Samstag Vktt 2. August 1834. Sacht«. i. <^odtbleich sieht der Mond hernieder Aus der Wolken düsterm Haus, Wie ein Geist aus weißem Leichtlich Tiefen VlickeS sieht hmauS. Sr, die Lampe unsrer Erde, Leuchtet durch die öde Nacht, Wir, die Schläfer, schlummern träge, His die Lampe ausgcfacht. II. Wie die Wogen lustig murmeln. Wie so selig rauscht die Fluth, Wollte wissen, was in Tiefen Unter diesen Wogen ruht. Perlen, die uns jede Welle Aus der Tiefe hinauf bringt; Perlen! die dieselbe Welle, D,ie sie brachte, auch verschlingt. III. Wie die Sterne goldig flimmern. Wie sie traulich uicderfeh'n, Könnt' manch' Lichtlein ich erHaschen, Aus den fernen dunkeln Höh'n; Brauchte nicht hinan zu klimmen. Taucht' nur nieder in die Fluth, Wu der Mond mit seinem Lämpchen Drunten in der Tiefe ruht; Und ich tauchte, tauchte nieder. Gab doch bald, so wie h^aui Aus der Tiefe sie zu bringen. Alle meine Hoffnung auf. IV. Darf ich wohl, ihr Lichtelein! Dort im Dunkelblauen/ Was im Herzen mir, euch rein, Völlig anvertrauen? Lindernd sanft ist euer Glanz, Möcht' euch Allc5 sagen; Sternlein doch im Stcrnenkranz, Dürft's nicht weiter tragen. Doch, wie könnt' so blöd ich seyn, Allen aus der Ferne Leuchtet ihr, nicht mir allein, Plauderhafte Sterne! Constant. W-.....h. --------- ^-------- Vie Insel Merita over Julia. Man erinnert sich noch des Staunens, das diese anfangs Nerita, dann Julia genannte Insel er. regte, die im Jahre 5 83l im mittelländischen Meere auftauchte, dann verschwand und jetzt abermals wieder zum Vorschein gekommen ist. Damalige Zeitungsberichte gingen so weit, zu sagen, diese Insel sei mit allem Reichthum einer üppigen Vegetation geschmückt aus dem Meer aufgetaucht; Folgendes ist j«doch der der Wahrheit gemäße Verlauf der Erschei« nung, wie er der Akademie der Wissenschaften zu Pa» ris berichtlich mitgetheilt würd,. Seit mehreren Monaten halten sich auf dem Littoral von Sicilien in einer Ausdehnung von «o - <22 — Stunden, bis zur Insel Pantelleria, mehrere Erderschütterungen spüren lassen. Von der Küste aus sah man das Meer heftig schämen, und horte dabei ein dumpfes Gebrüll/ dem eines wüthenden Löwen ähnlich; das Wasser war trübe geworden, todte Fische schwammen auf der Oberfläche? und wurden acht bis zehn Stunden weit von der Stelle fortgetrieben, wo die Eruption sich vorbereitete. Bald erhob sich ein leichter Dunst, der nach und nach immer dichter wurde, und endlich eine Säule von 1500 Fuß Höhe und 100 Fuß Breite b ldete, bei Nacht leuchtete, und in Zwischenräumen Steine, glühende und rußige Asche auswarf. Am 15. Juli 1331 erschien an derselben Stelle, eine aus mehreren Spitzbergen gebildete In« sei, welche nach und nach auftauchten und sich zu einem Ganzen vereinigten. Ein Engländer, der Admiral Otham, war der Erste, der diese Insel besuchte, nnd am 4. August im Namen des Königs von England Bessy danon nahm. Es erhuben sich in diese« Hinsicht Strlicigkeiten zwischen den englischen und neapolitanischen Regierung,?,, diplomatische Noten wurden gewechselt, und di« Sou« veränitästsfrage hinsichtlich dieser Insel wär» vislleicht noch immer nicht erledigt, hätte der Fels sich nicht selbst den auf ihn erhobenen Ansprüchen entzogen. Am 28. August desselben Jahres kam Herr Konstant Pre-vost, vom Institut abgeschickt, an diesen Gestaden an, und landete, ungeachtet der Furcht der Matrosen, die das siedende^ Meer von Weitem mit Angst betrachteten, in einem Kanot an der zugänglichen Seite der Insel, die hier eine Neigung von 45 Grad bildete. Der Boden war brennend heiß; das Thermometer, einige Zoll tief in denselben gesteckt, stieg bis