Mängel und die Hilfen Als Äilyang zu den über die Armee - Verpflegung." 's „Worten im Fluge ' NNUo^flk-'r. / X , / Die gei mV Ne H Ms Mrrhang zn den Morl rn im Flug über die Laibach 186«». Gedruckt bei Josef Blasnik. Vorwort Vi, tute I>»ut fati«. Soldatenlieder und Traditionen überliefern uns die Leiden des Soldaten im Kriege und im Frieden, ob mangelnder, schlechter Verpflegung. Die verstaubten Akten der Kriegs-Archive geben uns Zeugniß daß es den Armeen niemals an hochher¬ zigen Generalen fehlte, welche diese Leiden zu hemmen und zu unterdrücken bestrebt waren. Aber das Uebel blieb demungeachtet konstant, oder es kehrte nach augenblicklicher Ermäßigung schnell wie¬ der zurück, in seiner altgewohnten verderblichen Form. Die Enthüllungen, welche die neueste Zeit in allen jenen Staaten gebracht hat, welche ihre Armeen im letzten Dezenium mobilisirten, haben jedoch jetzt die ungeheuere Tragweite der mit der Armee-Verpflegung verbundenen großen Uebelstände, sowohl für die äußere Machtentfaltung der Staaten, für ihre Finanzen und 2 für den inneren Flor, wie auch für die Moralität und für das Wohlergehen der Volker in das klarste und anschaulichste Licht gesetzt. So ist es setzt ein mächtiges Gebot der Selbst¬ erhaltung geworden, die bekannten Mängel der Armee- Verpflegung , oder besser gesagt, der ärarischen Beischaf¬ fungen im Allgemeinen, welche bisher als nothwendige und unvermeidliche Uebel betrachtet wurden, mit allen noch zu Gebot stehenden Mitteln zu beseitigen, und solche Abhilfen zu treffen, daß die Wiederkehr der gegenwär¬ tigen unleidentlichen Zustände nicht mehr zu befürch¬ ten sei. Der einzige Weg hiezu ist die offenste Darstel¬ lung der bekannt gewordenen und bereits in die allge¬ meinere Erkenntniß übergegangenen großen Gebrechen dieses Administrations-Zweiges, und die genaueste Er¬ gründung der wahren Ursachen und Wurzeln, aus wel¬ chen dieselben entstanden, genährt und großgezogen worden sind. Dringen wir in diese Materie nur einigermaßen ein, so finden wir bei allen Armeen die folgenden vier bedeutungsvollen, tiefst fühlbaren und äußerst verzweig¬ ten Uebclstände vor: 1) Die gegenwärtigen Verpflegs-Systeme, so ver¬ schieden an Formen selbe auch sind, widersetzen sich allgemein jeder auch nur annäherungsweisen Vorberech¬ nung des Kostenaufwandes für die von der Armee bcnöthigten Bedürfnisse; 3 2) Die zur Beischaffung dieser Bedürfnisse veraus¬ gabt werdenden großen Summen, sichern der Armee nicht, die vorgeschriebene Qualität der meist mit kaiser¬ licher Mnnistzenz festgesetzten Gebühren; 31 Sie sichern ihr nicht, die zeitgerechte Herstellung und Abgabe derselben an bestimmten Punkten; 4) Unter dem Personale der betreffenden Administra¬ tions-Zweige, sowohl dem offiziellen als dem nicht offiziellen endlich, ist ein Moralitäts-Zustand einge¬ rissen, welcher täglich mehr sich verbreitet, und welcher mit seinem verderblichen Drucke in das Räderwerk der Verwaltungs-Maschine gewaltig hemmend eingreist. Und dringen wir tiefer in diese Leidens-Materie ein, so finden wir in Wehmuth auch die anderen Ad¬ ministrations-Zweige der immer riesigen ärarischen Bei- schaffungen, mit ähnlichen Mängeln behaftet. Monteurs- und Zeugsbeischaffung, Bauten jeder Art, Straf- und Erziehungs-Anstalten, Montanistikum und Domänen, Marine und Aerarial-Fabriken re. rc. sind mit den gleichen Leiden behaftet, wie die Ver¬ pflegung der Armeen. Aber demungeachtet finden wir auch mit heiterer Zuversicht, daß es bei genauer Analyse des bestehenden Schlechten, nur eines kräftigen Willens bedarf, um den Baum der ärarischen Beischaffungen, dessen Wur¬ zeln vergiftet sind, und dessen Früchte und Atmosphäre Tod und Verderben verbreitet, in einen Baum kräfti¬ gen und gesunden Lebens für Alle zu verwandeln. 