haben Randsummarien und Anfiihrung der Parallelstellen. Auf der nachstfolgenden Seite: BVQVE STARIGA TE¬ STAMENTA XXIIII. und APOCRYPHA (slovenisch und lateinisch). Hierauf folgt das Register iiber die ganze Bibel auf 18 Blattern, alphabetisch geordnet: A inu O, Ieft fim A inu O . .. . bis Od Zopra [mit fiinf Zeilen BibelstcllenJ. Am Ende: KONEZ TIGA REGI- ftra zhes Biblio. Auf diese 48 Blatter umfassenden Vorstiicke folgt erst die eigentliche Bibel in drei Theilen. Das nachste Blatt ist auf der Vorderseite leer und zeigt auf der Riickseite 42 einen iiber die ganze Seite reichenden Holzschnitt: Evas Erschaffung durch Gott Vater,- im Hintergrunde den Siindcnfall der ersten Menschen und die Vertreibung aus dem Paradiese, von Hans Brosamer. 1 ) Der nun folgende erste Theil der Bibel enthalt auf 334 mit arabischen Ziffern bezeichneten Blattern die Biichcr Mosis, Josua, das Buch der Richter, Ruth, die Biicher Samuelis und der Konige, die Chronik, die Biicher Esra Nehemia, Esther und Job, den Psalter mit Vorrede und Salomons Spriiche mit Vorrede, den Prediger und das Plohe Lied. Am Schlusse des Textes: Salomonove Viffoke pejfni konez. Der zweite Theil, die Propheten, hat ein neues Titel- blatt mit zierlicher Holzschnitt-Einfassung, oben Gott Vater mit den Gesetztafeln, der Engel des Matthiius und der Lowe des Marcus, seitwarts das Opfer Abrahams und die Erhohung der Schlange in der Wiiste, unten der Stier des Lukas und der Adler Johannis, in der Mitte von diesen die Verehrung des neugcborncn Heilands durch die Hirten, Maria und Josef mit gefalteten Handen. SVETI PREROKI, V’SLO VENSKI lesik tolmazheni, SKVSI IVRIA DALMATINA. [Zierat.] *) Rechts unten in der Ecke, vom Leser gcrechnct, liest man IB, darunter die Jahreszahl 1550. Denselbcn Holzschnitt finde ich in Luthers Bibel vom Jahre 1550 und 1556 aus der Druckerei von H. Lufft und in Luthers Bibel vom Jahre 1581 aus der Officin von Hans Kraffts Erbcn in Wittenberg. 43 Actorum X. Iesufu Criftufu prizhovanje dajo vfi Preroki, de fkusi njegovu Ime, imajo vfi odpufzhanje grehou pre¬ jeti, kateri v’njega verujo. VVITEBERGAE. Anno M. D. LXXXIIII. Die 2., 6., 7. und 11. Zeile sind roth gedruekt. Die nachsten fiinf (unbezeichneten) Blatter enthalten die Vorrede iiber alle lTopheten und die besondere Vorrede iiber den Propheten Jesaia. Daran schliefien sich auf 210 gezahl- ten Blattern die Propheten Jesaia, Jeremia, Ezechiel, Daniel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleaehi, vor jedem derselben die Ubersetzung der entsprechendcn Vorrede Luthers, und die Apokrypha, vor jedem Stiicke einc Vorrede. Am Schlusse dieses Theiles auf der Vorderseite des 210. Blattes ganz unten liest man: VSEH BVQVI STARIGA Teftamenta konez. .Samimu GOSPVDV Bogu bodi vfa zhaft inu hvala, sdaj tar vekoma, sa tako dobruto, dana. Amen. Die Riickseite dieses Blattes ist leer. Mit dem dritten Theile beginnt das Neue Testament. Auch dieses hat ein neues Titelblatt mit derselben Holz- schnitt-Einfassung, wie der zweite Theil: NOVI TE¬ STAMENT : TV IE, teh Svetih Evangeliftou inu Apoftolou, Buqvi inu Lyftuvi : Slovenfki, 44 SKVSI IVRIA DALMATINA. [Viereckiger Zierat.] IESA: LIL Koku fo na Gorrah lubesnive noge, teh poflanih, kate¬ ri myr osnanujo : od dobriga predigujo, isvelizhanje osna- nujo, kateri pravio LZionu : Tvoj Bug je Kraji. VVITEBERGAE, Excudebant haeredes Iohannis Cratonis. ANNO M. D. LXXXIIII. Die L, 2., 7, 8., 12. Zeile und die Jahreszahl unter dem schwarzen Strich sind roth gedruckt. Das nachste Blatt, mit 2 bezeichnet, beginnt mit der Vorredc iiber das Neue Testament und gibt am Ende der Riickseite in 14 Doppelzeilen die Biicher des Neuen Tcstamentes I — XXVII. (I. S. Mattheusha Evangeli . . . . XXVII. S. Iansha resodivenje.) Nun folgt der Text von Blatt 3 — 150. Das 151. (unbezeichnete) Blatt enthiilt auf der Vorderseite noch den Schluss des Textes. Ganz unten liest man: S. Ioannefa Resodivenja konez. NOVICA TESTAMENTA INV Biblie, tu je, vfiga fvetiga pifma, konez. Samimu Golpudu Bogu bodi vfa zhaft tar hvala, sdaj inu vekoma dana, Amen. Auf der Riickseite desselben Blattes beginnt das vier Seiten starke Register der sonn- und festtaglichen Evangelien und Episteln, \voran sich: »REGISTER Neka¬ terih beled, katere, Crajnfki, Corofhki, Slovenfld ali Besjazhki, Hervazki, Dalmatinfki, Istrianfki, ali Crafhki fe drugazhi govore,« alphabetisch geordnet auf 13 unbe- zeichneten Seiten anschliefit. 