auf 75 und 85 Grad der hundertcheiligen Scala, und hie und da warfen Säulen von Schwefelwasserstoffgas Sandkörner bis zu mehr als einem Fuß Höhe aus. Im Mittelpuncle der Insel, einer Anhäufung von ganz schwarzer Asche und Schlacken von 2100 Fuß im Umfang, und an ihrem höchsten Puncte 200 Fuß über dem Meeresspiegel befand sich ein Bassin von 180 Fuß Durchmesser, und mit rö'thlichem Wasser von einer Temperatur von 80 bis 95 Grad deS hunderttheiligen Thermometers ' angefüllt ; dieß war der Krater, durch welchen die Eruption stattgefunden hatte. Uebrig«ns war keine Spur von Vegetation und üdechaupt nichts bemerkbar, was hätte vermuthen lassen, daß das Leben auf diesem Feuerlande seinen Sitz aufgeschlagen habe, denn man sah nur ein Nolh-kelchen und einen Raubvogel, der sich wahrscheinlich hier einen Augenblick niedergelassen hatte, um auszuruhen. Um diesen Felsen herum hatte sich aus den'aus: geworfenen staubigen Massen eine klelm Küste gebil- det, die auf eine geringe Strecke fortlaufend plötzlich wie abgeschm'licn war, und an deren Ende das Meel eine «iefe von 50 bis 60 Faden hielt. Das Ecg'b'' niß dieser Untllsuchungen wurde auf Pergament niedel' geschrieben, in einer Flasche verschlossen und diese aus dem Gipfel der Insel neben einer aufgepflanzten t>lt>' farbigen Fahne gelegt. Diese wissenschaftliche VeD ergreifung gab mindestens zu keinen Zwistigkeiten A>l' laß Herr Pcevost berichtigte zugleich einen IrrtlMl? in welchtn die frühern Beobachter verfallen waren, ^ dieser Insel nach der Seekarte von Smith, welche ^ Bank von Nerita auf diese Stelle versetzt, den Name" Ncrita beigelegt hatten, und nannte sie, nach de«' Monat Julius, in welchem die Eruption stallgef"«' den hatte, Julia. Die Inscl Julia ist keineswegs das Ergebniß^ ^ nes durch ,inen dcntralimpuls bewirkten Aufsteigt des Meeresgrundes, sondern sehr wahrscheinlich "^ dankt sie ihre Entstehung einer vielfachen unterseeisch^ Erupti,n, di» sich bis zur Oberfläche des Wassers^ hob und dort, so wie der vulkanische Kegel von P"^ telleria, festsetzt». Da indeß die Spalt, sich verstopf oder ihr, vulkanisch» Wirkung verlor so folgt hiera^ daß di» Insel Julia, obschon auS vulkanischen Keg^ gebildet, dennoch kein dauernder Vulkan geblieben >!l' Aus Asche und Schlacken bestehend, sank sie von T^ zu Tag durch Einwirkung der dort so häufig»!! 6l^ stoße, der Wogen und Winde immer mehr in s>^ . selbst zusammen. Mehrer» Monate hindurch fühl^ man in Sicilien noch starke Erdstöße, bemerkte vo" der Küste aus einen lebhaften feurigen Schein in t>e Gegend der Insel, und am 12. Jänner 1832 v^'-schwand sie unter den Wogen. Einige Zeit naclM suchte Admiral Hugon, der eben nach Navarin fts^ ^ te, vergeblich ihre Spur, denn das Wasser stand l' reits acht Fuß über der Insel. Im Mc^at Fcb"^ sah man das Meer auf derselben Stelle stark auf'v^ len, und ein englisches Schiff, das eben vorüberftb/ glaubte auf der Insel aufzustoßcn, so stark war ^ Erschütterung, die man am Bord empfand. D>' war Alles, was man über die Insel Julia wußte, ^ man endlich im Julius 1833 erfuhr, sie sei wil^ zum Vorschein gekommen. Dießmal muß sie «ntl^ der durch dieselben Oeffnungen oder durch Seitens nungen wieder zum Vorschein gekommen seyn, b< ihr Grund ist fest und dauerhaft, und der Ce»"''^ krater, dem sie ihre Entstehung dankte, ist nichl ^ loschen. Hat die Eruption durch dieselbe Seff"."', stattgehabt, so wird der Kegel, der sich gegenw"^ erhebt, sehr schnell wachsen, neue Lavaausströmll"s^ ^ werden die lockern Stoffe verbinden und befc!'