Narodna in univerzitetna knjižnica v Ljubljani 'O' >3 »c*: n-cn-č- mm i- VO( >s-c .nor V"- b'ČV;“ i V^> d#® : p'«jp, ;-3iC* ,«-. or» SŠiSČleSS Narodna in univerzitetna knjižnica v Ljubljani ■'■s#*© 3851 2 : f# ! &?' Sit’*' ?Jl 5 i&j3) ** A. -^ •^SPPJ 'CžOVj >3* C*- ,ciOn >3«C-z "'Čr-tivfa' '-.’T-J 5 ** : LAOBt" '*P»Gi <->«<»■ ;*D*C >! .tAv M UNSERE KRIEGSFLOTTE 15B6 -1908 (izsorim %/ 1 o o o o o o o Die Vorgeschichte der Flotte. 1556 — 1786 . Die erste Triester Marine. 1787-1797 . Die erste osterreichisch-venezianische Marine. 1798-1805 Die zweite Triester Marine. 1806 — 1809 . Die zweite osterreichisch-venezianische Marine. 1814-1848 INHALT. Seite . . 1 Die k. k. osterreichische Kriegsmarine. 1848 — 1866 . . . 9 Die k. und k. osterreichisch-ungarische Kriegsmarine. 1867-1908. . . • . 15 Chronologischer Index. . . 21 Die k. und k. Flotte, ihr Bestand am 1. Mai 1908 . . . 23 1797 1800 1818 1826 1829 1840 1849 1857 1862 1864 1866 1869 1880 VERZEICHNIS DER FARBENDRUCKBILDER. Gefecht beim Hafen Quieto. Die Linienschiffe „Laharpe“, „Stengel“ und „Beyrand“ Kaiser Franz I. in Žara. Die k. k. Eskadre vor Naxos. Kampf bei el Araisch. Beschiegung von St. Jean d’Acre. Blockade von Venedig. Fregatte „ No vara “. Linienschiff „Kaiser“ und Jacht „Fantasie“. Seegefecht bei Helgoland. Seeschlacht von Lissa. Orientreise des Kaisers und Konigs Franz Joseph I. . . Flottendemonstration. Tafel 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 1884 Flottenmanover. 1890 Die k. und k. Eskadre in Kiel. 1893 Kreuzer „Kaiserin Elisabeth“ und Korvette „Fasana“. 1895 Kasemattschiff »Tegetthoff 11 . 1897 Blockade von Kreta. 1900 Die k. und k. Eskadre in Ostasien. 1901 Torpedofahrzeug »Magnet" und Torpedoboot »Viper". 1902 Kaisermanover. 1903 Kreuzer »Szigetvar" und Korvette »Saida". 1904 Die Schlachtschiffe »Habsburg", »Arpad" und »Babenberg" . . 1906 Die Kreuzer »Sankt Georg" und »Kaiser Karl VI.“. 1908 Die Schlachtschiffe »Erzherzog Karl", »Erzherzog Friedrich" und »Erzherzog Ferdinand Max“. Tafel l o o o o t> o o j DIE VORGESCHICHTE DER FLOTTE. 1556 JR Lauf der Geschehnisse bewies zu allen Zeiten den grogen, oft ent- scheidenden Einflug der Seemacht auf die Geschichte der Volker und Staaten; die Wiirdigung dieses Einflusses blieb aber der Geschichtschreibung und breiteren Kreisen nahezu verschlossen, bis der gewaltige Aufschwung des Seewesens zu Ende des 19. Jahrhunderts auch hierin eine Anderung herbeifiihrte. Man erkennt heute immer mehr die Bedeutung von Handel und Industrie fiir den Volkswohlstand und fiir die Macht der Staaten- gebilde, und man ist eifrig bestrebt, die Beteiligung am Umsatze des Welt- marktes zu einer moglichst nutzbringenden zu gestalten. Die Seeschiffahrt ist einer der wichtigsten Faktoren im Handelsverkehre geworden, die grogen Handelsemporien an der Meereskiiste riicken in den Vordergrund des wirtschaftlichen Lebens. Beiden Schug und Schirm zu sein, ist die Kriegsflotte berufen, — nur unter der bestimmten Voraussetzung, dag sie solchen Schug sicher zu gewahrleisten vermag, werden Unternehmungs- geist und Tatkraft der einzelnen sich frei entwickeln konnen und jene Bausteine schaffen, aus denen Reichtum und Bliite der Staaten zusammen- gesetzt sind. Die k. und k. Flotte, die durch zwei Jahrhunderte ein wiederholt in Angriff genommenes, doch unausgefiihrtes Projekt blieb, dann durch viele Jahrzehnte nicht in wiinschenswertem Mage beriicksichtigt wurde, ist heute, dank dem Wandel der Zeiten, nicht mehr ein Stiefkind der Nationen und Volksstamme der Monarchie; das Interesse fiir ihr Wesen und ihre Traditionen ist allseits rege geworden. Es bricht sich erfreulicherweise die Erkenntnis Bahn, dag die Sicherung unserer Kiiste und unseres Seehandels nur durch die Flotte erfolgen kann, dag die Starke der Flotte nicht durch die Lange der Kiistenentwickelung und durch die fall- weise bestehende Zahl der Seehandelsschiffe, sondern durch die Art der Seestreit- krafte der anderen Staaten bedingt ist, und dag eine Grogmacht auch zur See kraftig sein mug. Eine Darstellung der Entstehung, der Geschichte und Ausgestaltung der k. und k. Flotte in Wort und Bild diirfte daher zeitgemag sein; sie zu bieten, ist der Zweck dieses Buches. * * * 1786 . Ferdinand I., der im Teilungsvertrage von Worms 1521 die osterreichischen Lan de erhielt, wurde nach der Abdankung seines Bruders Karl V. im Jahre 1556 der Griinder der deutschen oder osterreichisch-habsburgischen Linie; er gelangte durch seine Ehe in den Besitz von Bohmen und 1526 durch Wahl auf den Thron Ungarns, wodurch er Herrscher einer Grogmacht wurde. Das Mittelmeer hatte zu dieser Zeit durch die grogen Landerentdeckungen seine iiberwiegende merkantile Bedeutung verloren und es reichte der Kiistenbesitz der Erblande nur von Duino bis Muggia und vom Arsa-Kanale bis zur Zrmanja. Die machtige Republik Venedig, an Einwohnerzahl neben den grogen Staatengebilden des Festlandes fast verschwindend, dominierte dank ihrer starken Flotte noch immer im Mittelmeere; sie hatte die Bliite Triests ganzlich zerstort, als Besitzerin der Inseln im Quarnero - Golfe legte sie den Seehandel des Hinterlandes lahm. Venedig hatte — gleich den Hansestadten — unterlassen, dem Zuge nach dem Westen zu folgen; wenngleich dies aus seinen Traditionen erklarlich ist, war es doch der erste Schritt zum Verfall, und erst als der Verfall fiihlbar ward, konnte das erblandische Seegebiet allmahlich, langsam Geltung erringen. Dag der Aufschwung nicht rascher erfolgte, hatte seine gewichtigen Griinde: der deutsche Partikularismus war der nationalen Machtentfaltung hinderlich, die deutschen Fiirsten waren stets bestrebt, dem Erstarken der Lander des Tragers der Kaiserkrone entgegenzuwirken. Die Erblande, als Bollwerk Europas gegen die asiatische Barbarei, verbrauchten in 200jahrigem Ringen ihre Kraft gegen die Osmanen; zwischen Triest und dem pro¬ duktiven Hinterlande lag die Alpenkette als dazumal schwer zu bewaltigendes Hin- dernis fiir Handel und Verkehr und es kam wohl auch die geschichtliche (Jber- lieferung in Betracht. Die alte deutsche Sehnsucht nach dem Siiden, die einst ganze Volker in Bewegung setzte, wurzelte weniger in der freigebigeren Natur der siid- europaischen Halbinseln, sie hatte eine realere Basis: die alte, hohere Kultur Italiens schuf daselbst Reichtum und politische Groge, in Rom war der Sitz des Ober- hauptes der katholischen Kirche und iiber Venedig fiihrte der betretenste Weg nach den heiligen Statten des Christentums. Die romisch-deutsche Kaisermacht hatte sonach von altersher alle Interessen in Deutschland und auf der italienischen Halb- insel, keine auf der gegeniiberliegenden Kiiste der sonnigen Adria; sie hielt ihr Szepter iiber Lander, die mit Festlandsgrenzen zusammenstiegen, und so kam es, dag den romisch-deutschen Kaisern durch lange Zeit jedes gewichtigere Argument fiir die Schaffung einer Seemacht fehlte. 1 S3O0o a ( r-^ a o a> o < -"v Konig Ferdinand war allerdings schon im Jahre 1555 gezwungen, Ver- teidigungsmagregeln fiir die von den Tiirken bedrohten Stadte an der erblandischen Kiiste zu genehmigen, doch beschrankten sich diese auf die Beistellung von Truppen auf dem Lande. Es gab leider nicht viel zu schiitzen: der Handel Triests war auf den Verschleig des in der Umgebung aus Salinen gewonnenen Salzes zuriickgegangen, die Bewohner des Festlandsufers im Quarnero-Golfe devastierten ihre Walder fiir Venedig, — Wohlstand und Hochseeschiffahrt waren an der erblandischen Kiiste unbekannte Dinge. Die Ansiedlung der Uskoken am Kanale Morlacca, in und um Zengg, hatte unter Umstanden zur Entstehung einer erblandischen Seemacht fiihren konnen, denn die Uskoken hatten bei der Zuweisung dieses Wohnsitzes die Verpflichtung iiber- nommen, die Grenze zu Wasser und zu Lande gegen den Erbfeind zu schiitzen. Der Bericht des Grafen Christoph Khevenhiiller, die Uskoken hatten „auch die Navigation osterreichischer Seiten erhalten und der Venediger Behauptung ihres angemagten ,Dominij Maris Adriatici' dadurch zu Boden geworfen“, lagt erkennen, wie niitzlich sie den Erblanden werden konnten, wenn nicht ihr ungebundener Sinn und ihre rauberischen Uberfalle Venedig begriindeten Anlag zur Klage und unbegriindeten zu Repressalien gegen Triest, Fiume und Gorz gegeben hatten. Die Uskoken wurden von der Kiiste entfernt, der Dreigigjahrige Krieg, die beiden folgenden Tiirkenkriege und der Spanische Erbfolgekrieg verwehrten jedes weitere Auftreten gegen die Suprematie Venedigs. | Die Ansiedlung der Uskoken konnte zur allmahlichen Entstehung einer Streit- * macht zur See fiihren, man war aber vom Standpunkte des fiir eine Flotte benotigten, seekundigen oder fiir die Verwendung zur See geeigneten Menschenmaterials keines- wegs auf die Uskoken angewiesen. Die Bewohner der adriatischen Ostkiiste, die den Flotten Venedigs stets ausgezeichnete Seeleute und Kampen beigestellt und die unter der Flagge mit dem Lowen von San Marco am Seesiege von Lepanto riihmlich teilgenommen hatten, wurden leider nur auf dem „siigen Wasser“ als Schiffsleute der Donau-Armements verwendet; auf ihrem eigentlichen Elemente war fiir sie nichts zu tun, fiir den Ersatz des stets unzulanglichen territorialen Kiistenschutzes durch eine Flotte fehlten die Geldmittel. Dieser Mangel war und blieb leider bis in die jiingste Zeit der unzertrennliche Begleiter aller Projekte, die auf die Griindung der Flotte oder auf deren zweckmagige Ausgestaltung abzielten. Die Regierung der Erblande hatte tatsachlich schon zur Zeit der Griindung der osterreichisch-habsburgischen Linie die Absicht, auch zur See Machtmittel zu schaffen; die Landsknechte mugten schon dazumal laut des Artikelbriefes die Verpflichtung iibernehmen, wenn notig, auch auf dem Wasser zu dienen, und der Landsknecht- ordnung vom Jahre 1552 war noch eine „Schiffordnung wie es auff dem morr und nafen zu faren mit den teutschen khnechten soli gehalten werden“ angefiigt, in der das Kriegsvolk geloben mugte, die Sehiffsordnung dem alten Gebrauche (?) nach halten, dem Worte Gottes fleigig beiwohnen, dem Urteil und der Straferkenntnis des Hauptmanns und „manisterman’s“ (Schiffsmeisters) sich unterwerfen zu wollen. Bedauerlicherweise blieb es nur bei der Absicht; die Chronik der erblandischen Kiistenstadte aus dem 16. und 17. Jahrhundert weig von manchen Bitternissen zu erzahlen, die den friedfertigen Einwohnern durch die Angriffe der Venezianer bereitet wurden; selbst kleine Ortschaften hatten viel zu leiden, so wurde beispielsweise Lovrana in den Jahren 1612 und 1614 gepliindert und in Brand gesteckt, es berechneten seine Einwohner den durch die zweite Invasion angestellten Schaden allein auf 20.000 Dukaten. Dem Geschichtschreiber von heute ist es ein leichtes, nachzuweisen, dag die Kosten einer erblandischen Flotte lange nicht die Hohe jener Summe erreicht hatten, um die die venezianische Seeherrschaft die erblandischen 2 Kiisten teils direkt, teils — durch Unterdriickung von Handel und Schiffahrt — indirekt schadigte; dazumal wugte man aber das fiir den Bau und die Erhaltung von Kriegs- schiffen benotigte Geld nicht aufzubringen. Historische, wenngleich uralte Traditionen spielen im Leben der Volker oft eine grogere Rolle, als der Logik und Vernunft ent- spricht; so unterliegt es keinem Zweifel, dag — durch die Vorgeschichte begriindet — in Osterreich-Ungarn weit mehr als in anderen Staaten der Aufschwung der Handels- schiffahrt eine Funktion der Entwickelung der Kriegsflotte war und blieb. Kaiser Karl VI. legte mit weitem Blicke den Grundstein zum erblandischen Seehandelswesen, seine Uberzeugung deckte sich mit den Ratschlagen des Prinzen Eugen von Savoyen: die osterreichische Nationalkraft durch auswartigen Handel zu heben; fiir diesen gab es aber nur einen Weg, den durch die Adria, denn an den anderen Grenzen der Erblande sperrten Sachsen, Brandenburg und die Osmanen den Handelsverkehr, der auf der Elbe, Oder und Donau giinstige Ausgangspforten ge- funden hatte. Die Aufgaben, vor deren Losung sich Kaiser Karl VI. und seine Rate bei der Belebung des Seehandels gestellt sahen, waren mannigfaltiger Art und sehr umfangreich; es fehlte die eigentliche Basis fiir den aufzufiihrenden Bau. Die Kauf- mannschaft Triests und des Litorales war verarmt und verschiichtert, eine Kauf- fahrteiflotte nicht vorhanden; die politischen und Sicherheitsverhaltnisse waren der- artige, dag Seehandel und Seeschiffahrt sich nur unter dem Schutz einer Kriegsflotte rasch und nachhaltig entwickeln konnten. Die Erkenntnis gerade dieser Tatsache war aber nur teihveise vorhanden. Als die Absichten Kaiser Karls VI. bekannt wurden, unterbreitete der Freiherr Franz Anton von St. Hillaire 1713 das Projekt, eine aus 20 Kriegsschiffen mit 1270 Kanonen und 9450 Mann bestehende Flotte in Holland zu erbauen, und 1717 wurde dem Kaiser auf Erhebungen, die die Wahl eines See- handelshafens betrafen, berichtet, dag „unter den osterreichischen Meerporten jener zu Buccari billig den Vorzug meritire, magen sich selbiger ohngefahr drei walsche Miglien in der Lange und der Eingang in der Breite gegen 200 Schritt extendire, also zwar, dag nicht nur eine ohnzahlbare Menge von Kriegsschiffen darin sicher stehen, sondern auch auf denen Anhohen beiderseits der Entrada vier mit 60 grogen Stiicken in Allem versehene Batterien angelegt werden konnten, wodurch man die grogte feindliche Kriegsmacht von dem Zutritt und Anfall abzuhalten im Stande sein wurde“. St. Hillaire begriindete sein Projekt mit klugen, durchaus stichhaltigen Aus- fiihrungen, die gewig die Beistimmung des Kaisers fanden; war doch dieser Monarch, ehe er die Regierung der Erblande antrat, als Konig von Spanien gezwungen, Barcelona mit einer hollandisch-englischen Flotte zu bezwingen, und es hatten eben die Beobachtungen, die Karl VI. damals mit scharfem Geiste gesammelt hatte, fiir seine Absicht, den erblandischen Seehandel ins Leben zu rufen, bahnbrechend gewirkt. Leider waren des Kaisers Rate — wahrscheinlich unter dem Eindrucke der Schwierigkeit, das notige Geld zu beschaffen - der Ansicht, es fehle das zu beschiitzende Objekt, das als erstes, noch vor der Kriegsflotte, zu schaffen sei; dag dies ein Trugschlug war, liegt auf der Hand: der Besitzer eines wertvollen Gegen- standes wird trachten, ihn gut zu verwahren, wer aber den Besitz im Streite mit offenen und heimlichen Widersachern erringen will, mug fiir den Streit gewappnet sein. Envagungen, welchen Einflug die Realisierung des St. Hillaireschen Projektes auf die Geschichte und den Wohlstand der Erblande ausgeiibt hatte, sind keineswegs miigig, denn die projektierte Flotte hatte das Ubergewicht im Mittelmeere gehabt, und die Unmoglichkeit, Geschehenes zu andern, schliegt nicht die Moglichkeit aus, dem Verlaufe der Dinge Lehrreiches zu entnehmen. Unter die Magnahmen, die Karl VI. zur Belebung des Seehandels verfiigte, zahlten die Schiffbarmachung der Save, die Stragenbauten liber den Semmering und Loibl und durch Kroatien zum Litorale, die Deklarierung von Triest und Fiume als lo o o o o O ol I o o o o o o o Freihafen und die Aufstellung eines Kommerzial-Oberdirektoriums in Triest; zur Sicherung der fremden Waren, deren Verbiirgung die fremden Kaufleute geradezu verlangten, erfolgte die Verstarkung des militarischen Schutzes von Triest. Der 1733 ausgebrochene Krieg mit Frankreich, Spanien und Sardinien brachte dem Erzhause den Verlust von Neapel und Sizilien, die Adria gewann dadurch fiir die Erblande erhohte Bedeutung und es schien endlich des Kaisers Wunsch, eine erblandische Flotte zu besitzen, in Erfiillung zu gehen. Graf Lukas Pallavicini, ein gebiirtiger Genuese, trat als Oberbefehlshaber der aufzustellenden Kriegsmarine in osterreichische Dienste. Pallavicini wollte vor allem die in Neapel befindlichen Kriegsschiffe und die Transportfahrzeuge, insoweit solche in Triest und Porto Re vorhanden waren, sammeln und Bemannungen aus dem erblandischen Kustengebiete heranbilden, die mit der Zeit die Neapolitaner ersetzen sollten, denn „ils sont naturellement braves, intrepides et plus propres au Service de mer“; augerdem nahm er den Bau von vier Schiffen zu 60 Kanonen in Aussicht. Trotz des schlechten Zustandes der neapolitanischen Kriegsschiffe und der Schwierigkeiten, die dem Marinekommandanten in Neapel bereitet wurden, gelang es ihm, dort die vorhandenen Galeeren zu sammeln, „de sortir du port de Naples a la vue des ennemis, et de passer au milieu de sept vais- seaux, qui etoient venus mouiller devant le port“; er uberfiihrte diese kleine Eskadre nach Triest, das er sofort und energisch in den erforderlichen Verteidigungszustand versetzen lieg. Im April 1735 wurde Pallavicini zum »General der Galeeren und iibrigen Marina" ernannt, deren Bemannungsstand von 300 Matrosen und 100 Soldaten auf 600 Matrosen und 600 Soldaten erhoht werden solite. Gleichzeitig mit der Griindung der Marine wurde auch an ihr eventuelles Ende gedacht: die Neuorganisation der Marinetruppen war mit der Absicht erfolgt, aus den beiden Bataillonen ein Regiment zu formieren und dem Heer einzureihen, falls die Flotte aufgelassen werden solite. Die ganze Marine wurde von Pallavicini erhalten, dem der seinerzeitige Ersatz der „ex proprijs aufwendenden erweislichen Spesen“ in Aussicht gestellt war; »Einkauf und Zurichtung einiger Fregatten, kleiner Feloucken und Trabakeln, dann die Forti- fikation von Trieste und Fiume“ waren „illo tempore von ihme in seine Besorgung iibernommen worden“. Die Kriegsmarine wurde im Februar 1735 dem Hofkriegsrat untergeordnet. Uber die Anzahl und Gattung der Kriegsschiffe, die das »Pallavicinische Armement" bildeten, sind keine Daten iiberliefert; dem Genueser Aristokraten scheint die Rechnungslegung schwerer gefallen zu sein, als das Erhalten der Marine aus eigenen Mitteln, es ist daher und trotz der nachfolgenden langwierigen Prozesse um die Refundierung seiner Ausgaben nicht einmal ein Rechnungsbeleg vorhanden, dem solche Daten entnommen werden konnten. Einem Chronisten zufolge bestand das „Armement“ aus den ehemals neapolitanischen Linienschiffen „San Carlo“ mit 70 Kanonen, »Santa Elisabetta" mit 60 Kanonen, »San Michele" mit 40 Kanonen, aus 2 Armenizzen mit 32 und 30 Kanonen, einer Fregatte, 4 Galeoten, 1 Schebecke, 1 Feluke, mehreren Tartanen, Trabakeln und Pontons mit insgesamt 2400 Mann und 500 Kanonen - meist 20- bis 50-Pfunder, die Steingeschiitze waren 12- bis 14pfiindig. Diese Flottenliste diirfte entschieden sehr optimistisch zusammengestellt worden sein, denn ein offizieller Ausweis aus dem Jahr 1737 beziffert den Marinestand mit nur 450 Mann. Bei dieser ersten Flottengriindung trat eine Erscheinung auf, die noch wieder- holt ein Hindernis fiir alle kriegsmaritimen Bestrebungen bilden solite: die Regierung konnte sich bemerkenswerterweise nicht entschliegen, die Kosten auf die ganzen Erblande zu verteilen, und das Litorale war zu arm, um die Kosten allein zu tragen. Des Kaisers weiter Blick wurde eben von seinen Raten nicht geteilt; das Ertragnis der durch die Seeschiffahrt vermittelten Ausfuhr, die anfangs auf jene von Roh- produkten beschrankt war, obschon Bdhmen eine nennenswerte Glas- und Leinen- industrie besag, solite allen Teilen des Reiches zugute kommen, die Kosten der Sicherung der Seeschiffahrt aber Triest allein tragen. Der Tiirkenkrieg des Jahres 1738 sprach der ersten erblandischen Kriegs¬ marine das Todesurteil; man verwendete Personal und Material der Flotte fiir das Schiffsarmement auf der Donau, nach Beendigung des Krieges war die Flotte spurlos verschwunden und es geben die Akten keinen Aufschlug iiber das Los ihrer Schiffe. Es ist nur bekannt, dag die „Standarte“ (Kommandoflagge ?) im Kastell von Triest aufbewahrt und 10 Schiffsflaggen an verschiedene Kirchen verteilt wurden; der »San Carlo“ soli schon 1737 durch einen Unfall zugrunde gegangen sein. Die Uberzeugung, dag Navigation und Seehandel in Osterreich sich nur unter dem Schutze der Kriegsmarine entwickeln konnten, hat noch lange gemangelt, und auch heute noch ist nicht immer das richtige Verstandnis fiir die Art des Zusammen- hanges der Faktoren »Nationalreichtum, Handelsbilanz, Seeschiffahrt und Kriegs¬ marine “ anzutreffen. Als Kaiserin Maria Theresia, nach ihrem Regierungsantritte von zahlreichen Feinden bedrangt, ihren Volkern endlich den Frieden errungen hatte, trachtete sie, die von Karl VI. eingeleitete Forderung des Seehandels auch weiter zu verfolgen; die eigenartigen politischen Verhaltnisse und die iiberall das Bediirfnis des Staates iiberwiegenden Sonder- und Privatinteressen brachten es mit sich, dag die Kaiserin nach dem Jahr 1750 zwar ihre volle Aufmerksamkeit dem Seegebiete widmen, aber nur sehr langsam Erfolge erzielen konnte. Neben der Anbahnung von Handels- traktaten und der Aufstellung von k. k. Konsulaten ist besonders die Ausgestaltung der Einrichtungen Triests hervorzuheben, fiir die Livorno als Muster galt. Eine groge Gefahr drohte der erblandischen Seeschiffahrt durch die Piraterie der Barbareskenstaaten Marokko, Algier, Tunis und Tripolis, die es fast als ein historisch begriindetes Recht ansahen, christliche Seefahrer zu pliindern. Da selbst machtige Seestaaten aus verschiedenen Griinden vorzogen, ihre Handelsschiffe durch die Entrichtung von Tribut zu schiitzen, blieb den aller maritimen Machtmittel ent- behrenden Erblanden nichts iibrig, als sich gewissermagen unter den Schutz Toskanas zu stellen. Anfangs trachtete man aus dem Frieden, den Kaiser Franz I. namens Toskanas 1748 mit Algier geschlossen hatte, „wenigstens unter der Hand und auf eine zum wenigsten Aufsehen erregende Weis“ auch fiir die Erblande Nutzen zu ziehen und erst 1758 wurden in dem mit Algier abgeschlossenen Traktate »nunmehro die gesammten Erblander in diesem Frieden ausdriicklich einbegriffen". Die Bemerkung der Kaiserin an die Intendanza in Triest, »da die Handlung und Schiffahrt Unserer Unterthanen respectu gedachter zur See so furchtbarer Korsaren in vollkommene Sicherheit gestellt worden, als habt Ihr diese begliickte Vorfallenheit dem Handels- stand im Litorali behorig Kund zu machen", zeigt das miitterlich besorgte und sorgende Herz der edlen Frau, solite aber nicht lange den Tatsachen entsprechen; Algier hielt wohl Frieden, dafiir begannen aber Tunis und besonders Tripolis un- ruhig zu werden. Diese Verhaltnisse und die bestandigen Machinationen Venedigs, dessen alternder Korper sich von dem jungen Leben, das in der nachsten Nahe zu keimen begann, bedroht fiihlte, hatten eine eigenartige Anderung in der Geschichte der Entstehung der osterreichischen Flotte zur Folge: die Regierung — den Intentionen der Monarchen verspatet folgend — begann die Notwendigkeit der Kriegsflotte einzusehen; nahm sie aber einen Anlauf zur Flottengriindung, so scheiterte dieser an den Schwierigkeiten, die bezeichnenderweise im Litorale zutage traten. Es begann nun ein merkwiirdiges Spiel, die Triester Kaufmannschaft verlangte immer wieder Schutz und Schirm, trat 3 )Q O O O O O ol S?®* C3> ° Cu> o i "V aber jedem Bestreben entgegen, das auf den Bau, die Erhaltung oder Vermehrung der Flotte abzielte; da anderseits die inneren Verhaltnisse des Reiehes bis tief in das 18. Jahrhundert nicht geniigend konsolidiert waren, mugte die Regierung auf die Triester Kaufherren mehr Riicksicht nehmen, als sie verdienten, sie konnte zum mindesten dem Litorale keine Ansichten aufoktroyieren, die dort nicht Wurzel fassen wollten. Die kleine Zahl der Triester Kaufleute bestand dazumal aus eingewanderten Fremden, die zwar den erhofften Gewinn fanden, aber weder ihr Herz noch einen Teil ihres Gewinnes in den Dienst des Staates stellten, dem sie ihren beginnenden Wohlstand verdankten. Sie zogen es vor, Schiffe fremder Flagge zu verwenden; so konnten sie immer jene Flagge wahlen, die gerade im besten Ansehen stand und die meiste Sicherheit bot, es entfiel auch die Sorge fiir die Ruckfracht. Die Ent- wickelung einheimischer Seeschiffahrt bot sonach den Triester Kaufherren keinen Nutzen, sie war anderseits an die Griindung einer auf jeden Fali kostspieligen Kriegs- flotte gebunden, fiir welche Kosten das Litorale in erster Linie aufkommen solite, und sie konnte auch minder bemittelten erblandischen Kaufleuten die Gelegenheit bieten, erfolgreich in die Konkurrenz zu treten. Wie grog der schadliche Einflug der Triester Kaufherren war, lagt sich aus dem Patente der Kaiserin vom Jahr 1747 (das 1749 erneuert wurde) ermessen; das Patent, „auf sehnliches Verlangen" der Triester Handelsleute erlassen, enthielt auger anderen wichtigen Zugestandnissen an diese im Artikel 20 die Bestimmung, dag die einheimische Navigation gar keinen Vorzug vor der fremdlandischen haben solite, womit der Impuls zur Rhederei im | Litorale fiir lange Zeit vernichtet wurde. Unter so tristen Verhaltnissen ist wohl keine andere Kriegs- oder Handels- flotte ins Leben getreten! Bis auf weiteres mugten sich die Kaiserin und die Regierung damit begniigen, dem Hafen von Triest einen rein lokalen Schutz zu schaffen; dag dieser Schutz vor- wiegend durch die Aufstellung von Landtruppen erfolgen solite, ist durch das Mig- lingen aller vorhergehenden und bestehenden, auf die Schaffung einer Kriegsflotte abzielenden Projekte zu erklaren. Tatsachlich kann aber die wirksame Verteidigung einer Kiiste nur durch mobile Seestreitkrafte, durch eine auf der Hohe ihrer Zeit stehende Flotte bewirkt werden. Neben den Landtruppen und Befestigungen, die Triest schiitzen sollten, wurde auch eine Feluke als Hafenwachschiff mit zwei Kanonen und sechs „Steinstiickel“ ausgeriistet und 1753 in Dienst gestellt; die Bemannung, unter dem Oberbefehle des Hafenkapitans, bestand aus einem Schiffs- meister, einem Steuermann, einem Aufseher („welcher zugleich den Kanonier ab- geben solle“) und 24 Ruderknechten. Die drei Erstgenannten waren Unteroffiziere. Die Uniform war „griin und rot mit weigen Leibbinden, nebst rotem, mit weigem Schnurl besetzten Capot“, jeder Mann war mit „Flinte mit Bajonnet, Pistolen, Sabel und Patrontasche" bewaffnet; fiir Bewaffnung und Bekleidung der Bemannung hatte das Kommerzien-Direktorium Sorge zu tragen. Nach zwanzigjahriger, durch keine nennenswerten Ereignisse gestorter Indienststellung wurde die Feluke einem Neapolitaner verkauft; man verzichtete selbst auf ein so bescheidenes Hafen- wachschiff. Dank dem beharrlichen Kampfe, den die kleine Korporation der Triester Kaufleute gegen jede aus der nationalen Schiffahrt und dem heimatlichen Schiffbaue drohende Konkurrenz erfolgreich fiihrte, beschrankte sich die Tatigkeit der osterreichischen Seeschiffahrt auf die kleine Kabotage in der nordlichen Adria und an der dalmatinischen Kiiste; es liefen zwar in den sechs Jahren 1750 bis 1755 unter osterreichischer Flagge auch 145 Schiffe weiter Fahrt nach der Levante und dem westlichen Mittel- meer aus, doch zahlten unter diese auch die gemieteten Schiffe, denen ein oster- reichisches Flaggenpatent erteilt worden war. 4 Man mugte dieser traurigen Verhaltnisse sogar froh sein, als der Siebenjahrige Krieg ausbrach, eine englische Flotte Triest und Fiume zu bedrohen schien und Friedrich II. preugische Armateurs gegen die osterreichischen Handelsschiffe ausriistete. Wenngleich schleunigst wieder territorialer Kiistenschutz ins Leben gerufen wurde, sah der in spateren Jahren oft angegriffene Hofkriegsrat doch klar genug, um der Kaiserin einen Vortrag zu unterbreiten, dag „im Falle der Blockierung der Hafen“ und „Sperrung der Schiffahrt, dieses zu verwehren in Ermanglung einer Seemacht unmoglich 11 sei und selbst der Beschadigung der Hafenorte nur unzureichend vor- gebeugt werden konne. Als einige Falle vorgekommen waren, in denen englische Armateurs unter preugischer Flagge osterreichische Handelsschiffe kaperten, blieb daher nichts anderes iibrig, als die Schiffe offiziell auffordern zu lassen, „ denen Frei- beutern so viel als moglich auszuweichen“. Auf osterreichischer Seite fand sich ein einziger Rheder, der Triestiner Voinovich, der sein Schiff, die „Madonna dell’Assunta“ von 200 Tonnen, auf Rechnung des Staates als Kaper ausriistete; die „Madonna“ hatte, wie aus einer Schadenersatzforderung des Eigentiimers zu entnehmen ist, einen Zusammenstog mit dem Feinde zu bestehen. Die osterreichische Seeschiffahrt war vogelfrei; dies wurde wahrend des Sieben- jahrigen Krieges auch von jenen erkannt, die es nicht schon friiher wugten, und die osterreichischen Kauffahrer blieben auch nach dem Krieg ein Spielball fremder Beute- lust. Die Kaiserin, als wahre Landesmutter, wollte zumindest solchen Schiffern, die sich trotz der Unsicherheit in See gewagt und durch die Kaper Schaden erlitten hatten, eine Entschadigung zukommen lassen; sie forderte schon 1762 von der Kom- merzialbehorde ein Gutachten ab, „wie den ungliicklichen Seefahrern durch eine Beisteuer aus der Kommerzialkassa und mit Veranlassung einer Sammlung in den Porti zu Triest, Fiume und Zengg tunliche Abhilfe verschafft werden moge“. Da die Hintermanner der Kommerzialbehorde aus der Schadigung der erblandischen See¬ schiffahrt indirekt Nutzen zogen, wurde der Wunsch der Kaiserin abgelehnt und resolviert, dag „Sammlungen einerseits wenig eintragen, anderseits dem Kredit und Ansehen der Kaufmannschaft grogen Nachteil zufiigen“ wiirden - eine Folgerung, deren Logik gewig befremdend wirkt. Es blieb daher nur die Hilfe aus Staatsmitteln iibrig, die auch gewahrt, aber an die Bedingung gekniipft wurde, „dag, wenn kiinftig ein Nationalschiff gegen einen Seerauber nicht gehorig versehen und demselben nicht tapferen Widerstand tun wiirde, einige Beihilfe nicht mehr werde geleistet werden“. Auf diese Mahnung hin forderten die Rheder vom Staate die Beistellung von Kanonen, Munition und Soldaten; es konnte ihrem Wunsch aber keine Folge gegeben werden, denn ware das Geld fiir die Armierung der Kauffahrer verfiigbar gewesen, so ware doch eher der langgehegte Entschlug der Kaiserin, Kriegsschiffe auszuriisten, zur Ausfiihrung gelangt. Der Einflug des Siebenjahrigen Krieges hatte sich auch dahin geltend gemacht, dag die Zahl der Seeleute im Litorale stark zuriickgegangen war; die Kaiserin suchte nun durch verschiedene Begiinstigungen auch hier eine Besserung der Verhaltnisse herbeizufiihren. Alle „nachst der Kiiste wohnenden Untertanen, die sich der Seefahrt, dem Fischfang oder dem Schiffbau“ widmen und in Triest oder Fiume der auf- zustellenden Seematrikel einschreiben lassen wollten, waren von „der Rekrutierung zu Kriegsdiensten und von allen ordinari Abgaben" zu befreien; es mugte sich aber jeder in die Matrikel Aufgenommene eidlich verpflichten, solange seine Krafte reichten, beim Seedienste zu verbleiben und stets, „wann und wo es gefordert wiirde“, zum Dienst auf den Handelsschiffen bereit zu sein. Spaterhin wurden auch in Zengg und in Carlopago Seematrikehr errichtet und man erwog die Frage der Heranbildung von Schiffbauern. Als im Jahr 1764 der „Kanton Algier der k. k. Flagge den Krieg angekiindigt“, schien die seit zwei Jahrhunderten notwendige und seit mehreren Jahrzehnten poooooo1 projektierte Griindung einer erblandischen Flotte endlich gesichert, denn der Staatsrat hatte den Beschlug gefagt, „nach und nach einige armierte Schiffe des Staates, und zwar anfanglich zwei Fregatten, jede mit 30 Kanonen bewaffnet, in Porto Re erbauen und ausriisten zu lassen“; die Baukosten von 100.000 fl. sollten die Niederlandische Kassa und der Kommerzialfundus zu gleichen Teilen fliissig machen. Wie nicht anders zu erwarten, wehrte sich der Kommerzialrat mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, als Verschleppung und Ablehnung, zum Baue der Kriegsschiffe finanziell bei- zutragen, was um so bedauerlicher war, als der Friedensbruch der Barbaresken die Griindung einer erblandischen Flotte gestattete, ohne die Eifersucht anderer Machte hervorzurufen. Feldmarschall Graf Pallavicini, der in Marineangelegenheiten stets befragt worden ist, wies iiberdies mit Recht darauf hin, dag der Bau von Kriegs- schiffen im Litorale auch den Bau von Seehandelsschiffen fordern wiirde. Die finanzielle Grundlage der projektierten Marine war noch immer nicht sichergestellt, als in Triest die Nachrichten von der Kaperung eines erblandischen Kauffahrers im Hafen von Morea durch einen Korsaren unter ottomanischer Flagge und von der Sperrung der levantinischen Gewasser (in denen sich gerade 60 oster- reichische Schiffe befanden) fiir die erblandische Navigation eintrafen; die Triester Kaufleute mugten eine unmittelbare Bedrohung ihres Hafens befiirchten, sie sandten daher in diesem Augenbličke den Notschrei nach Wien, dag es sehr niitzlich und „dem Allerhochsten Ansehen angemessen ware, wenn doch ein mittelmagig bewaffnetes Schiff zu Triest in Bereitschaft 11 gehalten wiirde, „damit man nicht der Willkiir iibel- gesinnter Seeleute ausgesetzt bliebe“. Eile tat Not und so versuchte man zum Schutze der Schiffahrt einige Kauffahrer zu armieren; die Absicht war loblich, ihre Ausfiihrung blieb mangelhaft. Einerseits hatten „die meisten einheimischen Kauffahrer wegen der durch die Seerauber so arg bedrohten Fahrt“ ihre Schiffe verkauft, anderseits wollten weder der Hofkriegsrat noch die Kommerzialbehorde die Kosten iibernehmen. Es wurden nur drei Schiffe angemeldet, und als einer der Besitzer, dem die Verhandlungen zu lange dauerten, zuriicktrat, im Jahr 1765 nur zwei - der „Gran Rodolfo" mit 513 Tonnen und „La Sacra Famiglia 11 mit 92 Tonnen Tragfahigkeit - armiert; wie problematisch der Schutz war, den diese Schiffe der nationalen Handelsschiffahrt bieten konnten, geht aus dem Umstande hervor, dag man Metallgeschiitze nicht ver- wenden wollte, um „die Habgier der Seerauber“ nicht aufzustacheln, und auch aus dem Berichte, der nach der Riickkehr beider Schiffe aus dem Mittelmeer an den Hofkriegsrat erstattet wurde: „sie hatten anbei das Gliick, den Barbaresquen nicht zu begegnen, da widrigenfalls die Schiffe samt der darauf befindlichen Militarmannschaft und Munition wahrscheinlich verloren gewesen waren“. Die bittere Ironie, die in diesen wenigen Worten liegt, hat vielleicht dazu beigetragen, etwas energischer an die Ausfiihrung des letztbeschlossenen Flotten- planes heranzutreten; der Bau der beiden Fregatten wurde 1765 in Porto Re begonnen. Der Kommerzial-Intendanza in Triest war es zwar nicht gelungen, den Bau fiir Triest zu erringen, sie erhielt aber die Oberleitung des Schiffbaues zugewiesen und es wurde der Conte Voinovich, den die Kaiserin zum »Direktor der Schiffsriistung“ ernannt hatte, bei der Intendanza in Eid genommen. Die Gegnerschaft der Merkantil- behorde wider die Kriegsflotte wurde leider durch den Antrag des Staatsrates, „die Kaufleute zu verhalten. fiir Errichtung und Erhaltung der Marine reichlich beizusteuern, da eine wohl eingerichtete Marine den Ersatz der Kosten mit sich bringe“, bedeutend verscharft. Der Staatsrat hatte vollkommen recht; eine tiichtige, gut organisierte und mit den modernsten Kampfmitteln ausgeriistete Flotte bringt tatsachlich den Ersatz der Kosten mit sich, - es hat aber lange, sehr lange gebraucht, bis das Ver- standnis fiir diese Tatsache in weiteren Kreisen der Monarchie Wurzel fagte. Eine Kriegsflotte hat zu allen Zeiten groge Kosten verursacht, aber auch grogen Nutzen gebracht, und es sind die Marineausgaben keineswegs unproduktiv; man mug es daher tief bedauern, dag in dem langen Kampfe der Intendanza und der Regierung um eine erblandische Flotte die Merkantilbehorde immer siegreich blieb, und nur aus dieser Entwickelungsgeschichte ist zu erklaren, dag Osterreich mit der statt- lichen Flotte, die ihm im Laufe der Franzosenkriege zweimal in den Schog fiel, dennoch nichts zu beginnen wugte. Der Schiffbau in Porto Re hatte kaum angefangen, als sich auch schon die Intendanza zu riihren begann: es seien nur „sechs kleine Schiffe in die Levante gefahren, welche durchaus nicht des Schutzes einer Kriegsmarine bediirften“, an Stelle der Fregatten seien im Bedarfsfalle zu armierende Handelsschiffe vorzuziehen, die weder fiir den Bau noch fiir die Erhaltung wahrend der Friedenszeit Geldmittel beanspruchen wiirden. Auch die Ausbildung junger Leute im Schiffbaue, die beim Baue der Fregatten erfolgen solite, fand naturgemag bei der Intendanza eine ab- lehnende Haltung, — es ware fiir das Staatswesen nachteilig, junge Leute fiir ein Fach ausbilden zu lassen, das keine Aussicht habe, im Litorale bestandig in Ausiibung zu kommen. Der Bau der beiden Fregatten schritt trotzdem fort, und man mugte sich ent- schliegen, an die Losung der Fragen der Unterstellung, Bemannung und Ausriistung der Schiffe heranzutreten. Der Staatskanzler Graf Kaunitz betonte vor allem die Notwendigkeit, nicht nur bei der Wahl des Marinekommandanten, sondern auch bei jener „der Kapitaine, der subalternen Offiziers der See- und Kriegsmannschaft“ sehr vorsichtig zu sein, da „sonst aus Unerfahrenheit und weniger Kenntnis, sowohl der Gefahr des Feindes als des Meeres, die Allerhochste Flagge selbsten in Verachtung gesetzt und der Vorvvurf fremder Nationen sich zugezogen werden konnte“. Man suchte zuerst ohne Erfolg in Toskana und Frankreich die geeignete Person, iiber- zeugte sich dann, dag auch der Erbauer der beiden Fregatten, Conte Voinovich, nicht der richtige Mann sei und wandte sich endlich an die »Religio von Malta 11 , die denn auch dem Ordensritter Johann Karl Chevalier de Maussee, einem ttichtigen und klugen Seemanne, die Erlaubnis erteilte, das Kommando der erblandischen Flotte zu iibernehmen. Die Kommerzialbehorde machte sofort Front gegen Maussee, als die Kaiserin bei der Verleihung des Generalmajorsranges an Maussee (1768) verfiigte, dag er „samt der ganzen Marine in Allem und Jedem dem Hofkriegsrate zu unterstehen 11 habe, und als zu allem Uberflusse der neue Marinekommandant erklarte, die erb¬ landische Flotte miisse zumindest aus zwei Linienschiffen zu 60 Kanonen und aus vier Fregatten bestehen, um nur einigermagen ihrem Zwecke zu entsprechen. Maussee erwies sich bei der Stellung seiner Antrage als ein guter Organisator, der auch Details, wenn sie wirklich mit dem Seewesen zusammenhingen, nicht iibersah; als aber der Hofkriegsrat die Kosten der „Mannschaftsbetten“ berechnet haben wollte, bemerkte er mit Recht: „wozu ist es notig, gerade die H5he dieser Ausgabe und nicht jene von tausend anderen zu kennen. 11 „Uber das Bett ist Alles was man sagen kann, dag etwa 5 Wiener Ellen Segeltuch, mit einem einzolligen Tau ein- gefagt, fiir je zwei Mann erforderlich sind.“ Er legte auch wenig Bedeutung auf die Details der Uniformen, sich auf den Antrag beschrankend, die Offiziersgrade wie in anderen Flotten durch silberne Tressen kenntlich zu machen; dafiir nahm sich der Hofkriegsrat der Uniformierungsfrage an, er wollte die Mannschaften mit weigem Ročke mit griinen Aufschlagen und Kragen, mit griinen Hosen und schwarzen Gamaschen bekleiden. Im Kompetenzstreite der Militar- und der Kommerzialbehorde um die Unter¬ stellung der beabsichtigten Marine, der so sehr an die Fabel von der verkauften Barenhaut erinnert, stellte sich Maussee auf den einzig richtigen Standpunkt: die 5 looo ooool ) o o o o o o o j .-G/fSi X\tel Kriegsmarine solite dem Staat und nicht der Handelskorporation dienstbar sein und besonders zu kriegerischen Operationen den Befehl nur vom Hof erhalten. Die Kommerzialbehorde forderte hingegen den Oberbefehl iiber die beiden Fregatten, die in der Regel auger Dienst gestellt sein sollten und nur im Kriegsfalle fiir die lokale Hafenverteidigung ausgeriistet und bemannt zu sein hatten; sie pro- testierte sogar direkt und entschieden gegen die beabsichtigte Schaffung einer Kriegs¬ marine. Diese Opposition der Intendanza und der leidige Kompetenzkonflikt nahmen immer scharfere Formen an, und als endlich die Kaiserin befahl, dag die Erhaltungs- kosten der Marine im praliminierten Betrage von 150.000 Gulden jahrlich zu zwei Dritteilen aus der Generalkassa und zu einem Dritteil aus dem Pottaschenaufschlage zu fliegen hatten, trat neben der Intendanza auch die Hofkammer in Opposition. Der Konflikt der Parteien erreichte seinen Hohepunkt, als die Kaiserin — trotzdem Kaunitz und andere hervorragende Staatsmanner auf der Seite Maussees und des Hofkriegs- rates standen — doch dazu bestimmt wurde, die Marine in allem der Intendanza zu unterstellen. Das fiir die Wohlfahrt aller Untertanen miitterlich sorgende Herz der Kaiserin und ihr Zartsinn mugten naturgemag durch diese Verhaltnisse empfindlich beriihrt werden; um die Lage zu klaren, verlangte sie von der Merkantilbehorde ein Gut- achten betreffs des „in Ansehung der Barbaresken zu fassenden Systems“. Die Intendanza fiihrte nun in einem hochst bemerkenswerten, unverbliimt egoistischen Vortrag aus: es habe „die Handelsschaft von Triest durch den Friedensbruch der Barbaresken nichts gelitten 11 , „die Seeschiffahrt" sei „aber beinahe ganzlich ver- fallen, mithin dieses Ubel bereits geschehen 11 ; „dermalen“ kame „es nur auf die Beschiitzung der Seestadte an, wozu die beiden Fregatten undiensam sein dtirften. Wollte man aber die Navigation wieder in Aufnahme bringen, so miigte Osterreich entweder eine Seemacht, als welche England, Frankreich und Holland besitzen, auf- bringen oder schwerer Tribut den Barbaresken bezahlt werden“. Wie aus diesen Ausfiihrungen zu ersehen ist, wollte die Merkantilbehorde in ihrem hartnackigen Kampfe gegen die Kriegsflotte, die vermeintlich der Triester Kaufmannschaft schaden konnte, von einer gesunden Logik nichts wissen; dag sie im Gutachten auch ihren ernst zu nehmenden Widersacher Maussee angriff, ist allerdings — vom menschlichen Standpunkt - erklarlicher. Den besten Schachzug gegen die im Entstehen begriffene Flotte fiihrte nun der Hofkommerzienrat, die der Intendanza direkt vorgesetzte Behorde: es sei die Marinefrage „dem toscanischen Minister 11 mit dem Ersuchen mitzuteilen, sie „gegen das dortige System der Armierung halten zu lassen“; nur so nebenbei war erwahnt, „es konnte ein Anwurf wegen des grognerzoglicherseits genommenen oder noch zu nehmenden Systems in Ansehung der Barbaresken gemacht und der Vorschlag, wie weit zu dessen Ausfiihrung diesseits beizutreten, abverlangt werden“. Die Kaiserin resolvierte hierauf, „es sei die ganze Sache mit des Grogherzogs Liebden naher zu iiberlegen 11 - die Flottenfrage war schach und matt gesetzt. Vergebens setzte sich Kaiser Joseph fiir eine Kriegsflotte ein, vergebens stellten die Kronrate vor, dag der erblandische Seehandel beriicksichtigungswiirdig sei, dag im nachsten Kriege das Litorale in Ermangelung maritimen Schutzes auch gegen ein einzelnes armiertes Schiff wehrlos sei, „keine europaische Macht, die nur mit einiger Seekiiste versehen, sich von allem See-Armement entblogt fande“ und wenigstens einige bewaffnete Schiffe vorhanden sein sollten, wolle man die See- schiffahrt nicht ganzlich in Frage stellen — die Kaiserin beschlog, „wegen Kosten und Schwierigkeiten das See-Armement aufzugeben und die beiden Fregatten bald- moglichst zu verkaufen“. Es kam nun zu einem Vertrage, der 1770 in Wirksamkeit trat und demzufolge Grogherzog Leopold von Toskana, der zvrnite Sohn der Kaiserin, die beiden Fregatten ausgeriistet iibernahm, das Recht erhielt, die Bemannung dieser Schiffe in den Erb- landen anzuwerben und jahrlich 116.000 Gulden von Osterreich zu bekommen hatte, wogegen Toskana stets eine der fiinf Fregatten, die es nach Ubernahme ber beiden osterreichischen besag, in der Adria, nahe der erblandischen Kiiste, kreuzen lassen solite und die Ausbildung von sechs osterreichischen Jiinglingen zu Seekadetten in der Marineschule zu Livorno iibernahm. Die toskanische Fregatte „rEtruria“ lief auf Grund dieses Vertrages Anfang April 1771 in Triest ein, um durch acht Monate zur Verfiigung des Allerhochsten Dienstes zu stehen; dann konvoyierte sie ein in Zengg erbautes, einem privaten Rheder gehoriges Schiff nach Cadix. Als der toskanische Kommandant die Vergiitung der Kosten dieser Reise verlangte, wollte die Kommerzial¬ behorde die Segelordre riickgangig machen, kam aber damit zu spat, denn die beiden Schiffe waren bereits ausgelaufen. Zu Beginn des Jahres 1772 verfiigte die Kaiserin, „dag es gut ware, die an diesen Staat (Toskana) wegen der beiden Fregatten jahrlich abzugebenden 116.000 Gulden ersparen zu konnen, wie auch dieses Jahr ein Schiff von dort im Golfe (in der Adria) nicht benotigt sei“; Graf Kaunitz beeilte sich, den Vertrag zu kiindigen, der im Marž 1772 wieder auger Kraft trat, und es wurden die sechs Kadetten- aspiranten heimberufen. Der Bau der Fregatten war Ende 1764 angeordnet und 1769 beendet worden; beide gingen am 27. Juli 1770 von Porto Re aus unter Segel. Die Baukosten betrugen 219.768 Gulden, zur Ausriistung der Schiffe und zur Behebung von Mangeln, die bei der Ubernahme beanstiindet worden waren, wurden an Toskana 27.512 Gulden gezahlt - der Widerstand der Intendanza gegen die Kriegsmarine hatte sonach ziemlich viel Geld zwecklos verbrauchen gemacht. Nach dem Verzicht auf eine Kriegsflotte war die Kaiserin mit grogem Erfolge bemiiht, Triest zu heben und mit allen Institutionen auszugestalten, die schon damals zu einer grogen Seehandelsstadt gehorten. Die Entwickelung Triests machte erfreu- liche Fortschritte, seine Handelsbewegung, die im Jahr 1752 auf etwa 4 Millionen Gulden Wert geschatzt wurde, erreichte 1780 iiber 15 Millionen und 1789, ungeachtet des Krieges mit der Pforte, 37 Millionen Gulden. Die erblandische Schiffahrt hatte hieran keinen Anteil, den Warentransport bewaltigten fremde Flaggen, die oster- reichische fand kein Platzchen an der aufgehenden Sonne Triests. Wieviel auf diese Art dem Nationalvermogen indirekt verloren ging, zeigt eine Zusammenstellung des Schiffsverkehres von Triest im Jahr 1765; es liefen in diesem Jahr an fremden Schiffen ein: 14 franzosische, 16 englische, 113 neapolitanische, 117 papstliche, 5 danische, 1 schwedisches, 7 hollandische, 53 venezianische, 22 ragusaer, 22 tos¬ kanische, 59 tiirkische und viele genuesische. Die erblandische Seeschiffahrt blieb vogelfrei, und es ist erstaunlich, dag sich doch noch immer beherzte Rheder und Schiffer unter osterreichischer Flagge ins Aus- land wagten. Im selben Jahr 1775, in dem das „Editto politico di Marina 11 erlassen \vurde, um die Rechtsverhaltnisse im erblandischen Seewesen zu regeln, wurde dem Triester Gouverneur „gestattet, durch zween rechtschaffene Manner mit verschlossenen Biichsen von dem dortlandigen Puhlico einen freiwilligen christlichen Beitrag zur Auslosung des auf denen zwo Triester Schiffen ,Maria Theresia 1 und ,Nostra Signora della Salute' von den Algierern gefangenen Schiffsvolkes sammeln zu lassen, welches Geld sodann den P. P. Trinitariern gegen Verrechnung zu diesem Ende auszufolgen sei“. Die P. P. Trinitarier haben sicher ihre humanitare Aufgabe voli und ganz erfiillt; ware Osterreich im Besitz auch nur einiger Kriegsschiffe gewesen, so hatte man die ehrwiirdigen Vater allerdings nicht zu bemiihen gebraucht. 6 Der papierene Schutz, den die verschiedenen, von der Pforte ausgestellten Fermane der k. k. Flagge boten, blieb selbstverstandlich immer nur eine Fiktion; der Verfall der osterreichischen Seeschiffahrt, der seit 1764 ein unaufhaltsamer war, konnte auch durch alle Bemiihungen der miitterlich sorgenden, in die Zukunft blickenden Kaiserin nicht mehr aufgehalten werden. Der schadliche Einflug der Merkantilbehorde wurde allerdings 1775 eingedammt; die „Kommerzial-Haupt-Intendanz“ wurde auf- gehoben und fiir die Stadt Triest und deren Territorium ein Gouverneur ernannt, der die Leitung samtlicher „Kommerzial-, politischen, stadtischen, Sanitats- und Justiz- geschafte“ in seiner Person vereinigte. Der erste Gouverneur, Graf Zinzendorf, war der richtige Mann fiir diesen Posten; sein Nachfolger, Graf Brigido, erwies sich aber leider als ein starrer Anhanger der Tendenzen der friiheren Kommerzialbehorde, die dem Staate so viel Schaden gebracht hatten. Zur gleichen Zeit wurde das kroatische Litorale vom Triester Gebiete vollig losgetrennt; diese Trennung ward ein Segen fiir Fiume, die ungarische Hofkanzlei hatte bei der Wahl der Gouverneure stets eine gliickliche Hand, und lange Jahre hindurch bewiesen die ungarischen Behorden, dag sie fiir den Seehandel, die Seeschiffahrt, den Schiffbau und alle anderen hiemit zusammenhangenden Fragen das vollste Verstandnis hatten. In die Jahre 1774 bis 1785 fallen interessante Versuche, die Erblande auch am transozeanischen Seehandel zu beteiligen — interessant schon deshalb, weil sie sich vielversprechend anliegen und weil sie die Erblande beinahe in den Besitz von Kolonien gebracht hatten. Die Griinder der »Triester Ostindischen Handlungs- Kompagnie 11 , der Englander Bolts und der Belgier Graf Proli mit ihren Assoeies Nagels und Borkens, wurden von der Regierung subventioniert, ihre allerdings um teures Geld im Auslande gekauften Schiffe segelten unter der k. k. Flagge nach Ostindien und errichteten Faktoreien in der Delagoa-Bai, an der Malabar-Kiiste und auf den Nikobaren. Leider brach die Gesellschaft schon im Jahr 1786 zusammen, die Faktoreien gingen verloren und Čsterreich war um ein Unternehmen armer, das grogen Nutzen herbeifiihren konnte, in den Erblanden aber nicht den richtigen Boden und nicht das richtigejVerstandnis gefunden hatte. Die ganze, „von der Parteien Hag und Gunst entstellte“ Episode bedarf noch sehr der historischen Klarung; Gegner und Freunde eines osterreichischen Kolonialbesitzes haben bis auf den heutigen Tag aus den verblagten Uberlieferungen jener Zeit meist nur solche Argumente geschopft, die sie fiir ihre subjektiv gefarbten Darstellungen verwerten wollten. Man mug es auf jeden Fali sehr bedauern - die unbedingte Notwendigkeit einer auch von Osterreich-Ungarn im Handelsverkehr und zur See einzunehmenden Position ist ja endlich doch erkannt worden, — dag uns aus der recht gut eingeleiteten kolonisatorischen Tatigkeit der Triester Ostindischen Handelsgesellschaft kein bleiben- der Nutzen erwachsen ist. Die Oberzeugung, Osterreich brauche auf jeden Fali Kriegsschiffe, war, als Kaiser Joseph II. den Grundstein zur bleibenden kaiserlichen Flotte legte, endlich nach 200jahrigem Ringen gegen die Ungunst der politischen und finanziellen Ver- haltnisse und gegen kommerzielle Sonderinteressen durchgedrungen; den meisten leitenden Staatsmannern — auch Metternich war kein Freund des Seewesens — fehlte leider auch dann noch, durch mehr als ein halbes Jahrhundert das richtige Verstandnis fiir den Wert, die Aufgaben und das Wesen einer Kriegsflotte. Osterreich besag sonach in dem vorstehend kurz geschilderten Zeitabschnitt auger dem voriibergehend bestandenen Pallavicinischen Armement keine seegehenden Kriegsschiffe; wenn dennoch in verschiedenen Geschichtswerken, die die vor- josephinische Zeit behandeln, von osterreichischen Kriegsschiffen die Rede ist, so sind hierunter stets solche Schiffe gemeint, die zu den Flotten Neapels, Toskanas und von Flandern gehorten, mit Riicksicht auf das Verhaltnis dieser Staaten zu dem Trager der Krone der Erblande als „kaiserliche“ oder „osterreichische“ bezeichnet wurden, aber zu dem Kiistenbesitze des Erzhauses an der Adria in keiner Beziehung standen. Auch das Wallensteinsche Armement, das den Schweden im Jahr 1629 bei Wismar ein erfolgreiches Gefecht lieferte, hat mit den Staaten, Volkern und Kiisten, die die heutige k. und k. Flotte entstehen liegen, nichts gemein. = 7 fool n \ {7,1 V lOOOOOOOl lOSOgoSOSO o sc gso^o Sš CS3 ' ;OaO“OSOSO“O^C>SOSC>SO^OSo S O gg O SOS OJ SOgOgOgOlOBOgOgOg o so s o so so s os os 3 ] DIE ERSTE TRIESTER MARINE. W^0^r L i'.. Pii ■- r. r jqg vj 1787 TAATSKANZLER Graf Kaunitz lenkte gleich nach dem Regierungsantritte Kaiser Josephs II. in einem Vortrage die Aufmerksamkeit des Monarchen auf die Wichtigkeit einer erblandischen Flotte, denn diese allein konne die Hindernisse bewaltigen, die bisnun einer Forderung des dsterreichischen Nationalwohlstandes durch die erblandische Seeschiffahrt im Wege standen; man halte die Hindernisse, die die osterreichische Seeschiffahrt in eno-e Grenzen drangen, fur uniiberwindlich, habe aber stets unterlassen, mit Anstrengung der Krafte das Mogliche zu leisten. Die Schutzlosigkeit der erblandischen Kauffahrer gegen die Ubergriffe der Barbaresken und jede politische Bewegung im Auslande verursache eine empfindliche Schadigung des osterreichischen Handels, das miihselig Gewonnene laufe stets Gefahr, wieder in Verlust zu geraten; nur eine Kriegsflotte konne da Abhilfe schaffen. Das Projekt einer Flotte samt den Reglements fur den Schiffs- dienst und die Verwaltung wurde (1780) ausgearbeitet; man beantragte den Bau folgender Schiffe: ein Linienschiff zu 60 Kanonen, zwei Fregatten zu 32 und zwei Fregatten zu 26 Kanonen, zwei Flutten zu 20 Kanonen, zwei Kutter zu 8 Kanonen, zwei Chasses-marees (schnellsegelnde Zwei- master) zu 6 Kanonen, vier Brigantinen zu 16 Kanonen, zwei Kanonen- schaluppen zu 4 und zwei Hafenwachschiffe zu 2 Kanonen, zusammen 19 Schiffe mit 320 Kanonen und 1530 Mann. Die Anschaffungskosten dieser wenngleich bescheidenen, so doch fur den Anfang ausreichenden Flotte hatten 500.000 Gulden, ihr Jahresbudget etwa 170.000 Gulden betragen. Kaiser Joseph, der schon vor dem Regierungsantritte groge politische Ent- wiirfe mit Bezug auf den Orient hegte, lieg trotz seiner schon friiher bewahrten Uberzeugung von der Notwendigkeit der Flotte die ganze Flottenfrage in Schwebe, bis der geeignete Zeitpunkt zur Realisierung des Projektes gekommen sei; es traten aber schon nach fiinf Jahren Ereignisse ein, die auf einem anderen Wege den Erb- landen die ersten, langersehnten Kriegsschiffe brachten. Die Losung des Barrieren- traktates fiihrte zuerst zu Rustungen, dann aber - infolge der politischen Kon- stellation - zu sofortigem Friedensschlusse, die Rustungen gegen Holland wurden eingestellt. Dies machte „zwei Kutters von je 20 Kanonen, welche ab aerario an- gekauft" worden waren, verfiigbar und es erteilte der Kaiser den Befehl, diese Schiffe in die Adria zu senden, „um den einheimischen Kommerz zu schiitzen und 1797 . alle moglichen Insulten hintanzuhalten“. Die beiden Kutter segelten im Herbst 1786 von Ostende ab und trafen am 4. Oktober 1786 in Triest ein; es ist dies sonach der Tag, an dem Osterreich in den bleibenden, nur durch die kurze Abdrangung vom Meer unterbrochenen Besitz von Seestreitkraften trat. Die beiden Kutter, „Le Juste 11 und „Le Ferme“ getauft, waren keineswegs „Kutter“ im heutigen Sinne des Wortes, sondern ganz stattliche Schiffe, was auch aus ihrer Armierung mit je 20 Kanonen zu entnehmen ist; „Le Ferme 11 wurde in spaterer Zeit zu einer Brigantine umgestaltet. Eine Abbildung dieser Schiffe ist leider bis jetzt nicht aufgefunden worden. Sie waren der Grundstein jener kleinen osterreichischen Flotte, die unter dem Namen „Triester Marine 11 bestand, bis der Zusammenbruch Venedigs und der Friede von Čampo Formio Osterreich in den Besitz der venezianischen Flotte brachte, die dann, mit der Triester Marine vereinigt, die erste „osterreichisch-venezianische Marine 11 bildete. Nach dem Eintreffen der Kutter in Triest wurde mit Ausnahme der „Offiziers und Subalternen 11 die aus den Niederlanden mitgekommene Bemannung entlassen; ein Handbillett des Kaisers verftigte, die Matrosenmannschaft „von der Seekompagnie des Ottochaner und Liccaner Regiments und auch die Artilleristen von der Grenze, die Offiziere aber von den Segnaer (Zengger), Fiumaner und dortigen Untertanen 11 zu nehmen. Der Hofkriegsrat beantragte, 40 „Marinars mit Einbegriff der Gardes- marine 11 und 22 „Soldaten, samt den Kanoniers, Offizier und Kadetten 11 auf jedem Kutter einzuschiffen und es sollten nur solche Infanteriekadetten vorgeschlagen werden, die erwarten liegen, „sich zu geschickten Seeoffiziers 11 heranzubilden; die Einschiffung von Infanterie- und Artilleriemannschaft auf Kriegsschiffe war dazumal in allen Flotten gebrauchlich, man entschlog sich erst in spaterer Zeit, die Artilleristen durch Matrosen zu ersetzen, worauf fast in allen Marinen auch der Ersatz der eingeschifften Marine-Infanteristen durch Matrosen folgte. Die Bemannung der Kutter gliederte sich in die „Schiffs-Equipage“ und in die „Besatzung“; die Schiffs-Equipage umfagte 1 Kapitan, 2 Leutnants, 1 Bootsmann, 2 Geschiitzmeister, 2 Zimmerleute, 1 Segelmacher, 2 Maaten, 2 Quartiermeister, 1 Bootsfiihrer, 2 Seekadetten, 1 Chirurgen, 1 Schreiber, 1 Proviantmeister, 33 Matrosen, 4 Schiffsjungen und 3 Schiffsbuben; zur Besatzung zahlten 1 Leutnant, 1 Korporal, 1 Tambour, 1 Kadett und 17 Soldaten. Die Gliederung dieser Bemannungsliste mutet heute fremd an, der Seekadett und der Kadett rangieren schon lange vor dem Boots- fiihrer und dem Tambour, und auch der Chirurg — durch den diplomierten Arzt 9 ersetzt - hat eine hohere marine-soziale Stufe erklommen; der Schiffsbube ist von der Bildflache verschwunden, der Schiffsjunge nur auf dem Jungenschulschiffe zu finden. Kaiser Joseph hatte anfangs dem Hofkriegsrate vorwiegenden Einflug auf die neue Marine eingeraumt; Pompejo Graf Brigido, seit 1782 Gouverneur von Triest, trat aber in die Fugstapfen der ehemaligen Intendanza und kampfte mit denselben kleinen Mitteln, wie einst diese Behorde, gegen die Flotte liberhaupt und fiir den ausschlaggebenden Einflug des Triester Guberniums. Es traten schon bei der Zusammen- stellung der Bemannungen fiir die Kutter Differenzen zwischen dem Hofkriegsrat und dem Gubernium auf, und der Wunsch des Kaisers, die beiden Kutter im Friih- jahr 1787 segelbereit zu haben, ging nicht in Erfiillung. Zum Kommandanten der beiden Kutter wurde Kapitan Thomas Botts, der die Schiffe von Ostende heriibergebracht hatte, ernannt, obschon er nur der englischen Sprache machtig war; die Namensliste der Bemannung beider Kutter ist eine wahre Musterkarte von Nationalitaten, von den sechs Offizieren waren zwei Englander, zwei Niederlander, einer Schotte und einer Ragusaer. In der Adjustierungsfrage waren Hofkriegsrat und Hofkommerzienrat verschiedener, beide aber recht un- praktischer Ansicht; wahrend jener die in der Armee eingefiihrten weigen Waffen- rocke befiirwortete, beantragte dieser eine den k. k. Konsuln ahnliche Uniform, also „Rock und Beinkleid rot, die Weste griin und gleich griine Aufschlage auf dem Rocke“. Der Kaiser verwarf beide Antrage und bestimmte, dag „bei besagter Uniform fiir die Westen und Beinkleider die bei den Grenzregimentern schon eingefiihrte blaue Farbe beibehalten und fiir die Ročke eine der Hausmontierung gleichkommende braune Farbe mit blauen Aufschlagen und Krageln" gewahlt werde. Es war von allem Anfange die Absicht des Kaisers, stets einen der Kutter in Ausriistung zu belassen und „zu Kreuzfahrten an der adriatischen und mittel- landischen See zu gebrauchen“, als aber 1787 den Regierungen der Barbaresken- staaten Geschenke iibermittelt werden sollten und der Hofkriegsrat die Verwendung eines Kutters beantragte, „um dem k. k. Kapitan schickliche Gelegenheit zu geben, die Hafen von Tunis, Tripoli und Algier ohne Anstand, ja mit Ehre zu besuchen 11 , befahl der Kaiser, „um der neuen Grenzmannschaft Gelegenheit zu geben, sich besser auf der See zu iiben, beide Kutters zu dieser vorhabenden Reise“ zu ver- wenden und noch ein drittes Kriegsschiff zu erwerben, damit die Flottille ansehn- licher sei. Nun trat wieder der Triester Gouverneur in Aktion: vom Kaiser beauftragt, angesichts der sehr geteilten Meinungen iiber die zum Kauf angebotenen Schiffe einen prazisen Antrag zu stellen und einen geeigneten Marinekommandanten namhaft zu machen, schlug Graf Brigido vor, „einem Teile des Schiffsvolkes Urlaubserlaub- nisse“ zu geben, „um den taglichen Unterhalt der Abwesenden zu ersparen" — und dies zu einem Zeitpunkt, in dem der Monarch und die Regierung alle Anstrengungen machten, die Flotte zu vermehren und nach zeitgemager Sitte durch Geschenke an die Barbaresken der erblandischen Seeschiffahrt zu niitzen! Auf den 20. Marž 1786 fallt die Schaffung einer neuen osterreichischen Flagge, die mit geringer Anderung auch heute noch als Kriegsflagge besteht. Kaiser Joseph wurde durch verschiedene Griinde militarischer und politischer Natur bewogen, an Stelle der von den erblandischen Kriegs- und Handelsschiffen bis dahin gefiihrten gelben Flagge mit dem schwarzen, doppelkopfigen Adler eine neue einzufiihren, fiir die er die Farben des Wappens der alten Herzoge von Osterreich, weig und rot, bestimmte. Die Wahl des Wappens in der Flagge bereitete einige Schwierigkeiten; die Zusammenstellung der verschiedenen Landerwappen und der verschiedenen Kronen der Erblande hatte die Flagge schon auf geringe Distanz unkenntlich gemacht, der Kaiser entschied daher iiber Antrag des Staatskanzlers Grafen Kaunitz, dag der Mittelstreifen des Hauswappens, der weige Querbalken im roten Feld, unter der Krone der Prinzen des Erzhauses, die das Kennzeichen des ganzen Komplexes der Erbkonigreiche und -Lander sein solite, gewahlt werde. Der rangsalteste Kommandant der Kriegsschiffe hatte als Kommandoabzeichen eine dem jetzigen Kommodorestander ahnliche Kornette zu fiihren; den Handelsschiffen wurde die Fiihrung des rot-weig- roten Wimpels, der dann ein Abzeichen des Kriegsschiffes wurde, erst im Jahr 1804 untersagt. Nach dem Ausgleiche mit Ungarn wurde fiir die Seehandelsschiffe der friiheren rot-weig-roten Flagge mit dem osterreichischen Wappen ein rot-weig-griiner Teil mit dem Wappen der Lander der Stephanskrone angefiigt, die Kriegsflagge blieb bis auf die Zahl der den oberen Kronenreif zierenden Perlen, die im Laufe der Jahre von 30 auf 18 vermindert wurden, unverandert. Der Tiirkenkrieg in den Jahren 1788 und 1789 brachte die erste Verwendung und Vermehrung der Seestreitkrafte. Kaiser Joseph besichtigte vor dem Beginne des Krieges die Verteidigungsmagnahmen an der Kiiste, die vorwiegend zur Abwehr von Handstreichen feindlicher Schiffe bestimmt waren, und fand bei diesem Anlasse, dag die vorhandenen Kriegsschiffe unzulanglich seien; er befahl daher dem Triester Gouvernement, Vorschlage fiir die Vermehrung der Flotte baldigst einzureichen. Graf Brigido beantragte hierauf Verhandlungen mit Neapel, als deren Ergebnis der neapoli- tanische Marineminister Acton den Bau von Kanonenschaluppen vorschlug, die sich bei der Belagerung Gibraltars angeblich sehr gut bewahrt hatten; Acton stellte Plane zur Verfiigung und meinte, dag 40 Kanonenschaluppen fiir die Verteidigung der erb¬ landischen Kiiste ausreichen diirften. Unbeschadet dieser Verhandlungen wurden iiber Befehl des Kaisers die Handelsschiffe „11 Cesare Augusto", „Citta di Vienna“ und „S. Giovanni 11 gemietet und zu Auxiliar-Kriegsschiffen umgestaltet, iiberdies wurden in Triest drei und in Fiume zwei Feluken armiert und der Flotte einverleibt. Das Oberkommando iiber die Verteidigungsmagnahmen an der Kiiste und auch iiber die Flotte, die leider administrativ unter dem Triester Gouvernement blieb, fiihrte anfangs Feldmarschalleutnant Gazinelli, da der eigentliche Kommandierende in Inner-Osterreich, Feldzeugmeister Langlois, erkrankt war; das Marinekommando behielt Kapitan Botts, obschon er hiezu nicht eigens ernannt worden war und nur in einem Mietverhaltnisse zum Triester Gouvernement stand. FML. Gazinelli ordnete an, dag stets einer der armierten Kauffahrer an der istrischen Kiiste kreuzen solite; die drei Triester Feluken waren abwechselnd diesen Auxiliarkreuzern fiir den Meldedienst beigegeben; die Kutter, vortreffliche Segler und von tiichtigen Seeoffizieren befehligt, hatten bis Ragusa und bis zum Golfe von Cattaro zu kreuzen. Erzherzog Franz inspizierte im Juni 1788 die Kiiste, die Auxiliar- kreuzer fiihrten eine kriegsmagige Ubung aus, die, wie auch Schiegversuche mit den Triester Landbatterien, „die wirklichen Erwartungen iibertroffen" haben. Der Riickgang der erblandischen Seeschiffahrt machte sich auch beim Donau- Armement fiihlbar, fiir das man das Personal von der Kiiste zu nehmen pflegte; in Ermangelung anderer mugte Gazinelli den Kapitan Coninck den Jiingeren (ehemals zweiten Leutnant des „Le Juste“, dann Kommandanten eines der armierten Kauffahrer) mit 5 Offizieren, 5 Unteroffizieren und 99 Matrosen, „die besten Mariniers der hiesigen (Triester) armierten Schiffe 11 , im Juli 1788 nach Semlin senden. Dieses Personal wurde auf den Schiffen durch Grenzer ersetzt, die solcherart mit einem Schlag in ganzlich fremde Verhaltnisse versetzt wurden und sich auflehnten, weil sie „von denen See-Capitains zu allen jenen Ubungen, so man von denen Marinairs forderte, angehalten 11 wurden. FZM. Langlois, der nach seiner Genesung das General- kommando im Kiistengebiet iibernahm, bestatigte alle Verfiigungen Gazinellis; er sah sich aber alsbald durch neuerliche, wiederholte Anforderungen an Personal fiir das Donau-Armement in eine migliche Lage versetzt. 