4 Denn die Jrrthümer welche aus gewissen Streb- nifsen der Zeit hervorgingen, die verderblichen Folgen derselben und das dichte Gewebe von Täuschungen mit welchen alle Befserungsversuche so lange vereitelt wur¬ den, sind durch die gewaltig erhobene öffentliche Mei¬ nung jetzt erkannt und gerichtet. Unter diesem heiteren Gesichtspunkte sind die „Worte im Fluge über Armee - Verpflegung" entstanden, und so auch früher noch, die hier folgenden wenigen Zeilen. Möge man finden daß ihre Aussprüche auf lang¬ jährige Erfahrungen und auf unumstößliche Wahrhei¬ ten begründet sind. Laibach Ende März 1860. Die Mängel. Durchgehen wir nun das Detail des Administrations- Zweiges näher, so finden wir bei den meisten gegenwärtigen Verpsiegs-Spstemen die folgenden wesentlichsten Uebelstände. a. Die öffentlichen Ausschreibungen für den Bedarf der Armee; die Verlautbarung der Orte an welchen der Bedarf sich ergibt; und die öffentliche laute Offerts- oder Lizitations-Behandlung für die ausgeschriebenen Naturalien. Es wird hiedurch in Fällen von politischen Verwick¬ lungen das nothwendige Geheimniß nicht beobachtet; der Spekulation wird die Gelegenheit geboten sich kompakt zu einigen, die Marktpreise willkürlich zn beherrschen, und alle Urproduzenten (beim Getreide die Grundbesitzer, bei der Leinwand die arme ländliche Bevölkerung rc.) vom di¬ rekten Verkehre mit dem Aerar auszuschließen; cs wird end¬ lich durch die bei den Lizitationen gebräuchlichen Schweig- vder Abfahrtsgelder, durch welche gefahr- und mühelos große Summen bis zum Betrage vieler Tausende von Gul¬ den gewonnen werden können, bekanntlich, der großartigsten Ausbeutung des Aerars Thür und Thor geöffnet. Hierher gehört auch die Betheiligung der Verpflegs- Beamteu an dem Handel mit Naturalien und an den Lie¬ ferungen derselben an das Aerar; dann der große Werth welcher bei Prcisbemessungen den Marktpreis -Certifikaten beigelegt wird. s Diese 2 Unfüge sind die gewichtigste Veranlassung der jetzigen Ucbelstände und bedürfen keiner näheren Erläuterung. b. Der Mangel ärarischer Mahl-Etablissements und die daher gebotene Vermahlung der Brodfrüchte auf Privat- Mühlen. In Fällen von Kriegs-Vorbereitungen, wo große Massen Brodfrucht schnell vermahlen werden müssen, tritt immer die Nothwendigkcit ein, alle Mühlen im Bereiche der Magazine, für das Aerar in Anspruch zu nehme« und sogar jene, welche 6 und 8 Meilen vom Magazine ent¬ fernt sind. Weil es nun eine gewöhnliche Gepflogenheit der meisten für das Aerar arbeitenden Mühlen ist, das beste Kornmehl dem Mahlprodukte zu entziehen, und da¬ für Pohlmelste, oder Meiste von minderen und von verdorbenen Früchten, ja meist auch sogar die fein ver¬ riebene Kleie zu unterschieben; und weil es bei der großen Anzahl von 30 und 40 Mühlen bei Einem Magazine, ganz unmöglich ist irgend eine Kontrolle zu führen, diese sogar häufig mit den Müllern in genaueres Einverständniß tritt; so wird das Aerar auch immer durch diese zahlreichen klei¬ nen Mühlen sehr bedeutend verkürzt — d. h. statt gutem Mehle wird ihm schlechtes und mit