^ , und die Insel könnte so gut wie Vulcano und ^ Bestand gewinnen. - 122 — Das Auftauchen vulkaniser Inseln ist übrigens ke!ne neue Erscheinung. In den Jahren 1636 und 2720 kamen aus diese Weise zwei Inseln in den Azoren zum Vorschein. Im Jahre I3lt erschien Sabrina, nach dem Schiffe so genannt, das diese Insel entdeckte, und senkte sich nach und nach wieder, nachdem sie früher eine Höhe von 400 Fuß gehabt hatte. Dieselben Erscheinungen beobachtete man auch im Jahre 181« zu Japan und Kamtschatka. Flugversuche. Die Kunst zu fliegen ist von allen diejenige, worin es der Mensch am spätesten, auch nur zu unbedeutenden Resultaten gebrachthat; denn unbedeutend müssen sie wohl heißen; so lange der Ballon noch völlig dem Stoß des Windes Preis gegeben ist, und sich keine Anwendung auf das Leben davon machen läßt. Die Zeit, wo man Ballons haben wird, wie man jetzt Gondoliere und Fiacres hat, eristirt vor der Hand nur im Leopoldstädter Theater. Und doch ist es schon manches Jahrtausend her, daß man sich an dem wa« gehalsigen Unternehmen abarbeitet. Die Fabeln der Alten von Da'dalus und Ikarus sind bekannt, von dem Scythen Adaris, der nach Diodor von Sicilien und Andern, mit kunstlichen Flügeln an den Schultern auf einem goldenen Pfeile daher schoß, von den Kapnoba« ten oder Rauchfahrern des Strabo, die man wohl Dampfboten nennen könnte, da sie ihre Flügel mit Rauch flissten. Und wer weiß ob nicht diesen Fabeln vielleicht ein zum Mährchen gewordenes ?5::u::'. zum Grunde liegc? Der Philosoph Archylas soll bei einem solchen Vccsilche das Leden verloren haben. Schon im XIII. Jahrhunderte entwarf der große Mönch Roger Vaco in England, welcher so viele künf-tig-t Entdeckungen im Keime sah, eine Flügelmaschine. Häufiger werden die Nachrichten im XV. Iahrhun» dcrt. I. B. Dante von Perugw, mit dem Weinamen der neue Dädalus, durch viele glückliche Versuche crmulhigt, erhob sich 1^60 von dem höchsten Thür« me seiner Vaterstadt bis zu einer Höhe von 200 Fuß, schwebte eine Zeitlang über den Gebäuden hin, und nahm endlich die Richtung nach dem drei Miglien entfernten thraspmenischen See, flog zum Erstaunen der zahlreichen Zuschauer mehrere Male darüber hinweg, und kehrte sodann nach Perugia zurück. Da brach unglücklicher Weise das Eisen womit ?r den linken Flügel dirigine: tr stürzte auf die Plattform einer Kirche und brach em Bein. Einige Zcit später erhielt er'dni llchrkan'zel der Mathematik zu Venedig. (0l- ßlioli l'cü-UZil», i^IuLti'It. ^loin. 2. I?. HH.) Er war es, welcher den Eifer der Italiener unb Deutschen für die Versuche zur Auflösung des gefährlichen Problemes weckte. In der ?2nnp!ia pk^sica-viilcÄnicl, von I, E. Vurggrav liest man, ?. 52, daß ein alter Musicus zu Nürnberg gegen das Ende des XV. Jahrhunderts die Kunst verstand, sich mittelst großer Flügel, die er geschickt zu bewegen wußte, in der Luft schwebend zu erhalten; der Italiener Buratini soll die Erfindung des Deutschen nach Frankreich gebracht haben: aber Niemand wollte den Versuch wagen. Im XVI. Jahrhundert gelang es einem zu Troyes etablirten italienischen Uhrmacher, Volori, als der Vorläufer des Wieners Degen, sich mit kunstreichen Ei« senfedern versehene Flügel zu machen, mit denen er wirklich flog. Er warf sich von einem der gothischen Kathedral-Thürme herab, erhielt sich lang in der Luft, schwebte dreimal über die Arme der Seine hinweg: als plötzlich ein heftiger Wind sich erhob, und trotz der angestrengtesten Gegenbemühung ihn so derb zur Erde warf, daß der Vogelmensch (liumlNL-oizeau) wie ihn das Volk nannte, darüber das Leben verlor» (6ro5ie)l. Ilist. 