10 i/H O O O o o o o { Die Bewohner Nord-Albaniens und der Herzegowina hatten schon in den Jahren 1737 bis 1739 ihre Unterwerfung unter Osterreich angeboten, und sie zeigten sich vor Ausbruch des Krieges 1788 geneigt, das turkische Joch gewaltsam ab- zuschiitteln; diese Bewegung, in die richtigen Bahnen gelenkt, ware den oster- reichischen, im Felde stehenden Armeen sehr gelegen gewesen. Hauptmann Vukasso- vich vom Liccaner Regiment, der sich bereit erklarte, im erwiinschten Sinne zu wirken, erhielt die Erlaubnis hiezu; er segelte mit einigen Gefahrten im Februar 1788 nach dem Hafen Molonta beim Golfe von Cattaro und gelangte auch gliicklich nach Montenegro. Vukassovich, der ein tiichtiger Soldat, aber kein Diplomat war, fand in Montenegro, trotz des russischen Offensivbiindnisses, politische, von Rugland geschiirte Umtriebe vor, gegen die er nicht zu reussieren vermochte; als Gegen- gewicht gegen den „rollenden Rubel“ brachte zwar ein Kauffahrer, den die beiden Kutter konvoyierten, 40.000 Dukaten und Feldfriichte nach Montenegro, die Position des osterreichischen Emissars war aber eine unhaltbare geworden. Die k. k. Kriegs- schiffe waren leider zu schwach, um die von Vukassovich verlangte Diversion gegen Antivari oder Dulcigno auszufiihren, und es sah sich der Kaiser gezwungen, den Riickzug des Vukassovich anzubefehlen; die beiden Kutter und die Auxiliarkreuzer „Citta di Vienna“ und „S. Giovanni 11 vereinigten sich im Hafen Rose des Golfes von Cattaro, nahmen Vukassovich und seine Gefahrten, deren Riickzug nach grogen Gefahren gelungen war, an Bord und iiberfiihrten sie nach Zengg. Mittlerweile hatte Graf Brigido den Bau von zehn Kanonenschaluppen in Antrag gebracht und es begann deren Bau in Triest und Fiume; da der Gouverneur mit der einstigen Intendanza gleichen Sinnes war und daher den lokalen Schutz Triests hoher stellte als den des ganzen erblandischen Litorales, beantragte er gleichzeitig die Augerdienststellung der drei armierten Kauffahrer. Den Bau der Kanonen¬ schaluppen leitete der neapolitanische Seeoffizier Graf Thurn, ein Schwager des Triester Gouverneurs; es ist daher vom menschlichen Standpunkte verstandlich, dag das Triester Gouvernement liber die neuen Schiffe viel Riihmenswertes zu sagen wugte, die Seeoffiziere und Artilleristen erklarten aber die Kanonenschaluppen als unbrauchbar. FZM. Langlois protestierte daher schon nach der Fertigstellung der ersten Kanonenschaluppen gegen die Abrustung der armierten Kauffahrer, denn es seien die »Kanonenschaluppen auf dem hohen Meere nicht zu gebrauchen und leisten iiberhaupt nicht jene Dienste, die man sich von einigen Fregatten versprechen kann“. Das Gouvernement drang dennoch mit seinem Antrage durch, die Kauffahrer wurden im November 1788 ihren Eigentiimern riickiibergeben. Von den zehn Kanonenschaluppen wurden sechs in Triest und vier in Fiume in Dienst gestellt; in Triest kommandierte Botts, in Fiume Kapitan Simpson der Jiingere. Der Bau je einer Schaluppe hatte 6064 Gulden gekostet; diese Fahrzeuge besagen einen Mast und 30 Ruder, sie fuhrten anfangs nur ein schweres Buggeschiitz. Die Bemannung bestand aus dem Kommandanten, 30 Matrosen, zwei Artilleristen und einem Schreiber. Eine Probefahrt von vier Kanonenschaluppen, die sich unter der Oberleitung Thurns von Fiume nach Triest begaben, lieg erkennen, dag dieser Schiffstyp nur bei vollkommener Seestille in der Nahe der Kiiste, keineswegs aber sonst zu verwenden war; die Schaluppen tauchten vorne so tief, dag Thurn gezwungen war, sie mit einem beim Schiegen abzunehmenden Wetterdeck, einer Lenzpumpe und einer Jolle auszurusten, um den Gefahren, die bei nur einigermagen schlechtem Wetter fur die Schiffe und deren Bemannung drohten, begegnen zu konnen. Unter solchen Um- standen wurde ein Bericht, den FZM. Langlois iiber die Kanonenschaluppen erstattete, zur scharfsten Kritik ihres miglungenen Typs, was aber das Triester Gouvernement lange nicht zugeben wollte; Graf Brigido sah die Mangel der Kanonenschaluppen I erst ein, als alle zehn fertiggestellt waren. Der Kaiser wollte angesichts der dar- gelegten Unzulanglichkeit der Kanonenschaluppen ein starkeres Handelsschiff an- kaufen und zum Kriegsschiff umandern lassen, doch gelang es dem Gouvernement, die Ausfiihrung dieser Absicht durch Verschleppung und Aufwerfen von Schwierig- keiten so lange zu verzogern, bis der Kaiser seine Aufmerksamkeit ausschlieglich dem Landkriege zuwenden mugte und den Krieg zur See vollig dem verbtindeten Rugland iiberlieg. Als Leopold II. nach dem Tode Kaiser Josephs die Regierung der Erblande antrat, zwang ihn eine Reihe miglicher Umstande, trotz glanzender Siege der k. k. Truppen, mit der Pforte Frieden zu schliegen; Rugland, das den Krieg weiter- fiihrte, stellte noch vor dem Abschlusse des Friedens das Ersuchen, die Expedition des Generals Psaro gegen Albanien zur See zu unterstiitzen, worauf „die beiden Kutter, 4 Kanonier-Schaluppen und auch Felouquen“ ausliefen. Die Schiffe kehrten allerdings bald zuriick, denn der russische General hatte dem k. k. Eskadre- kommandanten erklart, das Triester Gubernium sei gegen diese Unternehmung, weil, „wenn etwas auf die feindlichen Hafen unternommen werden solite, dieses bei den Venezianern Eifersucht erregen und diese veranlassen wiirde, auch den Tiirken zu erlauben, in den Golf (in die Adria) zur Verteidigung ihres Landes zu kommen"! Das Gubernium blieb, wie friiher die Intendanza, mit eiserner Konsequenz dem Kampfe gegen die osterreichische Flotte treu; sie kampften zwar nicht mit den Waffen gesunder Vernunft, blieben aber stets auf allen Linien siegreich. Kaiser Leopold, der als Grogherzog von Toskana von der Kommerzialbehorde zahllose Argumente gehort hatte, die alle die Zwecklosigkeit der erblandischen Kriegsflotte dartun sollten — man wollte den Grogherzog um jeden Preis zur Uber- nahme der beiden in Porto Re gebauten Fregatten bewegen, — war fur die vom Triester Gouvernement ersehnte und befiirwortete Reduktion der ohnehin recht un- bedeutenden Flotte leichter zu gewinnen als sein Vorganger auf dem Throne, der diese Flotte geschaffen hatte. Noch im Jahr 1790, kurz nachdem der Kaiser das See-Armement wieder ganz dem Triester Gouverneur unterstellt hatte, beantragte Graf Brigido die sofortige Entlassung der Seeoffiziere und eine Verringerung der Zahl der Kriegsschiffe, fiir deren Erhaltung „60.000 Gulden pro Jahr kaum aus- reichen“; nach Herstellung des Friedens ware auf Grund der alteren Traktate mit der Pforte eine Konvoyierung der Handelsschiffe iiberflussig, der Schutz, den die Kutter bieten konnten, ungeniigend, „das Ansehen des Triester Hafens und die Ruhe und Ordnung" konne auf andere Art besser und billiger als durch die Bei- behaltung der Kutter erreicht werden usf. Ungeachtet der Einsprache des Hofkriegsrates erfolgte die Weisung, die Kutter nicht weiter beizubehalten, an deren Stelle „zwei oder drei armierte, viel minder kostbare Kanonier-Schaluppen erhalten werden“ sollten. Die kleine Flotte kam daher unter den Hammer, „Le Juste“ fand zwar bald einen Kaufer, der Verkauf der iibrigen Schiffe ging aber nur schleppend vorwarts; das Gubernium hatte beispiels- weise aus Sparsamkeitsriicksichten den „Le Ferme“ so mangelhaft instand gehalten, dag er von Bohrwiirmern stark zerfressen war und lange Zeit sich nicht einmal Kauflustige, geschweige denn Kaufer fanden. Die k. k. „Flotte“ war 1791 auf zwei Kanonenschaluppen mit reduzierter Bemannung und auf eine dritte, die abgeriistet bleiben solite, beschrankt; Simpson mit Majorscharakter und Coninck mit Hauptmannscharakter wurden im Dienste bei- behalten, alle anderen Seeoffiziere entlassen. Trotzdem beklagte sich das Gubernium, dag die Erhaltung der Seestreitkrafte 27.115 Gulden 12 Kreuzer pro Jahr koste! Kaiser Franz II., der nach seines Vaters friihzeitigem Tod am 1. Marž 1792 den Thron bestieg, war schon im Sommer 1792 mit der franzosischen Republik in 11 }o o a o o o ol den Krieg verwickelt, der sich auch auf Italien zu erstrecken drohte. Sofort stellte das Triester Gouvernement den Antrag, „ob nicht ein ganzes See-Armement zusammen- gestellt werden solite, um in See gehen und operieren zu konnen". Dieser Antrag, der mit den friiher und nachher starr festgehaltenen Tendenzen des Gouvernements in direktem Widerspruche steht, konnte selbstverstandlich nicht ausgeftihrt werden; eine Flotte, die gegen eine stattliche feindliche Seemacht offensiv auftreten soli, lagt sich nicht im Handumdrehen schaffen. Die flottenfreundliche Gesinnung, die man aus diesem Antrag folgern konnte, war aber keineswegs vorhanden; denn als das General- kommando die Beschaffung von mindestens 15 Kanonenschaluppen fiir Triest und Fiume verlangte, wollte das Gubernium vier in Triest und fiinf in Fiume bauen lassen, wenn dies „bis zur Zeit geschehen mag, wo noch ein feindlicher Angriff sich ergeben kann“. Die Ankunft eines englischen Handelsschiffes in Triest, das berichtete, es sei in der Levante von einer franzosischen Fregatte angehalten und durchsucht worden, spornte den Grafen Brigido aber doch zu schleuniger Bereitstellung der Triester Marine an; er berichtete schon am 2. Juli 1792, dag der zu einer Brigantine umgestaltete „Le Ferme“ (der gliicklicherweise keinen Kaufer gefunden hatte), sieben Kanonenschaluppen und drei Feluken segelklar seien. Als eine dieser Feluken, die zur Beobachtung der franzosischen Flotte an die neapolitanische Kiiste entsandt worden war, samt der Bemannung zugrunde ging, wurden liber Antrag des General- kommandos zwei in Zengg befindliche Schebecken der Triester Marine zugesellt. Die kleine k. k. Flotte konnte zur Not geniigen, um kiihne Unternehmungen einzelner Kaper abzuwehren, sie konnte aber weder in die Defensive wider die stattliche franzosische Flotte treten — England begann die Feindseligkeiten gegen Frankreich erst 1793, — noch die Wegnahme osterreichischer Kauffahrer verhindern. Die franzosische Regierung hatte allerdings noch im Juli 1792 versichert, es wiirden nichtarmierte Kauffahrer unter osterreichischer Flagge von den franzosischen Kriegs- schiffen unbehelligt gelassen; die Zusicherung ward aber durch den Umstand hin- fallig, dag sich die erblandischen Kauffahrer mangels einer schiitzenden Kriegsflotte gegen die Angriffe von Seeraubern selbst helfen und auch, wenn von einem fremden Kriegsschiffe auf „ubbedienza“ gerufen, antworten mugten, daher bei jeder Fahrt im Mittelmeere 10 bis 20 Kanonen an Bord fiihrten. Es wurden tatsachlich mehrere osterreichische Kauffahrer gekapert. Die Erweiterung der Allianz gegen Frankreich durch den Beitritt der grogen Seemachte England und Spanien lieg Anfang 1793 die Bindung der franzosischen Flotte erwarten und dem Triester Gubernium eine Vermehrung der k. k. Flotte doppelt unniitz erscheinen; als aber eine franzosische Eskadre, die in den neapolitanischen Gewassern von einem Sturm iiberrascht worden war, wieder mit 53 Schiffen segel¬ klar gemeldet und der franzosische Geschaftstrager in Venedig freundlich aufgenommen wurde, ftirchtete Graf Brigido das Erscheinen feindlicher Kriegsschiffe in der Adria. Er forderte vom Hofkriegsrate die beschleunigte Durchfiihrung der fiir Triest und das Litorale bewilligten Verteidigungsvorkehrungen „und besonders die vor Allem niitzliche Vermehrung der Kanonier-Lancien“. Das Gubernium erkannte erst in zwolfter Stunde „die vor Allem niitzliche Vermehrung" der Flotte, war aber von der Unzuganglichkeit der Kanonenschaluppen noch immer nicht iiberzeugt. Kaiser Franz lehnte der Kosten wegen den von anderer Seite beantragten Ankauf von schnellsegelnden Tartanen fiir Kundschafterdienste ab, bewilligte aber „iiber die bereits zu Triest befindlichen sieben Kanonier-Schaluppen noch derlei drei fiir Triest und sechs fiir Fiume und Porto Re“. Die neuen Kanonenschaluppen sollten auger dem schweren Buggeschiitze noch je zwei einpfiindige Kanonen erhalten, die Triester Schaluppen als Buggeschiitz 24-Pfiinder, die fiir Fiume und Porto Re bestimmten 18- und 12-Pfiinder. Die Nachrichten, eine „spanische Flotte von 32, meist Linienschiffen" sei auf der H5he von Savona erschienen und eine englische Eskadre im Mittelmeere zu erwarten, trafen Anfang Juli ein, und schon am 5. Juli wurde ein Sessionsprotokoll des Guberniums mit der Bemerkung geschlossen, „vielleicht konnte auch bald an den Triester Defensionsanstalten, fiirnehmlich bei dem nicht gleichgiltigen Unterhalte der Marine Vieles in Ersparung gebracht werden“. Das tatsachliche Eintreffen der englischen Eskadre Lord Hoods im Mittelmeere bewog dann auch den Staatsminister Grafen Kolowrat, den Ansichten des Guberniums beizupflichten; eine Vermehrung der aus einer Brigantine („Le Ferme"), zwei Schebecken, zwei Feluken und sieben Kanonenschaluppen mit 371 Mann bestehenden k. k. Flotte unterblieb daher, die osterreichischen Kauffahrer wurden aber weder von der englischen, noch von der spanischen Eskadre vor den Angriffen der franzosischen Kaper bewahrt. Das k. k. Armeekommando riistete allerdings temporar eine Anzahl osterreichischer Korsaren an der Riviera von Genua aus, die bis zum Riickzuge der Armee eine immerhin geniigende Verproviantierung der Truppen auf dem Seeweg ermoglichten. Die Erfolge der franzosischen Truppen im Jahr 1794 bedrangten die Koalition und zwangen Spanien zum Friedensschlusse; der Hofkriegsrat lenkte daher von neuem die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit maritimer Streitkrafte, die „vor- laufig in vier Fregattinen, dreigig Kanonenbooten und sechs Feluken" bestehen sollten. Graf Brigido, der unermtidliche Gegner einer standig erhaltenen Flotte, die er als absolut nutzlos hinstellte, der aber selbst bei dem Anschein einer Bedrohung Triests sofort auch zur See Schutz haben wollte, wurde durch das dankenswerte, neuerliche Eintreten des Hofkriegsrates fiir die Flotte so in Harnisch gebracht, dag er mit Ubergehung der ressortmagigen Stellen ein detailliertes Promemoria direkt an die Person des Kaisers richtete. Dieses Schriftstiick fiihrte aus: der Schutz der einheimischen Kauffahrer sei durch die Traktate mit der Pforte sichergestellt, die osterreichischen Kauffahrer konnten sich gegen Korsaren selbst verteidigen, das Litorale besitze weder das Personal, noch die Materialien fiir die Errichtung und Erhaltung der beantragten Flotte usf. — Lauter Argumente, die einer rein subjektiven Auffassung entstammten. Das Gubernium hatte aber leider wieder vollen Erfolg, die Reduktion der Marine ward genehmigt. Die Frage, wieso das Gubernium mit seinem Kampfe gegen eine standige und fiir eine bei Bedarf von Fali zu Fali aufzustellende Flotte stets durchdringen konnte, kann allerdings teilweise beantwortet werden; man hatte mit dem auf Fliissen und Binnenseen eingefiihrten Systeme temporarer Armements groge Erfolge gehabt und es entstanden besonders wahrend der Tiirkenkriege stattliche Donau-Flottillen in kiirzester Zeit, - dag dieses System auf dem Meere nicht ausfiihrbar war, lehrte erst langjahrige, geschichtliche Erfahrung. Der finanzielle Standpunkt, den seiner- zeit die Intendanza und spater das Gubernium vertraten, war nicht so ausschlag- gebend, als es den Anschein hat: die Kriegsbediirfnisse der Armee verschlangen in den Jahren 1787 bis 1797 etwa 800 Millionen Gulden, die der Marine in der gleichen Epoche kaum eine halbe Million; die bescheidenen Marineforderungen des Hofkriegs¬ rates hatten sonach neben dem Heeresbudget keine allzugroge Rolle gespielt. Mit dem Beginne der Franzosenkriege war der Bestand einer starken osterreichischen Flotte von dem auch schon vorher notwendigen Schutze der Seeschiffahrt zum hochsten Staatsinteresse emporgestiegen, es ist aber dies, wie auch der Einflug, den eine solche Flotte besonders in den Jahren 1799 und 1800 an der Riviera von Genua ausiiben konnte, leider zu spat erkannt worden. Die Erfolge Bonapartes in Oberitalien im Jahr 1796 und das Erscheinen franzosischer Korsaren in der Adria und in der Nahe von Triest erschiitterten im Litorale das Gefiihl der Sicherheit und des Vertrauens, das man in die Unterstiitzung 12 7 |o oo O C o oT durch die englische Flotte setzte; Graf Brigido wollte im ersten Schrecken sogar einen Kauffahrer armieren lassen, „um die einheimische Merkantil-Schiffahrt schiitzen" zu konnen. Der Versuch, Venedig, das sich den Schutz der Schiffahrt in der Adria anmagte, zu einem Vorgehen wider die Korsaren anzuspornen, blieb selbstverstandlich und trotz einer Zusage des Senates wirkungslos, und es konnte der Triester Platz- kommandant auf das dringliche Verlangen des Gouverneurs, ffir die Verteidigung der Stadt vorzusorgen, nur erwidern, dag „alle Defensionsanstalten zu Wasser und zu Land“ auf eben des Gouverneurs unausgesetztes Drangen „eingegangen“ seien und »die Sicherheit des ararischen Gutes nur allein der Augenmerk des wenigen in Triest befindlichen Militars sein k5nne“. Die Triester Kaufherren sahen sich dank ihren separatistischen Tendenzen, die im Grafen Brigido einen ebenso energischen als erfolgreichen Vertreter gefunden hatten, nunmehr gezwungen, Handel und Zahlungen einzustellen und Waren im Werte vieler Millionen unter grogem Risiko in neutralen Hafen - Ragusa, Korfu und Zante - zu bergen. Als Ende Juni 1796 ein franzosisches Korps in Ancona einriickte - die Franzosen hatten schon Anfang Juni den Weg gegen Verona genommen, - wurde die territoriale Verteidigung des Kustenlandes durch den Kommandierenden in Inner- Osterreich, FZM. Graf Colloredo, eiligst organisiert; die Reste der k. k. Flotte wurden gesammelt und ausgeriistet, so dag deren Kommandant, Marinemajor Simpson, iiber 2 Feluken und 16 Kanonenschaluppen verfugte, die aber alle nur mit stark reduzierten Bemannungen versehen waren. Simpson gab freimutig ein offizielles Gutachten ab dag „der eine Teil der vorhandenen Kriegsfahrzeuge bei stiirmischer Witterung und zur Winterszeit absolut nicht verwendbar“ sei und „der andere aber es nur dann“ gestatte, „sich in die See zu wagen, wenn sehr giinstige Witterung und Windstille“ herrsche; diese Schiffe seien selbst fiir die Hafenverteidigung nicht geeignet. Unter solchen Umstanden blieb den erblandischen Kauffahrern tatsachlich nichts anderes iibrig, als sich selbst zu helfen. Graf Brigido scheint aber zu diesem Zeitpunkte, wahrscheinlich auf das Gutachten Simpsons hin, doch gefurchtet zu haben, dag er nach einer Katastrophe fiir den Zustand der Marine zur Verantwortung gezogen werden konnte - hiegegen war die giinzliche Auflassung der Flotte das einzige Deckungsmittel, und Graf Brigido strebte daher tatsachlich an, „gedachte Fahrzeuge ganz zu entfernen“. Die neuerlich versuchte Ausgabe von Kaperbriefen scheint auch diesmal erfolglos geblieben zu sein. Das Kriegsgliick war im Jahr 1796 in Oberitalien den franzosischen Fahnen treu geblieben, und es unterlag schon im Janner 1797 keinem Zweifel mehr, dag Bonaparte in der venezianischen Ebene vordringen werde; die Invasion des Triester Gebietes stand bevor, der Gouverneur traf daher alle Anstalten, die Kassen und Archive nach Steiermark transportieren zu konnen. Ein Flottenprojekt, das der Hofkriegsrat noch rasch ausarbeiten lieg, gelangte nicht mehr zur Beschlugfassung; die englischen Kriegsschiffe hatten Triest gerade zu der Zeit verlassen, in der sie am ndtigsten waren: drei franzosische Kriegsschiffe ankerten vor Rovigno und bedrohten den Seeweg zwischen dem osterreichischen und dem ungarischen Litorale, ein franzosischer Kaper setzte sich in den venezianischen Gewassern fest. Am 4. Marž 1797 gelang es dem unbedeutenden Torso, der Triester Marine hieg, zu zeigen, dag der vom Grafen Brigido bekampfte Schutz durch Kriegsschiffe denn doch besser sei, als der, den sich die Kauffahrer selbst leisten konnten: die Schebecken „Colloredo“ und „Henricy“, dann die Kanonenschaluppen „Aquila“ und „Ercole“ jagten einem franzbsischen Korsaren zwei reichbeladene Prisen ab und verfolgten ihn 30 Seemeilen weit. Triest war mangels einer Flotte, ausreichender Befestigungen und Besatzung nicht zu verteidigen; der Vormarsch der Franzosen zwang daher die k. k. Truppen die Stadt schleunigst zu verlassen. Die Kanonen und die Munition der Landbefestigungen wurden vom 20. bis zum 22. Marž mit schwerer Arbeit bei Tag und Nacht auf Handelsschiffe verladen; 30 andere Kauffahrer lagen ohnehin schon mit Kriegsmaterial und Lebensmitteln zur Abfahrt bereit. Der Transport zur See war eben die einzige Moglichkeit, das wertvolle Material zu retten; die Schebecke „Colloredo“ hatte aller- dings noch am 19. Marž bei einer Kreuzung die Anwesenheit franzosischer Kriegs¬ schiffe an der westistrischen Kiiste konstatiert. Der franzosische Kommissar Campagne traf als Vorlaufer seiner Truppen am 22. Marž ein; er beeilte sich, noch am Tage seiner Ankunft eine Kontribution von 1'2 Millionen Gulden auszuschreiben, die dann auf rund 1 Million ermagigt wurde. Am Morgen des 23. Marž gingen die 40 Kauffahrer mit dem gesamten Material in See; sie wurden von der k. k. Eskadre konvoyiert. Die erste Division der Eskadre, unter dem Befehle des Marinemajors Simpson, bestand aus zwei Schebecken und sechs Kanonenschaluppen, die zweite, unter Marineoberleutnant Berchtold, aus sechs Kanonenschaluppen; die erste Division bildete die Tete der Marschordnung, die zweite die Queue und die Kauffahrer segelten im Zentrum der Formation. Gegenwind und Nebel traten hindernd auf und trennten den Konvoi, der sich erst am 26. Marž vor dem Hafen Quieto bei Cittanuova an der westistrischen Kiiste wieder ver- einigen konnte; gleichzeitig kam eine franzosische Flottille in Sicht, die mit vollen Segeln gegen den Konvoi steuerte. Die Flottille, unter dem Kommando des Fregatten- kapitans Sibille, bestand aus der Korvette „La Brune 11 mit 22 Kanonen, den Luggern „Le Bonaparte“ und „Le Liberateur d’Italie“ mit je 8 Kanonen, der Schebecke „La Corse“ mit 10 Kanonen und zwei mit Munition beladenen Fahrzeugen. Der schwer- fallige Konvoi und der Umstand, dag die Bemannungen der Kanonenschaluppen gegen Kartatschfeuer vollkommen ungedeckt waren, bewogen den Marinekommandanten, den Kampf auf hoher See zu vermeiden und mit allen Schiffen den neutralen venezianischen Hafen Quieto anzulaufen, in dem eben das venezianische Linienschiff „L’Eolo“ vor Anker lag. Simpson, fiir den Fali eines Neutralitatsbruches durch die Franzosen vor- sorgend, lieg die Handelsschiffe im innern Hafen ankern, die Kriegsschiffe wurden an der Einfahrt in einer Frontlinie vertaut, und zwar die Schebecken mit der Breit- seite, die Kanonenschaluppen mit dem Buge gegen die See, was die beste Aus- niitzung der Bestiickung der beiden Schiffsgattungen zulieg. Die franzosischen Schiffe, auf Schugweite angelangt, eroffneten das Feuer gegen die k. k. Eskadre, die den Kampf aufnahm;* das venezianische Linienschiff, bereit, das Volkerrecht zu wahren, hatte sich gefechtsklar gemacht und ein Spring ausgebracht, nach dem Beginne des Kampf es wendete es den Franzosen die Breitseite zu. Sibille, dessen Schiffe „La Brune" und „Le Liberateur dTtalie" durch das Feuer der osterreichischen Eskadre nicht unbedeutende Schaden erlitten haben sollen, mugte nun das Eingreifen des „L’Eolo“ in den Kampf gewartigen, gab daher den Angriff auf und wandte sich nach Ancona. Der Konvoi gelangte sodann unbehelligt nach Porto Re, von wo die Handels¬ schiffe ihren Weg nach Zengg und Carlopago allein fortsetzten. Bonaparte, entweder durch Sibille iiber das Gefecht von Quieto ungenau unterrichtet oder mit Vorbedacht handelnd, verlangte spaterhin vom Dogen „binnen zwolf Stunden" u. a. auch die „Bestrafung des venezianischen Kapitans, welcher bei Porto Quieto auf die franzosischen Schiffe feuern lieg, sowie die Zahlung des vollen Wertes des hiedurch gegen die Gesetze der Neutralitat (!) geschiitzten osterreichischen Konvois". Macht geht vor Recht und der eingeschiichterte Senat der Dogenstadt gehorchte! Die Kanonenschaluppen, von Porto Re nach Fiume berufen, das die Franzosen bedrohten, deckten am 10. April 1797, als Oberst Casimir die republikanischen Truppen schlug, den linken Fliigel der osterreichischen Stellung. Marineoberleutnant Berchtold nahm bald darauf mit mehreren Kanonenschaluppen Schiffe weg, die von den Franzosen • Siehe Tafel 1: Gefecht beim Hafen Quieto. 13 jo O O OOOOl fl requirierte Giiter aus Triest abtransportierten, und brachte sie nach Pirano; diese Schiffe mugten aber alsbald — wohl infolge des am 7. April abgeschlossenen Waffen- stillstandes von Judenburg - restituiert werden. Der Praliminarfriede von Leoben unterbrach die trotz der inferioren Krafte erfolgreiche Tatigkeit der k. k. Flottille; Osterreich trat Belgien und die italienischen Lander bis zum Oglio ab, solite aber einem geheimen Artikel zufolge Venetien vom Oglio bis zum Po und an die Adria sowie das venezianische Istrien und Dalmatien erhalten. Als sich der definitive Friedensschlug verzogerte, wurde auf Antrag des Hofkriegsrates das wiederbesetzte Triest zu einem befestigten Stiitzpunkte gestaltet; die k. k. Flottille, durch die Feluken „Lepre“ und „Fenice“, sechs istrische Brazzeren fiir den Avisodienst, zwolf Brazzeren als Brander und eine Urca (des Zengger Militarkommandos) verstarkt, bildete mit sieben schwimmenden Batterien die maritime Verteidigung Triests. Ehe noch Venedig an Osterreich iibergeben wurde, erfolgte die Besetzung Istriens und Dalmatiens durch die k. k. Truppen; die Seehafen des venezianischen Istriens und die Inseln des Quarnero-Golfes wurden zwischen dem 11. und 17. Juni 1797 besetzt, am 24. Juni marschierte Oberst Casimir — gewissermagen als Vorhut — iiber Zengg und Knin nach Žara ab. Die eigentliche Okkupation Dalmatiens voll- fiihrte Generalmajor Freiherr von Rukawina; acht Infanteriebataillone, 2 1 U Eskadronen leichter Kavallerie und sechs Geschiitze wurden mit der (von der Triester Assekuranz- kammer gemieteten, mit 18 Kanonen bestiickten) Korvette „L’Austria“, zwei Schebecken, acht Kanonenschaluppen und mehreren kleinen, fiir den Patrouillen- und Meldedienst bestimmten Fahrzeugen von Triest und von Zengg abtransportiert. Der Konvoi ver- einigte sich im Hafen S. Pietro di Nembi und erreichte am 5. Juli Žara; drei Bataillone und eine Eskadron marschierten nach Spalato, der Štab und die Geschiitze wurden wegen schlechter Wege mit einem Teile der Flottille zur See abgesandt. Diese Schiffs- abteilung traf bei Morter zwei venezianische Halbgaleeren, die auf „ubbedienza“ gerufen und dem Verband einverleibt wurden. Es folgte dann die Besetzung von Trau, Spalato, S. Pietro di Brazza, Almissa, Curzola und Lesina, im August jene des Golfes von Cattaro. Mit dem neuen Territorialbesitz wurden an ex-venezianischen Schiffen iiber- nommen: 8 Schebecken, 13 Galeoten, 9 Feluken und 1 Galeere; da bei der Besetzung des Golfes von Cattaro „17 armierte und 8 Transportschiffe“ in Verwendung traten, ist wohl mit Recht anzunehmen, dag auch einige ex-venezianische Schiffe bei der k. k. Flottille eingeteilt waren. Osterreich stand im Begriffe, das Erbe einer Macht anzutreten, die durch Meeresbeherrschung und Seehandel zur hochsten Bliite gelangt war, und deren Ver- fall begonnen hatte, als sie sich auf das ostliche Mittelmeer und die Adria be- schrankte, wahrend andere Nationen aus den Landerentdeckungen Reichtum und Groge schbpften. Dag dieses Erbe nicht in der richtigen Weise angetreten wurde, ist bei der durchaus „kontinentalen“ Erziehung der damaligen leitenden Staatsmanner und mit Riicksicht auf die finanzielle Zerriittung der Erblande keineswegs wunderlich, aber zu bedauern. GM. Rukawina war der erste, der — schon im Juli — angesichts der neuen Verhaltnisse in einem Vortrag an das Armeekommando die Organisierung und Ver- mehrung der Kriegsflotte befiirwortete; die Notvvendigkeit, in diesem Sinn etwas zu tun, vor allem aber die Flotte aus dem Ressort des Triester Guberniums aus- zuscheiden, wurde auch von anderen Faktoren anerkannt, das richtige Verstandnis fiir die Flotte vermochte aber doch nicht durchzudringen. Die Anregung einiger Mitglieder des am 26. August in Wien zusammengetretenen Staatsrates, den Grafen Brigido zur Verantvvortung zu ziehen, blieb ohne Erfolg. Der Marinekommandant Major Simpson trat im Oktober 1797 krankheits- halber von seinem Posten zuriick, sein Nachfolger wurde der Oberstleutnant des Generalstabskorps James Freiherr von Williams, der sich bei der Donau-Flottille im letzten Tiirkenkrieg und bei der Rhein-Flottille im Franzosenkriege sehr bewahrt hatte; Williams trat sein neues Amt mit sehr richtigen Ansichten an, die aber nur zum geringen Teile durchdringen konnten. 14 )o OflOOOOl J I' (\ _ \ » ' §0ra0“0“01=ŠC>a0^0Si50^0o0^=0S0 S O oO 0» O^C O CT ” «=% O c >0^0 OSš O Jee? o^o^o^o^o^o^o^C DIE ERSTE OSTERREICHISCH-VENEZIANISCHE MARINE. 1798 -n. ENEDIGS stattliche Flotte — 22 Linienschiffe, 15 Fregatten, 23 Galeeren, , 3 Briggs, 1 Goelette und 120 kleinere Fahrzeuge mit zusammen rund ^ 3000 Kanonen — und die reichen Kriegsvorrate der Arsenale in Venedig und Korfu regten Bonaparte, der sich friihzeitig mit dem Plane der Eroberung Agyptens trug, zur Besitznahme Venedigs an. Als dann Venedig zu den Fiigen des genialen Korsen lag, sandte er den Admiral Brueys mit zehn franzosischen Linienschiffen und den in Venedig ausgeriistet vorgefundenen Schiffen nach Korfu, wo 8 Linienschiffe, 6 Fregatten und 16 kleinere Schiffe, die dortige venezianische Eskadre, fur Frankreich in Besitz genommen wurden; Osterreich okkupierte zur gleichen Zeit Istrien, Dalmatien und den Golf von Cattaro, so dag die einst so stolze und machtige Republik Venedig noch vor dem Abschlusse des Friedens von Čampo Formio (11. Oktober 1797) zu bestehen aufgehort hatte. Vor der Abtretung der Lagunenstadt an Osterreich beeilten sich die Franzosen, Beute im Werte von 40 Millionen Dukaten vvegzuschleppen und die noch vorhandenen Objekte der ex-venezianischen Flotte griindlich zu zerstoren; zahlreiche Schiffe wurden von den Stapeln gestiirzt und beschadigt, ver- schiedene andere und alle kleinen Lagunenfahrzeuge versenkt, selbst die reich vergoldete Ornamentierung des historischen Dogenschiffes „Bucintoro“ wurde abgenommen und verbrannt. Entgegen den Stipulationen des Friedensvertrages konnten die k. k. Truppen erst am 18. Janner 1798 Venedig besetzen; am selben Tage traf auch eine k. k. Eskadre, bestehend aus der Korvette „L’Austria“, der Schebecke „Henricy“, den Kanonenschaluppen „Centauro“, „India“, „Dragone“, „Ceffea“, „Corvo“, „Colombo“, den Feluken „Lepre“ und „Fenice“ mit 68 Kanonen und 326 Mann in Venedig ein. Die Schebecke „Colloredo“ und fiinf Kanonenschaluppen verblieben beim Kiisten- dienst in Dalmatien. Die Aufnahme der von den Franzosen zuriickgelassenen Trummer der ex- venezianischen Flotte ergab: 10 Linienschiffe, 5 Fregatten, 1 Schebecke, 7 Galeotten, 1 Galeere, 1 Baggerschiff, 8 Kanonenschaluppen, 6 kleine Feluken und 2 Goeletten, die auf den Stapeln umgesturzt und vielfach beschadigt waren; 1 Fregatte, 2 Kutter, 1 schwimmende Batterie, 1 Bombarde, 1 Goelette, 79 kleinere Schiffe und viele kleine Fahrzeuge, die versenkt waren - intakt wurden nur 6 Galeeren und einige Feluken gefunden. Der von den Franzosen veriibte Vandalismus war um so bedauer- 1805. licher, als der Bau zweier Linienschiffe und der Fregatten fast bis zur Stapellassung, jener der iibrigen Schiffe durchschnittlich bis zur Halfte gediehen war. Von den ver- senkten Schiffen konnten spaterhin die Fregatte („Bellona“), die beiden Kutter (als Briggs „Oreste“ und „Pilade“), die Bombarde (als Brigg „Orione“), die Goelette („Agile“) und die 11 Kanonenschaluppen fur den Seedienst, dann 32 Flachpontons und 18 Obusieren fur die Lagunenverteidigung verwendet werden. Williams, der den Wert Venedigs fur Osterreich erkannt hatte, beeilte sich, die kleine Eskadre der Triester Marine, die mit ihm nach Venedig gekommen war, zu verstarken und er begann schon am Tage nach dem Einlaufen mit dem Heben versenkter Schiffe, von denen er im Laufe der beiden nachsten Monate die Goelette „Agile“ und die Kanonenschaluppen in Dienst stellte; 6 Kanonenschaluppen und 5 Brazzere wurden iiberdies aus Triest herangezogen. Die Korvette „L’Austria“ wurde der Triester Assekuranzkammer zeitweilig zuriickgestellt, dann angekauft und bis 1801, dem Ende ihrer Diensttauglichkeit, als Hafenwachschiff in Venedig ver- wendet. Der Militarkommandant in Venedig, FZM. Graf Wallis, trat erst Ende Janner an die Losung der Marinefrage heran und er erwahnte in einem Hofbericht: „Ich zweifle nicht, dag man zur Einleitung der Arrangements wegen Formierung einer Marine an die Spitze des Marine-Departements baldigst eine Person stellen werde, welche griindliche Kenntnisse dieses Faches hat, um so mehr, als in unserer Armee nur etliche Subalternoffiziere auf Schebecken und Schaluppen angestellt sind, welche fur die Leitung der notwendigen Details bei der Schaffung einer neuen Marine nicht hinreichend sind.“ Diese unrichtige Ansicht ist vielleicht damit zu erklaren, dag Graf Wallis im Geist eine Flotte entstehen sah, die das Erbe der venezianischen Seemacht antreten und daher ihres stattlichen Umfanges wegen von einem hoch- gestellten Offizier befehligt werden solite; sonst war sie nicht zutreffend, denn so- wohl Williams wie der ehemalige franzosische Seeoffizier, seit 1797 k. k. Marinemajor, Chevalier de 1’Espine besagen sowohl die Kenntnisse als die personlichen Eigen- schaften fiir die Dienstesstellung eines Marinekommandanten. Kaiser Franz ernannte am 5. Februar 1798 den gewesenen venezianischen Statthalter von Dalmatien, Andrea Querini, der einst Seeoffizier war und fiir seine verdienstvolle Haltung bei der Okkupation Dalmatiens den Titel eines wirklichen Geheimen Rates erhalten hatte, zum „Arsenalsprasidenten“; etwas liber einen Monat spater wurde auch die Triester Marine dem Querini unterstellt. Es dauerte allerdings 15 noch einige Zeit, bis die Verschmelzung beider Marineteile erfolgt war — Querini aber schied bis an das Ende seiner Amtstatigkeit in seinen Berichten stets beide Marinen streng voneinander. FZM. Wallis scheint dem neuen Marinekommandanten kein volles Vertrauen entgegengebracht und damit das Richtige getroffen zu haben; tatsachlich vermochte Querini, dessen Berichte und Augerungen wiederholt in der Ablehnung jeder Verantwortung gipfeln, seine Stelle, zu der ihn das Vertrauen des Kaisers berufen hatte, nicht so auszufiillen, wie dies uberhaupt, geschweige denn in kritischer Zeit, notwendig gewesen ware. Der Friede von Čampo Formio war nur eine Art Waffenstillstand, keineswegs aber ein dauernder Ausgleich mit der franzosischen Republik; die daher alsbald wieder drohende Kriegsgefahr veranlagte das Armeekommando im Jahr 1798 zu Verteidigungsmagnahmen fiir Venedig, doch vermochte weder die Tatigkeit einer Kommission, die den Bestand an verwendbaren ex-venezianischen Schiffen feststellte, noch ein wohldurchdachter Flottenplan Williams’, der von der Beherrschung der Adria ausging, und ebensowenig ein geistvolles „Essai sur la Marine 1 ' de 1’Espines die wiinschenswerte Ausgestaltung der Marine herbeizufiihren. Williams wurde iibrigens noch im Jahr 1798 zum Armeekorps am Lech iibersetzt, das bei seinem Einriicken in die Schweiz von einer Bodensee-Flottille unterstiitzt werden solite, fiir deren Organisierung und Leitung er vorziiglich verwendbar war. Vom Standpunkte der Marine war das Scheiden Williams’ bedauerlich, denn Querini fiihlte sich meist nur als der „Arsenalsprasident“, wahrend Williams, solange er bei der Marine diente, deren militarischer und geistiger Fiihrer war. FranzOsische Korsaren griffen schon zu Ende 1798 osterreichische Handels- schiffe auf; eine aus 14 Galeotten und Schebecken bestehende, vom Kapitan Bellafusa befehligte k. k. Flottille unternahm zwar im Winter Kreuzungen in der Adria gegen die Korsaren, es waren aber diese Fahrzeuge fiir das Winterwetter nicht geniigend seetiichtig, daher viel im Hafen und ihre Kreuzungen blieben ohne Erfolg. An den gewaltigen Kampfen der zweiten Koalition nahm im Jahr 1799 die k. k. Flotte einen nur bescheidenen Anteil; die grogen Eskadren Englands, Rug- lands und der Tiirkei traten in den Vordergrund, ohne jedoch den alliierten oster- reichischen Truppen besonderen Nutzen zu bringen. Der Mangel einer kraftigen vaterliindischen Seemacht wurde sowohl an der genuesischen Riviera als auch in der Adria bitter empfunden. Bei den Kampfen in der Romagna brauchte GM. Graf Klenau angesichts der franzosischen Po-Flottille dringend die Unterstiitzung durch Kriegsschiffe, Querini behauptete aber, iiber keine Fahrzeuge zu verfiigen, die er in das Po-Delta senden konne; erst als der Generalquartiermeister der Armee an Minister Thugut berichtete, Querini bringe der so notwendigen Ubereinstimmung zwischen den Land- und den Seestreitkraften „viel Gleichgiiltigkeit, um nicht zu sagen schlechten Willen“ ent- gegen, lief am 9. April 1799 eine Flottille unter Major Potts von Chioggia aus. Diese Flottille bestand aus 5 Kanonenschaluppen, 1 Schebecke und 1 Feluke; es gelang ihr im Vereine mit den Truppen Klenaus und der gutgesinnten Landbevolkerung alsbald eine Reihe gliicklicher, kleiner Unternehmungen, die die franzosische Po- Flottille vernichteten. Potts zog Ende April Verstarkungen heran, vertrieb die Besatzung von Cervia, nahm einige feindliche Schiffe und auch Giiter im Po di Primaro weg, entsandte zwei Kanonenschaluppen und drei kleinere Schiffe den Mincio flugaufwarts zur Zernierung von Mantua, unterstiitzte die Einnahme von Ravenna und eroberte Rimini und Fano. Die Abdetachierung so vieler Mannschaften schwachte aber die Kampffahigkeit der Flottille, so dag bei einem Angriffe des Generals Monnier, der von neun mit Kanonen armierten Booten unterstiitzt wurde, Potts sich zuriickziehen mugte und die Marinebesatzung von Fano nach tapferer Gegemvehr in franzosische Gefangen- schaft geriet; sie wurde erst Ende Juli befreit, als sich Fano unter ehrenvollen Bedingungen an die angreifende russisch-tiirkische Eskadre und k. k. Flottille ergab. Eine dauernde Ausschiffung von Marine-Landungstruppen in grogerer Starke ist eben nur dann ratlich, wenn ein Angriff auf die Schiffe durch feindliche Seestreitkrafte unbedingt ausgeschlossen ist. Zum Schutze des osterreichischen Handels und der osterreichischen Kiiste reichten die nunmehr unter dem Kommando Pasqualigos stehenden beiden Schebecken und elf Kanonenschaluppen, die von Venedig liber Triest und Fiume bis Ragusa und zwischen allen dalmatinischen Inseln zu kreuzen hatten, sowie die drei Schebecken und drei Kanonenschaluppen, die im Golfe von Cattaro stationiert waren, nicht aus, da sich die Zahl franzosischer Korsaren betrachtlich mehrte. GM. Freiherr von Brady, Militarkommandant in Cattaro, fiihrte iiber diese Verhaltnisse wiederholt Klage und es entschlog sich daher der Minister Thugut, die in Venedig vorbereitete Aus- riistung weiterer Seestreitkrafte zu verfiigen. Querini, anstatt die gehobenen grogeren Schiffe (die Fregatte „Bellona“ und die beiden zu Briggs umgestalteten Kutter) auf Kreuzung zu senden, riistete (im August 1799) eine hochst inferiore Eskadrille aus. Es waren dies die Schebecke „Lampo“, die Galeotten „Dalmatina“, „Azzardo“, „Vale- rosa Risoluzione", „Buon Destino", „Stella“, „Speranza“ und die „Brazzera Corriera“, die im Vereine mit den bereits in Dalmatien kreuzenden Schiffen (Galeotten „Pirogue“, „Colomba“, „Caeciatrice“, „Diana“, Schebecke „Emilio“, Schebeckine „Tigre“, Feluken „Vigilanza“, „Rondinella“ und „Costanza“), zur „Scuadriglia Dalmata in Corso“ ver- einigt, vom neuerrichteten Dalmatiner Marine-Infanterieregimente bemannt wurden. Kommandant der Eskadrille wurde der Regimentskommandant Oberst Vincenzo conte Michieli de Vitturi, dem vier im Golfe von Cattaro gecharterte Fahrzeuge und die an der Romagna-Kiiste operierende Flottille Potts gleichfalls unterstellt waren. Die Flottille Pasqualigos und vier in Cattaro zur Verfiigung des GM. Brady stehende Fahrzeuge blieben augerhalb des Verbandes. Die schwerfalligen Rudergaleotten konnten aber nur bei schdnem Wetter in See gehen, die Marine-Infanteristen als Kommandanten und Bemannung verstanden trotz besten Willens nichts vom Seemannshandwerk und so kam es, dag die Korsaren, die in Ancona einen vortrefflichen Stiitzpunkt hatten, die Scuadriglia keineswegs fiirchteten und den osterreichischen Seehandel empfindlich schadigten, ohne dag auch nur einer von ihnen genommen worden ware. Anfang August 1799 waren die Franzosen auf Ancona als letzten Zufluchts- ort angewiesen, das nun durch k. k. Truppen, Insurgenten und die osterreichisch- russisch-tiirkischen Schiffe belagert und blockiert wurde. Hiezu wurden auch etwa 500 Mann k. k. Truppen auf Handelsschiffen nach Ancona gebracht - die Eskadrille Michielis war auf Kreuzung, andere Schiffe hatte Querini nicht verfiigbar gemacht; die Truppentransporte blieben daher ohne Schutz, was unter Umstanden sehr schlecht ausgehen konnte. Die anfangs lassig betriebene Blockade ivurde - wenigstens oster- reichischerseits — energischer gehandhabt, als im Oktober Marinemajor de 1’Espine den friiheren Flottillenkommandanten Potts abloste und zwei Schebecken als Ver- starkung erhielt. Obschon der Kommandant der russisch-tiirkischen Eskadre, Voinovich, der ein eigenartiges Verhalten gegen die verbiindeten Osterreicher an den Tag legte, die seeseitige Blockade Ende Oktober auf einige Tage ganz aufhob und die k. k. Flottille ivahrend eines heftigen Sturmes am 7. November eine Kanonenschaluppe und eine Feluke verlor, sowie zahlreiche Havarien erlitt, kapitulierte Ancona doch am 13. November den k. k. Streitkraften. Durch die Kapitulation kamen in osterreichischen Besitz: die Linienschiffe „Laharpe“, „Stengel“ und „Beyrand“, eine Brigg (als „Polluce“ der k. k. Flotte eingereiht), die Goelette „Cibelle“ (ebenfalls eingereiht), zwei Trabakel, eine Schaluppe, ein Pinco und vier Korsaren; es wurden iiberdies 13 Osterreichische 16 o o o o o o o ( und vier neapolitanische Handelsschiffe vorgefunden, die teils im Frieden, teils nach Kriegsbeginn von den franzosischen Korsaren genommen worden waren. Diese 13 osterreichischen Kauffahrer liefern wohl den besten Beweis fiir die Un- zulanglichkeit der Vorkehrungen, die Querini fiir den Schutz des Handels zur See getroffen hatte! De 1’Espine lieg sofort alle Kriegsschiffe und die Korsaren in Besitz nehmen; Voinovich, der gegen die einseitige Kapitulation protestierte, vvollte auch die russischen und die tiirkischen Flaggen auf den besetzten Objekten und Schiffen hissen lassen und nur das geschickte Vorgehen de 1’Espines und die Festigkeit des osterreichischen Kommandierenden, FML. Frohlich, verhinderten einen schweren Kon¬ flikt. Frohlich wurde auf Grund der Beschwerde des russischen Hofes spaterhin allerdings desavouiert. Wahrend dieser Zeit litt das Armeekommando an der genuesischen Riviera, dessen linker Fliigel am Ligurischen Meere stand, sehr unter dem Mangel an k. k. Kriegsschiffen, welche die Flanke decken, den Proviantnachschub sichern und Truppentransporte begleiten sollten; die Unterstiitzung der alliierten Flotten blieb ganz aus oder sie war nur unzureichend. Oberst d’Aspre riistete daher einige Korsaren unter osterreichischer Flagge aus, zu der noch eine mit Beihilfe Klenaus aufgestellte „Kiistenwache“ von 24 kleinen Fahrzeugen trat. Diese Korsaren erwiesen sich bald als sehr unbotmagig, nur auf Raub und Pliinderung bedacht und fiir die Zwecke des Armeekommandos nicht verwendbar, — dem Verlangen nach Beistellung von Kriegsschiffen gab aber Querini keine Folge, obgleich iiber achtzig korsikanische Korsaren die Gewasser von Genua unsicher machten und der nicht entsprechenden Kiistenwache die Passe entzogen werden mugten. Als die Lage Klenaus driickender wurde und die Unterbindung der Seetransporte durch die Korsaren Proviantmangel herbeifiihrte, erwog Klenau schon im Oktober den Plan, mit besoldeten Schiffen den Anfang zu einer die Konvois deckenden Flottille zu machen, die er zu ihrer Schuldigkeit anhalten und verwenden konne; die Griindung der Flottille wurde auch bald darauf beschlossen. Mittlerweile verlangte das Armeekommando die sofortige Absendung der vor Ancona liegenden Kriegsschiffe, unter denen sich die drei friiher genannten stattlichen Linienschiffe befanden; Querini antwortete, dag die kleinen Schiffe fiir die genuesische Riviera nicht geeignet seien und die grogen nicht ohne kaiserlichen Befehl ausgeriistet werden konnten - die Schebecken waren aber durchaus seetiichtig und die Ausrustung der grogeren Schiffe (wenn von den Linien- schiffen abgesehen wird: der Fregatte „Bellona“, der Briggs und Goeletten) hatte schon vor Monaten in Antrag gebracht werden sollen. Querini war aber kein Mann der Tat. Die Griindung der Flottille an der Riviera fand endlich mit Jahresschlug statt, sie zahlte Anfang Janner 1800 die Schebecke „Melas“, die Tartanen „Querini“, „Ott“, „Chasteler“ und die Paranza „Klenau“ mit 35 Kanonen und 208 Mann; de 1’Espine wurde vor Ancona durch den Marinemajor Coninck abgelost und zum Kommandanten der Riviera-Flottille bestimmt. Er trachtete diese durch grogere Schiffe aus dem Stande Venedigs zu vermehren, was aber am Widerstande Querinis scheiterte; ebenso fanden die berechtigtesten Anspruche de 1’Espines, dem Offiziere, Mannschaft, Pulver und Material mangelten, beim Arsenalsprasidenten bestiindige Abweisung. Wunder liegen sich mit den fiinf kleinen Fahrzeugen nicht leisten, fiir die Sicherung der Kiiste von Chiavari bis Livorno und der Transporte zur See, dann zur Ver- hinderung des Getreideschmuggels nach dem zernierten Genua reichten sie keines- wegs aus. Dennoch, dank der Tiichtigkeit de 1’Espines, leistete die Flottille ganz erspriegliche Dienste; sie wurde im April 1800 noch durch die „Schram-Korsaren“, eine auf Spekulation gegriindete Korsarenflottille von zwolf Schiffen, wirksam unter- stiitzt, bis Genua gefallen war. Nach dem ungliicklichen Tage von Marengo, dem die Raumung der Riviera und Verteidigungsmagnahmen in Venedig und Ancona folgten, wurde die Riviera- Flottille aufgelost. Die Tartane „Chasteler“, die 13 Handelsschiffe mit Ararialgiitern nach Venedig konvoyieren solite, wurde mit einem dieser Schiffe von drei stark armierten algierischen Korsaren genommen, die iibrigen erreichten ihr Ziel. Die neuerlichen Feindseligkeiten der Barbaresken gegen Osterreich waren auf die Ubernahme Venedigs zuriickzufiihren, durch die der Tribut der Dogenstadt entfiel; die Deys entschadigten sich mit Kaperei, sie nahmen in den Jahren 1798 und 1799 sechs osterreichische Schiffe mit voller Ladung im Werte von mehr als zwei Millionen Gulden weg. In das Jahr 1800 fallen zwei fiir die k. und k. Flotte denkwiirdige Ereignisse. Das in Venedig unter osterreichischem Schutze tagende Konklave wahlte am 4. Marž Pius VII. zum Oberhaupte der katholischen Kirche, und es war im Mai die politische Lage im Kirchenstaate so weit geklart, dag der neue Papst die Regierung antreten konnte; die Fregatte „Bellona“ wurde daher schleunigst fiir die Uberfiihrung des Papstes nach Ancona bereitgestellt. Das Kommando der Fregatte fiihrte der venezia- nische Edelmann Sylvester Dandolo, den Querini zum Marine-Oberstleutnant ernannte; die „Bellona“ ging am 11. Juni in See. Der Papst sprach vor seiner Ausschiffung dem Štab und der Mannschaft seine volle Befriedigung fiir die vorziiglichen Dienste aus; der Marquis Ghisilieri, der die Mission als augerordentlicher und bevollmachtigter Minister leitete, nahm dies zum Anlasse, den Kommandanten, die Offiziere und Mannschaften um je einen Grad zu befordern. Die Offiziere hatten dem Papst in feierlicher Audienz fiir die Auszeichnung gedankt und auch schon den ihrer neuen Charge zukommenden Dienst angetreten, als Minister Thugut die Beforderungen mit der Begriindung annullierte, „dag Vorriickungen dieser Art dem unmittelbaren Aus- flusse der Gnade Seiner Majestat des Kaisers und Konigs vorbehalten seien“. Das zweite Ereignis, das leider ohne die von der Marine erhofften Folgen blieb, betraf die in Ancona eroberten drei Linienschiffe. Marinemajor Coninck hatte den bei der Einnahme Anconas versunken gewesenen „Beyrand“ gehoben und alle drei Schiffe zugeriistet; er segelte mit ihnen im September 1800 nach Venedig.* Diese prachtigen Schiffe, die ersten und einzigen Segel-Linienschiffe, die unter oster¬ reichischer Flagge die Adria befuhren, waren ein machtvoller Grundstein fiir eine Flotte geworden, die in spateren triiben Tagen vielleicht die Niederlagen zu Lande wettmachen und den Verlust des Kiistenbesitzes abwenden konnte, — es waltete aber von den ersten Flottengriindungsprojekten an bis zum Jahr 1848 ein eigener Unstern iiber den Vorlaufern der heutigen k. und k. Flotte, der erst wich, als ihr der jugend- liche Kaiser Franz Joseph I. den Weg eroffnete, auf dem sie sich zum Wohle des Vaterlandes entwickeln konnte.^J Es war wahrend des Krieges erkannt worden, dag sich unter der Verwaltung Querinis manche Migbrauche eingeschlichen hatten, die beseitigt werden mugten, sobald der Kriegszustand sein Ende gefunden hatte; Kaiser Franz entsandte daher schon im Jahr 1800 den ehemals venezianischen Almirante delle Navi Leonardo Correr zum Studium der Marineeinrichtungen nach England, Danemark und Schweden. Als der Luneviller Friede am 9. Februar 1801 auf der Basis des Traktates von Čampo Formio abgeschlossen v/orden war, wurde die Reorganisation der Kriegs- marine ernster in Angriff genommen, sie erfolgte gleichzeitig mit jener des Heeres unter der Agide des FM. Erzherzog Karl, den der Kaiser am 7. September 1801 zum Kriegs- und Marineminister ernannte. Erzherzog Karl, dem „die Leitung der Marine auch in den osterreichisch-venezianischen Provinzen, dann in Istrien, Dalmatien und Albanien (Golf von Cattaro) iibertragen“ wurde, hatte schon im Mai 1801 seinen Generaladjutanten Oberst Graf Folliot de Crenneville, einen ehemaligen franzosischen 17 * Siehe Tafel 2: Die Linienschiffe „Laharpe“, „Stengel“ und „Beyrand“. joooooool J ? ooooooo Linienschiffsleutnant, zum Studium der k. k. Marine und der osterreichischen Kiisten- lander entsandt. Oberstleutnant de 1’Espine wurde Marinekommandant, Correr Arsenals- kommandant und der Oberstleutnant Gillet Kommandant der Marineartillerie. Es wurde nun sehr Vieles und Erspriegliches geleistet; da aber nur reorgani- siert und nicht neu aufgebaut werden konnte, blieb leider eine ziemlich schwer- fallige Verwaltung aufrecht, wofiir allerdings das Argument maggebend gewesen sein diirfte, die venezianische Migwirtschaft durch Genauigkeit und scharfe Kontrolle aus dem Leben zu schaffen. Es ist auch nur auf diesem Wege zu erklaren, dag z. B. im Februar 1804 der Marinestab 48 Seeoffiziere, 18 Schiffbauingenieure und 70 Verwaltungsbeamte zahlte. Die Schiffsoffiziere der venezianischen Republik besagen keinen Militarrang und sie waren teilweise der Ziviljurisdiktion unterworfen; die Capitani di Nave befehligten groge, die Primi Piloti kleine Schiffe, die Piloti 2. bis 5. Klasse versahen den Dienst als Schiffsoffiziere. In den Jahren 1797 bis 1801 blieben diese Marine- titel beibehalten, obschon einigen Capitani di Nave im Gnadenwege die Charge des Hauptmannes, Majors oder Oberstleutnants verliehen wurde; bei der Organisation des Jahres 1802 fiihrte man die Chargen Linienschiffskapitan, Fregattenkapitan, Linienschiffsleutnant und Fregattenleutnant ein. Die Zweiteilung der Jurisdiktion, das „ Tribunale supremo di Sanita" fiir Verletzungen der Seesanitatsgesetze, der „ Savio alla Scrittura“ fiir alle anderen Straffalle, blieb bis zum Jahr 1803 in Kraft. Die „Ordinanza della Cesarea Regia Marina delli 2. maržo 1802“ regelte vor allem die Leitung und Verwaltung der Marine. Der Marinekommandant versah den Dienst eines mit erweiterter Aufsichtsbefugnis iiber das Arsenal ausgestatteten Hafenadmiralen; der Marinerat, aus den Spitzen der Marinebehorden zusammen- gesetzt, beaufsichtigte die Verwaltung und die Schiffsbauten. Die Kommandanten der Schiffsabteilungen und detachierter Schiffe hatten am Ende der Kampagne ihre Tage- biicher dem Kaiser vorzulegen; wurde die Uberpriifung des Verhaltens eines dieser Seeoffiziere verfiigt, so trat ein augerordentlicher Marinerat zusammen. Auf den Triimmern der von 1774 bis 1797 bestandenen Scuola di Marina errichtete Erzherzog Karl eine Marinekadettenschule, er lieg auch die 1777 gegriindete Scuola di Architettura Navale fiir die Ausbildung des Schiffbaupersonals wieder aufstellen. Die Herausgabe von Kriegsartikeln, Arsenalsstatuten, Strafnormen, Jurisdiktions- normen und anderer Vorschriften folgte; sie fiillte bestandene Liicken aus und es sind einzelne Einfiihrungen jener Organisationsperiode noch heute in den Vor¬ schriften der k. und k. Kriegsmarine zu finden. Die „Ordinanza di Mare della Ces. Reg. Marina", ein auf persbnlichen Vorschriften aufgebautes Seedienst-Reglement erschien im Jahr 1804; es zeichnet sich durch seine humane Fiirsorge fiir die Untergebenen, Beriicksichtigung des praktischen Seedienstes und Vorkehrungen gegen die Wiederholung der unter der Republik bestandenen Migbrauche aus. Diesem ersten Reglement fiir den Dienst zur See, das in vielen Punkten noch lange Jahre Geltung behielt, seien einzelne Details entnommen, die den Kriegs- schiffsdienst vor hundert Jahren illustrieren mogen. Die Schiffsjungen, Knaben im Alter von 10 bis 15 Jahren, waren den See- kadetten und den hoheren Unteroffizieren als Ordonnanzen zugewiesen, sie hatten iiberdies das Fegen des Schiffes und im Kampfe den Munitionstransport zu besorgen. Sie mugten bei ihren Exerzitien und abends „ Seine Majestat mit drei Evviva-Rufen begriigen 11 und konnten, wenn sie korperlich kraftig entwickelt waren, schon nach dem erreichten 13. Lebensjahre zu Matrosen 3. Klasse ernannt werden; die Bitte um diese Ernennung konnten sie auf Befragen bei der Abriistungsmusterung des Schiffes vorbringen. Den Matrosen 1. und 2. Klasse war die Bedienung der Takelage vorbehalten; den Matrosen wurde zur Pflicht gemacht, „sich immer rein zu halten, alle Tage zu kammen und einmal wochentlich zu rasieren", — den rauhen Sitten jener Zeit wurde durch die Bestimmung Rechnung getragen, dag das Tragen des Matrosenmessers („ohne Spitze") nur an Bord erlaubt war. Die anstelligsten Matrosen, zu Marsgasten befordert, hatten das Reffbindsel zu nehmen, die Takelagevisitierung vorzunehmen und als Bramgasten verwendet zu werden. Die Unteroffiziere wurden vorwiegend den Marsgasten entnommen. Der Quartier- meister fiihrte die Oberaufsicht in der Takelage; das Reglement machte ihn speziell verantwortlich, dag das laufende Gut immer klar bleibe und dag beim Reffen keine Schote eingebunden werde. Der Bootsmannsmaat und der Raummaat waren Divisions- fiihrer; der Bootsmannsmaat beaufsichtigte alle Vertaumittel, der Raummaat die Wasserausgabe. Die Bootsmanner hatten beim Manovrieren in der Nahe des kom- mandierenden Seeoffiziers zu bleiben; der zweite Bootsmann trug einen leichten Stock, um Matrosen, die einen Befehl saumig ausfiihrten, mit zwei oder drei Stock- streichen bestrafen zu konnen, — diese Zahl durfte nicht iiberschritten werden, weil die Strafe „nur toleriert sei“. Der erste Bootsmann konnte bei besonderen Fahig- keiten und bei vorziiglicher Auffiihrung auch zum Seeoffizier befordert werden. Die Steuermatrosen versahen den Dienst beim Steuer, bei den Flaggen und am Lot; Unteroffiziere dieses Dienstzweiges gab es nicht. Jedes Schiff erhielt einen Piloten, der vor seiner Anstellung eine Priifung ablegen mugte, in der er Detailkenntnisse der adriatischen und der levantinischen Gewasser nachzuweisen hatte. Das Reglement raumte ein, dag „die Kommandanten begreiflicherweise nur geringe Kenntnis jener Kiisten besitzen konnen, in deren Gewassern sie wenig oder gar nicht gesegelt sind und von denen es keine guten Karten gibt“; der Kommandant manovrierte beim Ansegeln des Landes und beim Anlaufen der Hafen auf Grund der vom „Piloto pratico" erhaltenen Weisungen. Die Geschiitze wurden von zwei Artilleristen und der sonst noch notwendigen Matrosenmannschaft bedient; der eine Artillerist war Vormeister, der andere Wischer- mann. Die Artilleriemannschaft versah an Bord den Pikettdienst, Artillerieunteroffiziere besorgten das Signalisieren bei Nacht. Ein Unteroffizier der Marineinfanterie war Schiffsprofog und mit der Aufsicht iiber Handwaffen, Arrestanten, Feuer und Licht betraut. Die Unterchirurgen (Sanitatsmannschaft) pflegten die Kranken unter der Auf¬ sicht des zum Štabe gehorigen Ersten Chirurgen; sie hatten taglich eine, bei Epidemien mehrere Raucherungen im Schiffsraume vorzunehmen, „um die Luft zu reinigen und zu erneuern". Der Erste Chirurg solite die Krankheiten und ihre Heil- mittel studieren; statt ein „unabanderliches, fast immer unrichtiges Heilsystem“ sich zurechtzulegen, solite er den natiirlichen Heiltrieb zu fdrdern trachten. Tischler, Kalfaterer, Segelmacher und Biichsenmacher versahen den Hand- werkerdienst an Bord; Koch, Backer und Proviantmeister sorgten fiir die leibliche Nahrung der Eingeschifften. Der Koch war mit Bezug auf die Reinhaltung der kupfernen Geschirre scharf zu iiberwachen, es war ihm unter Androhung der strengsten Strafen untersagt, „das Fett von der Suppe abzuschopfen, um davon zu profitieren“; unter den personlichen Vorschriften des Schiffskommandanten war auch der Passus enthalten, er habe besonders darauf zu sehen, dag niemand den Proviantmeister „mit Worten oder Taten mighandle“, woraus man einigermagen auf die Qualitat der venezianischen Koche und Proviantmeister jener Zeit Schliisse ziehen kann. (Der Backer, der fiir die Offiziere taglich, fiir die Mannschaft ein- bis zweimal in der Woche Brot zu backen hatte, kam — was man besonders an Bord der alten Korvetten und Kanonenboote bei langerem Aufenthalt in See oft bedauerte - 18 in den spateren Bemannungslisten nicht mehr vor und erst im Jahr 1908 wurde mit der Aufstellung von Backofen auf den Schlachtschiffen begonnen; bis zu diesem Zeitpunkte versuchten die Koche - meist mit magigem Erfolg - in den Schiffs- kiichen Brot zu erzeugen, wenn die Herrschaft des harten Zwiebacks durch lange Dauer sich unliebsam bemerkbar machte.) Salzfleisch und Stockfisch dominierten im Kiichenzettel der Gesunden, Hammelfleisch, Hiihner und Sauerkraut in jenem der Kranken; das Friihstiick mugte um 7 Uhr friih, das Mittagessen um 10 1 I 3 Uhr vor- mittags und das Nachtmahl vor Sonnenuntergang eingenommen werden. Dem Ersten Chirurgen legte das Reglement nahe, „nicht zu vergessen, dag die Humanitat eine unerlagliche Tugend fiir einen Mann seines Berufes sei“; der Schiffskaplan, „ein Mann von Lebensart und tadellosem Lebenswandel“, hatte die Kranken taglich zu besuchen, ihnen „ohne zu lange und iiberfliissige Predigten" Mut zuzusprechen, morgens und abends das Gebet zu sprechen, jeden Sonn- und Feier- tag die Messe zu lesen und immer zur Verfiigung derjenigen zu sein, die Rat oder Trost heischen. Der Dienst und die Pflichten der Seekadetten waren nur wenig verschieden von den heute bestehenden Vorschriften. Eine wichtige Personlichkeit war der Schiffsrechnungsfiihrer, der unmittelbar nach dem jiingsten Seeoffizier rangierte. Er fiihrte die administrativen Geschafte, legte iiber den Gesamtaufwand erst bei der Augerdienststellung Abrechnung, ver- wahrte die Schliissel der Apotheke, verfagte Testamente und Deserteurseingaben, nahm vor dem Auslaufen und nach einem Kampfe den Generalappell vor u. a. m., er war also ein vielbeschaftigter Mann, dessen Tatigkeit erst nach einigen Jahr- zehnten auf die Verrechnung allein reduziert wurde. Die Seeoffiziere hielten in See vierstiindige Wache, im Hafen Inspektions- dienst, sie waren nach ihrem Range Generaldetailoffizier, Artillerieoffizier, Manover- offizier und Raumoffizier; der Raumoffizier war nebstbei Proviantoffizier und der rangsjiingste Seeoffizier auch Signal- und Pilotageoffizier. Dem Schiffskommandanten war bei Androhung der Kassation verboten, Handel zu treiben, Waren einzuschiffen oder dies anderen an Bord zu gestatten; die Strenge dieser Bestimmung diirfte auf die Tatsache zuriickzufiihren sein, dag auch die Schiffskommandanten der venezianischen Republik keinen militarischen Rang hatten und erst die Ubernahme der Marine durch Osterreich den „ Seeoffizier" schuf, fiir den die gleichen militarischen und Ehrbegriffe gelten mugten wie fiir den Offizier des kaiserlichen Heeres. Der Schiffskommandant mugte nach der Riickkehr mit dem seinen Befehlen anvertrauten Schiffe dem zu diesem Zwecke versammelten Marine- rat Rechnung legen iiber sein Verhalten in den eingetretenen, unvorhergesehenen Fallen und bei der Erfiillung der ihm erteilten Instruktionen; der Marinerat unterzog die Rechtfertigung einer genauen Priifung und stellte dann entweder ein Attest iiber das gute Verhalten des Kommandanten aus oder er verfagte, wenn dessen Vorgehen nicht einwandfrei war, einen Bericht an den Marineminister, der die Befehle des Kaisers einzuholen hatte. Dag dem Kommandanten die ganze Leitung des Schiffsdienstes, der Ausbildung des Stabes und der Mannschaft, die Handhabung des Strafrechtes und die seemannische Fiihrung des Schiffes oblag, braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden; die damaligen Verhaltnisse brachten es allerdings mit sich, dag ihm durch die Ordinanza besonders aufgetragen wurde, „sein Pulver nicht zu vergeuden", denn das Salutschiegen und das Signalisieren bei Nacht erforderten einen grogen Pulververbrauch, anderseits mugte das Schiff jederzeit gefechtsbereit sein. Eine bemerkenswerte Vermehrung der Flotte fand nach dem Friedensschlusse nicht statt; im Jahr 1804 wurde eine Galeotte, 1805 zwei Briggs auf den Stapel gelegt, die Korvette „Aquila“ lief 1802, die Brigg „Eolo“ 1805 vom Stapel. Von den drei Linienschiffen wurde „Stengel“ als Hulk im Hafendienste verwendet, „Laharpe“ (und vermutlich auch „Le Beyrand“) demoliert; das alte Dogenschiff „Bucintoro“ ward 1805 rasiert und als schwimmende Batterie „Idra“ fiir die Lagunenverteidigung bereitgestellt, spater — bis zu der 1824 erfolgten Demolierung — lag es als Schau- stiick im Arsenale. Als im Friihjahr 1804 der offentlichen Sicherheit wegen die Vermehrung der in Osterreichisch-Albanien garnisonierenden Truppen erfolgte, wurden die im Golfe von Cattaro stationierten Kanonenschaluppen von fiinf auf acht vermehrt; bald nachher fiel der Kriegsmarine die Kordonbildung aus Anlag des Auftretens der Cholera zu. Die gewalttatige Politik Napoleons fiihrte auf Betreiben Pitts zu einer neuen Koalition, der sich Osterreich, England, Rugland und Schweden anschlossen; als Osterreich von seinen Alliierten im Jahr 1805 vorzeitig zum Kriege gedrangt wurde, fand in sehr magigen Grenzen auch die Bereitstellung von Kriegsschiffen statt: es wurden die Korvette „Aquila“, die Briggs „Orione“ und „Eolo“ und der Schoner „Indagatore“ in Dienst gestellt. Die Flotte kam allerdings in dem kurzen Kriege zu keiner Leistung - zwischen der Kapitulation von Ulm (17. Oktober) und dem Preg- burger Frieden (26. Dezember 1805) lag zwar der Einzug Napoleons in Wien und der Tag von Austerlitz, aber nur eine kurze Spanne Zeit; eine starke k. k. Flotte hatte vielleicht die Plane Napoleons, seinen italienischen Besitz durch Venedig zu erganzen und durch die Okkupation Dalmatiens auf die Pforte einzuwirken, erfolg- reich durchkreuzen konnen. Osterreich wurde durch den Pregburger Frieden auf die ehemals erblandische Kiiste beschrankt; Venedig, Istrien, Dalmatien und Albanien mugten an Frankreich abgetreten werden. Mit Venedig fiel den Franzosen der grogte Teil der k. k. Flotte und das gesamte dortige Marinegut anheim, das hauptsachlich aus Gebauden bestand, einen Wert von etwa 24 Millionen Lire reprasentierte und Anfang 1806 durch Dandolo den Franzosen iibergeben wurde. 19 O c=> O r=3 O c s 0^0 gog O^C OgOi \ o E=? OgO^O£==?Pg^o^ Og O SOSoSO ^OgOSOg^ DIE ZWEITE TRIESTER MARINE. 1806 El einer Hofkriegsratssitzung Ende Janner 1806 wurde erwogen, ob fiir die dem Erzhause verbliebene Kiiste eine Kriegsmarine beibehalten werden solle, — die Lehren der ersten Franzosenkriege, so bitter sie waren, scheinen doch nicht allgemeines Verstandnis gefunden zu haben! Man entschlog sich zwar fiir die Beibehaltung der sparlichen Flottenreste, vermochte sich aber zu ihrer Ausgestaltung nicht zu entschliegen; die Finanzlage des Staates war allerdings recht ungiinstig. Uber die zweite Triester Marine enthalten die Archive der Kriegs¬ marine und Triests nur wenige, unzureichende Daten, was mit der mehr- jahrigen franzosischen Besitzergreifung von Triest und dem zeitweiligen Aufhoren der osterreichischen Seemacht zusammenhangen diirfte, an dieser Stelle aber hervorgehoben werden mug, um die Liicken der nach- folgenden Daten zu erklaren. Die zweite Triester Marine umfagte bestimmt die Briggs „Pilade“, „Eolo“ und „Delphino“, wahrscheinlich auch die Briggs „Oreste“ und „ Orione", dann die Goelette „Cibele“, die Galeotte „Diana“, die Martegana „Nereide“, die Feluke „Lepre“, die Schebecken „Lampo“ und „Re Pirro“, den Bragozzo „Speranza“ und zehn oder zwolf mit Nummern bezeichnete Kanonenschaluppen; genauere Angaben uber die damalige Schiffsliste sind bis nun nicht aufgefunden worden, doch stimmen die vorstehenden so ziemlich mit einer Zusammenstellung Querinis aus dem Jahr 1801 uber den Stand der Triester Marine iiberein. Querini hatte, wie bereits erwahnt, bis an das Ende seiner Amtstatigkeit als Arsenalsprasident die Triester Marine von der venezianischen getrennt, obschon beide zu einem Korper vereinigt worden waren; inwieweit ihn hiebei italienisch- nationale Motive leiteten, ist heute nicht mehr festzustellen. Der grogte Teil der vorstehend genannten Schiffe stationierte in Triest; dem verminderten Flottenstand entsprechend, trat an die Stelle des Marine-Artillerie- bataillons ein „Marine-Artilleriekorps“ mit sehr niederem Stande, das Marine-Infanterie- bataillon wurde durch ein nur 60 Kopfe zahlendes „Marine-Infanteriekorps“ ersetzt. De 1’Espine blieb wahrscheinlich nur bis zur Ubergabe Venedigs Marinekommandant, sein Nachfolger scheint Williams gewesen zu sein. In den Jahren 1808 und 1809 hatte sich eine Kommission unter dem Vorsitze des FML. von Zach mit organisatorischen Fragen der Kriegsmarine zu befassen; de l’Espine war Mitglied der Kommission. Es ist hiebei keinesfalls eine Vermehrung 1809 . oder Ausgestaltung der Flotte in Frage gekommen, denn die allgemeine Finanznot des Staates mugte auch hier ein Hemmschuh sein; anderseits war die Marine nach den damals maggebenden Anschauungen der osterreichischen Staatsmanner und Feld- herren nur ein minder wichtiges Mittel, kleinere Truppen- und Lebensmitteltransporte zu decken und die Kiistenschiffahrt zu beschiitzen, — man wollte noch immer nicht glauben, dag die Flotte ein wertvolles Glied der Landesverteidigung sein konnte. Augerdem kreuzte ein englisches Geschwader bei Lissa und es war der Flafen von Triest seit dem Anschlug an die Kontinentalsperre verodet: es fehlte daher scheinbar jedes Argument fiir eine Beriicksichtigung der maritimen Streitkrafte, deren Rudimente man wohl nur deshalb erhielt, weil sie gerade da waren. Der Tatigkeit der Kom¬ mission, die sich vorwiegend mit Adjustierungsfragen befagte, die Einfiihrung des Montursmassasystems und — uber Anregung de 1’Espines — die Bemannung der Kanonierschaluppen mit Marine-Infanteristen beantragte, machte iibrigens der Krieg vom Jahr 1809 ein vorzeitiges Ende. Triest war Sitz des Marinekommandos, das dem Generalissimus (FM. Erzherzog Karl, vom 19. Marž 1809 an Erzherzog Johann) und dem Militarkommandanten in Triest (1809 FML. von Zach) unterstellt war, der, vielleicht in Verkennung seiner Stellung als direkter Vorgesetzter des Marinechefs, in den Akten manchmal als „Militar- und Marinekommandant" bezeichnet wurde. Anfang April 1809 iibernahm Fregattenkapitan Coninck das Marinekommando. Erzherzog Johann lieg bei Beginn des Krieges alle vorhandenen Schiffe aus- riisten und fiir sie Rekruten ausheben; die Verteidigung Triests leitete FML. von Zach. Die Briggs unternahmen grogere Kreuzungen, je zwei Kanonenschaluppen iiberwachten bestandig die Kiiste zwischen Triest und Duino, an dsterreichische Handelsschiffe wurden Kaperbriefe ausgegeben, fiir die 10.000 bis 6000 Gulden zu erlegen waren. Die Bewachung der Nordkiiste des Golfes von Triest stammte iibrigens aus dem Jahr 1808; sie wurde ins Leben gerufen, als ein von Capodistria ausgelaufener italienischer Kaper ein osterreichisches Handelsfahrzeug bis zum Hafen von Duino verfolgte und durch Schiisse beschadigte. Da vvahrend des Krieges diese Bewachung fiir den Schug der Schiffahrt im Golfe nicht geniigte, wurde weiters ein regelmagiger Konvoidienst eingerichtet; von Zeit zu Zeit legte sich eine der Kanonenschaluppen vor den Molo S. Carlo in Triest, einen Kanonenschug abfeuernd, worauf alle Handels¬ schiffe, die im Konvoi mitsegeln wollten, sich sammelten. 21 Die kleine kaiserliche Flotte war bestrebt, dem Feinde tunlichsten Schaden zuzufiigen; fiir grogere Unternehmungen war sie leider nicht machtig genug. Die Brigg „Delphino“, unter dem Kommando des Schiffsleutnants Ivanossich, nahm bei Rovigno die mit acht Zw61fpfiindern bestiickte feindliche Batterie auf dem Eilande S. Caterina und eine feindliche Kanonenschaluppe; eine kaiserliche Flottille, unter- stiitzt von einer englischen Korvette, lieferte den franzdsischen Schiffen beim Hafen von Žara ein Gefecht und die Brigg „Pilade“ kaperte mehrere unter feindlicher Flagge segelnde Handelsschiffe. Der Feldzug vom Jahr 1809 verlief ebenso rasch und unglucklich wie der von 1805; nach den fiinftagigen Kampfen bei Regensburg zog Napoleon am 13. Mai zum zweitenmal in Wien ein; er kniipfte, bei Aspern durch Erzherzog Karl geschlagen, durch den Erfolg bei Wagram den Sieg wieder an die franzdsischen Fahnen. Triest wurde schon am 16. Mai von den Franzosen besetzt und es iiberfiihrte der Marinekommandant am selben Tage die Schiffe und das Marinematerial nach Lussinpiccolo, wohin einige Handelsschiffe auch die Kanonen und die Munition der Triester Befestigungen verschifft hatten. Coninck, zum Pontonieroberst ernannt, brachte dann noch einige Kanonenschaluppen nach Fiume - damit war aber die Tatigkeit der zweiten Triester Marine beendet; einige Schiffe wurden verkauft, andere von den Franzosen mit Beschlag belegt. Das Marine-Artilleriekorps und das Marine- Infanteriekorps wurden (nach dem Friedensschlug) aufgeldst, einige Offiziere traten in den Ruhestand, einige wurden zu den Pontonieren, den Czaikisten oder zur Infanterie iibersetzt, zwei nahmen englische Seedienste; der Rest, von den Franzosen konventions- magig iibernommen, wurde mit Dekret vom 31. Dezember 1810 und dem ehemaligen osterreichischen Rang in der italienischen Marine angestellt. Zu Ende des Jahres 1809 hatte die osterreichische Seemacht zeitweilig zu bestehen aufgehort; Osterreich trat im Schonbrunner Frieden — am 14. Oktober 1809 — seinen Kiistenbesitz an Frankreich ab und blieb dann durch einige Jahre vollstandig vom Meer abgeschnitten. Wahrend dieser Zeit, besonders nach dem Seesieg iiber ein franzosisches Geschwader bei Lissa im Jahr 1811, beherrschten die Englander die Adria; sie vertraten gewissermagen die osterreichischen Interessen und boten osterreichischen Truppen, die spaterhin an der Kiiste oder im Kiistengebiet operierten, wiederholt Unterstiitzung. Industrie und Handel waren zu jener Zeit durch die langjahrigen, verlust- reichen Kriege lahmgelegt; der Mangel eines Kiistenbesitzes fiel daher fiir Oster¬ reich nur deshalb nicht allzuschwer ins Gewicht, weil er vorubergehend blieb. Osterreich-Ungarn, dauernd von der See abgeschnitten, ware wohl nie eine Grog- macht geworden, sein Volkswohlstand hatte in diesem Falle die heutige Stufe nicht erreichen konnen. Der Kiistenbesitz am Meer ist fiir den staatlichen Organismus das wichtigste Atmungsorgan; infolge der richtigen Erkenntnis dieses Umstandes lag es in der bestimmten Absicht des grogen Korsen, Osterreich durch die Abdrangung vom Meer empfindlich zu treffen. Die Seeherrschaft Englands iibte einen schweren Druck auf Frankreich aus, Napoleon empfand es bitter, aus den von ihm beherrschten Meereskiisten keinen Nutzen ziehen zu konnen, und so wugte er es einzuschatzen, welch harte Bedingungen er im Schonbrunner Frieden dem Besiegten auferlegte. 