überschüßiger Kleie ver¬ sehenes abgcliefert. o. Die Transportirung der Naturalien durch die soge¬ nannten Fuhrkontrahenten. Diese wissen auf Umwegen vom Aerar die übertrieben¬ sten Preise zu erlangen; sind niemals in dem Besitze einer vcrhältnißmässigen Anzahl von Fuhrwerken und leisten auch keine genügende Kaution für Einhaltung ihrer Kontrakte. Hiedurch wird dem Aerar der Transport übermässig tbeuer, so daß meist ein frischer Einkauf am Bedarfsorte sehr vortheilhaft wäre; es werden die Naturalien durch in 7 Eile gesammeltes Fuhrwerk nnverläßlich, ohne Schutz gegen die Witterung, ohne Einhaltung der bezeichneten Linien und des Abliefcrungs-Termines und ohne der bei Kriegs-Vor¬ bereitungen so nöthigen Evioenz der Transpvrtbewegnng be¬ fördert; es werden viele Deteriorirungen erzeugt, welche stets das Aerar zu tragen gezwungen wird; es wird endlich durch die enormen Gewinne, welche bei den Naturalien-Transporti- rungen zu erzielen sind, der Reiz zu den berüchtigten Luft¬ transporten geweckt, welche in vielen Fällen, schon ab ori- xino nur Operationen auf dem Papiere sind. <1. Ungenügende Kontrolle der Magazine, sowohl in Be¬ zug auf die Manipulationen, als auch auf das Rechnungs¬ wesen derselben. Mangel gehöriger Jnspizirung durch die Militär-Lokal-Behördcn. Es bleibt solcherweise die Magazinsmäßigkeit der Na¬ turalien unkontrollirt; die richtige Verausgabung an die Truppen ist nicht gesichert, die Verläßlichkeit der Ausgabs- posten in den verschiedenen periodischen Rechnungen ist in Frage gestellt, die Oekonomie des Aerars wird weder im Einkäufe, noch in der Verwahrung oder in den Transpor¬ ten berücksichtiget, und es kann alles dieses, von der ent¬ fernten Behörde welcher die Magazine direkte unterstehen, wohl nicht leicht gewahrt werden. v. Die Disciplinar-Jurisdiktion der Armee - (Zentralstelle, über jedes und selbst über das mindere Verpflegs-Personale. Diese hemmt vollends jede wohlthätige Einwirkung der militärischen Lokal-Behörden auf die Aufrcchthaltung der Ordnung, da die Weitläufigkeiten welche erforderlich sind um Vorschriftswidrigkeiten oder Disciplin -Ausschreitungen abzustellen oder zu ahnden, jeden Kommandanten nach einem ersten Versuche, von jedem weiteren abhalten. Die Entziehung der Disciplinar - Strafbefugnis! von Demjenigen der logischer Weise berufen ist die Ordnung 8 des Dienstes aufrecht zu erhalten, ist da wo dieses der Fall wäre, ein großer Fehler, ja ein Verstoß gegen die Grund¬ prinzipien der Disciplin selbst, welche mit Recht Straf-Be- fugniß für das Kommando fordert. Es gründet hierin die geringe Sorgfalt und Gleich¬ gültigkeit der Verpflegs-Beamten in Vollziehung der erhal¬ tenen Befehle, die nachtheilige Selbstständigkeit welche sich in wichtigen Operationen zum großen Schaden des Aerars »nd der Truppen angemaßt wird; und die aus beiden her- vvrgehenden vielen Beschädigungen des Aerars und der Truppen. k. Veraltete Magazins-, Transportirungs-, und sonstige Normalien. Diese datircn fast sämmtlich aus dem vorigen Jahr¬ hunderte, in welchem der Zustand der Länder in jeder Be¬ ziehung, gegen die Gegenwart, ein ganz anderer war. Die vorgeschrittene Technik, die Dampflinien zu Wasser und zu Land, die Verbesserung und Vermehrung der Straffen und Wege, lassen gegenwärtig Bestimmungen nicht mehr zu, welche auf Unbeholfenheit der Technik, auf primitive Kom¬ munikationen, überhaupt auf eine ganz andere Kultur be¬ rechnet