45 Nach diesem Register, auf der letzten Seite, ist als Schluss zu lesen: KONEZ. IDittembevg <5e6rucft / &m'd) £)cms Kraffts €rben / 3m 3 ar 1584. Der Text aller drei Theile enthiilt, wie die luthe- rischen Ubersetzungen, Unterabtheilungen A, B, C, u. s. w., Erlauterungen unter den Abschnitten, Randsummarien und Citate von Parallelstellen. Geziert ist die Bibel mit den- selben 218 Holzschnitten, welche wir in Luthers Bibel vorn Jalire 1581 aus der namlichen Druckerei in Witten- berg finden. Wahrend jedoch in der letztgenannten deutschen Ubersetzung der Bibel die Holzstiche intact ge- blieben sind, hat in der Dalmatinischen Bibel cine fana- j tische Hand die »Obsconitaten, wo Eva in schmutzigem \ Naturalismus dasteht« ’) mit Tinte verschmiert. * 2 ) Alle drei Theile sind in einen Band gebunden, der ; aus der Zeit des Druckes herriihrt. Derselbe besteht aus j Holzdeckel, mit Schweinsleder iiberzogen. Darauf sind die Brustbilder Luthers und Melanchthons, umgeben von Arabesken, gepresst; auf der Vorderseite des Einbandes das Bild Luthers im Prediger-Ornate, in den Hiinden ein aufgeschlagenes Buch, auf der Riickseite des Einbandes das Bild Melanchthons. Letzterer tragt den pelzverbramten Rock, ausgebogenen Halskragen und halt in der linken Hand ein geschlossenes Buch. Der Hintergrund beider Brustbilder ist mit Guirlanden geziert. !) Robitsch, M., Geschichte des Protestantismus in Steiermark. G raz 1859. S. 117. 2 ) Nicht verklebt, wie Robitsch a. a. O. sagt. 46 Unter dem Bilde Luthers liest man folgendes Di- stichon: NOSSE CUPIS FACIEM LUTHERI HANC ČERNE TABELLAM • SI MEN- TEM LIBROS CONSULE CERTUS ERIS. Das Distichon unter Melanchthons Bilde lautet: FORMA PH1LIPPE TUA EST SED MENS TUA NESCIA PINCI NOTA EST ANTE BONIS ET TUA SCRIPTA DOCENT. Anhang zur Seite 6. In dem genannten Laibacher Manuscript »Historia annua Collegii Societatis Jesu Labacensis« finden wir zu den einzelnen Jahren der Thatigkeit der Jesuiten ge- \vbhnlich einen Bericht iiber die erhaltenen und ver- brannten Biicher der Ketzer in Krain. So heifit es zum Jahre 1604: Bibliothecam librorum haereticorum insignem, ut vasis in Germani am facta reformatione, remitteretur, inclusam Generosus Dominus Philippus Cobenzelius Carnioliae Vicedomius ac Reformationis Commissarius interceptam ad collegium misit. Similiter et Dominus Consul huius civitatis bonam eiusdem librorum copiam, qui. in domo Senatoria asservabantur, dedit, qui partim fiammis traditi, partim in Collegio inclusi tenentur. Zum Jahre 1609 lesen wir: Libros haereticos ex an- gulis eruunt et ad collegium comburendos afferunt. Ferner heifit es zum Jahre 1614: Studiosi nostri sunt, qui haereticos libros, ubi eos acquisierint, ad nos deferant. 1616: Superstitiosa scripta, simul cum haereticis libris et Biblis Lutheri ad Collegium a studiosis nostris sunt ali ata. 1617: Hoc item anno resid ua haereticorum librorum in domo Provinciali, in qua multo iam tempore occulta- bantur, —- eiusque pars Colleg io,.pars rogo cessit. Similes libri a pluribus aliis in Civitate per nostros abstracti. 48 1618: Libri haeretici complures exusti cum schedis et carminibus veneficis. Und von Pleterjach in Unterkrain, wo die Jesuiten auch ansassig waren, heifit es zum Jahre 1618: Tres ab haeresi absoluti, inter quos fuit nobilis et dives foemina, quae magno zelo omnes libros, quos habuit, malae doctrinae, nostris prius tradidit exurendos. 1625: Adempti libri haeretici. 1642: Libri haeretici erepti. 1648: Superstitiosa schediasmata, libri etiam turpitu- dines et haeresin sapientes, erepti vel commutati. 1663: Libelli haeresin olentes aliquot erepti. 1670: Conversatione nostrorum effectum, quod usus superstitionum et maleficiorum quibusdam tolleretur abi- cerenturque schediasmata et libelli haeretici. Alle diese Nachrichten beruhen gewiss auf Wahrheit, waren aber jedenfalls nicht fiir die Vei'6ffentlichung be- stimmt. In ihrer Kiirze geben sie uns ein Hild der Thatig- keit des Ordens und der Wahl der Mittel zur Erreichung scines Zvveckes.