22 |Q o o o o o o| SoSogogogDgogogogogogogo S O So SOS OSC DIE ZWEITE OSTERREICHISCH-VENEZIANISCHE MARINE. 1814 NE groge europaische Koalition bildete sich gegen Napoleon, als dieser nach dem Waffenstillstande von Poischwitz den Fehler beging, den an- gebotenen Frieden nicht anzunehmen; die Zeiten des hohen Fluges der franzosischen Adler waren endlich voriiber, Napoleon wurde geschlagen, zur Abdankung gezwungen und es ward Elba sein Wohnsitz. Abseits von dem grogen Ringen der Volker vollzog sich die Wieder- besetzung der osterreichischen Kiistenlander; die kaiserlichen Truppen riickten am 18. August 1813 an drei Stellen iiber die Save, fiinf Tage spater wurde Fiume erreicht, am 14. Oktober kapitulierte Triest. FML. Frei- herr von Tomassich eroberte hierauf mit 2800 Mann in drei Monaten ganz Dalmatien: Žara ergab sich am 5. Dezember, Ragusa am 28. Janner 1814; Sebenico, Trau und Spalato fielen widerstandslos an das Erzhaus zuruck. Der Golf von Cattaro war schon friiher von den Englandern erobert und dem Vladika von Montenegro iibergeben worden, der sich und seine Leute alsbald unbeliebt machte; GM. Milutinovich besetzte hierauf den Golf, der nach der Beschiegung von Cattaro (am 11. Juni) von Peter Petrovich und seinen Crnagorzen ganzlich geraumt wurde, fur Osterreich. Die von den Englandern durch langere Zeit okkupiert gehaltenen dalmatinischen Inseln fielen zuletzt (im Juli und August 1815) an Osterreich zuruck. Bei der Besetzung des Golfes von Cattaro wirkten bereits kaiserliche See- streitkrafte mit. Hauptmann Ivanossich war seit dem Marž 1814 dem GM. Milutinovich als Kommandant einer Flottille zugeteilt, die aus der Goelette „La Nina“ (spater „Arianna“ genannt) und sechs kleineren Fahrzeugen bestand; es waren dies mut- maglich die Penischen „La Salona 11 , „La Giusta“, die Kanonenschaluppen Nr. 5, Nr. 7 und „La Elvetica“, endlich das Trabakel „11 Fedele“. Bemerkt sei, dag die „Penischen“ jener Zeit kleine, mit Geschiitzen armierte Segelfahrzeuge waren, wahrend spaterhin in der k. und k. Flotte mit diesem Namen grogere Lichterschiffe bezeichnet wurden. Die Flottille Ivanossich nahm am 8. Juni die Batterie von Porto Rose, sie schlug in der Enge Le Catene einen Angriff von Montenegrinern und Risanoten zuruck und beteiligte sich an der Beschiegung Cattaros als der rechte Fliigel der k. k. Truppen. Osterreich erhielt nicht nur den ganzen friiheren Kiistenbesitz wieder zuruck, sondern mit Venedig auch die gesamte Kriegsmarine des unter franzosischer Herr- schaft gestandenen italienischen Konigreiches; die Ubergabe dieser Marine durch den franzosischen Kontreadmiral Duperre an den mit der Leitung des Marinekommandos 1848 . betrauten FML. de 1’Espine erfolgte am 25. April 1814. Der Wert der Flotte und ihrer reichen Vorrate wurde auf 17 Millionen fl. K.-M. geschatzt. Das ganze Marine- personal fand entsprechend der Konvention vom 23. April provisorische Aufnahme in osterreichische Dienste; FML. Tomassich hatte schon friiher einige Offiziere und Kadetten der illyrischen Marine angestellt. Es beriihrte sehr sympathisch, dag die Offiziere und Beamten, denen bis zum Einlangen einer weiteren Entscheidung das Tragen der italienischen Kokarde gestattet war, aus eigenem Antriebe das Anlegen der osterreichischen Kokarde erbaten. De 1’Espine iibernahm eine sehr stattliche Flotte: in Ausriistung oder im Baue vollendet waren 5 Linienschiffe, 2 Fregatten, 1 Korvette, 7 Briggs, 6' Goeletten, 1 Schebecke, 1 Feluke, 4 Penischen, 12 Kanonenschaluppen, 1 Trabakel, 1 Paranza und 2 Prahmen; im Baue — zumeist noch auf dem Stapel — befanden sich 7 Linien¬ schiffe, 5 Fregatten und 2 Briggs. Bei der Besetzung der Kiistenlander wurden iiberdies vorgefunden: in Triest 1 Paranza, in Žara 1 Feluke, 8 Penischen, 7 Kanonenschaluppen und 3 kleinere Fahrzeuge, endlich in Cattaro 2 Penischen und 2 Kanonenschaluppen. Die durch die langen Franzosenkriege zerriitteten Finanzen des osterreichischen Kaiserstaates fiihrten eine weitgehende Reduktion der vorhandenen Seestreitkrafte herbei, insbesondere die Linienschiffe wollte man nicht behalten, sondern verkaufen, was allerdingstrotz vieler Bemiihungen nicht gelang; die iibrigen Grogmachte hatten denWert einer achtunggebietenden Seemacht schon lange erkannt und ihre Flotten wahrend der Franzosenkriege ausgestaltet, Kleinstaaten hatten fur Linienschiffe keine Verwendung. Unter solehen Umstanden entwickelten sich die Schicksale der iibernommenen Schiffe ganz eigenartig, woriiber nachstehend eine kurze Darstellung gegeben sei. Es wurden iibernommen: Linienschiffe. In Ausriistung waren „Tonante“ (wurde auger Dienst gestellt und 1821 demoliert), „Rigeneratore“ (ex „Severo“, wurde auger Dienst gestellt und 1823 zur Fregatte „Bellona 11“ rasiert), „S. Bernardo“ und „Castiglione“ (wurden auger Dienst gestellt und verbrannten bald nach ihrer Ubernahme im Arsenale von Venedig), „l’Italiano“ (wurde auger Dienst gestellt und 1827 in eine Fregatte umgebaut, war dann 1828 bis 1836 Hafenwachschiff in Venedig und ist nie in See gegangen); am Stapel und im Baue befanden sich „Arcole“, „Lombardo“, „Duquesne“ (spater „Cesare“ genannt), „Ems“ (ex „Saturno“), „Sigmaring“ (spater „Hanau“), „Kulm“ (ex „Montenotte“) und „Emo“, die samtlich demoliert, und zwar zumeist auf den Stapeln zerlegt wurden, ohne je ins Wasser gelangt zu sein. 23 ČLo o o o o o ( Fregatten. In Ausriistung waren und blieben „Piave“ (1814 „Austria“ genannt) und „Principessa di Bologna 11 (1814 „Lipsia“ genannt); im Baue waren „Anfitrite“ (1815 vom Stapel als „Augusta“), „Ebe“ (1821 vom Stapel als „Hebe“), „Moscova“ (1827 vom Stapel als „Medea“) und „Venere“ (1832 vom Stapel als „Venere“). Korvette. In Ausriistung war und blieb „Carolina“. Briggs. In Ausriistung waren „Principessa Augusta 11 (1814 „Sparviero“ genannt), „Indiano“ (1814 „Dalmato“ genannt), „Cesarea“, „Jena“ (1815 „Veneto“ genannt), „Mamalucco“ (1815 „Ussaro“ genannt) und „Orione“ (1832 umgebaut und „Oreste“ genannt); im Baue waren „Montecuccoli“ (1817 vom Stapel) und „Veloce“ (1818 vom Stapel, 1827 zu einer Korvette umgebaut). Goeletten. In Ausriistung waren „Aretusa“, „Nina“ (1814 „Ariana“), „Aurora“, „Dragone“ (friiher „Voltegiattore“, 1819 „Cesarea“ genannt), „Fenice“ (1829 umgebaut zur Brigg „Ussaro II“) und „Gloria“ (1815 „Vigilante“ genannt). Von den beiden Prahmen war die eine der denkwiirdige „Bucintoro“, die andere, „Diamante“, ein rasiertes Linienschiff. Alsbald nach der Wiederbesetzung Venedigs ging die Fregatte „Austria“ nach Ragusa ab, der Hofkommissar Graf Saurau bereiste die illyrischen Kiisten mit einer Korvette und einer Brigg, zur Kreuzung gegen die Barbaresken gingen mehrere Fahrzeuge in See; zu einer umfangreicheren Verwertung der iibernommenen prachtigen Flotte kam es nicht. Das Kommando der Kriegsmarine, das am 16. Juli GM. von Coninck iibernahm, wurde dem venezianischen Generalkommando unter- stellt, woraus offen zu folgern war, es habe die Flotte auch nun wie ehedem nur ein inferiores Mitglied der Vaterlandsverteidigung zu bleiben. Reskripte des Hof- kriegsrates fiihrten vorlaufig die in den Jahren 1797 bis 1805 bestandene Organi- sation fiir alle Dienstzweige der Marine wieder ein. Die Organisierungskommission, die im Sommer 1814 unter der Leitung des Marinekommandanten zusammentrat und der der Amtsrat Rupprecht fiir das Ver- waltungs- und Verrechnungswesen beigegeben war, fand ein Elaborat de 1’Espines iiber die Neuorganisation der Marine vor, in dem dieser geistvolle General und Seeoffizier u. a. fiir die Aufstellung der Chargen des Vizeadmirals und des Kontre- admirals eintrat; es solite weiters das zu errichtende Marine-Infanteriebataillon unter die Befehle von Seeoffizieren gestellt werden. Der Antrag, Admiralschargen zu schaffen, durfte der Tendenz entsprungen sein, die oberste Leitung der Marine Fachmannern zu sichern; die Fiihrung des Marine -Inf anteriebataillons durch See- offiziere hatte diesen den direkten Einflug auf die Ausbildung aller zur Einschiffung gelangenden Mannschaften ermoglicht. Der Hofkriegsrat ordnete auf Grund der Ausfiihrungen der Organisierungs¬ kommission an, dag das Marine-Infanteriebataillon auf gestellt und das Marine-Artillerie- bataillon aufgelost werde. Fiir die Aufstellung des Marine-Infanteriebataillons galt als Argument, dag es aus Istrien und Dalmatien rekrutiert werde und daher vor- wiegend aus Leuten bestiinde, „die zur Halbscheide schon Seeleute sind und die folglich Besatzungs- und Matrosendienste leisten kdnnen 11 ; das Marine-Artillerie- bataillon, aus Bewohnern des festen Landes zusammengesetzt, galt als entbehrlich, da „das Feuern auf Schiffen, bei den schwankenden Bewegungen derselben und bei der Notwendigkeit, nur in der moglichsten Nahe das Feuern zu beginnen, nicht so viel auf theoretische Berechnungen, als auf bloge Gewandtheit ankommt; deshalb lassen auch weder die Englander noch andere bedeutendere Seemachte das Schiffs- geschiitz durch Artilleristen bedienen, sondern ihre Matrosen werden zum Kanonen- mandver abgerichtet 11 . Eine klare und gesunde Logik liegt in diesen Ausfiihrungen, die allerdings nicht lange als richtig oder maggebend angesehen wurden: durch ein halbes Jahrhundert blieben die Marine-Infanterie und die Marine-Artillerie das dankbarste Objekt fiir bestandige organisatorische Anderungen und Experimente und erst die definitive, bleibende Auflosung beider Korps, die an Bord der Schiffe durch Matrosen ersetzt wurden, entsprach den Bediirfnissen des Schiffsdienstes voli und ganz. Das Seeoffizierskorps hatte 6 Stabsoffiziere, 75 Oberoffiziere und 41 Kadetten, das Marine-Geniekorps (Schiffbaupersonal) 18 und das Verwaltungspersonal 84 Beamte zu zahlen. Die auffallend hohe Zahl an Verwaltungsbeamten ist aus der eigenartigen Organisation der venezianischen Marine vor deren erster Ubernahme durch Osterreich abzuleiten; die erste und die zweite osterreichisch-venezianische Kriegsmarine sind eben beide keine neuen Schopfungen gewesen, sondern nur durch Reorganisationen bestehender Korper entstanden, was stets das Mitschleppen gewisser Traditionen oder tief eingewurzelter Einrichtungen zur Folge hat. Immerhin war auch auf diesem Gebiet ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen, denn die erste osterreichisch- venezianische Marine zahlte, wie bereits erwahnt, im Jahr 1804 nur 48 Seeoffiziere, aber 70 Verwaltungsbeamte. Uber die Beibehaltung oder Entlassung der iibernommenen Offiziere und Beamten entschied im Jahr 1815 eine Kommission, die aus dem Festungs- kommandanten von Venedig, dem Marinekommandanten, dem Amtsrate Rupprecht und einem Feldkriegskommissar bestand. Die Adjustierung der iibernommenen Marine blieb durch einige Zeit ein buntes Gemisch von Uniformen der bestandenen italienischen Marine und ver- schiedener Waffengattungen der k. k. Armee; es wurden noch 1815 Mannschaften mit ihren alten franzosischen Uniformen eingeschifft. In diesem Jahre trat eine Adjustierungsvorschrift in Kraft, welche fiir die Marine-Uniformen das Blau als Grundfarbe festsetzte. Der Schnitt der Uniformen des Stabes, der Zweispitz, die Stiefelhose, die hohen Stiefel, die Feldbinde, dann Kragen- und Hutborten der Stabs¬ offiziere waren jenen des k. k. Heeres gleich; en parade wurden weige Tuchpantalons, die ebenfalls in die Stiefel reichten, getragen. Die Seeoffiziere hatten lichtblaue, die Schiffbauer ponceaurote Aufschlage mit einem goldgestickten Anker auf dem Kragen, die Verwaltungsbeamten erhielten blaue Samtaufschlage und — die zur Einschiffung gelangenden — einen silbergestickten Anker auf dem Kragen. Der Marinekommandant behielt die Generalsuniform bei; Geistliche, Auditore und Arzte, die alle der Kriegsmarine vom Heere zugeteilt wurden, trugen die Uniform ihrer Branchen. Die Matrosen erhielten einen Zylinder („capello tondo 11 ) aus Lackleder mit Emblem, ein dunkelblaues „Rockel“ (eine Art Spenzer, bis oben zugeknopft und mit aufgestelltem Kragen), dunkelblaue Pantalons, Schuhe und Gamaschen; das Seitengewehr durfte auger Dienst nur von den Unteroffizieren getragen werden. Weder Štab noch Mannschaft besagen Kappen; die Seeoffiziere trugen im Dienst an Bord den Zylinder der Mannschaft, doch ohne Emblem. Der Zylinder, eine fiir den Schiffsdienst hochst unpraktische Kopfbedeckung, war eine Erfindung der Marine der zisalpinischen Republik, er wurde von der italienischen Marine angenommen und kam mit dieser an Osterreich. Als Napoleon im Jahr 1815 seine kiihne Riickkehr von Elba bewerkstelligt hatte, wurde eine Eskadre unter dem Kommando des Schiffskapitans 1. Klasse Pasqualigo aufgestellt, die aus der Fregatte „Carolina“, der Brigg „Sparviero“, den Penischen „Morlacca“ und „Rovignese“, den Paranzen „Vedetta“, „Tersicore“ und „Superiora“ bestand; fiir den Lebensmittel- und Munitionstransport war der Eskadre das Trabakel „Fedele“ beigegeben. Eine zvrnite Schiffsdivision unter dem Kommando des Schiffskapitans Flanagan wurde bei Chioggia bereitgestellt, die Lagunenflottille ausgeriistet und einige Fahrzeuge kreuzten fiir den Schutz des Seehandels an der 24 Ostkuste der Adria. Die Eskadre Pasqualigo - in der k. und k. Kriegsmarine werden die Eskadren traditionell nach ihrem Kommandanten benannt - blockierte im Vereine mit englischen Kriegsschiffen den Hafen von Ancona; ein Ausfall, den drei Penischen und eine Kanonenschaluppe am 12. Mai versuchten, blieb ohne Erfolg, zu anderen Aktionen kam es nicht. Das Ende der Hundert Tage und der zweite Pariser Friede fiihrten alsbald wieder zur Reduktion der mobilisierten Seestreitkrafte, nur die Eskadre Pasqualigo blieb in Ausriistung, um gegen die Barbaresken zu kreuzen. Die weitestgehende Verringerung aller Marineausgaben galt von nun ab als Parole; schon 1816 ward durch eine kaiserliche Entschliegung eine bedeutende Einschrankung in allen Ressorts der Kriegsmarine verfugt, 1817 entschied der Kaiser iiber Antrag des Hofkriegsrates, dag die k. k. Flotte aus 3 Fregatten, 8 Briggs oder Goeletten und aus 33 Kanonenschaluppen zu bestehen habe. Dem Antrage des Marinekommandos, wenigstens noch zwei weitere vorhandene Briggs beibehalten zu diirfen, wurde nur „vor der Hand“ stattgegeben, es sollten aber auch diese beiden iiberzahligen Schiffe sobald als moglich verkauft werden. Von den elf grogeren Schiffen hatten stets drei in Dienst gestellt zu sein und je eines als Hafemvachschiff fiir Venedig und Triest verwendet zu werden; die kleinen Fahrzeuge wurden in ver- schiedenen Hafen stationiert. Da das ganze Marinebudget nur 1,171.195 fl 25 kr betrug, mugten zur Ermoglichung der Bauvollendung der Briggs „Veloce“ und „Montecuccoli“ die nachstehenden Ersparnisse angeordnet werden: Pensionierung von Stabsangehorigen, Standesreduktion der Arsenalsarbeiter um ein Funfteil, Ver¬ ringerung des Bemannungsstandes der ausgerusteten Schiffe, Beurlaubungen von Mannschaft des Marine-Infanteriebataillons; die strengste Okonomie mit dem Material der Schiffe ward eingescharft. Der Stand an Seeoffizieren blieb zwar unverandert doch wurde die Zahl der Marinekadetten stark restringiert; der Hofkriegsrat hielt es fiir besser, die kleinen Schiffe durch Unteroffiziere kommandieren zu lassen, da »die Kadetten auf kleinen Fahrzeugen in ihrer Bildung zum Offizier sehr ver- wahrlost wiirden“. Kaiser Franz I. hegte fiir das Seeoffizierskorps wohlwollende Intentionen was aus der folgenden Allerhochsten Entschliegung hervorgeht: „Obschon die Marine keine Linienschiffe zum Dienste hat und daher auch keine Linienschiffs-Kapitiins -Lieutenants und -Fahnriche benothiget, so will Ich doch, um ihr eine Aussicht zu einem Avancement nicht zu benehmen, die Beibehaltung dreyer Linienschiffskapitans- stellen, ohne jedoch hierwegen den Stand ihrer Offiziere zu vermehren, bewilligen- die iibrigen Linienschiffschargen haben aber nach und nach ganz einzugehen und in Hinkunft nur Fregatten- und Korvettenkapitans, Lieutenants und Fahnriche zu bestehen.“ Es trat dann folgende Benennung der Seeoffizierschargen ein: Schiffs¬ kapitan 1., 2. und 3. Klasse (friiher Linienschiffs-, Fregatten- und Korvettenkapitan), Schiffsleutnant 1. und 2. Klasse (fruher Linienschiffs- und Fregattenleutnant) und Schiffsfahnrich 1. und 2. Klasse (fruher Linienschiffs- und Fregattenfahnrich) • die Bezeichnung der Stabsoffizierschargen als Schiffs-, Fregatten- und Korvettenkapitane wurde erst 1824 wiederhergestellt. Die Verhaltnisse, die der wiedergeborenen k. k. Flotte Gevatter standen waren fiir diese recht unerfreulich; der Staat hatte leere Kassen, Metternich war kein Freund des Seewesens und die Politik Osterreichs lenkte wieder in die alten Bahnen ein, bei deren Beschreiten man angeblich auf die Unterstiitzung durch eine Wehrmacht zur See verzichten konnte. Die kleine Flotte aber tat ihre Pflicht. Die altbewahrte Treue, Hingebung und Gewissenhaftigkeit des osterreichischen Soldaten die ausgezeichneten Bestimmungen der Ordinanzen von 1802 und 1804, vielleicht auch die Hoffnung auf kommende bessere Zeiten, wirkten zusammen, und schon 1817 konnte der Živil- und Militargouverneur von Dalmatien aus Anlag seiner Inspizierungsreise, die er an Bord S. M. Goelette „Vigilante“ ausfiihrte, den strammen Dienstbetrieb und den guten Geist der Bemannungen auf den k. k. Kriegsschiffen konstatieren. Das Jahr 1817 brachte zum erstenmal die osterreichische Kriegsflagge an die amerikanische Kiiste; die Fregatten „Austria“ (Kommandant Schiffskapitan 1. Klasse Pasqualigo) und „Augusta“ (Kommandant Schiffskapitan 2. Klasse Accurti) wurden aus Anlag der Vermahlung der Erzherzogin Leopoldina nach Brasilien entsandt. Die Schiffe verliegen Venedig im April, wurden aber schon in den Gewassern von Rovigno, an der istrischen Westkiiste, von einem Sturme betroffen, der die „Austria“ um das Bugspriet, die „Augusta“ aber um die ganze Bemastung brachte. Es ging daher die „Austria“ vorlaufig allein, mit dem Botschaftsrat Freiherrn von Neveu an Bord, nach Brasilien ab; die „Augusta“ folgte im Juni, nach beendeter Reparatur, und schlog sich in Gibraltar an die portugiesische Expedition an, die die Erz¬ herzogin nach Brasilien geleitete. Die Fregatten trafen im Oktober 1818, nachdem sie ihre Mission ausgefiihrt hatten, wieder in der Heimat ein. Kaiser Franz I. und Kaiserin Karolina Augusta bereisten im Jahr 1818 Dalmatien; zur Verfiigung Ihrer Majestaten ward eine Eskadre in Dienst gestellt, die aus der Goelette „Dragone“ (Flaggenschiff), den Briggs „Ussaro“, „Veneto“, „Orione“, den Penischen „Ninfa“, „Sirena“ und vier kleinen Segelfahrzeugen (unter diesen die Feluke „Volpo“ und das Trabakel „Fido“) bestand. Der Marinekommandant GM. von Coninck iibernahm personlich das Kommando dieser Eskadre, die sich Mitte April im Hafen von Žara vereinigte. Ihre Majestaten reisten zu Land iiber Fiume, Zengg, Otočac und Knin nach Žara, wo sie am 2. Mai unter dem Salute der Eskadre Einzug hielten und am nachsten Tage die Goelette „Dragone“, die als Jacht fiir die Kaiserin eingerichtet worden war, besichtigten;* Kaiser Franz sprach beim Verlassen des Schiffes seine vollste Zufriedenheit aus. Die Weiterreise fiihrte das Herrscherpaar nach der Besichtigung der Salinen von Pago — wieder zu Land - iiber Benkovac, Scardona (von wo aus die Kerka-Falle besucht vvurden), Sebenico und Trau nach Spalato, wohin mittlerweile auch die Eskadre gesegelt war. Diese hatte widriger Winde wegen die Rhede von Vodice anlaufen miissen, sie sichtete bei der Weiterfahrt das kaiserliche Galaboot, mit dem der Kaiser von der Besichtigung des Seeforts S. Nicolo nach Sebenico zuriickkehrte, und leistete den Geschiitzsalut. Kaiser Franz reiste von Spalato zu Lande weiter, iiber Klissa, Sinj, Fortopus, Slano und Cannosa („der schonste Garten in Dalmatien", berichtet Coninck), Ombla und Gravosa nach Ragusa; die Kaiserin, die sich auf der „Dragone“ eingeschifft hatte, begab sich zur See nach Ragusa und es wurden teils des Wetters wegen, teils um die Reise moglichst bequem zu gestalten, die Hafen von Lesina und Badia (bei Curzola) angelaufen. Im Reiseprogramme der Majestaten war auch ein Besuch von Osterreichisch-Albanien (Golf von Cattaro) vorgesehen, da aber Nachrichten iiber das Auftreten der Pest an den Grenzen dieses Gebietes eingelangt waren, unterblieb die Ausfiihrung des letzten Programmteiles; der Kaiser begab sich zu Lande nach Sinj, Orebič und Curzola beriihrend, die Kaiserin schiffte sich wieder ein. Die Eskadre verlieg am 2. Juni Gravosa, ihre Fahrt nach Spalato war aber sehr von den Unbilden ungiinstigen Wetters beeinflugt; es mugte der Reihe nach in den Hafen von Slano, Mezzo Meleda, Palazzo, Juliana und Curzola Schutz gesucht werden, im Kanal von Curzola zwang schweres Wetter die Eskadre, bei der Insel Torcola umzukehren und die Rhede von Rosario anzulaufen. Ihre Majestat, die mit dem kaiserlichen Gemahl am bestimmten Tag in Sinj zusammentreffen solite, zog es nunmehr vor, sich auf die Penische „ Sirena" zu iiberschiffen, da die kleineren Schiffe die verschiedenen, im Inselgebiet auftretenden Windverhaltnisse besser 25 • Siehe Tafel 3: Kaiser Franz I. in Žara. 1 lOOOOOOof ausniitzen konnten als die grogeren. Das schlechte Wetter hielt an, die Kaiserin legte vielen Mut und groge Kaltbliitigkeit an den Tag, und es erreichte die „Sirena“, gefolgt von den anderen Schiffen, die sich mittlerweile wieder angeschlossen hatten, ohne Unfall den Hafen von Spalato. Die Kaiserin reiste am 11. Juni nach Sinj ab, sie nahm bei der Verabschiedung von der Eskadre Anlag, ihre besondere Zufrieden- heit zum Ausdrucke zu bringen; die weitere Heimreise der Majestaten erfolgte, ohne neuerliche Beriihrung der Kiiste, zu Lande; die Eskadre kehrte liber Triest nach Venedig zuriick. Die kleine Flotte, die Osterreich aus dem iibernommenen umfangreichen Materiale zusammengestellt hatte, trat nunmehr in eine Periode des Ringens nach Anerkennung ihrer Notwendigkeit und Niitzlichkeit; es gelang ihr erfreulicherweise alsbald, nicht nur auf den Gebieten der Friedensmission, sondern auch im Kampfe Vortreffliches zu leisten. Man kann sagen, dag im dritten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts das Verstandnis fiir die Flotte auch in den habsburgischen Landen zu keimen begann; die eigentliche Entwickelung der k. und k. Flotte beginnt daher erst zu jenem Zeitpunkte. Die Leistungen der neuen Flotte fielen anfangs auf eminent friedliche Gebiete, ihre erste Arbeit war die kartographische Aufnahme der Adria, die im Vereine mit dem k. k. Generalquartiermeisterstab, englischen und neapolitanischen Seeoffizieren im Jahr 1819 in Angriff genommen ward; die Brigg „Veloce“ wurde fiir die Aufnahmsarbeiten in Dienst gestellt. Die Wiederaufnahme des schon im Jahr 1805 durch kleine k. k. Kriegsfahrzeuge versehenen Postdienstes, dazumal zwischen Fiume, Zengg und Žara ausgefiihrt, durch k. k. Kriegsschiffe fand im Jahr 1820 statt und es wurde die Linie Triest-Korfu neu aufgestellt; 1821 kam die Linie Venedig-Korfu, 1824 die Linie Triest-Patras dazu. Die fiir den Postdienst verwendeten Kriegsschiffe wurden Fluttschiffe (bastimenti armate in corso e mercanzie) genannt, sie versahen diesen Dienst bis etwa 1838 und wurden dann durch Dampfer des Osterreichischen Lloyd ersetzt. Das Befahren der Linie Triest-Korfu begann leider mit einem schweren Unglucksfalle; die Brigg „Dalmato“, fiir diese Verwendung mit einer neuen, hohen Takelage versehen, kenterte am 21. Mai 1820 unter einer Bo im Kanale von Žara und es konnten von 42 Mann, die die Brigg an Bord hatte, nur sechs gerettet werden. Das Wrack ist wieder gehoben worden. Als Flutte trat 1820 auch die Fregatte „Carolina“ in Verwendung; sie solite - unter Kommando des Schiffskapitans 2. Klasse Polti - den fiir Indien und China designierten Generalkonsul de Watts und 4000 Zentner Quecksilber nach Kanton und den fiir Brasilien ernannten Gesandten Freiherrn von Stiirmer samt Familie nach Rio de Janeiro iiberfiihren. Seeoffiziere mag interessieren, dag die Fregatte auger dem Kommandanten und dem Gesamtdetailoffizier nur noch zwei Offiziere und vier Seekadetten an Bord hatte und dag die Mannschaft nur 77 Kopfe zahlte; auf der Fahrt von Batavia nach Singapore brach die Cholera an Bord aus, 45 Personen, darunter der Schiffskommandant und beide Chirurgen, erkrankten, 18 Matrosen und zwei eingeschiffte Zivilpersonen fielen der tiickischen Krankheit zum Opfer. Die chinesischen Behorden von Macao, denen die alte osterreichische Handelsflagge — gelb mit dem schwarzen Doppeladler — noch in der Erinnerung oder im Archive bewahrt geblieben war, wollten der „Carolina“ die Weiterfahrt nach Kanton nicht gestatten, weil sie die rot-weig-rote Flagge nicht kannten; der Schiffs¬ kommandant mugte sich daher entschliegen, neben der richtigen Flagge eine rot-weig-rote Signalflagge zu fiihren, auf die ein groger Reichsadler genaht worden war. Als der genaue Vergleich dieses Adlers mit dem Doppeladler des Staatssiegels eine Ubereinstimmung ergab, gestatteten die chinesischen Wiirdentrager die Weiter- fahrt und es ankerte die „Carolina“ etwa ein Jahr nach ihrer Ausreise vor Kanton. Der Schiffskommandant starb wahrend der Heimreise, mutmaglich infolge von Nach- wirkungen der iiberstandenen Cholera; der Gesamtdetailoffizier, Schiffsleutnant 2. Klasse Ghega, brachte dann das Schiff wieder heim. Der von der „Carolina“-Expedition erhoffte Erfolg, die Begriindung lukrativen Exportes von Quecksilber nach China, ist allerdings nicht in Erfiillung gegangen; es war aber in manchen Beziehungen dennoch vorteilhaft, dag die Expedition stattgefunden hatte: einerseits wurde die Flagge des jungen osterreichischen Kaiserstaates im fernen Osten gezeigt, anderseits waren und sind groge Auslandsreisen stets das beste Mittel, die Liebe der Marine- angehorigen zu ihrem Berufe zu erhohen. Der Biirgerkrieg im Konigreiche beider Sizilien fiihrte iiber Beschlug des Laibacher Kongresses zur Intervention Osterreichs, die k. k. Truppen unter dem Kommando des G. d. K. Freiherrn von Frimont riickten nach dem siegreichen Gefechte bei Rieti am 24. Marž 1821 in Neapel ein. Die Kriegsmarine stellte zu dieser Expedition eine stattliche Eskadre unter dem Kommando Pauluccis bei, die aus folgenden Schiffen bestand: Fregatten „Austria“ und „Lipsia“, Briggs „Orione“, „Veloce“, „Monteeuccoli“ und „Veneto“, Goeletten „Arianna“, „Vigilante“, „Aurora“ und „Aretusa“, Kanonenschaluppen „Tremenda“, „Fulminante“ und „Tartara“, Paranzen „Stella“, „Vedetta“ und „Tersicore“, sowie mehrere Transporttrabakel. Die Eskadre versammelte sich in Ancona; spaterhin segelten die grogeren Schiffe iiber Lissa nach Neapel, die Goelette „Aretusa“ mit den Kanonenschaluppen und den Paranzen wurde zu einer dalmatinischen Division unter dem Kommando des Schiffskapitans Ivanossich vereinigt. Die Eskadre Paulucci fiihrte im Vereine mit neapolitanischen Kriegsschiffen Truppentransporte zwischen Neapel und Sizilien und einen Kreuzungsdienst in den neapolitanischen Gewassern durch, die Division Ivanossich konvoyierte die osterreichischen Handelsschiffe in der Adria und das k. k. Postschiff der Linie Triest-Korfu, sie hielt auch die Verbindung mit den Expeditionstruppen und der Eskadre aufrecht. Die finanziell in jeder Beziehung sehr stark eingeschrankte Kriegsmarine konnte anfangs diesen plotzlich an sie herangetretenen Anforderungen nur mangel- haft nachkommen; es fehlten vor allem die ausgebildeten Mannschaften und die Ausriistungsarbeiten wurden im Arsenale zu Venedig nur ziemlich oberflachlich aus¬ gefiihrt. Die alten Mannschaften, die mit den beiden Fregatten in Brasilien waren, hatte man beurlaubt, die „Carolina“ mit ausgesucht guten Leuten war auf der Fahrt nach China, und so kam es, dag auf der „Austria“, „Lipsia“, „Orione“ und „Aretusa“, als die Eskadre wahrend der Uberfahrt von Ancona nach Lissa von schwerer Bora befallen ward, die wichtigeren Takelagearbeiten vom Štab und den Unteroffizieren ausgefiihrt werden mugten. Die Uberzeugung, dag die Kriegsflotte nicht nur ein hochst notwendiges, sondern auch ein leider sehr kostspieliges Glied der Wehrmacht ist und dag zu weit gehende Ersparnisse ihre Schlagfertigkeit und ihren Wert bedeutend herabmindern, mugte sich in Osterreich erst einleben. Die Expedition nach Neapel bezeichnet erfreulicherweise einen Wendepunkt in der Geschichte der k. und k. Flotte, deren Bedeutungslosigkeit nunmehr ein Ende gefunden hatte; unsere Schiffe kamen in den nachsten Jahren im Osten und im Westen in die Lage, Beweise fiir ihre Tiichtigkeit und ihren Nutzen darzulegen, mit Waffengewalt fiir die Sicherheit der Staatsbiirger und ihres Besitzes einzutreten. Der griechische Freiheitskampf, der im Jahr 1821 ausbrach, bietet im Lichte der historischen Wahrheit ein Bild ganz anderer Art, als die Pinsel begeisterter Philhellenen zu malen belieben; Pliinderungen fremder Kauffahrer und sonstige Ubergriffe von seiten der Griechen, die ihre alte Kultur unter der Fremdherrschaft eingebiigt hatten und eine neue sich erst erringen mugten, waren wahrend des mehrjahrigen Freiheitskrieges an der Tagesordnung, es kam sogar vor, dag die 26 |o oo o o o o| griechische Flotte die Seerauber unterstiitzte. Der osterreichische Seehandel nach der Levante hatte zu dieser Zeit schon einen sehr stattlichen Umfang erreicht, die osterreichischen Handelsschiffe waren dank der Ttichtigkeit ihrer Fiihrer ' und Bemannungen in den Ievantinischen Gewassern nicht nur sehr beliebt, sondern auch in groger Zahl tatig; die Auswiichse der Freiheitsbewegung, deren'idealen Zielen auch der Staatskanzler Fiirst Metternich nicht abhold war, schadigten oder bedrohten daher vielfach osterreichische Interessen und osterreichischen Besitz. Eine energische Intervention Osterreichs ware aber einer Parteinahme fur das Osmanische Reich gleichgekommen und hatte zu grogeren Verwickelungen fiihren konnen, die so kurze Zeit nach dem Ende der langjahrigen, kostspieligen und an Menschenopfern iiber- reichen Franzosenkriege besser vermieden blieben; man beschrankte sich daher auf die Entsendung einer grogeren Eskadre, die unsere Handelsschiffe beschiitzte Repressalien ergriff und die Seerauber verfolgte. Dies ging allerdings nicht ohne Kampfe ab. Als die pohtischen Unruhen in Griechenland ausbrachen, wurden von der in den neapolitanischen Gewassern befindlichen Eskadre die Fregatte „Lipsia“, die Briggs „Ussaro“ und „Montecuccoli“, von der leichten Division die Goelette „Aretusa“ unter dem Kommando des Schiffskapitans Armeni vereinigt und im Juli 1821 nach der Levante abgesandt; an Stelle der „Lipsia“ trat die Fregatte „Hebe“ in den Verband der Eskadre Paulucci. Die Schiffsdivision in der Levante ”wurde im Dezember 1821 und im Janner 1822 noch durch die Fregatte „Austria“, die Briggs „Veloce“ und „Veneto“ und die Goelette „Vigilante“ verstarkt; GM. Marquis Paulucci erhielt den Oberbefehl auch iiber die Levantedivision, Schiffskapitan Graf Dandolo das Kommando der Division in Neapel; die Ansicht des Hofkriegsrates, es wiirden drei ausgerustete Schiffe fur die Bediirfnisse des Staates geniigen, hatte sich recht bald als irrtiimlich erwiesen! Die Levantedivision hatte ihren Zentralhafen in Smyrna; ihre Schiffe unter- nahmen Kreuzungen iiber]Mytilene nach Andros und Spetsais, iiber Scio nach Tinos Syra und Milo, dann iiber Rhodus nach Alexandrien. Wahrend der Belagerung des Kastells von Scio durch die Insurgenten befand sich die „Veloce“ dort vor Anker um das Konsulat zu schutzen; nach der Zerstorung von Scio segelten die Fregatte „Lipsia“ und die Brigg „Montecuccoli“ nach Scio, wo es ihnen gelang, viele griechische Fliichtlinge, die im Konsulatsgebaude ein Asyl gefunden hatten, in Sicherheit zu bringen. GM. Paulucci segelte im September mit der „Hebe“, die als Ersatz fur die reparaturbediirftige „Lipsia“ bestimmt war, nach der Levante, wo er durch einige Zeit das Oberkommando fiihrte und auch zweimal in die Lage kam, zugunsten osterreichischer Kauffahrer zu intervenieren. Die erste Intervention erfolgte, als ein dsterreichischer Segler, der, mit Korn beladen, unter Konvoi der turkischen Flotte in den Golf von Napoli di Romania gekommen war, dort von einem griechischen Kaper genommen und nach Hydra gebracht wurde; energisch gefiihrte Unterhandlungen bewirkten die Freigabe des Schiffes und zweier Tiirken, die sich an Bord befunden hatten und denen nun der Schutz der osterreichischen Flagge zugute kam Der zweite Fali betraf den osterreichischen Schoner „Merope“. Die „Merope“, die im Kanale zwischen Ithaka und Akarnanien vor Anker lag, wurde am 12. Oktober 1822, gerade als ein Korvee von fiinf Mann am Lande Ballast machte, von mehreren Leuten iiberfallen, die den Kapitan, den Bootsmann und einen Matrosen toteten und das Schiff pliinderten; die am Lande Befindlichen die die Schiisse horten und zu Hilfe eilen wollten, wurden von einem Seerauber- boote, das ein griechischer Geistlicher befehligte, beschossen, wobei der Bruder des ermordeten Kapitans fiel und ein Matrose verwundet ward. Die anderen drei flohen nach Missolunghi und suchten den Schutz eines gewissen Marizza nach, der sich falschlich als osterreichischer Konsularagent gerierte; dieser lieg sie aber in Haft nehmen. Die „Merope“, mittlerweile von einem unter griechischer Flagge segelnden Seerauber zum zweitenmal gepliindert, ward von diesem nach Missolunghi gebracht und dem Marizza iibergeben, der nun auch noch die anderen Oberlebenden der Besatzung in Ketten legen lieg, sich mit seinem Anhang auf die „Merope“ einschiffte und auf dem Schiffe die franzdsische Flagge hissen lieg. Der k. k. Vize- konsul von Missolunghi, der sofort von Zante herbeieilte, wurde iiber Betreiben Marizzas als „Feind der griechischen Sache“ ausgewiesen, eine scharfe Note des franzosischen Konsuls von Zante (Marizza war ehedem franzosischer Honorarkonsul) blieb ebenfalls wirkungslos; die gefangenen Osterreicher, an Bord der „Merope“ gebracht, wurden dort bestandig an ihrem Leben bedroht. Paulucci, der sich an Bord der „Lipsia“ auf der Heimreise befand, erfuhr am 5. November in den Gewassern von Sapienza von der britischen Fregatte „Cambrian“ das Vorgefallene; er begab sich sofort nach Zante, schiffte dort den Konsul und einen Lotsen ein und segelte am 10. November nach Missolunghi, das abends erreicht wurde. Der seichte Verlauf der Kiiste zwang die Fregatte, auf etwa vier Seemeilen von der Kiiste zu ankern und kriegsmagig armierte Boote zu entsenden, denen in der Dunkelheit die Uber- rumpelung der „Merope“ ohne Blutvergiegen gelang; die „Merope“ wurde von den Booten zur „Lipsia“ geschleppt. Beide Schiffe segelten dann nach Triest, wo Marizza und zwei seiner Spieggesellen vom Appellationsgerichte zu langeren Freiheitsstrafen verurteilt wurden; da ihre Mittel fur die Schadloshaltung der Erben des ermordeten Kapitans nicht reichten, mugte die griechische Regierung fur den Rest aufkommen. Wahrend der Fahrt der „Lipsia“ von Missolunghi nach Zante schlug der Blitz in den Grogmast der Fregatte, wobei in der Grogmars drei Mann getotet und fiinf verletzt wurden — einer der seltenen Falle des Blitzschlages auf Schiffe in hoher See; gliicklicherweise wurde Munition, die beim Grogmaste gestaut war, vom Blitze nicht getroffen. Paulucci wurde nach seiner Riickkehr dem Hofkriegsrate zugeteilt, das Eskadre- kommando, an dessen Stelle selbstandige Divisionskommanden in Neapel und in der Levante traten, im Jahr 1823 aufgelassen; die neue Fregatte „Bellona“ (II), aus dem rasierten Linienschiffe „Severo“ konstruiert, ein stattliches Schiff, trat in den Ver¬ band der Division in der Levante, der auch einige Penischen und zwei Trabakel zugeteilt wurden. Die Geschicke der Kriegsmarine hatten tatsachlich den aufsteigenden Ast erreicht: am 1. Mai 1824 wurde das Marinekommando zu dem selbstandigen, nicht mehr vom venezianischen Landesgeneralkommando abhangigen Marineoberkommando erhoben, GM. Paulucci an Stelle Conincks, der in den Ruhestand trat, zum Ober- kommandanten ernannt. Die Erfolge, die Kanaris bei Chios errungen hatte, und manche zur See gelungene Handstreiche verleiteten die Griechen zur Unbesonnenheit; sie wollten das Durchsuchungsrecht von Kauffahrern in einer keineswegs einwandfreien Art handhaben und es mehrten sich im Laufe des Jahres 1824 die Ubergriffe der griechischen Kriegsschiffe und Kaper. Der k. k. Divisionskommandant, Schiffskapitan Accurti, sah sich daher gezwungen, Repressalien zu ergreifen. Zuerst solite gegen die Bewohner von Hydra, die Gewalttaten gegen osterreichische Kauffahrer aus- gefiihrt hatten, eingeschritten und eine vor Hydra verankerte Kaperbrigantine weg- genommen werden; schweres Wetter, das aufsprang, als die kriegsmagig armierten Boote bereits entsendet waren, zwang diese leider zur Umkehr und die Schiffe der Division zum Inseegehen. Da auch fur das Vorgehen der Griechen gegen die im Oktober 1824 von ihnen aufgebrachte osterreichische Brigantine „Mincio“ keine 27 ) o o o o O o o £ ..goooo^psaaao- , c3> o C3> o oj, .- fj— - V ausreichende Genugtuung bei der provisorischen Regierung erzielt werden konnte, lieg Accurti einen fiir Kaperzwecke mit vier Kanonen armierten Mistiko unter den Mauern von Nauplia durch kriegsmagig armierte Boote wegnehmen; durch Kanonen- und Gewehrschiisse der Besatzung von Nauplia wurden zwei Mann der Expeditions- truppe getotet. Bald darauf nahm die Division zwischen Syra und Paros die mit zehn Kanonen bestiickte Kaperbrigantine „Kymon“; zwei Piratenmistikos, im Kanale von Chios angetroffen, wurden gejagt, der eine entkam, den zweiten zerstorte die Goelette „Aretusa“ durch Geschiitzfeuer. Die beiden Prisen, in Smyrna verkauft, boten Ersatz fiir osterreichischen Staatsbiirgern zugefiigte Schaden. Die Unsicherheit der neutralen Schiffahrt nahm trotzdem noch weiter zu, sie erheischte einen ausgiebigeren Schutz der nationalen Kauffahrer und auch Repres- salien gegen griechische Gemeinden und Behorden; die Levantedivision ward zur Eskadre erhoben und auf den Stand von 22 Schiffen gebracht. Es waren dies die Fregatten „Bellona“ und „Hebe“, die nach der Ruckkehr aus China zur Korvette umgestaltete „Carolina“, die Briggs „Veloce“, „Orione“, „Veneto“, „Montecuccoli“, „Ussaro“, „San Marco“ und „Emo“, die Goeletten „Sofia“, „Fenice“, „Aretusa“, „Arianna“, „Vigilante“, „Enrichetta“ und „Elisabetta“, die Penischen „Najade“ und „Vestale“, die Transportschiffe „Bravo“ U nd „Giusto“ und das Spitalschiff „Sparviero“. Die Schiffe „San Marco“ und „Emo“ (1827 umgetauft in „Adria“ und „Lipsia“, als dreimastige Schiffe den Korvetten zugezahlt), dann „Enrichetta“ und „Elisabetta“ waren Neubauten des Arsenals in Venedig, das 1826 iibrigens auch eine Fregatte mit 58 Kanonen fiir den Pascha von Agypten zu bauen hatte. Das Eskadrekommando fiihrte durch einige Zeit der Marineoberkommandant GM. Paulucci; er wurde spater durch den Schiffskapitan Dandolo, den friiheren Kommandanten der 1827 aufgelosten neapolitanischen Division, im Eskadrekommando ersetzt. GM. Paulucci ging angesichts der Tatsache, dag mehrere osterreichische Kauf¬ fahrer beraubt worden waren und die Forderungen auf Schadenersatz wirkungslos blieben, energisch vor; er lief mit „Bellona“, „Hebe“, „Carolina“, „Aretusa“, „Sofia“, „Fenice“, „Najade“ und „Vestale“ am 13. Juli 1826 von Smyrna aus und segelte direkt nach Mykoni, wo ein Landungsdetachement (350 Mann mit Geschiitzen) das Haus eines beriichtigten Seeraubers niederrig, einen Piratenmistiko und zwei Prahmen verbrannte und 10.000 Taler Kontribution erhob. Am 21. Juli ankerte Paulucci mit fiinf Schiffen der Eskadre vor Tinos, wo- selbst fiinf griechische Kriegsschiffe vor Anker lagen; die Eskadreschiffe ankerten mit Spring, die griechischen Kommandanten wurden auf die „Bellona“ gerufen, die Korvette „Miltiades“ und die Brigg „Leonidas“ als sequestriert erklart und fiir deren Freilassung 10.000, beziehungsweise 2500 Taler gefordert. Als hierauf der griechische Admiral Sachthuris mit 20 Briggs, darunter 6 Brandern, einlief, machte sich die k. k. Eskadre gefechtsbereit; eine der einlaufenden Briggs, die dem Flaggenschiffe „Bellona“ vor dem Buge passieren wollte, wurde durch wohlgezieltes Geschiitzfeuer in der Takelage beschadigt und zum Abfallen gezwungen, worauf auch die ganze griechische Eskadre abfiel. Schiffsfahnrich Marinovich nahm bald nachher bei Scopelo (nachst Volo) ein Piratenboot weg, unter lebhaftem Feuer vom Lande. Die Einwohner von Naxos hatten sich im April 1826 gegen Osterreich feind- selig benommen, als die Fregatte „Bellona“ einige Schiisse gegen die Stadt abgab, das Feuer envidert und auch den k. k. Vizekonsul Gerardi zur Flucht gezvvungen. GM. Paulucci segelte daher am 23. Augustmit „Bellona“, „Hebe“, „Carolina“, „Fenice“, „Arianna“ und „Enrichetta“ * nach Naxos, um den Konsul wieder einzusetzen; schwerer Seegang zwang die grogen Schiffe, vier Seemeilen von der Stadt entfernt, bei Procopio delle Saline, zu ankern, die leichten Schiffe — Paulucci hatte sich auf die Goelette „Enrichetta“ iiberschifft - vertauten sich vor der Stadt. Beide Gruppen landeten nach Einbruch der Dunkelheit 450 Mann mit einem Feldgeschiitz und sechs Raketengeschiitzen unter Schiffsleutnant von Zimburg und es besetzte das gelandete Detachement noch vor Tagesanbruch die dominierenden Hohen; den Bewohnern der Stadt wurde nun die Absicht bekanntgegeben, die k. k. Flagge feierlich zu hissen und den Vizekonsul mit aller Formalitat einzusetzen. Wie dies zu erwarten war, zeigten sich die Bewohner der Stadt widerspenstig und es tauchten auch zahl- reiche bewaffnete Kandioten auf; die leichten Schiffe eroffneten daher das Geschiitzfeuer, die Landungstruppen besetzten die Stadt und entwaffneten die Einwohner, deren Waffen im Kastell deponiert wurden. Kandioten, die wahrend dieser Zeit die gegen die Landseite aufgestellten Vorposten angriffen, wurden trotz ihrer Ubermacht ab- gewiesen; ein zweiter Angriff, den sie in der Nacht versuchten, brachte ihnen groge Verluste. Nach dieser Vorgeschichte kann es nicht wundernehmen, dag das feier- liche Hissen der osterreichischen Flagge am Konsulatsgebaude und die Abnahme des Eides der Primaten von Naxos mit allem gebotenen Zeremoniell und offentlich erfolgen konnte, ohne dag eine Storung vorfiel. Die Naxioten haben es spaterhin ftirsorglich vermieden, Osterreich Anlag zu Reklamationen zu bieten. Die Korvette „Carolina“ sichtete am 28. September 1826 zwei Schoner, die eben den Ankerplatz bei Skadamura verlassen wollten; der eine, ein harmloser ionischer Kauffahrer, wurde nach vollzogener Visitierung freigelassen, der andere, als Pirat erkannt, fliichtete. Da es ihm aber nicht gelang, sich vom Lande frei- zusegeln, steuerte er in eine benachbarte Bucht, die der „Carolina“ nicht zuganglich war; als sich das Landungsdetachement der Korvette dem Schoner naherte, ergriff dessen Bemannung die Flucht, worauf das Schiff zerstort wurde. Etwa 14 Tage spater traf die „Carolina“ augerhalb Venetiko eine osterreichische Martegana, deren Kapitan berichtete, er sei in der letzten Nacht bei Kap Matapan von einem griechischen Schoner ausgeraubt worden; als bald darauf ein solcher Schoner in Sicht kam, machte die „Carolina“ Jagd auf ihn, doch gelang es eingetretener Wind- stille wegen nicht, den Schoner, der in den Hafen von Vitollo fliichtete, einzuholen. Trotz der beiden Batterien an der Hafeneinfahrt und des Umstandes, dag die Bewohner von Vitollo dem kriegerischen, gut bewaffneten Stamme der Mainotten angehorten, segelte der Kommandant der „Carolina“, Korvettenkapitan Bandiera, am nachsten Morgen mit dem Schiff in den Hafen, wo dem Ortsaltesten mitgeteilt wurde, der erste Schug, der vom Lande gegen die „Carolina“ wahrend der Visi¬ tierung des Schoners fallen solite, wiirde die Zerstorung der Ortschaft durch Geschiitz- feuer herbeifiihren. Die Visitierung ergab allerdings, dag der Schoner mit dem gesuchten Piratenfahrzeuge nicht identisch, sondern ein Kauffahrer war; als man aber entdeckte, dag ein im Hafen liegender sardinischer Polacker ein gekapertes Schiff und dessen Kapitan im Gefangnisse sei, erwirkte Bandiera die sofortige Freilassung dieses Schiffes und seines Fiihrers. Wie sehr unter den obwaltenden Verhaltnissen die Energie unserer Eskadre- und Schiffskommandanten in der Levante am Platze war, bewies auch der Kom¬ mandant der Goelette „Vigilante“, Schiffsleutnant Rocco, der Anfang 1827 einen Konvoi osterreichischer, sardinischer und ionischer Kauffahrer von Smyrna nach Alexandrien zu bringen hatte. Der Konvoi geriet bei Nebel auf der Hohe von Scio zwischen die aus 17 Schiffen bestehende griechische Kreuzerdivison, die fiir einen Uberfall auf das von den Tiirken besetzte Mytilene zusammengezogen war und darauf bestand, den Konvoi zu visitieren; Rocco widersetzte sich dieser Absicht - trotz der bedeutenden Ubermacht der Griechen - unter Androhung von Waffengewalt, worauf man ihn und die Kauffahrer unbehelligt ziehen lieg. Im Sommer 1827 kam es fast zu einem ernsteren Zusammenstog. Es lagen im Hafen von Naussa zwei Briggs und ein Brander unter dem Kommando des 28 * Siehe Tafel 4: Die k. k. Eskadre vor Naxos. lool n \ fiV. looooooot bekannten Helden der Befreiungskriege, Kanaris, dann die osterreichische Goelette „Enrichetta“ (Kommandant Fregattenleutnant Logothetti), als am 30. Mai die englische Kriegsbrigg „Zebra“ einlief und die osterreichische Brigg „Ussaro“ (Kommandant Fregattenleutnant Caffiero) mit einem Konvoi folgte. Kanaris begab sich sogleich auf den „Ussaro , um das Verlangen nach Visitierung des Konvois zu stellen- da die Gewahrung einer solchen Forderung den k. k. Schiffskommandanten strengstens untersagt war, erklarten Logothetti und Caffiero, auf jedes griechische Boot das sich dem Konvoi nahern wiirde, feuern zu lassen. Der englische Kommandant stellte sich befremdlicherweise nicht auf osterreichische Seite - die Kooperation der ver- schiedenen Eskadren in der Levante war sonst Regel, - doch bewog er Kanaris, um neue Befehle zu Lord Cochrane zu senden, der angeblich die Visitierung aller osterreichischen Konvois anbefohlen hatte. Kanaris mobilisierte aber, ohne das Ein- treffen der Antwort abzuwarten, die Einwohner von Paros, er stellte iiberdies zwei bewaffnete Goeletten und zwei schwere Piratenmistikos an der Hafeneinfahrt auf- Logothetti lieg sich dennoch nicht einschiichtern, er legte die „Enrichetta“ gefechts- bereit zwischen die beiden griechischen Briggs und sandte ein Boot nach Naxos um die Unterstiitzung der dort befindlichen k. k. Korvette „San Marco“ anzusprechen’ Die Griechen waren bereit, beim ersten Nachlassen der Wachsamkeit auf den osterreichischen Schiffen zum Angriff uberzugehen, und es blieb die Situation angesichts der bedeutenden griechischen Ubermacht eine sehr bedrohliche bis abends die sardinische Korvette „11 Tritone 11 eintraf, deren Kommandant sogleich Kanaris sagen lieg, er werde mit den Osterreichern gemeinsam vorgehen Die Griechen gaben aber ihre Sache noch nicht auf, sie liefen am 10. Juni mit der Absicht aus, Verstarkungen heranzuziehen und den Konvoi in See anzugreifen; auch die Ausfiihrung dieses Planeš fiel ins Wasser - am selben Tage traf die „San Marco“ ein und es setzte der Konvoi, eskortiert von allen drei k. k. Schiffen ”seine Reise unbehelligt fort. Die Goelette „Elisabetta“, die den zum Generalkonsul in Saloniki ernannten Grafen Ciccopieri von Konstantinopel nach seinem Amtssitze brachte, sichtete Anfang August 1827 beim Eintreffen im Golf e von Saloniki zwei groge Prahmen, die als griechische Seerauber erkannt und sofort gejagt wurden, wobei die eine in den Grund geschossen und die andere zum Stranden gezwungen wurde. Die Tiirken nahmen 18 Fliichtlinge der gestrandeten Prahme gefangen, die dann mit Ausnahme zweier Knaben (eines Osterreichers, der von einem gekaperten Schiffe stammte, und des Sohnes des Lotsen der „Elisabetta“) in Saloniki hingerichtet wurden. Da die beiden Piraten den Seehandel des Vilajets schon seit langerer Zeit sehr geschadigt hatten, iiberreichte der Pascha von Saloniki dem Kommandanten der Elisabetta" Fregattenleutnant Bua, unter grogem Zeremoniell einen prachtigen Ehrensabel. Das energische Auftreten der k. k. Eskadre hatte nur zum Teil einen heil- samen Erfolg, in vielen Fallen betrieben die griechischen Seerauber ihr Handwerk mit der Vorsicht weiter, beim Sichten der Takelage eines Kriegsschiffes einen der zahllosen Schlupfwinkel aufzusuchen, die die reich gegliederte Kiiste Griechenlands kleinen Schiffen bietet; nur in dem nachstehend beschriebenen Falle, dann fiinf Jahre spater, wagten die Seerauber im Vertrauen auf ihre numerische Uberlegenheit den Kampf mit einem Kriegsschiffe. Die Goelette „Sofia“ wurde gelegentlich eines Aufenthaltes in Korfu, im November 1827, vom k. k. Konsul ersucht, einen Konvoi von Handelsschiffen bis zur Insel Saseno zu fiihren und sodann auf zwei verwegene Piraten Jagd zu machen die die Schiffahrt im Ionischen Meere schon seit einiger Zeit behinderten. Die Uberfahrt des Konvois von Korfu nach Saseno, an der auch verschiedene Handels- schiffe teilnahmen, die kurz vor dem Auslaufen der „Sofia“ in Begleitung des k. k. Postschiffes, S. M. Goelette „Aurora“, aus Zante in Korfu eingetroffen waren, verlief ohne Zwischenfall, worauf die „Sofia“ die Suche der Piraten aufnahm. Am Morgen des 16. November, in der Nahe des Hafens Palermo der albanischen Kiiste, wurden eine groge Martegana mit acht Kanonen und ein Mistiko mit zwei Kanonen gesichtet, die erst auf einen blinden Kanonenschug der „Sofia“ ihre Flaggen higten; sie zeigten zuerst die englische Flagge, holten diese aber bald wieder ein, um die griechische zu hissen, bei welchem Anlag auch die Martegana einen blinden Kanonenschug abgab. Der Kapitan der Martegana kam in einem Boot an Bord der „Sofia“ — wie sich spater ergab, um Informationen iiber die Starke und Be- stiickung des Schiffes einzuholen; er behauptete, im Auftrage des Lord Cochrane von Missolunghi nach dem Hafen Palermo zu segeln, und wies ein griechisch abgefagtes Schriftstiick mit unbekanntem Siegel zur Legitimation vor. Schiffsleutnant Dabovich, Kommandant der „Sofia“, dem das Verhalten der Schiffe beim Flaggehissen, das vorgezeigte Dokument und die Schiffe selbst verdachtig vorkamen, beauftragte den Kapitan der Martegana, mit beiden Schiffen der „Sofia“ nach Korfu zu folgen, wo seinen Schiffen, wenn ihre Papiere in Ordnung befunden wiirden, die Weiterfahrt gestattet werde. Der Kapitan sagte den Befolg des Auftrages zu, besprach sich noch mit dem Fiihrer des Mistiko und kehrte dann auf sein Schiff zuriick, worauf beide Fahrzeuge Kurs gegen den Hafen Palermo nahmen. Dabovich forderte den Kapitan der Martegana zweimal, das zweitemal unter Androhung von Waffengewalt, auf, dem erhaltenen Auftrage nachzukommen, worauf dieser zuriickrief, dag er nicht nach Korfu, sondern nach dem Hafen Palermo segeln werde und dag seine Schiffe ebenfalls Kanonen und Kugeln hatten. Die „Sofia“ eroffnete mit einem Raketengeschiitze das Feuer gegen die Martegana, das von beiden Schiffen mit Kartatschfeuer erwidert wurde und zu einem heftigen Kampfe fiihrte, in dessen Verlaufe die Geschtitze der rechten Batterie der „Sofia“ mehrfach beschadigt wurden, so dag Dabovich bei der herr- schenden Windstille die grogen Riemen auslegen und das Schiff wenden lieg, um die linke Batterie verwenden zu konnen. Das Feuer der „Sofia“ hatte aber der Martegana so schwere Schaden beigefiigt, dag sie das Feuer einstellte und eines ihrer Boote mit Fliichtlingen den Mistiko, der aus grogerer Entfernung das Geschiitz- feuer unterhalten hatte, zu erreichen suchte. Als sich nun die „Sofia“ anschickte, den Mistiko zu verfolgen, begann die Martegana neuerdings mit Kartatschfeuer; es galt daher, zuerst dieses starkere Schiff zu zerstoren, was dem Gesamtdetail- offizier der „Sofia“, Fregattenleutnant Cardini, durch einen Schug des von ihm selbst gerichteten Raketengeschtitzes gelang; die Brandrakete setzte das Schiff in Flammen, so dag es fast unmittelbar darauf in die Luft flog. Von den Uberlebenden wurden sechs gerettet und nach Korfu zur Aburteilung gebracht; der Mistiko entkam. Den Aussagen der geretteten Piraten wurde nebst den sonst wissenswerten Daten auch entnommen, dag die Halfte der Bemannung der Martegana im Kampf ihr Leben verloren hatte; S. M. Schiff „Sofia“ beklagte nur einen, durch eine Kanonen- kugel getoteten Matrosen. Die Eskadre war auch in den Jahren 1828 und 1829 fiir den Schutz der osterreichischen Kauffahrer tatig, sie erwirkte unter anderem im Jahr 1829 fiir von griechischen Seeraubern genommene Handelsschiffe eine Entschadigung von 86.773 Colonnati. Die zweite Halfte des Jahres 1829 brachte den Friedensschlug zwischen Rugland und der Pforte, worauf ruhigere Verhaltnisse in der Levante eintraten; die k. k. Eskadre wurde auf sechs Schiffe, die Fregatte „Guerriera“, die Korvetten „Veloce“ und „Lipsia“", die Brigg „Orione“, die Goeletten „Elisabetta“ und „Fenice“, reduziert, Dandolo im Eskadrekommando durch Schiffskapitan Accurti abgelost. 29 GM. Paulucci, der neue Marineoberkommandant, iibernahm mit seinem Amte die Notvvendigkeit, jene Details der Marineorganisation, die in den ersten zehn Jahren des Bestandes der zweiten osterreichisch - venezianischen Marine als un- zulanglich oder ungeeignet befunden worden waren, zeitgemag zu andern. Es traten mehrere Verbesserungen der Verwaltung ins Leben, das System der Brigadekommanden machte der Aufstellung von Ratsdepartements Platz, der Artilleriedienst erfuhr eine durchgreifende Anderung; Paulucci war der Ansicht, fiir die Bedienung der Schiffs- geschiitze seien „wirkliche“ Artilleristen und nicht nur artilleristisch ausgebildete Matrosen notwendig, er schuf daher eine Artilleriedivision, der auger den Vor- meistern auch die Artilleriehandwerker eingereiht wurden. Die Frage, was zur See besser sei, ein im Seemannshandwerke fast gar nicht bewanderter Artillerist als Vormeister oder ein in der Geschiitzbedienung gutgeschulter Matrosenvormeister, hat noch manche Jahre hindurch der Marineleitung groge Sorgen verursacht, die sich dann stets in organisatorischen Magnahmen aufzulosen pflegten; man ist erst relativ spat zur Erkenntnis gekommen, es sei am besten, beim Matrosenvormeister zu bleiben und dessen Unterrichtsprogramm falhveise entsprechend zu regeln. Die Erklarung der durch einige Zeit stets wiederkehrenden organisatorischen Anderungen im Marine-Artilleriedienst ist sehr einfach; die technischen Neuerungen und Verbesserungen wiihrend der ersten Jahrzehnte des Bestandes der zweiten osterreichisch-venezianischen Kriegsmarine beschrankten sich vorwiegend auf die Schiffsartillerie, hauptsachlich auf die Einfiihrung des Raketengeschiitzes; daneben aber verlangte die komplizierte Takelage, die damals allein aus einer schwimmenden Batterie das bewegungsfahige Fahrzeug schuf, erfahrene und geiibte Seeleute. Bei der Losung der Aufgabe, auf welche Art man die beste Bedienung der Takelage und die besten Vormeister erzielen kbnne, trat stets auch eine besondere Eigenheit des Seekriegswesens auf - die fallweise als unbedingt maggebend anerkannten Ansichten. Solche Ansichten, nach bestem Wissen und Gewissen aus den praktischen Erfahrungen der letzten Kriegskampagnen und des Seedienstes im Frieden, dann aus theoretischen Erwagungen iiber die Verwertung der Waffen und Neueinfiihrungen, iiber fremde Organisation und Einrichtungen geschopft, sind das wertvolle Ergebnis der geistigen Tatigkeit der Seeoffiziere; sie werden immer wieder, oft schon nach wenigen Jahren oder Monaten, durch neue Auffassungen - den natiirlichen und notwendigen Fortschritt - verdrangt. Dag hiebei nicht immer das Richtigste getroffen wird, liegt in den Mangeln des menschlichen Geistes, der weder allwissend noch mit zuverlassiger prophetischer Gabe ausgestattet ist, und es sind bei allen Flotten minder gutgelungene Schiffstypen, nicht ganz einwandfreie Geschiitzinstallierungen und dergleichen mehr auf diese Rechnung zu setzen. Zu Pauluccis Zeit reduzierte sich der Bedarf an Mannschaften mit tech- nischem Spezialwissen auf die fiir die Geschiitzinstandhaltung benotigten Artillerie- arbeiter; die besonderen artilleristischen Kenntnisse des Vormeisters der glatten Geschiitze bewegten sich - die Fertigkeit im Abfeuern ausgenommen - in den allerengsten Grenzen, Reorganisationen stifteten daher keinen erheblichen Schaden. Die folgenden Jahrzehnte mit ihren gewaltigen Fortschritten auf den Gebieten der Dampfmaschinen, der Eisenindustrie, der Elektrizitat und der Sprengmittel haben die modernen Schiffe falhveise mit den neuesten Errungenschaften der technischen Wissenschaften ausgestattet, woraus sich die Notwendigkeit ergab, in den einzelnen Spezialfachern vortrefflich ausgebildete Mannschaften zu besitzen, die je nach ihrer besonderen Verwendung nebstbei geringe, gute oder ausgezeichnete Kenntnisse des eigentlichen Seemannshandwerkes haben miissen: was einst auf organisatorischem Wege zu losen versucht wurde, erreicht man jetzt besser durch die Art der Aus- bildung der Mannschaft fiir die verschiedenen Spezialdienste. Die sonstigen Reorganisationen Pauluccis sind nicht hervorhebenswert. Im Jahr 1824 erschien in deutscher und italienischer Sprache eine „Instruktion zur Regelung des Marine-Dienstes, welche bis zur Publizierung eines neuen voll- standigen Marine-Reglements als Richtschnur zu gelten hat“; sie regelte den Dienst des Marineoberkommandos und der fiinf Ratsdepartements, war aber nicht aus- reichend genug, um die ausgezeichneten Ordinanzen der Jahre 1802 und 1804 voll- kommen zu ersetzen. Langatmige Titel und provisorische Vorschriften, von der venezianischen Marine ererbt, blieben iibrigens noch lange Zeit Inventarstiicke der k. k. Flotte. Die italienische Dienstsprache wurde durch die neue Vorschrift nicht beriihrt, die ganze innere Korrespondenz der Marineamter auch weiterhin in italie¬ nischer Sprache gefiihrt. Eine Vorschrift iiber die Art der von Schiffen zu leistenden Ehrenbezeigungen folgte im Jahr 1826; einige ihrer Bestimmungen sind auch noch in dem heute zu Kraft bestehenden Marinereglement enthalten - das Seezeremoniell ist begreiflicherweise eine der konservativsten Einrichtungen des Seewesens, - andere sind ganzlich auger Gebrauch gekommen. Zu diesen gehort auch das Kar- freitagszeremoniell: am Griindonnerstag mugten, wenn das Schiff vor Anker lag, gleichzeitig mit dem Einstellen des Lautens der Kirchenglocken die Raaen iiber Kreuz getoppt und die Flaggen halbtopp gesetzt werden, bis das Glockengelaute beim Gloria das Zeichen fiir das „in Kreuz toppen“ der Raaen und das Hissen der Flaggen gab. Die Erfolge, die die k. k. Eskadre in der Levante bei der Vertretung der ideellen und materiellen Interessen der osterreichischen Staatsbiirger erzielt hatte, lieferten den besten Beweis, dag die Zeit, in der osterreichische Handelsschiffe vogelfrei waren, der Vergangenheit angehorte; es stand eine allerdings nur relativ stattliche Flotte zur Verfiigung, man hatte aber gelernt, aus ihr Nutzen zu ziehen. Diesen Umschwung der Dinge lernte auch Marokko im Jahr 1829 erkennen. Die osterreichische Handelsbrigantine „Veloce“, auf der Reise von Triest nach Rio de Janeiro begriffen, wurde am 31. Juni 1828 etwa 30 Seemeilen von Cadiz von der marokkanischen Korsarenbrigg „Rabia el Gheir“ gekapert, nach Rabat gebracht und die Bemannung dort in harte Gefangenschaft gesetzt. Der sardinische Konsul nahm sich der armen Leute an, er verstandigte auch das k. k. General- konsulat in Gibraltar, worauf im damals iiblichen, durch schwerfallige Postverbin- dungen noch weiter verzogerten Instanzenwege der Staatskanzler Fiirst Metternich in Kenntnis des Vorfalles gelangte. Man entsandte hierauf eine Schiffsdivision, die aus den Korvetten „Carolina“ und „Adria“, der Brigg „Veneto“ und der Goelette „Enrichetta“ bestand, unter dem Befehle des Korvettenkapitans Bandiera nach dem westlichen Mittelmeere. Bandiera lief im Janner 1829 in Gibraltar ein, von wo aus er im Wege der Konsuln in Tanger die Freilassung der Gefangenen der „Veloce“ anstrebte; vor der Ergreifung von Gewaltmagregeln zur Erlangung einer Genug- tuung mugten eben diese Gefangenen der Gewalt Marokkos entzogen werden. Die Schiffsdivision kreuzte wahrend des Ganges der diplomatischen Verhandlungen west- lich von der Strage von Gibraltar, einerseits zum Schutze heimkehrender oster- reichischer Kauffahrer, anderseits mit der Absicht, marokkanische Korsaren ab- zufangen; diese wagten sich aber nicht in See. Die Gefangenen wurden freigelassen, der Vezier des Sultans stellte auch eine Erklarung aus, die Wegnahme der „Veloce“ sei eine eigenmachtige Handlung des marokkanischen Kapitans gewesen und es werde dieser bestraft werden, — die Riick- gabe des Schiffes und die Leistung einer angemessenen Entschadigung lehnten aber die Marokkaner ab. Bandiera beschlog daher, vorerst zwei marokkanische Korsaren- briggs zu zerstoren, die an der Miindung des Flusses Ued Aulcus bei der stark befestigten Ortschaft el Araisch vertaut lagen und 16, bezw. 14 Geschiitze fiihrten; 30 |Q o o O O o ol er ankerte mit den Schiffen „Adria“, „Carolina“ und „Veneto“ am 2. Juni bei el Araisch und entsandte am nachsten Morgen ein Detachement von 180 Mann mit Raketengeschiitzen unter Kommando des Korvettenkapitans von Zimburg zur Ver- nichtung der Korsaren. Das Landungsdetachement wurde alsbald durch marokkanische Kavallerie angegriffen, die aber durch das Feuer der Raketengeschiitze zuriickgewiesen ward; dann griffen die Batterien von el Araisch und feindliche Fugtruppen in den Kampf ein. S. M. Schiff „Veneto“, in einen Geschiitzkampf mit den Batterien von el Araisch verwickelt, brachte eine der Batterien zum Schweigen und schog auch einige Hauser in Brand. Das Feuer der Landungsgeschiitze, das zum Teil der Ab- wehr marokkanischer Angriffe dienen mufjte, vermochte anfangs den beiden statt- lichen Korsarenschiffen keinen Schaden beizufiigen; es schwammen aber zwei wackere Unteroffiziere freiwillig an Bord des grogeren Schiffes, wo sie Werg und andere brennbare Stoffe zusammenhauften und mit Feuervrerkskorpern, die sie an ihren Kopfen festgebunden hatten, in Brand setzten. Die Brigg stand bald in Flammen, die beiden Tapferen kehrten im heftigsten feindlichen Feuer zum Detachement zuriick; sie wollten die gleiche Unternehmung auch gegen das zvveite Schiff aus- fiihren, doch gelang es, diesem mit den Raketen ein Leck an der Wasserlinie bei- zubringen. Der Zweck der Landung war erreicht, Zimburg trat daher mit seinen durch den fimfstiindigen Kampf in tropischer Hitze ermiideten Leuten den Riickzug zu den Booten an. Dies war das Signal zum allgemeinen Angriffe der Marokkaner, ^ an dem auch deren Kavallerie wieder teilnahm; das Landungsdetachement war arg j,| bedrangt, hielt sich aber sehr wacker und es konnten, da das Gefecht in die Nahe w des Strandes riickte, auch die Schiffsgeschiitze der Division eingreifen. Die Lage der Ausschiffungstruppe wurde kritisch, als die Leute bei den Booten anlangten; die Schiff e mugten das Feuer einstellen, um nicht die eigenen Leute zu gefahrden; eine aufgesprungene frische Seebrise erzeugte Seegang und erschwerte bedeutend die Wiedereinschiffung in die Boote, die durch langeres Waten im seichten Wasser erreicht werden mugten. Dank der vorziiglichen Haltung der Marineinfanterie, die die Einschiffung zu decken hatte, gelang aber auch dies.