waren. Es gründen in diesen veralteten Normalien sehr viele das Aerar treffende Defraudationen, und die Unmöglichkeit, diesen oft handgreiflichen Verbrechen Abhilfe zu gewähren. Der Transportirungscalo, welcher bei einigen Staa¬ ten gegen andere ganz übermäßig ist, stellt sich als ein baa- rer Betrug dar, wenn er auch auf Eisenbahn - und Dampf¬ schiff-Transporte angewendet wird, wie dies in der That geschieht. x. Die Steuern welche das Aerar unter mannigfachster Form von seinen eigenen Naturalien erhebt. g In der bezüglichen Theorie zahlt nur eine Hand die andere, in der Praris aber zahlt die eine Hand zehnmal mehr als die andere empfängt. Außerdem sind mit diesen Steuern lästige und zeitraubende Formalitäten verbunden, welche in sehr vielen Fällen durch Verspätung des Bezuges der Natura¬ lien, dem Aerar ganz unberechenbar große Summen kosten. *) ll. Die örtliche Lage der Magazine und Depositorien. Dieselben sind meist ziemlich schachbrettförmig in den Reichen vertheilt und nehmen keine Rücksicht auf die Bezugs¬ länder, auf die Knotenpunkte der Kommunikationen, auf die Emporien des Handels, auf die vorzüglichen Kriegsschau¬ plätze und auf andere wichtige Elemente der Administration und der Kriegführung. Hierin gründet der stets eintretende Mangel der Ver- psiegs-Artikeln au den Bedarfspunkten im Kriege; die gro¬ ßen unerschwinglichen Opfer, welche dem Aerar durch Zu¬ schübe für operirende oder auch nur sich koncentrirende Armeen aufgebürdet werden, und die schweren Nachwehen, welche aus der doch immer mangelhaften Zufuhr entstehen. i. Mangel an Vorrätheu im Frieden. Man behauptet daß die Erhaltung größerer Vorräthe wegen Verderbniß derselben sehr schwierig und daher kost¬ spielig sei. Dies ist allerdings richtig, wenn schlechte, ver¬ dorbene Naturalien angekauft, und wenn selbe mangelhaft untcrgebracht und wenig oder gar nicht überwacht werden. In der Regel aber dauern Brodfrüchte, Mehl, Hart¬ futter und alle übrigen Aprovisivnirungs-Artikel, ihre noth- weudige Dauerzeit von 1 höchstens Jahren, sehr wohl aus. Was sind übrigens die wenigen Prozente welche ver- *) Dieser Punkt verdient und findet anderswo seine besondere nähere finanzielle Aufklärung. 10 derben können, gegen die geschraubten Preise welche das unvorgesehene Aerar, bei eintretendem dringenden Bedarf, dem Wucher für seinen massenhaften Bedarf zu zahlen ge- nöthiget wird. Sie kommen gar nicht in Rechnung! k. Die Subarrendirung als begünstigtes System. Dieselbe ist zwar an und für sich lucht absolut schäd¬ lich. Sie beurkundet aber jedenfalls eine sehr bedeutende Schwäche der betreffenden Administrations-Zweige, welche unter allen Umständen so wohlfeil arbeiten können als der Private es vermag. In gehäuften Fällen war jedoch die Subarrendirung schon die Ursache großen Verlustes an Menschenleben und an Pferden, und größter Störungen der Operationen. Denn die Gewinnsucht des Subarrendators sieht bei längerem Bestände des Subarrendirungs-Systemes als einer begünstigten Verpflegsform, von den bestehenden Vorschrif¬ ten und Gesetzen der Armee-Verpflegung ganz ab, und liefert die verdorbensten und gesundheitsschädlichsten Arti¬ kel; dieselbe weiß sich bei den Ablieferungen der Natura¬ lien Begünstigungen zu erringen, durch welche der Soldat im Genüsse seiner Gebühr verkürzt und hierin zu ewigen Rückschritten gegen den Subarrendator gezwungen wird; sie erfreut sich endlich einer Straflosigkeit bei Unterschüssen und Bestechungen, durch welche jede Macht der militärischen Kon¬ trolle gebrochen wird, indem bei denselben das Geständniß der bösen Absicht als wesentlich zur Bestrafung erforderlich angesehen wird. *) *) Es ist wahr: Ich habe kein Heu abgetiesert sondern nur ein Ge¬ menge von Moos, dürren Blättern, Stroh und Reisig; aber ich wollte nicht betrüge», sondern als redlicher Kaufmann nur meinen Vortheil suchen, sagte einst in N ein Jude und wurde vom Straf¬ gerichte frei gesprochen. 