6ü 1>o^e5.) Dieß Unglück schreckte Andere nicht ab; mancher neue Ikarus folgte; aber alle fanden ein trauriges Ende. Schon schien es, als wolle Keiner mehr ein Leben daran wagen, als gegen die Hälfte des XVII. Jahr-Hundertes der Franzose Veinier, ein Schlosser zu Säble im beutigen Sarthe. Departement, Flügel« Maschinen ausbot, mittelst welcher er selbst sich hundert Fuß hoch erhob und wieder herabkam. Im Jahre 1660 stiegen zwei Engländer aus Malm .l ury, Cook und Olivier, mit Flügeln an Armen und Füssen, ziemlich hoch und erhielten sich eine Zeit lang in der Luft. Ein spanischer Mönch, Elmero de Malameira, wolltt es ihnen nachlhun; aber so genau er alles berechnet zu haben glaubte, so fand er doch den Tod bei dem Unternehmen. Im Jahre 1745 flog Don Francesco Guzman aus Lissabon auf einer Art von künstlichem Adler, dessen Flügel er nach Gefallen regierte. Er soll über den Tajo hingeschwebt seyn, und würde die Sache vielleicht noch viel weiter getrieben haben, wenn ihn nicht die Foltern der Inquisition geschreckt hätten. Er wurde öffentlich als einer bezeichnet, der mit höllischen Geistern im Bunde stehe; sogar sein Bruder, obwohl Staats-Secrelair und Günstling Johann V., glaubte ihn niHc retten zu können, und riech ihm » 12/» — schleunige Flucht, zu welcher der König selbst ihm behiUflich war. Der Abbe Desforges von Etampes war im Jahre 1772 mit seiner Lufcgondel und dem Fallschirme darüber nicht glucklicher, als vorher mit den Flügeln, welche er mehr den Inseclen als den Vögeln nachge« bildet hatte. Ein Jahr später stieg Vacqueville von seinem Hause am QuaiMalaquais in Paris auf, flog über die Seine, siel aber durch eine Unvorsichtigkeit, die ihm theuer zu stehen kam, auf einen Nachen herab, an dem er sich schwer verletzte. Ein Jesuit in Padua, und ein Theatiner in Paris waren nicht glücklicher (ko^illr, ^uni-nai ää 1?!,^ «ihuc. »770.) Vier und zwanzig Jahre später, 1797, machte der junge Calais mit etwas veränderten Flügeln einen neuen Versuch von einer eigens im Garten Marbeuf zu Paris errichteten S3ule aus. Er stieg nicht lange, der Fall war schnell und heftig. Doch verlor er die Geistesgegenwart nicht, und war edel genug, in die< sem Zustande so gleich anzuordnen, daß jedem Zuschauer sein Geld zurückgestellt werde. Kaum von sei? , ncr Verletzung hergestellt, schiffte er sich nach Amerika ein, wo das Glück ihm lachte, so daß er bald einen glänzenden Platz in der Gesellschaft einnahm. 1308 sing der Wiener Uhrmacher Degen an, seine Geschicklichkeit im Fluge öffentlich zu zeigen. Er stieg 64 Fuß, dann doppelt, dann dreimal so hoch (Mor-Henblatt 1808, H809, 1810, 1811). In der Mitte zwischen den 22 Fuß langen 3 1^2 Fuß breiten Flügeln, hob und senkte er sich nach Gefallen. War der Wind nicht entgegen, so soll er im Stande gewesen s Ein reisender Jude, der öfter durch die Stadt P. passirte und vors einem dortigen Wirthe arg g^ prellt ward, kehrte spater in einem andern Gasthofe ein. Der verschmähte Wirth erfuhr dieß kaum, als er den Juden aufsuchte und ihm solche Beltidigung^ anthat, daß der arme gekränkte Israelit ausrief-»Herr, was soll ich thun, damit Sie mich in Ruht lassen.« — »»Wenig, sehr wenig,'« sagte oerWillh' »»Sie dürfen nur den Gasthofinhaber, bei welch^ Sie gegenwärtig wohnen, hier öffentlich einen Sch"^ ken nennen, und ich lasse Sie augenblicklich zuft'^ den. — »Ich bin erst ein Mal bei ihm eingekeh^ versetzte hierauf der Jude, ich kenne ihn also zu l"^ nig und kann ihn durchaus nicht schimpfen. Wal« ' mir aber so genau bekannt, wie Sie, so würde ' ihn nicht ein Mal, nein hundert Mal öffentlich^ nen Schurken nennen.« Veoatteur: H-r. Vau. Weinrich. Verleger: Mn«; Al. Evlcr v. RleinmaLl'