* Das Landungsdetachement hatte im Kampfe gegen die erdruckende Ubermacht leider 22 Tote zu beklagen, 14 Mann waren verwundet; die Verluste der Marokkaner, in deren Reihen auch die Landungs- und die Schiffsgeschiitze groge Liicken gerissen hatten, bezifferten sich weitaus hoher. Die Blockade der marokkanischen Kiiste schlog sich an die Unternehmung von el Araisch; sie stellte wegen der vielen, dem Ufersaume vorliegenden Schiffahrts- hindernisse groge Anforderungen an das seemannische Geschick der Offiziere; die lokalen Verhaltnisse und die an der Kiiste zusammengezogenen Heerhaufen der Marokkaner liegen iiberdies keine grogere Unternehmung zu. Die „Adria“ blockierte speziell el Araisch, dessen Bewohner sie von Zeit zu Zeit durch wohlgezielte Kanonen- kugeln und Brandraketen beunruhigte und an der Wiederherstellung und neuerlichen Verwendung der Korsarenschiffe behinderte; „Carolina“ und „Veneto“ beschossen am 22. Juli die mit 15 Kanonen armierte Ortschaft Arzilla durch mehrere Stunden, wobei es den Schiffen gelang, die feindlichen Batterien zu beschadigen und auch mit den Brandraketen einigen Schaden zu stiften; wie spater in Erfahrung gebracht wurde, hatten sich die marokkanischen Geschiitze verschossen, allerdings ohne die kaiserlichen Schiffe zu beschadigen, und es mugte eiligst Munition aus Tanger requiriert werden. Die Schiffsdivision Bandieras erhielt noch im Sommer eine wiinschens- werte Verstafkung durch die Fregatte „Medea“ und die Brigg „Ussaro“. Nach dem Bombardement von Tetuan gab die marokkanische Regierung endlich nach; der Friedenstraktat mit Marokko wurde - wie iiblich unter dem Austausche von Geschenken - im Jahr 1830 erneuert und es wurden S. M. Schiffe abberufen. Kaiser Franz ehrte die Tapferen von el Araisch durch Ordenszeichen, huldvolle Belobungen und augertourliche Beforderungen, Bandiera erhielt das Kommandeur- kreuz des Leopold-Ordens. Die beiden „bei der Marine angestellten Generalmajore“, Marineoberkommandant Marquis Paulucci und der Kommandant der Eskadre in der Levante, Dandolo, wurden mit der Allerhochsten Entschliegung vom 24. Juli 1829 zu Kontreadmiralen ernannt, „um die k. k. Marine auch in den oberen Chargen nach der bei den See- machten iiblichen Form zu organisieren". Kontreadmiral Paulucci wurde bald darauf (11. Janner 1830) augertourlich zum Vizeadmiral befordert, doch mit „dem Aller- gnadigsten Bemerken, dag er, solange ihn nicht die Tour zum Feldmarschalleutnant trifft, keine hohere Gebiihr habe“, — die beiden unteren Admiralsgrade hatten endlich in der k. k. Flotte Eingang gefunden. Unruhen in Mittelitalien fiihrten 1831 zur Aufstellung einer Schiffsdivision in der Adria, der die Sicherung der Handelsschiffahrt und die Unterstiitzung der Operationen der k. k. Armee iibertragen ward; die Division, unter dem Kommando des Fregattenkapitans Bandiera, bestand aus der Fregatte „Medea“, der Korvette „Abbondanza“, der Brigg „Veneto“, den Goeletten „Enrichetta“, „Sofia“ und „Vigi- lante“ und einigen Penischen. Die Schiffe besorgten Truppentransporte und bereiteten sich zur Durchfiihrung einer Blockade Anconas vor, die jedoch infolge der baldigen Ubergabe des Platzes unterblieb; die Goeletten brachten aus Ancona gefltichtete Insurgenten auf. Schlieglich ging ein Teil der Schiffsdivision zur Wahrung der oster- reichischen Interessen nach Turkisch-Albanien ab, woselbst eine tiirkische Flotte zur Unterwerfung des rebellischen Paschas von Skutari erschienen war; die zur Bewachung der osterreichischen Kiiste bestimmten Schiffe wurden wegen des Ausbruches der Cholera vermehrt. Die k. k. Flotte hatte in der Epoche, mit deren Schilderung gerade diese Blatter sich befassen, eine bewegte, vielseitige und anregende Tatigkeit — trotz der Friedensperiode kam sie wiederholt zu kriegerischen Aktionen oder zu den Vor- bereitungen fiir solche; ihr Dienst war besonders in der Levante, wo die Sicherheit der Schiffahrt noch immer nicht erreicht war, ein ziemlich anstrengender. Die Verbindung der Eskadre in der Levante mit der Heimat stellten, wie schon fruher erwahnt, die Fluttschiffe her, in deren Reihe nebst dem regelmagig verkehrenden Postschiff auch Trabakel der Kriegsmarine fiir den Material- und Personentransport traten. So brachte beispielsweise im Friihjahr 1832 S. M. Trabakel „Bravo“ (das als Schoner erst vor wenigen Jahren kondemniert wurde) Post, Ersatzmannschaften und Material von Venedig zur Eskadre nach Smyrna, von wo es am 9. Mai die Riickfahrt antrat, die allerdings nicht so glatt wie die Ausreise ablaufen solite. Schweres Wetter, das nach dem Verlassen von Smyrna angetroffen wurde, zwang den Kommandanten, Schiffsfahnrich Rubessa, das Schiff in einer Bucht der Insel Skyro vor Anker zu legen, um daselbst giinstigen Wind abzuwarten; der im Archipel herrschenden Unsicherheit wegen ward scharfer "VVachdienst und das Schiff in steter Gefechtsbereitschaft gehalten. Am 14. Mai, bald nach Mitter- nacht, bemerkte der Posten zwei Ruderfahrzeuge, die gegen den „Bravo“ ab- hielten und sich rasch naherten, weshalb er das Alarmsignal gab. Die Mannschaft besetzte die Gefechtsstationen, Rubessa rief durch das Sprachrohr den Booten zu, sich aus dem Bereiche des Schiffes zu entfernen, seine Aufforderung wurde aber durch ein lebhaftes Gewehrfeuer der Piraten erwidert, die ihre Fahrt gegen das Schiff fortsetzten. „Bravo“ eroffnete ebenfalls das Feuer mit den beiden Spingarden der Steuerbordseite, mit Blunderbiichsen und Musketen, doch begann das Gefecht mit einer schweren Verwundung des Schiffskommandanten, an dessen Stelle der als Passagier eingeschiffte Schiffsfahnrich Delucca trat. Zwei Versuche der Piraten, die * Siehe Tafel 5: Kampf bel el Araisch. o o O o o o o ( \1 etwa 60 Mann stark waren, das Schiff zu entern, scheiterten an der Tapferkeit der Verteidiger, die im Handgemenge die Angreifer mit blutigen Kopfen zuriickschlugen und ihnen schwere Verluste zufiigten. „Bravo“ setzte nach dem zuriickgewiesenen Angriffe sofort unter Segel, doch entkamen die Piraten unter dem Schutze der dunklen Nacht; auger dem Kommandanten und einem als Passagier eingeschifften Wundarzte wurden noch zwei Mann im Kampfe verwundet. Dieser Angriff und die in der zweiten Halfte des Jahres 1833 iiberhaupt wieder auflebende Piraterie in den levantinischen Gewassern fiihrte zur neuerlichen Verstarkung der Eskadre Accurti, die aus S. M. Schiff en „Guerriera“, „Adria“, „Montecuccoli“, „Ussaro“, „Elisabetta“ und „Fenice“ zusammengesetzt war, durch die Korvette „Abbondanza“ und die Goeletten „Vigilante“ und „Sofia“; gegen Ende des Jahres iibernahm Kontreadmiral Dandolo, der mit der neuen Fregatte „Venere“ eintraf, wieder das Eskadrekommando, Accurti kehrte mit der „Guerriera“ nach Venedig zuriick. Neben den neun grogeren Schiffen, die 1833 in der Levante stationiert waren, bestand auch noch die Division in der Adria mit vier grogeren und mehreren kleineren Schiffen und es war die Korvette „Lipsia“ mit einer Spezialmission in Dienst gestellt - die Marine hatte ihre Position im Staat erobert, sie zahlte bereits als Faktor, litt aber noch immer unter der Ungunst unzureichend bewilligter Geld- mittel. Der Stand des Personals, besonders des Seeoffizierskorps, war im Vergleiche zu den umfangreichen Indienststellungen zu klein, was den Schiffsdienst bedeutend erschwerte. Die k. k. Flotte erlitt im Jahr 1833 leider einen Schiffsverlust: die Korvette „Abbondanza“ scheiterte am 10. April morgens bei ungiinstigem Wetter, das durch einige Zeit jegliche Positionsbestimmung vereitelt hatte, beim Turme Rinalda, 15 Seemeilen von Brindisi. Das Schiff war nicht mehr zu retten, doch gelang es, das Leben der gesamten Bemannung zu erhalten. Die aus Rugland nach Osterreich gefliichteten Polen, die ein sehr unruhiges Element bildeten, wurden auf k. k. Kriegsschiffen ins Ausland gebracht, und zwar nach New-York 1833 durch die „Guerriera“ und „Hebe“, 1834 durch „Lipsia“ und 1835 durch „Adria“, nach Marseille und Toulon 1835 und 1836 durch „Guerriera“; iiberdies transportierte im Jahr 1836 die Brigg „Ussaro“ italienische Hochverrats- straflinge nach New-York. Da zu dieser Zeit die Verwendung von Dampfmaschinen fiir die Fortbewegung von Seeschiffen in den Handelsflotten festen Boden gewonnen und sich bewahrt hatte, traten nunmehr auch die Kriegsmarinen an die Frage heran, ob die Dampf- kraft, die das Schiff von den Windverhaltnissen fast unabhangig machte, nicht auch fiir ihre Zwecke Vorteile bieten wiirde. Man stand vor einem Problem, dessen Losung noch innerhalb der nachsten drei Jahrzehnte eine ganzliche Umwalzung des Seekriegswesens herbeifiihrte, neue Schiffstypen schuf und die alten veranderte. Es diirfte daher eine kurze Schilderung jener Schiffstypen, aus denen sich die kleine, aber tiichtige k. k. Flotte vor der Einfiihrung der Dampfkriegsschiffe zusammensetzte, am Platze sein. Man hatte in Osterreich, wie schon friiher envahnt, bei der Ubernahme der Marine des Konigreiches Italien auf die Beibehaltung und Verwendung der Linien- schiffe rundweg verzichtet und die vorhandenen Schiffe dieser Gattung entweder demoliert oder zu kleineren Schiffen umgestaltet. Der Kern der Kriegsflotten bestand aber bei allen anderen Staaten aus Linienschiffen, die ihre (50 bis 90) Kanonen in drei oder zwei gedeckten Batterien („Dreidecker“, „Zweidecker“) und auf dem Oberdecke trugen; diese Schiffe bildeten die Schlachtlinie und entschieden den Kampf. Die Fregatten besagen eine gedeckte Batterie, sie fiihrten ihre (40 bis 60) Kanonen teils in dieser, teils auf dem Oberdeck und blieben augerhalb der Schlacht¬ linie; als bessere Segler wurden sie fiir den Aufklarungs- und den Depeschendienst verwendet, sie hatten auch havarierte Linienschiffe aus dem Gefechte zu schleppen. Ihre Geschiitzarmierung war fiir den Kampf mit Linienschiffen zu schwach, ihre Konstruktion gegen die schweren Kanonen des Linienschiffes nicht geniigend wider- standsfahig. Die Korvetten hatten die (18 bis 26) Kanonen nur auf dem Oberdeck in- stalliert; sie fanden im Kreuzerkrieg und fiir den Konvoidienst Verwendung. Der Bau von Korvetten mit einer gedeckten Batterie, also kleiner Fregatten, die zum Unterschiede von den nicht gedeckten „Glattdeckskorvetten“ den Namen „ge- deckte Korvetten" erhielten, erfolgte auch in Osterreich erst zu einem spateren Zeitpunkte. Linienschiffe, Fregatten und Korvetten besagen drei vollgetakelte Masten; es kam, allerdings sehr selten, bei den Korvetten vor, dag der Kreuzmast keine Raaen erhielt (Barktakelage). Die Briggs mit ihren beiden vollgetakelten Masten, die Goeletten mit drei bis zwei Raaen am Fockmast und der Besahn am Grogmaste, dann die kleineren Fahrzeuge - Trabakel und Penischen, - die manchmal ein „fliegendes“ Focksegel, sonst aber keine Raaen besagen, dienten untergeordneten Kriegszwecken; als vor- treffliche Segler mit kleinem Tiefgange, der ihnen die meisten Schlupfwinkel zu- ganglich machte, haben diese Schiffsgattungen besonders bei der Sicherung des Seehandels und der Bekampfung der Piraterie in der Levante gut entsprochen. Alle Schiffsgattungen der zweiten osterreichisch-venezianischen Marine zeigten gegen jene, die in den vorhergehenden grogen Seekriegen Verwendung gefunden hatten, bedeutende Verbesserungen, deren stets raschere Aufeinanderfolge bereits begonnen hatte; zu solchen Verbesserungen gehorte die festere, einfachere Kon¬ struktion des Hecks, die hoher eingebauten Ankerkliisen, die Verminderung des ehemals iibergrogen Umfanges der Oberdecksluke („Kuhl“) und die vereinfachte Zutakelung des Bugsprietes, das mit dem Schiffskorper besser verbunden wurde und daher der ganzen Takelage eine kraftigere Stiitze bot. Besondere Vorteile er- wuchsen speziell auf den Fregatten durch die Reduktion der grogen Oberdecks¬ luke auf ein verniinftiges Mag; die Batterie wurde dadurch bewohnbar und es entfiel die Notwendigkeit, beim Segelmanover einen grogen Teil des laufenden Gutes in der Batterie bedienen zu miissen; endlich konnten die grogen Boote auf Deck eingesetzt und versorrt werden. Fultons Raddampfboot, das 1807 die Linie New-York-Albany zu befahren begann, war der Vorlaufer zahlreicher Flugdampfer auf dem Hudson und Clyde; der Dampfschiffsverkehr zwischen England und dem Mittelmeere begann im Jahr 1830, acht Jahre spater folgte der Dampferverkehr zwischen England und Nordamerika. Die osterreichische Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft, 1830 gegriindet, lieg 1834 den ersten mittellandischen Seedampfer bauen, die „Marie Dorothee“, die zunachst die Linie Konstantinopel-Smyrna befuhr; andere Dampfer derselben Gesellschaft folgten in Kurze nach, das osterreichische Unternehmen erfreute sich alsbald in der ganzen Levante solcher Beliebtheit und solchen Zuspruches, dag eine englische Konkurrenzgesellschaft nicht aufkommen konnte und ihre beiden Dampfer der oster- reichischen verkaufte. Der „Osterreichische Lloyd“ in Triest eroffnete die Linie Triest-Konstantinopel mit einem Dampfer („Erzherzog Ludwig“) im Jahr 1837; nach dem Ankaufe der sieben Seedampfer der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft im Jahr 1845 erstarkte der Lloyd zu einem bliihenden Unternehmen, das das ganze ostliche Mittelmeer kommerziell beherrschte. Es ist leider nur eine historische 32 ifrl [OOOOOOOl oooooooJ Reminiszenz, dag der Lloyd, der 1847 bereits 21 und 1857 gar 65 Dampfer besag, dazumal alle anderen Schiffahrtsgesellschaften der Zahl seiner Dampfer nach iiberragte. Die Versuche Ressels, eines osterreichischen Marine-Verwaltungsbeamten, in Triest in den zwanziger Jahren seine Erfindung, Schiffe mit einer Schraube fort- zubewegen, praktischer Verwendbarkeit zuzufiihren, sind an einem kleinen Unfalle ge- scheitert; Anfang der dreigiger Jahre standen daher den Kriegsflotten nur Raddampfer als Vertreter des mit Dampf getriebenen Schiffes zur Verfiigung, denen aber bei der Verwendung fiir Kriegszwecke groge Mangel anhafteten. Motor und Maschinen befanden sich grogtenteils ober Wasser, ohne Schutz gegen feindliche Projektile; die Schaufelrader nahmen einen grogen, sonst fiir die Aufstellung von Kanonen ver- wendeten Platz weg und trennten die Geschiitzaufstellung in zwei Gruppen, was nach damaligen Begriffen der getrennten Feuerleitung wegen sehr stdrend war; endlich mugte die Takelage, die man noch nicht entbehren konnte, sehr niedrig sein, damit das Schiff bei gesetzten Segeln nicht zu stark krange, wodurch das eine Rad auger Wasser gekommen und das andere zu tief eingetaucht worden ware. Der Raddampfer der Kriegsflotten diente daher vorwiegend fiir Schleppzwecke, als Jacht und fiir die Ubermittelung von Depeschen; obschon einige Radkorvetten auch anderwarts konstruiert worden sind, hielt man doch nur in Frankreich an der Eig- nung des Raddampfers als Kampfschiff fest und erbaute dort einige Radfregatten und -Korvetten fiir den Kampf in der Linie. Der erste Raddampfer der k. k. Flotte wurde 1834 auf der Werfte des Schiffs- baumeisters Pritchard in Porto Re auf den Stapel gelegt; das Schiff, anfangs „Ferdi- nando“, spater „Marianna“ genannt, hatte 500 Tonnen Deplacement, seine Maschine, die bei Fletchert und Punchon in Wien erzeugt wurde, besag 120 Pferdekrafte. Heute hat S. M. Schiff „Huszar“, das um 100 Tonnen kleiner ist als die „Marianna“, 6000 indizierte Pferdekrafte, das grogte fertiggestellte Schiff der k. und k. Flotte, „Erzherzog Karl“, 10.600 Tonnen und 18.000 Pferdekrafte; die Umwalzungen des Seekriegswesens in den letzten 70 Jahren sind jedenfalls gewaltigere, als die in den vorhergehenden sieben Jahrhunderten! Die „Marianna“ lief am 5. Janner 1836 vom Stapel; sie verungliickte am 4. Marž 1852 wahrend eines schweren Sturmes, wahrscheinlich infolge einer Kessel- explosion oder Auffliegen der Pulverkammer, mit ihrer ganzen Bemannung. Die urspriinglich vom Hofkriegsrate beantragte Zahl der in Dienst zu haltenden Schiffe konnte, wie aus den vorstehenden Schilderungen zu entnehmen ist, nie ein- gehalten werden - die Entwickelung der Marine hatte sich anders gestaltet als sie gedacht war. Eine Allerhoehste Entschliegung vom 2. Janner 1835 trug den tat- sachlichen Verhaltnissen Rechnung und setzte die Zahl der in Dienst zu haltenden Schiffe fest mit 2 Fregatten, 3 Korvetten, 3 Briggs und 4 Goeletten; die Schiffe des Hafen- und Kiistendienstes sollten von 40 auf 25 herabgesetzt werden, doch kam es der Gegenvorstellungen der staatlichen Behorden (Finanz, Polizei, See- sanitat) wegen nicht dazu, — hatte die Kriegsmarine doch auch Kreuzungen im Quarnero auszufiihren, um den Salzschmuggel zu verhindern, bei Epidemien einen Kordon zu ziehen und, der Eigenart jener Zeit entsprechend, fiir die Sicherheit der Schiffahrt und des Handels an der eigenen Ktiste zu sorgen! Das Jahr 1837 brachte den Eintritt des ersten kaiserlichen Prinzen in die Kriegsmarine: Erzherzog Friedrich, der dritte Sohn des ruhmreichen Feldmarschalls Erzherzog Karl, widmete sich dem Seedienst und machte alsbald seine erste See- reise auf der Fregatte „Medea“ im Mittelmeere. Schon drei Jahre spater solite der tapfere Erzherzog, auf den die Marine groge Hoffnungen setzte, seinen Namen und die Flagge der kaiserlichen Marine mit immergrunem Lorbeerreise schmiicken. Der Ausbruch von Zwistigkeiten zwischen dem Sultan Abdul Medschid und dem Vizekonig von Agypten, Mehemed Ali, fiihrte zur Verstarkung der k. k. Eskadre in der Levante, die unter dem Kommando des Kontreadmirals Bandiera stand; Linienschiffskapitan Erzherzog Friedrich iibernahm das Kommando der Fregatte „Guerriera“, die im Herbst 1839 zur Eskadre in Smyrna stieg. Als Ibrahim Pascha, ein Sohn Mehemed Alis, die tiirkische Armee bei Nisib geschlagen und der Kapudan Pascha die tiirkische Flotte dem Vizekonig ausgeliefert hatte, wandte sich der Sultan um Hilfe an die Grogmachte. Osterreich, Rugland, England und Preugen schlossen am 15. Juli 1840 den Londoner Vertrag, der die Integritat des tiirkischen Reiches garantierte, Osterreich und England aber beauftragte, eventuell Gewaltmagregeln gegen Mehemed Ali auszufiihren. Die Eskadre Bandieras segelte daher nach Alexandrien, wo sie sich mit der englischen Eskadre vereinigte; Admiral Stopford iibernahm den Oberbefehl. Als die tiirkisch - agyptischen Ver- handlungen gescheitert waren, konzentrierte Admiral Stopford die alliierte Flotte vor Beirut; von der k. k. Eskadre wurden anfangs nur die Fregatten „Medea“ und „Guerriera“ und die Korvette „Lipsia“ zugezogen. Admiral Stopford schiffte vorerst englische und tiirkische Landtruppen aus, die nordlich von Beirut ein befestigtes Lager errichteten; S. M. Fregatte „Guerriera“ ankerte in der Nahe des Lagers, um den Verkehr auf der Strage am Meere zu verhindern und feindliche Angriffe auf dieser Strage abzuhalten. Als Soliman Bey, der agyptische Truppenkommandant in Beirut, die Aufforderung zur Obergabe dieser Festung nicht befolgte, beschossen die Alliierten am Abende des 11. Sep¬ tember Beirut, dessen Festungswerke grogtenteils zerstorend; Soliman, der das Feuer nicht erwidern lieg, zog sich mit seinen Truppen aus dem Bereiche der Schiffsgeschiitze zuriick. Es galt nun, der gelandeten Truppe, die durch ein osterreichisches Landungs- detachement verstarkt worden war, einen Stiitzpunkt zu schaffen, der sie von den Schiffen unabhangig machte, — das bevorstehende Winterwetter lieg voraussetzen, dag das Verbleiben der Eskadren vor der offenen Kiiste oftmalige Unterbrechung werde erleiden miissen. Stopford beschlog, Saida zu nehmen, zu welchem Zweck er eine Flottenabteilung, der auch die „Guerriera“ angehorte, unter dem Befehle des Kommodore Napier detachierte; von der englischen Eskadre gehorten der Abteilung das Linienschiff „Thunderer“, die Korvette „Wasp“ und die Dampfer „Cyclops“, „Gorgon“, „Stromboli“ und „Hydra“ an, iiberdies nahm eine tiirkische Korvette an der Expedition teil. Die Dampfer hatten englische und tiirkische Landungs- truppen an Bord. Das Geschwader Napiers traf am 26. September vor Saida ein, dessen Gouverneur die Ubergabe ablehnte; als der Parlamentar zuriickgekehrt war, eroffnete das Geschwader, das in drei getrennten Gruppen geankert hatte, das Feuer, das anfangs heftig erwidert wurde. Als das feindliche Feuer nach etwas iiber einer Stunde nachlieg, landeten die Ausschiffungstruppen: ein osterreichisch-englisches Detachement unter Kapitan Mansell vom „Wasp“ und Linienschiffsfahnrich Polti im Siiden von Saida, eine tiirkische Abteilung beim Seekastell und eine englische unter Napiers personlichem Kommando im Norden der Stadt. Das Detachement Mansell- Poltl wurde mit heftigem Gewehrfeuer empfangen; Mansell, der die Tapferkeit der osterreichischen Matrosen nicht genug loben konnte, erbat angesichts des hart- nackigen Widerstandes der Verteidiger ein zweites osterreichisches Detachement, das schon in Bereitschaft stand. Erzherzog Friedrich, der sich kurz vorher zum ersten Detachement begeben hatte, lieg die Verstarkung, der Raketengeschiitze bei- gegeben waren, sofort landen; ungeachtet des aus verschiedenen Hausern lebhaft unterhaltenen Gewehrfeuers drang der Erzherzog an der Spitze des ersten Detache- ments und einiger englischer Matrosen stiirmend in das Bergkastell ein. Gegen 33 ooaooool , ° o i rv FML. Graf Wimpffen, mit den Funktionen des Statthalters in Triest betraut, iibernahm provisorisch das Marineoberkommando; den seemannischen Reformen folgte nun eine Periode rein militarischer. Das Matrosenkorps, das den Stammkorper der Unteroffiziere des Seedienstes und der Matrosen bildete, wurde griindlich um- geformt und mit einer intensiveren militarischen Ausbildung bedacht; Marineinfanterie und -Artillerie, bei denen Reorganisationen keine Seltenheit zu sein pflegten, sollten verschmolzen werden: man bildete die Artilleristen im Infanteriedienst und im Gewehrexerzieren, die Infanteristen in der Bedienung der Geschiitze aus. In der Folge mugte diese Absicht allerdings fallen gelassen werden, weil die erhofften Resultate ausblieben. Das Marinekadettenkollegium wurde eine Marineakademie; dann folgte die Errichtung einer Kadettenschule in Muggia zur Heranbildung von Kadetten fiir die Marineartillerie und -Infanterie, denen unter Umstanden auch der Eintritt in das Seeoffizierskorps moglich war, endlich die Unterstellung der Marine- bildungsanstalten unter die „Sektion der Militar-Bildungs-Anstalten" des Armee- oberkommandos und die Wiedererrichtung des seit 1848 aufgelassenen Schiffbau- (Offiziers)korps. Es wurde schon frtiher ausgefiihrt, dag der Raddampfer weder die Seeoffiziere noch die Schiffskonstrukteure zu befriedigen und auch das Segelschiff als Schlacht- schiff nicht zu verdrangen vermochte; die Vervollkommnung der Schraube als Schiffs- motor brachte hierin Wandel. England und Frankreich waren die ersten Seemachte, die — zu Beginn der | vierziger Jahre - die Einfiihrung der von Smith und Ericson fiir Seeschiffe ver- f wendbar gemachten Schiffsschraube in ihren Flotten versuchten; beide statteten zuerst Segellinienschiffe mit Auxiliardampfmaschinen und Schrauben aus, England nahm zwar auch den Bau von leichten Schraubenfregatten und -Avisos auf, doch blieb man im allgemeinen noch weiter beim Baue von Segellinienschiffen. Erst die Resultate der Probefahrten des 1850 vom Stapel gelassenen franzosischen Linien- schiffes „Napoleon", das mit einer Schraubendampfmaschine ausgestattet war und die fiir damals verbluffend groge Fahrgesch\vindigkeit von zwolf Seemeilen in der Stunde erreichte, gaben den ersten Impuls, Dampferflotten an die Stelle von Segel- flotten zu setzen; England und Frankreich gingen mit dem grogten Eifer an diese Umgestaltung, die anderen Seemachte folgten nach. Bezeichnend ist, dag man vor allem liber die Moglichkeit erfreut war, das Schraubenschiff (im Gegensatze zum Raddampfer) mit der vollen Takelage des Segelschiffes ausstatten zu konnen; das Segel blieb noch immer das normale Fort- bewegungsmittel, der Dampf solite nur im Gefecht und in dringenden Fallen An- wendung finden. Da ergab sich alsbald, dag die feststehende Schraube beim Segeln einen bedeutenden Wasserwiderstand erzeugte und die Manovriereigenschaften der Schiffe unter Segel nachteilig beeinflugte; England (spater auch Osterreich) entschlog sich daher zur Einfiihrung von Higvorrichtungen, mit denen die abgekuppelte Schraube wahrend des Segelns iiber Wasser gehoben werden konnte; Frankreich zog es vor, die abgekuppelte Schraube im Wasser mitlaufen zu lassen, was den Wasserwiderstand zwar nicht ganz behob, aber doch bedeutend verminderte. Die alten Segelschiffstypen konnten trotz der Einfiihrung der Schrauben- dampfmaschinen unverandert beibehalten werden; der fiir die Geschiitzaufstellung benotigte Raum blieb von der Neueinfuhrung unberuhrt. Es gab daher auch Schrauben- linienschiffe, -Fregatten und -Korvetten, die mit Vollschiffstakelagen ausgestattet waren; nur einige Glattdeckskorvetten fiihrten Barktakelage. Die Briggs und Goeletten verschwanden ganz, sie machten „Kanonenbooten Platz, die teils sehr zierliche Schiffe waren, teils an die Gr5ge der Glattdeckskorvetten heranreichten und Bark-, Barkschoner- oder Schonertakelung erhielten. 45 Die Schiffsform blieb im grogen und ganzen ebenfalls unverandert, nur das Ver- haltnis der Lange zur Breite anderte sich; dieses betrug beispielsweise bei der Segel- fregatte „Novara“ (Stapellauf 1850) 3*6 :1, bei der Schraubenfregatte „Radetzky“ (II), die 1873 vom Stapel lief, bereits 5*5:1. Bemerkt sei, dag die Zunahme der Lange der Schiffe im Verhaltnisse zu der Breite immer mehr angestiegen ist und speziell bei leichten, schnellaufenden Fahrzeugen eine bedeutende wurde, wie dies den nach- folgenden Zahlen entnommen werden kann: Turmschiff „Erzherzog Friedrich" (Stapel¬ lauf 1904) 5*4:1, Panzerkreuzer „St. Georg" (1903) 6‘2:1, Panzerdeckkreuzer „Szigetvar“ (1900) 7*6:1, Torpedofahrzeug „Magnet“ (1896) 8*2:1 und Torpedo- bootszerstorer „Huszar“ (1905) 10*8 :1. Osterreich trat schon im Jahr 1852 der Frage naher, Schraubenschiffe ein- zufiihren; die Fregatte „Schwarzenberg“, die sich im Baue befand, lief allerdings noch als Segelschiff (1853) vom Stapel. Es wurde im Jahr 1852 auf englischer Werfte die Schraubenfregatte „Radetzky“ (I) in Bestellung gebracht, die im Jahr 1854 vom Stapel gelassen wurde und als Musterschiff diente, worauf der Bau von Schrauben- schiffen ziemlich rasch vonstatten ging. Die Fregatten „Adria“ und „Donau“ liefen 1856 vom Stapel der Werfte S. Marco in Triest, die gedeckten Korvetten „Erzherzog Friedrich" und „Dandolo“ 1857 und 1858 vom Stapel des Arsenals in Venedig; 1858 fand weiters der Stapellauf des in Pola erbauten Linienschiffes „Kaiser“, eines prachtigen Zweideckers, statt. Die giinstigen Resultate, die andere Nationen bei der Umgestaltung grogerer Segelschiffe in Schraubenschiffe erzielten, fiihrte auch in Osterreich zum Umbaue der Segelfregatten „Novara“ und „Schwarzenberg“; diese wurden in den Jahren 1860 bis 1862 aufgeholt, verlangert und mit einer Schrauben- maschine ausgestattet. Der Bau von Kanonenbooten erfolgte erst nach jenem der gedeckten Schiffe; die kleineren Kanonenboote „Narenta“ und „Kerka“ liefen 1860, die grogeren „Hum“, „Dalmat“, „Wal“, „Velebich“, „Reka“, „Seehund“ und „Streiter“ 1861 vom Stapel. Kaiser Franz Joseph I. inspizierte am 27. Februar 1852 in Muggia bei Triest die unter dem Kommando des Kontreadmirals von Bujacovich stehende Eskadre (Fregatte „Novara“, Dampfer „Volta“, „S. Lucia", „Marianna“, „Vulkan“, „Seemove“) und begab sich am nachsten Morgen an Bord der „Lucia“, begleitet von den anderen Dampfern, nach Venedig. Die Riickkehr Seiner Majestat erfolgte fiinf Tage spater an Bord des „Volta“ — schon beim Verlassen Venedigs trafen die Dampfer frische Bora an, die alsbald Sturmesstarke erreichte; die Schiffe mugten einzeln Zuflucht suchen. „Volta“, mit dem Kaiser an Bord, gelangte nach Rovigno, wo auch die „Lucia“ einlief; „ Vulkan" erreichte Pirano, die „Seemove“ mugte bald nach dem Verlassen Venedigs wegen Havarien umkehren; „Marianna“ blieb vorlaufig verschollen. Seine Majestat reiste von Rovigno liber Land weiter, geruhte aber vorher, allen Schiffs- kommandanten fiir ihr umsichtiges und mutiges Verhalten wahrend des Sturmes den Ausdruck der Allerhdchsten Zufriedenheit bekanntgeben zu lassen. Im Laufe der nachsten Tage wurden verschiedene Gegenstande, die von der „Marianna“ stammten, siidlich von Venedig ans Land getrieben; erst Ende Marž fand man das Wrack des Schiffes unweit von der Spitze della Maestra in geringer Tiefe; aus verschiedenen Anzeichen konnte geschlossen werden, dag der Dampfer durch die Gewalt des Sturmes gegen das Po-Delta abgetrieben war und dann wahrscheinlich durch eine Explosion des forcierten Schiffskessels (vielleicht durch das Auffliegen der Pulverkammer) zerstort wurde, wobei die ganze, aus 65 Kopfen bestehende Bemannung den Tod fand. Im Jahr 1853 ware es mitten im Frieden fast zu einem Kampfe zweier kleiner k. k. Kriegsschiffe mit einem iiberlegenen Gegner gekommen. Zu jener Zeit hielten sich in den levantinischen Hafenstadten zahlreiche politische Fliichtlinge und 1 1° O o O O o 01 > O oooooo Verbrecher auf, die nach den Ereignissen der Revolutionsjahre Ursache hatten, aus der Heimat zu verschwinden und die nun dank der Indolenz der tiirkischen Behorden vielfach freie Hand hatten. Der Kommandant S. M. Brigg „Hussar“ (Linienschiffs- leutnant Schwarz), die im Sommer 1853 in Smyrna in Station lag, war der unsicheren Zustande wegen, die von den Emigranten in der Stadt veranlagt wurden, zu einer weitgehenden Einschrankung des Verkehres mit dem Lande gezwungen. Dennoch ereignete es sich, dag drei Mitglieder des Schiffsstabes am 23. Juni nachmittags von etwa 30 Individuen in einem Kaffeehaus iiberfallen wurden; Fregattenleutnant von Aurnhammer erhielt einen Kniittelhieb auf den Kopf, der ihn bewugtlos machte, der Marinekadett Freiherr von Hackelberg wurde durch einen Dolchstich todlich verletzt und ins Meer geworfen, der Schiffsarzt, der Zivilkleidung trug, entging dem Angriffe. Da die Morder, die sich offen ihrer Tat briisteten, auch Drohungen gegen den k. k. Generalkonsul richteten, landete „Hussar“ ein Detachement zum Schutze des Konsulatsgebaudes. Der Gouverneur von Smyrna, der die Verhaftung der Morder unterlieg, wurde liber Betreiben des Internuntius abgesetzt, die tiirkische Regierung sagte iiberdies die Auslieferung der am Attentate beteiligten osterreichischen Unter- tanen zu und es wurde tatsachlich einer derselben dem Generalkonsul iibergeben, der ihn auf „Hussar“ in Haft setzen lieg. Commander Ingraham, Kommandant der Vereinigten Staaten - Segelkorvette „St. Louis“, die am 22. Juni in Smyrna eingelaufen war, verlangte unter Berufung auf die Angabe, der Verhaftete hatte sich gelegentlich eines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten die amerikanische Staatsbiirgerschaft erworben, dessen Aus¬ lieferung; obschon der Mann auf keine Weise dies nachweisen konnte, blieb Ingraham doch bei seinem Verlangen, dem selbstverstandlich keine Folge gegeben ward. Der „St. Louis“ setzte am 29. Juni unter Segel und ankerte auf etwa 200 Meter Entfernung vom „Hussar“, worauf der amerikanische Kommandant seine Schiffs- geschiitze scharf laden lieg; er kam am 2. Juli morgens an Bord des „Hiissar“ und teilte mit, den Befehl erhalten zu haben, falls ihm der Verhaftete nicht ausgeliefert werde, diesen mit Gewalt zu holen; dementsprechend wiirde er am nachsten Tage um 4 Uhr nachmittags die Feindseligkeiten eroffnen. Linienschiffsleutnant Schwarz wies den amerikanischen Kommandanten an den k. k. Generalkonsul, lehnte jede weitere Verhandlung ab und erklarte kurz, Gewalt werde mit Gewalt erwidert werden, worauf die amerikanische Korvette gefechtsbereit gemacht ward. „Hussar“ hatte allerdings nur sechzehn 14-Pfiinder gegen die zwanzig 30-Pfiinder der Korvette ein- zusetzen, man fiirchtete aber an Bord den Kampf nicht und vermied es, sich unter den Schutz der tiirkischen Batterien zu begeben; das Schiff wurde ebenfalls gefechts¬ bereit gemacht, der Kommandant verfiigte gleichzeitig, dag der Inhaftierte im Fali eines ungiinstigen Ausganges des Kampfes sofort zu erschiegen sei. Im kritischen Augenblicke lief S. M. Goelette „Artemisia“ ein, die mit zehn 6-Pfiindern armiert war; ihr Kommandant, Linienschiffsleutnant Richard von Barry, hatte in Syra einer Zeitungsnachricht die Ermordung des Marinekadetten Hackel¬ berg und die Differenzen des „Hussar“ mit dem amerikanischen Kriegsschiff ent- nommen und sofort beschlossen, ohne erst Befehle einzuholen, nach Smyrna zur Unterstiitzung zu eilen. Die „Artemisia“ erhielt nun den Auftrag, auf Pistolenschug- weite vor dem Buge der Korvette zu kreuzen, beide Breitseiten im Enfiladefeuer zu verwenden und dann den „St. Louis" am Bug oder am Heck zu entern; die schwach konstruierte, aber relativ sehr stark bemannte Goelette war auf diese Art dem Feuer der feindlichen schweren Batteriegeschiitze nicht ausgesetzt und konnte ihrer- seits dem auch durch den „Hussar“ beschaftigten Gegner sehr gefahrlich werden. Am 3. Juli um 8 Uhr morgens wurde auf S. M. Schiffen Gefechtsalarm durch- gefiihrt, die „Artemisia“ setzte unter Segel und kreuzte mit kurzen Borden vor dem Buge des „St. Louis", dieser und „Hussar“ holten „auf und nieder", „Hussar“ machte sich segelklar. In voller Gefechtsbereitschaft erwarteten die Schiffe die vierte Nachmittagsstunde, die den ersehnten Kampf mit der relativ machtigen Kor¬ vette bringen solite; kurz vor dem bevorstehenden Gefechtsbeginne hatten aber der osterreichische und der amerikanische Konsul vereinbart, den Gefangenen dem fran- zosischen Generalkonsulat in Verwahrung zu geben, bis dessen Staatsangehorigkeit klargestellt sei, der Kampf unterblieb sonach. Zehn Tage spiiter trafen S. M. Fregatten „Bellona“ und „Novara“ in Smyrna ein, die vom Marineoberkommando auf die Nach- richt von den Vorfallen schleunigst nach Smyrna detachiert worden waren; die Korvette „Minerva" folgte. Commander Ingraham sandte seinen ersten Leutnant zum k. k. Eskadrekommandanten, dem er mitteilen lieg, durch Unwohlsein an der Erstattung des personlichen Besuches verhindert zu sein; einige Stunden nachher verlieg der „St. Louis" den Hafen. FM. Graf Radetzky teilte dem Marineoberkommando mit, er habe mit Vergniigen die Berichte iiber den Zwischenfall gelesen und er er- kenne in dem ritterlichen, ehrenhaften Verhalten eines so schwachen Teiles der k. k. Marine im fernen Land eine schone Frucht jenes echt militarischen Geistes, welcher die Land- und Seemacht stets vereinen moge; der Kaiser zeichnete die beiden Schiffskommandanten durch den Ausdruck der Allerhochsten Zufriedenheit aus. Wahrend der Kommandofiihrung Wimpffens hatten auf Grund der Allerhochst sanktionierten Antrage der Kommission des Jahres 1850 die Arbeiten in Pola begonnen; die Insel Olivi erhielt einen Stapel fiir groge Schiffe und ein Trockendock, an das siidostliche Hafenufer wurden die Arsenalswerkstatten, an das ndrdliche das Munitions- magazin verlegt. Gleichzeitig wurde der Bau einer grogen Marinekaserne und von sechs umfangreichen Zisternen, die dem Arsenal und der Kaserne das Trinkwasser liefern sollten, in Angriff genommen. Der Bau eines Trockendocks - Dahlerup hatte 1850 ein Schwimmdock beantragt - war unabweislich geworden, weil die neuen grogen Schiffe der Flotte fiir die Ausfiihrung von Reparaturen oder Instandsetzungen im Arsenale von Venedig nicht mehr aufgeholt werden konnten. Erzherzog Ferdinand Max, der jiingere Bruder des Kaisers Franz Joseph I., unternahm im Jahr 1850 seine erste Seereise auf dem Kriegsdampfer „Vulkan" nach Griechenland und Smyrna; unter dem Eindrucke dieser Reise und einem inneren Drange folgend, wahlte der erlauchte, achtzehnjahrige Prinz den Seedienst als Beruf. Er unternahm als Schiffsoffizier auf der Fregatte „Novara“ eine Reise nach dem westlichen Mittelmeer (1851) und auf S. M. Dampfer „Volta“ eine zweite nach Madeira (1852); zum Korvettenkapitan ernannt, befehligte der Erzherzog im Jahr 1853 die Segelkorvette „ Minerva" in der Adria. FZM. Graf Wimpffen trat im Jahr 1854 vom Marineoberkommando zuriick, Kontreadmiral Bujacovich fiihrte die Amtsgeschafte bis zum Eintreffen des Erzherzogs Ferdinand Max, der am 10. September vom Kaiser zum Kontreadmiral und Marine- oberkommandanten ernannt worden war — eine fiir die Kriegsmarine segensreiche Zeit hub an; dank der vaterlichen Fiirsorge des Monarchen und dank den Bemiihungen des Erzherzogs, der seine hervorragenden Geistesgaben in den Dienst der Sache stellte, wurde die Flotte in eine ehrenvolle Stellung erhoben und mit jenen Mitteln ausgestattet, mit denen sie im Jahr 1866 einem starken Gegner die Spitze bieten konnte. Erzherzog Ferdinand Max iiberzeugte sich alsbald personlich in Pola vom Stande der Arbeiten, in die er einen frischeren Zug brachte und deren Mangel seinem Scharfblicke nicht verborgen blieben. Fiir die Ausfiihrung der Arbeiten wurden geeignete Personlichkeiten beruf en, an Stelle der unzureichenden Zisternen die Karolinen-Quelle fiir die Speisung einer Wasserleitung verwertet; angesichts der Schwierigkeiten, die der Bau des Trockendocks ergab und die eine Bauzeit von 46 lo O O O O O ol \1 etwa vier Jahren erwarten liegen, erwirkte der Marineoberkommandant den sofortigen Bau eines holzernen Schwimmdocks. Dieses Dock, in relativ wenigen Monaten zu Venedig erbaut, wurde nach Pola geschleppt, wo es noch heute dienstfahig ist. Im Jahr 1855 fiihrte der Erzherzog personlich das Kommando einer aus vier- zehn Schiffen bestehenden k. k. Eskadre, zu der die Fregatten „Radetzky“, „Schwarzen- berg“, „ No vara “ und „Venus“ zahlten und die eine Kreuzung im” Mittelmeer unternahm. Die schon friiher geschilderte Umgestaltung der Segelflotte durch den Neu- bau von Schraubenschiffen kam in ein erfreulich rasches Tempo; dem Nachwuchse des Seeoffizierskorps, der wissenschaftlichen Tatigkeit der Seeoffiziere und der Aus- bildung der Mannschaft zu tiichtigen Seeleuten dienten zweckentsprechende organi- satorische Magnahmen; das Schiffbaukorps ward ein Ingenieurskorps, damit dem Talent augerhalb militarischer Organisation eine freiere Bahn erdffnet bleibe- endlich wurde die Uniformierung des Marinepersonals, die bis zu diesem Zeitpunkte nur kleine Unterschiede gegen die Uniformen der k. k. Armee aufwies, nach dem Muster anderer groger Seemachte zu einer dem Seedienste besser angepagten geandert Die eigenartigen Verhaltnisse des bosnisch-herzegowinischen Hinterlandes das mit den Enklaven Klek und Sutorina - die einst die Republik Ragusa gegen vene- zianische Expansionsbestrebungen zu schiitzen hatten - an die Gestade der Adria reichte, machten im Jahr 1855 die erneute, diesmal dauernde Aufstellung kleiner Kriegsschiffe in der Bucht von Klek und im Golfe von Cattaro notwendig. Die Stationsschiffe waren angewiesen, die Beniitzung der den Enklaven vorliegenden Seegebiete, welche osterreichisches Territoriahvasser bildeten, den Tiirken nicht zu gestatten; tiirkischerseits durften dort keine Schiffe, nicht einmal Fischerfahrzeuge gehalten werden, fremden Schiffen war das Anlaufen der kleinen Kiistenstriche und der Verkehr mit diesen nicht zu gestatten. Erst die Okkupation Bosniens und der Herzegowina machte die Stationsschiffe entbehrlich. Aus Anlag einer Reise nach Venedig schiffte sich das Kaiserpaar am 8. Dezember 1856 in Triest auf den Dampfer „Elisabeth“ ein, der hierauf, begleitet von den Schraubenschiffen „Lucia“, „Eugen“, „Custoza“, „Curtatone“, „Achilles“ und „Hentzi“, die unter dem Kommando des Kontreadmirals Bourguignon "standen, nach Pola in See ging. Im Vorhafen von Pola waren fiinf Segelfregatten und -Korvetten vertaut, die beim Passieren der „Elisabeth“ den Salut leisteten. Die Grundstein- legung des Seearsenals erfolgte am 9. Dezember im Beisein der Majestaten die dann die Reise nach Venedig fortsetzten; ein Flottenbefehl verlautbarte die Aller- hochste Anerkennung fur die Haltung der Flotte, Erzherzog Ferdinand Max wurde gleichzeitig zum Vizeadmiral befordert. Drei Monate spiiter wurde Erzherzog Ferdinand Max zum Generalgouverneur des lombardo-venezianischen Konigreiches ernannt; er behielt trotzdem das Marine- oberkommando bei, dessen Amtssitz Mailand war. Die in Triest verbliebene oberste Marinebehorde bekam den Titel „Marinekommando“ und den Wirkungskreis, der zwei Jahre vorher organisationsmagig dem Oberkommando eingeraumt worden'war- an die Spitze des Marinekommandos trat Kontreadmiral Bourguignon. Der Erzherzog widmete auch in der neuen, an schweren Biirden reichen Stellung seine volle Fiir- sorge dem Gedeihen der Kriegsmarine, das ihm so sehr am Herzen lag. Im Jahr 1856 wurde iibrigens das Marineoberkommando zu einer selbstandigen Zentralbehorde erhoben, wodurch es in jenem Wirkungskreise, den bis dahin das Armeeoberkommando in Marineangelegenheiten zugewiesen hatte, unabhangig ward eine Anderung, die dem Staat und der Marine manchen Nutzen brachte. Der Kanalbau von Suez lenkte dazumal die Aufmerksamkeit auf die Kiisten des Roten Meeres; Triest und Fiume schienen durch ihre Lage bestimmt, bluhende Knotenpunkte des durch den Kanal bedeutend gekiirzten Warenzuges zwischen Mitteleuropa und dem fernen Osten zu werden. Erzherzog Ferdinand Max entsandte daher den Linienschiffsleutnant von Tegetthoff zu einer Bereisung der arabischen und der agyptischen Kiiste; die Intentionen des weitausblickenden Prinzen und die Studien Tegetthoffs haben spaterhin allerdings nicht das erreicht, was diese beiden um die k. und k. Kriegsmarine so hochverdienten Manner im Interesse der Schiff- fahrt, des Handels und des Wohlstandes ihres Vaterlandes anstrebten. Der Marineoberkommandant erkannte die Notwendigkeit, die Bedeutung der Kriegsmarine auch fur Friedensmissionen durch wissenschaftliche und volkswirt- schaftliche Leistungen des Seeoffizierskorps zu erweisen; Expeditionen nach China und nach Siidamerika sollten diesem Zwecke dienen. Die geplante Expedition nach China entwickelte sich mit kaiserlicher Genehmi- gung zu einer wissenschaftlichen Erdumsegelung, die von der Fregatte „Novara“ unter dem Kommando des Kommodore Freiherrn von \Viillerstorff-Urbair (des nach- maligen k. k. Handelsministers) in den Jahren 1857 bis 1859 ausgefiihrt wurde. Da die „Novara“-Reise unter den wissenschaftlichen Expeditionen aller Zeiten einen sehr hohen Rang einnimmt, durften einige Details am Platze sein. Die Expedition hatte drei Zwecken zu dienen: durch Ausbildung der See¬ offiziere und Mannschaften tiichtige Krafte fur die Entwickelung der Flotte heran- zuziehen, die k. k. Flagge an Orten zu zeigen, an denen sie bisher noch nicht er- schienen war, womit eine Einflugnahme auf die Interessen der Schiffahrt, des Handels und der Industrie Osterreichs zusammenhing, und endlich wissenschaftliche Fragen zu losen. Die Schiffsoffiziere sorgten fiir die mit dem Seewesen verbundenen Wissens- zweige, ein Štab osterreichischer Gelehrter fiihrte naturwissenschaftliche Beobachtungen aus; solcherart erstreckte sich das Arbeitsprogramm auf Astronomie, Geodasie, Erd- magnetismus, Geologie, Zoologie, Botanik, Ethnographie, Anthropologie, Medizin, Statistik und Handelspolitik. In- und auslandische Gelehrte und Korporationen nahmen lebhaften Anteil an den Aufgaben der Expedition, Humboldt sandte geistvolle An- leitungen („Physikalische und geognostische Erinnerungen“), die kaiserliche Akademie der Wissenschaften, die k. k. geologische Reichsanstalt, die k. k. geographische Gesell- schaft, die k. k. Gesellschaft der Arzte iibermittelten einzelne Wiinsche; Regierungen und Gelehrte stellten sich mit Empfehlungsschreiben ein. Die Ausreise der Fregatte* fand am 30. April 1857 statt, bis in den Atlantischen Ozean segelte die nach Pernambuco bestimmte k. k. Korvette „Carolina“ mit; die Reiseroute fiihrte nach Madeira, Brasilien, Kap der Guten Hoffnung, Indien, Java, Philippinen, China, Australien und Chile; der bevorstehende Ausbruch des Krieges mit Frankreich bewog den Kommodore, den Rest des Reiseprogrammes zu streichen, um die Fregatte und deren Bemannung sobald als mdglich dem Vaterlande zur Ver- fiigung stellen zu konnen. Als aber die „Novara“ nach 82tagiger, ununterbrochener Seereise von Valparaiso nach Gibraltar kam, war der Friede von Villafranca schon geschlossen; es gelangte leider erst nachtraglich zur Kenntnis des Kommodore, dag die „Novara“ als Tragerin \vissenschaftlicher Schatze bei Kriegsbeginn neutral erklart worden war. Erzherzog Ferdinand Max begriigte die heimkehrende Expedition in Gravosa; die Fregatte segelte dann mit der ganzen k. k. Eskadre von Pola nach Triest; die Weltumsegelung fand am 26. August 1859 ihr Ende. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition sind in fachmannischen Publikationen ein Gemeingut der gebildeten Welt geworden; die zoologischen, botanischen, mineralogischen, petrographischen, palaontologischen, anthropologischen und ethnographischen Sammlungen zahlten weit iiber 30.000 Objekte. Reiches Wissen und unermiidliche Arbeit aller Mitglieder der Reise hatten eine Fiille wissen- schaftlichen Materials zusammengetragen; offizielle und private Kreise kargten nicht 47 • Siehe Tafel 8: Fregatte „Novara“. ioofl O O O ol mit Anerkennungen fiir die ausgezeichneten Leistungen, die nicht nur der Geschichte der Kriegsmarine, sondern auch der Geschichte der Entwickelung des menschlichen Geistes angehoren. Die Kriegsmarine blieb aber fortdauernd bestrebt, auf wissen- schaftlichem Gebiete das Beste einzusetzen fiir den Ruhm des Vaterlandes, fiir die Befriedigung des eigenen geistigen Strebens. Als Napoleon III. sich in Plombieres mit Cavour verstandigt hatte, zog er 1859 gegen die osterreichische Herrschaft in Oberitalien ins Feld; die bekannte Neujahrsansprache des Kaisers an den osterreichischen Botschafter in Pariš kiindigte bereits den Ernst der Situation an. Venedig war geradezu pradestiniert, ein Haupt- objekt des feindlichen Angriffes zu werden, man versetzte daher die Lagunenstadt in Verteidigungszustand; die k. k. Flotte war allerdings nicht imstande, sich mit der franzosischen im offenen Kampfe zu messen. Im Miindungsgebiete des Po und der Etsch, an der Kiiste zwischen dem Lido und Chioggia, wurden neue Werke er- richtet, bei Alberoni speziell eine von Matrosen bemannte Landungsbatterie auf- gestellt; Seeoffiziere waren in die Seeforts kommandiert, in den Kanalen wurden Barrikaden gelegt und an der Einfahrt von Malamocco Schiffe versenkt. S. M. Schiffe „Radetzky“, „Adria“, „Donau“, „Schwarzenberg“ und „Erzherzog Friedrich“ lagen in den Lagunen als zweite Verteidigungslinie, die Korvette „Dandolo“ vor dem Markusplatz; Erzherzog Ferdinand Max higte seine Kommandoflagge auf der Jacht „Fantasie“, die zwischen der „Schwarzenberg“ und der „Friedrich“ ankerte. Die Zoglinge des vierten Jahrganges der Marineakademie wurden als Marinekadetten ausgemustert, die des dritten Jahrganges als provisorische Marinekadetten ein- geschifft, die Marineakademie aufgelost; der Stand der Marinemannschaft wurde auf den Kriegsstand erhoht. Kontreadmiral Ritter von Fautz erhielt (21. April) das Kommando der Eskadre fiir Dalmatien, die aus Segelschiffen und kleinen Dampfern bestand und in die befestigten Platze disponiert wurde; im Golfe von Cattaro lagen die Segelfregatten „Bellona“ (Flaggenschiff des Eskadrekommandanten) und „Venus“, die Segelkorvette „Carolina“ und zwei Lloyddampfer, im Hafen S. Giorgio von Lissa die Segelkorvette „Minerva“, die Brigg „Pola“, der Dampfer „Vulkan“ und ein Lloyddampfer, im Hafen von Gravosa-Ragusa die Segelkorvette „Diana“, die Briggs „Hussar“, „Triton“ und Dampfer „Lucia“, endlich im Hafen von Žara der Dampfer „Prinz Eugen“. Die Brigg „Triton“, die bei der Insel Lacroma, nachst Ragusa. vor Anker lag, wurde leider am 9. Mai durch eine Explosion der Pulverkammer vollkommen zerstort. Diese Schiffe waren den Festungskommandanten fiir die zentrale Verteidigung zugeteilt und sie konnten sich unter Umstanden als sehr niitzlich erweisen; die im Golfe von Cattaro verankerte Abteilung der Eskadre baute beispielsweise eine Batterie bei Kombur, eine bei Kabala und eine hochgelegene bei Traste, ihre Mannschaften leisteten auch bei der Ausschiffung und dem Transport eingelangter Festungsgeschiitze sehr gute Dienste. Die aus zahlreichen Linienschiffen, Panzerbatterien, Fregatten und kleineren Schiffen bestehende franzosische Flotte, die vom Kontreadmiral Duperre befehligt wurde, war den k. k. Seestreitkraften um ein Vielfaches iiberlegen, so dag diese die offene See nicht halten konnten; Duperre wahlte den fiir seine Zwecke sehr giinstig gelegenen Hafen von Lussinpiccolo als Operationsbasis. Ein Linienschiff und eine Fregatte blieben stets in Sicht von Malamocco, von Zeit zu Zeit beschossen einzelne Schiffe die Kiistenforts; ein energischer Angriff auf Venedig fand jedoch nicht statt. Franzosische Kriegsschiffe kreuzten in den dalmatinischen Gewassern und brachten zahlreiche Handelsschiffe als Prisen auf; sie hatten ein Spionagesystem aufgestellt und zahlten gute Preise fiir Nachrichten iiber die Bewegungen der Kriegsschiffe, die ungeachtet der feindlichen Ubermacht unerschrocken Truppen und Material im Kiistenbereiche transportierten. S. M. Dampfer „Lucia“, der am 25. Juni die Truppentransportdampfer „Albania“ und „Curtatone“ von Stagno grande nach Gravosa eskortiert hatte, verlieg am 28. Juni mit Barrikadenmaterial fiir die Sperre der Enge le Catene im Golfe von Cattaro den Kanal von Calamotta; in der Nahe von Budua wurde eine franzosische Schraubenfregatte gesichtet, die etwas spater auch die „Lucia“ bemerkte und zu jagen begann. Der Kommandant der „Lucia“ hielt das Schiff dicht unter der felsigen Kiiste und es gelang ihm, den Schugbereich der Forts an der Einfahrt in den Golf von Cattaro kurz vor der Fregatte zu erreichen; die Fregatte, die am Vortag ein gekapertes dsterreichisches Vollschiff nach Antivari zu der dort liegenden franzosi¬ schen Eskadre gebracht hatte, blieb noch einige Zeit vor der Einfahrt in den Golf, dann begab sie sich zu dem in der Nahe befindlichen Hafen Molonta und kaperte dort einige Kiistenfahrzeuge. Dampfer „Lucia“ war der drohenden Gefahr gliicklich entgangen; nicht nur die Fregatte, auch ein Linienschiff, das bei der Insel Meleda kreuzte, hatte den Auftrag, den kleinen Dampfer abzufangen; die Anwesenheit des Truppentransportes in Stagno diirfte durch ein griechisches Segelschiff den Franzosen mitgeteilt worden sein. Am 29. Juni liefen das Linienschiff „Napoleonspater auch eine franzosische Fregatte von Antivari aus, um die Kiiste im Bereiche des Golfes von Cattaro zu rekognoszieren; als sich das Linienschiff der Bai von Traste naherte, gab die dort erbaute Batterie fiinf Schiisse ab, von denen zwei trafen. Die franzosische Flotte verlieg am nachsten Tag Antivari, um sich in die nordliche Adria zu begeben; noch durch einige Tage konnten die Beobachtungsstationen Nachziigler sichten, die dem Gros der Flotte folgten. S. M. Dampfer „Prinz Eugen“, der auf Befehl des Eskadrekommandanten von Žara aus wiederholt Kreuzungen unternahm, um gekaperte, mit Prisenmannschaften besetzte osterreichische Kauffahrer aus den Handen des Feindes zu befreien, begegnete am 4. Juni seewarts von der Insel Grossa das franzosische Barkschiff „Raoul“; obschon konstatiert wurde, dag der „Raoul“ vom Kriegsausbruche keine Kenntnis hatte, beschlog der Kommandant des „Prinz Eugen“ (Linienschiffsleutnant Freiherr von Moll) dennoch, das Barkschiff als gute Prise aufzubringen. Da die franzosischen Kriegsschiffe gegen die osterreichischen Kauffahrer sehr riicksichtslos vorgingen, hatte die Aufbringung des „Raoul“ Gelegenheit fiir Repressalien bieten konnen, falls solche beabsichtigt waren. Da die spater gesichteten franzosischen Kreuzer es nicht moglich machten, den „Raoul“ nach Pola zu fiihren, wurde die Prise nach Žara gebracht und dort ein Prisengericht aufgestellt. „Prinz Eugen“ setzte seine Fahrten fort; reparaturbediirftig geworden, lag er dann im inneren Hafen von Žara ver- taut, wahrend seine Geschiitze fiir die Verstarkung der Festungswerke ausgeschifft wurden; an seiner Stelle traf nach Raumung Anconas durch die k. k. Truppen S. M. Dampfer „Curtatone“ (Kommandant Linienschiffsleutnant Zaccaria), der der Aufmerk- samkeit der franzbsischen Kreuzer zu entschliipfen wugte, in Žara als Stationsschiff ein. Am 7. Juli morgens naherte sich die franzosische Fregatte „Impetueuse“ der Stadt Žara, ein Parlamentar verlangte vom k. k. Militargouverneur (FML. Freiherr von Nagy) die Herausgabe des „Raoul“ und die des Dampfer s „Prinz Eugen“, der das franzosische Schiff gekapert hatte; der Parlamentar wurde verstandigt, dag iiber den „Raoul“ das eingesetzte Prisengericht entscheiden werde, eine Auslieferung des k. k. Kriegsschiffes aber ganz dezidiert verweigert werde. Bemerkt sei, dag von seiten des Prisengerichtes der „Raoul“ spater freigegeben wurde, weil dessen Fiihrer wahrend der Uberfahrt von Kuba nach der Adria keinen Hafen angelaufen und daher keine Kenntnis vom Kriegsbeginne hatte. Nach der Abweisung des Parlamentars begab sich die „Impetueuse“ in Deckung der nordwestlich von Žara liegenden Spitze Mika, von wo sie das Feuer gegen Žara 48 eroffnete; das Feuer wurde von den Festungswerken und vom »Curtatone", der an der Hafeneinfahrt vertaut lag, lebhaft und mit Erfolg erwidert, so dag die Fregatte schon nach kurzer Zeit den Kampf abbrechen und zur Ausbesserung der erlittenen Havarien nach Lussinpiccolo abgehen mugte. »Curtatone", der vierzig Schiisse aus seinen Pivotgeschutzen abgegeben hatte, nahm riihmlichen Anteil an der Abweisung des Angriffes. Kurz nach der Abfahrt der »Impetueuse" traf ein Telegramm aus dem Haupt- quartiere der k. k. Armee ein, das den Abschlug eines Waffenstillstandes mitteilte- „Prinz Eugen“ wurde von Žara nach Lussinpiccolo entsandt, um die Nachricht dem Kontreadmiral Duperre zu uberbringen, dem sie aber schon durch ein Linienschiff von Venedig zugekommen war. Napoleon lieg, um sich weiteren Verwickelungen zu entziehen, den keineswegs glanzenden Erfolgen von Magenta und Solferino rasch den Frieden von Villafranca folgen. Wahrend des Krieges hatte der Kapitan des osterreichischen Kauffahrers „Eolo“, Celestino Ivancich, Gelegenheit zu beweisen, dag auch die nicht aktiv in der Flotte dienenden Seeleute Osterreichs das Herz am rechten Flecke haben. „Eolo“ wurde am 15. Mai bei der Insel Grossa von den Linienschiffen »Napoleon" und „Eylan“ und der Fregatte »Impetueuse" angehalten, als Prise erklart und mit einer Prisen- mannschaft an Bord gegen Venedig gesandt; dort iibernahm die »Impetueuse" die Kohlenladung des „Eolo“, der nun nach Toulon segeln solite. Ivancich war sofort entschlossen, bei Gelegenheit den Unteroffizier und seine fiinf Mann zu uberwaltigen und so das Schiff ihren Handen zu entreigen; am 13. Juni gelang ihm dies durch List und Besonnenheit ohne Blutvergiegen, worauf er den „Eolo“ nach Gravosa brachte. Der wackere Kapitan erhielt die rote Ehrenflagge und eine Ordensauszeich- nung, der Mannschaft spendete Seine Majestat der Kaiser 2000 Gulden; die feier- liche Uberreichung der Ehrenflagge fand in Triest durch Erzherzog’ Ferdinand Max statt. Erzherzog Ferdinand Max berief nach Beendigung des Krieges einen Admiralsrat nach Triest, um die nachst notwendigen Reformen und Vorkehrungen festzustellen da er selbst wegen des angegriffenen Gesundheitszustandes seiner Gattin eine grogere Seereise in warmeres Klima beabsichtigte; diese Reise fand an Bord S. M. Raddampfers „Elisabeth“ statt, Erzherzogin Charlotte blieb in Madeira, der Erzherzog begab sich auch nach Brasilien. Im nachsten Jahre (1860) erfolgte die Obernahme des Flottillenkorps, das bis dahin dem Heer angegliedert war, durch die Kriegsmarine; die Inhaberrechte iiber die Lagunen- und die Gardasee-Flottille wurden im Janner, jene iiber die Donau-Flottille im Februar dem Marineoberkommando iibertragen. Die Donau-Fottille blieb allerdings in militarischer Beziehung dem Armeeoberkommando (dem Landesoberkommando oder kommandierenden General) unterstellt; in innerlich-dienstlicher, technischer und administrativer Beziehung hatte sie ihre Befehle vom Hafenadmiralat in Venedig zu bekommen. Die Kriegsmarine iibernahm bei diesem Anlag: in Venedig 3 grogere Raddampfer („Verona“, „Messagiero“, „Gorzkowsky“), 3 kleine Schraubenkanonenboote, 7 Kanonenschaluppen, 7 Kanonenjollen, 4 Pirogen' 3 schwimmende Batterien, zahlreiche kleine Transport- und Schleppfahrzeuge und -Boote; in Mantua 6 Kanonenjollen, 2 Pirogen und 8 kleinere Fahrzeuge; in Riva die Kriegsdampfer „Hess“ und „Franz Joseph I.“, 1 Transportdampfer, 2 Kanonenboote und 22 kleinere Fahrzeuge; auf der Donau die Raddampfer „Graf Schlick", »Erzherzog Albrecht" und „Adler“, 1 Rad- und 1 Schraubenkanonenboot und 54 kleinere Fahrzeuge. Durch die Zutransferierung der Flottillenmannschaft, die nur zum Teile zur Marineinfanterie und zum Marinezeugskorps erfolgte, stieg die Zahl der Kompagnien des Matrosenkorps von 6 auf 14; die Seeoffiziere wurden von der Dienstleistung beim Matrosenkorps enthoben, die diesem Stammkorper zugewiesene*n Offiziere der Marineinfanterie und des bestandenen Flottillenkorps erhielten den Namen »Matrosen- korpsoffiziere" und die Uniform der Marineinfanterie. Wenngleich hiedurch der beginnende Mangel an Seeoffizieren, den die Schiffsneubauten verursachten, fiir den Augenblick behoben wurde, blieb diese organische Anderung nicht sehr lange in Kraft; es bietet eben gewisse Vorteile, wenn die Mannschaft stets, auch am Land, unter der Leitung von Seeoffizieren steht, die die besonderen Bediirfnisse des See- dienstes schon bei der Ausbildung und Einreihung der Rekruten zu den Spezial- diensten und auch bei der Wahl der Mannschaften fiir die Einschiffung zu beriick- sichtigen verstehen. Erzherzog Ferdinand Max kehrte im April 1860 nach Triest zurtick, er widmete sich wieder der Fiirsorge fiir das Erstarken der Flotte, das gerade zu dieser Zeit dringend notwendig war. Italien begann sich zu einer Grogmacht zu entwickeln und mit richtigem Blicke fiir die Lehren der Geschichte eine machtige Flotte zu bauen; die von Napoleon III. inaugurierte Nationalitatenpolitik lieg einen neuerlichen Zusammenstog mit Italien gewartigen — war doch Venetien in oster- reichischem Besitze geblieben, — und die italienischen Flottenriistungen forderten daher Vorkehrungen fiir die Verteidigung des Kiistenbesitzes an der Adria. Die Vollendung des Linienschiffes »Kaiser"*, der Umbau der Fregatten „Schwarzenberg“ und »Novara" und die Stapellassung von 12 Kanonenbooten folgten rasch aufeinander; die Lagunen-Flottille ward durch 9 kleine Dampfer, die Flottille auf dem Garda-See durch 6 Kanonenboote verstarkt. Dies alles konnte aber nicht geniigen, denn die Kriegsmarinen wurden zu jener Zeit um einen neuen Schiffstyp bereichert, das Panzerschiff hielt seinen siegreichen Einzug und eroberte sich den ersten Platz im Verbande der Flotten, den es seither unbestritten beibehielt; der Russisch-japanische Krieg hat erst jiingst wieder die fiihrende Rolle des Panzerschiffes bestatigt. Ursache zu dieser Umwalzung im Schiffbaue wurde der Krimkrieg. Die Granaten der russischen Schwarzen Meer-Flotte (Kommandant Vizeadmiral Nachimoff) vernichteten bei Sinope die tiirkische Flotte, die russischen Granaten brachten aber auch der Flotte der Westmachte bei Sebastopol schwere Verluste bei; drei Granattreffer binnen wenigen Minuten geniigten, um an Bord des englischen Linien¬ schiffes „Queen“ unter den Geschiitzbemannungen geradezu eine Panik hervor- zurufen, das holzerne Linienschiff war den neuen Kanonen nicht mehr gewachsen. Unter diesem Eindrucke beeilten sich Franzosen und Englander, schwimmende Bat¬ terien zu erbauen und mit eisernen, aufgelegten Platten gegen das Granatfeuer zu schiitzen, was iibrigens schon vor dreigig Jahren durch Paixhans beantragt worden war; die englischen Neubauten kamen nicht mehr zurecht, drei schwimmende Bat¬ terien der franzdsischen Flotte nahmen aber bereits am Angriff auf Kinburn (17. Oktober 1855) mit entscheidendem Erfolge teil: ihre schweren Geschiitze wirkten furchtbar, sie selbst wurden durch die zahlreichen Treffer russischer Granaten nicht beschadigt. An diesem Tage ward das Panzerschiff geboren. Frankreich begann 1859 mit der »Gloire" den Versuch, die Panzerung auch auf das Seeschiff zu iibertragen, der sehr befriedigend ausfiel; England folgte mit dem „Warrior“, dem ersten aus Eisen erbauten Schlachtschiff, und dem »Black Prince". Der Notwendigkeit, Panzerschiffe zu besitzen, konnte sich nunmehr keine Marine verschliegen; Italien beeilte sich, den neuen Schiffstyp seiner Flotte einzuver- leiben, und auch Osterreich, dank den Bemiihungen seines Marineoberkommandanten, 49 • Siehe Tafel 9: Linienschiff „Kaiser“ und Jacht „Fantasie“. ) o o o o o o o blieb nicht zuriick. Die Panzerfregatten „Salamander“ und „Drache“ liefen 1861, „Kaiser Max“ (der „letzte Ritter“), „Don Juan d’Austria“ und „Prinz Eugen“ 1862 vom Stapel; in Venedig lag die Panzerbatterie „Feuerspeier“ verwendungsbereit. Die altesten Panzerschiffe waren fregattenartig gebaut; sie besagen eine Batterie schwerer Geschiitze und auf dem Oberdeck einige leichte Kanonen, die vorwiegend fiir das Salutschiegen dienten. Die Vollschiffstakelagen wurden beibehalten und erst 1880 begann England mit der Entfernung der Segel von den Panzer- schiffen - naturgemag nur schlechten Seglern; die Tradition, die bestimmten Panzer- schiffen vortreffliche Segeleigenschaften zusprach, ist nur vom Standpunkte relativer Beurteilung zutreffend. Osterreich und auch andere Staaten blieben noch einige Jahre bei der Verwendung von Holz fiir den Schiffbau, weil das runde Loch eines Geschogtreffers im Holze leichter abgeschlossen werden konnte, als das zackige, unregelmagige, das die Kugel im Eisen erzeugte. Mit der Konstruktion der ersten Panzerschiffe entstand der Wettkampf zwischen der Verstarkung der Geschogwirkung und der Erzeugung von widerstandsfahigerem Panzer, der noch heute, nach mehr denn vierzig Jahren vollkommen aktuell ist und das Budget aller Seemachte mit den bedeutenden Ausgaben fiir Monstregeschiitze von zunehmender Lange, langsam verbrennende, kostspielige Pulversorten, eigenartig konstruierte Geschosse und besondere Arten der Zusammensetzung und Hartung von Panzerplatten belastet. Diese Ausgaben sind allerdings nicht unproduktiv; schon durch die Bemii- hungen des Erzherzogs Ferdinand Max wurde die Industrie der Monarchie fiir den Schiffbau und die Ausriistung von Schiffen herangezogen, nur fiir „Salamander“, das erste Panzerschiff, kamen Panzerplatten fremder Provenienz zur Verwendung. Seither sind - immer seltener werdende Ausnahmen abgerechnet — die fiir die Erhaltung und Ausgestaltung der Flotte ausgeworfenen Betrage im Lande geblieben; Schiffe, Panzerplatten, seit einigen Jahren selbst die schwersten Geschiitze, endlich alle die zahllosen Details der Ausriistung eines modernen Kriegsschiffes werden fast ausschlieglich in der Monarchie und - dies sei betont - in vorziiglicher Qualitat beschafft. Die rasch fortschreitende Vermehrung der Flotte zu Anfang der sechziger Jahre fiihrte einen fiihlbaren Mangel an Seeoffizieren herbei; Matrosenkorpsoffiziere und Marineinfanterieoffiziere mugten aushilfsweise fiir den Dienst auf den Lagunen- fahrzeugen verwendet werden. Da der Nachwuchs, den die Marineelevenschule auf der bei Triest vertauten Fregatte „Venus“ lieferte, nicht ausreichte, nahm man Zoglinge der Militarbildungsanstalten und entsprechend vorgebildete Jiinglinge in bedeutender Zahl als „Marineeleven 1. Klasse“ auf; diese machten einen halbjahrigen Kurs auf der Brigg „Hussar“ durch und wurden dann zu Marinekadetten ernannt. Erzherzog Ferdinand Max war von der Ansicht durchdrungen, der Nachwuchs des Seeoffizierskorps miisse auf Schiffen und nicht am Lande herangebildet werden; er nahm daher von der Wiedererrichtung der 1859 aufgeldsten Marineakademie Ab- stand. Die „Marineeleven 2. Klasse“ absolvierten auf der „Venus“ drei Unterrichts- jahre, in Zuteilung bei der Hydrographischen Anstalt ein viertes Schuljahr; das Unterrichtsprogramm unterschied sich nur wenig von dem der bestandenen Marine¬ akademie. Die Kanonenboote wurden 1862 unter dem Kommando des Kommodore Linienschiffskapitan Freiherrn von Pock zu einer Eskadre vereinigt, die in den siid- dalmatinischen Gewassern stationierte und der die Aufgabe zugewiesen war, die Grundziige einer Seetaktik fiir Dampfer auszuarbeiten; die hochentwickelte Taktik der Segellinienschiffe war fiir Dampfer nicht anwendbar, Seeschlachten mit Dampfer- flotten waren noch nicht geschlagen. Man mugte da von Grund auf Neues schaffen, alle moglichen Gruppierungen der Schiffe eines gemeinsamen Verbandes fiir den Marsch und die Durchfiihrung des Kampfes erproben, dann die Regeln festsetzen, wie in kiirzester Zeit und auf moglichst kleinem Raum aus der bestehenden Grup- pierung in eine andere bei voller Sicherheit fiir alle Schiffe iiberzugehen sei. Der grofje Nutzen, den ein Staat aus der Tatigkeit seiner Flotte zieht, ist nicht immer besonders augenfallig; zahlreiche kleine Begebenheiten entziehen sich dem allgemeinen Bekanntwerden, wenngleich sie Gutes und Erspriegliches gestiftet haben. Ein Beleg sei fiir viele geboten. Das englische Konsulat in Valona (Tiirkisch- Albanien) hatte dem Lord-Oberkommissar der Ionischen Inseln im Juni 1862 das Erscheinen zweier Schiffe gemeldet, die der Piraterie verdachtig schienen, das k. k. Marineoberkommando hievon durch einen Bericht des osterreichischen Konsuls an die Zentralseebehorde Kenntnis erlangt; Kommodore Pock erhielt sofort den Auftrag, Erhebungen durch eines der Kanonenboote pflegen zu lassen. S. M. Schiff „Hum“, mit dieser Mission betraut, fand allerdings weder verdachtige Schiffe, noch prazise Angaben vor. Als aber „Hum“ im Verlaufe seiner Kreuzung in Valona weilte, baten die dortigen osterreichischen Untertanen den Schiffskommandanten, dag er die Anerkennung des schon vor Monatsfrist verlautbarten osterreichisch- tiirkischen Handelsvertrages beim Mudir erwirke, der unter dem Vorwand, iiber den Vertrag noch keine Nachricht aus Konstantinopel erhalten zu haben, noch immer den friiheren, um 50 °/ 0 hoheren Ausfuhrzoll forderte. Der Mudir hatte dieses un- berechtigte Verlangen noch zwei Stunden vor dem Eintreffen des „Hum“ dem k. k. Konsul schriftlich wiederholt; als aber der Schiffskommandant personlich remonstrierte, erkannte der Mudir die Giiltigkeit des neuen Vertrages an, denn er habe in der letzten Nacht die Verstandigung aus Konstantinopel erhalten. Tatsachlich war eine Post in der Zeit nicht eingelangt. Drei osterreichische Kauffahrer, die durch die Differenz mit dem Mudir schon seit langerer Zeit am Auslaufen ver- hindert waren, konnten nunmehr unbehindert in See gehen. Der alte Lehrsatz vom Konsul „mit“ oder „ohne Kanonen" hat aber auch noch heute vielfach Geltung! Erzherzog Ferdinand Max hegte die Uberzeugung, dag die Entwickelung der Kriegsflotte wie auch der Handelsmarine Osterreichs fiir alle Zukunft am besten sichergestellt wiirde, wenn diese beiden wichtigen Faktoren des Staatshaushaltes eine selbstandige Vertretung im staatlichen Organismus besagen; ein Marine- ministerium, in dem Fachmanner iiber die Bediirfnisse des Seekriegswesens und der Handelsschiffahrt zu Rate sitzen, mugte als die ideale Art dieser Vertretung bezeichnet werden. Die Antrage und Bestrebungen des Erzherzogs fanden Zu- stimmung und Erfolg, die Allerhochste Entschliegung vom 20. November 1862 genehmigte die Organisation des k. k. Marineministeriums, an dessen Spitze der Freiherr von Burger trat. Das Marineoberkommando stellte am 20. Dezember seine Funktionen ein und nahm sie am nachsten Tag als „Marinekommando“ mit dem Amtssitz in Triest wieder auf; in Triest und Venedig wurden Hafenadmiralate auf- gestellt. Eine mexikanische Deputation brachte dem Erzherzog Ferdinand Max am 10. April 1864 nach Miramar die durch Volksabstimmung erfolgte Wahl zum Kaiser von Mexiko; der Erzherzog legte daher das Marinekommando zuriick und verlieg Miramar vier Tage spater mit seiner Gemahlin an Bord der Fregatte „Novara“, auf dem Schiffe, das schon nach drei Jahren seine irdischen Uberreste wieder der alten Heimat zufiihren solite. Die Kugeln von Queretaro lohnten dem geistvollen, edlen Fiirsten seine Miihen und Bestrebungen fiir das Wohlergehen des mexikanischen Volkes, die Tage von Helgoland und Lissa seine Fiirsorge fiir die Entwickelung und Ausgestaltung der k. k. Flotte. Osterreich und Preugen verlangten am 16. Janner 1864 auf Grund des Rechtes der Zusammengehorigkeit Schleswigs und Holsteins von Danemark die Aufhebung 50 > O O O O O P o )Q tl ""V der eiderdanischen Verfassung; als Danemark die Forderung ablehnte, iiberschritten die Truppen beider Staaten am 1. Februar die Eider. Osterreich beschlog die Ent- sendung einer stattlichen Eskadre unter dem Kommando des Kontreadmirals Frei- herrn von Wiillerstorff in die Nordsee; Linienschiffskapitan von Tegetthoff, der die Schiffsdivision in der Levante (Fregatte „Schwarzenberg“, Korvette „Dandolo“ und Kanonenboot „Seehund“) befehligte, wurde mit S. M. Schiffen „Schwarzenberg“, „Radetzky“ und „Seehund“ vorausgesandt, weil die danische Fregatte „Niels Juel“ im englischen Kanale den osterreichischen und den deutschen Seehandel bedrohte. Die Division Tegetthoff langte Anfang April in Brest ein; da es sich erwiesen hatte, dag die Indienststellungen der iibrigen Schiffe der Eskadre nicht rasch genug erfolgen konnten, um mit einer grogeren Schiffszahl in die Nordsee gelangen zu konnen und weil der Druck der danischen Seeblockade schwer auf den Hansestadten lastete, erhielt Tegetthoff den Befehl, sich in Texel mit drei kleinen preugischen Schiffen zu vereinigen. Sobald er sich fiir stark genug halte, um einen Erfolg gegen das danische Blockadegeschwader zu erzielen, solle er in die Nordsee einlaufen und die Blockade von Hamburg um jeden Preis beheben. Die preugischen Schiffe (Dampfer „Preugischer Adler“, Kanonenboote „Blitz“ und „Basilisk“), die in Texel lagen, waren bei Beginn des Krieges aus dem Mittelmeer abberufen worden; das danische Geschwader, unter dem Kommando des Schiffskapitans Suenson, bestand aus der Fregatte „Niels Juel“, den Korvetten „Dagmar“ und „Heimdal“. Die Streit- krafte Tegetthoffs wurden durch die preugischen Schiffe um sechs Kanonen ver- starkt; Kanonenboot „Seehund“ mugte leider in Sheerness zuriickgelassen werden, weil es beim Einlaufen in Ramsgate durch Verschulden des englischen Lotsen von der Stromung erfagt worden war und am Plafendamme schwere Beschadigungen erlitten hatte. Am 23. April, als Tegetthoff den Befehl erhielt, die Fahrt fortzusetzen, traf die Eskadre Wullerstorff in Lissabon ein; sie bestand vorlaufig aus dem Raddampfer „Elisabeth“, dem Linienschiffe „Kaiser“, der Panzerfregatte „Don Juan d’Austria“, der Korvette „Erzherzog Friedrich 11 und dem Kanonenboote „Wal“. Tegetthoff, der am 4. Mai in Cuxhaven eintraf, ohne die Danen begegnet zu haben, unternahm am 7. Mai eine Rekognoszierungsfahrt, von der die Schiffe am 9. Mai morgens zuriickkehrten. Beim Einlaufen brachte der osterreichische Konsul die Nachricht an Bord des Flaggenschiffes, dag die feindliche Eskadre ostlich von Helgoland gesichtet worden sei; Tegetthoff ging daher sofort wieder in See. Die drei danischen Schiffe wurden gegen Mittag gesichtet, beide Geschwader steuerten in Kiehvasserlinie gegeneinander; das osterreichisch-preugische Geschwader zahlte 87, das danische 102 Geschiitze; die preugischen Schiffe, die nicht so rasch laufen konnten wie die Osterreichischen Fregatten, blieben iiberdies zuriick und kamen bald aus dem Bereiche der wirksamen Schugweite. Die Kampfesfreudigkeit war auf beiden Geschwadern gleich grog; die Danen, die einige Kriegserfahrung voraus hatten, kampften fiir die Verteidigung ihres Vaterlandes, die Osterreicher wollten hinter den Siegen, die ihre Kameraden unter Gablenz’ Fiihrung zu Land errungen hatten, nicht zurtickstehen. „Schwarzenberg“ als Fiihrerschiff erhielt beim Passieren die Lagen aller drei Danen, die sodann wendeten, um die kleinen preugischen Dampfer von den Fregatten abzuschneiden und zum Riickzuge zu zwingen; Tegetthoff beantwortete dieses Manover durch eine Wendung der Fregatten gegen den Feind, um die gefahrdeten Kanonen¬ boote zu decken und um die Gefechtsdistanz zu verringern. Liitken, der danische Historiograph des Seegefechtes bei Helgoland, urteilt hieriiber wie folgt: „Die beiden Schiffe standen nun Seite an Seite in Frontlinie gegen die Danen, welche iiber dieses dreiste Manover erstaunt waren. Es sah aus, als ob Tegetthoff sich nicht allein ritterlich zur Unterstiitzung seiner preugischen Kameraden anschicke, welche nun ebenfalls achter von den Osterreichern wendeten, sondern auch die Traditionen friiherer Jahrhunderte auffrischen wolle. Dieses unerschrockene Darauflosgehen, durch das er seine Schiffe in die gefahrliche Situation brachte, vom feindlichen Feuer enfiliert zu werden, erinnerte an die Taktik Nelsons, der den Sieg so oft durch dreisten Durchbruch der gegnerischen Linie errang.