11 l. Die verspätete Befriedigung der Geldforderungen der Lieferanten für ihre bewirkten Lieferungen. Sie ist die Veranlassung einer sonst nicht motivirten Preiserhöhung beim Einkäufe, und des verlorenen Vertrauens von Seite der Verkäufer, in die pünktliche Einhaltung der vom Aerar eingegangenen Verpflichtungen. Der Geschäftsmann kann prompte Befriedigung nicht entbehren, wenn er redlich handeln soll! m. Mangel der Normalien bei den Truppen und die daraus hervorgehende Uukenutniß der Gebühr bei derselben. rc. rc. rc. Ferner im Kriege noch besonders n. Mangel an Dispositions - Gabe bei den betreffenden Organen der Centralstelle. Hierunter werden alle auf den Einkauf und auf die Be¬ wegung der Naturalien bezüglichen Operationen verstanden, welche stets einer einheitlichen Central-Leitung bedürfen. Wo die Seele des mächtigen Administrations- Zweiges kränkelt und Schwächen beurkundet, da folgt die doppelte Ausbeutung durch treulose Organe dessel¬ ben, welche verbrecherische Einverständnisse mit Liefe¬ ranten, Contrahenten und Subarrendatoren eingehen, und jene gewissenloser Geschäftsleute welche sich ge¬ genüber befangener Regierungs-Organe an keine Ver¬ trags-Bedingungen gebunden glauben, unmittelbar auf dem Fuße nach. Die überspanntesten Anschaffungspreise, die Magazinswidrigkeit aller Vorräthe, die Nichtbeachtung der Lieferzeit, bewegen sich dann paralell, 12 mit der Unerschwinglichkeit des Geldbedarfes, mit großen Beschädigungen des Mannschafts - und Pfcrde- standes, — und mit Beirrung, Abschwächung oder Lähmung der Kräfte bei verkommenden Kriegen. Diese bedauerlichen Zustände der Gegenwart sind treue Spiegelbilder langjährigen Siechthumes, sie deu¬ ten das Stadium der Krankheit an, und den wahren vorzüglichsten Sitz derselben. o. Ungenügende Normen für die Nachschubs- und Ko- lonnen-Magazine, und fehlerhafte Wahl der Kolonnen-Ma- gazins - Kommandanten. p. Mangel an Backöfen und Depofltorien in den Festun¬ gen, und Unfertigkeit des Personales im Baue der Feld¬ backöfen ; g. Nicht genügende Werthschätzung guten Zwiebacks für forcirte Operationen, rc. rc. Schließlich sowohl für den Krieg als für den Frieden giltig. r. Uukenntniß des bestehenden Verpflegs-Systemes und der betreffenden besonderen Strafbestimmungen über Defrau¬ dationen im Frieden und im Kriege, bei dem Justizpersonale. Hiedurch fehlen meist kundige Richter um begangene bezügliche Verbrechen zu konstatiren und abzuurtheilen, und es mangelt dem Gerichtsherrn in jedem Klagfalle, selbst die Hoffnung eines Erfolges der Untersuchung. s. Die cingeriffcnen gesetzwidrigen Gepflogenheiten bei den Rechnungs-Kontrolls-Behörden, bei den Telegrafenäm¬ tern rc. rc. *) Geheimer Natur. 