Nrs nLtiroualkm Bestrebungen der Slovenen. Cin Rückblick auf die Marburger Landtagswahl vom 27. Februar 1869 von k'. voininknZ. Motto! Nicht Stimmenmehrheit ist deS Rechtes Probe. Schiller. Graz, 1869. Itn SelMverlage des Verfassers. D i e nationalen Bestrebungen der DtWM«. Ein Rückblick auf die Marburger Landtagswahl vom 27. Februar 1869 von V. voiniirkuK. .... - Motto: Nicht Stimmenmehrheit ist des Rechtes Probe. Schiller. Graz, 1869. Druck von Zof. A. Kienreich. Im Selbstverläge des Verfassers. 103231 Äs war seit Alters her Gepflogenheit herrschsüchtiger Naturen, die Freiheitsbestrebungen unterjochter Völker mit allen denkbaren Waffen niederzukämpsen, und wo die Gewalt nicht ausreichte, wurde zur Ent¬ stellung und Verleumdung Zuflucht geuonuneu. Wir Slovenen kennen diese Kampfesweise egoistischer Gegner schon seit Zähren, wir haben uns durch selbe, dem gesunden Sinne unseres Volkes und der Gerechtigkeit unserer Sache vertrauend, bisher wenig beirren lassen. Bei Gelegenheit der letzten Landtagswahl in Marburg »ahmen jedoch die gegen uns in Scene gesetzten Verleumdungen so ungewohnte Dimensionen an, es wurden uns die schwersten Verbrechen an Staat und Völkerglück mit so beispielloser Perfidie angeschuldigt, daß hiedurch in der That die öffentliche Meinung verwirrt, und die Wagschale des momentanen Erfolges zu Gunsten unserer Gegner geneigt wurde. Diesen Erfolg proklamirte man mit einer Heuchelei, die wahrhaft charakteristisch für unsere politischen Zustände ist, für einen principiellen Sieg über verwerfliche und staatsgefährliche Principien, für einen Triumph der Sache der Freiheit und des Fortschrittes — „gegen das Reich der Finsterniß und der Verdummung, aus welchem politische Knechtschaft nnd wirthschaftliches Verderben entspringen." (Marburger Zeitung Nr. 30.) Angesichts dieser Thatsachen wird man jedem Genossen, um so mehr dem Candidaten der unterlegenen Partei die Berechtigung zuge¬ stehen müssen, sich zur Wehre zu stellen, und den gewerbsmäßigen Verleumdern die Leuchte der Wahrheit ins Angesicht zn halten. Ich will deshalb die Anwürfe, die inan der Partei, der ich au- gehöre, machte, der Reihe nach besprechen, um nachzuweisen, wie sehr dieselben jeder Begründung entbehren. Man nannte uns „Knechte der Pfaffheit", bezeichnete unsere Partei als die „national-klerikale" und en mangent vient l'apotit 4 bei dem Festbankette, welches zur Feier des Wahlsieges unserer Geg¬ ner veranstaltet wurde, erklärte schon der erwählte Candidat, es gebe eigentlich keine nationale, sondern nur eine klerikale Partei, und die sei besiegt worden. Ich erlaube mir nun die Frage, wer hat das Büudniß zwischen den Nationalen und Klerikalen geschlossen und gesiegelt? Sind wir je für klerikale Interessen, insoferne selbe mit den Forderungen des Fort¬ schrittes und der Aufklärung im Widerspruche stehen, in die Schranken getreten? haben wir Concordats-Adressen gefertiget, Peterspfennige ge¬ sammelt, oder päpstliche Zuaven rekrutirt? Aus dem Thun und Lassen Einzelner läßt sich nicht die ganze Partei charakterisiren, ebensowenig als dies bei den Deutschen Berechtigung hätte. Unsere Gegner und unsere Frennde kennen unsere Ansichten in den kirchlichen Fragen, aus denen wir auch nie einen Hehl gemacht; sie wissen, daß unsere Partei im „Llovonski dlarocU ein freisinniges Organ gegründet hat; sie missen, daß selbes eine Reihe von Aufsätzen zur Vertheidigung der confessionellen Gesetze aus der Feder eines un¬ serer hervorragendsten Parteiführer gebracht