“ Nach erfolgter Annaherung an die danische Linie legten sich die oster¬ reichischen Fregatten parallel zu dieser, das Artillerieduell nahm an Intensitat zu. „Schwarzenberg“, gegen die das sehr prazise feindliche Feuer besonders gerichtet war, verlor ziemlich viele Leute von den Geschiitzbemannungen, ebenso „Jylland“, die in der Mitte der danischen Linie steuerte; auf „Schwarzenberg“ brach zweimal Brand aus, das zweitemal am Eingange zur vorderen Pulverkammer, wo eine danische Granate das Segeldepot in Brand gesteckt hatte; die Brande wurden mit groger Bravour geloscht. Tegetthoff, dem vom Ausbruche der Brande Meldung erstattet worden war, sagte mit stoischer Ruhe: „Nun, so losche man.“ Der Kampf, auf beiden Seiten mit groger Tapferkeit gefuhrt, wahrte bereits zwei Stunden, da schlug eine danische Granate in das aufgerollte Vormarssegel der „Schwarzenberg“, es entstand ein Brand, der sich mit rasender Schnelligkeit iiber den ganzen Fockmast ausbreitete; die Schlauche der Dampfpumpe waren durch- schossen, die anderen Schiffspumpen aber zu schwach, um das Wasser bis in die Hohe der Vormars zu treiben. Die Gefahr, dag der Brand an Ausdehnung gewinnen konne, war sehr grog, denn der Kurs der Schiffe war gegen den Wind gerichtet; Tegetthoff mugte sich mit schwerem Herzen entschliegen, die Fregatten vom Wind abfallen zu lassen. „Schwarzenberg“ wendete zuerst,* „Radetzky“ setzte noch durch einige Zeit den friiheren Kurs fort, um das Flaggenschiff zu decken, dann ward auch sie angewiesen, den Platz in der Formation einzunehmen. Zur gleichen Zeit beschadigte eine osterreichische Granate das Steuerreep der „Jylland“. Als die danischen Schiffe ihre Fahrt fortsetzen konnten, hatte Tegetthoff mit seinen Streit- kraften bereits das neutrale Wasser der Insel Helgoland erreicht, wodurch der Kampf beendigt war. „Schwarzenberg“ hatte 32 Tote und 69 Verwundete, „Radetzky“ 5 Tote und 23 Verwundete; der Gesamtverlust der Danen betrug 68 Mann, am meisten beschadigt waren „Schwarzenberg“ und „Jylland“. Der Brand auf „Schwarzenberg“ konnte erst nach mehrstiindiger Arbeit durch Kappen des Fockmastes ganz bewaltigt werden; das Anerbieten eines anwesenden englischen Kriegsschiffes, Hilfe zu leisten, lehnte Tegetthoff dankend ab. Im Laufe der Nacht steuerten die osterreichischen Schiffe nach Cuxhaven; die Danen waren schon friiher nach Smaldyb abgegangen, sie begaben sich spater auf Grund des von den Machten vereinbarten einmonatigen Waffenstillstandes nach Norwegen. Der oberste Kriegsherr zeichnete Tegetthoff durch die Ernennung zum Kontreadmiral und durch einen hohen Orden aus; die kleine k. k. Schiffsdivision hatte tapfer und unerschiittert gekampft, bis ein tiickisches Geschick sie zum Abbruche des Kampfes zwang; hinter den holzernen Bordwanden schlugen stahlerne Herzen. Bald nach dem Tage von Helgoland traf Kontreadmiral Wiillerstorff mit seinen Schiffen in Cuxhaven ein; die in der Nordsee vereinigten k. k. Seestreitkrafte bestanden nunmehr aus: Raddampfer „Elisabeth“ (Flaggenschiff des Kommandierenden), Linien- schiff „Kaiser“, Panzerfregatten „Don Juan d’Austria“ und „Kaiser Max“, Fregatten „Schwarzenberg“ (Flaggenschiff Tegetthoffs) und „Radetzky“, Korvette „Erzherzog Friedrich 11 , Kanonenboote „Seehund“ und „Wal“ und Raddampfer „Lucia“. Diese stattliche Eskadre hatte die deutschen Nordseekiisten gegen danische Angriffe zu schiitzen, die angesichts der gewaltigen Ubermacht unterblieben; sie wirkte bei der Besetzung der Inseln Sylt und Fohr mit, die Kanonenboote vertrieben die danischen 51 * Siehe Tafel 10; Seegefecht bei Helgoland. 'l oOOOOOOl / Kanonenjollen, die den Obergang nach Sylt verhindert hatten. Nach dem Friedens- schlusse blieben noch durch einige Zeit zwei Schiffe in der Nordsee, die iibrigen kehrten heim und wurden auger Dienst gestellt; Tegetthoff erhielt das Kommando der Eskadre in der Levante, Kontreadmiral von Wiillerstorf wurde ein Jahr spater Handelsminister im Ministerium Belcredi. In dieser neuen Stellung war Wullerstorf eifrig bemiiht, die Einsicht wach- zurufen, wie sehr Osterreichs Wohlfahrt von der Ausbreitung seines iiberseeischen Handels abhange; als Kommandant des „Montecuccoli“ und der „Venus“ in den levantinischen Gewassern, der „Novara“ wahrend der Erdumsegelung und der Eskadre in der Nordsee, dann wahrend einer Studienreise (1862) in England, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Holland, hatte Wiillerstorf reichlich Gelegenheit, den richtigen Einblick in die Wichtigkeit des die Meere iiberbriickenden Seehandels zu gewinnen. Gesetze fiir die Hebung der osterreichischen Schiffahrt, der Baubeginn des neuen Hafens von Triest und das Studium der Regulierung des Narenta-Flusses gehdrten zu den positiven Leistungen des neuen Handelsministers, der auch die Genehmigung fiir die Aussendung einer Schiffsdivision erwirkte, die in Indien, China und Japan die k. k. Flagge zeigen, in China und Japan vorteilhafte Handelsvertrage abschliegen solite. Die Schiffe und das Datum ihrer Ausreise waren schon bestimmt, Tegetthoff als ihr Kommandant ausersehen, da durchkreuzte die osterreichisch- preugische Spannung die Ausfiihrung des Planeš, der vielverheigend schien. Der » Admiral als Handelsminister wugte es aus Erfahrung, dag Staatswesen mit wechselnden ) Regierungen oder relativ geringen kulturellen Fortschritten der Bewohner einerseits fiir die Entwickelung einer nennenswerten Industrie wenig geeignet und daher als Absatzmarkte fremder Produkte ins Auge zu fassen sind, anderseits aber dort die Mitwirkung des Kriegsschiffes von noten ist. Die Vorfiihrung maritimer Machtmittel ist in solchen Landern ein wichtiger Faktor fiir die ungestbrte Durchfiihrung der Handelsbeziehungen, sie bietet iiberdies den Konnationalen die wiinschenswerte moralische Stiitze fiir die freie Betatigung ihres Unternehmungsgeistes. Das Jahr 1865 brachte der Marine ein betriibendes und ein erfreuliches Er- eignis: die Auflassung des Marineministeriums, wodurch die Marine nach kurzer Unterbrechung wieder in das abhangige Verhaltnis kam, und den Stapellauf der Panzerfregatten 1. Klasse „Habsburg“ und „Erzherzog Ferdinand Max“, die dazumal mit ihren 5130 Tonnen Deplacement und den 800 Pferdekraften der Maschinen wirklich erstklassige Schlachtschiffe waren. Die Auflassung des Marineministeriums erfolgte am 27. Juli 1865; seine Kriegs- abteilung wurde unter Beibehalt der Organisation dem Kriegsministerium als „Kriegs- marinesektion“ eingereiht, Sektionschef wurde Vizeadmiral Ritter von Fautz. An die Stelle des Marine-Truppeninspektorates trat eine „Marine-Truppen- und Flotten- Inspektion“, die dem General - Genieinspektor Erzherzog Leopold iibertragen ward. Dem Kriegsminister fiel nunmehr zu: die oberste Leitung aller Marine- angelegenheiten, einschlieglich des operativen Dienstes; Antrage, betreffend Aus- zeichnung, Beforderung und Dienstesverwendung des Marinestabes; Ernennung der Offiziere in Friedensanstellungen und der Marinebeamten von der 7. Rangklasse abwarts. „liber alle wesentlichen Anderungen der bestehenden Marineorganisation, dann iiber alle wichtigen rein militarischen und militarisch-administrativen Ver- fiigungen, Neubauten und Ausmusterung von Kriegsschiffen hat der Kriegsminister vorerst die Allerhochste Entschliegung Seiner Majestat einzuholen, dem diesfalligen Vortrag aber jedesmal das beziigliche Gutachten der Marine-Truppen- und Flotten- Inspektion und auch die diesfalligen in der Kriegs-Marine-Sektion gepflogenen Ver- handlungsakten und Beratungsprotokolle beizuschliegen“; dieser eine Satz bringt das Wesen der neuen Organisation klar und biindig zum Ausdrucke. Der Marine-Truppen- und Flotten-Inspektor, der seinen Amtssitz in Wien hatte, war Hilfsorgan des Kriegsministers und als wirklicher Truppenchef der Marine zu ihrer Inspizierung in militarischer, instruktiver und technischer Beziehung berufen; er iibte bei der Marine die Inhaberrechte in gleichem Mag aus, wie der General- Artillerie- und der General-Genieinspektor bei ihren Waffen. liber Dienstesbestimmungen, die der Allerhochsten Entschliegung vorbehalten waren, und liber Pensionierungen erstattete er dem Kriegsministerium Vorschlage, alle anderen Dienstesbestimmungen wurden von ihm getroffen. Fiir den Sektionschef der Kriegsmarinesektion blieben nur wenig Befugnisse iiber; seine wichtigste Aufgabe war die Zusammenstellung des Marinebudgets, das er im Namen oder im Auftrage des Kriegsministers zu vertreten hatte. Die Erfahrungen, die anlaglich der Ausriistung der Nordsee-Eskadre gesammelt worden waren, diirften Anlag gegeben haben, den Grad der Ausriistungsbereitschaft der Schiffe neu zu regeln; die auger Dienst befindlichen Schiffe wurden nun in die 1., 2. oder 3. Reserve eingereiht. Schiffe in 1. Reserve hatten das ganze Ausriistungs- gut und ein Viertel der Bemannung an Bord, sie mugten 48 Stunden nach dem Ein- langen des Indienststellungsbefehles seebereit sein; Schiffe in 2. Reserve hatten weder Material noch Mannschaft an Bord und sechs Wochen Frist fiir die Bewaltigung der Ausriistungsarbeiten; in der 3. Reserve endlich befanden sich Schiffe, die grogeren Reparaturen unterzogen werden mugten. Dag diese Art der Bereitschaft - die 1. Reserve zahlte zu den grogten Seltenheiten - billig war, ist nicht anzuzweifeln; die Zeit, in der man sich begniigen konnte, der Flotten-Indienststellung sechs Wochen Frist einzuraumen, ist aber schon lange voriiber. Die Gegenwart erfordert die In- diensthaltung des Kernes der Flotte, zu dem im Bedarfsfall alle iibrigen Schiffe binnen wenigen Tagen kriegsbereit einzuriicken haben; jene Flotte, die nach dem Ausbruche des Krieges zuerst schlagfertig ist, hat mehr wie je die Chance des ersten und nachhaltigen Erfolges; sechs Wochen nach dem ersten Mobilisierungs- tage wird in Zukunft wohl immer schon die Frage gelost sein, wer die See beherrscht. Die Absichten der fuhrenden Staatsmanner Preugens und Italiens, Osterreich aus Deutschland und Oberitalien zu verdrangen, gelangten im Jahr 1866 zur Reali- sierung; am 8. April wurde die preugisch-italienische Allianz abgeschlossen. Die Anzeichen des bevorstehenden Krieges waren schon Anfang Marž nicht zu ver- kennen, die k. k. Kriegsmarine wurde aber von ihnen noch nicht beriihrt; die Eskadre unter Tegetthoffs Kommando bestand aus S. M. Schiffen „Schwarzenberg“, „Donau“, „Reka“, „Hum“ und „Kerka“, die der Eskadre sonst noch unterstellten Segelschiffe „Bellona“ (Artillerieschulschiff), „Minerva" und „ Saida" hatten keinen militarischen Wert, „Hum“ und „Kerka“ befanden sich in der Levante. Die Korvette „Erzherzog Friedrich" weilte in der Nordsee, die Korvette „Dandolo“ in Mexiko, vier kleine Schiffe hielten die Stationen (Donaumiindung, Klek, Topla und Žara) besetzt; unter den fiinf in 1. Reserve gehaltenen Schiffen befand sich nur eine Panzerfregatte; „Habsburg" und „Erzherzog Ferdinand Max“ lagen noch in Triest mit montierter Maschine und halb gepanzert, ihre Geschiitze waren bei Krupp in Bestellung ge- bracht; Linienschiff „Kaiser“ war als seeuntiichtig erklart, alle anderen Schiffe waren in 2. Reserve. Der gleiche Zustand unzeitgemager Ruhe herrschte bei der Lagunen- Flottille, am Garda-See und am Mantuaner See. Tegetthoff, der Anfang Marž in Wien an Beratungen iiber die unter seinem Kommando geplante Missionsreise nach Ostasien teilnahm, bemiihte sich vergebens, die Bereitstellung der Flotte durchzusetzen; er hatte immerhin die Befriedigung, das Erzherzog Albrecht iiberzeugt war, die Marine konne im bevorstehenden Kriege gute Dienste leisten. 52 Esi E ~\ ti.il', 1° o o o o o °l Erst Ende Marž erfolgte der Befehl, Alles fur die Einberufung der Beurlaubten und der Reserven bereitzuhalten; Anfang April stellte der Marine-Truppen- und Flotten- Inspektor die ersten Antrage fur die Verwendung der Flotte, die Mitte April die Allerhochste Genehmigung fanden. Kontreadmiral von Tegetthoff wurde durch das Vertrauen des Monarchen an die Spitze der auszuriistenden Flotte gestellt; er war an den Kommandierenden der Siidarmee gewiesen, doch ermachtigt, bei giinstiger Gelegenheit oder Unterbrechung des Verkehres auch selbstandig vorzugehen. Al s die Ausrustung der Flotte anbefohlen war, wetteiferten die Marine- angehorigen in unermudlicher Arbeit, wobei besonders der Seearsenalskommandant, Linienschiffskapitan von Eberan, Hervorragendes leistete; am 4. Juli lag die ganze, 27 Schiffe zahlende Flotte aktionsbereit im Kanale von Fasana (bei Pola), der als Operationsbasis gewahlt worden war. Tegetthoff erreichte noch im Mai, dag auch die Panzerfregatten ,.Habsburg" und „Erzherzog Ferdinand Max“ mit Beschleunigung fertiggestellt und mit 48-Pfundern armiert wurden, dag „Kaiser“ in Ausrustung zu treten hatte und „Novara“, die (am 3. Mai) durch einen verheerenden Brand schwere Schaden erlitten, sofort wieder instand gesetzt ward. Am 15. Mai erhielt Tegetthoff die Instruktionen des Kriegsministers, die ihn anwiesen, die Siidarmee kraftigst zu unterstiitzen und den feindlichen Streitkraften moglichsten Schaden zuzufiigen; „obwohl Se. Majestat der Kaiser, unser Aller- gnadigster Herr, zuversichtlich erwarten, dag Allerhochstdessen Flotte in aufopfernder Pflichterfullung mit Allerhochstdessen Landarmee wetteifern werde, so wird doch » keineswegs die bedeutende numerische Uberlegenheit der gegnerischen Flotte ver- kannt Die k. k. Flotte ist dieser Instruktion getreulich nachgekommen, sie hat die Erwartung ihres Kaisers und ihres Vaterlandes nicht getauscht: die Siidarmee biieb an ihrem linken Fliigel gedeckt, der numerisch uberlegene Gegner hat bei Lissa schweren Verlust erlitten! Die Eskadre in Fasana war mit den Vorbereitungen fur die Aktion emsig beschaftigt. Angesichts der Inferioritat der osterreichischen Schiffsartillerie - die bei Krupp bestellten, fiir die neuen Panzerschiffe bestimmten Geschiitze sind des Kriegsausbruches wegen nicht abgeliefert worden - verfugte Tegetthoff die An- wendung konzentrierter Batterielagen auf geringe Distanzen; die Holzschiffe hatten die Wasserlinie bei den Kesseln und die Batterie mit den Riistankerketten zu panzern; die Geschutzbemannungen waren durch Splitternetze zu schiitzen; die weigen Batterie- streifen wurden schwarz iibermalt; taktische Ubungen in See wechselten mit Scheiben- schiegen ab. Noch vor dem Ausbruche des Krieges lieg der Eskadrekommandant nachtsiiber Sicherheitsvorkehrungen in Kraft treten; eine Fregatte lag als Inspektions- schiff an der nordwestlichen Einfahrt des Kanals von Fasana, ein kleineres Schiff bei der siidlichen Einfahrt und ein Kanonenboot kreuzte seewarts von der Insel- gruppe Brioni. Die Raddampfer waren mit Truppen- und Materialtransporten langs der Kiiste beschaftigt, Dampfer „Stadium“ unternahm am 20. Juni eine Rekognos- zierungsfahrt an der italienischen Kuste, ohne die italienische Flotte zu sichten. Am 23 Juni, dem Tage des Kriegsbeginnes, waren in Fasana versammelt: 6 Panzerschiffe, 4 Fregatten, 1 Korvette, 7 Kanonenboote und 3 Raddampfer, so dag auf den vollen Stand an Schiffen nur noch fehlten „Habsburg“, „Kaiser“, Novara" Seehund", „Kerka“, „Lucia“ und „Vulkan“. Die Lagunen-Flottille in Venedig war ausgerustet, die Panzerbatterie „Feuerspeier“ lag bei der Einfahrt von Mala- mocco die Fregatte „Venus“ bei Murano; der Stations- und Uberwachungsdienst war organisiert Kettenbarrikaden und Minen sperrten die Einfahrten von Chioggia, Lido und Malamocco, im Kanale Rocchetta lagen sieben angekaufte Handelsschiffe fiir das Versenken bereit; die seeseitigen Werke zahlten 846 Geschiitze. In Pola war die S°gelfregatte Bellona", im Hafen von Veruda der Schoner „Saida“ Hafenwachschiff; 53 zwei Dampfer standen zur Verfiigung des Hafenadmiralen, die Einfahrt nach Pola war durch Minen und Netze abgesperrt; die Werke von Pola fiihrten 510 Geschiitze. Je ein kleiner Dampfer lag in Žara, Lissa und Gravosa, im Golfe von Cattaro wurden drei Dampfer stationiert. Triest, Žara, Lissa, Sebenico, Ragusa, der Golf von Cattaro und Budua waren befestigt, die acht Dampfer auf dem Garda-See und die acht Ruder- fahrzeuge auf dem Mantuaner See in Dienst gestellt. Schon am Tage nach dem Kriegsausbruche fragte Tegetthoff, der seine Kommandoflagge auf der Panzerfregatte „Erzherzog Ferdinand Max“ gehigt hatte, beim Kommando der Siidarmee telegraphisch an, ob er eventuell mit der Eskadre die Offensive ergreifen und an der italienischen Kiiste eine scharfe Rekognoszierung vornehmen diirfe. Den Nachrichten iiber die Siege der k. k. Armee bei Verona und Custoza folgte die Antwort auf Tegetthoffs Anfrage: die Eskadre erhielt freie Aktion bis zur Insel Lissa zugestanden, solite aber die Po-Miindungen und die venezianische Kiiste im Auge behalten. Der Eskadrekommandant, der iiber das Verbleiben und Verhalten der feindlichen Flotte vollig im unklaren war, ging daher sofort nach Empfang des Antworttelegrammes (am Abende des 26. Juni) mit sechs Panzerschiffen, einer Fregatte, vier Kanonenbooten und zwei Raddampfern in See, um eine scharfe Rekognoszierung Anconas vorzunehmen. Raddampfer „Elisabeth“, der als Kundschafter den anderen Schiffen voraus- fuhr, sichtete am Morgen des 27. Juni den als Vedette vor Ancona aufgestellten Dampfer „Esploratore“, den er verfolgte und beschog; die Panzerschiffe nahmen die Gefechtsformation (vorspringender Winkel) ein und steuerten bis auf etwa zwei Seemeilen an Ancona heran, auf dessen Rhede die ganze feindliche Flotte vor Anker lag. Man zahlte 11 Panzerschiffe, 4 Fregatten und 2 Avisodampfer, die sich schleunigst gefechtsbereit machten. Ein Angriff auf die — allerdings bewegungslose - Ubermacht war nicht ratlich, weil einem Geriichte zufolge die Rhede mit Minen abgesperrt worden war und das Manover des „Esploratore“, der wiederholt seinen Kurs anderte, dieses Geriicht zu bestatigen schien; erst in zweiter Linie mugte auch das Vorhandensein der feindlichen Landbatterien in Betracht gezogen werden. Tegetthoff war nicht der Mann, sich durch die Ubermacht imponieren zu lassen, er biieb daher zwei Stunden vor Ancona, um dem Feinde Gelegenheit zum Angriffe zu bieten; der italienische Kommandierende, Admiral Persano, konnte sich aber zum Verlassen des schiitzenden Bereiches der Landbatterien nicht entschliegen und so kehrte Tegetthoff mit seinen Schiffen nach Fasana zuriick. Die Diversion gegen Ancona hatte ihren Zweck erreicht, die feindlichen Streitkrafte waren festgestellt, ein groger moralischer Eindruck auf diese hervorgerufen und das Selbstgefiihl der k. k. Flotte noch mehr gehoben worden. Am 18. Juli vormittags erhielt Tegetthoff die Nachricht, dag ein Teil der italienischen Flotte in Sicht der Insel Lissa gelangt sei; bald darauf folgte eine zweite Depesche, die einen Angriff zwolf italienischer Schiffe auf den Hafen Comisa der Insel Lissa meldete, dann eine dritte, der zufolge auch der Hafen S. Giorgio angegriffen wurde. Diese Nachrichten liegen den Schlug zu, ein Teil der feindlichen Flotte fiihre eine Diversion gegen Lissa aus, um die k. k. Eskadre von dem voraus- sichtlichen Hauptangriffsobjekte — Triest — wegzulocken oder zu einer Teilung zu verleiten; Tegetthoff biieb daher in Fasana. Die am nachsten Morgen eingelangten Depeschen meldeten die Wieder- aufnahme der Angriffe auf Lissa durch 22 italienische Schiffe, es war somit die ganze Flotte Persanos bei Lissa vereinigt; rasch entschlossen, meldete Tegetthoff das Auslaufen der Eskadre, alle Schiffskommandanten wurden sofort auf das Flaggenschiff berufen und mit ku-rzen Instruktionen beteilt, dann ging die Eskadre in See. Das Flaggenschiff trat um halb 2 Uhr nachmittags an die Spitze der in drei Divisionen (vorspringender Winkel, Kielwasserordnung) formierten Eskadre, die Fahrt zum Kampfplatze wurde aufgenommen. Die erste Division bestand aus den Panzerfregatten »Erzherzog Ferdinand Max“ (Flaggenschiff Tegetthoffs), „Habsburg“, „Kaiser Max“, „Prinz Eugen“, „Don Juan d’Austria“, „Drache“ und „Salamander“ und dem Raddampfer „Elisabeth“ (als Repetiteur); zur zweiten Division gehorten das Linienschiff „Kaiser“ (Flaggenschiff des Divisionskommandanten, Kommodore Linienschiffskapitan von Petz), die Fregatten „Novara“, „Schwarzenberg“, „Radetzky“, „Adria“ und „Donau“, die Korvette „Erz- herzog Friedrich* 1 , die Avisodampfer „Greif“ und „Stadium“; die dritte Division war aus den Kanonenbooten „Hum“ (Kommandant Fregattenkapitan Eberle), „Dalmat“, „Wal“, „Velebich“, „Reka“, „Seehund“, „Streiter“, „Narenta“, „Kerka“ und dem Avisodampfer »Andreas Hofer“ zusammengesetzt. Diese 27 Schiffe zogen kampfes- freudig aus, um sich mit der Flotte Persanos, die aus 12 Panzerschiffen, 14 Holz- schiffen und 5 Avisos bestand, zu messen; der Feind zahlte sonach fast die doppelte Anzahl von Panzerschiffen, die aber auch an Artillerie und Fahrgeschwindigkeit den osterreichischen weit iiberlegen waren. Die italienische Flotte war durch den Druck der offentlichen Meinung zu einer Aktion gedrangt worden; der Ministerprasident hatte an Persano geschrieben, innerhalb einer Woche miisse die osterreichische Flotte vernichtet und Istrien besetzt sein, andernfalls stehe ein armseliger Friedensschlug in Aussicht. Eine Besprechung I des Marineministers mit Persano in Ancona, der Operationsbasis der italienischen ) Flotte, ergab den Beschlug, die Insel Lissa einzunehmen; hieraus erwuchs einerseits die Moglichkeit, beim Friedensschlusse Lissa gegen Teile Siidtirols umtauschen zu konnen, anderseits die Wahrscheinlichkeit, Tegetthoff werde seine fiir unangreifbar gehaltene Operationsbasis verlassen. Persano kiindigte seiner Flotte das Unternehmen mit einem Tagesbefehl an, der den bezeichnenden Satz enthielt: „Wir gehen in See, um ungeachtet der Waffen des Gegners fiir Italien Landstrecken zu gewinnen, die ihm gehoren.** Zu diesem Zeitpunkte bestand die Armierung Lissas aus 88 Geschiitzen, die zur Verteidigung der Bai von Comisa, des Hafens S. Giorgio, des Hafens Manego und in einer Reservestellung disponiert waren; das Inselkommando fuhrte Oberst Urs de Margina, die Besatzung bestand aus 1833 Mann (hievon 1200 Mann Marine- infanterie und 44 Matrosen); im Hafen S. Giorgio lag der gemietete Lloyddampfer „Egitto“, der keine Geschiitze besag und nur fiir Transport-, Rekognoszierungs- und Meldedienst verwendet wurde. Der Stabschef Persanos rekognoszierte am 17. Juli die Insel; er fuhrte dies an Bord des Avisodampfers „Messaggiero“ aus, der an Stelle der italienischen die englische Flagge gehigt hatte. Die italienische Flotte begann den Angriff auf Lissa am 18. Juli; Comisa, S. Giorgio und Manego wurden fast gleichzeitig angegriffen; eine italienische Flottille kappte bei Lesina die telegraphische Verbindung Lissas, der Telegraphenbeamte von Lesina fliichtete aber mit dem Apparat auf eine Bergspitze, wo er sich sogleich an die nach Dalmatien fiihrende Linie schaltete und seine Beobachtungen liber den Verlauf der Kampfe nach Žara depeschierte. Kontreadmiral Vacca, der mit drei Panzerschiffen die Bai von Comisa angegriffen hatte, erzielte keinen Erfolg, gab den Kampf auf und steuerte nach Manego, wo Vizeadmiral Albini mit der Holzflotte eine vorhandene Batterie niederkampfen und dann die Landung bewerkstelligen solite, um dort einzugreifen; Albini hatte aber ebenfalls den Angriff aufgegeben, weil die Schiffe vom Land unter Feuer gehalten wurden, die Schiffsgeschtitze aber die hochgelegene Batterie nicht erreichen konnten. Der Kampf bei S. Giorgio war ein sehr lebhafter, das Pulvermagazin der Batterie Schmid flog in die Luft, das italienische Panzerschiff »Maria Pia“ mugte sich zuriickziehen, um einen Brand, den eine osterreichische Granate verursachte, zu loschen; mit bewundernswerter Tapfer- keit hielten die Verteidiger gegen die Ubermaeht stand, sie verwendeten die Nacht, vvahrend der die feindlichen Schiffe in See kreuzten, zur Wiederherstellung der beim Bombardement erlittenen Schaden. Persano, der am 19. Juli durch das Panzerschiff »Affondatore** und Landungs- truppen verstarkt wurde, nahm den Kampf mit Lissa in den Morgenstunden wieder auf, der Hauptangriff erfolgte aber erst nachmittags; vier Panzerschiffe drangen in den Hafen S. Giorgio ein, der Kommandant des »Formidabile** fuhrte sein Schiff mit heroischem Mut im Kampfe gegen die Batterie Madonna, aber auch dieser Angriff scheiterte an der Tapferkeit der Verteidiger. »Formidabile** mugte in den Abendstunden die Ankerkette schliipfen lassen und sich mit starken Beschadigungen zuriickziehen; in der Kommandantenkajiite der »Ancona** war ein Brand entstanden. Der Angriff auf Comisa blieb ebenfalls erfolglos; die bei Karober versuchte Landung wurde durch die Ungunst des Wetters vereitelt. Eine neuerliche Verstarkung der Landungstruppen, die am Morgen des 20. Juli eintraf, bewog Persano, den Angriff zum drittenmal zu wiederholen und die Landung auszufiihren; seine Befehle wurden gegen 8 Uhr morgens durch die Meldung des als Kundschafter aufgestellten »Esploratore** durchkreuzt, der die anriickende oster¬ reichische Flotte gesichtet hatte. Persano lieg die Panzerschiffe eine Kiehvasserlinie formieren, in deren Deckung sich die Holzschiffe zu sammeln hatten, er selbst tiber- schiffte sich vom „Re d’Italia“ auf den „Affondatore“. Tegetthoff, der die Eskadre mit voller Kraft gegen den Feind steuern lieg, durchbrach dessen Linie, beide Flotten nahmen das Feuer mit groger Intensitat auf; nach dem Durchbruche wendeten die italienischen Panzerschiffe gegen die den oster¬ reichischen nachfolgenden Holzschiffe; Tegetthoff jagte den italienischen Panzern nach, um die bedrohten Holzschiffe zu decken; diese beabsichtigten einen Angriff auf die seitlich postierte italienische Holzflotte, gegen die sie wendeten; die Formationen losten sich, es entstand ein Melee, das allein den k. k. Schiffen, die an Artillerie und Fahrgeschwindigkeit wie auch an Zahl der Panzerschiffe schwacher waren, die Chancen des Kampfes erhohen konnte. Es entvvickelte sich nun eine Reihe von denkwiirdigen Phasen des Kampfes. Linienschiff »Kaiser** wurde mit »Affondatore** in den Kampf verwickelt, in den unerschrocken auch die kleineren Holzschiffe eingriffen; kurz darauf kam eine andere italienische Panzergruppe heran. Kommodore Petz, rasch entschlossen, rannte mit dem »Kaiser** den „Re di Portogallo** an, um die nachststeuernden Holzschiffe zu schiitzen und in der Hoffnung, den Gegner durch das Moment des machtigen Linienschiffes kampfunfahig zu machen. Beide Schiffe erlitten Havarien; auf »Kaiser**, der den Bugspriet verlor, stiirzte der Fockmast gegen achter auf den Schlot, diesen zertriimmernd; Kommodore Petz beschlog daher, den »Kaiser“ nach S. Giorgio zu bringen, um das Schiff dort rasch wieder gefechtsbereit zu machen. Die anderen Holzschiffe deckten ihr Flaggenschiff, das den wiederholten Rammversuchen des »Affondatore** konzentrierte Lagen der Breitseiten gegeniiberstellen mugte; als »Kaiser** in S. Giorgio einlief, kehrten seine Begleiter wieder auf den Kampfplatz zuriick. Tegetthoffs Flaggenschiff, die vom Linienschiffskapitan Freiherrn von Sterneck befehligte Panzerfregatte »Erzherzog Ferdinand Max“, weilte bestandig im dichtesten Gewiihle der Kampfenden: der Schiffskommandant hatte zweimal feindliche Panzer¬ schiffe angerannt, doch erfolgte der Stog beidemal in so schrager Richtung, dag die Ramme die feindlichen Schiffe nicht schwer verletzen konnte. Der zv/eite Rammstog wurde ge.gen das Heck des »Palestro** gefiihrt, wobei die Kreuzstenge und Besahn- gaffel dieses Schiffes herunterstiirzten; die groge Flagge des „ Palestro “ kam auf das 54 l oooooool Vorkastell des »Ferdinand Max“ zu liegen, wo sie erbeutet wurde. Kurz nachher erblickte Linienschiffskapitan von Sterneck in der Kursrichtung ein feindliches Panzer- schiff, den „Re d’Italia“, den er sofort zu rammen beschlog; der Sporn des ,Erz- herzog Ferdinand Max“ drang mit unwiderstehlicher Gewalt in den Gegner,” der sich durch Riickwartsarbeiten mit der Maschine zu retten versuchte und alle Enter- abteilungen auf Deck beordert hatte; heftige Gewehrsalven des „Re d’Italia“, der anfangs nach der dem Rammstog abgewandten Seite krangte, strichen iiber das Deck des »Erzherzog Ferdinand Max“, dann neigte sich das Schiff stark nach der verletzten Seite, das Wasser stromte in die gewaltige Bresche und zog den Re d’Italia“ in die Tiefe. Von der Bemannung konnten nur wenige gerettet werden- »Erzherzog Ferdinand Max“ hatte alle Boote bis auf eine kleine Jolle zerschossen und ehe diese noch den Ertrinkenden zu Hilfe gesandt werden konnte, war das Schiff bemiigigt, die Fahrt wieder aufzunehmen, um dem Angriff eines italienischen Panzer- schiffes zu entgehen.* Raddampfer »Elisabeth", wie auch die Kanonenboote »Kerka" und „Narenta“, die spater Rettungsversuche unternahmen, wurden durch feindliche Geschosse zum Raumen des Platzes gezwungen. Bald nach dem Beginne des Melees hatte eine osterreichische Granate auf „Palestro“ einen Brand verursacht, der rasch groge Dimensionen annahm; der Kommandant des Schiffes lieg die Pulverkammer unter Wasser setzen und er’ ver¬ suchte, das Schiff aus dem Gewuhle des Kampfes zu bringen, um den Brand loschen zu konnen. Eine konzentrierte Lage, die dann noch S. M. Schiff „Drache“ auf das Heck des „Palestro“ abgab, scheint den Brand verstarkt zu haben. Ein Angriff der italienischen auf die osterreichischen Holzschiffe, die gerade den „Kaiser“ gegen S. Giorgio begleiteten, wurde durch herbeieilende k. k. Panzer- schiffe abgebrochen; dann vereinigten sich die meisten italienischen Panzerschiffe und Holzschiffe mit der Division des Kontreadmirals Vacca, der seine Flagge auf dem »Principe di Carignano“ fiihrte. Tegetthoff formierte nun seine Schiffe in drei Kolonnen, wobei die dem Feinde zugewandte Kolonne von den Panzerschiffen gebildet ward. Der brennende „Palestro“ steuerte in den Zwischenraum, den die beiden Flotten freiliegen, doch gelang es ihm, die Nahe seiner Panzerschiffe zu erreichen; die beiden Flotten fuhren parallel nebeneinander, einzelne Schusse fielen. Admiral Persano Iehnte die Vorschlage seines Stabschefs, mit dem „Affondatore“ voran zu fahren und den Kampf zu erneuern, wiederholt ab, machte aber doch das Signal: »Jedes Schiff das sich nicht schlagt, ist nicht auf seinem Posten." Um 2 Uhr nachmittags fielen die letzten Schusse, um halb 3 Uhr flog der »Palestro" in die Luft. Persano hatte nun zwei Panzerschiffe verloren, ein drittes der »Formidabile", mugte sich bald nach Beginn des Kampfes seiner Havarien wegen nach Ancona zuriickziehen, ein viertes meldete, die Position nicht einhalten zu konnen; die italienische Flotte zahlte nur noch ein Panzerschiff mehr als die oster¬ reichische; den Italienern, die ihren Stutzpunkt in weiter Entfernung hatten, begann Kohle und Munition zu mangeln und so entschlog sich Persano, den Ruckzug an- zutreten. Angesichts der geringeren Fahrgeschwindigkeiten der osterreichischen Eskadre mugte Tegetthoff von einer Verfolgung des geschlagenen Feindes absehen- er sandte zuerst die Kanonenboote, dann die anderen Holzschiffe in den Hafen von S. Giorgio, zum Schlusse folgten die Panzerschiffe. Lissa war entsetzt worden der starke Gegner besiegt; die Flotte hatte ihre Pflicht erfiillt. Die Verluste betrugen an Toten: Linienschiffskapitan Freiherr von Moll (Kom¬ mandant des »Drache"), Linienschiffskapitan Erik of Klint (Kommandant der »Novara") Linienschiffsfahnrich Proch und 35 Mann; verwundet waren 15 Offiziere und 123 Mann' Die italienische Flotte zahlte 38 tote und 4 verwundete Offiziere, 574 tote und 32 ver- * Siehe Tafel 11: Seeschlacht von Lissa. wundete Mannschaftspersonen. S. M. Schiff »Kaiser" wies die schwersten Havarien auf; der Rammbug des »Erzherzog Ferdinand Max“ hatte durch das Anrennen des »Re d’Italia“ ziemlich ernste Schaden erlitten, auf »Don Juan d’Austria" waren Panzer- platten durch schwere Geschosse beschadigt worden; auf mehreren Schiffen, darunter auf Fregatte »Adria" dreimal, war durch feindliche Granaten Brand entstanden, doch bald geloscht worden. Tegetthoff signalisierte den Schiffen Dank und Anerkennung, Dampfer »Stadium" brachte die an den Kaiser gerichtete Depesche mit der Meldung iiber den erfochtenen Sieg nach Spalato; zwolf Stunden nach beendeter Schlacht waren alle Schiffe mit Ausnahme des Linienschiffes dampfklar und wieder schlagfertig. Am 21. Juli nach¬ mittags brachte der Lloyddampfer »Venezia" aus Žara eine kaiserliche Depesche an Tegetthoff: »Ich ernenne Sie zum Vizeadmiral. Den Offizieren und Mannschaften Meiner tapferen Flotte Meinen Dank. Ich erwarte Ihre Auszeichnungsvorschlage." Unter dem Geschiitzsalute der Schiffe und unter begeisterten Hurrahrufen der auf die Wanten geenterten Mannschaften higte das Flaggenschiff die Vizeadmiralsflagge; noch am selben Abende steuerten alle Schiffe wieder nach Fasana zuriick, nur »Kerka" und »Narenta" blieben zur Disposition des Inselkommandos in S. Giorgio. Der Sieg von Lissa bildete einen Lichtpunkt in triiben Tagen, Tegetthoff und seine tapferen Mitkampfer wurden mit Ehren iiberhauft; Tegetthoff erhielt das Kom- mandeurkreuz, Sterneck und Petz das Ritterkreuz des Maria Theresienordens. Das Tapferkeitszeugnis, das die Schiffskommandanten ihrem Admiral bei der Bewerbung um Aufnahme in das Ordenskapitel ausstellten, schmiickt das Marinemuseum; es wird neben zahlreichen Trophaen und anderen Wahrzeichen sorgfaltig aufbewahrt und auch spateren Generationen die erste groge, siegreiche Seeschlacht der oster¬ reichischen Flotte in frischer Erinnerung halten. Weit weniger bekannt als die Leistung der Eskadre in der Adria ist die Tatigkeit der Flottille auf dem Garda-See wahrend des Krieges. Diese Flottille bestand aus den Kanonenbooten »Scharfschiitze", „Wildfang“, »Raufbold", „Wespe“, »Spei- teufel" und »Uskoke", dann den Raddampfern »Franz Joseph" und »Hess"; Kom¬ mandant der Flottille und der Marinestation Peschiera war der Korvettenkapitan Monfroni von Monfort. Der Indienststellungsbefehl fiir die Flottille erfolgte am 4. Mai 1866, Monfroni lieg bei den Indienststellungsarbeiten die Kanonenboote mit Eisenschienen panzern. Die Italiener hatten auf dem Garda-See ebenfalls sechs ge- panzerte Kanonenboote, deren Geschiitze - 40-Pfiinder - leistungsfahiger als die osterreichischen waren, und einen Raddampfer ausgeriistet; zwei Schiffe befanden sich noch im Baue. Mitte Mai verdichteten sich die Nachrichten iiber den von Freischarlern ge- planten Einfall in Siidtirol; da Uberraschungen nicht ausgeschlossen waren, befand sich von da ab immer eines der k. k. Kanonenboote auf Kreuzung und es wurden auch Patrouillenboote aufgestellt. Korvettenkapitan Monfroni war der richtige Mann auf seinem Posten: energisch, tapfer und unermiidlich tatig. Er erhielt am 23. Juni vormittags die Nachricht vom Beginne der Feindseligkeiten - eine Stunde spater beschog er mit »Speiteufel", „Wildfang“, »Uskoke" und »Scharfschiitze" die Batterie von Maderno, bei der sich zahlreiche Garibaldianer aufhielten; die Freischarler wurden durch das Feuer S.M. Schiffe vertrieben, einige Hauser beschadigt. Die italienischen Schiffe waren wahrend des Kampfes in Sicht, doch blieben sie im Schutze der Batterien von Salo und unter- liegen auch den Versuch des Auslaufens. In der Zeit vom 30. Juni bis 7. Juli folgte eine Reihe von Unternehmungen der riihrigen k. k. Flottille, die teils in Rekognoszierungen, teils in dem Bemiihen bestanden, die italienischen Kanonenboote zum Verlassen von Salo und zum Kampfe 55 fool n \ Uil 7 jo OOP OOP zu veranlassen. Bei den Rekognoszierungen beschossen „Wildfang“ (30. Juni) die Batterie von Maderno, „Hess“ (30. Juni) exerzierende Freischarler bei Desenzano, „Speiteufel“ und „Hess“ (1. Juli) neuerdings Desenzano, dann „Wildfang“ (2. Juli), „Hess“ (5. Juli), „Wildfang“ und „Raufbold“ (6. Juli) die feindlichen Stellungen bei Gargnano; die Freischarler wurden jedesmal in die Flucht getrieben; die Geschiitze der Batterien von Maderno und Gargnano besagen zwar eine grogere Tragweite als die osterreichischen Schiffsgeschiitze, sie wurden aber nicht gut bedient und so hatten die k. k. Schiffe keine Schaden und nur wenige Verwundete aufzuweisen. Die zweite Aufgabe, die sich Monfroni gestellt hatte, brachte allerdings keinen Erfolg; die italienischen Schiffe blieben im Hafen von Salo und verliegen dessen Schutz auch dann nicht, wenn ein einzelnes S. M. Kanonenboote herausfordernd vor dem Hafen erschien. Sie zeigten sich zwar am 2. Juli in See, vermieden aber den Kampf; abends versuchten sie eine Landung bei Gargnano, gaben aber nach einigen mit „Wespe“ gewechselten Schiissen die Absicht wieder auf. Endlich am 7. Juli schien es, als ob fiinf italienische Kanonenboote die patrouillierende „Wespe“ an- greifen wollten, wie aber Monfroni mit zwei anderen Schiffen zur Unterstiitzung herbeieilte, zogen sie sich sogleich zuriick. Kanonenboot „Wildfang“ (Kommandant Linienschiffsleutnant Joly) sichtete und verfolgte am Abende des 19. Juli den italienischen armierten Dampfer „Benaco“, der ein Lastboot schleppte; Joly griff den Dampfer trotz des heftigen Feuers der Batterien von Gargnano an und es gelang, dem „Benaco“ solche Havarien zuzufiigen, dag er nicht nach Salo zuriickkehren konnte, sondern am Ufer von Gargnano vertaut werden mugte. Am Schlusse des Kampfes, der wegen der dunklen Nacht und des triiben Wetters abgebrochen wurde, traf auch „Scharfschiitze“ (Linienschiffsleutnant Freiherr von Haan) ein, der an der Beschiegung der Batterien teilnahm. Beide Kanonenboote blieben nachtsiiber vor Gargnano, um eine Flucht des „Benaco“ zu vereiteln. Beim ersten Morgengrauen des 20. Juli griffen „Wildfang“ und „Scharfschiitze“ neuerdings an; sie richteten ihr Feuer gegen den „Benaco“ und die Freischarler am Ufer, die ein lebhaftes Gewehrfeuer unterhielten, die Batterien, deren Schiisse grogtenteils zu hoch gingen, wurden nicht beachtet. Dann fiihrte Haan die Boote beider Schiffe mit einer Schlepptrosse unter Bord des „Benaco“, die Trosse wurde wahrend eines wahren Kugelregens, den die Garibaldianer aus den Fenstern der nachstliegenden Hauser auf die Boote richteten, auf dem „Benaco“ festgemacht und „Scharfschiitze“ nahm das gekaperte Schiff in Schlepp. Wahrend dieser Unternehmung kenterte das Boot des „Scharfschiitze“; die Bergung des Bootes wurde mit wahrer Todesverachtung von seiten der Bootsbemannung des „Wildfang“ versucht, doch lieg man es schlieglich im Stiche, weil es starke Havarien erlitten hatte. Die Kampfenden erhielten bald Sukkurs, Monfroni traf mit „Speiteufel“ und „Hess“ ein, die italienischen Kanonenboote verliegen Salo und stellten sich im Schutze der Batterien auf; Raddampfer „Hess“ iiberfiihrte auf Befehl Monfronis die Verwundeten nach Riva, „Wildfang“ nahm den „Benaco“ in Schlepp. Es standen nun zwei oster¬ reichischen Kanonenbooten fiinf italienische gegeniiber, doch veranlagte auch dies die Italiener nicht zum Kampfe, sie kehrten wieder nach Salo zuriick; spater griffen sie den kreuzenden „Raufbold“ an, hielten aber nicht stand, als „Wespe“ zur Ver- starkung herbeieilte. Monfroni empfing am Abende des 24. Juli durch „Wespe“ die Meldung, die k. k. Truppen hatten am Morgen Riva geraumt, dessen Besetzung durch den Feind unmittelbar bevorstehe; da bei dem eiligen Abmarsche voraussichtlich einiges Material zuriickgelassen worden war, begab sich Monfroni mit „Speiteufel“, „Uskoke“ und „Wespe“ sofort nach Riva, um das Zuriickgelassene einzuschiffen. Am nachsten Morgen zeigte es sich, dag der Feind noch nicht in Riva eingeriickt war; Monfroni lieg daher das vorgefundene Material einschiffen und die Schanze vor der Rocca- Kaserne abtragen. Diese Arbeiten waren im Zug, als gegen 10 Uhr vormittags der Feind in starken Kolonnen anriickte; die Schiffe nahmen rasch giinstige Positionen ein und eroffneten ein wohlgezieltes Granatfeuer. Der Feind ergriff eiligst die Flucht, ohne seine Geschiitze in Position zu bringen; als seine Kolonnen nachmittags wieder vorriicken wollten, brachte sie das Feuer der Schiffsgeschiitze neuerdings zum Weichen. Die Mauer langs der Strage wurde dann durch Matrosen abgetragen, um Vorriickende besser beschiegen zu konnen; nachtsiiber blieben die Schiffe dicht unter Land, um Kartatschfeuer anwenden zu konnen. „Hess“ brachte nachts die Nachricht vom Waffenstillstande, doch waren die Bedingungen noch unbekannt; Monfroni lieg daher am 26. Juli bei Tagesanbruch Riva besetzen, er kam damit den Garibaldianern zuvor, die Stadt blieb von feindlicher Einquartierung und von der Leistung einer Kontribution befreit. Die Demarkationslinie wurde am 2. August ge- zogen, dank Monfronis Vorgehen war Riva auf der osterreichischen Seite geblieben. Die tapfere Haltung und die vorziiglichen Dienste der Flottille auf dem Garda- See fanden die huldvollste Anerkennung des Kaisers; Monfroni ward Theresienritter, mehrere Angehbrige des Stabes und der Mannschaft erhielten Ordensauszeichnungen und Tapferkeitsmedaillen. Nach dem Friedensschlusse wurde die Marineakademie in Fiume wieder auf- gestellt und man errichtete je ein Seebezirkskommando in Triest und in Žara. Der Seebezirkskommandant von Triest war auch Prases der Schiffbaukommission; die meisten grogen Schiffe der Flotte wurden in Triest gebaut, das sich dank der Initiative besserer Manner, entgegen der Uberzeugung des Grafen Brigido, zu einem auch fur den Schiffbau wichtigen Platz entwickelt hatte. Der Krieg des Jahres 1866 verdrangte Osterreich aus Deutschland und aus Italien, mit Venetien wurde auch der Hafen von Venedig iibergeben, der fur moderne Flotten allerdings kein geeigneter Stutzpunkt ist; innerpolitisch fiihrte dieser Krieg zum Ausgleiche des Jahres 1867, demzufolge die Flotte eine „k. und k. dsterreichisch- ungarische" wurde. 56 |Qoo o o o d O » c £išC SA O cš O^OgOa OSO SiS Oe=5 O J % A X** d AU b^!V * ^D EH^ S "*^Ar FREl^-^ 0 ' < ^xX£^t c O vV ^ °ftAF DIE K. UND K. OSTERREICHISCH-UNGARISCHE KRIEGSMARINE. 1867 E Schlacht von Lissa war die erste zwischen Panzerschiffsflotten ge- schlagene, sie war aber auch die einzige, in der Panzerfregatten als Schlachtschiffe kampften. Die Zunahme der Panzerstarken fiihrte das Anwachsen des Geschiitzkalibers, dieses die Verminderung der Geschiitz- zahl an Bord der Schlachtschiffe herbei; die Geschiitze wurden nun im mittleren Teile der Batterie zusammengezogen und durch je ein vor und achter ihrer Aufstellung quer angebrachtes Panzerschott gegen feindliches Enfilierfeuer geschiitzt — es entstand ein neuer Schiffstyp, das „Kasematt- schiff", das auch „Panzerschiff mit Zentralbatterie 11 genannt wurde. Das Kasemattschiff bot gegeniiber der Panzerfregatte den grogen Vorteil des Schiegens in der Kielrichtung: die in den Ecken der Kasematte auf- gestellten Geschiitze wurden in erkerartigen Ausbauten oder in schragen Stiickpforten installiert, die Schiffswand vor und achter dieser Geschiitze eingezogen. Das Bug- und Heckfeuer erhohte die Offensiv- und Defensiv- kraft des Schlachtschiffes, das nunmehr sowohl beim Jagen des Gegners als auch beim Verfolgtwerden schwere Geschiitze ins Gefecht bringen konnte; das Bugfeuer galt als besonders wichtig, denn die bei Lissa gemachten Erfahrungen sprachen der Ramme eine groge Zukunft zu; das Losungswort der Seetaktik blieb noch lange „Bug an!“ und man brauchte fiir diesen taktischen Begriff auch die schwere Bugartillerie. Osterreich-Ungarn leitete 1867 den Bau der Kasemattschiffe mit der Kiel- legung des holzernen Panzerschiffes „Lissa“ ein, das iiber dem vorderen Ende der Kasematte ein ganz geschlossenes, iiber die zu beiden Seiten etwas eingezogene Bordwand vortretendes Reduit erhielt; Kasematte, Reduit und Giirtel waren gepanzert, von den zwolf 24 cm Kruppschen Hinterladekanonen waren zwei in den Reduits installiert. „Lissa“ lief 1869 vom Stapel; nach ihrem Muster wurde das Linienschiff „Kaiser“ zu einem Kasemattschiff umgebaut, das zehn 9zollige Armstrong-Vorderlader erhielt, 1871 vom Stapel lief und seit kurzem als Hulk „Bellona“ fiir Bequartierungs- zwecke im Hafen von Pola verwendet ivird. Die neuen Grundsiitze gelangten (1869) bei den Kasemattschiffen „Custoza“ und „Erzherzog Albrecht 11 zur vollsten Beriicksichtigung das sogenannte „Bug- batteriesystem“ hat bei diesen Schiffen, die 1872 vom Stapel liefen, den Gipfel seiner Entwickelung erreicht. „Custoza“ (7060 Tonnen Deplacement) und der ihr sehr ahn- liche „Erzherzog Albrecht 11 (5940 Tonnen) sind aber auch als die ersten ganz aus 1908. Eisen und mit einem (allerdings noch unzureichenden) Zellensystem erbauten Schiffe der k. und k. Flotte geschichtlich denkwiirdig. Die acht schweren Hinterlad-Geschiitze („Custoza“ 26 cm, „Erzherzog Albrecht" 24 cm Kaliber) wurden in zwei Decken iibereinander aufgestellt; in der vorderen Panzerwand der Kasematte befinden sich vier Stiickpforten, in die die vier vordersten Geschiitze auf Drehscheiben gebracht werden konnen; die achteren Geschiitze der oberen Kasematte schiegen durch einen schief gestellten Teil der Kasemattwand, was ein Feuern bis zu 56° achter von der Dwarsrichtung gestattet; die Seitenwande der Kasematten sind vertikal. Diese beiden Schiffe, die lange Zeit hindurch der Stolz der k. und k. Flotte waren, sind seither durch die Schiffbautechnik weit iiberholt worden; sie finden nur noch fiir Zwecke der lokalen Verteidigung Verwendung. Tegetthoff, der die Flotte ruhm- und siegreich im Kampfe befehligt hatte, solite bald auch ihr Fiihrer im Frieden vverden: der allerhochste Kriegsherr ernannte ihn Anfang Marž 1868 zum Marinekommandanten und Chef der Marinesektion des Reichskriegsministeriums; auch in dieser Stellung harrte des sieggekronten Admiralen manch schwerer Kampf, die Vertretungskorper der Monarchie standen damals den notwendigen Bediirfnissen der Flotte recht ablehnend gegeniiber. Die moralische Leistungsfahigkeit, von der k. und k. Flotte bei Lissa glanzend bewiesen, konnte und kann aber stets nur bis zu einem bestimmten Grade den Mangel materieller Mittel ausgleichen. Das Jahr 1869 wurde zu einem fiir die Marine ereignisreichen; es brachte die Orientreise des Kaisers und Konigs Franz Joseph I., die Ausreise der ostasiatischen Expedition, die Inanspruchnahme der Flotte durch die Niederkampfung der Insurrektion in Siiddalmatien und endlich den tiefbedauerlichen Verlust der Fregatte „Radetzky“. S. M. Fregatte „Radetzky“ kreuzte am 20. Februar 1869 mit vollen Segeln im Kanale von Lissa, als gegen 10 Uhr vormittags eine fiirchterliche Explosion erfolgte, die das Schiff zerstorte und es binnen einer Minute zum Sinken brachte; fast die ganze Bemannung verungliickte, nur ein Offizier und 22 Mann konnten gerettet werden. Seine Majestat der Kaiser und Konig Franz Joseph I. unternahm im Herbste des Jahres 1869 eine grogere Orientreise, um den Besuch des Sultans zu erwidern, die heiligen Statten in Palastina zu besuchen und der Eroffnung des Suez-Kanals beizuwohnen; im Gefolge des Monarchen befanden sich viele hohe Wiirdentrager, unter diesen der Reichskanzler Graf Beust und Vizeadmiral von Tegetthoff. Die Jacht „Greif“ war fiir Seine Majestat, die Raddampfer „Gargnano“ und „Elisabeth“ fiir das 57 Gefolge, Korvette »Helgoland" fiir den Eclaireur- und Hafendienst, Kanonenboot „Hum“ fiir den Postkurierdienst bestimmt. Die Uberfahrt von Varna nach Konstan¬ tinopel erfolgte auf den Schiffen »Sultanie" (der vom Sultan seinem kaiserlichen Gaste zur Verfiigung gestellten Jacht), „Gargnano“ und „Helgoland“; die Fahrt nach Athen wurde am 2. November angetreten. An der Miindung der Dardanellen erwartete die vom Kontreadmiral Freiherrn von Pock befehligte k. und k. Eskadre, die aus den Panzerfregatten „Erzherzog Ferdinand Max“, „Habsburg“ und dem Kanonenboote „Hum“ zusammengesetzt war, das Eintreffen der kaiserlichen Jacht „Greif“, die mit den vorgeschriebenen Ehrenbezeigungen begriigt* und dann von der Eskadre bis in den Hafen von Piraus begleitet wurde. Vom Piraus begab sich Seine Majestat mit den Schiffen „ Greif„Gargnano“, „Elisabeth“ und „Helgoland“ nach Jaffa, die Eskadre nach Port Said, um dort die Ankunft des Monarchen zu erwarten. Die Wiedereinschiffung des Kaisers (14. November 1869), nach der Riickkehr vom Besuche Jerusalems, gestaltete sich recht gefahrvoll: sturmisches Westwetter hatte eine schwere Brandung an der Kiiste erzeugt, so dag die Bootsfahrt durch den Riffgiirtel sehr gefahrdet wurde. Ein arabisches Boot, von einem geschickten Fiihrer gesteuert, brachte den Monarchen wohlbehalten unter Bord der Jacht „Greif“, deren Fallreepstreppen des hohen Seeganges wegen nicht beniitzbar waren; Seine Majestat mugte daher mit einer Traggurte vorlieb nehmen, die von einem rasch improvisierten Krane herabgelassen und vom Schiffsstabe gehigt wurde. „Gargnano“ und „Helgoland“, die ihre Passagiere nicht mehr einschiffen konnten, mugten einen Tag lang in See das Wetter abreiten und sie konnten erst am 15. November der kaiserlichen Jacht folgen. Den Abschlug des Reiseprogrammes bildeten die vom Khedive Ismail mit orientalischer Pracht ausgestatteten Festlich- keiten der Kanaleroffnung, der auch die Kaiserin Eugenie und der Kronprinz von Preugen anwohnten. Die Unzufriedenheit der Bewohner der an den Golf von Cattaro grenzenden Ortschaften mit dem Wehrgesetze des Jahres 1868, das sie zur Ableistung der Militarpflicht bei der k. k. Landwehr verhielt, wahrend sie in friiheren Zeiten stets militarfrei waren, fand durch fremde Einfliisse eine solche Steigerung, dag am 6. Oktober 1869 ein Aufstand ausbrach. Die Insurrektion, die starken Zuzug aus der Herzegowina erhielt, breitete sich rasch liber die Bezirke Zuppa, Krivošije und Pastrovič aus; das schwach besetzte Budua und die Augemverke von Cattaro wurden bald nach dem Beginne der aufstandischen Bewegung von Insurgenten angegriffen. Man beeilte sich, Truppenverstarkungen nach dem Golf abzusenden, und auch der Kriegsmarine erwuchs eine lebhafte Tatigkeit. Die Kanonenboote „Kerka“ und „Reka“ wurden von der Levante einberufen; Dampfer „Taurus“, der von Konstantinopel eintraf, um das Stationsschiff im Golfe, „Move“, abzulosen, blieb mit „Move“ dort, von Pola sandte man die Dampfer „Lucia“, „Vulkan“ und „Hentzi“, von Žara das Stationsschiff „Andreas Hofer“, von Klek das Stationsschiff „Sansego“ und von Triest das dort zur Verfiigung des Statthalters befindliche Kanonenboot „Streiter“ nach dem Golfe. Diese zehn Schiffe, als »Schiffs- abteilung in Cattaro" unter dem Befehle des Linienschiffskapitans Millosich vereinigt, wurden dem Militarkommandanten in Dalmatien zur Verfiigung gestellt. Die Schiffe wurden vorwiegend fiir den Transport von Geschiitzen und anderem Material nach dem Golfe, dann bei den haufigen und umfangreichen Truppen- verschiebungen im Golfe verwendet, sie leisteten aber auch sonst gute Dienste. S. M. Dampfer »Andreas Hofer" traf am 23. Oktober zum Schutze der bedrohten Stadt Budua ein und er beschog gleich die Stellungen der Insurgenten; Kanonenboot „Streiter“, das am nachsten Tag anlangte, vertrieb die Insurgenten, die in einzelnen Hausern der Umgebung Stiitzpunkte hatten, durch erfolgreiches Geschiitzfeuer. Als * Siehe Tafel 12: Orientreise des Kaisers und Konigs Franz Joseph I. in der Nacht auf den 3. November in Cattaro ein bedrohliches Schadenfeuer aus¬ brach, wurde es vorwiegend durch die unermiidliche Tatigkeit der von den Schiffen gelandeten Loschkorvees bewaltigt, was dem Statthalter Anlag zu einer warmen Belobung dieser Leistung bewog. S. M. Schiff „Taurus“ beschog bei den Operationen gegen Braič die Aufstandischen mit Erfolg, bald nachher wurde eine Matrosen- kompagnie zur Verstarkung der Besatzung von Risano ausgeschifft. Im Dezember wurde der von der Orientreise heimgekehrte Raddampfer „Gargnano“ fiir den Trans¬ port der Verwundeten von Cattaro nach Triest hergerichtet und in Dienst gestellt. Zuerst war die Zuppa unterworfen, dann nahmen die Operationen langsamen Fortgang; im Dezember herrschte allgemeine Ruhe. FML. Rodich, zum Statthalter in Dalmatien ernannt, leitete Anfang Janner 1870 Verhandlungen mit den Insurgenten in der Krivošije ein, die am 11. Janner, noch vor ganzlicher Niederkampfung des Aufstandes, ihre Unterwerfung anzeigten, worauf eine allgemeine Amnestie folgte. Die vom gewesenen Handelsminister Vizeadmiral Freiherrn von Wtillerstorf befiinvortete Expedition nach Ostasien solite im Jahr 1869 endlich greifbare Gestalt annehmen; man beschlog, die Expedition auch nach Siidamerika zu entsenden, damit sie iiberdies mit den jungen siidamerikanischen Republiken Handels- und Schiffahrts- vertrage abschliege. Vizeadmiral Wiillerstorf mugte das ihm zugedachte Kommando wegen Kranklichkeit ablehnen; es wurde daher der Kontreadmiral Freiherr von Petz zum augerordentlichen Gesandten und bevollmachtigten Minister ernannt und mit dem »Kommando der Expedition nach Ostasien und Siidamerika" betraut. An der Expedition hatten die Fregatte »Donau" (Kommandant Linienschiffskapitan Ritter von Wiplinger) und die Korvette »Erzherzog Friedrich" (Kommandant Fregatten- kapitan Ritter von Pitner) teilzunehmen; dem Kontreadmiral von Petz wurde ein stattlicher Štab von Hilfskraften zugewiesen: Ministerialrat Ritter von Scherzer als Chef des kommerziellen Bureaus, vier Diplomaten, drei Beamte des Konsulardienstes, sieben kommerzielle Berichterstatter, ein Manipulationsbeamter, ein Photograph und ein ungarischer Spezialdelegierter, der Sammlungen fiir das ungarische National- museum anzulegen hatte. Die beiden Schiffe liefen zuerst Triest an, um fiir die Herrscher von Siam, China und Japan bestimmte Geschenke einzuschiffen; sie traten am 18. Oktober 1869 die groge Reise an, die iiber Gibraltar, Tanger, Teneriffa, Kap der Guten Hoffnung und Singapore nach dem ersten Ziele, Bangkok, fiihrte. Nach dem Abschlusse des Handelsvertrages mit Siam wurden solche Vertrage auch mit China und Japan ab- geschlossen; »Donau" solite dann mit Beriihrung von San Francisco und einigen siid¬ amerikanischen Hafen die Heimreise antreten, »Erzherzog Friedrich" in Ostasien verbleiben, um den Austausch der ratifizierten Vertrage zu beivirken. Die Ausfiihrung dieser Absichten wurde aber durch budgetare Riicksichten und andere Ereignisse stark modifiziert. Vor dem Eintreffen in Jokohama kamen die Schiffe in einen Taifun, »Donau" verlor einige Segel und erlitt auch andere Havarien, die in Jokohama ausgebessert wurden; Ministerialrat von Scherzer reiste daher nach San Francisco voraus. »Erzherzog Friedrich" trat in Jokohama aus dem Verbande der Expedition und kehrte nach China zuriick, von wo sie bald einberufen wurde und unter Beniitzung des erst vor Jahresfrist eroffneten Suez-Kanals die Heimreise durchfiihrte. An Stelle der »Erzherzog Friedrich", die am 26. Janner 1871 in Pola eintraf, begab sich die neuerbaute Glatt- deckskorvette »Fasana" fiir den Austausch der Ratifikationen der Handelsvertrage nach Ostasien. Fregatte »Donau", die am 14. November 1870 Japan verlieg und direkt nach Siidamerika steuern solite, machte am 17. November einen zweiten Taifun mit, der sie wieder einige Segel kostete, und am 2. Dezember einen dritten, sehr schweren 58 looa ooool Wirbelsturm, der dem Schiffe viele Schaden verursachte; unter dem Drucke des wutenden Sturmes verlor die Fregatte ein Segel nach dem anderen, nach dem Ver- lassen Japans im ganzen 24; einzelne Boote wurden von Sturzwellen beschadigt; der machtige Seegang rig das Gig von den Kranen, zertrummerte den Augensteven und das Steuer. Durch fiinf Tage blieb „Donau“ ein Spielball der entfesselten Elemente, dann erst gestattete der abnehmende Seegang die Konstruktion eines Not- steuers: die Vormarsstenge, an der Geschiitzraperte befestigt waren, wurde durch den Propellerbrunnen gefiihrt. Zur Instandsetzung der erlittenen Schaden lief »Donau" den Hafen von Honolulu an, Kontreadmiral von Petz begab sich mit dem zugeteilten Personale nach San Francisco und dann iiber Guatemala und Panama nach den sud- amerikanischen Republiken zum Abschlusse der Vertrage. Der Allerhochste Kriegs- herr lieg der gesamten Bemannung der Fregatte fiir die in schwerer Seenot bewahrte ausgezeichnete Haltung den Ausdruck seiner belobenden Anerkennung aussprechen. Nach Beendigung der Reparaturen segelte „Donau“ iiber Callao nach Val- paraiso, wo sich Kontreadmiral von Petz am 13. August 1870 wieder einschiffte; auf der'Heimreise wurden noch Kap Arenas, Montevideo und Gibraltar angelaufen, Handelsvertrage mit Argentina und Uruguay abgeschlossen. Am 1. Marž 1871 traf die Fregatte in Pola ein, die denkwurdige Expedition hatte ihr Ende gefunden; eine Reihe vorteilhafter Handelsvertrage war zum Abschlusse gelangt, zahlreiche, vom Chef der Expedition neuernannte Honorarkonsuln sollten gleichfalls dem vermehrten vaterlandischen Handel niitzen, dessen Aufbliihen man mit Recht erwarten konnte, die Lage der Monarchie und ihrer Seehafen zum eroffneten Suez-Kanale bot hiefiir die besten Aussichten. Die Enttauschungen, welche die nachsten Jahre auf diesem Gebiete brachten, entsprachen weder der Tatigkeit noch den Hoffnungen der Kriegsmarine. Bald nach der Riickkehr der Schiffe von der Expedition nach Ostasien und Siidamerika wurde die Kriegsmarine in tiefe Trauer versetzt: Tegetthoff, der Held von Helgoland und Lissa, wurde ihr im 44. Jahre seines ruhmreichen Lebens, am 7 April 1871, durch den Tod entrissen; unermiidlich im Bestreben, die Verteidigung des Vaterlandes zur See sicherzustellen, konnte er gegen die der Marine minder oiinstig Gesinnten das Gewicht seiner Personlichkeit ins Treffen fiihren; mit seinem Tode verlor die Marine ihren berufensten Vertreter. Tegetthoff s Nachfolger, der am 26. April 1871 zum Vizeadmiral, Marine- kommandanten und Chef der Marinesektion ernannte Kontreadmiral Freiherr von Pock wenngleich durch die štete Fursorge des Monarchen fiir die Marine gestutzt, hatte’ naturgemag den Kampf um die Bewilligung der Bediirfnisse der Flotte unter weniger giinstigen Bedingungen zu fuhren; die Schiffsbauten der nachsten Jahre waren fast ausschlieglich noch auf Tegetthoffs Betreiben begonnen oder bewilligt worden; in den funfzehn Jahren 1872 bis 1887 lief nur ein neues Panzerschiff, das Kasemattschi« .Tegetthoff", vom Stapel. In der Zeit zwischen Tegetthoffs Ableben und der Emreihung neuer Schiffs- aattungen, deren Kampfwert auf der Verwendung des automobilen Torpedos basierte, hefen vom Stapel: die Donaumonitore „Maros“ und „Leitha“, Werkstattenschiff ^vclop 41 und Korvette „Zrinyi“ (1871), Kasemattschiffe „Custoza“ und „Erzherzog Albrecht" Fregatte „Radetzky“, Korvette „Frundsberg“ und kaiserliche Jacht Miramar" 0872) Korvette „Aurora“, Kanonenboote „Albatros“ und „Nautilus“, dann Raddampfer’ »Andreas Hofer" (1873), gedeckte Korvette „Donau“ (1874), Raddampfer Taurus" (1877), endlich die gedeckte Korvette »Saida" (1878). Um- gebaut wurden in dieser Periode das Linienschiff »Kaiser" (1871) und die Panzer- fregatten »Don Juan d’Austria“ (1875), »Kaiser Max“ (1875) und »Prinz Eugen" (1877), alle vier zu Kasemattschiffen. Der kostspielige Neubau von Panzerschiffen, die den Kern jeder Flotte bilden, ist sonach stark zuriickgestellt worden; die iibrigen Stapellaufe betrafen Schiffe, die jede Flotte braucht, die aber ihren Gefechtswert nicht meritorisch erhohen. Die beiden Donaumonitore waren fiir die Unterstiitzung von Operationen der k. und k. Armeen im Donaugebiete notwendig, das Werkstattenschiff solite die operative Flotte wenigstens teilweise von dem einzigen Stiitzpunkte Pola unabhangig machen; die Fregatten, Korvetten und Kanonenboote bildeten den Ersatz fiir alte Holzschiffe, die teils schon ausrangiert waren, teils vor ihrer Kondemnierung standen. Die neuen Holzschiffe, zumeist schon nach dem Kompositsystem erbaut, leisteten zuerst als Kreuzer Dienste; sie wurden dann allmahlich durch neue Typen eiserner Kreuzer ersetzt, auf die Verwendung fiir transozeanische Reisen und fiir Schulzwecke be- schrankt, bis ihr Alter und die zunehmenden Fortschritte der Schiff- und Maschinenbau- technik sie auch hiefiir untauglich machten. „Radetzky“ und »Laudon" (3430 Tonnen, fiinfzehn 15 cm Kruppsche Hinterlad-Geschiitze) waren auf jeden Fali zu ihrer Zeit sehr stattliche Schiffe, die auch durch schone Linienfiihrung angenehm auffielen. Der Umbau des »Kaiser" ist schon erwahnt worden, jener der Panzerfregatten »Don Juan d’Austria“, »Kaiser Max“ und »Prinz Eugen" bedeutete eigentlich keinen besonderen Fortschritt; die alten Maschinen erteilten den neuen eisernen Schiffen nur etwa zwolf Seemeilen Fahrgeschwindigkeit in der Stunde, der Ausschugwinkel der vordersten Kasemattgeschiitze reichte nur bis auf 30° an die Kielrichtung heran. Aus der ganzen, im Vergleiche zu allen anderen Seemachten auffallend kleinen Liste der Schiffsbauten fiir die k. und k. Flotte in den siebziger Jahren ist sonach auger »Custoza" und »Erzherzog Albrecht" nur »Tegetthoff" — das erste Stahlschiff der osterreichisch - ungarischen Kriegsmarine — besonders hervorhebenswert. Ein franzosischer Ingenieur berechnete kurz vor dem Stapellaufe des »Tegetthoff" die Gefechtsstarke der damals besten Schlachtschiffe, an deren Spitze das englische Turmschiff „Inflexible“ mit der Zahl 100 figurierte; »Tegetthoff" folgte mit der Gefechtsstarke 61 als das dreizehntstarkste Schiff der Welt — ein Rekord, den die k. und k. Schlachtschiffe seither nie wieder erreicht haben. »Tegetthoff" erhielt einen sehr starken Panzerschutz und acht 28 cm Kruppsche Hinterlad-Geschiitze, von denen die beiden vordersten und beiden achtersten parallel zur Kiellinie feuern konnen; die beiden vordersten Geschiitze trennt ein Panzerquersehott von den anderen. An besonderen Einrichtungen hat das Schiff eine (bis etwa eineinhalb Meter) iiberhangende Kasematte, eine eigenartige Konstruktion der Panzerplatten am Heck und muschelformig zuriicktretenden Panzer bei den Stiickpforten aufzuweisen; die anderen Seemachte, die schon in den siebziger Jahren im allgemeinen das Turm¬ schiff dem Kasemattschiffe vorzogen, haben diese Neuerungen nicht ubernommen - Deutschland baute nach diesen Planen mit geringem Unterschiede sein Kasemattschiff »Oldenburg". In die Jahre 1872 bis 1874 fallt die osterreichisch-ungarische Nordpolexpedition unter Fiihrung des Linienschiffsleutnants Weyprecht, die zum Zwecke der Durch- fuhrung der »Nordostpassage" um das Kap Tscheljuskin ins Leben gerufen ward; an der Expedition, deren wissenschaftliche Ergebnisse nicht hoch genug anzuschlagen sind und die das Kaiser Franz Josephs-Land entdeckte, nahmen teil: Linienschiffs- leutnant Weyprecht als Chef der Expedition und Kommandant des Expeditionsschiffes »Admiral Tegetthoff", Oberleutnant Payer als Fiihrer der Landexpeditionen, Linien- schiffsleutnant Gustav Brosch, Linienschiffsfahnrich Orel, Regimentsarzt Dr. Kepes, Maschinist Krisch, ein dsterreichischer Handelskapitan als Bootsmann, ein norwegischer Handelskapitan als Harpunier, ein Maschinemvarter, ein Zimmermann, zwolf aktive oder Reserveunteroffiziere der Kriegsmarine als Matrosen und zwei Passeyrer Gletscher- steiger. 