13 Die Hilfen. Gegen diese in Kürze aufgezäblten vorzüglichsten Män¬ gel der Verpflegs-Administratiouen unserer Zeit, gibt es fol¬ gende leicht ausführbare und für eine Reihenfolge von Jah¬ ren durchgreifende Abhilfs-Mittel: rat s. Für die Beischaffungen aller Naturalien der Armee so wie für die Vertheilung derselben an die verschiedenen Magazine, welche einer streng einheitlichen Leitung bedürfen, hat an die Stelle der öffentlichen Ausschreibungen und der öffentlichen Offerts- oder Lizitations-Behandlungen ein Offerts-Protokoll im Centrum des Reiches zu treten. Dieses wird in mehreren gleichen Pariert geführt, und jedes Pare von einem hochgestellten Organe der Central- Stelle verwahrt. Es nimmt unter sichernden Formen das ganze Jahr hindurch Offerte aus allen Theilen des Reiches an, und dient zur unfehlbaren gerechten Basis für alle An¬ schaffungs-Kombinationen, und für die billigsten und besten Ankäufe. Alle Geschäfte werden hiedurch zum Wohle der bedrängten Finanzen, reine Provisions-Geschäfte. Die Naturalien-Besitzer und Händler offeriren beliebig, sind an ihre Offerte nur für die Zeit der umgehenden Post gebunden, und haben die Gewährleistung, daß in jedem Be¬ darfsfälle die relativ beste und billigste Waare gewiß und anstandslos berücksichtiget werden muß. 14 Hiedurch wird zugleich eine sehr kräftige Unterstützung des Ackerbaues und aller Urproduktion erzielt. Die Offerte werden bei allen Administrations-Behörden der Armee zur Einsendung an die Central-Stelle und auch bei dieser angenommen. Ihre Numerirung wird bei dem Einreichungs-Protokolle der Central-Stelle, genau nach der Reihenfolge ihrer Präsentirung bei demselben bewirkt, und strengstens überwacht. Die Offerts-Protokolle werden durch mehrere verlä߬ liche Organe evident gehalten, aber geheim geführt und ver¬ wahrt. Ueber die Annahme eines Offertes zur Lieferung, ent¬ scheiden die Besitzer der Offerts-Protokolle im Vereine. Wo es nothwendig wird in den Provinzen oder Kron¬ ländern Beischaffungen zu machen, sollen diese stets durch die höchsten Civil - und Militär-Personen der Provinz oder des Kronlandes durchgeführt werden; nicht aber durch sub¬ alterne unverläßliche Individuen, wie fetzt. sä b. Errichtung von mehreren (5 oder 6) großen Damps- Mahl-Etablisscments an den Hauptbezugs- und an den vorzüglichsten Stappelplätzen der Brodfrüchte. sä o. Benützung der Landes vorspann unter Jnterveni- rung der politischen Kreis-, Departements-, Gouvernements- odcr Regierungsbeamten. Diese Benützung ist legal und für den Bauer und Vor¬ spannsleister eine große Wohlthat; sie stört die Agrikultur in gar keiner Weise, und dabei ist sie bei umsichtiger Vorsorge und Leitung ausgiebig und verläßlich genug, um jeden be¬ züglichen Dienst zcitgerecht zu leisten. *) sää. Wie bereits gesagt wurde und wie hier wiederholt *) Hierüber besteht et» besonderes Memoire. 15 wird: Aufstellung von besonderen administrativen Bri¬ ga den, welche vorzüglich bei ausbrechenden Kriegen uner¬ läßlich sind. Weil in Zeiten von Kriegs-Vorbereitungen die mobilen Truppen ihre Friedensstationen verlassen, bleiben alle mili¬ tärischen Etablissements, gerade in der Zeit der größten Ver¬ mehrung ihrer Geschäfte, in der Zeit ihrer Ergänzung und Erweiterung, in der Zeit wo Vorräthe in Massen gesammelt und bearbeitet werden müssen, ganz ohne Brigade-Inspektion. Hierin gründen im Kriege Mängel der Armee-Admi¬ nistration von ganz unberechenbarer Tragweite, welche spä¬ ter auch mit den größten Opfern und mit der größten Kraftanstrengung nicht mehr gut zu machen sind. «ä o. Uebertragung der Discip l inar-Jurisdiction über die Beamten und