hat; — es kann ihnen nicht fremd geblieben sein, daß Dr. VomPrk im Landtage sich für die confessionellen Gesetze ausgesprochen hat, und daß Schreiber dieser Zeilen eben hievon seine Candidatur abhängig gemacht hat. Es ist also eine bewußte Lüge unserer Gegner, wenn sie uns ultramontaner Tendenzen verdächtigen. Allerdings zählen wir in unserem Lager eine Anzahl von Geist¬ lichen, auf die wir mit Liebe und Stolz blicken, weil sie treu zu der Sache unseres Volkes stehen; allerdings sind wir keine Freunde von Wanderpredigten und des Sectenwesens, allerdings finden wir keinen Geschmack daran, daß große und kleine Gassenbuben die Gebräuche unserer Religion und ihrer Diener in den Augen des Volkes tagtäglich in Zeitungen, Theatern, Maskenaufzügen verspotten, dessenungeachtet aber glauben wir noch lange nicht, zu den Clerikalen oder Ultramon¬ tanen gezählt werden zu können. Unsere Gegner nennen sich zum Unterschiede von uns die ver¬ fassungstreue, freisinnige Partei — wir also sind verfassungs- und sreiheitsfeindlich! Der Ausdruck „verfassungstreu" ist beim denkenden Publikum 5 schon etwas fadenscheinig geworden; man weiß, daß der Kern der Partei, welcher sich mit großer Vorliebe verfassungstreu nennt, sich aus den ehemaligen Centralisten entpuppt hat, die seinerzeit so wenig Rechtsgefühl und Achtung constitutioneller Fundamentalsatze au den Tag legten, daß sie die ungarische Verfassung einfach als verwirkt erklärten. Wahrhaft freisinnige Männer, denen das österreichische Bewußt¬ sein noch nicht abhanden gekommen ist, sind sich längst klar gewor¬ den, daß eine gedeihliche Entwickelung unseres Verfassungslebens nur möglich ist, wenn den berechtigten Ansprüchen aller österreichischen, folg¬ lich auch der slavischen Völker Rechnung getragen wird, wenn auch letztere Raum finden für ihre Entwickelung und politische Existenz im Rahmen der Gesammtverfassung, wenn das Gefühl der Bitterkeit, mit dem sie abseits stehen und sich als Parias fühlen im eigenen Heimat¬ lande, verwischt wird durch freimüthiges, uneigennütziges Entgegen¬ kommen, und sie herangezogen werden Theil zu nehmen an den Seg¬ nungen wahrhaft freiheitlicher Institutionen. Die österreichischen Staatsmänner können angesichts der Declara¬ tion der Abgeordneten der böhmischen Nation, gewiß einer der wich¬ tigsten Factoren im österr. Staatenverbande, der Resolution des gali¬ zischen Landtages nnd den, wenn auch der politischen Zerklüftung hal¬ ber weniger energisch, doch nicht minder vernehmlich ausgesprochenen Wünschen der Slovenen — sich nicht länger der Erkenntniß verschlie¬ ßen, daß die Dezember-Verfassung principieller Abänderungen im — sprechen nur es unverholen aus — föderalistischen Sinne bedarf, sollte es Frieden werden in unserem schönen, so reich begabten Heimatlande und die österreichischen Völker sich wieder freudig schaaren um den alt¬ ehrwürdigen Thron in spontaner Kraft zur Machtfülle und Blüthe des Reiches. Die Verwirklichung dieser Ideen schließt die Herrschaft von Mi¬ noritäten aus, die sich nur durch Anwendung von unlauteren und ver¬ werflichen Mitteln eine Zeit zum unberechenbaren Schaden für das öffentliche Rechtsbewußtsein, das Vertrauen und die patriotische Hin¬ gebung der Völker erhalten kann. Wird der staatliche Organismus auf die Basis wahrer Gleich¬ berechtigung gestellt, so hat die Regierung nur die Aufgabe, allfällige Ausschreitungen hintanzuhalten und zu paralpsiren; es wird dann nicht 6 Noch thun, den oft mit schwieliger Hand erworbenen