59 Der „Admiral Tegetthoff" ging am 13. Juni von Cuxhaven in See; am 11. August wurde auf der Hohe der Kreuz-Inseln der »Isbjdrn" begegnet, der mit Graf Wilczek und Kommodore Linienschiffskapitan Freiherrn von Sterneck an Bord auf der Insel Nowaja Semlja ein Proviantdepot anlegen solite; die Schiffe trennten sich zehn Tage spater bei den Barents-Inseln, „Isbj6rn“ steuerte siidwarts, „Admiral Tegetthoff" lag schon wenige Stunden spater im Packeise, von dem er nicht mehr frei werden solite. Die Trift des Packeises, dessen Pressungen lange Zeit hindurch eine bestandige, groge Gefahr bedeuteten, fiihrte das gefangene Schiff zuerst gegen Nordost, dann gegen Nordwest, bis Ende Oktober 1873 die Eismassen mit dem Schiff an der Ktiste des Franz Josephs-Landes festkamen. Diese bis dahin unbekannte Inselgruppe wurde nach der 124 Tage dauernden Winternacht durchforscht, dann — eine dritte Uberwinterung erwies sich mit Riick- sicht auf den Gesundheitszustand der Expeditionsmitglieder als untunlich — am 20. Mai 1874 der „Admiral Tegetthoff" verlassen und auf Schlitten und mit Booten die Riick- kehr angetreten. Maschinist Krisch, der zwei Monate vorher langem Leiden erlag, war auf der Wilczek-Insel bestattet worden. Die Eiskante wurde am 14. August, nach unsaglichen Miihen und Beschwerden, die Dunen-Bai nach stiirmischer Uberfahrt in den Booten erreicht; eines der beiden russischen Fangschiffe, die in der Dunen-Bai angetroffen wurden, brachte die Expeditionsmitglieder nach Vardo. Den wackeren Mannern, die als Muster von Pflicht- gefiihl, Arbeitsamkeit und mutiger Ausdauer gelten konnen, ward bei ihrer Ankunft in Wien (25. September 1874) ein geradezu enthusiastischer Empfang zuteil, der Monarch zeichnete sie huldvollst aus, die Ergebnisse der Expedition und das Ver- halten der Teilnehmer wahrend der Dauer der Expedition erregten mit Recht die Bewunderung der gebildeten Welt. S. M. Brigg „Saida“ (Kommandant Linienschiffsleutnant Trapp), die im Jahr 1874 fiir die maritime Ausbildung von Deckmatrosen und Steuerleuten in Dienst gestellt war, kehrte im November von einer dreimonatigen Kreuzung im westlichen Mittelmeere heim. Das Schiff langte mit steifem Nordwestwind am 20. November vor der Strage von Messina an, als der Wind plotzlich nach West umsprang und mit orkanartiger Starke zu wehen begann; „Saida“ lag nunmehr bei schwerem Seegang auf Legerwall und es begann ein zaher Kampf gegen die tobenden Elemente, um das Schiff auger Gefahr zu bringen. Man versuchte vor allem, das mit vorziiglichen Segeleigenschaften aus- gestattete Schiff durch Segelpressen von der Kiiste zu entfernen; schon wagte man, den vollen Erfolg zu erhoffen, da rig zuerst der Sturmkliiver und binnen kurzem waren alle Segel mit Ausnahme des Grogmarssegels und des Fockstagsegels durch den Orkan aus den Leiken geblasen. Das Marssegel wurde gerefft, man bereitete die Reservesegel und schlug sie wahrend eines kurz andauernden Nachlassens des Sturmes an; mit dem Setzen und Bergen der Segel, je nach den Windverhalt- nissen, wurde durch mehrere Stunden gegen die Gewalt des Sturmes vergebens an- gekampft, die berghohen Wellen verhinderten aber jeden Gewinn an Luvweg. Ein stattliches amerikanisches Vollschiff kreuzte luvwarts von der „Saida“, bald darauf war es verschwunden. Die anbrechende Dunkelheit lieg noch erkennen, dag sich die Brigg immer mehr dem verderbenbringenden Strande nahere; man gab aber den Kampf noch immer nicht auf. Linienschiffsleutnant Trapp und seine Offiziere beschlossen, die See so lange zu halten, als noch geniigend Wasser unter dem Kiele sei; dann solite der Versuch gemacht werden, die einzige sandige, beim Dorfe Favazzina befindliche Stelle der sonst von felsigem Strand umsaumten Leekiiste anzusegeln, dort zu ankern und die Takelage in Hohl zu streichen. Dies war dann das letzte, das noch fiir die Rettung des Schiffes versucht werden konnte. „Saida" war um 9 Uhr abends vom Sturme schon so nahe unter Land ge- trieben worden, dag sie in die letzte Phase des Ringens trat; der Kommandant lieg gegen die sandige Stelle abhalten, deren Position gliicklichervveise gekennzeichnet war: der in Favazzina ansassige Handelskapitan Ranieri hatte die gefahrvolle Lage des Schiffes erkannt und starke Feuer am Strand angeziindet. Beide Anker wurden geworfen; die Kette des einen hielt nicht stand und rig, der zweite Anker verlang- samte das Treiben des Schiffes und bot Zeit, das bevorstehende Scheitern der Brigg mit bewundernswerter seemannischer Bravour und augerster Anstrengung noch weiter hinauszuschieben. Der dritte Anker wurde aus dem Raume gebracht und dann geworfen, das „in Hohl streichen" begonnen; es half aber alles nicht mehr, ein machtiger Wellenberg warf gegen halb 10 Uhr nachts das Schiff auf den Strand, „Saida“ neigte sich stark auf die Seite und lag in der tosenden, schaumenden Brandung fest. Linienschiffsleutnant Trapp rief die Bemannung auf das Achterdeck, dankte kurz fiir die bewiesene heldenmiitige Ausdauer und befahl, dag sich alle entkleiden und trachten sollten, mit Zuhilfenahme von Holzstiicken u. dgl. m. das Land zu er- reichen. Mann fiir Mann verlieg ohne Hasten das Schiff, als letzter folgte der Kom¬ mandant; nur ein Matrose, der als guter Schwimmer das Ablegen der Kleider unter- lassen hatte, ertrank, alle anderen konnten sich retten. Die Schiffbriichigen fanden in Favazzina freundliche Aufnahme; als sich endlich nach vier Tagen das Wetter besserte, leistete S. M. Korvette „Dandolo“, die den Sturm vor Anker in Messina abgeritten hatte, Hilfe; spater langten auch S. M. Schiffe „Frundsberg“ und „Triest“ ein, die eigens fiir die Bergungsarbeiten entsandt wurden. Der von der See zerstorte Schiffskorper konnte nicht geborgen werden, Einrichtungsstiicke und Geschiitze wurden mitgenommen. Dem Orkane waren, dies konnte spater konstatiert werden, an vierzig Schiffe zum Opfer gefallen, manche mit ihrer vollen Bemannung. Kommandant und Gesamtdetailoffizier der „ Saida" wurden durch Ordensverleihung, der iibrige Štab und die ganze Mannschaft durch den Ausdruck der Allerhochsten Zufriedenheit aus- gezeichnet. Manches Schiff hat gleiches Schicksal erlebt und die Vernichtung durch das Toben des Sturmes und der entfesselten Wogen in schwerer Brandung gefunden, wackere Seeleute haben in solchen Fallen stets unerschrocken, pflichtgetreu und besonnen gekampft, die Geschichte der Strandung S. M. Brigg „ Saida" vermag aber besondere Hochachtung fiir den Kommandanten, den Štab und die Mannschaft dieses Schiffes zu erwecken. Der Hafenadmiral von Pola, Vizeadmiral Freiherr Bourguignon von Baumberg, wurde mit Allerhochster Entschliegung vom 9. April 1875 zum Admiral ernannt, es war dies die erste Verleihung des Admiralsgrades an einen dsterreichisch-ungarischen Seeoffizier. Die Korvette „Erzherzog Friedrich" war (nach „Novara“ und „Donau“) das dritte Schiff der k. und k. Flotte, das eine Weltumsegelung ausfiihrte; diese Reise wahrte vom Sommer 1874 bis zum Sommer 1876, sie ist durch eine mustergiiltige Publikation eines der Schiffsoffiziere (Lehnert, „Um die Erde") weiten Kreisen bekannt geworden, weshalb die Erwahnung des Zwischenfalles an der Kiiste von Borneo geniigen diirfte. Da der Kohlenvorrat der „Erzherzog Friedrich" auf die Neige ging, entsandte man am 7. Mai 1875 ein Arbeitskorvee von 30 Mann zur Miindung des Siboku-Flusses, um dort Holz zu fallen; wahrend der Mittagsrast der Arbeitsmann- schaft kamen fiinf Boote mit Eingeborenen in Sicht, die Kurs gegen das Boot der »Friedrich" hielten, das in der Nahe des Arbeitsplatzes vertaut lag. Es zeigte sich leider bald, dag dies nicht, wie man vermutete, harmlose Fischer, sondern Piraten waren, die das Boot zu erbeuten suchten; es entspann sich ein lebhaftes Feuer- gefecht, bei dem der alte Hauptling der Piraten und mehrere seiner Spieggesellen, 60 |ooo o e o d aber auch zwei Matrosen getotet, ein Unteroffizier und ein Matrose schwer verwundet wurden. Den Piraten, die in mehr als doppelter Ubermacht angriffen, gelang die Erbeutung des Bootes, sie zogen sich dann eiligst zuriick. An Bord der Korvette, die mehrere Seemeilen vom Kampfplatz entfernt vor Anker lag, konnte man des mistigen Wetters wegen den Angriff nicht sehen und, weil der Wind gegen das Land wehte, auch die Schiisse nicht horen, so dag man vom Vorfall erst abends Kenntnis erlangte, als das Korvee von der Dampfbarkasse abgeholt wurde. Die am nachsten Morgen kriegsmagig ausgeriistete Bootsexpedition fand von den Piraten keine Špur; es wurde in Singapore in Erfahrung gebracht, dag die Angreifer Tawi Tawi-Leute waren, Untertanen des Reiches Sulu, mit dem Spanien gerade Krieg fiihrte; die Ahnlichkeit der spanischen und der osterreichisch-ungarischen Kriegsflagge mag den Angriff verschuldet haben. Um diese Zeit wurden die Kriegsflotten durch zwei neue Kampfmittel bereichert: der automobile Fischtorpedo und die Schnellfeuerkanone gelangten zur Einfiihrung, sie brachten einschneidende Anderungen im Schiffbau und in der Art der Zuriistung der Schiffe mit sich. Der Gedanke, feindliche Schiffe durch die Einwirkung von Explosivstoffen auf die Unterwasserteile zum Sinken zu bringen, ist sehr alt und dem natiirlichen Wunsch entsprungen, den Gegner mit einem Schlag auger Gefecht zu setzen. Solange man nicht die Mittel besag, die Sprengkorper zum Gegner zu bringen, war man auf das Verankern dieser Sprengkorper, der Seeminen, beschrankt, die teils durch \ das Anstogen des feindlichen Schiffes zur Explosion gelangten oder auf elektrischem ' Weg in dem Augenblicke geziindet wurden, wenn sich das feindliche Schiff liber der Seemine befand. Die Fortschritte der Chemie der Sprengstoffe steigerten ganz bedeutend den Effekt der submarinen Waffen und es arbeiteten daher die Erfinder immer emsiger an der Losung des Problems, die Mine an den Feind bringen zu kdnnen, denn die verankerte Seemine blieb ein defensives Annaherungshindernis, auf dessen direkte Bekanntschaft der Angreifer zumeist unschwer verzichten konnte. So entstanden endlich die Torpedos, die vom fahrenden Schiff an den Gegner gebracht werden und somit eine Offensivwaffe sind. Der Harvey-Torpedo, mit dem auch die grogeren Schiffe der k. und k. Flotte ausgeriistet waren, bis ihn der Whitehead-Torpedo verdriingte, bestand aus einem flachen Korper, der an einer langen Leine seitlich mitgeschleppt wurde; durch seine besondere Konstruktion, die dem Wasserwiderstand eine schiefe Stirnflache bot, blieb der Harvey-Torpedo auf etwa 100 Meter vom Schlepper entfernt. Die Verwendung dieses Torpedos war an das nahe Passieren des Gegners gebunden, er solite durch rechtzeitiges Nachlassen der Schleppleine etwas unter die Wasseroberflache sinken und dann unter dem Schiffsboden des Angegriffenen durch einen Kontaktziinder zur Explosion gebracht werden. Der Harvey-Torpedo ist nur einmal, im Russisch-tiirkischen Kriege (1877 bis 1878), angewendet worden und auch da nicht zur Ziindung gelangt. Der Spierentorpedo bestand aus einem kleinen Sprengkdrper, der an der Spitze einer langen Spiere (Eisenstange) angebracht war; die Spiere, am anderen Ende in einem Scharniere beweglich, wurde auf Dampfbarkassen installiert und wahrend der Fahrt gegen den Feind ganz auger dem Wasser gehalten. Kurz vor dem Erreichen des feindlichen Schiffes lieg man die Spitze der Spiere mit dem Spreng¬ korper ins Wasser sinken und es wurde, sobald der Torpedo unter dem Boden des Angegriffenen angelangt war, die Ladung auf elektrischem V/ege zur Ziindung gebracht. Auch der Spierentorpedo stand bei der osterreichisch-ungarischen Marine in Ver- wendung, er bewahrte sich im Russisch-tiirkischen Kriege (1877) und im Franzosisch- chinesischen Kriege (1884 und 1885); die erfolgreiche Verwendung dieser Waffe war ebenso an die Kaltbliitigkeit und das Geschick des Bootskommandanten als an eine 61 zumindest unzureichende Aufmerksamkeit des Angegriffenen gekniipft, der iibrigens unbeweglich liegen mugte, weil die Fahrgeschwindigkeit des Dampfbootes weit hinter der eines Schiffes zuriickblieb. Das Mitfiihren des Harvey-Torpedos im Melee konnte die eigenen Schiffe gefahrden, der Spierentorpedo war mehr oder minder doch nur gegen einen Feind anwendbar, der ruhig vor Anker lag und die Wachposten einschlafen lieg, man suchte daher nach Besserem, bis der automobile Fischtorpedo alle anderen Konkurrenten siegreich aus dem Felde schlug. Whitehead, der Besitzer eines ausgezeichneten Maschinenbau-Etablissements in Fiume, trat schon Ende der sechziger Jahre mit seinem, in bestimmter Wassertiefe selbstandig gegen das Ziel laufenden Fischtorpedo an die Offentlichkeit, doch war dieser noch so mancher Verbesserungen bediirftig, die durch rastlose Bemiihungen des Erfinders denn auch im Laufe der Jahre erreicht wurden. Der Whitehead-Torpedo in seiner heutigen Vollendung stellt eine sehr prazise, weit reichende und gefahrliche Angriffswaffe dar, deren Wirkung allerdings durch die ebenfalls weit ausgebildete Unterteilung der Schiffe in zahlreiche wasserdichte Zellen abgeschwacht wird. Die Zahl dieser wasserdichten Raume war friiher eine weit geringere, es fielen daher selbst den noch wenig prazisen, ersten Torpedotypen mit relativ kleiner Spreng- ladung tiirkische (1877) und chinesische Panzerschiffe (1894) zum Opfer. Die k. und k. Flotte fiihrte den Whitehead-Torpedo in der zweiten Halfte der siebziger Jahre ein; Kanonenboot „Seehund“ und Kasemattschiff »Kaiser Max“ wurden bei den Versuchen verwendet. Die ersten osterreichisch-ungarischen Torpedoboote („1“ bis „VIH“) liefen in den Jahren 1878 bis 1881 vom Stapel der englischen Schiffbaufirma Thornycroft. Die erste Verwendung des Whitehead-Torpedos fiir die Armierung grogerer Schiffe beschrankte sich darauf, dag man ihn aus einem Lancierapparate (Lancier- kanone) oder auch aus einem an der Schiffswand drehbar angebrachten Fallrahmen (»Kaiser Max“) in der Kielrichtung laufen lieg; man pflegte damals zu sagen, der Torpedo stelle einen auf 400 Meter (die grogte Lancierdistanz der alten Torpedos) verlangerten Rammbug des Panzerschiffes dar. Die neue Waffe, spater auch aus der Breitseite und vom Heck verwendet, bot aber den kleineren, nicht gepanzerten Schiffen eine betrachtliche Vermehrung der Kampfkraft, und es ward der schnellaufende Torpedokreuzer in das Inventar der Flotten aufgenommen. Die ersten Torpedokreuzer der k. und k. Flotte, „Zara“ und „Spalato“, mit 840 Tonnen, 800 indizierten Pferdekraften und vier leichten Geschiitzen liefen bereits im Jahr 1879 vom Stapel; sie besagen eine nicht ganz gelungene Form des Schiffskorpers, so dag sie nur etwa zwolf Seemeilen stiindlicher Fahrgeschwindigkeit erreichten. Das Heimtiickische ist jeder submarinen Waffe auf den Leib geschrieben, man beeilte sich daher, den neuen Torpedo auch fiir tiberfalle und Uberraschungen dienstbar zu machen, fiir welchen Zweck er an Bord des grogen Schiffes nicht recht taugte. Es entstand das Torpedoboot: ein kleines Fahrzeug, das dem An¬ gegriffenen eine fast verschwindend kleine Zielflache bot, groge Fahrgeschwindigkeit besag, daher rasch auftauchte und nach dem Lancieren des Torpedos wieder rasch verschwand. S. M. Boote „111“ bis »VIIF' entsprachen diesen Bedingungen, wenngleich der Oberschug ihrer Geschwindigkeit (15 Seemeilen stiindlich) gegen die der grdgeren Schiffe ziemlich gering war; sie waren aber so klein (27 Tonnen), dag der Kohlen- vorrat nur gering bemessen werden konnte und den Aktionsradius stark herab- driickte. Die Entwickelungsgeschichte der Torpedoboote gipfelt in dem bestandigen Kompromisse zwischen den einzelnen Bedingungen, denen ein Torpedoboot ent- sprechen soli: um schnell laufen zu konnen, braucht es kraftige Maschinen, die ziemlich viel Raum einnehmen; um weite Strecken zuriicklegen zu konnen, braucht )o oaooool es einen grogeren Kohlenvorrat, der auch wieder vermehrtes Volumen beansprucht; anderseits soli das Torpedoboot moglichst klein sein, um beim Angriffe nicht zu friih gesichtet zu werden und um eine moglichst beschrankte Zielflache zu bieten. Wie nicht anders moglich, ist bei diesem Kompromig immer der Tonnengehalt der leidende Teil gewesen, die Torpedoboote sind allmahlich groger geworden. Die nachstbestellten k. und k. Torpedoboote, die 1881 bei der Firma Yarrow vom Stapel liefen, erhielten die Bezeichnung „1. Klasse“ und spater die Nummern „IX“ und „X“; sie besagen schon 37 Tonnen, 450 indizierte Pferdekrafte und 17 Seemeilen stiind- liche Fahrgeschwindigkeit. Nach dem Muster dieser Boote wurde der sogenannte „Arsenalstyp“ geschaffen, der 47 Tonnen, 600 indizierte Pferdekrafte und 17 See¬ meilen Fahrgeschwindigkeit besag; diesem gehorten die Torpedoboote „XI“ bis „XXXII“ (1883-87) an. Die weitere Entwickelung der Torpedoboote sei spater besprochen. Der automobile Torpedo stellt eine gefahrliche Waffe dar, doch sind im Nah- kampfe zweier Flotten die Chancen der Torpedotreffer fiir beide Parteien ziemlich gleich; besondere Abwehrmagregeln werden nur in Ansehung der Torpedoboote und ihrer Angriffstaktik notvvendig, man fand sie in der Verwendung von Schnellfeuer- kanonen, Projektoren, Schutznetzen und Barrikaden. Nordenfelt brachte schon 1877 eine einpfiindige Schnellfeuerkanone, die spitze Vollkugeln aus vier nebeneinander liegenden Laufen von 25 mm Kaliber feuerte; Hotchkiss folgte mit fiinflaufigen Revolverkanonen von 37 mm Kaliber. Die weitere » Entwickelung der Schnellfeuerkanone fiihrte zum Aufgeben der mehrlaufigen Typen, an deren Stelle die einlaufigen 37 mm und 47 mm Kanonen traten; als die Perkussions- kraft und die Tragweite der Geschosse gesteigert werden solite, wuchs das Rohr der 47 mm Kanone von 33 zu 44 Kaliber Lange an. Schnellfeuerkanonen mit 6'6, 12 und 15 cm Kaliber gehoren dem nachstfolgenden Jahrzehnt, solche mit 17 bis 30‘5 cm Kaliber, besser „Schnelladekanonen“ genannt, der jiingsten Periode an; die Schnellfeuergeschiitze grogeren Kalibers werden allerdings nicht mehr gegen Torpedoboote verwendet. Die Zahl der Schnellfeuerkanonen kleinen Kalibers ist auf den Schiffen sehr angestiegen, sie ermoglicht es, angreifende Torpedoboote mit einem Geschoghagel zu iiberschiitten; hiedurch wird die kurze Frist kompensiert, die ein schnellaufendes Torpedoboot braucht, um von der Grenze des wirksamen Feuerbereiches bis auf Lancierdistanz zu gelangen. Die besten Schnellfeuerkanonen, in selbst bedeutender Zahl auf einem Schiff installiert, waren aber im Dunkel der Nacht gegen angreifende Torpedoboote machtlos, wenn nicht die lichtkraftigen elektrischen Projektoren (Scheinwerfer) das Aufsuchen und „im Licht behalten“ der kleinen Angreifer ermoglichen wiirden. Die Aufstellung solcher Projektoren erfolgte — auch auf S. M. Schiffen — bald nach dem Baue der ersten Torpedoboote; die Zahl der auf einem Schiff installierten Projektoren, ihre Groge und Lichtstarke hat seither selbstverstandlich zugenommen. Bei scharfem Auslug, guter Bedienung der Projektoren und Schnellfeuerkanonen wird ein Torpedoboots- angriff nur dann bessere Chancen haben, wenn die Zahl der Angreifer die der verfiig- baren Projektoren des Angegriffenen iibersteigt oder zumindest erreicht. Die Schutznetze, aus kleinen Stahldrahtringen zusammengesetzt, kamen erst einige Jahre nach der allgemeinen Einfiihrung des Whitehead-Torpedos zur Anwendung; sie wurden von langen Spieren getragen und umgaben die Langsseiten des Schiffes. Torpedos, die das Netz trafen, wurden im Laufe gehemmt und sie sanken, sobald die komprimierte Luft des Reservoirs von der weiterarbeitenden Maschine verbraucht war. Wie beim Fechten jeder Hieb eine Parade herausfordert, bietet auch das See- kriegswesen jedem Mittel sofort auch ein Gegenmittel; die Schutznetze waren erst einige Jahre in Gebrauch und schon waren Scheren erfunden, die, am Kopfe des Torpedos befestigt, das Netz beim Auftreffen durchschneiden sollten. Die Schutznetze waren auf S. M. Schiffen nur voriibergehend in Gebrauch; es haftet ihnen namlich der groge Ubelstand an, dag sie nur bei stilliegendem Schiffe ganz entsprechen, bei fahrendem Schiff aber durch den Wasserwiderstand an den Schiffskorper gedriickt werden, so ihren Zweck verlieren und die Schrauben des Schiffes unklar machen kbnnen. Die aufgerollten Netze, ihre Zutakelung und Spieren werden, wie dies auch der jiingste Russisch-japanische Krieg bewies, in einem Gefechte leicht und bald zerstort oder unbrauchbar gemacht. Die Schutznetze sind sonach als Aus- riistungsgegenstand eines Schiffes eher ein Hindernis als ein Nutzen, fiir Flafen- sperren dagegen oft sehr vorteilhaft zu verwenden. Schiffe, die Torpedobootsangriffe zu gewartigen haben, tun besser, in Fahrt zu bleiben, alle Lichter gut zu verdecken, scharfen Auslug und gute Gefechtsbereitschaft zu halten, als zu ankern und Schutz¬ netze auszubringen. Den Barrikaden fallt die Aufgabe zu, Angriffe von Torpedobooten auf Flotten- lager zu vereiteln, wie sie auch schon in alteren Zeiten Branderangriffe und Uber- falle hintanhalten sollten; sie bestehen aus Kombinationen von Balken mit Ketten oder von Drahttauen mit Schwimmkorpern, die quer iiber die Hafeneinfahrt oder Flugmiindung gelegt werden. Solche Hafensperren gehoren zum Riistzeug der Kriegs- hafen, obschon auch die mobilen Flotten das notige Material besitzen miissen, um im Bedarfsfalle nicht befestigte Hafen sperren zu konnen. Die Einfiihrung des Whitehead-Torpedos ist, wie aus den vorstehenden Dar- legungen ersichtlich, fiir die Entwickelung der Kriegsflotten fast ebenso bedeutsam geworden, wie die Einfiihrung der Dampfmaschinen als Schiffsmotor und wie der Bau des gepanzerten Schiffes; ein weiteres Eingehen auf Details wurde den Rahmen dieses Buches iiberschreiten, es sei daher die Schilderung der sonstigen historischen Begebenheiten fortgesetzt. Erzherzog Karl Stefan wurde nach Absolvierung der Studien an der Marine- akademie im Sommer 1879 zum Linienschiffsfahnrich ernannt. Die Okkupation von Bosnien und der Herzegowina enthob die k. und k. Kriegs- marine von der weiteren, zur Bewachung der Enklaven Klek und Sutorina bestimmten Beistellung von Stationsschiffen; anderseits hatte auf Grund des Berliner Vertrages vom 13. Juli 1878 die osterreichisch-ungarische Monarchie die Hafen- und Gesundheits- polizei in Antivari und an der iibrigen montenegrinischen Kiiste durch leichte Kiisten- wachschiffe ausfiihren zu lassen. Seither versieht diesen Dienst das Stationsschiff des Golfes von Cattaro, das friiher vor Meljine lag, seit dem Beginne des Baues der Marinestation Teodo aber zumeist in der Bai von Teodo verankert wird. Wahrend der Okkupation transportierte die Eskadre (Kontreadmiral von Pokorny) turkische Truppen von Klek ab, kleine Schiffe der Flotte versahen den Nachschub- dienst in der Narenta fiir die operierenden Truppen. Der Berliner Vertrag verfiigte weiters die Ubergabe mehrerer von Albanesen bewohnter Distrikte an Montenegro; hiezu gehorte auch die am Meeresufer liegende Ortschaft Dulcigno, die von den Montenegrinern 1878 erobert und wieder geraumt worden war. Die Albanesen bildeten aber eine Liga, die sich der Ubergabe wider- setzte; die Tiirkei blieb passiv und Montenegro wollte nicht aktiv eingreifen, weil es groge Menschenopfer scheute. Die Vertragsmachte beschlossen daher im Jahr 1880, durch eine Flottendemonstration einen Druck auf die Pforte auszuiiben und dem Fiirstentume der Schwarzen Berge zu seinem guten Rechte zu verhelfen; als Versammlungsort der Demonstrationsflotte wurde der Hafen von Gravosa (bei Ragusa) gewahlt. Die k. und k. Regierung entsandte zur Demonstrationsflotte die dem Eskadre- verband angehbrigen Kasemattschiffe „Custoza“ und „Prinz Eugen“ unter dem Befehle des Kommandanten der „Custoza“, Linienschiffskapitan von Nauta; spater stieg auch 62 )o o a o o o ol aas ftanonenDoot „bansego zu den Fanzerschiffen. »» m uiiiiUUUV/IUHO - -——--- « v/ukjiuzia // o ” fahnrich Erzherzog Karl Stefan als Schiffsoffizier eingeschifft. „Custoza“ und „Prinz Eugen“ ankerten am 25. August 1880 im Kanale von Calamotta, zwei Tage spater die Eskadre (Kommandant Kontreadmiral Eberan von Eberhorst, Flaggenschiff Fregatte „Laudon“) im benachbarten Hafen von Gravosa; am 28. August traf die russische Fregatte „Svjetlana“ ein. Innerhalb der nachsten drei Wochen langten auch die iibrigen Schiffe an: die englische Eskadre, bestehend aus den Turmschiffen „Alexandra“, „Temeraire“ und Kanonenboot „Bittern“, unter dem Kommando des Vizeadmirals Beauchamp-Seymour; die italienische Eskadre - Panzerfregatten „Palestro“, „Roma“ und Aviso „Marcantonio Colonna“, unter dem Kontreadmiral Fincati - und die deutsche Korvette „Viktoria“; endlich die fran- zosische Eskadre, die aus den Panzerschiffen „Suffren“, „Friedland“ und dem Aviso „Hirondelle“ bestand. Im Laufe der Zeit traten noch einige kleinere Schiffe der verschiedenen beteiligten Flaggen teils voriibergehend, teils bleibend in den Ver- band der Demonstrationsflotte, auch wurden mehrere der genannten fremden Schiffe gewechselt. Raummangel im Bereiche des Hafens von Gravosa und des angrenzenden Kanals von Calamotta, der mehrere Schiffe auf ungiinstig gelegene und den Unbilden des Herbstwetters ausgesetzte Vertauplatze verwies, dann der Wunsch, Cetinje naher zu sein, veranlagte die Befehlshaber der Eskadren und Schiffe, den Versammlungsort der Demonstrationsflotte in die Bai von Teodo (Golf von Cattaro)* zu verlegen. Die Uberfahrt der einzelnen Eskadren fand am 4. und 5. Oktober statt, und schon am 6. Oktober empfing die internationale Flotte den Besuch des Erbprinzen von Montenegro. Als die vorgeriickte Jahreszeit auch die Ankerplatze in der Bai von Teodo unbequem machte, wurden die Schiffe in der Bucht von Meljine und in den nachstliegenden Gewassern von Kumbor vertaut. Angesichts der Moglichkeit, mit Waffengewalt einschreiten zu miissen, setzte der Oberkommandierende, Vizeadmiral Sir Beauchamp-Seymour, einige gemeinsam gultige Signale fest; es wurden auch Versuche ausgefiihrt, die das Erreichen der fiir eine Beschiegung der Hohen Dulcignos notwendigen Geschiitzelevation bezweckten. Zu einer Verwertung dieser Vorkehrungen ist es allerdings nicht gekommen. Die stattliche Flotte solite zwar einmal auslaufen, um mit den Montenegrinern gemeinsam gegen Dulcigno zu operieren; dies war zumindest ein Ergebnis der fort- dauernden Verhandlungen mit den montenegrinischen Wiirdentragern. Die Montene- griner wollten von ihren Bergen herabmarschieren und, unterstiitzt von der die Albanesen beschiegenden Flotte, Dulcigno angreifen; die fiirstliche Regierung besann sich aber im letzten Augenblick eines anderen, die Falken der Schwarzen Berge blieben daheim, die Schiffe vor Anker. Die Pforte entschlog sich endlich doch, den Verpflichtungen, die ihr der Berliner Vertrag auferlegte, nachzukommen; nachdem ein Pascha, der mit den Albanesen verhandeln solite, von diesen ermordet worden war, riickten tiirkische Bataillone in Dulcigno und in den zur Ubergabe bestimmten Distrikten ein. Es b e dur f te allerdings mehrerer scharfer Gefechte, ehe die widerspenstigen Albanesen zerstreut werden konnten; dann, am 26. November 1880, wurde Dulcigno den Montene¬ grinern ubergeben, die ihre Truppen in die Ortschaft einrucken liegen. Die Demonstrationsflotte loste sich dann auf; am 5. Dezember verliegen alle Schiffe gleichzeitig den Golf von Cattaro, sie trennten sich in See unter den iiblichen Ehrenbezeigungen. Trotz der nur dreimonatigen Dauer hatte die Flottendemonstration viele Freunde in Siiddalmatien hinterlassen Kaufleute, Lieferanten, Kaffee- und Wirtshausbesitzer wiinschten das baldige Zustandekommen einer neuen Flotten¬ demonstration in ihrem Bereiche sehnlichst herbei. 63 * Siehe Tafel 13: Flottendemonstration. Der Aufstand des Jahres 1869 in Siiddalmatien war abgeschlossen worden, ohne ganzlich niedergeworfen zu sein; die Nachgiebigkeit der Regierung wurde aber von der Bevolkerung als Anerkennung der gegen die Landwehrassentierung vorgebrachten Griinde ausgelegt. Die Okkupation von Bosnien und der Herzegowina bewies den Bocchesen, dag die Unzuganglichkeit der Krivošije aufgehort habe, sie schienen von diesem Zeitpunkt an der Landwehrfrage sympathischer gegeniiberzu- stehen; Griinde, die Durchfiihrung der allgemeinen Wehrpflicht im Bereiche des Golfes von Cattaro zu unterlassen oder weiter zu verzogern, gab es iiberdies auch nicht, man beschlog daher, mit der Aufstellung der dortigen Landwehr im Herbst 1881 zu beginnen. Wahrend der Beratungen der Ortsaltesten aller 16 Gemeinden des Golfes traten innerhalb der Gemeinde Risano Spaltungen auf: die Krivošije und Ledenice begehrten erst einen Aufschub der Assentierung, dann — unter fremdem Einflusse — verweigerten sie die Stellung zur Landvvehr. Banden aus der Herzegowina trafen in der Krivošije ein, Raubziige und Akte der Zerstorung kamen an die Reihe, am 29. Dezember 1881 erfolgte ein Angriff auf eine Gendarmeriepatrouille, bei dem vier Gendarmen fielen; die Wechselbeziehungen zwischen der Herzegowina und der Krivošije, die auf das Abschiitteln der osterreichischen Herrschaft abzielten, waren bald zu erkennen. Die auf Friedensstand befindlichen Garnisonen im Bereiche des Golfes von Cattaro wurden rasch verstarkt, der Statthalter und Militarkommandant in Dalmatien, FML. Freiherr von Jovanovič, iibernahm am 6. Februar 1882 persdnlich das Kommando der in Siiddalmatien und in der Herzegowina fiir die Niederwerfung des Aufstandes konzentrierten Truppen. Die k. und k. Eskadre hatte schon friiher die wichtigsten Stationen besetzt; das Kasemattschiff „Erzherzog Albrecht" und die Fregatte „Laudon“ lagen vor Kumbor und Meljine, „Fasana“ vor Risano, „Nautilus“ vor Ljuta, „Sansego“ vor Morinj und „Thurn Taxis“ vor Cattaro. Alle diese Schiffe, mit Ausnahme von „Laudon“, die das Seelazarett in Meljine und ararische Vorrate in Kumbor zu decken hatte, wirkten bei der am 9. Februar erfolgten Aufnahme der Operationen mit. „Sansego“ und „Thurn Taxis“ iiberschifften wahrend der Nacht Truppen von Perzanjo nach Perasto; „Fasana“ und „Thurn Taxis“ hatten den Befehl, den Aufstieg und den Riicken dieser Truppen zu decken und deren Verwundete aufzunehmen; „Nautilus“ und „Sansego“ unterstiitzten in gleicher Weise die iiber Orahovac, „Erzherzog Albrecht" die von Risano aufsteigenden Truppen. Bei Tagesanbruch und auch noch ein zweitesmal kam „Erzherzog Albrecht" in die Lage, ein wirksames Geschiitzfeuer gegen Ledenice zu unterhalten, „Sansego“ und „Nautilus“ vertrieben die Insurgenten aus dem Bereiche von Orahovac mit Shrapnelfeuer; um 1 Uhr nachmittags war der Erfolg entschieden, die Insurgenten zogen sich gegen die montenegrinische Grenze zuriick. Den rechten Fliigel der aufsteigenden Truppen bildete ein Detachement der Eskadre, 80 Mann von der „Laudon“ mit den beiden Landungsgeschiitzen der Fregatte; diese Abteilung kam wahrend des Aufstieges zu keiner Aktion, sie kampierte dann durch etwa 12 Tage auf dem Vranovo brdo und hatte da zwei erfolgreiche Gefechte zu bestehen. Die gut angelegten Operationen der k. und k. Truppen beendigten binnen drei Monaten den Aufstand. Dem Antrage des verewigten Linienschiffsleutnants Weyprecht entsprechend, beschlossen mehrere Staaten die Aufstellung eines Giirtels von Beobachtungsstationen um den arktischen Pol, und es fiel die Ausfiihrung dieses Beschlusses in die Jahre 1882 bis 1883. Die osterreichisch-ungarische Monarchie iibernahm die Besetzung der Station auf der Insel Jan Mayen im Gronlandischen Meere, die Kosten der Aus- riistung trug Hans Graf Wilczek. Linienschiffsleutnant von Wohlgemuth war Leiter der Expedition, an der sich beteiligten: Linienschiffsleutnant Basso, die Linienschiffs- fahnriche Bobrik, Sobieczky, Gratzl, Korvettenarzt Dr. Fischer und acht Matrosen (darunter sieben aktive Mannschaftspersonen der k. und k. Kriegsmarine). S. M. Schiff „Pola“ ging mit dem Material der Expedition am 2. April 1882 von Pola nach Bergen ab, um dort die Mehrzahl der Expeditionsmitglieder einzuschiffen; das Schiff ankerte nach Ubervvindung einiger Schwierigkeiten am 13. Juli unter der Kiiste von Jan Mayen, es kehrte nach erfolgter Aufstellung der Hauser wieder heim. Fiir die auf der einsamen Insel Zuriickgebliebenen folgte nun ein Jahr regster, von sehr nennens- werten Erfolgen begleiteter Tatigkeit; astronomische, erdmagnetische und Variations- beobachtungen, dann Meerwasseruntersuchungen, Beobachtungen der Polarlicht- erscheinungen und geodatische Aufnahmen fiillten die Zeit, zahlreiche Objekte der Land- und Seefauna wurden gesammelt. Die Riickkehr erfolgte wieder auf S. M. Schiff „Pola“, das mit den Expeditionsmitgliedern am 6. August 1883 Jan Mayen verlieg. Im September 1882 wurde dem Kaiser und Konig zum erstenmal ein Torpedo- bootsangriff vorgefiihrt; Torpedoschiff „Zara“ verlieg mit Seiner Majestat an Bord den inneren Hafen von Pola, sechs Torpedoboote griffen aus den Buchten des Vor- hafens an, „Zara“ wehrte den Angriff mit ihren vier 9 cm Geschiitzen ab; hieran schlog sich die Lancierung eines scharf adjustierten Torpedos gegen die gehulkte Brigg „Arethusa“. Der Inspizierung der Marine durch Seine Majestat folgte die Ernennung des Marinekommandanten zum Admiral. Admiral Freiherr von Pock trat am 17. November 1883 in den Ruhestand; zum Marinekommandanten und Chef der Marinesektion wurde, bei gleichzeitiger Beforderung zum Vizeadmiral, der Kontreadmiral Freiherr von Sterneck ernannt, der als Kommandant der Panzerfregatte „Erzherzog Ferdinand Max“ in der Seeschlacht von Lissa den „Re d’Italia“ durch einen gelungenen Rammstog zum Sinken gebracht hat. Vorweg sei bemerkt, dag der neue Marinekommandant zuerst den Bau der Torpedo¬ boote in ein rascheres Tempo brachte und jenen der Turmschiffe „Kronprinz Erzherzog Rudolf" und „Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie" zu Ende fiihrte, dann die not- wendigen Trainschiffe baute und die alten Panzerfregatten durch Rammkreuzer er- setzte; erst in den letzten Jahren vor seinem Tode wurde der Bau von Schlacht- schiffen wieder aufgenommen. Vizeadmiral Freiherr von Sterneck erkannte die Notwendigkeit, das Marine- personal wahrend sogenannter »Ubungseskadren", die eine grogere Zahl von Schiffen und Torpedobooten umfagten, einer Schulung kriegsmagiger Art zu unterziehen, wofiir die normal im Dienst gehaltenen Eskadren nicht ausreichten. Die erste solche Ubungseskadre wurde im Sommer 1884 ins Leben gerufen; die Panzerschiffe „Lissa“ (Flaggenschiff des Eskadrekommandanten Kontreadmiral Freiherrn von Pitner), »Erz¬ herzog Ferdinand Max“ und »Habsburg 11 bildeten die erste, die Kasemattschiffe »Tegetthoff", »Kaiser Max“ und »Prinz Eugen" die zweite Division, Raddampfer »Elisabeth" mit sechs Torpedobooten eine Torpedobootsflottille; Kanonenboot „Kerka“ (Kommandant Erzherzog Karl Stefan) war Repetiteur.* Zu den praktischen Ergebnissen dieser Ubungen zahlte auch die Feststellung der Bereitschaftsart von Schiffen zur steten energischen Abwehr von Torpedobootsangriffen durch nur einen Teil der Bemannung. Seine Majestat geruhte den Manovern anzuwohnen, das Hoflager auf der Jacht »Miramar" aufzuschlagen und vor der Abreise in einem Flottenbefehle die Allerhochste Zufriedenheit auszusprechen: „Mit besonderer Befriedigung spreche Ich es aus, dag Meinen Erwartungen im vollsten Umfang entsprochen worden ist. Die wahrend der letzten Jahre auf allen Gebieten seemannischen Wesens gemachten Fortschritte, die achtunggebietende Manbvrierfahigkeit der Eskadre, der musterhafte Dienstbetrieb und die Ordnung an Bord aller Fahrzeuge, die vollendete Detail- ausbildung der Mannschaft, die gewandte und verstandnisvolle Fiihrung der einzelnen Schiffe und Schiffsdivisionen, endlich die zielbewugte und energische oberste Befehl- gebung, welche in allen Phasen der Manover in entschiedenster Weise an den Tag * Siehe Tafel 14: Flottenmanover. trat, sind Wahrnehmungen, welche Mich fiir die Zukunft mit vollster Beruhigung erfiillen und den Beweis liefern, mit welch ausdauerndem und hingebungsvollem Eifer die verschiedenen Organe Meiner Kriegsmarine ihren vielseitigen Berufspflichten stets nachkommen." Im Herbst 1884 folgte die Entsendung von vier getakelten Schiffen zu trans- atlantischen Missionen; wahrend in den vorhergehenden Jahren stets nur eine Kor- vette mit den neuausgemusterten Seekadetten eine solche Reise unternahm, wurden in Hinkunft alljahrlich mehrere Schiffe fiir iiberseeische Reisen in Dienst gestellt. Die Schiffskommandanten hatten neben der seemannischen Ausbildung der Beman- nungen auch der Berichterstattung iiber handelspolitische Wahrnehmungen besondere Fiirsorge zuzuwenden — einen Beleg fiir die Leistungen auf diesem Gebiete liefern die dem Buchhandel iibergebenen Beschreibungen der Schiffsreisen der naehst -! folgenden Jahre. Nach Ausreise der Missionsschiffe, die mit dem Beginne der spezialfachlichen Mannschaftskurse zusammenfiel, gestattete der geringe Friedensprasenzstand der Kriegsmarine nur noch die Indienststellung weniger Schiffe, aus denen die sogenannte »Schuleskadre" oder „Wintereskadre“ zusammengesetzt wurde; als Flaggenschiff diente immer eine der beiden Fregatten, auger der noch zwei bis vier kleinere getakelte Schiffe dem Eskadreverband angehorten. Der Hauptzweck der Schuleskadre war die seemannische Ausbildung der Eingeschifften; die wenig giinstigen Witterungs- verhaltnisse des Winters in der Adria und im Agaischen Meere forderten die Losung der gestellten Aufgabe. Die Wintereskadre des Jahres 1885/86, unter dem Kommando des Kommodore Linienschiffskapitan Freiherrn von Spaun, bestand aus der Fregatte „Radetzky“ und den Kanonenbooten „Kerka“ und „Hum“; sie lag anfangs vor Miramar, wo die Kronprinzessin Sejour hielt, dann kreuzte sie in Dalmatien, bis die Gestaltung der politischen Lage auf dem Balkan die Entsendung der Eskadreschiffe in die Levante notwendig machte. „Radetzky“ traf in der Silvesternacht im Pyraus ein und blieb fast einen Monat dort, als Augenzeuge der hochgradigen politischen Erregung, die ganz Griechen- land ergriffen hatte; »hie Deljannis!“, „hie Trikupis!“ war das Schlagwort der Massen, die teils fiir den Krieg mit der Tiirkei, teils fiir den Frieden stimmten und larmten. England verlangte im Janner 1886 die Abriistung der griechischen Armee, die iibrigen Grogmachte, mit Ausnahme Frankreichs, das den Griechen seine diplomatische Unterstiitzung lieh, schlossen sich dem britischen Kabinett an; der Ministerprasident Deljannis verweigerte aber die Abriistung und er berief sich auf die Anspriiehe Griechenlands auf die vom Berliner Vertrag festgesetzte Grenze. Die Machte blieben dennoch fest bei dem Entschlusse, den Krieg zu verhiiten, und man einigte sich, die Suda-Bai auf Kreta zum Zentralpunkt einer Flottendemonstration zu machen. Das osterreichisch-ungarische Flaggenschiff „Radetzky“, das am 31. Janner in der Suda-Bai ankerte, war das erste Schiff der Demonstrationsflotte, das den Versammlungshafen erreichte; drei Stunden spater lief die italienische Eskadre (Kom¬ mandant Vizeadmiral Martini) ein, die aus den Panzerschiffen »Principe Amedeo", »Maria Pia" und »Ancona" bestand. Die englische Eskadre (Kommandant Admiral Hay), bestehend aus den Panzerschiffen »Temeraire", »Superb", »Neptun" und dem Avisodampfer »Iris", folgte am 2. Februar, die russische (Kommandant Kontreadmiral Kaznakoff), bestehend aus dem grogen Kreuzer »Dimitrij Donskoj" und dem kleinen Kreuzer »Plastun", am 19. Februar; das Deutsche Reich war durch das Panzerschiff »Prinz Friedrich Karl" vertreten, welches am 21. Februar eintraf. Die k. und k., die britische und die italienische Eskadre erhielten wiederholt Verstarkungen durch Schiffe und Torpedoboote, so dag die Demonstrationsflotte 64 [o o) r \ lOooooool Mitte April eine ganz gewaltige Machtentfaltung darstellte. Zu „Radetzky“ stiegen noch „Kerka“ (1. Februar), »Kaiser Max“ (16. Februar), „Hum“ (6. Marž), das Torpedo- depotschiff Raddampfer „Elisabeth“ mit den Torpedobooten „XI“, „Xn“, „XIH“, „XIV“, XV“ und „XVI“ (6. April), endlich das Torpedoschiff „Lussin“ (12. Mai). Die Wogen der patriotischen Begeisterung rissen den griechischen Eskadre- kommandanten mit; die Tagespresse wugte zu erzahlen, er wolle auch ohne Befehl der Reo-ierung die Demonstrationsflotte angreifen, um zu zeigen, dag die Griechen als Helden zu sterben wissen u. dgl. m. Wenngleich die Richtigkeit solcher Grog- sprecherei stark anzuzweifeln war, wollten die Admirale sich doch gegen etwaige Uberraschungen sicherstellen; vom 13. Februar an kreuzte nachtsuber stets ein SchifF vor der Einfahrt in die Suda-Bai, die anderen lagen mit kleinen Kesselfeuern und geschlossenen Schottentiiren bereit, im Bedarfsfalle die Ankerkette schliipfen zu lassen. Schon nach einigen Tagen wurden diese Vorsichtsmagregeln wieder aufgegeben. Oberkommandierender war anfangs der britische Admiral Hay, der am 5. Marž durch den Admiral Herzog von Edinburgh abgelost ward; der italienische Vizeadmiral Martini wurde am 9. Mai durch Vizeadmiral Orengo abgelost, Kommodore Freiherr von Spaun mit 1. Mai zum Kontreadmiral befordert. Diese Anderungen wie auch Nationalfesttage der anwesenden Eskadren oder des turkischen Hausherren fiihrten jedesmal eine endlose Reihe von Geschiitzsaluten herbei. Als Deljannis das griechische Heer an der Nordgrenze auf 80.000 Mann ver- starkte und es auch schon zu Konflikten zwischen den Grenztruppen kam, beschlossen die Machte die Uberreichung eines Ultimatums; die Panzerschiffe „Kaiser Max“, ,Neptune“, „Ancona“ und „Prinz Friedrich Karl“ begaben sich von der Suda-Bai nach dem Piraus zur Verfiigung der Gesandten. Deljannis lehnte das am 6. Mai iiberreichte Ultimatum ab, die Gesandten (mit Ausnahme des franzosischen) reisten an Bord der Kriegsschiffe ab und die Machte verhangten die Blockade iiber die griechischen Kiisten. Der osterreichisch-ungarischen Eskadre fiel die Blockade des vor Volo liegenden Trikiri-Kanals zu, den Italienern die Sperre des Doro-Kanals, den Eng- landern die Blockade des Piraus und des angrenzenden Kriegshafens von Salamis. Die Demonstrationsflotte ging am Morgen des 9. Mai in See; frisches Nord- wetter das hohen Seegang erzeugte, die Torpedoboote und die alten italienischen Panzerfregatten stark in Anspruch nahm, veranlagte aber schon nach kurzer Zeit den englischen Admiral zur Umkehr, die beiden anderen Eskadren folgten. S. M. SchifF Hum“ verlor in der schweren See seinen Kliiverbaum. Das schlechte Wetter hielt nicht an schon am niichsten Morgen konnten die Eskadren auf ihre Stationen abgehen. Die k. und k. Eskadre erreichte den Trikiri-Kanal am Abende des 11. Mai; als sich das Flaggenschiff „Radetzky“ den Forts von Volo naherte, wurden diese gefechts- bereit gemacht. Raddampfer „Elisabeth“ besetzte den kleinen, gut geschiitzten Hafen der Insel Skiatho und blieb als Ressourcenstation der kreuzenden Torpedoboote, dann zur Beaufsichtigung der eingebrachten Prisen dort vor Anker; die anderen Schiffe, zu denen am Morgen nach der Ankunft im Blockaderayon auch das neu ausgeriistete Torpedoschiff „Lussin“ gestogen war, kreuzten im Bereiche der Zufahrten des Hafens von Volo Dampfer und Segelschiffe, die in diesen Bereich traten, wurden untersucht und wenn sie der griechischen Handelsmarine angehorten, nach Skiatho gebracht, wq ’ Elisabeth 11 stramme Ordnung hielt. Den Kohlenvorrat erganzten S. M. Schiffe in Salonichi- man hatte bei diesem Anlasse wiederholt Gelegenheit, groge Transporte gefangener griechischer Truppen in den Stragen der Stadt zu sehen; die Philhellenen Europas wollten allerdings nichts von vorgekommenen Zusammenstogen wissen. Die Blockade, wenngleich nicht allzu streng gehandhabt, bekehrte die Griechen endlich doch zu besserer Einsicht; Deljannis trat vom Staatsruder zuruck, Trikupis WU rde am 21 Mai Ministerprasident. Der neue Minister brachte die Abriistung in Flug, worauf auch die Blockade ihr Ende fand; die k. und k. Schiffe blieben bis zum 8. Juni in Skiatho, sie trafen am 10. Juni wieder in der Suda-Bai ein, wo die eng- lische, die italienische Eskadre und der „Prinz Friedrich Karl“ bereits vor Anker lagen. Die Demonstrationsflotte begann sich dann allmahlich aufzulosen; „Elisabeth“ und die sechs Torpedoboote traten schon am 17. Juni 1886 die Heimreise an, als letztes der Eskadreschiffe folgte „Radetzky“ im August. Die Schiffstypen, die ihre Entstehung der Einfiihrung des Whitehead-Torpedos verdankten, hatten noch im ersten Jahrzehnt ihres Bestandes eine ganz stattliche Entwickelung zu verzeichnen. Englische und deutsche Schiffbaufirmen waren mit Erfolg bestrebt, die Leistungsfahigkeit der Torpedoboote zu heben, diese Fortschritte bedingten ihrerseits wieder die Ausgestaltung der kleinen Schiffsgattungen (Torpedokreuzer und Torpedofahrzeuge), die fiir den direkten Kontakt mit den Torpedobooten be- stimmt waren. Der kleine Torpedokreuzer solite das Fiihrerschiff der aus Torpedobootsgruppen zusammengesetzten Flottillen sein, diese an den Feind bringen, decken und beschiitzen; fiir die Erfiillung einer solchen Aufgabe mugte die Geschwindigkeit des Kreuzers nahe an jene der Torpedoboote heranreichen. Die Schiffe „Sebenico“ und „Lussin“, die dem Typ „Zara“ angehorten und mit einigen Verbesserungen 1882 und 1883 vom Stapel gelaufen waren, erreichten doch nur eine magige Geschwindigkeit; es wurden daher auf englischer Werfte zwei Torpedoschiffe bestellt, die 1885 vom Stapel liefen und 18 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit erreichten. Diese Schiffe, „Leopard“ und „Panther“ getauft, besagen 1530 Tonnen Deplacement, 4000 indizierte Pferde¬ krafte (gegen 1000 Tonnen und 890 Pferdekrafte der „Lussin“), zwei mittlere und zehn Schnellfeuergeschiitze; nach ihrem Muster, nur etwas groger (1675 Tonnen), wurde in Triest der „ Tiger“ erbaut, der 1887 vom Stapel lief, vier mittlere Geschiitze er- hielt und seit 1906 als Admiralsjacht („Lacroma“) verwendet wird. Das Mittelglied zwischen dem kleinen Torpedokreuzer und dem Torpedoboote stellte das Torpedofahrzeug dar, das eine besonders hohe Fahrgeschwindigkeit und zahlreiche Schnellfeuerkanonen kleinen Kalibers erhielt; diese Eigenschaften sollten das Torpedofahrzeug befahigen, einerseits feindliche Torpedoboote zu jagen, ander- seits die eigenen gegen feindliche Jager zu schiitzen. Der erste Vertreter des neuen Typs in der k. und k. Flotte wurde der „Meteor“, welcher 1887 auf einer deutschen Werfte vom Stapel ging, 350 Tonnen Deplacement, 2600 indizierte Pferdekrafte besitzt, acht kleine Schnellfeuerkanonen fiihrt und 21 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit erreicht; die beiden Schwesterschiffe des „Meteor“, „Blitz“ und „Komet“ getauft, liefen im Jahr 1888 vom Stapel. Spaterhin folgten noch „Planet“ (Stapellauf 1889, englische Werfte), „Trabant“ (1890, Triester Werfte), „Satellit“ (1892, deutsche Werfte) und „Magnet“ (1896, ebenfalls deutsche Werfte); „Magnet“, mit 510 Tonnen und 5000 indizierten Pferdekraften, erreicht 26 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit. Torpedofahrzeuge und -Boote stellen die einzigen Schiffsgattungen dar, bei denen man die Musterschiffe im Auslande beschaffen mugte; die Verbindung augerordentlich hoher Fahrgeschwindigkeiten mit leichtem Bau und kleinem Tonnengehalt erfordert eine solche Fiille von Erfahrungen und Versuchen, dag die Werften einer kleinen Flotte iiber diesen Schatz nicht verfiigen konnen. Das altartige Torpedofahrzeug hat in den Flottenlisten nie jene hervorragende Rolle eingenommen, die ihm bei seiner Entstehung von den am meisten begeisterten Anhangern der Torpedowaffe prognosti- ziert worden war; England nahm schon 1893 den Bau von Torpedobootszerstorern (Destroyers) auf, die anderen Seemachte folgten dem Beispiele — 1905 auch die k. und k. Flotte. Die beiden Yarrow-Torpedoboote („IX“ und „X“) und der nach ihrem Muster geschaffene „Arsenalstyp“ fiihrten seinerzeit die Bezeichnung »Torpedoboote l.Klasse 11 , 65 OOOOo o o { zum Unterschiede von den ersten, noch kleineren Thornycroftbooten, die als „2. Klasse“ bezeichnet wurden. Die See-Eigenschaften der Boote des Arsenalstyp waren schon bessere, doch verloren auch diese Torpedoboote bei magig starkem Seegange viel an Fahrgeschwindigkeit und es war ihr Aktionsradius ziemlich klein. Die Vergrogerung des Deplacements, so sehr man diese aus anderen Griinden vermeiden wollte, blieb das einzige Mittel, die Kohlenvorrate zu vermehren, durch kraftigere Masehinen hohere Gesehwindigkeiten zu erzielen und die See-Eigenschaften der Boote zu ver- bessern. Eine in diesem Sinne vortreffliche Losung des Kompromisses war der deutschen Werfte Schichau in Elbing gelungen; die fiir die k. und k. Flotte auf dieser Werfte im Jahr 1886 abgelaufenen Musterboote iibertrafen daher auch die beiden zur gleichen Zeit von Yarrow in England konstruierten Torpedoboote „Adler“ und „Falke“ in mancher Beziehung. „Adler“ hat 95 Tonnen und 825 indizierte Pferdekrafte, der Schichau-Typ 78 Tonnen und 900 indizierte Pferdekrafte, beide Bootsgattungen erreichten 19 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit (im Vergleiche zu den um acht Jahre alteren Thornycroft-Booten: der Steigerung der Fahrgeschwindigkeit um vier Seemeilen in der Stunde entsprach das Ansteigen des Deplacements auf das Dreifache). Nach dem Schichau-Typ wurden in den Jahren 1886 bis 1892 teils bei Schichau selbst, teils auf den Werften in Pola und Triest 22 Torpedoboote fiir die k. und k. Flotte erbaut, die die Bezeichnung „1. Klasse“ erhielten; die friihere 1. Klasse riickte in die Bezeichnung 2. Klasse, die friihere 2. in die 3. Klasse ein. Man kopierte diesen Typ auch beim Baue von sieben Booten 2. Klasse („XXXIII“ bis „XXXIX“), die in den Jahren 1887 bis 1891 im Seearsenale von Pola hergestellt wurden. Die Sommeriibungen des Jahres 1887 gestalteten sich sehr interessant, weil sie sich zum erstenmal als Mandver mit Gegenseitigkeit unter Beiziehung einer grogeren Zahl von Torpedobooten im Bereiche der dalmatinischen Insehvelt abspielten; sie boten auch die beste Gelegenheit, die beiden neu eingelieferten Typen (Yarrow und Schichau) der Torpedoboote 1. Klasse praktisch zu erproben. Eine Torpedo- flottille, fiir die Verteidigung der Kiiste bestimmt, setzte sich im Archipel der Insel Incoronata fest; sie bestand aus den Schiffen „Fantasie“ (Flaggenschiff des Flottillen- kommandanten Kommodore Linienschiffskapitan von Czedik), »Panther**, „Leopard“, Raddampfer »Elisabeth** (Torpedomutterschiff) und Kanonenboot „Sansego“ (Kabel- legungsschiff), dann aus den Torpedobooten 1. Klasse »Adler**, „Falke“, „Biissard“, „Condor“ und acht Torpedobooten 2. Klasse; die angreifende Eskadre war gebildet aus den Schlachtschiffen »Erzherzog Albrecht* 1 (Flaggenschiff des Eskadrekomman- danten Kontreadmiral von Buchta), »Tegetthoff* 1 , „Custoza“, Torpedoschiff „Lussin“ (Torpedomutterschiff) und Transportdampfer „Pola“ (fiir den Transport von Sperr- material) sowie sechs Torpedobooten 2. Klasse. Die Eskadre besetzte zuerst den Hafen von Rogoznica, doch gelang dort den Torpedobooten der Flottille trotz der Hafensperren ein schneidig ausgefiihrter Angriff; dann blockierte die Eskadre das Flottenlager der Flottille. Dem Schlugmanover, das in einer Forcierung der Sperre dieses Flottenlagers durch die Angriffseskadre gipfelte, wohnte FM. Erzherzog Albrecht bei, der an Bord S. M. Jacht „Greif“ mit dem Marinekommandanten zur Inspizierung eingetroffen war. Der Verlauf der Ubungen des Jahres 1887 erwies die nicht anzuzweifelnden, bedeutenden Schwierigkeiten, die das durch Torpedoboote verteidigte Inselgewirre Dalmatiens dem Eindringen eines Gegners bietet; allerdings wird im Ernstfalle jeder Gegner den Bereich der Kanale wahrend der Nacht meiden und wahrend des Tages vor dem Eindringen seine Torpedobootszerstorer und leichten Kreuzer voraussenden. Der Wert der Torpedoboote fiir die Verteidigung Dalmatiens ist gewig ein sehr hoher, er enthebt aber die k. und k. Flotte nicht des Bedarfes an Schlachtschiffen, denn die entscheidenden Schlage fallen in hoher See. Das Schlagwort von der Kiiste, „die sich selbst verteidigt**, ist unrichtig gepragt, die Vorteile, die sie dem Ver- teidiger bietet, niitzt auch ein Angreifer aus, der sich dort festsetzt; dieses Fest- setzen kann aber nur durch eine leistungsfahige Schlachtflotte, in zweiter Linie durch die Befestigung bestimmter Hafen vereitelt werden. Das Jahr 1887 brachte der k. und k. Flotte auch den Stapellauf ihrer ersten Turmpanzerschiffe »Kronprinz Erzherzog Rudolf** und »Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie**; man hatte sich in Osterreich-Ungarn ziemlich spat entschlossen, diesen Schiffstyp an Stelle des Kasemattschiffes treten zu lassen. Der englische Captain Coles machte als erster bald nach dem Krim-Kriege den Vorschlag, Turmschiffe zu bauen, bei denen die schweren Geschiitze in ge- panzerten, drehbaren Tiirmen so aufgestellt werden sollten, dag das Schugfeld der Geschiitze einen moglichst grogen Winkel bedecke; dieser Bestreichungswinkel konnte dank der Aufstellung des Turmes iiber dem Oberdeck auch mehr als 180° betragen, was beim Kasemattschiffe konstruktiv nicht erreichbar war. Die erste praktische Ausfiihrung der Idee erfolgte durch Ericson, der im amerikanischen Sezessionskriege den »Monitor** fiir die Nordstaaten erbaute; das Gefecht am 9. Marž 1862 zwischen dem »Monitor** und dem Kasemattschiffe »Merrimac** der Siidstaaten — das erste Dueli zweier Panzerschiffe — blieb zwar unentschieden, der strategische Erfolg war aber auf Seite des »Monitor**, an dem der bisher unwider- stehliche »Merrimac** einen zumindest ebenbiirtigen Gegner gefunden hatte. Captain Coles drang nun mit seinen Vorschlagen durch; er verbesserte seine Turmschiffe durch das Hoherlegen des Oberdecks (das beim »Monitor** nur etwa einen halben Meter iiber Wasser lag), wodurch sie bessere See-Eigenschaften erhielten; auch waren die Geschutzturme nicht mehr um eine Spindel drehbar (wie beim »Monitor**), sondern sie ruhten auf Kugeln, spater auf Rollen. Coles, der sein System weiter entwickelte und sehr groge Turmschiffe baute, hatte auch die gute Idee, die Lafetten der Turmgeschiitze unter das Oberdeck zu versenken, wodurch die dem feindlichen Feuer ausgesetzte Oberflache des Panzerturmes verkleinert ward; die Stabilitat seiner Schiffe lieg allerdings einiges zu wiinschen iibrig, das Turmschiff »Captain**, mit Coles an Bord, ging der unzureichenden Stabilitat wegen 1870 im Golf e von Biscaya unter. Die nachste Verbesserung der Turmschiffe war den Franzosen zu danken, die an Stelle der beweglichen Tiirme, welche im Gefechte durch feindliche Geschosse leicht verkeilt werden konnten, das innerhalb einer feststehenden Panzer- wand drehbare Geschiitz einfiihrten: diese Barbettetiirme wurden dann allgemein angewandt, denn sie boten dem feindlichen Feuer nur einen verschwindend kleinen beweglichen Teil als Zielflache und es konnte der Turmpanzer erheblich an Starke zunehmen, was friiher durch die konstruktiven Details des Drehturmes stark behindert worden war. Man trachtete anfangs, den Bestreichungswinkel der Turmgeschiitze dadurch zu vergrogern, dag man den Mittelpunkt der Tiirme aus der Mittschiffs- linie gegen die Bordwande verschob; bei den neueren Turmschiffen zieht man die Aufstellung der Tiirme der schweren Geschiitze in der Mittschiffslinie jeder anderen Installierungsart vor. Fiir die Drehung der Geschiitztiirme wurden Handkraft, Dampf- maschinen, hydraulische Anlagen und elektrische Motoren vervvendet; die oster- reichisch-ungarische Marine bediente sich anfangs hydraulischer Anlagen, denen bald die ausschliegliche Anwendung elektrischer Motoren folgte. »Kronprinz Erzherzog Rudolf“ (6900 Tonnen Deplacement, 6500 indizierte Pferdekrafte) hat zwei Panzertiirme, deren vorderer oval geformt ist und zwei Geschiitze (Bestreichungswinkel 180°) umfagt, wahrend der achtere runde Turm nur ein Geschiitz (Bestreichungswinkel 275°) aufnimmt; die vorderen Geschiitze sind beiderseits der Mittschiffslinie in voneinander unabhangigen Drehvorrichtungen 66 loooooool aufgestellt. Diese Installierungsart ermoglicht, gegen vorne und in den Breitseiten : e zwe i, in der Richtung des Hecks aber drei Turmgeschiitze verwenden zu konnen; das Kaliber der Geschiitze betragt 30'5 cm. Die sechs Beigeschiitze (stahlerne 12 cm Geschutze) sind in einer Boxbatterie mit zentraler Aufstellung vereinigt; sie reichen an Zahl, Kaliber und Bestreichungswinkel nicht an das Mindestmafj, das von den Beibatterien der neuesten Schlachtschiffe verlangt wird: das „mittlere“ Geschutz dieser Schiffe hat nicht nur grogeres Kaliber, es befindet sich auch in o-epanzerten Aufstellungen, deren sinnreiche Anordnung sehr groge Bestreichungs- winkel einraumt. Die Fortschritte des Panzerschiffbaues waren in den letzten zwanzig Jahren so bedeutend, die Entwickelung dieses Typs so augerordentlich, dag »Kron- prinz Erzherzog Rudolf* 1 schon beim Stapellauf einen weit geringeren Gefechtswert besag, als beim Beginne seines ungewohnlich langen, iiber etwa fiinf Jahre erstreckten Baues. »Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie** ist dem gleichen Schicksale verfallen, ihr Gefechtswert war ohnehin kleiner als der des (um 1800 Tonnen Deplacement) grogeren und auch starker gepanzerten „Kronprinz“, da sie iiberdies nur eine Zitadelle mit zwei 30‘5 cm Geschiitzen in Turmlafette besitzt. Die beiden neuen Turmschiffe waren zwei Jahre nach ihrem Stapellaufe noch nicht so weit fertig, um in Dienst gestellt werden zu konnen; die k. und k. Flotte mugte daher fiir die Vertretung ihrer Flagge bei der Weltausstellung in Barcelona (1888) auf altere Panzerschiffe zuriickgreifen; diese Vertretung fiel aber doch sehr stattlich aus. Die Eskadre unter dem Kommando des Kontreadmirals Freiherrn von Monfroni, die aus den Kasemattschiffen „Custoza“ (Flaggenschiff), „Tegetthoff Don Juan d’Austria“, »Kaiser Max“ und »Prinz Eugen“, den Torpedoschiffen "panther** und »Leopard** und dem Torpedofahrzeuge »Meteor“ bestand, nahm im Mai 1888 langeren Aufenthalt in Barcelona; es ward ihr die Ehre des Besuches durch die Konigin-Regentin Maria Christina zuteil. Die acht k. und k. Schiffe mit ihrem strammen Dienstbetrieb und ihrer schmucken Haltung mdgen manchem Besucher der Aus- stellung in Erinnerung gebracht haben, dag auch die osterreichisch-ungarische Monarchie an das Mittelmeer grenzt und gewillt ist, an den Vorteilen zu partizipieren, die der Besitz von Meeresuferstrecken dem Volkswohlstande bietet. Vizeadmiral Freiherr von Sterneck rief fiir die k. und k. Flotte einen neuen Schiffstvp ins Leben, den sogenannten Torpedo-Rammkreuzer, der eventuell das ganz gepanzerte Schlachtschiff ersetzen solite. Von den Panzerschiffen der k. und k. Flotte waren die Panzerfregatten ganzlich unverwendbar geworden, die fiinf alteren Kase- mattschiffe standen an der Grenze ihrer Brauchbarkeit; es mugte daher an eine Regenerierung der Schlachtflotte geschritten werden, die an tauglichen Schiffen nur die beiden neuen Turmschiffe und den „Tegetthoff“ zahlte. Die Schlachtflotte war sonach um so viele Millionen Gulden ruckstandig geworden, dag deren Bewilligung da- mals aussichtslos schien, und man war gezwungen, einen billigeren Ersatz fiir die kost- spieligen Panzerschiffe zu suchen. Die »Torpedo-Rammkreuzer** sollten die Artillerie eines Panzerschiffes erhalten und diesem durch grogere Geschwindigkeit iiberlegen ' • eine starke Torpedoarmierung und ein Panzerdeck, das die Maschinen, Kessel und Munitionskammern schiitzte, war bestimmt, die Kampfkraft des neuen Typs zu erhohen Der Panzerdeckkreuzer mit Torpedoarmierung war allerdings auch bei anderen' Flotten vertreten, doch im allgemeinen nur mit Geschiitzen mittleren und leichten Kalibers bestiickt, wahrend die osterreichisch-ungarischen Torpedo-Ramm¬ kreuzer auch 35 Kaliber lange 24 cm Geschiitze in gepanzerten Barbettetiirmen erhielten Als erster Vertreter der neuen Schiffsgattung lief »Kaiser Franz Joseph I.“ im Jahr 1889 vom Stapel; das Schiff hat 4000 Tonnen Deplacement und 8000 indizierte Pferdekrafte es fiihrte nach dem Stapellaufe zwei 24 cm Geschiitze mit hydraulischen 67 Bewegungs- und Ladevorrichtungen in je einem gepanzerten Turme, dann sechs 15 cm Geschiitze in nicht gepanzerten Erkern und 17 kleine Schnellfeuerkanonen. Dank den gelungenen Linien der Unterwasserteile erreichte das Schiff bei den Probefahrten fast 20 Seemeilen stiindliche Geschwindigkeit. Die neuen Schiffe »Kronprinz Erzherzog Rudolf**, »Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie** und »Kaiser Franz Joseph I.“ traten im Sommer 1890 zum erstenmal in Dienst; sie wurden mit dem Torpedokreuzer »Tiger** zu einer Eskadre vereinigt. Das Eskadrekommando fiihrte Kontreadmiral von Hinke, Kommandant des »Kaiser Franz Joseph I.“ war Linienschiffskapitan Erzherzog Karl Stefan. Diese Eskadre, eigentlich die erste aus modernen Schiffen der k. und k. Flotte zusammengesetzte, begab sich in die Ostsee, um, einer Einladung des deutschen Kaisers und Konigs von Preugen, Wilhelm II., folgend, dem kombinierten Manover des IX. Armeekorps und des l)bungsgeschwaders beizuwohnen. Die Ausreise der Eskadre fiihrte zuerst iiber Gibraltar nach Portsmouth und Cowes, wo die Konigin Viktoria von England iiber die Schiffe Revue hielt und der damalige Prinz von Wales das Flaggenschiff »Kronprinz Erzherzog Rudolf** und den »Kaiser Franz Joseph I.“ besichtigte, dann begab sich »Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie** nach Cuxhaven, »Kaiser Franz Joseph I.“ nach Wilhelmshafen und es vereinigte sich die Eskadre erst wieder in Kopenhagen; der Empfang, der hier den ehemaligen Gegnern von allen Kreisen, insbesondere von den ritterlichen Angehorigen der danischen Kriegs- marine, bereitet wurde, war ein augerordentlich herzlicher. Konig Christian IX. be¬ sichtigte den »Kronprinz Erzherzog Rudolf“, Fest reihte sich an Fest. Das Flaggenschiff mugte von Kopenhagen nach Kiel abgehen, um im dortigen Dock einer Reparatur der Achsenlager unterzogen zu werden; die iibrigen Schiffe besuchten Karlskrona und kamen dann ebenfalls nach Kiel. Kaiser Wilhelm II. nahm nach dem Eintreffen in Kiel eine Revue ab iiber die k. und k. Eskadre und das deutsche Ubungsgeschwader; er besichtigte die Schiffe »Kaiser Franz Joseph I.“ und »Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie“ im Detail, an welcher Besichtigung auch der greise Feldmarschall Graf Moltke teilnahm. Dann begaben sich die Schiffe nach der Flensburger Fohrde; sie kehrten nach Beendigung der Manover, die im historischen Bereiche der Schanzen von Diippel ihr Ende fanden, wieder nach Kiel zuriick.* Auf der Heimreise wurden dann noch Cherbourg, Lissabon und Palermo be- riihrt, die Mission der Eskadre fand im Spatherbst ihr Ende. Dem Prestige der osterreichisch-ungarischen Flagge hat diese Fahrt manchen Gewinn gebracht, die vortreffliche Haltung der Schiffe, das ausgezeichnete Benehmen der Bemannungen fand iiberall das verdiente Lob; die herzliche Aufnahme, die den Schiffen allerorten zuteil ward, war ein Beweis fiir die Sympathien, die dem erlauchten Kaiser und Konig und der osterreichisch-ungarischen Monarchie iiberall entgegengebracht werden. S. M. Schiff »Pola** unternahm in den Sommermonaten der Jahre 1890 bis 1894 unter dem Kommando des Korvettenkapitans (spater Fregattenkapitan) Morth Tiefseeforschungen im ostlichen Mittelmeere, fiir die die kaiserliche Akademie der Wissenschaften den Hofrat Dr. Steindachner als wissenschaftlichen Leiter, einen Biologen, einen Chemiker, einen Ozeanographen beistellte und auch einen Teil der Expeditionskosten trug. Wahrend der ersten dieser Fahrten wurde die „Pola“-Tiefe mit 4440 m im Ionischen Meer aufgefunden; die Ergebnisse der Forschungen sind in den Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften niedergelegt. Die auf allen Gebieten des Seekriegswesens zunehmenden Fortschritte be- dingten Ende der achtziger Jahre die Schaffung von Spezialschiffen fiir den Train der k. und k. Flotte, der bis dahin nur das Werkstattenschiff „Cyclop“, den Transport- dampfer „Pola“ und die im Kriegsfalle vom osterreichischen Lloyd fiir Transport- zwecke zu mietenden Dampfer umfafjte. Die Schlepptender »Biiffel** und „Hippos“ • Siehe Tafel 15: Die k. und k. Eskadre in Kiel. liefen 1888 vom Stapel, der Pumpentender „Gigant“ folgte im nachsten Jahre, das Torpedodepotschiff »Pelikandas Zisternenschiff „Najade“ und der Minenlegungs- dampfer „Salamander“ im Jahre 1891. „Gigant“ besitzt machtige Pumpenanlagen, die beim Loschen von Branden bis zu 1400 Tonnen Wasser stiindlich fordern konnen und auch fiir das Entwassern lecker Schiffe geeignet sind; die starke Maschine und die kraftige Bauart des Schiffes befahigen es iiberdies fiir das Schleppen und fiir Rettungsaktionen; „Gigant“ ist auch schon wiederholt in die Lage gekommen, bei Branden augerhalb des Hafens von Pola und bei der Rettung oder Sicherung gestrandeter Schiffe vortreffliche Dienste zu leisten. »Pelikan" ist als Mutterschiff fiir Torpedoboote eingerichtet, deren Bediirfnisse er in jeder Beziehung zu befriedigen vermag; das mit grogen Raumen ausgestattete Schiff wurde bis zum Jahr 1906 als Admiralsjacht verwendet und auch den Konigen von Rumanien und Schweden- Norwegen fiir kurze Seereisen zur Verfiigung gestellt. »Najade" ist mit einer sehr leistungsfahigen Destillieranlage ausgestattet, weil „Siigwasser“ fiir den Betrieb aller modernen Schiffskessel notwendig, in Dalmatien leider oft sehr rar ist; die neueren grogen Schiffe vermogen heute ihren Bedarf an Trink- und Kesselspeise- wasser vollauf mit den eigenen Destillatoren und Zusatzwassererzeugern zu decken, die kleineren Schiffe, insbesondere die Torpedofahrzeuge und Torpedoboote, sind aber auf die fallweise Erganzung ihrer naturgemag geringen Wasservorrate angewiesen. j »Salamander" besitzt sinnreiche Einrichtungen fiir das rasche Legen von Minenlinien. Einige Worte iiber die Seeminen, die im Russisch-japanischen Kriege mehr 1 Verluste zugefiigt haben, als Geschiitze und Torpedos zusammengenommen, mogen f am Platze sein. Die k. und k. Flotte hat diesem wichtigen Defensivmittel schon vor einem halben Jahrhunderte die gebiihrende Aufmerksamkeit gewidmet und es seit- her bedeutend vervollkommnet, auf welchem Gebiete sich der verstorbene Kontre- admiral von Siemuszowa- Pietruski mit langjahriger, erfolgreicher Arbeit hervor- ragende Verdienste erwarb. Die ehemals verwendeten Beobachtungsminen waren an genau bestimmten Platzen so tief verankert, dag die Schiffe der eigenen Flotte un- gehindert iiber dem Lagerungsorte der Minen passieren konnten; zwei Beobachtungs- stationen, in deren Gesichtsfeld die Minenlinien lagen, sollten aber den Ziindstrom schliegen, sobald ein feindliches Schiff in den Sprengbereich einer der Minen ge- langte. Die erforderliche sehr prazise und daher sehr zeitraubende Verankerung der Beobachtungsminen, die leichte Mdglichkeit der Beschadigung der elektrischen Ziind- leitungen, endlich das Versagen der Ziindstationen bei Nebehvetter und in der Nacht waren Nachteile, die der Verwendung solcher Minen anhafteten; man ersetzte sie daher durch Kontaktminen, die in geringerer Wassertiefe verankert sind und durch das Anstogen eines feindlichen Schiffes zur Explosion gebracht werden. Die Kon- struktion und die Verankerungsorte dieser Minen, dann die Art der Vorkehrungen, die den eigenen Schiffen das ungefahrdete Passieren des Minenbereiches sichern, werden selbstverstandlich streng geheim gehalten. Die k. und k. Flotte ist in der angenehmen Lage, die Minensperre bestimmter Hafen binnen kiirzester Frist aus- legen und die Kontaktminen auch als Offensivmittel verwenden zu konnen. Jedes Angehen einer Seeminensperre bedeutet eine groge Gefahr fiir den Angreifer, weil die Position der Minen zumeist nur geschatzt werden kann und man daher iiber das Mag zulassiger Annaherung im unklaren ist; das Beseitigen der Minen ist aber im allgemeinen erst nach volliger Niederkampfung des Verteidigers moglich. Zu den Sommeriibungen des Jahres 1891 wurde eine augergewohnlich groge Zahl von Schiffen herangezogen, weil eine Inspizierung durch den obersten Kriegs- herrn zu erwarten stand. Die Angriffsflotte bestand aus den Panzerschiffen »Kron- prinz Erzherzog Rudolf" (Flaggenschiff des Eskadrekommandanten Kontreadmiral von Hinke), »Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie" und »Prinz Eugen", den kleinen Kreuzern »Tiger", »Leopard" und »Lussin", endlich den Torpedofahrzeugen »Trabant", »Komet" und »Blitz", die Kiistenverteidigungsflotte aus »Fantasie" (Flaggenschiff des Kontreadmirals von Rohrscheidt), »Kaiser Franz Joseph I.“, Raddampfer »Elisabeth" (Torpedomutterschiff), »Gigant" (Kabelleger), »Triton" und »Dromedar", dann aus sechs Torpedobooten 1. Klasse und zw51f Torpedobooten 2. Klasse. Wahrend der ersten Ubungsperiode, die sich mit Scheibenschiegen und Einzelkampfen befagte, zahlte auch »Kaiser Franz Joseph I." zur Eskadre Hinke; die zweite Ubungsperiode spielte sich in der Nahe von Spalato ab, wo die Kiistenverteidigungsflotte (in der Bucht Saldon) ein befestigtes Lager errichtet hatte. Das Schlugmanover fand in Gegenwart Seiner Majestat des Kaisers und Konigs und des FM. Erzherzog Albrecht statt, dann vereinigten sich beide Flotten in der Bucht Saldon, wo auch die kaiser- liche Jacht »Miramar" vor Anker ging; Seine Majestat geruhte, einige Schiffe zu inspizieren. Die Eskadre begleitete hierauf die Jacht »Miramar" nach Pola, S. M. Schiff »Kaiser Franz Joseph I." (Kommandant Linienschiffskapitan Erzherzog Karl Stefan) mit den Torpedobooten der Kiistenverteidigungsflotte unternahm bei der Insel Incoro- nata einen ebenso gelungenen als malerischen Angriff auf die passierenden Schlacht- schiffe. In Pola fand dann im Beisein Seiner Majestat die feierliche Grundsteinlegung der Marinepfarrkirche »Madonna del Mare" statt. Das vierte Zentenarium der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus wurde im Jahr 1892 von allen Seemachten festlich begangen; hatte doch diese Ent¬ deckung den ersten Anstog zur Entdeckung neuer Seewege, zur Ausbreitung des Kolonialbesitzes, zur bedeutenden Steigerung der Seeschiffahrt und des Seehandels gegeben. Besonderen Anlag zur Feier hatten Spanien, dessen Karabellen unter Kolumbus’ Fiihrung das neue Land fanden, und Genua, die Vaterstadt des kiihnen Seefahrers; die Vereinigten Staaten riefen die Weltausstellung von Chicago ins Leben. Die osterreichisch-ungarische Monarchie beteiligte sich durch Entsendung von Kriegs- schiffen an den Festlichkeiten in Huelva und in Genua. Die Kanonen S. M. Korvette »Aurora" begriigten im Vereine mit jenen spanischer, englischer, niederlandischer, italienischer, franzosischer und mexikanischer Kriegs- schiffe die erste Fahrt der wiedererstandenen Karabelle »Santa Maria"; nach Genua, wo eine italo-amerikanische Ausstellung eroffnet war, begab sich nach Beendigung der Sommeriibungen eine aus den Schiffen »Kronprinz Erzherzog Rudolf", »Kron¬ prinzessin Erzherzogin Stephanie" und »Kaiser Franz Joseph I." bestehende Eskadre, die Kontreadmiral Freiherr von Spaun befehligte. Der Hafen von Genua vereinigte im Herbst 1892 die Kriegsflaggen fast aller Herren Lander; Italien war durch eine imposante Schiffszahl vertreten, England, Frankreich, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Spanien, das Deutsche Reich, die Niederlande, Rumanien, Griechen- land, Portugal, Argentina und Mexiko hatten teils Eskadren, teils einzelne Schiffe entsandt. Die Festlichkeiten erreichten ihren Hohepunkt, als Konig Humbert mit der Kdnigin und dem Kronprinzen von Italien in Genua eintraf und die Flaggenschiffe, unter diesen auch S. M. Schiff »Kronprinz Erzherzog Rudolf", mit seinem Besuche beehrte. Als die k. und k. Eskadre Genua verlieg, um der Heimat zuzusteuern, konnte sie dies mit der Befriedigung tun, unter der gastfreundlichen und zuvor- kommenden Genueser Gesellschaft zahlreiche Sympathien erworben zu haben. Die Donau-Flottille erfuhr im Jahr 1892 die erste Verstarkung durch den Stapel- lauf der Monitore »Koros" und »Szamos", dem im Jahr 1894 der Umbau der beiden alteren Monitore »Maros" und »Leitha" und der Stapellauf des Patrouillenbootes „a“ folgte; iiberdies wurde das Torpedoboot „1“ von Pola mittelst Eisenbahn nach Budapest transportiert. Die Donau, auf der die Erblande wahrend der Tiirkenkriege zahlreiche Armements aufgestellt hatten, trug wieder eine recht stattliche Flottille, der eine weitere Vermehrung vorbehalten war. 68 [O o o o o o o 1 c>QOQG& >ia»n , C3> O CJ> O i ■"■V Der Panzerdeckkreuzer „Kaiserin Elisabeth“, das 1890 vom Stapel gelaufene Schwesterschiff des „Kaiser Franz Joseph I.