das Magazins-Personale an den stabilen Brigadier, in gleicher Art wie diese bei jeder Brigade der Armee über die unterstehenden Truppen besteht. Vidirung der Konduitlisten der Beamten durch den Brigadier oder dessen Stellvertreter. r,ä k. Verfassung neuer zeitgemäßer Normalien mit Be¬ nützung jener der anderen Nationen. Einleitung einiger Versuche in der Vermahlung, in der Zwieback-Erzeugung, in der Naturalien-Transportirung und in derKonservation derselben rc. rc. rc. Für die Kontrolle des wichtigen Geschäfts-Zweiges wird in einer großen Monarchie nur dann genügend gesorgt sein, wenn nicht Ein sondern 4 bisöGeneral-Jnspektoren, dann für jedes Vorraths-Magazin oder großes Mahl-Etab- lissement ein hökerer Direktor, und in jedem Verpflegs- Magazine ein Stabsoffizier als stabiler Kontrollor, aufgestellt werden. Die jüngsten Kriegs-Ereignisse haben uns den Bedarf 16 von mehreren General-Inspektoren ganz klar erwiesen, und ihr Bestand würde große Verluste erspart haben, wie über¬ haupt ihre Creirung keine erwähnenswerthe Mehr-Ausgabe sür den Staat, sondern eine sehr reichhaltige Quelle von Minder-Ausgaben sein muß. Es versteht sich von selbst daß die Magazins-Rechnun¬ gen der Einsicht des Brigadiers offen stehen müssen, da der Brigadier allein die Richtigkeit vieler Ausgabsposten und die Nothwendigkeit derselben zu beurtheilen im Stande ist. säx. Statt der Steuer-Entrichtung für Verpflegs-Artikel und Armee-Bedürfnisse, Einführung von Magazins-Kon- trolls-Bolleten deren genaue Evidenz keinem beson¬ deren Anstande unterliegt. *) »ä li. Die Truppen wären schon im Frieden weniger zu ver¬ zetteln, und mehr in die Nähe der Haupt-Operations- und der Vertheidigungslinien so zu verlegen, wie es auch der Frie¬ densdienst und die Abrichtung in größeren aus allen 3 Waf¬ fengattungen bestehenden Körpern erfordert. Die Magazine sind in Verpflegs- und in Haupt- vorraths-Magazine einzutheilen. Erstere sind nur an geeignete größere Garnisons-Orte, Letztere in die Hauptbezug-Länder und in die wich¬ tigsten Stappel- und Handels-Emporien zu ver¬ legen. Beide sind in der Administration von einander ganz getrennt. sä i. In der Gesammtheit der Magazine wäre für die Ar¬ mee auf dem Kriegsfuße, der Naturalienbedarf auf 6 Mo¬ nate zu hinterlegen. Bei sehr wohlfeilen Preisen wäre dieser Vorrath auf das doppelte zu erhöhen. Die zur Konservativ» der Naturalien erforderlichen Besteht ein besonderes Memoire. 17 Manipulationen wären in allen größeren Garnisonen von der Truppe ohne besonderen Entgelt zu leisten. allk. Die eigene Regie ist schon des Krieges wegen auch im Frieden nothwendig. Die Meinung daß der Pri¬ vate wohlfeiler arbeiten könne als das Aerar, ist ein Vor- urtheil, welches durch Subarrendatoren zur Unterstützung der Subarrcndirung, die ihnen Vortheile gewährt, in Umlauf gesetzt wurde. Das Aerar welches über großartigere Mittel als der Private disponirt, kann leicht alle Fortschritte der Technik benützen, kann große permanente Etablissements Herstellen, und darf über die Dauerzeit seiner Operationen nicht so be¬ sorgt sein, wie der Subarrendator. Es disponirt auch über wohlfeileres Handwerks-Personale und kann daher jeden¬ falls viel billiger als jeder Private arbeiten, wenn es durch Rechtlichkeit, guten Willen und Sachkcnntniß, vertreten wird. Länder in welchen die Subarrcndirung und das Liefe- rungs- oder Kontrakts-System am blühendsten dastcht, sind auch