Steuergulden zur Bezahlung einer käuflichen Presse zu verwenden, die Reinheit der leitenden Grundsätze wird die wuchernde Corrnption, den Actienschwin- del, besiegen, im wiedererwachenden Vertrauen, im Zusammenwirken der Gesammtheit der österreichischen Völker wird — der sicherste Schutz gegen äußere und innere Feinde gelegen sein, nut einem Worte, was der Haß zerstörte, wird die Gerechtigkeit festigen. Daß die hier ausgesprochenen Grundsätze unseres Parteiprogramms wahrhaft freiheitliche und patriotische sind, scheint mir keines Beweises zu bedürfen. Wir bleiben in freiheitlichen Fragen unseren Gegnern nicht zu¬ rück, wir gehen nur etwas weiter. Wir wollen die Freiheit nicht gelten lassen als Sondergut ein¬ zelner Volksstämme oder Gesellschaftsklassen, wir wollen auch die Ge¬ sammtheit des Volkes, dem mir durch unsere Abstammung angehören, sei es auch arm und hilflos und theilweise seiner Rechte und Pflichten noch nicht bewußt, der Segnungen derselben theilhastig machen. Für dieses edle Ziel kämpfen seit einer Reihe von Jahren die treu ergebenen Söhne unserer Nation gegenüber einer Pression, die von Seite der Pseudo-Liberalen mit der größten Rücksichtslosigkeit ge¬ gen sie ausgeübt wird, mit der unbegrenztesten Hingebung, nicht selten mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen. Gerade durch diese Verhältnisse wird es motivirt, daß die Slo- venen die allgemeinen freiheitlichen Ideen nicht in den Vordergrund, nicht in das erste Treffen stellen können, so lange der ungleiche Kampf um die nationale Existenz sie nöthiget, alle Kräfte ihrer Station zu¬ sammen zu halten. Angesichts dieser kaum abzuleugnenden Thatsachen müssen wir es für wahrhaft unwürdig bezeichnen, wenn unsere Gegner, um unser Vertrauen beün Volke zu untergraben, es nicht verschmähen, uns un¬ lautere und eigennützige Motive zu unterlegen, und wenn man das Volk warnt vor Männern, „die in Slovenien Aemter und Würden für sich beanspruchen, und daher leicht aus die bürgerlichen Freiheiten ver¬ zichten können." (Wahlaufruf in Sir. 15 der Marburger Zeitung.) Doch hiemit begnügten sich unsere Feinde keineswegs. — In einein kurz vor der Vornahme der Wahl verbreiteten Wahlschreiben 7 spricht Herr Hauptmann Seidl, nachdem er die Verdienste seiner militärischen Laufbahn hervorhebt, folgenden Satz aus: „Im Solde „des Vaterlandes stets treu und redlich gedient, und in fünf Feldzügen „opferwillig Leben und Gesundheit eingesetzt zu haben, dürfte wohl „höher stehen, als im Solde des Auslandes mit russischem „Gelds und römischen Kuschten das Vaterland dem Unter¬ fange entgegen zu führen." Wählen Sie nun rc. Herr Hauptmann Seidl beschuldigt uns also ganz direkt des schmählichsten, des bezahlten Hochverrathes. Wir fragen, ob Herr Hauptmann Seidl weiß, daß, wenn man es wagt, solche Anschuldigungen anszusprechen, man auch in der Lage sein muß, Beweise hiefür zu liefern, wenn inan nicht als ein unbe¬ dachtsamer Schwätzer oder als ein frecher Verleumder in den Augen der Welt gebrandmarkt werden ivill. Wir fragen weiters, ob wir nicht rechts- und schutzlos dastehen, wenn uns — die wir bei jeder Gelegenheit den österreichischen Stand¬ punkt mit aller Aufrichtigkeit sesthielten, eine so unerhörte Anschuldigung in das Angesicht geschleudert werden darf, ohne daß die Wächter des Gesetzes hievon Akt nehmen? — Es ist fürwahr weit gekommen in der sogenannteri freien Aera. Man trägt uns ferner nach, daß mir die Vereinigung der Slo- venen in ein politisches Verwaltungsgebiet