“, wurde im Spatherbst 1892 fiir eine denkvviirdige Missionsreise in Dienst gestellt. Das Schiff stand zur Verfiigung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Osterreich-Este fiir die Durchfiihrung des grogeren Teiles der Weltreise des erlauchten Prinzen; der Schiffskommandant (Linienschiffs- kapitan von Becker) solite auf der Heimreise des Kreuzers den Austausch des ratifizierten Freundschafts- und Handelsvertrages mit Korea vollziehen. Die Vertretung der Stellung und des militarischen Ansehens der Monarchie, ihrer kommerziellen und sonstigen Interessen an den Kiisten Asiens und Australiens, die von der „Kaiserin Elisabeth“ zu beriihren waren, konnte durch das stattliche Schiff vollauf erzielt werden. Erzherzog Franz Ferdinand schiffte sich am 14. Dezember 1892 in Triest auf „Kaiserin Elisabeth“ ein, tags darauf ging das Schiff in See; nach fliichtiger Beriihrung von Port Said und Aden steuerte der Kreuzer gegen das paradiesisch schone Ceylon. In den Morgenstunden des 2. Janner wurde ein groges Schiff unter Segeln gesichtet, das bald darauf als S. M. Korvette „Fasana“ (Kommandant Korvettenkapitan von Ripper) erkannt wurde, die von einer Weltumsegelung heimkehrte; die „Fasana“ hatte in den ostasiatischen Gewassern einen augergewohnlich schweren Taifun mit- gemacht, sie war aber dank ausgezeichneter Fiihrung mit nur unbedeutenden Havarien durchgekommen, wahrend mehrere groge Dampfer und andere Schiff e dem Sturme zum Opfer fielen. Die Korvette leistete der auf „Kaiserin Elisabeth 11 wehenden kaiser- lichen Standarte die vorgeschriebenen Ehrenbezeigungen und drehte bei, worauf sich Erzherzog Franz Ferdinand zu einer Besichtigung auf „Fasana“ begab.* Beide Schiffe, die ein Zufall inmitten des indischen Ozeans zusammengefiihrt hatte, setzten dann ihren Weg wieder fort. Die „Kaiserin Elisabeth“ brachte im Verlauf ihres Reiseprogrammes den hohen Herrn nach Ceylon, Indien, Singapore, Batavia und Sidney; auf der Uberfahrt von Singapore nach Batavia fand unter Beachtung aller alten, seemannischen Traditionen die Aquatortaufe statt. Von Sidney fiihrte die Reiseroute iiber Neukaledonien, die Salomons-Inseln, Neuguinea, einige Punkte des niederlandisch-indischen Archipels und Sarawak wieder nach Singapore; der Besuch Bangkoks mugte leider der franco- siamesischen Vernickelungen wegen unterbleiben. Nach einem Aufenthalt in Hong¬ kong steuerte der Kreuzer nach Nagasaki, von wo, wie auch friiher schon in Indien, der Erzherzog eine Inlandreise ausfiihrte; die Wiedereinschiffung des hohen Herrn fand in Jokohama statt, wo das Geburtsfest Seiner Majestat des Kaisers und Konigs mit dem iiblichen seemannischen Prunke gefeiert ward. Am 25. August schiffte sich der erlauchte Prinz auf dem Dampfer „Empress of China“ ein, um die Heimreise iiber Nordamerika anzutreten. Die Worte, die Erzherzog Franz Ferdinand in seinem fesselnden Tagebuche der Erinnerung an die Einschiffung auf „Kaiserin Elisabeth “ widmet, gereichen nicht nur dem Štab und der Mannschaft dieses einen Kreuzers, sondern auch der ganzen Kriegsmarine dauernd zur Ehre: »Endlich war der schwere Augenblick gekommen, jener, in dem ich Abschied nehmen mugte von unserem braven Schiffe, von den Herren des Stabes, die ich alle so schatzen gelernt hatte und die stets bestrebt waren, mir das Leben an Bord so angenehm als moglich zu gestalten, von der wackeren Mannschaft. Die ,Elisabeth* war mir in der achtmonatlichen Frist, wahrend der sie uns so treu durch ferne Meere getragen, zur Heimat ge- worden . . .“ „Hier habe ich den guten militarischen Geist, den vortrefflichen kameradschaftlichen Sinn kennen gelernt, welcher in unserem Seeoffizierkorps herrscht.** „Mit hoher Befriedigung mug ich des geradezu musterhaften Verhaltens der Mannschaft gedenken, welche unentwegt in treuer Pflichterfiillung ausgeharrt hat, selbst unter den schwierigsten Verhaltnissen ..." „Unsere Kriegsmarine hat sich wieder in einer die hochgespannten Erwartungen rechtfertigenden Weise bewiihrt Nach der Ausschiffung des Erzherzogs begab sich die »Kaiserin Elisabeth* 1 nach Chemulpo; die ratifizierten Freundschafts- und Handelsvertrage mit Korea wurden in Soul, der Reichshauptstadt, unter voller Entfaltung des bei solchen Anlassen in exotischen Landern iiblichen Prunkes ausgetauscht, gegenseitige Geschenke der beiden Herrscher iiberreicht und iibernommen. Die Riickreise des Schiffes erfolgte ohne Zwischenfall, bei Beriihrung der notwendigen Kohlenstationen; als „Kaiserin Elisabeth 1 * am 19. Dezember 1893 vor Pola eintraf, sichtete sie die Jacht „Fantasie*‘ mit der kaiserlichen Standarte: Erzherzog Franz Ferdinand erwies dem Schiff und der ganzen Kriegsmarine die hohe Ehre, die Heimkehrenden personlich zu begriigen. Die beiden ersten Rammkreuzer der k. und k. Flotte stellten einen Schiffstyp dar, der eine schwere Artillerie und eine starke Torpedoarmierung mit hoher Ge- schwindigkeit vereinte; es war daher nur natiirlich, dag die weitere Entwickelung dieser Schiffe sie nicht mehr auf das Panzerdeck beschrankte, sondern auch mit vermehrter Panzerung bedachte. So entstand der erste osterreichisch-ungarische Panzerkreuzer, S. M. Schiff »Kaiserin und Konigin Maria Theresia**, der 1893 vom Stapel lief. Der Tonnengehalt dieses Schiffes, dessen Maschinen 9000 Pferdekrafte indizieren, war bereits auf 5200 gestiegen; es hat einen schwachen Giirtelpanzer, die beiden fiir die Aufnahme der schweren 24 cm Geschiitze bestimmten Tiirme erhielten einen etwas starkeren Panzer als »Kaiser Franz Joseph I.“, von den acht 15 cm Geschiitzen stehen vier in gepanzerten Kasematten des Batteriedecks und vier in gepanzerten Reduits des Oberdecks. »Maria Theresia** war auch das erste Schiff der k. und k. Flotte, das elektrische Motoren fiir die Bedienung der schweren Geschiitze erhielt. Dieser Kreuzer besag bis zum Jahre 1903 Masten, die der friiheren Art der schweren franzosischen Gefechtsmasten glichen; sie hatten einen gewaltigen Durchmesser und es fiihrte im Innern des Mastes eine Wendeltreppe zu den grog dimensionierten, hoch gelegenen und mit leichten Schnellfeuerkanonen ausgestatteten Gefechtsmarsen. Diese Masten waren eher malerisch als besonders praktisch; sie beeinflugten die See-Eigenschaften des Schiffes in ungiinstigem Sinn und vermehrten die Zielflache, so dag sie dann durch die nunmehr allgemein eingefiihrten Gefechts¬ masten der k. und k. Flotte (tiefer liegende Plattform fiir Schnellfeuerkanonen, hohe schlanke Signalstenge) ersetzt wurden. Die Panzerkreuzer sind eine interessante Schiffsgattung; ihre Artillerie nahert sich jener der Schlachtschiffe, sie besitzen zwar einen etwas schwacheren Panzer- schutz, aber eine hohere Schnelligkeit. Da Schlachtschiffe und Panzerkreuzer die gleichen Vorziige anstreben, beginnt die Grenze zwischen beiden Schiffsgattungen sich zu verschleiern - der schwere Panzerkreuzer und das leichte Schlachtschiff sind oft kaum voneinander zu unterscheiden. In das Jahr 1893 fiel auch die Umgestaltung des Kasemattschiffes „Tegetthoff“, das durch Einbau neuer Maschinen und Anderung der Bestiickung verbessert wurde. Die alte Maschine besag Zylinder von grogem Durchmesser, das bedeutende Kolben- gewicht rieb die Zylinder aus und dies bildete eine Quelle haufig eingetretener Havarien; die beiden neuen Compoundmaschinen haben hierin Wandel gebracht und dem Schiff eine erhohte Geschwindigkeit beschert. Die kurzen 28 cm Geschiitze wurden durch 35 Kaliber lange 24 cm Geschiitze, die sechs bronzenen 9 cm Ge- schiitze durch fiinf lange 15 cm Schnelladekanonen mit bedeutend vergrogertem Bestreichungsfeld ersetzt; die vier Eckgeschiitze der Kasematte erhielten fiir das seitliche Richten elektrische Motoren, an Stelle der iiberfliissigen Dreimastschoner- takelage traten zwei Gefechtsmasten mit Marsen fiir Schnellfeuerkanonen.* Selbst- verstandlich haben auch diese Verbesserungen, so wichtig und niitzlich sie bei dem Mangel an Schlachtschiffen waren, das veraltete Schiff nicht in ein modernes um- gestalten konnen. 69 * Siehe Tafel 16: Kreuzer ..Kaleerln Elisabeth” und Korvette ..Fasana”. • Siehe Tafel 17: Kasemattschiff ..Tegetthoff”. looflpoo O l S. M. Schiff „Zrinyi“ befand sich wahrend der brasilianischen Insurrektion des Jahres 1894 fiir den Schutz der Interessen und des Eigentums osterreichischer und ungarischer Staatsangehoriger vor Rio de Janeiro. Das unbehinderte Laden und Loschen eines osterreichischen Dampfers mugte einmal durch Beistellung einer Ab- teilung bewaffneter Mannschaft sichergestellt werden. Nach langer Unterbrechung solite die k. und k. Flotte endlich wieder in den Besitz neuer Schlachtschiffe gelangen; es waren dies die als Kiistenverteidiger bezeichneten Turmschiffe „Monarch“, „Wien“ und „Budapest“, die in den Jahren 1895 und 1896 vom Stapel liefen. Die Bezeichnung Kiistenverteidiger trifft fiir diese Schiffe mit Bezug auf ihr Kohlenfassungsvermogen zu; an Starke der Bestiickung iiberragen sie auch weit grogere Zeitgenossen, an Geschwindigkeit und Panzerschutz bleiben sie gegen solche nur wenig oder gar nicht zuriick. Die „Monarch“-Klasse, mit nur 5550 Tonnen Deplacement, besitzt Maschinen von 8000 indizierten Pferde- kraften und 17 Seemeilen stiindliche Fahrgeschwindigkeit; die gesamte Panzerung aus Nickelstahl, der hier in der k. und k. Flotte zum erstenmal verwendet ward, wiegt iiber 1700 Tonnen. Die vier 40 Kaliber langen 24 cm Geschiitze sind paar- weise in zwei Barbettetiirmen installiert, sechs 15 cm Schnellfeuerkanonen, durch Splitterschotte getrennt, befinden sich in der gepanzerten Kasematte des Oberdecks, 18 kleine Schnellfeuerkanonen und Mitrailleusen sind auf dem ganzen Schiffe ver- teilt; die Bedienung der Turmge schutz e erfolgt durch elektrische Kraftiibertragung, die Feuerschnelligkeit der 15 cm Geschiitze ist bis zu acht gezielten Schiissen in der Minute gesteigert. Wie aus diesen Daten zu entnehmen ist, stellten die Schiffe Typ „Monarch“ seinerzeit sehr gelungene Vertreter des Kompromisses dar, das im Kriegsschiffbau immer in irgend einer Form wiederkehrt, bei Panzerschiffen zwischen der Groge, der Panzerung und Artillerie samt Munitionsdotierung zu schliegen ist und fiir die osterreichisch-ungarische Flotte um einen weiteren Faktor, die tunlichst geringen Kosten der Schiffe, vermehrt wird. Die Panzerung der „Monarch“-Klasse und die Kessel S. M. Schiffes „Budapest“, das als erstes unserer Flotte Wasserrohrkessel erhielt, geben zu besonderen Aus- fiihrungen Anlag. Der Panzer der ersten Panzerschiffe bestand aus gewalztem Schmiedeeisen; dann bedingten die Fortschritte der Geschiitz- und Geschogkonstruktion eine allmahliche Zunahme der Plattenstarke, damit diese der Auftreffenergie des Geschosses gewachsen bleibe: die Zunahme der Plattenstarke fand aber bald ihre Grenze, weil sich die Plattenindustrie augerstand sah, iiber eine bestimmte Dicke hinaus noch homogene Platten erzeugen zu konnen. Versuche, mehrere dimne Schmiedeeisenplatten, nur durch eine Holzlage voneinander getrennt, an Stelle dicker Platten zu verwenden, ergaben selbstverstandlich kein befriedigendes Resultat, man war daher zur Wahl harteren Materials fiir die Plattenerzeugung gezwungen. Zunachst schweigte man eine diinne Stahlplatte auf eine Schmiedeeisenplatte — Compoundpanzer -, wendete die Stahlseite gegen augen und befestigte die Platte mit Schraubenbolzen, die vom Schiffskorper aus in die weichere Schmiedeeisenschichte eingriffen; solche Platten erhielten 1887 „Kronprinz Erzherzog Rudolf“ und „Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie“. Den Compoundplatten folgten ganz aus Stahl hergestellte und es gelang, durch entsprechenden Nickelzusatz eine besondere Harte des Materials zu erreichen, was eine Reduktion der Plattenstarke zulieg; Nickelstahlpanzer wurde auf der „Monarch“-Klasse 1895 angewandt. Harvey erhohte die Widerstandskraft der Panzer durch Bestreuen der gliihenden Platten mit einem Pulver, dessen Zusammensetzung von ihm geheim gehalten wird, und durch Abkiihlung der Platten in einem dauernden Wasserregen; beides vermehrt die Harte der Oberflache. Dieses Verfahren wurde durch Krupp weiter ausgebildet und es ist das Kruppsche Patent zur Zeit bei der Erzeugung der Panzerplatten fiir die Neubauten fast aller Seemachte im Gebrauche; solche Platten haben auch die neuesten k. und k. Schlachtschiffe, deren Typschiff, »Erzherzog Karl“, 1903 vom Stapel lief. Die Widerstandsfahigkeit der Platten nach ihrer Er- zeugungsart lagt sich wie folgt darstellen: Platten aus gewohnlichem (weichem) Stahl entsprechen P^mal so dicken Schmiedeeisenplatten, Harveyplatten der 2- bis 2 1 / 2 fachen Dicke von Schmiedeeisen, endlich sind nach Kruppschem Verfahren an- gefertigte Platten der 2 1 I 2 - bis 3fachen Dicke einer Schmiedeeisenplatte gleichwertig. Die Zunahme der Widerstandskraft der Panzerplatten neuerer Erzeugungsarten ge- stattete daher nicht nur einen ausgiebigeren Panzerschutz der Schiffe, sondern gleichzeitig auch eine relative Verminderung des Panzergewichtes; so betragt die Starke des Giirtelpanzers bei »Tegetthoff 11 369 mm, bei »Kronprinz Erzherzog Rudolf" 305 mm, bei „Monarch“ 270 mm und bei »Erzherzog Karl" 210 mm. Der Giirtelpanzer des »Erzherzog Karl" miigte, in Schmiedeeisen ausgefiihrt, sonach etwa 600 mm Dicke erreichen, um dem nach Kruppschem Verfahren hergestellten Panzer dieses Turmschiffes gleichwertig zu sein; hieraus lagt sich die Ersparnis an Panzer- gewicht abschatzen, die dem Gefechtswerte des Schiffes an anderen Stellen zu Nutzen kommt. Das erste grogere Schiff der k. und k. Flotte, das Wasserrohrkessel (System Belleville) erhielt, war S. M. Schiff »Budapest"; die Verwendung von Wasserrohr- kesseln wurde dann allgemein, doch wahlte man spater den von Yarrow konstruierten Kesseltyp, der nunmehr auch in Osterreich hergestellt werden kann; die englische Flotte hatte vor einigen Jahren Grund zur Klage iiber die Belleville-Kessel, auf »Budapest", der „Habsburg“-Klasse und »Kaiser Karl VI." haben sie anstandslos entsprochen. Die Wasserrohrkessel besitzen manche Vorziige, die in der Moglichkeit rascher Dampferzeugung, in hohen Betriebsspannungen und der Gewichtsersparnis infolge geringeren Wassergehaltes gipfeln; man kann auch die Intensitat des Betriebes leicht andern, die Gefahr der Kesselexplosion ist verringert. Die Kessel der »Buda¬ pest" sind fiir eine Betriebsspannung von 17'6 Atmospharen erbaut, der Dampf wird vor seinem Eintritt in die Maschine durch Reduktionsventile auf einen Arbeits- druck von 11 Atmospharen gebracht; durch die Installierung der Wasserrohrkessel wurden auf diesem Schiffe — gegen »Monarch" — 100 Tonnen Maschinengewicht erspart, was der Vergrogerung des Kohlenvorrates zugute kam. »Budapest" kann bei einer stiindlichen Geschwindigkeit von 10 Seemeilen um 600 Seemeilen mehr zuriicklegen als »Monarch" — ein Beweis, wie selbst relativ kleine Details bei dem Abschlusse des Kompromisses zwischen den das Schiff bestimmenden Faktoren auf dessen Eigenschaften Einflug nehmen konnen. S. M. Schiff „Pola“ wurde im Jahr 1895 neuerdings (unter dem Kommando des Fregattenkapitans, spater Linienschiffskapitan, Paul von Pott) fiir Meeresforschung in Dienst gestellt, im Winter 1895/1896 die nordliche und im Winter 1897/1898 die siidliche Halfte des Roten Meeres besucht; das Arbeitsprogramm umfagte geographische Ortsbestimmungen, Hafenaufnahmen, magnetische und Schweremessungen, Tiefsee- dredschen, Loten und pelagisches Fischen; der Golf von Akaba wurde ganz aus- gelotet. Wahrend der zweiten Expedition iiberfielen Beduinen eine am Land arbeitende Gruppe, die, unterstiitzt durch die Schnellfeuerkanonen des Schiffes, den Angriff mit einigen Gewehrsalven abwies. Die Eroffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals, der die Ostsee mit der Nordsee verbindet, ging im Sommer 1895 mit grogem maritimen Geprange in Gegenwart des deutschen Kaisers und Kdnigs von Preugen vor sich; Eskadren oder einzelne Kriegsschiffe der meisten seefahrenden Nationen waren bei diesem Anlag in Kiel versammelt, bei dei: ersten Fahrt durch den Kanal folgten der Kaiserjacht auch die Vertreter fremder Flaggen. Die osterreichisch-ungarische Monarchie entsandte zur 70 ) o o o o o o o Kanaleroffnung eine Kreuzerdivision, bestehend aus S. M. Schiffen »Kaiserin und Konigin Maria Theresia“, „Kaiserin Elisabeth", „Kaiser Franz Joseph I.“ und „Trabant“, unter dem Kommando des Kontreadmirals Erzherzog Karl Stefan. Wahrend der Unruhen in der Tiirkei, die in den Jahren 1895 und 1896 grogeren Umfang annahmen, kreuzte die k. und k. Eskadre zum Schutze der osterreichischen und ungarischen Staatsangehorigen und Interessen in der Levante; S. M. Schiff „Sebenico“ wurde als zweites Stationsschiff (neben dem zur Verfiigung des Botschafters stehenden „Taurus“) nach Konstantinopel detachiert. Die Entwickelung des Torpedobootes hatte bei unseren Booten l.Klasse keines- wegs halt gemacht; es waren seit dem Entstehen dieser Boote neuere, grogere Typen konstruiert worden, die ihrer ausgezeichneten See-Eigenschaften wegen den Namen „Hochseetorpedoboote“ wirklich verdienen und die alteren Typen an Ge- schwindigkeit bedeutend iiberfliigeln. Die k. und k. Kriegsmarine brachte je ein solches Boot bei den renommierten Torpedobootserbauern Yarrow und Schichau in Bestellung und es liefen beide, „Viper“ und „Natter“, im Jahr 1896 vom Stapel. Diese Boote besitzen Maschinen, die 1800 Pferdekrafte indizieren und ihnen 26 Seemeilen stiind- liche Geschwindigkeit verleihen, „Viper“ hat Yarrow-, „Natter“ Thornycroft-Wasser- rohrkessel; „Viper“ (107 Tonnen Deplacement) ist kleiner als „Natter“ (134 Tonnen). Bei den Erprobungen erzielte „Viper“ etwas hohere Fahrgeschwindigkeiten; da sie auch sonst besser entsprach als das deutsche Boot, wurde sie als Muster beibehalten fiir noch andere vier Boote, die, ebenfalls bei Yarrow erbaut, in den Jahren 1898 („Boa“, „Cobra“) und 1899 („Kigyo“, „Python“) vom Stapel liefen. Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien beschlog die Entsendung einer Expedition nach den Salomons-Inseln, um iiber deren geologische Schichtung, ihre mineralogische Zusammensetzung, Fauna und Flora Aufschliisse zu erlangen, weil diese interessante Inselgruppe, die auch Erzherzog Franz Ferdinand mit S. M. Schiff „Kaiserin Elisabeth“ besucht hatte, in naturwissenschaftlicher Beziehung noch wenig erforscht war. Der bekannte Gelehrte Freiherr Foullon de Norbeeck wurde als Chefgeologe und wissenschaftlicher Leiter der Expedition gewahlt, S. M. Kanonen- boot „Albatros“ (Kommandant Fregattenkapitan von Mauler) im Jahr 1896 seitens der Kriegsmarine zur Verfiigung gestellt, um den Gelehrten nach den Salomons-Inseln zu iiberfiihren und ihm bei seinen Landexpeditionen die notwendige Unterstiitzung und Bedeckung zu bieten. Nach dem Besuche der Inseln St. George, Isabel und Savo begab sich S. M. Schiff „Albatros“ nach der Insel Guadalcanar und ankerte auf der Rhede von Gora, von wo aus die Besteigung der Gebirge dieser Insel erfolgen solite. Am 6. August verlieg Foullon das Schiff zu einer voraussichtlich langer dauernden Forschungsreise im Innern Guadalcanars; Linienschiffsfahnrich Budik, dem zwei See- kadetten beigegeben waren, hatte das militarische Kommando der Expedition, deren Eskorte 21 bewaffnete Unteroffiziere und Matrosen bildeten; zwei Diener trugen die Instrumente. Der Marsch fiihrte anfangs durch unwegsames Buschwerk; vor dem Erreichen des Randgebirges wurde programmgemag ein Seekadett mit acht Mann heimgesandt, am 9. August am Fuge des Berges Tatube ein Lager aufgeschlagen. Das Verhalten der Eingeborenen, die sich teils dem Lager naherten, teils dieses unbewaffnet betraten, flogte dem Linienschiffsfahnrich Budik Migtrauen ein, er wollte daher den weiteren Aufstieg mit dem ganzen Detachement unternehmen; Foullon bestand aber darauf, die Felspfade des Gebirges mit nur geringer Begleitung zu ersteigen. Foullon, Budik, fiinf Mann und die beiden Diener Foullons traten die Bergexpedition am Morgen des 10. August an; Seekadett de Beaufort mit den ver- bleibenden acht Mann und drei eingeborenen Fiihrern, die von der Kiiste mitgenommen waren, blieben als Lagerwache zuriick. Drei Fiihrer, die am Abende vorher im Lager von den Eingeborenen verlangt worden waren, folgten den Aufsteigenden; allmahlich tauchten teils unbewaffnete, teils mit Tomahawks versehene Eingeborene aus den Gebiisehen auf, die sich der Queue des Zuges anschlossen. Freiherr von Foullon war bestandig bestrebt, das Migtrauen Budiks zu zerstreuen, er machte auch auf die bekannte Tatsache aufmerksam, dag auf den Salomons-Inseln Fiihrer zumeist nur dann erhaltlich sind, wenn man ihrem ganzen Anhange die Begleitung gestattet - dies solite auch das Mitkommen der iibrigen Wilden erklaren. Nach dreiviertelstiindigem Aufstiege wurde Rast gemacht, um die Feldflaschen an einer kleinen Wasserader nachzufiillen; Foullon bestimmte die Seehohe des Ortes. Einer der Eingeborenen, deren Zahl auf etwa 20 angestiegen war, bot Budik die Keule zum Tausche gegen den Revolver an, dann bat er, die Waffe besehen zu diirfen; in diesem Augenblicke fielen im zuriickgelassenen Lager zwei Schiisse, aus den Gebiisehen sprang noch ein Dutzend Eingeborener hervor, und es wurde auch die Bergexpedition mit Tomahawks und Keulen angegriffen. Budik schog drei An- greifer nieder, die Bedeckungsmannschaft machte von ihren Gewehren Gebrauch und die Angreifer, die etwa 20 Tote am Platze liegen, ergriffen die Flucht; gleich- zeitig horte man auch aus dem Lager ein lebhaftes Schnellfeuer. Der Uberfall war zwar abgeschlagen, doch hatten Foullon und zwei Mann schwere, ein Diener leichte Wunden erhalten; nach Anlegung von Notverbanden wurde der Riickmarsch zum Lager angetreten, das zur gleichen Zeit von einer grogeren Zahl Eingeborener iiber- fallen worden war, wahrend die Mannschaft — mit Ausnahme der aufgestellten Posten — friihstiickte. Angesichts der bedeutenden Ubermacht der Angreifer loste sich die Abwehr des Uberfalles in eine Reihe von Einzelkampfen auf, wobei trotz tapferer Gegenwehr Seekadett de Beaufort, zwei Matrosen und ein eingeborener Fiihrer getotet, vier Mann schwer verwundet worden waren; die Eingeborenen hatten etwa 15 Tote zuriickgelassen und waren geflohen. Freiherr von Foullon erlag bedauerlichervveise kurz nach dem Kampf im Lager seinen Wunden; Linienschiffsfahnrich Budik, der unter den schwierigsten Ver- haltnissen Energie und groge Umsicht bewies, trat nun den beschleunigten Riickzug zur Kiiste an, weil die zahlreichen Verwundeten der arztlichen Hilfe bedurften und der Schall der Kriegstrommel aus dem Tal einen neuen Angriff befiirchten lieg. Die Abteilung erreichte nach grogen Miihsalen am 11. August das Gebiet der Kiisten- bewohner, von wo aus S. M. Schiff „Albatros“ von den Vorfallen verstandigt wurde. Von seiten des Schiffes landete binnen kiirzester Frist eine aus 28 Mann unter dem Befehle des Linienschiffsleutnants Bublay zusammengestellte Hilfsexpedition, die mit Tragbahren und Verbandmaterial ausgeriistet und vom Schiffsarzte begleitet war; nach wenigen Stunden vereinigten sich beide Abteilungen, die Verwundeten wurden an Bord transportiert. Linienschiffsleutnant Bublay mugte seine Bemiihungen, die Leichen der Gefallenen zu bergen und zu bestatten, aufgeben, weil stromender Regen den Vormarsch der Truppe erschwerte und kein Eingeborener Fiihrerdienste leisten wollte. Spatere Erhebungen des britischen Residenten ergaben, dag am Angriffe zwei Stamme Eingeborener, zusammen gegen 300 Kopfe, beteiligt waren; die beiden Hauptlinge und 40 andere fielen, etwa 120 wurden verwundet; diese Zahlen beweisen am besten die Tapferkeit und Unerschrockenheit des kleinen Detachements. Linien¬ schiffsfahnrich Budik, neun Uberlebende des Detachements, der Kommandant der Hilfsexpedition und der Schiffschefarzt wurden fiir ihre Verdienste wahrend der Aktionen auf Guadalcanar durch die Huld des Monarchen mit Ordensauszeichnungen und Tapferkeitsmedaillen geehrt. S. M. Schiff „Leopard“ stellte im Jahr 1901 am Strande von Gora ein hohes Porphyrkreuz auf, das die Kriegsmarine dem Andenken der auf dem Tatube Gefallenen widmete. Das Jahr 1897 solite der k. und k. Flotte eine starke Inanspruchnahme bringen. Ernste Unruhen, die im Mai 1896 auf der Insel Kreta ausgebrochen waren, bewogen = 71 die Grogmachte, den streitsiichtigen, christlichen Bewohnern Kretas Verwaltungs- reformen in Aussicht zu stellen und eine europaische Gendarmerie auf der Insel zu errichten. Beides erwies sich als nicht zweckentsprechend, denn die christlichen Kretenser strebten keineswegs eine Verbesserung der ottomanischen Verwaltung, sondern eine Vereinigung mit Griechenland an, und es konnte die beste Gendarmerie der Welt in einem Lande, wo zehnjiihrige Knaben Gewehre trugen und zur Ubung auf unbewaffnete Tiirken schossen, die Ruhe nicht dauernd aufrecht erhalten. Wahrend die Botschafter der Machte in Konstantinopel iiber dem Reformprojekte zu Rate sagen, wurde die Garung auf Kreta durch geschickte Emissare geschiirt; die oster- reichisch-ungarische Regierung, iiber die Vorgange vortrefflich informiert, beorderte am 3. Februar 1897 die im Piraus weilenden k. und k. Schiffe „Kaiserin und Konigin Maria Theresia“ und „Sebenico“ zur sofortigen Abreise nach Kanea, der Hauptstadt Kretas. Am 4. Februar, dem Tage der Ankunft dieser beiden Schiffe vor Kanea, brach der Aufstand aus, den ein Angriff der Christen auf die Mohammedaner bei und in Kanea einleitete; griechische Waffen waren schon seit langerer Zeit auf die Insel geschmuggelt worden und nur dem Umstande, dag sich die Insurgenten mit dem Aufsatze des griechischen Gras-Gewehres nicht befreunden konnten, war es zu danken, dag in spaterer Zeit die wiederholte Beschiegung der intervenierenden Schiffe, Boote und Truppen der Grogmachte ohne Schaden ablief. „Maria Theresia“ sandte gleich anderen anwesenden Kriegsschiffen Boote ans Land, um Fliichtlinge zu retten, „Sebenico“ ging nach Rhetymno ab; auf „Maria Theresia“ fliichteten ) 187 Personen, darunter der griechische Generalkonsul, osterreichische, ungarische, # deutsche, griechische und tiirkische Staatsangehorige, die dann durch zwei Wochen an Bord verpflegt wurden. Den Kriegsschiffen gelang es, im ganzen iiber 2000 Menschen zu retten, die auf osterreichischen Lloyddampfern, griechischen Seglern und auch auf Kriegsschiffen selbst abtransportiert wurden; in Gegenden, wo keine Kriegs- schiffe zur Stelle waren, fielen allerdings Hekatomben dem Morden der Insurgenten zum Opfer. S. M. Schiff „Sebenico“ befreite bei Rhetymno die Konsuln, die im Vereine mit dem griechischen Bischof die vor der Stadt lagernden Insurgenten beruhigen wollten, von diesen aber als Geiseln zuriickgehalten worden waren. Der Flamme des Aufstandes wurde neue Nahrung zugefiihrt, als am 7. Februar fiinf griechische Kriegsschiffe vor Kanea ankerten und als zwei Tage spater sechs griechische Torpedoboote unter dem Kommando des Prinzen Georg diese Division verstarkten. Die Kommandanten der anwesenden fremden Kriegsschiffe, unter ihnen Linienschiffskapitan von Brosch („Maria Theresia“), protestierten alsbald im Auftrage der Regierungen gegen die offene Stellungnahme der griechischen Division, dennoch beschog eines der griechischen Schiffe einen kleinen tiirkischen Raddampfer, der Truppen an Bord hatte; die Folge war, dag die Schiffskommandanten beauftragt wurden, Feindseligkeiten griechischer Schiffe zu verhindern. Der Aufstand wurde ein allgemeiner, als am 14. Februar unter dem Schutze griechischer Kriegsschiffe 1800 Mann regulare griechische Truppen mit zwolf Geschiitzen landeten und unter dem Kommando des Obersten Vassos auf der Hochebene von Alikianu ein Lager bezogen; die Zustande in den Kiistenstadten grenzten an Anarchie. Kanea wurde daher international besetzt („ Maria Theresia" stellte hiezu 30 Mann bei), die iibrigen wichtigeren Orte wurden unter den speziellen Schutz einer Macht gestellt, woran Osterreich-Ungarn, das vorlaufig nur zwei Schiffe in den kretensischen Gewassern hatte, nicht beteiligt war. Um die Verbindung der griechischen Truppen abzuschneiden und den Zuzug von Freiwilligen und den Waffenschmuggel zu verhindern, versahen [__Schiffe der Grogmachte einen scharfen Uberwachungsdienst langs der Kiiste. Osterreich-Ungarn beschlog Mitte Februar die Entsendung einer Eskadre nach Kreta; diese Eskadre, unter dem Kommando des Kontreadmirals von Hinke, bestand anfangs aus S. M. Schiffen „Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie“, „Kaiserin und Konigin Maria Theresia“, „Sebenico“, „Satellit“ und den Torpedobooten „Sperber“, „Elster“ und „Kibitz“; in den Monaten Marž und April kamen aber noch die Schiffe „Tiger“, „Leopard“, „Blitz“, „Komet“, „Cyclop“ und die Torpedoboote „Krahe“, „Star“, „Harpie“, „Flamingo“, „Marabu“ dazu, so dag die Eskadre im ganzen neun Schiffe und acht Torpedoboote zahlte. Kontreadmiral von Hinke traf auf „Kron- prinzessin Erzherzogin Stephanie“ am 22. Februar vor Kanea ein, in dessen Nahe tags zuvor die Schiffe der Grogmachte zum erstenmal aktiv eingeschritten waren; als die Insurgenten eine Position bei Halepa bezogen und den Ort zu beschiegen begannen, lieg der Hochstkommandierende der anwesenden Schiffe, der italienische Vizeadmiral Conte Canevaro, das Geschiitzfeuer eroffnen, um die Insurgenten zu vertreiben; auch „Maria Theresia" feuerte einige Ziindergranaten gegen die Stellung der Insurgenten. Die Flotte der Grogmachte in den Gewassern Kretas nahm rasch an Schiffs- zahl zu, die bald nach Beginn des Aufstandes 23 italienische, 19 englische, 9 oster- reichisch-ungarische, 9 russische, 7 franzosische Schiffe und den deutschen Kreuzer „Kaiserin Augusta 11 umfagte; die Flaggenoffiziere (Vizeadmiral Canevaro, Kontre¬ admiral Harris, Kontreadmiral von Hinke, Kontreadmiral Andreeff, Kontreadmiral Pottier) und der Kommandant des deutschen Schiffes (Kapitan zur See Koellner) bildeten den Admiralsrat, dessen Vorsitz Vizeadmiral Canevaro (bei Abwesenheit Canevaros Kontreadmiral Hinke) fiihrte. Bei einem Brande des Regierungsgebaudes in Kanea, das am 25. Februar ein Raub der Flammen wurde, zeichnete sich das Detachement der „Maria Theresia", das auch die gesamten Regierungskassen in Sicherheit brachte, durch Kiihnheit und erfolgreiche Tatigkeit bei der Lbschaktion besonders aus. Am nachsten Tage begab sich das Gros der internationalen Flotte nach der in der Nahe von Kanea befind- lichen, gegen Wind und Wetter gut geschiitzten Bai von Suda; vor Kanea blieben nur drei Schiffe und zwei Torpedoboote (darunter „Elster“) stationiert. Die von den Insurgenten bedrohte Strage zwischen Suda und Kanea sicherte das Abpatrouillieren durch taglich wechselnde Landungskompagnien. Nach Beginn des Aufstandes wurden etwa 2000 Mohammedaner, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, landeinwarts von der an der Siidkuste Kretas gelegenen Ortschaft Selino, in einem Talkessel bei Kandanos, von den Insurgenten zerniert; als ihnen die Lebensmittel ausgingen und ihre Niedermetzelung durch die Insurgenten bevorstand, schlichen sich zwei Tiirken durch den Ring der Insurgenten und sie iiberbrachten dem osterreichisch-ungarischen Generalkonsul die flehentliche Bitte um Rettung. Einer Anregung des Kontreadmirals von Hinke stattgebend, beschlog der Admiralsrat die Befreiung der Bedrangten durch ein internationales Truppenkontingent, worauf sich je ein englisches, franzosisches, russisches und italienisches Schiff mit S. M. Schiff B Stephanie“, das vor Selino stationiert war, vereinigte. Am 7. Marž landeten die Schiffe 570 Mann mit 4 Feldgeschiitzen („Stephanie“ 100 Mann), die unter dem Kommando des englischen Schiffskommandanten nach Spaniakos mar- schierten; die Verhandlungen der Detachementskommandanten, denen sich auch der englische Generalkonsul anschlog, mit den Fiihrern der Insurgenten hatten den erwiinschten Erfolg, den Zernierten wurde der freie Abzug unter dem Schutze der internationalen Truppen zugestanden. Die Detachements mit den Befreiten erreichten Selino am Abende des 9. Marž, sie wurden nach Einbruch der Dunkelheit von den Insurgenten beschossen, doch dauerte das Feuergefecht nur kurze Zeit an; bei einer Plankelei am nachsten Morgen griffen auch die Schnellfeuerkanonen der Schiffe ein, das k. und k. Detachement machte mehrere Gefangene. Die Mohammedaner wurden dann nach Kanea gebracht. loooooool j I 1 ' 1} _ \ i°op -2po°iit ^ n \ m S. M. Schiff „Sebenico“, das voriibergehend in Kandia, dem Sitz eines k. und k. Vizekonsulates, stationierte, erhielt am 17. Marž, als es von einer Kreuzung riick- kehrte, vom rangshochsten Befehlshaber der Schiffe vor Kandia den Befehl, sofort nach Kap Dia zu steuern, wo angeblich ein griechischer Schoner Munition und Proviant fiir die Insurgenten ausschiffe. Kap Dia wurde mittags erreicht und dort tatsachlich ein Schoner gesichtet, der seine Ladung loschte; der Schiffskommandant (Fregattenkapitan von Bleg-Sambuchi) wollte ein kriegsmagig armiertes Boot ent- senden, das die Ladung des Schoners untersuchen solite, da fielen plotzlich vom Lande Schiisse gegen die „Sebenico“. Die Insurgenten wurden nun durch wohl- gezielte Schiisse der Schnellfeuerkanonen vertrieben, der Schoner, der anfangs seine Flagge nicht zeigte, in den Grund geschossen. Die seit der Ausbreitung des Aufstandes gefiihrten diplomatischen Verhand- lungen zwischen den Grogmachten brachten endlich den Admiralen die Auftrage, die griechische Eskadre von der Insel zu entfernen und die Blockade liber Kreta zu verhangen. Dem griechischen Kommandierenden wurde eine 48stiindige Frist fiir das Verlassen Kretas eingeraumt und es war dieser Befehlshaber so klug, noch vor Ablauf des Termins in See zu gehen, so dag die fiir den 21. Marž, 8 Uhr morgens, vorgesehenen Gewaltmagregeln wider die griechische Eskadre nicht zur Ausfiihrung gelangten; zur genannten Stunde trat die iiber Kreta verhangte Blockade in Kraft. Die Kiiste der Insel wurde hiefiir in Abschnitte geteilt, deren t)berwachung an die Eskadren iiberwiesen; die k. und k. Eskadre erhielt als Stationsort die Bucht von Kissamo, als Blockadegebiet diese Bucht und die Westkiiste der Insel bis Elaphonisi zugewiesen. Die schwersten Aufgaben der Blockade Kretas erwuchsen nun der k. und k. Eskadre; die Bucht von Kissamo ist bei den haufig auftretenden Nordwinden so schwerem Seegang ausgesetzt, dag sie bei den ersten Anzeichen dieses Windes verlassen werden mug; die riffige Westkiiste Kretas ist ihrerseits gegen Westwind ungeschiitzt, der auch nicht selten ist. Die k. und k. Torpedokreuzer und Torpedo- fahrzeuge hatten sonach wahrend der Blockade oft unter den Unbilden des Wetters zu leiden, doch bot ihnen der kleine Hafen von Grabusa, der in der Nahe von Kissamo liegt, einen ziemlich geschiitzten Zufluchtsort. Anderseits war die Westkiiste Kretas bei den Versuchen, die Blockade zu brechen, besonders beliebt; sie lag den Inseln Cerigo und Cerigotto nahe, ihre riffigen Ufer boten kleinen Fahrzeugen vor- treffliche Verstecke; als Umschlageplatz fiir den versuchten Schmuggel von Waffen und Munition war scheinbar der Pondiko nisi, ein unbewohnter Felskegel westlich von Grabusa, in Aussicht genommen. Die griechischen Segler brachten ihre Ladung nachts zum Pondiko nisi, von wo die tagsiiber versteckten kleinen Boote sie wieder nachts abholen sollten; die Aufmerksamkeit der blockierenden Schiffe machte aber diesen Versuchen bald ein Ende. Die Blockadekreuzungen wahrten gewohnlich zwei Tage; nur selten wurde ein Fahrzeug bei Tag gesichtet, nach dem Einbruche der Dunkelheit bekamen aber die Projektoren der blockierenden Schiffe Arbeit. Entdeckte Fahrzeuge wurden untersucht, vorgefundene Waffen mit Beschlag belegt, die Fahr- zeuge selbst nach Suda geschleppt, wo der Admiralsrat die weiteren Entscheidungen traf. S. M. Schiff „Satellit“ griff drei Tage nach Blockadebeginn den griechischen Dampfer „Hera“ auf, der an der Siidkiiste Kretas Lebensmittel fiir die Insurgenten ausgeschifft hatte; spater wurden im Blockaderayon der k. und k. Eskadre nur kleine Segelschiffe als Prisen eingebracht. Die Admirale hatten, als sich die Blockadefrage noch im Beratungszustande befand, ihren Regierungen die Mitteilung gemacht, dag fiir die Durchfiihrung der Blockade die gelandeten Mannschaften wieder an Bord genommen werden miigten; sie beantragten als Ersatz dieser Kontingente und fiir den Schutz der Kiistenstadte je 600 Mann Infanterietruppen. Seine Majestat der Kaiser und Konig verfiigte die Entsendung eines Bataillons des in Triest garnisonierenden Infanterieregimentes Nr. 87; die Einschiffung des Bataillons, dem (fiir den Signal- und Bootsdienst) ein kleines Matrosendetachement beigegeben war, fand am 25. Marž in Triest auf den Lloyd- dampfer „Elektra“ statt. „Elektra“, von S. M. Schiff „Tiger" konvoyiert, trat am selben Tage die Fahrt an und erreichte am 29. Marž die Suda-Bai; zwei Kompagnien blieben in Suda, eine wurde nach Kanea und die vierte nach Akrotiri (spater nach Izzedin) verlegt. S. M. Schiffe nahmen ihre Landungstruppen wieder an Bord. Am 30. Marž fiihrte Linienschiffskapitan von Kneigler, Stationskommandant in Kissamo, die Verproviantierung zweier Blockhauser bei Kissamo mit einem kom- binierten Landungsdetachement der Schiffe „Stephanie“, „Sebenico“ und „Rodney“ durch; als das Landungsdetachement nachmittags die dem Fort benachbarten Hauser des verlassenen Ortes Kissamo demolierte, um den Insurgenten die bereits begonnene Fiihrung von Minengraben unter das Fort unmoglich zu machen, wurde es von den Insurgenten beschossen. Dieses Feuer wurde durch das k. und k. Matrosendetachement und kriegsmagig armierte Boote, die das Ufer bewachten, abgewehrt, die Einschiffung nach beendeter Arbeit unter dem Schutze des Feuers der Schiffsgeschiitze durchgefiihrt. Am selben Tage kam auch S. M. Schiff „Blitz“ ins Gefecht; die Admirale hatten zur Verhinderung von Angriffen der Insurgenten auf das an der Einfahrt in die Suda-Bai liegende Fort Izzedin vier kleinere Schiffe (darunter „Blitz“) in die Bucht von Kalyves entsandt, der Angriff fand aber doch abends statt, er wurde iiberdies am nachsten Morgen wieder aufgenommen. „Blitz“, zu dem spater auch „ Tiger" stieg, wurde von mehreren Gewehrkugeln der Insurgenten getroffen, der Kampf am 1. April morgens durch das Eingreifen der Schiffsgeschiitze und einen Ausfall der Tiirken endgiiltig entschieden. Da die Insurgenten in Kissamo seit dem ersten Zusammenstoge mit dem Landungsdetachement alle Boote S. M. Schiffe, die sich dem Lande naherten, zu be- schiegen pflegten, und weil die Verproviantierung der hoch und abseits gelegenen Blockhauser unter den geanderten Verhaltnissen sehr schwierig, auch alle 14 Tage notwendig gewesen ware, wurde die Raumung und Zerstorung der Blockhauser verfiigt. Die Tiirken verliegen in einer dunklen Nacht unbemerkt die Blockhauser, die dann durch die Geschiitze der vor Kissamo liegenden Schiffe zerstort wurden,* um ihrer Besetzung und Verwertung durch die Insurgenten vorzubeugen. Dag die neuerliche Verproviantierung der Blockhauser in dem ungiinstigen Terrain nicht ohne ernsten Kampf abgegangen ware, bewies die am 12. April vorgenommene Ver¬ proviantierung des am Meeresufer gelegenen Forts von Kissamo, bei der die Boote S. M. Schiffes „Stephanie“ von den Insurgenten mit Schnellfeuer empfangen wurden und die Geschiitze aller anwesenden Schiffe in Aktion treten mugten. S. M. Torpedoboote „Sperber“, „Star“ und »Krahe" sollten am 14. April einen Dampfer saisieren, der innerhalb des Blockaderayons der k. und k. Eskadre zur Ausschiffung von Kriegskontrebande eingelangt war; die Boote wurden an mehreren Punkten der Kiiste von den Insurgenten lebhaft beschossen, an zwei Stellen wehrten sie die Angreifer mit der Erwiderung des Feuers aus den kleinen Schnellfeuer¬ kanonen und den Gewehren ab — es war dies das erstemal, dag osterreichisch- ungarische Torpedoboote eine kriegerische Aktion ausfiihrten. Der Dampfer wurde nicht gesichtet, doch lagen bei Agia Nikola zwei Kiistenfahrzeuge, die ihre Ladung loschten. S. M. Schiff »Tiger", das den Auftrag erhielt, die Kiistenfahrzeuge zu nehmen, konnte dies nicht ausfiihren, weil das unklare Wasser die Annaherung des Schiffes verhinderte und die Entsendung von Booten angesichts der zahlreich an- wesenden Insurgenten, die sofort. das Feuer auf »Tiger" eroffneten, nicht ratlich schien; »Tiger" mugte sich daher darauf beschriinken, die Insurgenten mit Shrapnels 73 * Siehe Tafel 18: Blockade von Kreta. 1 |OOOQPOOl zu beschiegen und die beiden Fahrzeuge mit Granaten in Brand zu schiegen. Vor den Shrapnels bekamen die Insurgenten mit der Zeit gewaltigen Rešpekt, denn gegen diese Geschosse waren sie auch in ihren zwischen den Felsen geschickt gewahlten, den Ziindergranaten wenig zuganglichen Verstecken nicht gefeit. Die am 16. April erfolgte Kriegserklarung der Tiirkei an Griechenland ver- schlechterte voriibergehend die Lage auf Kreta; die beiden Forts an der Einfahrt der Suda-Bai wurden international besetzt (von „Maria Theresia 11 hiezu ein See- offizier und 25 Matrosen), um sie gegen einen eventuellen Angriff der griechischen Flotte zu sichern. S. M. Schiff »Stephanie 11 mugte fiir den Schutz der 840 osterreichisch- ungarischen und der deutschen Staatsangehorigen nach Saloniki entsandt werden, das vom griechischen Ostgeschwader blockiert war und wo ein gegen die Europaer gerichteter Aufruhr des tiirkischen Pobels nicht ausgeschlossen schien. Die griechische Regierung entschlog sich endlich Anfang Mai, den Oberst Vassos, der zur Untatigkeit gezwungen war, und seine Truppen von Kreta ab- zuberufen; die Einschiffung dieser Truppen fand unter Aufsicht delegierter Schiffe der Blockadeflotte in Platanias und Akti auf drei gekaperten Dampfern statt, zu denen auch die vom „Satellit“ aufgebrachte „Hera“ zahlte. Wahrend der Truppen- einschiffungen, bei denen von seiten der k. und k. Eskadre S. M. Schiff „Tiger" inter- venierte, versuchte der Dampfer „Laurion“ zu entweichen; er wurde aber von „Tiger“ gejagt, eingeholt und zur Umkehr gezwungen. Die letzten Transporte griechischer Truppen verliegen Kreta am 26. Mai. Der fiir Griechenland ungliickliche Ausgang des Krieges gegen die Tiirkei drohte in Athen zu ernsten Unruhen zu fiihren, die Grogmachte detachierten daher Schiffe von Kreta nach den Hafenorten Athens (Piraus und Phaleron); Osterreich- Ungarn sandte S. M. Schiff „Stephanie“, das in Saloniki durch »Leopard 11 abgelost wurde, nach Phaleron. Die Nachricht von der Entsendung einer tiirkischen Eskadre nach Kreta, die sich spater allerdings als nicht richtig erwies, veranlagte die Admirale zu Magregeln, um die tiirkischen Schiffe im Fali ihres Erscheinens selbst mit Waffengewalt zuriick- weisen zu konnen. Dank dem korrekten, unparteiischen Auftreten der k. und k. Kriegsschiffe gestalteten sich deren Beziehungen zu den Insurgenten im Laufe des Sommers recht gut; die Insurgenten sahen ein, dag sie nichts zu befiirchten hatten, wenn sie Ruhe hielten, dag aber jeder Versuch, gegen die Verfiigungen des Admiralsrates auf- zutreten, energisch zuriickgewiesen worden war. Da zur gleichen Zeit auch derWaffen- schmuggel nur noch sehr seiten versucht ward, konnte der anstrengende Blockade- dienst S. M. Schiffe stark reduziert werden, und es gelang, einzelne tiirkische Kinder, die bei den Greuelszenen zu Anfang des Aufstandes wie durch ein Wunder verschont und am Leben geblieben waren, auf giitlichem Wege zu befreien. Die geanderten Verhaltnisse gestatteten auch eine Verringerung der Blockadeeskadre; im Juni kehrten drei Torpedoboote, im Oktober „Komet“ und vier Torpedoboote heim; im September wurde das Flaggenschiff »Maria Theresia 11 , das der Dockung bedurfte, durch das neue Turmschiff „Wien“ ersetzt, weiters schied „Stephanie“ aus dem Eskadre- verbande, nachdem »Kaiser Franz Joseph I.“ zur Eskadre gestogen war und die Station Phaleron iibernommen hatte. Die regelmagigen Blockadekreuzungen im osterreichisch-ungarischen Rayon konnten am 1. November eingestellt und durch falhveise Fahrten ersetzt werden; am selben Tage rettete S. M. Schiff »Leopard 11 eine vor Rethymno in Strandungs- gefahr geratene griechische Brigg. Es folgte nun eine weitere Reduktion der k. und k. Eskadre, indem an Stelle der einriickenden Schiffe »Blitz 11 , »Satellit 11 und „Cyclop nur das Torpedofahrzeug »Magnet 11 der Eskadre einverleibt ward. Das vertragswidrige Verhalten der tiirkischen Behorden von Mersina (Klein- asien) gegen den osterreichischen Lloydagenten fiihrte zur Entsendung S. M. Schiffe »Leopard 11 und »Satellit 11 nach Mersina, um die dortige osterreichisch-ungarische Kolonie zu beschiitzen und Genugtuung zu erlangen; als die ottomanischen Behorden Miene machten, die geforderte Satisfaktion zu verzogern, wurden auch „Wien“ und »Kaiser Franz Joseph I.“ fiir das sofortige Abgehen nach Mersina bereit gehalten, doch ward auch ohne diese weitere Pression die volle von der k. und k. Regierung geforderte Genugtuung geleistet. Die Verhandlungen der Grogmachte liber die Person des fiir Kreta zu wahlenden Generalgouverneurs gestalteten sich sehr langwierig; endlich trat Rugland mit dem Vorschlag auf, den Prinzen Georg von Griechenland an die Spitze der kretensischen Verwaltung zu stellen. Osterreich-Ungarn und das Deutsche Reich zogen daraufhin ihre Schiffe und Truppen von Kreta zuriick; die Einschiffung des Bataillons und das Auslaufen der k. und k. Eskadre bot nicht nur den europaischen Wurdentragern auf Kreta, sondern auch den ottomanischen und der ganzen tiirkischen Bevolkerung Anlag, den grogen Sympathien, die sich die k. und k. Streitkrafte errungen hatten, beredten Ausdruck zu geben. Die Eskadre und der Lloyddampfer »Aurora 11 mit dem Bataillon an Bord verliegen am 12. April 1898 die Suda-Bai, S. M. Schiff »Kaiser Franz Joseph I.“ blieb zur Wahrnehmung der Interessen der auf Kreta ansassigen osterreichischen und ungarischen Staatsangehorigen zuriick. Die Angehorigen der k. und k. Kriegsmarine hatten wieder, haufig unter den schwierigsten Verhaltnissen, ihre Pflicht voli und ganz erfiillt. S. M. Schiff »Kaiser Franz Joseph I.“ hatte vor seiner Zuteilung zur kreten¬ sischen Blockadeeskadre eine interessante Mission auszufiihren. Die Zunahme des Handelsverkehres der Monarchie mit China, dann die erhohte Aufmerksamkeit, die alle Machte nach dem Friedensschlusse von Simonoseki dem Reiche der Mitte zuzu- wenden begannen, wurde zum Anlasse, dag der k. und k. Gesandte in Tokio, der bis dahin an den Hofen von Tokio, Peking und Bangkok akkreditiert war, von der Vertretung in Peking enthoben und ein eigener Gesandter (Freiherr von Czikann) fiir China ernannt wurde. Die Installierung dieses Wiirdentragers in seinem Amte mugte der in Ostasien iiblichen Sitte gemag in besonders feierlicher Weise erfolgen, es wurde ihm daher S. M. Schiff »Kaiser Franz Joseph I.“ (Kommandant Fregatten- kapitan von Jedina) fiir die Uberfahrt zur Verfiigung gestellt; in China schlog sich S. M. Schiff »Panther 11 an, das zu jener Zeit auf der ostasiatischen Station weilte. Ein Teil der Štabe und eine Mannschaftseskorte begleitete den Gesandten von Tschifu nach Peking; unmittelbar nach beendeter Installierung des Gesandten kehrte »Kaiser Franz Joseph I.“ nach Europa zuriick. Die Verwendung der getakelten Korvetten und Kanonenboote fiir transozeanische Missionen war mangels anderer geeigneter Kreuzer von seiten der k. und k. Kriegs¬ marine viel langer beibehalten worden, wie von den anderen Staaten; die Aufgaben der Flotte im Kriegsfall erheischten aber ebensosehr wie die Vertretung der k. und k. Flagge im Auslande den Bau kleiner, schnellaufender Panzerdeckkreuzer; alle anderen Seemachte entsandten schon lange, besonders auf die ostasiatische Station, mit bestimmter Absicht nur ganz moderne Schiffe. In Beriicksichtigung dieser Umstande erwirkte die Marineleitung die Kredite fiir den Bau von drei gleichartigen Panzerdeck- kreuzern zu je 2300 Tonnen Deplacement, deren erster, »Zenta 11 , 1897 vom Stapel lief; »Aspern 11 folgte 1899, »Szigetvar 11 1900. Diese schmucken Schiffe, die sich seither wiederholt als vortreffliche Seeschiffe bewahrt haben, stellen einen sehr ge- lungenen Typ dar; ihre Maschinen (mit Yarrow-Wasserrohrkesseln) indizieren 7200 Pferdekrafte und verleihen den Schiffen 20 Seemeilen Geschwindigkeit pro Stunde; die Bestiickung, bestehend aus acht langen 12 cm Schnellfeuerkanonen, acht 4’7 cm 74 lo o o o e o o( Schnellfeuerkanonen und vier Mitrailleusen, ist vortrefflich installiert und sehr leistungs- fahig. „Zenta“, mit einer Spikerhaut ausgestattet, die das Docken des Schiffes im Ausland entbehrlich macht, erhielt anfangs auch eine Auxiliartakelage, doch wurde diese spaterhin als entbehrlich aufgelassen. Admiral Freiherr von Sterneck brachte in den Delegationen des Jahres 1897 die erste Rate fiir ein Schlachtschiff von 8300 Tonnen Deplacement ein, dem zwei gleiche Schwesterschiffe folgen sollten - die fremden Seemachte hatten den Bau groger Schlachtschiffe neuerdings sehr gefordert und so konnte auch die k. und k. Flotte nicht langer zuriickbleiben; der wichtigste Faktor fiir die Art der Ausgestaltung einer Flotte bleibt stets die rechtzeitige Beachtung dessen, was die anderen Flotten tun und lassen. Die neue Schlachtschiffsdivision war urspriinglich in der Groge der Schiffe Typ „Monarch“ geplant, dieses Deplacement lieg sich aber mit den an ein modernes Schlachtschiff gestellten Anforderungen nicht mehr in Einklang bringen, und so mugte man sich zu einer Steigerung des Tonnengehaltes verstehen, der dennoch an die Groge fremder moderner Schlachtschiffe nicht heranreichte. Freiherr von Sterneck solite die Entstehung der neuen Schlachtschiffe, des Typs „Habsburg“, nicht mehr erleben, er verschied am 5. Dezember 1897; eine Woche spater wurde Vizeadmiral Freiherr von Spaun zum Marinekommandanten und Chef der Marinesektion ernannt, der alsbald sein miihevolles, aber erfolgreiches Streben der hochst dringend gewordenen Wiederherstellung eines Kernes tauglicher Schlachtschiffe widmete. S. M. Schiff „Kaiserin und Konigin Maria Theresia" weilte wahrend des Spanisch- amerikanischen Krieges in Westindien, vorwiegend in Kingston (Jamaika), um im Bedarfsfalle fiir die osterreichischen und ungarischen Staatsangehorigen zu sorgen. Auf Ersuchen des deutschen Konsuls in Kingston, der auch die osterreichisch- ungarischen Interessen vertrat und von seinem Amtskollegen in Santiago de Cuba Nachricht von der bevorstehenden Beschiegung dieses Platzes erhalten hatte, begab sich „Maria Theresia“ zur Evakuierung der Fremden dorthin. Der Kreuzer langte am 3. Juli 1898 vor Santiago an, als gerade in grogerer Entfernung die Seeschlacht zwisehen der Eskadre Cervera und den blockierenden Amerikanern stattfand; nachdem der Schiffskommandant (Linienschiffskapitan von Ripper) mit der vereinsstaatlichen Blockadeeskadre in Kontakt getreten war, wurden 76 fremde Staatsangehorige, darunter ein Osterreicher, eingeschifft und nach Kingston iiberfiihrt. Die vierte Jahrhundertswende der Auffindung des ostlichen Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama wurde 1898 in Lissabon festlich begangen; Osterreich- Ungarn, das Deutsche Reich, Frankreich, Rugland, die Niederlande, Danemark und Schweden entsandten hiezu je ein Kriegsschiff, England eine Eskadre von sechs Turmschiffen; die Teilnahme spanischer und amerikanischer Schiffe entfiel wegen des Krieges, die Ankunft des italienischen Kreuzers wurde innerpolitischer Verhaltnisse wegen abgesagt. S. M. Schiff „Kaiser Franz Joseph I.“ (Kommandant Linienschiffs¬ kapitan von Jedina) war eines der ersten fremden Schiffe, die sich im Tajo ein- fanden. Die Festlichkeiten, die auch eine Ruderregatta und eine Flottenrevue um- fagten, wahrten vom 11. bis zum 22. Mai; aus Anlag der Flottenrevue besuchten der Konig und die Konigin von Portugal den „Kaiser Franz Joseph I.“ als das zweite Schiff, dem diese Ehre zuteil ward. Der Stapellauf S. M. Schiffes „Kaiser Karl VI.“ bereicherte die k. und k. Flotte im Jahr 1898 um einen vorziiglichen Panzerkreuzer, der bei nur 6300 Tonnen Deplace¬ ment eine kraftige Artillerie (zwei 24 cm und acht 15 cm Geschiitze, 16 kleine Schnellfeuerkanonen und 4 Mitrailleusen) und gute Panzerung (mehr als doppelt so widerstandsfahig wie der Panzer S. M. Schiffes „Maria Theresia“) verbindet. Mit Maschinen, die 12.300 Pferdekrafte indizieren, und mit Belleville-Wasserrohrkesseln ausgestattet, erreicht das Schiff, dank vortrefflicher Konstruktionslinien der Unter- wasserteile, liber 20 Seemeilen stiindliche Geschwindigkeit. Der jugendliche Kaiser Kwang sii von China hatte sich fremdenfreundlich und bestrebt gezeigt, Reformen einzufiihren, als die Kaiserin-Witwe Tsu hsi durch einen Staatsstreich die Ziigel der Regierung an sich rig (1898) und unter den Ratgebern des Kaisers aufraumte. Die Stiitze ihres Unternehmens waren die aus Mohammedanern bestehenden Truppen Tung fu siangs, eines beriichtigten Fremdenfeindes, die in der Nahe Pekings lagerten; durch die Anwesenheit dieser undisziplinierten Truppen fiihlten sich die Gesandten in Peking in ihrer personlichen Sicherheit bedroht — ver- schiedene Uberfalle, darunter auch auf die Gattin des italienischen Geschaftstragers, fanden statt, — es wurde daher der Abzug Tung fu siangs gefordert. Da die chinesische Regierung der Forderung keine Folge gab, beriefen die Gesandten der Grogmachte und Japans Detachements von ihren in Ostasien stationierten Schiffen nach Peking zum Schutze der Gesandtschaften. S. M. Schiff „Frundsberg“, das gerade in Port Arthur weilte, entsandte am 2. November 1898 unter dem Kommando des Linien- schiffsleutnants Priča zwei Seekadetten und 30 Mann, die im neuen k. und k. Gesandt- schaftshotel bequartiert wurden. Nach dem Eintreffen der Schutzdetachements in Peking horten die Uberfalle auf die Fremden auf, bald darauf wurden auch die Truppen Tung fu siangs abberufen; dies und die eingetretene Stabilitat der Regierung des Reiches der Mitte machte im Friihjahr 1899 das Auflassen der Schutzwachen tunlich, deren Abzug im Marž begann. Das k. und k. Detachement riickte am 14. April auf S. M. Schiff „Kaiserin Elisabeth 11 ein, welches mittlerweile die ostasiatische Station bezogen hatte. Die neue Schlachtschiffsdivision, fiir deren erstes Schiff noch Admiral Frei¬ herr von Sterneck den Baubeginn erwirkt hatte und deren Ausbau wahrend der Kommandofiihrung des Admirals Freiherrn von Spaun viel rascher durchgefiihrt wurde, als dies sonst bei den Schlachtschiffen der k. und k. Flotte der Fali war, umfagte die Schiffe „Habsburg", „Arpad“ und „Babenberg“, die in den Jahren 1900, 1901 und 1902 vom Stapel liefen. Auch dies sind sehr gelungene Schiffe, die sich besonders durch ihre hohe Fahrgeschwindigkeit — fast 20 Seemeilen in der Stunde - auszeichnen; sie besitzen 8340 Tonnen Deplacement, einen kraftigen Chrom- nickelstahlpanzer und eine Maschinenleistung von 15.000 indizierten Pferdekraften. Die Hauptarmierung der Schiffe besteht aus drei, fiir die Anwendung von Metall- patronen eingerichteten 24 cm Schnelladekanonen von 40 Kaliber Lange, die in Panzertiirmen (im vorderen Doppelturme zwei, im achteren Turme ein Geschiitz) installiert sind; das Gewicht eines solchen Geschiitzrohres betragt 28 Tonnen, das Richten und Laden erfolgt mittelst elektrischer Kraftiibertragung. Zwolf 15 cm Schnell¬ feuerkanonen von ebenfalls 40 Kaliber Lange sind auf zwei Decken so installiert, dag vier in der Kielrichtung nach vorne, vier in der Kielrichtung nach achter und sechs nach jeder Bordseite feuern konnen. Zwei Boots- (und Landungs-) Geschiitze, 22 kleine Schnellfeuerkanonen und vier Gewehrkaliber-Mitrailleusen vervollstandigen die artilleristische Armierung; je vier dieser Schnellfeuerkanonen und eine Mitrailleuse sind in den Gefechtsmarsen der beiden Militarmasten aufgestellt. Die drei neuen Schlachtschiffe bildeten schon im Jahr 1904 den Kern der in Dienst gestellten Eskadre. Die fremdenfeindliche Bewegung in China hatte bald nach dem Abriicken der Gesandtschafts - Schutzwachen von Peking da oder dort wieder aufzuleben begonnen; die alte Kaiserin-Witwe, Prinz Tuan, Tung fu siang, Yung lu und die Boxer — die gesamten, den Fremden abholden Elemente fingen schon im Herbst 1899 an, sich wieder auf gemeinsamen Wegen zu finden. S. M. Schiff „Zenta“, das die „Kaiserin Elisabeth" auf der ostasiatischen Station abldste, fand bei seinem Ein¬ treffen in China, Anfang 1900, schon ziemlich unklare Verhaltnisse vor; als sich 75 jo o o o o o o aber die chinesische Regierung den Anschein gab, der fremdenfeindlichen Bewegung entgegenzutreten, trat das Schiff Mitte Mai 1900 eine Kreuzung nach Japan an. Die Boxer-Unruhen nahmen dann plotzlich wieder zu, die Gesandten beriefen wieder Schutzwachen nach Peking und S. M. Schiff „Zenta“ erhielt schon am 30. Mai den telegraphischen Befehl, schleunigst nach China zuriickzukehren und ein Detachement nach Peking zu instradieren. Das Detachement der „Zenta“, Linienschiffsleutnant Kollar mit zwei Seekadetten und 30 Mann, traf schon am 3. Juni, gleichzeitig mit dem deutschen Detachement, in Peking ein; der Kommandant der „Zenta“, Fregatten- kapitan Thomann von Montalmar, begleitet vom Linienschiffsleutnant von Winterhalder, hatte sich dem Detachement angeschlossen, weil der k. und k. Geschaftstrager, Dr. von Rosthorn, eine miindliche Besprechung iiber die weiter zu treffenden Mag- nahmen wiinschte. Das Detachement gab iiber Ansuchen des Geschaftstragers einen Seekadetten mit acht Mann zur Bewachung des belgischen Gesandtschaftshotels ab, das sich in der Nahe des osterreichisch-ungarischen befand. Am Tage nach dem Eintreffen der k. und k. Schutzwache wurde die schon friiher beschadigt gewesene, seither aber instand gesetzte Bahnverbindung Pekings mit der Kiiste neuerdings unterbrochen; Fregattenkapitan von Thomann, an der Riickreise verhindert, wies den Gesamtdetailoffizier der „Zenta“, Linienschiffsleutnant von Kottowitz, telegraphisch an, ein weiteres Detachement von 70 Mann unter dem Kommando des Linienschiffsleutnants Indrak fiir einen eventuell notwendig werdenden Entsatz von Peking bereitzustellen; die Gesandten der Grogmachte richteten gleich¬ zeitig an ihre Regierungen die Bitte, den Befehlshabern der in Ostasien befindlichen Eskadren zu ahnlichen Magnahmen den Auftrag zu erteilen. Das Detachement Indrak riickte am 7. Juni in Tientsin ein, mugte aber dort bleiben, weil die Bahnverbindung mit Peking griindlich zerstort war. Ein Telegramm des englischen Gesandten an den Kommandanten des eng- lischen Geschwaders, Vizeadmiral Seymour, das am 9. Juni auf der Rhede von Taku eintraf, bezeichnete die Situation in Peking als sehr ernst; Vizeadmiral Seymour fagte daher den kiihnen Entschlug, mit allen verfiigbaren Kraften den Vormarsch gegen Peking zu unternehmen. Er sammelte, einschlieglich sibirischer Schiitzen, die aus dem nahen Port Arthur eingetroffen waren, 2067 Mann mit 7 Feldgeschiitzen; das Detachement Indrak in Tientsin stellte hiezu 25 Mann unter dem Kommando des Seekadetten Prochaska bei. Der Vormarsch wurde auf Eisenbahnziigen schon am 11. Juni begonnen, am selben Abend fand bereits der erste Zusammenstog mit den Boxern statt; die Ziige erreichten unter bestandigen Arbeiten an der Wieder- herstellung der zerstorten Bahnlinie und fortgesetzten Kampfen mit den Boxern die Station Langfang, dann mugte aber an den Riickzug gedacht werden. Zwischen Langfang und Peking standen zahlreiche regulare chinesische Truppen, die Bahn- strage im Riicken der Ziige war neuerdings zerstort, das Material fiir die Aus- besserung der Strecke und der Proviant gingen aus, Tientsin war bedroht und am 18. Juni wurden die Ziige zum erstenmal von regularem chinesischen Militar angegriffen! Vizeadmiral Seymour trat den Riickmarsch am 19. Juni an; unter be¬ standigen Kampfen erreichten die internationalen Truppen am 22. Juni das befestigte Arsenal Hsiku, aus dem sie beschossen wurden und das daher erstiirmt werden mugte; das k. und k. Detachement hatte bei diesem Anlag einen Toten zu beklagen. Die Kolonne Seymour, deren Verlustziffer 62 Tote und 228 Verwundete erreichte, blieb dann im Arsenale, bis sie am 25. Juni von einer Entsatzkolonne, die aus Tientsin anriickte, abgeholt wurde. Wenngleich die Expedition Seymour ihren Zweck nicht erreicht hatte, so bot sie doch allen Beteiligten Gelegenheit, eine bewunderns- werte Tapferkeit an den Tag zu legen; auch das kleine k. und k. Detachement fand wiederholt Gelegenheit, sich auszuzeichnen, die Anerkennungsschreiben, die Vize¬ admiral Seymour an den Kommandanten der „Zenta“ und an den Detachements- kommandanten richtete, waren durch getreue Pflichterfiillung und groge Tapferkeit verdient. Wahrend sich die Kolonne Seymour auf dem Wege befand, bereiteten die Chinesen die an der Miindung des Peiho gelegenen Taku-Forts vor, um weitere Landungen zu verwehren, sie standen auch schon im Begriffe, Truppen an die Flug- miindung vorzuschieben. Die Befehlshaber der vor Taku ankernden Schiffe besetzten daher den Bahnhof von Tongku, der Endstation der Bahn, mit 440 Mann, zu denen ein Detachement der „Zenta“ (Linienschiffsfahnrich Stenner, ein Seekadett und 20 Mann) zahlte; sie forderten auch die Ubergabe der Taku-Forts. Kurz vor Ablauf des hiefiir gestellten Ultimatums eroffneten die Chinesen (in der Nacht des 17. Juni) das Feuer gegen die kleinen Kanonenboote, die im Peiho vor Anker lagen, und gegen die fremden Truppen, die den Bahnhof besetzt hielten. Die grogen Schiffe der Machte konnten wegen des auf bedeutende Entfernung sehr seicht verlaufenden Ufers nicht auf Schugdistanz an die Kiiste heran. Die Kanonenboote erwiderten kraftigst das Feuer, sie brachten das Nordwestfort zum Schweigen, das dann durch die inter¬ nationalen Truppen gestiirmt wurde; diese wandten sich hierauf im Feuer der chinesischen Geschutze gegen das Nordfort, das ebenfalls im Sturme genommen ward. Linienschiffsfahnrich Stenner lieg im Nordfort ein Geschiitz, das gegen das noch unbezwungene Siidfort feuern konnte, von seinen Leuten und deutschen Matrosen bereitstellen, er richtete es selbst und traf schon mit dem ersten Schug ein Munitions- depot, das in die Luft flog; nachdem das Geschiitz noch einige Treffer erzielt hatte, fliichtete die Besatzung des Siidforts. Das kleine k. und k. Detachement, das in den ersten Reihen focht und stiirmte, hatte gleichwohl keine Verluste erlitten; die Kanonen¬ boote waren aber durch das Feuer der Forts zum Teile sehr beschadigt worden. Fiir die Verteidigung der ausgedehnten Stadt Tientsin standen den Alliierten anfangs nur 2000 Mann zur Verfiigung, zu denen das Detachement Indrak zahlte; diesen Verteidigern erwuchsen alsbald groge und anstrengende Aufgaben, denn die Angriffe der Boxer begannen schon in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni. Die erste grogere Aktion der Alliierten bestand in der Erstiirmung der Militarschule, die iiber Anregung des Linienschiffsleutnants Indrak am 17. Juni stattfand; wahrend der Ei stiirmung zeichnete sich das k. und k. Detachement durch groge Tapferkeit aus, den Chinesen ward ein Stiitzpunkt entrissen, der die Fremdenniederlassung sehr bedrohte. Es folgte dann eine Reihe heiger Kampfe; die Matrosendetachements, die erst nach dem Eintreffen der Verstarkung durch Feldtruppen in eine Reservestellung zuriickgezogen werden konnten, hielten sich aber immer ganz ausgezeichnet. Bei dem Sturme auf die mauerunrvvallte, vortrefflich befestigte und verteidigte City von Tientsin war auch (13. Juli) das Detachement Indrak beteiligt; wenngleich dessen Zahl (45 Mann) unter den 6000 Angreifern verschvvindend war, tat es sich doch neuerdings durch besondere Bravour hervor — es hielt einen der gefahrdetsten Punkte durch 18 Stunden. Der endgiiltige Sturm auf die City am Morgen des 14. Juli beendete die durch 26 Tage andauernde Belagerung und Beschiegung der Stadt, die dann ganz in den Hiinden der Alliierten war. Die Besatzung Tientsins wurde durch bestandige Nachschiibe an Truppen vermehrt, sie zahlte am 23. Juli schon iiber 16.000 Mann. Die k. und k. Regierung beschrankte sich mit Rticksicht auf den Umfang der osterreichischen und ungarischen Interessen in China auf eine Vermehrung der Schiffe in den chinesischen Gewassern; S. M. Schiff „Kaiserin und Konigin Maria Theresia" passierte schon am 3. Juli den Suez-Kanal, die Kreuzer „Kaiserin Elisabeth 11 und „Aspern“ folgten am 24. Juli nach; Kontreadmiral Graf. Montecuccoli wurde zum Kommandanten der Eskadre in Ostasien ernannt, er fiihrte wahrend der Ausreise seine Kommandoflagge auf „Kaiserin Elisabeth 11 . 