jene, in welchen das Aerar am besten ausgebeutct, und die öffentliche Moral am gründlichsten untergraben ist. Die Subarrcndirung wäre daher als begünstigtes System aufzulassen und nur Ausnahmsweise in kleinen Garnisonen zu gestatten, im Kriege aber jedenfalls nie zur Sprache zu bringen. rut l. Prompte Bezahlung gleich nach Uebcrnahme der magazinsmäßig befundenen Naturalien. all m. Verfassung neuer umfassender Vorschriften, in welchen den angedeuteten Verhältnissen der Gegenwart Rechnung getragen, und den zum Nachtheilc des Aerars und des Sol¬ daten eingeschlichenen Ordonnanzen der Neuzeit, die billige Aufmerksamkeit geschenkt wird. 18 Die Brigade-Jnspizirung, Kontrolle und Strafbefug- niß, wäre über die Magazine, deren Manipulationen und Gebahrung, und über alles Personale angemessen auszudeh¬ nen und zu verstärken; namentlich müßen die zum Schutze der Gebühr der Truppe erforderlichen Formen vereinfacht und erleichtert, der stabilen Brigade endlich in Gebührs- Streilsachen und Passirungen rc., ein genügendes Entschei¬ dungsrecht ertheilt werden. Die neu verfaßten Vorschriften müßten zahlreich an die Truppe vertheilt und Gegenstand obligaten Studiums sein, nä n. Benützung der im letzten Kriege gemachten Erfahrun¬ gen, und Einübung der Generalstabs-Offiziere in Entwürfe von Natural-Dispositionen für supponirte Kriegs-Ereignisse, uä o. Um tüchtige Kolonnen-Magazins-Kommandanten zu erziehen, sind die zahlreich vorhandenen verwendbaren Offi¬ ziere des Pensionsstandes, bei den Magazinen zum Dien¬ ste zuzntheilen und selbe in allen vorkommenden Dienstzwei¬ gen zu üben. s<1 r. Eine kurze Dienstleistung des Militär-Justiz-Eleven im Verpflegs-Magazine. uä 8. Vertrauenswürdige Männer an der Spitze der Ver¬ waltungs-Zweige; Vereinfachung des »»behilflichen, stö¬ renden, und die Unterschleife außerordentlich befördernden Kontrollwcsens; entsprechende pekuniäre Stellung wesent¬ licher Diener; Rückgabe des entzogenen Vertrauens an die hohen Würdenträger des Reiches. 19 Schlußwort. Bereits gemachte Erfahrungen haben zu verschie¬ denen Zeiten erwiesen, daß Anstrengungen einzelner Männer nicht genügen, dauernde Verbesserungen an¬ zubahnen, selbst wenn diesen Männern tiefere Erfah¬ rung und Geschästskenntnisse zu Gebote stehen, und selbst wenn große Erfolge erzielt werden. Soll ein dauerndes System reiner Ver¬ waltung für die Zukunft aufgestellt werden, so ist demnach nöthig: kommissionell und aus den vorhandenen Akten, zuerst die ganze Größe des bestehenden Uebels zu konstatiren, und dann die Vorschläge, welche aus den so ge- gewonnenen Ergebnissen hervor gehen wer¬ den, ebenfalls kommissionell berathen zu lassen. Bei großen Reichen, in welchen das monarchische Prinzip und die Rechtlichkeit bei der überwiegendsten Mehrzahl ihrer Bürger angeboren und wachgehalten 20 sind, kann die Wahl erfahrener, rechtlicher Männer hiezu, nur eine ganz leichte Sache sein. Gegen ihre Aussprüche bricht sich jeder Wider¬ stand des unlautern Eigennutzes, das Verbrechen aber flieht vor Recht und Gesetz, wenn die öffentliche Mei¬ nung selben, wie jetzt, kräftig zur Seite steht. Wird solcherweise ein System reiner und ratio¬ neller Verwaltung gewonnen, wie es nach dem Ge¬ sagten ohne Zweifel leicht gewonnen werden kann, dann war auch keine Prüfung welche hiezu führte zu schwer, — kein gebrachtes Opfer zu groß. Das Recht ist aller Reiche Fundament, Wenn die vereinte Kraft es stützt.