anstreben, und wirft uns vor, daß wir das Land zerreißen, die deutsche Sprache ausmerzen, und „das bildungsbedürftige, bildungsfähige, Bildung verlangende Volk nicht allein auf der Stufe zurückhalten wollen, die es bereits erklom¬ men, nein — es um Jahrhunderte zurückschleudern möchten in die Geistesnacht". (Marburger Zeitung Nr. 28.) So übelwollende Bösewichte und Finsterlinge sind wir denn doch nicht. Uns steht die Frage nur etwas anders. Wir wünschen, daß unser Volk fortschreitet, ohne die sporadische Aufklärung, die sich Einzelne aus demselben auf fremdartiger Grund¬ lage erwerben könnten, mit dein Verluste seiner nationalen Individua¬ lität zu bezahlen, wodurch selbes statt fortzuschreiten zu immer höherer geistiger und politischer Entwicklung, herabsinken müßte zur Verkom¬ menheit eines Mischlingsvolkes. 8 Es ist Kardinalsatz unserer Politik, daß ein Volk als solches überhaupt nur auf nationaler Grundlage sortschreiten könne. Wir halten dafür, daß die 1 Millionen Slovenen ein unver¬ äußerliches Recht haben, ihre Individualität zu wahren lind im Ver¬ bände der andern österr. Völker als Nation zn existiren. Dieses Recht wird uns kaum abgesprochen werden können, es wäre zum mindesten nicht — liberal. Wer uns jedoch dieses Recht zugesteht, muß uns consequenter- weise auch die Mittel zur Verwirklichurig desselben zugestehen. Daß diese Verwirklichung nicht möglich ist bei einer an sich klei¬ nen Nation, die in sechs politische Verwaltungsgebiete zerstückelt und zwischen zwei großen, mächtigen Nationen eingekeilt ist, dürfte an sich kaum eines Beweises bedürfen. Die Majoritäten jener Verwaltungs¬ gebiete, in denen sich die Slovenen in der Minderzahl befinden, haben kein Verständniß für die Bestrebungen der letzteren, nnd wie die Er¬ fahrung zeigt, würde man vergebens Gerechtigkeit von ihnen erwarten; so hat z. B. der steierische Landtag in neun Zähren auch nicht Einen Wunsch der Slovenen in nationaler Richtnng erfüllt oder unterstützt, ja im Gegentheil das slovenisch-nationale Element wird bei jeder Ge¬ legenheit als ein gänzlich unberechtigtes behandelt nnd nut der größten Rücksichtslosigkeit znrückgedrängt nnd niedergestimmt. Die steirischen Slovenen können, obwohl sie bekanntermaßen zwei Fünftel der Bevölkerung ausmachen. Dank der Schmerling'schen Wahl¬ ordnung, im günstigsten Falle acht Abgeordnete in den Grazer Landtag entsenden, deren Stellung dort eine wahrhaft erbarmungswürdige ist. Wie es unter solchen Verhältnissen um die Wahrung der natio¬ nalen Interessen der Slovenen bestellt sein kann, liegt auf der Hand, und in der That haben dieselben mich bisher nicht das Geringste durch¬ setzen können. Nicht minder traurig sind die Verhältnisse der Slovenen in Kärn¬ ten, Görz, im Küstenlande und in: Triester Territorium. Die gemachten Erfahrungen mußten die Ueberzeugung wach rufen, daß unter den gegebeneil politischen Verhältnissen die slovenische Nation als solche sich nicht erhalten und sich nicht entwickeln könne. Wenn also die Slovenen die Vereinigung in Ein politisches Ver¬ waltungsgebiet anstreben, so macheil sie nur von dem heiligsten Rechte 9 jeder Nation, jenem der Selbsterhaltung, Gebrauch, und sie müßten meines Erachtens in diesem Streben von jedem Volksfreunde, dem Freiheit und Fortschritt mehr als Phrasen sind, die man beliebig nach seinen! Vortheile drehen und wenden kann, — unterstützt werden. Provinzielle Gefühle für das Althergebrachte, ja selbst momentane materielle Nachtheile können, so sehr wir geneigt