76 |ooo o o o o| Die Fremden in Peking waren mittlerweile in eine sehr bedrangte Situation gekommen; Boxer wurden eingelassen, die Kaiserin-Witwe sprach sich in einem Kronrat offen fiir die Vertreibung der Fremden aus dem Reich aus und die Truppen Tung fu siangs riickten in Peking ein. Es folgte nun Schlag auf Schlag; am 11. Juni wurde der Sekretar der japanischen Gesandtschaft ermordet, am 13. abends waren die osterreichisch-ungarische und die italienische Schutzwache gezwungen, brand- legende Boxerhorden mit Gewehrfeuer abzuweisen; das Niederbrennen der augerhalb des Legationsviertels befindlichen Hauser der Fremden kam an die Tagesordnung. Angesichts der bedrohlichen Lage hatte Fregattenkapitan von Thomann, dessen Riickkehr an Bord durch die Zerstorung der Eisenbahn unmoglich geworden war, das Kommando des Detachements personlich iibernommen, der sehr exponiert liegende Komplex der k. und k. Gesandtschaft wurde nach Tunlichkeit verteidigungsfahig gemacht. Ein Angriff der Boxer auf die belgische Gesandtschaft (14. Juni) wurde durch das kleine k. und k. Detachement abgewiesen, doch verlieg der belgische Gesandte bald darauf sein ziemlich weit vom Legationsviertel gelegenes Haus, um in die k. und k. Gesandtschaft zu iibersiedeln; am 20. Juni wurde der deutsche Gesandte ermordet. Die chinesische Regierung fagte die Forderung der Admirale auf Ubergabe der Taku-Forts als casus belli auf und verlangte den Abzug der Gesandten und sonstigen Fremden binnen 24 Stunden unter chinesischer Eskorte; diesem Verlangen wurde zugestimmt, die Bewohner der k. und k. Gesandtschaft zogen daher am Nachmittag des 20. Juni zur franzosischen Gesandtschaft, wo der Zug formiert werden solite, erfuhren aber dort, dag die iibrigen Gesandten das Verbleiben in Peking beschlossen hatten. Die Wiederbesetzung der osterreichisch-ungarischen Gesandtschaft erwies sich als nicht mehr mdglich, denn der Versuch hiezu wurde durch das heftige Gewehrfeuer der Tung fu siang-Soldaten, die zu offener Feind- seligkeit tibergingen, vereitelt; das k. und k. Detachement zog sich, wie schon vorher fiir den Fali offener Feindseligkeiten bestimmt, von der eigenen, nicht verteidigungs- fahigen, in die franzosische Gesandtschaft zuriick, wo es bis zu dem am 14. August erfolgten Entsatze Pekings verblieb. Mit wahrem Heldenmute verteidigte eine Hand- voll Menschen den Kern des Legationsviertels; nur ihrer Energie, Kaltbliitigkeit und augerordentlichen Tapferkeit war es zu danken, dag die Angriffe der ungeheueren chinesischen Ubermacht nicht mit der Niedermetzelung aller Fremden und ihrer Schiitzlinge, der Chinesen christlichen Glaubens, geendet haben. Das k. und k. Detachement focht mit den Franzosen an der gefahrdetsten Front, mit Ergriffenheit und Bewunderung liest man die Darstellung (Linienschiffsleutnant von Winterhalder, »Kampfe in China“) der Tatigkeit und Schicksale der kleinen Schar, die der ruhm- reichen k. und k. Flagge neue Ehren errungen hat. Von den drei Seeoffizieren, zwei Seekadetten und 30 Mann waren leider Fregattenkapitan von Thomann und drei Mann gefallen und elf (darunter Seekadett Freiherr von Boyneburg schwer) verwundet. Die fiir den Entsatz Pekings bestimmten Truppen hatten ihren Vormarsch im geeigneten Augenblick so beschleunigt, dag die von „Maria Theresia“ gelandete Kompagnie zu dem historisch interessanten Augenblicke nicht mehr zurechtkam; am 18. August riickte ein Seekadett mit 27 Mann von der „Zenta“ in Peking ein, zwei Tage spater folgte das Detachement der »Maria Theresia" (Linienschiffsleutnant Wickerhauser mit 125 Mann), das auf dem Wege nach Peking groge Miihsale zu bewaltigen hatte und in Tientsin eine Hauptetappe errichtete. Das erste „Zenta“- Detachement, das die ganze Belagerung mitgemacht hatte, marschierte am 1. September von Peking ab, um auf „Zenta“ einzuriicken. Die Etappenmannschaft in Tientsin nahm am 19. August an einer grogeren Streifung teil, die zur Vertreibung von Boxern und chinesischem Militar ausgefiihrt wurde, das Pekinger Detachement an einer Streifung gegen Badatschu. Kontreadmiral Graf Montecuccoli traf mit »Kaiserin Elisabeth“ und „Aspern“ schon am 7. September auf der Rhede von Taku ein, wo er seine Kommandoflagge auf »Maria Theresia" higte;* am 9. September wurde das fiir Peking bestimmte Landungskorps (202 Mann und zwei Feldgeschiitze unter dem Kommando des Linien- schiffsleutnants Gassenmayr) ausgeschifft, so dag nach Einziehung eines Teiles der bereits von den beiden friiher anwesenden Schiffen ausgeschifften Detachements 382 Mann dauernd gelandet blieben. Die Gesamtstarke der verbiindeten Truppen betrug zu jener Zeit 62.000 Mann. Damit Osterreich-Ungarn in der Konferenz der kommandierenden Offiziere Pekings auch durch einen hoheren Offizier vertreten sei, wurde das Kommando des gelandeten k. und k. Kontingents dem Linienschiffskapitan Bleg von Sambucchi iibertragen. Der russische General Stackelberg unternahm vom 19. auf den 20. September einen Angriff auf die in der Nahe von Taku gelegenen, von 5000 Chinesen besetzten Peitang-Forts, von dem er nur das k. und k. Detachement in Tientsin, die Deutschen und Franzosen rechtzeitig verstandigt hatte; Linienschiffsleutnant Schusterschitz, Etappenkommandant in Tientsin, schlog sich mit 28 Mann der Expedition an, die der vielen ausgelegten Landminen wegen grogen Schwierigkeiten begegnete. Die Forts wurden vormittags im Sturme genommen, das kleine Detachement Schusterschitz drang an der Spitze der Stiirmenden in das Fort Nr. I. Kontreadmiral Graf Montecuccoli lieg in den Morgenstunden noch rasch eine 55 Mann starke Abteilung von den Schiffen »Maria Theresia" und »Aspern" ausschiffen, damit diese die bei Peitang engagierte unterstiitzen konneper begab sich auch personlich auf den Kampfplatz. Das gelandete Detachement stieg auf dem Marsche leider auf Tretminen, von denen vier aufflogen; Seekadett Pap wurde getotet, 15 Mann waren schwer, der Detachements- kommandant und ein Seekadett leicht verwundet. Kurze Zeit nach der Erstiirmung der Peitang-Forts wurden Tschingwantao und Schanhaikwan als Winterhafen international besetzt, die Eskadren liegen den Winter liber nur je ein Stationsschiff dort und verliegen die Rhede von Taku, die zuzufrieren pflegt; als auch in den Winterhafen das Eistreiben begann, waren die Stationsschiffe gezwungen, in Weihaiwei oder in Tschifu zu ankern. Die iibrigen Eskadreschiffe besuchten Japan, Schanghai und den Yangtse-Flug; S. M. Schiff „Zenta“ begab sich fiir kurze Zeit nach Siam, um bei der feierlichen Antrittsaudienz des fiir die Hofe von Tokio und Bangkok neuernannten k. und k. Gesandten Freiherrn von Ambro anwesend zu sein. Dem k. und k. Detachement in Peking wurde Anfang November eine selb- standige Aufgabe zugewiesen; Linienschiffsleutnant Seitz unternahm mit 130 Mann des Detachements und mit 20 deutschen Reitern eine Streifung nach Tsaulintsun, das die benachbarten Ortschaften wiederholt durch rauberische Uberfalle belastigt hatte. Die Truppen umstellten den Ort, die Verdachtigen wurden ausgehoben, drei Boxerfiihrer hingerichtet und 28 minder Schuldige bestraft. An der Expedition gegen die an der chinesischen Mauer gelegene Stadt Kalgan, bei der sich eine grogere Zahl von Boxern und chinesischen Soldaten aufhielt, nahm unter deutschem Oberkommando ein 1300 Mann zahlender Truppenkorper (Deutsche, Italiener und Linienschiffsleutnant Seitz mit einer 110 Mann starken Matrosen- kompagnie) in der Zeit vom 12. November bis zum 4. Dezember teil; die chinesischen Truppen zogen sich iiberall fluchtartig zuriick, es fanden nur kleine Zusammenstoge statt; von drei zuriickgelassenen Geschiitzen wurde eines dem k. und k. Detachement als Beute zugesprochen. In spaterer Zeit entsandte das Pekinger Detachement nur noch dreimal kleine Abteilungen zu Rekognoszierungen. Am 11. Februar wurde das osterreichisch- ungarische Settlement in Tientsin in Besitz genommen. 77 * Siehe Tafel 19: Die k. und k. Eskadre in Ostasien. Da die Dauer des Aufenthaltes der k. und k. Eskadre in Ostasien zu Beginn des Jahres noch nicht begrenzt werden konnte, trafen die auf Missionsreisen befind- lichen Schiffe „Leopard“ (in Tschemulpo) und „Donau“ (in Nagasaki) bei der Eskadre ein, um einen Teil der Štabe und Mannschaften zu wechseln. Als die chinesische Regierung die verlangte Satisfaktion und Kriegsentschadigung geleistet, beziehungsweise zugesichert hatte, begann die Zuriickziehung der fremden Truppen und Eskadren; der k. und k. Eskadrekommandant und S. M. Schiffe »Kaiserin Elisabeth 11 und „Zenta“ erhielten am 22. Juni 1901 den Einberufungsbefehl. Das osterreichisch-ungarische Detachement in Schanhaikwan wurde nunmehr eingezogen, die neuerbaute k. und k. Gesandtschaft mit Landungsgeschiitzen und Gewehr- mitrailleusen armiert; das Pekinger Detachement sowie S. M. Schiffe „Maria Theresia 11 und „Aspern“ blieben zuriick. Die hervorragenden Leistungen der k. und k. Kriegsmarine wahrend der Kampfe in China gehoren der Geschichte des Vaterlandes an; sie wurden durch den Aller- hochsten Kriegsherrn wiederholt huldvollst anerkannt, so durch die Verleihung von Dekorationen an den Eskadrekommandanten, dann an jene Seeoffiziere, Seekadetten und Mannschaften, die sich besonders hervorgetan hatten, und auch durch eine an den Eskadrekommandanten gerichtete Depesche mit folgendem Wortlaut: »Anlaglich der Riickkehr Meiner Schiffe .Kaiserin Elisabeth 1 und ,Zenta‘ in die heimatlichen Gewasser fiihle Ich Mich mit Freuden bewogen, Ihnen, den Schiffskommandanten und den Štaben sowie der Mannschaft Meiner Eskadre in Ostasien fiir die in schwierigen, ungewohnten Verhaltnissen aufopferungsvoll und erfolgreich geleisteten Dienste Meinen warmsten Dank mit dem herzlichen Wunsch einer glucklichen Heim- kehr auszusprechen. Franz Joseph.“ Seine Majestat geruhte spater, fiir die Gefallenen (Fregattenkapitan von Thomann, Seekadett Pap und fiinf Mann) und die den Be- schwerden Erlegenen (Seekadett Mayer und fiinf Mann) eine Gedenktafel in der Marinepfarrkirche in Pola aufstellen zu lassen. Von den mitgebrachten Kriegstrophaen befinden sich zwei Prachtstiicke im kunsthistorischen Hofmuseum, die Waffen, Geschiitze und Banner sind im Marine- museum des Seearsenals aufbewahrt. Die Abwesenheit der Eskadre in Ostasien bedingte, der damals noch ganzlich unzureichenden Standesverhaltnisse der Mannschaft wegen, im Sommer 1901 wenig umfangreiche Indienststellungen ;* im folgenden Jahre wurde aber eine stattlichere Ubungsflotte zusammengestellt, deren Kommando der Kontreadmiral von Ripper fiihrte. Als Schlugmandver fand die Ausschiffung von Truppen, die in Triest von Lloyddampfern an Bord genommen worden waren, in der Nahe von Pola statt; Seine Majestat der Kaiser und Konig wohnte diesen Ausschiffungen bei, die unter dem Schutze der 1. und 2. Division der Eskadre („Monarch“, „Wien“, »Budapest 11 ,** dann „Tiger“, „Panther“, „Leopard“) erfolgten. Die der Eskadre angehorende Torpedo- flottille („Kaiser Franz Joseph I.“, „Magnet“, „Satellit“, vier Hochseetorpedoboote, neun Torpedoboote 1. Klasse und drei Torpedoboote 2. Klasse), fiir die Dauer der Schlug¬ mandver detachiert, verteidigte die Kiiste und fiihrte in der Nacht vor der Landung einen Angriff auf die Schlachtschiffe aus. Seine Majestat zeichnete hierauf die Kriegs¬ marine durch die Ernennung des Erzherzogs Franz Ferdinand zum Admiral und durch einen Flottenbefehl aus, der neuerlich Zeugnis gab von der Allerhdchsten Huld und Gnade fiir die Wehrmacht zur See: „Seit Ich zuletzt bei Meiner Flotte an der heimatlichen Kiiste weilte, wurden Teile meiner Kriegsmarine durch besondere Ereignisse im Mittelmeer und spater in Ostasien zur Mitwirkung an internationalen Aktionen berufen. Wie Ich und mit Mir das Vaterland es erwartete, gab die Kriegsmarine neue Beweise ihrer Tiichtigkeit und jener zahen Ausdauer, welche sie auch die schwersten Proben ihrer Berufstreue * Siehe Tafel 20: Torpedofahrzeug „Magnet“ und Torpedoboot „Viper“; ** Tafel 21: Kaisermanover. fl freudig bestehen lagt. Es war Mir ein liebgewordenes Bediirfnis, Meiner Kriegs¬ marine nach einem langeren, sehr inhaltsreich gestalteten Zeitabschnitte nahe zu sein; dasselbe fand eine Mich hochbefriedigende Erfiillung anlaglich der eben an der istrianischen Kiiste durchgefiihrten Ubungen, welche eine gemeinsame Aktion von Land- und Seestreitkraften zur augerst lehrreichen Darstellung brachten. Allen beteiligten Štaben, Kommandanten, Offizieren und Mannschaften sowohl der Kriegs¬ marine als des Heeres und der Landwehr spreche Ich fiir die griindliche Anlage, Vorbereitung und Durchfiihrung dieser Ubungen sowie fiir die betatigten gediegenen Leistungen in allen Ausbildungszweigen Meine vollste Anerkennung aus. Gerne will Ich noch hervorheben, dag Ich in dem innigen Zusammenwirken und in dem echten Kameradschaftssinne, der alle beseelte, die Gewahr sehe, dag Meine Kriegsmarine, mit der Landmacht fest geeint, die heimatliche Kiiste — solite dies jemals notig werden — erfolgreich schiitzen werde. Franz Joseph.“ Die eingeleitete Regenerierung der Schlachtschiffe nahm ihren langsamen, doch stetigen Fortgang; sie war dringend geboten, weil es nicht mehr anging, die alten Kasemattschiffe, die schon seit Jahren unfahig waren, einen Kampf gegen die hochentwickelte Artillerie der neueren Schlachtschiffstypen wagen zu konnen, noch langer in den Reihen der operativen Flotte zu belassen. Schiffe, die nicht - wenigstens annahernd — auf der Hohe der Zeit stehen, bilden einen Hemmschuh fiir die Aktion ihrer modernen Kameraden, sie vermogen deren Offensivkraft nur in nachteiliger Weise zu beeinflussen, was jenen, die nicht daran glauben wollten, durch die See- schlacht bei Tsuschima klar vor die Augen geriickt worden ist. So verschwanden nun die alten Kasemattschiffe „Erzherzog Albrecht 11 , „Custoza“ und die „Kaiser Max“- Klasse aus den Reihen unserer operativen Flotte, in denen sie aus Mangel besseren Materials iiber ihre eigentliche Lebensdauer erhalten worden waren; sie wurden teils fiir Zwecke der lokalen Verteidigung, teils — als Hulks — fiir untergeordnete Zwecke der Flotte bestimmt. S. M. Schiff »Habsburg 11 trat Ende 1902 zum erstenmal in Dienst, „Arpad“ folgte nach einigen Monaten, „Babenberg“ 1904 in den Verband der Eskadre. Gleich diesen Schiffen war auch die nachste neue Schlachtschiffsdivision, die „Erzherzog“-Klasse, keineswegs eine Vermehrung der Flotte, sondern nur Ersatz fiir die kondemnierten Schiffe; die Vergrogerung des Tonnengehaltes, der vermehrte Panzerschutz und die verstarkte artilleristische Armierung der Schlachtschiffe der anderen Seemachte wurde beim Entwurfe der Plane der „Erzherzog“-Klasse — soweit sich dies mit dem kleinen Marinebudget in Einklang bringen lieg — in Riicksicht gezogen. »Erzherzog Karl“ lief 1903, »Erzherzog Friedrich “ 1904 und »Erzherzog Ferdinand Max“ 1905 vom Stapel; nach ihrer Fertigstellung traten diese Schiffe - »Erzherzog Ferdinand Max“ als letztes am 1. Janner 1908 - in den Verband der Eskadre, an Stelle der Schiffe der »Habsburg 11 -Klasse, die vorlaufig in die 1. Reserve versetzt wurden. Da die »Erzherzog 11 -Klasse zur Zeit unsere neuesten, fertiggestellten Schlacht¬ schiffe darstellt, ihr gesamtes Bau- und Ausriistungsmaterial aus dem Inlande stammt und ihr Bau auf heimatlicher Werfte - Stabilimento tecnico in Triest - ausgefiihrt wurde, diirfte die Anftihrung einiger Konstruktionsdetails um so mehr am Platze sein, als diesen das komplizierte Gefiige des modernen Panzerschiffes zu entnehmen ist. Die Schiffe der »Erzherzog 11 -Klasse haben ein Deplacement von 10.600 Tonnen, 118‘5 m Lange, eine grogte Breite von 21'7 m und einen mittleren Tiefgang von 7'5 m; das Baumaterial, Siemens-Martin-Stahl zaher Gattung, stammt aus oster- reichischen und ungarischen Stahl- und Eisenwerken. Die Schwimmfahigkeit der Schiffe wird durch.einen iiber 78 m langen Doppelboden, durch zahlreiche wasser- dichte Langs- und Querschotte so gehoben, dag sie auch bei grogeren Beschadigungen 78 des Schiffsbodens erhalten bleibt; die Wasserlinie wird gegen Geschogtreffer durch einen 210 mm dicken Giirtelpanzer geschiitzt, das unter der Wasserlinie angebrachte Panzerdeck hat 80 mm Dicke. Vorne und achter erheben sich iiber den Giirtelpanzer die gepanzerten Schachte der beiden fiir die Hauptgeschiitze bestimmten Drehtiirme; der mittlere Schiffsteil tragt liber dem Giirtelpanzer eine gepanzerte Kasematte mit acht Reduits fiir mittlere Geschiitze, es befinden sich endlich auf dem Oberdeck auch vier Einzeltiirme fiir mittlere Geschiitze. Das Gesamtgewicht des Panzers, der bei den Tiirmen der schweren Geschiitze am starksten ist, betragt allein 2922 Tonnen; er besteht der Hauptsache nach aus zementiertem Nickelchromstahl, sonst aus hoch- perzentigem Nickelstahl. Die beiden Gefechtsmasten sind mit Geschiitzmarsen und Plattformen ausgestattet, die 14 Boote auf Bootsbriicken installiert; das schwerste Boot, eine groge Dampfbarkasse (Vedettenboot) mit vortrefflichen See-Eigenschaften, wiegt 20 Tonnen.^ Das Steuerruder, durch eine eigene Steuermaschine bewegt, hat eine Seitenflache von 24 m 2 ; jeder der beiden Anker wiegt 5800 kg, die Drainage- anlage vermag bei Beniitzung aller Pumpen 2250 Tonnen Wasser stiindlich iiber Bord zu schaffen, die Kohlendepots fassen 1315 Tonnen Kohle. Diese Schiffe werden durch zwei vertikale, vierzylindrige Maschinen mit drei- stufiger Expansion, die je einen dreifliigeligen Propeller von 5 m Durchmesser drehen, fortbewegt. Die Maschinen indizieren 18.000 Pferdekrafte, sie erteilen bei dieser Arbeitsleistung den Schiffen eine Geschwindigkeit von etwas iiber 20 Seemeilen in der Stunde. Der Dampf wird in zwolf Yarrow-Kesseln erzeugt, die eine Einrichtung fiir kiinstlichen Zug besitzen und zu je vier in drei wasserdichten Abteilungen installiert sind; die fiir die Erganzung des Kesselspeisewassers und des Trinkwassers bestimmte Destillieranlage vermag in einem Tage 120 Tonnen Siigwasser zu erzeugen. Welche groge Wichtigkeit und welchen Umfang die Verwendung von Hilfsmaschinen auf modernen Schiffen erreicht hat, ist am besten der Tatsache zu entnehmen, dag auf „Erzherzog Karl“ und seinen Schwesterschiffen je 87 selbstandige Hilfsmaschinen mit 146 Dampfzylindern installiert sind. Die Artillerieausriistung der „Erzherzog“-Klasse mug mit Riicksicht auf den relativ kleinen Tonnengehalt dieser Schiffe als sehr stark bezeichnet werden. Die Hauptarmierung besteht aus vier, fiir die Anwendung von Metallpatronen eingerich- teten 24 cm Schnelladegeschiitzen von 40 Kaliber Lange, die in den Skoda-Werken (Pilsen) erzeugt wurden, in zwei Panzertiirmen installiert sind und en barbette feuern; das Gewicht eines dieser Geschiitzrohre betragt 28 Tonnen. Die Miindungsgeschwindig- keit des 215 kg schweren Geschosses ist 725 m, womit eine totale Energie von 5650 Metertonnen und ein Durchschlagsvermogen von 400 mm des besten geharteten Chromnickelstahles erreicht wird; die Tragweite des Geschosses ist - bei der grogten Elevation des Rohres — 16 Kilometer. Das Drehen der schweren Geschiitze und das Zufiihren ihrer Ladung erfolgt mit elektrischer Kraftiibertragung. Beigeschiitze sind zwolf 19 cm Schnelladekanonen von 42 Kaliber Lange (System Skoda-Werke), von denen sich vier in Tiirmen und acht in gepanzerten Erkern auf zwei Decken befinden; jedes solche Geschiitz vermag in zwei Minuten neun gezielte Schiisse ab- zugeben. An sonstigen Geschiitzen sind vorhanden: zwei stahlerne 7 cm Geschiitze in Rohrriicklauflafette (Konstruktion Skoda-Werke), die als Landungsgeschiitze verwendet werden, zwolf 7 cm Schnellfeuergeschiitze von 45 Kaliber Lange, sechs 47 mm Schnellfeuerkanonen, vier 37 mm und vier Gev/ehrkalibermitrailleusen. Mit ihren 44 Geschiitzen nahert sich die „Erzherzog“-Klasse der Kanonenzahl der alten Segel- linienschiffe. Es sei noch angefiihrt, dag diese Schiffe mit zwei Unterwasser-Lancierapparaten fiir 5 m lange Whitehead-Torpedos ausgeriistet sind und dag ihre Innenbord-Beleuchtung durch etwa 700 Gliihlampen erfolgt; sie besitzen weiters fiir die Beleuchtung des a Augenfeldes — vorwiegend fiir das Beleuchten angreifender Torpedoboote — sieben Bogenlichter von je 25.000 Kerzen Lichtstarke in 90 cm Projektoren und auch ihre Dampfbarkassen sind mit kleinen Lichtmaschinen ausgestattet, die Bogenlichter von 4000 Kerzen Starke speisen. Die Projektoren der Dampfboote erweisen sich beim Rundendienste, bei der Uberwachung von Hafensperren und bei nachtlichen Boots- expeditionen oft von grogem Nutzen. Der Stapellauf S. M. Schiffes „Sankt Georg" * (1903) brachte die k. und k. Flotte in den Besitz eines vortrefflichen Panzerkreuzers, der seinen Vorganger, „Kaiser Karl VI.“, an Groge (7300 gegen 6300 Tonnen Deplacement) und Starke der Armierung iiberragt. Da die Fortschritte der anderen Flotten eine Erhohung des Kalibers der Beigeschiitze auch auf den Panzerkreuzern anstreben, besitzt „ Sankt Georg" auger den beiden, im vorderen Geschiitzturm installierten 24 cm Schnelladegeschiitzen noch fiinf 19 cm Schnelladegeschiitze, von denen eines im achteren Geschiitzturm unter- gebracht ist und je zwei an jeder Bordseite in gepanzerten Kasematten stehen. „Sankt Georg", iiberdies noch mit vier 15 cm Schnelladegeschiitzen, 25 Schnell¬ feuerkanonen kleinen Kalibers und Mitrailleusen bestiickt, braucht daher, und auch seines guten Panzerschutzes wegen, selbst den Kampf mit kleinen Schlachtschiffen nicht zu scheuen. Zur Zeit der Fertigstellung dieses Schiffes horten die alten Korvetten und Kanonenboote auf, mit ihren schmucken Takelagen die Romantik der Segelschiff- fahrt in der k. und k. Kriegsmarine zu reprasentieren. Einst als vollwertige Kreuzer** dienend, wurden sie in den achtziger Jahren zum Missionsdienst und fiir Schulzwecke herangezogen - fiir Missionsreisen der geringeren Kosten wegen, denn sie konnten die grogen Traversaden unter Segeln zuriicklegen, und auch mangels moderner Kreuzer; ab 1900 blieb ihre Verwendung auf Schulzwecke (fiir die Deckmannschaft, die Zoglinge der Marineakademie und die Schiffsjungen) reduziert, dann verschwanden sie und die Segeltakelagen aus unserer Flotte. An Bord dieser Schiffe wurden aller- dings tiichtige Seeleute herangebildet, die Fortschritte der Waffen-, Schiffbau- und Maschinenbautechnik stellen aber heute so groge Anforderungen an das Wissen der Offiziere und Mannschaften, dag man mit Bedauern daran schreiten mugte, die vor- treffliche Schule der Seemannschaft auf getakelten Schiffen aufzulassen, um Zeit fiir die sonstige Ausbildungstatigkeit zu gewinnen. Es werden aber noch immer die kleinen Segeljachten „Lily“, „Sen“, „Sophie“, „Musme“, „Ajax I" und „Ajax II" der Eskadre, Reserveeskadre und den Schulen zugeteilt, um den Seeoffizieren, See- kadetten und Mannschaften teihveisen Ersatz fiir die ehemaligen Segelkreuzungen der Schiffe zu bieten. Mit diesen „Beibooten“ beteiligt sich die Kriegsmarine auch an den alljahrlich stattfindenden Regatten des k. und k. Jachtgeschwaders. Die Korvetten und Kanonenboote sind zwar samtlich aus der Flottenliste ge- strichen worden, die Kriegsmarine ist aber bis heute noch nicht im Besitze des vollzahligen Ersatzes an modernen Kreuzern. Die Donau-Flottille erfuhr im Jahr 1904 eine Verstarkung durch den Stapel¬ lauf der Monitore „Bodrog“ und „Temes“ (zwei 12 cm Geschiitze, eine 12 cm Haubitze fiir das Uberschiegen von Deckungen und Uferboschungen, drei Mitrailleusen), dann 1906 durch die Fertigstellung des Patrouillenbootes „b“, das Explosionsmotoren erhielt. Vorgreifend sei bemerkt, dag die Zahl der Patrouillenboote 1908 durch die in England erbauten Boote „e“ und „f“, dann durch die auf heimatlicher Werfte (Linz) erbauten Boote „c“ und „d“ auf die Zahl 6 gebracht wurde. Admiral Freiherr von Spaun zog sich im Oktober 1904 in den Ruhestand zuriick; Seine Majestat der Kaiser und Konig, der am 5. Oktober 1904 den Vize- admiral Rudolf Graf Montecuccoli zum Marinekommandanten und Chef des Reichs- kriegsministeriums, Marinesektion, ernannte, geruhte die grogen Verdienste des 79 • Siehe Tafel 24: Die Kreuzer „Sankt Georg“ und »Kaiser Karl VI.“ Tafel 22: Kreuzer „Szigetvžtr“ und Korvette „Saida“. jo O O O O O ol scheidenden Marinekommandanten durch den Befehl, es sei eines der nachst zu erbauenden Schiffe nach diesem zu nennen, huldvollst anzuerkennen. Der Russisch-japanische Krieg, der Anfang 1904 ausbrach, band nicht nur S. M. Schiff „Aspern“, das sich auf der ostasiatischen Station befand, an die chinesi- schen Gewasser, es wurde auch im Friihjahr 1904 - die Haltung Chinas war dazumal noch nicht mit voller Sicherheit zu bestimmen - S. M. Schiff „Kaiserin Elisabeth 11 , das auf der Ausreise nach Australien begriffen war, fiir den Schutz der osterreichischen und ungarischen Staatsangehorigen und der Interessen der Monarchie nach China entsandt. Nach mehrmonatlichem Aufenthalte beider Schiffe in China, dessen Neu- tralitat und innere Ruhe erhalten blieb, kehrte „Aspern“ in die Heimat zuriick. Die Ereignisse dieses grogen Krieges, der die ausschlaggebende Wichtigkeit der Meeresbeherrschung und die Niitzlichkeit der Flottenriistungen auch fiir den Laien klar verstandlich machte, wurden in der k. und k. Kriegsmarine mit grogem Interesse verfolgt. Man konnte mit Genugtuung konstatieren, dag die dem See- minenwesen in unserer Marine schon lange Jahre vorher zugewandte Ftirsorge sehr am Platze war, und man hatte bei uns schon friiher so manche Grundsatze aufgestellt, deren Richtigkeit durch den Umstand erwiesen ward, dag der Sieger teils vor dem Kriege dieselben hatte, teils nach dem Kriege sich zu ihnen bekannte. Fiir die osterreichisch-ungarische Monarchie ist aber die Geschichte des Russisch-japanischen Krieges ein nachdriickliches Plaidoyer, dem Ausbaue der quantitativ noch immer unzulanglichen k. und k. Flotte ein besonderes Augenmerk zuzuwenden. Mit dem Kriege stand in direktem Zusammenhange der Huller Zwischenfall - die Beschiegung englischer Fischereidampfer durch Schiffe des russischen Geschwaders; als die beiden beteiligten Machte ein Schiedsgericht anriefen, ward Admiral Freiherr von Spaun Mitglied des Schiedsgerichtshofes, dem sonst noch je ein englischer, russischer, franzosischer und amerikanischer Admiral angehorte. S. M. Schiff „Panther“, das in den Jahren 1905 und 1906 eine langere Missions- reise nach Australien und Ostasien ausfiihrte, nahm auf der Ausreise in Djibouti langeren Aufenthalt; der Schiffskommandant, Fregattenkapitan Ritter von Hbhnel, ein bekannter Afrikaforscher, reiste mit grbgerer Suite an das Hoflager des Negus Menelik, dem er Geschenke Seiner Majestat des Kaisers und Konigs tiberbrachte. Es ist zu hoffen, dag dieser Expedition, die den Abschlug eines Handelsvertrages und die Ankniipfung von Handelsbeziehungen mit Abessinien bezweckte, ein reger Export vaterlandischer Erzeugnisse folgen wird. Das Gros der k. und k. Eskadre* (die Schiffe „Habsburg“, „Babenberg“, „Arpad“, „Aspern“, „Szigetvar“ und „Satellit“) weilte im Friihjahr 1905 in der Levante; der Eskadrekommandant (Kontreadmiral von Siemuszowa-Pietruski) begab sich liber eine Einladung durch den Sultan auf „Szigetvar“ nach Konstantinopel, wo er und seine Suite vom Grogherrn mit besonderen Ehren empfangen wurde. Das seit dem Jahr 1898 in sehr magigem Umfang ansteigende Marinebudget gestattete zwar die Baulegung der „Habsburg“- und der „Erzherzog“-Klasse, es geniigte aber noch immer nicht, um die „Erzherzog“-Klasse in der wiinschenswert kurzen Zeit fertigzustellen und auch die Torpedoflottille durch Neubauten auf der Plohe der Zeit zu halten. Als der Kriegsminister im Jahr 1904 an die Delegationen um die Bewilligung eines grogeren, auf mehrere Jahre zu erstreckenden Extra- kredites herantrat, waren daher in diesem Kredit auch 120 Millionen Kronen auf- genommen, die der rascheren Vollendung der „Erzherzog“-Klasse, der Regenerierung der Torpedoflottille und dem Baue von Unterseebooten gevvidmet wurden. Die Marine solite vom nachsten Jahr an jahrlich 25 Millionen aus ihrem Budget zugunsten des Extrakredites refundieren, sie hatte daher weit mehr zuriickzahlen miissen, als sie erhielt; wenngleich sich dies als nicht ausfiihrbar erwies und die Refundierung • Siehe Tafel 23: Die Sclilachtschiffe „Habsburg“, „Arpad“ und „Babenberg". spater fallen gelassen wurde, so hatte es doch den Nachteil, dag das Marinebudget in den folgenden Jahren (anfanglich sogar weit) unter die 50 Millionen des Jahres 1904 sank und erst im Jahr 1908 wieder die friihere Hohe erreichte. Als Einleitung fiir die Regenerierung der Torpedoflottille bestellte die Kriegs¬ marine bei den renommierten Torpedobootsbauern Yarrow & Co. in England je ein Torpedofahrzeug (in der englischen Marine „Torpedobootszerstorer“ genannt) und ein Hochseetorpedoboot, „Huszar“ und „Kaiman“, die 1905 vom Stapel liefen und den Neubauten dieser Schiffsgattungen als Muster zu dienen hatten. Diese neuen Typen bedeuteten gegeniiber „Magnet“ und den Hochseebooten Typ „Viper“, die aus den Jahren 1896 bis 1899 stammten, einigen Fortschritt, mit ihnen hielt der Torpedo- bootszerstorer, einst das Schmerzenskind der englischen Flotte, seither aber bedeutend verbessert, seinen Einzug auch in die Osterreichisch-ungarische Flotte. Die Fahrzeuge Typ „Huszar“ haben 390 Tonnen Deplacement, ihre Maschinen indizieren 6000 Pferdekrafte und erteilen den Fahrzeugen 28 Seemeilen stiindliche Geschwindigkeit; die Hochseetorpedoboote haben 200 Tonnen Deplacement und 3000 indizierte Pferdekrafte. Vom Typ „Huszar“ wurden „Wildfang“, „Streiter“, „Ulan“, „Uskoke“ und „Scharfschutze“, von den Booten Typ „Kaiman“ der Reihe nach „Seehund“, „Wal“, „Krokodil“, „Alligator“, „Anaconda“, „Greif“, „Drache“, „Pinguin“, „Schwalbe“, „Move“, „Hai“, „Narwal“ und „Delphin“ in den Jahren 1906 und 1907 beim Stabilimento tecnico vom Stapel gelassen. Die Danubius-Werft in Fiume, die 1907 entstand und sich ebenfalls dem Kriegsschiffsbaue widmete, iibernahm im ge- nannten Jahre den Bau von sechs Torpedofahrzeugen und zehn Hochseetorpedo- booten; zwei Fahrzeuge und drei Boote werden dort im Jahr 1908, die iibrigen im Jahr 1909 vom Stapel gehen. Das Jahr 1905 brachte auch die Aufstellung einer Reserveeskadre - die Ver- einigung von kriegsbereiten Schiffen mit reduzierter Bemannung zu einem Verbande, wie dies die meisten anderen Seemachte schon seit Jahren eingeftihrt haben, bei uns aber friiher aus Mangel von Mannschaft und Geldmitteln sich nicht durchfiihren lieg. Die Reserveformationen, die einen Stock geschulter, in Ubung erhaltener Mann- schaften und das ganze Material an Bord haben, stellen eine ansehnliche Erhohung der Kriegsbereitschaft der Flotte dar, und es wird daher in den meisten Flotten angestrebt, die brauchbarsten Schiffe — sofern sich diese nicht im Eskadreverbande befinden — zu Reservedivisionen zu vereinigen. Unsere Reserveeskadre, die mit Jahresschlug 1905 ihre Tatigkeit begann und damals nur die drei Schlachtschiffe des Typs „Monarch“ umfagte, ist in den nachsten Jahren durch die Zuteilung eines gepanzerten Kreuzers und eines Torpedofahrzeuges verstarkt worden. Im selben Jahre hatte die k. und k. Flotte neuerlich Gelegenheit, an einer internationalen Flottendemonstration teilzunehmen. Als die Pforte die von der Bot- schafterkonferenz in Konstantinopel — auf Basis des Miirzsteger Programmes - beantragte und namens der Regierungen geforderte Finanzreform fiir Mazedonien beharrlich ablehnte, wurde von seiten der beteiligten Grogmachte beschlossen, durch die Besetzung einzelner Zollamter und Beschlagnahme der dort eingehenden Zolle die ottomanischen Machthaber zur Aufgabe des zwecklosen Widerstandes zu bewegen; jede am ottomanischen Hofe durch einen Botschafter vertretene Grogmacht — das Deutsche Reich ausgenommen — entsandte zwei Kriegsschiffe, das Oberkommando wurde einem osterreichiseh-ungarischen Admiral iibertragen. In Ausfiihrung dieses Beschlusses gingen S. M. Schiffe „ Sankt Georg“ und „Szigetvar“ unter dem Kommando des Vizeadmirals von Ripper am 19. November 1905 von Pola nach dem Piraus ab, wo die Vereinigung der Demonstrationsflotte stattfand; zu dieser detachierte Grogbritannien den Panzerkreuzer „Lancaster“ und den Scout (Torpedoaviso) „Sentinel“, die franzosische Republik das Schlachtschiff „Charlemagne“ 80 |QOO O e o Ol X- und den Torpedobootszerstorer „Dard“, Italien den Panzerkreuzer „Garibaldi“ und den Torpedobootszerstdrer „Ostro“, Rugland das Kanonenboot „Kubanetz“ und das Torpedoboot „213“. Die grogen Schiffe hatten die Landungstruppen beizustellen, die kleineren den Post- und Depeschendienst zwischen der Flotte und dem Piraus zu versehen; die Botschaften schifften je einen Dragoman auf die Flotte ein. Die vereinigten Schiffe liefen am 25. November nach Mytilene (Insel Lesbos) aus, wo sie am nachsten Tage vor Anker gingen; dem Mutessarif wurde nach der Ankunft die bevorstehende Landung samt ihren Modalitaten notifiziert, die Landung von 620 Mann (Kontingente der vier vertretenen Staaten, unter Kommando des Gesamtdetailoffiziers des „Lancaster“) fand mittags statt. Das osterreichisch-ungarisehe Kontingent besetzte das ottomanische Telegraphenamt, das franzosische das Zoll- amt; der von den internationalen Truppen okkupierte Rayon blieb fiir die otto- manischen Truppen abgesperrt, die Einnahmen des Zollamtes wurden allabendlich mit Patrouillen zur Banque Ottomane iiberstellt. Als die Besetzung von Mytilene die Anschauungen der Hohen Pforte nicht zu beeinflussen vermochte, erfolgte am 5. Dezember unter den gleichen Modalitaten die Besetzung von Kastro (Insel Lemnos); die an den Tag gelegte Einigkeit der Grogmachte, das energische Vorgehen des Oberkommandanten der Flotte und die Nahe von Lemnos zu den Dardanellen brachten endlich doch die maggebenden ottomanischen Faktoren zur Nachgiebigkeit. Die Nachrichten liber die Aktionen der Flotte drangen — trotz der scharfen Zeitungs- zensur — in die Kreise der Bevolkerung, sie waren keineswegs geeignet, das Prestige der ottomanischen Regierung in den Augen der Mohammedaner zu er- hohen; die in Konstantinopel erwarteten, gegen die Europaer gerichteten Unruhen blieb en, wohl iiber einen Wink aus dem Yildiz, ganzlich aus, die Pforte lenkte ein und es wurde daher die Besetzung von Kastro am 17., jene von Mytilene am 18. Dezember 1905 aufgehoben. Die Schiffe verliegen zwar an diesem Tage noch gemeinsam den Ankerplatz von Mytilene, doch trennten sie sich beim Kap Zeitun, um in ihre friiheren Stationen heimzukehren. Der Mai 1906 brachte zwei Festlichkeiten im Schwarzen Meere, die mehr als lokales Interesse beanspruchen konnten; es waren dies das Jubilaum des fiinfzig- jahrigen Bestandes der Europaischen Donaukommission in Galatz und die Eroffnung des neuen Hafens von Varna. An beiden Festlichkeiten nahmen die Stationsschiffe der Grogmachte aus Konstantinopel, hierunter S. M. Schiff „Taurus“, und Schiffe der russischen Schwarzen Meer-Flotte teil; anderen Kriegsschiffen ist bekanntlich die Passage durch den Bosporus nicht gestattet, und es versehen die Stationsschiffe am Goldenen Horn seit Jahren auch den Polizeidienst auf der unteren Donau - de jure, nicht de facto, - wahrend in friiheren Zeiten die meisten Grogmachte, so auch Osterreich-Ungarn, fiir diesen Zweck ein zweites Stationsschiff in den Donaumiindungen aufgestellt hatten. Am Regierungsjubilaum des Konigs Carol I. von Rumanien, das in die Zeit zwischen den envahnten Festlichkeiten fiel, nahm auch iiber erfolgte Einladung der Štab S. M. Schiffes „Taurus“ teil, das zu diesem Zweck in Galatz liingeren Aufenthalt nahm. Der feierlichen Eroffnung des Hafens von Varna ging eine Flottenrevue voraus, nach ihr besuchte Fiirst Ferdinand von Bulgarien die fremden Kriegsschiffe. In der Zeit vom 11. bis 15. September 1906 fanden in Siiddalmatien groge See- und Landungsmanover statt; in Stellvertretung des durch leichtes Unwohlsein ver- hinderten obersten Kriegsherrn fiihrte Erzherzog Franz Ferdinand den Oberbefehl, die Leitung zur See war dem Marinekommandanten, die zu Lande dem Chef des Generalstabes iibertragen. Die Manover sollten Anhaltspunkte zur Beurteilung der Frage liefern, ob und in welchem Umfange Landungen grogerer Streitkrafte in Feindesland Aussicht auf Erfolg haben konnen. An Seestreitkraften waren insgesamt 7 Schlachtschiffe, 6 Kreuzer, 3 Torpedofahrzeuge, 16 Torpedoboote und 2 Trainschiffe aufgeboten, zu denen sich die beiden Jachten „Miramar“ und „Lacroma“ gesellten; seit dem Kriege von 1866 war dies die grogte Zahl gleichzeitig in Dienst gestellter Schiffe - eine um so bemerkenswertere Leistung, als die Kriegsmarine fiir grogere Ubungen keine Reserven einberufen kann. Dem Angreifer (Kontreadmiral von Jedina, 4 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer, eine Torpedoflottille und 2 Trainschiffe) waren 7 groge Lloyddampfer beigegeben, die 5060 Mann, 459 Pferde, 8 Geschiitze, 4 Masehinengewehre und das gesamte zu- gehbrige Kriegsmaterial beforderten, wahrend der Verteidiger iiber die im Manover- Landgebiete dislozierten Truppen und iiber eine Flotte (Kontreadmiral von Ziegler, 3 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer und eine Torpedoflottille) verfiigte. Hauptmomente dieser Manover, in deren Verlaufe von der drahtlosen Telegraphie ausgiebigster Gebrauch gemacht wurde, waren: ein groges Seetreffen als Einleitung des Kampfes beider Parteien, eine Landung bei Gravosa und grogere Kampfe am Lande nachst Gravosa, endlich ein zweites Seetreffen, als der zuriickgedrangte An¬ greifer seine Landungstruppen wieder an Bord nahm. Aus dem Verlaufe der Manover ergab sich eine Fiille wertvoller Erfahrungen und die Kriegsmarine war und ist stolz auf das besondere Lob, das ihr von seiten des Oberbefehles gespendet wurde. S. M. Schiffe »Tegetthoff* 1 , »Kronprinz Erzherzog Rudolf** und »Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie**, fiir die in vollem Mage zutraf, was an friiherer Stelle iiber den nachteiligen Einflug gesagt wurde, den stark veraltete Schiffe im Verbande mit modernen nehmen konnen, mugten 1906 aus der operativen Flotte ausgeschieden und der lokalen Verteidigung zugewiesen werden. Die Ersatzbauten fiir diese drei alten Schlachtschiffe wurden nach deren Streichung aus der Flottenliste bewilligt, so dag sie erst 1907 (auf der Werfte des Stabilimento tecnico) begonnen werden konnten; iiberdies blieben die Budgetverhaltnisse auch fiir die Groge der neuen Schiffe maggebend, die mit ihren 14.500 Tonnen Deplacement gegen die Schlacht- schiffsneubauten der anderen Seemachte (18.000 bis 21.000 Tonnen) stark zuriick- bleiben. Dennoch gestattete die Deplacementsvermehrung - rund 4000 Tonnen mehr als die „Erzherzog“-Klasse — manchen nennenswerten Fortschritt. Die artilleristische Armierung der neuen Schlachtschiffe, deren erstes (»Erz¬ herzog Franz Ferdinand**) im Jahr 1908 vom Stapel laufen wird, bringt die Steigerung des Kalibers der Hauptgeschiitze auf 30‘5 cm und jene der Beigeschiitze auf 24 cm; auch als Abwehrgeschiitz wird ein leistungsfahigeres (10 cm statt 7 cm) installiert. Der englischen Theorie des »one big caliber gun-ship“, das der vielgenannte »Dreadnought** mit seinen zehn 30'5 cm Geschiitzen reprasentiert, ist also unsere Kriegsmarine ebenso nicht gefolgt wie Japan, das die Lehren seiner letzten See- siege verwertet; wie verlautet, soli iibrigens auch in England die Stromung gegen das ausschlieglich mit schweren Kanonen einheitlichen Kalibers und leichten Abwehr- geschiitzen armierte Schiff an Boden gewinnen. Unter die sonstigen Errungenschaften unserer neuesten Schlachtschiffsdivision ist auch die Panzerung des Innenbodens des Doppelbodens zu zahlen; durch diese Einrichtung wird das Sprengzentrum der submarinen Waffen vom widerstandsfahigeren Innenboden so weit entfernt, dag dessen Beschadigung erschwert und die Schwimmfahigkeit der Schiffe gehoben wird. Zur gleichen Zeit mit den ersten Bauraten der neuen Schlachtschiffe wurden auch die ersten Raten fiir einen schnellaufenden Kreuzer, fiir ein zweites stahlernes Schwimmdock fiir groge Schiffe und fiir zwei kleine Torpedobootsdocks bewilligt. Der Kreuzer (»Admiral Spaun“), der das veraltete, allerdings schon seit Jahren aus der Flottenliste gestrichene Torpedoschiff „Zara“ ersetzt, erhalt als erstes Schiff unserer Flotte Turbinenmotoren, die ihm eine Geschwindigkeit von etwa 26 Seemeilen in der Stunde verleihen diirften und ihn befahigen, Aufklarungsdienste bei der Flotte 81 t o O O O O o o| zu leisten; er wird auf der Werfte des Seearsenals in Pola erbaut. Das neue groge Schwimmdock ist notwendig geworden, weil die Terrainverhaltnisse in Pola die Vergrogerung der vorhandenen Trockendocks viel zu kostspielig machen wiirden; die Torpedobootsdocks miissen gebaut werden, weil die neuen Torpedobootstypen mit ihren diinnen Blechen und in mancher Beziehung empfindlichen Maschinen- anlagen das bei den alteren, relativ starkwandigen Typen mogliche Aufholen auf den Stapel zur Instandsetzung der Unterwasserteile nicht mehr vertragen wiirden. Nach langem Zogern — die hohen Kosten der ersten Erprobungen blieben den kapitalskraftigeren Flotten iiberlassen — entschlog sich auch die k. und k. Kriegs- marine, zur gleichen Zeit wie die kaiserlich deutsche Flotte, Unterseeboote zu bauen. Das Unterseebootswesen wird von allen Seemachten mit groger Sorgfalt geheim gehalten, was in erster Linie mit der Absicht zusammenhangt, die eigenen Errungen- schaften den anderen vorzuenthalten. Dennoch kann man konstatieren, dag ein bedeutenderer Fortschritt auf diesem Spezialgebiet erst seit etwa zwei Jahren zu verzeichnen ist; es gelang nach langen Versuchen, die Stabilitat, die Atmungs- verhaltnisse und den Ausblick wahrend der Submersion befriedigend zu gestalten und den Unterseebooten durch den zweifachen Betrieb - in ausgetauchtem Zustand Explosionsmotoren, in versenktem Zustand Elektromotoren — in beiden Schwimm- lagen eine geniigende Geschwindigkeit und Autonomie zu verleihen. Wahrend die Vereinigten Staaten von Amerika und Grogbritannien die „reinen Unterseeboote" bevorzugen, die sie aber trotzdem nur in geringen Wassertiefen venvenden, haben das Deutsche Reich und Frankreich sich dem Typ des „Tauch- bootes" zugewandt, das ein Oberflachentorpedoboot mit etwas verminderter Ge- schwindigkeit darstellt und befahigt ist, wahrend der eigentlichen Aktion unter Wasser fahren zu konnen. Beide Typen besitzen Vorteile und Nachteile, ein Urteil liber das Unterseeboot der Zukunft wird daher erst nach langerer Erprobung gefallt werden konnen, vielleicht schon in einigen Jahren, weil 1910 die Zahl der Unterseeboote aller Seemachte das dritte Hundert erreicht haben wird. Unsere Kriegsmarine hat ihre (aus den Mitteln des Extrakredites, 1907 erfolgten) Bestellungen auf die im Unterseebootsbaue renommiertesten Firmen verteilt und sich damit die Moglichkeit gesichert, vergleichende Studien liber die verschiedenen Typen anstellen und die den maggebenden Verhaltnissen bestentsprechende Gattung fiir spatere Bauten be- stimmen zu konnen. Wie in den vorhergehenden Jahren, unternahm auch 1907 das Gros der Eskadre eine mehrwochentliche Auslandreise; die Schlachtschiffe „Erzherzog Karl", „Erzherzog Friedrich" und „Babenberg“, die Torpedofahrzeuge „Ulan“ und „Streiter“ begaben sich Anfang Marž in die levantinischen Gewasser, eine Reihe griechischer und tiirkischer Hafen beriihrend. Im Piraus beehrte die griechische Konigsfamilie das Flaggenschiff mit ihrem Besuche, von Jaffa aus begab sich der Eskadrekommandant, Kontreadmiral von Ziegler, mit 40 Angehorigen der Schiffsstabe und 131 Mannschafts- personen nach Jerusalem zum Besuche der heiligen Statten. Diese Abordnung, die im osterreichisch-ungarischen Pilgerhaus und im Pilgerheim „casa nova" des Franzis- kanerordens fiirsorgliche Aufnahme fand, erfreute sich wahrend ihres mehrtagigen Aufenthaltes in Jerusalem eines besonders herzlichen Entgegenkommens von seiten der hohen geistlichen und der ottomanischen Funktionare; der lateinische Patriarch, Monsignore Camassei, erwies der Eskadre die Ehre, nach Jaffa zu kommen und das Flaggenschiff zu besuchen, dessen Bemannung den Segen erteilend. Die Feier des 300jahrigen Jubilaums der ersten bleibenden britischen Be- siedelung Nordamerikas rief in Jamestown (Virginia) eine Ausstellung ins Leben und es wurden von der Regierung der Vereinigten Staaten alle Seemachte ein- geladen, Kriegsschiffe zur Teilnahme an der Feier zu entsenden. Osterreich-Ungarn wurde durch die Kreuzer „ Sankt Georg" und „Aspern“ reprasentiert, die unter dem Kommando des Kontreadmirals Pleskott am 25. April 1907 auf der Rhede von Hampton Roads, dem Seehafen Jamestowns, eintrafen. Am nachsten Tage fand die mit einer Flottenrevue verbundene Eroffnung der Ausstellung durch den Prasidenten Roosevelt statt, der ein offizieller Empfang der Gaste und eine Parade von Truppen folgte; zu dieser waren die ganzen anwesenden Truppen der Vereinigten Staaten und Detachements der anwesenden Kriegsschiffe, darunter eine Kompagnie der k. und k. Kreuzer, ausgeriickt. In der Zeit bis zum 13. Mai, dem eigentlichen Gedenktage, fand eine Reihe festlicher Veranstaltungen statt, als: militarische Schauiibungen, Wasserfeste, Regatten, Reunionen usf. Bei den Bootsregatten, an denen sich die Boote von 25 amerikanischen und den gleichzeitig anwesenden fremden Kriegs- schiffen beteiligten, errangen Boote S. M. Schiffes „Sankt Georg" beim Segeln zweimal erste Preise, wobei der Pokal im „Army and Navy life“-Rennen erobert wurde; aber auch beim Wettrudern erzielten unsere Boote, die durch ihre den Kriegszwecken besser angepagte Bauart und ihre schweren Riemen gegen die, meist eigene Rennboote besitzenden Konkurrenten anderer Nationen sehr benachteiligt waren, zweite und dritte Platze. Am 13. Mai nahm die k. und k. Landungskompagnie neuerlich an einer grogen Truppenrevue vor dem Prasidenten Roosevelt teil, der auch der japanische General Kuroki anwohnte. Nach dem Besuche von New York und Annapolis und einem neuerlichen Aufenthalt in Hampton Roads traten unsere Kreuzer, die von seiten der offiziellen und der privaten Kreise herzlichste Auf¬ nahme gefunden hatten, am 15. Juni die Heimreise an. Bei der zweiten Haager Friedenskonferenz, die im Sommer und Herbst 1907 tagte und sich in bedeutendem Umfange mit einer Erweiterung des bis dahin nur wenig entwickelten, kodifizierten Seekriegsrechtes befagte, war die k. und k. Kriegs¬ marine durch den Kontreadmiral Haus vertreten. Die Vermahlung des Prinzen Georg von Griechenland mit der Prinzessin Marie Bonaparte am 12. Dezember 1907 vereinigte Kriegsschiffe verschiedener Staaten im Piraus; unter diesen befand sich — iiber Allerhoehsten Befehl — auch S. M. Schiff „Sankt Georg". Kommandant und Štab wurden zu den zahlreichen Fest- lichkeiten herangezogen, am 14. Dezember nahm das griechische Kronprinzenpaar, am 17. das Konigspaar, begleitet vom Kronprinzenpaar und den anderen Familien- mitgliedern, das Dejeuner an Bord des „Sankt Georg". Das Budget der Kriegsmarine fiir das Jahr 1908 enthalt auger den Fort- setzungskrediten fiir die im Baue befindlichen Schiffe auch noch die erste Rate fiir zw51f Torpedoboote von je 100 Tonnen Deplacement; diese kleineren Boote, vor- wiegend fiir den Kiistendienst und die Kiistenverteidigung bestimmt, haben die alten Torpedoboote 2. Klasse zu ersetzen, die teils in den letzten Jahren, als vollkommen kriegsunbrauchbar geworden, aus der Flottenliste ausgeschieden worden sind, zum Teile — trotz ihrer weit iiberschrittenen Lebensdauer — bis zur Fertigstellung ihres Ersatzes noch im Dienste behalten werden miissen. Der Marinekommandant veranstaltete im Jiinner 1908 eine mehrtagige Exkursion, die die Delegierten beider Legislativen der Monarchie zum Besuche der Eskadre, der Marine-Etablissements und der privaten, fiir die Kriegsmarine in Triest undFiume tatigen Werften an die Kiiste fiihrte, um diesen Vertretern, die iiber das Marinebudget zu urteilen haben, die eigene Anschauung der Verhaltnisse und Bediirfnisse zu ermoglichen. Die Tagespresse beider Staaten der Monarchie nahm die Gelegenheit wahr, zahlreiche Interviews mit Exkursionsteilnehmern zu veroffentlichen, denen, sowie den direkt ge- machten Augerungen der Delegierten, die volle Anerkennung des von der Kriegsmarine Geleisteten und Angestrebten entnommen werden konnte. Die Marineangehorigen begleiteten diese Exkursion mit dem innigen Wunsche, sie moge zur Hebung des 82 |Qooo O o Oj v Verstandnisses fiir das Wesen und die Aufgaben der Flotte im Binnenland ausschlag- gebend werden und die letzten Hindernisse besiegen helfen, die der unaufschiebbaren Ausgestaltung unserer Flotte im Wege stehen. In den Monaten Marž und April 1908 unternahm das Gros der Eskadre (S. M. Schiffe „Erzherzog Karl", Erzherzog Friedrich", „Erzherzog Ferdinand Max“,* „Uskoke" und „Scharfschiitze“, Kommandant Kontreadmiral von Ziegler) eine Reise ins westliche Mittelmeer, wobei die Hafen Malta, Barcelona, Gibraltar, Tanger, Malaga, Algier, Bizerta und Korfu angelaufen wurden. Konig Alfons XIII. kam zum Besuche der Eskadre nach Barcelona, er besichtigte am 11. April das Flaggenschiff „Erzherzog Karl"; einer Einladung des Konigs folgend, weilte der Eskadrekommandant mit seinem Štab und den Schiffskommandanten durch mehrere Tage in Madrid. Kaiser Wilhelm II. zeichnete am 27. April in Korfu das Flaggenschiff durch ein- gehende Besichtigung aus. Die Losung der Aufgabe, eine kurze Darstellung der Entstehung, Entwickelung und Tatigkeit der k. und k. Flotte von ihrer Griindung bis zur Gegenwart in Wort und Bild zu bieten, ist in diesem Werke, dem ersten seiner Art in Osterreich- Ungarn, versucht worden; es eriibrigt nur noch der Wunsch, da§ es bald Nach- folger haben und von diesen iibertroffen werden moge, damit die bisher nur spar- liche Marineliteratur der osterreichisch-ungarischen Monarchie durch Umfang und Inhalt ihr Scherflein dazu beitrage, unsere Kriegsflotte, deren Leistungen und Wichtig- keit bekannt zu machen. Auf die Marinebehorden, Landetablissements und das sonstige Zugehor der Flotte wurde im Texte nur stellenweise, wo die direkte Beziehung zur Flotte es geradezu erforderte, und stets nur fliichtig verwiesen — eine eingehendere Bearbeitung auch dieses Stoffes auf geschichtlicher Grundlage hatte das Buch stark iiber den ihm zugedachten Rahmen erweitert. Die Entstehung und Entwickelung der Flotte bedeuten einen mehrhundert- jahrigen Kampf mit der stets ungiinstigen Finanzlage jener Staaten, aus denen die Monarchie entstanden ist, mit einem Faktor, der auch nach dem Ausgleiche des Jahres 1867 das Schicksal der Flotte ungiinstig beeinflugte. Dieser Kampf wurde den Marinechefs wiederholt bedeutend erschwert durch den sehr verbreiteten Mangel an Verstandnis fiir die Wichtigkeit der Kiistenverteidigung durch die Flotte, zeitweise * Siehe Tafel 25: Die Schlachtschiffe „Erzherzog Karl**, „Erzherzog Friedrich** und „Erzherzog Ferdinand Max“. auch durch rein subjektive Anschauungen maggebender Staatsmanner, die trotz aller Lehren der Geschichte eine kraftige Seemacht fiir iiberfliissig oder entbehrlich hielten. Die Bestrebungen Karls VI. (III.), der Kaiserin und Konigin Maria Theresia und ihres geistvollen Nachfolgers auf dem Throne vermochten die der Flotten- griindung entgegenstehenden Hindernisse nicht zu meistern; die k. und k. Flotte begann erst nach 1849 aufzubliihen, als mit dem entschiedenen Willen des Kaisers und Konigs Franz Joseph I. gerechnet werden mugte. Unter den Staatsmannern Altosterreichs war Kaunitz sehr fiir die Flotte, Metter- nich stand ihr fremd gegeniiber; in der folgenden Zeit haben besonders Fiirst Felix Schwarzenberg und Graf Goluchowski den Wert der Wehrmacht zur See erkannt. Erzherzog Karl, Vizeadmiral Dahlerup, Erzherzog Ferdinand Max und Tegett¬ hoff erwiesen sich als hervorragende Organisatoren; die grogten Erfolge bei der fortdauernd notwendigen Regenerierung des Schiffsbestandes haben Erzherzog Ferdi¬ nand Max und die beiden letzten Marinekommandanten (Freiherr von Spaun und Graf Montecuccoli) erzielt; Erzherzog Friedrich ragte durch personliche Tapferkeit hervor, Tegetthoff erfocht einen der glanzendsten Seesiege aller Zeiten. Angehorige unserer Kriegsmarine haben bei Lissa und Helgoland, an den Kiisten Italiens, im griechischen Archipel, an der syrischen und marokkanischen Kiiste, auf Borneo und Guadalcanar, auf Kreta und in China tapfer gekampft; durch die lange Reihe kriegerischer Aktionen unserer Flotte zieht sich das erhebende Bild unerschrockener, todesmutiger Pflichterfiillung und der begeisterten Hingebung, die auch in zahllosen Stiirmen und Gefahren, von denen keine Chronik zu melden wei§, auf allen Meeren, an allen Kiisten erwiesen ward. Dem Schutz osterreichischer und ungarischer Staatsangehoriger und der Fbrderung aller Interessen der Monarchie, den wissenschaftlichen und humanitaren Aufgaben wandte die Flotte jederzeit besondere Sorgfalt zu; vieles ist im stillen geleistet worden, nur manches zur Kenntnis breiter Kreise gelangt. Klio zahlt die Bausteine nicht, sie preist nur das gelungene Ganze; den Lauf der Geschichte der Monarchie vermochte unsere Kriegsflotte nur einmal sichtlich zu beeinflussen, eine bedeutende Summe von Arbeit, Miihe, Entsagung und niitz- lichem Wirken liegt aber in ihren kleinen Leistungen aufgespeichert — Osterreich- Ungarn kann stolz auf seine Flotte sein, die keinen Stillstand im Streben nach Voll- kommenheit kennt, um in der Stunde des Bedarfes begeistert dem Rufe des geliebten Monarchen, des teuern Vaterlandes folgen und das Beste einsetzen zu konnen: „Fiir den Sieg, fiir den Ruhm!" 83 [o o o Q o o c CHRONOLOGISCHER INDEX. Seite 1556 Griindung der osterreichisch-habsburgischen Linie.1 1713 Flottenprojekt des Freiherrn von St. Hillaire.2 1733 Graf Lukas Pallavicini zum Oberbefehlshaber der Marine ernannt.3 1735 Das Pallavicinische Armement.3 1753 Ein Hafenwachschiff fiir Triest.4 1764 Algier erklart den Krieg; Projekt, eine Flotte zu bauen.4 1765 Armierung von Handelsschiffen, Kiellegung zweier Fregatten.5 1768 Der Malteser Chevalier de Maussee zum Marinekommandanten ernannt.5 1770 Verkauf der beiden Fregatten an Toskana.6 1774 bis 1785 Kolonisationsversuche der „Triester Ostindischen Handlungskompagnie“ . . 7 1780 Flottenprojekt des Staatskanzlers Graf Kaunitz.9 1786 Die kaiserliche Marine durch das Eintreffen zweier 20 Kanonen-Schiffe aus den Nieder- landen gegriindet.9 Captain Botts zum Marinekommandanten ernannt.10 Schaffung einer neuen osterreichischen Flagge, der jetzigen k. und k. Kriegsflagge . . 10 1788 Tiirkenkrieg, Armierung von drei Handelsschiffen, Kiellegung von zehn Kanonen- schaluppen.10 1790 Reduktion der Flotte auf drei Kanonenschaluppen.H Major Simpson Marinekommandant.11 1792 Krieg mit Frankreich, Vermehrung der Flotte.12 1794 Flottenvermehrungsprojekt des Hofkriegsrates.12 Neuerliche Reduktion der Flotte.12 1797 Seegefecht beim Hafen Quieto.13 Okkupation von Istrien und Dalmatien; Oberstleutnant Freiherr von Williams Marine¬ kommandant .14 1798 Besetzung von Venedig, Ubernahme der Reste der venezianischen Flotte.15 Der friihere Provveditore von Dalmatien, Andrea Querini, zum Arsenalsprasidenten (Marinekommandanten) ernannt.15 1799 Kampfe einer k. k. Flottille an der Kiiste der Romagna.16 Aufstellung der „Scuadriglia Dalmata in Corso“ gegen franzdsische Korsaren .... 16 Kapitulation von Ancona, Ubernahme von drei franzosischen Linienschiffen durch die k. k. Flotte.16 Schaffung einer k. k. Flottille an der genuesischen Riviera.17 1800 Aufstellung einer osterreichischen Korsarenflottille an der Riviera.17 Tartane „Chasteler“ von algierischen Korsaren genommen.17 Einschiffung des Papstes Pius VII. auf Fregatte „Bellona“.17 Die Linienschiffe „Laharpe“, „Stengel“ und „Beyrand“ segeln von Ancona nach Venedig 17 Erzherzog Karl Kriegs- und Marineminister, Oberstleutnant de 1’Espine zum Marine¬ kommandanten ernannt.17 1804 Erscheinen des ersten Reglements fiir den Schiffsdienst.18 Der rot-weig-rote Wimpel wird Abzeichen des Kriegsschiffes, seine Fuhrung den Handelsschiffen untersagt.10 1805 Krieg mit Frankreich, Mobilmachung der Flotte.19 1806 Ubergabe Venedigs und des grogten Teiles der Flotte an Frankreich.19 1808 Einsetzung einer Reorganisierungskommission fiir die Marine.21 1809 Fregattenkapitan Coninck zum Marinekommandanten ernannt.21 Krieg mit Frankreich, Mobilmachung der Triester Marine.21 Seite 1809 S. M. Brigg „Delphino“ nimmt eine feindliche Batterie und eine Kanonenschaluppe bei Rovigno, Seegefecht bei Žara.22 Auflosung der osterreichischen Flotte, Abtretung der Kiiste an Frankreich .... 22 1813 und 1814 Wiederbesetzung von Istrien, Dalmatien und Venedig, Ubernahme der Flotte des Konigreiches Italien.23 1814 Generalmajor Coninck zum Marinekommandanten ernannt, Organisierung der Marine 24 1815 Riickkehr Napoleons von Elba, Mobilisierung der kaiserlichen Flotte.24 1816 und 1817 Verringerung der Marineausgaben.25 1817 Reise der Fregatten „Austria“ und „Augusta“ nach Brasilien.25 1818 Reise des Kaisers und der Kaiserin in Dalmatien.25 1819 Kartographische Aufnahme der Adria durch die Kriegsmarine.26 1820 Aufnahme des Postdienstes durch Kriegsschiffe, Brigg „Dalmato“ kentert.26 " Fregatte „Carolina“ als Fluttschiff nach China.26 1821 Entsendung einer Eskadre nach Neapel, Aufstellung einer Schiffsdivision in Dalmatien 26 Aufstellung einer Eskadre in der Levante fiir den Schutz der Schiffahrt.27 1822 Verstarkung der Levantedivision; Fregatte „Lipsia“ ergreift Repressalien.27 1824 Das Marinekommando zum selbstandigen Marineoberkommando erhoben, Generalmajor Marquis Paulucci zum Marineoberkommandanten ernannt.27 Repressalien gegen griechische Seerauber.27 1^26 Die Eskadre in der Levante erreicht den Stand von 22 Schiffen.28 Landung in Mykoni.28 Sequestration griechischer Kriegsschiffe, Abweisung der Eskadre Sachthuris .... 28 Landung und Gefecht auf Naxos.28 Korvette „Carolina“ zerstort ein Piratenschiff.28 1827 Konflikt S. M. Schiffe „Enrichetta“ und „Ussaro“ mit Kanaris in Naussa.28 Goelette „Elisabetta“ vernichtet zwei Seerauberschiffe.29 Kampf der Goelette „Sofia“ mit zwei Seerauberschiffen.29 1829 Reduktion der Levante-Eskadre.29 Repressalien gegen Marokko durch eine k. k. Schiffsdivision, Landung und Kampf bei el Araisch, Blockade der marokkanischen Kiiste, Beschiegung von Arzilla und Tetuan 30 Einfiihrung der Kontreadmiralscharge (1830 der Vizeadmiralscharge).31 1831 Unruhen in Mittelitalien, Ausriistung einer Schiffsdivision zur Unterstiitzung der Armee 31 1832 Kampf S. M. Schiffes „Bravo“ mit Seeraubern.31 1833 Neuerliche Verstarkung der Levante-Eskadre; Strandung der Korvette „Abbondanza“ 32 1834 Stapellegung des ersten Raddampfers der k. k. Flotte.33 1837 Eintritt des Erzherzogs Friedrich in die Kriegsmarine.33 1840 Osterreich und England fiihren Gewaltmagregeln gegen Mehemed Ali von Agypten aus, Einnahme von Saida und St. Jean d’ Acre.33 1844 Einfiihrung der Granatkanonen auf S. M. Schiffen.34 Erzherzog Friedrich Marineoberkommandant.35 1847 Tod des Erzherzogs Friedrich; Vizeadmiral Graf Dandolo und nach dessen Tod FML. von Martini Marineoberkommandant.35 1848 Abfall Venedigs, Martini Gefangener, Verlust der in Venedig befindlichen Schiffe . . 36 Sicherung der augerhalb Venedigs befindlichen Schiffe fiir Osterreich.37 FML. Gyulai Marineoberkommandant.38 Ausriistung einer k. k. Ruderflottille.39 Blockade Venedigs durch die k. k. Eskadre.39 85 Seite 1848 Eintreffen der italienischen Geschwader, Riickzug der k. k. Eskadre nach Triest . . . Blockade von Triest durch die italienischen Geschwader. Gefecht bei Caorle. Martini nach Auswechslung der Gefangenen wieder Marineoberkommandant . . . . Voriibergehende Wiederaufnahme der Blockade Venedigs. 1849 Rucktritt Martinis, Gyulai wieder Marinechef. Vizeadmiral Birch von Dahlerup Marineoberkommandant. Energische Blockade Venedigs. Expedition gegen Ancona. Dampfer „Vulcano“ setzt die venezianische Batterie Manfrin auger Gefecht . . . - Branderangriff auf S. M. Fregatte »Venere". Kapitulation Venedigs, Riickiibernahme der Schiffe durch die k. k. Flotte. Ankauf des ersten Schraubendampfers der k. k. Flotte („Seemove“). Beginn organischer Reformen. 1850 Kommissionelle Beratungen iiber die Entwickelung der Flotte. Erzherzog Ferdinand Max tritt in die Kriegsmarine ein. Baubeginn des Seearsenals in Pola. 18^1 FML. Wimpffen provisorisch Marineoberkommandant. 1852 Kiellegung de£ ersten k. k. Schraubenfregatte („Radetzky“). Verlust des Raddampfers „Marianna“. 1853 Konflikt S. M. Schiffe „Hussar“ und „Artemisia“ mit der amerikanischen Korvette „St. Louis". 1854 Erzherzog Ferdinand Max Marineoberkommandant, Beginn der lebhafteren Entwickelung der Marine. 1855 Definitive Aufstellung von Stationsschiffen fur Klek und die Sutorina. 1856 Grundsteinlegung des Seearsenals in Pola. Das Marineoberkommando zur selbstandigen Zentralbehorde erhoben. Erzherzog Ferdinand Max gleichzeitig Marineoberkommandant und Generalgouverneur des lombardo-venezianischen Konigreiches. 1857 bis 1859 Weltumsegelung durch die Fregatte „Novara“ als wissenschaftliche Expedition 1859 Drohender Konflikt mit Frankreich, Riistungen der k. k. Kriegsmarine. Brigg „Triton“ m die Luft geflogen. S. M. Dampfer „Lucia“ von einer franzosischen Fregatte gejagt. Das Linienschiff »TTapoleon" von der Batterie Traste beschossen. S. M. Dampfer »Prinž Eugen" kapert ein franzosisches Barkschiff, Angriff der Fregatte »Impetueuse" auf~Zara abgewiesen. 1860 Ubernahme des Flottillenkorps durch die Kriegsmarine; Beginn einer ansehnlichen Verstarkung der k. k. Flotte. 1861 Stapellauf der ersten osterreichischen Panzerfregatten. 1862 Indienststellung einer Flottille von Kanonenbooten fur die Ausarbeitung einer Dampfer- taktik. Aufstellung eines k. k. Marineministeriums, Umwandlung des Marineoberkommandos in ein Marinekommando. 1864 Erzherzog Ferdinand Max legt das Marinekommando zuriick. Krieg mit Danemark, Entsendung einer k. k. Eskadre in die Nordsee. Seegefecht bei Helgoland. 1865 Kontreadmiral von Wiillerstorf Handelsminister. Auflassung des Marineministeriums, Zuteilung der Kriegsmarinesektion zum Kriegs- ministerium, Vizeadmiral von Fautz Sektionschef. Erzherzog Leopold Marine-Truppen- und Flotten-Inspektor. 1865 -Krieg mit Italien, Mobilisierung der Flotte. Tegetthoff unternimmt mi t dem Gros der k. k. Eskadre eine Rekognoszierung gegen Ancona . . . .V,. Angriff der italienischen Flotte auf Lissa. 39 39 39 39 40 41 41 41 42 42 42 43 43 43 43 46 46 45 45 45 45 46 47 47 47 47 47 48 48 48 48 48 49 50 50 50 50 50 51 52 52 52 53 53 53 v Seite 1866 Seeschlacht von Lissa.54 Kampfe der k. k. Flottille auf dem Garda-See.55 \Viedererrichtung der Marineakademie in Fiume.56 1867 Baubeginn des ersten holzernen Kasemattschiffes („Lissa“).57 1868 Vizeadmiral Tegetthoff Marinekommandant.57 1869 Verlust der Fregatte „Radetzky“.57 Reise Seiner Majestat des Kaisers Franz Joseph I. zur Eroffnung des Suez-Kanals. . 57 Die „Schiffsabteilung in Cattaro" wahrend des Aufstandes in Siiddalmatien .... 58 1869 bis 1871 Die handelspolitische Expedition nach Ostasien und Sudamerika (Fregatte „Donau“ und Korvette „Erzherzog Friedrich").58 1871 Tod Tegetthoffs, Vizeadmiral Freiherr von Pock Marinekommandant.59 Stapellauf der ersten k. und k. Donaumonitore („Maros“ und „Leitha“).59 1872 Stapellauf der ersten eisernen k. und k. Kasemattschiffe „Custoza“ und „Erzherzog Albrecht".57 18 72 bis 1874 Die osterreichisch-ungarische Nordpol-Expedition unter Fuhrung des Linien- schiffsleutnants Weyprecht.59 1874 Strandung S. M. Brigg „Saida“.60 1875 Erste Verleihung des Admiralsgrades an einen k. und k. Seeoffizier (Freiherrn von Bourguignon).60 Uberfall von Piraten auf ein Arbeitskorvee der Korvette „Erzherzog Friedrich" (Borneo) 60 187B Einfuhrung des Whitehead-Torpedos. 61 1878 Stapellauf der ersten k. und k. Torpedoboote (bei Thornycroft).61 Ubernahme der Hafen- und Gesundheitspolizei an der montenegrinischen Kiiste durch die k. und k. Kriegsmarine.62 1879 Stapellauf der ersten k. und k. Torpedokreuzer („Zara“ und „Spalato“).61 Erzherzog Karl Stefan tritt in die Kriegsmarine ein.62 1880 Flottendemonstration in Siiddalmatien wegen Ubergabe Dulcignos an Montenegro . . 62 1882 Beteiligung der k. und k. Eskadre an der Eroffnung der Operationen gegen die Insur- genten in der Krivošije.63 1882 bis 1883 Die osterreichisch-ungarische arktische Beobachtungsstation auf Jan Mayen 63 1883 Admiral Freiherr von Pock tritt in den Ruhestand, Vizeadmiral Freiherr von Sterneck zum Marinekommandanten ernannt.64 1884 Die ersten grogen Sommermanover (Kaisermanover) der Flotte; vermehrte Aussendung von Schiffen zu transatlantischen Reisen.64 18J6 Die Flottendemonstration in der Suda-Bai.64 Die k. und k. Eskadre blockiert den Golf von Volo.65 Stapellauf der ersten k. und k. Torpedoboote 1. Klasse.66 1887 Stapellauf des ersten k. und k. Torpedofahrzeuges („Meteor“).65 Stapellauf der ersten k. und k. Turmpanzerschiffe („Kronprinz Erzherzog Rudolf" und „Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie").66 1888 Die osterreichisch-ungarische Eskadre (acht Schiffe) bei der Weltausstellung in Barcelona.67 1889 Stapellauf des ersten k. und k. Rammkreuzers (»Kaiser Franz Joseph I.“).67 1890 Besuch der k. und k. Eskadre in der Ostsee.67 1890 bis 1894 Tiefseeforschungen mit S. M. Schiff „Pola“ im ostlichen Mittelmeere .... 67 1891 Kaisermanover der Sommereskadre.68 1892 Vierte Zentenarfeier der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, Entsendung S. M. Schiffes „Aurora“ nach Huelva und der k. und k. Eskadre nach Genua.68 Vermehrung der Donau-Flottille.68 Erzherzog Franz Ferdinand tritt auf S. M. Schiff »Kaiserin Elisabeth" eine Weltreise an 69 1893 Stapellauf des ersten k. und k. Panzerkreuzers (»Kaiserin und Konigin Maria Theresia") 69 1894 Aufstand in Brasilien, S. M. Schiff „Zrinyi“ schutzt die Interessen der osterreichischen und ungarischen Staatsangehorigen.70 1895 bis 1896 Stapellauf der Turmschiffe »Monareh", „Wien“ und „Budapest“.70 86 looaooool Seite 1895 Die osterreichisch-ungarische Eskadre (vier Schiffe) bei der Eroffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals in Kiel.70 1895/1896 und 1897/1898 Forschungsfahrten mit S. M. Schiff „Pola“ im Roten Meere ... 70 1896 Einfiihrung der Wasserrohrkessel in der k. und k. Flotte.70 Stapellauf der ersten k. und k. Hochseetorpedoboote („Viper“ und „Natter“) . . . . 71 Uberfall auf ein Detachement S. M. Schiffes „Albatros“ wahrend der Durchfiihrung einer wissenschaftlichen Expedition auf der Insel Guadalcanar.71 1897 Teilnahme der k. und k. Eskadre an der Blockade von Kreta, Gefechte mit den Insurgenten.72 Ableben des Admirals Freiherrn von Sterneck, Vizeadmiral Freiherr von Spaun zum Marine ko mmandanten ernannt . . . ..75 1898 Spanisch-amerikanischer Krieg, S. M. Schiff „Maria Theresia" schiitzt die Interessen der osterreichischen und ungarischen Staatsangehorigen in Westindien.75 S. M. Schiff »Kaiser Franz Joseph I.“ bei der Vasco da Gama-Feier in Lissabon . . 75 1898/1899 Ausschiffung eines Detachements S. M. Schiffes „Frundsberg“ zum Schutze der k. und k. Gesandtschaft in Peking.75 1900 bis 1902 Stapellauf der Schlachtschiffe »Habsburg", Arpad" und »Babenberg" .... 75 1900 Ausschiffung eines Detachements S. M. Schiffes »Zenta" zum Schutze der k. und k. Gesandtschaft in Peking; Entsendung einer Eskadre (vier Schiffe) nach China; Teil¬ nahme von k. und k. Matrosendetachements an den Kampfen in China.76 1901 Auflosung der Eskadre in Ostasien.78 1902 Kaisermanover der Sommereskadre.78 Seite 1902 Erzherzog Franz Ferdinand zum Admiral ernannt.78 1903 bis 1905 Stapellauf der Schlachtschiffe »Erzherzog Karl", »Erzherzog Friedrich" und »Erzherzog Ferdinand Max“.78 1904 bis 1908 Vermehrung der Donau-Flottille um zwei Monitore und fiinf Patrouillenboote 79 Admiral Freiherr von Spaun tritt in den Ruhestand, Vizeadmiral Graf Montecuccoli Marinekommandant.79 1905 Missionsreise S. M. Schiffes »Panther", Anbahnung von Handelsbeziehungen mit Abessinien.80 Stapellauf der Typschiffe (Torpedofahrzeug »Huszar" und Hochseetorpedoboot »Kaiman") fur die Regenerierung der Torpedoflottille.80 Aufstellung der Reserveeskadre.80 Teilnahme einer k. und k. Schiffsdivision an der Flottendemonstration und Besetzung ”ottomanischer Zollamter behufs Akzeptierung der mazedonischen Finanzreform durch die Pforte.80 1906 Groge See- und Landungsmanover in Siiddalmatien.81 1907 Baubeginn dreier 14.500 Tonnen-Schlachtschiffe, des ersten Turbinenschiffes und der ersten Unterseeboote der k. und k. Flotte.81 Besuch der heiligen Statten durch eine Abordnung der k. und k. Eskadre.82 Entsendung einer Kreuzerdivision zur dritten Zentenarfeier der ersten bleibenden britischen Besiedelung Nordamerikas.82 Exkursion der Mitglieder beider Delegationen an die Kiiste zum Besuche der Eskadre und der Marine-Etablissements.82 87 il DIE K. UND K. FLOTTE, IHR BESTAND AM 1. MAI 1908. Bemerkungen. Die Plattenstarke des „Panzers“ ist bei Compound- oder Stahlpanzerung mit Elzevir- ziffern, bei Krupp-, Harvey- oder Nickelstahlpanzerung mit fetten Ziffern angegeben. Die „Pf erdekraft" ist bei Schiffen mit Compound- oder Mehrfach-Expansionsmaschinen und Feuerrohrkesseln mit Elzevirziffern, bei Schiffen mit Wasserrohrkesseln mit fetten Ziffern angegeben. Bei „Geschiitze“ bezeichnen Elzevirziffern die Geschutzzahl, die gewohnlichen Ziffern das Geschiitzkaliber (in Zentimetern). Bei „Fahrgeschwindigkeit“ bedeuten fette Ziffern, dag das Schiff mindestens eine halbe Seemeile mehr lauft, als die Zahl angibt, seine Geschwindigkeit aber nicht die nachst- hohere ganze Meilenzahl erreicht. Bei „Stapellauf“ geben die in Klammern beigesetzten Jahreszahlen den voraussicht- lichen Zeitpunkt des Ablaufes im Baue befindlicher Schiffe an. Abkiirzungen. I. Schiffe der Flotte. Schlachtschiffe. 89 ) ooooooo Kreuzer. Geschiitze 2 24, 5 19, 4 15, ii 7, 8 47 Sf; 6 M .. 2 24, 8 15, 2 7, 16 47 Sf; 4 M . . . 2 24; 8 15, 14 47 Sf; 2 7; 6 M . . ... 8 15, 16 47 Sf; 2 7; 4 M . . . . . . . 8 15, 16 47 Sf; 2 7; 4 M . . . . 7 10 Sf; 2 M . .8 12, 8 4'7 Sf; 4 M. . 8 12, 8 47 Sf; 4 M. .8 12, 8 4'7 Sf; 4 M. .2 12, 10 4’7 Sf. .2 12, 10 4-7 Sf. W ellenpf erdekr af te. Torpedofahrzeuge. 90 es g Vhl' lOOOOOOOt Torpedoboote. Flugschiffe. 91 ) o o o o O o o >9 "V II. Schiffe fiir spezielle Zwecke. Anmerkung Hafenwachschiff in Pola Bequartierungsschiff des Seekadettenkurses Wachschiff im Golf e von Cattaro Station in Teodo Station in Konstantinopel Kaiserliche Jacht Admiralsjacht 11 Stationsdienst in Žara Bergungsschiff in Pola III. Schulschiffe, Beischiffe und Hulks. V erwendung Typ Hauptschiff 1 Artillerie- J Bequartierungsschiff / j seegehende Beischiffe Torpedo- f Hauptschiff schule \ seegehendes Beischiff Seeminenschule f Hauptschiff Schiffs- jungen- { seegehende Beischiffe schule * ( Beischiff Schwimmende Werkstatte Hulks Torpedoschiffe Hulk Torpedoschiff Hulk Hulk Kanonenboote Hulk Hulk Bequartierung Hulks * 1 92 In Sebenico stationiert. looootool rS ^§8 si^pi »§» Wmmš: L r .r ,- *>'■ . r \-.-'-7 ;$¥<& f Ot *t Ipg; pSpiitč $¥%¥jii m 5« "ir £j 4 (,