sind, dieselben in Rechnung zu ziehen, nicht maßgebend sein, uw es sich um die höchsten Interessen des Völkerlebens handelt. Dergleichen Gefühle konnten auch bei den Einigungs-Bestrebungen der Deutschen und Italiener nicht geschont werden, und doch haben wir denselben unsere Sympathien nicht versagen können. Zn der Verwirklichung dieser Idee liegt keine Feindseligkeit gegen das deutsche Element, wie solche überhaupt unfern Bestrebungen ferne liegt. Zin Gegentheile würde durch Schaffung einer staatsrechtlichen Basis zur Wahrung der Rechte, die unserer Nation, wie jeder anderen theuer sind — die sicherste und dem modernen Staat allein entspre¬ chende Grundlage für die Fortdauer des freundnachbarlichen Verkehrs geboten, während der gegenwärtige tagtägliche Kampf um die Wahrung der Nationalität die Gemüther verbittert und lähmend auf alle Ver¬ hältnisse des öffentlichen und Privat-Verkehrs einwirkt. Insbesondere ist der Vorwurf, daß wir die Kenntnis; der deut¬ schen Sprache bei uns ausmerzeu wollen, ein unbegründeter. Der praktische Sinn, den wir mit unserem Volke gemein haben, läßt uns nicht verkennen, daß die Grenzen unseres Heimatlandes enge gezogen sind, und daß es nicht von Vortheil wäre, uns — wie man uns unterstellt — mit einer chinesischen Mauer umgeben zu wollen. Wir möchten die reichen Schätze deutscher Wissenschaft und Kunst dem stre¬ benden, höhere Bildung suchenden Sloveuen auch nicht verschließen, wohl wissend, daß die Kenntnis; einer fremden Sprache die Liebe zur eigenen Nation und Sprache nicht abschwächt, sondern daß im Gegen- theil mit der erhöhten Bildung sich das Streben veredelt und oft erst durch selbe das Gefühl der Heünatliebe zur fruchtbaren That wird. So klar uns diese Verhältnisse sind, und eben deshalb müssen wir jedoch die volle Gleichberechtigung der slovenischen Sprache in Schule und Amt, die Einführung derselben in das öffentliche Leben mit allem Nachdrucke fordern. 10 So lange diese Forderung nicht erfüllt ist, kann man nicht sagen, daß der slovenischen Nation die Grundbedingungen ihrer Existenz ein- geränint sind; sie muß also darauf bedacht sein, sich diese Existenz — Bedingungen aus eigener Kraft — zu schaffen. Die Einführung der slovenischen Sprache in das Amt anlangend, verkennen mir keinenfalls die obwaltenden Schwierigkeiten, welche vor¬ züglich darin gelegen sind, daß als eine Folge der früheren exclusiv deutschen Erziehung an unseren Unterrichtsanstalten eine große Anzahl der angestellten Beamten, Advokaten, Notare n. s. w. der slovenischen Schriftsprache nicht in dem Maße mächtig sind, um sich derselben mit Gewandtheit zu bedienen; wenn nur deshalb auch keiner Ueberstürzung das Wort reden wollen, so halten wir es doch für eine sehr berech¬ tigte Anforderung unseres Volkes, daß mit der Einführung der Sprache in das Amt der Anfang gemacht, daß insbesondere Zeugen-Einverneh- mungs- und Eidesablegungs-Protokolle u. dgl. in slovenischer Sprache ausgenommen, und daß den Behörden die Erledigung in der Sprache der Eingabe zur Pflicht gemacht wird, was bei nur etwas gutem Willen schon derzeit ohne Gefährdung des Dienstes geschehen kann. Zn Betreff der Schule müßten die oben entwickelten Anschauun¬ gen folgende praktische Anwendung finden. Die Dorfschule ist gewiß nicht der geeignete Ort zum Studium fremder Sprachen. Die Landleute pflegen ihre Kinder zwei, höchstens drei Zahre in die Schule zu schicken, ein Zeitraum, der kaum genügend ist, daß sich selbe in der Muttersprache die im Leben unentbehrlichsten Kenntnisse aneignen; in Würdigung dieser Umstände hat selbst die Grazer Tagespost, die man gewiß mit Unrecht panslavistischer Ten¬ denzen beschuldigen würde, das Verlangen, daß in der eigentlichen Volksschule das Studium einer andern als der Muttersprache betrieben werden soll, für eine pädagogische Rohheit erklärt. Die Mittelschulen sollen bei uns derart eingerichtet werden, daß Gelegenheit geboten sei, sowohl das Slovenische als das Deutsche voll¬ ständig in Wort und Schrift zu erlernen, was bisher großentheils weder hinsichtlich der einen noch der andern Sprache der Fall war. Getreu dem Grundsätze: „was dem Einen recht, ist dein Andern billig", soll an den slovenischen Mittelschulen der Nationalsprache, an welche die Nation durch die Liebe zum Heimischen gebunden ist und die als 11 das einzig mögliche Medium zur Ausbreitung der Bildung und Kultur in allen Schichten des Volkes angesehen werden muß, eine derart ehrende Stelle eingeräumt werden, daß ihre möglichste Ausbildung ge¬ sichert ist; mit einem Worte, die Schulen sollen nicht Entnationalisirungs- Anstalten sein. Nach diesen Grundsätzen sollte nach unserer Anschauung dem praktischen Bedürfniße Rechnung getragen werden; wenn jedoch, wie es bei Gelegenheit der letzten Marburger Wahl geschah, Leute, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, jede Regung slavischen National¬ gefühls nut der größten Rücksichtslosigkeit niederzutreten; denen es ein Greuel ist, nur ein slavisches Schriftstück zu sehen oder auch nur einen Namen nach flavischer Ortographie zu schreiben; die bei Ausschreibung von Schuldiensten für rein slovenische Bezirke die Kenntniß der slo- venischen Sprache als ein minder wichtiges Erforderniß erklären — die Devise „deutsch-slovenisch" als Maske vornehmen, so richtet sich eine solche Heuchelei von selbst; wir können auch nichts entgegen haben, wenn irgend ein Slavenfeind mit einein verkommenen Rene¬ gaten sich gerührt über das gelungene Werk der planmäßigen Ver¬ leumdung in die Arme sinken, wenn man aber hiezu das „Kaprch 2a.8ta.va 8Iavs" aufspielt, so müssen wir dies für eine auf Bethörung berechnete Komödie erklären, wie solche widerlicher und zugleich ver¬ letzender nicht leicht ersonnen werden könnte. Der Genius der Freiheit wendet sich verhüllend ab von einer solchen Siegesfeier. Mit wahren Bolksmännern, gehören sie welch' immer einer Nation an, glauben wir keine Versöhnung nöthig zu haben, weil es keine Differenzen zwischen uns geben kann; die Grundsätze der Demo¬ kratie sind für alle Völker die gleichen. Klagen uns die Liberalen von'heut zu Tage an, daß wir im Bündnisse stehen mit feudalen und reactionären Elementen, so wenden sie, abgesehen davon, daß diese Anklage ganz ungegründet ist, den Speer gegen sich selbst, denn sie gestehen zu, daß wir Veranlassung haben Schutz zu suchen gegen jene Freiheit, die sie uns bieten. Ein solches unnatürliches Bündniß müßte übrigens stets von Verderben sein für diejenigen, die es eingehen. Ein solches Bündniß müßte uns die Herzen unserer begeisterten, intelligenten Jugend ent¬ fremden, unsere stolzeste Hoffnung. Wir können den endlichen Triumph 12 der Principien, die uns leiten, nur erwarten von der siegenden Macht, welche der Wahrheit innewohnt. Tragen diese Zeilen dazu bei, Zrrthümer, welche hie und da über die eigentlichen Tendenzen unserer Bestrebungen bestehen, zu be¬ richtigen, so ist der Zweck derselben erfüllt. Marburg, am 31. März 1869. Druck vo» Äos. A. Kienreich in Graz.